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Casandra (1983)

Christa Wolf

Ed. Miguel Sáenz (Madrid: Diario El País, 2005)

Kassandra, die Tochter des Königs Priamos von Troja und seiner Frau Hekabe, wird
vom Gott Apoll umworben und mit der Sehergabe beschenkt. Da sie sich seiner Liebe
verweigert, wird sie von ihm bestraft, indem er ihr den Fluch auferlegt, dass niemand
ihren Prophezeiungen glauben werde. Zu ihrem Vater hat sie eine liebevolle Beziehung:
So lässt er sie immer, im Gegensatz zu ihren Geschwistern, im Zimmer bleiben, wenn er
mit seiner Frau Hekabe eine politische Besprechung führt. Priamos herrscht zusammen
mit seiner Frau, wobei er ihr die Macht größtenteils überlässt. Hekabe erscheint als
strenge Mutter. Im Rahmen der entwürdigenden Entjungferungszeremonie begegnet
Kassandra zum ersten Mal Aineias, der sie zu sich nimmt, sie aber nicht entjungfert. Sie
verliebt sich in Aineias. Sie wird später von Panthoos – „Panthoos der Grieche“ genannt
–, dem ersten Apollonpriester, nachdem er sie zur Priesterin geweiht hat, entjungfert.
Doch immer, wenn Panthoos zu ihr kommt, um mit ihr zu schlafen, stellt sie sich vor, er
sei Aineias. Anchises, der Vater des Aineias, lehrt Kassandra die Geschichte vom ersten
von drei Schiffen und verrät ihr, dass Panthoos als Beutestück mitgebracht worden sei.
Zur gleichen Zeit wird das zweite Schiff ausgesandt, mit dabei Anchises und Kalchas
der Seher, um die vom Spartaner Telamon entführte Hesione, Priamos’ Schwester, nach
Troia zurückzuholen. Das Unternehmen scheitert, denn inzwischen ist Hesione die Frau
von Telamon und der Seher Kalchas kehrt nicht zurück, wobei anfangs ungewiss ist, ob
er von den Griechen gefangen genommen wurde oder ob er aus freier Wahl zu den
Griechen übergelaufen ist, was sich später bewahrheitet. Kurz darauf taucht Paris auf,
der sich als Bruder der Kassandra herausstellt. Kassandra erfährt von Arisbe, der Mutter
von Aisakos, ihrem Halbbruder, dass Paris von Priamos einem Hirten gegeben wurde,
um ihn umzubringen, da Hekabe vor seiner Geburt träumte, sie werde einen Holzscheit,
aus dem unzählige brennende Schlangen hervorkriechen, gebären und Kalchas der
Seher ihr daraus prophezeite, Paris werde Troia in Flammen setzen. Der Hirte brachte es
jedoch nicht übers Herz, ihn umzubringen, sondern setzte ihn stattdessen aus, worauf
Paris bei Hirten aufwuchs. Aphrodite versprach ihm die schönste menschliche Frau,
Helena, die Frau des Königs Menelaos von Sparta. Paris wird anfangs von seinen

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Brüdern verspottet, da sein Name so viel wie „Tasche“ bzw. „Beutel“ bedeutet. Von
Kassandra aber wird er geliebt, wie sie nur früher einmal Aisakos geliebt hat. Aisakos
hat sich das Leben genommen, da seine geliebte Frau Asterope am Kindbettfieber starb;
Kalchas jedoch sagte, dass er von Artemis in einen schwarzen Tauchvogel mit rotem
Hals verwandelt wurde. Zu dieser Zeit kommt Menelaos nach Troia, und während des
Mahls am letzten Abend kommt es zwischen Paris (der Eumelos aus Pherai bewundert,
den Chef der trojanischen Palastwache und einer Art trojanischer „Stasi“-Behörde) und
Menelaos zu einer Auseinandersetzung, in der es um Helena geht. Noch im Speisesaal
bekommt Kassandra einen Anfall und wird daraufhin von ihren Geschwistern für
wahnsinnig erklärt; doch Kassandra schützt sich mit ihrem nur scheinbaren Wahnsinn
vor dem Schmerz, da sie den Untergang Troias voraussieht. Menelaos verlässt Troia,
und das dritte Schiff fährt aus, an dessen Spitze Paris. Kassandra wird durch Hilfe von
Arisbe wieder gesund. Das dritte Schiff kehrt zurück, jedoch ohne Paris, denn der macht
mit Helena, die er entführt hat, da man ihm Hesione verweigerte, einen Umweg über
Ägypten. Nach Monaten kommt er mit einer verschleierten Person, die er als Helena
ausgibt, zurück. Kassandra weigert sich einzusehen, dass diese Person nicht Helena ist.
Nachdem sie von ihrer Familie jedoch aufgeklärt wurde, sagt sie „dem Volk“ nichts
davon, weil Priamos es ihr verboten hat und sie sich ihm immer noch zugehörig fühlt.
Im Frühjahr beginnt der Krieg. Gleich am ersten Tag wird Kassandras Bruder Troilos
von Achill brutal getötet, ohne sich an Kampfregeln zu halten; seitdem nennt Kassandra
ihn stets „Achill das Vieh“. Briseis, die geliebte Gattin des Troilos, verliert beinahe den
Verstand und wird auf ihren Wunsch hin zu ihrem Vater Kalchas, also zu den Griechen,
gebracht. Aineias hilft Kassandra über den Tod ihres Bruders hinweg und zwischen den
beiden entwickelt sich eine zärtliche und leidenschaftliche Liebe. In der Beziehung
findet Kassandra die lang vermisste Erfüllung ihrer Wünsche und Sehnsüchte. Er kann
aber nicht bei ihr bleiben und geht am nächsten Morgen fort. Kassandra bespricht jetzt
häufig ihren Kummer bei Anchises, bei dem sich einige Troerinnen und Sklavinnen der
Griechen treffen. Hekabe darf an den Sitzungen des Rats nicht mehr teilnehmen.
Polyxena, eine Schwester Kassandras, verliebt sich in Andron, den Offizier des
Eumelos, beginnt ein Verhältnis und wird schwanger von ihm, verliert jedoch das Kind.
Kassandra hört auf, zu Anchises zu gehen, und zieht sich in den Tempel zurück.
Inzwischen zerbröckelt Priamos immer mehr, je mehr er das Königsein betont.
Kassandra trifft auf Agamemnon, welcher ihr Schmuck schenkt, weil sie seiner Tochter
Iphigenie gleiche. (Agamemnon hat in Aulis Iphigenie geopfert, weil ihm Kalchas

