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Friedrich-Schiller-Universität Jena

Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften


Institut für Sportwissenschaft
Lehrstuhl für Bewegungs- und Trainingswissenschaft

Seminar: Untersuchungs- und Forschungsmethoden Trainingswissenschaft

Effekte der Kleinfeldspiele beim Fußball

Dozent:
Prof. Dr. Astrid Zech
Dr. Phil. Joel Mason

Referent:
Kihyun Kim
Hiermit versichere ich, dass ich die Hausarbeit selbstständig verfasst und keine
anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe, alle
Ausführungen, die anderen Schriften wörtlich oder sinngemäß entnommen wurden,
kenntlich gemacht sind und die Arbeit in gleicher oder ähnlicher Fassung noch nicht
Bestandteil einer Studien- oder Prüfungsleistung war.

Datum : 22.06.2021 Name :

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - page. 4

2. Zahlreiche Stellschrauben - page. 5

2.1 Technisch-Taktische Effekte - page. 6

2.2 Psychische Effekte - page. 7

2.3 Mechanisch-Physiologische Effekte - page. 8

3. Hypothese - page. 8

4. Überprüfung - page. 11

5. Diskussion - page. 12

6. Abschluss - page. 13

Literaturverzeichnis - page. 13

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1. Einleitung

Die konditionelle Belastung im Fußball ist über die Jahre stetig gestiegen. Während
U13 Spieler derzeit in einem Spiel knapp sieben Kilometer laufen, legten ehemalige
Weltmeister in 1974 nicht mehr als fünf Kilometer zurück (Buchheit et al., 2010 ;
Saward et al., 2016). Auch die hochintensiven Lauf- und Sprintdistanzen sowie
deren Anzahl in der englischen Premier League erhöhten sich von der Saison
2006/2007 bis zur Saison 2012/2013 (Little & Williams, 2007). Angelehnt an Meyen
(2012) ist nachgewiesen, dass sich die Ballkontaktzeiten pro Spiel im Laufe der Zeit
verringert haben. Beim WM-Finale 1966 betrug die Zeit 2,6 Sekunden, während es
beim WM-Halbfinale zwischen Spanien und Deutschland nur 1,06 Sekunden waren.
Das heißt, dass sich Fußball zu einem temporeichen Spiel entwickelt, in dem nicht
nur schnelle Entscheidungen, sondern auch viele Sprints und lange Laufdistanzen
gefragt sind (Vieira et al., 2019). Aktuell sind Fußballspieler gefordert, unter Raum- ,
Zeit- und Gegnerdruck so schnell wie möglich Antizipation, Wahrnehmung,
Entscheidung und Handlung zu leisten. Fußballtrainer müssen daher, mit Hinsicht
auf die Handlungsschnelligkeit, ihre Spieler zur Entwicklung antreiben. Dafür sind
Kleinfeldspiele, die als Trainingsspiel auf einer kleineren Fläche und mit einer
geringeren Anzahl an Spielern, auch als trainierende Fußballspiele bezeichnet
(Hill-Haas et al., 2011), zur Verbesserung der fußballspezifischen Fertigkeiten und
Fähigkeiten unter Dynamik als Mittel effektiv verfügbar. Laut spanischen Experten
passt traditionelles Konditionstraining nicht zum Fußball. Sie versuchen das gesamte
Spiel nicht separat zu verstehen, deshalb trainieren sie Kondition, Mentales, Technik
und Taktik nicht getrennt, sondern in Gesamtheit gleichzeitig (Tamarit, 2015; Mallo,
2015). Dies entspricht der Grundidee der taktischen Periodisierung, die im modernen
Fußball von besonderer Bedeutung ist und sich im Fußballtraining weltweit
widerspiegelt. Während Spieler fußballspezifische Bewegungsabläufe, die im Spiel
vorkommen müssen, trainieren, können sie sich die für Wettbewerbsspiele
benötigten Anforderungen gleichzeitig aneignen. Darüber hinaus wird beobachtet,
dass Mittelfeldspieler und die Spitze im Bereich von Nachwuchsleistungsfußball nur
85% bis 94% der maximalen Geschwindigkeit erreichen (Haddad et al., 2014). Beim
modernen Fußballtraining ist für Spieler keine maximale Belastung gefragt, sondern
eine Grundfitness, um die Anforderungen des Spiels erfüllen und ihre taktische Rolle
ausüben zu können (Lacome et al., 2017). Basierend darauf sind Kleinfeldspiele zur

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fußballspezifischen Anforderungen empfehlenswert, da sie den Wettkampf relativ
adäquat nachbilden. Zudem kann die Intensität des Trainings auf dem kleinen
Spielfeld, je nach Leistungsziel, durch externe Einflussfaktor bzw. Regeländerung
vom Trainer variiert werden (Ometto et al., 2018 ; Rampinini et al., 2007).

