Sie sind auf Seite 1von 14

Lösung zum Übungsblatt

Bodenfeuchte, Abflussbildung, Wasserbilanz,


Infiltration

Zur Veranstaltung Hydrologie I, Dozent Prof. Dr. Erwin Zehe, Fachgebiet für Hydrologie

Aufgabe 1: Porosität und Gravimetrische Bodenfeuchte:

Sie wollen die Porosität eines Bodens bestimmen. Hierzu nehmen Sie mit einem
Stechzylinder mit einem Volumen von 100 cm³ eine Bodenprobe und sättigen diese im Labor
mit Wasser auf. Sie wiegen die Probe und trocknen Sie anschließend in einem Ofen bei
105°C. Nach der Trocknung wiegen Sie die Probe erneut.)

Gewicht vor der Trocknung: 217,5 g

Gewicht nach der Trocknung: 174,7 g

a) Wie groß ist die Porosität des Bodens in [m3/m3]


b) Wie viel wiegt die getrocknete Probe, wenn Sie im Anschluss so viel Wasser
dazugeben, bis eine volumetrische Bodenfeuchte von 0,30 [m3/m3] erreicht ist?

Benötigte Gleichung und Angaben:

• Porosität ΘS: ΘS = VPoren / VGesamt (Porenvolumen / Gesamtvolumen)


• Volumetrische Bodenfeuchte Θ: Θ = VWasser / VGesamt
• Dichte ρ: ρ=m/V , Mit m: Masse [kg] und V: Volumen [m³]
  
• Dichte von Wasser ρW: ρW = 1 =1 =1
   

Gegeben:

VGesamt = 100cm³

mgesättigterBoden = 217,5 g und mtrockenerBoden = mBodenteilchen = 174,7 g

Skizze:
Es gilt generell :

Für die Volumina: VGesamt = VBodenteilchen + VPoren,

bzw. bei Sättigung VGesamt = VBodenteilchen + VWasser

Zu a.)

Bei Sättigung ist das gesamte Porenvolumen mit Wasser gefüllt. Nach der Trocknung ist dagegen
das gesamte Porenvolumen mit Wasser gefüllt.

→ VPoren = VWasser = mW/ρW, mit mW = Masse Wasser

Benötige zur Berechnung des Porenvolumens also die Masse des Wassers:

mW = mgesättigterBoden - mtrockenerBoden = 42,8 g



→ VPoren = 42,8 g / 1  = 42,8 cm³

 
Für die Porosität ΘS: ΘS = VPoren / VGesamt → = 42,8 cm³ / 100 cm³ = 0,428  = 0,428 

Zu b.)


Gegeben volumetrische Bodenfeuchte Θ= 0,3  ;

Gesucht Masse des der Bodenprobe mGesamt 0,3 mit dieser Bodenfeuchte

→ mGesamt 0,3 = mBodenteilchen + mW 0,3 (Gleichung *)

Benötige zur Berechnung von mGesamt 0,3 als nur noch die Masse des Wassers mW 0,3 bei einer
Bodenfeuchte von 0,3.

Mit den Gleichungen mW 0,3 = VWasser x ρW und VWasser = Θ0,3 x VGesamt

→ mW 0,3 = Θ0,3 x VGesamt x ρW

In Gleichung * eingesetzt →

mGesamt 0,3 = mBodenteilchen + Θ0,3 x VGesamt x ρW



→ mGesamt 0,3 =174,7 g + 0,3 x 100 cm³ x 1 = 204,7 g

Aufgabe 2: Infiltration und Abfluss mit der Hortonformel

Ermitteln Sie den Abflussbeiwert für ein Niederschlagsereignis von 45 mm in 3h mit Hilfe der
Horton Infiltrationsformel. Unterscheiden Sie dabei die Fälle einer anfangs und einer
endbetonten Verteilung der Niederschlagsintensität (PA und PE). Die unterschiedlichen
Intensitätsverläufe finden Sie in Tabelle 2.1.

Anfangsinfiltrationsrate I0= 20 mm/h


Endinfiltrationsrate G= 5 mm/h
Rezessionskonstante K =1/1h

Horton Infiltrationsformel: I(t) = G+ (I - G) exp (- K t)


Integral der Hortonformel:
t i + ∆t t i + ∆t

Qs (t i ) = ∫ P(ti )dt −
ti
∫ I (t )dt
ti
i

t i + ∆t
 1 
∫ I (t )dt = CI (t ) = G ⋅ ∆t + K ⋅ (I
i i 0 [ ]
− G ) e − Kti − e − K (ti + ∆t ) 
ti 

Tipp: Berechnen Sie die akkumulierte Infiltration CI mit dem Integral der Hortonformel über
∆t= 1, 2 und 3 h (jeweils mit ti= 0h). Errechnen Sie daraus den Zuwachs der akkumulierten
Infiltration ∆CI = CI(ti)-CI(ti-1). Die Berechnung/Abschätzung der akkumulierten Infiltration
kann rechnerisch oder graphisch erfolgen.

