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Spedizione in Abbonamento Postale-D.L.353/2003
(conv.in L.27/02/2004 n°46)art. 1, comma2, NE Bolzano
Tassa Pagata/Taxe Percue I.R.
ISSN 2531-4874

9 772531 487407

Mitteilungsblatt der Schützen der Alpenregion


45. Jahrgang • erscheint zweimonatlich • N° 3 | Juni 2021 • Bozen · Innsbruck · Kronmetz · Kochel am See

Herz-Jesu-
Feuernacht
Das Herz-Jesu Gelöbnis von 1796
und die Feuernacht von 1961 – beides
denkwürdige Ereignisse. Die bis in die
heutige Zeit hineinwirken. Beide ent-
standen sie in einer Zeit der Not. Die
Lage 1796 und 1961 war von Rebellion
und drohendem Aufstand geprägt.
Besonders die Situation von 1961
haben einige von uns noch lebhaft in
Erinnerung. Strenge staatliche Verbote
und kriegsähnliche Notverordnungen
wurden erlassen – die Bevölkerung
durch willkürlich Kontrollen und
Ausgangssperren eingeschüchtert –
viele inhaftiert und gefoltert. Aber
diese Feuernacht bewirkte auch einiges
Nachdenken und Umdenken in der
Politik. Endlich rührte sich etwas,
nicht alles war umsonst. Heute, nach
60 Jahren, können wir die Früchte von
damals genießen, die Opfer vergessen
sollten wir allerdings nicht ...

… meint euer Landeskommandant-Stv.


Renato des Dorides

Das Herz-Jesu-Bildnis von Carl Henrici in der Stadtpfarrkirche in Bozen, vor dem die
Landstände 1796 das bedrohte Land Tirol in feierlicher Weise dem Herzen Jesu anvertrauten.

60 JAHRE:
Die Feuernacht
Die Herz-Jesu-Verehrung
greifbar machen!
im Rückblick
4
von Thomas Saurer

Runde Jahrzahlen und Gedenken dienen dazu, an Geschehenes zu erinnern und das Gedächtnis
70 JAHRE:
Der Bund der wachzuhalten. Das Land Tirol gedachte in den vergangenen Jahren der Gefallenen und Opfer
Bayerischen des Ersten Weltkrieges – der Bund der Tiroler Schützenkompanien, der Südtiroler Schützen-
Gebirgsschützen bund und der Welschtiroler Schützenbund nutzten die Jahre von 2014 bis 2018 mit einem
19 feiert Geburtstag Vorzeigeprojekt, Geschehenes in Erinnerung zu rufen und auf die Folgen hinzuweisen: die
Zerreißung Tirols – entlang einer Unrechtsgrenze!

100 Jahre später wurden an der ehemaligen Frontlinie 75 Stahlkreuze errichtet, die den
gefallenen Tiroler Standschützen gewidmet sind. 75 Gedenkkreuze aus Cortenstahl, symbol-
100 JAHRE: haft für einen industriellen Krieg. Rostig, aber beständig stehen sie entlang der Bergketten im
Der Bozner Andenken an die Gefallenen und damit auch im Dienst von Aufarbeitung, Versöhnung und
Blutsonntag Zukunftsgestaltung. Die Tiroler Schützen haben mit der Initiative „An der Front“ ein sichtba-
27 res Zeichen gesetzt, wie sich Erinnerung, Versöhnung und Glaube an die Zukunft verbinden
lassen. Würdevoll und mit viel Hingabe haben sich die Schützen und Marketenderinnen dessen
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2 Aus den LANDESTEILEN …

In den Katakomben des Archivs: Der Direktor des Tiroler Landesarchivs, Dr. Christoph Die originale Textseite des Herz-Jesu-Gelöbnis-
Haidacher, zeigt dem BTSK-Landeskommandanten Mjr. Thomas Saurer das Herz-Jesu- ses von 1796 aus dem Tiroler Landesarchiv –
Gelöbnis, welches heuer zum 225. Mal in Stams erneuert wird. gerade zum 225. Jubiläum eine Besonderheit!

angenommen – mit einem wachen Auge Abseitsstehen mit all den damit verbundenen beraten. Der Stamser Abt Sebastian Stöckl
auf das, was geschehen ist, und gleichzeitig Gefahren gibt. Diese soziale Aufgabe von sol- schlug schließlich dem Tiroler Landtag vor,
mit einem offenen Blick in die Zukunft. So chen Gemeinschaften ist in einer Gesellschaft das Land dem „Heiligsten Herzen Jesu“ an-
wurde mit diesem Projekt Geschehenes vor nicht genug zu schätzen. Das schafft Heimat. zuvertrauen und so göttlichen Beistand zu
100 Jahren im Heute sichtbar, erlebbar und Die Fahnen mit dem Herzen Jesu haben einst erhalten... Die alljährlichen Herz-Jesu-Feuer
greifbar gemacht. über Stürmenden und Sterbenden geweht, und Herz-Jesu-Prozessionen sind sichtbare
heute wehen sie über uns, in einer friedlichen Zeichen des Ausdrucks von Erinnerung
Im heurigen Jahr blicken wir zum 225. Mal Zeit, über Menschen, die sich für andere, die und Verbundenheit. Die Schützen hatten
auf das Herz-Jesu-Gelöbnis des Landes Gemeinden, die Heimat engagieren wollen.“ schon damals Auftrag und Ehre, unser Land
Tirol zurück und holen auch diesen Teil zu schützen. Und wie sieht dieser Auftrag
unserer Geschichte in die Gegenwart. Und Und dieser Appell, „Heimat zu sein, Heimat heute aus?
wir feiern den 100. Geburtstag von Bischof zu schützen und Heimat zu schenken“,
Reinhold Stecher, der den Tiroler Schützen verstummte schon seinerzeit nicht mit Was bedeutet es, Schütze zu sein?
und Marketenderinnen, den Jungschützen Ende der Predigt. Ganz im Gegenteil, er Was heißt es denn, zu schützen?
und Jungmarketenderinnen, dem Tiroler wurde Auftrag: Die Tiroler Schützen und Wir Schützen pflegen die Tiroler Tradition.
Schützenbrauch und den damit verknüpf- Marketenderinnen haben es sich in den Und deren Aufgabe ist es, gleichsam Mahn-
ten Aufgaben, unserer Gemeinschaft, sehr Folgejahren zur Aufgabe gemacht, genau mal zu sein gegen das Vergessen, wie auch
verbunden war. darüber nachzudenken. In einem groß den Auftrag wahrzunehmen, Heimattreue
angelegten Reflexionsprozess widmeten sich zu leben. So stehen die Schützen für unsere
Heimat schützen, die Mitglieder unseres Verbandes in inten- Tiroler Identität ein, machen die Einheit des
Heimat schenken! siven Diskussionen, Arbeitssitzungen und Landes durch gelebte Freundschaften und
Am 9. Oktober 2011 feierte Altbischof Dr. einer gewissenhaften, ehrlichen Auseinan- Kooperationen wahrnehmbar und fördern,
Reinhold Stecher im Rahmen der 46. Schüt- dersetzung den brennenden und aktuellen als positive Kraft dieses Landes, unseren
zenwallfahrt in Absam einen Gottesdienst. Themen unserer Zeit. gemeinsamen Kultur-, Wirtschafts- und Le-
In seiner Predigt würdigte er die Arbeit bensraum. Vieles in unserem Leben kommt
der Schützen und verwies auf ihre vielfäl- 11 Leitmotive, aus unserer Herkunft, ist unser Erbe und so
tige Verantwortung in der Gesellschaft. In die Orientierung geben! eben auch unser Auftrag.
Anbetracht der gegenwärtigen Pandemie- Die daraus entstandenen elf Leitmotive, die
bekämpfung sind diese Bekenntnisse von schließlich 2017 eben wiederum in Absam Entscheidend ist, was wir daraus
damals heute aktueller denn je: vorgestellt und beschlossen wurden, geben machen. Und dabei kommt es
uns nun Orientierung in unserem Denken, auf Jede und Jeden an! Auf dich
„Ihr könnt als Schützen heute Heimat schen- in unserem Handeln und in unserer ehrli- kommt es an!
ken. Ihr seid nicht nur eine festliche Garde in chen Arbeit für unsere gemeinsame Heimat. Die Tiroler Schützen als Landesvertei-
jeder Tiroler Gemeinde. Ihr könnt mit einer diger haben auch heute noch wehr- und
guten Kameradschaft Menschen Heimat bie- Als im April 1796 das Land Tirol aufgrund „wahrhafte“ Aufgaben: Heute verteidigen
ten. Es ist doch so, dass es auch in unserem, der napoleonischen Kriege in Gefechtsbe- und fördern wir die Tiroler Landesidenti-
rasch wachsenden Land, in Gemeinden, die reitschaft versetzt wurde, trat ein aus 24 tät – mit Ernsthaftigkeit und Leidenschaft.
ums Mehrfache an Bewohnern gewachsen Mitgliedern bestehender Ausschuss der So stehen wir zum historischen Tirol als
sind, es viele Formen von Isolation und Tiroler Landstände zusammen, um sich zu unsere gemeinsame Heimat und verstehen
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Aus den LANDESTEILEN … 3


diese als geographisch und geschichtlich definierten Raum. Unsere eindrucksvoll bewiesen. So zeichnet die Arbeit der Tiroler Schützen
Grundsätze, „die Treue zu Gott und dem Erbe der Vorfahren, der und Marketenderinnen heute ein zeitgemäßes Bild des „Schützens“.
Schutz von Heimat und Vaterland, die größtmögliche Einheit des Wir engagieren uns in vielen Bereichen sozial – sei es in der Unter-
ganzen Landes, die Freiheit und Würde des Menschen und die stützung von „Essen auf Rädern“ oder durch Spendenaktionen für
Pflege des Tiroler Schützenbrauches“, sind essentielle Bestandteile in Not Geratene. Wir übernehmen Transport- und Besuchsdienste
unserer Identität und Grundlage unseres Denkens und Handelns. ebenso wie Hilfsleistungen in den Stadt- und Dorfgemeinden –
Wir Schützen schützen jene Kleinigkeiten, die wichtig sind, um uns von der Stammzellentypisierung über die Ausgabe von COVID-
Tirolerinnen und Tirolern Heimat zu geben. Kleinigkeiten, die oft 19-Schutzmasken bis hin zu Aufforstungen des Schutzwaldes. Mit
als Selbstverständlichkeit empfunden werden, oder Besonderheiten, unterschiedlichsten Benefiz- und Hilfsaktionen bringen wir uns
die oft in der Tiefe ihrer Herkunft nicht mehr verstanden werden. aktiv in das Gesellschaftsleben ein.
Die Pflege von Wanderwegen, das Errichten und Instandhalten
von Gipfelkreuzen oder Bildstöckln gehören dabei ebenso dazu wie Und so bringen wir die Herzen von den Fahnen
der Erhalt unserer Trachten, die Ausdruck von Heimatbewusstsein zu den Menschen unseres Landes!
und Zusammenhalt sind. Und das Tragen von historischen Waffen Die aus dem Nachdenkprozess entstandenen 11 Leitmotive geben
soll als äußeres Zeichen unserer Freiheit verstanden werden, der uns die Marschrichtung vor – heute und in Zukunft. Und so verbin-
Schießsport mit Gedenkschießen und Wettkämpfen wiederum als den uns unsere 11 Leitmotive auch mit der Herz-Jesu-Verehrung.
wesentliches Element des Schützenbrauches. In einer besonderen Art und Weise, vielleicht auch als zeitgemä-
In den letzten Jahren haben sich das Selbstbild und der Aufgaben- ße Übersetzung. Wichtig wird nun sein, diese Leitmotive auch
bereich der Schützen jedoch weiterentwickelt... Ohne dass die Sub- tatsächlich zu leben. Um damit auch unsere Heimat noch ein Stück
stanz dabei verloren gegangen wäre – der Nachdenkprozess hat das sichtbarer, erlebbarer und greifbarer zu machen! n

225-Jahre Herz-Jesu-Gelöbnis
Die Gelöbniserneuerung 2021
Die heurigen Feierlichkeiten zur 225. Erneuerung des Herz-Jesu-Gelöbnisses von 1796 können aktuell leider nur eingeschränkt
und nach der gegebenen Verordnungslage stattfinden. Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Pla-
nungsunsicherheit können sich die nachstehenden Programmpunkte kurzfristig ändern. Die Möglichkeit zur Teilnahme von
Schützenformationen aus allen Tiroler Landesteilen unterliegt den stets aktuellen Verordnungen und den vorherrschenden
Reisebestimmungen. Die Abordnungen aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol werden rechtzeitig verständigt.
Eine Teilnahme ist jedoch in jedem Fall nur nach vorheriger Anmeldung in der Bundeskanzlei des BTSK möglich!

11. JUNI 2021 – STIFT STAMS


17 Uhr Eintreffen und Aufstellung der Formationen
17.30 Uhr Landesüblicher Empfang im Stiftshof
17.55 Uhr Einzug der Hohen Geistlichkeit
18 Uhr Feldmesse: Herz-Jesu-Gelöbnisgottesdienst des Landes Tirol
› Hauptzelebrant: S.E. Bischof Hermann Glettler
› Konzelebrant: HH Prälat German Erd, Abt des Stiftes Stams
› Festansprache: Landeshauptmann Günther Platter
› Schlusssegen
› Beendigung des Landesüblichen Empfangs mit Festtagssalve
› Schlussmeldung
› Agape (sofern nach Verordnungslage möglich)

12. JUNI 2021 – JESUITENKIRCHE INNSBRUCK


17 Uhr Eintreffen der Formationen und Aufstellung vor der Hofburg
17.30 Uhr Landesüblicher Empfang am Vorplatz des Tiroler Landestheaters
› Gemeinsamer Marsch zur Jesuitenkirche
› Einzug der Formationen in die Kirche
18 Uhr Hl. Messe in der Jesuitenkirche Innsbruck
› „Schützenmesse“ unter Einbindung aller militärisch-organisierten Verbände im Beisein von geladenen Ehrengästen
› Hauptzelebrant: Schützen-Landeskurat Pfarrer Martin Ferner
19.30 Uhr Konzert im Riesensaal der Hofburg Innsbruck – „Tag der Herzlichkeit“
› Kooperation mit dem Tiroler Sängerbund, dem Blasmusikverband Tirol, dem Tiroler Volksmusikverein
und dem Bischof-Stecher-Gedächtnisverein

13. JUNI 2021 – HERZ-JESU-PROZESSIONEN IN DEN GEMEINDEN TIROLS


Alle aktuellen Informationen zum Programm und der Covid-19 Verordnungslage finden Sie laufend auf der Homepage des BTSK
www.tiroler-schuetzen.at
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4 Aus den LANDESTEILEN …


Bozen/Innsbruck von David Atzwanger

Die Entwicklung des Herz-Jesu-Festes


Auszüge aus der Diplomarbeit von David Atzwanger zur Erlangung des Magistergrades an der Philosophisch-Historischen Fakultät
der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Das Herz-Jesu-Fest gehört in Tirol seit Entwicklung und Veränderung greifbar Tiroler Volk und Gott gedeutet wurde. Im
dem ausgehenden 18. Jahrhundert zu den machen zu können, werden die Herz-Jesu- Kontext der Herz-Jesu-Bundeserneuerun-
zentralen öffentlich-politischen Manifes- Feierlichkeiten, in denen eine Bundeser- gen verfasste Josef Seeber 1896 (1856−1919)
tationen, deren Anspruch weit über den neuerung stattgefunden hat, in den betref- den Text des berühmten Herz-Jesu-Bundes-
rein religiösen Rahmen hinausreicht. In fenden historischen Kontext gestellt. Dabei liedes „Auf zum Schwur, Tiroler Land“, und
der vorliegenden Arbeit wird daher der werden Tiroler Hirtenbriefe, Predigten und der Dirigent des Brixner Domchors Ignaz
Fokus auf den Wandel der Herz-Jesu- Gebete in deutscher Sprache miteinander Mitterer (1850−1924) komponierte die Me-
Feierlichkeiten in Tirol besonders während verglichen und analysiert. In Tirol nimmt lodie dazu. Eine Strophe davon lautet:
gesellschaftlich markanter Umbruchzeiten die Herz-Jesu-Verehrung innerhalb der Auf zum Schwur, Tiroler Land, heb zum
gelegt. Diese betreffen besonders die Jahre Gesellschaft viel Raum ein und stellt einen Himmel Herz und Hand! Was die Väter einst
1796−1816, 1848, 1870, 1876, 1896, 1909, Teil der Tiroler Identität dar, da sie sich eng gelobt, da der Kriegssturm sie umtobt: Das
1946, 1961, 1996 und 2009. Hier kam es re- mit den Tiroler Kämpfen von 1796/97 und geloben wir aufs Neue: Jesu Herz, dir ew’ge
gelmäßig – aufgrund von jeweils aktuellen 1809 vermischt hat. Herz-Jesu-Verehrung Treue! Das geloben wir aufs Neue: Jesu Herz,
politischen oder militärischen Ereignissen und Herz-Jesu-Feste sind nach wie vor in dir ew’ge Treue!
– zur Erneuerung, zur Neuaufladung des einigen Teilen der Tiroler Gesellschaft, Diese Strophe der Tiroler Landes-Hymne
Gelöbnisses. Damit war in der Regel auch auf dem Gebiet des historischen Tirol, fest verdeutlicht die Verbindung von Religion
eine Re-Kontextualisierung des Ereignisses verankert und werden alljährlich im ganzen und Politik. Das Existieren dieser Verbin-
verbunden. Das prägte auch die mitun- Land mit Gottesdiensten und Prozessionen dung förderte über die Jahrhunderte die
ter sehr differenzierte Ausgestaltung der feierlich begangen. Die Tiroler Schützen Instrumentalisierung der Herz-Jesu-Ver-
jeweiligen Feierlichkeiten. Daraus ergeben nehmen dabei eine wichtige Rolle ein. Dies ehrung je nach der aktuellen gesellschaftli-
sich für die vorliegende Untersuchung liegt daran, dass die Herz-Jesu-Verehrung chen und politischen Situation. Die Instru-
Fragen nach dem Wandel dieses Festes in Tirol mit dem Ablegen des Tiroler Herz- mentalisierung der Herz-Jesu-Verehrung
über die Zeit hinweg und nach dessen Jesu-Gelöbnisses von 1796 und der ersten hat bereits im 17. Jahrhundert begonnen
Aktualisierung bzw. Re-Kontextualisierung Bundeserneuerung von 1809 in Verbindung und setzt sich auch im 21. Jahrhundert
in der jeweiligen Gesellschaft sowie ihrem steht. Mit dem Ablegen des Herz-Jesu-Ge- weiter fort. So verband man etwa am 2. Mai
zeitgenössischen politischen Umfeld. Um löbnisses wurde die Herz-Jesu-Verehrung 2020 in Südtirol die traditionellen Herz-Je-
in Tirol zum festen Bestandteil innerhalb su-Feuer mit der „Los von Rom“-Forderung
der Tiroler Bevölkerung. Das Herz-Jesu- und löste damit eine politische Debatte aus.
Gelöbnis hatten die Tiroler Landstände
während der napoleonischen Kriege aus Das Gelöbnis von 1796
Angst vor der drohenden Kriegsgefahr ge- Trotz der schnell und weitgehend improvi-
leistet. Die Tiroler Landstände versprachen siert getroffenen Verteidigungsmaßnahmen
sich vom heiligen Herzen Schutz vor den wusste der engere Ausschuss über seine
anrückenden französischen Truppen, und schlechte Erfolgschancen Bescheid. Da
im Gegenzug versprachen die Tiroler, die auf weltlicher Ebene die Tiroler verloren
Herz-Jesu-Verehrung zu einem National- schienen, flüchteten sie in die Religiosität.
feiertag zu machen und diesen alljährlich Genauer suchten sie, wie es bereits die Apo-
feierlich zu begehen. Am 3. Juni 1796 stel taten, Zuflucht beim Herzen Jesu. Am
wurde das Versprechen zum ersten Mal im 1. Juni 1796 brachte Abt Sebastian Stöckl
Bozner Dom feierlich eingelöst, und mit von Stams (1790−1819) den Vorschlag, das
dem unerwarteten Sieg gegen die Franzo- Tiroler Land dem Herzen Jesu zu weihen,
sen bei Spinges 1797 galt das Gelübde als da in der bestehenden Situation nur mehr
von Gott akzeptiert und angenommen. In Gott helfen könne. Er begründete diesen
der Zeit, als Tirol unter dem bayrischen Vorschlag mit dem Argument, dass auch
Löwen stand, wurde das Gelöbnis 1809 die Vorfahren 1703 während des Bayrischen
vom tief gläubigen Andreas Hofer vor dem Rummels Hilfe von Gott ersuchten und sie
Bergisel-Gefecht zum ersten Mal erneuert. mit dem Sieg belohnt wurden. In der Tat
In den darauffolgenden Jahrzehnten kam suchen bereits die Vorfahren im Kampf
es in Tirol immer wieder in Verbindung Hilfe bei Gott. Deshalb hatten religiöse
mit Kriegsgefahren zu Erneuerungen des Gelübde in Tirol Tradition. Die Stände
Napoleon stand 1796 vor den Toren Tirols. Herz-Jesu-Gelöbnisses. Dabei setzte sich erinnerten sich an die erfolgreichen Kämpfe
Die Tiroler Landstände versprachen sich ein Prozess in Bewegung, durch den das der Väter unter göttlichem Schutz. Damals
vom heiligen Herzen Schutz vor den Herz-Jesu-Gelöbnis zum Herz-Jesu-Bund hatten die Stände gelobt, bei erfolgreicher
anrückenden französischen Truppen. und zum „Exklusivvertrag“ zwischen dem Abwehr der Feinde das Fest der Unbefleck-
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Aus den LANDESTEILEN … 5


ten Empfängnis im ganzen Land feierlich würdig. Die ganze Stadt war in Feierstim- Aufgrund der großen Kriegsgefahr be-
zu begehen. Ebenso hatte man ein halbes mung und geschmückt worden. An der schloss der Brixner Fürstbischof Franz
Jahrhundert früher ein religiöses Gelübde Feier nahmen um die 30.000 Menschen teil, Egger (1912−1918), sich an die Landes-
abgegeben. In deren Folge hatte man in und darunter befanden sich um die 2.800 vertretung in Innsbruck zu wenden, um
Hötting bei Innsbruck die Kapelle Maria Welschtiroler. Der politische Charakter der den Vorschlag der Bundeserneuerung dem
Hilf erbauen lassen. Das Besondere an den Feier wurde noch durch die Teilnahme des Landtag vorzubringen. Seinen Vorschlag
drei Gelöbnissen ist, dass bei allen dreien Kaisers verstärkt. Mit der Jubelfeier von verteidigte er mit dem Argument, dass die
die Stände die Initiatoren gewesen waren 1909 erneuerte man nicht nur den Bund Tiroler in Gefahrensituationen immer den
und sie ausdrücklich erwähnten, dass die mit dem Herrn, sondern stilisierte Andreas heiligen Bund mit dem Herrn erneuert
Feier im ganzen Land durchgeführt werden Hofer endgültig zum Heiligen Tirols. Die haben und somit vom Herrn beschützt
sollte. Das Gelöbnis von 1796 unterscheidet deutschen Medien berichteten nur positiv wurden. Der Landtag nahm den Vorschlag
sich jedoch von seinen Vorgängern in dem über die Feierlichkeiten. Mit der Feier von mit Begeisterung an und vereinbarte, dass
Punkt, dass nicht mehr das Gelöbnis an die 1909 erreichte die Hofer-Verehrung ihren die feierliche Begehung am 18. September
Gottesmutter, sondern an den Gottessohn Höhepunkt und stellte damit auch beson- stattfinden sollte. Der Fürstbischof von
gemacht wurde. Historiker vermuten heute, ders schön die Verbindung mit dem Herz- Brixen erließ aufgrund dessen einen Hir-
dass Abt Sebastian Stöckl beim Vorschlag Jesu-Gelöbnis dar. Das Fest verdeutlichte, tenbrief an seine Diözesanen.
zum Gelöbnis ein Vorbild hatte, denn Abt dass der politische Aspekt der Herz-Jesu-
Sebastian Stöckl war von der dörflichen Feier nicht mehr vom religiösen Aspekt zu Formales zum Hirtenbrief. Den Hirten-
Herz-Jesu-Andacht des Dekanats Frauling trennen war. brief verfasste der Fürstbischof Franz Egger
im Oberinntal, welche durch den Kuraten von Brixen in einer Notsituation während
Karl Pfauler gefördert wurde, begeistert. Die Bundeserneuerung des Ersten Weltkriegs. Der Hirtenbrief
Somit diente Kurat Karl Pfauler ihm als und der Hirtenbrief von 1914 weist im Vergleich zu den bisher behan-
Vorbild. Nur wenige Jahre nach der Bundeserneu- delten Briefen keine klare Gliederung in
Den Vorschlag nahmen die Landstände am erung von 1909 fand im Jahr 1914 in einer Einleitung, Hauptteil und Schluss auf. Das
1. Juni 1796 einstimmig an. besonders spannungsgeladenen Zeit eine Hirtenschreiben ähnelt im Aufbau einer
Das abgegebene Gelübde galt es nun der weitere Bundeserneuerung statt. Nachdem Kurzgeschichte. Der Leser wird mitten in
Bevölkerung mitzuteilen. Dies geschah der Habsburger Thronfolger Franz Ferdi- das Geschehen geworfen. Die verwendete
durch das Verfassen eines Proklama-Textes. nand (1863−1914) und seine Gemahlin in Sprache des Bischofs ist sehr einfach. Die
Da die Einführung eines neuen Festtages Sarajevo erschossen wurden, entwickelte Art des Schreibens lässt auf den Kriegsstress
die Erlaubnis des Kaisers benötigte, unter- sich die bereits angespannte Situation in schließen, der in jener Zeit herrschte. Das
nehmen die Stände alle Behördengänge, die Europa zu einer explodierenden Bombe. heißt, dass das Schreiben kurz gehalten
es benötigte. Österreich stellte ein unannehmbares wurde. Die zentralen Themen sind der
Aufgrund der elf verschiedenen Diözesen Ultimatum an Serbien und erklärte nach Krieg, das Beten und Bitten und der Glau-
im Land dauerte die praktische Einführung der Nichterfüllung des Ultimatums Serbien benskrieg.
des Herz-Jesu-Festes in ganz Tirol bis 1799 den Krieg. Durch die komplexe Bündnis-
oder 1800. Die erste Herz-Jesu-Feier wurde politik der Vorkriegszeit standen somit die Nach der Bundeserneuerung
am 3. Juni 1796 in der Bozner Pfarrkirche Mittelmächte (Österreich, Deutschland, von 1914
abgehalten. Dabei hielt der Prälat Sebasti- das Osmanische Reich und Bulgarien) den Während des Krieges veränderten sich die
an Stöckl das Pontifikalamt. In Innsbruck Mächten der Entente (Frankreich, das Ver- angespannten Verhältnisse zwischen den
erfolgte die Feier am 24. September 1796. einigte Königreich und Russland) gegen- Welschtirolern und den Deutschtirolern
Für die Feier in Innsbruck restaurierte man über. Im Sommer 1914 fand die Mobilma- nicht, im Gegenteil. Am 23. Mai 1915
das Herz-Jesu-Bild und stellte es in der chung der österreichischen Streitkräfte statt, veröffentliche der Kaiser das Manifest „An
Kirche aus. und tausende Tiroler begaben sich an die meine Völker“, in dem er den österreichi-
Die Feierlichkeiten in Innsbruck gestalteten Fronten. schen Völkern berichtete, dass Italien nach
sich prächtig und waren eines Jubiläums 30-jähriger Bündnistreue nun das Bündnis

