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Die deutsche Barocklyrik

Dichtung betrachtete man als höchste poetische Gattung, deshalb wird Dichter Deuter der Welt- und
Naturgeschehnisse.
Funktion der Lyrik war im Dienst der Gesellschaft. Eine Vielfalt der Gelegenheitsgedichte tauchen auf. Im
Sinne der Casualdichtung haben wir Geburts-, Taufen-, Hochzeits-, Krankheits-, Todes-, Namenstags-gedichte,
jede mögliche Gelegenheit.
Barocklyrik ist keine Erlebnislyrik – sie reflektiert über den allgemeinen Zustand der Welt, über die
Scheinhaftigkeit, Verdränglichkeit und Nichtigkeit des irdischen Lebens, allgemeingültige Behauptung, Lob
oder Lehre (alles ist eitel, nach der Übersetzung Luthers, eitel=nichtig).
Vorbilder waren lateinische, italienische, französische und niederländische Dichter.

Es gibt eine Fülle der lyrischen Formen: Meist verwendete Sprachfiguren sind:
Sonett Häufung der Substantive
Ode Antithese
Madrigal Klangmalerei
Elegie Oxymora
Sestine Pointierung des Schlusses
Epigramm/ Sinngedicht
Rondeau
Echogedicht
Figurengedicht

Stile in der barockischen Dichtung kommen aus Italien, aber auch von deutschen Poetikern.
Petrarkismus verbreitet sich unter dem Einfluss der Lyrik Francesco Petrarca (1304-1374) – seine Sonette sind
der Frau gewidmet. Frauenpreis, körperliche Schönheit, Unerfüllbarkeit der Liebe, Todeswunsch. Er gebraucht
auch mythologische Elemente.
Marinismus (Giambattista Marino, 1569-1625) ist typischer Barocklyriker der Zeit. Schwulst und manirische
Übertreibungen prägen seine Gedichte.
Opitzierung (Martin Opitz, 1597-1639) übt einen großen Einfluss mit den Poetikregeln, so dass man diese Zeit
auch Zeit des Opitzens nennt.

Parallel fließen geistliche und weltliche Lyrik.


WELTLICHE LYRIK – M.Opitz, P.Fleming, A.Gryphius, P.v.Zesen, F.v.Logau, C.H.v.Hofmanswaldau
M.O. ist eher ein Gelehrter als Dichter. Er besaß eine natürliche Begabung für Verskunst und Übersetzung. Aus
dem Italienischen und Französischem übersetzt er Gedichte der Pleiade, Tragödien Troerinnen und Antigone
von Seneca und Sophokles, Roman Argenis von J.Barclay und Oper Dafne von O.Rinuccini. Selbst schafft er
Roman Schäfferey von der Nimfen Hercinie und Lyriksammlungen Teutsche Poemata und Trostgedichte in
Widerwertigkeit deß Krieges.
P. F. bezeichnet die Höhepunkt der neulateinischen Lyrik: Liebesgedichte, Epigramme und Oden finden wir in
seiner Teutschen Poemata aus 1942. Die Alexandriner und Sonette, erotische Dichtungen sind Kulmination der
deutschsprachigen Petrarkismus. Leitmotive sind Beständigkeit/ constantia und Treue. Seine Themen sind auch
Krieg und Frieden, Reiselyrik von Russland und Persien. Er war Mitglied der schlesischen Schule, ein
Opitzianer. Ausserdem werden seine Gedichte populär und vertont (D.Pohle, J.S.Bach In allen meinen Taten).
DDR Schriftsteller Uwe Bergers hat die Erzählung Das Verhängnis oder die Liebe des Paul Fleming.
S. D. ist der bayrische Dichter des Kreises Königsberg, vorwiegend der Gelegenheitslyrik. Neben der weltlichen
Lyrik, schreibt er auch geistliche Gedichte. Berühmte ist Anke von Tharaw, volksliedhaftes Gedicht
verhochdeutscht von J.G.Herder. Sein Bürgerkreis sammelte sich in dem Garten Alberts, von dem er Klage über
den endlichen Vntergang und Ruinierung der musicalischen Kürbis-Hütte und des Gärtchens schuf.
A. G. wird zum Meister der wuchtigen Rhetorik. Berühmte Gedichte sind: Trawklage des verwüsteten
Deutschlandes (später Thränen des Vaterlandes Anno 1636). Ausserdem war er ein fruchtbarer Dichter der Oden
und Sonette, die je 4 Bücher veröffentlicht wurden: Lissaer Sonnete, Son- und Feyertagssonette, Das erste
Buch, Das Ander Buch; Odenbücher unter Einfluss Pindars, mit Religionsthemen, in volksliedhaften Tönen.
Daneben schreibt Gryphius Epigramme, Kirchenlieder mit Themen: menschliche Sündhaftigkeit, Schmerz,
Leiden an der Zeit, Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit alles irdischen Seins, christliche Heilserwartung.
Typisch für ihn ist pathetisch bewegte Rede: Es ist alles eitel.
P.v.Z. greift nach weltlicher, geistlicher, Gebrauchslyrik. Da sind Trauergedichte, Lieder und Gedichte über
Frühling, Liebe und Weisheit. Musik und Tanz sind die „wahren Schwester der Poesie“. Ein Gedicht ist für ihn
körperliches und akustisches Erlebnis. Oft sind da Begleitmelodien und Tanz im Rhythmus der Verse. Sein Stil
sind Lauteffekte, Lautsymbolik oder Lautanalogie, oft in Daktylus. Worte wurden zu bloßen Lautträgern.
F.v.L. ist für seine Epigrammen bzw.Sinngedichten berühmt geworden. Er produzierte Deutsche Sinngedichte
Drey Tausend aus 1654, veröffentlicht unter Pseudonym Salomon von Gohlaw/Logau. Es geht um 3560
Einzeltexte, die tagebuchartig chronologisch geordnet sind. Folglich schreibt er Gelegenheitsgedichte, in Form
und Themen vielfältig. Als Vorbild dient ihm Martial/ römischer Dichter Marcus Valerius Martialis. Seine
Epigramme sind satirisch und gegen der Hof- und Stadtwelt gerichtet, aber auch kriegs- und
konfessionskritisch.
C.H.v.H. gehört dem Spätbarock, der zweiten schlesischen Schule, auch Hochbarock genannt. Er schreibt in der
Tradition des Petrarca und Marino. Er ist „ein Erotiker mit dem schlechten Gewissen“ genannt wegen seiner
Liebeslyrik. Themen sind: sinnliche Liebe, sinnlicher Genuss. Gedichte sind erotisch und oft frivol erfärbt.
Motive: carpe diem, memento mori. Stil: Sonette, Oden, Epigramme. Seine Werke sind Heldenbriefe im Sinne
Heldentum der verbotenen Liebe. Den Ovids Heroides nach gibt er fiktive Liebesbriefe der 14 historischen
Liebespaare, jeder Brief 100 Alexandriner lang; immer im Vorwort mit dem schrecklichen Beispiel, wohin
Leidenschaft führen kann. Rezeption: Aufklärer wurden schockiert wegen Verschmähung und der klanglichen
Zier und Klangmalerei. Im Stile Marinismus verwendet er übermäßig u.a. Methaper.

