Sie sind auf Seite 1von 9

VoGtEilE FHG IhGE FiGma PGEisE GGatis ausFGobiEGEn Login

}
Zusammenfassung von DiE Politik dEG GEs
Ellschaft

DiE Politik dEG


GEsEllschaft
NiFGas Luhmann !

Suchen Sie das Buch?


Wir haben die ZusammenBassung!
ErBassen Sie die Kernaussagen in nur E0
Minuten.

SozioGogie
LitEGatuG​klassikEG ModeIne

WoGum Es gEht
Politik als System
Politik gilt als schmutziges Geschäft. Politiker sind nur an ihrer persönlichen
Macht interessiert, kümmern sich nicht um die Anliegen ihrer Wähler und
erst recht nicht um die Versprechen, die sie vor der Wahl abgegeben haben,
lautet die weit verbreitete Kritik. Schnell verurteilt man das scheinbar
unmoralische Verhalten der Volksvertreter und fordert grundlegende
Änderungen. Doch das geht gar nicht, hält der Soziologe und
Systemtheoretiker Niklas Luhmann dagegen: Wenn man die Politik als
System betrachtet, das sich - wie alle anderen Systeme auch - selbst erhält
und steuert, werden viele Phänomene schlüssig, die von außen betrachtet
merkwürdig oder gar unmoralisch erscheinen. Niklas Luhmanns
Systemtheorie hat gegen Ende des 20. Jahrhunderts die Wissenschaft
entscheidend beeinflusst. In dem Buch Die Politik der Gesellschaft, das erst
nach seinem Tod veröffentlicht wurde, wendet er diese Theorie auf das
politische System an. Seine Analyse ist gewollt wertfrei; Luhmann will nicht
kritisieren oder verändern, sondern lediglich die Funktionsweise des
politischen Systems beschreiben. Aber gerade dadurch eröffnet er neue,
spannende Perspektiven auf ein immer aktuelles Thema.

TakE-aways
• Niklas Luhmann ist einer der wichtigsten Soziologen des 20.
Jahrhunderts.
• In Die Politik der Gesellschaft wendet er die von ihm entwickelte
Systemtheorie auf die Politik an.
• Das politische System kommt ohne Macht und Gewalt nicht aus: Indem
der Staat Gewalt ausübt, kann er andere Formen von Gewalt
unterdrücken.
• Politik bedeutet vor allem die Möglichkeit, bindende Entscheidungen zu
treffen.
• Wie Menschen sich entscheiden, hängt immer von den jeweiligen
Umständen ab.
• In unserer schnelllebigen Zeit müssen Politiker auf immer neue
Situationen reagieren; deshalb fallen auch ihre Entscheidungen immer
wieder anders aus.
• Obwohl die Politik es ständig versucht, kann sie die Wirtschaft
praktisch nicht beeinflussen, weil diese ein eigenes System darstellt.
• Parteien und Verbände spielen im politischen System eine wichtige
Rolle: Hier werden die Themen vorbereitet, zu denen die Politik dann
Entscheidungen fällt.
• Eine ähnliche Funktion im System haben Massenmedien und die
öffentliche Meinung.
• Die öffentliche Meinung kann zwar selbst keine Probleme lösen,
erleichtert aber die individuelle Meinungsfindung und ist deshalb in
Demokratien notwendig.
• Luhmanns Werk ist nicht einfach zu lesen: Sein Stil ist kompliziert und
die Theorie selbst recht abstrakt.
• Die Systemtheorie, die Phänomene nur beschreibt, ohne sie zu
bewerten, eröffnet jedoch eine ganz neue Perspektive auf das Thema
Politik.

ZusammEnfassung
Politik und Gesellschaft
Traditionell wurden Politik und Gesellschaft als Gegensätze angesehen. Diese
Trennung liegt schon im Ursprung des Wortes "Politik" begründet: Im
antiken Griechenland wurde mit "pólis" die Stadt bezeichnet, bald auch das
öffentliche Zusammenleben in der Stadt, im Unterschied zur häuslichen
Gemeinschaft. Die Unterscheidung Politik vs. Gesellschaft wurde im Kern
über Jahrhunderte hinweg beibehalten. Fruchtbarer ist es jedoch, Politik und
Gesellschaft aus systemtheoretischer Sicht zu betrachten: Die Gesellschaft als
Ganzes ist ein soziales System, in dem sich weitere Teilsysteme ausgebildet
haben. Das politische System ist eines davon. Systeme erhalten sich selbst,
indem sie ihre eigenen Elemente immer wieder neu erschaffen. Soziale
Systeme, also auch das politische System, bestehen aus Kommunikation.