Maßgebliche Protagonisten des Tiroler Freiheitskampfes 1809: Josef Speckbacher, Andreas Hofer, Pater Joachim Haspinger und
Anton Steger.
6 Aus den LANDESTEILEN …

aufgegeben hatte. Damit setzte − durch denn damals, wie jetzt nach dem Krieg,
die Propaganda gefördert − die negative standen die Tiroler unter fremder Herr-
Berichterstattung über Italien ein. schaft. Während in den Jahrzehnten vor der
Der Sieg der Alliierten über die Mittel- Teilung Tirols die vier zentralen Begriffe in
mächte brachte für Europa große Verän- Bezug auf die Bundeserneuerungen Land-
derungen mit sich. Besonders Österreich recht, Kaisertreue, Landesverteidigung,
durchlebte in den Jahren nach dem Krieg Landes- und Glaubenseinheit waren, waren
eine bewegte Zeit. Es gab zwar noch eine nach dem Zusammenbruch der Habsbur-
kaiserliche Regierung, die den Rest Öster- germonarchie die Begriffe Landeseinheit
reichs regierte, jedoch konnte die Regierung und Landesverteidigung zentral.
nicht verhindern, dass das Habsburgerreich Bei den Verbreitungen der Feierlich-
auseinanderbrach. keiten deckte sich die Bevölkerung mit
Direkt nach dem Krieg folgte für die Schwarzpulver ein und bereitete sich auf
Besiegten eine Besatzung durch die Sieger. die Herz-Jesu-Feuer vor. Der „Allgemeine
Besonders ungern waren die italienischen Tiroler Anzeiger“ schrieb einen Tag vor
Besatzungstruppen gesehen. Bei der dem Herz-Jesu-Sonntag einige patriotische
Besetzung Tirols ging Italien mit Bedacht Zeilen und rief zur Beteiligung am Fest auf.
vor. Daher erließ die Militärverwaltung Der Anzeiger schrieb:
(1918−1919) den Befehl an die Truppen, „Wenn auch heute das Land zerrissen und
Disziplin an den Tag zu legen und der Be- der Süden unter fremder Herrschaft von uns
völkerung mit Respekt zu begegnen, die Ti- getrennt ist, soll uns trotzdem das Fest des Fürstbischof Franz Egger nach einem
roler wollten jedoch die friedliche Haltung göttlichen Bundesherrn als Landesfest in Gemälde von Orazio Gaigher
der Italiener nicht würdigen und standen höchsten Ehren bleiben. Wir wollen ihm die
ihnen ablehnend und feindlich gegenüber. Treue halten, wir im Norden und die Brüder hauptmann Franz Stumpf (1921−1935)
Selbst die Versorgung mit Lebensmitteln im Süden, dann wird auch er sich wieder erwähnte in seiner Rede die Südtiroler:
durch das italienische Militär wurde teilwei- in Treue unser Erbarmen und die Gnade „Ich möchte diesen Gruß aber auch
se zur Verwunderung der Italiener von den schenken, daß das seinem heiligsten Herzen hinübersenden zu unseren Brüdern und
Tirolern abgelehnt. verlobte Heimatland wieder vereint das Schwestern im Süden; auch ihre Ahnen
Der Widerstand der Tiroler gegen die Bundesfest als Dankfest feiern kann […].“ kämpften damals mit unseren Vorfahren
Besatzer war vom Klerus und von den Vor diesem Hintergrund begann man die Seite an Seite. […]“
politischen Tiroler Eliten vor allem passiv Feierlichkeiten und besonders die Berg- Ein Beteiligter am Landesfest hielt in sei-
getragen. Sie schürten den Hass gegen die feuer vorzubereiten. Das heimliche Motto nem Bericht fest, dass einzig der Landes-
Italiener innerhalb der Bevölkerung und der Tiroler Parteien hieß „von Kufstein bis hauptmann unter den Rednern den Mut
sprachen mit Absicht mit den Italienern Salurn mögen die Flammen lodern“. Bei all hatte, Südtirol zu grüßen und anzuspre-
nur Latein, um die Besatzersprache nicht ihren Vorbereitungen kam es immer wieder chen, obwohl eine Südtiroler Delegation
verwenden zu müssen. Auch wurden zu Zusammenstößen mit dem italienischen von 80 Personen an der Feier teilnahm. Die
Frauen, die mit Italienern flirteten oder eine Heer. Die Italiener empfanden die Feier- Südtirol betreffenden Worte des Lan-
Beziehung eingingen, vom Klerus ermahnt. lichkeiten als antiitalienisch, auch wenn deshauptmanns wurden später von den
Mit der Besetzung Tirols durch die Italiener die Tiroler und die Kirche den religiösen Medien verschwiegen. Auch die Beteiligung
ahnten die Tiroler bereits die italienische Aspekt hervorhoben. der Südtiroler Delegation, die später in der
Idee der Brennergrenze. Mit der Teilung Tirols hatten die Tiroler Festprozession mitmarschierte, wurde vom
Der Annexion des Trentino und Südtirols einen großen Schmerz zu verarbeiten. „Tiroler Anzeiger“ und vom „Volksboten“
hatte in der Tiroler Bevölkerung Wun- Doch für die Trienter und Südtiroler sollte keines Wortes gewürdigt. Ein entscheiden-
den geschlagen. Diese wurden durch den es noch schlimmer kommen. Die Politik der Kritiker dieser Feier war der Politiker
wachsenden Faschismus in Italien weiter setzte auf die Italianisierung Südtirols und Eduard Reut-Nicolussi (1888−1958). Er
verstärkt. 1920 fand im Rahmen des stärker verbot Bräuche, die Sprache in öffentlichen fragte sich:
werdenden Faschismus das Herz-Jesu-Fest Institutionen und hob diverse Vereine auf. „Wer ist berechtigt, seine Liebe zum deut-
in Südtirol statt. Angesichts der politischen Ein weiteres Mal wurde in der Tiroler Ge- schen Volkstum zu verkünden und dabei zu
Hürden, Schwierigkeiten und der politi- schichte der Name Tirol verboten, und die übersehen, dass im Süden des Landes scho-
schen Veränderungen wollten die Tiroler, Namen der Bevölkerung und die Namen nungslose Zerstörung am Werke ist, um das
in ihrem religiösen Eifer und Traditionsbe- der Verstorbenen auf den Grabsteinen Volkstum unserer Brüder zu vernichten?“
wusstsein, nicht auf ihre althergebrachten wurden italianisiert. Die Feierlichkeiten von Innsbruck wurden
Bräuche verzichten und um den Beistand In der 1930er Jahren sollten sich die Ereig- in den Südtiroler Medien nur kurz ange-
des göttlichen Herzen Jesu ersuchen. Die nisse von 1809 zum 125. Mal jähren. Südti- sprochen, wie dies auch in den Dolomi-
italienische Regierung verbot das Herz- rol stöhnte unter der faschistischen Unter- ten vom 11. Juni 1934 geschehen war. In
Jesu-Fest für das Jahr 1920, doch die Tiroler drückung. Die Feierlichkeiten zu Herz-Jesu diesem Kontext ist es interessant zu sehen,
ließen sich nicht davon abbringen und und die Bundeserneuerung fielen aus. Auch wie Andreas Hofer ein weiteres Mal neu
begannen die Vorbereitungen für das Fest. von dem aus Tirol stammenden Bundes- gedeutet wurde. Dieses Mal passte jedoch
Auch bei der Herz-Jesu-Feier 1920 waren kanzler Kurt Schuschnigg (1934−1938) die Deutung mit den historischen Ereignis-
die Figur Andreas Hofers und die identi- wurden die Südtiroler Ereignisse nicht sen zusammen. Erstmals nannte man den
tätsstiftenden Ereignisse von 1809 wichtig, angesprochen. Einzig der Tiroler Landes- wahren Feind, gegen den die Tiroler 1809
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Aus den LANDESTEILEN … 7


kämpften. Es waren die Bayern und nicht Napoleon und nicht die
Italiener. Damit vermittelte man der Bevölkerung, dass der Feind,
der Nationalsozialismus, von Norden kommt und nicht aus dem
Süden. Nachdem die Nationalsozialisten den Anschluss Österreichs
1938 an das Deutsche Reich vollführten, rückte Andreas Hofer
in den Fokus der Nationalsozialisten. Sie erkannten das Potenzial
dieses Volkshelden und instrumentalisierten ihn für ihre Zwecke.
Unter dem Tiroler Gauleiter Franz Hofer wurde Andreas Hofer
eingedeutscht und verlor die Elemente der Kaisertreue und den
religiösen Faktor. Die Nationalsozialisten machten Andreas Hofer
zum leuchtenden „Symbol deutscher Kraft und Stärke“ und zum
Kämpfer für „die deutsche Volksgemeinschaft“. Dabei betonten
die Nationalsozialisten, dass Andreas Hofer von den Habsburgern
verraten und verlassen worden war. In den 1930er Jahren bis in das
Jahr 1944 gab es in Südtirol zwar Herz-Jesu-Messen, aber Bundes-
erneuerungen waren gänzlich verboten. Die Bergfeuer durften die
Tiroler nach Zustimmung der Sicherheitsbehörden entzünden. n

Fürstbischof Egger schrieb am Beginn des Ersten Weltkrieges:


„Ohne Übertreibung kann man diesen Krieg einen religiösen Krieg
nennen, einen Krieg zwischen Katholizismus und Schisma.“

Stams von Wolfgang G. Schöpf und Hartwig Röck

Abt Sebastian Stöckl – 35. Abt


des Zisterzienserstiftes Stams
*16.08.1752, Pettneu am Arlberg
† 10.11.1819, Stift Stams
Heuer jährt sich zum 225. Mal das Gelöbnis des Landes Tirol
an das göttliche Herz Jesu. Zu diesem Anlass sei einer großen
Persönlichkeit der Tiroler Geschichte gedacht, die heute
nur mehr wenigen bekannt ist.

Der auf den Namen Franz Rochus getaufte Wirtssohn (Vater: Franz
Anton Stöckl, Mutter: Ursula Franziska Lechleitner) wurde am
16. August 1752 in Pettneu am Arlberg in eine alte Tiroler Fami-
lie hineingeboren, die schon seit langer Zeit Beziehungen zu den
Stamser Zisterziensern hatte. Sein Elternhaus war ein stattliches
Gasthaus (heute Schwarzer Adler), denn sein Vater war Salzfaktor
und Gastwirt. Nach einer ersten Schulzeit im Heimatdorf kam der
vielversprechende Knabe als Gymnasiast zu den Jesuiten nach Hall
in Tirol. Hier erhielt der spätere Theologieprofessor die Grundlagen

Portrait des 35. Abtes von Stift Stams (1790–1819),


gemalt von Joseph Schöpf (1745–1822), der in Stams
die Schule besuchte, dessen Talent auch dort entdeckt und
gefördert wurde. Er blieb zeitlebens dem Stift sehr verbunden
und vererbte dem Kloster auch seinen Nachlass.
N° 3 | Juni 2021

8 Aus den LANDESTEILEN …

zwischenzeitlich das Stift auch als Adminis- thek verkauft und die Archivalien nach
trator führte, zum Abt entschied. München verbracht. Dieser letzte Schlag
Die staatlichen Eingriffe wurden immer machte Abt Sebastian schwer zu schaffen,
drastischer, die Abgaben an den Staat er- sodass seine Gesundheit erheblich litt. Das
heblich. Schlimmer aber trafen die klöster- bayerische Interregnum dauerte aber nicht
liche Wirtschaft, dass die „Gotsgewalten“ lange genug, um die Aufhebung als nicht
wie Muren, Hochwasser oder schlechte umkehrbares Faktum hinzunehmen. Nach
Ernteerträge nicht zu verhindern waren, dem Ende der bayerischen Herrschaft in
sowie der deutlich zutage tretende Perso- Tirol im Juni 1814 bemühten sich alle diese
nalmangel. Klöster wieder um die Zulassung, was nach
Das Kriegsjahr 1796 war ebenfalls sehr hart zähen Verhandlungen und harten Auflagen
und traf das Kloster empfindlich. Im Stift auch zugestanden wurde. Stöckl kränkelte
wurden Soldaten einquartiert, die auch zu indes immer mehr, er litt an Asthma und
verköstigen waren. Nach dem für die ös- spürte selbst, dass seine Kräfte durch fast
terreichische Seite unglücklichen Ausgang dreißig Jahre als Abt verbraucht waren.
der Kriegshandlungen in Italien wurden Schon 1818 sah er seinen Tod kommen. Er
auch noch Invaliden von den Kämpfen in notierte: „Je länger ich lebe, umso näher
Italien bis nach Stams gebracht. Einer der kommt die Zeit meines Hinscheidens. Es
wenigen Lichtblicke dieses Jahres war die geschehe der Wille Gottes.“ Ein Jahr darauf
Gedenktafel der Gemeinde Pettneu am feierliche Zustimmung der Tirolischen machte er noch eine Erholungsreise, wie
Arlberg an der Fassade des Gasthof Schwarzer Landschaft zum Vorschlag des Abtes, einen Pater Kasimir Schnitzer – sein späterer
Adler, errichtet anlässlich der 200-Feier des ewigen Treuebund mit dem Herzen Jesu Biograph – berichtet. Im Oktober kleidete
Herz-Jesu-Gelöbnisses im Jahre 1996. abzuschließen und damit Jesus als „göttli- er ein letztes Mal fünf junge Männer ein;
für sein künftiges Wirken. Als Stöckl am chen Bundesherrn“ des Landes zu gewin- und hatte somit insgesamt, trotz erschwer-
22. September 1770 in Stams eingekleidet nen. Dieser von Abt Stöckl in den Kleinen ter Bedingungen, 31 neue Mönche in den
wurde, stand das Kloster unter dem Abt Ausschuss der Tiroler Landstände in Bozen Konvent aufgenommen. Im November 1819
Kranicher in Hochblüte. eingebrachte Antrag wurde am 1. Juni aber ging es mit seiner Gesundheit rasch
Nach Abschluss seiner Studien, vornehm- 1796 angenommen. Das Gelöbnis wurde abwärts, nach Allerheiligen war ihm wohl
lich im Stift selbst, wurden Sebastian und in einer Festvesper im Dom zu Bozen selber klar, dass es mit ihm zu Ende ging.
zwei seiner Konovizen am 17. September bekräftigt und am 25. September 1796 in Er starb am 10. November und wurde drei
1775 vom Trienter Fürstbischof Cristoforo der Innsbrucker Jesuitenkirche wiederholt. Tage später an der Seite seines Vorgängers
Francesco Sizzo di Noris (1762-1776) in der Die ursprüngliche Idee dazu stammte vom Vigilius Kranicher am Konventfriedhof
Kapelle des bischöflichen Schlosses Buon- Kuraten Johann Anton Paufler (* 16. Juni beigesetzt. Durch den Tod von Abt Sebasti-
consiglio in Trient zum Priester geweiht. 1740 in Innsbruck, † 11. April 1798 in Wil- an Stöckl verlor der Stamser Konvent einen
Der Neupriester begann bald darauf mit dermieming), der in Wildermieming tätig standesbewussten Prälaten, der als gütig und
der Lehrtätigkeit in Stams. Drei Jahre nach war und den Abt Sebastian außerordentlich mildtätig galt. Das Album Stamsense rühmt
seiner Weihe (21./22. September 1778) schätzte. ihn als frommen und guten Hausvater, der
erwarb er mit ausgezeichnetem Erfolg die Neben zahlreichen wirtschaftlichen und seinen Teil der Beschwernisse klaglos ertrug
vorgeschriebene „licentia docendi“ (staat- administrativen Schwierigkeiten war auch und als bleibendes Gedächtnis den Tirolern
liche Lehrerlaubnis) und stand von da an die Weiterexistenz der alten Abtei noch die Verehrung des Herzen Jesu hinterließ.
den Mitbrüdern als Theologieprofessor zur unsicherer geworden als sie es unter Kaiser Aus Anlass der Feierlichkeiten zur 50-jähri-
Verfügung. Als Stöckl das Lehren unmög- Joseph II. gewesen war. Als 1806 Tirol gen Wiedergründung der Schützenkompa-
lich wurde, da das Hausstudium für die formell an Bayern überging, beschlossen nie Pettneu am Arlberg wurde im Rahmen
angehenden Priester und Mönche untersagt die Landstände direkt zu verhandeln und der Generalversammlung am 15. November
wurde, übernahm er eine Reihe von wich- eine Delegation, der auch der Stamser Abt 2008 einstimmig beschlossen, den Na-
tigen Aufgaben im Konvent und außerhalb. angehörte, nach München zu schicken. Die menszusatz „Abt Sebastian Stöckl“ dem
Er wurde Seelsorger in Seefeld und zugleich Gespräche und vor allem die Audienz beim Kompanienamen hinzuzufügen. Seitens der
Administrator des dortigen, schon aufgeho- bayerischen König Maximilian I. Joseph Gemeinde Pettneu am Arlberg wurde dem
benen Augustiner-Eremitenklosters, dessen am Vormittag des 4. Februar 1806 schie- Wirken Stöckls bereits bei der Erstellung
Immobilien dem Stift Stams zugesprochen nen gut zu verlaufen: Der König bestätigte des Gemeindewappens (1991) und bei der
worden waren. Sein damals begonnenes ausdrücklich die alten Tiroler Rechte und 200-Jahr-Feier zum Herz-Jesu-Gelöbnis
Tagebuch zeigt einen praktisch veranlag- Freiheiten und sicherte zu, keine davon (1996) durch Errichtung einer Gedenktafel
ten Priester, der mit Land und Leuten gut missachten zu wollen. Der Beschluss, die an seinem Geburtshaus Rechnung getragen.
umgehen konnte. Es ist daher nicht ver- Tiroler Klöster zu säkularisieren, war aber
wunderlich, dass sich der Stamser Konvent bereits gefasst. Mit dem 16. September Wolfgang G. Schöpf (2014, stark gekürzt)
nach einer längeren abtlosen Zeit – Vigilius 1807 wurden alle sechs Tiroler Abteien www.zisterzienserlexikon.de/wiki/
Kranicher war im Mai 1786 verstorben unter die kommissarische Verwaltung St%C3%B6ckl,_Sebastian
und der Konvent hatte keine Genehmigung eines Administrators gestellt, unter Angabe Literaturtipp: Kastner, Hannes (1981):
erhalten, einen neuen Abt zu wählen – fadenscheiniger Gründe − Misswirtschaft Sebastian Stoeckl. Abt des Cistercienserstiftes
am 20. September 1790 für die Wahl des war der beliebteste davon. Hab und Gut des Stams 1790−1819. Diss. Univ. Innsbruck,
erfolgreichen Pfarrers und Verwalters, der Klosters wurden eingezogen, die Biblio- 212 Seiten. n
Deutschland hat es vorgemacht, jetzt Katalonien

9
und Schottland – und Südtirol?

Aus den LANDESTEILEN …


Strassburg/Bozen von Egon Zemmer

Südtiroler Schützen bekunden Solidarität für Katalonien


und den politischen Häftlingen
Drei katalanischen EU-Abgeordneten ist die politische Immunität bei einer Abstimmung im Europäischen Parlament
aberkannt worden. Die drei Politiker sind führende Köpfe der katalanischen Selbstbestimmungsbewegung.

