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Dieses Buch könnte auch »Guck mal!«


heißen, denn so hat mich meine Frau
Ursula auf viele kleine Dinge, die in
diesem Buch gezeichnet und fotogra-
fiert sind, aufmerksam gemacht. Ihr
ist dieses Buch mit großer Dankbar-
keit gewidmet.

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Albrecht Rissler

Zeichnen
was da so rumliegt

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DIE IDEE ZU DIESEM BUCH   entstand während eines Kurses «Land- Zu banal? Keineswegs! Einigen berühmten Künstlern konnten die
schaft zeichnen«, in dem sich die Teilnehmer*innen mit dem Blick Motive nicht »gewöhnlich« genug sein. Sie finden sich zum Beispiel
geradeaus im Zeichnen von Bäumen übten. Währenddessen las ich in den Skizzenbüchern von Adolph Menzel. Der berühmte Ausspruch
ein paar Dinge vom Boden auf: Fruchtbecher von Bucheckern und »Alles Zeichnen ist nützlich und Alles zeichnen auch« könnte das
Eicheln, kleine Steine, Flechten, Schuppen von Kiefernzapfen, Moos, Leitmotiv für dieses Buch sein. Seinen neugierigen Blick, besonders
Ahornpropeller, Rinden- und Aststücke, Laub, Kronkorken und ande- für das Naheliegende, so alltäglich es auch sein mag, habe ich im-
res mehr. Ich regte an, zwischendurch mal den Blick nach unten zu mer als eine Bestätigung meiner Arbeit als Zeichner verstanden. Ein
richten, um sich mit dem zu beschäftigen, was direkt vor den Fü- anderer Alleszeichner war Horst Janssen. Ihm gelang es, die simpels-
ßen lag. Die Zeichner*innen machten dabei die Erfahrung, dass ten Dinge mit enormem zeichnerischem Können und gestalteri-
das Zeichnen von kleinen Objekten exakt dieselben technischen schem Raffinement aufs Papier zu bringen; so als wollte er sie aufs
und gestalterischen Anforderungen stellt wie komplexere Motive Podest stellen und ihnen auf diese Weise seine Reverenz erweisen.
aus größerer Distanz. In diesem Buch finden sich eine Menge Anregungen zum Zeichnen
In der Folge habe ich in den nächsten Kursen diesen didaktischen kleiner Dinge. Auf vielen Seiten demonstriere ich, wie die Zeichnun-
Ansatz weiter verfolgt und war erstaunt, wie interessiert die gen Schritt für Schritt entstanden sind. Sie helfen über eventuell
Teilnehmer*innen an dieser Art des Zeichnens waren. Die Idee, sich vorhandene Hürden hinweg.
zur Abwechslung Naheliegendem zu widmen, statt nach fernen Dem Projekt »Walderde« in diesem Buch empfehle ich besondere
Motiven zu suchen, stieß auf fruchtbaren Boden. Auch weil das Aufmerksamkeit, da es meine Haltung zur Natur widerspiegelt. Aus
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Zeichnen von mehr oder weniger kleinen Dingen im nahen Umfeld diesem Grund ist für mich die zeichnerische Erforschung eines Mist-
sich wunderbar für Fingerübungen zuhause eignet, besonders bei käfers (rechts) genauso attraktiv wie das Zeichnen einer ausgedehn-
ungünstigem Wetter. ten Landschaft.
So halte ich es selbst seit vielen Jahren: Zwischen all den Land-
schaften, Bäumen und Porträts wimmelt es in meinen Skizzenbü- Am Zustandekommen dieses Buches hat meine Frau Ursula einen
chern von allerlei Miniaturen. Abends liegen die Fundstücke auf gewichtigen Anteil. Ihr und meiner Tochter Julia verdanke ich viele
dem improvisierten Zeichentisch im Urlaubsquartier. Zuhause oder Ideen bei der Auswahl der Objekte, der Buchgestaltung und bei der
im Atelier kann ich auf einen nie versiegenden Vorrat an Objekten Arbeit an den Texten. In vielen Gesprächen half Heiko Ernst mit
zurückgreifen. wertvollen Hinweisen. Barbara Lauer danke ich herzlich für die er-
Diese Sammlung beschränkt sich nicht nur auf Dinge, die von weit neut gute Zusammenarbeit, Frank Heidt in der Herstellung und al-
hergeholt wurden. Eine kleine Forschungsreise durch die eigene len Mitarbeiter*innen des dpunkt.verlages ebenso für die erfreuli-
Wohnung kann eine Menge zeichnenswerter Dinge zutage fördern: che Unterstützung bei der Entstehung dieses Buchs.
Teile eines alten Zirkelkastens, unnützes Zeug in der Küchenschubla-
de und im Werkzeugkasten oder Knöpfe, die vergebens auf einen Albrecht Rissler im Februar 2021
Neueinsatz warten.

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WAS DA SO RUMLIEGT   Teilnehmer*innen einiger Kurse »Zeichnen statt. Später pilgerten tausende junge Leute auf den Heiligenberg,
in der Landschaft« haben hier auf dem Heiligenberg Laubstruktu- um dort in der Nacht zum 1. Mai zu feiern. Die zunehmende Wald-
ren, Perspektive, Vergitterung des Bildraums und Licht-Schatten- brandgefahr, Unfälle, aber auch die Müllmengen veranlasste die
Effekte geübt. Immer mit dem Blick nach vorne. Gezeichnet wurde Stadtverwaltung, alle Veranstaltungen zu untersagen. Trotz alledem
auf den Mauern der 1935 eingeweihten »Thingstätte«, die das Nazi- ist die »Thingstätte« tagsüber ein idealer Ort zum Entspannen und
regime einige Jahre für Propagandaveranstaltungen benutzt hatte. Zeichnen! Hier entstand die Idee, auf das aufmerksam zu machen,
Nach 1945 fanden hier Opernaufführungen und Freiluftkonzerte was vor den Füßen der Zeichner*innen liegt.

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FRÜCHTCHEN MIT STIEL   Solch kleine Objekte stacheln mich an, sie
zu zeichnen. Es gibt sie tausendfach in der Natur, in jeder Größe, oft
nur wenige Millimeter klein. Meist weiß ich gar nicht, was in meiner
Tasche landet. Im Vordergrund steht die Lust, sie zu zeichnen.
Manchmal so naturgetreu wie möglich, ein andermal flott skizziert
oder immer wieder aufs Neue ganz frei mit unterschiedlichen Zei-
chenmaterialien interpretiert.

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Tipp: Schlagschatten haben in einer


Zeichnung eine vielfache Wirkung.
Sind sie vorhanden, ist klar, hier gibt
es eine Lichtquelle. Je nach Intensi-
tät des Lichts und der Entfernung,
sind die Schatten scharf umrissen
oder diffus dargestellt.
Wichtig ist mir die freundliche
Atmosphäre, die Licht und Schatten
erzeugen. Ein anderer Effekt sollte
dabei nicht unterschätzt werden:
Mit Schlagschatten bekommen
Objekte eine Basis auf dem Papier
und sind an der dreidimensionalen
Wirkung der Zeichnung maßgeblich
beteiligt. Ohne Schlagschatten
hängen sie frei im Raum, was
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natürlich Absicht sein kann.
Beispiel Kirschen oben und Foto
Trauben unten (Zeichnung Sonne:
Julia, 5 Jahre)

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ORTSBEGEHUNG   Diese Objekte sammelte ich am 18. Januar 2018


im Umfeld des Geburtshauses meiner Mutter. An diesem sonnigen,
kalten Tag war die Beerdigung ihrer jüngsten Schwester. Ich hatte
noch Zeit für einen Gang entlang des nahen Bachs, an dem die Ge-
schwister gespielt hatten.
Die ersten Birken blühten. Die Zapfen der Erlen sind vom Vorjahr. Auf
dem Weg lag eine Tonscherbe. Mit Gedanken an die Familienge-
schichte und über das, was war und das, was in Zukunft sein wird,
ging ich zur Trauerfeier.

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KEINE GROSSE SACHE  für eine kleine Aufgabe zwischendurch im
Kunstunterricht. Ein paar kleine Dinge sind auf dem Schulhof rasch
gesammelt und Blankokarten im Maßstab 14,8 × 10,5 cm schnell zu-
geschnitten. Den Schüler*innen könnten ein paar altersgerechte
Tipps zur Gestaltung helfen, die ungewohnte Aufgabe zu lösen.
Auch in einem Kurs für Erwachsene würden den Teilnehmer*innen
kompositorische und technische Hinweise von Nutzen sein. Hier ein
paar Beispiele: Spannungsaufbau durch diagonale Positionen der
Objekte, Möglichkeiten der räumlichen Darstellung mithilfe von
Schatten, Überschneidungen, Anschnitte, Ausschnitte, Unterschied
von Form- und Parallelschraffuren, Kürzel zur Darstellung von Ober-
flächen, komplementäre Farbwirkungen oder Tipps zur Verwendung
von geeignetem Zeichen- und Malmaterial. Die Zeichner*innen die-
ser Postkarten sind: Josef Haug, Conny Willmer, Ursula Ammann,
Uwe Hilke, Wolfgang Müller und Sofia Dieringer.

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Felicity Grace, die dieses Aquarell


gemalt hat, gehörte, so wie ich, zu
einer über den Globus verstreuten
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Gruppe, die sich gegenseitig selbst
gestaltete Briefe und Postkarten
schickte. Ihr großartiges Aquarell
zeigt eine Platane mit den kugel-
förmigen Früchten und Flugsamen.
Felicity malte auf das Briefkuvert SNAILMAIL VERSUS E-MAIL!   Postkarten zum Briefkasten zu brin-
eine Schnecke und symbolisiert so, gen, ist kaum mehr der Mühe wert. Sie gar mit einer Zeichnung zu
wie man diese Art der Kommunika- schmücken, scheint vollkommen aus der Zeit gefallen zu sein. Ein
tion nennen könnte: Snailmail. Smartphone verschickt den Gruß in Sekunden, wenn nötig an belie-
big viele Empfänger.
Ist aber ein handgeschriebener Brief nicht eine Art »Praxis der Acht-
samkeit, ein Vorgang der Entschleunigung« und »eine Möglichkeit,
zwischenmenschliche Beziehungen in neuer Weise anzusprechen?«,
fragt Sandra Richter, die Direktorin des Deutschen Literaturarchivs
in Marbach, wo bedeutende, von Hand geschriebene Briefe, aber
auch gezeichnete Postkarten aufbewahrt werden.

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Tipp: Der Kreativität gestalteter


Postkarten sind keine Grenzen
gesetzt. Die Postverwaltung ist
zwar froh, wenn sie standardisierte
Formate versenden kann, aber mit
diversen Kartongrößen, Materialien
und Techniken ließe sich testen, was
die Post noch akzeptiert.
Würde Stefan Gelbergs Karte mit
der eingeklemmten Frucht einer
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Platane heute noch den Weg
finden? Meine Karten versende ich
offen, nicht in Kuverts eingetütet.
Ob alle angekommen sind, weiß ich
nicht. Gegenteiliges habe ich nie
erfahren.

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EIN BILD OHNE RAHMEN IST WIE EIN SEE OHNE UFER   soll der Ma-
ler Henri Matisse gesagt haben. Aber noch ist es nicht so weit: Das
Motiv verlangt zuallererst eine optimale Position innerhalb des
Formats. Die Fotos zeigen, wie ein Passepartout dabei helfen kann.
Die Lindenfrüchte (rechts) sind so gelegt, dass zwischen den For-
men eine Art Dialog entsteht. Unterschiedliche diagonale Richtun-
gen sorgen für Bildspannung. An- bzw. Ausschnitte rücken die Ob-
jekte nahe an die Betrachter*innen heran (Zeichner: Helmut
Aichele). Nun kann die Suche nach einer passenden Rahmung be-
ginnen. Durch sie erfährt jedes Bild eine verblüffende »Verede-
lung« (siehe Tipps rechts unten). Ein befreundeter Buchbinder, der
in seinen Kursen auch das Rahmen von Bildern anbietet, zeigt die-
sen Effekt am Beispiel von Kinderzeichnungen. Manche verdienen
einen besseren Platz als in einer Mappe unterm Sofa.

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Tipp: Zeichnungen, die bis an die Eine Rahmung sollte einem Bild
Ränder des Papiers reichen, sollten nicht die Show stehlen, sondern
nicht unter, sondern innerhalb des sich durch Farbe und Form dem
Passepartouts gelegt werden. Der Charakter eines Bildes anpassen.
untere, breitere Kartonstreifen Silberrahmen sind eine gute Wahl
verhindert, dass ein Bild optisch für Grafitzeichnungen. Ansonsten
»aufsitzt«. Die Dicke des Kartons hat das zukünftige farbliche Um-
vermeidet den Kontakt der Arbeit feld des Rahmens ein Wörtchen
mit dem Glas (siehe Foto links). mitzureden.

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Tipp: Den passenden Ausschnitt für


Ihr Objekt finden Sie mit einem
Passepartout. Kleine Skizzen, kaum
größer als eine Briefmarke, lassen
schnell erkennen, welcher Entwurf
sich zur Übertragung in ein größeres
Format eignet. Markus Janousch
ging es bei den Übungen um eine
gute Figur- Grund-Beziehung, also
um den Flächenkontrast zwischen
Objekt und dem unbearbeiteten
Papier. Bei seiner Zeichnung ist es
ein Verhältnis von ungefähr zwei
Drittel zu einem Drittel, was eine
harmonische Flächenverteilung
garantiert.

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MEISTER IN FERNOST   Dass Zeichnen weltweit eine Renaissance er-


fuhr, ist auch der 2007 in Seattle gegründeten, digital kommunizie-
renden Urban-Sketchers-Bewegung zu verdanken. Die Mitglieder
verpflichten sich, direkt vor Ort zu zeichnen.
Einer der bekanntesten Künstler dieser Gemeinschaft ist Kiah Kiean
Ch’ng aus Penang in Malaysia, der sich neben urbanen Sujets auch
mit kleinen alltäglichen Dingen und mit Naturmotiven beschäftigt.
Seine spielerische, fließend anmutige, feinnervige Linienführung
und die impulsive Tusche- und Aquarelltechnik zeugen von großer
Meisterschaft.

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ÄPFEL FEHLEN IN KAUM EINER BEWERBUNGSMAPPE   Das muss
nicht falsch sein. Dann nämlich, wenn demonstriert wird, dass
mit Kreativität und Ausdauer ein Thema beackert wurde. Das ist
besser, als mit Unausgegorenem von einem Thema zum anderen
zu hüpfen – was keine gute Prognose für ein Studium und für den
späteren Beruf zuließe! Hochschulen erwarten von Bewerber*innen
keine Höchstleistungen, zu denen Profis Jahrzehnte Zeit benötigen.
Eine Fotografie, gar noch von fremder Hand, perfekt abzeichnen zu
können, erzählt übrigens rein gar nichts über das kreative Potenzial.
Skizzen, Zeichnungen und Fotos eines Themas, verbunden mit einer
umfassenden Recherche, sind viel aussagekräftiger. Die folgenden
Seiten zeigen weitere Anregungen.

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Tipp: Eine Bewerbungsmappe mit


dem Thema »Kugel« könnte mit
einer Recherche über deren univer-
selle Symbolik beginnen. Betrach-
tungen über Kugelkörper in der
Natur, im Design und in der Kunst,
in der Technik und Architektur, im
Sport oder im Spiel könnten folgen
und mit Skizzen und Fotos doku-
mentiert werden.

Zeichnerisches Geschick ließe sich


mit der räumlichen Darstellung von
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kugelartigen Objekten entwickeln.
Die Untersuchung von Lichteinfall,
Spiegelungen, Lichtreflexen, Eigen-
und Schlagschatten, Transparenz,
Oberflächenstrukturen gehört zu
den zeichnerischen Erkundungen.
Eine Dokumentation über die
verwendeten Materialien wie Stifte,
Papiersorten usw. kann die Bewer-
bung abrunden.