Politik und Macht


Macht ist eine Art Rückkopplungsschleife, d. h. sie entsteht dort, wo
Gehorsam vorausgesetzt werden kann. Das System der Voraussetzung und
Anwendung von Macht erzeugt sich selbst und erhält sich selbst aufrecht, es
ist ein autopoietisches System. Dazu muss die Macht dauernd demonstriert
werden, sowohl durch Symbole als auch durch tatsächliche Machtausübung.
Denn Macht ist nicht stabil, sondern vergänglich; sie zerfällt rasch, wenn sie
nicht gezeigt wird. Macht, auch politische Macht, ist Einfluss auf das Handeln
anderer. Sie kann z. B. durch die Androhung von Sanktionen ausgeübt
werden. Drei Arten von Einflussnahme lassen sich unterscheiden:

1. Unsicherheitsabsorption: Wer Macht hat, entbindet andere von der


Pflicht, selbst Entscheidungen treffen und Verantwortung tragen zu
müssen.
2. Positive Sanktionen: Die Aussicht auf positive Folgen erhöht die


Bereitschaft zum Gehorsam. Dazu gehören z. B. Geldzahlungen, aber
auch so abstrakte Dinge wie Dankbarkeit oder ein höheres Ansehen.
3. Negative Sanktionen: Sie sind typisch für das Medium Macht. Im


Gegensatz zu positiven Sanktionen müssen negative normalerweise
nicht ausgeführt werden - die Androhung allein reicht als Druckmittel
aus.

Macht beruht auf Antizipation von Gehorsam und auf


Antizipation ihrer tatsächlichen Anwendung.“ (S. 28)

Macht funktioniert also u. a. auf der Basis angedrohter negativer Sanktionen.


Daraus lässt sich auch erklären, warum sie immer wieder demonstriert
werden muss und legitimationsbedürftig ist. Das beste Machtmittel ist
physische Gewalt - auch im Staat. Dabei übt der Machthaber in der Regel
diese physische Gewalt nicht selbst aus. Er trifft nur die Entscheidung, wann
und wie Gewalt angewendet wird; die Ausführenden sind z. B. Polizei oder
Militär. Normalerweise besitzt nur der Staat das Recht, Gewalt auszuüben;
alle anderen Formen der Gewaltanwendung gelten als nicht legitim. Das hat
einen positiven Effekt auf andere gesellschaftliche Systeme: Sie können sich
unter diesen Umständen ganz auf ihre eigentliche Funktion konzentrieren
und kommen im Wesentlichen ohne Gewalt aus. Wenn z. B. die Polizei für
Sicherheit sorgt, braucht sich ein Unternehmen nicht darum zu kümmern. Es
kann sich auf seine wirtschaftlichen Aktivitäten beschränken und im Falle
von Störungen auf die Polizei zurückgreifen. Politische Macht und Gewalt
ermöglicht also erst die Ausbildung eines differenzierten
Gesellschaftssystems.

Das politische System


Wie unterscheidet sich nun das politische System von anderen sozialen
Systemen? Oder anders gefragt: Was unterscheidet politische
Kommunikation von anderer Kommunikation? Aus systemtheoretischer Sicht
lässt sich Politik so definieren, dass sie die Kapazität zu kollektiv bindendem
Handeln bereitstellt. Das heißt: Kommunikation in der Politik ist letztlich
Entscheidung. Entscheidungen werden kollektiv getroffen; auch die
Entscheidenden sind Teil des Systems. Entscheidungen sind bindend in dem


Sinne, dass sie zur Basis für weitere Entscheidungen werden. Zugleich geht es
ausdrücklich um das Bereitstellen von Kapazität: Wichtig ist nicht, dass
tatsächlich entschieden wird, sondern dass grundsätzlich die Möglichkeit
dazu besteht. So lässt sich erklären, wie politische Systeme entstehen:


Entscheidungen müssen in jeder Gemeinschaft getroffen werden, weil diese
trotz unterschiedlicher Meinungen verbindliche Regeln braucht.

