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DWA-M 229 Entwurf

Merkblatt DWA-M 229

Systeme zur Belüftung und Durchmischung von


Belebungsanlagen
Teil 1: Planung, Ausschreibung und Ausführung

Entwurf – 22.02.2010

2 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Merkblatt DWA-M 229

Systeme zur Belüftung und Durchmischung von


Belebungsanlagen
Teil 1: Planung, Ausschreibung und Ausführung

Entwurf

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 3


DWA-M 229 Entwurf

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V., DWA, ist in Deutschland
Sprecher für alle übergreifenden Wasserfragen und setzt sich intensiv für die Entwicklung einer sicheren
und nachhaltigen Wasserwirtschaft ein. Als politisch und wirtschaftlich unabhängige Organisation arbeitet
sie fachlich auf den Gebieten Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall und Bodenschutz.

In Europa ist die DWA die mitgliederstärkste Vereinigung auf diesem Gebiet und nimmt durch ihre fachli-
che Kompetenz bezüglich Normung, beruflicher Bildung und Information der Öffentlichkeit eine besonde-
re Stellung ein. Die rund 14.000 Mitglieder repräsentieren die Fachleute und Führungskräfte aus Kom-
munen, Hochschulen, Ingenieurbüros, Behörden und Unternehmen.

Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeiten liegt auf der Erarbeitung und Aktualisierung eines einheitlichen techni-
schen Regelwerkes sowie der Mitarbeit bei der Aufstellung fachspezifischer Normen auf nationaler und
internationaler Ebene. Hierzu gehören nicht nur die technisch-wissenschaftlichen Themen, sondern auch
die wirtschaftlichen und rechtlichen Belange des Umwelt- und Gewässerschutzes.

Impressum

Herausgeber und Vertrieb: Druck:

DWA Deutsche Vereinigung für XYXYXYXYXYXYXYXYXYXY


Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V.
Theodor-Heuss-Allee 17
53773 Hennef, Deutschland

Tel.: +49 2242 872-333 ISBN-13:


Fax: +49 2242 872-100 ISBN-10:
E-Mail: kundenzentrum@dwa.de
Internet: www.dwa.de Gedruckt auf 100 % Recyclingpapier.

© DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V., Hennef 2006

Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung in andere Sprachen, vorbehalten. Kein Teil dieses Merkblattes darf
ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers in irgendeiner Form – durch Fotokopie, Mikrofilm oder irgendein
anderes Verfahren – reproduziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsmaschinen,
verwendbare Sprache übertragen werden.

4 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Vorwort
Die Belüftung und Durchmischung von Belebungsanlagen zählen mit großem Abstand zu den größten
Energieverbrauchern einer Kläranlage. Je nach verfahrenstechnischer Auslegung einer Belebungsanlage
entfällt zwischen 50 und 80 % des Gesamtenergiebedarfs der Abwasserreinigung auf die Belüftung und
Durchmischung. Daher kommt einer energieeffizienten Planung nicht nur bei der erstmaligen Erstellung
einer Belebungsanlage, sondern zunehmend auch bei anstehenden Reinvestitionsmaßnahmen eine gro-
ße Bedeutung zu. In diesem Sinne will das vorliegende Merkblatt Hinweise zur verfahrens- und energie-
optimierten Auslegung von Belüftungs- und Durchmischungseinrichtungen bei Belebungsanlagen geben.

Das vorliegende Merkblatt greift die grundlegenden Ansätze zur Bemessung von Belebungsanlagen und
Ermittlung des Sauerstoffbedarfs aus dem Regelwerk der DWA auf und führt sie konsequent fort, in dem
mit Hilfe der für die jeweiligen Belüftungssysteme formulierten konkreten Bemessungsvorgaben eine
detaillierte Auslegung sowohl für Druckluft wie auch für Oberflächenbelüftungssysteme erfolgen kann.

Ein wesentlicher Schwerpunkt der inhaltlichen Gestaltung dieses Merkblattes liegt auf der detaillierten
Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen Belüftung und Durchmischung einschließlich konkre-
ter Hinweise zur Anordnung von Belüftungseinrichtungen und Durchmischungsaggregaten in Abhängig-
keit der Beckenform. Angesichts der vielfältigen Beckenformen von Belebungsanlagen ist es aber nicht
Ziel dieses Merkblattes, allgemein gültige Hinweise für jede mögliche Beckengeometrie zu geben, son-
dern vielmehr durch das Aufzeigen von möglichen Wechselwirkungen dem Planer Hinweise und Richtli-
nien zu vermitteln, die es ihm ermöglichen, eine entsprechend optimierte Lage für Durchmischung und
Belüftung festzulegen.

Auch wenn mit Hilfe des vorgelegten Merkblattes eine Auslegung der Belüftungs- und Durchmischungs-
einrichtungen von Belebungsanlagen ermöglicht wird, bedeutet eine verfahrenstechnisch und energetisch
optimierte Auslegung auch, dass gleichzeitig auch die Grundsätze der Automatisierung, insbesondere im
Hinblick auf die Nährstoffelimination, sowie die konkreten Hinweise zur Überprüfung der Garantiewerte
von Belüftungseinrichtungen beachtet werden. Insofern stellt dieses Merkblatt eine notwendige Ergän-
zung der im Regelwerk der DWA vorliegenden Merkblätter M 209 [20], M 265 [14] und M 268 [19] dar.

Der vorliegende erste Teil des Merkblattes befasst sich schwerpunktmäßig mit der Dimensionierung, der
konkreten Planung und Anordnung von Belüftungs- und Durchmischungseinrichtungen sowie deren Aus-
schreibung. Im zweiten Teil werden insbesondere die betrieblichen Aspekte im Zusammenhang mit der
regelmäßigen Wartung und Instandhaltung der Aggregate, der Überwachung der Leistungsfähigkeit und
Energieeffizienz sowie dem Erkennen des richtigen Zeitpunkts für eine mögliche Erneuerung und weitere
wichtige betriebliche Aspekte im Vordergrund stehen.

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 5


DWA-M 229 Entwurf

Verfasser
Dieses Merkblatt wurde von der DWA-Arbeitsgruppe KA-6.5 „Belüftung und Durchmischung“ des DWA-
Fachausschusses KA-6 „Aerobe biologische Abwasserreinigungsverfahren“ erstellt.

Der DWA-Arbeitsgruppe KA-6.5 gehören folgende Mitglieder an:

JARDIN, Norbert Prof. Dr.-Ing., Essen (Sprecher)


BAUMANN, Peter Dr.-Ing., Pforzheim
FREY, Wilhelm Dr.-Ing., Leobendorf
FRÖSE, Gero Dipl.-Ing., Braunschweig
HUNZE, Michaela PD Dr.-Ing. habil., Hannover
PETER-FRÖHLICH, Anton Dr.-Ing., Berlin
REICHERT, Joachim Dr.-Ing., Berlin
WAGNER, Martin Prof. Dr.-Ing., Darmstadt
WEICHGREBE, Dirk Dr.-Ing., Hannover

Projektbetreuer in der DWA-Bundesgeschäftsstelle:

Sabine Thaler Dipl.-Biol., Hennef,


Abteilung Wasserwirtschaft, Abfall und Boden

Frist zur Stellungnahme


Dieses Merkblatt wird bis zum

xx.Monat 2011

zur Diskussion gestellt. Stellungnahmen sind zu richten – gerne auch per E-Mail – an:

DWA
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.
Theodor-Heuss-Allee 17
53773 Hennef
reifenstuhl@dwa.de

6 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Inhalt
Vorwort ..................................................................................................................................................... 5

Verfasser ..................................................................................................................................................... 6

Bilderverzeichnis ......................................................................................................................................... 9

Tabellenverzeichnis .................................................................................................................................... 9

Benutzerhinweis ........................................................................................................................................ 10

1 Anwendungsbereich ................................................................................................................ 10

2 Begriffe ...................................................................................................................................... 10
2.1 Definitionen ................................................................................................................................. 10
2.1.1 Standard-Sauerstoffzufuhr in Reinwasser (Standard Oxygen Transfer Rate SOTR) ................ 10
2.1.2 Standard-Sauerstoffzufuhr in belebtem Schlamm (Standard Oxygen Transfer Rate αSOTR) .. 10
2.1.3 Sauerstoffertrag in Reinwasser (Standard Aeration Efficiency SAE) ......................................... 11
2.1.4 Sauerstoffertrag in belebtem Schlamm (Standard Aeration Efficiency αSAE) ........................... 11
2.1.5 Spezifische Standard-Sauerstoffausnutzung und spezifische Standard-Sauerstoffzufuhr
(Specific Standard Oxygen Transfer Efficency SSOTE)............................................................. 11
2.1.6 Belüftungskoeffizient ................................................................................................................... 11
2.1.7 α-Wert (Grenzflächenfaktor) ....................................................................................................... 11
2.1.8 Standard-Sauerstoffsättigungswert ............................................................................................. 12
2.1.9 Belegungsdichte .......................................................................................................................... 12
2.2 Kurzzeichen ................................................................................................................................ 12

3 Normative Verweisungen ........................................................................................................ 13

4 Belüftung .................................................................................................................................. 14
4.1 Arten von Belüftersystemen ........................................................................................................ 14
4.1.1 Allgemeines ................................................................................................................................. 14
4.1.2 Druckbelüftungssysteme ............................................................................................................. 14
4.1.3 Oberflächenbelüftungssysteme .................................................................................................. 18
4.1.4 Sondersysteme ........................................................................................................................... 19
4.2 Einflussparameter und Kennwerte von Belüftersystemen .......................................................... 21
4.2.1 Allgemeines ................................................................................................................................. 21
4.2.2 Eintauchtiefe ............................................................................................................................... 21
4.3 Dimensionierung von Belüftungssystemen ................................................................................. 22
4.3.1 Grundlagen ................................................................................................................................. 22
4.3.2 Druckluftbelüftungssysteme ........................................................................................................ 24
4.3.3 Oberflächenbelüftungssysteme .................................................................................................. 26
4.3.4 Sondersysteme ........................................................................................................................... 27

5 Durchmischung ........................................................................................................................ 28
5.1 Allgemeine Aufgaben .................................................................................................................. 28
5.2 Bauarten von Rührwerkssystemen ............................................................................................. 28

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 7


DWA-M 229 Entwurf

5.3 Einflussparameter und Kennwerte von Rührwerkssystemen ..................................................... 28


5.3.1 Allgemeines ................................................................................................................................. 29
5.3.2 Einflussgrößen ............................................................................................................................ 29
5.3.3 Kennwerte ................................................................................................................................... 29
5.4 Auslegungshinweise von Rührwerken in Belebungsbecken ...................................................... 30

6 Konstruktive Auslegung und Leistung von Belüftung und Durchmischung .................... 31


6.1 Allgemeines ................................................................................................................................. 31
6.2 Anordnung von Belüftungseinrichtungen und Rührwerken ........................................................ 31
6.2.1 Druckluftbelüftungssysteme ohne Rührwerke ............................................................................ 31
6.2.2 Druckluftbelüftungssysteme mit Rührwerken.............................................................................. 32
6.2.3 Oberflächenbelüftungssysteme .................................................................................................. 33
6.3 Hinweise zur Auslegung von Belüftersystemen im Bestand....................................................... 36

7 Mathematische Modellierung von Belüftung und Durchmischung .................................... 37

8 Wirtschaftlichkeit von Belüftungs- und Durchmischungssystemen.................................. 37


8.1 Allgemeines ................................................................................................................................. 37
8.2 Investitionskosten........................................................................................................................ 39
8.3 Laufende Kosten ......................................................................................................................... 39
8.4 Jahreskosten bzw. Projektkostenbarwerte ................................................................................. 40

9 Ausschreibung, Vergabe und Abnahme ............................................................................... 40


9.1 Inhalte der Ausschreibung .......................................................................................................... 40
9.1.1 Vorbemerkung............................................................................................................................. 40
9.1.2 Detaillierungsgrad der Ausschreibung ........................................................................................ 41
9.1.3 Garantiewerte .............................................................................................................................. 41
9.2 Vergabekriterien und Wertung .................................................................................................... 46
9.3 Abnahme ..................................................................................................................................... 47

10 Kosten- und Umweltauswirkungen ........................................................................................ 49

11 Literatur ..................................................................................................................................... 50

Anhang A Beispiele zur Bemessung von Belüftungssystemen ........................................................... 53

Anhang B Formblatt für die Zusammenstellung von Randbedingungen für Strömungssimulationen


für Belebungsbecken............................................................................................................... 64

Anhang C Umrechung der Belüfterbeaufschlagung von Standard- auf Betriebsbedingungen ........ 67

Anhang D Ermittlung der Mischenergie aus der eingetragenen Luft bei Druckluftbelüftung ........... 68

8 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Bilderverzeichnis
Bild 1: Schnitt durch ein Belebungsbecken mit einem Walzenbelüfter 18
Bild 2: Schnitt durch ein Belebungsbecken mit einem Kreiselbelüfter 19
Bild 3: Sauerstoffeintragsleistung in Abhängigkeit der Eintauchtiefe für einen Oberflächenbelüfter27
Bild 4: Sauerstoffertrag in Abhängigkeit der Eintauchtiefe für einen Oberflächenbelüfter 27
Bild 5: Weniger günstige (links) und günstige (rechts) Belüfteranordnung in Mischbecken 32
Bild 6: Walzenströmung an den Rändern eines Belüfterfeldes in Umlaufbecken 33
Bild 7: Anordnung von Belüfterelementen im Umlenkbereich von Umlaufbecken zur Verbesserung
der Durchströmung und des Sauerstoffeintrags 33
Bild 8: Abstand aufeinander folgender Walzenbelüfter mit gekennzeichneten Sauerstofffahnen 34
Bild 9: Anordnung von Walzenbelüftern 34
Bild 10: Beispielhafte Darstellung eines Belebungsbeckens mit Walzenbelüftern 34
Bild 11: Anordnung von Leitschild 35
Bild 12: Anordnung von Dämpfungsbalken in Ringbecken (Angabe in cm) 35
Bild 13: Anordnung von Kreiselbelüftern in quadratischen Becken 36
Bild 14: Anordnung von Kreiselbelüftern im Umlaufbecken 36
Bild 15: Kreiselbelüfter mit Stabilisator 36
Bild A.1: Entwicklung der Projektkostenbarwerte bei Variation der Preissteigerungsrate der
Stromkosten 62
Bild A.2: Entwicklung der Projektkostenbarwerte bei Variation des Realzinssatzes 62

Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Richtwerttabelle für Druckluftbelüftungssysteme (alle Werte für Reinwasserbedingungen) 24
Tabelle 2: Typische Beaufschlagung von Druckbelüfterelementen (Angaben des Luftvolumenstroms in
Normkubikmeter) 25
Tabelle 3: Richtwerttabelle für Oberflächenbelüftungssysteme (alle Werte in kg O2/kWh) 26
Tabelle 4: Leistungs- und Regelbereich von Oberflächenbelüftern 27
Tabelle 5: Kategorisierung der Durchmischungsaggregate 28
Tabelle 6: Empfohlene Nutzungsdauer (n) für Wirtschaftlichkeitsvergleiche 39
Tabelle A.1: Ausgangsdaten (Zulauf Belebung) der Bemessung der Belebungsanlage nach A 131 53
Tabelle A.2: Auslegung einer Druckluftbelüftung für die Beispielanlage A.1 (Auslegung jeweils nur für
ein Becken) 56
Tabelle A.3: Auslegung der Verdichterstation für die Beispielanlage A.1 (Auslegung jeweils nur für ein
Becken) 57
Tabelle A.4: Ergebnisübersicht der Bemessung für die vier betrachteten Lastfälle 57
Tabelle A.5: Auslegung einer Druckluftbelüftung für die Beispielanlage A.2 (Auslegung jeweils nur für
ein Becken) 59
Tabelle A.6: Auslegung der Verdichterstation für die Beispielanlage A.2 (Auslegung jeweils nur für ein
Becken) 60
Tabelle A.7: Ergebnisübersicht der Bemessung für die vier betrachteten Lastfälle 60
Tabelle A.8: Vergleich der Wirtschaftlichkeit von Druck- und Oberflächenbelüftungssystemen 63
Tabelle A.9: Zahlungsplan der Investitionen und Reinvestitionen für den Wirtschaftlichkeitsvergleich
einer Druck- und einer Oberflächenbelüftung 63

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 9


DWA-M 229 Entwurf

Benutzerhinweis
Dieses Merkblatt ist das Ergebnis ehrenamtlicher, technisch-wissenschaftlicher/wirtschaftlicher Ge-
meinschaftsarbeit, das nach den hierfür geltenden Grundsätzen (Satzung, Geschäftsordnung der
DWA und dem ATV-DVWK-A 400) zustande gekommen ist. Für dieses besteht nach der Rechts-
prechung eine tatsächliche Vermutung, dass es inhaltlich und fachlich richtig ist.

Jedermann steht die Anwendung des Merkblattes frei. Eine Pflicht zur Anwendung kann sich aber aus
Rechts- oder Verwaltungsvorschriften, Vertrag oder sonstigem Rechtsgrund ergeben.

Dieses Merkblatt ist eine wichtige, jedoch nicht die einzige Erkenntnisquelle für fachgerechte Lösun-
gen. Durch seine Anwendung entzieht sich niemand der Verantwortung für eigenes Handeln oder für
die richtige Anwendung im konkreten Fall; dies gilt insbesondere für den sachgerechten Umgang mit
den im Merkblatt aufgezeigten Spielräumen.

sertiefe im Belebungsbecken eingeschränkt,


1 Anwendungsbe- sodass auch eine Bemessung der Belüftung und
reich Durchmischung in tiefen Belebungsbecken mit
Wassertiefen von bis zu 17 m möglich ist.
Dieses Merkblatt gilt für Belüftungs- und Durch-
mischungseinrichtungen in kommunalen Bele-
bungsanlagen mit üblichen Feststoffgehalten im 2 Begriffe
Belebungsbecken von zwischen 2 und 5 g/l.
Eine Abgrenzung besteht gegenüber Membran-
belebungsanlagen, bei denen es gerade bei 2.1 Definitionen
hohen Feststoffgehalten zu einer deutlichen
Veränderung der Viskosität des belebten 2.1.1 Standard-Sauerstoffzufuhr in
Schlammes kommt. Die erhöhte Viskosität be- Reinwasser (Standard Oxygen
einflusst nicht nur den Sauerstoffübergang in Transfer Rate SOTR)
erheblichem Maße (α-Wert), sondern hat auch
starken Einfluss auf die Anordnung und Leistung SOTR (Standard Oxygen Transfer Rate) in kg/h
der Durchmischungsaggregate. Die Grundsätze ist die Masse [kg] an Sauerstoff, die von einer
der Auslegung von Belüftungs- und Durchmi- Belüftungseinrichtung beim Sauerstoffgehalt von
schungseinrichtungen können zwar auch auf C = 0 mg/l, bei einer Wassertemperatur von
Membranbelebungsanlagen übertragen werden, 20 °C und atmosphärischem Normaldruck
nicht jedoch die empfohlenen Dimensionie- (1013 hPa) in einer Stunde in einem mit Rein-
rungsgrößen, wie beispielsweise der Sauerstoff- wasser gefüllten Becken bestimmter Größe (V in
übergangsfaktor (α-Wert). 3
m ) gelöst wird. Es gilt:

Dieses Merkblatt gilt auch nicht für die Ausle- V ⋅ kL a20 ⋅ CS,20
SOTR = [kg/h] (1)
gung von Reinsauerstoffanlagen, für die bei- 1000
spielsweise in [Hegemann] umfangreiche Hin-
weise zur Auswahl und Dimensionierung geeig-
neter Belüftungseinrichtungen gegeben werden. 2.1.2 Standard-Sauerstoffzufuhr in
belebtem Schlamm (Standard
Die Gültigkeit der Dimensionierungs- und Ausle- Oxygen Transfer Rate αSOTR)
gungsempfehlungen für Belüftungs- und Durch-
mischungseinrichtungen in Belebungsanlagen in αSOTR in kg/h ist die Masse [kg] an Sauerstoff,
diesem Merkblatt wird weder durch die An- die von einer Belüftungseinrichtung beim Sauer-
schlussgröße der Anlage noch durch die Was- stoffgehalt von C = 0 mg/l, bei einer Wasser-

10 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

temperatur von 20 C und atmosphärischem Die spezifische Standard-Sauerstoffausnutzung


Normaldruck (1013 hPa) in einer Stunde in ei- SSOTE (Specific Standard Oxygen Transfer
nem mit belebtem Schlamm gefüllten Becken Efficency) in %/m ist ein Bezugswert, der zum
bestimmter Größe gelöst wird. Es gilt: Vergleich von Druckluft-Belüftungseinrichtungen
benutzt wird. Nach vielen Untersuchungen ist
V ⋅ αkL a20 ⋅ βCS,20 SSOTE bis zu Einblastiefen von ca. 7 m weitge-
αSOTR = [kg/h] (2)
1000 hend unabhängig von der Einblastiefe. Es gilt
3
mit QL,St [m /h], angesaugter trockener Luft bei
0 °C und 1013 hPa und der zugehörigen Dichte
2.1.3 Sauerstoffertrag in Reinwasser 3
des Sauerstoffs der Luft von 0,299 kg/m für die
(Standard Aeration Efficiency Sauerstoffausnutzung:
SAE)
100 ⋅ SOTR
SSOTE = [%/m] (5)
SAE (Standard Aeration Efficency) in kg/kWh ist hD ⋅ ( QL,St ⋅ 0,299 )
die Masse an Sauerstoff [kg], die pro Kilowatt-
stunde [kWh] einem mit Reinwasser gefüllten
Becken unter Standardbedingungen zugeführt Die spezifische Standard-Sauerstoffzufuhr
wird. SSOTR (Specific Standard Oxygen Transfer
3
Rate) in g/(mN · m) ist ein in Deutschland ge-
Die Leistungsaufnahme P [kW] der Belüftungs- bräuchlicher Bezugswert, für den die obigen
einrichtung ist ggf. einschließlich zugehöriger Vorgaben gelten:
Mischeinrichtungen zu bestimmen, es gilt: SOTR 3
SSOTR = ⋅ 1000 [g/(mN · m)] (6)
SOTR hD ⋅ QL,St
SAE = [kg/kWh] (3)
P
Aus Messungen in belebtem Schlamm ergibt
sich αSSOTE bzw. αSSOTR.
2.1.4 Sauerstoffertrag in belebtem
Schlamm (Standard Aeration
Efficiency αSAE) 2.1.6 Belüftungskoeffizient
-1
αSAE in kg/kWh ist die Masse an Sauerstoff Der Belüftungskoeffizient kLaT in h (bzw. 1/h)
[kg], die pro Kilowattstunde [kWh] einem mit ist der Kennwert für die in einem bestimmten
belebtem Schlamm gefüllten Becken unter Becken auf eine bestimmte Leistung eingestellte
Standardbedingungen zugeführt wird. Die Leis- Belüftungseinrichtung. Er wird aus dem Sauer-
tungsaufnahme P [kW] der Belüftungseinrich- stoffzufuhrversuch bei der Wassertemperatur im
tung ist ggf. einschließlich zugehöriger Mischein- Belebungsbecken TBB [°C] errechnet. Bei glei-
richtungen zu bestimmen, es gilt: cher Belüftungseinstellung steigt kLaT (bzw.
αkLaT) mit steigender Temperatur. Es gilt nach
αSOTR DIN EN 12255-15 [8]:
αSAE = [kg/kWh] (4)
P
kL a20 = kL aT ⋅ 1,024( 20 −TBB ) [1/h] (7)

2.1.5 Spezifische Standard-


Sauerstoffausnutzung und spe- 2.1.7 α-Wert (Grenzflächenfaktor)
zifische Standard-
Sauerstoffzufuhr (Specific Stan- Durch verschiedene Abwasserinhaltsstoffe, vor-
dard Oxygen Transfer Efficency rangig grenzflächenaktive Stoffe, wird bei sonst
SSOTE) gleichen Bedingungen insbesondere bei Belüf-
tung mit Druckluft kLaT im Abwasser bzw. beleb-
In DIN EN 12255-15 [8] wird für beide Begriffe ten Schlamm meist kleiner als in Reinwasser.
das gleiche Kurzzeichen SSOTE verwendet. In Zum Vergleich dient der α-Wert, er ist definiert
diesem Merkblatt wird wie folgt unterschieden: als:

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 11


DWA-M 229 Entwurf
3
kL a20 in belebtem Schlamm ρ1 kg/m Dichte im Ansaugzustand:
α= [-] (8) TN p − ϕ ⋅ pS
kL a20 in Re inwasser ρN ⋅ ⋅ 1,abs + ϕ ⋅ ρS
TN + TL,1 pN ,abs
3
ρN kg/m Dichte der Luft unter Stan-
Beide kLa20-Werte müssen dabei im gleichen dardbedingungen: 1,293
Becken mit der gleichen Belüftungseinrichtung θ Temperaturkoeffizient:
und mit gleicher Belüftungsintensität bestimmt 1,024
werden, weil α nicht nur von der Abwasserbe- ϕ % Relative Luftfeuchtigkeit
schaffenheit, sondern in stärkerem Maße vom ηFU - Wirkungsgrad des Frequen-
Belüftungssystem abhängt [25] zumformers
ηMot - Wirkungsgrad des An-
triebsmotors
2.1.8 Standard-
Sauerstoffsättigungswert ηges - Gesamtwirkungsgrad des
Elektroantriebs:
ηFU · ηMot
Der Standard-Sauerstoffsättigungswert CS,St,T in
ηV - Volumetrischer Wirkungs-
mg/l stellt sich in Wasser bei konstanter und grad des Gebläses
gleicher Temperatur von Wasser und wasserge- Q1
sättigter Luft bei einem Druck von 1013 hPa ein. Q0

Standard-Sättigungswerte sind in DIN EN 25814 ηVer - Wirkungsgrad des Gebläses


tabelliert [2]. Q1 ⋅ ρ1 ⋅ Yad
60 ⋅ PK
2
ABB m Grundfläche des Bele-
2.1.9 Belegungsdichte bungsbeckens
2
aBel m Abgasungsfläche eines
Die Belegungsdichte (BD) ergibt sich als Ver- Belüfterelements
hältnis der abgasenden Fläche der Belüfter aBelüfter m
2
Abgasungsfläche eines
(nBel · aBel) durch die Beckengrundfläche (ABB). Belüfterelements
Bei Rohrbelüftern wird nur die abgasende Ober- CS,20 mg/l Sauerstoffsättigungskon-
fläche berücksichtigt, bei Membran- zentration bei 20°C
Rohrbelüftern beispielsweise nur die perforierte CS,T mg/l Sauerstoffsättigungskon-
Oberfläche. zentration bei T°C:
2234 ,34
n ⋅a (TBB + 45 ,93 )1,31403
BD = Bel Bel
ABB Cx mg/l Sauerstoffkonzentration im
Die Belegungsdichte wird grundsätzlich nur für Belebungsbecken
Becken mit flächendeckender Belüftung ange- fd - Tiefenfaktor bei der Druck-
luftbelüftung:
geben und kann in Abhängigkeit der verfahrens- hD
technischen Funktion der Becken (Selektor, 1+
20,7
reiner Kohlenstoffabbau, Nitrifkation, simultan Tiefenfaktor bei der Ober-
aerobe Schlammstabilisierung) Werte zwischen flächenbelüftung:
hBB
5 und 25 % annehmen. 1+
150

hBB m Wassertiefe
2.2 Kurzzeichen hD M Einblastiefe
hgeo m.ü.NN Geodätische Höhe, auf der
Kurzzei- Einheit Erläuterung das Belüftungssystems
chen installiert ist
-1
k La T h Belüftungskoeffizient für
α - α-Wert (Grenzflächenfaktor) Reinwasser bei T [°C]
β Salzfaktor αkLaT h
-1
Belüftungskoeffizient in
ρS % Wasserdampfdichte im belebtem Schlamm bei T
Sättigungszustand: [°C]
pS ⋅ 0,018015
nBel - Anzahl der Belüfterelemente
8,314 ⋅ ( 273 ,15 + TL,1 )
nG U/min Gebläsedrehzahl

12 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

OVh,max kg/h Maximaler stündlicher Sau- Belebungsbeckenvolumen


erstoffbedarf SAE kg/kWh Sauerstoffertrag in Rein-
OVh,mittel kg/h Mittlerer stündlicher Sauer- wasser (Standard Aeration
stoffbedarf Efficiency)
OVh,min kg/h Minimaler stündlicher Sau- αSAE kg/kWh Sauerstoffertrag in belebtem
erstoffbedarf Schlamm (Standard Aerati-
on Efficiency)
P kW Leistung
SOTR kg/h Standard-Sauerstoffzufuhr
∆p hPa Erforderliche Druckerhö- in Reinwasser (Standard
hung Oxygen Transfer Rate)
∆ p1 hPa Druckverlust auf der Saug- αSOTR kg/h Standard-Sauerstoffzufuhr
seite in belebtem Schlamm
p1,abs hPa Absoluter Druck auf der (Standard Oxygen Transfer
Saugseite des Gebläses Rate)
patm – ∆ p1 SSOTE %/m Spezifische Standard-
p2,abs hPa Absoluter Druck auf der Sauerstoffausnutzung und
Druckseite des Gebläses spezifische Standard-
p1,abs + ∆ p Sauerstoffzufuhr (Specific
Standard Oxygen Transfer
patm hPa Atmosphärischer Luftdruck Efficency)
pN hPa Luftdruck unter Standard- SSOTR
3
g/(m N·m) spezifische Standard-
bedingungen: 1013,25 hPa Sauerstoffzufuhr SSOTR
3
PBB W/m BB Spezifische Mischenergie (Specific Standard Oxygen
im Belebungsbecken Transfer Rate)
PK kW Kupplungsleistung ∆ tth °C Temperaturerhöhung durch
Q0 ⋅ ∆ p
+ PV
das Gebläse
600
TBB °C Maßgebende Temperatur
PN kW Netzleistung im Belebungsbecken
PK
η ges
TL,1 °C Temperatur der angesaug-
ten Luft (auf der Saugseite
pS hPa Sättigungsdampfdruck des Gebläses)
17,62 ⋅ TL,1
6,112 ⋅ EXP ( ) TL,2 °C Temperatur der komprimier-
243,12 + TL,1
ten Luft (auf der Druckseite
Pth kW Verdichterleistung des Gebläses)
Q0 ⋅ ∆ p
TN K 273,15 K, Gefrierpunkt von
600
Wasser bei Normaldruck
PV kW Verlustleistung (T = 0°C)
q0 l/U theoretisches Fördervolu- Tw °C Wassertemperatur
men 3
V m Volumen des Belebungsbe-
3
Q0 m /h theoretischer Ansaugvolu- ckens
menstrom Yad kW Volumenänderungsarbeit
Q1 + QV 1,4 −1
 
3  p 2,abs  1,4 
Q1 m /h Volumenstrom der ange- 1,4 ⋅ 287,12 ⋅ (TN + TL,1 ) ⋅   − 1
 
saugten Luft  p1,abs  
 
3
QV m /h Verlustvolumenstrom (1,4 − 1) ⋅ 1000
1,293 ⋅ ∆ p
Q V100 ⋅
100 ⋅ ρ1
3
QV100 m /h Verlustvolumenstrom bei
100 hPa 3 Normative Verwei-
3
QL,St mN /h Norm-Luftvolumenstrom
und Standardbedingungen sungen
(T = 20°C, p = 1013 hPa,
C = 0 mg/l) Im Rahmen der Merkblatterarbeitung wurden die
3
qL,Bel mN / Spezifischer Luftvolumen- europäischen und deutschen Normen weitest-
(Stück·h) strom je Belüfterelement gehend berücksichtigt. Eine umfassende Zu-
3
qL,BB mN / Spezifischer Luftvolumen- sammenstellung aller verwendeten Normen
3
(m BB·h) strom bezogen auf das findet sich im Literaturverzeichnis (Kapitel 11.1).