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2 Tipp: Eine LED-Leuchte mit hellem


Lichtkegel erzeugt kräftige Schatten
und unterstützt so die plastische
Wirkung des Granatapfels.

Andre Niemann benutzte Fineliner,


Blei- und Farbstifte zum Zeichnen
seines Granatapfels (2 und 3).
Thomas Eißenlöffel zeichnete mit
Farbstiften auf schwarzem Karton
(4), außerdem mit Finelinern und
Brushpen (7). Heinrich Betz verwen-
dete Rötel (5) und Tintenroller (6).
Richard Wombacher arbeitete mit
Bleistift (1) und Tintenroller (8).
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FRUCHTBAR   In der Antike war der Granatapfel ein Attribut mehre-
rer Gottheiten. Im Buddhismus zählt er zu den gesegneten Früch-
ten. In der jüdischen Tradition entspricht die Anzahl der Körner den
Geboten der Thora. In der christlichen Ikonographie symbolisiert der
Granatapfel die Gemeinschaft der Gläubigen. Kaiser Maximilian I.
hält einen Granatapfel in der Hand als ein Symbol der Macht. Eine
Metapher zieht sich wie ein roter Faden durch alle Kulturen: die
Fruchtbarkeit. Was nicht wundert bei den über 600 Körnern. Es über-
rascht nicht, dass sich Künstler*innen mit Lust der Darstellung der
attraktiven Frucht gewidmet haben. So auch die Teilnehmer*innen
eines Abendkurses, wie auf diesen Seiten zu sehen ist.

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Tipp: Üblich ist, Knospen wie diese
auf weißem Papier »freigestellt« zu
zeichnen. Doch mit einem dunklen
Hintergrund kommen die glänzen-
den Stellen der Knospen richtig zur
Wirkung. Wenn Sie das Umfeld als
Negativfläche zuerst zeichnen,
können Sie viel besser einschätzen,
wie viele Tonwerte die Blüte selbst
noch braucht. Viel weniger, als Sie
BLÜTENBALLETT   Wenn am Ende des Frühlings ein Strauß Pfingst- denken! Genaue Ausformulierungen
rosen auf den Tisch kommt, freue ich mich immer über die lustig der Details in der Knospe bei gleich-
aussehenden, kugelförmigen Blütenknospen. Zusammen mit den zeitiger Unschärfe im Umfeld trägt
weit ausladenden Blättern sehen sie wie tanzende Kopffüßler aus. zur räumlichen Gesamtwirkung der
Für mich eine Einladung zum Zeichnen. Zeichnung bei.

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WAS DA SO RUMSTEHT   Auf dem Tisch mit dem Fliederstrauß liegt
der schon ziemlich zurückgespitzte 8B-Bleistift Jumbo 9000 mit
dem ich dieses Motiv gezeichnet habe. Es ist nicht so lange her, dass
ich ihn fürs Zeichnen entdeckt habe. »Eine Offenbarung«, äußerte
sich spontan ein Teilnehmer eines Kurses, als ich ihn erstmals mitge-
bracht hatte. Das trifft gut das Gefühl, wenn man diesen, im Ver-
gleich zu einem normalen Bleistift, wesentlich dickeren Stift in der
Hand hält (siehe Vergleich). Da es verschieden große Hände gibt, ist
es möglich, dass Zeichner*innen es jeweils anders empfinden. Rich-
tig ist jedoch, dass es sich leichter zeichnet, wenn Stifte, gleich wel-
cher Art, keine Fliegengewichte sind.
Mit lockerer Hand und hellen Linien versuchte ich den Fliederstrauß
vorzuzeichnen. Wenn von Beginn an die weißen Blüten ausgespart
sind, braucht es nur noch genügend dunkle Flächen in deren Um-
feld, um sie hell erscheinen zu lassen.

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Tipp: Der Granat (rechte Seite) wird


durchsichtiger und leuchtend, wenn
Sie zuerst mit weißem Gelschreiber
Punkte setzen und danach den roten
Ton darüber aquarellieren. Licht-
reflexe lassen sich mit angerührtem
Deckweiß und einer Metallfeder
hervorheben.
Hier ist die Liste der Zeichengeräte
und Materialien, die ich für die
Schmuckzeichnungen verwendet
habe: Fotokarton, Pinsel, Aquarell-
farben, Metallfeder, schwarze und
weiße Farbstifte, Deckweiß sowie
einen weißen Gelroller.

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SCHMUCKTRIEB   Mit Wissbegier stand ich oft an den eigentümlich


geformten Arbeitstischen der Gold- und Silberschmiede. Immerhin
hatte ich einige Male Gelegenheit, Schmuck zu zeichnen und
zu entwerfen. Für dieses Buch hatte ich Lust auszupro-
bieren, ob ich es noch kann. Die Restbestände des
Familienschmucks mussten dafür herhalten. Die
Postkarte oben ging an einen meiner Enkel, der
mir zum Zeichen unserer Freundschaft dieses
Armband gebastelt hatte.

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Tipp: Sollten Sie mit einem Skizzen-


buch mit farbigen oder recycelten
Papieren unterwegs sein, könnte es
schwierig werden, Lichtreflexe auf
glänzenden Objekten zu erzeugen.
Dann ist es an der Zeit, die reine Tipp: Das Sammeln und die Ausfuhr
Lehre der Aquarelltechnik zu ver- von Schneckengehäusen, Korallen,
gessen und sich damit zu behelfen: und Muscheln ist in vielen Urlaubs-
Aquarellieren Sie zuerst Ihr Objekt, regionen untersagt und kann auch
wie Sie es gewohnt sind. Mit einem bei der Einfuhr Probleme machen.
weißen Farbstift, Deckweiß und Im Internet gibt es Hinweise unter
einem feinen Pinsel erhalten Sie die dem Stichwort: Ȁrger mit dem Zoll
gewünschte Wirkung. Die Kreisel- vermeiden«.
schnecke, die ich an einem Strand in Freund*innen der Natur werden ihr
der Bretagne fand, ist auf diese ohnehin respektvoll begegnen und
Weise entstanden. nur das mitnehmen, was sie verant-
worten können.
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VOM SPÜLSAUM   So schön der Blick übers Meer ist, so faszinierend


ist zu sehen, was die Wellen vor die Füße spülen. Nicht immer sind
es die komplett erhaltenen Stücke, die zum Zeichnen animieren,
sondern solche, die in Fragmenten erhalten sind, etwa zerbrochene
Schnecken, die ihr spiraliges Innere offenbaren.
Was wegen ungeeignetem Wetter nicht am Fundort gezeichnet wer-
den kann, wandert in einen Beutel. So habe ich am Abend im Quar-
tier gut zu tun. Bin ich mit leichter Ausrüstung unterwegs, kann ich
im Quartier auf umfangreichere Zeichen- und Malsachen zugreifen,
um an einem bequemen Platz in aller Ruhe Angefangenes zum Ab-
schluss zu bringen.

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Tipp: Hier ist eine Liste der Zeichen-


und Malmaterialien, die ich für die
Funde am Strand verwendet habe:
Deckweiß, Aquarellfarben, Bleistifte
verschiedener Härtegrade, Kugel-
schreiber, feine Faserschreiber,
Tintenroller und vermalbare
Farbstifte. Haben Sie keine Hem-
mung, alles querbeet zu mischen.
Es ist sinnvoll und sieht gut aus, die
Materialien mithilfe kleiner Muster
auszuprobieren (siehe oben).

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Tipp: Zeichnen Sie die Umrisse Ihres


Objekts mit einer fast unsichtbaren
Umrisslinie. Diese verschwindet mit
dem grauen Hintergrundton. Auf
diese Weise entsteht eine Negativ-
form (rechts außen). Nun braucht es
nur noch ein wenig Binnenzeich-
AUF DEN SOCKEL HEBEN   Als ich diese Korallenfragmente sah, fiel mir nung für die Eigenschatten, die das
Henry Moore ein, einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhun- Objekt dreidimensional formen.
derts. Das Buch »Henry Moore, Schriften und Skulpturen« erstand ich Wirklich plastisch erscheint es aber
als 15-Jähriger. Begeistert begann ich sofort mit Wachs zu modellieren. erst, wenn Sie auf dem Papiergrund
Das Paar »Mutter und Kind« ließ ich später in Bronze gießen. einen Schlag­­­­­­schatten hinzufügen,
Ich fuhr zu jeder Ausstellung, die erreichbar war. Ein Höhepunkt war die der das Objekt erdet und erhaben
Retrospektive, die 1995 auf der Insel San Giorgio di Maggiore in Venedig erscheinen lässt.
stattfand. Zwei Jahre später kam die Ausstellung »Ursprung und Vollen- Nach einigen Bleistiftzeichnungen
dung« nach Mannheim. Sie legte den Fokus vor allem auf den Entste- sind Sie mit der Besonderheit des
hungsprozess der Skulpturen des britischen Künstlers. Motivs so gut vertraut, dass es mit
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Moore begann immer im Kleinen! In den Mannheimer Vitrinen lagen - Tinten-
grafischen Stiften wie dem
von ihm gesammelte Knochen und Kieselsteine, die er ebenso wie Pilze roller flotter vorangeht. Gut dabei
und Muscheln als »Transformationsstudien« skizzierte. Sie zeigen sein ist, dass Sie ihn nicht radieren bzw.
großes Interesse für elementare Naturformen. korrigieren können.
Moore demonstriert einen Weg, der auch von Zeichner*innen begangen Nur wenige Formschraffuren sind
werden kann. Diese Art Transformation wird an vielen Stellen in diesem nötig, um die Plastizität überzeu-
Buch beschrieben: Mit kleinen Dingen anfangen! Wie wäre es, wenn Sie gend betonen zu können. Probieren
im Sinne von Henry Moore, die plastischen Qualitäten Ihres aufbewahr- Sie aus, ob der Einsatz von weichen
ten Weisheitszahns studieren und ihn zeichnerisch auf den Sockel he- Bleistiften über diesen Schraffuren
ben? Im Ernst! die plastische Wirkung noch zu-
sätzlich steigern kann (siehe oben
links, unten rechts und auf der
übernächsten Seite).

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UMKEHRUNG   Um helle Objekte auf weißem Papier zur Wirkung


kommen zu lassen, braucht es dunkle Tonwerte im Umfeld (links un-
ten). Probieren Sie es mal umgekehrt! Ein Fotokarton dient Ihnen als
Zeichenoberfläche. Skizzieren Sie Objekte mit weißen Farbstiften.
Je nach Fabrikat und Druck erzeugt der Stift hellgraue bis nahezu
rein weiße Tonwerte. Zum Abschluss erreichen Sie mit Deckweiß die
maximale Leuchtkraft. In der Fachsprache wird dieser Vorgang als
»höhen« bezeichnet. Schraffieren Sie die Restfläche des Kartons zu
einem hellgrauen Ton und sparen Sie dabei die Schlagschatten der
Objekte komplett aus. Die Korallenfragmente lassen sich auch nur
mit Deckweiß malen. Wie stark verdünnt oder wie sämig Sie die Far-
ben anrühren müssen, finden Sie schnell heraus.

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Tipp: Mario Leimbacher zeigt ein-


drucksvoll, wie die Zeichentechnik
auf eingefärbten Papieren funktio-
niert: Ausgehend vom Grundton des
Papiers werden helle und dunkle
Farbstifte zum »Höhen« und zum
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Abdunkeln, etwa für die Schatten,
verwendet. Dem Zeichner gelingt es,
mit sparsamsten Mitteln maximale
Wirkungen zu erzeugen. Am Henkel
des Wasserglases ist schön zu sehen,
dass das Auge an »Fehlstellen« der
Zeichnung keine weitere Konkreti-
sierung verlangt.
Glänzend ist die Idee, inmitten einer
Gruppe von Walnüssen ein Teelicht
zu positionieren. So entsteht eine
wunderbar wärmende Stimmung.

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Tipp: Am Beispiel des idealisierend


gezeichneten Bändersteins erkennen
Sie, wie Sie vorgehen können:
Beginnen Sie eine zarte Vorzeich-
nung mit einem weichen Bleistift.
Dessen feine Linie verschmilzt mit
dem nächst dunkleren Grauton.
Dadurch wird ein hartes Einrahmen
der weißen Bänder verhindert. Sie
bleiben so lange ausgespart, bis der
Stein nach und nach seine räumliche
Wirkung erhalten hat. Zuletzt
LEBENSLINIEN   Die Bänderungen von Kieselsteinen erinnern an die werden auch die Bänder auf der
sich kreuzenden Linien in Handflächen, in denen Chirolog*innen das vom Licht abgewandten Seite des
Schicksal von Menschen zu erkennen glauben. Die Herkunft, Be- Steins leicht nachschattiert.
stimmung und das Alter von Steinen ist für Fachleute kein Problem. Interessant ist übrigens, dass das
Für interessierte Laien gibt es Bestimmungsbücher. Weiß, der von den grauen Flächen
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Ich habe in meine Kurse gerne Steine mitgebracht, da mit ihnen das - heller
eingeschlossenen Bänder,
Zeichnen mit Tonwerten geübt werden kann. Das Musterband un- erscheinen kann, als das Weiß des
ten demonstriert, dass es keine Linien braucht, um Tonwerte zu un- Zeichenpapiers. Ein verblüffender
terscheiden (1). Beim Zeichnen mit Faserschreibern und Tintenrol- Effekt!
lern verhält es sich anders. Mit diesen Stiften entstehen die
Grauwerte durch Schraffuren und Texturen, die mittels Verdichtung
oder Auflösung die Tonwerte erzeugen (2).

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Tipp: Informationen über diese


dekorativen Steine finden Sie bei
Wikipedia unter dem Stichwort
»Bänderung Geologie«.
Ebenfalls interessant ist die Seite
www.isar-kiesel.de. Die schönen
Exemplare verdanke ich unseren
Freunden Hedi und Horst.

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Tipp: Stricklava ist ein lehrreiches


Zeichenobjekt. Mit weichen Farb-
und Bleistiften, mehreren Tonwerten
und unter Verzicht auf harte
Umrisslinien entsteht die Plastizität
des Objekts wie von selbst. So mit
der Form vertraut, kann es zum
Beispiel mit Tintenrollern oder mit
Aquarell weitergehen.

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ELDORADO   Schwarz-Weiß-Fotos von anthrazitgrauen Lavafeldern


im Kontrast zur schlichten Architektur weißer Häuser haben für
mich als Zeichner die Insel Lanzarote zu einem Traumziel werden
lassen. Im Frühjahr, aus der Nähe betrachtet, kann sie völlig anders
sein; farbig, grün und fruchtbar! An die Hänge der Vulkankegel
krallt sich saftige Wolfsmilch. Quadratkilometerweit bedecken far-
bige Flechten und Moose die Lavakrusten. Dazwischen stolpert
man über die seltsam geformten Stücke von erkaltetem Magma
(oben). Diese Fladen- oder Stricklava genannten Schlackentypen
kommen in ockerfarbenen, glänzend metallischen oder in rostro-
ten Oberflächen vor.

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Wie eine gigantische Kugelmühle, so


muss man sich das Meer rund um
die kanarische Insel Lanzarote vor-
stellen. Der unruhige Atlantik spült
die glatt geschliffenen Lavabrocken
klickernd ans Ufer. Ein Viertel einer
Kugel landete in meinem Skizzen-
buch (links). Wie die Kugelform
entstanden ist, demonstrieren die
einzelnen Arbeitsschritte (rechts).
Am besten rundet sich die Kugel,
wenn das Licht von links kommt.

