Sie sind auf Seite 1von 3

Was du bisher über subjektive Modalverben gelernt hast, dreht sich vor allem um die Weitergabe

von Informationen und Gerüchten, die man von anderen Personen gehört hat – das geht besonders
mit „sollen“ und „wollen“. Jetzt schauen wir uns mal etwas genauer an, wie man mithilfe der
Modalverben „müssen, dürfen und können“ Vermutungen ausdrücken kann und damit die eigene
Meinung über eine bestimmte Sache – unabhängig von anderen Personen.

Schau dir die folgende Situation an:

Deine beste Freundin feiert eine Party, zu der sie viele Leute eingeladen hat. Es ist 23 Uhr und alle
eingeladenen Gäste sind schon da, aber eine Person fehlt: Euer Freund Max. Niemand weiß, wo er
ist, aber jeder der Gäste hat eine Vermutung.

Max muss oder müsste noch zuhause sein. Er kommt immer später, weil er sich so lange fertig
macht.

Max dürfte noch zuhause sein. Er kommt oft später, weil er sich so lange fertig macht.

Max kann oder könnte noch zuhause sein. Er kommt meistens später, weil er sich so lange fertig
macht.

Du siehst hier drei verschiedene Sätze, die sich dennoch irgendwie ähnlich sind und zwar in der
Wahrscheinlichkeit – mit den drei Modalverben kannst du drei unterschiedlich starke Grade der
Wahrscheinlichkeit ausdrücken. Wenn du dir bei einer Sache fast sicher bist, benutzt du das Verb
müssen – das sieht man auch oft im Konjunktiv II, also müsste. Im Konjunktiv II drückt müsste ein
bisschen weniger Sicherheit aus. Den gesamten Konjunktiv behandeln wir in den kommenden
Lektionen, für diesen Gebrauch benötigen wir nur ein paar wenige Formen.

Max muss oder müsste auf dem Weg sein. Er hat vorher angerufen und gesagt, dass er bald losfährt.
Er muss oder müsste im Stau stehen. Es gibt eine größere Baustelle.

Er muss oder müsste gleich hier sein. Er ist schon vor einer Weile losgefahren.

Er muss oder müsste gleich an der Tür klingeln. Ich habe sein Auto parken sehen.

Wenn du dir nicht ganz sicher bist, aber mit großer Wahrscheinlichkeit an eine Sache glaubst, dann
benutzt du das Modalverb „dürfte“ – Achtung: Auch das ist ein Konjunktiv II und man verwendet
„dürfen“ im Kontext subjektiver Modalverben NUR im Konjunktiv II.

Max dürfte noch zuhause sein. Er kommt oft später, weil er sich so lange fertig macht.

Er dürfte sich gerade die Haare machen. Er geht nie ungekämmt aus dem Haus.

Max dürfte vor dem Kleiderschrank stehen und ein passendes Outfit aussuchen.

Er dürfte noch unter der Dusche stehen. Dafür braucht er immer eine Ewigkeit.
Schau dir zum Kontrast an, was passiert, wenn man sagt: Max darf noch zuhause sein. Das hat nichts
mit einer Vermutung oder Meinung zu tun, es handelt sich hierbei nur um eine Erlaubnis.
Irgendjemand hat ihm erlaubt, noch zuhause zu sein. Also hier bitte aufpassen, denn das sind zwei
völlig verschiedene Bedeutungen!

Und zum Abschluss der Lektion werfen wir einen Blick auf können, das ebenfalls im Konjunktiv II
verwendet wird, und das ist könnte. Anders als bei müssen gibt es zwischen kann und könnte keinen
Bedeutungsunterschied. Es ist also absolut egal, ob du den Konjunktiv II oder den normalen Indikativ
verwendest:

Max kann oder könnte noch bei seinem Bruder sein. Er hilft ihm manchmal abends.

Er kann oder könnte sogar schlafen. Das macht er gelegentlich vor einer Party, damit er länger feiern
kann.

Max kann oder könnte noch arbeiten. Er betreut momentan ein wichtiges Projekt.

Er kann oder könnte aber auch mit seiner Mutter telefonieren. Sie ruft ihn hin und wieder abends an.

Wie du vielleicht erkennen kannst, sind das alles sehr vage Vermutungen. Es ist also völlig unsicher,
ob Max diese letzten vier Handlungen gerade ausführt oder nicht. Es sind einfach nur Möglichkeiten.
Das erkennst du einerseits am Verb können, aber andererseits auch an den Adverbien im Kontext, z.
B. manchmal, gelegentlich sowie hin und wieder.

Übrigens: Du musst diese Modalverben nicht benutzen, denn wie ich bereits am Anfang erwähnt
habe, gibt es fast immer Alternativen, um eine Information in einem Satz auszudrücken. Anstelle von
müssen, dürfen und können kannst du folgende Adverbien verwenden:
müssen:

sicher, mit großer Sicherheit, ich bin mir ganz sicher, ich bin davon überzeugt, bestimmt, zweifellos,
sicherlich

müsste (Konjunktiv II):

ich bin mir fast/ziemlich sicher, höchstwahrscheinlich, mit hoher Wahrscheinlichkeit

dürfte (nur Konjunktiv II):

vermutlich, ich nehme an, wahrscheinlich, vieles spricht dafür

können/könnte:

vielleicht, es ist denkbar, möglicherweise, ich halte es für möglich


Wie du bereits bei den Gerüchten und Informationen im vorherigen Teil gesehen hast, gibt es auch
für Vermutungen die Möglichkeit, diese in der Vergangenheit auszudrücken. Stell dir vor, die Party ist
vorbei und Max ist nicht gekommen. Dafür könnte es mehrere Gründe gegeben haben. Schau dir
dafür die folgende Tabelle an:

Vorne Links Mitte Rechts


Gegenwart Max kann/könnte noch bei seinem sein.
(Präsens) Bruder
Vergangenheit Max kann/könnte bei seinem gewesen sein.
(Perfekt) Bruder
Gegenwart Er kann/könnte sogar schlafen.
(Präsens)
Vergangenheit Er kann/könnte sogar geschlafen
(Perfekt) haben.
Gegenwart Max kann/könnte noch arbeiten.
(Präsens)
Vergangenheit Max kann/könnte noch gearbeitet haben.
(Perfekt)

Unter dem Video habe ich dir eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen gemacht, damit
du die folgenden Übungen einfacher erledigen kannst.