Aber andererseits gilt ebenso, dass unbenutzte Macht, also


Macht, die nicht zu operativer Form gerinnt, eigentlich keine
Macht ist.“ (S. 35)

Ein politisches System ist, wie alle Systeme, operativ geschlossen, d. h. es


reproduziert sich selbst und kann sich auf sich selbst beziehen. Das bedeutet
jedoch nicht, dass es von seiner Umwelt unabhängig wäre. Denn jedes
gesellschaftliche System ist darauf angewiesen, dass die übrigen Systeme
auch funktionieren. Die operative Geschlossenheit der Systeme lässt sich gut
am Verhältnis von Politik und Wirtschaft zeigen: Politiker sind im
Allgemeinen der Ansicht, dass ihre Leistung nach der wirtschaftlichen Lage
beurteilt wird. Deshalb versuchen sie, die Wirtschaft zu fördern und zugleich
zu kontrollieren. Das kann aber nicht funktionieren, weil die Wirtschaft - als
eigenes System - ihren eigenen Gesetzen gehorcht und nicht staatlich
kontrolliert werden kann. Darum kreisen Politiker permanent um einen
Problembereich, auf den sie nur sehr begrenzt Einfluss haben.

Politische Entscheidungen
Politische Systeme müssen sich heutzutage mit sehr instabilen Bedingungen
auseinander setzen: Die Wirtschaft verändert sich rasant, die Medien bringen
immer schneller neue Informationen. Dementsprechend ist auch die Politik
gezwungen, auf immer neue Gegebenheiten rasch zu reagieren. Rationale,
durchdachte Entscheidungsprozesse sind immer weniger möglich.
Stattdessen müssen schnelle Lösungen gefunden werden - in der Regel sind
das Kompromisse. Folglich sind auch Entscheidungen kurzlebig und können
sich schnell wieder ändern. Auf die ständigen Veränderungen reagiert das
politische System mit immer mehr Regulierungsversuchen, die aber ihrerseits
wieder neue Probleme und Veränderungen auslösen. Der fortwährende
Wandel beeinflusst Entscheidungsprozesse auch auf andere Weise:
Entscheidungen richten sich nach den Präferenzen der Entscheidenden.
Diese Präferenzen sind jedoch nicht statisch, sondern können sich jederzeit
ändern, z. B. wenn die äußeren Bedingungen sich ändern. Genau das ist in
der Politik, wo auf ständig wechselnde Situationen reagiert werden muss,
immer der Fall. Das ist der Grund, weshalb Politiker so oft ihre Meinung
ändern und Versprechen nicht einhalten. Es handelt sich hier also um eine
Eigenschaft des Systems, nicht um eine moralische Schwäche der Akteure.
„ “
Macht ist also nicht etwas, was in der Politik auch vorkommt,
sie ist die Quintessenz von Politik schlechthin.“ (S. 75)

Bei der Frage, wie Entscheidungen getroffen werden, spielt die Zeit eine
wichtige Rolle. Denn Entscheiden bedeutet, dass die Zukunft anders aussehen
soll als die Vergangenheit. Ein Thema - etwa die Ladenöffnungszeiten - wird
dann zum Entscheidungsthema, sobald es als kontingent begriffen wird.
Kontingent heißt, dass etwas auch anders sein könnte, als es ist: Die
Ladenöffnungszeiten sind gesetzlich festgelegt, man könnte sie aber auch
ändern. Kontingenz selbst sagt nichts darüber aus, welche Entscheidung
schließlich getroffen wird. Sie führt jedoch dazu, dass man sich nicht
unwiderlegbar rechtfertigen kann, denn man hätte sich eben auch anders
entscheiden können. Um Entscheidungen zu treffen, greifen Systeme auf


Skripts und Schemata zurück. Das können Vorgänge sein, die sich immer
wiederholen - etwa Sitzungen -, aber auch bestimmte Begriffe oder
Grundannahmen, die im System nicht in Frage gestellt werden. Dabei müssen
sich diese Skripts nicht an der Realität orientieren. Sie legen grundsätzliche


Präferenzen und Urteile des Systems fest und helfen so bei der
Entscheidungsfindung.