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Tipp: Für Zeichnungen dieser Art
verwende ich schnelle Tintenroller,
die sehr dichte, enge Schraffurlagen
zulassen, ohne dass die Linien zu
Flecken ineinanderlaufen, was mit
einer Metallfeder leicht passieren
kann. Nachteil ist, dass die Striche
immer gleichmäßig dick sind, es sei
denn, man hält ab und zu den Stift
leicht schräg. Das Skizzenbuch links
ist mit Recyclingpapier gebunden.

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HERZIG   Sobald ich Freund*innen von diesem Buchprojekt erzählte,


wurden Vitrinen geöffnet, Regale und Setzkästen geplündert, rand-
volle Schalen präsentiert, Schubladen durchwühlt, hinter Bücherrei-
hen versteckte, längst vergessene Schachteln hervorgekramt und
aus Abstellkammern Raritäten und Souvenirs herbeigeschafft und
sonst geschaut, was da so rumliegt. So kam es, dass auch Annas
Herzsteine, hier fotografiert und präzise gezeichnet, ihren Platz
fanden.

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Tipp: Obwohl ich am liebsten mit


einem sehr weichen 8B-Bleistift
zeichne, für die Herzsteine mussten
es härtere Grafitsorten sein. Sind die
Stifte gut gespitzt, können Sie sehr
feine Details herausarbeiten.
Vorsicht! Zu starker Druck auf harte
Bleistifte erzeugt unangenehme
Furchen im Papier.

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STEINTHEATER   Augen überall. In der Wahrnehmung von Tier und


Mensch spielen Augen eine herausragende Rolle. Augenpaare sind
in der Lage zu warnen oder – genau das Gegenteil – sympathische
Gefühle auszulösen. Ein Phänomen, das die Psychologie »Gestalt-
sehen« nennt. Selbst diese Steine können über Form und Position
der »Augen« unterschiedliche Assoziationen auslösen. Über jede
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einzelne Miniaturmaske ließe sich eine kleine Geschichte schreiben
oder mit ihnen ein Steintheater inszenieren. Oder zeichnen! Eine
prima Gelegenheit, mit Stiften plastisch zu formen. Mit Ausdauer
hypergenau, skizzenhaft ungeduldig, surreal aufgeladen, impressio-
nistisch weich, holzschnitthaft expressiv oder flott hingetuscht.

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WENN SIE DEN SCHAFFEN,   dann packen Sie auch das Matterhorn!
Möglich, dass Sie das schon mal in einem meiner Bücher von mir
gelesen haben. Trotzdem, ich will Sie an dieser Stelle daran erinnern:
Kantige Steine (und Falten) zeichnen ist mit das Beste, was Sie sich
antun können, wenn Sie Zeichnen lernen möchten. Selbst an einem
Körnchen Straßensplitt lässt sich ausprobieren, was sich in weit grö-
ßeren Dimensionen in Landschaften als zeichnerische Herausforde-
rung erweist. Zum Beispiel an einer Felsenküste, in einem Stein-
bruch oder in den Bergen.

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Tipp: Versuchen Sie die Schatten-


flächen als klar umrissene Formen
zu sehen. Diese zeichnen Sie zuerst.
Die beleuchteten Partien sparen Sie
- orderid - exl43369175-3960888694 - transid - exl43369175-3960888694 - Sie
aus. Allein dadurch erreichen
sehr rasch eine dreidimensionale
Wirkung. Dabei gibt es zwei sich
unterscheidende Techniken: Ent-
weder arbeiten Sie nur mit Tonwer-
ten, etwa mit Bleistift (hier links),
oder linear mit Umrisslinien und
Schraffuren bzw. Texturen für die
Schatten (darunter). Die plastische
Wirkung erhalten Sie mit beiden
Methoden. Probieren Sie alles aus,
was Spuren hinterlässt. Auch quer-
beet und durcheinander.

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KLEINES GANZ GROSS   Über die geschwungenen Hochflächen der


Schwäbischen Alb ziehen sich weiße Bänder. Es ist Kalkschotter, der
die Wanderwege klar von den Ackerflächen und Graslandschaften
abgrenzt. Als Kind bin ich viele Male auf den Wegen zwischen den
Wachholderweiden der Zollernalb gelaufen. Mindestens einmal im
Jahr zieht es mich dort hin. Selten komme ich ohne einen kantigen
Kalkstein in meiner Tasche zurück.
Als Reminiszenz an diese mir so vertraute Landschaft zeichnete ich
2003 für eine Ausstellung eine Serie von Monotypien, die hier in
Ausschnitten wiedergegeben sind.

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Tipp: Die Monotypie ist ein Einmal-


druck. Es gibt unterschiedliche
Verfahren. Ich verwende Offset-
druckfarbe und dünnes Werkdruck-
papier. Auf einer Glasplatte wird die
Farbe hauchdünn und gleichmäßig
ausgewalzt. Das Papier wird so über
die Glasplatte gelegt, dass es
möglichst keinen Kontakt zur Farbe
bekommt. Deshalb befestige ich die
Glasplatte senkrecht auf einer
Staffelei. Auf diese Weise kann das
Papier frei hängen. Nur über den
Druck des Zeichenstifts bekommt es
Kontakt zur Farbe auf dem Glas.
Der Vorteil dieser Methode ist, dass
das an der Oberkante aufgehängte
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Papier zwischendurch angehoben
werden kann, um auf der Rückseite
den Fortschritt der Monotypie
kontrollieren zu können. Schatten-
partien werden durch leichten Druck
mit dem Daumen oder mit einem
Papierwischer gezielt platziert. Mit
einer Art Tischkante als Horizont
erhalten die kleinen Steine eine
monumentale Wirkung. Mehr über
meine Technik der Monotypie in
meinem Blog: risslerlandschaft-
zeichnen.blogspot.com

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KARIBIK   In den Klassenzimmern meiner Schule hingen große Tafeln


des tropischen Jurameeres, das vor rund 200 Millionen Jahren fast
ganz Europa bedeckt hatte. Die Lehrer*innen erzählten von Tinten-
fischen so groß wie Wagenräder, delphinartigen Sauriern und vom
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fliegenden Archäopteryx. Wir Kinder brachten mit, was auf unseren
Abenteuerspielplätzen rumlag oder was wir in Steinbrüchen aus
den Wänden klopften: Schneckenartige Ammoniten und Schwäm-
me aus den Kalkriffen (oben), die flachen Tintenfische aus den Schie-
ferbrüchen oder verwandte Arten aus dem Braunjura (rechte Seite
links oben). Wir erfuhren, dass die seltsamen Sterne von Seelilien
stammen und dass der Teufelsgriffel ebenfalls ein Tintenfisch war
(rechte Seiten oben). Besonders begehrt, weil sehr selten zu finden,
waren die Stacheln der Seeigel oder die Schuppen von urzeitlichen
Fischen (rechte Seite unten). Außer diesen wenigen Stücken besitze
ich noch das Buch »Der Petrefaktensammler« von Eberhard Fraas,
das mit großartigen Lithografien illustriert ist. Ich empfehle Ihnen
den Besuch im Urweltmuseum Hauff in Holzmaden, im Fossilien-
museum in Dotternhausen und im Jura-Museum in Eichstätt.

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Meine sehr frühe Begeisterung für
Versteinerungen hatte Folgen.
Gerade erwachsen, hielt ich mich für
einen Surrealisten, angefixt durch
eine Reihe von Ausstellungen der
damals populären Vertreter dieses
Genre: Max Ernst und Salvatore
Dali.
Als Modell für eines meiner damali-
gen »surrealen« Ölbilder nutzte ich
den versteinerten Tintenfisch auf der
linken Seite (oben Mitte).

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Diese Illustration für das Magazin


»natur« zeigt, wie Regenwürmer für
gesunde Ackerböden sorgen. Da nie
ausreichend Zeit für derlei Arbeiten
vorhanden war, half die Airbrush-
technik, schneller voranzukommen,
wenn eine flächig grafische Optik
gefragt war.

In den Studios der Illustrator*innen


ist die Spritzpistole immer noch ein
Standardwerkzeug. Nicht analog,
- orderid - exl43369175-3960888694 - transid - exl43369175-3960888694 - in
sondern als digitales »Tool«
Bildbearbeitungsprogrammen, das
weit schnelleres Arbeiten zulässt als
die hochkomplizierte, nur mit
Fingerspitzengefühl zu bedienende
Airbrushpistole, die gerne mal über
fast fertige Arbeiten spuckte. Das
allerdings war erwünscht, wenn in
einem Schnittbild eine erdähnliche
Struktur dargestellt werden sollte
(unten).

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GRÄSER ZUM FESTBEISSEN   Denke ich an meine Zeit als Illustrator


fällt mir zuerst das weitgespannte Spektrum der Aufträge ein, die
auf meinem Zeichentisch landeten. Jedesmal galt es, mich neu in
ein Thema einzuarbeiten. Die Recherchen dauerten weit länger als
das Illustrieren selbst. So anstrengend diese Tätigkeit auch war: Zu-
rückblickend empfinde ich diese Zeit als großen Gewinn.
Vor allem schärfte sich meine Wahrnehmung bei Spaziergängen in
der Natur. Ich wurde aufmerksamer und achte seither viel mehr auf
Details, was mir übrigens auch beim Fotografieren nützt.
Für den Auftrag auf der linken Seite holte ich mir Grasbüschel, topf-
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te sie ein und stellte sie auf meinen Arbeitsplatz. Ich lernte, was eine
Blattscheide und eine Blattspreite ist, wo die Knoten und Öhrchen
sitzen und dass Grashalme einen Triebgrund haben. Ich studierte,
wie sich die Blätter drehen, nach vorne und nach hinten neigen, sah,
dass sich die Blattkante an der Unterseite auf der Oberseite fort-
setzt und vermied so, dass hauchdünne Blätter nicht wie fette Suk-
kulenten aussehen. Bis heute haben diese Erfahrungen Nachwir-
kungen auf meine »freien« Zeichnungen in der Natur.
Es fällt mir sehr schwer, Gräser oder Blätter einfach hinzuschludern,
auch dann, wenn ich nicht naturalistisch, nicht abbildhaft, sondern
frei interpretierend zeichnen möchte. Ich vermute, dass Sie dies in
meinen Landschaftzeichnungen erkennen. Siehe nächste Seite: Die
Salmer Weide mit Disteln, Bleistift, 1992.

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NATUR NATÜRLICH MIT NATUR   Ein Blick in meine Stifteschachtel


zeigt es: Außer den in Holz gefassten Grafit- und Farbstiften beste-
hen fast alle Zeichengeräte vollständig oder in Teilen aus Plastik. Vie-
le sind Wegwerfprodukte. Nein, ich werde nicht wieder mit dem
Gänsekiel schreiben oder mit Silberstiften zeichnen wollen. Aber
warum nicht mal ausprobieren, was sonst noch Spuren hinterlässt?
Mit einem Rundumblick werden Sie fündig. Die Blumenvase könnte
was abgeben. Auch der Halm eines Rispengrases, das Sie vor der
Haustüre finden, lässt sich in ein Tuscheglas tunken.
Selbstverständlich sind die »Naturstifte« nicht für hyperrealistische
Zeichnungen geeignet. Sie reagieren nicht immer auf das, was Kopf
und Hand will, sind aber wie geschaffen für freies, experimentelles
Zeichnen. (Zeichnungen rechts oben Beatrice Körner und darunter
Katja Rosenberg).

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Tipp: Angeregt durch das Zeichnen


mit »Naturstiften« können Sie in
weiteren Schritten ein Motiv, wie
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hier eine Hortensie, frei vom abbild-
haften Darstellen interpretieren.
Die schwarzen Flecken sind mit der
Pipette eines Tuscheglases auf das
Papier gebracht und wurden dann
mit feinen Linien umspielt (Arbeit
von Martina Theisen).

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BEHUTSAM UND WILD   Bleistifte können beides. Besonders solche


mit weichem Grafit, sofern sie gut gespitzt sind. Harte Minen erfor-
dern einen kräftigen Druck, was zu steifen Linien führen kann. Ist
das vordere Zeigefingergelenk beim Zeichnen stark durchgebogen,
braucht die Hand zu viel Kraft. Das allein kann die Ursache für unbe-
friedigende Ergebnisse sein.
Lassen Sie die ersten Linien unkorrigiert, auch wenn das Motiv an
manchen Stellen anders aussieht. Eine singuläre Linie, spontan ge-
zeichnet, ist überzeugender als ein Bündel von Linien. Sie sind Aus-
druck für ein um Richtigkeit bemühtes Zeichnen.

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Tipp: Schatten machen das Licht!


Wenn der Hintergrund eingegraut
wird, ist die Wirkung verblüffend!
An dieser Stelle darf ich Sie auf die
»Ballade von der Lichtmalerei«
hinweisen, die der Schriftsteller,
Dichter, Zeichner und Maler Robert
Gernhardt geschrieben hat. »Leg
etwas in das Licht und schau, was
das Licht mit dem Etwas macht ...«
Den vollständigen Text finden Sie
im Internet.

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MASTERPIECE   Zu dieser Zeichnung hat mich eine Studie angeregt,


die John Ruskin 1879 gemalt hat. Der in London geborene Zeichner,
Maler, Kunst- und Architekturkritiker, Kunstpädagoge, Schriftsteller,
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und Sozialreformer war auch ein großer Naturfreund. »Wenn Sie ein
Blatt malen können, werden Sie die Welt malen können«, schrieb er.
Ich kann dem nur zustimmen, denn in einem kleinen Stein, einer
Flechte oder in einem Blatt stecken dieselben zeichnerischen Anfor-
derungen, die sich auch bei komplexen Motiven stellen.

Tipp: Im Gegensatz zu John Ruskins


unvergleichlichem in Aquarell und
Guache gemalten Eichenblatt ist
dieses Blatt einer Platane mit den
vermalbaren Farbstiften Stabilo
Tone gezeichnet (Vorläufer der
Stabilo Woody). Im Internet finden
Sie Ruskins Arbeit unter dem Titel
»Study of Spray of Dead Oak
Leaves«.

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VOM BLATTFALL ZUM ZERFALL   Interessant verdrehte Herbstblät-


ter und besonders solche, die der vollkommenen Zersetzung nahe
sind, laden zum freien Spiel mit Linien ein. Dieses lustvoll kreative
Zeichnen ist mir zuweilen lieber als penibles Abbilden.
Manche modellierende Schraffur mag an Albrecht Dürers Strichfüh-
rung erinnern. Nicht ohne Grund, denn der Nürnberger Meister ge-
hört zu meinen frühen Vorbildern.

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Für das Magazin »natur« habe ich in


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den 80er Jahren eine große Anzahl
solcher Strichzeichnungen mit dem
Rapidograph angefertigt. Es gab
nicht immer die Gelegenheit, die
Arten in der Natur zu studieren.
Von Fachbüchern, Fotos, Filmen und
anderem Bildmaterial abhängig,
galt es Arbeiten anzufertigen, die
urheberrechtlich nicht beanstandet
werden konnten.
Oben: Detail aus dem Landschafts-
element Bahndamm, Aquarell und
Airbrush, ebenfalls für »natur«

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UNKRÄUTER   So werden landläufig die hier abgebildeten Wild- oder


Ackerkräuter genannt: Klatschmohn, Acker-Senf, Kornblume, Ge-
zähnter Feldsalat, Kornrade und Vogelknöterich (von links nach
rechts). 1984 habe ich sie für das Magazin »natur« gezeichnet, in
dem der Begriff Unkraut und dessen Vernichtung durch Herbizide
angeprangert wurde. Mittlerweile ist das Insektensterben Realität.
Auch die Artenvielfalt ist massiv zurückgegangen. Untersuchungen
zeigen, dass es besonders die schönen Schwebfliegen erwischt hat,
die oft mit Wespen verwechselt werden.