Mit den Werten eingesetzt:

CI(t)=5xΔt + (15)(1- exp(-Δt)) [mm] wobei Δt dann 1,2 und 3


Tabelle 2.1: Zeitschritte und Verteilung der Niederschlagsintensitäten

t [h] 1 2 3 Dauer Niederschlag,


Zeitschritte

PA(t) [mm/h] 25 15 5 -> anfangsbetont

PE(t) [mm/h] 5 15 25 -> endbetont

CI (t) [mm] 14,48 22,97 29,25 Ergebnis aus 1)


∆CI (t) [mm] 14,48 8,49 6,28 2) Differenzen kum.
Infiltration zwischen
Zeitschritten bilden

PA(t) - ∆CI (t) 10,55 6,51 -1,28 3) Differenzen


zwischen
[mm] (entspricht 0mm Niederschlag und
Oberflächenabfluss) kum. Infiltration
bilden

PE(t) - ∆CI I (t) -9,45 6,51 18,78 -> ergibt Abfluss in


mm
[mm] (~0mm)

Gesamtniederschlag Pges: 45mm

R P−I
Abflussbeiwert berechnen: ψ = =
P P
,, 
• anfangsbetonter Niederschlag: Ψ = 
= 0,38
,  ,
• endbetonter Niederschlag: Ψ = 
= 0,56
Aufgabe 3: Sättigungsdefizit im Boden und Sättigungsoberflächenabfluss

Die Bodenfeuchte θ in einem 1m tiefen Lehmboden beträgt 0.4 [m3/m3] in den unteren 50
cm und 0.34 [m3/m3] in den oberen 50 cm. Die Porosität des Bodens ist θs = 0.44 [m3/m3].

a) Wie viel mm Niederschlag kann ein Quadratmeter dieses Bodens noch aufnehmen,
bevor Sättigung des gesamten Profils eintritt?
b) Sie erwarten ein Niederschlagsereignis von insgesamt 100 mm pro Quadratmeter.
Berechnen sie die Menge an Stättigungsoberflächenabfluss pro Quadratmeter.
Nehmen Sie and dazu, dass während des Niederschlagsverlaufs der Boden komplett
aufgesättigt wird.
c) Wie groß wäre das totale Hochwasservolumen, wenn diese Abflusshöhe in einem
Einzugsgebiet von 150 km2 (dies ist das EZG der Alp bis Pegel Ettlingen) produziert
würde?

Skizze:

Zu a.):

Betrachte erst die unteren 50 cm:

Diese haben ein Volumen VGesamt, unten = 1 m x 1 m x 0,5 m = 0,5 m³


Volumetrische Bodenfeuchte Θ: Θ = VWasser / VGesamt, unten = 0,4 


→ VWasser = 0,4  x 0,5 m³ = 0,2 m³

Daneben gilt:


VPoren = ΘS x VGesamt = 0,44  x 0,5 m³ = 0,22 m³

D.h.: von diesem Porenvolumen (0,22 m³) sind 0,2 m³ mit Wasser gefüllt

→ Es sind also in den unteren 0,5 m³ des Bodens noch (0,22 m³ - 0,2 m³=) 0,02 m³ für
Niederschlagswasser „Platz“.
In der Aufgabe ist nach mm Niederschlag gefragt.

Dies bedeutet also welche Höhe in mm haben 0,02 m³

→ Volumen = Fläche F x Höhe h

→ h = V/F = 0,02 m³ / (1 m x 1m) = 0,2 m = 20 mm

D.h. 20 mm Niederschlag passen noch in die unteren 0,5 m

--

Für die oberen 50 cm gilt das Gleiche wobei hier die Volumetrische Bodenfeuchte Θ: Θ = VWasser /

VGesamt, unten = 0,34  beträgt.

Mit diesem Wert ergibt sich, dass noch für 50 mm Niederschlag „Platz“ ist.

→ Der ganze Bodenkörper kann also noch 50 mm + 20 mm = 70 mm Niederschlag aufnehmen

Kurzversion der Lösung:

Das totale Sättigungsdefzit in mm ergibt sich aus: (θs - θ) * Tiefe der unteren Schicht +(θs -
θ) ∗ * Tiefe der oberen Schicht
3 3 3 3 3 3 3 3
(0,44 m /m -0,4 m /m ) *0,5m + (0,44 m /m -0,34 m /m ) *0,5m =0,02 m + 0,05m=0,07 m=
70 mm

Zu b.)