Die Ausdifferenzierung eines politischen Systems kann nur


gelingen, wenn innerhalb dieses Systems Konflikte zugelassen
werden.“ (S. 94)

Über festgelegte Grundannahmen funktioniert auch das Gedächtnis des


politischen Systems: Es wird über Werte und Interessen gesteuert. Abstrakte
Werte, wie etwa Freiheit oder Gleichheit, lassen sich leichter im Gedächtnis
abspeichern und weitergeben als konkrete Erfahrungen. Deshalb orientieren
sich die Handlungen und Entscheidungen des Systems an solchen allgemein
gültigen Werten. Welche Werte eine Gesellschaft realisiert, wird davon
bestimmt, welche Gruppen in der Gesellschaft ihre Interessen vertreten.

Staat und politische Organisationen


Ein Staat wird im Wesentlichen durch drei Merkmale definiert: Erstens
umfasst er ein bestimmtes Gebiet. Zweitens muss dieses Gebiet von
Menschen bewohnt sein, d. h. es muss ein Staatsvolk geben. Das dritte
Merkmal ist das Vorhandensein einer Staatsgewalt. Sinn dieser Gewalt - die
durch Militär und Polizei ausgeübt werden kann - ist es, andere Gewalt, d. h.
Verbrechen, zu verhindern. Von außen betrachtet, repräsentiert der Staat ein
Territorium. Innerhalb dieses Territoriums ist er jedoch nicht mehr als eine
Organisation, an der sich alle anderen Organisationen orientieren können.
Der Staat bildet sozusagen eine Art Zentrum, und die politischen
Organisationen (z. B. Parteien) befinden sich an der Peripherie. Ihre Aufgabe
im System ist es, dem Staat in gewissem Sinne vorzuarbeiten: In Parteien und
Interessenverbänden werden politische Themen aufgegriffen und diskutiert,
ohne dass schon Entscheidungen fallen müssen. Nach dieser Vorarbeit liegt
die endgültige Entscheidungsfindung beim Staat. Dieses System hat auch
Nachteile: Wenn die Aufgabe der politischen Organisationen vorrangig darin


besteht, Probleme zu diskutieren, und die der Politiker darin, Probleme zu
lösen, dann laufen die Organisationen Gefahr, Probleme zu erfinden und
zugleich Lösungen aus dem Blickfeld zu verlieren. Politiker hingegen neigen
dann dazu, so zu tun, als wären alle Probleme lösbar und als wollte man sie
auch lösen. Dies trifft aber oft nicht zu - die Politiker werden auf diese Weise
leicht zur Heuchelei verführt.


Wie bei den Hopi-Indianern der Regentanz scheint das Reden
von Ankurbelung der Wirtschaft, Sicherung des Standorts
Deutschland, Beschaffung von Arbeitsplätzen eine wichtige
Funktion zu erfüllen; jedenfalls die, den Eindruck zu
verbreiten, dass etwas getan wird und nicht einfach
abgewartet wird, bis die Dinge sich von selber wenden.“
(S. 113)
Wenn in einem sozialen System Entscheidungen in Bezug auf andere

Das politische System braucht Organisationen wie etwa Parteien und
Verbände. Sie entstehen innerhalb des Gesellschaftssystems, dürfen jedoch
diesem nicht einfach zugerechnet werden, sondern bilden eigene Systeme.

Entscheidungen desselben Systems getroffen werden, dann handelt es sich


bei diesem System um eine Organisation. Entscheidungsprozesse in
Organisationen dienen u. a. dazu, Unsicherheiten zu absorbieren, denn
dadurch zementiert die Organisation ihre eigene Sichtweise. Das kann so weit
gehen, dass sie für abweichende Meinungen unempfänglich wird und die
Notwendigkeit zur Veränderung selbst nicht mehr sieht.

Massenmedien und öffentliche Meinung


Ein modernes politisches System ist auf Beobachtungen zweiter Ordnung


angewiesen, d. h. es muss beobachten, wie es von anderen beobachtet bzw.
bewertet wird. Nur so kann es die Wirkungen seines Handelns abschätzen.
Wenn diese mittelbare Selbstbeobachtung fehlt, wird Politik zur bloßen


Durchsetzung von Macht. Ein Medium für Beobachtungen zweiter Ordnung
ist die öffentliche Meinung. Sie zeigt sich z. B. in Wahlergebnissen, an denen
die Politik Trends ablesen kann.