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 13


DWA-M 229 Entwurf

bis zu 5 g O2 pro m³ Luft und m Einblastiefe


4 Belüftung ab.
• Turbulenz in der Phasengrenzschicht:
4.1 Arten von Belüftersystemen
Der Transport des Sauerstoffs aus der Luft-
blase in das Wasser erfolgt in mehreren Teil-
4.1.1 Allgemeines schritten. Ein wesentlicher Teilschritt ist die
Transportgeschwindigkeit des Sauerstoffs
Die Aufgabe von Belüftungssystemen ist es, den von der Phasengrenzfläche durch die Pha-
für den Stoffwechsel der aeroben Mikroorganis- sengrenzschicht in den Wasserkörper. Diese
men benötigten Sauerstoff in das Belebungsbe- wird durch die Bewegung der Wasserteilchen
cken einzutragen. Dazu werden Druckbelüf- in der Phasengrenzschicht beeinflusst [z.B.
tungssysteme und Oberflächenbelüftungssys- 26].
teme eingesetzt.
• Aufenthaltszeit der Blasen im Wasser:
Unter dem Begriff Belüftungssystem sind alle Je größer die Aufenthaltszeit der Luftblasen
Komponenten zu verstehen, die erforderlich im Wasser ist, desto mehr Sauerstoff kann
sind, um den Sauerstoff in das Becken einzutra- übertragen werden. Die Aufenthaltszeit der
gen. Blasen im Wasser ist von drei Faktoren ab-
hängig – Steiggeschwindigkeit der Luftbla-
sen, der Wassertiefe und der vertikalen
4.1.2 Druckbelüftungssysteme Wasserbewegung.
Luftblasen (2 – 10 mm) steigen in ruhendem
4.1.2.1 Sauerstoffübergang Wasser nach einer kurzen Beschleunigungs-
strecke mit einer praktisch konstanten Ge-
Bei Druckbelüftungssystemen erfolgt der Sauer- schwindigkeit von 25 cm/s auf. Bei ungünsti-
stoffübergang durch die im Wasser aufsteigen- ger Belüfterverteilung treten aufwärts gerich-
den Luftblasen. Es wird immer nur ein Teil des tete Strömungen im Belebungsbecken auf.
enthaltenen Sauerstoffs in das Wasser übertra- Durch die Überlagerung der Blasenauf-
gen. In Sonderfällen kann auch technisch reiner stiegsgeschwindigkeit mit der Aufströmge-
Sauerstoff eingeblasen werden. Wie viel Sauer- schwindigkeit des Wassers wird die Aufent-
stoff übertragen wird, ist von verschiedenen haltszeit der Blase im Wasser verkürzt und
Einflussfaktoren abhängig, z.B.: damit die Sauerstoffzufuhr verringert.
• Blasengröße:
Die ins Abwasser übertragene Sauerstoff- Beispiel: Bei einer Einblastiefe von 4 m blei-
menge ist umso größer, je größer die durch ben die Blasen ca. 16 Sekunden im Wasser.
die Oberfläche der Luftblasen gebildete Sind Strömungswalzen mit einer Vertikalge-
Grenzfläche zwischen Luft und Abwasser ist. schwindigkeit von z.B. 20 cm/s im Becken
Je kleiner die einzelnen Luftblasen sind, um- vorhanden bewegen sich die Luftblasen mit
so größer ist die Gesamtoberfläche der Luft- einer Absolutgeschwindigkeit von 45 cm/s
blasen (z.B. hat 1 m³ Luft bei einer mittleren nach oben. Dadurch sinkt die Aufenthaltszeit
Blasengröße von 3 mm eine Oberfläche von der Luftblasen auf ca. 9 Sekunden und die
2000 m², der selbe Kubikmeter Luft hat bei Sauerstoffzufuhr geht deutlich zurück (typi-
einem mittleren Blasendurchmesser von scher Wert: minus 30 %).
1 cm nur eine Oberfläche von 600 m²).
In einem Kubikmeter Luft sind im Normzu- • Gelöst Sauerstoffkonzentration:
stand (1013 hPa und 0°C) etwa 300 g O2 Die pro Zeiteinheit transportierte Sauerstoff-
enthalten. Wenn 1 m³ Druckluft durch Rein- masse ist direkt proportional der Differenz
wasser einen Meter aufsteigt, werden bei zwischen dem Sättigungswert minus aktuel-
feinblasiger Belüftung (Blasengröße 2 – lem Sauerstoffgehalt (Sättigungsdeffizit =
5 mm) bis zu 25 g O2 in sauerstofffreies treibende Kraft für den Stofftausch). Je grö-
Wasser übertragen. Bei zunehmender Bla- ßer der aktuelle Sauerstoffgehalt im Bele-
sengröße sinkt der Sauerstoffübergang auf bungsbecken ist, desto kleiner wird die Sau-

14 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

erstoffzufuhr. Die größte Sauerstoffzufuhr tritt re Blasen können erzeugt werden. Dadurch
daher bei einem gelöst Sauerstoffgehalt von steigt aber auch die Verstopfungsanfälligkeit.
0 mg/l auf. Elemente aus keramischem Material und mine-
ralischen Körnern haben einen vergleichsweise
• Temperatur:
geringen Druckverlust, weil die Poren immer
Mit steigender Temperatur im Belebungsbe-
offen sind und nicht erst eine Membran durch
cken sinkt der Sättigungswert und steigt der
einen Vordruck gedehnt werden muss (typischer
Belüftungskoeffizient. Details können dem
erforderlicher Mindestdruck zur Öffnung der
DWA-Merkblatt M 209 [20] entnommen wer-
Poren bei EPDM-Membranen: ca. 15 hPa). Sie
den. Steigt die Temperatur von 10 auf 20°C,
sind nicht für intermittierenden Betrieb geeignet.
so erhöht sich die Standard-Sauerstoffzufuhr
Beim Abstellen der Luft sinkt der Druck im Belüf-
in Reinwasser um ca. 2 %.
terelement auf den Wasserdruck ab und beleb-
• Abwasserinhaltsstoffe: ter Schlamm kann in die Poren eindringen. Wird
In Abwasser wird gegenüber Reinwasser der die Luft wieder angestellt, wird nur ein Teil des
Sauerstoffeintrag verändert. Von Einfluss Schlammes wieder verdrängt, wodurch es zu
sind, neben den Feststoffen (belebter einer Erhöhung des Druckverlustes kommt.
Schlamm), grenzflächenaktive Stoffe (z.B.
Waschmitteltenside) und Salze. Diese Stoffe Zur Herstellung von Belüfterelementen aus
beeinflussen unter anderem die Blasenbil- Hartkunststoffgranulat (z.B. Hochdruckpo-
dung, die Aufstiegsbewegung der Blasen im lyethylen) werden die Körner gesintert oder ver-
Wasser und die Blasenkoaleszenz (Zusam- klebt. Üblicherweise haben diese Elemente eine
menschließen kleinerer zu größeren Blasen). gröbere Körnung als die vorgenannten Systeme,
wodurch die Blasengröße steigt. Gleichzeitig
Mit steigendem Salzgehalt wird die Koales-
nimmt die Verstopfungsneigung ab. Auch sie
zenzneigung der Blasen geringer und die
sind jedoch nicht für einen intermittierenden
Sauerstoffzufuhr steigt [z.B. 20, 52]. Bei An-
Betrieb geeignet.
wesenheit von geringen Mengen an Tensi-
den wird die Sauerstoffzufuhr deutlich redu-
Für Belüfterelemente aus Elastomeren (auch
ziert [50]. In der Regel werden bei feinblasi-
Membranbelüfter genannt) kommen folgende
ger Belüftung im Abwasser nur etwa 40 –
Materialien zum Einsatz:
70 % der Sauerstoffzufuhr in Reinwasser er-
reicht. Bei größeren Blasen ist der Einfluss • EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Terpolymer)
des Abwassers wesentlich schwächer, d.h. • PU (Polyurethan)
es werden 80 – 90 % der Ausnutzung im
Reinwasser erreicht. • Silikon

Bei Oberflächenbelüftern kann mit 90 – Das schwarze EPDM wird seit vielen Jahren
100 % der Reinwassersauerstoffzufuhr in eingesetzt. Ein großer Vorteil von EPDM ist
Abwasser gerechnet werden. seine hohe mechanische Festigkeit und weitge-
hende chemische Beständigkeit. EPDM ist kein
„reiner“ Kunststoff, sondern besteht aus einigen
4.1.2.2 Material von Belüfterelementen „Zutaten“. Je nach Rezeptur und Verarbeitung
ergeben sich große Unterschiede in den Ge-
Für die Herstellung von Belüfterelementen wer- brauchseigenschaften, die sich insbesondere
den Keramik, mineralisches Granulat, Hart- auf die Härte, die Reißfestigkeit, -dehnung, den
kunststoffgranulat und Elastomere eingesetzt. Weiterreißwiderstand und die Beständigkeit
gegen chemischen Angriff sowie Temperatur
Die Formgebung von keramischen Belüf- beziehen. Ein im Betrieb auftretendes Problem
terelementen kann durch mechanisches Bear- kann das durch mikrobielle Abbauprozesse ver-
beiten von Rohlingen erfolgen. Mineralische ursachte Herauslösen der im EPDM vorhande-
Körnern werden mit Klebstoff vermengt und in nen Weichmacher und die dadurch eintretende
Form gepresst. Je feiner die Körnung ist, desto Versprödung des Materials („Alterung)“ sein. Als
kleinere Hohlräume entstehen und desto kleine- Reaktion darauf werden auch „weichmacherar-

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 15


DWA-M 229 Entwurf

me“ EPDM-Membranen angeboten, für die noch • Dombelüfter (Keramik, mineralische Kör-
wenige Langzeit-Betriebserfahrungen vorliegen. ner):
Der anfängliche Druckverlust nach der Installati- Durchmesser: 200 mm
on von EPDM-Belüftern liegt je nach Bauform
• Tellerbelüfter (Keramik, mineralische Kör-
und Luftbeaufschlagung im Neuzustand bei 20 -
ner, Elastomere):
40 hPa.
Durchmesser: 200 - 500 mm
Polyurethan (PU) wird als dünne Folie (0,5 – • Plattenbelüfter (Elastomere):
1 mm) verwendet. Es ist sehr reißfest und gegen Breite · Länge: 100 mm · 500 mm bis
viele Chemikalien beständig. Mit feiner Nade- 1000 mm · 5000 mm
lung können mit diesem Material sehr kleine
Blasen (< 1 mm) erzeugt werden. Der Druckver- Die Grundkörper bei Membranbelüftern beste-
lust ist dann aber deutlich höher als bei anderen hen in der Regel aus Kunststoff und besitzen
Systemen (typischer Wert im Neuzustand: eine Drossel und/oder eine Rückschlagsiche-
60 hPa). rung. Die Drossel reduziert den Luftdurchsatz,
falls die Membran beschädigt wird. Die Rück-
Silikon wird erst seit wenigen Jahren für Ab- schlagsicherung verhindert das Eindringen von
wasserbelüfter eingesetzt. Es wird mit einer Wasser (und Schlamm) in das Rohrleitungssys-
Materialstärke von 1 – 3 mm hergestellt. Ein tem bei Beschädigungen der Membran oder bei
Nachteil kann die geringere Weiterreißfestigkeit intermittierendem Betrieb.
im Vergleich zu anderen Elastomeren sein. Sili-
kon wird häufig an Schlauchbelüftern verbaut,
4.1.2.4 Drucklufterzeuger für die Ab-
da hier die wenigsten Probleme mit Rissen auf-
wasserbelüftung
treten. Silikon ist chemisch sehr beständig und
wird daher auch in Industriekläranlagen oder
Je nach der vorhandenen Einblastiefe und dem
Anlagen mit hohem Industrie- und Gewerbean-
erforderlichen Luftvolumenstrom kommen in der
teil eingesetzt. Der Druckverlust ist liegt je nach
Abwassertechnik folgende Typen von Druckluf-
Bauform und Luftbeaufschlagung im Neuzu-
terzeugern zum Einsatz:
stand bei 20 – 40 hPa.
• Drehkolbengebläse (zwei- und dreiflügelig):
Alle auf Elastomeren basierenden Belüftungs- maximale Druckdifferenz: ca. 900 hPa,
3
elemente sind für den intermittierenden Betrieb Luftvolumenstrom bis ca. 3.000 m /h,
geeignet, da sie beim Abschalten selbstabdich- Funktionsprinzip: Verdrängungsprinzip.
tend sind.
Die Luft wird quer zu den Kolbenwellen durch
das Gehäuse gefördert und auf der Drucksei-
4.1.2.3 Bauformen von Belüfterelemen- te durch die gegenläufigen Kolben, die mit
ten gleicher Drehzahl laufen, aus dem Gehäuse
hinausgeschoben. Der Förderstrom pulsiert
Die häufigsten Bauformen von Belüfterelemen- konstruktionsbedingt bei zweiflügeligen Ge-
ten sind: bläsen stärker als bei dreiflügeligen.
• Rohrbelüfter (Keramik, mineralische Körner,
• Drehkolbenverdichter:
Elastomere mit Stützkörper):
maximale Druckdifferenz: ca. 1.500 hPa
Durchmesser: 50 - 100 mm; Länge: 500 –
Luftvolumenstrom bis ca. 4.000 m³/h
1000 mm
Funktionsprinzip: Verdrängungsprinzip.
• Schlauchbelüfter ohne Stützkörper
Eine neue Entwicklung im Bereich der Luft-
(Elastomere):
förderung stellt die Kombination aus Dreh-
Durchmesser: 50 - 100 mm; Länge: 500 –
kolbengebläse und Schraubenverdichter dar.
1000 mm (in Ausnahmefällen auch bis zu
Gegenüber reinen Drehkolbengebläsen ist
5 m)
der Energiebedarf bei gleicher Luftförderleis-
tung bis zu 15 % geringer.

16 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

• Schraubenverdichter: 4.1.2.5 Rohrleitungen und Armaturen


maximale Druckdifferenz: ca. 3.000 hPa
Luftvolumenstrom bis ca. 8.000 m³/h Für den Transport der verdichteten Luft vom
Funktionsprinzip: Verdrängungsprinzip. Gebläse zu den Belüfterelementen sind Trans-
port- und Verteilleitungen vorzusehen. Um die
Die Luft wird parallel zu den Kolbenwellen
Energieverluste möglichst gering zu halten, soll-
durch das Gehäuse gefördert. Die positiv und
ten die Rohrdimensionen so ausgewählt wer-
negativ ausgeformten Kolben laufen mit un-
den, dass der Druckverlust im gesamten Lei-
terschiedlicher Drehzahl. Dadurch erfolgt be-
tungssystem - d.h. von den Gebläsen bis zu den
reits im Gehäuse eine Verdichtung der Luft
Belüftern einen Wert von 40 bis 50 hPa nicht
und der Förderstrom ist weitgehend pulsati-
überschreitet.
onsfrei.
Besondere Sorgfalt ist bei der Auswahl und
• Turboverdichter (einstufig):
beim Einbau von Einrichtungen zur Messung
maximale Druckdifferenz: 1.500 hPa
des Luftvolumenstromes erforderlich. Hinweise
Luftvolumenstrom bis ca. 30.000 m³/h
zur richtigen Auslegung der Vor- und Nachlauf-
Funktionsprinzip: Turbogebläse arbeiten
strecken bzw. Plausibilitätsprüfung/Kalibrierung
nach dem Strömungsprinzip der hydrodyna-
der Messeinrichtungen sind beispielsweise dem
mischen Förderung ähnlich wie Kreiselpum-
ATV-DVWK-M 264 zu entnehmen [17]. Werden
pen
Drosselgeräte zur Bestimmung des Luftvolu-
Die Luft strömt zentrisch über das Vorleitgit- menstromes (z.B. Blenden, Düsen oder Venturi-
ter in das Laufrad, wird von diesem be- Düsen gemäß DIN EN-ISO 5167 Teil 1 bis 4 [4,
schleunigt und radial über das Nachleitgitter 5, 6, 7]) eingesetzt, so ist deren Regelbereich
in das Spiralgehäuse gefördert. Die verdich- sorgfältig zu bestimmen. Da der Wirkdruck mit
tete Luft strömt pulsationsfrei über den dem Durchfluss quadratisch ansteigt, kommt der
Druckstutzen in die Rohrleitung. Das Laufrad richtigen Auslegung dieser Einrichtungen be-
dreht sich mit hoher, konstanter Drehzahl sondere Bedeutung zu. Auch ist auf die Größe
(typischer Wert: 17.000 U/min). Der Luftvo- des Druckverlustes von ggf. erforderlichen
lumenstrom wird über eine Verstellung der Strömungsgleichrichtern und/oder Reduzierun-
Leitapparate variiert. gen zu achten.

• Schnelllaufende Turboverdichter (einstu- Zur Veränderung des Luftvolumenstromes


fig): kommen unterschiedliche Schieberkonstruktio-
maximale Druckdifferenz: ca.1.200 hPa nen zum Einsatz (z.B. Blendenregulierschieber).
Luftvolumenstrom bis ca. 10.000 m³/h, Bei gleichzeitiger Nutzung eines Blendenregu-
Funktionsprinzip: wie Turboverdichter. lierschiebers als Drosselorgan ist auf die er-
reichbare Genauigkeit in Abhängigkeit des er-
Das magnetgelagerte Laufrad dreht sich mit
zielbaren Differenzdruckes und des bleibenden
sehr hoher, variabler Drehzahl (typischer
Druckverlustes zu achten (siehe EN-ISO 5167
Wert: bis zu 40.000 U/min). Die Regelung
[4, 5, 6, 7]).
des Luftvolumenstromes erfolgt durch Dreh-
zahländerung des Hochgeschwindigkeitsmo-
Spätestens bei der Werkplanung sind die Eigen-
tors, der über einen speziellen Frequenzum-
frequenz des Rohrleitungssystems (bzw. Ab-
richter angesteuert wird.
schnitten davon) und die vorhandenen Erreger-
frequenzen (z.B. durch das Gebläse) zu ermit-
Darüber hinaus werden insbesondere im Aus- teln, um Lärmprobleme mit Resonanzfrequen-
land mehrstufige Seitenkanalverdichter (Radial- zen zu vermeiden. Nachträglich ausgeführte
verdichter) eingesetzt. Im Vergleich zu den oben Dämm-Maßnahmen sind meist erheblich ineffek-
aufgeführten Drucklufterzeuger weisen diese tiver und teurer als entsprechend optimierte
jedoch einen deutlich geringeren Wirkungsgrad Leitungen [51].
auf.
Die Absperr- und Regelarmaturen sind gemäß
den Anforderungen an die Automatisierung der

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 17


DWA-M 229 Entwurf

Luftverteilung bei Minimierung der Druckverluste Belüfter an der Wasseroberfläche, wobei sich
(siehe oben) anzuordnen. Insbesondere bei die Mechanismen im Einzelnen bei Kreisel- und
Druck- oder luftvolumenbasierten Automatisie- Walzenbelüfter (Rotoren) etwas unterscheiden.
rungslösungen mit einer sauerstoffgeführten, Neben dem Sauerstoffeintrag erzeugen Oberflä-
lokalen Drosselregelung der Schieber ist darauf chenbelüfter auch ein Strömungsfeld, wodurch
zu achten, dass die Schieber auch kleine Luft- der belebte Schlamm und die Inhaltsstoffe des
mengen sachgerecht verteilen können. Dazu Abwassers miteinander vermischt und
haben sich im Gegensatz zu Plattenschiebern Schlammablagerungen verhindert werden. Ein
vor allem Mehreck- oder Irisblendenschieber Oberflächenbelüftungssystem besteht aus dem
bewährt. Ist durch die Regelschieber – wie bei Belüfterrotor, einem Getriebe und dem An-
der intermittierenden N /DN - ein sicherer Luft- triebsmotor. Dabei wird zwischen Systemen mit
abschluss zu gewährleisten, werden in der Re- horizontaler Achse (Walzenbelüfter) und solchen
gel Mehreckschieber zum Einsatz kommen. mit vertikaler Achse (Kreiselbelüfter) unterschie-
den.
Es wird auch empfohlen, Entwässerungsleitun-
gen vorzusehen und diese für eine regelmäßige
4.1.3.2 Walzenbelüfter (Rotoren)
Kontrolle in einfacher Weise zugänglich zu ma-
chen. Manche Systeme (Platten und Rohrbelüf-
Walzenbelüfter (vgl. Bild 1) bestehen aus einer
ter) verzichten häufig auf Entwässerungsleitun-
horizontalen Hohlwelle mit daran befestigten
gen, weil das Wasser auch über den Belüfter
Flachstäben (Stahl oder glasfaserverstärkter
selbst austreten kann. Diese Vorgehensweise ist
Kunststoff), die in Form von „Sternen“ angeord-
im Einzelfall kritisch zu hinterfragen.
net sind. Die Bestückung besteht aus mehreren
achsparallelen Reihen, die geringfügig versetzt
4.1.2.6 EMSR angeordnet sind, um einen geräuscharmen und
stoßfreien Betrieb zu gewährleisten.
Für die Automatisierung der Belüftung stehen in
Abhängigkeit der Anlagenkonfiguration eine
große Zahl von Steuer- und Regelstrategien Abdeckung
unter Einbindung von kontinuierlichen Messge-
räten zur Verfügung (vgl. DWA-M 268 [19],
DWA-M 265 [14], DWA-M 256 [16]). Vorzuzie-
hen ist bei größeren Anlagen mit Druckluftbelüf-
tung eine belastungsabhängige und druckopti- Bremswand Leitwand
mierte Regelung der Sauerstoffzufuhr. Eine
genaue, frühzeitige Abstimmung der aus der Bild 1: Schnitt durch ein Belebungsbecken mit
Bemessung und Auslegung bestimmten klär- einem Walzenbelüfter
technischen Elemente (Belüfterfläche, Verdich-
ter, Luftverteilung, Regelarmaturen) mit der ge- Der Antrieb des Walzenbelüfters erfolgt über
planten Automatisierungslösung ist dabei von eine elastische Torsionskupplung zwischen
hoher Bedeutung. Da beide Gewerke in der Hohlwelle und Getriebe. Walzenbelüfter werden
Funktion untrennbar miteinander verbunden mit einem Durchmesser von 700 mm und
sind, ist bei der Planung eine parallele Bearbei- 1.000 mm hergestellt, wobei letztere den Stan-
tung von Belüftungstechnik und EMSR-Technik dard darstellen. Die Länge der Walzen beträgt
unabdingbar. 1,0 m bis 9,0 m; ihre Umdrehungszahl bei einem
Durchmesser von 1.000 mm beträgt 72 U/min.

4.1.3 Oberflächenbelüftungssysteme Durch die Rotation der Walze wird hinter den
Stabwalzen ein stark turbulentes Luftblasen-
4.1.3.1 Sauerstoffübergang Wassergemisch erzeugt, Energie in den Was-
serkörper übertragen und dadurch eine Strö-
Der Sauerstoffeintrag erfolgt bei dieser Art der mung induziert.
Belüfter durch die mechanische Einwirkung der

18 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Walzenbelüfter werden senkrecht (quer) zur Sie erzeugen - auf den Beckenquerschnitt be-
Strömungsrichtung angeordnet und erfordern zogen - eine kreisförmige Walzenströmung, die
daher i.d.R. Becken mit einer gerichteten Strö- das Wasser vom Beckenboden ansaugt, be-
mung. Zu nennen sind hierfür: Oxidationsgrä- schleunigt und radial über die Wasseroberfläche
ben, Schleifen- bzw. Carrousel-Becken und in Richtung des Beckenrandes auswirft. Dabei
Kreisringbecken. wird ein Teil des Wassers als Tröpfchen durch
die Luft geschleudert, wobei Sauerstoff aufge-
Der Sauerstoffeintrag erfolgt bei Walzenbelüf- nommen wird. Der Sauerstoffeintrag erfolgt in
tern fast ausschließlich über die Aufrauung der erster Linie durch diese Aufrauung der Wasser-
Wasseroberfläche und die damit verbundene oberfläche, wodurch die Stoffübergangsfläche
Grenzflächenerneuerung. Die Belüftung über vergrößert wird. Gleichzeitig werden Luftblasen
eingesaugte Luftblasen spielt eine untergeord- am Kreiselumfang mit in das Wasser eingetra-
nete Rolle. gen und mit der Strömung bis in tiefe Beckenbe-
reiche transportiert, wodurch der Anteil am Sau-
Die auftretenden Geräusch- und Aerosolemissi- erstoffeintrag durch den Übergang aus den Luft-
onen von Walzenbelüftern lassen sich durch blasen ca. 20 % ausmachen kann.
technische Maßnahmen wie Verbreiterung der
Betonbrücken, Schalldämmung der Antriebe und Durch die starke Ansaugströmung unter dem
durch Aerosolsperren weitgehend vermeiden. Kreisel wird das frisch belüftete und sauerstoff-
reiche Wasser von der Wasseroberfläche am
4.1.3.3 Kreiselbelüfter Beckenrand in die Tiefe gezogen. Zur Ausbil-
dung dieses Ansaugeffektes spielt die Becken-
Kreiselbelüfter (s. Bild 2) sind ähnlich aufgebaut geometrie eine entscheidende Rolle.
wie Pumpenlaufräder und rotieren um eine verti-
kale Welle. Man unterscheidet eine offene Bau- Um die Belästigung durch die Spritzwirkung
form mit einer horizontalen Grundplatte und möglichst gering zu halten, sollte der Wurfbe-
daran angebrachten, vertikal angeordneten reich der Kreisel durch konstruktive Maßnahmen
Schaufeln sowie eine geschlossene Bauform. begrenzt werden, beispielsweise durch ein Her-
Heute angebotene Kreiseltypen haben fast im- abziehen der Brückenwangen bis zur Wasser-
mer eine offene Bauform, da deren Fertigung oberfläche oder durch entsprechend gestaltete
meist einfacher und preiswerter als diejenigen Aerosolsperren.
der geschlossenen Bauformen ist. Der Kreisel-
durchmesser liegt üblicherweise im Bereich 4.1.4 Sondersysteme
zwischen 1,5 und 4 m. Die Umfangsgeschwin-
digkeit beträgt 4 – 6 m/s.
4.1.4.1 Allgemeines
Kreiselbelüfter werden in annähernd quadrati-
Sondersysteme sind häufig dadurch gekenn-
schen Mischbecken und in den letzten Jahren
zeichnet, dass sie auf einzelne Komponenten
vermehrt auch in Umlaufbecken eingesetzt.
verzichten, mehrere Aufgaben gleichzeitig aus-
führen und/oder besondere Betriebseigenschaf-
ten besitzen.

4.1.4.2 Injektorbelüfter

Bei den Injektorbelüfter handelt es sich klassi-


scherweise um selbstansaugende Belüftungs-
systeme, die keine separaten Gebläse oder
Verdichter zur Luftzugabe benötigen. In den
letzten Jahren wurde das Konzept um Ausfüh-
rungen mit externen Drucklufterzeugern zur
Bild 2: Schnitt durch ein Belebungsbecken mit Steigerung des Luftvolumenstroms erweitert
einem Kreiselbelüfter

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 19


DWA-M 229 Entwurf

(sog. Systeme mit Vordruck). Typische Injektor- Ejektoren werden entweder „mehrstrahlig“ als
belüfter können aufgrund ihres Eigengewichtes radial abströmende Einheiten oder „einstrahlig“
ohne separate Befestigungsvorrichtungen am – auch in der Beckenwand installiert – ausge-
Beckenboden installiert werden. Bei Bedarf (z.B. führt. Durch entsprechende Ausrichtung der
zu Wartungszwecken) können sie ohne Becken- Ejektoren kann in Umlaufbecken auch eine Ho-
leerung an einer Kette bzw. Seil herausgehoben rizontalströmung aufrechterhalten werden.
werden.
Zur Reduzierung des Energieverbrauchs und
Injektorbelüfter werden meist in konventionellen Verbesserung der Regelbarkeit wird in den
Belebungsanlagen aber auch in SBR-Anlagen meisten Fällen die Luft auf den hydrostatischen
eingesetzt. Weitere Anwendungen sind Misch- Druck am Einbauort des Ejektors vorverdichtet.
und Ausgleichsbecken, (aerobe) Schlammstabi- Dieser Verzicht auf einen nennenswerten
lisierungsbecken und belüftete Abwasserteiche. Druckgewinn im Ejektor reduziert dessen Druck-
Aufgrund ihrer selbstansaugenden Eigenschaf- verlust und Treibstrom.
ten können Injektorbelüfter im Fall von Betriebs-
störungen oder zeitaufwändigeren Instandhal- Das System kann auch mit einem Vordruck
tungsmaßnahmen an den bestehenden Belüf- (aufgeladen) im Luftsystem betrieben werden.
tungseinrichtungen temporär genutzt werden. Strahldüsenbelüfter werden in kommunalen
Darüber hinaus sind sie zur Ergänzung des Abwasserreinigungsanlagen bislang nur im
Sauerstoffeintrags unter besonderen Betriebs- Ausnahmefall eingesetzt. Das Haupteinsatzge-
bedingungen verwendbar. Sie werden in diesen biet sind die industrielle Abwasserreinigung oder
Fällen im Bedarfsfall und „quasi-mobil“ einge- Blasensäulenreaktoren in der chemischen In-
setzt. Sie sind auch zur Notbelüftung in Teichen, dustrie.
Seen oder Flüssen geeignet.
Wendelbelüfter als spezielle Form der Ejektor-
Selbstansaugende Tauchbelüfter sind mit Moto- belüfter tragen Luft durch einen schnell laufen-
ren von bis zu 75 kW ausgestattet. den Wendelpropeller nahe der Wasseroberflä-
che in das Becken ein. Er bewirkt dadurch einen
Sauerstoffeintrag und einen Strömungsimpuls.
4.1.4.3 Ejektorbelüfter

Der Ejektorbelüfter entspricht in seinem Aufbau 4.1.4.4 Statische Mischer (Kaminbelüf-


einer Strahlpumpe. Durch eine geeignete Um- ter)
wälzpumpe wird dem Belebungsbecken ein
Teilstrom entnommen und dem Ejektor als Statische Mischer bestehen üblicherweise aus
Treibstrom zugeführt. Im Ejektor sind die Strö- einem Spiralrohr (D = 300 mm; L = 2.000 mm)
mungsquerschnitte so gewählt, dass in der mit eingebauten Prallblechstreifen. Der Belüfter
Treibdüse der Druck abfällt und die Geschwin- wird stehend in einem Abstand von ca. 150 mm
digkeit ansteigt. Hinter der Treibdüse liegt der vom Beckenboden auf Abstandhaltern montiert.
Bereich mit dem niedrigsten statischen Druck. Im unteren Drittel wird Luft über einen dicken
Hier tritt die Luft in den Ejektor ein, wird vom Luftschlauch (z.B. 1 Zoll) in das Rohr eingebla-
Treibstrahl in feine Blasen zerteilt und intensiv sen. Die aufsteigende Luft reißt das Wasser mit
mit ihm vermischt. Dabei wird die Bewegungs- nach oben (Kamineffekt) und wird an den Prall-
energie des Treibstromes auf das Gas übertra- blechen in kleine Luftblasen zerteilt (mittelblasi-
gen und das Gemisch aus Luftblasen und Was- ges Druckbelüftungssystem) Die Sauerstoffaus-
ser (belebter Schlamm) tritt mit hoher Turbulenz nutzung ist nicht so groß wie bei feinblasigen
ins Belebungsbecken ein. Dadurch wird eine Systemen, wodurch bei geringer Alkalität und
Strömung in den Wasserkörper induziert. Der Nitrifikation der pH- Wert stabilisiert wird [47].
Strahlaustritt ist schräg nach unten gerichtet und Statische Mischer eignen sich besonders für
verhindert damit Ablagerungen am Boden des schwebstoffreiche Abwässer. Sie sind praktisch
Belebungsbeckens. verstopfungsfrei und werden vorrangig bei Zell-
stoff- und Papierfabriken (in tiefen) Becken ein-
gesetzt.