Kürzlich stand im Europäischen Parlament Union gegen das menschenverachtende der Völker ein und werden auch in dieser
ein nicht alltäglicher Tagesordnungspunkt gewaltsame Vorgehen Spaniens, sondern Sache nicht schweigen.“ Entrüstet zeigt sich
auf der Agenda: die Abstimmung über die die kaltblütige Verteidigung des nationa- auch der Vertreter des Südtiroler Schützen-
Aufhebung der politischen Immunität von len Souveränitätsrechts. Kein Wort wurde bundes in der International Commission of
drei Abgeordneten. Dass dieser Sachverhalt über die brutale Polizeigewalt verloren. European Citizen (ICEC) Paul Decarli: „Die
dabei nicht eine lapidare Angelegenheit Vielmehr hatte die Europäische Union nur Entscheidung des Europäischen Parla-
darstellte, sondern mit dem Urnengang das Ziel vor Augen, das lodernde Feuer ments mag zwar formal richtig sein, doch
gleichzeitig eine richtungsweisende Politik der Selbstbestimmung im Keim zu ersti- lässt sie jedes Fünkchen Moral vermissen.
betrieben wurde, war allen Beteiligten klar. cken, bevor es sich zu einem Flächenbrand Es werden Volksvertreter bestraft, welche
Es ging dabei um Carles Puigdemont, Toni ausweitete. Jenes Feuer, welches auch in gemeinsam mit den Bürgern das 1966
Comín und Clara Ponsatí. Alle drei sind uns Schützen brennt und für welches wir im UN-Menschenrechtspakt vereinbarte
führende Köpfe der katalanischen Selbstbe- tagtäglich einstehen. Über den Umstand, Selbstbestimmungsrecht der Völker prak-
stimmungsbewegung und waren im Herbst dass man sich eines Tages genau in der tisch umgesetzt haben. Ein solches Verhal-
2017 maßgeblich am Unabhängigkeits- gleichen Situation wie die katalanischen ten ist der Demokratie unwürdig.“ Was jetzt
referendum beteiligt. Dies war auch der Unabhängigkeitsbefürworter befinden nach der Aufhebung der Immunität folgen
Stein des Anstoßes für die Aufhebung der könnte, ist Landeskommandant-Stv. Renato wird, ist noch ungewiss. Belgien hat den
Immunität. Am 1. Oktober 2017 schrit- des Dorides besorgt. „Die Aufhebung der drei katalanischen Volksvertretern bereits
ten 2,2 Millionen Bürger Kataloniens zur Immunität ist eine zutiefst beunruhigende Unterstützung zugesichert, die Südtiroler
Wahl. 90 Prozent der Menschen stimmten Sache. Wir Südtiroler wissen nur zu gut, Landesregierung schweigt hingegen eisern.
für die Gründung einer eigenen Repub- was mit den Menschen passiert, wenn man Gleich wortkarg ist auch der Südtiroler
lik. Der spanische Zentralstaat untersagte Spielball der Politik wird. Die Entscheidung Europaabgeordnete Herbert Dorfmann,
bereits im Vorhinein den Urnengang und des Europäischen Parlamentes zeigt ganz der sich über sein Abstimmungsverhalten
reagierte am Tag der Abstimmung mit klar, dass im Zentrum des Handelns nicht nicht äußern will. Böse Zungen werfen dem
massiver Polizeigewalt auf die friedlichen die Vertretung der Völker, sondern die der Volksvertreter einer Minderheit vor, er habe
Bürger. Eine Folge daraus war nicht etwa eigenen Interessen steht. Wir setzen uns sich dem Druck gebeugt und für die Aufhe-
die Verurteilung seitens der Europäischen seit Jahren in ganz Europa für die Freiheit bung der Immunität gestimmt. n
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10 Aus den LANDESTEILEN …


Bozen
von Mag. phil. Andreas Raffeiner

Die direkten und indirekten Folgen der „Feuernacht“


und die 19er-Kommission
Auf Anregung des italienischen Innenministers Mario Scelba setzte die Regierung in Rom nach der „Feuernacht“ im Juli 1961
eine Kommission ein, in der elf Italiener und acht Südtiroler saßen und die als 19er-Kommission in die jüngere Zeitgeschichte
einging. Sie sollte das Südtirolproblem eruieren, unter allen Aspekten einer Prüfung unterziehen und der Regierung akzepta-
ble und umsetzbare Lösungsvorschläge unterbreiten.

Der Handschlag nach der Paket-Abstimmung machte Geschichte. Auch in der Carabinieri-Kaserne in Neumarkt wurden
Quelle: SVP Südtiroler Häftlinge gefoltert. Quelle: A. Pertl/LPA

Zu unterstreichen ist, dass in diesem Gremium Österreich ins Mailänder Sprengstoffprozess


Abseits geschoben wurde und die Südtirolfrage nur noch inner- Im Dezember 1963 kam es in Mailand zum ersten Südtiroler Spreng-
italienisch einer Lösung zugeführt wurde. Demzufolge wurde stoffprozess gegen 94 Angeklagte. 87 kamen aus Südtirol, sechs aus
verhindert, dass sich die Südtiroler Volkspartei künftig auf eine Österreich und einer aus Deutschland. Nahezu 70 befanden sich zu
internationale Behandlung der Problematik berufen konnte. Die jener Zeit in Haft. Die Anklage lautete: 92 Anschläge auf Leitungs-
Chance, dass das Land zwischen dem Brennerpass und der Salurner masten, acht auf Wohnhäuser im Rohbau, Attentate auf militärische
Klause das verbriefte Recht auf Selbstbestimmung erlangen konnte, Institutionen. Zudem wurde eine Sammelklage wegen Mordes
erschien durch die Erfordernis von direkten Verhandlungen mit erhoben – der italienische, unglücklich agierende Straßenwärter
Italien immer unrealistischer. Rom konnte bei der Auseinanderset- Giovanni Postal war in Salurn beim Hantieren an einer Sprengla-
zung vor der UNO auf seine „Großzügigkeit“ verweisen und seinen dung ums Leben gekommen.
guten Willen hinsichtlich der Lösung der Südtirolfrage beweisen. Zum Schluss wurde noch eine Anklage wegen Hochverrats verhängt.
Die Südtiroler Politiker um Landeshauptmann Magnago konnten Mitte Juli 1964 wurden die mit Spannung erwarteten Urteile gefällt.
sich auf dem überstaatlichen Parkett nicht leisten, das von Rom Jeweils über 20 Jahre Haft erhielten vier nicht dingfest gemachte An-
dirigierte Wohlwollen zu verkennen. geklagte, acht Angeklagte wurden zwischen zehn und 20 Jahren Haft
verurteilt, 35 Beschuldigte wurden mit Freiheitsstrafen zwischen vier
Verhaftungen und zehn Jahren bedacht. 27 wurden freigesprochen oder amnes-
Parallel zur Einsetzung der 19er-Kommission kam es in Südtirol zu tiert, 22 blieben im Gefängnis. Ein gutes halbes Jahr später starb der
Verhaftungen. Ferner wurde das Land an Etsch, Eisack und Rienz in BAS-Anführer Sepp Kerschbaumer im Kerker von Verona im Alter
ein italienisches Heereslager verwandelt. Das Bild ähnelte einem im von nur 51 Jahren. 15.000 Menschen erwiesen ihm die letzte Ehre −
Raum stehenden Bürgerkrieg. Unzählige Gasthäuser und Beherber- und mit ihm ganz Tirol.
gungsstätten wurden direkt nach der Feuernacht beschlagnahmt,
um Polizei und Militär unterzubringen. Hausdurchsuchungen stan- „Paket“-Annahme im Jahr 1969
den auf der Tagesordnung, und nach einigen Tagen wurden mehr Noch im Dezember 1964 erzielten Bruno Kreisky und Giuseppe Sa-
als 150 BAS-Männer eingesperrt. Einigen gelang die Flucht; andere ragat eine grundsätzliche Einigung, nachdem die eingangs erwähnte
wiederum wurden in den Carabinieri-Kasernen im Land schwer 19er-Kommission im April desselben Jahres ihre Ergebnisse unter-
gefoltert. Der ermittelnde Staatsanwalt, der auch die Verhöre leitete, breitet hatte. Die Führung der Südtiroler Volkspartei lehnte die Ei-
wollte von den Misshandlungen in den Gefängniszellen überhaupt nigung der Außenminister Österreichs und Italiens jedoch ab. Nach
nichts wissen. Franz Höfler aus Lana und Anton Gostner aus St. weiteren Besprechungen und Nachbesserungen einigte man sich auf
Andrä bei Brixen mussten ihr junges Leben lassen. Eine von Südti- Bestimmungen, die im „Paket“ mündeten. Diese Gespräche wurden
roler Abgeordneten verlangte Untersuchungskommission wurde aus von Repräsentanten der ÖVP-Alleinregierung um Bundeskanzler
heute unerklärlichen Gründen nicht bewilligt. Josef Klaus, Landeshauptmann Silvius Magnago für die Südtiroler
Es gab keinen anderen Weg.

Aus den LANDESTEILEN … 11


Volkspartei und italienischen Regierungs-
vertretern, allen voran und maßgeblich Aldo
Moro, geführt.
Das „Paket“ wurde im November 1969 auf
einer außerordentlichen SVP-Landesver-
sammlung in Meran mit einer sehr knappen
Mehrheit angenommen. Auch der öster-
reichische Nationalrat und das italienische
Parlament genehmigten das Ganze, sodass
das Zweite, erheblich verbesserte Autono-
miestatut als Verfassungsgesetz in Kraft
treten konnte. In den Folgejahren wurden
immer mehr Punkte mittels einfacher Ge-
setzgebung umgesetzt. 1992 wurde der vor
den Vereinten Nationen schwelende Streit
zwischen Österreich und Italien, Südtirol
betreffend, formal beigelegt. n Sepp Kerschbaumer, der Kopf der Widerstandsgruppe BAS.

Bozen von Richard Andergassen

Der Günther-Obwegs-Preis
Schenk dein Geld
nicht dem Staat
Vor acht Jahren kam Günther Obwegs, Heimatforscher, Autor und
Ladinerreferent im Südtiroler Schützenbund, bei einem tragischen
Unfall ums Leben. Im Gedenken an seine Leistungen hat der
Südtiroler Schützenbund im Jahr 2014 den Günther-Obwegs-Preis
ins Leben gerufen. Er gilt als Anerkennung für wissenschaftliche
Arbeiten, die sich mit Fragen zur Zukunft Südtirols auseinander-
setzen. Der Preis wurde bereits dreimal vergeben. Insbesondere
wäre es dem Südtiroler Schützenbund ein Anliegen, wenn die
Auswirkungen einer Loslösung Südtirols von Italien behandelt
würden, wobei hierfür vom SSB eine Broschüre mit möglichen
Fragestellungen zur Verfügung gestellt wird. Es sind aber auch
Arbeiten zu anderen Themen willkommen. Die wissenschaftlichen
Arbeiten können in deutscher, italienischer oder englischer Sprache
verfasst sein. Der Günther-Obwegs-Preis besteht aus einer Urkunde
und einem Geldpreis in Höhe von bis zu EUR 5.000, -. Über die
Verleihung entscheidet die Bundesleitung des Südtiroler Schützen-
bundes aufgrund der Empfehlung einer Jury, die aus namhaften
Persönlichkeiten des wissenschaftlichen und öffentlichen Lebens
besteht. Die Jury wird zudem durch externe Gutachter unterstützt.
Die Teilnahmebedingungen sowie sämtliche Details können auf
der Webseite schuetzen.com/obwegspreis eingesehen werden. Der

5‰
Südtiroler Schützenbund freut sich auf zahlreiche Zusendungen, die
bis zum 31. Jänner 2022 eingereicht werden können. n

für den

94073650213

schuetzen.com/5-promille
N° 3 | Juni 2021

12 Aus den LANDESTEILEN …


Bozen
von Mag. phil. Andreas Raffeiner

Die Feuernacht
Interview mit Hubert Speckner (Militärhistoriker im österreichischen
Bundesheer / Kurator der BAS-Ausstellung
„Opfer für die Freiheit“).

Herr Speckner, warum kam es zur „Feuernacht“?


Die Ursache der Feuernacht am 11./12. Juni 1961 liegt in
den faschistischen Maßnahmen zur „Majorisierung“ und
„Italianisierung“ Südtirols ab 1922, teilweise aber auch schon in
Maßnahmen des „Siegers“ Italien nach der Annexion Südtirols nach
Kriegsende. Dazu kam die „Option“, die neuerlichen Maßnahmen
zur „Majorisierung“ nach dem Zweiten Weltkrieg, die neuerliche
Verweigerung der Selbstbestimmung und selbst einer Volksab-
stimmung. Die Südtiroler Aktivisten des Befreiungsausschusses
Südtirol hatten oft noch die Hilflosigkeit und die „Sprachlosigkeit“
in den italienischen Schulen unter den rein italienischsprachigen
faschistischen Lehrern erlebt. Dann erlebte die Bevölkerung, wie
die versprochene Autonomie durch das „Pariser Abkommen“
bzw. „Gruber-De Gasperi-Abkommen“ nicht umgesetzt wurde,
dies alles unter dem drohenden Zeichen der starken italienischen
Zuwanderung mit den gleichzeitigen wirtschaftlichen Folgen für die
Südtiroler. Es gab kaum Wohnmöglichkeit, da die zahlreichen neu Hat dieses Datum schlagartig die
errichteten sozialen Wohnbauten, die Ina-Casa-Wohnungen, fast österreichisch-italienischen Beziehungen verbessert?
ausschließlich an Italiener vergeben wurden und die neu geschaf- Die italienisch-österreichischen außenpolitischen Beziehungen
fenen Arbeitsplätze in der Industriezone ebenfalls größtenteils an verschlechterten sich nach dem Gruber-De Gasperi-Abkommen
Italiener vergeben wurden. Und wieder erlebte die Bevölkerung die ständig, da Italien alle Versprechungen einer Autonomie ver-
Hilf- und Sprachlosigkeit gegenüber den ausschließlich italienisch- schleppte oder überhaupt verweigerte, die völkerrechtliche Rele-
sprachigen Carabinieri, der Polizei und praktisch des gesamten vanz des Abkommens mit der Schutzmachtfunktion Österreichs
italienischen Verwaltungsapparates bis hin zu den Briefträgern, da für die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung Südtirols
in den 1950er Jahren Südtiroler Briefträger entlassen und durch negierte und stattdessen Südtirol als „inneritalienische Angelegen-
Italiener ersetzt wurden. Der direkte Anlass für die Feuernacht, die heit“ und das Gruber-De Gasperi-Abkommen als ohnehin bereits
Erkenntnis der BAS-Führung, jetzt etwas tun zu müssen, lag sicher erfüllt betrachtete. Österreich war als besetztem Staat bis zum
auch in dem von der zeithistorischen Forschung oft unbeachteten Staatsvertrag 1955 außenpolitisch die Hände gebunden, was Italien
neuen italienischen Staatsbürgerschaftsgesetz vom Frühjahr 1961, als „Siegermacht“ auszunutzen wusste. Italien war ja auch Grün-
das von der DC mit Unterstützung der Neofaschisten durchgebracht dungsmitglied der NATO und betonte außenpolitisch ständig seine
wurde. Mit dieser Novelle hätte Italien per Verwaltungsakt, also „Bündnistreue“ entgegen dem „neutralen“ Österreich. Durch den
ohne Gerichtsentscheid, missliebigen Südtirolern die Staatsbürger- Staatsvertrag änderte sich Österreichs außenpolitischer Handlungs-
schaft entziehen können und sie damit zu „Staatenlosen“ gemacht. spielraum aber beträchtlich, was unter Außenminister Dr. Bruno
Der Text dieses neuen Staatsbürgerschaftsgesetzes war mit ziemli- Kreisky dann auch 1959 zur Erwähnung der Südtirol-Frage vor der
cher Deutlichkeit auf die Optanten ausgelegt und hätte somit einen UNO-Generalversammlung und 1960 und 1961 zur Vorbringung
Großteil der Bevölkerung betroffen. Obwohl das neue Staatsbür- dieser Problematik mit zwei UNO-Resolutionen führte. Darüber
gerschaftsgesetz bereits beide Kammern des Parlaments passiert entstand in Italien eine unglaubliche Aufregung, da Südtirol nach
hatte und lediglich die Unterschrift des Staatspräsidenten gefehlt wie vor als „inneritalienische Angelegenheit“ betrachtet wurde und
hat, wurde es letztlich – glücklicherweise – nicht umgesetzt. Nicht letztlich bis heute betrachtet wird, wie sich ja auch wieder bei der
zuletzt soll das internationale Interesse, das nach der Feuernacht zur Problematik um die österreichische Doppelstaatsbürgerschaft für
Südtirol-Problematik bestand, dafür verantwortlich gewesen sein. In Südtiroler zeigte. Italien setzte Österreich sowohl vor wie auch nach
diesem Fall hätte die Feuernacht eine direkte Wirkung gehabt. der Feuernacht außenpolitisch stark unter Druck und verstärkte
diesen Druck beständig bis zum Höhepunkt, dem italienischen
Gab es auch andere Möglichkeiten, sich gegen die italienische Veto gegen Österreichs EWG-Verhandlungen nach dem Vorfall auf
Unterdrückungspolitik zur Wehr zu setzen? der Porzescharte am 25. Juni 1967.
Andere Möglichkeiten, politische Aktivitäten der Südtiroler Poli-
tiker wie auch „ziviler Widerstand“ der Bevölkerung und des BAS Nach der „Feuernacht“ wurde Südtirol in ein italienisches Heerlager
wie die zahlreichen Flugzettel, Protestaktionen wie vor allem die verwandelt. Kann man die Reaktion Roms mit dem Wissen
Kundgebung auf Schloss Sigmundskron im November 1957 hatten von heute nachvollziehen?
wenig gefruchtet oder führten zu noch schärferen Unterdrückungs- Man muss die Reaktion Roms bei genauerer Akteneinsicht in die
maßnahmen. Man darf auch nicht vergessen, dass damals weltweit umfangreichen außenpolitischen Akten zu Südtirol – die freilich
einige Befreiungsaktionen Erfolg hatten und daher vielleicht als nur in Österreich uneingeschränkt zugänglich sind – etwas anders
Vorbild dienten. sehen als bisher in der zeithistorischen Forschung üblich: Italien
war offenbar keinesfalls von der Feuernacht völlig überrascht, son-
N° 3 | Juni 2021

Aus den LANDESTEILEN … 13


dern hatte bereits Jahre davor alle sicherheitsdienstlichen Kräfte in wieder „beeindruckt“ bin, mit welcher Gutgläubigkeit oder auch
Südtirol verstärkt, wie den Akten der österreichischen Staatspolizei Leichtfertigkeit viele Historiker und Politologen die offizielle
zu entnehmen ist. Es war Rom natürlich klar, dass sich in Südtirol italienische Darstellung zu vielen Vorfällen im Zuge des Südtirol-
etwas „zusammenbraute“, worüber Teile der italienischen Politik Konfliktes, also der sogenannten „Bombenjahre“, zur Kenntnis
allerdings absolut nicht unglücklich waren. Man kann daher davon nehmen und diese in ihren Arbeiten verwenden. Ein genauerer
ausgehen, dass Italien nachrichtendienstlich von der Feuernacht Blick in die sicherheitsdienstlichen Akten Österreichs – jene Italiens
Bescheid wusste. Der Südtiroler BAS war bereits vor der Feuernacht sind ja nach wie vor nicht gerade leicht einzusehen und unterliegen
von italienischen Agenten durchsetzt und unterwandert, wovon ja in vielen Fällen noch immer einer Archivsperre bzw. dem „segreto
letztlich auch die überaus raschen Verhaftungen bereits Stunden di stato“ – würde aber oft ein ganz anderes Bild von vielen Vorfällen
nach der Feuernacht zeugen. Natürlich spielten auch die Folterun- bieten. Italien spricht offiziell von 15 Opfern der Bombenjahre in
gen von inhaftierten BAS-Aktivisten und deren „Geständnisse“ Südtirol, die allesamt natürlich „Opfer des Terrorismus“ sind. Das
dabei eine Rolle, aber die überaus raschen ersten Verhaftungen sind diese natürlich oft auch wirklich, die Frage ist aber häufig,
ergeben ein ziemlich klares Bild. Somit kann man wahrscheinlich von welcher Seite dieser „Terrorismus“ ausging! Italien erwähnt
sogar davon ausgehen, dass Teile der italienischen Politik und der bemerkenswerterweise bis heute die Südtiroler Opfer der Bom-
Sicherheitskräfte die Feuernacht bewusst in Kauf nahmen, bot sich benjahre nicht. In unseren Forschungen für das „Haus der Tiroler
dadurch ja die „Berechtigung“ für die folgenden – aus heutiger Geschichte“ bzw. die Ausstellung „BAS – Opfer für die Freiheit“ in
Sicht unglaublichen – sicherheitsdienstlichen Maßnahmen bis hin Bozen gehen wir inzwischen von über 40 Opfern der Bombenjahre
zu den zahlreichen schweren Menschenrechtsverletzungen, den Fol- aus. Das sind Opfer unter den Südtirolern, Italienern und Österrei-
terungen und gezielten Ermordungen von Südtirolern. Zudem darf chern, die nicht immer durch Gewalt ihr Leben verloren. Aufgrund
man die zeitgleiche Entstehung des „Gladio-Geheimnetzes“ und der meiner Forschungsarbeit kann ich dezidiert sagen, dass von den
späteren „Strategie der Spannung“ in Italien mit zahlreichen Toten von Italien offiziell erwähnten 15 Opfern jedenfalls acht keinesfalls
nicht außer Acht lassen. Teile der italienischen Regierungen, hier Opfer der Aktivisten des BAS sein können, alle anderen Fälle sind
ist vor allem Ministerpräsident und Außenminister Aldo Moro zu nach wie vor ungeklärt. Und das soll keine „Entschuldigung“ oder
nennen, waren zweifellos gegen derartige Maßnahmen, andere Teile „Verteidigung“ der BAS-Aktivisten sein, sondern das Ergebnis einer
forcierten diese Maßnahmen durchaus bewusst, wie der Minister- intensiven Forschungsarbeit anhand der vorliegenden sicherheits-
präsident und Innenminister Mario Scelba. Ein ziemlich klares Bild dienstlichen Akten in Österreich! Da Italien auf Vorfälle jeder Art
von der Meinung weiter Teile der italienischen Politik erhält man, umgehend mit diplomatischem Druck auf Österreich reagierte –
wenn man sich die Reden der italienischen Delegationsmitglieder wir sprechen dabei vom so genannten „Notenkrieg“ zwischen Itali-
bei den UNO-Generalversammlungen 1960 und 1961 anschaut. en und Österreich – wurden naturgemäß durch die österreichischen
Dort fallen aus heutiger Sicht unglaubliche Aussagen! (Worüber Sicherheitsbehörden Ermittlungen angestellt, deren Ergebnisse
gerade eine Publikation von mir entsteht.) vorliegen. Beachtenswerterweise erfolgten viele der diplomatischen
Reaktionen Italiens bereits vor dem Vorliegen von sicherheits-
Was hat Außenminister Bruno Kreisky gewusst? dienstlichen Untersuchungen, womit die außenpolitische Intention
Dazu gibt es verschiedene Aussagen. Von den berühmten „paar Mas- der italienischen Maßnahmen überaus deutlich wird. Dazu sei ein
ten, auf die es ihm nicht ankommt“ bis hin zu Kreiskys ablehnender Beispiel genannt: Am 23. Mai 1966 verlor der Soldat der Guardia di
Haltung zu Sprengstoffanschlägen. Ich habe mich selbst mit dieser Finanza Bruno Bolognesi sein Leben, da eine Sprengladung von 50
Frage anhand der Archivbestände vor allem in der „Stiftung Bruno kg Dynamit im Pfitscherjochhaus beim Öffnen der Eingangstüre
Kreisky Archiv“ noch nicht befasst, somit äußere ich mich dazu nicht explodiert sein soll. Die vorliegenden Tatortfotos des Kommandos
weiter, gehe aber schon davon aus, dass Kreisky „etwas wusste“. der Guardia di Finanza in Bozen zeigen aber mit absoluter Gewiss-
heit, dass Bolognesi kein Opfer einer derartigen Explosion gewesen
Die österreichischen sicherheitsdienstlichen Akten bieten einen sein kann, sondern höchstwahrscheinlich einer explodierenden
anderen Zugang zur Materie als weithin verbreitet. Gasflasche in der Küche des Pfitscherjochhauses zum Opfer fiel.
Möchten Sie uns darüber berichten? Trotzdem stellte Italien an Österreich einen Auslieferungsantrag für
Ich bin auf diese Frage in Bezug auf die Feuernacht ja schon vorher die vier „Pusterer“. Am 29. März 2010 verlieh der damalige Staats-
eingegangen. Ich möchte dazu aber bemerken, dass ich immer präsident Giorgio Napolitano dem Finanzer per Dekret den Status
eines „Opfers des Terrorismus“ (“Vittima del terrorismo”), was die-
ser wohl auch wirklich war, aber nicht eines „Terrors“ des BAS! Am
Welche Rolle haben in den 1960er-Jahren die Sicherheitskräfte und 5. März 2013 erhielt Bruno Bolognesi ebenfalls durch Napolitano
Geheimdienste in Südtirol gespielt? Müsste man gar Geschichte posthum die „Goldene Medaille für zivile Verdienste“ (“Medaglia
neu schreiben, wenn Italien alle Archive öffnen würde?
N° 3 | Juni 2021

14 Aus den LANDESTEILEN …

d’Oro al Merito Civile”). Die Begründung dieser Verleihung bietet diese ideologisch „fundierten“ Historiker und Politologen zu einer
ein bezeichnendes Bild der offiziellen italienischen Sichtweise, wie gewissen Verharmlosung der geheimdienstlichen Aktivitäten im
sie auf der Homepage des Museums der Guardia di Finanza in Rom Zusammenhang mit den Bombenjahren. Niemand schreibt alle
(museostorico.gdf.it) zu lesen ist: “Impegnato nel controllo del damaligen Vorgänge dem italienischen oder mehreren Geheim-
territorio al fine di contrastare l’evasione fiscale, non si sottraeva diensten zu. Deren steigende „Bedeutung“ spätestens ab 1964 mit
all’attività di repressione degli atti di terrorismo compiuti contro dem Mordanschlag auf Luis Amplatz und Jörg Klotz und vor allem
l’Italia negli anni 1950/1970. In una di queste circostanze veniva beim Vorfall auf der Porzescharte im Juni 1967 als „Verschwörungs-
barbaramente trucidato in una vile e proditoria azione terroristica, theorie“ abzutun, grenzt irgendwie an Naivität – vor allem mit Blick
sacrificando la vita ai più nobili ideali di legalità ed amor patrio”. auf die Folgejahre der „Strategie der Spannung“ in Italien.