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KUNST ODER ILLUSTRATION?   An dieser Stelle passen Gedanken zu


der Diskussion, ob Illustration Kunst sein kann. Ich habe nur diese
Antwort: selbstverständlich! Die Metamorphosen von Schmetter-
lingen von Maria Sibylla Merian sind kunstvolle Illustrationen.
Albrecht Dürer handelte europaweit mit illustrativer Druckgrafik.
Den »Lederstrumpf« von James Fenimore Cooper illustrierte Max
Slevogt mit kongenialen Lithografien. Der Maler Lyonel Feininger
zeichnete für die »Chicago Sunday Tribune« den wenig bekannten
Comic Strip »The kin-der-kids«. Pablo Picasso illustrierte literarische
Werke. Die Liste ist lang!
Eine Antwort auf die Frage findet sich in der Herkunft des Wortes
Illustration. Es leitet sich aus dem lateinischen Verb »illustrare« ab
und bedeutet »erhellen, erleuchten«, also eine bildliche Veranschau-
lichung, die einen Text begleitet. Allenfalls ließe sich ein Unterschied
im Anlass sehen, der zu einem Kunstwerk führt. Bei einer Illustration
ist es meist ein Auftrag. Freie Künstler, sofern sie »frei« sind, finden
die Impulse für ihre Arbeiten in der Regel selbst. Kompositorisches
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Geschick, Beobachtungsgabe, Farbgefühl, sichere Linienführung
und vieles andere mehr sind Merkmale sowohl»freier« als auch auf-
tragsgebundener Kunst. Bei der Zeichnung auf dieser Doppelseite
gab es keinen Auftraggeber. Die verwendeten Materialien für diese
Postkarte sind: Bleistift (für die Vorzeichnung und die Schatten), Fi-
neliner Pigma Micron 005, Farbstifte Faber-Castell Goldfaber und
Aquarellfarben.

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Tipp: Verholzte Fangarme an den


Spanndrähten in Weingärten sind
gute Motive für perspektivische
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Übungen. Eine kräftige-Beleuchtung
macht das Schattenspiel auf den
Objekten gut sichtbar. Verblüffend
ist, wie die Schlagschatten auf dem
Papiergrund dafür sorgen, dass sich
die filigranen Formen räumlich von
ihm abheben können.

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VON NICHTS KOMMT NICHTS   Die Zeichnungen auf diesen beiden
Seiten zeigen, was für mich Zeichnen bedeutet. Manchmal interes-
sieren mich Objekte so stark, dass ich an den Zeichnungen so lange
herumtüftle, bis ich einigermaßen zufrieden bin. Dazu brauche ich
die passende Atmosphäre und Geduld. Letztere fehlt mir oft. Nicht
zum Schaden der Zeichnungen, wie ich immer wieder erfahre. Denn
wenn Stifte aufgrund vorangegangener Erfahrungen schnell übers
Papier fliegen können und dabei was Gutes herauskommt, dann
spüre ich, dass genaues Hingucken und das Friemeln einen Sinn ge-
habt haben. Deshalb der Rat: Leisten Sie sich »Ausbrüche«. Gehen
sie schief, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass die »Basis«
nicht breit genug aufgestellt ist. Viele Zeichner*innen verdanken
ihre Fortschritte dieser Wechselwirkung. Begabung kommt selten
aus dem Nichts ...

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MACHEN SIE DOCH, WAS SIE WOLLEN   Anstatt solch ein simples
Tuscheglas brav abzuzeichnen, könnten Sie mal testen, wie kreativ
Sie sein können. Packen Sie auf den Tisch, was Ihr Zeichen- und Mal-
zeug hergibt: Stifte, Pinsel, Kreiden, Farben, Tinten, Tusche und Pa-
piere aller Art. Mischen Sie sämtliche Zeichen- und Maltechniken
kreuz und quer. Dabei sammeln Sie wertvolle Erfahrungen, die auch
bei anderen Motiven von Nutzen sind.

Sie ahnen nicht, auf was für wunderbare Ideen Sie kommen! Und Sie
wollen nicht mehr aufhören. Versprochen!

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BILD STATT ABBILD   Wie souverän und kreativ eine zeichnerische


Handschrift sein kann, zeigt der Kursteilnehmer Thomas Eißenlöffel.
Er verwendete einen Brush Pen, nutzte das Prinzip des »Negative
Space«, fügte Schatten hinzu, kümmerte sich nicht um Richtigkeit
und demonstriert so sein großes Talent für expressives Zeichnen.

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LAPIS MEMORIALIS 1791   Ab dem 16. Jahrhundert kamen aus der


Schweiz viele mennonitische Glaubensflüchtlinge ins Elsass. Auch
die Grafen von Salm nahmen Anabaptisten auf, die im elsässischen
Exil ihre Fähigkeiten als Bauern unter Beweis stellen konnten. Der
stattlichste Bau unter den zahlreichen mennonitischen Gehöften in
der ehemaligen Grafschaft ist die Ferme Kupferschmitt. Die In-
schrift in einem Stein (Zeichnung rechte Seite) erinnert an den Bau
des Hofs im Jahr 1791. Der Namensgeber der Ferme wurde berühmt,
weil er 1793 bei der Revolutionsbehörde in Paris erreichte, dass die
Männer der Gemeinde keinen Wehrdienst leisten mussten. Auf dem
Areal fanden die jetzigen Besitzer jahrhundertealte Objekte. Das
Tintenfass könnte Nicolas Augsburger, ebenso eine angesehene Per-
sönlichkeit in der Gemeinde, benutzt haben.

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Tipp: Weitere Informationen zu den


Mennoniten im Elsass finden Sie im
Internet unter: Musée protestant >
16. Jahrhundert > Die mennoniti-
schen Kirchen

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GLÄNZEND   Das in Salm gefundene Tintenglas nutze ich für diese


Zeichenübung. Sie demonstriert, wie Sie mit wenig Aufwand auf ei-
nem dunklen Karton einen glänzenden Gegenstand darstellen kön-
nen. Beginnen Sie die Vorzeichnung ohne großen Druck auf den wei-
ßen Stift auszuüben (unten links). Dann verdichten Sie nach und
nach mit lockerer Schraffur die mittelhellen Glasflächen und sparen
die Partien aus, die dunkel bleiben sollen. Auch der Schlagschatten
bleibt ausgespart, während Sie den Hintergrund mit einem feinen
Flächenraster eingrauen. Das hat den Effekt, dass die glastypischen,
sehr dunklen Flächen zur Wirkung kommen. Korken und Glas erhal-
ten mit Ocker und Gelb noch etwas Farbe (unten rechts).
Noch glänzt das Glas nicht richtig. Die weißen Farbstifte haben
nicht die gewünschte Deckkraft. Hier kommt wieder Deckweiß ins
Spiel, das den sehr hellen Reflexionen im Glas die nötige Strahlkraft
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verleiht. Praktisch ist, erst mit etwas wässrigem Deckweiß zu begin-
nen, um dann nach ein paar Schichten das pure Weiß zu verwenden.
Zum Schluss schraffieren Sie noch ein helles Blau über die weiße
Schraffur im Hintergrund. Das ist gut für die räumliche Wirkung,
denn kalte Farben treten optisch zurück, warme nach vorne.

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Tipp: Die Deckkraft weißer Farbstifte


hängt sehr stark von der Qualität
der einzelnen Fabrikate ab. Es gibt
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weiche, harte und vermalbare
Die Papierart entscheidet mit, wie
gut die Pigmente der Stifte haften.
Dasselbe gilt für Deckweiß. Es hilft,
die sehr unterschiedlichen Sorten
auf einem Teststreifen auszu-
probieren.

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EINGEWEIDE   Das Kofferradio »Clipper« Baujahr 1959 (rechte Seite)


existiert noch. Der Hingucker auf der Liegewiese im Schwimmbad.
Bevor ich anfing, die Rückseite des Geräts zu zeichnen, dachte ich, du
musst verrückt sein! Warum tust dir das an? Mit der Aufforderung
des Alleszeichners Adolph Menzel und der Schraffurtechnik des
New Yorker Underground-Comiczeichners Robert Crumb im Kopf
musste es dann doch sein: Konsequent mit Parallel- und Form-
schraffuren gestrichelt. Dazu Schatten. Nicht zu schwarz. Damit
wurden auch die ausgeweideten Teile eines anderen Radios von
Nordmende plastisch (oben).

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ABREIBUNG   Die plattgefahrene Sprühdose ist eine gute Gelegen-


heit, Sie einzuladen, mit der Frottage zu experimentieren. Das Wort
kommt von dem französischen Verb frotter, was so viel wie reiben
bedeutet. Bestimmt haben Sie als Kind, so wie ich, Münzen abgerie-
ben, staunend über das Ergebnis.
Max Ernst, der bedeutende Maler und Grafiker des Surrealismus,
hat ab 1925 die Methode der Frottage zur »Steigerung der halluzi-
natorischen Fähigkeiten des Geistes« neu entdeckt, weiterentwi-
ckelt und wunderbare Arbeiten geschaffen, für die er Objekte aus
der Natur verwendet hat. Ich schätze, ihn hätte dieses merkwürdige,
himmelwärts glotzende Blech zu einer Abreibung angeregt.

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ausgepackt und ein dünnes Papier


gefunden haben, wird Sie mit
Sicherheit das Abreibfieber nicht
mit der Einstellung »Schwarz/Weiß« mehr loslassen. Im Internet finden
ein. Mit einer roten Wachsmalkreide Sie eine Menge Frottagen von Max
von Stockmar entstand die dritte Ernst. Niemand konnte mit dieser
mit dem Pipettenglas (siehe Seiten Version, die ich am Rechner mit der Technik so phantasievoll experimen-
74/75). Ich habe mit einem Vollgra- schwarz-weißen kombinierte (rechts tieren. Der Frottage verwandt ist
Tipp: Dies ist nur der Anfang einer fitstift und dem Vierkant-Grafitblock oben). Wenn Sie mal ein passendes übrigens der Naturselbstdruck. Auf
Reihe, die sich endlos fortsetzen von Cretacolor begonnen (linke Objekt zum Durchreiben entdeckt, der Seite 170 finden Sie ein Beispiel
ließe, so etwa wie die Experimente Seite). Diesen Abrieb scannte ich Ihre Zeichen- und Farbmaterialien und im Netz mehr zur Technik.

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AUSRANGIERT   Nach diesem Zeichenmotiv müssen Sie nicht lange


suchen. Sie kennen das Problem: Für plausibel aussehendes Schuh-
werk bleibt meist wenig Zeit. Abhilfe schafft nur, wenn Sie sich ab 4
und zu unterschiedliche Schuhtypen vornehmen und sich mit Per-
spektive, Konstruktion und Oberflächen beschäftigen. Passend zu
Ihrer zeichnerischen Handschrift können Sie einen alten Stiefel fi-
ligran skizzieren, feines Leder mit einem Bleistift durchfriemeln
oder locker was Modisches mit dem Brushpen hintuschen. Lehr-
reich ist es auf jeden Fall. Zeichner*in: Heinrich Betz (1), Kirsten
Beck (2), Rainer Lieser (3 und 4). Übrigens: Schauen Sie doch mal,
was ein berühmter Vertreter der Pop Art mit Schuhen gemacht hat.
Dieser hat um 1955 eine kolorierte Lithografie so betitelt und si­
gniert: »A La Recherche du shoe perdu by Andy Warhol«.

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Wer in Heidelberg zuhause ist, hat


das Glück, riesige Wälder stadtnah
- orderid - exl43369175-3960888694 - transid - exl43369175-3960888694 - können.
zur Erholung nutzen zu
40 % der Gemarkungsfläche der
Stadt sind bewaldet. Einzigartig
sind die beschrifteten Findlinge ­
aus Buntsandstein, die die Wege
markieren. Mein Lieblingswald ist
der Zedernwald, den der Heidelber-
ger Oberförster Obermayer 1888
angelegt hat. Dort fand ich die
Zapfen von Zedern, Lärchen, Kiefern
und anderen Nadelbäumen, die ich
hier und auf den folgenden Seiten
gezeichnet habe.

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SPITZKRIEGEN   Nichts ist ärgerlicher als Spitzer, die gute Bleistifte


zugrunde richten. Unscharfe Messerchen können die Ursache sein.
Schonender als die Abschälmethode ist die Technik des Abfräsens.
Meine 150 Jahre alte »Bleistiftschärf-Maschine Jupiter« spitzt auf
diese Weise immer noch einwandfrei und, das ist das Beste, sie pro-
duziert eine lang aus dem Holz ragende spitze Mine. Dabei entsteht
feines Grafit- und Holzmehl. Design und Beschriftung erinnern an
eine Nähmaschine, was daran liegt, dass die Firma Guhl & Harbeck
1867 ihre Produktpalette genau damit begann. Für dicke Stifte ist
das antike Stück nicht zu gebrauchen. Dagegen bekommt, wie Sie
auf der Seite 30 sehen, die Bleistiftspitzmaschine Dahle 166 auch
den dicken Jumbo spitz!

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Tipp: Radieren verboten! Vielleicht


haben Sie diese strenge Regel mal zu
hören bekommen. Tatsächlich kann
ständiges Radieren die Entwicklung
einer ausdrucksstarken Linie verhin­
dern. Doch es kommt darauf an, was
Sie zeichnen wollen. Ist es ein so
kompliziertes Objekt wie ein Kiefer­
zapfen und möchten Sie im Detail
wissen, wie es gebaut ist, dann ist
der korrigierende Einsatz eines
Radierers nicht verkehrt. Und wenn
Sie einen weichen Bleistift verwen-
den, hat es ein Knetradiergummi
wesentlich leichter Unerwünschtes
zu entfernen (rechts, das rote Ding).

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NIX FÜR UNGEDULDIGE  Zapfen schon gar nicht. Mit Ausdauer be-
- orderid - exl43369175-3960888694 - transid
kommen Sie-das
exl43369175-3960888694 - Griff. Nach
verwirrend erscheinende Gebilde in den
ein paar Dutzend Detailskizzen (siehe vorige Seiten) haben Ihre Au-
gen gelernt zu sehen, was richtig und was falsch ist. Mit diesem Wis-
sen folgt Ihre Hand bereitwilliger als zuvor. Eine plastische Wirkung
des Kieferzapfens zu erzeugen ist die größte Herausforderung.
Versuchen Sie es mal damit: Verwenden Sie auch hier einen Jumbo
9000 8B und starten Sie mit einer sehr hellen, kaum sichtbaren Vor-
zeichnung. Da er, wie schon erwähnt, dicker ist als ein normaler Blei-
stift, liegt er gut in der Hand. Zeichnen Sie locker, ohne starken Druck
auf den Stift auszuüben. Das verhindert allzu verkrampftes Zeich-
nen, was hinterher zu sehen ist. Die feine Vorzeichnung benötigen
Sie nur zur Orientierung. Sie verschwindet im nächst dunkleren
Grauwert. Dass ein einziger Grauton ohne lineare Umrandung aus-
reicht, einen Zapfen dreidimensional erscheinen zu lassen, zeigt das
auf einen Ton reduzierte Foto (links). Kaum zu glauben! Oder?

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Die erste der drei Zeichnungen (linke Seite oben) habe ich ebenfalls
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mit nur einem hellen Grauton begonnen. Mit jedem hinzukommen-
den Tonwert erhält der Zapfen mehr Plastizität. Je dunkler die be-
schatteten Flächen sind, desto stärker wird das einströmende Licht
sichtbar. Sehr wichtig für die Plastizität sind die Schlagschatten der
Schuppen. Sie legen sich auf darunter- oder danebenliegende Teile
des Zapfens und beschreiben deren Richtung und Form.
Nun sind Sie mit der Gestalt des Zapfens vertraut und können einen
Tintenroller oder Brush Pen ins Spiel bringen (oben). Sie sehen, diese
Zeichnungen wirken weniger plastisch als die finale Bleistiftzeich-
nung. Doch keine Regel ohne Ausnahme! Hier sind die umschrei-
benden Linien Teil grafischer Techniken. Arbeiten mit dem Brush Pen
erinnern an japanische oder expressionistische Kunst.
Erst danach wäre das Aquarell dran. Diese meist völlig unterschätzte
Maltechnik profitiert von den Erfahrungen mit dem Bleistift, wie auf
der linken Seite gezeigt und beschrieben.