2. Zahlreiche Stellschrauben

Welche Variationen des Kleinfeldspiels welche Fähigkeiten und Fertigkeiten fördern,


ist schwierig zu verallgemeinern, weil sie je nach Leistungsvermögen der Spieler und
unbeachteten Faktoren variieren können. Beispielsweise verringerten sich die
Herzfrequenzen auf einem Feld mit 25m x 20m mit zunehmender Anzahl an
beteiligten Spielern, während sie auf einem 20m x 15m und einem 30m x 25m Feld
nicht deutlich auftraten (Owen, Twist & Ford, 2004). Trotz der Schwierigkeiten bei
der Standardisierung haben Trainer bei Kleinfeldspielen zahlreiche Stellschrauben
zur Verfügung. In der vorliegenden Arbeit werden verschiedene Formate vorgestellt:

-Spielfeldgröße
-Spieleranzahl
-Ballkontaktbegrenzung
-Zeitbegrenzung
-Aktivität der Verteidiger
-Tabu- und Pflichtzone
-Torverwertung
-Torgröße
-Toranzahl
-Einsatz von Torhütern
-Zusammensetzung der Mannschaft
-Mannschaftsanzahl
-Äußere Anweisungen
-Relation zwischen Erholung und Belastung

Die Trainingseffekte können davon abhängig sein, welche Rahmenbedingungen vom


Trainer ausgesucht werden. Zwei oder mehr Modifizierungen miteinander zu
kombinieren, kann noch vielfältigere Auswirkungen nach sich ziehen. Die
Kleinfeldspiele mit der Regeländerung bieten sich nicht nur für physiologische
Veränderung an, sondern schulen auch das motorische Lernen schrittweise. Da die
Wirkungen aller zahlreichen Varianten in vorangegangenen Studien nicht
wissenschaftlich überprüfbar sind, beschäftigt sich dieser Beitrag nur mit Studien, die

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empirisch auf technischer, taktischer, psychischer und physiologischer Ebene geprüft
sind. Daher muss man beachten, dass die Ergebnisse bei Kleinfeldspielen nicht für
jede Mannschaft gültig sind.

2.1 Technisch-Taktische Effekte

Für die technisch-taktische Schulung kommen Kleinfeldspiele zur Anwendung.


Angelehnt an die Meta-Studie einer brasilianischen Forschergruppe, schließen die
meisten Studien folgende Rahmenbedingungen zur Anpassung der
technisch-taktischen Konsequenzen ein (Ometto et al., 2018). Mit dem Kleinfeldspiel
können bestimmte technische Fertigkeiten insofern trainiert werden, dass der Trainer
die Spielform, je nach Zweck, modifiziert. Vor allem ist das abgeschnittene Spielfeld
schon allgemein bekannt, da Abstände zwischen den Spielern damit abgestimmt
werden können. Die Hauptmerkmale von Spielen mit vergrößertem Feld waren
weniger Torerfolg, Dribblings und Balleroberungen nach Ballverlust. Im Gegensatz
dazu kam bei einem kleineren Spielfeld eine zunehmende Anzahl an Ballkontakten
vor (Casamichana & Castellano, 2010 ; Costa et al., 2011), da Spieler unter
Raumdruck zu Handlungsschnelligkeit gezwungen waren. Eine andere Studie
beschäftigte sich mit dem gleichen Themenfeld. Die Reduzierung der Spielfeldgröße
führt laut Forschung zu mehr technisch-taktischen Handlungen auf individueller
Ebene. Bei Kleinspieleformaten mit 2 gegen 2 und 4 gegen 4 sind die technischen
Aktionen, wie z.B Pass, Mit- und Annahme sowie Dribbling, signifikant höher als bei
5 gegen 5 und 11 gegen 11. Auf der engen Spielfeldfläche pro Spieler (< 100 m2 )
erhöhen sich die meisten technischen Aktionen der Spieler erheblich (Clemente et
al., 2020). Bei der Einführung eines numerischen Ungleichgewichts zwischen den
Teams werden spezifische Handlungen auf taktischer Ebene erwartet. Eine Studie
zeigt, dass das Spiel mit einer Unterzahlmannschaft zu einer schlechteren
Abdeckung der gesamten Spielfeldbreite führt. Dies hat zur Folge, dass die
Überzahlmannschaft in die Tiefe spielt (Praça et al., 2016). Darüber hinaus steht
dem Trainerteam auch die Kombination aus Steuerung der Spieleranzahl und
Spielfeldgröße zur Verfügung. Für die Erhöhung der Anzahl an individuellen
Offensiv- und Defensivaktionen ist die Torgröße anzupassen. Beispielsweise kommt
es bei kleinen Toren zu einer zunehmenden Anzahl an Dribblings in Richtung des
gegnerischen Tors, da die Trefferfläche verkleinert wird (Costa et al., 2011). Haben