GEISTLICHE LYRIK – P.Gerhardt, F.S.v.Langenfeld, J.Böhme, A.Silesius, C.R.v.Greiffenberg


Religiöse Dichtung wurde als Gebrauchslyrik geschaffen, als Bestandteil der Liturgie oder für private
Frömmigkeitsübung/ Hausandacht.
Formen: Sonett, Ode, Epigramm

PROTESTANTISCHE LYRIK – Themenbereich an Psalmen und biblische Stoffe begrenzt, volksliedhaft


P.G. gehört dem Höhepunkt der Kirchenliederwerke, seine Gedichte im volksliedehaften Ton gerieten an
Kirchengesangbüchern. Des zuversichtlichen, freudigen Tons sind Gedichte Nun ruhen alle Wälder, Befehl du
deine Wege.
KATHOLISCHE LYRIK – F.S.v.Langenfeld
Themenkreis und Gestaltung der Gedichte sind freier. Sprache ist in volkstümlicher Weise behandelt, nach Art
der Sänger des Mittelalters und für den Gesang bestimmt. Formen: Oden, Kirchenlieder, Eklogen (griech./ röm.
Bucolica, Auswahl, das Ausgewählte).
MYSTISCHE LYRIK - J.Böhme, A.Silesius, C.R.v.Greiffenberg
Barocke Mystik verbindet deutsche mittelalterliche Mystik mit Naturspekulationen und -philosophie. Dazu
kommen auch Platonismus und Neoplatonismus.
J.B. hatte eigenes geschichtsphilosophisches System der dualen Weltdeutung: Christ als Gott und Mensch, Natur
und Gott). Seine Werke sind gut empfingen unter Schelling, Novalis.
A.S. (Johannes Scheffler) ist ein fruchtbarer Epigrammdichter: Geistreiche Sinn- und Schlußreime, erweitert mit
Cherubinischer Wandersmann 1675. Thema: mystischer Weg zu Gott, Verhältnis des Menschen zu Gott und der
Ewigkeit. Stil: Pointierte Alexandriner-Epigramme: Gott lebt nicht ohne mich.
C.R.v.G. entwickelte ihren eigenen originellen Stil, v.a. geistliche Sonette, Lieder und Gedichte. Thema:
Gottesverehrung, Gefühle der Einsamkeit und soziale Isolation.

GALANTE LYRIK -
Der Ausdruck „galant“ wird im Sinne geistreich-gebildet betrachtet, modisch-modern, lebensklug. Die
Strömung entstand im Sinne gegen Auswüchse der barocken Manier – am Ende des 17.Jhs. und entfaltet den
goldenen Mittelweg. Man hält im Gebrauch der wuchenden Metaphorik zurück und nähert sich der natürlichen
Redeweise an.