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Dieser fragile Zweig bekommt einen


Soloauftritt. Gefunden habe ich ihn
auf einem Teppich voller Lärchen-
nadeln und -zapfen. Noch waren
deren Schuppen eng aneinanderge-
presst. Im Trockenen trennten sie
sich nach und nach voneinander
und gaben die bis zu fünf Millime-
ter großen Samen frei. Ein faszinie-
render Vorgang, der die Nachkom-
menschaft der Lärche sicherstellt.
Wer zeichnet, sieht mehr ...

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AM BESTEN GESTERN  Wenn die Redakteur*innen des Umweltmaga-


zins »natur« ihre Manuskripte geschrieben hatten, war am Ende we-
nig Zeit für die Arbeit an den Illustrationen. Trotzdem mussten De-
tails stimmen, die nicht selten im Bereich eines halben Millimeters
lagen. Die Käfer wurden meist in originaler Größe mit einem Blei-
stift skizziert, mit einem Rapidograph nachgezeichnet und anschlie-
ßend aquarelliert. Eine anstrengende Technik, die meine Augen und
die Wirbelsäule herausforderte. Trotzdem, ich lernte eine Menge,
sodass ich heute nicht mehr ganz so blind durch die Natur stolpere.

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So erfuhr ich, dass die Eiche einer immensen Anzahl von Insekten
einen Lebensraum bietet. Allein 50 Bockkäfer sind mit der Eiche ver-
bunden, darunter der gefährdete Große Eichenbock, der mit bis zu
55 mm Länge (ohne Fühler) der größte ist. Für »natur« hatte ich den
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Auftrag, ein Schaubild mit einer Auswahl dieser Käfer zusammenzu-
stellen (linke Seite). Natürlich hatte ich keine Zeit, die Tiere in der
Natur zu studieren. Ich war auf Vorlagen in Bestimmungsbüchern
angewiesen. Doch wenn es die Gelegenheit gab, meine Neugierde
mit einer zeichnerischen Recherche am dreidimensionalen Objekt
zu stillen, war das für mich weitaus befriedigender. So ist es am Bei-
spiel dieser keimenden Eicheln geschehen.

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RESPEKT   Insekten sind auf zahllosen Seiten in meinen Skizzenbü-


chern zu finden. Gelegenheiten, sie zu zeichnen, gibt es häufig.
Manchmal sonnt sich eine Fliege eine halbe Minute lang auf mei-
nem Skizzenbuch (oben). Das reicht immer für eine schnelle Skizze.
Tote Käfer sind oft gut erhalten. So ist genug Zeit, diese schönen,
kompliziert gebauten Tiere genauer unter die Lupe zu nehmen. Be-
sonders Insekten und Spinnen lassen mich immer wieder aufs Neue
staunen. Das hält mich davon ab, sie als Störer vom Skizzenbuch zu
wischen oder respektlos umzubringen.

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Für mich Landei und Alleszeichner


sind Küsten Sehnsuchts- und Fund-
orte für attraktive Objekte zum
Zeichnen. Die Krabbe war schon
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tot, als ich sie auf der Isle-of Skye
im Watt fand. Platziert auf einem
Teller, konnte ich sie in aller Ruhe
im Skizzenbuch verewigen (linke
Seite). Die Krabbe auf dieser Seite
war quicklebendig und angriffslus-
tig, als ich sie aus dem Meer fischte,
um sie genau studieren zu können.
Das Tier hat die kurze Zeit der
Gefangenschaft gesund überlebt
(links).

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FISCH & STIFT   Einen frisch servierten Fisch muss ich zeichnen, oft
zum Verdruss der mit am Tisch Sitzenden. Viel Zeit bleibt nicht. Ist
der Fisch verspeist, sind die Reste der eigentliche zeichnerische Le-
ckerbissen. Nicht selten musste ich meine Modelle vor dem allzu
eifrigen Service schützen.
Übrigens: Von dem Fotografen David Douglas Duncan gibt es eine
Aufnahme von Pablo Picasso. Auf dieser knabbert er Fischgräten ab,
die er anschließend als Dekor für eine Keramikplatte nutzte.
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Tipp: Wenn es schnell gehen muss,


sind Tintenroller nicht zu schlagen.
Kugelschreiber sind nicht ganz so
flott unterwegs. Das liegt an dem
pastenartigen Schreibmedium der
Minen, das den Strich nicht immer
scharf wiedergibt (oben). Weiche
Grafitsorten der Bleistifte erzeugen
sehr zarte Verläufe. Sie lassen sich
sehr gut mit Aquarell kombinieren
(rechte Seite).

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Eine Zeit lang malte ich mit Öl- und


Acrylfarben. Doch beim Zeichnen
fühle ich mich zuhause, denn auf
diese Technik habe ich rasch und
ohne großen Materialaufwand
Zugriff. Ab und zu, wie bei dem
»Küchenstück« für meine Tochter,
verwende ich die alten Farben und
verhindere so deren Austrocknen.
(links).

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Diese Brezel habe ich zur Vorberei-


tung eines Kurses mit Farbstiften
gezeichnet (oben).
Übrigens: Was Bäckerazubis üben
müssen, was der Meister in Null-
kommanix hinlegt, kann auch für
Zeichner*innen Lehrzeit kosten.
Ineinanderverschlungenes sollte
plastisch wirken, deshalb braucht
es ein paar Versuche und eine gute
Lichtquelle, bis der Aha-Moment
einsetzt.

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Tipp: Eine Serie Postkarten eignet
sich prima, um auszuprobieren,
was die Stifte- und Malkiste
hergibt. Diese wurden zu Weih-
nachten verschickt. Kinder hätten
an einer solchen Aktion auch ihren
Spaß. Ihre Ergebnisse sind oft
origineller.
Übrigens: Der Komponist Paul
Hindemith, der auch ein begabter
Zeichner war, verschickte jährlich
an Freunde und Bekannte selbst
gestaltete Weihnachtskarten.

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ZEICHENFUTTER   Damit fängt mein Tag an. Also wes-


halb soll ich nicht mal Müsli zeichnen? Spaßhalber
als Morgengymnastik für meine Finger oder weil
mir nichts Gescheiteres einfällt. Vielleicht geht es
Ihnen so wie mir: Tage ohne eine Zeichnung sind
nicht gut verbracht. Der legendäre Maler Apelles,
hat es vielen Generationen von Künstler*innen ins
Stammbuch geschrieben: »Nulla dies sine linea.«
Von seiner Hand ist kein Bild erhalten, doch diese
Mahnung ist durch die antike Literatur überliefert.
Lustlos gelaunt, brachte mich dieser Spruch oft dazu,
zu den Stiften zu greifen. Und meist läuft dann alles
wie von selbst. Wie bei dieser Körnermahlzeit: Es kam mir
nicht darauf an, Korn für Korn, jede Nuss genau so, wie auf
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dem Teller gelegt, zu porträtieren. Am Anfang guckte ich mir
einzelne Details an, dann ging es mehr darum, eine interessante
Textur auf der gesamten Doppelseite auszubreiten. Sie ist mit Pitt
Artist Pen und Ecco Pigment von Faber Castell gezeichnet und mit
Aquarellfarben ergänzt.

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Tipp: Schon in frühen Zeichnungen


von Kindern ist es zu sehen: Runde
Gefäße perspektivisch zu zeichnen,
ist nicht einfach. Auch in manchen
Zeichnungen von Erwachsenen ist
das Problem mit der Räumlichkeit
nicht gelöst. Meine Erfahrung: Eine
nachhaltige Hilfe ist ein gutes Buch
über perspektivisches Zeichnen.
Das originell gestaltete Buch »Der
Äugel« von Hugo Peters wird vom
Verlag zurecht als ein didaktisches
Kleinod bezeichnet.
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AUFGETISCHT   In keinem anderen Motivtypus sind so viele unter-
schiedliche Materialien versammelt wie auf einem gedeckten Tisch:
Poliertes Metall, durchsichtige Glasgefäße, glasierte Oberflächen,
matter Kunststoff, Textilien, gefaltetes Papier, Flüssigkeiten, Essba-
res: Alles will (sofern gewollt) räumlich korrekt dargestellt und ins
rechte Licht gebracht sein. Besonders die Kreisformen sind eine Her-
ausforderung, denn auch als sehr flache Ovale sollten sie an den äu-
ßeren Rändern nicht in einer Spitze enden.
Damit war ich schon als sehr junger Plakatmaler konfrontiert, als ich
den Auftrag hatte, mehrere Kopien holländischer Stillleben auf zwei
Meter hohe, mit Rupfen beklebte Tafeln zu kopieren. Seither begeg-
ne ich diesen Bildern in Museen mit großem Respekt. Meine Lieb-
lingsmaler in diesem Genre sind der Holländer Willem Claeszoon
Heda und der Franzose Jean-Baptiste Siméon Chardin.

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NÜTZLICHES UND UNNÜTZES  gibt es in jeder Küche. Da viele Teile


aus Metall, Glas oder Porzellan sind, ist es eine gute Gelegenheit,
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sich mit glänzenden oder transparenten Oberflächen zu beschäfti-
gen. Mit Bleistiften gelingt das relativ einfach. Mit Tusche und Fe-
der, einem Tintenroller, mit allem, was nicht radiert werden kann,
ist es nicht ganz so leicht. In diesen Zeichnungen sind es mehr oder
weniger dichte Schraffuren oder Texturen, die die Oberflächenbe-
schaffenheit eines Objekts beschreiben. Außerdem will Gerades,
Gebogenes, Scharfkantiges, Kreisrundes oder Ovales mit sicheren
Linien zügig gezogen sein. Auf weißem Zeichenpapier brauchen
Glanzlichter ein angrenzendes dunkles Umfeld. Auch hier hilft eine
kräftige Lichtquelle, die Objekte plastisch zu sehen. Je heller die
Lampe leuchtet, desto dunkler sind die Schatten. Denn sie sind es,
die Objekte ins Licht stellen. Wichtig ist zu sehen, dass die Schlag-
schatten, die die Gegenstände auf das Papier werfen, mit deren
Form zu tun haben! Die Ausdehnung und Lage der Schlagschatten
zeigen, ob die Dinge platt auf dem Tisch (Papier) liegen oder erha-
ben sind (siehe Griff der Zitronenpresse). Genau hinsehen hilft.

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WUNDERKAMMERN   Ein einziges Mal wurde mir in einem Museum


untersagt zu zeichnen. Es braucht immer ein paar Minuten, bis die
Aufsicht versteht, was es mit dem Skizzenbuch und dem gefährlich
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aussehenden spitzen Stift auf sich hat. Doch aus den Augen lassen
sie mich nie. Einmal kam eine Dame interessiert näher und fragte
mich, weshalb ich das mache. »Es macht Spaß. Ich lern was«, sagte
ich. Sie deutete auf meine Zeichnung und meinte: »Sie können es
besser!« Na ja …

Tipp: Zeichnen in einem Museum


kann für Gestalter*innen jeder Art
eine inspirierende Erfahrung sein.
Zum Beispiel, wenn es um einen
Entwurf für ein Logo geht, das die
Gestalt eines Tieres haben soll.
Darum ging es bei einem Projekt
»Tierzeichnen«, bei dem sich die
Studierenden im Landesmuseum
Mainz anregen ließen.

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Tipp: Eines meiner liebsten Zeichen-


geräte ist der Brush Pen von Pentel.
Er fordert mich zum schwungvollen
Arbeiten heraus. Ich habe mehrere
Brush Pens im Gebrauch. Einer der
Stifte ist mit einer vollen Patrone
bestückt. Die Tanks der anderen
haben unterschiedliche Füllstände.
Damit verfüge ich über eine Palette
heller bis tiefschwarzer Tonwerte.

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Die Zeichnungen auf der linken


Seite erinnern mich an wichtige
Ausstellungen. 2014 zeigte das
Museum Folkwang in Essen den
enormen Einfluss Japans auf die
europäische Kunst seit Mitte des
19. Jahrhunderts. Dort skizzierte
ich die Figur und die Masken. Im
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Gropiusbau in Berlin war 2011 eine
Retrospektive von Katsushika
Hokusai zu sehen. Sein umfangrei-
ches Werk ist in vielerlei Hinsicht
mit dem von Albrecht Dürer
vergleichbar. Die Zeichnung eines
Felsen (oben) und die eines Kalli-
graphen (rechts) sind dem Faksimile INSPIRATION JAPAN   Die »Manga« von Katsushika Hokusai sind ein
des Manga von Hokusai umfassendes Werk von Skizzenbüchern, die 1814 erstmals veröf-
entnommen. fentlicht wurden. Unter diesem Begriff wird heute eine zusammen-
hängende Bildstrecke verstanden. In Hokusais Manga sind es jedoch
abertausende Einzeldarstellungen aus allen Lebensbereichen, die er
enzyklopädisch aneinanderreiht. Aus dem Titel der Bände erklärt
sich die kunstpädagogische Absicht: »Das Wesen vermitteln und
das Malen lernen«. Nautisches Gerät und Haushaltsgegenstände
sind auf den hier gezeigten Seiten abgebildet.

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Während eines Kurses skizzierten
der Teilnehmer Hans Dorenburg
(Abbildung rechts unten) und ich
diesen überfahrenen Vogel. Uns
hat der Anblick des arg zerzausten
Tiers nicht angeekelt. Wir fanden
es zeichnenswert. Technik beider
Zeichnungen: Tintenroller.

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FEDERNLESEN   gehört zum Sonntagsspaziergang dazu. Eine schöne


Feder ist rasch an den Hut gesteckt, doch sie zu zeichnen ist nicht
federleicht. Der Grund: Die Fahnen der Vogelfedern haben sehr eng
anliegende Astreihen. Sie flott und gleichzeitig parallel zu Papier zu
bringen, bedarf einiger Übung. Hier erweist sich das Üben von Paral-
lel- und Formschraffuren wieder als sehr hilfreich auch für eine gan-
ze Menge anderer Zeichenprojekte. Da Tintenroller unkomplizierte
Stifte sind, eignen sie sich dafür besonders gut. An dieser Stelle darf
ich auf mein Buch »Zeichnen – Tipps für Kreative« hinweisen, in dem
dazu Anregungen zu finden sind. Tipp: Wenn Sie eine helle Feder auf
Mit dem Zeichnen von sehr hellen Federn auf weißem Papiergrund weißem Papier zeichnen möchten,
kommt man rasch an die Grenzen der Darstellbarkeit (rechts oben), rate ich Ihnen, zuerst dem Umfeld
besonders dann, wenn die Astreihen feine Häkchen haben. Diese sor- der Feder einen Grauton zu geben
gen dafür, dass die Schleiereulen ihre Beute absolut geräuschlos an- und danach zart mit der Binnen-
fliegen können (Illustration für das Umweltmagazin »natur«). zeichnung der Feder fortzufahren.
So erkennen Sie, wie viel Zeichnung
für die Feder selbst noch nötig ist.
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Damit sich die Feder vom-Papier-
grund abheben kann, braucht es
noch einen Schlagschatten.
Es ist einfacher, mit weißen Farb-
stiften auf schwarzem Karton zu
zeichnen (unten).