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Trainer die Absicht, ihre Spieler unter Spielbedingungen dribbeln zu lassen, kann
diese Variante mit dem kleinen Tor gewählt werden. Im Fall, dass mehr als zwei Tore
verwendet wurden, stieg die Zahl der Torabschlüsse an (Figueiredo & Rodrigues,
2016). In einer weiteren Studie wurde konstatiert, dass sich bei einer Anzahl von
sechs Toren der Ball länger auf den Außenbahnen und im Abwehrdrittel aufhielt, im
Vergleich zu zwei Toren (Travasso et al., 2014). Wollen Trainer möglichst lange
Ballbesitzzeiten schulen, können sie Tore oder die erzielten Punkte wegfallen lassen.
Dies hat zur Folge, dass die Zahl der Ballberührung pro Spieler sowie die
Passanzahl ansteigen (Machado et al., 2016). Ausgenommen der bereits
vorgestellten Änderungen, sind verschiedene andere Möglichkeiten zur Umsetzung
der beabsichtigten Effekte vorhanden. Mit der Aussteuerung der Belastungsdichte
bzw. der Relation zwischen Belastung und Erholung, können Präzision und Technik
verbessert werden (Clemente et al., 2020).

2.2 Psychische Effekte

Die Trainingsmethode mit Ball, wie z.B Kleinfeldspiele, erfreut sich zunehmender
Beliebtheit, da diese Trainingsform so nah wie möglich den Wettkampf abbildet. Das
Spiel mit dem Ball regt sowohl die Motivation als auch die Trainingsbereitschaft der
Fußballer an. Zudem kann das Coaching des Trainers, unter Einbezug des
kommenden Wettkampfs, stattfinden. Das Anfeuern durch den Trainer am Spielrand
steigert die Belastungsintensität bei verschiedenen Spielformen (Rampinini et al.,
2007). Hinsichtlich der Emotion sind die Kleinfeldspiele sinnvoll. Spieler berichteten,
dass sie an solchen Spielformen größere Freude empfinden als beispielsweise an
Intervalltrainings (Los Arcos et al., 2015). Trotz der Schwierigkeit der
Operationalisierung zur kognitiven Flexibilität legt eine Studie nahe, dass Athletinnen
von open-skill Spielsportarten bessere Indikatoren der kognitiven Flexibilität
offenbarten als Athletinnen von closed-skills, z.B Laufen, (Philipp & Björn, 2021).
Dies lässt den Schluss ziehen, dass die Spieler, die eine kontinuierliche dynamische
Anpassung an sich verändernde Umstände gewohnt sind, bessere kognitive
Fähigkeiten zeigen als die Spieler, die vornehmlich in statischen Umständen ihre
Bewegung ausführen. Daher ist es wichtig, das Training so realitätsnah wie möglich,
wie z.B durch Kleinfeldspiele, zu gestalten.

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2.3 Mechanisch-physiologische Effekte