(„Engagiert bei der Kontrolle des Territoriums zur Bekämpfung der Sie sind Kurator der BAS-Ausstellung „Opfer für die Freiheit“.
Steuerhinterziehung, wich er nicht von der Aktivität der Repression Was erleben Sie da, wie ist es um das Wissen der jüngeren
von Terrorakten zurück, die gegen Italien in den Jahren 1950/1970 Museumsbesucher bestellt?
begangen wurden. In einem dieser Fälle wurde er in einer feigen Mit dem Wissen der jüngeren Museumsbesucher um die Bomben-
und ungeheuerlichen terroristischen Aktion barbarisch abge- jahre schaut es oft recht schlecht aus, ausgenommen Angehörige
schlachtet, wobei er sein Leben den edelsten Idealen der Legalität ehemaliger BAS-Aktivisten und Schützen. Besucher aus Deutsch-
und des Patriotismus opferte.“) land und auch Österreich haben von den damaligen Ereignissen
Umgekehrt verweigerte gerade Napolitano die immer wieder bean- häufig kaum Kenntnisse und italienische Besucher zumeist fast gar
tragte Begnadigung der letzten noch verurteilten ehemaligen BAS- keine, was mich – siehe meine vorigen Ausführungen – hingegen
Aktivisten. Im Fall des Pfitscherjochhauses wurden die „Pusterer kaum verwundert.
Buibm“ von Italien des Anschlages durch die Verminung der Hütte
beschuldigt, was sich wohl auch in ihrem Urteil in zweiter Instanz Weshalb sind die Zeitzeugen oftmals die besseren Zeithistoriker?
in Bologna 1969 – jeweils zweimal lebenslänglich, neun Jahre und Das würde ich so nicht sagen. Zeitzeugen und Zeithistoriker müs-
vier Monate – äußerte. sen sich gegenseitig zuarbeiten. Für mich sind Zeitzeugen die unbe-
dingt notwendige Ergänzung zu den Archivalien bzw. umgekehrt.
Aus welchem Grund wird der Südtiroler Freiheitskampf der Beide Quellen sind für eine relevante zeithistorische Forschung
1950er- und 1960er-Jahre von manchen Geschichtswissenschaftlern unabdingbar. Unser Problem besteht allerdings naturgemäß darin,
oftmals geschmäht? dass die Akten oft erst dann frei einsehbar sind, wenn die betreffen-
In vielen Fällen aus den bereits vorher erwähnten Gründen. den Zeitzeugen leider nicht mehr oder eingeschränkt zur Verfü-
Manche „Kollegen“ machten sich offenbar nicht die Mühe, eine gung stehen. Das ist leider oft eine Gratwanderung. Natürlich sehen
intensive Archivalienarbeit, eine Begehung der „Tatorte“ und un- Zeitzeugen genauso wie die Zeithistoriker viele Dinge im Lauf
voreingenommene Gespräche mit den noch lebenden Zeitzeugen der Zeit etwas anders, bedingt durch die inzwischen gemachten
zu machen. Ich bin mir sicher, dass viele Historiker und Politolo- Erfahrungen. Allerdings muss man den Zeitzeugen vorerst einmal
gen in Südtirol wie Österreich noch nie selbst am Pfitscherjoch, zuhören, ohne ein „interpretatives Muster“ bei einem Gespräch
auf der Landshuter Hütte oder der Porzescharte waren. Offenbar anzulegen, wie leider des Öfteren von manchen Kollegen gefordert
ist mein Zugang als Zeithistoriker im Dienst des österreichischen wird. Wenn ich jetzt natürlich – überspitzt ausgedrückt – Siegfried
Bundesheeres mit einer entsprechenden militärischen Ausbildung Steger anrufe und ihm erkläre, er müsse mir jetzt als „Terrorist“ alle
daher ein gänzlich anderer. Für mich zählt halt der praktische seine Schandtaten „beichten“, wird die Informationsquelle mögli-
„Blick ins Gelände“ und ein genaues Studium der Akten mehr cherweise etwas „eingeschränkt“ sein. Wenn ich allerdings – was
als ein „erkenntnistheoretischer Zugang“ mit einer vorgeprägten natürlich schon geschehen ist – mit Siegfried Steger auf der Klotz-
„Theorie“, die leider oft genug auf einer „Ideologie“ beruht. Oft hütte nahe Innsbruck sitze, komme ich an beträchtlich mehr
wird die offizielle Darstellung Italiens unkritisch übernommen, und relevantere Informationen. Aber dazu braucht es halt
zumal diese bereits seit 1945 eine bemerkenswerte – aber letztlich auch vor allem gegenseitiges Vertrauen, jedenfalls mehr
wirksame – Grundtendenz aufweist: Die Südtiroler an sich, später als irgendeine „Theorie“ oder eine „Ideologie“! n
dann natürlich die BAS-Aktivisten, werden in Bausch und Bogen
als „Rechtsextremisten“, „Pangermanisten“ und „Neonazisten“ ver-
dammt, bevorzugt übrigens von den in Italien ja nach wie vor nicht
ganz unbedeutenden „Neofaschisten“. Dazu reicht ein Blick in die
italienische Berichterstattung über die Südtiroler Bombenjahre.
Aber auch in Südtirol und in Österreich wird zuvorderst ideolo-
gisch beurteilt. Offenbar ohne einen Blick in die eigentlich einseh-
baren Gerichtsurteile und die Aktenstücke der österreichischen
Staatspolizei zu werfen, werden die BAS-Aktivisten der weiteren
Perioden der Südtiroler Bombenjahre in ein rechtsextremistisches
und „Burschenschafter“-Milieu gestellt und diesem Milieu die
„Vorherrschaft“ im BAS zugesprochen, was bei einer genaueren
Aktenanalyse aber etwas anders aussieht. Natürlich waren Bur-
schenschafter und Rechtsextremisten an vielen Vorfällen der Süd-
tiroler Bombenjahre wesentlich beteiligt, gemäß den vorliegenden
Archivalien allerdings nicht in dem ihnen zugewiesenen Ausmaß!
Ideologie zählt halt oft mehr als Fakten. Umgekehrt neigen gerade
N° 3 | Juni 2021

Aus den LANDESTEILEN … 15


Innsbruck von Heinz Wieser

Ostergespräch mit Bischof MMag. Hermann Glettler


Diözesanbischof MMag. Hermann Glettler
liegt als Referatsbischof für Ehe und Familie
in der Österreichischen Bischofskonferenz
das Wohl unserer Bevölkerung sehr am
Herzen. Er selbst entstammt einer Bauern-
familie und kennt den Wert unserer Familie
als Zelle des Staates, aber auch für unsere
Gesellschaft. Mit dem Josefitag am 19.
März begann das „Jahr der Familie“. Dazu
führt Bischof Glettler aus: „Wie unersetzbar
wertvoll Familien sind, ist vielen in der
Corona-Krise wieder bewusst geworden.
Mit Homeschooling, Homeoffice, Pflege
von erkrankten Angehörigen und vielem
mehr haben Familien in letzter Zeit enorm
viel geleistet. Einige haben sich durch das
überraschende Plus an Zeit füreinander neu Diözesanbischof MMag Hermann Glettler vor seiner Bischofskirche, dem Dom zu St. Jakob
gefunden. In anderen Familien, gerade bei in Innsbruck, umgeben von Baustellen anlässlich der Altstadtsanierungsarbeiten.
beengtem Wohnraum, hat das Aufeinander- (Foto von Dr. Heinz Wieser)
kleben das Gegenteil bewirkt. In jedem
Fall sind Familien Auffangbecken für alles, eine noch größere Dramatik hineinreden. worden, die wir leider nicht mehr schließen
was Kinder und Erwachsene an Lasten zu Mit Sicherheit braucht es etwas von dem können. Als Kirche werden wir die Beihilfe
tragen haben. Durch das „Jahr der Familie“, Geist, der uns genau vor einem Jahr ausge- zur Selbsttötung nie gutheißen können.
das anlässlich des 5-jährigen Jubiläums des zeichnet hat: vom Geist der Aufmerksam- Die mögliche Unterbringung von Familie
nachsynodalen Schreibens „Amoris laetitia“ keit und der Wertschätzung füreinander. aus dem Flüchtlingslager in Lesbos hängt
von Papst Franziskus ausgerufen wurde, Die überreizte Suche nach Schuldigen ist einzig und allein von unserer Bundes-
soll ein herzhaftes Lobbying für Familien in nicht klug – bei allem Verständnis für Frust regierung ab. Bei diesem Thema, so der
unserer Gesellschaft verstärkt werden. Sie und Müdigkeit. Wir können uns in der Bischof, geht es nicht um eine grundsätz-
sind die notwendigen Start-Ups, Lernorte immer noch angespannten Situation keine liche Flüchtlingsdebatte, sondern um eine
für den sozialen Zusammenhalt und Selbst- Polarisierung der Gesellschaft leisten.“ humanitäre Nothilfe, die wir eigentlich
verantwortung. Weil Gott selbst in einer Fa- Zum Thema Schöpfungsverantwortung, bei niemandem verweigern dürfen. Fast die
milie Menschen geworden ist, hat alles, was dem es leider eine gefährliche Atempause Hälfte der 7500 Menschen im Flücht-
Familien betrifft, auch mit Gott zu tun.“ gibt, sagte Bischof Glettler, dass wir bei aller lingslager von Lesbos, das der Bischof vor
Sodann ermutigte der Bischof die Familien, Aufgeregtheit um das Corona-Thema nicht Weihnachten besuchte, haben schon einen
ihren Weg trotz aller Schwierigkeiten mit vergessen dürfen, dass unserem Planeten positiven Asylbescheid erhalten. Sie müssen
Zuversicht zu gehen. Familien, wie auch Erde keine Atempause gegönnt wird. Die früher oder später in Europa fair verteilt
immer die konkreten Konstellationen und Klimaerwärmung schreitet rapide voran. und aufgenommen werden. Sie jetzt im
Patchwork-Situationen ausschauen, sind die Dagegen wird es keine Impfung geben. Wir Elend festzuhalten, ist eine unverantwort-
Frischzellen unserer Gesellschaft. Im eben brauchen noch weit mehr ökologisches Be- bare Abschreckungspolitik. Die Irak-Reise
erst begonnenen „Jahr der Familie“, das bis wusstsein und viel Mut für effektive Schritte von Papst Franziskus bezeichnete Glettler
zum internationalen Familientreffen im in der Veränderung unseres Lebensstils. Da als eine hochriskante Friedensmission. Sie
Juni 2022 in Rom dauern wird, gibt es ein hilft nichts anderes. Das Wohlstandsniveau, hat ein Tor der Hoffnung für den Nahen
großes Angebot für Familien. Dazu Glettler auf dem wir uns bewegen, wird durch den und Mittleren Osten weit aufgerissen und
wörtlich: „Bitte unbedingt jetzt schon die damit verbundenen Raubbau an Ressour- ist ohne Übertreibung ein weltgeschichtli-
Website www.jahrderfamilie.at anklicken cen, Klimabelastung und Produktion von ches Ereignis. Beeindruckt hat den Bischof
und hineinschnuppern. Es ist die österrei- Müll die uns anvertraute Schöpfung immer die Sanftmut und Klarheit unseres Papstes
chische Plattform für alle Familienangebote weiter belasten. Es scheint, so Bischof inmitten einer politisch angespannten und
der Diözesen, des Katholischen Familien- Hermann, dass schon viele im aktuellen durch den islamistischen Terror grausam
verbandes und der geistlichen Gemein- „Petrus-Canisius-Jahr“ Feuer gefangen verwundeten Region.
schaften.“ haben. „500 Herzfeuer des Glaubens und Schließlich wünschte der Bischof allen
Wir befinden uns im ermüdenden zweiten der Nächstenliebe zu entzünden, ist nach Landsleuten nördlich und südlich des Bren-
Jahr der Pandemie. In der Bevölkerung sind wie vor ein ehrgeiziges Ziel, aber es schaut ners ein schönes, entlastendes Osterfest:
viel Empörungsbereitschaft und Nervosität. so aus, dass wir es schaffen könnten.“ „Die Freude darüber, dass Jesus aufer-
Bei einigen sind die Batterien der Geduld Der Bischof wünscht sich viele Gesprächs- standen ist und uns allen seine Hand zum
leer. In diesem Zusammenhang bat Bischof foren zum Thema „In Würde leben, in Aufstehen und Neubeginnen reicht, soll
Hermann, dass wir die sozialen, wirtschaft- Würde sterben“. Deshalb ist auch mit der uns ermutigen. Bei Gott haben wir eine de-
lichen und vor allem psychischen Belastun- Entscheidung des VfGH-Urteil tatsächlich finitive Zukunft, die uns nicht genommen
gen ernst nehmen, aber uns auch nicht in eine ganz gefährliche Tür aufgestoßen werden kann.“ n
N° 3 | Juni 2021

16 Aus den LANDESTEILEN …


Kramsach von Martin Reiter

Museumsfriedhof Tirol wird erweitert


Einzigartiges Freilichtmuseum mit 365 Tage freiem Eintritt
Der Museumsfriedhof Tirol in Kramsach ist inzwischen weit über
die Grenzen hinaus bekannt und mit seinen historischen und ku-
riosen Grabkreuzen, den Weltfriedensglocken, dem Weltfriedens-
kreuz sowie dem derzeit weltweit monumentalsten und modernsten
Totentanzzyklus Anziehungspunkt für jährlich bis zu 200.000 Gäste
aus dem In- und Ausland.
Derzeit erarbeitet der Vereinsvorstand in Person von Obmann
Kommerzialrat Hans Guggenberger und seinem Stellvertreter Mar-
tin Reiter ein Konzept für die Erweiterung sowie Neugestaltung des
Freilichtmuseums. Das Modell dazu fertigte Leopold Oberländer
aus Kramsach an. Hans Guggenberger: „Unser Ziel ist es, den Men-
schen etwas weltweit Einzigartiges zu bieten, und das 365 Tage im
Jahr bei freiem Eintritt. Unzählige Medienberichte zeigen jedes Jahr,
dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Sogar Szenen für Kino- und
Fernsehfilme werden immer wieder im Museumsfriedhof gedreht. Hans Guggenberger (links) und Martin Reiter mit dem Modell
Im Museumsdepot befinden sich inzwischen rund 1.000 Grabkreu- vom zukünftigen Museumsfriedhof Tirol in Kramsach.
ze (!) aus dem Alpenraum, die vor dem Vergessen und Einschmel- (Foto: Museumsfriedhof Tirol)
zen gerettet sowie im Tiroler Kunstkataster erfasst wurden. Die
ältesten sind 500 Jahre alt. Nun wird das Freilichtmuseum erweitert Ziel, bis zu diesem Datum die Erweiterung abgeschlossen zu haben.
und neu gestaltet. Mittelpunkt soll eine kleine Kapelle werden, Einen besseren Rahmen für die Neueröffnung kann man sich ja
innerhalb des historischen Arkadenhofs wird man auf Wegen nicht vorstellen.“
kuriose Grabsprüche entdecken können, und den Abschluss bietet Der Museumsfriedhof Tirol in Kramsach/Hagau ist 365 Tage im
der monumentale Totentanz von Markus Thurner, der 2022 noch Jahr bei freiem Eintritt geöffnet. Dieses Gratisangebot ist nicht nur
einmal erweitert werden soll. Martin Reiter: „Es ist eine besondere ungewöhnlich in der Museenlandschaft, sondern ungewöhnlich
Auszeichnung, dass die Europäische Totentanzvereinigung ihre sind auch die Ausstellungsobjekte auf dem Gelände.
Jahrestagung 2022 in Kramsach ausrichten wird. Daher ist es unser Infos: www.museumsfriedhof.info n

Amras von Werner Erhart

Die „Sonnenburger Tracht“


Im Jahr 2000 hat Prof. Dr. Franz-Heinz Hye im „Amraser Boten“ die im Besitz des Innsbrucker Stadtarchivs befindliche,
unkolorierte Lithographie „Bei Innsbruck“ mit einem Trachtenpaar, im Hintergrund das Schloss Ambras, beschrieben.
Darin ließ er den Leser in der Meinung, dass das „die“ Amraser Tracht sei, welche einst hier getragen worden sei.

Ende Dezember 2011 konnte die Schützenkompanie Amras eine Tracht der Vorlage des berühmten Sohnes ihres Ortes bediente und
handkolorierte Original-Lithografie dieses Trachtenpaares erwer- diese bereits 1922 eingeführt hatte. Die Darstellung muss damals
ben. Der Trachtenrock wies noch dazu das Braun der Amraser auch in Amras bekannt gewesen sein, denn im Jahr 1929 wurden
Tracht auf. Ein Grund, sich näher damit zu befassen. sowohl die Schützenkompanie als auch die Musikkapelle von Am-
Das Bild stammt von Peter Paul Kirchebner, der am 29. Juni 1812 ras nach diesem Muster mit einer neuen Volkstracht eingekleidet; in
in eine traditionelle Axamer Künstlerfamilie hineingeboren wurde. allen Berichten war dabei von der Einführung der „Sonnenburger
Ein Ausnahmetalent, ein „Wunderkind“, das schon mit 13 Jahren Tracht“ die Rede.
Ölbilder kopierte und zu einem der bekanntesten Biedermeierma- Die Sonnenburg, die einst am Eingang der Sillschlucht, südlich der
ler Tirols wurde. Er verstarb bereits im Jahr 1846 im Alter von 34 Bergiselkuppe stand – der Burghügel samt Ruine wurde im Zuge
Jahren und hinterließ ein beachtliches Lebenswerk. Die Lithogra- des Baues der Brennerautobahn abgetragen – war im 13. und 14.
phie wurde von Josef Schöpf, der von 1834 bis 1855 in Innsbruck Jahrhundert der erste Sitz des gleichnamigen Landgerichtes. Es
tätig war, gedruckt. Der Steindruck ist eine sehr mühsame Methode, hatte in späteren Jahrhunderten mehrere Standorte, wobei sich der
welche großer Kunstfertigkeit bedarf. Durch die Verwendung von letzte bei der Auflösung dieser Einrichtung in Wilten befand. Inner-
Steinplatten als Druckmedium sind nur geringe Auflagen möglich. halb des Sonnenburger Landgerichtes bestanden bis 1805 mehrere
Der bekannte Kunsthistoriker Dr. Carl Kraus hat die Echtheit der Niedergerichte (Gericht Axams mit den Gemeinden Birgitz, Axams,
Lithografie bestätigt und das Jahr der Entstehung mit etwa 1835 Grinzens, Rothenbrunn und Gries im Sellrain, Hofgericht Stubai
datiert. Erst später erfuhr der Verfasser dieser Zeilen, dass sich ein mit allen Stubaier Gemeinden, Propsteigericht Ambras mit Amras/
gleiches, handkoloriertes Original, allerdings mit grünem Schützen- Pradl, Aldrans und Ellbögen, Stadtgericht Innsbruck, Hofgericht
rock, in Privatbesitz in Axams befindet. Daher war es verständlich, Wilten mit Wilten und St. Sigmund im Sellrain). Im Jahr 1848 um-
dass sich die Schützenkompanie Axams, bei der von ihr gewählten fasste das Landgericht Sonnenburg 20 Gemeinden: Wilten, Hötting,
N° 3 | Juni 2021

Aus den LANDESTEILEN … 17


Amras, Aldrans, Lans, Sistrans, Patsch, zur Verteidigung der ungeschützten Süd- − eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges −
Igls, Vill, Mutters, Natters, Völs, Kematen, front. Zurück zur Entwicklung der Tracht ist, wie wir heute wissen, hinsichtlich der
Götzens, Birgitz, Axams, Grinzens, Sellrain, am Beispiel der Schützenkompanie Amras: dargestellten Trachten eine romantische
Gries, St. Sigmund. Im Rahmen der begin- Die Kompanie wurde zum groß aufgezo- Phantasie. Erst nach dem 1. Weltkrieg
nenden Reform des Rechtswesens und der genen, 100-jährigen Gedenken an die 3. fingen die meisten Kompanien an, sich mit
Einführung der allgemeinen Wehrpflicht Bergiselschlacht 1909, bei dem auch der oft bunten „Volkstrachten“ auszustatten,
wurden die Landgerichte 1849, nach der Kaiser zugegen war, mit einer – wie es in wobei versucht wurde, Vorbilder in den
neuen Justiz-Organisationsverordnung für den Aufzeichnungen heißt – „einheitlichen“, vorhandenen Taltrachten zu finden. Am
Tirol und Vorarlberg, und die Niedergerich- uniformähnlichen Montur samt einheitli- Beispiel der Trachten sehen wir, dass auch
te schon 1805 von der bayrischen Besatzung chen Gewehren ausgerüstet, was impliziert, die Tradition Wandlungen unterworfen ist.
abgeschafft und letztere, nach der Rückkehr dass die Ausrüstung vorher eben nicht Unsere heutigen Tiroler Schützen, gleich
zum Haus Österreich, auch nicht mehr ak- einheitlich war. Überhaupt zeigte damals welchen Standes, tragen gerne ihre Tracht
tiviert. Diese Gerichte waren, neben vielen die − überwiegend bäuerliche − Bevölke- und fühlen sich in der Ausübung ihrer
anderen Aufgaben, auch mit der Organisa- rung am Trachtentragen wenig Interesse. Traditionen wohl. Sie vermitteln ihnen
tion der Landesverteidigung befasst. Daher Die Tracht war Ende des 19. Jahrhunderts ein Heimatgefühl, das Gefühl, Teil einer
waren die Gerichte maßgeblich für den eher eine Sache der Städter. Die vielen Gemeinschaft zu sein, was jeder Mensch,
Bestand der Aufgebotsmannschaften und netten Darstellungen von Volkstrachten aus egal in welcher Form, zum Leben braucht.
damit der alten Schützenkompanien. Die der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind Dazu pflegen wir unsere in den Statuten
Schützenkompanien mit den Schießständen fast immer idealisierte Bilder aus der (an- festgelegten Ideale und die im Jahr 2017
hat es nach der Umorganisation selbstver- geblich) heilen Zeit des Biedermeier. Auch neu formulierten Grundsätze, welche die
ständlich weitergegeben und fanden ihre das prächtige, Ende des 19. Jahrhunderts Schützen zu einer modernen, weltoffenen
weitere Verwendung in der Landesvertei- fertig gestellte Riesenrundgemälde von der Gemeinschaft machen. n
digung; zuletzt beim unseligen 1. Weltkrieg Schlacht am 13. August 1809 am Bergisel