100 mm – 70 mm = 30 mm

Der Stättigungsoberflächenabfluss pro Quadratmeter beträgt 0,03 m³

Zu c.)

totale Hochwasservolumen Vtot = FEZG x hAbfluss = 150 km² x 30 mm = 150 x 106 m x 30 x 10-3 m

= 4,5 x 106 m
Aufgabe 4: Hochwasser an der Dornbirner Ache

Die Dornbirner Ach liegt im Bregenzerwald (Kalkalpen) und entwässert in den Rhein. Die
Abbildung zeigt das größte beobachtete Niederschlag Abflussereignis im August 1999.

Abbildung 1: Niederschlag und Abfluss für das HW von August 1999

Bestimmen Sie die Konzentrationszeiten von beiden Hochwässern.

Problem Ende des HW-Ereignisses? Unmittelbar nach Ende des N-Ereignisses, kleiner als
2h
Bestimmen Sie die spezifischen Hochwasserscheitelwerte für beide HW-Ereignisse und
vergleichen Sie diese mit den maximalen Niederschlagsintensitäten Pmax.

Ablesen aus Grafik -> Hochwasserscheite des 2. Ereignis > Pmax kann nicht sein

Bestimmen Sie den Abflussbeiwert des zweiten HW-Ereignisses.

172/129 mm > 1! Kann nicht sein


Erklärungsmöglichkeiten:
Fehler in der Abflussmessung bei Hochwasser -> Wasserstand-Abflussbeziehung
Tatsächliches EZG größer -> Karst!
Aufgabe 5: Klimatische Jahresverdunstung aus Wasserbilanz

Ermitteln Sie die mittlere Jahresverdunstung aus der klimatischen Wasserbilanz für die
beiden Einzugsgebiete der Wieseth und Stillach.

1. Was sind die zugrunde liegenden Annahmen?


2. Wie lang sollte die Zeitreihe sein um eine belastbare Abschätzung zu liefern?
3. Wie würden Sie den Unterschied in der Jahresverdunstung erklären?
4. Was sind die Vor- und Nachteile der dieser Art Verdunstungsabschätzung?

(P − ET − Q ) = dS
dt

Wieseth

Stillach
1. Annahmen:
• Speicherung dS/dt ist im langjährigen Mittel gleich Null (Stationarität)

Also   0, so dass Wasserbilanz : P-ET-Q=0
• Abflussmessung erfasst alle Abflüsse aus Gebiet
Also Gewässerabfluss Q = Gesamtabfluss → keine Versickerung und Ableitung,
bzw. kein unterirdischer Abfluss
• Regenmessung ist repräsentativ fürs Einzugsgebiet
2. Länge der Zeitreihe soll ausreichend sein, so dass die gemittelten Werte unabhängig
voneinander sind (falls besonders feuchte/trockene Jahre aufeinanderfolgen);
idealerweise 30 Jahre
3. Unterschiede durch verschiedenes Klima (Stillach, Oberstdorf) liegt am Alpenrand
und kommt somit in den „Genuss“ von ergiebigeren Stauregenfällen), sowie
geologische Unterschiede
4. Vorteil: Betrachtung auf Einzugsgebietsskala
Nachteil: Nur langjährige Mittelwerte
Geeignet also zum Vergleich von Gebieten, in denen Messdaten vorliegen

Generelle Aufgabe Abschätzung Jahresverdunstung:


Mittlere Jahresverdunstung: ET = (∑ P – ∑ Q )/t, mit t = 6 Jahre

a) Stillach: (6526 mm – 5123 mm)/6 a = 234 mm/a


→ Anteil der Verdunstung: ≈ 21,5%

b) Wieseth: (4921 mm – 1439 mm)/6a = 580 mm/a


→ Anteil der Verdunstung: ≈ 71%
Aufgabe 6: Wasserbilanz und Abflussbeiwert
Abbildung 1 zeigt das Einzugsgebiet des A-Flusses. In diesem Einzugsgebiet befinden sich die beiden
Pegel A und B. Zwischen diesen beiden Pegeln leitet ein Kraftwerksbetreiber einen Anteil des
Abflusses in das Nachbareinzugsgebiet ab. Ermitteln Sie mit den Angaben aus Tabelle 1 den mittleren
Abfluss der Ausleitung in [m3/s].

Die Angaben in Tabelle 1 beziehen sich jeweils auf das Gesamteinzugsgebiet des jeweiligen Pegels.
Die mittlere Jahresverdunstung ist in beiden Einzugsgebieten gleich hoch.

