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Carlo lnderhees

Grundlagen der
Allgemeinen Harmonielehre, l. Teil
Carlo lnderhees
Grundlagen der Allgemeinen Harmonielehre, l. Teil

copyright @ 2000 by Carlo lnderhees

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bedarf der Genehmigung des Autors.
lnhaltsverzeichnis

Grundlagen der Allgemeinen Harmonielehre, l. Teil

Der vierstimmige Satz 3


1. Der Stmmverlauf 3
1.1 Stimmbezeichnungen 3
1.2. Stimmumfänge 3
1.3. Bewegungsarten im Stimmverlauf 4
Übungen (Bewegungsarten) 5-6

1.4. lntervalle im Stimmverlauf 7-8


Übungen ( lntervalle im Stimmverlauf) 9-12

2. Der Zusammenklang der Stimmen 13


2.1. Material 13
2.2. Positionierung des Materials 13
2.2.1. Stellung 13
2.2.2. Lage 13
2.2.3. Abstandslage 14
Übungen (Lage - Stellung - Abstandslage) 15-16

3. Die Verbindung von Akkorden in Grundstellung 17


3.1. Akkorde mit einem gemeinsamen Ton 17
3.2. Akkorde ohne einem gemeinsamen Ton 18
Übungen (Verbindung von Akkorden) 1 9-20

4. Hauptfunktionen 21
Übungen (Hauptfunktionen) 22-24

5.1. Nebenfunktionen in Dur 25


5.1.1. Stimmführung 26
5.1.2. Analyse 26
Übungen (Nebenfunktionen in Dur) 27-29

5.2. Nebenfunktionen in Moll 30


Übungen (Nebenfunktionen in Moll) 31-33

6. Schlußwendungen 34
6.1. Stimmführung beim Trugschluß 35
6.2. Verdopplung von Dreiklangstönen in Grundstellung 35
Übungen (Schlußwendungen) 36-38
Der vierstimmige Satz
1. Der Stimmverlauf

NBl A

aJ 7 1
l-l)
| l*_
J.)
I
rrT'Jrafir r

1.1. Stimmbezeichnungen 1.2. Stimmumfänge


Sopran (S)

o(?
tt
tt
+

Ah (A)

::ißq
Alt
+
5
Tenor (T)

ti.
I
--l tt
I

Bass (B)

t(r
Bass

#
---H

-3-
1.3. Bewegungsarten im Stimmverlauf

Durch die Bewegung der Einzelstimmen ergeben sich


verschiedene Bewegungsarten.
Jeweils zwei Stimmen stehen im Verhältnis zu einer
Bewegungsart:

Seitenbewegung:
Eine Stimme bewegt sich auf- oder abwärts, während
die andere Stimme gleichzeitig liegen bleibt oder ihren
Ton wiederholt.

Gegenbewegung:
ZweiStimmen bewegen sich gleichzeitig in entgegen-
gesetaen Richtungen.

Parallelbewegung:
ZweiStimmen bewegen sich gleichzeitig in gleichen
lntervallabständen in gleicher Richtung.

Geradbewegung:
Zwei Stimmen bewegen sich gleichzeitig in verschiedenen
lntervallabständen in gleicher Richtung,

Jede Einzelstimme steht im vierstimmigen Satz zu jeder


anderen Stimme in Beziehung. Dadurch ergeben sich
gleichzeitig verschiedene Bewegungsarten:

Seitenbewegung. A und B /A und T /A und S


Parallelbewegung: T und S
Geradbewegung: B und T I B und S
- oder -
Bass:
Seitenbewegung zum Alt
Geradbewegung zum Tenor und Sopran
Tenor:
Seitenbewegung zum Alt
Parallelbewegung zum Sopran
Geradbewegung zum Bass
Alt:
Seitenbewegung zum Bass, Tenor und Sopran
Sopran:
Seitenbewegung zum Alt
Parallelbewegung zum Tenor
Geradbewegung zum Bass

-4-
Ubungen
(Bewegungsailen)

