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22/1/2021 Was tun, wenn die Solaranlage aus der Förderung fällt?

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Technik & Motor Technik Was tun, wenn die Solaranlage aus der Förderung fällt?

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SCHLUSS MIT SONNE

Wenn die Solaranlage aus der Förderung


fällt
VON ANNA-LENA NIEMANN - AKTUALISIERT AM 06.01.2021 - 10:22

Nach 20 Jahren ist Schluss mit dem garantierten EEG-Geldfluss. Damit versiegt
2021 für die ersten Besitzer privater Solaranlagen die Förderung. Aber was nun,
etwa alle Platten vom Dach reißen? Es gibt bessere Optionen.

F ür die Sonnenpioniere im Land markiert 2021 eine Zäsur. Wer seine Solaranlage schon vor
dem Jahr 2000 aufs Dach legte, hat sein EEG-Konto mit der Jahreswende aufgebraucht, die
garantierte und üppige Vergütung ist jetzt passé. Rund 18.000 Anlagen betri t es aktuell,
innerhalb der nächsten fünf Jahre wird sich ihre Zahl mehr als verzehnfachen. Doch was dann?
Obwohl das Datum der ersten „ausgeförderten“ Anlagen nicht überraschend kommt, hat das
Wirtschaftsministerium aus dieser Frage eine Zitterpartie gemacht, die EEG-Novelle wurde erst
Mitte Dezember verabschiedet. Immerhin steckt sie nun den Rahmen für alles ab, was möglich
– oder rentabel ist.

Die erste Möglichkeit wäre, einfach weiter einzuspeisen. Es


Anna-Lena Niemann stand zwar lange zu befürchten, dass mit dem Ende der
Redakteurin in der Wirtschaft. Förderung auch das indirekte Ende der Einspeisung verknüpft
sei. Denn erste Entwürfe der EEG-Novelle sahen vor, dass sich
jeder, der weiter ins Netz einspeisen will, aktiv auf die Suche
nach einem Käufer für seinen Strom in kleinen Mengen machen
muss. Man hätte den Strom vom Dach nicht einmal dem
Netzbetreiber schenken dürfen, das läuft unter „wild
einspeisen“ und ist untersagt. Dass es jetzt nicht so gekommen ist, dürfte jeden, der sein Dach
mit Photovoltaik-Paneelen gedeckt hat, erst mal freuen.

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22/1/2021 Was tun, wenn die Solaranlage aus der Förderung fällt?

Eine Übergangsregelung bis 2027 für Anlagen bis zu 100 Kilowatt erlaubt den privaten
Betreibern, weiter einzuspeisen, allerdings zu deutlich anderen Konditionen. Für den
Solarstrom gibt es nur noch den Marktwert abzüglich einer Vermarktungspauschale. Das
verscha t Zeit, um sich um eine langfristige Lösung zu kümmern, denn rentabel dürfte das für
die wenigsten sein. Der Marktwert für Solarstrom lag 2020 (Januar bis November) im Schnitt
nur bei 2,7 Cent je Kilowattstunde. Bei alten Anlagen, die relativ wenig Strom liefern, gleicht
das zuweilen nicht einmal die Instandhaltungskosten aus.

Entsorgung ist aus ökologischer Sicht keine gute Wahl

Da liegt die Idee nicht fern, die Altanlagen einfach zu entsorgen. Allerdings haben die mit 20
Jahren ihr technisches Lebensende meist längst nicht erreicht, ein Fachmann sollte dennoch
klären, ob alles noch sicher funktioniert. Wer sich entscheidet, die alte Technik gegen neue und
sehr viel e zientere zu tauschen, produziert nicht nur mehr Strom auf gleicher Fläche, er kann
auch wieder die garantierte EEG-Förderung für weitere 20 Jahre einstreichen. Aus ökologischer
Sicht ist das trotzdem nur die zweitbeste Option. Erneuerbare Energietechnik hat, wie jede
andere, Emissionen im Gepäck, die sie ihren Rohsto en und der Produktion verdankt. Im Sinne
der Ökobilanz ist es klug, die Solarzellen so lange auf dem Dach zu lassen, wie sie technisch
durchhalten. Zumal es bisher kaum wirtschaftliche Recyclingverfahren gibt.

Wer sich trotzdem von den Platten trennen muss oder will, ist verpflichtet, sie korrekt zu
entsorgen, das schreibt das Elektro- und Elektronikgerätegesetz vor. Giftige Sto e, wenn auch
in geringen Mengen, stecken in den Modulen. In die Umwelt dürfen sie auf keinen Fall
gelangen. Private Haushalte können ihre Altanlagen, inklusive Rahmen und Modulkabel, bei
speziellen Sammelstellen des örtlichen Entsorgers abgeben. Zudem bieten einige Hersteller an,
die ausrangierten Platten kostenfrei zurückzunehmen.

Umrüsten auf den Eigenbedarf

Was bleibt, ist die Option, künftig für den Eigenbedarf umzurüsten. Die Investitionskosten der
alten Photovoltaikanlagen haben sich für ihre Solarpioniere in der Regel längst amortisiert. Da
liegt es nahe, den Strom einfach selbst zu nutzen, anstatt ihn mit Verlust ins Netz einzuspeisen
oder die Paneele niederzureißen. Eine wichtige Hürde hat die EEG-Novelle dazu beseitigt,
nachdem das Gesetz sie zunächst eigens aufgestellt hat: Wer eine Anlage bis maximal 30
Kilowatt betreibt und Selbstnutzer werden will, muss keine EEG-Umlage zahlen. Derzeit
beträgt sie 40 Prozent. Trotzdem klingt der Selbstversorger-Traum leichter, als er in der Praxis
ist, denn die Anlage muss zunächst von einer Fachkraft technisch umgerüstet werden.

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Weil die Menge der erzeugten Energie schwankt, in praller Mittagssonne ist sie oft höher als
benötigt, kann es sinnvoll sein, zusätzlich in einen Batteriespeicher zu investieren. Doch auch
wenn die Kosten sinken, Speichertechnik ist noch immer teuer. Die Preise für Speicher
beginnen bei etwa 6000 Euro, hinzu kommen bis zu 2000 Euro, um das System zu installieren
und in Betrieb zu nehmen.

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Alte Solaranlagen können umgerüstet für warmes Wasser


sorgen

Wer seine Anlage weiter nutzen möchte, aber am Ende nicht draufzahlen will, braucht
wenigstens einen Wechselrichter. Der sorgt dafür, überschüssigen Strom, der im Haus gerade
keine Verwertung findet, abzuregeln. Alternativ lassen sich andere Energiebereiche im Haus
womöglich elektrifizieren, anstatt sauber erzeugten Strom künstlich „verfallen“ zu lassen.
Besonders für Warmwasser zu sorgen – ohne Gas und Öl – kann den alten Solaranlagen eine
neue Aufgabe geben. Dazu kann der Warmwasserspeicher umgerüstet werden, Photovoltaik-
Heizstäbe gibt es von etwa 700 Euro an.

Grundsätzlich gilt: Wann immer der Eigentümer etwas an seiner Anlage ändert, wenn er sich
entschließt, seinen Strom anders zu vermarkten oder auf Eigenbedarf umzurüsten, muss er das
seinem Netzbetreiber und dem Marktdatenstammregister melden – unabhängig davon, ob
EEG-Vergütung aufs Konto fließt oder nicht.

Quelle: F.A.Z.
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