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ANREGEND ODER ENTSPANNEND   Teesorten sind entweder das


eine oder das andere. Zeichnen ist beides gleichzeitig. Meistens je-
denfalls. Denn nicht immer habe ich die Geduld, mich in eine Zeich-
nung hineinzutüfteln. Ist Ihnen das vertraut?
Obwohl sich gebrauchte Teebeutel prima als Übung zum Zeichnen
von Falten eignen, kam mir dabei die Geduld abhanden. Die Idee, die
nassen Säckchen lustvoll aufs Papier zu klatschen, setzte sich durch.
Probieren Sie es! Es muss keine »Kunst« draus werden. Oder doch?
Fortsetzung auf den nächsten Seiten.

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Tipp: Wie bei den Tuschegläsern mit


der Pipette (siehe Seiten 74/75) ist
ein Teebeutel eine weitere Gelegen-
heit, das Potenzial Ihres Zeichen-
materials auszureizen.

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ENTSPANNTES ABKLATSCHEN   Möglicherweise hatte der französi-
sche Schriftsteller Victor Hugo nicht immer Lust an Texten zu feilen
und fand beim »Abklatschen« Entspannung. Seine Décalcomanien
(so der Fachbegriff) hängen in seinem Haus am Place des Vosges in
Paris. »Entdeckung der Abstraktion« hieß 2007 eine Ausstellung in
der Frankfurter Schirn, in der neben Arbeiten von Victor Hugo eine
Reihe anderer »Abklatscher« zu entdecken waren, wie der Arzt und
Dichter Justinus Kerner, die Schriftstellerin George Sand oder der
Maler Wilhelm von Kaulbach.
Einen meiner Abklatsche rahmte ich ein (rechts). Zur Teefarbe habe
ich den Beuteln ein wenig Aquarell- und Stempelfarbe hinzugefügt,
sie gepresst, beschwert und ihnen Zeit zum Trocknen gelassen. Und
siehe da: Gar nicht übel, wenn solch ein Teebeutel einen professio-
nellen Auftritt bekommt. Oder?

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PROJEKT WALDERDE   Wissen Sie, wie taufrische Walderde riecht?


Ich erinnere mich gut an die Gesichter der Kursteilnehmer*innen,
denen ich Gefäße mit Erde servierte, die ich am Morgen im Wald
ausgrub. Als die Zeichner*innen die Boxen öffneten, zu schnuppern
begannen und der Duft den Raum erfüllte, entspannten sich die
Mienen. Zeichen für einen guten Einstieg in ein neues Thema! Bald
war klar, dass die Box mit Walderde ähnliche Anforderungen haben
kann wie komplexe Landschaften aus großer Distanz.
So könnten Sie die Aufgabe angehen: Auf dem gesamten Format
gleichmäßig voranschreiten; sich nicht an einer Stelle festbeißen;
nicht zu schnell dunkel werden; Einzelteile durch unterschiedlich
helle Grauwerte voneinander trennen; nicht jedes Teil porträtieren
zu wollen; verstehen, dass eine unperfekte singuläre Linie besser ist
als Linienbündel; dass für eine ausdrucksstarke Linie eine unver-
krampfte Haltung der Stifte Voraussetzung ist; dass nur die Stifte
was taugen, die freiwillig, ohne Druck Tinte oder Grafit abgeben;

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weiche Bleistifte - gut lau-
manchmal besser sind als harte oder dass
fende Tintenroller geeigneter sind als jene, deren Linien eine Wie-
derholung fordern; dass Einzelteile zugunsten der Gesamtwirkung
auch an anderen Stellen platziert werden können; dass das gesamte
Motiv seine Zeit braucht, bis die Zeichnung ihre Wirkung entfalten
kann; erkennen, wie helle Details nur in einem dunklen Umfeld
leuchten können; erfahren, wie eine spannende Formatgestaltung
am Ergebnis einer Arbeit mitwirkt; kurzum, dass eine Zeichnung
kein Abbild des Motivs sein muss, sondern dann zum Bild wird, wenn
Ihre zeichnerische Handschrift maximale Eigenständigkeit erfährt.
Meine Erfahrung in der Gruppe: Es wurde immer stiller im Raum!
Konzentration wich anfänglicher Skepsis. Und wieder einmal war
Einigkeit darüber: Zeichnen kann sehr anstrengend und wunderbar
entspannend sein! Auf den Fotos zeichnen Robert Tuchan (links) und
Anna Katharina Tretter (oben).

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REICHHALTIG   Wenn ich handschriftlich verfasste Post von einer


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mir bekannten Person im Briefkasten finde, weiß ich, ohne auf den
Absender zu sehen, wer sie geschrieben hat. Während Heranwach-
sende auf der Suche nach einem eigenen Stil Handschriften kopie-
ren, entwickelt sich mit zunehmendem Alter ein Stil mit erkennba-
rer Charakteristik, der sich nur wenig verändern wird.
Nicht anders verhält es sich mit zeichnerischen Handschriften. Des-
halb macht es keinen Sinn, in Zeichenkursen für Erwachsene einen
persönlichen »Stil« beeinflussen zu wollen. Was Kursleiter*innen
tun können, ist die Teilnehmer*innen auf Gestaltungsmöglichkeiten
und Materialien hinzuweisen, oder wie im Fall des Projekts Wald­
erde, sie mit bisher unbekannten oder gar ungewöhnlichen Motiven
zu konfrontieren. Das allein kann der Türöffner für eine Weiterent-
wicklung sein.
Die Zeichner*innen des Projekts Walderde: Heiko Ernst (1), Ursula
Ammann (2 und 5), Robert Tuchan (3), Thomas Eißenlöffel (4),
Anna Katharina Tretter (6), Bettina Ewig (7). 7

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ALTERNATIVEN   Die Walderde auf Tonpapier hat Peter Wörner mit


einem vermalbaren Faserschreiber gezeichnet, laviert und sparsam
mit Farbstiften ergänzt. Dadurch bekam seine Arbeit einen weichen,
malerisch fließenden Charakter (1, Foto und fertige Arbeit).
3 Bleiben die Linien »unangetastet«, steht der grafische Ausdruck der
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Zeichnung im Vordergrund. Kirsten Beck benutzte dazu einen Foun-
tain Pen der Firma Sailor. Je nach Breite der Feder können die Striche
eines Füllfederhalters so fein wie bei einem Tintenroller sein oder an
Linien erinnern, die breite Tuschefedern aus Metall hervorbringen
(2, Zwischen- und Endstadium).
Die Tinte des Tradio von Pentel ist sehr ergiebig, wasserlöslich und
eignet sich prima zum Lavieren (oben). Dazu verwendete die Kurs-
teilnehmerin Hannelore Rudolf einen Aquabrush (3, fertige Arbeit
darunter). Diese Kunststoffpinsel mit transparentem Wassertank
sind mittlerweile sehr verbreitet und haben zum Teil das gepflegte
Aquarellieren mit Naturhaarpinseln, Aquarellkasten und den dazu-
gehörenden Malmitteln verdrängt. Die Wasserpinsel sind praktisch,
wenn auf einer Zeichentour die traditionelle Aquarellausstattung
im Gepäck keinen Platz mehr findet. Sinnvoll ist es, ein Bündel von
Aquabrushes vorzubereiten, die jeweils mit einer anderen Farbe ge-
füllt sind.

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ZEICHENGERÄT?   In einem Fachgeschäft in Heidelberg fragte ich


nach einem Füllfederhalter und erwähnte nebenbei, dass ich ihn
zum Zeichnen verwenden möchte. Die Fachverkäuferin schaute
mich ungläubig an, als hätte ich Unerhörtes gesagt. Beim Auspro-
bieren drehte ich einen Füller um und zeigte, dass sich mit der Rück-
seite der Feder feinste Linien ziehen lassen. »Krass«, hauchte sie.
Es gab immer schon Briefschreiber*innen, die mit Kielfedern, später
mit Füllern geschriebenen Texten Zeichnungen hinzugefügt haben.
Vor wenigen Jahren haben Zeichner*innen der internationalen Be-
wegung der Urban Sketchers den Füllfederhalter als Zeichengerät
wiederentdeckt.
Übrigens: Von 1900 bis in die 30er Jahre war Heidelberg Zentrum
der europäischen Füllhalterindustrie. Die Josef Lamy GmbH und die
Peter Bock KG sind hier noch ansässig. Letzteres Unternehmen belie-
fert Hersteller von Füllhalter mit Federn und Tintenleitsystemen
weltweit. Im alten Rathaus in Heidelberg-Handschuhsheim gibt es
ein Spezialmuseum: http://www.tiefburg.de/fuellhaltermuseum
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Kirsten Beck zeichnete mit einem Füller von Pilot (unten links, Foto
rechts unten: der Klassiker Kaweko Sport und ein Füllfederhalter der
Heidelberger Firma Lamy).

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Statt Waldboden Strandboden!


Entstanden auf Vancouver Island in
Kanada. Zeichnungen: Kirsten Beck

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HALLUZINATORISCH   Sie kennen das: Auf einem Waldspaziergang


sehen Sie auf einer Rinde, in der Form eines Astes oder auf dem
Boden Dinge, die Sie an irgendetwas erinnern. Diese Art Projektion
oder Sinngebung können Sie zuhause oder im Atelier mit einem
sehr einfachen Druckverfahren auf Papier in Gang setzen, sozusa-
gen am grünen Tisch.
So funktioniert das Verfahren: Geben Sie in ein Gefäß verschiedene,
nur leicht flüssige Farben, die sich wenig vermischen. Dann tränken
Sie darin ein zerknülltes Papier oder ein Tuch und klatschen dies auf
dem Papier ab. Das ist der leichte Teil der Technik. Wenn der Ab-
klatsch gut genug erscheint, suchen Sie sich Partien aus, die Sie er-
halten möchten, die anderen übermalen Sie mit deckenden Farben.
In dem erhaltenen Teil sehen Sie vielleicht Gesichter, Teile eines Tie-
res oder was auch immer Sie assoziieren. Entweder lassen Sie unbe-
rührt, was Ihnen in die Augen springt, oder Sie verdeutlichen diese
Stellen mit Farbstiften oder Aquarellfarben. Testen Sie verschiedene
Farben und Papiere. Es dauert etwas, bis Sie den Dreh raus haben.
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Der bedeutende Vertreter des Surrealismus, Maler, Grafiker und
Bildhauer Max Ernst nutzte künstlerische Techniken, insbesondere
die Frottage (siehe auch Seiten 84/85), um die »halluzinatorischen
Fähigkeiten des Geistes«, wie er es nannte, zu steigern. Mit dem Ver-
fahren der Décalcomanie (so der Fachbegriff) schuf er eine große
Anzahl von Gemälden. Viele seiner magischen Wald- und Scheiben-
bilder sind so entstanden.
Auf der rechten Seite sehen Sie einen »Rohling«, der noch auf eine
Weiterverarbeitung wartet. Auf dem Abklatsch auf dieser Seite habe
ich nur leichte Veränderungen vorgenommen, da ich die amorphen
Strukturen ausreichend »halluzinatorisch« fand.

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Tipp: Recherchieren Sie auch nach


weiteren Techniken, die Max Ernst
für seine Bilder genutzt hat: Für das
Verfahren der Grattage legte er ein
stark strukturiertes Material unter
die Bildfläche. Danach gab er Farbe
auf die Oberseite, kratzte (daher der
Begriff) oder rieb diese mit einer Art
Rakel über das Bild, sodass die
Strukturen des darunterliegenden
Materials sichtbar wurden.
Ein Bild in dieser Technik finden Sie
im Netz: »Versteinerte Stadt« aus
dem Jahr 1933.
Interessant ist auch das riesige Bild
»Vox Angelica«, das Max Ernst zehn
Jahre später gemalt hat. Aus vier
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Leinwänden und 51 Einzelbildern
zusammengesetzt, demonstriert er
sämtliche technische Verfahren, die
er für seine Bilder nutzte. Im selben
Jahr entstand »Painting for Young
People«, bei dem er die gleichen
Techniken verwendete.
Eine lesenswerte Beschreibung eines
Waldbildes von Max Ernst fand ich
im Internet: Marlene Streeruwitz
über Max Ernst: »Kein Feind, kein
Freund, kein Wolf«.

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SCHLAMMIG   Auch mit der Technik des Wachsabzugs können Sie


auf einem Blatt Papier erstaunlich räumliche Wirkungen hervorzau-
bern. Viele davon erinnern an Strukturen und Formen, die in der Na-
- orderid - exl43369175-3960888694 - transid - exl43369175-3960888694 -
tur auf Böden oder Pflanzen vorkommen. So assoziierte ich den obi-
gen Wachsabzug mit einem abgesägten Baumstumpf, dessen Ver­
rottung weit fortgeschritten war.
Zur Technik: Nehmen Sie mehrere Wachsmalstifte und schraffieren
Sie dicht übereinanderliegende Lagen auf zwei gleich großen Trans-
parentpapieren (1). Geeignet sind die Wachsmalblöcke von Stock-
mar, die mit reinem Bienenwachs hergestellt werden. Anschließend
legen Sie die Transparentpapiere so aufeinander, dass die Wachs-
schichten sich berühren (2). Jetzt kommt die heiße Phase: Zwischen
zwei Lagen Zeitungspapier gelegt, erwärmen Sie bei mittlerer Hitze
das Ganze mit einem Bügeleisen (3). Vorsicht, die erforderliche Hitze
stellt sich schnell ein. Nun lösen Sie die beiden Transparentpapiere
zügig voneinander (4). Die besten Effekte entstehen dann, wenn Sie
den kurzen Moment zwischen dem flüssigen und erkalteten Wachs
erwischen. Jeder Versuch bringt ein anderes Ergebnis. Viel Spaß!

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2
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FRÜHSTART   Der Student Florian Rössler zeigte 2005 in seiner Vor-


diplomarbeit, dass analoges Zeichnen von Dingen in und nach der
Natur sich positiv auf das Arbeiten mit digitalen Systemen aus-
wirken kann. In seinem Buch demonstriert er die Wege von der
analogen Naturskizze bis zur Weiterentwicklung am Rechner. Die
zeichnerische Auseinandersetzung mit Natur schärft das Auge für
viele Szenen, die in Animationen, in Cartoons oder im Spieledesign
gestaltet werden müssen.
Auch hier geht es um eine überzeugende Darstellung von Laub,
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Baumrinden, Gras oder um die räumliche Wirkung von Steinen in
jeder Größe durch eine gute Lichtregie. Wichtig ist, wie der Bildraum
gestaltet ist. Florian Rössler spielt hier geschickt mit der Blickfüh-
rung und schafft durch Vergitterung, kulissenartige Bildelemente
und Kalt-Warm-Kontraste einen tiefen Bildraum. Viele Produktionen
der Disney Studios belegen dies eindrücklich. Ich erinnere an den
Klassiker »Das Dschungelbuch«.
Wenn Absolvent*innen von Hochschulen diese Fähigkeiten nach-
weisen können, ist dies ein Vorteil. Der ehemalige Vordiplomand
Florian Rössler ist heute als erfolgreicher Illustrator und Designer in
der Entwicklung digitaler Spiele tätig.

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IM GROSSEN WIE IM KLEINEN   Erfahrungen, die bei einer kleinen


Fläche Walderde gesammelt werden, können ohne Weiteres in ei-
nem komplexeren Motiv in der Natur angewandt werden. Auch die
Zeichnung eines Waldrands fordert ein Spiel mit Verdichtung und
Auflösung von Schraffuren und Texturen, Licht- und Schattenwir-
kungen, Flächen- und Formkontrasten oder ein Bemühen um eine
spannungsvolle Komposition im Bildformat.
Wem das Zeichnen von Walderde Spaß gemacht hat, wird sich in
der Natur leichter vom abbildhaften Zeichnen lösen können und
manches Details frei interpretieren können. Hier beginnt autono-
mes künstlerisches Arbeiten. Noch freier wird das Spiel, wenn eine
Zeichnung ganz ohne reales Motiv entsteht, so wie auf diesen bei-
den Seiten.