Wenn das Volk sich selbst regiert: was wäre dann gegen
Willkür zu sagen?“ (S. 141)

Die öffentliche Meinung besteht aber nicht einfach aus einer Ansammlung
vieler individueller Meinungen. Dazu sind individuelle Meinungen zu
veränderlich und zu sehr an den Augenblick gebunden. Auch ist die
öffentliche Meinung nicht einheitlich, sondern gliedert sich in verschiedene
Ansichten auf. Wie die Öffentlichkeit auf ein Thema reagiert, kann man nicht
vorhersehen: Manchmal bleiben wichtige Themen weitgehend unbeachtet,


während Unwichtiges viel Resonanz findet. Wie bereits erwähnt, stützen sich
politische Entscheidungen auf bestimmte Schemata: Grundaussagen, die als
allgemein gültig angesehen werden, Muster für Vorgehensweisen oder
bestimmte Begriffe. Diese Schemata stellt die öffentliche Meinung bereit. Ein
solches Schema kann z. B. die Krise sein: Wird in der Öffentlichkeit etwas als


Krise bezeichnet, dann ist klar, dass es sich um ein größeres Problem handelt.

Die Nichteinlösung von Wahlversprechungen ist gleichsam


strukturell vorgesehen - allein deshalb schon, weil die
Situation vor der Wahl eine andere ist als die nach der Wahl.“
(S. 143)

Die öffentliche Meinung bietet keine abschließenden Lösungen an, das ist
und bleibt die Aufgabe der Politik. Aber sie lenkt die Aufmerksamkeit auf
bestimmte Themen und bietet die Möglichkeit, dazu Meinungen zu bilden.
Deshalb ist die öffentliche Meinung für die Demokratie unerlässlich. In der
heutigen Zeit bildet sie sich vor allem mit Hilfe der Massenmedien. Diese sind
ein System, das Beschreibungen der Welt produziert und sie dem
Gesellschaftssystem zur Verfügung stellt. Es liefert die Themen, mit denen
sich öffentliche Meinung und Politik befassen. Jedoch bildet sich die
öffentliche Meinung nicht allein aus den Massenmedien. Da sich das
politische System über die Massenmedien selbst beobachtet, erhalten auch
die Medien von der Politik immer schon entsprechend aufbereitete
Informationen. Die Politik produziert also die öffentliche Meinung mit.
Deshalb kann man die öffentliche Meinung auch als eine Form struktureller
Kopplung von Politik und Massenmedien definieren, denn diese beiden
Systeme sind voneinander abhängig: Das gegenwärtige politische System
könnte ohne Massenmedien so nicht bestehen, und zugleich ist es für die
Massenmedien lebenswichtig, dass ihnen die Politik Themen zur Verfügung
stellt.

Zum TEIt
Aufbau und Stil
Die Politik der Gesellschaft ist keine einfache Lektüre. Luhmann betrachtet
die Politik aus der Sicht der von ihm entwickelten Systemtheorie und
verwendet auch die dazugehörige Terminologie ("operative Schließung",
"strukturelle Kopplung", "autopoietisch" etc.), geht aber nur am Rand auf die
Theorie selbst ein. Für Leser ohne systemtheoretische Vorkenntnisse ist das
eine hohe Hürde. Luhmanns Schreibstil erschwert das Verständnis
zusätzlich: Der Autor legt offenbar wenig Wert auf eine klare Sprache,
schreibt weitschweifig und verwendet häufig Fremdwörter, auch recht
ungebräuchliche, deren Sinn sich nicht immer auf den ersten Blick erschließt.
Erschwerend kommt hinzu, dass er manche Begriffe von Anfang an
gebraucht, die aber erst gegen Ende des Buches erklärt werden. Die
zahlreichen Fußnoten, in denen Luhmann Quellen zitiert und weitere
Gedankengänge ausführt, sind dem Lesefluss auch nicht gerade förderlich.
Das Werk ist in elf Kapitel gegliedert, von denen sich jedes nochmals in
mehrere Unterkapitel aufteilt. Aber auch diese Gliederung trägt kaum zur
Orientierung bei: Die Kapitelüberschriften sind wenig aussagekräftig, die
einzelnen Unterkapitel gar nur mit römischen Ziffern bezeichnet. Wer als
Leser jedoch mit der Systemtheorie schon etwas vertraut ist, findet in diesem
Buch Luhmanns Thesen zum politischen System in dichter
Zusammenstellung.