Analysieren Sie im Notentext die Bewegungsarten


und kennzeichnen Sie die Stimmumlänge.
Stimm-
Beispiel: umtänse

--+-
---f-- Abkürzungen:
+
Seitenbewegung SB
+ Gegenbewegung GB
I
Parallelbewegung PB
---F
I

Geradbewegung GRB

-5-
A A

T T

T
1.4. lntervalle im Stimmverlauf

Unvollkommene Konsonanzen (UVK)


Große und kleine Terzen und Sexten
und außerdem reine Quarten sind un-

#
eine Terz eine Sexte eine Oldave eine Ouinle vollkommene Konsonanzen.
geht in SB geht in SB geht in SB geht in SB
in eine Sexte
=+
in eine Terz

----ir--------
--+ a
#in eine Sexte

--#
a
in eine Terz

Seitenbaivegung (SB)
in eine unvollkommene Konsonanz
JI
I lr
eine Terz eine Sexte eine Oklave eine Quinle
geht in GB geht in GB geht in GB gehl in GB
in eine Sexte in eine Terz in,eine Sexte ln eine Terz
--#II # Ir
F __t_____l_
-f-J-
Gegenbewegung (GB)
in eine unvollkommene Konsonanz

Sexlparallelen Terzparallelen Ouarlparallelen

Parallelbewegung (PB)
unvollkommener Konsonanzen

eine Terz eine Sexte eine Oktave eine Quinle


geht in GRB geht in GRB geht in GRB geht in GRB
in eine Sexte in eine Terz in eine Sexte in eine Terz
tl T-
--J------- --rl---J---
I

-"_--T-- a -T---f
--1 --t---
Geradbewegung (GRB)
in eine unvollkommene Konsonanz
I

Vollkommene Konsonanzen (VK)

eine Oktave eine Quinte eine Sexte eine Terz


geht in SB geht in SB geht in SB geht in SB Reine Primen (Einklang), Oktaven und
in eine Ouinte in eine Oktave in eine Oktave in eine Ouinte
+ rl Quinten sind vollkommene Konsonanzen.

Seitenbewegung (SB)
-r----r--
=
in eine vollkommene Konsonanz

eine Quinle eine Oktave eine Terz


geht in GB geht in GB geht in GB
in eine Oktave

-+
in teine Quinte in eine Ouinte

-'t--=J- -#rl Gegenbewegung (GB)


ffi-
-D--l--T- --T------r- -4------t-
--f---T-- in eine vollkommene Konsonanz

Satzfehler!
Parallelbewegung (PB)
Einklangs- Quinl- vollkommener Konsonanzen :
parallelen parallelen
Bewegen sich vollkommene Konsonanzen
-j----r-
-7----T-
im gleichen lnlervallabstand parallel, so
handelt es sich um "offene Parallelen".

ll Wegen ihrer hohen klanglichen Verschmel-


zung werden gleiche vollkommene Konso-
nanzen nicht parallel gelührt.

7^
(Vollkommene Konsonanzen)

Geradbewegung (GRB)

Führt eine Geradbewegung zu einer vollkom-


menen Konsonanz, so handelt es sich um
eine "verdeckte Parallele".

eine Quinte eine Dezime eine Sexte


gehl in GRB geht in GRB geht in GRB
in eine Oktave in eine Oktave in eine Oktave

Geradbewegung
in eine vollkommene Konsonanz
(hier Oktaven = verdeckte Oktavparallelen)

Eine Stimme bewegt sich im lntervall-


sprung und die andere im Sekundschritt.

eine Dezime eine Dezime


geht in GRB geht in GRB
in eine Oktave in eine Oktave
der Sopran der Sopran
schreitet springt

Findet diese Bewegungsart zwischen den


Satzfehler! Außenstimmen (Bass und Sopran) statt,
so wird der Sopran im Sekundschritt geführl

(hier Quinten = verdeckte Quintparallelen)

Satzlehler!