20 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

4.2 Einflussparameter und Kenn- Anzahl der Belüftungselemente (qL,Bel in


3
werte von Belüftersystemen mN /(Stück ⋅ h)).

Grundsätzlich ist davon aufzugehen, dass sich


4.2.1 Allgemeines bei einem höheren Luftvolumenstrom auch eine
höhere Sauerstoffzufuhr SOTR bzw. αSOTR
Die Bewertung der Leistungsfähigkeit von Belüf-
ergibt.
tungssystemen erfolgt über den Parameter Sau-
erstoffzufuhr und den dafür notwendigen relati-
ven Energiebedarf. 4.2.2.3 Leerrohrgeschwindigkeit

In der verfahrenstechnischen Literatur [z.B. 29]


4.2.2 Eintauchtiefe wird als wesentliche Einflussgröße auf den Stoff-
tausch in Blasensäulen die Leerrohrgeschwin-
Die Eintauchtiefe (hD) ist definiert als Abstand
digkeit verwendet. Unter der Leerrohrgeschwin-
zwischen der Oberkante des Belüftungselemen-
digkeit versteht man die sich theoretisch einstel-
tes und der Wasseroberfläche im Ruhezustand.
lende Stömungsgeschwindigkeit des Gases,
Übliche Eintauchtiefen sind zwischen 4 bis 6 m.
wenn im betrachteten Querschnitt nur das Gas
In Sonderfällen wurden in kommunalen Kläran-
strömen würde (m/h = m³/(m² · h). Der Zusam-
lagen auch erheblich größere Eintauchtiefen von
menhang zwischen dem Belüftungskoeffizienten
bis zu 17 m realisiert. Tendenziell ergibt sich
und der Leerrohrgeschwindigkeit [28] wird wie
unter ansonsten gleichen Bedingungen bei grö-
folgt angeben:
ßeren Eintauchtiefen auch eine höhere Sauer-
stoffzufuhr SOTR bzw. αSOTR im Vergleich zu kL a = m ⋅ v gn [1/h] (9)
einer niedrigen Eintauchtiefe.

Die Koeffizienten für m und n sind von vielen


4.2.2.1 Belegungsdichte
Faktoren (z.B. Luftbeaufschlagung der Belüf-
terelemente, Einbaugeometrie der Belüfterele-
Ein weiterer wichtiger Parameter zur Charakteri-
mente an der Sohle, etc.) abhängig. Die Aus-
sierung von Druckluftbelüftungssystemen ist die
wertung von ca. 60 Sauerstoffzufuhrmessungen
Belegungsdichte (BD). Übliche Belegungsdich-
auf 20 verschiedenen Anlagen hat m = 1,98 und
ten bei Becken, die auf den Verfahrensschritt
n = 0,933 ergeben, das Bestimmtheitsmaß (r²)
Nitrifikation/Denitrifikation ausgelegt sind, liegen
war 0,95 [31].
zwischen 10 bis 15 %. In Stabilisierungsanlagen
werden Belegungsdichten unterhalb von 10 %
Die Leerrohrgeschwindigkeit ist bislang in der
realisiert.
abwassertechnischen Praxis wenig gebräuch-
lich, eignet sich aber gut, um den Sauerstoff-
Unter ansonsten gleichen Bedingungen ergibt
übergang zu charakterisieren.
sich mit einer höheren Belegungsdichte auch
eine höhere Sauerstoffzufuhr SOTR bzw.
αSOTR. In Umlaufbecken ist die Belegungsdich- 4.2.2.4 Grenzflächenfaktor (α-Faktor)
te grundsätzlich nicht geeignet, um Rückschlüs-
se auf die erreichbare Sauerstoffzufuhr zuzulas- Ein wesentlicher, empirischer Parameter bei der
sen. Auslegung und im Betrieb von Belüftungssyste-
men stellt der Grenzflächen-Faktor, oft auch als
4.2.2.2 Luftbeaufschlagung α-Wert bezeichnet, dar. Der α-Wert ist definiert
als Verhältnis des Belüftungskoeffizienten unter
Die Luftbeaufschlagung bzw. der Luftvolumen- Betriebsbedingungen und in Reinwasser unter
strom (QL,St) wird oft spezifisch angegeben: bei- Standardbedingungen. Es gibt eine Vielzahl von
spielsweise bezogen auf das Belebungsbecken- Faktoren auf den α-Wert. Zu nennen sind bei-
volumen (qL,BB) oder auf die Länge der Belüf- spielsweise: das Belüftungssystem selbst, das
3
tungselemente (qL,Bel in mN /(m ⋅ h)) oder auf die Schlammalter, der Trockensubstanzgehalt im
Belebungsbecken, die Reaktorkonfiguration

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 21


DWA-M 229 Entwurf

sowie der Tages- bzw. Wochengang der Ab- ven Stoffen durch den biologischen Abbau
wasserbeschaffenheit. ab.
• Der α-Wert kann einen ausgeprägten Tages-
Einen sehr großen Einfluss auf den α-Wert hat
bzw. Wochengang aufweisen. Dieser Tages-
das Belüftungssystem selbst.
bzw. Wochengang wird im Wesentlichen
durch die im Zulauf vorhandenen oberflä-
Während bei Oberflächenbelüftungssystemen
i.M. ein α-Wert zwischen 0,95 (Kreisel) und 1,0 chenaktiven Stoffe verursacht, die über häus-
liche Wasch- und Reinigungsmittel bzw. in-
(Walze) üblich ist, ist ein typischer Bereich bei
dustrielle Abwässer eingetragen werden.
Druckluftbelüftungssystemen in konventionellen
Belebungsanlagen mit dem Verfahrensziel Nitri-
fikation/Denitrifikation i.M. zwischen 0,5 und 4.2.2.5 Sonstige Einflussfaktoren
0,65. Bei geringerem Schlammalter (nur Koh-
lenstoffelimination) liegt der α-Wert tendenziell Als weitere Einflussfaktoren auf die Sauerstoff-
unterhalb dieses Empfehlungsbereiches (0,3 bis zufuhr sind die Temperatur, die Viskosität und
0,4), bei Anlagen mit simultan aerober die Oberflächenspannung zu nennen.
Schlammstabilisierung und entsprechend ho-
hem Schlammalter tendenziell darüber (0,7 bis
4.3 Dimensionierung von Belüf-
0,8).
tungssystemen
Die weiteren Parameter hinsichtlich des Einflus-
ses auf den α-Wert wirken sich hauptsächlich 4.3.1 Grundlagen
bei Druckluftbelüftungssystemen aus.
Das grundsätzliche Vorgehen zur Auslegung
• Bei hohen Trockensubstanzgehalten ist der
von Belüftungssystemen mit der Ermittlung des
α-Wert grundsätzlich geringer als bei niedri-
Sauerstoffverbrauches und der erforderlichen
gen TS-Konzentrationen. Diese Tatsache
Sauerstoffzufuhr ist für Kläranlagen unterschied-
wird u.a. durch die bei hohen Trockensub-
lichen Einzelblättern des DWA-Regelwerkes zu
stanzgehalten höhere Viskosität des Be-
entnehmen.
lebtschlamms erklärt. Im Bereich üblicher
Trockensubstanzgehalte von Belebungsan-
Für Kläranlagen
lagen (2 bis 5 g/l) ist der Einfluss auf den
α-Wert von untergeordneter Bedeutung. Bei • mit einer Ausbaugröße über 5.000 E gilt das
hohen Feststoffgehalten, wie sie heute teil- ATV-DVWK-A 131 [15],
weise bei Membranbelebungsanlagen er- • im Bereich 1.000 – 5.000 E gelten grundsätz-
reicht werden (8 bis 15 g/l), ist mit einem sig- lich die Ausführungen des A 131, ergänzen-
nifikanten Einfluss auf den α-Wert zu rech- de Hinweise sind dem DWA-A 226 [21] zu
nen. In diesem Fall sind beim Verfahrensziel entnehmen,
Nitrifikation/Denitrifikation (tTS = 10 bis
15 Tage) α-Werte von 0,4 bis 0,6 (unter Be- • unter 1.000 E sind die Ausführungen im A
rücksichtigung des positiven Einflusses der 222 [22] zu beachten; darüber hinaus wird
Cross-Flow-Belüftung) zu erwarten. Eine Zu- auf das verfahrenspezifische Regelwerk ver-
sammenstellung gemessener α-Werte in Ab- wiesen (vgl. DWA-A 122 [13]) und
hängigkeit des Feststoffgehalts findet sich • für Kleinkläranlagen (< 50 E) sind die Hin-
beispielsweise in [36]. weise gemäß der DIN EN 12566 [9] und der
• Der Einfluss der Reaktorkonfiguration auf DIN 4261 [11] zu beachten.
den α-Wert ist grundsätzlich gering. Aller-
dings zeigt sich insbesondere bei längs Vorausgesetzt wird dabei immer eine sachge-
durchströmten Becken eine deutliche Pro- rechte Grundlagenermittlung unter Beachtung
filausbildung mit einer Zunahme des des ATV-DVWK-A 198 [18]. Nach Möglichkeit ist
α-Wertes im Längsverlauf. Gleichzeitig die Bemessung hierbei unter Verwendung von
nimmt die Konzentration an oberflächenakti- 2-Wochen-Mittelwerten, der maßgeblichen
Schmutzstofffrachten und der Temperatur vor-

22 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

zunehmen, um eine wirtschaftliche und verfah- der Bemessung von üblicherweise 2 mg/l auf
renstechnisch angepasste Auslegung der Belüf- bis zu 0,8 mg/l zu reduzieren.
tung sicherstellen zu können. Eine ausschließli-
che Dimensionierung auf Basis von 85- fC ⋅ ( OVC,d,max − OVD,d,max ) + fN ⋅ OVN,d,max
OVh,max =
Perzentilen liefert nur unter besonderen Rand- 24
bedingungen eine Auslegung nach den zuvor
genannten Gesichtspunkten. [kg O2/h] (11)

Das im Regewerk beschriebene, formalisierte • Lastfall 3: Minimaler Sauerstoffbedarf im


Vorgehen zur Auslegung von Belebungsanlagen Ist-Zustand, OVh,min
sieht eine Lastfallbetrachtung für verschiedene Dieser Lastfall dient ebenfalls der Dimensio-
Temperaturbereiche und ggf. unterschiedliche nierung der Belüftungs- und Durchmi-
Beckenkonfigurationen (beispielsweise saisonal schungseinrichtungen und ist entscheidend
unterschiedliche belüftete Volumina) vor. Für die für die notwendige Abstufung der Druckluf-
Auslegung der Belüftungseinrichtung sind dabei terzeuger sowie den Nachweis der Mindest-
in jedem Fall die folgenden Lastfälle zu betrach- beaufschlagung der Belüfterelemente unmit-
ten: telbar nach der Inbetriebnahme. Darüber
dient dieser Lastfall zur Ermittlung des not-
Lastfall 1: Durchschnittlicher Sauerstoffbe- wendigen Arbeitsbereiches von Oberflä-
darf im Ist-Zustand, OVh,mittel chenbelüftern und der ggf. notwendigen
Dieser Lastfall dient der Ermittlung des Jahres- Kombination mit zusätzlichen Rührwerken.
energieverbrauchs der Belüftung und ist damit In der Regel ergibt sich der minimale Sauer-
der maßgebliche Lastfall zur Ermittlung der Jah- stoffbedarf in den belastungsschwachen Jah-
reskosten bzw. des Projektkostenbarwerts im reszeiten in den Nachtstunden.
Rahmen eines Variantenvergleichs bzw. bei Eine nicht hinreichende Berücksichtigung
einer weitgehend funktionalen Ausschreibung des minimalen Sauerstoffbedarfs bei der
zum Vergleich der Angebote. Für diesen Lastfall Auslegung von Belüftungssystemen führt
ist der Sauerstoffbedarf unter Verwendung der meist zu einem erhöhten Sauerstoffeintrag
im Jahresmittel zu erwartenden Schmutzfrach- in die belüftete Zone und in Abhängigkeit des
ten sowie der Jahresmitteltemperatur für den Ist- verfahrenstechnischen Konzepts der Denitri-
Zustand unmittelbar nach der Inbetriebnahmen fikation zu einer Beeinträchtigung der Stick-
zu ermitteln. stoffelimination.

( OVC,d,min − OVD,d,min ) + OVN,d,min


( OVC,d,aM − OVD,d,aM ) + OVN,d,aM OVh,min =
OVh,mittel = 24
24
[kg O2/h] (12)
[kg O2/h] (10)
• Lastfall 4: Sauerstoffbedarfswerte für den
• Lastfall 2: Maximaler Sauerstoffbedarf im
Ist-Zustand, OVh,max Prognose- und ggf. Revisionszustand
Die o.g. Kennwerte des Sauerstoffbedarfs
Dieser Lastfall dient der Dimensionierung der
sind zusätzlich auch für den Prognose-
Belüftungs- und Durchmischungseinrichtun-
gen und ergibt sich meist entweder als Sau- Zustand bzw. planerisch berücksichtigte Re-
visionszustände zu ermitteln. Diese Kenn-
erstoffbedarf in Phasen der höchsten Ab-
zahlen werden nicht für die Dimensionierung
wassertemperatur oder in den Wintermona-
ten bei niedrigster Abwassertemperatur un- der Belüftungs- und Durchmischungseinrich-
tungen genutzt, sondern dienen im Wesentli-
mittelbar nach der Inbetriebnahme. Sofern
chen zur Sicherstellung einer ausreichenden
saisonale Schwankungen vorliegen, sind
diese gesondert mit der in dieser Zeit maß- verfahrenstechnischen Flexibilität bei zu-
nehmender Belastung der Anlage.
gebenden Temperatur zu berücksichtigen.
Weiterhin kann es zweckmäßig sein, bei nur
Bei intermittierenden Anlagen ist auch das Au-
kurzzeitigen Belastungen den erforderlichen
tomatisierungskonzept der Belüftung vorzuge-
Sauerstoffgehalt im Becken (Cx) schon bei
ben. Auszugehen ist dabei vom ggf. saisonal

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 23


DWA-M 229 Entwurf
3
unterschiedlichen erforderlichen Verhältnis herstellers. Bei 299 g O2/m kann SSOTE aus
VD/VBB unter Beachtung der reinigungsspezifi- SSOTE/3 einfach abgeschätzt werden.
schen (Ablaufwerte) sowie der verfahrenstech-
nischen (aerobe Stabilisation) Anforderungen. Der Luftbedarf errechnet sich schließlich unter
Verwendung der spezifischen Standard-
Die Festlegung des α-Wertes obliegt grundsätz- Sauerstoffausnutzung zu:
lich dem Planer.
1000 ⋅ SOTR 3
QL,St = [mN /h] (14)
Zur Abschätzung der spezifischen Sauerstoff- 3 ⋅ SSOTE ⋅ hD
ausnutzung existieren Leistungstabellen für die
unterschiedlichen Belüftungssysteme (Tabelle 1
Die spezifische Standard-Sauerstoffzufuhr
und Tabelle 3). 3
SSOTR ergibt sich bei 299 g O2/m zu:

Die endgültige Auswahl eines Belüftungssys- SSOTR = SSOTE · 3 [g O2/(mN · m)]


3
(15)
tems im Hinblick auf eine Oberflächenbelüftung
oder Druckluftbelüftung (ggf. mit mehreren Un-
Die spezifische Standard-Sauerstoffausnutzung
tervarianten) erfolgt nach betrieblichen und wirt-
wird in der Regel von den Herstellern der Belüf-
schaftlichen Kriterien unter besonderer Beach-
terelemente angegeben und garantiert, kann
tung des notwendigen Arbeitsbereiches, der
aber auch für die Zwecke von Verfahrensver-
Beckengeometrie, der verfahrenstechnischen
gleichen der Tabelle 1 entnommen werden. Hier
Anforderungen im Hinblick auf die Sicherstellung
sind die in zahlreichen Untersuchungen ermittel-
der avisierten Reinigungsziele und des Bestan-
ten Kennwerte für die spezifische Standard-
des. Peripheriekomponenten, die unter Umstän-
Sauerstoffausnutzung und den Sauerstoffertrag
den durch die Auswahl des Belüftungssystems
jeweils für günstige und mittlere Bedingungen
mit beeinflusst werden, sind dabei ebenfalls zu
angegeben.
beachten. Dazu gehören in der Regel vor allem
Einrichtungen zur Homogenisierung des Be-
ckeninhaltes bzw. der Abwasserweiterförderung Tabelle 1: Richtwerttabelle für Druckluftbelüf-
tungssysteme (alle Werte für Rein-
sowie zur Erleichterung des Zuganges (Be- wasserbedingungen)
dienstege etc.).
Günstig Mittel
4.3.2 Druckluftbelüftungssysteme System SSO- SAE SSO- SAE
TE [kg/kWh] TE [kg/kWh]
Die Auslegung von Druckluftbelüftungssystemen [%/m] [%/m]
geht von dem für die einzelnen Lastfälle ermittel-
Flächen- 8,0 - 4,2 - 6,0 - 3,3 -
ten Sauerstoffbedarf aus. Hieraus wird die not-
deckend 8,7 4,5 7,0 3,4
wendige Sauerstoffzufuhr SOTR als maßgebli-
che Dimensionierungsgröße für die Bemessung Umwälzung und 6,7 - 3,7 - 5,0 - 3,2 -
der Belüftung ermittelt. Belüftung 8,0 4,2 7,0 3,3

fd ⋅ Cs,20
SOTR = ⋅ OVh Zur Auslegung der Gebläse ist eine Umrech-
α ⋅ ( fd ⋅ Cs,T − C x ) ⋅ θ ( TBB −20 )
nung des für den Normzustand ermittelten Luft-
[kg/h] (13) bedarfs in den Volumenstrom im Ansaugzustand
erforderlich. Näherungsweise ergibt sich der
Die Sauerstoffzufuhr ist jeweils getrennt für alle erforderliche Volumenstrom für trockene Luft wie
Lastfälle zu errechnen und auszuweisen. folgt zu:

Die Errechnung der notwendigen Luftmenge pN ⋅ TL,1 3


Q1 = ⋅ QL,St [m /h] (16)
ergibt sich dann über die spezifische Sauerstoff- p1,abs ⋅ TN
3
zufuhr SSOTR (g O2/(mN · m) oder die spezifi-
sche Sauerstoffausnutzung SSOTE (%/m) ge-
mäß den Kennwerten des jeweiligen Belüfter-

24 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Zur Berücksichtigung der Luftfeuchte kann, wie Ansatz einer Temperaturerhöhung von 10°C je
im Bemessungsbeispiel (Anhang A) demons- 100 hPa Druckdifferenz abgeschätzt werden.
triert, eine genauere Ermittlung des Luftbedarfs Die Strömungsgeschwindigkeit in den Rohrlei-
erfolgen. tungen sollte einen Wert von 30 m/s in keinem
Fall übersteigen. Zur Minimierung der Rohrlei-
Für die Auslegung der Verdichterstation ist aber tungsverluste und zur Vermeidung von Geräu-
nicht nur der Bemessungslastfall mit dem maxi- schentwicklungen sollte die Strömungsge-
malen Luftvolumenstrom maßgebend, sondern schwindigkeit unter 20 m/s liegen.
in besonderem Maße auch der erforderliche
Regelbereich der Gebläse. Der Flexibilität eines Die Berechnung der Anzahl der Belüftungsele-
Belüftungssystems und der notwendigen Einrich- mente erfolgt im Rahmen der Entwurfsplanung
tungen sind allerdings technische Grenzen ge- über die herstellerspezifische, empfohlen Beauf-
setzt. So ist der Regelbereich der Verdichter mit schlagung für einen energetisch wirtschaftlichen
Frequenzumrichterbetrieb Betrieb.
• bei Turbo-Gebläsen 45 % - 100 % und
Nachzuweisen sind nach der herstellerspezifi-
• bei Drehkolbengebläsen 25 % - 100 % schen Wahl der Anzahl der Belüfter weitere
Lastfälle der Bemessung (min und max. Luftzu-
begrenzt. Eine Verbesserung des Arbeitsberei- fuhr, Revisionsfälle) und die Kontrolle der dann
ches des Belüftungssystems ist nur durch die sich einstellenden Beaufschlagung im Hinblick
Kopplung mehrerer Gebläse auf eine Luftleitung auf die Zulässigkeit durch den Hersteller. Die
mit ggf. anschließender separater Verteilung auf minimale und maximale Beaufschlagung sind
die Beckeneinheiten möglich (vgl. DWA-M 265 somit lastfallabhängig zu beachten. Sollten zwi-
[14]). Bei der Verwendung von einem Drehkol- schen Ist- und Prognose-Zustand zu große Dif-
bengebläsen mit Frequenzumformer kann bei- ferenzen auftreten, kann beispielsweise bei Ein-
spielsweise ein Regelbereich von maximal 25 treten des Prognosefalls eine Nachrüstung von
bis 100 % abgedeckt werden, bei zwei Gebläsen Belüftern erfolgen.
kann der Regelbereich auf ca. 13 bis 100 % und
bei Nutzung von drei Gebläsen bis auf etwa 8 Im Rahmen von Variantenvergleichen können
bis 100 % erweitert werden. auch die in der Tabelle 2 angegeben typischen
Beaufschlagungen in Abhängigkeit der Element-
Weiterhin ist für die Gebläseauslegung der Diffe- form und das Materials genutzt werden.
renzdruck als Summe aller Verluste im Belüf-
tungssystem zu ermitteln. Neben der Einblastie- Bei Anlagen mit schwankender Einblastiefe
fe sind hier vor allem die Druckdifferenz der (SBR-Reaktoren) ist die Berechnung für ver-
Belüfterelemente und der Druckverlust im Rohr- schiedene Wasserspiegellagen zu erstellen, um
leitungssystem einschließlich aller Armaturen hier die maßgeblichen Bemessungsfälle abzulei-
und Einbauten zu berücksichtigen. ten.

Zur Dimensionierung der Rohrleitungen wird Tabelle 2: Typische Beaufschlagung von


darüber hinaus der Volumenstrom auf der Druckbelüfterelementen
Druckseite des Verdichters benötigt. Dieser (Angaben des Luftvolumenstroms in
ergibt sich zu: Normkubikmeter)

TN + TL,1 pN Material
Q1 = ⋅ ⋅ QL,St
TN p1,abs − ϕ ⋅ pS System Elasto- Keramik
3 mere
[m /h] (17)
3
Dom mN /(h · St)
Die Temperatur auf der Druckseite der Verdich- Rohr 5 – 10 6-8
3
mN /(h · m)
ter sollte nach Auswahl des Gebläses errechnet 3
Teller 4-6 mN /(h · St)
werden (siehe Bemessungsbeispiel im An-
hang A). Sie kann näherungsweise auch durch Platten 15 - 20
3
mN /(h · m²)

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 25


DWA-M 229 Entwurf

lung oder einer Erschwerung der automatisier-


Die ermittelte Anzahl der notwendigen Belüf- ten, druckbasierten Luftverteilung führen kann.
terelemente ist schließlich im Belüftungsbecken
Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass die
entsprechend zu verteilen. Sofern es sich hier-
Auslegung des Belüftungssystems nach der
bei um nur ein belüftetes Becken, beispielsweise
Submission durch gegenüber der Ausschrei-
einem voll durchmischten Becken einer intermit-
bung bzw. dem Entwurf geänderte Leistungsda-
tierenden Denitrifikation handelt, sind hierbei
ten von Verdichtern und Belüftungselementen
lediglich die Mindestabstände der Belüfterele-
(bspw. höherer SSOTE als angenommen) ent-
mente und eine gleichmäßige Verteilung auf der
sprechend abzugleichen bzw. zu ändern ist.
Grundfläche des Beckens zu beachten.

Insbesondere bei anspruchsvollen verfahrens- 4.3.3 Oberflächenbelüftungssysteme


technischen Konzepten mit kaskadierten Be-
cken, Beckengeometrien zur Erzeugung einer Wie bei den Druckbelüftungssystemen erfolgt
Rohrströmung oder der Anordnung von aeroben die Auslegung von Oberflächenbelüftern auf
Selektoren ist der gestaffelten Anordnung der Basis der im Rahmen der Lastfallbetrachtung
Belüfterelement besondere Aufmerksamkeit zu ermittelten Kennwerte für den Sauerstoffbedarf.
widmen, um zu vermeiden, dass in Zonen hoher Richtwerte für die Planung fasst Tabelle 3 zu-
Substratkonzentration der Sauerstoffeintrag sammen.
nicht ausreicht, um die gewünschte Sauerstoff-
konzentration zu erzielen, gleichzeitig aber in Tabelle 3: Richtwerttabelle für Oberflächenbe-
den Zonen mit geringer Substratkonzentration lüftungssysteme (alle Werte in kg
und geringem Sauerstoffbedarf eine ausrei- O2/kWh)
chende Durchmischung sicherzustellen.
Reinwasser
System
Bei komplexen Beckenkonfiguration ist eine auf günstig mittel
der Bemessung aufbauende dynamische Simu-
Kreisel in 1,7 1,3
lation und Ermittlung des Sauerstoffbedarfs für
Mischbecken
die einzelnen Beckenzonen ein wertvolles
Hilfsmittel, um eine verfahrenstechnisch ange- Kreisel in Um- 2,1 1,6
passte Verteilung der Belüfterelemente zu errei- laufbecken
chen. Walzen in Um- 1,7 1,3
laufbecken
Die genannten Randbedingungen können dazu
führen, dass die errechneten minimalen und Nach Ermittlung des notwendigen Sauerstoffbe-
maximalen Luftmengen für den Zeitpunkt nach darfs wird zumeist vom angefragten Hersteller
der Inbetriebnahme und den Bemessungszeit- die erforderliche Anzahl an Belüftern berechnet,
raum mit der gleichen Belüfterkonfiguration nicht die zur Gewährleistung des Bedarfs erforderlich
sichergestellt werden können. In diesem Fall ist sind.
zu empfehlen, einen abgestuften Ausbau der
Belüftung vorzunehmen. Die Maßnahmen dazu Dabei gilt, dass bei allen Oberflächenbelüftern
können sein: die Sauerstoffzufuhr mit zunehmender Leis-
tungsaufnahme ansteigt. Bild 3 und Bild 4 zei-
• späterer Austausch / Ergänzung der Verdich-
gen schematisch die Abhängigkeiten der Sauer-
ter
stoffeintragsleistung und des Sauerstoffertrags
• geringere Belegungsdichte mit möglicher von der Eintauchtiefe für einen Oberflächenbe-
Nachrüstung im Ausbaulastfall lüfter.

Zu beachten ist, dass der nachträgliche Einbau Bei den Oberflächenbelüftern bezeichnet die
von neuen Belüftern und eine Mischung mit dem Eintauchtiefe die Tiefe [m], die das Aggregat von
Altbestand zu unterschiedlichen Druckverlusten der Oberfläche aus in das Wasser eintaucht. Bei
mit der Folge einer ungleichmäßigen Luftvertei-

26 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Walzenbelüftern beträgt die Tiefe maximal der betrieblichen Praxis jedoch nicht durchge-
0,3 m, bei Kreiselbelüftern ca. 0,5 m. setzt. Die Wasserstandsänderung kann prinzipi-
ell mit Hilfe von Ablaufwehren geregelt werden.
Zu Automatisierungszwecken ist sie mit Elektro-
antrieben zu realisieren. Die Anpassung des
Sauerstoffeintrages an den Verbrauch erfolgt
über ein Schaltwerk, welches das Ablaufwehr
schrittweise betätigt. Eine plötzliche Wasser-
standsänderung durch die abrupte Betätigung
der Wehrklappe ist auf Grund der damit verbun-
denen hydraulischen Stoßbelastungen der
Nachklärung unbedingt zu vermeiden. Insge-
samt ist aus Sicht der Automatisierung die
Drehzahlregelung der Motoren mittels geeigne-
ter Frequenzumrichter zu bevorzugen [14]. Ta-
belle 4 fasst die wirtschaftlichen Regelbereiche
der Oberflächenbelüftung in Abhängigkeit des
gewählten Steuerungs-/Regelungskonzepts
zusammen.

Bild 3: Sauerstoffeintragsleistung in Abhän-


gigkeit der Eintauchtiefe für einen Ober- Tabelle 4: Leistungs- und Regelbereich von
flächenbelüfter Oberflächenbelüftern

Belüfter- Mögliche Art der Wirtschaftl.


typ O2-Zufuhr Regelung Regel-
SOTRmax / Steue- bereich
rung (in % von
(in kg/h)
SOTRmax)

Kreisel 5 – 450 Intermit- 0 – 100


tierend:
Eintauch- 55 – 100
tiefe:
Drehzahl: 30 – 100
Bild 4: Sauerstoffertrag in Abhängigkeit der Walzen 5 – 90 Intermit- 0 – 100
Eintauchtiefe für einen Oberflächenbe-
tierend:
lüfter bzw.
Eintauch- 40 – 100
.
5 – 9 kg/(m tiefe:
Die Regelung der Walzenbelüfter muss stets an
h) Drehzahl: 70 – 100
die verfahrenstechnischen Anforderungen an-
gepasst werden, wobei dies zumeist durch Ab-
und Zuschaltung einzelner Belüfter in Abhängig- Analog zur Belegungsdichte ist bei Oberflä-
keit einer geeigneten Steuergröße erfolgt. chenbelüftern die Bestückungszahl zu ermitteln.
Sie gibt an, wie viele Aggregate im Becken in-
Grundsätzliche Möglichkeiten zur Regelung von stalliert werden. Konkrete Hinweise zur Anord-
Kreiselbelüftern bieten die Zu- und Abschaltung, nung von Oberflächenbelüftern im Belebungs-
die Veränderung der Drehzahl oder die Variation becken finden sich in Kapitel 6.2.3.
der Eintauchtiefe in Abhängigkeit von einer ge-
eigneten Steuergröße. Letzteres kann durch
eine höhenverstellbare Lagerung des Belüf- 4.3.4 Sondersysteme
teraggregates oder durch eine Änderung des
Wasserstandes realisiert werden. Die höhenver- Die Auslegung und Anordnung von Sondersys-
stellbare Lagerung hat sich wegen der erhebli- temen (Ejektor, Injektor, statische Mischer etc.)
chen maschinentechnischen Anforderungen in erfolgt gemäß den herstellerspezifischen Vorga-
ben.