Innsbruck von Heinz Wieser

Festliche Verabschiedung von Propst i.R. Prälat Gotthard Egger


Coronabedingt konnte erst jetzt der voriges in Wien, von 1969 bis 1971 auch Rektor des
Jahr am 22. März 2020 im Alter von 90 Kath. Jugendwerkes Österreichs. 1971 folgte
Jahren in Innsbruck verstorbene frühere die Rückkehr in die Diözese Innsbruck
Propst am Dom zu St. Jakob, Prälat Gott- als Pfarrer von Innsbruck-St. Paulus, der
hard Egger, festlich verabschiedet werden. damals größten Pfarre der Diözese. 1986
Der Verstorbene zählte zur Schar bekannter wurde er Regens des Priesterseminars. Am
Priester, die der Herrgott diesem Land auch 11. September 1988 bestellte ihn Bischof
in der Gegenwart schenkt. Beim feierlichen Dr. Reinhold Stecher zum 6. Propst von St.
Gedenkgottesdienst am 20. März im Dom Jakob und Erstdekan von Innsbruck.
zu St. Jakob zeichnete Propst Prälat Dr. Neben seinem sozialen Engagement als
Florian Huber, dem der Ständige Diakon, Seelsorger war Gotthard Egger, den Papst
Dr. Reinhold Mitterer, assistierte, in seiner Johannes Paul II. zum Ehrenprälaten er-
Predigt ein sehr persönliches Bild des ver- nannte, stets bemüht, die Zusammenarbeit
storbenen Prälaten. So sei Propst Gotthard unter den Innsbrucker Pfarreien zu fördern.
Eggers priesterliches Wirken von Beschei- Zu seinen besonderen Anliegen zählten die
denheit und Herzensgüte gekennzeichnet Renovierung des historischen Pfarrsaales
gewesen. Gotthard Egger kam am 16. Sep- von St. Jakob und vor allem die von 1990 Der vor einem Jahr verstorbene
tember 1929 in Neustift im Stubai als drittes bis 1993 erfolgte Innenrenovierung der von Propst i.R. Prälat Gotthard Egger
von sieben Kindern einer Bäckerfamilie 1717 bis 1724 erbauten hochbarocken St.
zur Welt, studierte in Innsbruck Theologie, Jakobskirche. Sein besonderer Stolz war die Vorsitzender der Stiftung Nothburgaheim,
erhielt am 4. April 1954 im Canisianum Segnung der im Jahre 2000 fertiggestellten der Scheuchenstuel Stiftung und der Stif-
aus der Hand von Bischof DDr. Paulus neuen Orgel. Auch das am 26. Juli 2003 tung Schüler- und Lehrlingsheim konnte er
Rusch das Sakrament der Priesterweihe und enthüllte St. Anna-Altarblatt am südlichen in großer Dankbarkeit für vielfältig erfah-
feierte die Primiz in Umhausen, dem da- Seitenaltar in der Vierung zählt zu den rene Unterstützung, besonders auch vom
maligen Wohnort seiner Familie. Gotthard besonderen Akzenten seines Wirkens als Bürgermeister und der Stadt Innsbruck,
Egger sammelte seine ersten seelsorglichen Propst. Für die einzige Domkirche Öster- 2002 die Segnung des Neubaus des Noth-
Erfahrungen von 1954 bis 1956 als Koope- reichs mit dem Apostel Jakobus als Patron burgaheims vornehmen. Vielen war er an-
rator in der Pfarre Innsbruck-Saggen, von war es ihm ein großes Anliegen, für den schließend in persönlichen Kontakten und
1956 bis 1959 in Wilten-West und von 1959 wiederentdeckten Pilgerweg nach Santia- in priesterlichen Diensten weiterhin nahe.
bis 1960 in Imst. Bis 1967 war er Diöze- go de Compostela in der Gründung der Im Nothburgaheim fand er einen guten Ort
sanjugendseelsorger der weiblichen Jugend Jakobsgemeinschaft Tirol eine Anlaufstelle der Begleitung und des Abschiednehmens
und anschließend Zentralseelsorger der für Pilgerinnen und Pilger zu bieten. Als von diesem Leben. Seine letzte Ruhestätte
weiblichen Kath. Landjugend Österreichs größte Herausforderung in seiner Zeit als fand er in Neustift im Stubaital. n
N° 3 | Juni 2021

18 Aus den LANDESTEILEN …


Innsbruck von Heinz Wieser

Maximilians Grabmal mit moderner Beleuchtung


Die Hofkirche zu Innsbruck oder auch
„Schwarzmanderkirche“ genannt, wurde in
den Jahren 1553 bis 1563 als Aufstellungsort
für das Grabmal Kaiser Maximilians I.
erbaut. Der 1519 verstorbene Monarch
hatte sich allerdings in der Burg von Wiener
Neustadt begraben lassen. Das Gotteshaus
ist mit dem Tiroler Volkskunstmuseum
verbunden und eines der fünf Häuser der
Tiroler Landesmuseen. Die Hofkirche
und das angrenzende Franziskanerkloster
wurden 1553 bis 1563 unter Maximilians
Enkel, Kaiser Ferdinand I. (1503–1564),
errichtet und dem Heiligen Kreuz geweiht.
Von Beginn an war sie als Aufstellungsort
des Prunkgrabmals für Kaiser Maximilian
I. geplant. Jetzt wurde es in ein neues Licht Blick in die Hofkirche zu Innsbruck oder auch „Schwarzmanderkirche“, erbaut 1553 bis 1563
gerückt: Der heimische Licht-Spezialist als Aufstellungsort für das Grabmal Kaiser Maximilians I. (Foto von Dr. Heinz Wieser)
Bartenbach hat es mit einem modernen
Beleuchtungssystem versehen. Das Keno- gedacht haben und die sich bewusst waren, intensiver zu entdecken und weiter zu
taph ist mit seinen insgesamt 24 Marmor- dass sie in die Geschichte eingehen werden. erforschen gilt“, so Museumsdirektor Peter
reliefs eines der bedeutendsten Denkmäler Für uns ist es besonders wichtig, die Leben- Assmann. „Dieses Kunstwerk ist gewiss das
in Tirol. Das berühmte Grabmal wurde nun digkeit dieses Denkmals aufrechtzuerhalten, bedeutsamste der europäischen Renaissance
mit einem neuen, modernen Beleuchtungs- und grundsätzlich hoffen wir, dass wir in oder möglicherweise auch weltweit und ein
system versehen, das die Tiefenwirkung des Zukunft in Zusammenarbeit mit dem Land eindrucksvolles Zeugnis der herausragen-
Marmorreliefs verstärkt und dafür sorgt, Tirol (Abteilung Hochbau), der Tiroler Lan- den Stellung der Innsbrucker Hofkirche
dass die äußerst plastischen und detailreich desgedächtnisstiftung und dem Innsbruck in der Hofkunst“, so der Vorsitzende des
gestalteten Arbeiten künftig besonders zur Tourismus noch mehr machen können. Kuratoriums der Tiroler Landesgedächt-
Geltung kommen. „Kaiser Maximilian war Dieses Grabmal ist nach wie vor ein wert- nisstiftung, Landeshauptmann a.D. DDr.
eine jener Persönlichkeiten, die historisch voller Schatz, den es auch in Zukunft immer Herwig Van Staa. n

Innsbruck von Heinz Wieser

Viele Akzente zu Reinhold Stechers 100. Geburtstag


Der frühere Oberhirte der Diözese Inns- Pinselstrichen besondere Orte und Kraftplät-
bruck, Bischof Dr. Reinhold Stecher, der ze, Berge, Kirchen und Kapellen in den Blick
am 29. Jänner 2013 im Alter von 91 Jahren und erzählt auf seine Weise von Heimat und
verstorben ist, war eine großartige Persön- Beheimatung. Zur Feier des von den Tiroler
lichkeit, gekennzeichnet von Herzlichkeit, Landständen vor 225 Jahren geschlossenen
Toleranz und Grundsatztreue sowie von der Herz-Jesu-Gelöbnisses lädt der Bischof-
Liebe zur Heimat. Die Jahre seiner Jugend Stecher-Verein am Herz-Jesu-Fest, dem 11.
waren geprägt von Gefängnis, Front und Juni, zu einem „Tag der Herzlichkeit“ ein.
sehr viel Schrecklichem. Der einstige sehr ge- Damit wird der Aufruf von Diözesanbischof
schätzte Oberhirte unserer Diözese kam vor MMag. Hermann Glettler unterstützt, „Herz-
100 Jahren, also am 22. Dezember 1921, zur feuer des Glaubens und der Nächstenliebe“
Welt. Dieses Jubiläum nimmt der vor sieben zu entzünden und Herz zu zeigen besonders
Jahren gegründete Bischof-Stecher-Verein für die, die es im Leben schwer haben. Für
zum Anlass, um gemeinsam mit der Diözese den 8. August plant der Stecher-Verein eine
Innsbruck, dem Land Tirol, der Stadt Inns- Bergmesse am Hafelekar. Am 8. Dezember
bruck und anderen Einrichtungen an diesen folgt dann der „Stecher-Advent“ im Dom
großen Tiroler Bischof zu erinnern. So zu St. Jakob mit einer Benefizaktion, die be-
werden im Schloss Landeck von 24. April bis nachteiligten Kindern zugute kommen soll.
26. Oktober in einer Sonderausstellung Ste- Schließlich wird im Herbst im Tyrolia-Verlag
chers Aquarelle und Karikaturen gezeigt. ein neues Stecher-Buch erscheinen. Für
Die Bilder werden von Privatpersonen zur Oktober ist eine Gesprächsreihe mit Bischof Bischof Dr. Reinhold Stecher
Verfügung gestellt. Stecher nimmt mit feinen Glettler geplant. n (Foto von Dr. Heinz Wieser)
N° 3 | Juni 2021

Beuerberg
von Hans Baur Tradition muss gelebt werden

Die bayerischen Gebirgsschützen haben trotz der Pandemie ihren


Patronatstag gefeiert. In der frisch renovierten Stiftskirche Sankt Peter
und Paul in Beuerberg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) fand aufgrund
des Regens unter Beachtung der strengen Hygienevorschriften die
Festmesse zu Ehren der Gottesmutter Maria statt. Flankiert von den
Kompaniefahnen nahmen die Ehrengäste in den vorderen Bankreihen
Platz: der Bayer. Ministerpräsident Dr. Markus Söder als Schutzherr
der Gebirgsschützen, die Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Staats-
minister Hubert Aiwanger, S.K.H. Herzog Max in Bayern und seine
Gemahlin Herzogin Elisabeth, sowie Abgeordnete des Bayerischen
Landtags. In seiner Begrüßung hob Landeshauptmann Martin Ha-
berfellner hervor, dass es seit mehr als 500 Jahren bayerische Gebirgs-
schützen gibt und seit über 400 Jahren das Patronat der Gottesmutter
Fotos: Hias Krinner
über Bayern. „Schon die älteste bekannte Gebirgsschützenfahne aus
dem Jahr 1616 zeigt das Bildnis der Mutter Gottes. Traditionen und
Brauchtum muss man in der Gemeinschaft leben. Man muss sie mit Dekan Thomas Neuberger. In seiner eindrucksvollen Predigt
zeigen. Man muss sie sehen. Ein Staat, der funktionieren soll, braucht bezeichnete er den Patronatstag als einen Tag der Hoffnung, insbeson-
eine intakte Gesellschaft, die einen lebendigen Organismus bildet und dere in Krisenzeiten. Maria ist Orientierung. Das Gebet ist eine Kraft-
die Menschen zusammenführt. Wir haben uns deshalb entschieden, quelle für jeden Tag und zeigt uns unseren Auftrag für den Schutz des
wenigstens die bestehenden Möglichkeiten der geltenden Infektions- Lebens. Es gilt Solidarität in Krisenzeiten zu zeigen; nicht trotzig, aber
schutzverordnung auszuschöpfen und diesen auf das Wesentliche mutig. Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder dankte
verdichteten „Kompakt“-Patronatstag in einer präsenten Gemein- den Gebirgsschützen, dass sie für Werte eintreten, die eine Gesellschaft
schaft mit einer Messe zu begehen. Damit konzentrieren wir uns auf zusammenhalten. „In Zeiten von Corona ist es wichtig, nicht nur auf
den Wesenskern unseres Patronatstags. Wir wollen die Mutter Gottes sich selbst gestellt zu sein. Wer zu anderen hält, tut auch etwas für sich
als Patrona Bavariae und im Besonderen als Schutzfrau der bayeri- selbst. In diesen Zeiten gibt Solidarität eine besondere Stärke. Über
schen Gebirgsschützen mit einem Gottesdienst feiern und uns ihrer die Stärke des Sturms kann niemand bestimmen, aber es können die
Fürsprache anvertrauen.“ Der Bürgermeister von Eurasburg, Moritz Segel entsprechend gesetzt werden. Wir werden unsere Freiheiten
Sappl, begrüßte die Gäste und die Gebirgsschützen. Er verwies auf das zurückgewinnen und wir werden wieder Patronatstage feiern, wie
Jubiläum „900 Jahre Kloster Beuerberg“ und auf den 175. Geburtstag wir es gewohnt sind.“ Der Hauptmann der gastgebenden Kompanie
der Musikkapelle Beuerberg, die die Messe musikalisch umrahmte. Beuerberg-Herrnhausen, Anton Frech, dankte allen, die dazu beigetra-
Den Festgottesdienst zelebrierte Kardinal Reinhard Marx zusammen gen haben, dass dieser besondere Patronatstag stattfinden konnte. n

Von der Kompanie Beuerberg-Herrnhausen wurden für treue Mitgliedschaft


mit der Medaille in Gold am weiß-blauen Band geehrt:
Für 60 Jahre: Othmar Winterling sen., Florian Holzer
Für 50 Jahre: Michael Frech sen., Hubert Geiger, Johann Höck, Martin Höck, Peter Pfatrisch, Josef Urban, Sebastian Urban
Berichte aus Bayern N° 3 | Juni 2021

20
70 Jahre Bund der Bayerischen
Gebirgsschützen-Kompanien
„Die Bayerischen Gebirgsschützen gehören zum alpenländischen Bay- - 1980 besucht Papst Johannes
ern wie die Schweizer Garde zum Vatikan. Ihr Wirken schließt ebenso Paul II. München.
die bayerische Landschaft, die Baukultur, wie tiefe bayerische Wesens- - 1982 wird Joseph Kardinal Ratzin-
arten mit ein.“ So beginnt eine Einführung zum Buch „Schwarz fest ger aus München verabschiedet.
im Aug, im Herzen weiß und blau“, das zum 50-jährigen Jubiläum - 1988 Requiem und Trauerparade für den
der Gründung des Bundes der Bayerischen Gebirgsschützen-Kom- im Amt verstorbenen Franz Josef Strauß.
panien herausgegeben wurde. - 1992 treffen sich zehn Staatsoberhäupter zum
Siebzig ereignisreiche Jahre sind seit der Gründung vergangen. Die Weltwirtschaftsgipfel in München.
50er Jahre sind geprägt von der Wiedergewinnung alter Stärke, der - 1996 Requiem in der Theatinerkirche für S.K.H. Herzog
Sammlung der gemeinsamen Kräfte im Zusammenschluss aller Albrecht von Bayern.
Gebirgsschützenkompanien, der Rückbesinnung auf gemeinsame Jedes Mal stellen die bayerischen Gebirgsschützen eine Ehrenformation.
Wurzeln in der bayerischen Geschichte und des Aufbruchs in eine Im Jahr 2001 kann der Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-
neue Zukunft. Am 3. Mai 1951 trafen sich in Reichersbeuern die Kompanien auf 50 Jahre seines Bestehens zurückblicken. Passend
Kompanien von Benediktbeuern-Ried, Elbach, Ellbach b. Bad Tölz, zu diesem Jubiläum konzipiert das Haus der Bayerischen Geschich-
Gaißach, Gmund, Jachenau, Reichersbeuern, Schliersee, Tegernsee te eine Wanderausstellung mit dem Titel „Einst Feinde heute Freun-
und Wackersberg zur Gründungsversammlung. de“, die sich mit der Rolle der Schützen in Tirol und der Gebirgs-
1953 gründen die bayerischen Gebirgsschützen die „Kiem-Pauli- schützen in Bayern auseinandersetzt. Erste Station der Ausstellung:
Stiftung“ zur Förderung und Pflege des alpenländischen Liedguts. das Maximilianeum in München.
Am 8. Mai 1954 paradierten zum 85. Geburtstag S.K.H. Kronprinz 2005 jährt sich der bayerische Volksaufstand von 1705 zum 300.
Rupprecht von Bayern die Gebirgsschützen in Leutstetten. Mal. Am Stefanitag kommen 600 Gebirgsschützen nach München,
Bei seinem Tode am 2. August 1955 halten sie Ehrenwache am Sarg. um dort in St. Peter ein feierliches – ein „mächtiges“ – Requiem zu
In den 60er Jahren entdeckt der Freistaat Bayern die Gebirgsschüt- feiern und anschließend zur Patrona Boiariae an der Residenz zu
zen als Repräsentanten bayerischer Staatlichkeit und bayerischer marschieren, dort zu beten und das Gelöbnis des Kurfürsten von
Lebensart. Es gibt keine Gruppierung, die so eng mit der Geschich- 1616 zu erneuern: „In deinen Schutz wir uns begeben, wo sicher wir
te und den Traditionen von Bayern verbunden ist. und fröhlich leben.“
Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle besucht Mün- Die Wallfahrt der Bayerischen Gebirgsschützen 2006 mit 500 Mann
chen, und die Gebirgsschützen werden gebeten, zum Empfang am nach Rom aus Anlass des Jubiläums „490 Jahre Patrona Bavariae“
08.09.1962 eine Ehrenformation zu stellen. mit einer Messe im Petersdom, mit einer Privataudienz bei Papst
Am 19.09.1963: Erstes Bundesschießen in Partenkirchen. Benedikt XVI. und einem Treffen mit der Schweizer Garde, die
Am 21. Mai 1965 kommen Königin Elisabeth II. von Großbritanni- in diesem Jahr ihr 500-jähriges Bestehen feiert, gehört zu den
en und Prinzgemahl Philip, Herzog von Edinburgh nach München. absoluten Höhepunkten der neueren Geschichte der Bayerischen
Erneut kommen die Gebirgsschützen zum Einsatz. Gebirgsschützen.
1975 schließen sich der Bund der Tiroler Schützenkompanien, der Immer wieder bittet der bayerische Staat die Gebirgsschützen,
Südtiroler Schützenbund und der Bund der Bayerischen Gebirgs- Repräsentationsaufgaben zu übernehmen:
schützen-Kompanien in der Alpenregion zusammen. Beim Grün- - 2006 besucht Papst Benedikt XVI. Bayern;
dungsakt in der Dogana in Innsbruck sind der Bayer. Ministerprä- - 2006 kommt der russische Staatspräsident Wladimir Putin
sident Alfons Goppel und die Landeshauptleute Eduard Wallnöfer/ zum Staatsbesuch nach München;
Tirol und Silvius Magnago/Südtirol als „Paten“ dabei. - 2008 wird Reinhard Marx als Erzbischof von München
1977 entschließen sich die Schützenbünde der Alpenregion ein ge- und Freising installiert;
meinsames Mitteilungsblatt mit dem Titel „Tiroler Schützenzeitung“ - 2011 findet in der Theatinerkirche ein Requiem für den
herauszugeben. Die Zeitung enthält einen eigenständigen im bayerischen Pöcking verstorbenen Otto v. Habsburg statt;
Teil „Berichte aus Bayern“ mit einem eigenen Schriftleiter. - 2015 ist Deutschland Gastgeber für den G7-Gipfel
in Schloss Elmau;
- 2019 kommen der britische Thronfolger und seine
Frau Camilla zu einem Privatbesuch nach München.
Ihren festen Platz haben die Bayerischen Gebirgsschützen aber
in ihren jeweiligen angestammten Heimatorten in Bayern. Dort
begleiten sie das Allerheiligste bei den Prozessionen, schießen Salut
bei den Evangelien, begehen ihre Jahrtage zum Gedächtnis an ihre
Verstorbenen und in den Kriegen gefallenen Mitgliedern. Sie gestal-
ten aktiv das Gemeinschaftsleben mit, sie betreiben das sportliche
Schießen, sie organisieren heimat- und geschichtsbezogene Veran-
staltungen, sie sind prägender Teil der ländlichen Gesellschaft und
damit auch der bayerischen Landeskultur. Durch Wiedergründun-
gen ist die Zahl der Kompanien auf 47 Kompanien angewachsen
mit konstant rund 12.000 Gebirgsschützen. n
Quelle: Martin Haberfellner, Skizzen zur Entwicklung der bayerischen
Gebirgsschützen ab 1870 mit weiteren Nachweisen
N° 3 | Juni 2021 Berichte aus Bayern

21
Stimmen zum Jubiläum
„Es waren damals weit vorausblickende gemeinsam können wir unsere Werte, weitreichende Entscheidung. Damit haben
Männer, die mit der Gründung des Bundes unsere Kultur und unseren christlichen sie ein Netzwerk geschaffen, das die Stimme
der Bayerischen Gebirgsschützenkom- Glauben gegen den derzeitigen Zeitgeist der Gebirgsschützen nicht ungehört lässt.“
panien dem Gebirgsschützenwesen in verteidigen.“
Bayern ein Führungsgremium schufen, Robert Stumbaum, Gauhauptmann
das mehr und mehr ein ganz wichtiger Stephan Schmid, Gauhauptmann Loisachgau Mangfall-Leitzachgau
Ansprech- und Organisationspartner für
die verschiedensten Stellen wurde. Dabei
blieb die jeweilige Eigenheit der Kompanien „Vor 70 Jahren wurde im Isargau der Bund
gewahrt, was auch in Zukunft so beibehal- der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompa-
ten werden muss.“ nien gegründet. Josef Sixt „Lindner“ hatte
bereits 1946 zum Thema Fortbestehen der
Hans Rucker, Bataillonskommandant Gebirgsschützenkompanien nach Reichers-
Bataillon Inn-Chiemgau beuern geladen. Er war seit 1926 Haupt-
mann der Kompanie Reichersbeuern, hatte
diese in der schweren NS-Zeit geführt und
bei der Aufrechterhaltung der Schützen-
tradition großen Mut bewiesen. Seine
treibende Kraft war die Grundlage für die
Schaffung des bis heute bestehenden und
erfolgreichen Zusammenschlusses eigen-
ständiger Kompanien. Sixt wurde der erste
Landeshauptmannstellvertreter und die ers-
ten sieben Bundesgeneralversammlungen
wurden in Reichersbeuern abgehalten.“
„Es war eine zielführende Idee, vor 70
Josef Schlickenrieder, Jahren den Bund der Bayerischen Gebirgs-
Gauhauptmann Isargau schützen-Kompanien zu gründen. Damit
übernahm man Verantwortung für den
Erhalt einer lebenswerten Heimat, die von
christlichen Werten geprägt ist. Besonders
zeichnet die Gebirgsschützen die Nähe zur
Gottesmutter aus. Maria ziert die Fahnen
„Die Männer, die 1951 den Bund der und Standarten der Kompanien und sie ist
Bayerischen Gebirgsschützenkompanien die Schutzfrau Bayerns, auf deren mächtige
gründeten, haben in weiser Voraussicht Fürsprache man immer und gerade auch in
gehandelt. Sie hatten erkannt, dass die dunklen Stunden zählt.“
Gebirgsschützen nur zusammen stark
sind und ihre Belange im Verbund besser Hans Jais, Bataillonskommandant
darstellen und durchsetzen können. Nur Bataillon Werdenfels

„Die Vertreter der Kompanien, die sich


1951 zusammengefunden haben, erkann-
ten den Glauben, die Tradition und das
Brauchtum als fundamentale Werte. Sie
sahen eine wichtige kulturelle Aufgabe auf
dem Gebiet der Heimatpflege und wollten
die Wiedergründung von Kompanien an
Orten fördern, an denen schon früher Ge-
birgsschützenkompanien bestanden haben.
Dies war eine sehr vorausschauende und
Berichte aus Bayern N° 3 | Juni 2021

22
München
von Hans Baur

Trotz Corona Vertrauen in die Zukunft


Dietrich Sailer, Mitglied der GSK Traun- wird wieder – wie vor hundert Jahren – die
stein, wird am südlichen Stadteingang Schützenliesl dienen. Die notwendigen
direkt an der A 995 die untergegangene Genehmigungen sind erteilt und die Eröff-
Münchner Kindl Brauerei wieder zum nung im Jahr 2023 geplant.
Leben erwecken. Das Brauereigebäude wird Angesichts der derzeit herrschenden Gefahr
als Backsteinbau im Stil der Industriearchi- der Schließung von Gaststätten ist dieses
tektur des 19. Jahrhunderts entstehen. Vor Vorhaben ein Lichtblick. Gasthäuser sind
Ort wird es Brauereipferde, einen Hopfen- Begegnungsstätten, die eine wichtige Funk-
garten, eine Linde-Dampfmaschine aus tion in der Gesellschaft einnehmen und
dem Jahr 1906 und nicht zuletzt frisches Bayern Attraktivität verleihen. n
Bier aus dem Holzfass geben. Als Logo

Wackersberg Rottach-Egern

Alois Bartl † Adi Lintner †


Bereits im Herbst 2020 musste die Der langjährige Bundesschriftführer abschiedete sich die Kompanie von einem
Antlaßschützenkompanie Wackersberg (1974–1991) und Ehrenoffizier des Bundes hochverdienten Gebirgsschützen. n
Abschied nehmen von Alois Bartl, der am der Bayerischen Gebirgsschützenkompa-
30. November 2020 im Alter von 94 Jahren nien Adi Lintner aus Rottach-Egern ist
verstarb. Der „Jakerl-Lois“ ist 1942 der am 18. April 2021 im Alter von 87 Jahren
Kompanie beigetreten und hat 62 Jahre verstorben. Adi Lintner war auch 32 Jahre
den Schützen die Treue gehalten. In dieser Schriftführer-Leutnant der GSK Tegernsee
Zeit war er 30 Jahre ein äußerst zuverlässi- und hat in dieser Zeit die Ereignisse der
ger Kassier und diente der Kompanie auch Kompanie in den Protokollbüchern festge-
als Zugführer. An seinem Grabe wurde halten. Dafür wurde er zum Ehrenleutnant
sein außergewöhnliches Wirken gewürdigt ernannt. Aufgrund seines Wissens rund um
und als Zeichen des Dankes ein Kranz die Geschichte der Kompanie Tegernsee
niedergelegt. n verfasste er die beiden Schützenbücher –
eine Darstellung des Tegernseer Gebirgs-
schützenwesens.
LH Martin Haberfellner würdigte die Ver-
dienste von Adi Lintner für den Bund und
Hptm. Florian Baier tat desgleichen für die
Kompanie. Mit einem dreifachen Salut ver-