Die für das Wettbewerbsspiel relevanten physischen Anforderungen sind ebenfalls


durch Kleinfeldspiele trainierbar. Um zu prüfen, wie hoch die physiologische
Belastung bei Kleinfeldspielen ausfällt, können die Gesamtlaufdistanz, die
Sprintdistanz, die Anzahl an Sprints sowie die Geschwindigkeitsänderung, die
Herzfrequenz, die Blutlaktatwerte und RPE (engl. rating of perceived exertion) als
Parameter erhoben werden. Es wird berichtet, dass sich die Herzfrequenz und die
Laktatwerte der Spieler nach der Regeländerung umstellten (Aroso et al., 2004 ;
Sassi et al., 2004). Ob es sich um einen An- oder Abstieg handelt, ist noch
widersprüchlich, da ganz verschiedene Einflussfaktoren bei unterschiedlichen
Spielformaten berücksichtigt werden müssen. Ein Experiment zur Untersuchung der
physiologischen Veränderung wurde 2014 von Paolo Gaudino und Kollegen
durchgeführt. 26 Profifußballer der englischen Premier League nahmen als
Probanden an verschiedenen Kleinfeldspielen teil. Die Letztgenannten ließen sich in
zwei Arten unterteilen, diejenigen mit Torspielern und Toren (SSG-G) sowie
diejenigen ohne Tore und mit dem Ziel, möglichst lange den Ball zu zirkulieren.
Nahm die Spielfeldfläche pro Spieler zu (10 gg. 10 > 7 gg. 7 > 5 gg. 5), kam es mit
und ohne Tore zur Erhöhung der Gesamtlaufdistanz und der Laufdistanz bei hohen
Geschwindigkeiten. Beim Kleinfeldspiel mit Fokus auf die Ballzirkulation ergaben
sich größere Gesamtlaufdistanzen als in der Variante mit Toren. Im Gegensatz dazu
sind die Distanzen in bestimmten Geschwindigkeitszonen, wie etwa 19,8 bis 25,2
km/h und > 25,2 km/h sehr hoch. Daraus lässt sich ableiten, dass bei
Kleinfeldspielen mit Fokus auf Ballbesitz die Stoffwechselleistung höher ist als unter
Einbezug von Toren. Nach Auswertungen der Daten ergeben sich auch
unterschiedliche mechanische Belastungen, abhängig von Spielform und
Spieleranzahl. Die Anzahl an Be- und Entschleunigungen ist mit zunehmender
Spielfeldfläche pro Spieler höher ( 5 gg. 5 > 7 gg. 7 > 10 gg. 10). Die Kleinfeldspiele
ohne Tore ergaben mehr Geschwindigkeitsänderungen. Dies deutet darauf hin, dass
Spieler mit Tor auf vorwärtige Bewegung ausgerichtet sind, um Punkte zu erzielen
(Paolo Gaudino et al., 2014).

3. Hypothese

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Trotz der vielfältigen Vorteile von Kleinfeldspielen stellt sich die Frage, ob sie positive
Auswirkungen auf Spieler haben, entgegen der traditionellen Trainingsmethode. In
diesem Sinne kann man eine Theorie ableiten.

Angelehnt an Verheijen (2014), der seit langem im Höchstleistung-Fußball tätig ist,


teilt sich das Fußballtraining in vier Kategorien:

-Bessere Aktionen (engl. Improve Football Ability),


-Umsetzung von mehr Aktionen (engl. More Football Actions),
-Aufrechterhaltung guter Aktionen (engl. Maintain Good Football Actions),
-Aufrechterhaltung vieler Aktionen (engl. Maintain Many Football Actions).

Bessere Aktionen Umsetzung von mehr Aktionen

Aufrechterhaltung guter Aktionen Aufrechterhaltung vieler Aktionen

Abbildung 1. Übersicht zur Fußballfitness nach Verheijen (2014)


*Maximale Explosivität (ME) / Erholung (E)

Beim Fußballtraining ist vor allem die Football Ability durch eine fußballerische
Umwelt verbesserbar. Fußballaktionen lassen sich in drei Teile gliedern, die 1)
Kommunikation, 2) Entscheidung und 3) Handlung. Der hauptsächliche Zweck ist es,
die Football Ability von 100% zu 101% weiterzuentwickeln. Fußballspieler sollten
diesen Zyklus so oft wie möglich 90 Minuten lang ausführen. Dies ist als