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 27


DWA-M 229 Entwurf

Tabelle 5: Kategorisierung der Durchmi-


5 Durchmischung schungsaggregate

5.1 Allgemeine Aufgaben

Durchmesser typischer Wert [m]


Richtung der Abströmung

bevorzugte Beckenform
Lage der Antriebswelle

typischer Wert [U/min]


Rührwerke in Abwasserreinigungsanlagen ha-
ben im Wesentlichen folgende Aufgaben:

Drehzahl
• Homogenisieren (Ausgleich von Konzentrati-
ons- und Temperaturgefälle)
• Suspendieren (Vermeidung und Mobilisie-
rung von Ablagerungen) im System
fest/flüssig bzw. fest/flüssig/gasförmig
• Vermeiden von Kurzschlussströmungen
• Einbringen einer gerichteten Strömung Propeller H H 1,5 20 – U
Rührer – 40
In einigen Zonen der Belebungsanlage werden 2,5
die Rührwerke dabei ausschließlich (z.B. Selek- Propeller V V 1,5 20 – R
tor-, Denitrifikations- oder Fällungsbecken) oder Rührer – 40
in Kombination mit Belüftungseinrichtungen (z.B. 2,5
Nitrifikation, intermittierende Denitrifikation) für
Propeller H H 0,3 200 – R, S
notwendige Mischoperationen eingesetzt. Der
Rührer – 500
Grad der Homogenisierung oder der Suspendie- 0,7
rung wird durch den Energieeintrag und der
baulichen Ausführung des Mischbeckens be- Hyperboloid V H 1,0 20 – R
stimmt. Rührer – 40
2,0

Paddel Rüh- V H 1– 10 - U
5.2 Bauarten von Rührwerkssys-
rer (Landox- 2 20)
temen Beschleuni- (?)
ger)
Eine Einteilung der Rührwerke kann nach der
H = horizontal
Drehzahl, dem Durchmesser und der Bauform
V = vertikal
vorgenommen werden. Die in Tabelle 5 zusam- U = Umlaufbecken, Belebung
mengestellte Auflistung gibt einen Überblick R = Rechteckbecken, Belebung
über die in Abwasseranlagen eingesetzten Ag- S = Schlammbehandlung
gregate. Propellerrührer werden in Ausführungen mit
zwei und drei Blättern angeboten.

Für die Kennzeichnung der Rührwerksleistung


ist die Kraftwirkung, die an das Wasser übertra-
gen wird, entscheidend (Schub). Als Ersatzwert
wird häufig die aufgenommene Motorleistung
bezogen auf das Beckenvolumen herangezo-
gen.

28 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Rühraggregate nur in Wechselwirkung mit den


5.3 Einflussparameter und Kenn- vorab genannten Parametern.
werte von Rührwerkssyste-
men Ist das Becken belüftet, so muss noch unter-
schieden werden, ob die Belüftung durch ein
bodennah angeordnetes Druckluftsystem oder
5.3.1 Allgemeines durch Walzenbelüfter oder Kreisel erfolgt. Bei
den Kreiseln wird ein gemeinsamer Betrieb nur
Zur Bewertung der Leistungsfähigkeit eines
bei sehr großen Becken mit langen Fließstre-
Rührwerkssystems sind Angaben zur Anzahl der
cken realisiert, in denen die Rühraggregate eine
zu installierenden Rühraggregate und ihrer Leis-
ausreichende Strömungsgeschwindigkeit zwi-
tungsparameter notwendig.
schen den einzelnen Kreiseln sicherstellen. Bei
Walzenbelüftern kommen Rühraggregate wäh-
5.3.2 Einflussgrößen rend der Belüftungsphase nur bei tiefen Becken
von mehr als 4 m zum Einsatz (siehe Kapi-
tel 6.2.3.2), um die Einmischung des Sauerstoffs
5.3.2.1 Rühraufgabe
und ausreichende bodennahe Geschwindigkei-
Die Rühraufgabe ist eine wesentliche Größe im ten zu gewährleisten.
Hinblick auf die richtige Auswahl eines Rührag-
Bei einer Kombination eines Druckluftsystems
gregats. Im Kapitel 5.1 finden sich die wesentli-
und Rühraggregat entsteht eine Interaktion
chen Aufgaben, die ein Rührwerk im Rahmen
durch die eingeblasene Luft, die einen weiteren
der Abwasserreinigung zu erfüllen hat.
Fließwiderstand für das Rühraggregat darstellt.
5.3.2.2 Medium
5.3.3 Kennwerte
Mit Medium wird der zu rührende Beckeninhalt
bezeichnet. Im Rahmen der kommunalen Ab-
wasserreinigung mit TS-Werten in den Denitrifi-
5.3.3.1 Anzahl der Rühraggregate
kations- und Nitrifikationsbecken von 2 – 5 g/l ist
Die Anzahl der Rühraggregate ergibt sich aus
von keinen wesentlichen Viskositätsveränderun-
den Anforderungen und den Leistungsparame-
gen gegenüber Reinwasser auszugehen, die zu
tern des gewählten Rühraggregats. Die Anzahl
einer Leistungsminderung der Rühraggregate
kann auch als ein Leistungsparameter pro Be-
führen können. Bei deutlich höheren TS-Werten
cken bezeichnet werden.
und damit verbundener Viskositätsänderung ist
jedoch von einer Minderung der eingetragenen
5.3.3.2 Leistungsparameter
Leistung auszugehen.
Die Leistungsparameter betreffen zum einen
5.3.2.3. Beckendesign
das Rühraggregat und zum anderen den zuge-
hörigen Motor.
Die Gestaltung des Beckens wie auch die An-
ordnung von Zu- und Ablauf hat einen Einfluss
Zu den Leistungsparametern eines Rührwerks
auf die Leistungsfähigkeit des Rühraggregats.
gehören neben Angaben zum Fabrikat, Typ,
Die unterschiedlichen Strömungsverhältnisse in
Rührorgan, Flügelzahl, Durchmesser und Dreh-
Rund-, Rechteck-, Umlauf- und Kreisringbecken
zahl im Wesentlichen die Leistungsaufnahme
führen zu Änderungen in der Anströmung der
(kW) und der Rührwerksschub (N).
Rühraggregate, wodurch sich ihr Energieeintrag
verändert. Insbesondere die Leistungsaufnahme ist für den
Betreiber eine wichtige Größe, da sie letztend-
5.3.2.4 Betriebsweise des Beckens
lich über die entstehenden Betriebskosten ent-
scheidet. Bezogen auf ein Becken ergibt sich
Bei der Betriebsweise des Beckens ist zwischen
aus der Leistungsaufnahme die spezifische
unbelüftetem und belüftetem Betrieb zu unter-
Leistungsaufnahme (W/m³), die als weiterer
scheiden. In unbelüfteten Becken stehen die

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 29


DWA-M 229 Entwurf

Leistungsparameter für ein Becken bezeichnet Da vom Rührwerkshersteller eine Garantie im


werden kann. Hinblick auf das zu erreichende Rührziel zu
erbringen ist, ist zu erwarten, dass er die Positi-
Allerdings kann aus der Größe dieses Wertes onierung der Aggregate vorschreibt. Vor diesem
keine Aussage im Hinblick auf das Rührergebnis Hintergrund wird auch verständlich, warum kei-
getroffen werden, denn auch mit einer geringen ne einheitlichen Richtlinien zur Beckenausle-
spezifischen Leistungsaufnahme kann u. U. bei gung mit Rührwerken vorliegen. Die Hersteller
der richtigen Rührwerkswahl und -positionierung bieten jedoch Auslegungshinweise auf ihren
die Rühraufgabe erfüllt werden. Die spezifische Internetseiten an, die allerdings z. T. spezifisch
Leistungsaufnahme sollte daher nur zur Aus- für ihre Produkte gelten und nicht allgemein
wahl zwischen gleichwertigen (im Hinblick auf übertragbar sind.
das Rührergebnis) Rühraggregaten herangezo-
gen werden. Die im ATV-DVWK Arbeitsblatt A 131 [15] ange-
gebene Empfehlung einer zu installierenden
Die Leistungsparameter des Motors sind neben Leistungsdichte des Rührwerks in Watt pro m³
Fabrikat, Typ und weiteren betriebsrelevanten Beckenvolumen ist im Hinblick auf die zu erfül-
Angaben insbesondere die Motorleistung, die lende Rührwerksaufgabe meist unzureichend,
Motornennleistung sowie der Wirkungsgrad. da die Leistungsaufnahme des Rührwerkes
stark von der Rührwerksart (Langsamläufer,
5.4 Auslegungshinweise von Schnellläufer, Sohlrührwerk) beeinflusst wird.
Rührwerken in Belebungsbe-
Im Allgemeinen kann festgestellt werden, dass
cken die eingetragene Energie sicherstellen muss,
dass Geschwindigkeiten erzeugt werden, die ein
Die Auslegung von belüfteten oder unbelüfteten
permanentes Absetzen verhindern. Bei einem
Becken mit Rührwerken erfolgt zumeist durch
gut absetzbaren Schlamm (ISV < 80 ml/g) ist
den Rührwerkshersteller. Um dem Planer jedoch
davon auszugehen, dass eine bodennahe Ge-
eine Hilfestellung im Hinblick auf die Auswahl
schwindigkeit von mindestens 0,25 m/s zur
des für seinen Anwendungsfall am besten ge-
Vermeidung von Ablagerungen ausreichend ist,
eigneten Rührwerk zu geben, wurde vom VDMA
wobei „Geschwindigkeit“ den Geschwindigkeits-
das Einheitsblatt „Rührwerke in Belebungsbe-
betrag meint, der eine Resultierende aus allen
cken von Abwasserreinigungsanlagen – Hinwei-
drei Geschwindigkeitskomponenten darstellt. Bei
se zur Planung, Projektierung und Ausführung“
schwerer absetzbarem Schlamm (ISV >
erstellt [12]. Dieses bietet eine Parameterliste,
130 ml/g) ist von einer noch geringeren boden-
die es dem Planer ermöglicht, auf einheitliche
nahen Geschwindigkeit von mehr als 0,1 m/s
Weise die notwendigen Größen bei den ver-
auszugehen, um Ablagerungen zu vermeiden.
schiedenen Rührwerksherstellern zu erfragen,
um eine verlässliche Basis für seine Aggre-
Weiterhin ist zu beachten, dass es beim Betrieb
gatauswahl zu schaffen.
von Rührwerken ausreichend sein kann, wenn
diese nur zeitweise zum Einsatz kommen. Soll
Für die richtige Auslegung eines Beckens benö-
beispielsweise in einem runden oder rechtecki-
tigt der Rührwerkshersteller neben Informatio-
gen Denitrifikationsbecken nur sichergestellt
nen zur Abwasserzusammensetzung und dem
werden, dass es zu keinen permanenten Abla-
grundsätzlichen Ablauf der Abwasserreinigung
gerungen kommt, so kann es ausreichend sein,
auf der betreffenden Anlage Angaben zur
das Rührwerk im Wechsel für jeweils einen defi-
Rühraufgabe sowie zur Beckenart, Beckenform,
nierten Zeitraum an- und abzuschalten. Es muss
Beckenausführung und den zugehörigen Be-
dabei sichergestellt werden, dass der Rühr-
triebszuständen. Auf Basis dieser Daten erhält
werksstrahl bei Wiederinbetriebnahme des
der Planer im Allgemeinen die vom jeweiligen
Rührwerks über den Boden entlang streicht und
Hersteller zu empfehlenden Rühraggregate ein-
während der Betriebspause sedimentiertes Ma-
schließlich einer Angabe zur Positionierung der
terial wieder aufwirbelt. Weiterhin ist betrieblich
Aggregate.
darauf zu achten, dass es nicht zu einer starken
Entmischung von Abwasser und belebten

30 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Schlamm kommt, um eine zielgerichtete Denitri- den Rohrenden von Belüfterfeldern, beispiels-
fikation sicherzustellen. weise mehr als 800 mm bei einer Wassertiefe
von ca. 5,5 m, Strömungswalzen einstellen, die
Durch diese intermittierende Betriebsweise kann negativ auf den Sauerstoffeintrag wirken. Daher
auf diese Weise eine verfahrenstechnisch ein- sollte der Abstand von Achse zu Achse zweier
wandfreie und gleichzeitig energieeffiziente Be- Rohrbelüfter einen Wert von ca. 500 mm nicht
triebsweise realisiert werden. überschreiten.

Bei Becken mit Vouten an der Beckensohle


6 Konstruktive Aus- ergibt sich das Problem, dass Belüfter von der
Wand abgerückt werden müssen. Die Vouten
legung und Leis- unterstützen die Strömungswalzen wodurch
tung von Belüftung negative Effekte auftreten. Es ist darauf zu ach-
ten, dass die Belüfter an der Sohle gleichmäßig
und Durchmi- verteilt sind.
schung Bei Mischbecken mit Sohlrührwerk muss der
Bereich des Rührwerkes ausgespart werden,
6.1 Allgemeines um Walzenströmungen zu vermeiden.

Aufgrund der Vielzahl möglicher verfahrens- Zur Montage der Belüfter auf der Beckensohle
technischen Anlagenkonfigurationen und Be- wird empfohlen, zur besseren Reinigung einen
ckenkonstruktionen ist eine allgemeingültige Abstand von ca. 10 cm anzustreben und die
Beschreibung der Konstruktion von Belüftungs- Beckensohle mit einem leichten Gefälle von
und Durchmischungsaggregaten nicht möglich. beispielsweise 1 % auszuführen. Bei größeren
Becken ist es darüber hinaus empfehlenswert
Nachfolgend werden daher eher grundsätzliche diese Sohlneigung so herzustellen, dass die
Hinweise zur Anordnung der Belüftung und der geneigten Sohlabschnitte in Rinnen entwässern,
Durchmischung gegeben, die in Abhängigkeit die wiederum in einen oder mehrere Pumpen-
der speziellen Randbedingungen des Einzelfalls sümpfe geführt werden, so dass bei Außerbe-
entsprechend zu übertragen sind. triebnahme des Beckens eine schnelle Reini-
gung und Restentleerung des Beckens möglich
wird. Bei Ausführung der Beckensohle in ge-
6.2 Anordnung von Belüftungs-
neigter Form ist allerdings durch Aufständerung
einrichtungen und Rührwer-
der Belüfter darauf zu achten, dass diese in
ken exakt gleicher Höhe montiert werden.

6.2.1 Druckluftbelüftungssysteme oh- Die geübte Praxis, möglichst viele Belüfter an


ne Rührwerke einem Belüfterrohr anzuordnen und möglichst
wenige Belüfterrohre nebeneinander in das Be-
Bei der Anordnung von Belüftern in Becken ist cken zu legen, ist ungünstig. Es sollten mög-
darauf zu achten, dass die Abstände zwischen lichst gleichmäßige Abstände zwischen den
den Belüfterelementen und Wänden nicht zu Belüftern vorliegen und im Zweifelsfall ein oder
groß werden. Überschreiten diese Abstände zwei Verteilrohre mehr in das Becken hineinge-
gewisse Maximalwerte, so bilden sich Strö- legt werden (s. Bild 5).
mungswalzen aus, die die Luftblasen rascher an
die Beckenoberfläche befördern, wodurch die
Aufenthaltszeit der Blasen im Wasserkörper
reduziert und die Wirtschaftlichkeit des Gesamt-
systems verringert wird.

Für Rohrbelüfter zeigen praktische Erfahrungen,


dass sich bei zu großen Abständen zwischen

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 31


DWA-M 229 Entwurf

Angaben der verschiedenen Hersteller sind nicht


einheitlich. Typische Werte sind:
• Abstand zwischen Rührwerk und Belüfter-
feld, sowie zu Umlenkungen (in beiden Rich-
tungen):
4–7m
• Abstand zwischen zwei Rührwerken:
1 · DRührwerk
Bild 5: Weniger günstige (links) und günstige
(rechts) Belüfteranordnung in Mischbe- • Abstand zur Seitenwand:
cken 0,3 bis 1 · DRührwerk
• Abstand zur Wasseroberfläche:
Einen Sonderfall stellt die temporäre Umwäl-
größer 0,8 m
zung des Beckeninhaltes vor allem bei Anlagen
mit intermittierender Nitrifikation/Denitrifikation • Abstand zur Beckensohle:
dar. Dabei wird der Beckeninhalt in frei wählba- 0,3 -0,5 m, bei tiefen Becken auch mehr
ren Abständen (10 – 20 Minuten) stoßweise
belüftet (< 45 sec), so dass eventuell abgesetz- Bei Becken die nicht mindestens 8 mal so lang
ter Schlamm wieder in Schwebe gebracht wird. sind wie die Gerinnebreite, steht nur wenig Flä-
Wirtschaftliche Vorteile bietet diese Verfahrens- che für die Anordnung der Belüfter zur Verfü-
technik in der Regel bei langen, schmalen Be- gung. Diesem Sachverhalt wird bei der Planung
cken, die ungünstig für einen wirtschaftlichen in der Regel zu wenig Beachtung geschenkt und
Rührwerksbetrieb sind. Nachteilig ist, dass eine die Belüfter in einem engen Raster, d.h. mit
strikte Entkoppelung von Umwälzung und Belüf- hoher Belegungsdichte eingebaut.
tung wie bei Rührwerken nicht möglich ist, dass
heißt die notwendige Luft muss aus dem beste- Es ist nicht empfehlenswert, die Belüfter auf
henden Luftverteilungssystem entnommen wer- einem kleinen Bereich der Beckensohle zu-
den. Sind mehrere Beckenteile in unterschiedli- sammenzudrängen. Obwohl grundsätzlich eine
chen Sequenzen zu belüften, erfordert dies zu- hohe Belegungsdichte auch eine höhere Sauer-
sätzliche Stellglieder zur Luftverteilung sowie stoffzufuhr zur Folge hat, kommt es bei Umlauf-
eine entsprechende Steuerung, die dieses Ver- becken in diesen Fällen zu einer Ausbildung von
fahren dann aufwändig machen. Bei guten Ab- starken Strömungswalzen an den Rändern der
setzverhalten und hoher Sinkgeschwindigkeit Belüftungsfelder, die die Sauerstoffzufuhr nega-
des Schlammes können die erforderlichen Belüf- tiv beeinträchtigen. Der Effekt beruht auf der
tungsintervalle sehr klein werden, mit der Folge Überlagerung der Blasenaufstiegsgeschwindig-
hoher Schalthäufigkeit und negativer Auswir- keit mit der nach oben gerichteten Wasserströ-
kungen auf die Denitrifikation. mung und der dadurch verkürzten Aufenthalts-
zeit der Luftblasen im Wasserkörper.

6.2.2 Druckluftbelüftungssysteme mit Günstiger ist es, die Belüfter auf die maximal
Rührwerken mögliche Beckengrundfläche zu verteilen, ohne
dass dabei maximale Abstände überschritten
Aus verfahrenstechnischen Gründen werden werden (s. Bild 5). Hierbei sind selbstverständ-
Umlaufbecken häufig mit langsam laufenden lich auch andere verfahrenstechnische Randbe-
Horizontalrührwerken ausgestattet. Es ist üblich, dingungen (Durchmischung, Denitrifikationszo-
die Belüfter in den geraden Gerinnebereichen nen) bei der Festlegung der zu belegenden Flä-
anzuordnen. che zu beachten. Durch das „Auseinanderzie-
hen“ der Belüfterfelder verkleinert sich der Ein-
Von den Rührwerksherstellern werden Mindest- fluss der Randbereiche im Verhältnis zur ge-
werte für Wandabstand, Sohlabstand, Abstand samten Fläche des Belüfterfeldes, d.h. der Be-
zu Belüftern, der Wasseroberfläche und der reich in dem die Luftblasen ungestört aufsteigen
Rührwerke untereinander gefordert [44]. Die können wird vergrößert (s. Bild 6).

32 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Bei kurzen Umlaufbecken (das sind Becken bei


denen das Verhältnis Länge/Gerinnebreite < 6
beträgt) ist es in der Regel notwendig, Belüf-
terelemente auch in die Umlenkung einzubauen.
Grundsätzlich sollten die Belüfterfelder so ange-
ordnet werden, dass möglichst wenige Rand-
walzen (im günstigsten Fall nur zwei) auftreten. Bild 7: Anordnung von Belüfterelementen im
Umlenkbereich von Umlaufbecken zur
Verbesserung der Durchströmung und
des Sauerstoffeintrags

In Umlaufbecken steigt durch Erhöhung der


Wassergeschwindigkeit im Umlaufkanal die
Sauerstoffzufuhr SOTR an. Neben der Wasser-
Bild 6: Walzenströmung an den Rändern eines geschwindigkeit hat auch die Anordnung der
Belüfterfeldes in Umlaufbecken Belüftungselemente Einfluss auf den Sauerstof-
feintrag und -ertrag. Obwohl die örtlichen Ver-
Es hat sich gezeigt, dass die Anordnung von
hältnisse eine wesentliche Rolle spielen, kann
Belüftern in der Umlenkung von Umlaufbecken
dennoch der von Gillot [34] für verschiedenen
einen positiven Effekt hat (s. Bild 7). Dies ist
Anlagen mit Umlaufbecken in Frankreich gefun-
nicht nur alleine auf die Erhöhung der Anzahl
dene Zusammenhang zwischen Strömungsge-
der Belüfter und die damit einhergehende Re-
schwindigkeit und verbesserter Sauerstoffzufuhr
duktion der spezifischen Luftbeaufschlagung
grundsätzlich bestätigt werden.
zurückzuführen, sondern auch auf die weitge-
hende Unterbindung von Randwalzen mit ihren
nachteiligen Einflüssen auf die Sauerstoffzufuhr. 6.2.3 Oberflächenbelüftungssysteme

Messtechnische Überprüfungen der Sauerstoff- 6.2.3.1 Allgemeines


zufuhr, beispielsweise auf dem Hauptklärwerk in
Wien, haben eine deutliche Steigerung, und Obwohl Oberflächenbelüfter schon wesentlich
zwar über dem theoretisch aufgrund der erhöh- länger als Druckluftsysteme für die Sauerstoffzu-
ten Belüfterzahl erwarteten Wert, ergeben [32]. fuhr in Belebungsbecken eingesetzt werden,
Durch die Anordnung von Belüftern in der Um- fehlen heutzutage oft Kenntnisse wie diese Ag-
lenkung von Umlaufbecken konnte in einigen gregate effizient einzusetzen sind. Die Ursache
Fällen eine deutliche Verbesserung der Um- hierfür liegt dabei darin, dass in den letzten zwei
laufströmung bei gleich bleibender Leistung der Jahrzehnten vermehrt Druckbelüftungssysteme
Rührwerke erreicht werden. eingesetzt worden sind, so dass die Erfah-
rungsweitergabe nur in unzureichendem Maße
Ursache für die verbesserte Umlaufströmung ist,
erfolgte.
dass der Strömungswiderstand der Umlenkung
durch das Einblasen von Luft in der Umlenkung Nachfolgend werden grundsätzliche Erkenntnis-
reduziert wird. In der Umlenkung strömt ein 3- se aus dem langjährigen Betrieb von Anlagen
Phasengemisch aus Wasser-Belebtschlamm mit Oberflächenbelüftern versucht zu verallge-
und Luftblasen. Dieses hat andere rheologische meinern, um daraus konkrete Hinweise zur An-
Eigenschaften als das Abwasser- ordnung und zur Konstruktion abzuleiten.
Belebtschlammgemisch. So ist unter anderem
die (scheinbare) Viskosität durch den Luftbla- Bei der Auslegung der Belebungsbecken mit
senanteil (0,5-2 %) geringer, wodurch sich der Oberflächenbelüftern sind Becken mit Walzen-
Strömungsverlust in der Umlenkung verringert. belüftern und Becken mit Kreiselbelüftern zu
unterscheiden.

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 33


DWA-M 229 Entwurf

6.2.3.2 Becken mit Walzenbelüftern Bild 9: Anordnung von Walzenbelüftern

Walzenbelüfter werden, wie in Kapitel 4.1.3 dar- Soll im Becken simultan denitrifiziert werden, so
gestellt, zumeist in Umlauf- oder Schleifenbe- ist dies auch bei einer gleichmäßigen Anord-
cken eingesetzt, finden ihre Anwendung aber nung der Walzenbelüfter im Becken zu realisie-
auch in Kreisringbecken. Die Wassertiefe der ren. Aufgrund der Ausbildung von Sauerstoff-
Becken beträgt im Allgemeinen bis zu 3,50 m, gradienten über die Beckentiefe [38] entstehen
eine Ausführung mit Tiefen bis zu 7,50 m ist in den unteren Beckenbereichen Zonen, in de-
jedoch problemlos möglich, wie Erfahrungen der nen die Denitrifikation ablaufen kann. Durch eine
letzten Jahre zeigen. In diesen Fällen sind zu- angepasste Betriebsweise der Belüfter lässt sich
sätzlich Rührwerke zur Verteilung des eingetra- der Bereich jedoch noch vergrößern. Zusätzlich
genen Sauerstoffs sowie zur Durchmischung kann dieser Denitrifikationsbereich aber auch
notwendig. durch eine angepasste Anordnung der Walzen-
belüfter geschaffen werden, indem ein Becken-
Die Anordnung der Walzenbelüfter beeinflusst in bereich ausgewählt wird, in dem keine Aggrega-
erheblichem Maße die Effektivität des Sauer- te positioniert werden. Bild 10 zeigt beispielhaft
stoffeintrages wie auch die Ausbildung des eine mögliche Variante. In dem Schleifenbecken
Strömungsfeldes. Um negative Beeinflussungen – bestehend aus vier Bahnen – bleibt Bahn II
auf den Sauerstoffeintrag so gering wie möglich unbelüftet, so dass in diesem Bereich gesichert
zu halten, ist der Abstand zwischen den Wal- denitrifiziert werden kann. Auch in dieser Varian-
zenbelüftern so groß wie möglich zu wählen, te kann je nach Betrieb der Belüfteraggregate
wobei ein Mindestabstand von 20 m nur in Son- der Denitrifikationsbereich in Teilbereiche oder
derfällen unterschritten werden sollte (s. Bild 8). auf die gesamte Bahn III ausgedehnt oder ver-
mindert und dadurch das Denitri-
fikationsvolumen den Anforderungen an das
Prozessgeschehen angepasst werden.

II
Bild 8: Abstand aufeinander folgender Walzen-
belüfter mit gekennzeichneten Sauer-
stofffahnen III

In einem reinen Nitrifikationsbecken werden die IV


Belüfter gleichmäßig im Becken angeordnet (s.
Bild 9).
Bild 10: Beispielhafte Darstellung eines Bele-
Der Abstand eines Walzenbelüfters von einer bungsbeckens mit Walzenbelüftern
Umlenkung (L1) sollte dabei die Kanalbreite,
mindestens aber 4,50 m betragen. L2 bezeichnet Bei einer Wassertiefe > 3.5 m oder bei intermit-
den Abstand eines Belüfters zum Folgenden tierender Denitrifikation sind zusätzlich Rühr-
und sollte, wie oben bereits erwähnt, nicht klei- werke zu positionieren.
ner als 20 m sein.
Die Anordnung der Rührwerke erfolgt zweck-
mäßiger Weise bei Umlauf- oder Schleifenbe-
cken am Anfang einer Bahn. Sind dort auch
Walzenbelüfter angeordnet, so sind die Rühr-
werke an der Abströmseite der Walzenbelüfter
anzuordnen. Diese Anordnung stellt den unge-
störten Sauerstoffeintrag durch die Belüfter si-
cher. Eine negative Beeinflussung der Rührwer-

34 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

ke durch das von der Walze abströmende Was- fungsbalken einzubauen. Bild 12 verdeutlicht
ser konnte in der Praxis bisher nicht beobachtet ihre Anordnung im Becken.
werden.
Die Dämpfungsbalken sollten dabei horizontal
Die Abstände der Rührwerke von Wänden oder ca. 25 cm (bei ET = 30 cm) unter dem Wasser-
vom Boden hängen von der Größe des jewei- spiegel angebracht werden. Die erforderliche
ligen Rührwerks ab und sind mit dem Hersteller Dämpfungsfläche beträgt ca. 1,5 – 2 % der Be-
abzustimmen. Der Abstand der Rührwerksachse ckenoberfläche.
von der Walzenbelüfterachse ist nicht definiert.
Dieser Abstand ergibt sich konstruktionsbedingt,
da die Halterung für das Rührwerk in der Regel
an der Brücke des Belüfters montiert wird.

Walzenbelüfter sollten grundsätzlich nur in


Kombination mit Leitschilden betrieben werden,
da diese eine Steigerung des Sauerstoffeintrags
um bis zu 20 % bewirken. Die Anordnung von
Leitschilden und die wesentlichen Maße ver-
deutlicht Bild 11.
Bild 12: Anordnung von Dämpfungsbalken in
Ringbecken (Angabe in cm)
In Einzelfällen, z. B. bei einer dichten Anordnung
mehrerer Aggregate hintereinander, kann es zu
hohen Geschwindigkeiten an der Wasserober- 6.2.3.3 Kreiselbelüfter
fläche kommen, so dass die Relativgeschwin-
digkeit zwischen Wasser und Walzenbelüfter Kreiselbelüfter werden in Rechteckbecken oder
vermindert und dadurch das Eintragsverhalten Umlaufbecken eingesetzt.
ungünstig beeinflusst wird. Bremswände kön-
nen in diesem Zusammenhang ein geeignetes Die zur Mischung erforderliche spezifische Leis-
Hilfsmittel zur Verbesserung der Anströmcha- tung ist nach Kalbskopf [40] von der Beckenge-
rakteristik des Belüfters darstellen. Ihr Einsatz ist ometrie abhängig.
jedoch im Einzelfall zu prüfen, da u. U. eine
negative Beeinflussung der Energieaufnahme Für einen wirtschaftlichen Betrieb hinsichtlich
die positiven Auswirkungen auf das Sauerstoffe- des Sauerstoffeintrages wird ein Verhältnis von
intragsverhalten übersteigt und damit der Öko- Beckenbreite zu Beckentiefe von größer 4 für
nomiewert vermindert wird. Versuche zur Aus- Rechteckbecken empfohlen. Die Wassertiefe
wirkung von Bremswänden werden z.B. in [49] beträgt bei Rechteckbecken bis zu 4,50 m und
beschrieben. bei Umlaufbecken bis zu 5,0 m.

Die Anordnung der Belüfteraggregate erfolgt in


einem quadratischen Becken in der Mitte des
Beckens (s. Bild 13) und in Rechteckbecken in
gleichmäßiger Verteilung. In Umlauf- oder
Schleifenbecken werden die Kreiselbelüfter in
den Umlenkungen angeordnet (s. Bild 14).

Bild 11: Anordnung von Leitschild Zusätzliche Rührwerke können in Umlauf- oder
Schleifenbecken sinnvoll und notwendig sein,
In Kreisringbecken werden gelegentlich Wellen- wenn eine intermittierende Denitrifikation erfol-
bildungen an der Oberfläche sowie hydraulische gen soll, oder aber wenn die Fließlängen zwi-
Schwingungen beobachtet, die zu Schädigun- schen den Kreiselbelüftern zu groß sind und
gen der Walzenbelüfter führen können. In die- keine ausreichenden bodennahen Geschwindig-
sen Becken sind daher grundsätzlich Dämp- keiten erzeugt werden können, um permanente
Ablagerungen zu unterbinden.

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 35


DWA-M 229 Entwurf

kreisel sicher zu stellen, wodurch der O2-Eintrag


verbessert wird.