-8-
Ubungen
(l ntervalle im Stimmverlauf)

Analysieren Sie im Notentext die Bewegungsarten Abkürzungen:


und beschreiben Sie das Zielintervall.
Kennzeichnen Sie Satlehler. Seitenbewegung SB
Gegenbewegung GB
Beispiel: Parallelbewegung PB
Geradbewegung GRB

vollkommeneKonsonanzen VK
GRB l VK (5) unvollkommene Konsonanzen UVK

Terz 3
Quarte 4
Quinte 5
Sopran und Bass gehen in Gradbewegung
Sexte 6
in eine vollkommene Konsonanz (Quinte)
Oktave 8

-9-
A

-10-
Setzten Sie die angegebenen Bsp.:
Bewegungsarten und Eine vollkommene Konsonanz (VK)
lntervalle in Noten. geht in Geradbewegung (GRB) in eine
unvollkommene Konsonanz (UVK).

s
/A

VK /SB I UVK UVK/SB/UVK VKi GB /VK

UVK/PB/UVK VK/GRB/UVK UVK /GB / UVK

VK/SB/VK UVK/GB /VK UVK/PB/UVK

UVK/GRB/UVK VK /GB / UVK UVK/SB/VK

VK / PB /VK UVK/GRBIVK VK /GRB /VK

- 11 -
Analysieren Sie im Notentext die Bewegungsaften
und kennzeichnen Sie Satzfehler.

|,
a)

! !! I
I 'l
$.t ) r r
-r
I

aJr
_l
I
I
r
I
rr \
trt I LLI

orl t r
I Ä t. Jll
A

c, ', rl
JJ
I

, 1'
I

-=. *\J ) ) hJ ) :r

d r,
) )
I

I!r I

J
vr
tI
rr
tt
r
I

-12-
2. Der Zusammenklang der Stimmen

2.1. Material

Dieser Ausschnitt zeigt, dass der veftikale


Zusammenklang des Materials aus vol lständi gen
Dreiklängen besteht (Grundton, Terz, Quinte).

#n--.l-r-t-o
m"-f-"a5 ln der vierstimmigen Darstellung der Dreiklänge
wird primär der Grundton verdoppelt.

l- J , J "--[-n Grundton (G)


Quinte (Q)
Dr- __-___c___+_ä Terz (T)
'--l'-o ---r--- --f--
G-Dur C-Dur D-Dur

2.2. Positionierung des Materials

=+ -1-
I

2.2.1. Stellung
o
--T---

I I
F I
Der Basston definiert die Stellung eines Akkordes

-f-r -T-r
---4)- Zunächst befindet sich der Grundton eines
Akkordes im Bass (Grundstellung).
---r*-- --HJ.-
-_r-*
D-Dur
crundstellung
C-Dur
Grundstellung

Quint- Terz- Oktav-


lage lage lage
2.2.2. Lage
_t
rF+ -l-,

F
--+t+-
-f-- Der Sopranton definiert die Lage eines Akkordes.

Oktave eines Akkordes im Sopran:Oktavlage


1 I

---1- I Terz eines Akkordes im Sopran: Terzlage


Quinte eines Akkordes im Sopran:Quintlage
--?- o
--r--
3
F I
c D

-13
2.2.3. Abstandslage

Die Abstandslage definiert das vertikale


Verhälnis der Töne eines Akkordes zueinander.

S
A
T +# Man unterscheidet:

Enge Lage:
die Töne eines Akkordes in den drei
Oberstimmen sind vertikal so angeordnet, dass sie
direkt untereinander liegen.

=+
I

a
-_t---
I

J _-l_
F Weite Lage:
die Töne eines Akkordes in den drei
Oberstimmen sind vertikal so angeordnet, dass
mindesten ein Akkordton zwischen Sopran und
Alt, bzw. Alt und Tenor ausgespart ist.
---7- -?-
--J- --r--

++-r-
----e-
--t--- Gemischte Lage;
die Töne eines Akkordes in den drei

#
---ü-I

--T---
Oberstimmen sind vertikal so angeordnet,
dass die weite- und enge Lage gleichzeitig
vorhanden sind.