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Fußballfitness bekannt. Sie müssen zuerst Fußballaktionen ausführen können, bevor
sie Fußballfitness im Kontext des Fußballes entwickeln. Das heißt, dass
Fußballfitness ohne Fußballkontext nicht zu verbessern ist. Nach Ansicht des
niederländischen Experten ist Fußballfitnesstraining nicht hauptsächlich auf die
Entwicklung der Football Ability ausgerichtet. Der Charakter von Fußballfitness teilt
sich auf in 1) More Football Actions, 2) Maintain Good Football Actions und 3)
Maintain Many Football Actions. Mit More 100% Football Actions per minute ist
gemeint, dass Fußballaktionen zu 100% so oft wie möglich eine Minute lang
auszuführen sind, wie z.B. wenn ein Spieler eine Fußballaktion nicht zweimal,
sondern dreimal 20 Sekunden lang ausführt. Maintain 100% Football Actions
bedeutet, 90 Minuten lang die Qualität der Fußballaktionen aufrechtzuerhalten.
Maintain Many 100% Football Actions beschreibt 90 Minunten lang die Quantität der
Fußballaktionen aufrechtzuerhalten. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass
eine bessere Aktion (vgl. links oben) die Qualität und Explosivität jeder Aktion meint.
Die Umsetzung von mehr Aktionen (vgl. rechts oben) ist in einer bestimmten
Belastungsdauer auszuführen. Die Aufrechterhaltung guter Aktionen (vgl. links
unten) beschreibt, die Belastungsintensität so lange wie möglich auszuhalten. Die
Aufrechterhaltung vieler Aktionen (vgl. rechts unten) meint eine schnelle Erholung
zwischen zwei explosiven Aktionen am Ende des Spiels. Die oben angeführte
Fußballfitness wird unter Berücksichtigung von vier Phasen (eigener Ballbesitz,
gegnerischer Ballbesitz und Umschalten von Abwehr auf Angriff sowie umgekehrt)
trainiert. Es gibt dafür Kategorisierungen beim Fußballtraining. 1-vs.-1 und 2-vs.-2
als Spielformen sind intensive Intervalle, 3-vs.-3 und 4-vs.-4 sind extensive
Intervalle, 5-vs.-5, 6-vs.-6 und 7-vs.-7 schulen intensive Ausdauer und von 8-vs.-8
aufwärts ergibt extensive Ausdauer. Die Effekte bei kategorisierten Spielformen
treten, je nach Forschungsstand, unterschiedlich auf. Im Kontext von Fußball sind
keine reinen Sprints vorhanden, denn auch ein langsamer Spieler kann im Fußball,
je nach Position, Moment, Direktion und Schnelligkeit, gegen einen schnellen Spieler
gewinnen. Von Verheijen wurde ein Experiment durchgeführt, das die
Sprintfähigkeiten der Fußballspieler in unterschiedlichen Situationen untersucht.

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One player sprinting Two players sprinting Two players sprinting
in isolated situation in isolated situation in football situation

Test 1 Test 2 Test 1 Test 2 Test 1 Test 2

U15 1.85 sec 1.85 sec 1.80 sec 1.81 sec 1.76 sec 1.75 sec

U17 1.73 sec 1.72 sec 1.69 sec 1.69 sec 1.63 sec 1.63 sec

U19 1.65 sec 1.65 sec 1.61 sec 1.62 sec 1.56 sec 1.54 sec

Tabelle 1. Sprint-Studie nach Verheijen (2014)

Das daraus abgeleitete Ergebnis zeigt, dass Fußballspieler ihr Maximum nur in
fußballerischer Umwelt erzielen können. Beruhend auf dieser Theorie ist
festzuhalten, dass Kleinfeldspiele die Spezifität der Fußballspiele berücksichtigen.
Im Gegensatz dazu ist das Intervalltraining als limitierender Faktor anzusehen. Somit
wird in dem vorliegenden Beitrag hypothetisiert, dass Kleinfeldspiele zur besseren
aeroben Leistungsfähigkeit, im Vergleich zum traditionellen Ausdauertraining, führen.
Als traditionelle Trainingsform sind Intervalltrainings zu betrachten.

4. Überprüfung

Bei der Studie zeigten sich bei Varianten mit 2 gegen 2 und 8 gegen 8 Spielern,
unter Einbezug eines Torwarts, ähnliche Herzfrequenzwerte wie bei kurzen
Intervallsprints (Sassi et al., 2004; Dellal et al., 2008). Nach der Auswertung der
Herzfrequenz, RPE, Sauerstoffaufnahme-Höchstwerte und Laktatwerte ergaben sich
keine großen Unterschiede zwischen den Spielern, die der Kleinfeldspiel-Gruppe
und der Intervalltrainingsgruppe randomisiert zugeordnet waren (Hill-Haas et al.,
2009). Bei Kleinfeldspielen verbesserten sich sowohl Passfähigkeit als auch
widerholende Sprintfähgikeit. Bei dem Intervalltraining kam es zur höheren Yo-Yo IR
1, das die aerobe Leistungsfähigkeit repräsentiert (Eniseler et al., 2017). Ziel einer
Studie war, den Einfluss der Kleinfeldspiele auf physiologische Anforderungen bei
präpubertären Kindern mit hochintensivem Intervalltraining (HIIT) zu vergleichen
(Massamba et al., 2020). Drei Kleinfeldspiele führten zu einer geringeren akuten
Stimulation des aeroben Stoffwechsels, was auf ein geringeres Potenzial für
chronische aerobe Anpassungen im Vergleich zum HIIT hinweist (Massamba et al.,
2020).