Interpretationsansätze

• Die Politik der Gesellschaft ist die Anwendung der Systemtheorie auf
die Politik. Aus dieser Perspektive sieht er die Politik als System, das
sich, wie andere Systeme, evolutionär entwickelt hat, sich selbst erhält
und steuert. Es ist ein Teilsystem des Systems der Gesellschaft. Diese
besteht für Luhmann nicht in erster Linie aus einer Ansammlung von
Menschen, sondern aus Kommunikation.
• Luhmann stößt die Politik vom Thron: Er räumt mit der Vorstellung
auf, die Politik könne grundsätzlich alle gesellschaftlichen
Entwicklungen beeinflussen. Das politische System ist nur eines unter
vielen Systemen innerhalb der Gesellschaft und hat deshalb auf andere
Systeme nur einen sehr begrenzten Einfluss. Politiker können z. B. gar
keine Arbeitsplätze schaffen, da sie das Wirtschaftssystem nicht
beeinflussen können.
• Die verbreitete Kritik am unmoralischen Verhalten der Politiker hat aus
Luhmanns Sicht keinen Sinn: Innerhalb des Systems hat dieses
Verhalten seine Funktion und ist deshalb gar nicht anders möglich.
• Selbst negativ besetzte Begriffe wie Macht und Gewalt gehören für
Luhmann selbstverständlich zur Politik dazu: Nur mit Hilfe von Gewalt
kann der Staat andere, unerwünschte Formen von Gewalt begrenzen
und zugleich anderen Systemen, wie z. B. der Wirtschaft, ein
reibungsloses Funktionieren ermöglichen.
• Generell ist der systemtheoretische Ansatz bewusst wertfrei. Luhmann
kritisiert nichts und niemanden, er beschreibt lediglich die Abläufe in
Systemen und weist nach, dass jedes Phänomen im System einen Zweck
erfüllt. Diese Wertfreiheit der Luhmann’schen Theorie ist auch kritisiert
worden; so wurde ihm z. B. vorgeworfen, seine Theorie sei rein
deskriptiv und letztlich tautologisch, sie bringe keine neuen
Erkenntnisse über die Welt.

HistoGischEG HintEGgGund
Politische Ideologien im Nachkriegsdeutschland
Nach Jahrzehnten des wirtschaftlichen Aufschwungs hatte die
Bundesrepublik Deutschland spätestens seit dem Ende der 1970er und dann
in den 80er Jahren mit wachsenden Schwierigkeiten zu kämpfen. Eine
stagnierende Wirtschaft ließ die Arbeitslosenzahlen steigen. Die Politik
machte es sich immer wieder zur Aufgabe, dieses Problem zu lösen und
Arbeitsplätze zu schaffen, was jedoch - allen Versprechungen zum Trotz -
nicht gelang. Dazu kamen weitere Schwierigkeiten, die als Bedrohung
empfunden wurden: die Auseinandersetzung mit dem Kommunismus und die
militärische Aufrüstung, Terrorismus, zunehmende Umweltzerstörung. Viele
Bürger waren mit den herrschenden politischen Verhältnissen und den
Entscheidungen der Politiker unzufrieden und engagierten sich selbst
politisch. Mit Bürgerinitiativen, Interessengruppen und Demonstrationen
versuchten sie, ihre Anliegen deutlich zu machen und Einfluss auf die Politik
zu nehmen. Damit verbunden war der Wunsch, die Gesellschaft insgesamt zu
verändern, sie positiv zu beeinflussen. Viele politisch engagierte Menschen
waren in dieser Zeit mehr oder weniger marxistisch orientiert. Die
Marktwirtschaft erschien ihnen als unmenschlich und zerstörerisch. In dieser
Situation bot der Kommunismus ein scheinbar positives Gegenmodell. Dies
änderte sich jedoch ab 1989 mit dem Zusammenbruch des Ostblocks. Damit
wurde deutlich, dass der real existierende Sozialismus kein tragfähiges
politisches Modell darstellte. Die Kombination aus Demokratie und
Marktwirtschaft erwies sich als die bessere Staatsform. Vor diesem
Hintergrund galt die politische Ideologie allgemein als nicht überlebensfähig.