6.3 Hinweise zur Auslegung von


Belüftersystemen im Bestand

Für die Neuauslegung von Belüftungssystemen


im Bestand gelten grundsätzlich die Ausführun-
gen im Kapitel 4.3. Bei der Durchführung von
Erneuerungs- oder Optimierungsmaßnahmen
Bild 13: Anordnung von Kreiselbelüftern in sind im Zuge der Grundlagenermittlung hierbei
quadratischen Becken jedoch zusätzlich:
• die tatsächliche Ausführung des Belüftungs-
systems in Bezug auf die letzte Planung zu
überprüfen (Einblastiefen, Anzahl der Belüf-
terelemente, Rohrleitungsdurchmesser, Leis-
tungsfähigkeit der Verdichter),
• die Druckverlust- wie die energetische Situa-
Bild 14: Anordnung von Kreiselbelüftern im tion über Kennzahlen zu erheben und zu be-
Umlaufbecken werten,

Stabilisator • das Automatisierungskonzept zu erheben


und zu bewerten,
In Rechteckbecken sind unterhalb des Belüfters • die Randbedingungen der Lastfälle (Bemes-
Stabilisatoren anzuordnen. Bild 15 zeigt die sungsfrachten, Temperatur etc.) neu festzu-
Anordnung einer solchen Konstruktion. legen und
• bei größeren Anlagen unter Umständen
Messungen zum Sauerstoffeintrag und ggf.
Sauerstoffertrag unter dem laufenden Betrieb
durchzuführen.

Davon ausgehend ist eine erneute Auslegung


unter Beachtung der ggf. neuen Rahmenbedin-
gungen durchzuführen. Ein einfacher 1:1-
Austausch von Elementen des Belüftungssys-
tems sollte nur bei sicher unveränderten Rah-
menbedingungen und einer verfahrenstechnisch
Bild 15: Kreiselbelüfter mit Stabilisator wie energetisch hohen Effizienz der Belüftung
realisiert werden.
Der Stabilisator stabilisiert das zum Belüfter
strömende Wasser und unterdrückt gleichzeitig Bei der sukzessiven Erneuerung von Belüf-
hydraulische Schwingungen, so dass die Bean- tungselementen oder bei einem Fabrikatwechsel
spruchungen der Maschine verringert werden. in Teilbereichen der belüfteten Becken sind die
dann auftretenden unterschiedlichen Druckver-
Zur Vermeidung von Kavitation wird empfohlen,
luste in Bezug auf die (automatisierte) Luftvertei-
an der Beckensohle Stahlplatten unterhalb der
lung vorher zu bewerten.
Kreiselaggregate zu montieren. Verbunden mit
kreuzförmigen Stabilisatoren können diese auch
dazu dienen, eine Relativgeschwindigkeit zwi-
schen dem Wasserkörper und dem Belüftungs-

36 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

eingesetzt. Fragestellungen im Hinblick auf die


7 Mathematische Positionierung der Aggregate wie Belüfter und
Modellierung von Rührwerke und ihr Einfluss auf die sich einstel-
lenden Systemverhältnisse können untersucht
Belüftung und und eine verfahrenstechnisch optimale wie auch
Durchmischung energieeffiziente Betriebsweise des Beckens
ermittelt werden.
Die mathematische Modellbildung zur Beschrei-
bung von Prozessen der Abwassertechnik wird Typische Fragestellungen, die mit Hilfe eines 3-
schon seit vielen Jahren verwendet. Dabei steht dimensionalen Simulationsmodells untersucht
in den meisten Fällen der Einsatz eines Tools werden, beziehen sich auf die:
zur Unterstützung von Auslegung und Bemes- • Einmischung des Zulaufstromes in das Be-
sung im Vordergrund. Derartige Modelle basie- cken,
ren auf so genannten 0-dimensionalen Ansätzen
(Rührkesselmodelle) und bieten die Möglichkeit, • Entstehung von Kurzschlussströmungen
die Prozesse in voll durchmischten Reaktorvo- zwischen Zu- und Ablauf,
lumina zu beschreiben und damit Aussagen • Ausbildung von Totzonen oder Bereichen
über die Wirkungsweise und den Wirkungsgrad geringer bodennaher Geschwindigkeiten,
einer Kläranlage zu treffen [37]. Der Einfluss der wodurch es zu permanenten Ablagerungen
Strömung wie auch räumliche Strukturen kön- kommen kann,
nen nur vereinfacht berücksichtigt werden.
• Positionierung der Belüfter,
Im Gegensatz dazu bieten mehrdimensionale • Positionierung von Rührwerken (Hierbei steht
mathematische Modelle – so genannte CFD- neben der Frage, wie die Rührwerke im Hin-
Modelle (CFD = Computational Fluid Dynamics) blick auf eine energieeffiziente Betriebsweise
– die Möglichkeit, ein einzelnes Becken räumlich positioniert werden müssen, noch die Frage
abzubilden und einen umfassenden Einblick in nach den Wechselwirkungen mit den Belüf-
die ablaufenden Prozesse zu erhalten [39]. teraggregaten im Vordergrund.) und die

Für die Untersuchung eines Belebungsbeckens • Verteilung des Sauerstoffs im Becken.


wird das 3-dimensionale Strömungsfeld auf Ba-
sis von Kontinuitäts- und Impulserhaltung ermit- Die Durchführung derartiger Simulationsstudien
telt, wobei bei einem druckbelüfteten Bele- erfolgt durch Büros, die auf Strömungssimulati-
bungsbecken die Gleichungen nicht für reines onen spezialisiert sind. Um verlässliche Ergeb-
Wasser, sondern für das 2-Phasengemisch nisse zu erhalten, ist es wichtig, dass dem aus-
Wasser und Luft gelöst werden. Da die Strö- führenden Büro, die für die Simulationsstudien
mungen im Belebungsbecken stets turbulent notwendigen Randbedingungen zur Verfügung
sind, wird die Turbulenz der Strömung durch ein gestellt werden. Eine Übersicht über die wesent-
Turbulenzmodell abgebildet. Hier hat sich in der lichen hierzu benötigten Informationen findet
Praxis das Standard-k-ε-Modell [43] als geeignet sich im Anhang B.
erwiesen.

Eine Berücksichtigung der Schlammphase für 8 Wirtschaftlichkeit


Fragestellungen im Hinblick auf die Belüftung
und die Durchmischung ist im Allgemeinen nicht
von Belüftungs-
notwendig, da die TS-Konzentration in einer und Durchmi-
Belebung bei 2 bis 5 g/l liegt und dadurch keine schungssystemen
relevante Veränderung der Viskosität gegeben
ist.
8.1 Allgemeines
Die Durchführung 3-dimensionaler Strömungs-
Die Wahl eines wirtschaftlichen Belüftungs- und
simulationen wird zur Unterstützung von Neu-
Durchmischungssystems hat angesichts eines
planungen, Sanierungen und Optimierungen

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 37


DWA-M 229 Entwurf

Anteils von 50 bis 80 % an den gesamten Ener- der Berechnungen gegeben. Der Wirtschaftlich-
giekosten einer konventionellen Belebungsanla- keitsvergleich kann dabei entweder auf Basis
ge eine überragende Bedeutung. Dies betrifft einer Betrachtung der Jahreskosten oder der
nicht nur die erstmalige Festlegung auf eine Projektkostenbarwerte erfolgen. Es wird emp-
bestimmtes Belüftungs- und Durchmischungs- fohlen, beide Kenngrößen im Rahmen des Wirt-
system, die Beckengeometrie und die Auswahl schaftlichkeitsvergleiches zu ermitteln und aus-
geeigneter maschinentechnischer Aggregate, zuweisen.
sondern im Rahmen von Ersatzinvestitionen
auch die Frage, ob das zu Beginn des Lebens- Eine besondere Bedeutung haben Sensitivitäts-
zyklus einer Anlage gewählte Belüftungs- und prüfungen beim Vergleich unterschiedlicher
Durchmischungssystem vor dem Hintergrund Belüftungssysteme, da gerade im Falle eines
der zwischenzeitlich eingetretenen Entwicklun- Vergleichs von Oberflächen- und Druckbelüf-
gen immer noch wirtschaftlich ist. Insofern ge- tungssystemen die Anteile der Investitionskos-
hört die regelmäßige Überprüfung der Wirt- ten und der laufenden Kosten an den Gesamt-
schaftlichkeit zu einer wichtigen Aufgabe im kosten sehr unterschiedlich sein können.
Anlagenbetrieb.
Hierbei muss auch berücksichtigt werden, dass
Einen ersten Hinweis auf die Notwendigkeit die Leistung der Oberflächenbelüftungs- im Ge-
einer detaillierten Wirtschaftlichkeitsüberprüfung gensatz zu Druckluftbelüftungssystemen weit-
liefern häufig die inzwischen regelmäßig und für gehend konstant ist. Zur Aufrechterhaltung eines
große Kläranlagen nahezu selbstverständlichen wirtschaftlichen Sauerstoffeintrages ist bei der
Energieanalysen sowie die jährlichen Überprü- Druckluftbelüftung davon auszugehen, dass die
fungen der Energieeffizienz der Belüftung, wie Belüftungselemente regelmäßig ausgetauscht
sie ebenfalls inzwischen bei großen Anlagen werden müssen. Die Abstände zwischen dem
üblich ist. Belüfteraustausch sind allerdings von einer Viel-
zahl von Faktoren (u.a. Abwasserbeschaffen-
Damit ergeben sich zwei grundsätzlich unter- heit, regelmäßige Reinigung der Elemente, ver-
schiedliche Anwendungsfelder für Wirtschaft- fahrenstechnische Randbedingungen wie
lichkeitsvergleiche bei Belüftungs- und Durchmi- Schlammalter und Schlammzusammensetzung
schungssystemen: usw.) abhängig und liegen meist zwischen 5 und
10 Jahren. Oberflächenbelüfter können dagegen
• Erstauswahl eines wirtschaftlichen Belüf-
über Zeiträume von mehr als 25 Jahren ohne
tungs- und Durchmischungssystems
wesentliche Leistungseinbuße betrieben wer-
gekennzeichnet durch hohe planerische
den. Durch diesen Umstand werden ggf. Leis-
Freiheit im Hinblick auf Belüftungs- und
tungsvorteile der Druckluftbelüftung durch die
Durchmischungssysteme sowie Beckengeo-
Langzeitkonstanz der Oberflächenbelüftungs-
metrie und –konfiguration
systeme kostenmäßig ausgeglichen.
• Ersatzmaßnahmen von Belüftungs- und
Durchmischungssystemen Insbesondere die Entwicklung der Energiekos-
gekennzeichnet durch eingeschränkte plane- ten sowie der Verschleiß bzw. regelmäßige Er-
rische Freiheit durch in der Regel vorgege- satz von Belüfterelementen bei Druckbelüf-
bene Beckengeometrie und –konfiguration tungssystemen sollte Gegenstand einer Szena-
sowie bei Druckbelüftungssystemen der vor- rienbetrachtung sein, bei der der Einfluss von
handenen Verrohrung möglichen Preissteigerungen bei den Energie-
kosten bzw. die Häufigkeit eines Ersatzes der
In beiden Fällen wird empfohlen, sich der Me- Belüfterelemente (Nutzungsdauer) in realisti-
thodik der Kostenvergleichsrechnung zu bedie- schen Grenzen im Sinne einer Szenarienanaly-
nen, die im DWA-Merkblatt M 810 [23] ausführ- se untersucht werden.
lich beschrieben ist.

Nachfolgend werden ergänzend zur grundsätzli-


chen Anwendung der Kostenvergleichsrechnun-
gen detaillierte Empfehlungen zur Durchführung

38 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

8.2 Investitionskosten Tabelle 6: Empfohlene Nutzungsdauer (n) für


Wirtschaftlichkeitsvergleiche
Zu den Investitionskosten bei einem Wirtschaft- Element n
lichkeitsvergleich von Belüftungssystemen zäh- [a]
len insbesondere:
Baukosten 30
• Baukosten für Gebläsestation bei Druckbelüf-
tungsystemen Belüfterelemente Elastomere 5 – 10

• Drucklufterzeugung Belüfterelemente Keramik 15

• Rohrleitungen und Armaturen Rührwerke 15

• Oberflächenbelüfter Verdichter 20

• Belüfterelemente Rohrleitungen 30

• Durchmischungsaggregate Oberflächenbelüfter 20

• EMSR-Technik EMSR-Technik 15

Aufgrund der unterschiedlichen Nutzungsdauer


der aufgeführten Aggregate muss im Rahmen 8.3 Laufende Kosten
eines Variantenvergleichs aufgrund der metho-
denbedingten Forderungen einer Nutzengleich- Zu den laufenden Kosten bei einem Wirtschaft-
heit und damit einer gleichen Betrachtungsdauer lichkeitsvergleich von Belüftungssystemen zäh-
der zu untersuchenden Varianten in der Regel len:
eine Annahme im Hinblick auf die anschließend • Energiekosten
zu tätigende Reinvestition erfolgen. für den Betrieb der Verdichter bei Druckbelüf-
tungssystemen bzw. von Oberflächenbelüf-
Im einfachsten Fall wird diese Reinvestition in tern und für den Betrieb von Durchmi-
gleicher Höhe wie die Erstinvestition angenom-
schungsaggregaten
men, um die unterschiedlichen Nutzungsdauern
der zu vergleichenden Varianten zu berücksich- • Personalkosten
tigen. Auch wenn diese Annahme gerade bei in der Regel von untergeordneter Bedeutung;
dem im Lebenszyklus eines Belüftungssystems werden durch die Wartungs- und Instandhal-
häufig vorzunehmenden Austausch der Belüf- tungskosten meist abgedeckt
terelemente methodisch nur bedingt überzeugt, • Sachkosten
ist der Fehler, der hierbei durch möglicherweise in der Regel von untergeordneter Bedeutung;
nur eingeschränkt zutreffende Annahmen ge- werden durch die Wartungs- und Instandhal-
macht wird, im Vergleich zu der ungleich sensiti- tungskosten meist abgedeckt
veren Festlegung der Nutzungsdauer für die
Belüftungselemente in der Regel akzeptabel. • Wartungs- und Instandhaltungskosten
1,5 % für die Maschinentechnik
Zur Wahl einer geeigneten Nutzungsdauer gibt 2,5 % für die EMSR-Technik
die Tabelle 6 entsprechende Hinweise. Aller-
dings sollte bei jedem Wirtschaftlichkeitsver- Die Energiekosten für den Wirtschaftlichkeits-
gleich eine Plausibilisierung der gewählten Nut- vergleich werden aus dem Lastfall 1 abgeleitet
zungsdauern aufgrund der Erfahrungen aus der und müssen sich damit immer auf den mittleren
bisherigen Nutzung von Belüftungseinrichtungen Sauerstoff- bzw. Energiebedarf im Jahresmittel
des Betreibers erfolgen. Insbesondere die Nut- beziehen.
zungsdauer von Belüftungselementen auf
Elastomerbasis weist eine große Spannbreite
auf. So werden einerseits Nutzungsdauern von
5 Jahren angegeben, andererseits aber auch
über Betriebsdauern von bis zu 15 Jahren bei
gleich bleibend hoher Effizienz berichtet.

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 39


DWA-M 229 Entwurf

8.4 Jahreskosten bzw. Projekt- Als Alternative besteht die Möglichkeit, die Be-
kostenbarwerte lüftung komplett mit den notwendigen Peri-
pherieeinrichtungen und den ggf. notwendigen
Auf Basis der ermittelten Investitions- und Be- Aggregaten zur Durchmischung wie auch die
triebskosten werden dann unter Verwendung Durchmischung selbst als gesamtheitliche Funk-
der finanzmathematischen Umrechnungen der tionalausschreibung zur Vergabe auszuschrei-
Kostenvergleichsrechnung [23] die Jahreskosten ben. Im letztgenannten Fall kommen vor allem
bzw. die Projektkostenbarwerte ermittelt. Bietergemeinschaften von Ausrüstern und Her-
steller von Belüftungs- und Durchmischungssys-
Bei der Annahme eines Realzinssatzes wird temen als Auftragnehmer in Frage.
grundsätzlich empfohlen, den Hinweisen des
DWA M 810 [23] zu folgen und mit einem Real- Diese Vorgehensweise bietet den Vorteil einer
zinssatz von 3 % zu rechnen, in den sowohl der möglichen Kostenoptimierung in Bezug auf die
Nominalzinssatz wie auch die Inflation einge- Jahreskosten. Nachteilig ist, dass hier ggf. un-
rechnet sind. Grundsätzlich sollte aber insbe- terschiedliche Ausrüster vor Ort sind, und dass
sondere bei stark unterschiedlichen Anteilen von bezüglich der Ausschreibung höchster Wert auf
Investitionskosten und laufenden Kosten eine eine sachgerechte, umfassende Beschreibung
Empfindlichkeitsprüfung im Sinne einer Szenari- der lokalen Rahmenbedingungen und der Wer-
enuntersuchung durchgeführt werden und der tungskriterien sowie der Schnittstellen zwischen
Realzinssatz in einem Bereich zwischen 3 und den einzelnen Gewerken zu legen ist.
6 % variiert werden.
Welche Form der Ausschreibung letztlich ge-
Daneben sollte im Falle unterschiedlicher Antei- wählt wird, hängt nicht zuletzt von der verfah-
le von Investitionskosten und laufenden Kosten renstechnischen Kompetenz und des Erfah-
an den Gesamtkosten auch unbedingt die Emp- rungsschatzes des Betreibers bzw. des aus-
findlichkeit der Wirtschaftlichkeitsentscheidung schreibenden Büros ab. Ein versierter und erfah-
im Hinblick auf mögliche Energiepreissteigerun- rener Betreiber bzw. Planer wird durchaus in der
gen untersucht werden. Lage ein, eine detaillierte Ausschreibung eines
Belüftungs- und Durchmischungssystems zu
Eine beispielhafte Kostenvergleichsrechnung für erarbeiten und damit eine sichere Basis für ei-
die Untersuchung der Wirtschaftlichkeit zweier nen wirtschaftlichen Betrieb zu schaffen.
unterschiedlicher Belüftungssysteme findet sich
im Anhang A.2. Andererseits muss aber ausdrücklich davor ge-
warnt werden, die Anforderungen an eine funkti-
onale Ausschreibung zu gering einzuschätzen.
9 Ausschreibung, Tatsächlich gelingt es in der Praxis nur dann, die
Vorteile einer funktionalen Ausschreibung voll-
Vergabe und Ab- ständig zu nutzen, wenn es gelingt, die Rah-
menbedingungen, unter denen angeboten wer-
nahme den soll, zweifelsfrei und unmissverständlich zu
beschreiben und gleichzeitig eindeutige Kriterien
9.1 Inhalte der Ausschreibung für den durchzuführenden Wirtschaftlichkeits-
vergleich vorzugeben, auf dessen Basis in der
9.1.1 Vorbemerkung Regel die Vergabe erfolgt. Mit zunehmender
Größe der Anlage sowie bei einer kompletten
Üblicherweise werden in vielen Fällen die Belüf- Neuausrüstung der gesamten Belüftungs- und
tung und die Rührwerke im Rahmen der gesam- Durchmischungstechnik kann die funktionale
ten klärtechnischen Ausrüstung in Einzelpositio- Ausschreibung aufgrund ihrer Offenheit für un-
nen ausgeschrieben, so dass die Belüftung oder terschiedliche Lösungsansätze Vorteile aufwei-
Rührwerke nur ein Teil der Liefer- und Montage- sen.
komponenten darstellt.
Mit zunehmender Größe der Anlage und bei
einer Neuausrüstung mit Verdichtern incl. der

40 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Luftleitungen wird diese Variante zunehmend schreibung von Rührwerken finden sich im
interessant. Bei einer getrennten Ausschreibung VDMA-Einheitsblatt [12].
von Klärtechnik, Belüftung und Rührwerken in
beispielsweise drei Losen sind auf die Schnitt- Zur Installation der Einrichtungen sind Angaben
stellen von Belüftung und Homogenisierung zu Einbau- und Montageerschwernissen sowie
sorgsam zu achten. Im Einzelfall ist die vorge- den Zeiträumen der Installation (insbesondere
zogene Vergabe der Belüftung sinnvoll. bei sukzessiven Außerbetriebnahmen mit ho-
hem Zeitdruck) unabdingbar. Weiterhin sind
hierbei Aufgaben der Beckenreinigung und die
9.1.2 Detaillierungsgrad der Aus-
Darstellung von Zugänglichkeiten (vorhandene
schreibung Einstiegsleitern, Kranstandorte) im Vorfeld zu
benennen.
Im Zuge der Ausschreibung sind dem Ausrüster
alle maßgeblichen Informationen der Auslegung
Bei funktionalen Ausschreibungen sind zusätz-
und der Installation des Belüftungssystems dar-
lich unzulässige Abweichungen vom Hauptent-
zulegen. Dazu gehören auch verfahrenstechni-
wurf eindeutig aufzuzeigen (ggf. Art des Belüf-
sche Angaben (Schlammbelastung, Schlammal-
tungssystems, Geometrie der Reaktoren, Mate-
ter, erwarteter Feststoffgehalt, Betriebsweise der
rialien von Luftleitungen und Belüftungselemen-
Abwasserreinigung, Anordnung von Rührwer-
ten, Leitungstrassen).
ken) sowie die klassischen Ausschreibungsbe-
standteile bezüglich der Verdichter (Arbeitsbe- Die Abnahmemessungen sollten unabhängig
reich bezüglich der Luftmenge, Druckverhältnis- von der maschinentechnischen Ausrüstung aus-
se, Temperaturbedingungen etc. und ggf. Vor- geschrieben und beauftragt werden. Der Aus-
zugsfabrikat), des Rohrleitungssystems (Materi- rüster sollte dabei aber die Verantwortung für
al, Durchmesser, Spezifikation der Armaturen) das Herstellen geeigneter Randbedingungen
sowie der Belüftungselemente. haben.

Hier bestehen unterschiedliche Vorgehenswei-


sen von Planern und Betreibern bezüglich der 9.1.3 Garantiewerte
Vorgabe von Funktion (abschaltbar, dauerbelüf-
tet) und Material (Keramik, EPDM, Silikon etc.). 9.1.3.1 Allgemeines
Auch hier sind die Randbedingungen (Luftmen-
ge bei unterschiedlichen Lastfällen, Einblastiefe Eine Überprüfung der Garantiewerte von Belüf-
usw.) detailliert zu benennen. Eine möglichst tern und Durchmischungsaggregaten sollte
detaillierte, aufgabenbezogene Darstellung des grundsätzlich erfolgen, wenn die Anlage eine
ausgeschriebenen Gesamtsystems vereinfacht Ausbaugröße von mehr als 100.000 EW auf-
zudem die Wertung von Nebenangeboten und weist oder wenn es sich bei dem ausgeführten
verhindert entsprechende Nachträge. Belüftungssystem um einen Sondervorschlag
handelt.
Bei der Ausschreibung und Installation von
Rührwerken gelten grundsätzlich die gleichen Für Anlagen im Bereich von 10.000 bis 100.000
Ausführungen bezüglich der verfahrenstechni- EW wird eine Überprüfung empfohlen. Für klei-
schen Angaben wie bei der oben beschriebenen nere Anlagen (unter 10.000 EW) kann auf den
Belüftung. Die klassischen Ausschreibungsbe- Nachweis des Sauerstoffeintrags und –ertrags in
standteile umfassen zusätzlich den Zweck der Reinwasser verzichtet werden, wenn der Aus-
Rührwerke, das umzuwälzende Volumen, Be- rüster oder Hersteller entsprechende Ergebnisse
ckentiefe und Beckeneinbauten (wie die Belüf- baugleicher Anlagen vorlegen kann. Der Begriff
tung) sowie den vorgesehenen Standort mit "baugleich" ist in diesem Zusammenhang aller-
Lageplan. Zusätzlich sind die geplante Art des dings sehr eng zu fassen, da bereits geringfügi-
Rührwerkes (ggf. mit Vorzugsfabrikat), die Ab- ge Unterschiede hinsichtlich der Beckengeomet-
schalthäufigkeiten und die Automatisierung der rie und der Belüfteranordnung (ggf. auch der
Rührwerke zu benennen. Weitere Angaben zu Verdichterkonfiguration) deutlich abweichende
den notwendigen Informationen für die Aus-

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 41


DWA-M 229 Entwurf

Eintrags- und Ertragswerte zur Folge haben 9.1.3.2 Belüftungsystem


können.
Bei neu gebauten Anlagen, sollte die Garantie
Wenn der Ausrüster alle Komponenten des Be- alle Bereiche umfassen, also Sauerstoffzufuhr,
lüftungs- und gegebenenfalls Umwälzsystems Sauerstoffertrag und auch die Durchmischung.
geliefert und installiert hat, sollte die Garantie Bei Umbaumaßnahmen, wenn beispielsweise
alle genannten Parameter umfassen. Ist der Gebläse des Bestandes Verwendung finden,
Ausrüster nur für einen Teil des Systems ver- wird es schwierig, den Lieferanten des Belüf-
antwortlich, muss u.U. auf bestimmte Nachweise tungssystems an einen Sauerstoffertragswert zu
verzichtet werden. Beispielweise wird ein Aus- binden. In diesem Fall wird man sich mit der
rüster in der Regel keinen Sauerstoffertrag ga- Angabe einer Sauerstoffzufuhr bei einer be-
rantieren, wenn die Gebläse nicht in seinem stimmten Luftmenge einigen müssen. Das Prob-
Lieferumfang enthalten sind. In einem solchen lem stellt in diesen Fällen häufig die Ermittlung
Fall ist es sinnvoll, einen Garantiewert für den der Luftmenge dar. Nur in seltenen Fällen ste-
spezifischen Sauerstoffeintrag vertraglich zu hen Luftvolumenstrommessgeräte mit der erfor-
vereinbaren. Entsprechendes gilt auch für Um- derlichen Messgenauigkeit zur Verfügung. Au-
richter und Stromzuführungen sowie – vor allem ßerdem sind Verluste, die durch Luftvolumen-
bei Oberflächenbeluftern – für Antriebe. strommessgeräte erzeugt werden, bei der Be-
wertung zu berücksichtigen. Mit Hilfe der ge-
Die Forderung der Überprüfung der Leistungs- messenen Drehzahl der Gebläse und der Zu-
fähigkeit von Abwasserrührwerken resultiert aus standsgrößen der Luft lässt sich der Luftvolu-
dem Zusammenwirken von Belüftungseinrich- menstrom allerdings mit ausreichender Genau-
tungen und Rührwerken in Belebungsbecken. igkeit (± 5 %) ermitteln.
Für gleichzeitig belüftete und durchmischte Be-
lebungsbecken müssen für die Sauerstoffzufuhr Im Allgemeinen ist es bei einer Überprüfung des
und die Durchmischung getrennte Garantiewerte Sauerstoffeintrags sinnvoll, den maximalen
formuliert werden. Sauerstoffeintrag sowie den Eintrag bei einer
mittleren, im Normalbetrieb häufig vorkommen-
Häufig wird bei Nichterreichen von Garantiewer- den Einstellung des Belüftungssystems zu be-
ten für die Sauerstoffzufuhr dem Rührwerk das stimmen. Eine Ermittlung des minimalen Sauer-
Verschulden zugewiesen. Dieser Sachverhalt stoffeintrags ist dagegen in den meisten Fallen
beruht darauf, dass die Lieferanten von Belüfter- überflüssig, da sich der Wert aus Messungen
elementen eine gerichtete horizontale Anströ- bei den vorgenannten Betriebseinstellungen mit
mung der Belüfter von 20 – 30 cm/s vorausset- ausreichender Genauigkeit extrapolieren lässt.
zen. Diese Bedingung findet sich dann auch in Eine Ausnahme machen hier Anlagen, bei de-
der Formulierung der Garantiewerte wieder. Der nen eine Beeinträchtigung der Denitrifikation
Nachweis der Strömung im Bereich der Belüf- durch zu großen minimalen Sauerstoffeintrag in
terelemente bei Luftbeaufschlagung ist aber benachbarten Becken bzw. Beckenzonen zu
praktisch nicht möglich. befürchten ist. Der Sauerstoffertrag sollte als
Maß für die Wirtschaftlichkeit vorrangig bei der
Umgekehrt wird, z.B. wenn Ablagerungen im mittleren Betriebseinstellung ermittelt werden.
Belebungsbecken festgestellt werden, das Be- Bei der im Betrieb erwartungsgemäß selten
lüftungssystem dafür verantwortlich gemacht. auftretenden Maximalanforderung dürfte die
Wirtschaftlichkeit dagegen nicht von entschei-
Die Formulierung von Garantiewerten für Rühr- dender Bedeutung sein. Für Druckbelüftungen
einrichtungen sollte sich in der Praxis an der sollte zusätzlich der Druckverlust an den Belüf-
verfahrenstechnischen Aufgabenstellung orien- terelementen sowohl im Neuzustand als auch
tieren. Es wird empfohlen, bereits bei der Abfas- nach einer längeren Betriebszeit (1 bis 5 Jahre)
sung der Ausschreibungsunterlagen und Festle- garantiert werden.
gung der Garantiewerte die Machbarkeit der
Messungen und den dafür notwendigen Auf- Bei der Planung und Ausschreibung von Mess-
wand zu betrachten. programmen sollte darüber hinaus berücksich-
tigt werden, dass es oft mit vergleichsweise