Hilfsprogramm für Vereine


der Heimat- und Brauchtumspflege
Der Freistaat Bayern gewährt im Rah- hingewiesen, dass die Anträge für das
men der verfügbaren Haushaltsmittel als Hilfsprogramm spätestens am 30. Juni 2021
Billigkeitsleistung gemäß Art. 53 BayHO per Post oder elektronisch (hilfsprogramm.
ohne Rechtsanspruch eine Unterstützung heimatundbrauchtumspflege@ldbv.bayern.
aus dem Hilfsprogramm für Vereine der de) beim Landesamt für Digitalisierung,
Heimat- und Brauchtumspflege. Die Breitband und Vermessung, Sachgebiet
einzelnen Kompanien wurden darüber 151 „Fördervollzug“ eingereicht werden
bereits in Kenntnis gesetzt. Es wird darauf müssen. n
Themenbereiche des Diözesanen Gedenkjahrs
N° 3 | Juni 2021 „Herzfeuer entfachen“

23
www.dibk.at/Themen/500-Herzfeuer-
Petrus-Canisius-Jahr-2021
Aus den LANDESTEILEN …
Innsbruck von Alexander Haider

500-Jahr-Gedenken des Innsbrucker Diözesanpatrons


Hl. Petrus Canisius
„Herzfeuer des Glaubens und der
Nächstenliebe entfachen“
Am 25. April 2021 fand der Gottesdienst
anlässlich des Gedenkens an den 500. Ge-
burtstag der Hl. Petrus Canisius im Dom zu
St. Jakob statt. Unter dem Motto „Herzfeuer
des Glaubens und der Nächstenliebe entfa-
chen“ – läutete die Diözese Innsbruck den
Auftakt zum heurigen 500-Jahr-Gedenken
ihres Diözesanpatrons ein. Viele Initiativen
und Aktionen sollen ein lebendiges Zeichen
des Glaubens setzen und auch über den
inneren Kreis der Kirche hinaus die Bevöl-
kerung animieren. Die Gedenkmesse wurde
von Bischof Hermann Glettler zelebriert
und live im TV übertragen. Neben der poli-
tischen Führung in Stadt und Land nahmen
unter anderem auch die Tiroler Schützen,
vertreten durch Lkdt. Mjr. Thomas Saurer
und der Bundesstandarte, daran teil.
Bischof Hermann Glettler mit LH Günther Platter (r.), Lkdt. Mjr. Thomas Saurer (l.) und der
Petrus Canisius und Bezug zum Bundesstandarte der Tiroler Schützen vor dem Dom zu St. Jakob in Innsbruck.
Schützenwesen
Petrus Canisius (1521—1597) ist der erste Lehrplan unterrichteten! In der Anfangszeit roler Schützen verbindet vor allem seit dem
und bedeutendste deutsch-niederländische taucht im ganzen oberdeutschen Sprachge- Herz-Jesu Gelöbnis des Landes Tirol die
Jesuit. Er gehörte auch zur Oberdeutschen biet immer wieder der Name Petrus Canisi- gemeinsame Verehrung des Herzen Jesu.
Provinz, die bis in die Schweiz und nach us auf. Er war Lehrer, Prediger, Organisator, Diese Verbindung der Tiroler Schützen mit
Tirol hereinreichte: Geboren am 8. Mai Katechet und Schriftsteller. Er nahm an der Jesuitenkirche wurde dann auch 1959
1521 in Nijmegen (Niederlande), wuchs er Reichstagen und Religionsgesprächen teil. durch die Platzierung der von den Tiroler
in den Jahren auf, als sich der Protestan- Er war Berater von Päpsten, Bischöfen und Schützen in Auftrag gegebenen Herz-Jesu-
tismus in Norddeutschland ausbreitete. Er Fürsten. Glocke in der Kirche geprägt. Seither ist die
studierte zwischen 1536 und 1546 in Köln; Die Heiligsprechung von Petrus Canisius Kirche auch als „Schützenkirche“ bekannt.
1543 schloss er sich dem Jesuitenorden an. erfolgte 1925. Bei der Gründung der Diöze-
Durch die Kartäuser in Köln war er auch se Innsbruck 1964 wurde er zum Diözesan- Diözesanes Jahresmotto „Herzfeu-
mit den deutschen Mystikern in Berührung patron erwählt. Sein Fest wird am 27. April er des Glaubens und der Nächs-
gekommen, deren Einfluss in seinem Leben gefeiert. Speziell auf Tirol und Innsbruck tenliebe entfachen“ in Verbin-
wirksam blieb. 1549 ließ Ignatius (Gründer hin bezogen, war es Petrus Canisius der dung mit unseren Grundsätzen
des Jesuitenordens) ihn als achten Jesuiten 1562 das Jesuitenkolleg in Innsbruck grün- und den 11 Leitmotiven
zur feierlichen Profess zu. Die nächsten dete bzw. die Verhandlungen darüber leite- Die Initiative bzw. das Jahresmotto der Di-
dreißig Jahre sind der Wiedergewinnung te. Bereits 1561 führten diese Verhandlun- özese gliedert sich dabei in 4 Teilbereiche,
Deutschlands für den katholischen Glauben gen zur Übergabe einer ersten Wohnstätte die gleichsam für den Hl. Petrus Canisius
geweiht. Er arbeitete in Ingolstadt, Wien, im „Kaiserspital“ in der Angerzellgasse stehen.
Prag, Augsburg, Innsbruck und Mün- (einer Stiftung für alte, bedürftige Men- Herz - Petrus Canisius war ein Glaubender
chen. 1556–1569 war er der erste Provin- schen in der heutigen Universitätsstraße) mit Herz. Ihm war es wichtig, sich stets neu
zobere („Provinzial“) der oberdeutschen samt anschließender Salvatorkapelle. Mit 71 mit Jesus Christus zu verbinden, sich in ihm
Ordensprovinz (südliches Deutschland, Schülern begann man. Von 1571 bis 1577 zu verwurzeln. Ich will heuer etwas tun,
Österreich, Böhmen, Ungarn, Tirol und der wirkte dann Canisius selbst in Innsbruck, damit mein Glaube und der Glaube anderer
Schweiz), deren Aufbau vor allem seinem vor allem auch als Prediger. herzhafter wird. Denn nur ein brennendes
Bemühen zu verdanken ist. In seine Zeit Diese Ansiedlung der Jesuiten in Innsbruck Herz und ein lebendiger Glaube können
fiel auch die Änderung der Ausrichtung und der wachsende Orden führten zum anstecken und begeistern. 
des Jesuitenordens von einem rein auf die späteren Bau der Jesuitenkirche („Dreifal- Hand - Petrus Canisius war ein Mann der
Seelsorgearbeit fokussierten Orden hin zu tigkeitskirche“) mit Unterstützung der Tiro- Tat. Überall, wo er war, hat er aufgebaut,
einem „Schulorden“. In der Blütezeit waren ler Landesfürsten. Die Jesuitenkirche bzw. Projekte ins Leben gerufen, konkrete
es 800 Kollegien, die alle nach demselben das Jesuitenkolleg in Innsbruck und die Ti- Schritte getan. Er hat das, was er als richtig
N° 3 | Juni 2021

24 Aus den LANDESTEILEN …

erkannt hat, umgesetzt. Ich packe bei einer Herzensbildung erneuert. Ich nehme mir
guten Initiative mit an und leiste dort mei- vor, heuer ab und zu ein gutes religiö-
nen Beitrag. Es gibt so viele Möglichkeiten, ses Buch zu lesen. Denn Glaube braucht
das Leben von Menschen zu unterstützen Bildung. Und ich will einen Schritt tun,
und deren Not zu lindern. meinen Glauben zu vertiefen und ihn bes-
Schuh - Petrus Canisius war ein reisender ser zu verstehen. Für die Tiroler Marketen-
Missionar. Unermüdlich war er für den derinnen und Schützen lassen sich diese
Glauben unterwegs. Seine ausgelatschten 4 Teilbereiche schon allein durch unsere
Schuhe werden als Reliquien verehrt. Ich Grundsätze und Werte abbilden. Wer
überlege mir, wie ich den Schatz des Evan- sich nach unseren Werten und Grund-
geliums zu den Menschen bringen kann. So sätzen bzw. mit unseren 11 Leitmotiven
unterschiedlich die Schritte der Menschen identifizieren kann, dem geben diese eine
auch sind: Alle sehnen sich nach einem Orientierung zur Stärkung unserer Ge-
Mehr im Leben. meinschaft, unserer Heimat und unseres
Buch - Petrus Canisius hat stark auf Glaubens. Gelebte Tiroler Schützentra- Logo des Diözesanen Gedenkjahres
Bildung gesetzt. Er hat durch Predigten dition in Form unserer Grundsätze und
und Schriften Orientierung geschenkt. Leitmotive und das diözesane Jahresmotto es uns, auch hier einen Beitrag für Glaube
Mit dem Prinzip „Bildung“ hat er auch die gehen hier im Einklang und ermöglichen und Heimat zu leisten. n

Weitental von Richard Andergassen

Herz Jesu Notfonds hilft Christian Brunner Herz Jesu


Am 17. Februar 2020 ereignete sich beim erholt. Die Arbeiten auf dem Hof sind für ihn Notfonds EO
Edenhuberhof in Weitental ein schwerer Ar- aber sehr anstrengend, und daher ist er auf
beitsunfall, bei welchen Schützenhauptmann die Hilfe von Verwandten und Helfern ange-
IBAN
Christian Brunner rund fünf Meter vom Sta- wiesen. Der Vorstand des Herz Jesu Notfonds IT 06 J 0585611601
del auf die Betondecke des Stalles stürzte und hat kürzlich beschlossen, Christian Brunner 050570013850
sich dabei schwer verletzte. Christian wurde mit 7.000,- Euro zu unterstützen. Dabei
mit dem Hubschrauber nach Bozen in die In- wurden die Ausgaben für Ergotherapien und
tensivstation gebracht. Mit Reha in Sterzing die Kosten eines Mitarbeiters auf dem Hof BIC
und Operationen in Bozen kam er nach rund übernommen sowie eine neue Holzspaltma- BPAAIT2B050
sechs Monaten wieder nach Hause. Christian schine angekauft. Diese soll ihm die Arbeit
hat sich Gott sei Dank einigermaßen gut auf dem Hof erleichtern. n

Niederdorf von Richard Andergassen

Herz Jesu Notfonds hilft Familie Stoll


Am 17. März 2020 ist am Kleinsinnerhof in Niederdorf ein Brand
ausgebrochen. Diesem fielen der alte und der neue Stadel voll-
ständig zum Opfer. Das alte Wohnhaus, ein historisch wertvolles
Gebäude, erstmals 1597 erwähnt, bewohnt von der Altbäuerin
und dem Knecht, wurde durch den Brand und die Löscharbeiten
stark in Mitleidenschaft gezogen. Ein Teil der landwirtschaftlichen
Maschinen und Geräte sind verbrannt.
Der Hof wird von Rosina Oberhofer Witwe Stoll, ihren drei
Söhnen im Alter von 17, 19 und 20 Jahren, Altbäuerin Hermine
Stoll sowie vom Knecht Josef Kuenzer bewirtschaftet. Die Familie
Stoll musste in den vergangenen Jahren mehrere Schicksalsschläge
hinnehmen. Im Jahre 2003 verunglückte der Bauer Hubert Stoll
bei der Waldarbeit tödlich. Im Jahre 2017 verstarb der Altbauer
Hermann Stoll, Gründungsmitglied, aktiver Schütze und Ehren-
mitglied der SK Niederdorf, an einem plötzlichen Herzversagen.
Ein Jahr zuvor kam sein Sohn, Bernhard Stoll, zusammen mit sei-
nem Enkel, dem Jungschützen Matthias Gruber aus Luttach, beim beschlossen, den Wiederaufbau des Kleinsinnerhofes mit 10.000,-
Lawinenunglück am Schneebigen Nock ums Leben. Bernhard war Euro zu unterstützen. Die offizielle Scheckübergabe erfolgte am
Gründungsmitglied und Oberjäger der Kompanie Niederdorf. Samstag, den 8. Mai 2021, wo auch der Baufortschritt begutachtet
Der Vorstand des Herz Jesu Notfonds hatte Anfang April 2020 worden ist. n
N° 3 | Juni 2021

Aus den BEZIRKEN & BATAILLONEN 25


Brixen von Josef Kaser

St.-Kassian-Prozession
Am Kassianssonntag hat die Vertretung
des Bezirkes Brixen mit Bezirksfahne sowie
der SK Brixen mit Fahne am Festgottes-
dienst mit dem Bischof im Dom zu Brixen
teilgenommen, um als Schützen unseren
Glauben und die Erhaltung der Tradition zu
bezeugen. Nach der Anrufung der Heiligen
Kassian und Vigilius spendete der Bischof
den päpstlichen Segen. Die anschließende
alljährliche feierliche Prozession mit den
Büsten der Diözesanpatrone, vielen Gläubi-
gen und Gebetszügen aus den umliegenden
Dörfern durch die Stadt konnte wegen der
Corona-Verordnung nicht stattfinden. In
der Früh haben die Schützen beim Gebets-
gang von Lüsen nach Brixen wie immer das
Bittkreuz vorangetragen. n

Auf dem Domplatz links die Fahnen-


abordnung der Bürgerkapelle Brixen
und die Schützen. (Foto: Willi Arichochi)

Galtür und Kappl von Josef Siegele

Live-Übertragung der Gottesdienste im Paznaun

Hubert Jörg, SK Galtür Die Liveübertragung durch Lt. Otto Siegele Obmann Lt. Otto Siegele, SK Kappl
aus der Pfarrkirche Kappl

Nicht nur im 1. Lockdown im Frühjahr den jeweiligen Pfarrkirchen live übertragen. Beerdigungen ermöglichte dieser Dienst an
2020, sondern auch zu Weihnachten und Teilweise wurde sogar aus den zahlreichen der Allgemeinheit v.a. älteren Angehörigen,
zu Ostern 2021 haben die beiden Schüt- Kapellen gesendet. So konnte die Bevöl- von ihren Verstorbenen feierlich Abschied
zenkameraden Lt. Otto Siegele, Obmann kerung trotz der Einschränkungen die zu nehmen.
der Kompanie Kappl, und Hubert Jörg von gewohnten Gottesdienste in Kappl und Ein herzliches Dankeschön im Namen der
der Kompanie Galtür die Gottesdienste aus Galtür von zuhause aus mitfeiern. Auch bei Talschaft Paznaun an Hubert und Otto! n
N° 3 | Juni 2021

26 Aus den BEZIRKEN & BATAILLONEN


Lana von Hannes Holzner

Bezirkstag Burggrafenamt-Passeier
Am 10. April 2021 hat der Bezirk Burggrafenamt/Passeier seinen Bezirkstag mit Neuwahlen im
Schützenheim von Lana abgehalten. Aufgrund der geltenden Covid-Maßnahmen konnte dieser nur in einem
überschaubaren Rahmen durchgeführt werden.

V.l. Beirätin Barbara Illmer Steinacher, Beirat Roman Grossteiner, Bez.-Mjr.-Stv. Hannes Malleier, Bez.-Mjr. Hannes Holzner,
Beirat Stefan Obertegger und Beirat Reinhard Holzeisen

Zu Beginn begrüßte der Bezirksmajor Christoph Waldner OT gedachte im Rah- in die Bezirksleitung gewählt. Als Kassenre-
Hannes Holzner alle anwesenden Schüt- men des Totengedenkens würdevoll der im visoren wurden EHptm. Eduard Graber (SK
zen und Marketenderinnen. Allen voran vergangenen Jahr verstorbenen Kameraden F.H. Lana) und EHptm. Bernhard Burger
Landeskommandant-Stv. Mjr. Renato des des Bezirkes. (SK G.V. Burgstall) wiedergewählt. An-
Dorides und Bezirksmajor-Stv. Hptm. Anschließend hielten die Referenten eine schließend erfolgte die Wahl der Bundes-
Hansjörg Eberhöfer mit Beirat Bez.-Lt. kurze Rückschau. Kassier Matthias Geiser ausschussdelegierten. Hierzu ist zu sagen,
Andreas Thoma vom Bezirk Vinschgau. berichtete über die Einnahmen und Aus- dass jeder Bezirk je fünf Mitgliedskompa-
Nach dem Appell und der Genehmigung gaben. Er wurde von der Vollversammlung nien einen Delegierten wählen kann. Somit
des Protokolls des letzten Bezirkstages einstimmig entlastet. Bei der Wahl der neu- wurden fünf Bundesausschussdelegierte
hielt man mittels eines Videofilms Rück- en Bezirksleitung übernahm LKdt.-Stv. Mjr. gewählt. Die Bundesleitungsmitglieder und
blick über das vergangene Jahr. Trotz der Renato des Dorides den Vorsitz. Unterstützt Bataillonskommandanten des Bezirkes sit-
besonderen Covid-Auflagen sind im Bezirk wurde er von Schriftführerin Maria Paris zen automatisch im Bundesausschuss. Die
verschiedene Aktionen und Veranstaltun- Pichler. Der Vinschgauer Bez.-Mjr.-Stv. Delegierten sind: Andreas Pixner (SK F.H.
gen durchgeführt worden. Hptm. Hansjörg Eberhöfer und dessen Bei- Lana), Robert Tschöll (SK St. Leonhard),
Dazu zählen vier Flammenschriften an rat Bez.-Lt. Andreas Thoma übernahmen Reinhard Holzeisen (SK E.J. Schenna), Hel-
mehreren Burggräfler Berghängen, die die Aufgabe der Stimmzähler. Bez.-Mjr.-Stv. mut Gaidaldi (SK Tscherms) und Michael
IATZ!-Banneraktion gemeinsam mit dem Hptm. Martin Haller, Beirat Bez.-Lt. Peter Holzner (SK St. Gertraud). Der Hauptmann
Bezirk Vinschgau, sowie die Franz Höfler-, Prugger und Bezirksexerzierreferent Micha- der SK „Franz Höfler“ Lana Andreas Pixner
die Sepp Kerschbaumer- und die Andreas el Holzner standen für die Neuwahlen nicht berichtete über die kommenden Veran-
Hofer-Gedenkfeier. mehr zur Verfügung. Ihnen wurde als Dan- staltungen der Arbeitsgruppe „IATZ!“.
Auch die Schützenjugend trug aktiv zum keschön für die geleistete Arbeit ein kleines Weiteres referierte er über die Bedeutung
Schützenwesen bei. Mit einem Malwettbe- Präsent überreicht. Hannes Holzner (SK St. und Wichtigkeit der „IATZ!“-Bewegung.
werb zum Thema „Zommholtn“ setzte sie Pankraz) wurde als Bezirksmajor bestätigt. In der Versammlung wurde auch auf die
sich kreativ mit der momentanen Ausnah- Zum neuen Bezirksmajor-Stellvertreter Nachbesetzung des Landeskommandanten
mesituation auseinander. wurde Hannes Malleier (SK F.H. Lana) und auf die Vorschau für das heurige Jahr
An Weihnachten und Ostern wurde von gewählt. Als Beiräte wurden Barbara Illmer eingegangen. Nach den Grußworten des
den Jungschützen und Jungmarketende- Steinacher (SK Dorf Tirol), Stefan Ober- LKdt.-Stv. Mjr. Renato des Dorides und des
rinnen den Bewohnern in verschiedenen tegger (SK St. Martin), Roman Grossteiner Vinschgauer Bez.-Mjr.-Stv. Hptm. Hansjörg
Seniorenheimen mit selbst gebastelten (SK Meran), Reinhard Holzeisen (SK E.J. Eberhöfer wurde der Bezirkstag mit dem
Geschenken eine kleine Freude bereitet. P. Schenna) und Felix Platter (SK St. Pankraz) Singen der Landeshymne abgeschlossen. n
N° 3 | Juni 2021 „Der Blutsonntag“: Faschisten-Mord
am Lehrer Franz Innerhofer

Aus den BEZIRKEN & BATAILLONEN 27


Marling von Melanie Mair

100 Jahre „Bozner Blutsonntag“ –


100 Jahre Tod von Franz Innerhofer
„Ein aufrichtiger Tiroler, der seine Pflicht getan hat“
Am 24. April vor genau 100 Jahren wurden bei einem Trachtenumzug durch Bozen rund 50 Personen durch
Faschisten verletzt; der Marlinger Lehrer Franz Innerhofer verlor sogar sein Leben. In Erinnerung an dieses Ereignis –
auch als „Bozner Blutsonntag“ bekannt – hat am Samstag in Marling eine Gedenkfeier stattgefunden.

Zur Eröffnung der Bozner Messe am 24.


