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030470 und 030571 Anfängerübung zur Falllösung aus Strafrecht

Univ.-Ass. Mag. Andrea Wittmann


Wintersemester 2018/19

Fall 2a

Rechtsanwältin Renate ist mit dem Auto auf einer Freilandstraße unterwegs zu einer
Gerichtsverhandlung und ist wieder einmal zu spät dran. Da sie um die Folgen weiß, wenn sie die
Verhandlung versäumt, nimmt sie es nunmehr mit den Verkehrsregeln nicht mehr so genau. So
überholt sie auch den Fahrradfahrer Thomas ohne dabei den vorgeschriebenen Seitenabstand
einzuhalten. Thomas erschrickt über dieses Überholmanöver so sehr, dass er sein Fahrrad verreißt,
Renates Auto touchiert und zu Sturz kommt. Dadurch erleidet er einen Schien- und Wadenbeinbruch.
Renate ruft die Rettung.

Variante 1: Wie im Grundsachverhalt, nur fährt Renate zudem bei nasser Fahrbahn mit 150 km/h statt
der erlaubten 100 km/h.

Variante 2: Wie im Grundsachverhalt, aber ein Sachverständiger stellt fest, dass Thomas
gleichermaßen erschrocken wäre, wenn Renate den vorgeschriebenen Seitenabstand eingehalten
hätte, sodass er ebenfalls zu Sturz gekommen wäre und den Schien- und Wadenbeinbruch erlitten
hätte.

Variante 3: Wie im Grundsachverhalt, nur weigert sich Thomas vehement, ins Krankenhaus
mitgenommen zu werden, weil er einen tiefsitzenden Ärztehass hat. Aufgrund dessen kommt es zu
einer Blutvergiftung, die zum Tod des Thomas führt. Bei sofortiger Behandlung wäre die Blutvergiftung
nicht aufgetreten.

Variante 4: Wie im Grundsachverhalt, doch verwendet der diensthabende Arzt im Krankenhaus bei der
Operation Instrumente, die nicht desinfiziert worden sind. Thomas erleidet dadurch eine Infektion, an
der er stirbt. Ein sorgfältiger Arzt würde nicht desinfiziertes Operationsbesteck niemals verwenden.

Variante 5: Wie im Grundsachverhalt; Thomas wird von der Rettung ins Krankenhaus gebracht.
Geschwächt von den Folgen des Unfalls stirbt er dort an einer Lungenentzündung.

Prüfen Sie die Strafbarkeit der Renate!

Fall 2b

Renate schafft es noch pünktlich zur Verhandlung, jedoch entwickelt sich die Beweislage nachteilig für
ihren Mandanten. Als sie nach der Verhandlung völlig genervt zurück in die Kanzlei kommt, wird sie
dort von ihrer Chefin Clara erwartet, die sie wegen einer verlorenen Klage in einem anderen Fall zur
Rede stellt. Da Renate ohnedies schon gereizt ist, versetzt sie Clara mit den Worten „Lass mich jetzt in
Ruhe!“ einen leichten Stoß. Clara gerät ins Wanken und fällt so unglücklich, dass sie sich beim Sturz
eine Platzwunde am Ellenbogen zuzieht.

Prüfen Sie die Strafbarkeit der Renate!

Schwerpunkte:

AT I: Fuchs/Zerbes, AT I10 (2018) Kapitel 12, 13, 26 oder


Kienapfel/Höpfel/Kert, AT15 (2016) Z 9 Rz 19, Z 25 - 27

BT I: Fuchs/Reindl-Krauskopf, BT I6 (2018) §§ 80, 81, 83, 84, 88 StGB oder


Birklbauer/Hilf/Tipold, BT I4 (2017) §§ 80, 81, 83, 84, 88 StGB