=
Der maximale Stimmabstand zwischen Sopran
und Alt, b.z.w. Alt und Tenor beträgt eine Oktave.
Der Abstand zwischen Tenor und Bass richtet sich
nach der Stimmführung und dem Stimmumfang.

Übersicht

(Lage - Stellung - Abstandslage)

aJ -, \l \.t
\r,
3 5
c c
enge weile enge weite enge weite
Oktavlage Oklavlage Terzlage Terzlage Quinllage Quinllage
in Grundstellung in Grundslellung in Grundslellung in Grundstellung inGrunclstellung inGrundstellung

14-
übungen
(Lage - Stellung - Abstandslage)

l. Beispiel große Buchstaben = Dur


kleine Buchstaben = Moll
G-Dur Akkord: enge Terzlage in Grundstellung

Vorgehensweise:

1. die Terz des G-Dur Dreiklanges in den


Sopran setzen
2. die anderen Töne des Dreiklanges direkt
unter den Sopran setzen
3. den Grundton des Dreiklanges in den Bass setzen

Selzen Sie die Akkorde in enge Lage

a)

5 3 5
G Fis Des

a)

5 I I
gis D B

a)

o 5
Es fis

-15-
übungen
(Lage - Stellung - Abstandslage)

ll. Beispiel

F-Dur Akkord: weite Oktavlage in Grundstellung

weite
2. Lage

Vorgehensweise:

1. F-Dur Dreiklang in enger Oktavlage denken

2. den zweiten Ton von oben (hier "c") eine Oktave


tiefer in den Baßschlüssel setzen

Setzen Sie die Akkorde in weite Lage

5 3 5
G Fis Des

a)

5 8 5
gis B F

a)

3 5
Es fis

-16-
3. Die Verbindung von Akkorden
in Grundstellung

3.1. Akkorde mit einem gemeinsamen Ton

Der gemeinsame Ton des G-Dur-


G-Dur C-Dur und des C-Dur Akkordes ist das "9".
Stimmführung

Hier erscheint in der Materialdisposition des G-Dur


Akkordes das 91 im Alt.
ln der Materialdisposition des C-Dur Akkordes wird
dieser gemeinsame Ton (gl ) übernommen, er bleibt liegen

Nachdem der gemeinsame Ton gesetzt wurde, schreiten die


anderen Stimmen auf dem kürzesten Weg zu den Tönen des
C-Dur A(kordes.

Kürzester Weg Der Tenor des G-Dur Akkordes (hier h)


schreitet zum c1 des C-Dur Akkordes.

G-Dur C-Dur

Der Sopran des G-Dur Akkordes (hier d2) hat scheinbar


zwei Möglichkeiten auf dem kürzesten Weg fortzuschreiten.
Tatsächlich kann er aber nur zum e2 schreiten, da sonst die
Terz im Gesamtklang fehlen würde.

Um den Akkord vollständig zu disponieren,


wird der Grundton des C-Dur Akkordes
in den Bass gesetzt (Grundstellung).

G-Dur

17-
3.2. Akkorde ohne einen gemeinsamen Ton

Der C-Dur- und D-Dur Akkord haben keinen


gemeinsamen Ton.
C-Dur D-Dur

S
A

Gegenbewegung
T

B Der Bass wird im Sekundschritt geführt.

D-Dur

s
A
Die drei Oberstimmen werden auf dem kürzesten
Weg in Gegenbewegung zum Bass gesetzt.
T

B
c-Dur D-Dur

Stimrnf ührungsregeln :

Ligatur

Küzester Weg

Gegenbanregung

-18-
übungen
(Verbindung von Akkorden)

Stimmlührungsregeln:
Akkorde mit einem gemeinsamen Ton: Ligatur / kürzester Weg
Akkorde ohne einen gemeinsamen Ton: Gegenbewegung

Setzen Sie die Akkordverbindungen in weite Lage


und analysieren Sie die Bewegungsarten.

a)

3
G a

a)

I
Lz EsF

a.)