42 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

geringem Mehraufwand möglich ist, zusätzliche, Anwendung der Desorptionsmethode empfohlen


vom oben skizzierten "Standardprogramm" ab- [20]. Bei derzeitigem Preisstand der Chemika-
weichende Einstellungen zu untersuchen, um lien ist die Desorptionsmethode ab einer Be-
3
bestimmte Einflüsse auch im Hinblick auf eine ckengröße von ca. 1.500 m auch kostengünsti-
Optimierung des Anlagenbetriebs quantifizieren ger. Wenn im Einzelfall mehrere Messmethoden
zu können (Beispiel: Einfluss von Rührwerken in Betracht kommen, sollte die Wahl der Metho-
bzw. Beckendurchströmung auf den Sauerstof- de in Abhängigkeit der örtlichen Randbedingun-
feintrag). gen zwischen Betreiber, Planer und der die
Messung ausführenden Institution abgestimmt
Messungen im Reinwasser sind gegenüber werden.
Messungen im Abwasser/Belebtschlamm vor-
teilhaft, wenn anlagenspezifische Einflüsse ge- Vom Planer festzulegen ist der Umfang des
zielt ausgeblendet werden sollen, um eine mög- Messprogrammes, d.h. Angabe der zu überprü-
lichst weitgehende Vergleichbarkeit von Syste- fenden Einstellungen des Belüftungssystems,
men bzw. Anlagen untereinander zu erreichen Festlegung des Beckens bzw. der Becken oder
oder um den Einfluss bestimmter Betriebspara- Beckenabschnitte, die zu untersuchen sind.
meter isoliert zu untersuchen. Garantiemessun-
gen werden meist in Reinwasser durchgeführt,
9.1.3.3 Rührwerke
da sich die Hersteller bzw. Ausrüster nicht in der
Lage sehen, die anlagenspezifischen Einflüsse Zur Feststellung der Effizienz von Tauchmotor-
hinreichend genau zu quantifizieren. rührwerken ist die ISO 21630 [10] und das
VDMA-Einheitsblatt [12] zu beachten. Darin wird
Für den Betreiber einer Abwasserreinigungsan-
der Schub (= die Kraft die vom Rührwerk auf
lage sind allerdings Messungen in Reinwasser
das Wasser wirkt) als wichtiger Parameter ein-
nur von geringer Bedeutung, da die real erreich-
geführt. Um Rührwerke verschiedener Bauweise
baren Werte oft erheblich von den entsprechen-
und verschiedener Hersteller besser vergleichen
den Reinwasserwerten abweichen können. Dar-
zu können, wird die spezifische Schubleistung
über hinaus ist zu berücksichtigen, dass der
(N/kW) abgeleitet. Je größer die spezifische
reale Sauerstoffeintrag auch bei konstanter Ein-
Schubleistung ist, desto effektiver ist das
stellung des Belüftungssystems abwasser- und
Rühraggregat.
lastbedingte Schwankungen aufweist und dass
diese Schwankungen im Einzelfall erheblich sein Die Ausführungen und Messvorschriften der ISO
können. 21630 [10] eignen sich jedoch nicht zur Überprü-
fung, ob das Rührwerk in der Lage ist, die ge-
Messungen im Abwasser/Belebtschlamm sind
stellten Rühraufgaben, z.B. Homogenisieren,
darüber hinaus im Hinblick auf die Verfolgung
Dispergieren, zu befriedigen.
anlagenspezifischer Veränderungen über länge-
re Zeitspannen von Bedeutung, da es im Allge- Für Mischeinrichtungen gibt es derzeit keine
meinen aus Gründen des Aufwands sowie even- allgemein gültigen Vorschriften zur Durchfüh-
tueller Störungen des Anlagenbetriebs nicht rung von Leistungsnachweisen in Belebungsbe-
möglich ist, Reinwassermessungen zu wieder- cken. Bei der Festlegung von Garantiewerten
holen, um bestimmte Veränderungen zu erfas- sollte gleichzeitig bedacht werden, welchen
sen. messtechnischen und personellen Aufwand die
Überprüfung dieser Werte auslöst. Nicht selten
Die Vorgehensweise bei der Bestimmung des
stehen der Aufwand für die Überprüfung vorge-
Sauerstoffeintrags einschließlich der daraus
gebener Garantiewerte bei Durchmischungsag-
abgeleiteten Kenngrößen (SSOTR, SSOTE,
gregaten in einem ungünstigen Verhältnis zu
SAE) wird im Merkblatt M 209 (für Messungen in
den Kosten der Rührwerke.
Reinwasser und in Abwasser/Belebtschlamm)
[20] sowie in der EN 12255-15 (für Messungen Für die Überprüfung der Leistungsfähigkeit der
in Reinwasser) [8] detailliert festgelegt. Wegen Rührwerke kommen folgende Prüfungen und
der bei der Absorptionsmethode nicht unerhebli- Messungen in Betracht [33]:
chen Umweltbelastung wird im Regelfall die

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 43


DWA-M 229 Entwurf

• Kontrolle auf Ablagerungen auch eine theoretische Beurteilung der Fest-


stoffverteilung aufgrund durchgeführter Strö-
• Messung der Strömungsgeschwindigkeit
mungsmessungen möglich ist.
• Messung der Feststoffverteilung im Becken
Eine Möglichkeit einen Garantienachweis für die
• Messung des Durchmischungsverhaltens –
Wirksamkeit von Rührwerken zu erbringen ist es
Markierungsversuche (Tracermessung)
zu kontrollieren, ob das Becken bei verschiede-
In Becken mit gerichteter Strömung, beispiels- nen Betriebszuständen frei von den Betrieb stö-
renden Ablagerungen bleibt. Dies betrifft vor
weise einem Umlaufbecken, wird empfohlen die
allem eine Redzierung des aktiven Beckenvolu-
Strömungsgeschwindigkeit oder die Feststoff-
verteilung als Prüfgröße zu nutzen, bei Becken mens und die Beeinträchtigung der Belüftung.
Dies ist jedoch erst im laufenden Betrieb zu
mit ungerichteter Strömung, beispielsweise ei-
einem relativ späten Zeitpunkt möglich und birgt
nem voll durchmischten Rundbecken, wird emp-
fohlen ausschließlich die Feststoffverteilung als die zusätzliche Schwierigkeit, konkrete Garan-
tiewerte für die Ablagerungsfreiheit zu formulie-
Prüfgröße zu verwenden.
ren.
Um zu verhindern, dass sich Ablagerungen bil-
den, ist weder die Richtung (Sohlgeschwindig- Für die Messung der Strömungsgeschwindigkeit
in Flüssigkeiten gibt es mobile Messgeräte, die
keit in Umlaufrichtung) noch ein Mittel- oder
nach verschiedenen Messprinzipien arbeiten:
Medianwert wichtig. Vielmehr sind Spitzenwerte
und deren Häufigkeit dafür verantwortlich, dass • Hydrometrische Messflügel
Ablagerungen, falls vorhanden, wieder aufge-
• Magnetisch induktive Messgeräte
wirbelt werden. Eine Formulierung könnte lau-
ten: „Es ist zu prüfen, ob an der Stelle A in min- • Ultraschall - Doppler Messgeräte
destens 10 % der Messzeit (z.B. 5 Minuten) eine
bestimmte Mindestgeschwindigkeit eingehalten Die Messsonden werden üblicherweise an einer
wird.“ Die Mindestgeschwindigkeit richtet sich im Stange befestigt und im Becken an definierten
Wesentlichen nach der Absetzgeschwindigkeit Stellen positioniert.
des belebten Schlammes, für die der Schlamm-
volumenindex als maßgebender Parameter her- Ultraschall-Doppler-Messgeräte und magne-
angezogen werden kann. Für einen Schlammin- tischinduktive Messgeräte sind bei entsprechen-
dex von mehr als 130 ml/g wird als Mindestge- der Ausführung in der Lage, einen dreidimensi-
schwindigkeit ein Wert von 10 cm/s empfohlen, onalen Strömungsvektor zu erfassen. Hydrome-
bei einem ISV von weniger als 80 ml/g eine tische Messflügel messen dagegen nur eindi-
Mindestgeschwindigkeit von 25 cm/s. mensional.

Bei voll durchmischten Einzelbecken und der Eine simultan mehrdimensionale Messung ließe
Gefahr von Kurzschlussströmungen ist daneben sich zwar theoretisch mit einer entsprechenden
auch eine Tracermessungen zur Ermittlung des Anordnung mehrerer dieser Geräte durchführen,
Verweilzeitverhaltens eine sinnvolle Form der ist aber wegen des damit verbundenen Auf-
Überprüfung der Reaktordurchströmung. wands nicht sinnvoll. Diese Geräte sollten daher
nur dann verwendet werden, wenn die Strömung
Grundsätzlich können reine Strömungs- eine deutlich ausgeprägte Hauptrichtung auf-
messungen oder Untersuchungen zur Ermittlung weist oder bewusst nur eine Strömungskompo-
des Verweilzeitverhaltens mittels Tracermes- nente erfasst werden soll. Ein Beispiel hierfür ist
sungen auch in Reinwasser durchgeführt wer- die Messung der Horizontalströmung in Umlauf-
den. Beim Nachweis der Homogenisierung soll- becken.
ten die Messungen sinnvollerweise aber mit
belebten Schlamm durchgeführt werden, auch Allgemein ist im Hinblick auf die korrekte Erfas-
wenn über das angenommene Absetzverhalten sung von Spitzengeschwindigkeiten bei der
des Schlammes, beispielsweise in Abhängigkeit Auswahl eines Messgerätes bzw. Messverfah-
des Schlammvolumenindexes, grundsätzlich rens darauf zu achten, dass mit einer ausrei-
chend hohen Messfrequenz gearbeitet werden

44 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

kann. Für schnell wechselnde Strömungen, wie festzulegen. Bei allen weiteren Probenahmen
sie beispielsweise in Rechteckbecken typi- sollte eine Abweichung von nicht mehr als +- 20
scherweise auftreten, sollte die Messfrequenz % nachgewiesen werden. Die Anzahl der erfor-
nicht unter 2 Messungen/Sek. liegen. derlichen Probenahmen richtet sich im Wesent-
lichen nach der Beckengröße und der –
Durch Messung der Feststoffverteilung, also der geometrie und sollte 20 Proben nicht unter-
Trockensubstanz an verschiedenen Positionen schreiten.
im Belebungsbecken, kann eine inhomogene
Verteilung bzw. Fraktionierung des Beleb- Bei einer Tracermessung wird eine leicht nach-
schlammes und eine Sedimentation erkannt weisbare Substanz (z.B. Uranin als organischer
werden. Die Messung der Trockensubstanz Farbstoff oder Lithium als nicht-reaktives Salz)
kann gravimetrische oder mit Feststoffsonden dem Becken zugegeben. Man kann Versuche
erfolgen. mit und ohne Durchfluss durchführen. Bei der
Durchführung von Tracerversuchen wird emp-
Feststoffsonden werden ähnlich wie Geschwin- fohlen eine Abstimmung mit den zuständigen
digkeitssensoren an einer Stange montiert. Vor Aufsichtsbehörden herbeizuführen.
der Messung werden die Sonden mit dem
Schlamm aus der Anlage kalibriert. Bei den Versuchen ohne Durchfluss (Standver-
suche) wird die Tracersubstanz an einer Stelle
Bei der gravimetrischen Feststoffmessung sind zugegeben und der Konzentrationsverlauf an
aus dem Becken Proben zu entnehmen. verschiedenen Messpunkten registriert. Je ra-
scher sich eine gleichmäßige Konzentration
In der Praxis hat sich die Verwendung speziell einstellt, desto besser ist die Mischleistung des
konstruierter Probenehmer bewährt. Diese ver- Rührwerkes.
fügen in der Regel über eine Probenkammer,
die an der gewünschten Entnahmestelle geöff- Bei Durchlaufversuchen wird dem Zulauf eine
net und nach dem Einströmen der Probe ge- Stoßmarkierung beigegeben. Aus dem zeitlichen
schlossen wird. Bei dieser Technik ist darauf zu Verlauf der Konzentration der Tracersubstanz im
achten, dass die Proben möglichst störungsfrei Ablauf kann ermittelt werden, welche Aufent-
(d.h. ohne Aufwirbelung von Schlamm) ent- haltszeit diese Substanz im Becken hat. Das
nommen werden können. heißt, wie lange es dauert, bis die gesamte Tra-
cersubstanz bei anhaltendem Zulauf aus dem
Alternativ kann die Entnahme von Feststoffpro- Becken ausgewaschen wird. Außerdem ist aus
ben auch mit Pumpen durchgeführt werden. der Kurvenform der Ablaufkonzentration eine
Dabei werden Tauchpumpen (z.B. 4 Stück) an Aussage über das Einmischen des Zulaufs (z.B.
einer Kette in festgelegten Abständen befestigt Toträume und Kurzschlussströmungen) möglich.
und gleich lange Schläuche montiert. Die
Schläuche werden zu vier Behältern mit einem Als Garantiewert ist die zulässige Abweichung
nicht zu kleinen Volumen (z.B. 150 Liter) ge- des gemessenen vom theoretisch errechneten
führt. Die Förderleistung der Pumpen muss so Verweilzeitverhalten festzulegen.
groß sein, dass es zu keiner Entmischung des
Schlammes im Schlauch kommen kann und die Beispielsweise könnte formuliert werden: Bis zu
Behälter in wenigen Minuten gefüllt werden kön- einer Aufenthaltszeit von nicht mehr als 10 %
nen. Nach dem Abstellen der Pumpen werden der nominellen hydraulischen Aufenthaltszeit
die Behälter gut durchmischt und eine Mehr- eines voll durchmischten Beckens und bei konti-
fachbestimmung (z.B. 3-fach) der Trockensub- nuierlicher Zugabe eines nicht-reaktiven Tracers
stanz durchgeführt. Diese Versuche sind zeitin- liegt keine Wert der Ablaufkonzentration (C)
tensiv und aufwändig. höher als 10 % der Tracer-Anfangskonzentration
(C0).
Als einzuhaltender Referenzwert wird empfoh-
len, den gemessenen Mittelwert des Feststoff- Sofern die Tracermessung unter realen Bedin-
gehalts in mittlerer Beckentiefe an verschiede- gungen ergibt, dass die tatsächlich gemessene
nen repräsentativen Positionen des Beckens Konzentration über 10 % der Anfangskonzentra-

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 45


DWA-M 229 Entwurf

tion des Tracers liegt, besteht offensichtlich eine ten Randbedingungen (wie Sauerstoffbedarf,
Kurzschlussströmung. Nutzungsdauer etc.) durch den Auftraggeber.
Die Durchführung der Berechnung sollte durch
Anders als bei der Überprüfung der Garantie- den Auftraggeber selbst erfolgen.
werte für die Belüftung ist eine klare Vorgabe
und Überprüfung von Garantiewerten bei Sehr problematisch ist in diesem Zusammen-
Durchmischungsaggregaten ungleich schwieri- hang die unanfechtbare Ermittlung des „güns-
ger. Daher sollte bei Ausschreibungen versucht tigsten Angebotes“ bei Ausschreibungen, in
werden, möglichst einfache Vorgabe im Hinblick denen die Belüftung und/oder Durchmischung
auf die Überprüfung der Durchmischung zu for- nur ein Teil des Liefer- und Montageumfanges
mulieren. Bei anspruchsvollen Aufgaben der darstellt, da eine einfache Addition der Einzel-
Durchmischung, beispielsweise bei komplexen preise jetzt nicht mehr möglich ist. Abhilfe kann
Beckengeometrien, und/oder großen Anlagen hier eine vorgegebene Gewichtung der unter-
sollten Planer und Betreiber bereits im Vorfeld schiedlichen Einzelgewerke schaffen.
eines Ausschreibungsverfahrens eine fachtech-
nische Diskussion mit verschiedenen Herstellern Noch schwieriger scheint die zusätzliche Bewer-
von Durchmischungsaggregaten und ggf. mit auf tung betrieblicher Faktoren mit nicht-monetärer
diesem Gebiet ausgewiesenen Fachplanern Bewertung von unterschiedlichen Faktoren (Re-
führen, um eine möglichst zutreffende Form der ferenzen, Garantiezeit, Reinigungsaufwand,
Leistungsbeschreibung und der Überprüfung Zugänglichkeit, Lärmemissionen etc.). Bei einer
möglicher Garantiewerte zu erreichen. zu bevorzugenden, getrennten Ausschreibung
von Belüftung/Durchmischung und anderen
Teilen der klärtechnischen Ausrüstung (Pum-
9.2 Vergabekriterien und Wertung
pen, Leitern, Geländer etc.) ist die beschriebene
Vorgehensweise jedoch viel einfacher zu reali-
Grundsätzlich sollte ein Belüftungssystem für
sieren. Zu beachten sind jedoch eine genaue
den jeweiligen Einsatzfall geeignet sein und bei
Abgrenzung des Leistungsumfanges und die
möglichst geringen Investitions- und Betriebs-
erforderliche Abstimmung mit anderen Gewer-
kosten über eine möglichst lange Zeitspanne
ken der Klärtechnik. Von großem Vorteil ist hier
zuverlässig und mit hoher Effizienz funktionie-
die vorgezogene Ausschreibung der Belüf-
ren.
tung/Durchmischung, so dass dann für die rest-
Zur differenzierten Bewertung von Systemen im lichen Komponenten der Klärtechnik der Leis-
Rahmen der Vergabe auf der Basis einer Aus- tungsumfang im Detail geklärt ist.
schreibung mit Einzelpositionen für Belüftung
Bei einer vollständig funktionalen Ausschreibung
und Rührwerke sind die vom Bieter abgefragten
ist die angebotene Variante zusätzlich unter
technische Variablen sachgerecht zu bewerten.
folgenden Fragestellungen, als unvollständige
Als Vergabekriterium ist der Preis der Investition
Auswahl, zu beleuchten:
allein nicht ausreichend, um das „wirtschaftlichs-
te Angebot“ tatsächlich zu erhalten“. Vielmehr • Ist das System für eine gegebene Becken-
sind auch die geometrie und für eine gegebene Prozess-
führung geeignet? (ist z.B. ein intermittieren-
• technische Glaubwürdigkeit bzw. Realisie-
der Betrieb möglich?)
rungsfähigkeit von Bieterangaben, insbeson-
dere im Hinblick auf den Sauerstoffertrag und • Ist das System im Hinblick auf die chemische
die Wartung, Beständigkeit der verwendeten Materialien
sowie einen verstopfungs- und ablagerungs-
• die Betriebskosten und
freien Betrieb für die gegebene Abwasserbe-
• die Investitionskosten schaffenheit geeignet?

zu beurteilen. Die Wertung von Kriterien der • Welche Effizienzkennwerte (z.B. Sauerstoff-
Wirtschaftlichkeit bedingt jedoch schon in der ertrag, spez. Sauerstoffeintrag) weist das
Ausschreibung eine eindeutige Beschreibung System auf und wie sind diese Kennwerte
des Wertungsablaufes und der dabei angesetz- ermittelt worden (nach welcher Norm bzw.

46 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

anerkannte Richtlinie; auf vergleichbaren An- M-209 [20] und DIN EN 12255-15 [8]) detailliert
lagen oder in Versuchsanlagen)? beschrieben. In Ausschreibungen sollte auf die-
se Richtlinien in ihrer aktuellen Fassung Bezug
• Welche Lebensdauer ist zu erwarten
genommen werden – der Verweis auf ältere
und/oder wird vom Hersteller garantiert?
Richtlinien kann hinsichtlich der Durchführung
• Welche leistungs- und effizienzrelevanten und Auswertung der Messungen erhebliche
Veränderungen sind über die Lebensdauer Unklarheiten schaffen.
bzw. zwischen Wartungsintervallen zu erwar-
ten (Art und Umfang)? Die allgemeinen Angaben und Beschreibungen
in den Richtlinien sind im konkreten Fall durch
• Welche Wartungsarbeiten fallen in welchen
anlagenspezifische Festlegungen zu ergänzen.
Zeitabständen an und wie werden diese kon-
So ist in erster Linie der Umfang des Messpro-
kret, d. h. auch im Hinblick auf die erforderli-
grammes festzulegen, d.h. es ist anzugeben, in
che Qualifikation des Wartungspersonals,
welchen Becken bzw. Beckenabschnitten die
ausgeführt? (Können die Arbeiten allein
Messungen erfolgen sollen und bei welchen
durch das Personal der Abwasserreini-
Betriebseinstellungen die Untersuchung durch-
gungsanlage durchgeführt werden oder müs-
zuführen ist. Darüber hinaus muss festgelegt
sen Fachfirmen wie z.B. Taucher oder Fir-
werden, ob und wie Umrechnungen auf andere
men mit speziellen Geräten hinzugezogen
Randbedingungen erfolgen sollen. Dies betrifft
werden?)
Umrechnungen auf Standard-
• Wie wirken sich Wartungsarbeiten auf den Salzkonzentrationen, Umrechnung der Leis-
Betrieb der Anlage aus? tungsaufnahme von Gebläsen auf andere An-
• Was passiert beim Ausfall von Systemteilen saugbedingungen, Umrechnung auf andere
Wasser- und Einblastiefen. Entsprechende Um-
und welche Einrichtungen sind vorhanden,
rechnungsformeln sind in den Richtlinien ange-
um auf bevorstehende Ausfälle bzw. auch
auf Verschleiß hinzuweisen? geben.

• Wie und in welchem Maße ist das System Für Systeme mit getrennter Belüftung und Um-
bedarfsgerecht einstellbar und wie verhält wälzung muss definiert werden, ob die Leis-
sich die Effizienz des Sauerstoffeintrags im tungsaufnahme der Umwälzaggregate bei der
gesamten Einstellbereich? Berechnung des Sauerstoffertrags einbezogen
werden soll. Dies ist grundsätzlich sinnvoll,
• Welche Wechselwirkungen bestehen zwi-
schen Belüftungsintensität und hydraulischen wenn der Ausrüster für beide Komponenten
verantwortlich ist.
Verhältnissen?

Garantiemessungen für Belüftungssysteme soll-


Auch hier sollten im Vorfeld die Ausschlusskrite-
rien (wie nicht nachvollziehbare technische Spe- ten vorzugsweise im Reinwasser erfolgen, da
nur so optimale Voraussetzungen für reprodu-
zifikationen) und die Entscheidungskriterien
zierbare und vergleichbare Messungen vorlie-
weitgehend geklärt sein, um die notwendigen
Fragestellungen bei der Ausschreibung auch gen. Als Reinwasser kann in diesem Zusam-
menhang sowohl Trinkwasser als auch geeigne-
schon benennen zu können.
tes Grundwasser betrachtet werden. In der Pra-
xis wird es allerdings immer wieder Fälle geben,
9.3 Abnahme in denen Reinwassermessungen nicht möglich
sind (terminliche Gründe, Aufrechterhaltung des
Die Vorbereitung und Durchführung von Ab- Betriebs notwendig). In solchen Fällen sind
nahmemessungen an Belüftungssystemen und Messungen unter Betriebsbedingungen (in be-
Rührwerken erfordert theoretisches Wissen, lebtem Schlamm) nach den gleichen Prinzipien
praktische Fertigkeiten und Erfahrung. Details wie auch in Reinwasser möglich. Es sollten dazu
findet man unter anderem bei [24, 33, 41, 42]. aber besondere Vereinbarungen zwischen den
Beteiligten getroffen und auch zusätzliche Mes-
Die prinzipielle Vorgehensweise bei einer Mes- sungen zur Absicherung der Ergebnisse in das
sung ist in den einschlägigen Richtlinien (DWA Messprogramm einbezogen werden.

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 47


DWA-M 229 Entwurf

Im Vorfeld von Garantiemessungen sollte • Ist die Entsorgung des mit Chemikalien ver-
grundsätzlich geprüft werden, ob sich die in der setzten Wassers gesichert?
Ausschreibung festgelegten Randbedingungen
realisieren lassen. Eventuell notwendige Verän- Wenn die Ausschreibung nicht bereits entspre-
derungen und Ergänzungen sind vor der Mes- chende Festlegungen enthält, kommen gegebe-
sung zwischen allen Beteiligten abzustimmen. nenfalls folgende Punkte hinzu:
Darüber hinaus sind folgende Punkte zu klären • Wo und wann soll gemessen werden (Be-
• Sind alle beteiligten Komponenten betriebs- ckenstraße/Beckenabschnitt, Termin / Aus-
bereit, ausreichend eingearbeitet und funkti- führungszeitplan)?
onieren sie auch problemlos über die Dauer • Bei welchen Betriebseinstellungen sollen die
des geplanten Messprogrammes?
Messungen durchgeführt werden?
• Welche Vorbereitungen sind auf der betref-
• Sind begleitende Messungen wie z.B. Mes-
fenden Anlage erforderlich? sung der Leistungsaufnahme, Bestimmung
• Wer ist für die Vorbereitungen sowie das des Luftvolumenstroms, Messung des Sätti-
Herstellen der Randbedingungen und Be- gungswertes erforderlich und falls ja: wie sol-
triebseinstellungen zuständig und verantwort- len diese konkret ausgeführt werden? (z.B.
lich? Messgeräte und Vorgehensweise bei Leis-
tungs- und Luftvolumenstrommessungen)
• Sind besondere Schwierigkeiten wie z.B.
Wasseraustausch mit benachbarten Becken, • Ist eine eindeutige Zuordnung aller Messwer-
unzureichende Durchmischung zu erwarten te (Leistungsaufnahme bzw. Luftvolumen-
und wenn ja: welche Maßnahmen können strom zur Sauerstoffzufuhr im untersuchten
zur Vermeidung bzw. Verringerung dieser Becken bzw. Beckenabschnitt) möglich?
Schwierigkeiten ergriffen werden?
• Wie soll verfahren werden, wenn die realen
• Wie und wo sollen Chemikalien dosiert wer- Messbedingungen von den entsprechenden
den? Garantievorgaben abweichen (Beispiel: Um-
rechnung von Luftvolumenstrom und Ver-
• Ist das zu untersuchende Becken zum Zeit-
dichterleistung)?
punkt der Untersuchung auch für den Che-
mikalientransport zugänglich? • Was soll geschehen, wenn sich bestimmte
Randbedingungen überhaupt nicht herstellen
• Werden bauseits installierte Messeinrichtun-
lassen (dies kann sich u.U. erst kurz vor dem
gen benötigt und falls ja: erfüllen diese
Messtermin oder während der Durchführung
Messgeräte die Anforderungen im Rahmen
des Messprogrammes herausstellen. Bei-
des Messprogrammes?
spiel: witterungsbedingte Wassertempera-
• Wird Hilfspersonal oder Mitwirkung des An- tur)?
lagenpersonals benötigt?
• Sind über die allgemeinen Kriterien und An-
• Welche Auswirkungen ergeben sich auf den forderungen (M-209, DIN EN 12255-15) hin-
Betrieb der Anlage? aus weitere Vereinbarungen zu treffen?
• Welche Beschaffenheit hat das zur Becken-
Die aus der Beantwortung resultierenden Maß-
füllung vorgesehene Wasser?
nahmen, Vereinbarungen und Konsequenzen
• Welche Analysen und Sonderuntersuchun- sollten allen Beteiligten in schriftlicher Form zur
gen sind zur Beurteilung der Wasserqualität Bewertung vorgelegt werden. Falls erforderlich,
erforderlich und in welcher Weise werden die ist das Messprogramm zu überarbeiten. In der
Ergebnisse dieser Untersuchungen bei der Regel ist eine Vorbesprechung in Verbindung
Bewertung der Ergebnisse berücksichtigt? mit einer Anlagenbesichtigung durchzuführen
und zu protokollieren, bei aufwändigen Ver-
• Besteht die Gefahr einer Sekundärver-
suchsprogrammen oder schwer überschaubaren
schmutzung der Beckenfüllung durch Algen-
örtlichen Verhältnissen ist dies zwingend erfor-
bildung?
derlich. Zwischen dem Besprechungs- und dem

48 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Messtermin muss so viel Zeit eingeräumt wer- len, in denen vom ursprünglich geplanten Ver-
den, dass eventuell vereinbarte Maßnahmen suchskonzept abgewichen werden muss, eine
noch vollständig realisiert werden können. schnelle und verbindliche Abstimmung über die
Fortführung der Messungen vornehmen zu kön-
Den geltenden Richtlinien entsprechend sollten nen.
Garantiemessungen bei diskontinuierlichen
Messverfahren wie der Absorptions- bzw.
Desorptionsmethode als Doppelmessungen 10 Kosten- und Um-
ausgeführt werden - Ausnahmen sollten nur in
begründeten Fällen zugelassen sein, z.B. wenn weltauswirkungen
das Messprogramm sehr umfangreich ist, also
beispielsweise Messungen bei mehr als zwei Die Belüftung und Durchmischung von Bele-
Betriebseinstellungen am selben System vorge- bungsanlagen zählen mit großem Abstand zu
sehen sind oder wenn sich bei der Vor-Ort- den größten Energieverbrauchern einer Kläran-
Auswertung zweifelsfrei herausstellt, dass Ga- lage. Je nach verfahrenstechnischer Auslegung
rantiewerte nicht erreicht werden und durch einer Belebungsanlage entfällt zwischen 50 und
geänderte Einstellung des Belüftungssystems 80 % des Gesamtenergiebedarfs der Abwasser-
die Möglichkeit geschaffen wird, der Ursache reinigung auf die Belüftung und Durchmischung.
des Problems nachzugehen. Darüber hinaus
sollten alle gegebenen Möglichkeiten zur Plau- Daher kommt einer energieeffizienten Planung
sibilitätsprüfung der Messwerte genutzt werden. nicht nur bei der erstmaligen Erstellung einer
Dies geschieht einerseits durch die Ermittlung Belebungsanlage, sondern zunehmend auch bei
von Kenndaten, die einen Vergleich mit Erfah- anstehenden Reinvestitionsmaßnahmen eine
rungs- und Literaturwerten sowie theoretisch große Bedeutung zu.
abgeleiteten Größen erlauben, andererseits
durch die Bestimmung desselben Parameters Dieses Merkblatt gibt weitreichende Empfehlun-
auf verschiedenen, möglichst unabhängigen gen zur Dimensionierung und Konstruktion von
Wegen. Beispiele für Kenndaten sind der Ver- Belüftungs- und Durchmischungseinrichtungen
dichtungsaufwand, der spezifische Sauerstoffe- beim Belebungsverfahren. Hierbei werden ins-
intrag bzw. die Sauerstoffausnutzung und der besondere die Wechselwirkungen zwischen
Sauerstoffertrag sowie Wirkungsgrade von An- Belüftung und Durchmischung in besonderem
trieben und Umrichtern. Auch diese Plausibili- Maße betrachtet.
tätsprüfungen sollten bereits im Rahmen einer
weitgehenden Vor-Ort-Auswertung erfolgen, um Ein wesentlicher Schwerpunkt der planerischen
eventuell notwendige Korrekturen und Ergän- Arbeit stellt die Auswahl eines wirtschaftlich und
zungen der Randbedingungen, der Messanord- verfahrenstechnisch optimalen Belüftungs- und
nung oder des Messprogrammes vornehmen zu Durchmischungssystems dar. Hierzu werden
können. konkrete Empfehlungen zur Durchführung von
Kostenvergleichsrechnungen gegeben und an
Im Hinblick auf die Nachvollziehbarkeit sollte die einem Beispiel erläutert.
Dokumentation einer Garantiemessung neben
dem obligatorischen Versuchsbericht umfassen: Bei Beachtung der Grundsätze dieses Merkblat-
tes sollten Planer und Betreiber von Belebungs-
• Videoaufzeichnungen des Blasenbilds bei anlagen in der Lage sein, ein Belüftungs- und
Druckbelüftungen bzw. des Wurfbilds bei Durchmischungssystem auszuwählen, dass im
Oberflächenbelüftern und Hinblick auf die Kosten- und Umweltauswirkun-
• eine Zusammenstellung aller Original- gen optimal ist.
Messdaten in gedruckter Form bzw. in einem
standardisierten Datenformat.