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Tipp: Wenn Sie helle Stacheln auf


weißem Papier darstellen wollen,
bleibt Ihnen nichts anderes übrig,
als deren Umgebung einzugrauen.
Skizzieren Sie zuerst mit weichem
Bleistift und hauchdünnen Linien
die Umrisse der Nadeln. Diese
Linien gehören nicht den Nadeln,
sondern zu den Flächen der Kaktus-
ohren! Im nächst dunkleren Grau-
wert sollten diese Vorzeichnungen
nicht mehr sichtbar sein. Danach
formen Sie den Kaktus durch
zunehmend dunklere Tonlagen.
Schlagschatten der Nadeln und ein
dunkler Hintergrund stellen auch
dieses Motiv gut ins Licht.
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PIEKSENDE OHREN   Um ein Emoji für einen Kaktus zu entwerfen,


braucht es nicht viel. Kleine und große Montagsmaler würden ein
paar Striche auf ohrartigem Etwas augenblicklich als Kaktus lesen
können. Doch Zeichnen kann viel mehr sein. Es ist ein Kosmos an
Ausdrucksmöglichkeiten, jeweils verbunden mit der individuellen
Handschrift. Wie hätten Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Angelika
Kauffmann, Vincent van Gogh, Andrew Wyeth oder Isabel Quinta-
nilla einen Kaktus gezeichnet? An ihren Handschriften wären sie
erkennbar.
Da in Kursen die Zeichner*innen anwesend sind, ist der Zusam-
menhang von Zeichenstil und Person immer spannend zu beob-
achten. Zeichnungen von Elisabeth Kaiser (unten), Sigrid Lessing
(Mitte) und Rainer Lenzen (rechts unten). Der ungeduldig gezeich-
nete und aquarellierte Kaktus rechts oben stammt aus meinem sizi-
lianischen Skizzenbuch.

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Tipp: Normalerweise entsteht eine


Zeichnung durch den unablässigen
Abgleich zwischen Motiv und der
Zeichnung, die sich auf dem Papier
entwickelt. Wer »blind zeichnet«
konzentriert sich voll auf das Motiv,
sieht allerdings nicht, was auf dem
Zeichenpapier passiert. Gelegentli-
ches Blindzeichnen eignet sich sehr
gut zur Entwicklung ausdrucksstar-
ker Linien (Zeichnung links).

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FRÜHSTART-  Als
exl43369175-3960888694 - Marker,
ich die Distel (links) zeichnete, gab es keine
Felt Pens, Tintenroller, Pigment Liner, Rollerballs, Ball Point Pens, Fi-
neliner oder wie die Produkte sonst noch heißen mögen, die auf
dem unübersichtlich gewordenen Markt der Zeichen- und Schreib-
materialien angeboten werden.
Diese Distel ist ganz klassisch mit der Tuschefeder gezeichnet. Ich
war Abonnent eines Fernkurses der Pariser École A.B.C. de Dessin,
den mir mein Vater geschenkt hatte. Die Hausaufgaben schickte ich
über den Umweg einer deutschen Dependance nach Paris. Von ei-
nem Professor korrigiert kamen sie auf demselben Weg wieder zu-
rück, mit einem sehr persönlichen und ausführlichen Schreiben des
betreuenden Professors. Die Begleithefte waren miserabel gedruckt,
aber fachlich das Beste, was es damals gab. Jedenfalls: Ich bekam
heftiges Zeichenfieber, auch weil die guten Bewertungen mich an-
gestachelt hatten. Damals habe ich kapiert, wie das mit Stacheln
funktioniert.

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Unten: Die mit einem Tintenroller


gezeichnete Karte schickte ich an
eine Teilnehmerin eines internatio-
nalen Mailartprojektes, bei dem
Künstler*innen nach einem vorher
vereinbarten Plan sich zwei Jahre
lang gegenseitig gezeichnete oder
gemalte Briefe und Postkarten
zugeschickt haben.

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Tipp: Wie auf anderen Seiten in
diesem Buch beschrieben, rate ich
Ihnen auch bei solchen Motiven,
erstmal zu Bleistiften zu greifen,
damit Sie sich mit Ihrem Objekt
vertraut machen können. Danach
werden Ihnen Zeichnungen mit
nicht radierfähigen Gerätschaften
wie Tintenroller und Co. lockerer
von der Hand gehen. Die Tonwerte
der Stacheln und Blätter leuchten
umso heller, je dunkler Sie das
Umfeld mit dichten Schraffuren
eingrauen.

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HIER DREHT SICH ALLES UM EIN THEMA   Peter Pfeiffer besorgte
sich eine Tüte mit Zwiebeln der Pflanze, skizzierte sie, bevor er sie
eintopfte, und dokumentierte im Laufe des Semesters ihr Wachs-
tum in unterschiedlichen Darstellungstechniken.
Solche Arbeiten zeugen von einem tiefergehenden Interesse an ei-
ner Sache sowie Durchhaltevermögen; eine gute Prognose für ein
erfolgreiches Studieren und den späteren Beruf. Bewerbungsmap-
pen für Gestaltungsstudiengänge können mit einem umfassend
bearbeiteten Thema besser die Eignung belegen als eine Ansamm-
lung von Einzelblättern, deren Entstehung nicht immer dokumen-
tiert ist. Es muss keine Hyazinthe sein. Themen gibt es in Hülle und
Fülle! Siehe auch Seite 20.

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Diese 14 Rosskastanien sind mit


Farbstiften gezeichnet, eine Arbeit
des Heidelberger Künstlers Dik
Jüngling (rechts).

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Ein Zufallsfund entwickelte sich zu


einem zeichnerischen Forschungs-
projekt. Im zeitigen Frühjahr fand
ich einige Kastanien des Vorjahres
im feuchten Laub. In der Nähe des
hellen Flecks, des Nabels (Hilum),
war die Schale aufgebrochen und
die Wurzel lugte heraus.
Ein paar Kastanien pflanzte ich ein,
- orderid - exl43369175-3960888694 - transid - exl43369175-3960888694 - ihre
beobachtete und zeichnete
weitere Entwicklung. Faszinierend
war zu sehen, wie die Wurzel sich in
die Erde bohrte und der Spross, aus
dem sich die Blätter entwickelten,
gen Himmel wuchs.

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Tipp: Auch für solche Zeichnungen
können Sie einen gut gespitzten 8B-
Bleistift benutzen. Diesem weichen
Stift lassen sich sehr helle bis fast
schwarze Grautöne entlocken. Erst
im Finish, wenn Sie Details genauer
zeichnen wollen, können Sie auch
härtere Grafitsorten einsetzen. Mit
ihnen kann das weich gezeichnete
Grafit geglättet werden, was einer
Art Fixierung gleichkommt. Dieses
Vorgehen eignet sich besonders für
naturhaftes Darstellen.

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HOMO LUDENS   Auf Spaziergängen über unseren Hausberg finden


wir immer wieder Spuren von Kindern, die in den Waldkindergärten
betreut werden. Als meine Frau die Kreise mit den Kastanien und
Eicheln entdeckte, kam mir der Gedanke, ob nicht schon die Kinder
der Kelten solche Kreise legten, die hier ab dem 5. Jh. v. Chr. in einer
von Ringwällen geschützten Höhensiedlung wohnten. Offenbar ist
es ein archaischer Spieltrieb, der sich im Sammeln und Anordnen
von schönen Dingen äußert. So sehe ich auch den »Strandgarten«,
in dem die 6-jährige Eleonora ihre Schätze aufbewahrt hat. Das
Sammeln und Aneinanderreihen gleichartiger Dinge wird auch von
meinen Enkeln mit großer Hingabe gespielt. Der gleichaltrige Leo
hat es in der Zeichnung »Stau« dokumentiert.

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KRÜMELMONSTER   Bevor die Erdnuss im Mund und die Schalen im


Mülleimer landen, könnten Sie doch das kleine Ding zum Zeichnen
nutzen. Getreu dem Appell der »kleinen Eminenz« Adolph Menzel:
»Alles Zeichnen ist nützlich und Alles zeichnen auch.« In den von
ihm seit 1843 angelegten rund 70 Skizzenbüchern finden sich die
banalsten Dinge des Alltags wie Stiefelknecht, Türriegel, Klosett-
bürste, Kamm mit Haaren, Kellergerümpel, Bettzeug, Wäsche auf
der Leine usw. Seinem aufmerksamen Auge entging nichts. Falls Sie
sich den 2008 erschienenen großartigen Katalog der Münchner Aus-
stellung »Adolph Menzel, radikal real« sichern konnten, finden Sie
darin einige dieser Studien. Viele Abbildungen aus Menzels Skizzen-
büchern sind auch im Internet zu finden.

Tipp: Die Oberfläche der Erdnuss zu


zeichnen ist eine Herausforderung.
Bei einer Darstellung in doppelter
Größe haben Sie mehr Fläche zur
- orderid - exl43369175-3960888694 - transid - exl43369175-3960888694 -
Ausarbeitung der Details. Benutzen
Sie eine starke Lichtquelle, um die
Plastizität der Nuss, besonders der
Struktur der Schale, gut sichtbar zu
machen. Wenn Sie noch einen
Schlagschatten hinzufügen, erhält
das Objekt eine gute Bodenhaftung.
Vermeiden Sie auch hier eine Um-
randung der Tonwerte mit dunklen
Linien. Das analysierende Zeichnen
mit dem Bleistift gibt Ihnen Mut,
mit robusterem Zeichengerät, zum
Beispiel mit einer Rohrfeder, zu
experimentieren (rechte Seite).

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Tipp: Bister (frz. bistre: nussbraun)


ist eine aus dem Ruß von verbrann-
tem Holz gewonnene Tusche. Die
verschiedenen Brauntöne sind von
der verwendeten Holzart abhängig.
Bister wird entweder flüssig im Glas
- orderid - exl43369175-3960888694 - transid - exl43369175-3960888694 - das
oder als Granulat angeboten,
den Vorteil hat, dass die Deckfähig-
keit selbst bestimmt werden kann.
Bister mit der Rohrfeder oder dem
Pinsel zu verwenden, bedeutet, sich
einer uralten Technik zu bedienen.
Eine meiner Lieblingszeichnungen
in dieser Technik ist eine Arbeit von
Rembrandt: »Junge Frau bei der
Toilette«, die er etwa 1632/1634
gezeichnet und laviert hat. Schauen
Sie doch mal im Internet nach!

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Tipp: Dokumentieren Sie gelegent-


lich den Entstehungsprozess einer
Zeichnung. Scannen oder Fotogra-
fieren Sie einzelne Arbeitsschritte.
Das kann für spätere Zeichnungen
sehr lehrreich sein. So erfahren Sie
zum Beispiel, ob eine Zeichnung
nicht schon in einer früheren Phase
»fertig« gewesen wäre. In dem
Vorher-Nachher-Vergleich sehen Sie,
wie wirkungsvoll das Hinzufügen
- orderid - exl43369175-3960888694 - transid - exl43369175-3960888694 -
von Schlagschatten sein kann. Ohne
Schatten würde das Ästchen platt
im Sand liegen. So krümmt es sich
dreidimensional in die Höhe.

GAS GEBEN   Dieses kleine gewundene Ästchen ist mir in einer


Sandwüste auf der Insel Lanzarote aufgefallen. Mit Tintenroller und
mit Aquarell wurde es im Quartier zu einem Kartengruß.
Rechte Seite: Rinden von Birken lösen sich in papierartigen Schich-
ten vom Stamm. Solche Fundstücke sind perfekte Modelle, um sich
im dreidimensionalen Darstellen von ovalen Formen und Spiralen
zu üben. Auch hier ist der weiche Bleistift gut für erste Skizzen. Wer
sich so mit einem Objekt vertraut gemacht hat, kann mit Tintenrol-
lern, Finelinern, Füllfederhalter, Tusche- und Rohrfedern oder einem
Brushpen mehr Gas geben.

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Tipp: Hier sehen Sie, wie Sie bei der Vermeiden Sie es, einzelne Flächen
Darstellung von unterschiedlichen hart zu umranden. Sonst würde die
Arten von Baumrinden Schritt für plastische Wirkung verloren gehen.
Schritt vorgehen können. Zeichnen Solche Studien sind übrigens gut
Sie helle Linien mit weichem Blei- geeignet, sich etwas mehr Wissen
stift so vor, dass diese im nächst über die verschiedenen Baumarten
dunkleren Ton verschwinden. Mit anzueignen. Obere Reihe: Eichen-
den zunehmend dunkler werden- rinde; darunter Kiefernborke. Foto:
den Tonwerten arbeiten Sie sich plattenartige Rinde einer Kiefer
schichtweise in die Tiefe.

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Diese vom Salzwasser und Sand


glatt geschliffenen Treibhölzer
stammen von einem Strand auf
Sardinien. Ihre schlangenartige
Form motivierte den Mannheimer
Fotografen Walter Spagerer zu
dieser Aufnahme.

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HOLZPOST   Wo begannen diese Treibhölzer ihre Reise übers Meer?


Was sind es für Holzarten? Wie alt sind sie? Eine dendrochronolo-
gische Untersuchung würde Interessantes zutage fördern. Einige
Stücke nahm ich in die Hand, weil ihre Form auf sich aufmerksam
machte. Manche überraschten durch ihr leichtes Gewicht, andere
entpuppten sich als Handschmeichler, vom Sand glatt geschmir-
gelt, von der Sonne gebleicht. Sie verschwanden im Rucksack und
wurden später im Skizzenbuch verewigt. Das spiralige Holzstück
rechts oben habe ich in ein Skizzenbuch gezeichnet, das mir mein
Buchbinder mit altem Werkdruckpapier gebunden hat. Deshalb
der sandfarbene Grundton des Papiers.

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Tipp: Kleine Objekte müssen nicht


zwangsläufig originalgroß darge-
stellt werden. Da Holzmaserungen
konzentriertes Ziehen paralleler
Linien voraussetzt, ist das Zeichnen
von Parallelschraffuren auf großem
Format eine sinnvolle motorische
Übung. Zeichnung: Barbara Schlick

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GROSS RAUSKOMMEN  Geben Sie schön gestalteten Kleinigkeiten


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mal eine große Bühne! Ein kleines Stück Holz oder eine interessant
verdrehte Wurzel macht sich prächtig auf einem großformatigen
Papier. Zeichnen Sie aus dem Schultergelenk heraus. Das hat einen
Effekt auf jede einzelne Linie, egal auf welchen Formaten Sie zu-
künftig zeichnen werden!
Wenn Sie zudem stehend vor einer Staffelei zeichnen, können Sie
zwischendurch, aus größerer Entfernung die Entstehung Ihres
Werkes begutachten. Das entspricht der Distanz, mit der Sie in ei-
nem Museum oder in einer Galerie ein Kunstwerk betrachten.
In vielen Kunst- und Zeichenkursen stehen für Teilnehmer*innen
Staffeleien zu Verfügung. In der Kunstakademie Bad Reichenhall
hat Annette Böhmer eine kleine Wurzel in einer großartigen Serie
gezeichnet. Eine Alternative zu professionellen Staffeleien ist eine
Tischstaffelei, die mit einem stabilen Unterbau auf Augenhöhe ge-
bracht werden kann.

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LASSEN SIE DIE LINIE VON DER LEINE   Gestatten Sie sich ab und zu
einen Ausbruch. Lösen Sie sich vom Versuch, Objekte »naturge-
treu« abbilden zu wollen. Das »Blindzeichnen« ist dazu bestens
geeignet. Sie stellen einen Gegenstand vor sich hin. Den prägen Sie
sich gut ein. Nehmen Sie Stifte, die einen guten Lauf haben, auf die
Sie keinen Druck ausüben müssen. Dann können Sie loslegen.
Zeichnen Sie schnell. Wichtig ist: Kontrollieren Sie nicht, was auf
dem Papier passiert! Diese Methode erzeugt wunderschöne Linien
und ist eine gute Lehre für Arbeiten, bei denen es doch auf Genauig-
keit ankommen soll. Ausdrucksstarke Linien verdienen auch diese!