5
As Des Fis

AJ

A
D Es Fis h

3 3
EsF cis Jis

-19-
Analysieren Sie im Notentext die Bewegungsarten
und kennzeichnen Sie Satzfehler.

a) I I lr l,l

!f:-,\ l J.l 4l It
hr
) .tr ) 1 I .l J J
"t

o,rl I tt
ul tttT
J l'l l J I-1 I )
I ,')
I

l- -l Lr L

da L4 t I
r-r r ''l a i
rl -ltl I

l.J
I

äfl +.)
b
-l )
r

I^l
'2 )ü^J t_, b.t
I
-l
-
I I

o r lffrlr
^t. ,, \ ,

-20 -
4. Hauptfunktionen

Hauptfunktionen:

T /t - Tonika (1. Stufe der Tonleiter)


D /d - Dominante
(5. Stufe der Tonleiter)
S / s - Subdominante (4. Stule der Tonleiler)

Dur Moll Moll Dur Dur Moll vermindert


1. 2. 3. 4. 5. 6.7.i Slufe

t
T s D*

vermindert Dur Moll Dur Dur


2. 3. 5. 6. 7.

<-- Leitton (harmonisch Moll)

Die Terz der Dur - Dominante ist Leitton und wird stutenweise
auf wärts zuf gel öst/weitergef üh rt.

-21
Ubungen
(Hauptfunktionen)

)T
6T S D s d
ptl

ll
H glr

E cf

D h

G e

c a

^b_

cL_ eb

- 22-
Setzen Sie die Funktionen in weite Lage und
analysieren Sie die Bewegungsarten.

5
DTS

I
T SD

-23-
3
DT @

5
Dt

-24-
5.1. Nebenfunktionen in Dur

Tp - Tonikaparallele (6. Stufe der Tonleiter) Tg - Tonikagegenklang (3. Stufe der Tonleiter)
Dp - Dominantparallele (3. Stufe der Tonleiter) Dg - Dominantgegenklang (7. Stufe der Tonleiter)
Sp - Subdominantparallele (2. Stufe der Tonleiter) Sg - Subdominantgegenklang (6. Stule der Tonleiter)

Nebenlunktionen Nebenfunktionen
Parallelklänge Hauptfunktionen Gegenklänge

a-Moll C-Dur e-Moll


a
große Terz

kleine Terz

G-Dur

große Terz

kleine Terz

F-Dur

a große Terz

kleine Terz
Sp Sg

Parallelklänge sind kleinterzverwandt. Gegenklänge sind großterzverwandl.

Der Grundton der Nebenfunktion steht Der Grundton der Nebenfunktion steht
im Verhältnis zum Grundton der im Verhältnis zum Grundton der
Hauptfunktion eine kleine Terz tiefer. Hauptfunktion eine große Terz höher.

Der Dreiklang der Hauptfunktion und der Dreiklang der Nebenfunktion haben zwei gemeinsame Töne.

Nebenfunktion und Hauptfunktion sind in ihrer Klangqualität gegengeschlechtlich.

Übersicht

vermindert/
Dur Moll Dur Moll

1. 2. 4. 7. I Stufe

doppeldeulige Nebenlunklionen

-25-
5.1.1. Stimmführung

Der Dreiklang der Hauptfunktion und der Dreiklang


der Nebenfunktion haben zwei gemeinsame Töne,
die in Ligatur gesetzt werden.
Die anderen Stimmen gehen auf dem kürzesten Weg
zu den Tönen des Folgeakkordes.

@r

5.1.2. Analyse

Methode:
-r-
-
F sb
# pb
a
_r]_
F
1. Das Akkordmaterial des Notentextes in Terzen schichten
und auf Dreiklangsstrukturen zurückführen.
Die Dreiklilnge identifizieren (Dur: große Buchstaben / Moll:
kleine Buchstaben).