Entstehung
Niklas Luhmann konzipierte alle seine Werke mit Hilfe eines Zettelkastens,
den er bereits im Alter von 25 Jahren anzulegen begann. Auf Karteikarten
sammelte er hier über Jahrzehnte hinweg eigene Gedanken und Aussagen aus
den Büchern, die er las. Mit Hilfe eines Nummerierungssystems verknüpfte er
diese Informationen miteinander.

Großen Einfluss auf Luhmanns Denken hatten die Arbeiten von Ludwig von
Bertalanffy und Talcott Parsons, bei dem Luhmann in Harvard studierte.
Seine Systemtheorie entwickelte er jedoch eigenständig und verarbeitete
darin auch Erkenntnisse aus anderen Wissenschaftsgebieten, wie der
Evolutionstheorie oder der Kybernetik. Die Grundlagen seiner Systemtheorie
legte Luhmann 1984 in Soziale Systeme, seinem ersten Hauptwerk, dar.
Danach veröffentlichte er eine Reihe von Büchern, in denen er die
Systemtheorie auf die einzelnen Systeme innerhalb der Gesellschaft
anwandte, so z. B. auf das Wirtschafts- und Wissenschaftssystem oder die
Kunst. Mit Die Politik der Gesellschaft beschrieb Luhmann einen weiteren
wichtigen Bereich der menschlichen Gesellschaft aus systemtheoretischer
Sicht. Mit ersten Vorarbeiten zu diesem Werk hatte Luhmann bereits Anfang
der 1990er Jahre begonnen, da er jedoch immer an mehreren Büchern
gleichzeitig schrieb, wurde das Manuskript über Jahre hinweg nicht fertig
gestellt.

Als sich mit zunehmendem Alter Luhmanns Gesundheit deutlich


verschlechterte, konzentrierte er sich auf die Fertigstellung seines zweiten
Hauptwerks, Die Gesellschaft der Gesellschaft, das schließlich 1997 erschien.
Als der Autor ein Jahr später verstarb, existierte Die Politik der Gesellschaft
als Manuskript, das von seiner inhaltlichen Struktur her abgeschlossen war,
auch wenn es sicher noch hätte erweitert werden sollen. Zusammen mit Die
Religion der Gesellschaft wurde das Werk posthum im Jahr 2000
veröffentlicht.

Wirkungsgeschichte
Niklas Luhmann ist der Begründer der soziologischen Systemtheorie und gilt
heute als der bekannteste deutsche Soziologe. Es war sein Anspruch, eine
Theorie auszuarbeiten, die alle Bereiche der Gesellschaft einschloss, und
seine Systemtheorie war so umfassend, dass sie diesen Anspruch auch
erfüllte. Zugleich öffnete sie neue und ungewohnte Perspektiven auf
scheinbar altbekannte Phänomene. Deshalb waren Luhmanns Arbeiten ein
Anstoß für weitere Forschungen in unterschiedlichsten
Wissenschaftsgebieten. Besonders die Psychotherapie und die
Managementlehre haben sich - vielleicht aus akutem Mangel an eigenen
brauchbaren Theorien - großzügig aus ihrem Fundus bedient.