Garantiemessungen sollten stets im Beisein von


entscheidungsbefugten Repräsentanten aller
Beteiligten durchgeführt werden, um in den Fäl-

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 49


DWA-M 229 Entwurf

[9] DIN EN 12566-3 (2005): Produktabbildung -


Kleinkläranlagen für bis zu 50 EW - Teil 3:
11 Literatur Vorgefertigte und/oder vor Ort montierte
Anlagen zur Behandlung von häuslichem
11.1 Technische Regeln Schmutzwasser; Deutsche Fassung EN
12566-3:2005+A1:2009, Beuth-Verlag, Ber-
[1] DIN 38408-23 (1987): Deutsche Einheits- lin.
verfahren zur Wasser-, Abwasser- und
[10] ISO 21630 (2007): Pumps - Testing - Sub-
Schlammuntersuchung; Gasförmige Be-
mersible mixers for wastewater and similar
standteile (Gruppe G); Bestimmung des
applications.
Sauerstoffsättigungsindex (G 23).
[11] DIN SPEC 4261-6 (2011): Bestimmung der
[2] DIN EN 25814 (1992): Wasserbeschaffen-
Tagesfrachten häuslichen Schmutzwassers
heit; Bestimmung des gelösten Sauerstoffs;
beim Betrieb von Kleinkläranlagen nach EN
Elektrochemisches Verfahren (ISO
12566-3 und DIN 4261-1, Beuth-Verlag,
5814:1990); Deutsche Fassung EN
Berlin.
25814:1992, Beuth-Verlag, Berlin.
[12] VDMA Einheitsblatt 24656 (2010): Rühr-
[3] DIN EN 12255-6 (2002): Kläranlagen - Teil
werke in Belebungsbecken von Abwasser-
6: Belebungsverfahren; Deutsche Fassung
reinigungsanlagen - Hinweise zur Planung,
EN 12255-6:2002, Beuth-Verlag, Berlin.
Projektierung und Ausführung, Ausgabeda-
[4] DIN EN ISO 5167-1 (2004): Durchfluss- tum: 2010-03, Beuth-Verlag, Berlin.
messung von Fluiden mit Drosselgeräten in
voll durchströmten Leitungen mit Kreis- 11.2 DWA-Regelwerk
querschnitt - Teil 1: Allgemeine Grundlagen
und Anforderungen (ISO 5167-1:2003); [13] Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft,
Deutsche Fassung EN ISO 5167-1:2003, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) (1991):
Beuth-Verlag, Berlin. ATV-A 122: Grundsätze für Bemessung,
Bau und Betrieb von kleinen Kläranlagen
[5] DIN EN ISO 5167-2 (2004): Durchfluss-
mit aerober biologischer Reinigungsstufe
messung von Fluiden mit Drosselgeräten in
für Anschlußwerte zwischen 50 und 500
voll durchströmten Leitungen mit Kreis- Einwohnerwerten, DK 628.356 (083.132),
querschnitt - Teil 2: Blenden (ISO 5167-
Juni 1991.
2:2003); Deutsche Fassung EN ISO 5167-
2:2003, Beuth-Verlag, Berlin. [14] Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft,
Abwasser und Abfall e.V. (DWA) (2000):
[6] DIN EN ISO 5167-3 (2004): Durchfluss-
ATV-DVWK-M 265: Regelung der Sauer-
messung von Fluiden mit Drosselgeräten in
stoffzufuhr beim Belebungsverfahren, März
voll durchströmten Leitungen mit Kreis- 2000, ISBN 3-933707-35-8.
querschnitt - Teil 3: Düsen und Venturidü-
sen (ISO 5167-3:2003); Deutsche Fassung [15] Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft,
EN ISO 5167-3:2003, Beuth-Verlag, Berlin. Abwasser und Abfall e.V. (DWA) (2000):
ATV-DVWK-A 131: Bemessung von einstu-
[7] DIN EN ISO 5167-4 (2004): Durchfluss-
figen Belebungsanlagen, Mai 2000, ISBN 3-
messung von Fluiden mit Drosselgeräten in
933707-41-2.
voll durchströmten Leitungen mit Kreis-
querschnitt - Teil 4: Venturirohre (ISO 5167- [16] Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft,
4:2003); Deutsche Fassung EN ISO 5167- Abwasser und Abfall e.V. (DWA) (2001):
4:2003, Beuth-Verlag, Berlin. ATV-DVWK-M 256: Teil 1, Anforderungen
an Betriebsmesseinrichtungen auf Kläran-
[8] DIN EN 12255-15 (2004): Kläranlagen - Teil
lagen, Teil 1 - Allgemeine Anforderungen,
15: Messung der Sauerstoffzufuhr in Rein-
ISBN 3-933707-94-3.
wasser in Belüftungsbecken von Bele-
bungsanlagen; Deutsche Fassung EN [17] Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft,
12255-15:2003, Beuth-Verlag, Berlin. Abwasser und Abfall e.V. (DWA) (2003):

50 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Merkblatt ATV-DVWK-M 264: Messung des Ausschreibung von Sauerstoffzufuhrmes-


Durchflusses von Biogas aus der anaero- sungen am 19.06.2000 in Nürnberg
ben Stabilisierung von Klärschlamm, Sep-
[25] Boon, A. G. (1979): Oxygen Transfer in the
tember 2003, ISBN 3-924063-78-8.
Activated Sludge Process. Proceedings:
[18] Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Workshop Toward an Oxygen Transfer
Abwasser und Abfall e.V. (DWA) (2003): Standard. Asilomar Conference April 1978.
Arbeitsblatt ATV-DVWK-A 198: Vereinheit- Municipal Environmental Research Labora-
lichung und Herleitung von Bemessungs- tory, US Environmental Protection Agency
werten für Abwasseranlagen, April 2003, Cincinnati OH 45268, USA.
ISBN 3-924063-48-6.
[26] Dankwerts, P.V. (1970): Gas-Liquid Reac-
[19] Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, tions, 1970, McGraw-Hill Book Company,
Abwasser und Abfall e.V. (DWA) (2006): New York/London/Düsseldorf.
Merkblatt DWA-M 268: Steuerung und Re-
[27] Daucher, H. (1980): Strömungsgeschwin-
gelung der Stickstoffelimination beim Bele-
digkeiten und Sauerstoffeintrag in einem
bungsverfahren, Juni 2006, ISBN 978-3-
Strahldüsenbelüfteten Oxidationsgraben,
939057-18-5.
Vortrag TU Graz am 23.10.1980.
[20] Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft,
[28] Deckwer, W.-D.; Burckhart, R.; Zoll, G.
Abwasser und Abfall e.V. (DWA) (2007):
(1974): Chem. Eng. Sci. 29, 2177.
Merkblatt DWA-M 209: Messung der Sau-
erstoffzufuhr von Belüftungseinrichtungen [29] Deckwer, W.-D. (1985): Reaktionstechnik
in Belebungsanlagen in Reinwasser und in in Blasensäulen, Verlag Salle+Sauerländer,
belebtem Schlamm. ISBN 3-7941-2606-8.

[21] Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, [30] Frey, W. (1993): Anforderungen an Belüf-
Abwasser und Abfall e.V. (DWA) (2009): tungssysteme, Wiener Mitteilungen Band
Arbeitsblatt DWA-A 226: Grundsätze für die 110
Abwasserbehandlung in Belebungsanlagen
[31] Frey, W. (1996): Ein Beitrag zur Charakteri-
mit gemeinsamer aerober Schlammstabili-
sierung von Belüftungssystemen für die bio-
sierung ab 1.000 Einwohnerwerte, August logische Abwasserreinigung nach dem Be-
2009, ISBN 978-3-941089-81-5.
lebungsverfahren mit Sauerstoffzufuhrmes-
[22] Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, sungen, Wiener Mitteilungen Band 134.
Abwasser und Abfall e.V. (DWA) (2011): [32] Frey, W. (2007): The role of diffuser ar-
Arbeitsblatt DWA-A 222: Grundsätze für
rangement and mixing for efficiency optimi-
Bemessung, Bau und Betrieb von kleinen
sation of fine bubble aeration systems; DE-
Kläranlagen mit aerober biologischer Reini- SIGN, OPERATION and ECONOMICS of
gungsstufe bis 1.000 Einwohnerwerte, Mai
LWWTP´s; Vienna 2007.
2011, ISBN 978-3-941897-88-5
[33] Frey, W. (2009): Garantienachweise für die
[23] Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, maschinelle Ausrüstung von Kläranlagen -
Abwasser und Abfall e.V. (DWA) (in Bear-
Belüftungssysteme und Rührwerke, Schrif-
beitung): DWA-M 810: Leitlinien zur Durch-
tenreihe Kläranlagennachbarschaften,
führung dynamischer Kostenvergleichrech- Band 17
nungen (KVR-Leitlinien), 8. überarbeitete
Auflage. [34] Gillot, S.; Héduit, A. (2005): Prediction of
alpha factor values for fine pore aeration
11.3 Sonstige Literatur systems. Water Science & Technology, 57
(8), 265–1269.
[24] Baumann, P. (2000): Messung der Sauer-
[35] Hegemann, W. (1974); Beitrag zur Anwen-
stoffzufuhr in Reinwasser nach Zugabe von
dung von reinem Sauerstoff beim Bele-
Natriumsulfit (Absorptionsmessung), ATV-
bungsverfahren. Technisch-
DVWK-Seminar: Zweck, Durchführung und

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 51


DWA-M 229 Entwurf

wissenschaftliche Schriftenreihe der ATV, [46] Rosso, D.; Larson, L.E. und M.K. Stein-
Band 3, St. Augustin. strom (2006): Aeration of large-scale mu-
nicipal treatment plants: state of art. IWA
[36] Henkel, J. (2010): Oxygen Transfer Phe-
Publishing 2006. IWA Conf. LWWTP`s.
nomena in Activated Sludge. Hrsg.: Verein
zur Förderung des Instituts IWAR der TU [47] Schwager, A.; Gujer, W. (1987): pH-
Darmstadt, Band 210, Darmstadt. Berechnung beim Belebtschlammverfahren
und Auswirkungen des pH-Wertes auf die
[37] Hoen, K.; Schuhen, M.; Köhne, M. (1994):
Nitrifikation, VSA-Verbandsbericht Nr.: 348
Dynamische Simulation von Kläranlagen -
(1987)
Ein Hilfsmittel für den planenden Ingenieur?
Korrespondenz Abwasser, 41 (5), 760-771. [48] Sengewein, H. (1989): Das Sauerstoff-
Belebungsverfahren. Abwasserreinigung
[38] Hunze, M., Seggelke, K. und Rosenwinkel,
mit reinem Sauerstoff. Academia Verlag, St.
K.-H. (2002): Sauerstoffverteilung in ober-
Augustin.
flächenbelüfteten Umlaufbecken. wwt-awt,
8, 24-28. [49] Stalzer, W.F. und Fleckseder, H. (1975):
Strömungsverhältnisse, Energieaufnahme
[39] Hunze, M. (2005): Simulation in der Kom-
und Sauerstoffzufuhr in langgestreckten
munalen Abwasserreinigung - Grundlagen,
Umlaufbecken am Beispiel der Kläranlage
Hintergründe und Anwendungsfälle. Vul-
Wien-Blumental. Österreichische Abwas-
kan-Verlag, Essen.
serrundschau, Jubiläumsausgabe, 82-89
[40] Kalbskopf, K. H. (1972): Flow velocities in
[50] Wagner, M. (1991): Einfluß oberflächenak-
aeration tanks with mechanical aerators.
tiver Substanzen auf Stoffaustauschme-
Water Research, Pergamon Press
chanismen und Sauerstoffeintrag. Disserta-
[41] Kapp, H. (1997): Messung der Sauerstoff- tion, FB 13, TH Darmstadt, 1991; WAR 53.
zufuhr in Reinwasser nach Zugabe von
[51] Wagner, W. (2008): Rohrleitungstechnik,
Natriumsulfit (Absorptionsmessung), ATV-
Vogel Buchverlag, Kamprath-Reihe, ISBN:
DVWK-Seminar: Zweck, Durchführung und
978-3-8343-3133-5.
Ausschreibung von Sauerstoffzufuhrmes-
sungen am 18.11.1997 in Nürnberg [52] Zlokarnik, M. (1980): Koaleszenzphänome-
ne im System gasförmig/flüssig und deren
[42] Kayser, R. (1997): Zweck von Sauerstoffzu-
Einfluss auf den O2-Eintrag bei der biologi-
fuhrmessungen, Messmethoden und Prob-
schen Abwasserreinigung. In: Korrespon-
leme bei der Durchführung, ATV-DVWK-
denz Abwasser, 27, 728 – 734.
Seminar: Zweck, Durchführung und Aus-
schreibung von Sauerstoffzufuhrmessun-
gen am 18.11.1997 in Nürnberg.
[43] Launder, B. E. and Spalding, D. B., (1974):
The numerical computation of turbulent
flows. Computer Methods in Applied Me-
chanics and Engineering, 3 (2), 269-289.
[44] Mantovani, A. (2000): Aeration efficiency in
horizontal flow systems and other non-full
floor coverage aeration systems. Aeration
conference der Firma Nopon Oy in Helsinki
am 02.10.2000.
[45] Riegler, G.; Capitain, P. (1989): Zusätzliche
Umwälzung bei geringer Belüftungsdichte
und Denitrifikation, Schriftenreihe WAR der
TH Darmstadt, Band 37, (1989)

52 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Anhang A Beispiele zur Bemessung von Belüftungs-


systemen

A.1: Bemessung einer OVd,C = 932 kg/d


OVd,D = 136 kg/d
Druckluftbelüftung OVd,N = 717 kg/d
fC = 1,0
Im Rahmen der Erweiterung einer kommunalen
fN = 1,0
Kläranlage wurde vorlaufend zur Planung eine OVh,mittel = 63,0 kg/h
Grundlagenermittlung gemäß den Vorgaben des
TBB = 14°C
Arbeitsblattes A 198 durchgeführt. Die Bemes-
sung der Belebungsanlage erfolgte aufbauend • Lastfall 2: Maximaler Sauerstoffbedarf im
auf dem ATV-DVWK Arbeitsblatt A 131. Vorge- Ist-Zustand
sehen war eine Stickstoffelimination unter Nut- Hierzu wurden unter Verwendung der maß-
zung der intermittierenden Denitrifikation in zwei gebenden Frachten (2-Wochen-Max bzw. 85-
getrennten Belebungsbecken. Perzentil) für den Ist-Zustand im Zulauf der
Belebung die maßgebenden Sauerstoffbe-
Die in Tabelle A.1 aufgeführten Kenndaten der darfswerte ermittelt. In diesem Fall ergab sich
Abwasserbeschaffenheit im Zulauf der Bele- der maximale Sauerstoffbedarf bei höchster
bungsanlage dienen der Bemessung nach A 131 Temperatur in den Sommermonaten:
als Basis für die Ermittlung des notwendigen OVd,C = 1.470 kg/d
Beckenvolumens und des Anteils der Denitrifika- OVd,D = 334 kg/d
tion. OVd,N = 990 kg/d
fC = 1,15
Tabelle A.1: Ausgangsdaten (Zulauf Belebung) fN = 2,0
der Bemessung der Belebungsanlage OVh,max = 129,8 kg/h
nach A 131 TBB = 18°C
• Lastfall 3: Minimaler Sauerstoffbedarf im
Paramter Einheit Ist Prognose
Mittel Bemessung
Ist-Zustand
Qd,aM m3/d 12.360 9.160 Hierzu wurde nur der Sauerstoffbedarf für die
QT,h,max m3/h 610 500 endogene Atmung ermittelt:
QM m3/h 1.260 1.260
OVd,C = 508 kg/d
BSB5 kg/d 770 1.200 1.300
OVd,D = 0 kg/d
CSB kg/d 1.900 2.900 3.100
NH4-N kg/d 180 240 270
OVd,N = 0 kg/d
Norg kg/d 50 75 80 fC = 1,0
TKN kg/d 230 315 350 fN = 1,0
NOx-N kg/d 0 6 0
OVh,min = 21,2 kg/h
Nges kg/d 230 315 350
TBB = 14°C
Pges kg/d 33 49 54
TSo kg/d 900 900 1.000
• Lastfall 4: Maximaler Sauerstoffbedarf im
Prognosezustand
Die nachfolgend mit den wesentlichen Ergebnis- Hierzu wurden unter Verwendung der maß-
sen der Bemessung aufgeführten vier Lastfälle gebenden Frachten (2-Wochen-Max bzw. 85-
wurden im Rahmen der Auslegung für die Belüf- Perzentil) für den Prognose-Zustand im Zulauf
tung betrachtet. der Belebung die maßgebenden Sauerstoff-
bedarfswerte ermittelt.
• Lastfall 1: Durchschnittlicher Sauerstoff-
OVd,C = 1.597 kg/d
bedarf im Ist-Zustand
OVd,D = 505 kg/d
Hierzu wurden unter Verwendung der mittle-
OVd,N = 1.147 kg/d
ren Frachten für den Ist-Zustand im Zulauf der
fC = 1,15
Belebung die maßgebenden Sauerstoffbe-
fN = 2,0
darfswerte bei einer mittleren Jahrestempera-
tur ermittelt:

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 53


DWA-M 229 Entwurf

OVh,max,Prog = 141,1 kg/h rungsgröße im Rahmen der Ausschreibung for-


TBB = 18°C muliert werden.

Die Auslegung der gesamten Belüftungsanlage Sofern der Planer eine detaillierte Auslegung der
erfolgt basierend auf dem Lastfall 2. Für die wei- Belüftung, beispielsweise zur Optimierung der
teren Lastfälle werden anschließend die maßge- Beckengeometrie und der Abstimmung mit einer
benden Parameter der Belüftungsanlage ermittelt zusätzlichen Durchmischung beabsichtigt, ist im
und für die detaillierte Auslegung wie folgt ge- nächsten Schritt die Belüftung im Detail zu di-
nutzt: mensionieren.
• Lastfall 1: OVh,mittel
Hierzu werden die Kenndaten der Belüftungs-
Basis für die Ermittlung der Wirtschaftlichkeit
elemente, die der Planer beabsichtigt einzubau-
untersuchter Belüftungssysteme
en, von den Herstellern erfragt:
• Lastfall 2: OVh,max
1. Spezifische Sauerstoffzufuhr in Reinwasser
Bemessungslastfall
unter Standardbedingungen
• Lastfall 3: OVh,min (SSOTR)
Nachweis der Mindestbeaufschlagung und
2. Spezifische Beaufschlagung pro Belüf-
Bestimmung der unteren Grenze des Regel-
terelement
bereichs der Gebläse
(qBel)
• Lastfall 4: OVh,max,Prog
3. Mindestbeaufschlagung pro Belüfterelement
Ermittlung des erforderlichen Ergänzungsbe-
darfs von Belüfterelementen bei Erreichen der 4. Abgasungsfläche
Prognosebelastung (aBel)

Am Beispiel des Lastfalls 2 ist der Ablauf der Mit diesen Angaben kann die Anzahl der erfor-
Bemessung in Tabelle A.2 übersichtlich darge- derlichen Belüfterelemente (nBel) ermittelt werden
stellt. Zu beachten ist hierbei, dass die Ausle- und die Belegungsdichte (BD) errechnet werden.
gung der Übersichtlichkeit halber nur für ein Be- Darüber hinaus wird empfohlen, gleichzeitig auch
lebungsbecken erfolgt. für jeden Lastfall die spezifische Beckenbeauf-
schlagung mit Druckluft (qL,BB) und die eingetra-
Die Bemessung von Druckluftbelüftungsanlagen gene Mischenergie (pBB) zu berechnen.
folgt grundsätzlich folgendem Ablauf:
Zur Auslegung der Gebläsestation ist nun zu-
1. Ermittlung des erforderlichen maximalen
nächst eine überschlägliche Ermittlung der Ver-
stündlichen Sauerstoffbedarfs im Ist-Zustand
luste im Rohrleitungssystem erforderlich. Unter
(OVh,max)
Berücksichtigung der Einblastiefe ergibt sich
2. Festlegung der geometrischen Beckenkenn- schließlich die erforderliche Druckerhöhung (∆ p)
werte des Gebläses.
(hD, ABB)
Aufgrund der Größe der Kläranlage erfolgt im
3. Festlegung des Grenzflächenfaktors
vorliegenden Fall eine planerische Festlegung
(α)
auf die Drucklufterzeugung mittels eines Dreh-
4. Festlegung der Soll-Sauerstoffkonzentration kolbengebläses. Folgende Daten sind hierzu
im Belebungsbecken vorzugeben:
(Cx)
1. Aufstellhöhe der Gebläse
5. Berücksichtigung einer intermittierenden (hgeo)
Denitrifikation (soweit erforderlich)
2. Relative Feuchte der angesaugten Luft
(fInt)
(ϕ)
Mit diesen Vorgaben ergibt sich schließlich die 3. Druckverluste auf der Saugseite
erforderliche Sauerstoffzufuhr SOTR im Rein- (∆ p1)
wasser. Dieser Wert kann nun als eine Anforde-

54 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

4. Ansaugtemperatur verzichtet, ein größeres Aggregat auszuwählen.


(TL,1) Stattdessen wird ein zusätzliches Redundanzag-
gregat gleicher Baugröße in der Verdichterstation
Damit ergibt sich nun der Ansaugvolumenstrom aufgestellt, das in der Lage ist, beide Becken mit
(Q1)) als Basis für die Gebläseauswahl. Aus den Luft zu versorgen.
Unterlagen der Hersteller sind für Drehkolbenge-
bläse beispielsweise nun folgende Kenngrößen Der Lastfall 3 mit dem minimalen Sauerstoffbe-
vorzugeben: darf kann durch Variation der Belüftungszeit der
intermittierenden Denitrifikation einfach abge-
1. Verlustvolumenstrom bei 100 hPa
deckt werden.
(QV100)
2. Theoretisches Fördervolumen Ebenso wird die Anzahl der zu installierenden
(Q0) Belüfterelemente basierend auf dem Ist-Zustand
des Lastfalls 2 festgelegt, allerdings erfolgt die
3. Verlustleistung
Belegung des Beckens so, dass noch fünf weite-
(PV)
re Elemente zu einem späteren Zeitpunkt nach-
gerüstet werden können.
Mit Hilfe dieser Vorgaben erfolgt abschließend
die Auswahl eines geeigneten Gebläses (siehe
Tabelle A.3), wobei für den Auslegungsfall si-
cherzustellen ist, dass die Gebläsedrehzahl etwa
bei 90 % der Maximaldrehzahl liegt, um einen
wirtschaftlichen Betrieb auch bei geringerem
Sauerstoffbedarf zu ermöglichen.

In diesem Fall wird ein Gebläse je Becken ge-


wählt und mittels Frequenzumformer geregelt.
Regelgröße ist in diesem Fall der Sauerstoffgeh-
alt im Belebungsbecken. Oftmals ist es bei einem
weiten erforderlichen Regelbereich des Luftbe-
darfs sinnvoll, statt einem Gebläse mehrere Ge-
bläse einem Becken oder einer gemeinsamen
Luftleitung zuzuordnen. Hierbei können bei-
spielsweise ein oder mehrere Gebläse polum-
schaltbar und zusätzliche Aggregate mit Fre-
quenzumformer geregelt werden, um eine ener-
getisch effiziente Auslegung der gesamten Ge-
bläsestation zu erreichen. Dies gelingt in der
Regel dann, wenn die einzelnen Gebläse immer
nahe an der Maximaldrehzahl betrieb werden,
um die Verluste zu minimieren.

Die Ergebnisübersicht in Tabelle A.4 für die vier


verschiedenen Lastfälle zeigt, dass eine große
3
Schwankungsbreite von 3,6 m /min im Lastfall 3
3
mit minimalem Sauerstoffbedarf und 41,9 m /min
im Prognose-Lastfall 4 abzudecken wären.

Mit dem hier für den Bemessungslastfall 2 aus-


gewählten Gebläse ließe sich allerdings nur eine
3
maximale Luftmenge von etwa 38,5 m /min ab-
decken. Dennoch wird auch angesichts der
durchaus unsicheren Prognoseannahmen darauf

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 55


DWA-M 229 Entwurf

Tabelle A.2: Auslegung einer Druckluftbelüftung für die Beispielanlage A.1


(Auslegung jeweils nur für ein Becken)

Ergebnisse der Bemessung nach ATV-DVWK A 131


OV h,max maximaler stündlicher Sauerstoffbedarf kg/h O2 64,9
T BB maßgebende Wassertemperatur im Belebungsbecken °C 18

Ermittlung der erforderlichen Sauerstoffzufuhr


hD Einblastiefe m 5,85
hD
fd Tiefenfaktor 1+ - 1,28
20,7
α Grenzflächenfaktor - 0,65
C S,20 Sauerstoffsättigungskonzentration bei 20°C mg/l O2 9,1
2234 ,34
C S,T Sauerstoffsättigungskonzentration bei der maßgebenden Temperatur ( TBB + 45 ,93 )1,31403
mg/l O2 9,5

Cx Soll-Sauerstoffkonzentration im Becken mg/l O2 2,0


1
f Int Erhöhungsfaktor für intermittierende Belüftung 1 − VD / VBB - 1,4
fd ⋅ Cs,20
SOTR erforderliche Sauerstoffzufuhr in Reinwasser ⋅ OVh kg/h O2 172,0
α ⋅ ( fd ⋅ Cs,T − C x ) ⋅ θ ( TBB − 20 )

Ermittlung des erforderlichen Luftbedarfs und der Anzahl der Belüfterelemente


Fabrikat und Typ des gewählten Belüfters Musterbelüfter, Typ xyz
spezifische Sauerstoffzufuhr in Reinwasser unter Standardbedingungen
SSOTR g/(mN3·m) 18,0
(T=20°C, p=1013 hPa, C=0 mg/l)
spezifische Sauerstoffausnutzung in Reinwasser unter Standardbedingungen
SSOTE %/m 6,0
(T=20°C, p=1013 hPa, C=0 mg/l)

q L,Bel spezifische Beaufschlagung je Belüfterelement mN3/(St·h) 40,0

q L,Bel tatsächliche spezifische Beaufschlagung je Belüfterelement mN3/(St·h) 40,8

q L,BB spezifische Beaufschlagung des Belebungsbeckens mN3/(m3·h) 0,72

p BB durch die Belüftung eingetragene Mischenergie W/m3 9,5

a Bel Abgasungsfläche je Belüfterelement m2/Stück 2,0000


1000 ⋅ SOTR
Q L,St erforderlicher Luftbedarf 3 ⋅ SSOTE ⋅ hD mN3/h 1.633
QL,St
n Bel erforderliche Anzahl der Belüfterelemente qL,Bel - 41

n Bel gewählte Anzahl der Belüfterelemente - 40


nBel ⋅ aBel 2
a ges gesamte Abgasungsfläche m 80
A BB Beckenoberfläche m2 380
BD Belegungsdichte ages/ABB % 21

Ermittlung der Druckverluste


Schalldämpfer und Rückschlagklappe hPa 25
Regelarmaturen hPa 5
Druckleitung zum Becken hPa 15
Verteilleitung am Becken hPa 5
Fallleitung und Verteilerleitung am Beckenboden hPa 5
Drosselorgan im Belüfter hPa 20
Belüftermembran hPa 30
Einblastiefe h D · 10 · 9,81 hPa 574
Sicherheitzuschlag hPa 50
∆p erforderliche Druckerhöhung des Verdichters hPa 729

56 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Tabelle A.3: Auslegung der Verdichterstation für die Beispielanlage A.1 (Auslegung jeweils nur für ein Be-
cken)

Auslegung des Verdichters


h geo Aufstellhöhe m.ü.NN 400
ϕ relative Feuchte der angesaugten Luft % 60
17 ,62 ⋅ TL,1
pS Sättigungsdampfdruck 6,112 ⋅ EXP ( ) hPa 23,3
243 ,12 + TL,1
pS ⋅ 0,018015
ρS Wasserdampfdichte im Sättigungszustand 8,314 ⋅ ( 273 ,15 + TL,1 ) kg/m3 0,0173
5,255
 288 − 0,065 ⋅ hgeo 
p atm Umgebungsluftdruck 1013,25 ⋅  
 hPa 966
 288 
∆ p1 Druckverluste auf der Saugseite (Saugleitung, Saugfilter usw.) Annahme hPa 25
p 1,abs Ansaugdruck p atm − ∆ p1 hPa 941
T L,1 Ansaugtemperatur °C 20
TN p − ϕ ⋅ pS
ρ1 Dichte im Ansaugzustand ρN ⋅ ⋅ 1,abs + ϕ ⋅ ρS 3
1,1128
TN + TL,1 pN ,abs kg/m
TN + TL,1 pN
Q1 Ansaugvolumenstrom TN

p1,abs − ϕ ⋅ p S
⋅ QL,St m3/min 31,9

Fabrikat und Typ des gewählten Gebläses Mustergebläse, Typ xyz


Q V100 Verlustvolumenstrom bei 100 hPa (Angaben durch Gebläsehersteller) m3/min 1,60
q0 theoretisches Fördervolumen (Angaben durch Gebläsehersteller) l/U 11,4
1,293 ⋅ ∆ p
QV Verlustvolumenstrom Q V100 ⋅
100 ⋅ ρ 1 m3/min 4,7
3
Q0 theoretischer Ansaugvolumenstrom Q1 + QV m /min 36,6
Q0 ⋅ 1000
nG Gebläsedrezahl q0
- 3.221

ηV volumetrischer Wirkungsgrad Q1 / Q0 - 0,87


∆p
∆ t th Temperaturerhöhung 10 ⋅ η V ⋅ ρ 1 ⋅ 1,005
°C 75

T L,2 Austrittstemperatur t1 + ∆ tth °C 95


p 2,abs Austrittsdruck p1,abs + ∆ p hPa 1.670
Q0 ⋅ ∆ p
P th Verdichtungsleistung kW 44,4
600
PV Verlustleistung (Angaben durch Gebläsehersteller) (ca. 4 % von PK) kW 1,9
Q0 ⋅ ∆ p
PK Kupplungsleistung + PV kW 46,3
600
 1,4 −1 
 p 2,abs  1,4 
1,4 ⋅ 287,12 ⋅ ( TN + TL,1 ) ⋅   − 1
Y ad Volumenänderungsarbeit   kJ/kg 52,5
 p1,abs  
 
(1,4 − 1) ⋅ 1000
Q1 ⋅ ρ1 ⋅ Yad
η Ver Wirkungsgrad Verdichter 60 ⋅ PK
- 0,67

η FU Wirkungsgrad Frequenzumformer - 0,95


η Mot Wirkungsgrad Antriebsmotor - 0,95
η ges Gesamtwirkungsgrad Motor ηVer ⋅ η FU - 0,90
PK
PN Netzleistung kW 51,3
η ges

Tabelle A.4: Ergebnisübersicht der Bemessung für die vier betrachteten Lastfälle

Lastfall 1 Lastfall 2 Lastfall 3 Lastfall 4


Durchschnittlicher Maximaler Minimaler Maximaler
Ergebnisse der Auslegung der Druckluftbelüftung (Angaben je Becken) Sauerstoffbedarf im Sauerstoffbedarf Sauerstoffbedarf Sauerstoffbedarf
Ist-Zustand im Ist-Zustand im Ist-Zustand im Prognose-Zustand
QL erforderlicher Luftbedarf mN3/h 690 1.633 185 2.142
q L,Bel spezifische Beaufschlagung je Belüfterelement mN3/(St·h) 17 41 5 54
q L,BB spezifische Beaufschlagung des Belebungsbeckens mN3/(m3·h) 0,30 0,72 0,08 0,94
p BB durch die Belüftung eingetragene Mischenergie W/m3 4,0 9,5 1,1 12,5
∆p erforderliche Druckerhöhung des Verdichters hPa 669 729 669 729
Q1 Ansaugvolumenstrom m3/min 13,4 31,9 3,6 41,9
nG Gebläsedrezahl - 1.572 3.221 709 4.096
Pk Kupplungsleistung kW 20,7 46,3 9,3 58,9
η ges Wirkungsgrad Verdichter - 0,59 0,67 0,35 0,69
η ges Gesamtwirkungsgrad Motor - 0,90 0,90 0,90 0,90
PN Netzleistung kW 23,0 51,3 10,4 65,2

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 57


DWA-M 229 Entwurf

A.2: Bemessung einer Ober- Zusätzlich werden zur Durchmischung des Be-
3
ckeninhalts von 1.200 m noch Rührwerke mit
flächenbelüftung einem mittleren Leistungsbedarf von insgesamt
2 kW je Becken benötigt.
Im Rahmen der Erweiterung einer kommunalen
Kläranlage wurde vorlaufend zur Planung eine Anschließend wurde nun für den gleichen Bei-
Grundlagenermittlung gemäß den Vorgaben des spielfall eine Auslegung einer Oberflächenbelüf-
Arbeitsblattes A 198 durchgeführt. Die Bemes- tung vorgenommen.
sung der Belebungsanlage erfolgte aufbauend
auf dem ATV-DVWK Arbeitsblatt A 131. Für den Lastfall 2 ergibt sich folgender Bemes-
sungsgang:
Die bestehende Kläranlage verfügt über zwei
Umlaufbecken mit Druckluftbelüftung. Im Zuge hBB 3,2
fd = 1 + = 1+ = 1,021
der Erweiterung der Anlage mit dem Ziel einer 150 150
weitergehenden ganzjährigen Stickstoffelimina-
tion wurde als eine mögliche Variante die Um- Als Grenzflächenfaktor wird ein Wert von 0,95
nutzung dieser beiden bislang im Sommer als gewählt. Damit ergibt sich SOTR zu:
simultane Denitrifikation genutzten Becken als
ausschließlich belüftete Nitrifikationszonen be- fd ⋅ Cs,20
trachtet. Die erforderliche Denitrifikation ließe SOTR = ⋅ OVh,max
α ⋅ ( fd ⋅ Cs,T − Cx ) ⋅ θ ( TaM − 20 )
sich in dieser Variante in dem bestehenden
Nachklärbecken einrichten, wobei bei dieser
Variante ein neues Nachklärbecken errichtet 1,021⋅ 9,1
SOTR = ⋅ 64,9
werden müsste, womit in der weiteren Konse- 0,95 ⋅ ( 1,021⋅ 9,5 − 2 ) ⋅ 1,024( 18 − 20 )
quenz auch der Feststoffgehalt im Belebungs-
becken angehoben werden könnte. Die beste- SOTR = 86,8 kg/h O2
henden Umlaufbecken weisen eine Tiefe von
3,2 m auf.
Gewählt werden für diesen Bemessungsfall
Im vorliegenden Beispiel galt es also zu unter- Mammutrotoren mit einem Sauerstoffertrag von
suchen, welche Form der Belüftung unter den 1,6 kg O2/kWh bei einer Eintauchtiefe von 20 cm
vorgegeben Bedingungen die wirtschaftlich und einer Sauerstoffeintragsleistung von etwa
günstigste ist. 5,5 kg O2/(h · m). Damit ergibt sich ein Leis-
tungsbedarf im Bemessungsfall von:
Die Bemessungsdaten und Sauerstoffbedarfe SOTR 86,8
für die einzelnen Lastfälle entsprechen denen P= = = 54,3 kW
SAE 1,6
aus dem Beispiel 1.
Der mittlere Leistungsbedarf im Lastfall 1 er-
Zunächst erfolgte ähnlich wie im Beispiel 1 ei- rechnet sich bei einer erforderlichen Sauerstoff-
nen Bemessung der Druckluftbelüftung. Als zufuhr von 41,7 kg/h zu 26,1 kW.
bevorzugte Belüfterelemente wurden planerisch
Tellerbelüfter aus EPDM ausgewählt. Die erforderliche Länge der Mammutrotoren
ergibt sich zu:
Die Ergebnisse dieser Bemessung sind für den SOTR 86,8
Lastfall 2 in Tabelle A.5 und Tabelle A.6, die L= = = 15,8 m
SSOTR 5,5
Ergebnisübersicht für alle betrachteten Lastfälle
in Tabelle A.7 dokumnetiert. Gewählt werden vier Rotoren mit einer jeweili-
gen Länge von 4 m.
Im Auslegungslastfall 2 sind insgesamt 370 Be-
lüfterelemente je Becken erforderlich, das Ge-
bläse benötigt eine motorische Antriebsleistung
von 41,4 kW je Becken. Der mittlere Energiebe-
darf im Lastfall 1 liegt bei 18,5 kW je Becken.