2. Tonika - Dominantbeziehung suchen:

EFsBbE
L->Dominante: G-Dur
wenn c-Moll die Tonika ist, dann wäre G-Dur die Dominante

"Fl sBbE
r=+'Dominante: C-Dur
wenn F-Dur die Tonika ist, dann wäre C-Dur die Dominante

lil Bb +
u->Dominante: D-Dur
wenn g-Moll die Tonika ist, dann wäre D-Dur die Dominante

I--r-l wenn Bb-Dur die Tonika ist, dann ist F-Dur die Dominante
]BO ED (D
l-->Dominante: F-Dur

fb-Our als Tonika und Bb-Dur als Dominante ist wegen


F - Dur nicht möglich.

3. Tonart fixieren

4. Funktionen schreiben

26-
übungen
(Nebenfunktionen - Dur)

h
Arp
al-
Tg Sp Sg Dp Dg
*_

H-

E
L

A-

D-

G-

c-
F-

t--
BP

t-
6a

t-
Ar-

t-
DD--

t--
Gb

-27 -
übungen
(Nebenfunktionen - Dur)

Setzen Sie die Funktionen in weite Lage und


analysieren Sie die Bewegungsarten.

@+

o4 2
4 4

@ i Drgsp s D r @f D rs S

rr3
4

@? Tg D

d4 2
4 4

@ fsgor spDr tE\


\:-/ T
5
Sg Tg

-28 -
übungen
(Nebenfunktionen - Dur)

Analysieren Sie im folgenden Notentext die Funktionsharmonik

-29 -
Nebenfunktionen in Dur

Tp Tg
6
Ff, ar

ffi#
H

=-
E -"#F
-# -t--
--t*-

--n"3-
A --it- ------

D
#
G
---f-
. +
c
-=
F

Bb
=- +-
==

_-

Eb ++
-=

Ab ++ =

Db
w+F 4*
ct w# 4-
5.2. Nebenfunktionen in Moll

tP - Tonikaparallele (3. Stufe der Tonleiter) tG - Tonikagegenklang (6. Stufe der Tonleiter)
dP - Dominantparallele (7. Stufe der Tonleiter) dG - Dominantgegenklang (3. Stufe der Tonleiter)
sP - Subdominantparallele (6. Stu{e der Tonleiter) sG - Subdominantgegenklang (2. tiefalteriefte Stufe
der Tonleiter)

Nebenfunktionen Nebenlunktionen
Gegenklänge Hauptlunktionen Parallelklänge

F-Dur a-Moll C-Dur

kleine Terz

große Terz

C-Dur e-Moll G-Dur

-----:- kteine Terz

große Terz

B-Dur d-Moll F-Dur

kleine Terz
-------ta
große Terz s SP

Gegenkl änge sind großterzverwandt. Parallelklänge sind kleinterzverwandt.

Der Grundton der Nebenfunktion steht Der Grundton der Nebenfunktion steht
im Verhältnis zum Grundton der im Verhältnis zum Grundton der
Hauptfunktion eine große Terz tiefer. Hauptfunktion eine kleine Terz höher.

Der Dreiklang der Hauptfunktion und der Dreiklang der Nebenfunktion haben zwei gemeinsame Töne

Nebenfunktion und Hauptfunktion sind in ihrer Klangqualität gegengeschlechtlich.

übersicht

vermindert/
Moll Dur Dur Moll

doppeldeutige Nebenlunktionen

-30
Ubungen
(Nebenfunktionen - Moll)

dt{
I
Ia)
tP tG SP SG dP dG

r+

gtt

c#

ril

t_
eF

-31 -
übungen
(Nebenf unktionen - Moll)

Setzen Sie die Funktionen in weite Lage und


analysieren Sie die Bewegungsarten.

aJg
4

(UitpssPddPsDr

d2
4

@t ,p sP s t dP tP s D t

o4
4

1l\
\:./t a
s D t sP tP s sP s
t D t

o2
4

3
ttcssGdPdtdcsDr

-32-
Ubungen
(Nebenlunktionen - Moll)