April 1921 fand ein genehmigter Trach-
tenumzug durch die Altstadt der Landes-
hauptstadt statt. Die Faschisten betrach-
teten den traditionellen Umzug als eine
Provokation und trafen den Entschluss,
eine Gegendemonstration zu organisieren.
Bei einer friedlichen Gegendemonstrati-
on blieb es jedoch nicht: Die Faschisten
schlugen mit Knüppeln willkürlich auf
Teilnehmer und Zuschauer ein, warfen
Handgranaten und schossen mit Pistolen
um sich. Rund 50 Personen wurden dabei
verletzt, teilweise sogar schwer. Der Mar-
linger Lehrer Franz Innerhofer, der mit
der Musikkapelle seiner Heimatgemeinde
an besagtem Trachtenumzug teilnahm,
wurde beim Versuch, den 8-jährigen Hans
Theiner vor einer Gruppe Faschisten zu
schützen, von einem dieser erschossen.
Für den Mord am 36-jährigen Franz In-
nerhofer wurde niemand zur Rechenschaft
gezogen, obwohl der damalige italienische
Ministerpräsident Giolitti eine sofortige
Inhaftierung und Bestrafung der Täter vom Leben seines Großvaters. In seiner Bestrebungen in der Politik gebe, den Süd-
verlangt hatte. Zwei Faschisten wurden Rede hob er den vielseitigen Einsatz Franz tirolern ihre Autonomie zu nehmen. „Wir
zwar für kurze Zeit inhaftiert, dann aber Innerhofers in seiner Heimatgemeinde sollten darauf achten, dass wir unser Tiro-
– auf faschistischen Druck hin – wieder Marling hervor: Er war nicht nur ein lertum erhalten können“, schloss Wetzel.
freigelassen. Franz Innerhofer wurde am beliebter und ausgezeichneter Pädagoge, Neben den bewegenden Worten Wetzels
28. April 1921 in seiner Heimatgemeinde sondern hielt unter anderem Kurse für die wurden Briefe in Erinnerung an den
Marling beigesetzt. bäuerliche Jugend, beriet Bauern speziell „Bozner Blutsonntag“ von einer Marketen-
in bürokratischen Angelegenheiten, war derin der SK Marling verlesen. Zusätzlich
Gedenkfeier in kleinem Chorleiter sowie Organist und schlug die berichtete Rodolfo Weber, ein Welschti-
Rahmen in Marling Trommel bei der Musikkapelle. roler Schütze, über den Tod von Giovanni
Zur 100. Wiederkehr des Todestages von Des Weiteren hakte Wetzel bei den Worten Battista Daprà, der im Gemenge vom 24.
Franz Innerhofer hat die SK Marling des Landtagsabgeordneten Andreas Leiter April 1921 schwer verletzt
r Fotos onlin
zusammen mit Abordnungen zahlreicher Reber, der durch die Gedenkfeier führte, wurde und seinen
Schützenkompanien, der Musikkapelle ein und betonte, dass Franz Innerhofer Verletzungen kurze eh
m

e:

Marling, der Gemeindeverwaltung sowie kein Held und auch kein Widerstands- Zeit später erlag.
den Bürgern von Marling in einer gemein- kämpfer, sondern ein einfaches Opfer Die Gedenkfei-
samen Feier Franz Innerhofers und der gewesen sei. „Aber er war ein aufrechter er endete mit
Ereignisse von 1921 gedacht. Tiroler, der seine Pflicht getan und sich einer Ehrensalve
Nach dem Einmarsch aller Abordnun- seiner Verantwortung gestellt hat, und durch die Schüt-
gen zum Kirchplatz und Grußworten als solchen sollten wir ihn in Erinnerung zenkompanie bit c
vom Hauptmann der Schützenkompanie behalten“, so Wetzel. Seine Rede ab- Marling und einer . l y / 2 P W CC r
Marling Markus Kaserer erzählte Rein- schließend, appellierte Wetzel, weiterhin Kranzniederlegung. n
hard Wetzel, ein Enkel Franz Innerhofers, wachsam zu bleiben, da es immer noch
N° 3 | Juni 2021

28 Aus den BEZIRKEN & BATAILLONEN


Pfalzen von Patrick Brugger

Bezirksversammlung Schützenbezirk Pustertal


Aufgrund der Pandemie-Regeln ist der Bezirkstag in Pichl/Gsies
vom März auf den 4. Juli 2021 verlegt worden. So ist der Schüt-
zenbezirk Pustertal am 17. April mit einer ordentlichen Bezirks-
versammlung und mit einer Andacht, zelebriert von Bezirkskurat
Michael Bachmann, ins Jahr 2021 gestartet. Die Teilnehmerzahl
wurde aufgrund der aktuell geltenden Bestimmungen auf das
Nötigste beschränkt. Bezirksmajor Erich Mayr hielt kurz Rückschau
auf das Jahr 2020. Nur im Herbst sei es möglich gewesen, einige
Veranstaltungen wie die Klosterwald-Gedenkfeier in St. Lorenzen
und die Bergmesse am Kronplatz abzuhalten. Es folgte der detail-
lierte Kassabericht von Bezirkskassier Haymo Laner, der einstim-
mig entlastet wurde. Die Neuwahlen im Schützenbezirk Pustertal
wurden von Bundesjungschützenbetreuer Mjr. Kuno Huber geleitet.
Alle bisherigen Mitglieder der Bezirksleitung haben sich wieder-
um der Wahl gestellt und wurden einstimmig wiedergewählt: Als
Bezirksmajor wurde Erich Mayr bestätigt und Christian Steger als Lt. Lukas Kuenzer – Bereich Oberes Pustertal. Das Pustertal stellt
sein Stellvertreter. Markus Hackhofer bleibt Fähnrich und Haymo sieben Delegierte im Bundesausschuss. Auch diese wurden neu
Laner Bezirkskassier. gewählt: Hptm. Leonhard Hochgruber, Olt. Matthias Hofer, Hptm.
Die Bezirksbeiräte sind Hptm. Kurt Gasteiger – Bataillon Ahrntal, Stefan Liensberger, Hptm. Juri Oberlechner, Hptm. Werner Ober-
Hptm. Erich Kirchler – Bereich Taufers, Hptm. Johann Winding hollenzer, Olt. Andreas Oberhofer und Hptm. Christian Steger. Von
– Bereich Mitte, Hptm. Werner Oberhollenzer – Bereich Unteres den 34 Kompanien und der Schützenkapelle Pichl waren 30 mit
Pustertal, Mjr. Emanuel Delmonego – Bereich Ladinien, sowie jeweils einem Teilnehmer anwesend. n

Sarnthein von Lorenz Puff

Bezirkstag des Schützenbezirkes Bozen


Am 10. April 2021 fand in Sarnthein der Bezirkstag des Schüt-
zenbezirks Bozen statt. Unter den Ehrengästen waren der L.Abg.
Franz Locher, Bezirksmajor Peter Frank, Bürgermeister Christian
Reichsigl und Bundesgeschäftsführer Egon Zemmer. Nachdem es
vergangenes Jahr nicht möglich war, kamen am Samstag erstmals
wieder die Vertreter der Schützenkompanien in Sarnthein zusam-
men, um den Bezirkstag zu begehen. Es ist ein kleiner Schritt in
Richtung Normalität“, so Bez.-Mjr. Lorenz Puff. Im Anschluss an
die heilige Messe, die von Guardian Pfarrer Reinald Romaner OFM
zelebriert wurde, fand am Gefallenendenkmal das Heldengedenken
mit Kranzniederlegung statt. Da das Abfeuern einer Ehrensalve
durch eine Ehrenformation nicht möglich war, wurde eine Salve
von vier Kanonen oberhalb des Friedhofs abgefeuert. Der Land-
tagsabgeordnete Franz Locher hielt zu Ehren der Gefallenen die
Gedenkrede. Anschließend fand im Bürgerhaus von Sarnthein die
Versammlung statt. Mjr. Lorenz Puff schaute auf eine erfolgreiche eigenen Stichwahl wurde Alexander Corradini (SK Gries) als dritter
Legislaturperiode zurück. „Nicht einmal drei Jahre ist es her und Bezirksbeirat bestimmt. Es folgte die Wahl der Delegierten für
doch wie aus einer anderen Zeit“, kommentierte der Bezirksmajor, den Bundesausschuss. Die Gewählten sind: Andreas Franzelin (SK
als er die Höhepunkte aufzählte. Die Bilder vom Besuch unserer Terlan), Karl Marmsoler (SK St. Ulrich), Lukas Pfeifer (SK Eggen),
Freunde in Venedig mit tausenden Schaulustigen oder die Teilnah- Robert Silvestri (SK Leifers) und Roland Spitaler (SK Bozen). Bun-
me am Trachten- und Schützenzug zum Münchner Oktoberfest desgeschäftsführer Egon Zemmer zeigte sich in seinen Grußworten
schienen ihm bizarr angesichts der jetzigen Einschränkungen. Nach überzeugt, dass die Schützen in dieser Pandemie Vorreiter waren
den Berichten der Referenten folgte die Neuwahl der Bezirkslei- und sind. „Denn wir haben es uns nicht zuhause gemütlich ge-
tung. Sowohl Mjr. Lorenz Puff (SK Gries) als auch sein Stellvertreter macht, sondern der Zivilgesellschaft dort geholfen, wo es nötig war.
Reinhard Gaiser (SK Eppan) setzten sich in geheimer Wahl deutlich Sei es durch das Verteilen von Desinfektionsmitteln wie auch das
gegen ihre Gegenkandidaten durch. Von den sechs angetretenen Putzen der Zimmer der Verstorbenen.“ Weiters dankte er all jenen,
Kandidaten wurden Jakob Wenter (SK Deutschnofen) und Sepp die sich bereit erklärt haben, diesen Dienst zu tun. Der Bezirkstag
Rungger (SK Sarntal) als Bezirksbeiräte wiedergewählt. In einer endete mit dem gemeinsamen Singen der Landeshymne. n
N° 3 | Juni 2021
Spendenaktion für Bedürftige

Aus den BEZIRKEN & BATAILLONEN 29


Schenna von Hannes Holzner

Kleine Taten, große Wirkung

Ende April spendierte die Familie Illmer vom Delikatessengeschäft Die Ware wurde an verschiedene soziale Einrichtungen wie an den
„Speckladele Schenna“ dem Schützenbezirk Burggrafenamt-Passei- Jugenddienst Meran, die verschiedenen Lebensmitteltafeln, die Al-
er die erste von zwei Ladungen Geflügelwurst, um diese an caritati- tenheime Tisens und St. Pankraz und das Betreute Wohnen in Nals
ve Einrichtungen im Bezirk zu verteilen. Die Bezirksleitung nahm übergeben. Ein großes Vergelt’s Gott gilt der Familie Illmer vom
dieses Angebot dankend an und verteilte die Metzgereierzeugnisse „Speckladele Schenna“ für ihren unschätzbar großzügigen Beitrag
an die Hauptmänner der Schützenkompanien Obermais, Naturns, in dieser für viele Menschen schwierigen Zeit sowie allen Mitwir-
Franz Höfler Lana, Luis Egger St. Walburg, St. Pankraz und Nals. kenden für ihre Bemühungen. n

Terlan von Sigmar Stocker

Pflanzaktion der Kornelkirsche


des Schützenbezirkes Bozen ein voller Erfolg:
„Frühstück für die Bienen wird serviert“
Im September des vergangenen Jahres hat werden, dass viele bereit sind, einen Beitrag
der Schützenbezirk Bozen eine Aktion zum zum Schutz dieses Tieres zu leisten, und
Schutz der Bienen auf den Weg gebracht. dazu gehört neben der Imkerei auch die
Sie trug den Namen „Frühstück für die Bie- Pflanzung von bienenfreundlichen Pflan-
nen“ und es wurde zur Pflanzung der Kor- zen, wie es die Kornelkirsche ist. Gezeigt
nelkirsche – genannt auch „Dirndlstrauch“ hat es auch, dass der Umweltschutz in den
– aufgerufen. Die Kornelkirsche blüht nach Schützenkompanien ein sehr stark gefühltes
dem Winter als eine der ersten Pflanze und Thema und Tätigkeitsfeld ist und dass man
bietet so schnell den wichtigen und nötigen sich durch unser Netzwerk in den Gemein-
Nektar als Nahrung für die Bienen. Nun ist den gut und praktisch organisieren kann.
der Aufruf der Pflanzaktion abgeschlossen Der Schützenbezirk Bozen bedankt sich bei
und es kann mit Freude mitgeteilt werden, allen, welche Kornelkirschen bestellt und
dass diese Aktion ein voller Erfolg war. Als zum Gelingen dieses nachhaltigen Projektes
im September des vergangenen Jahres mit beigetragen haben. Nicht nur Schützen,
diesem Projekt gestartet wurde, hoffte man sondern sehr viele Mitbürger, welche nicht
auf 50–100 Bäume, die gepflanzt werden in den eigenen Reihen mitmarschieren,
könnten. Geworden sind es nun sage und haben „Dirndln“ erworben. Ein sehr großer
schreibe 500 Pflanzen – in 25 Gemeinden. Dank geht an den Fachberater für Imkerei
Einige Bäume gehen auch ins Eisacktal, ins des Landes Südtirol Andreas Platzer und
Pustertal und ins Unterland. seine Mitarbeiter an der Laimburg, welche Alle, die nun diese Bäume
Dieser Zuspruch hat positiv überrascht und die Aktion fachmännisch begleitet haben. gepflanzt haben, schaffen über Jahrzehnte
hat gezeigt, dass die Bienen bei den Men- Bedanken möchte sich der Schützenbezirk ein wichtiges Nahrungsangebot für die
schen einen großen Zuspruch erleben und Bozen auch bei der „Baumschule Armin Bienen und leisten einen Beitrag für die
deren Wichtigkeit sehr stark in unserem Hafner“ in Frangart, welcher der Lieferant Heimat. n
Denken verankert ist. Es kann festgestellt der Bäume ist.
N° 3 | Juni 2021

30 Aus den BEZIRKEN & BATAILLONEN


Bataillon Wintersteller von Christian Fuchs

Kleine Schützenfibel der Wintersteller –


das kleine ABC unserer Schützen neu verlegt.
Die beliebte Schützenfibel des Wintersteller- Weiteren wird auf die „11 Leitmotive des
Bataillons wurde optisch und inhaltlich Bundes der Tiroler Schützenkompanien“
überarbeitet und neu verlegt. Mitte März genauer eingegangen. Auch die Organisa-
2021 präsentierte der Bildungsoffizier des tion des Bundes der Tiroler Schützenkom-
Schützenbataillons Rupert Wintersteller, Lt. panien wird vom Bundesausschuss über die
Dipl. Ing. Christian-Georg Hopfensperger Bundesversammlung bis hinunter zu den
die Neufassung der „Kleinen Schützenfi- Kompanien genau dargelegt. Ein wichtiges
bel der Wintersteller“ per Video-Clip im neues Kapitel ist der Beschreibungen der
Internet. regionalen Wintersteller-Männertracht und
Die „Kleine Schützenfibel der Winter- der Sonn- und Festtagstracht des unteren
steller“ ist ein informatives Handbuch für Unterlandes, der Tracht unserer Marketen-
Marketenderinnen und Schützenkame- derinnen, gewidmet. Es erfüllt jede Mar-
raden und alle Interessierten am Tiroler ketenderin und jeden Schützenkameraden
Schützenwesen. So steht es auch auf der mit Stolz, diese Tracht sauber und korrekt
Vorderseite der Broschüre. Schon an der 1. zu tragen. Die Tracht ist ja vor allem das
Auflage dieses Büchleins (1996) durfte Lt. Bekenntnis zur Region und deren Brauch-
Hopfensperger mitwirken. Damals war die tum in Tirol. Alles in allem findet man in
„Schützenfibel“ ein absolut neuer Weg, um der 2. Auflage der „Kleinen Schützenfibel
Bataillonsmitglieder und interessierte Men- der Wintersteller“ ein sehr übersichtliches Das Büchlein liegt in den Gemeindeämtern
schen in unserer Heimat detailliert über das Bild über das Tiroler Schützenwesen im der Region auf.
Schützenwesen zu informieren. Inzwischen Allgemeinen und das Bataillon Rupert Win-
ist dieses Büchlein aber in die Jahre ge- tersteller im Speziellen. „Wir Schützen geben den Menschen
kommen, und bei der Neuauflage standen Die Tiroler Schützen sind Bewahrer von in Tirol Heimat und Geborgenheit,
zusätzliche Themen im Vordergrund. Tradition, Dialekt und Brauchtum und als weil nur der Mensch wachsen kann,
Die „Kleine Schützenfibel“ beginnt nun mit Vermittler einer in Jahrhunderten gewach- der weiß, wo seine Wurzeln sind.
einem kurzen Abriss der Geschichte der senen Tiroler Wertevorstellung, die durch Und diese Aufgabe soll die
Tiroler Schützen und soll auch jenen Mit- Begriffe wie Kameradschaft, Wehrhaf- Tiroler Schützen mit Stolz erfüllen,
bürgerinnen und Mitbürgern Wissen über tigkeit, gelebter Glaube und Heimattreue und die Tiroler Bevölkerung kann mit
das Tiroler Schützenwesen vermitteln, die definiert wird. Eine Selbstdefinition der Stolz auf diese einzigartige Institution
bisher wenig damit anfangen konnten. Des Wintersteller lautet: der Schützen schauen.“ n

PILGERN IN TIROL - 50 Wallfahrtsziele und Besinnungswege in Nord- und Osttirol | Susanne und Walter Elsner
288 Seiten, 319 farb. Abb. u. 50 farb. Kartenausschnitte, 1 Übersichtskarte, 14,5 x 21 cm, Klappenbroschur
Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2021, ISBN 978-3-7022-3891-9
24,95 Euro

Traumpilgerziele in Tirol erkunden und erwandern


Die vielen Bergkapellen, Kirchen und Klöster, Kraftorte und Besinnungswege im „heiligen Land“ Tirol
sind nicht nur Ausdruck lebendiger und oft auch wiederentdeckter moderner Religiosität. Sie sind
auch attraktive Wanderziele, die aufgrund ihrer aussichtsreichen, traumhaft schönen Lage inmitten
der Alpen seit jeher Pilger aus nah und fern in ihren Bann ziehen. Auf beliebten und einsamen Wegen
gleichermaßen erkundet nun ein neuer Führer die schönsten Wallfahrtsorte in Nord- und Osttirol –
bei einfachen Talwanderungen ebenso wie bei reizvollen Abstechern ins Hochgebirge. Die beiden Au-
toren besuchen kleine Pestkapellen und imposante Stifte, wundertätige Gnadenbilder und heilende
Wasser, pilgern auf Jakobs- und Kreuzwegen, entdecken uralte Fresken und moderne Gedenkstätten
und erfahren von so manchen Legenden, Traditionen und spannenden kulturhistorischen Details.
Gegliedert nach Regionen, mit praktischen Kartenausschnitten, genauen Wegbeschreibungen und
vielen Fotos bestückt, bietet das Buch eine Auswahl an 50 Touren, die eine Vielzahl mehr an lohnen-
den Pilgerzielen verbinden und so auch reizvolle Tagesausflüge ergeben. Der perfekte Begleiter für
alle, die Tirol auch von seiner spirituellen Seite kennenlernen wollen!

Die Autoren:
Susanne und Walter Elsner leben und arbeiten in Tirol und haben bereits eine Vielzahl an Kulturwander- und Pilgerführern sowie Bü-
chern mit Impulsen zum Pilgern verfasst. Ihre große Leidenschaft bringen sie seit vielen Jahren Interessierten gemeinsam näher, sei es bei
geführten Pilgerwanderungen oder Vorträgen. Tirol ist dabei ihre zweite Heimat geworden, die sie sowohl beruflich wie auch privat im
Rahmen vielfältiger Wanderungen aus allen Blickwinkeln erkunden. Mehr zu unserem Autorenteam unter: pilgerimpulse.jimdofree.com
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Wir gratulieren … 31
Lermoos

Fahnenpatin Adelheid Gerber – 90


Die Fahnenpatin der Bataillonsstandarte bildete mit dem erst kürzlich verstorbenen
des Baon Ehrenberg, Adelheid Gerber, Fähnrich Karl Schonger ein repräsentatives
konnte kürzlich ihren 90. Geburtstag feiern. Aushängeschild des Bataillons. Nach dem
Adelheid Gerber ist die Tochter des ehema- doch frühen Tod ihres Ehemannes frönte
ligen Bürgermeister Kapeller aus Haiming sie weiterhin ihrer Jagdleidenschaft und
und kam durch die Heirat mit Herrn Ger- reiste gerne in ferne Länder. Die letzten
ber vom Hotel Edelweiß nach Lermoos. Im Jahre war sie oft mit ihren Freundinnen bei
Laufe der Zeit wuchs die Familie bis hin zu größeren Touren auf dem Fahrrad anzu-
ihren Lieblingen, den Urenkeln. treffen.
Als im Jahre 1979 der damalige Bataillons-
kommandant Mjr. Erich Hundertpfund Liebe Fahnenpatin, vielen Dank für dein
Adelheid Gerber fragte, ob sie die Paten- großes Engagement für das Schützenwesen
schaft für die neue Bataillonsstandarte und deine großzügige Patenschaft. Bleibe
übernehmen könnte, war sie mit großer gesund und bleib uns noch recht lange als
Freude und Begeisterung bereit. Mit viel Fahnenpatin erhalten! Schützen Heil! n
Herzblut war sie bei zahlreichen Schützen-
festen und Ausrückungen stets dabei und

Untermais St. Pankraz

Anna Rosatti – 85 Johann Mairhofer – 80


Herzliche Gratulation der Fahnenpatin Am 9. März 2021 feierte Schützenkamerad mit einer Schießscheibe zu gratulieren. Die
der SK Untermais Anna Rosatti zum 85. und ELt. Johann Mairhofer (Lodor Hons) SK St. Pankraz gratuliert auf diesem Wege
Geburtstag! Die Schützenkompanie „Blasius seinen 80. Geburtstag. Hierfür traf sich die nochmals Elt. Johann Mairhofer, wünscht
Trogmann“ Untermais dankt Anna für ihre Kommandantschaft mit dem Jubilar nach- ihm alles Gute zu seinem runden Geburts-
Treue und ihren Einsatz in der Kompanie und träglich am 27. März im Schützenheim, tag und freut sich auf viele weitere gemein-
wünscht ihr alles Gute und Gesundheit! n um ihm bei einer gemütlichen Marende same Jahre! n

V.l. Lt. Herbert Raich, Olt. Chris Laimer, Jubilar ELt. Johann Mairhofer,
Bz.-Mjr. und Hptm. Hannes Holzner und Kassier Bernhard Öttl
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32 Wir gratulieren …
Untermais Schmirn Amras

Siegfried Hptm. Johann Gottfried Schapfl – 65


Mangger – 75 Salchner – 70 Gottfried Schapfl, „Naz“, einer der letzten
Vollerwerbsbauern von Amras, gehört seit
Siegfried Mangger ist seit 40 Jahren aktives Am 29. März 2021 feierte unser Haupt- 1973 der Schützenkompanie an. Er war von
Mitglied der SK Untermais und Schütze mann und ehem. langjähriger Obmann Anfang an und ist noch immer eine wichti-
mit Herz und Seele. Die Kameraden der SK Johann Salchner seinen 70. Geburtstag. ge Stütze der Gemeinschaft. Viele Jahre war
Untermais wünschen Sigi alles Gute zum 75. Wir ließen es uns nicht nehmen, ihm ein Gottfried als Fähnrich und Fahnenträger
Geburtstag und weiterhin viel Gesundheit. n Geschenk zu überreichen. Lieber Johann, unzählige Male im Jahr im Einsatz und ist
wir wünschen dir alles Gute und vor allem nun seit 2019 Leutnant der Kompanie.
viel Gesundheit! n Am 29. März 2021 vollendete er sein
65. Lebensjahr. Wir gratulieren! n

Amras Mötz

Erich Scherkl – 65 Hochzeit in Mötz


Am Sonntag, dem 13. Juni 2021 war es Wir gratulieren unserem Waffenwart und
beim Zugsführer Erich Scherkl, der seit Ausschussmitglied Wolfgang Praxmarer mit
1975 der Kompanie Amras angehört, so- seiner Frau Nicole zur Hochzeit am 8. März
weit. Er, der viele Jahre als Zeugwart diente, 2021 und wünschen ihnen alles Gute! n
konnte die Vollendung seines 65. Lebens-
jahres feiern. Wir gratulieren dem treuen
Schützenkameraden! n
N° 3 | Juni 2021

Aus den KOMPANIEN … 33


Andrian
von Hannes Unterkofler

Aufwändig gestalteter Platz in Andrian anlässlich


der Partnerschaft Mutters-Andrian
Im Juni 2019 feierten die beiden Schüt-
zenkompanien von Andrian und Mutters
Kreith ihre 35-jährige Partnerschaft. Dies
war Anlass für die Andrianer Schützen,
einen Platz zu diesem Thema zu gestalten.
Dieser wurde am Ende der Bindergasse
gefunden. Zunächst wurde eine Bank
aufgestellt und es wurden drei Rosensträu-
cher in den Landesfarben gepflanzt. Als
nächster Schritt wurde eine Sitzgelegenheit
mit Bänken und Tischen aus Stein und Holz
aufgestellt. Im April 2021 konnten dann
endlich die letzten Arbeiten beendet wer-
den. Es wurde noch eine Holzfahnenstange
aufgestellt und die Partnerschaftstafel, auf
der eine Gesamttiroler Landkarte abgebil-
det ist, auf einen Stein montiert. Dieser von
der Schützenkompanie Andrian aufwändig
gestaltete Platz soll die tiefe Verbundenheit
zu Nordtirol zum Ausdruck bringen und
zugleich ein Rastplatz für alle sein. n

Foto: Schützenkompanie Andrian

Bozen
von Roland Spitaler

Gedenkfeier zum 100. Todestag von Franz Innerhofer in Bozen

Am 24. April hielt die SK Bozen gemeinsam mit der SK „Mjr. sich zum nahen Ansitz Stillendorf, wo der Mord vor 100 Jahren
Eisenstecken“ Gries eine Gedenkfeier anlässlich des 100. Todestages geschah. Dort erfolgte um 12 Uhr die feierliche Kranzniederlegung.
des ersten italofaschistischen Opfers im italienisch besetzen Tirol, Der Hauptmann der Bozner Kompanie Roland Spitaler hielt im An-
Franz Innerhofer, ab. Dazu trafen sich die Schützen mit den zwei schluss eine kurze Ansprache zum Thema Faschismus vor hundert
Fahnenrotten auf dem Kirchplatz der Herz-Jesu-Kirche zu einer Jahren und heute. Eine kurze Gedenkrede hielt auch Vizebürger-
liturgischen Feier mit Pater Klaus vom Eucharistinerkloster und meister Luis Walcher. n
abschließender Segnung des Kranzes. Anschließend begab man
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34 Aus den KOMPANIEN …


Innsbruck
von Maria Luise Feichtner

Sebastiani-
Prozession
Die jährlich am Ostermontag in Innsbruck-
Arzl stattfindende Sebastiani-Prozession
fand heuer − wie viele andere Veranstaltun-
gen – in einem besonderen Modus statt. Die
Vereine durften nur Abordnungen stellen.
Die heilige Messe fand unter freiem Him-
mel statt, und die Prozession beschränkte
sich auf den Einzug in die Kirche. Die Feier
wurde durch ein Bläserquartett musikalisch
umrahmt. n

Die SK Arzl, flankiert von den beiden aus


Arzl gebürtigen Politikern, dem 1. Vizebür-
germeister Markus Lassenberger und dem
2. Vizebürgermeister Ing. Mag. Johannes
Anzengruber (Foto: SK Arzl)