58 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Tabelle A.5: Auslegung einer Druckluftbelüftung für die Beispielanlage A.2


(Auslegung jeweils nur für ein Becken)

Ergebnisse der Bemessung nach ATV-DVWK A 131


OV h,max maximaler stündlicher Sauerstoffbedarf kg/h O2 64,9
T BB maßgebende Wassertemperatur im Belebungsbecken °C 18

Ermittlung der erforderlichen Sauerstoffzufuhr


hD Einblastiefe m 3,20
hD
fd Tiefenfaktor 1+ - 1,02
20,7
α Grenzflächenfaktor - 0,95
C S,20 Sauerstoffsättigungskonzentration bei 20°C mg/l O2 9,1
2234 ,34
C S,T Sauerstoffsättigungskonzentration bei der maßgebenden Temperatur ( TBB + 45 ,93 )1,31403
mg/l O2 9,5

Cx Soll-Sauerstoffkonzentration im Becken mg/l O2 2,0


1
f Int Erhöhungsfaktor für intermittierende Belüftung 1 − VD / VBB - 1,0
fd ⋅ C s,20
SOTR erforderliche Sauerstoffzufuhr in Reinwasser ⋅ OVh kg/h O2 86,8
α ⋅ ( fd ⋅ Cs,T − C x ) ⋅ θ ( TBB − 20 )

Ermittlung des erforderlichen Luftbedarfs und der Anzahl der Belüfterelemente


Fabrikat und Typ des gewählten Belüfters Musterbelüfter, Typ xyz
spezifische Sauerstoffzufuhr in Reinwasser unter Standardbedingungen
SSOTR g/(mN3·m) 18,0
(T=20°C, p=1013 hPa, C=0 mg/l)
spezifische Sauerstoffausnutzung in Reinwasser unter Standardbedingungen
SSOTE %/m 6,0
(T=20°C, p=1013 hPa, C=0 mg/l)

q L,Bel spezifische Beaufschlagung je Belüfterelement mN3/(St·h) 6,0

q L,Bel tatsächliche spezifische Beaufschlagung je Belüfterelement mN3/(St·h) 4,1

q L,BB spezifische Beaufschlagung des Belebungsbeckens mN3/(m3·h) 0,66

p BB durch die Belüftung eingetragene Mischenergie W/m3 5,3

a Bel Abgasungsfläche je Belüfterelement m2/Stück 0,0650


1000 ⋅ SOTR
Q L,St erforderlicher Luftbedarf 3 ⋅ SSOTE ⋅ hD mN3/h 1.506
QL,St
n Bel erforderliche Anzahl der Belüfterelemente qL,Bel - 252

n Bel gewählte Anzahl der Belüfterelemente - 370


nBel ⋅ aBel 2
a ges gesamte Abgasungsfläche m 24
A BB Beckenoberfläche m2 380
BD Belegungsdichte ages/ABB % 6

Ermittlung der Druckverluste


Schalldämpfer und Rückschlagklappe hPa 25
Regelarmaturen hPa 5
Druckleitung zum Becken hPa 15
Verteilleitung am Becken hPa 5
Fallleitung und Verteilerleitung am Beckenboden hPa 5
Drosselorgan im Belüfter hPa 20
Belüftermembran hPa 30
Einblastiefe h D · 10 · 9,81 hPa 314
Sicherheitzuschlag hPa 50
∆p erforderliche Druckerhöhung des Verdichters hPa 469

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 59


DWA-M 229 Entwurf

Tabelle A.6: Auslegung der Verdichterstation für die Beispielanlage A.2 (Auslegung jeweils nur für ein Be-
cken)

Auslegung des Verdichters


h geo Aufstellhöhe m.ü.NN 400
ϕ relative Feuchte der angesaugten Luft % 60
17 ,62 ⋅ TL,1
pS Sättigungsdampfdruck 6,112 ⋅ EXP ( ) hPa 23,3
243 ,12 + TL,1
pS ⋅ 0,018015
ρS Wasserdampfdichte im Sättigungszustand 8,314 ⋅ ( 273 ,15 + TL,1 ) kg/m3 0,0173
5 ,255
 288 − 0,065 ⋅ hgeo 
p atm Umgebungsluftdruck 1013,25 ⋅  
 hPa 966
 288 
∆ p1 Druckverluste auf der Saugseite (Saugleitung, Saugfilter usw.) Annahme hPa 25
p 1,abs Ansaugdruck p atm − ∆ p1 hPa 941
T L,1 Ansaugtemperatur °C 20
TN p − ϕ ⋅ pS
ρ1 Dichte im Ansaugzustand ρN ⋅ ⋅ 1,abs + ϕ ⋅ ρS 3
1,1128
TN + TL,1 pN ,abs kg/m
TN + TL,1 pN
Q1 Ansaugvolumenstrom TN

p1,abs − ϕ ⋅ p S
⋅ QL,St m3/min 29,4

Fabrikat und Typ des gewählten Gebläses Mustergebläse, Typ xyz


Q V100 Verlustvolumenstrom bei 100 hPa (Angaben durch Gebläsehersteller) m3/min 1,60
q0 theoretisches Fördervolumen (Angaben durch Gebläsehersteller) l/U 11,4
1,293 ⋅ ∆ p
QV Verlustvolumenstrom Q V100 ⋅
100 ⋅ ρ 1 m3/min 3,7
3
Q0 theoretischer Ansaugvolumenstrom Q1 + QV m /min 33,2
Q0 ⋅ 1000
nG Gebläsedrezahl q0
- 2.921

ηV volumetrischer Wirkungsgrad Q1 / Q0 - 0,89


∆p
∆ t th Temperaturerhöhung 10 ⋅ η V ⋅ ρ 1 ⋅ 1,005
°C 47

T L,2 Austrittstemperatur t1 + ∆ tth °C 67


p 2,abs Austrittsdruck p1,abs + ∆ p hPa 1.410
Q0 ⋅ ∆ p
P th Verdichtungsleistung kW 25,9
600
PV Verlustleistung (Angaben durch Gebläsehersteller) (ca. 4 % von PK) kW 1,1
Q0 ⋅ ∆ p
PK Kupplungsleistung + PV kW 27,0
600
 1,4 −1 
 p 2,abs  1,4 
1,4 ⋅ 287,12 ⋅ ( TN + TL,1 ) ⋅   − 1
Y ad Volumenänderungsarbeit   kJ/kg 36,1
 p1,abs  
 
(1,4 − 1) ⋅ 1000
Q1 ⋅ ρ1 ⋅ Yad
η Ver Wirkungsgrad Verdichter 60 ⋅ PK
- 0,73

η FU Wirkungsgrad Frequenzumformer - 0,95


η Mot Wirkungsgrad Antriebsmotor - 0,95
η ges Gesamtwirkungsgrad Motor ηVer ⋅ η FU - 0,90
PK
PN Netzleistung kW 29,9
η ges

Tabelle A.7: Ergebnisübersicht der Bemessung für die vier betrachteten Lastfälle

Lastfall 1 Lastfall 2 Lastfall 3 Lastfall 4


Durchschnittlicher Maximaler Minimaler Maximaler
Ergebnisse der Auslegung der Druckluftbelüftung (Angaben je Becken) Sauerstoffbedarf im Sauerstoffbedarf Sauerstoffbedarf Sauerstoffbedarf
Ist-Zustand im Ist-Zustand im Ist-Zustand im Prognose-Zustand
QL erforderlicher Luftbedarf mN3/h 1.063 1.506 357 2.399
q L,Bel spezifische Beaufschlagung je Belüfterelement mN3/(St·h) 3 4 1 6
q L,BB spezifische Beaufschlagung des Belebungsbeckens mN3/(m3·h) 0,47 0,66 0,16 1,06
p BB durch die Belüftung eingetragene Mischenergie W/m3 3,6 5,3 1,2 8,3
∆p erforderliche Druckerhöhung des Verdichters hPa 399 469 399 459
Q1 Ansaugvolumenstrom m3/min 20,7 29,4 6,9 46,9
nG Gebläsedrezahl - 2.122 2.921 914 4.454
Pk Kupplungsleistung kW 16,7 27,0 7,2 40,3
η ges Wirkungsgrad Verdichter - 0,72 0,73 0,56 0,76
η ges Gesamtwirkungsgrad Motor - 0,90 0,90 0,90 0,90
PN Netzleistung kW 18,5 29,9 8,0 44,7

60 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Nun gilt es im Rahmen einer Wirtschaftlichkeits- • Investitionskosten EMSR-Technik


betrachtung zu überprüfen, welches der beiden IKMSR = 80.000 €
Belüftungssysteme die geringeren Jahreskosten nMSR = 15 a
bzw. den geringeren Projektkostenbarwert auf-
• Laufende Kosten: Wartung und Instandhal-
weist. Hierzu wird ein Kostenvergleich entspre-
tung
chend den Empfehlungen des DWA-Merkblattes
BKWI,BT = 0,5 %/a der Maschinentechnik
M 810 durchgeführt.
BKWI,MT = 1,5 %/a der Maschinentechnik
BKWI,EMSR = 2,5 %/a der EMSR-Technik
Folgende Annahmen wurden hierzu getroffen:
• Laufende Kosten: Energiekosten
Druckluftbelüftung Energiebedarf des Lastfalls 1 bei 0,15 €/kWh
(26,1 kW): ca. 229.000 kWh/a
• Investitionskosten und Nutzungsdauer Bau-
technik • Reinvestitionskosten
IKBT = 300.000 € 100 % der ursprünglichen Investitionskosten
nBT = 30 a
Der Betrachtungszeitraum für die beiden Varian-
• Investitionskosten und Nutzungsdauer Ma- ten wird auf 30 Jahre festgelegt, wodurch mehr-
schinentechnik fache Reinvestitionen bei den beiden Varianten
IKGebläse = 60.000 € anfallen, die jeweils in Höhe des nominellen
nGebläse = 15 a Gegenwartswertes berücksichtigt wurden.
IKBelüfter = 25.000 €
nBelüfter = 5 a Selbstverständlich dienen die hier aufgeführten
IKRohrleitungen = 80.000 € Annahmen lediglich der Erläuterung der anzu-
nRohrleitungen = 30 a wendenden Methodik und sind im Einzelfall de-
• Investitionskosten EMSR-Technik tailliert zu erheben bzw. abzuschätzen. Ein häu-
IKMSR = 80.000 € figes Problem bei derartigen Kostenvergleichs-
nMSR = 15 a rechnung ergibt sich aus der methodisch not-
wendigen Nutzengleichheit der zu untersuchen-
• Laufende Kosten: Wartung und Instandhal- den Varianten, was insbesondere bedeutet,
tung dass der Betrachtungszeitraum für die Varianten
BKWI,BT = 0,5 %/a der Maschinentechnik gleich lang ist und damit in Abhängigkeit der
BKWI,MT = 1,5 %/a der Maschinentechnik Nutzungsdauer der einzelnen Investitionsge-
BKWI,EMSR = 2,5 %/a der EMSR-Technik genstände teilweise deutlich über den üblichen
• Laufende Kosten: Energiekosten Betrachtungshorizont von Belüftungssystemen
Energiebedarf des Lastfalls 1 bei 0,15 €/kWh hinausgeht. Zur Vermeidung einer Restwertkal-
(18,5 kW + 2 kW): ca. 180.000 kWh/a kulation bedingt dies in der Regel mehrfache
Reinvestitionen einzelner Investitionsgegen-
• Reinvestitionskosten
stände (z.B. Belüfterelemente) und wirft damit
100 % der ursprünglichen Investitionskosten die Frage nach einer zutreffenden Kalkulation
der Höhe solcher Reinvestitionen auf. Im vorlie-
Oberflächenbelüftung genden Beispiel wurde vereinfachend davon
• Investitionskosten und Nutzungsdauer Bau- ausgegangen, dass die Reinvestitionen jeweils
technik zum nominalen Gegenwartswert erfolgen, was
IKBT = 100.000 € bei einem Betrachtungszeitraum von 30 Jahren
nBT = 30 a sicherlich einer kritischen Prüfung bedarf.

• Investitionskosten und Nutzungsdauer Ma- Tabelle A.8 fasst die Annahmen und die Ergeb-
schinentechnik nisse der Wirtschaftlichkeitsberechnung über-
IKMammutrotoren = 200.000 € sichtlich zusammen. Tabelle A.9 zeigt den Zah-
nMammutrotoren = 15 a lungsplan aller Investitionen und Reinvestitio-
nen.

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 61


DWA-M 229 Entwurf

Demnach wäre in diesem Fall die Oberflächen- 1.600.000 €


Druckluftbelüftung
blüftung mit einem Projektkostenbarwert in Höhe 1.500.000 €
Oberflächenbelüftung

von 1.232.410 € günstiger als die Druckluftbelüf-

Projektkostenbarwert
1.400.000 €
tung mit 1.361.947 €. Da die Stromkosten aller-
dings einen erheblichen Anteil am gesamten 1.300.000 €

Projektkostenbarwert haben, ist in solchen Fäl- 1.200.000 €

len nachdrücklich zu empfehlen, eine Szenari-


1.100.000 €
enanalyse durchzuführen, um die Auswirkungen
unterschiedlicher Annahmen bezüglich einer 1.000.000 €
2,0 % 3,0 % 4,0 % 5,0 %
möglichen Preissteigerung bei den Stromkosten Realzinssatz

berücksichtigen zu können.
Bild A.2: Entwicklung der Projektkostenbar-
Hierzu wurde die Preissteigerungsrate der werte bei Variation des Realzinssat-
Stromkosten in einem Bereich von 0 bis 7 %/a zes
variiert und die Auswirkungen auf den Projekt-
kostenbarwert der beiden Varianten quantifiziert. Zur abschließenden Beurteilung der wirtschaft-
Bild A.1 zeigt das Ergebnis dieser Berechnun- lichsten Variante kommt schließlich der Ein-
gen und macht deutlich, dass erst ab einer rea- schätzung der zukünftigen Preisentwicklung der
len jährlichen Preiserhöhung von etwa 4,4 % die Stromkosten eine entscheidende Rolle zu. Wird
Variante „Druckluftbelüftung“ wirtschaftlicher in diesem Zusammenhang berücksichtigt, dass
wird. die Strompreise in den letzten 10 Jahren (2000
2.600.000 €
bis 2010) jährlich um etwa 3,7 % gestiegen ist,
2.400.000 €
Druckluftbelüftung
Oberflächenbelüftung ist in erster Näherung durchaus davon auszuge-
2.200.000 €
hen, dass dieses Maß an Preissteigerung wahr-
scheinlich auch in den nächsten Jahren mindes-
Projektkostenbarwert

2.000.000 €

1.800.000 €
tens zu erwarten ist. Angesicht der massiven
1.600.000 €
Veränderungen bei der Stromerzeugung in
1.400.000 € Deutschland ist es aber auch möglich, dass die
1.200.000 € Preissteigerungen in den nächsten Jahren sogar
1.000.000 € noch etwas höher ausfallen werden und damit
0,0 %/a 1,0 %/a 2,0 %/a 3,0 %/a 4,0 %/a 5,0 %/a
Preissteigerung Stromkosten
6,0 %/a 7,0 %/a
die Variante „Druckluftbelüftung“ insgesamt wirt-
schaftlicher würde.
Bild A.1: Entwicklung der Projektkostenbar-
werte bei Variation der Preissteige- Grundsätzlich ist daher zu empfehlen, derartige
rungsrate der Stromkosten Kostenvergleichsrechnungen bei Belüftungssys-
temen immer durch Szenarienanalysen zu er-
Eine ebenfalls durchgeführte Variationsrech- gänzen und hierbei nicht nur wie im vorliegen-
nung im Hinblick auf den angenommenen Real- den Beispiel die Preissteigerungen beim Strom-
zinssatz (Bild A.2) zeigt dagegen keine Verän- bezug, sondern auch andere in die Kostenver-
derung der wirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit der gleichsrechnung einfließende Parameter und
untersuchten Varianten. Im betrachteten Bereich Annahmen, wie beispielsweise die Nutzungs-
von 2 bis 5 % ist die Varianten „Oberflächenbe- dauer oder die notwendigen Reinvestitionen
lüftung“ immer wirtschaftlicher als die Variante einer eingehenden Überprüfung zu unterziehen.
„Druckluftbelüftung“.

62 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Tabelle A.8: Vergleich der Wirtschaftlichkeit von Druck- und Oberflächenbelüftungssystemen

Nutzungsdauer Variante 1 Variante 2


Druckluftbelüftung Oberflächenbelüftung
Investitionskosten

Summe Bautechnik (Brutto): 30 300.000 € 100.000 €


Summe M-Technik Gebläse (Brutto): 15 60.000 €
Summe M-Technik Belüfter (Brutto): 5 25.000 €
Summe M-Technik Rohrleitungen (Brutto): 30 80.000 €
Summe M-Technik Mammutrotoren (Brutto): 15 200.000 €
Summe EMSR-Technik (Brutto): 15 80.000 € 60.000 €
Summe Investitionskosten (Brutto): 545.000 € 360.000 €

laufende Kosten

Stromkosten heute: 0,15 €/kWh 21 kW 26 kW


Preissteigerung der Stromkosten: 0,0 %/a 26.937 €/a 34.295 €/a
Instandhaltungskosten Bautechnik: 0,5 %/a 1.500 €/a 500 €/a
Instandhaltungskosten M-Technik: 1,5 %/a 2.475 €/a 0 €/a
Instandhaltungskosten EMSR-Technik: 2,5 %/a 2.000 €/a 1.200 €/a
Summe Jahreskosten (Brutto): 32.933 €/a 36.022 €/a

Projektkostenbarwerte

Investitionskosten: 716.857 € 526.884 €


laufende Kosten: 645.090 € 705.526 €

Gesamtsumme Projektkostenbarwerte: 1.361.947 € 1.232.410 €

Tabelle A.9: Zahlungsplan der Investitionen und Reinvestitionen für den Wirtschaftlichkeitsvergleich einer
Druck- und einer Oberflächenbelüftung
Variante 1 Variante 2
Jahr IKBT IKMT,Gebläse IKMT,Belüfter IKMT,Rohrleitungen IKEMSR PKBW IK Jahr IKBT IKMT,Mammutrotoren IKEMSR PKBW IK
0 300.000 ,- 60.000 ,- 25.000 ,- 80.000 ,- 80.000 ,- 545.000 ,- 0 100.000 ,- 200.000 ,- 60.000 ,- 360.000 ,-
1 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 1 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
2 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 2 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
3 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 3 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
4 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 4 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
5 0 ,- 0 ,- 25.000 ,- 0 ,- 0 ,- 21.565 ,- 5 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
6 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 6 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
7 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 7 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
8 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 8 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
9 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 9 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
10 0 ,- 0 ,- 25.000 ,- 0 ,- 0 ,- 18.602 ,- 10 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
11 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 11 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
12 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 12 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
13 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 13 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
14 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 14 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
15 0 ,- 60.000 ,- 25.000 ,- 0 ,- 80.000 ,- 105.907 ,- 15 0 ,- 200.000 ,- 60.000 ,- 166.884 ,-
16 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 16 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
17 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 17 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
18 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 18 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
19 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 19 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
20 0 ,- 0 ,- 25.000 ,- 0 ,- 0 ,- 13.842 ,- 20 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
21 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 21 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
22 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 22 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
23 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 23 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
24 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 24 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
25 0 ,- 0 ,- 25.000 ,- 0 ,- 0 ,- 11.940 ,- 25 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
26 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 26 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
27 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 27 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
28 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 28 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
29 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 29 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-
30 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,- 30 0 ,- 0 ,- 0 ,- 0 ,-

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 63


DWA-M 229 Entwurf

Anhang B Formblatt für die Zusammenstellung von


Randbedingungen für Strömungssimulati-
onen für Belebungsbecken

Die Angaben gelten für ein Becken!

Die Angaben pro Formblatt gelten für eine Studie!

DB – Druckbelüftung

OB - Oberflächenbelüftung

Daten zur Beckengeometrie:

Beckentyp:

Rechteckig ................
Rund .........................
Umlaufbecken ...........
Schlaufenbecken ......
Sonstiges ..................

Beckenabmessungen:

Länge (m) ................. : _____________________


Breite (m) .................. : _____________________
Wassertiefe (m) ........ : _____________________
Durchmesser (m) ...... : _____________________
(bei Rundbecken)
Kanalbreite (m) ......... : _____________________
(bei Umlauf- und Schlaufenbecken)

Zulaufgestaltung:

Rohr
Durchmesser (m) ...... : _____________________
Position ..................... : __________________________________________________________________
(bodennah, oberflächennah, Sonstiges)

Überfall
Länge (m) ................. : _____________________
Position ..................... : __________________________________________________________________
(bodennah, oberflächennah, Sonstiges)

Wandöffnung
2
Abmessung (m ) ....... : _____________________
Position ..................... : __________________________________________________________________
(bodennah, oberflächennah, Sonstiges)

64 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Ablaufgestaltung:

Rohr
Durchmesser (m) ...... : _____________________
Position ..................... : __________________________________________________________________
(bodennah, oberflächennah, Sonstiges)

Überfall
Länge (m) ................. : _____________________
Position ..................... : __________________________________________________________________
(bodennah, oberflächennah, Sonstiges)

Wandöffnung
2
Abmessung (m ) ....... : _____________________
Position ..................... : __________________________________________________________________
(bodennah, oberflächennah, Sonstiges)

Weitere Durchbrüche und Verbindungen zu anderen Becken:

Größe ....................... : _____________________


Position (Zeichnung) . : _____________________
Funktion .................... : _____________________

Belüfterelemente

Belüftertyp:

Abmessung: .............. : _____________________


(Länge, Breite)
Durchmesser ............ : _____________________
Drehzahl (bei OB) ..... : _____________________

Belüfterfelder/ Belüfteraggregate

Anzahl (-) .................. : _____________________


Belüfter pro Feld (-)... : _____________________
(bei DB)
2
Begasungsfläche (m ) _____________________
(bei DB)
Abstand der Belüfter . : _____________________
zu einander (m)
Position (Zeichnung) . : _____________________
Höhe der Belüfter...... : _____________________
über Boden (m) (bei DB)
Eintauchtiefe ............. : _____________________
(bei OB)
Luftbeaufschlagung .. : _____________________
3
(m N/h) pro Belüfterfeld (bei DB)

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 65


DWA-M 229 Entwurf

Rühraggregate

Typ ............................ : _____________________


Anzahl ....................... : _____________________
Position mit ............... : _____________________
Förderrichtung (Zeichnung)
Durchmesser (m) ...... : _____________________
Höhe der Rührwerks- : _____________________
achse über Boden (m)
Schubkraft (N)........... : _____________________
Leistung (kW)............ : _____________________

Betriebsrandbedingungen
3
Zuflussmenge gesamt über den Einlauf (m /h) .. : _________________________
(Wasserzufluss + Rezirkulationsmengen)

weitere Zuflüsse über andere Verbindungen ..... : _________________________


3
Menge (m /h) ............ : _____________________
Ort des Eintrags ........ : _____________________

Eigenschaften des belebten Schlammes

ISV (ml/g) .................. : _____________________


TSBB (g/l) ................... : _____________________

Zusatzinformationen

Zeichnung des Beckens inklusive Anordnung der Belüfter und Rührwerke

Informationen zum Verfahrensablauf (Skizze mit Verbindungsströmen)

66 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Anhang C Umrechung der Belüfterbeaufschlagung


von Standard- auf Betriebsbedingungen

In der Regel geben die Belüfterhersteller die Be- Beispiel: Ein Belüfterhersteller bestimmt den
aufschlagung unter Standardbedingungen in Druckverlust seiner Belüfterelemente, indem er die
3
Normkubikmeter mN an anstelle von Betriebsku- Belüfter in einem Tauchbecken mit 20 cm Wasser-
3
bikmeter m . überstau montiert. Die Temperatur der durchge-
blasenen Luft beträgt ca. 20°C. Der Umgebungs-
Für die Bewertung der Gebrauchseigenschaften
luftdruck beträgt 1.000 hPa. Der Luftvolumenstrom
des Belüfters sind die Betriebskubikmeter aller-
vom Gebläse beträgt 3 mN³/h. Der Messwert des
dings entscheidend, da die Strömungsgeschwin-
Duckverlustes am Belüfterelement wird mit 30 hPa
digkeiten im Belüfterelement und in den Rohrlei-
gemessen.
tungen nur von den aktuellen Betriebskubikmetern
abhängig ist und nicht vom Massenstrom ausge-
Auf dem Typenblatt des Belüfters ist angegeben:
drückt als Normkubikmeter. Dies ist auch der
Druckverlust bei einem Luftvolumenstrom von
Grund dafür, weshalb die im Becken bei einer Ein-
3 mN³/ h beträgt 30 hPa. Der tatsächliche Luftvo-
blastiefe von z.B. 5 Metern gemessenen Druckver-
lumenstrom ist 3,11 m³/h, d.h. die Abweichung ist
luste eines Belüfters immer kleiner sind als die in
vernachlässigbar gering.
den Datenblättern auf Normbedingungen bezoge-
nen Druckverluste. Nun werden diese Belüfter in ein Becken mit einer
Einblastiefe von 5 Metern und einer Wassertempe-
Für den Druckverlust eines Belüfterelementes gilt
ratur von 10°C eingebaut. Der Umgebungsluft-
nämlich:
druck beträgt wieder 1.000 hPa. Über die Gebläse
wird ein Luftvolumenstrom umgerechnet auf
v2
∆ p = Σζ ⋅ ρ ⋅ Normbedingungen von 3 mN³ pro Belüfter und
2
Stunde eingestellt. Unter der Annahme, dass sich
die Lufttemperatur der Wassertemperatur nahezu
Für die Umrechnung des Luftvolumenstromes für angleicht, beträgt der tatsächliche Luftvolumen-
verschiedene Zustandsgrößen gilt unter der An- strom 2,04 m³/(St · h). Die Luftbeaufschlagung ist
nahme von Luft als ideales Gas: also deutlich geringer als angenommen. Der
Druckverlust wird auf 19,4 hPa reduziert.
T2 ⋅ p1
V2 = V1 ⋅
T1 ⋅ p2

Für die Lufttemperatur an den Austrittsöffnungen


im Becken kann dann vereinfacht die Wassertem-
peratur zugrunde gelegt werden. Für die Umrech-
nung der Dichte für verschiedene Zustandsgrößen
gilt:

T1 ⋅ p 2
ρ 2 = ρ1 ⋅
T 2 ⋅ p1

Berechnet man nun die Druckverluste bei ver-


schieden Zustandsgrößen der Luft (aber konstan-
tem Massenstrom) erhält man nach Umformung:

T2 ⋅ p1
∆ p 2 = ∆ p1 ⋅
T1 ⋅ p 2

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 67


DWA-M 229 Entwurf

Anhang D Ermittlung der Mischenergie aus der ein-


getragenen Luft bei Druckluftbelüftung

Die mit der eingeblasenen Luft eingetragene


Mischenergie kann aus dem Energieeintrag der
Wasserverdrängung berechnet werden. Zum
Heben von einem m³ Wasser um einen Meter ist
eine Arbeit von:
r r
W = F ⋅ s = 1.000 ⋅ 9,81⋅ 1 = 9810 J = 2,72 Wh

Erforderlich. Unter der Annahme, dass für die


Mischung das Luftvolumen bezogen auf die Zu-
standsgrößen in halber Einblastiefe maßgeblich
ist gilt [30]:

 h 
1013 + 98,1⋅ D 
pBB  2  273
qL = ⋅ ⋅
2,72 1013 ⋅ hD ( 273 + TBB )

BEISPIEL: Für eine Einblastiefe von 5 Metern,


einer Wassertemperatur von 10°C und einer
erforderlichen spezifischen Mischenergie von
3
3 W/m BB berechnet man den spezifischen Luft-
3 3
volumenstrom zu 0,26 mN /(m BB · h).

68 August 2011 ENTWURF


Entwurf DWA-M 229

Frist zur Stellungnahme: XX. Monat 2011 August 2011 69

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