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5. Diskussion

Es ist umstritten, ob es einen signifikanten Unterschied der Effekte zwischen


Kleinfeldspielen und dem Intervalltraining gibt. Kleinfeldspiele sind mit Vergleich zum
traditionellen Lauftraining bzw. Intervalltraining vorgestellt. Es ließen sich leider keine
großen Differenzen zwischen Kleinfeldspiel und herkömmlichem Intervalltraining
ausmachen. Es wird davon ausgegangen, dass die Effekte beider
Trainingsmethoden ähnlich sind, sollten Kleinfeldspiele bevorzugt angewandt
werden, da traditionelles Training fußball-unspezifisch ist. Kleinfeldspiele haben
dennoch einige Nachteile.

Organisationsaufwand
Im Vergleich zur traditionellen Trainingsmethode, ist der Organisationsaufwand zur
Vorbereitung der Kleinfeldspiele herausfordernder.

Schwierigkeit zur objektiven Leistungsdiagnostik


Die Leistungsdiagnostik bei Kleinfeldspielen ist schwer messbar, konkrete
Belastungsintensitäten können nur bedingt kontrolliert werden. Dagegen ist beim
traditionellen Training ein kontrolliertes Laufprogramm mit definierten Vorgaben für
Zeit und Strecke durchführbar.

Defizit der Kleinfeldspiele


Eine Studie deutet darauf hin, dass Kleinfeldspiele nicht gänzlich die Anforderungen
des Wettkampfs abdecken können (Lacome et al., 2017). Die Gesamtlaufdistanz
und Laufdistanz in einer bestimmten Geschwindigkeitszone ( > 14. 4 km / h) der 4
gg. 4, 6 gg. 6 und 8 gg. 8 Spiele unterscheiden sich von dem Wettkampfspiel. Sie
sind deutlich niedriger als im Wettkampf. Die mechanische Anforderung bei 4 gg. 4
ist tendenziell höher (Lacome et al., 2017).

Unterschied zwischen positionsspezifischen Anforderungen


Die Gesamtlaufdistanz der Innenverteidiger bei 6 gg. 6 ist höher als auf anderen
Spielpositionen. Zudem sind die mechanischen Anforderungen der Mittelfeldspieler
bei 6 gg. 6 und 8 gg. 8 niedriger als bei anderen Spielpositionen. Ein Abschluss kann

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daraus erfolgen, dass Innenverteidiger bei Kleinfeldspielen tendenziell höher
belastet sind und ein Mittelfeldspieler niedriger (Lacome et al., 2017). Das besagt,
dass Spielpositionen durch die variablen Wirkungen beeinflusst werden können. Der
vorgestellte Forschungsstand nahm keine positionsspezifische Berücksichtigung vor.

Keine einheitliche Definition


Die aerobe Leistungsfähigkeit ist im fußballerischen Kontext sehr abstrakt. Sie ist
nach Ansicht der Forscher variabel bestimmt, so dass es keine einheitliche Definition
geben kann. Um eine praktische Umsetzung zu ermöglichen, sollte der Begriff durch
eine fußballerische Wendung ersetzt werden.

6. Abschluss

Die verschiedenen Kleinspielformate erzeugen unterschiedliche Effekte und


Belastungen bei den Spielern. Die jeweilige Trainingsbelastung genau zu kennen
und für die unterschiedlichen Trainingsziele in angemessener Weise einzusetzen, ist
daher von besonderer Bedeutung. Dafür ist es erforderlich, mithilfe eigener
leistungsdiagnostischer Verfahren Belastungsintensitäten zu erfassen. Hinsichtlich
der gesamten Faktoren sollten im Training spielnahe Situationen gestaltet werden,
da mit dem Ball eine physiologische, psychische, taktische und technische Schulung
möglich ist, verglichen mit traditionellem Training. Hierfür ist die notwendige
Voraussetzung ein gewisses Maß an technischen Fertigkeiten. Kleinfeldspiele
spiegeln jedoch nicht alle Anforderungen eines Wettkampfspiels wider. Daher ist als
praktische Implikation zu empfehlen, nicht nur Wettkampfspiele, sondern auch
Ergänzungstrainings zu fehlenden Anforderungen aus Kompensationszwecken
anzuwenden.

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