Tabelle 1: Kenngrößen der Einzugsgebiete


und der Pegel

Pegel Pegel
Kenngröße
A B

25 50
Fläche des Gebiets
km2 km2

mittlerer 850 825


Jahresniederschlag mm mm

Abbildung 1: Einzugsgebiet mit


mittlerer Abfluss 0,238 0,250
Pegelstellen und Ausleitung
MQ m3/s m3/s

MQ: mittlerer Abfluss


Lösungsweg:
1. MQ an Pegel B ohne Ausleitung ausrechnen, davon gegebenes MQ abziehen =
Ausleitung
2. MQ an Pegel B ohne Ausleitung aus Wasserbilanz: Q = P – ET
3. ET aus Wasserbilanz von Pegel A (unbeeinflusstes Untereinzugsgebiet)

Zu 3)
Pegel A: ∑ET [mm] = ∑P – ∑Q  ∑ET = ∑P – MQ *1 Jahr /Fläche
∑ET = 850 mm – (0.238 m³/s * 1 a) / 25 km²
∑ET = 850 mm – (0.238 m³/s * 1a*86400 s/d *365 d/a) / (25*106 m²)
∑ET = 850 mm - 0.300 m
∑ET = 850 mm – 300 mm = 550 mm

Zu 2)
Pegel B ohne Ausleitung: Jahresabflusssumme ∑Qohne = ∑P – ∑ET
∑Qohne = 825 mm – 550 mm = 275 mm
Aufs Gebiet bezogen und in Abflussrate umgerechnet:
MQohne = ∑Q * Fläche / 1 Jahr
MQohne = 275 mm * 50 km² / 1 a
MQohne = 0,275 m * 50*106 m² / (1 a*86400 s/d * 365 d/a)
MQohne = 0,436 m³/s

Zu 1)
mittlerer Abfluss der Ausleitung
MQAusleitung = MQohne – MQreal
MQAusleitung =0,436 m³/s – 0,250 m3/s = 0,186 m3/s
Aufgabe 7: Konzeptionelle Hydrologie und HBV –Beta-store

Der Beta-store simuliert die effektiven Abfluss Qeff als Funktion des Niederschlags P und der
relativen Sättigung (S/Smax) eines integralen Bodenspeichers.

Qeff(t)=P(t) (S/Smax)beta

A) Berechnen Sie Smax, den effektiven Abfluss und den Abflussbeiwert (runoff coefficient,
rainfal runoff ratio) für ein 2-stündiges Niederschlagsereignis in stündlicher Auflösung für
eine Bodensäule mit 1m Mächtigkeit und Porosität 0,4 m3m-3. Die Verdunstung ist
vernachlässigbar.

• P(t1)= 10mm, P(t2) = 15 mm


• Relative Anfangssättigung S/Smax = 0,8
• Beta = 2

Abfluss Qeff(t1) = 10   0,8 = 10 mm x 0,64 = 6,4 mm


Infiltration I(t1) = 10 mm – 6,4 mm = 3,6 mm
Bodenspeicher S(t2)= 0,8 x 400mm + 3,6 mm = 323,6 mm
Srel (t2) = 323,6 mm / 400 mm = 0.81
Q(t2) = 15   0,81 = 15 mm x 0,65 = 9,82 mm

Abflussbeiwert (6,4 +9,82) mm / 25 mm = 0,65


Aufgabe 8: Auswahl einer Pegelstelle

Die Grafik zeigt einen Flussabschnitt (Abfluss- in Pfeilrichtung) in dem Sie eine Pegelmess-
stelle einrichten sollen. Markieren Sie die beste Lage Querschnitt der Pegelmessstelle,
begründen Sie ihre Wahl.

a) Was müssen Sie bei der Einrichtung


der Messstelle und der Wartung
des Pegels noch beachten?
b) Bei welchen Wasserständen wirken
sich Messfehler stärker auf den
abgeleiteten Abfluss aus?

Merke: An Pegeln werden Wasserstände gemessen und mit einer geeichten Schlüsselkurve
(Wasserstands-Abflussbeziehung in Abflüsse übersetzt), meist mit einer Potenzfunktion

Q = aW b
Zu a.)

Ideale Standortbedingungen

• Erfassung sämtlicher Abflussbereiche


• kein wechselnder Rückstau
• gerade Flussstrecke (parallele Strömung)
• günstige Fließgeschwindigkeiten (nicht zu schnell und nicht zu langsam)
• keine Verkrautung
• stabile Flussstrecke ohne Ablagerungen und Abtrag
• Querschnitt mit eindeutiger W-Q-Beziehung
• günstige Möglichkeiten zur Abflussmessung (Brücke)
• günstige Zufahrt zum Pegel
• schmal&tief besser als breit&flach

Zu b.) Bei hohen Wasserständen wirken sich Messfehler stärker auf den abgeleiteten Abfluss
aus. Die ist aus der Wasserstands-Abfluss Beziehung ersichtlich, bei hochen Wasserständen
ist die Änderung des Abflusses pro Wasserstandsänderung größer. (Abhängigkeit über
Potenz)

→ beste Lage: in einem geraden Flussabschnitt etwas entfernt von der Biegung (dabei ist
beides möglich: stromauf oder stromab).