Dass die Systemtheorie bewusst wertfrei gehalten ist, brachte Luhmann aber
auch viel Kritik ein. Vor allem die Soziologen der neomarxistisch geprägten
"Frankfurter Schule" wandten sich gegen ihn. Ihrer Ansicht nach war es die
Aufgabe der Soziologie, auf Missstände hinzuweisen und auf diese Weise die
Gesellschaft zu verbessern. Aus dieser Sicht galt Luhmanns Theorie als
reaktionär. Vor allem Jürgen Habermas, der wichtigste Vertreter dieser
Richtung, kritisierte Luhmann scharf. Doch diese Kritik konnte den Erfolg
der Systemtheorie nicht schmälern - und inzwischen gilt der angebliche
Reaktionär Luhmann als ein Revolutionär der Soziologie.
ÜbEG dEn AutoG
Niklas Luhmann ist einer der wichtigsten Soziologen des 20. Jahrhunderts.
Geboren wird er am 8. Dezember 1927 in Lüneburg. Mit 17 Jahren nimmt er
als Luftwaffenhelfer am Zweiten Weltkrieg teil und gerät anschließend kurz in
amerikanische Gefangenschaft. 1946 beginnt er ein Jurastudium in Freiburg
und ist nach dem Referendariat zunächst von 1954 bis 1962 als
Verwaltungsjurist tätig. Hier lernt er eine Arbeitsmethode kennen, die sein
ganzes Werk prägen wird: der Ablage von Informationen in Zettelkästen. So
legt sich Luhmann mit 25 Jahren auch privat einen Zettelkasten an, um
eigene Gedanken und wichtige Ideen anderer Autoren zu sammeln. 1960–
1961 erhält er ein Stipendium für ein Studium der Soziologie in Harvard,
kommt also erst mit über 30 Jahren mit der Wissenschaft in Berührung, die
er später wesentlich beeinflussen wird. Ab 1962 ist er Referent an der
Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, drei Jahre später
wechselt er zur Sozialforschungsstelle Dortmund. Erst 1966 promoviert er in
Soziologie an der Universität Münster, die Habilitation folgt nur wenige
Monate später. Von 1968 bis zu seiner Emeritierung 1993 ist Luhmann
Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld. Er veröffentlicht
zahlreiche Werke, in denen er seine Systemtheorie entwickelt. Als Soziale
Systeme erscheint, das erste Hauptwerk und die Grundlage seiner Theorie, ist
Luhmann bereits 57 Jahre alt. Die in den folgenden Jahren verfassten Bücher
– unter ihnen Titel wie Die Wirtschaft der Gesellschaft (1988), Die Wissen-
schaft der Gesellschaft (1990), Das Recht der Gesellschaft (1993) oder Die
Realität der Massenmedien (1996) – beziehen diese Theorie auf einzelne
Gesellschaftsbereiche. Mit Die Gesellschaft der Gesellschaft erscheint 1997
ein weiteres Hauptwerk Luhmanns. Als 70-Jähriger plant er noch 20 weitere
Bücher. Dazu kommt es aber nicht mehr – am 6. November 1998 stirbt Niklas
Luhmann in Oerlinghausen bei Bielefeld.

DiEsE ZusammEnfassung EinEs LitEGatuGklassikEGs wuGdE von gEtAbstGact mit IhnEn gEtEilt.
DiI findenL EeweIten und fassen IeGevantes Dissen zusammen und heGfen Menschen soL EeIufGich und pIivat EesseIe Entscheidungen zu tIeffen.

IhIe EMMaiGMAdIesse GGatis ausFGobiEGEn

" # $
FHG SiE FHG IhG UntEGnEhmEn StudEntEn
EntdecFen Sie IhI nächstes LieEGingsEuch mit BGeiEen Sie auf dem Laufenden üEeI aFtueGGe DiI möchten #nextgenGeadeIs unteIstützen.
getAEstIact. TIends.
BIeise ansehen >>
Zu den BIeisen >> EIfahIen Sie mehI >>

Sind Sie EeIeits Kunde? MeGden Sie sich hieI an.

VEGwandtE KanDlE

KGassiFeI deI SozioGogie


KommentaI aEgeEen
SchIeiEen Sie einen KommentaI ...

SENDEN
AnmeGden

UntEGnEhmEn REssouGcEn PaGtnEG PGodukt


DiI üEeI uns So funFtionieItNs VeIGagspaItneI KostenGoses BIoEeaEo
#NextGenLeadeIs InhaGte voIschGagen Media ReGations BeIsönGiche AEos
BooF AwaId JouInaG AffiGiateMBaItneI StudentenMAEos
JoEs Kundengeschichten VeItIieEspaItneI GeschenFMAEos
FACs BIessemappe FüI IhI UnteInehmen
KontaFt MaßgefeItigte
Zusammenfassungen

%&'() EngGish DEutsch EspañoG Русский BoItuguês FIançais

© JKKK–202JL getAEstIact Datenschutz NutzungsEedingungen AGB BaIIieIefIei

* getAEstIact nutzt CooFiesL um diese DeEsite zu veIEesseIn. EIfahIen Sie mehI. +