Kappl
von Josef Siegele

Kappler Schützenschitour

V.l. Thomas Schöpf, Otto Siegele jun., Ernst Partoll und Josef Siegele

Nachdem alle Veranstaltungen und Ausrü- Der Altersunterschied und die unterschied- die Mühen des Aufstiegs belohnt, und nun
ckungen ausgefallen sind, haben vier Kapp- liche Kondition haben für den nötigen hoffen wir alle, dass bald wieder größere ge-
ler Schützen das herrliche Winterwetter Corona-Abstand und der frische Wind am meinsame Aktionen stattfinden dürfen. n
und die viele Freizeit genutzt, um gemein- Gipfel für sichere Bedingungen gesorgt. Mit
sam den Furgler (3.005 m) zu besteigen. einer herrlichen Firnabfahrt wurden alle für
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Aus den KOMPANIEN … 35


Obermais
von Simone Walzl

SK Obermais: Kinder helfen Kindern


Mit einer kleinen Spendenaktion läuteten
die Jungschützen und -marketenderinnen
der SK Obermais die Osterzeit ein. Sie färb-
ten zusammen mit der Jugendbetreuerin
Verena Zipperle knapp tausend Ostereier
und verkauften diese an Interessierte im
Burggrafenamt. Dank der großen Nach-
frage konnten 925,- € gesammelt werden.
Dieser Erlös wurde in Zusammenarbeit mit
dem Bäuerlichen Notstandsfond an eine
in Not geratene Familie im Meraner Raum
gespendet, deren Kind durch eine schwere
Erkrankung zum Pflegefall geworden ist.
Die Kinder freuten sich sehr über die große
Nachfrage und die positiven Rückmeldun-
gen zu dieser Osteraktion.
Die SK Obermais bedankt sich herzlich bei
allen Unterstützern: bei den Eierproduzen-
ten und -vertrieben in der Umgebung für
die gespendeten Eier, dem Maiser Wochen-
blatt für die Bewerbung der Aktion und
natürlich bei den zahlreichen Abnehmern,
ohne welche diese Aktion nicht erfolg-
reich gewesen wäre. Hierfür ein herzliches
Vergelt’s Gott!
Im Sommer letzten Jahres hat die Jugend-
betreuerin Verena Zipperle ebenso eine
großartige Aktion für die Jungschützen
und -marketenderinnen ins Leben gerufen:
einen Malwettbewerb zum Thema „Huemet
& Zommholtn“. 24 Kinder aus den Kompa-
nien im Burggrafenamt und Passeier haben
sich an der Aktion beteiligt und das Thema Obermais den Kindern etwas Abwechslung Ein herzliches Dankeschön gilt der Jugend-
auf interessante und inspirierende Art und in dieser schwierigen Zeit bieten und sie betreuerin Verena Zipperle für die einzig-
Weise umgesetzt. Die Bilder hat die SK motivieren, anderen Menschen zu helfen, artigen Aktivitäten, die sie mit den Kindern
Obermais auf ihrer Facebook-Seite online die es nicht so gut haben. In der heutigen unternimmt, sowie dem Hauptmann Chris-
gestellt. Zeit ist so etwas essenziell, und die Kinder tian Egger und der Kommandantschaft, die
Mit solchen Tätigkeiten möchten die SK haben eine Freude daran und wollen helfen. diese Tätigkeiten unterstützen. n

Zirl
von Philipp Kollmer

Dorfputz 2021
der SK Zirl
Am 2. April 2021 war es wieder soweit, und
die SK Zirl mit Obmann Philipp Kollmer
führte wie jedes Jahr beim Dorfputz die
Reinigung des Ehnbachs durch. Mit dabei
waren heuer Schützenmeister Reiter Her-
bert, Schriftführer Thomas Wild, Fähnrich
Hermann Egger, Jungschützenbetreuer-Stv.
Andreas Donnerbauer und Unterjäger
Stefan Salinger mit seinem Sohn. n
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36 Aus den KOMPANIEN …


St. Sigmund
von Alexander Haider

Grabwache
Eine besondere Grabwache gab es dieses Ostern im Sellraintal.
Gemeinsam mit dem Seelsorgeraum Sellraintal und kirchenna-
hen Traditionsverbänden wurde erstmalig die Grabwache am
Karsamstag bis zur Osternachtmesse als Schichtwache organisiert.
Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe. Das Heilige Grab in St.
Sigmund im Sellrain stellt uns das Geschehen bildhaft vor Augen.
Es lädt zum Verweilen, zum Nachspüren von Leiden und Tod Jesu
und zum Gebet vor dem Allerheiligsten ein. So übernahmen die
SK Sellrain und die SK Gries je eine Schicht der Grabwache. Es war
beiden Kompanien eine Ehre, einen Beitrag bei der Grabwache in
St. Sigmund zu leisten. n Abordnung der SK Sellrain bei der Grabwache in St. Sigmund

Sellrain
von Alexander Haider

Osterüberraschung für die Sellrainer Jungschützen


Die Jungschützen in Sellrain staunten nicht schlecht, als vor ihren
Haustüren am Ostersonntag ein Osternest mit persönlicher Nach-
richt des Jungschützen-Osterhasen lag. Beauftragt und unterstützt
vom Jungschützenbetreuerteam gab es diverse Süßigkeiten und
einen kleinen Osterreim für die „bravsten und fleißigsten Jungs-
chützen“ im Sellrainer Dialekt. Gemeinsam hoffen die Jungschützen
und ihre Betreuer, dass es bald wieder möglich sein wird, sich im
Rahmen der Schützenkompanie bei Ausrückungen oder Schieß-
trainings zu treffen und die nächste Generation an Schützen und
Marketenderinnen aufzubauen. n

Osterüberraschung für die Sellrainer Jungschützen

DAS GROSSE ZILLERTALER WANDERBUCH | Nicola Fankhauser/Gudrun Steger u. a.


Herausgegeben von der Sektion Zillertal des Österreichischen Alpenvereins. Redaktion Nicola Fankhauser
und Gudrun Steger. Mit Tourenvorschlägen von Josef Angebrand, Patrick Brugger, Nicola Fankhauser, Markus
Kreidl, Wolfgang Kreidl, Bernhard Schmidt, Barbara Schneeberger, Willi Seifert, Marie Spallek, Christian Steger,
Gudrun Steger, Henrik Stein, Lois Stöckl, Peter Ungerank und Florian Wechselberger

248 Seiten, 75 Tourenvorschläge, 189 farbige Abb. und 75 topografische Karten mit eingezeichnetem
Routenverlauf sowie 1 Übersichtskarte, 14,5 x 21 cm, Klappenbroschur, Tyrolia-Verlag, Innsbruck – Wien 2021,
ISBN 978-3-7022-3933-6, 24,95 Euro

Wanderkosmos Zillertal – Über 70 Tourenziele, von heimischen Gebietskennern beschrieben


Das Zillertal bietet eine enorme Auswahl an erlebnisreichen Touren, nahezu für jede Jahres-zeit und für jedes
Fitnesslevel. Von der Zillermündung in Strass auf 518 Metern Höhe bis zum 3509 Meter hohen Gipfel des Hoch-
feilers erstreckt sich die Wanderregion. Die in diesem Buch vorgestellten Touren erfassen alle Höhenlagen: Spa-
ziergänge und talnahe Wanderungen in bäuerlicher Kulturlandschaft, Genusstouren in den aussichtsreichen
Almregionen sowie anspruchsvolle Übergänge und Gipfelanstiege in der faszinierenden Urlandschaft des
Hochgebirges. Im Westen sind es die Tuxer und im Osten die Kitzbühler Alpen, die mit ihren sanften Formen,
klaren Bergseen, weitläufigen Almen und den vielen Zweitausendern herrliche Wanderungen bereithalten.
Im Süden erhebt sich der Zillertaler Alpenhauptkamm mit den durch Gletscher und Flüsse tief eingeschnittenen Tälern, auf deren
Trogschultern ausladenden Kare ruhen. Über diesen ragen schroffe Grate und vergletscherte Gipfel weit über 3000 Meter auf. Bewirt-
schaftete Hütten bieten in dieser hochalpinen Region willkommene Stützpunkte und lohnende Ziele.

Die Autorinnen und Autoren:


Alle Tourenvorschläge wurden in Zusammenarbeit mit der Sektion Zillertal des Österreichi-schen Alpenvereins und dem Hochgebirgs-
Naturpark Zillertaler Alpen von ehrenamtlich täti-gen heimischen Tourenführern und anderen ausgesprochenen Gebietskennern
ausge-wählt, eigens für dieses Buch nochmals begangen und unter der Regie von Nicola Fank-hauser (Zell am Ziller) und Gudrun Steger
(Mayrhofen) sorgfältig beschrieben.
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Unsere JUNGSCHÜTZEN & MARKETENDERINNEN 37


Innsbruck
von Marco Buckovez

Foto: Marco Buckovez


Palmsonntagsaktion der SK Wilten
Zum wiederholten Male startete die SK Wilten eine Palmsonntagsaktion für die
Wiltener Bevölkerung und Freunde der Kompanie.

Es wurden 12 Palmbuschen und 14 Lederhosenschneiderei Amalia Pernter)


Palmlatten gebunden. Die vier größten bereitgestellt. Eine gute Zusammenarbeit
Latten mit ca. 8 Metern schmückten bis ganz im Sinne der Europaregion Tirol.
Ostersonntag den Altarraum der Kirche Anstelle der traditionellen Palmbrezen wur-
im Süden der Stadt, Wilten West. Die Äpfel den ca. 180 Salzteig-Palmbrezen gebacken
der Palmlatten wurden von der SK Franz und während der Messe verteilt.
von Fenner Margreid mit Hptm. Andreas Alles in allem eine gelungene Aktion, die
Maier und der SK Dr. Josef Noldin Salurn ein Gefühl der Normalität zurückbrachte. n
mit Schütze Thomas Ventura (Salurner

Schwaz
von Barbara Eller

Osternester von Kindern für Kinder Hall i. T.


von Stefanie Hotter

Die Jungschützen und Jungmarketenderinnen der 1. Andreas Hofer SK Schwaz Osternester


ließen sich zu Ostern etwas Besonderes einfallen.
Um trotz der schwierigen Zeit ein Zeichen
der Gemeinschaft zu setzten, hat sich die
Speckbacher SK Hall in Tirol überlegt,
deren Mitglieder und Gönner mit einem
Osternest zu überraschen. Der Inhalt des
Nestes wurde natürlich wieder selbst ge-
macht. Auch ein Palmbuschen, welcher am
Palmsonntag am Oberen Stadtplatz geweiht
wurde, wurde dazugelegt. Am Karsamstag
wurden die Geschenke dann ausgeliefert,
und die Rückmeldungen waren wieder
mehr als positiv. Die Aktion war somit ein
voller Erfolg! n

Wir danken unserem Nachwuchs Leonie und Sophie Eller, Anna Sophie Heinrich,
Magdalena Zuran und Max Rodle.

Unter der Aufsicht ihrer Jugendbetreuerin


GR Barbara Eller füllten sie 30 Osternes-
ter für Kinder im Sozialpädagogischen
Zentrum St. Martin in Schwaz. Mit dieser
Geste wollen sie zeigen, dass Kinder auch
in schwierigen Zeiten zusammenhalten und
füreinander da sind.
Alle Helferinnen und Helfer bekamen ein
Diplom vom Osterhasen und eine kleine
Belohnung. n
N° 3 | Juni 2021

38 Unsere JUNGSCHÜTZEN & MARKETENDERINNEN


Mieders
von Franziska Jenewein

Palmbuschen und Palmlatten


Im Jahr 2020 ist zu Ostern unser jährliches Palmbuschen- und
Palmlatten-Binden mit den Jungmarketenderinnen und Jung-
schützen in der SK Mieders entfallen.

Daher haben sich der Hauptmann Paul Wechner, die Jungschützen-


betreuerin Franziska Jenewein und die Eltern der Jungmarketen-
derinnen und Jungschützen für den heurigen Palmsonntag etwas
Besonderes einfallen lassen.
Bereits im Vorhinein wurden von allen die traditionellen Kräuter
und anderen Pflanzen, die für diesen alten Brauch benötigt werden,
gesammelt. In einer Materialkiste wurden diese dann zusammenge-
fügt. Ebenso befanden sich Draht, Scheren, Baumscheren und bun-
te Bänder in der Materialkiste. Diese wurde dann am Tag vor dem
Palmsonntag von der Jungschützenbetreuerin Franziska Jenewein
an die erste Jungmarketenderin geliefert, die dann die Möglichkeit
hatte, mit den Eltern gemeinsam ihren Palmbuschen zu binden.
Nach dem Fertigstellen wurde die Materialkiste an das nächste
Haus geliefert. So ging die Kiste mit allen benötigten Materialien
die Runde, und am Ende konnten die Jungmarketenderinnen und
Jungschützen ihren fertigen Palmbuschen in der Hand halten.
Die Jungschützen und Jungmarketenderinnen haben ihre Palmlat-
ten und ihre Palmbuschen dann am Palmsonntag zur Prozession
getragen. In der Kirche wurden sie dann gesegnet. Zu Hause wer-
den sie vor die Tür oder in den Herrgottswinkel des Hauses gestellt,
um Krankheit und Blitz abzuhalten, so sagt man. Wir bedanken uns
recht herzlich bei den Eltern der Jungmarketenderinnen und Jung-
schützen für die Bereitschaft und die Zeit mitzumachen. Herzlichen
Dank dem Schützenhauptmann Paul Wechner, der Jungschützenbe-
treuerin Franziska Jenewein und allen Mitgliedern der SK Mieders
fürs Beitragen und Sammeln der traditionellen Pflanzen. n Die stolzen Jungmarketenderinnen Hannah und Julia mit ihren
selbst gebundenen Palmbuschen.

Wir gedenken …
Josef Oberparleiter Peter Sigmayr Olang dabei. Bis zu seiner schweren Erkran- fortan aktiv im Verein mit.
† 7. JÄNNER 2021 – OLANG Eine treibende Kraft auch bei kung, welche er 2,5 Jahre tapfer Zuerst war er Gewehrschütze,
Im Jänner verließ einer der der Partnerschaft mit unseren durchstand, war er immer ein später jahrelang Fähnrich.
treuesten Schützenkameraden Freunden der SK Strassen. fleißiger Schützenkamerad, der 25 Jahre lang war Franz in
die SK Peter Sigmayr Olang. Nicht selten hat er für die gerade jungen Schützen Werte weiterer Folge Obmann der
Josef Oberparleiter war viele Schützen sein Handwerk, seine wie Heimatliebe, Kamerad- Kompanie und damit haupt-
Jahre Oberleutnant und später Meisterwerkstatt, ruhen lassen. schaft und Geselligkeit vorlebte. verantwortlich für unzählige
sehr viele Jahre Kassier. Er Aktivitäten. Durch seine
hinterlässt eine tiefe Wunde im Funktion trug er auch in recht-
Verein, denn er war immer ein EObm. Franz lichen Belangen nach außen
sehr geselliger, offener und gut Gundolf persönlich Verantwortung für
gelaunter Kamerad, beliebt bei den Verein. Insgesamt blieb er
Alt und Jung. Einer, der nicht † 16. MÄRZ 2021 – über 60 Jahre aktives Mitglied
nur von Kameradschaft und WENNS IM PITZTAL der Kompanie und war in dem,
Tirolertum redete, sondern Im März 2021 verstarb unser was er tat, mit großem Enga-
einer, der sie lebte. Wenn Ehrenmitglied Franz Gundolf gement und Herzblut dabei. Es
man ihn brauchte: Sepp war im 88. Lebensjahr. Bereits 1955 ist deshalb nicht verwunder-
da. Do Moar Sepp, so kann- trat er als 22-Jähriger, kurz lich, dass diese Begeisterung
ten ihn wohl die meisten, war nach der Wiedergründung, in auch heute noch in der Familie
mit Leib und Seele bei der SK die Kompanie ein und wirkte Gundolf weiterlebt. Söhne und
N° 3 | Juni 2021

Wir gedenken … 39
Enkel sind ebenfalls Schützen schützenbetreuer, Kassaprüfer als Schießbetreuer tätig war. serem geschätzten Kameraden
der Kompanie. und Fahnenbegleiter) und bitten Das Scheibenschießen in der und Schriftführer Josef mit
In Anerkennung seiner darum, dass der Herrgott ihm Kompanie war ihm immer ein einer kleinen Abordnung die
Leistungen verlieh ihm die ewigen Frieden schenken möge. großes Anliegen. Die Liebe zur letzte Ehre zu erweisen. Josef
Kompanie Wenns den beson- Heimat und sein Einsatz in wurde am offenen Grab mit 3
deren Titel des Ehrenobman- der SK Anton Steger Brun- Böllerschüssen des Kamerad-
nes. Das Schützenregiment des eck waren stets Vorbild und schaftsbundes und dem Lied
Tiroler Oberlandes würdigte Verpflichtung zugleich und sie vom „Guten Kameraden“, vom
seine Verdienste 1986 mit dem werden alle Kameraden in die Kompaniehornisten Manfred
Regimentsverdienstzeichen, Zukunft begleiten. Walder vorgetragen, verab-
welches nur wenigen Schützen schiedet.
zuteil wird. Franz war, wie
man heute sagen würde, ein
„Multifunktionär“. Aus diesem
Grund ehrte ihn das Land mit
der Verdienstmedaille des Lan-
des Tirol und der Ehrenamts-
nadel. Zudem war Franz Eh-
renzeichenträger der Gemeinde
Wenns, bei der er beruflich Werner Kompas
17 Jahre lang Vorarbeiter des † 2. APRIL 2021 – MILS
Gemeindebauhofes war. Aus Die SK Mils trauert um ihren
gesundheitlichen Gründen Kameraden Werner „Kompos“,
musste er 2017 vom aktiven der im Alter von 69 Jahren ver-
Vereinsleben Abstand nehmen. storben ist. Werner trat im Jahr
Bei vielen Veranstaltungen war 2000 als Schütze in die SK Mils Josef Walder
er aber dennoch anwesend und ein und war ein verlässlicher (Tädler) Alois Aufderklamm
verfolgte mit großem Interesse Kamerad bei Prozessionen, † 27.04.2021 – KASTELBELL
das Wenner Vereinsleben mit Schießveranstaltungen, Ver- † 28. NOVEMBER 2020 – SILLIAN Die SK Kastelbell trauert um
einem wohlwollenden Auge. einsfesten und Ausrückungen Am 28.11.2020 ist unser Schüt- ihren Kameraden Alois Auf-
in Südtirol und Bayern. zenkamerad Josef Walder, derklamm, der im 88. Lebens-
Tädler, bei einem tragischen jahr zu Gott heimgegangen
Forstunfall ums Leben gekom- ist. Luis ist im Jahre 1969 der
men. Er war 33 Jahre Mitglied Kompanie beigetreten und war
der Schützenkompanie Sillian, stets ein fleißiger und verläss-
22 Jahre Schriftführer der licher Schütze. So war er unter
Kompanie, 7 Jahre Internet- anderem 11 Jahre Fähnrich und
und Intranet-Beauftragter, 11 18 Jahre Schießbetreuer. 2019
Jahre Bataillonsschriftführer wurde Luis die A.-Hofer-Lang-
und im früheren Schießaus- jährigkeitsmedaille für 50 Jahre
schuss. Bei diversen Fest- treue Mitgliedschaft verliehen.
veranstaltungen, die von der Zum letzten Gruß verabschie-
Kompanie organisiert wurden, dete sich die Kompanie mit der
z.B. Marktlfest oder Kirchtags- höchsten Ehrerweisung.
fest, hat Josef die Hauptorga-
Karl Brandstätter nisation und auch die Abrech-
† 20. MÄRZ 2021 – LIENZ Konrad Winding nungen übernommen. Für die
Die SK Lienz trauert um ihr † 10. FEBRUAR 2021 – BRUNECK Verdienste im Schützenwesen
langjähriges Mitglied Karl Die SK Anton Steger Bruneck erhielt er im Jahr 2000 die Ver-
Brandstätter, der im März 2021 trauert um ihr ältestes Mitglied. dienstmedaille in Bronze, 2001
verstorben ist. Wir wollen ihn Am 24. April wurde Konrad die Haspinger-Medaille für 15
als redegewandten, immer Winding unter unter großer Jahre Mitgliedschaft, 2011 die
hilfsbereiten, vorbildlichen und Anteilnahme von Schützen- Speckbacher-Medaille für 25
äußerst bescheidenen Kamera- kameraden aus dem ganzen Jahre Mitgliedschaft und 2017
den in Erinnerung halten. Wir Bezirk Pustertal zu Grabe die Verdienstmedaille in Silber.
danken ihm für die langjährige getragen. Außerdem hat er im Jahr 2000
Treue in vielerlei Funktionen Er trat 1976 in die Kompanie die goldene Schützenschnur
(Ausschussmitglied, Jung- ein, wo er für sechzehn Jahre geschossen. Wir durften un-
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40 Für langjährige Treue WURDEN GEEHRT ...

10 Jahre
Lisa Winkler (Bruneck)
Termine 2021
15 Jahre 1. Juni:
2. Juni
225 Jahre Herz-Jesu-Gelöbnisfeier, Kaltern
Ehrenzeichenverleihung, Innsbruck
Claudia Bacher Oberhofer (Bruneck); Christoph Bernardi
und Thomas Solderer (Sélva/Wolkenstein) 3. Juni Fronleichnam
5. Juni Bundesausschusssitzung BTSK
25 Jahre 6. Juni
11. Juni
Fronleichnamssonntag
Herz-Jesu-Prozession, Weerberg
Johann Winding (Bruneck)
225 Jahre Herz-Jesu-Gelöbnisfeier des Landes
40 Jahre 12. Juni
mit Landesgelöbnisgottesdienst, Feldmesse, Stams
60 Jahre Feuernacht
Werner Oberhofer (Bruneck) und Reinhold Nocker
Tag der Tradition, Schützenmesse in der
(Sélva/Wolkenstein)
Jesuitenkirche, Innsbruck

60 Jahre 13. Juni


19. Juni
Herz-Jesu-Sonntag
Bundesversammlung des SSB, Bozen
Hans Unterfrauner (Bruneck)
20. Juni Baonsfest, Arzl im Pitztal
3. Juli Bundesversammlung des BTSK, Innsbruck
4. Juli Baonsfest Starkenberg und Bezirksfest Imst, Karres
18. Juli Baonsfest Wipptal-Eisenstecken, Matrei am Brenner
25. Juli Baonsfest Ehrenberg, Elbigenalp
22.–25. Juli SSB-Jungschützenzeltlager, Sexten
7. August Übergabe Standschützenfahne Baon Ulten, Innsbruck
Gedenkfeier in der Sachsenklemme
15. August Maria Himmelfahrt
22. August Baonfest Mittleres Zillertal, Zell am Ziller
Baonfest Kufstein und 40-Jahr-Fest SK Brixlegg
Oberinntaler Regimentspokalschießen, Pfunds

Die Durchführbarkeit verschiedener nächster Termine steht


aufgrund der aktuellen Situation noch nicht fest. Infos dazu
unter www.schuetzen.com bzw. www.tiroler-schuetzen.at

Impressum
Anschriften der Schriftleitungen:
Bayern: Hptm. Hans Baur, Schöttlkarstr. 7, D-82499 Wallgau,
Tel. 08825/9219560, Fax 08825/9219561 E-Mail: baur-wallgau@gmx.de
Nord-/Osttirol: Franziska Jenewein, Gschnitz 140, A-6150 Gschnitz,
Tel. 0664/88265867, E-Mail: zeitung@tiroler-schuetzen.at
Süd-Tirol: SSB, Innsbrucker Straße 29, I-39100 Bozen,
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Redaktionsschluss ist der jeweils letzte Tag der Monate Februar, April,
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Eingetragen beim Landesgericht Bozen, Nr. 6/77. Verantwortlicher
Schriftleiter im Sinne des Pressegesetzes Hartmuth Staffler. Die Tiroler
Schützenzeitung versteht sich als Mitteilungsblatt des Südtiroler
Schützenbundes, des Welschtiroler Schützenbundes, des Bundes der
Tiroler Schützenkompanien und des Bundes der Bayerischen Gebirgs-
schützen-Kompanien. Schriftleiter SSB: Mjr. Renato des Dorides; BGSK:
Hptm. Hans Baur; BTSK: Franziska Jenewein, WTSB: Enzo Cestari
Druck: Karodruck, Frangart

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