Analysieren Sie im folgenden Notentext die Funktionsharmonik

-33-
Nebenfunktionen in Moll

tP dP
t tG SP SG dG

6f,ö ffi* =frt- _=F


-+e-
-
-##
-##1F
,r{{r
--dh

gtt
)l
+- ## +
gii
)l

ü
#+ -=
+#
t+t

--

ff + +=
=-

-
a -+
=

=
d # -J- +
=
# -T--
=#F #
=

-+F #
-T--
I

# --I---

+F I

# #
---l-----
#
b
T
-J- w =tr I

+ ,

i+r # w
.t

eb # I
6. Schlußwendungen

Schlußwendungen gliedern die formale Struktur. Dabei unterscheidet man den Binnen- oder
Phrasenschluß (Confinalis) und das Ende (Finalis) eines musikalischen Geschehens.

l. Ganzschluß

#
Beispiele in C-Dur und a-Moll
A,rÄr
-+--J--+
rffiffi
#-t--.---T
,l'l
6-r----
d 'r lr
.t t)
d rl
tJ
rl

F
----- 1----T- ffi
---T*----f' =_
F--T lp-T F_*Tl F--rl
-+ authentischer Ganzschluß
-_-_t___
plagaler Ganzschluß

ffi #
ll. Halbschluß

## 'l rl
-----------'--_T
J )
Ar

-.I--J-+
+ # 4

=: ---r-l-
F- pl F- pl ts--pl F-_EI
Halbschluß aus der Tonika Halbschluß aus der Subdominante

#
lll. Trugschluß

#d lr
Ar

#
===r=r
tE--rPl
# lE-* tol
Trugschluß in Dur Trugschluß in Moll

-34-
6.1. Stimmführung beim TrugschluB

Bei Akkorden ohne einen gemeinsamen Ton (hier G-Dur und a-Moll)
müßte der Bass im Sekundschritt gefühtl und die drei Oberstimmen
auf dem kürzesten Weg in Gegenbewegung zum Bass gesetzt werden.

Durch diese Stimmführung bewegt sich die Terz der Dominante abwärts!?

Die Terz der Dominante ist Leitton und muß aufwärts in den
Grundton der Tonart geführt werden.

Der Bass wird im Sekundschritt aufwärts gelühtl und die beiden


anderen Stimmen werden in Gegenbewegung zum Bass gesetzt.
Dadurch entsteht im Zielklang OptG) eine Terzverdopplung.

6.2. Verdopplung von Dreiklangstönen


in Grundstellung

Bei vierstimmiger Darstellung von Haupt- und Nebenfunktionen gilt:

1 . Grundtonverdopplung

2. Quintverdopplung
3. Terzverdopplung (nicht bei Dur Dominanten!)

ffi
^J Möglich ist auch die Quinte wegzulassen und den
Grundton zu verdreifachen.

=*i-
----T*--
-35-
Ubungen
(Schlußwendungen)

Setzten Sie die Schlußwendungen in weite Lage und kennzeichnen Sie die Akkorde mit Funktionen.
Beginnen Sie abwechseknd in Oktav,- Terz- und Quintlage.
aulhenlischer Halbschluß aus
Ganzschluß der Subdominanle

Halbschluß aus plagaler Halbschluß


der Subdominante Ganzschluß aus derTonika

Trugschluß

Halbschluß aus plagaler Halbschluß


der Subdominante Ganzschluß aus derTonika

authentischer
Ganzschluß
Ubungen
(Schlußwendungen)

Analysieren Sie im folgenden Notentext die Funktionsharmonik


und bezeichnen Sie die Schlußbildungsarten.

-37
übungen
(Schlußwendungen)

Setzen Sie die Funktionen in weite Lage und


analysieren Sie die Bewegungsarten.

o2
4

s D Tp Dg D

o2
4

sP dP tP D IG

o2
4

@t dP tP tG sG

-38-