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prophezeit hatte, nur so werde Wind aufkommen, damit die Seefahrer nach Troia segeln
können.) Kassandra geht wieder zu Anchises, um mit ihm über Eumelos zu sprechen,
der immer mehr Priamos auf eine falsche Art beeinflusst und beherrscht. Hektor besiegt
im Zweikampf den großen Aias, worauf Achill ihn zum Zweikampf auffordert und ihn
umbringt und darauf entweder Polyxena oder so viel Gold fordert, wie Hektors Leiche
wiegt. Briseis kommt zurück und versteckt sich in den Höhlen der Ida-Berge, wo Arisbe
lebt und wo auch Kassandra am liebsten leben würde. Polyxena muss zu Achill. Aineias
kommt zurück und bringt die kriegerischen Amazonen mit, an deren Spitze Penthesilea.
Sie wollen auf der Seite Troias kämpfen. Myrine, eine Amazone, die von den
Troerinnen versteckt wurde, wird zu einer guten Freundin Kassandras. Myrine wird
schwer verletzt. Panthoos wird von den Amazonen getötet. Achill tötet Penthesilea und
schändet ihren Leichnam. Nach ihr werden sämtliche Amazonen getötet mit Ausnahme
von Myrine, die gut versteckt ist. Kassandra erfährt vom Plan der Tötung des Achill:
Polyxena soll ihn unter dem Vorwand einer Vermählung in den Tempel locken, und
Paris soll ihn dort mit dem Speer in die Ferse treffen; denn der einzige schwache Punkt
des Achill ist seine Ferse. Kassandra ist im Interesse Polyxenas gegen diesen Plan,
woraufhin Priamos zornig wird und sie einsperren lässt. Als sie wieder freikommt, ist
Achill schon getötet und hat im Sterben Odysseus den Schwur abgenommen, dass
Polyxena an seinem Grab geopfert werde. Kassandra lebt jetzt auch in den Höhlen und
versucht zusammen mit den anderen Frauen, die dort sind, und Anchises, die Zeit vor
dem Untergang zu genießen. Im ersten Frühling schickt Priamos nach ihr, weil sie
Eurypylos, einen neuen Verbündeten, heiraten soll, dieser stirbt jedoch am Tag nach der
Hochzeitsnacht, in der er Kassandra vergewaltigt, wodurch sie schwanger wird.
Kassandra kehrt zu den Höhlen in den Ida-Bergen zurück und gebiert dort später
Zwillinge. Paris stirbt, Kassandra geht nach Troja zur Totenfeier und sieht, wie schlecht
es der Stadt geht. Eines Abends hat sie auf der Stadtmauer eine Unterhaltung mit
Aineias. Aineias besteht darauf, dass Kassandra mit ihm Troia verlässt, um ein neues
Leben anzufangen. Kassandra will nicht mit ihm gehen, da sie davon ausgeht, dass die
neuen Herren allen, die überleben, ihr Gesetz diktieren. Diese neuen Gesetze würden
Aineias dazu zwingen, bald ein Held zu werden, und einen Helden könne sie nicht
lieben. Sie entscheidet sich für den Tod. Aineias flüchtet, der Zusammenbruch kommt
schnell, denn die Troer holen gegen Kassandras Willen das Pferd in die Stadt. In der
Nacht werden alle Trojaner getötet. Polyxena wird auf Achills Grab geopfert, Kassandra
von dem kleinen Aias vergewaltigt und mit ihren Zwillingen und Marpessa, ihrer

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Dienerin, von Agamemnon gefangen genommen und nach Mykene geführt. Dort
werden Agamemnon und Kassandra von Klytaimnestra, seiner Frau, und deren
Geliebten, Aigisthos, ermordet, da Klytaimnestra das Opfer ihrer Tochter Iphigenie
nicht verkraften kann.