Sie sind auf Seite 1von 2

Material II: Schutz der Menschenrechte

durch den Rechtsstaat

KOMMENTAR
Klagewelle gegen Corona-Beschränkungen: Gutes Zeichen
für den Rechtsstaat
VON FELIX SCHWIND

Seit Bekanntwerden der November-Einschränkungen gehen bei den Gerichten in


der Bundesrepublik immer mehr Anträge gegen die Lockdown-Verordnungen ein.
Ein gutes Zeichen, findet Rechtsexperte Felix Schwind, denn es zeige, dass wir in
einem Rechtsstaat leben.

Gerichte unter einer Flut von Eilanträgen


Die Zeiten sind nicht einfach. Es wird kälter, die Tage werden kürzer und dazu ist das
öffentliche Leben zum zweiten Mal in diesem Jahr weitreichenden Einschränkungen
unterworfen, die in der Geschichte der Bundesrepublik einmalig sind. Es ist nur logisch, dass
da die Gerichte mehr und mehr Aufmerksamkeit bekommen – viel mehr als ihnen lieb ist
wahrscheinlich.
Legen sie doch als Kontrollinstanz fest, ob das Beherbergungsverbot bleibt oder die
angemeldete Demo noch stattfinden darf. Aktuell geht wieder eine hohe Zahl an Eilanträgen
gegen die Corona-Maßnahmen bei den Verwaltungsgerichten ein. Und obwohl in den letzten
Monaten einige Corona-Maßnahmen durch Gerichtsbeschluss gekippt wurden, hält dies
manche nicht davon ab, so zu tun, als ob der Staat außer Rand und Band sei.

So funktioniert Gewaltenteilung
Diesem Unsinn muss man entschieden entgegentreten – denn wir sind nicht auf dem Weg in
eine Diktatur: Rechtsstaat und Gewaltenteilung funktionieren und die Bevölkerung ist mündig!
Jeder Gerichtsbeschluss, der eine Maßnahme kippt, zeigt dies. Denn keine Regierung und
keine Behörde kann, bevor sie eine Maßnahme erlässt, sicher sein, dass diese auch
verhältnismäßig ist. Der Staat ist nicht fehlerlos.
Aber zur Kontrolle gibt es ja die Gerichte. Und in diesem Sinne ist es auch gut, dass nicht
jedes Gericht gleich entscheidet. Deshalb dürfen sie entgegenstehende Rechte frei abwägen
und somit auch unterschiedliche Entscheidungen fällen. In einer Diktatur wäre dies anders,
hier würden die Gerichte gleichgeschaltet und zugunsten der Politik agieren. Wer deshalb die
Rückkehr der Diktatur heraufbeschwört, der ist blind für die Realität, weil er entweder wütend
ist oder sich ungerecht behandelt fühlt.

Rechtsstaat und Demokratie sind nicht außer Kraft gesetzt


Oder – noch schlimmer – er nutzt die Notsituation derer aus, die wirtschaftlich durch die
Corona-Krise schwer angeschlagen sind, um eine Plattform für seinen Unsinn zu bekommen.
Den Corona-Leugnern sage ich deshalb: Konntet Ihr nicht im August nach Berlin und
vergangenes Wochenende nach Leipzig zur Querdenker-Demo? Doch, konntet ihr! Und zwar,
weil wir eben in keiner Diktatur, sondern in einer Gesellschaft leben, in der die Grundrechte
ihre Bedeutung nicht eingebüßt haben.
Instrumentalisierung der Probleme durch Corona-Leugner
Euer Geschrei verhöhnt den Staatsapparat, der sein Möglichstes tut, um unser Land so
unbeschadet wie möglich durch diese Krise zu bringen. Allen anderen, die in ihrer Existenz
betroffen sind und die sich Sorgen um den Bestand ihre Rechte machen, sage ich: Verliert
nicht die Zuversicht! Der Rechtsstaat und die Gewaltenteilung funktionieren – auch wenn es
einige nicht wahrhaben wollen!

Aus: https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/klagewelle-gegen-corona-
beschraenkungen-gutes-zeichen-fuer-den-rechtsstaat-100.html [Letzter Zugriff: 7.02.21]

Arbeitsaufträge:
1. Erläutere anhand des Materials die Bedeutung des Rechtsstaates für den
Grundrechteschutz.
2. Diskutiere mit deinem Partner, ob das Recht auf Versammlungsfreiheit bei
fehlender Bereitschaft, Masken zu tragen, ausgesetzt werden sollte.