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DIE WILDE SAU RAUSLASSEN   Wenn im Winter oder bei ungemütli-
cher Witterung das Zeichnen in der Natur unmöglich ist, halte ich
Objekte bereit, die Kursteilnehmer*innen im Atelier zeichnen kön-
nen. Ein Wildschweinschädel gehört dazu.
Die Arbeiten auf diesen Seiten demonstrieren eine vorbildliche Art
der Beschäftigung mit einem Motiv. Der Zeichner Thomas Rasche
begann sein Modell mit spielerischen Linien zu erkunden. Danach
folgte die Untersuchung der Negativform, um zu schauen, was im
hellen Binnenraum des Schädels noch ausformuliert werden muss.
Die Ansicht auf Augenhöhe ist so ausdrucksstark wie die Lavierung
mit einem Pinsel (aus Schweinsborsten?). Der Zeichner hat seine
Spontaneität erst dann zähmen müssen, als er den Proportionen
des Schädels gerecht zu werden versuchte. Vermutlich hat er diese
Art der Herangehensweise verinnerlicht. Er ist Architekt.

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OBJEKTKUNST   In den Rippen eines Blattes Fischgräten zu sehen,


war so naheliegend, dass ich mich nicht bremsen konnte, daraus
ein Objekt zu machen. Die Anregung kam von einem Kind aus der
Nachbarschaft, das mir zum Geburtstag eine kleine Figur aus
Draht, Papier, Glasperle und einem Stück Holz schenkte. Ein hüb-
sches, kleines Kunstwerk. Seitdem hängt es in der Küche und fin-
det große Bewunderung. Nochmals danke Jo-Ella!

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Ein Quartier ohne Tisch geht gar


nicht. Ist keiner vorhanden, bitte
ich um einen. In Serragambetta,
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einem Agriturismo-Bauernhof
Apulien, breitete ich abends auf
dem Arbeitsplatz aus, was ich von
den Streifzügen durch die nahe
Gartenlandschaft mitgebracht
hatte: Mispeln, eine Mandel, die
Blüte eines Granatapfelbaums,
Fruchtbecher von Eicheln, einen
kleinen Mosaikstein, eine Bänder-
schnecke, tote Insekten, Stücke
eines ausgetrockneten Kaktus und
einiges Undefinierbares.

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SKIZZENBÜCHER   Ich hoffe, dass Sie die Sammlung Ihrer Skizzen-


bücher organisatorisch besser im Griff haben, als ich es in all den
Jahren geschafft habe. Zu viele unterschiedliche Formate, Papier-
sorten, Bindungen und eine inkonsequente Beschriftung. Erst als
ich alle Skizzenbücher durchnummeriert und Listen der einzelnen
Zeichnungen anlegt hatte, bekam ich den Durchblick, den ich für
die Arbeit an diesem Buch benötigte.
Mittlerweile besorge ich mir fast ausschließlich Querformate in
der Größe 14,5 × 20 cm. Sie haben die richtige Größe für unter-
wegs. Wenn Sie zeichnen und aquarellieren bzw. lavieren wollen,
empfehle ich Ihnen Papiere, die leicht saugfähig sind. Dazu die An-
gaben eines Händlers: »Naturweißes Zeichenpapier, 170 g/m²,
säurefrei, oberflächengeleimt und radierfest«.
Interessant sind Skizzenbücher, die mit Recyclingpapieren gebun-
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den sind (linke Seite). Ich schätze sie für ihre strukturierten und
getönten Papiere auf denen sich »höhen« lässt. Sind sie nur ge-
leimt, besteht die Gefahr, dass sie zu einer Loseblattsammlung
auseinanderfallen. Sie sind auf der sicheren Seite, wenn Sie faden-
gebundene Skizzenbücher benutzen. Da sie häufig in Taschen oder
Rucksäcken verstaut werden, verzeihen diese eher eine ruppige
Behandlung. Tipp: Buchbinder*innen können ein
Übrigens: Bücher mit Spiralbindung verwende ich nicht, da ich die Skizzenbuch nach Ihren Vorstellun-
Zeichnungen über den Bund einer Doppelseite hinweg gestalten gen anfertigen. So preiswert wie
möchte. Die Versuchung in einem Buch mit Spiralbindung Seiten ein Industrieprodukt ist es nicht,
herauszureißen ist zu groß. Skizzenbücher sollen meiner Meinung aber eines mit individueller Note.
nach wie Tagebücher geführt werden. Sie halten auch scheinbar Oder besser: Sie besuchen einen
Misslungenes aus. Kurs und binden Ihr Skizzenbuch
selbst. Eine sehr schöne Erfahrung!

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AUS DEM NÄHKÄSTCHEN GEZEICHNET   Dieses Buch »Zeichnen


was da so rumliegt« entstand in den Krisenjahren 2020/21, in de-
nen Menschen weltweit ihre Bewegungsfreiheit eingebüßt haben.
Viele Zeichner*innen konnten ihre bevorzugten Orte nicht aufsu-
chen. Insofern ist dieses Buch auch eine Alternative zum Zeichnen
unterwegs und ein Plädoyer für mehr Aufmerksamkeit für nahelie-
gende Dinge.
Ist es möglich, dass in dieser schwierigen Zeit auch Sie wieder Ihre
alten Nähsachen hervorgeholt haben, und sei es nur, um einen pas-
senden Stoff und Faden für die Herstellung eines Mund-Nasen-
Schutzes zu finden?

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32 MEIN HANDWERKSZEUG   Dies ist eine Auswahl der Materialien,


31 mit denen ich überwiegend arbeite. Alle Produktangaben basieren
auf Informationen der Händler. Stand Herbst 2020, ohne Gewähr.
1 Pelikan Zeichentusche schwarz (für Kolbenfüller ungeeignet; mit
20 der »Feder« im Deckel lässt sich prima zeichnen!) • 2 Mitsubishi Tin-
tenroller UB 120 Black (preiswert und ergiebig!) • 3 Mitsubishi Tin-
tenroller uniball eye micro • 4 Staedtler Pigmentliner 0,3 • 5 Sakura
Pigma Micron 02 und 03 • 6 Faber-Castell Pitt Artist Pen black XS • 7
30 Pentel Pocket Brush Pen, mit Ersatzpatronen, schwarz • 8 Pentel Tra-
dio Stylo, schwarz, mit Ersatzminen • 9 Pentel Wasserpinsel mit
29 Tank, gefüllt mit Aquarellfarbe (praktisch, wenn Sie mit wenig Aus-
rüstung unterwegs sind) • 10 Maulklammer • 11 Tombow Tinten-
roller mit Ersatzpatrone • 12 Kaweko Sport Messing Tintenroller mit
21 Ersatzminen • 13 Rohrfeder aus Bambus (im Internet gibt es Anlei-
27 28 tungen zum Selbermachen) • 14 Lamy Füllfederhalter Scala • 15
26 Kaweko Sport Messing Füllfederhalter • 16 Federhalter mit Metall-
25 feder • 17 Kugelschreiber • 18 da Vinci Aquarellpinsel Nova Synthe-
tics (mit Kunsthaar!) • 19 Schmincke Horadam Gouache Titanweiß
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• 20 Lyra Graphitkreide wasservermalbar 6B• 21 Stabilo Woody,
Buntstift, Wassermalfarbe und Wachsmalstift in einem, schwarz •
22 22 Lyra Art Design Bleistift 9B • 23 Faber-Castell 9000 Jumbo Blei-
stift 8B • 24 Berol Karismacolor Graphite Aquarelle Bleistift, very
soft, wasservermalbar • 25 Uniball Signo Pigment Ink UM -153 Gel-
roller, weiß, mit Mine • 26 Faber-Castell Polychromos Farbstift, weiß
• 27 Faber-Castell Goldfaber Farbstift (Sie sind relativ hart und des-
halb eine gute Ergänzung zu weichen Sorten. Nicht mehr im Handel.
Reste gibt es manchmal auf Flohmärkten und im Internet) • 28 Fa-
24 ber-Castell Polychromos Farbstift, schwarz • 29 KUM Spezialspitzer
mit extra langer Führung für dicke Stifte • 30 Faber-Castell Knetra-
dierer • 31 Faber-Castell Dust-Free Radierer • 32 Faber-Castell Do-
senspitzer (Noch besser: eine Kurbel-Spitzmaschine, zum Beispiel
23 Dahle 166, siehe Abbildung Seite 30).

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NAHSICHT   Begegnen Sie auch den kleinen Dingen mit der Kamera.
Nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe, den Objekten mit
Empathie zugewandt. Das fördert Ihre Aufmerksamkeit und verleiht
dem scheinbar Unscheinbaren eine Wertigkeit. Gleichzeitig schulen
Sie mit weniger Zeitaufwand, die eine Zeichnung benötigen würde,
Ihren Blick für eine spannungsvolle Gestaltung. Das hat Einfluss auf
jede Entscheidung, die Sie während des Entstehungsprozesses einer
Zeichnung fällen müssen. Insofern kann der begleitende Einsatz ei-
ner Kamera, gleich welcher Art und Preislage, die Qualität Ihrer
Zeichnungen positiv beeinflussen.

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RICHTSCHNUR   Das Zeichnen zieht sich von Beginn an wie ein roter
Faden zum Festhalten durch die Jahrzehnte meines Lebens. Ob die
Wahl meines Vornamens, den sich meine Eltern 1944 für mich aus-
dachten, damit zu tun hat, ist eher eine nette Vorstellung als Ge-
wissheit. Immerhin waren mein Vater, ein Holzbildhauer, und meine
Mutter große Bewunderer von Albrecht Dürer.
Eine sehr kurze Schulkarriere und eine aus Mangel an Alternativen
verbrachte Lehrzeit als Dekorateur, ein paar Jahre Arbeit als Plakat-
maler, der Gang durch den Zweiten Bildungsweg, ein Lehrerstudium
und knapp zehn Jahre Schuldienst als Fachlehrer für musisch-tech-
nische Fächer folgten rasch aufeinander. Alles hatte irgendwie mit
Zeichnen zu tun.
Der rote Faden wurde deutlicher sichtbar, als ich Anfang der 80er
Jahre ein Atelier für naturwissenschaftliche Illustration gründete.
Ich zeichnete vorwiegend für das Magazin »natur« und hatte dabei
das Glück, mit renommierten Fachleuten auf den Gebieten der Öko-
Albrecht Rissler logie, Botanik, Zoologie, Arten-und Naturschutz arbeiten zu dürfen.
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Studio Zeichnung Fotografie - transid - exl43369175-3960888694 -
1987 erhielt ich einen Lehrauftrag an der Merzakademie in Stutt-
Heidelberg-Handschuhsheim gart. 1988 folgte die Berufung zum Professor für die Lehrgebiete
Zeichnen und Illustration an die Fachhochschule für Gestaltung in
Mainz, an der ich 19 Jahre unterrichtete: ein Privileg und kontinuier-
licher Input durch junge Leute. Auch die zahlreichen Zeichenkurse in
Irsee, Oppenheim, an der Kunstakademie Bad Reichenhall oder in
Ladenburg möchte ich hier erwähnen.
Und jetzt? Jetzt schreibe ich Bücher und halte weiterhin die Fackel
der Zeichnerei hoch, wie mir einmal der Dichter und Zeichner Robert
Gernhardt schrieb. Oder, um im Bild zu bleiben: Ich spinne den roten
Faden weiter.

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Weitere Veröffentlichungen von -
Albrecht Rissler:

ZEICHNEN Tipps für Kreative


1. Auflage 2015
238 Seiten, 580 Abbildungen
ISBN: Print 978-3-86490-239-0
PDF: 978-3-86491-720-2

ZEICHNEN unterwegs mit Stift


und Skizzenbuch
144 Seiten, rund 220 Abbildungen
Überarbeitete und erweiterte
Neuauflage 2017
ISBN: Print 978-3-86490-420-2
PDF: 978-3-96088-087-5

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KOMPOSITION Die Kunst der - transid - exl43369175-3960888694 -
Bildgestaltung. Eine Sehschule
nicht nur für Fotografen
DIESES BUCH regt dazu an, die Wahrnehmung von Farbwirkungen zu

Farbgestaltung Fotografie
schärfen und Farbe gezielt für die Bildgestaltung zu nutzen. Fotografen
finden in diesem Buch1.Anregungen
Auflage 2014für den bewuss­
und Bildbeispiele
ten Einsatz von Farbe als Gestaltungselement.

192 Seiten, 250 Fotografien


Als Farbmodell dient das neunteilige Farbdreieck, das gegenüber dem
bekannten Farbenkreis einen entscheidenden Vorteil hat: Es beinhal­
tet Mischfarben – in diesem Buch Tertiärfarben genannt – die in weit Albrecht Rİssler
größerem Maß als dieISBN:
gesättigten Print 978-3-86490-141-6
Farbgestaltung
Farben die Umwelt prägen. Diese
sind zudem an der Attraktivität von Farbfotos mit ihren feinen Nuancen

PDF: 978-3-86491-467-6
und Harmonien, auch in der Verbindung mit reineren Farben, entschei­
dend beteiligt.

Fotografie
Neben dem Aspekt der Farbe wird in jedem der gezeigten Beispiele
deutlich, wie stark die Bildwirkung auch von der formalen Gestaltung
beeinflusst wird.

Thema
FARBGESTALTUNG Fotografie
ALBRECHT RISSLER hat zwei Begabungen, die er ein Leben lang
⋅ Bildkomposition gepflegt hat: Zeichnen und Fotografieren. Bildgestaltung rückte
⋅ Farbfotografie
⋅ Farbmodell
1. Auflage 2019
somit selbstverständlich ins Zentrum seiner eigenen Arbeiten. Von
Bedeutung war sie auch in der Funktion als Lehrer in künstlerischen
⋅ Neunteiliges Farbdreieck

LeserInnen
192 Seiten, 268 Abbildungen
Fächern, – zuletzt als Professor für Zeichnen und Illustration an
der Hochschule für Applied Sciences in Mainz. Auch in seinen zahl­
reichen Büchern ist die Bildgestaltung ein zentrales Thema.
ISBN: Print 978-3-86490-581-0
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Rİssler

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BILDNACHWEIS ZEICHNUNGEN UND OBJEKTE


Seiten: 9: Julia Menzel • 12/13: Josef Haug, Conny Willmer, Ursula
Ammann, Uwe Hilke, Wolfgang Müller, Sofia Dieringer • 14: Felicity
Grace • 15: Stefan Gelberg • 16: Helmut Aichele • 17: Markus Ja-
nousch • 18/19: Kiah Kiean Ch’ng • 26/27: Richard Wombacher (2),
Andre Niemann (2), Thomas Eißenlöffel (2), Heinrich Betz • 40/41:
Mario Leimbacher • 60: Beatrice Körner, Katja Rosenberg • 61: Mar-
tina Theisen • 76/77: Thomas Eißenlöffel (5) • 86/87: Heinrich Betz
(2), Rainer Lieser (2), Kirsten Beck • 116: Hans Dorenburg • 122: Ro-
bert Tuchan, Anna Katharina Tretter • 124: Heiko Ernst, Ursula Am-
mann (2), Anna Katharina Tretter • 125: Robert Tuchan, Thomas Ei-
ßenlöffel, Bettina Ewig • 126: Peter Wörner, Kirsten Beck • 127:
Hannelore Rudolf • 128/129: Kirsten Beck • 130/131: Kirsten Beck •
136/137: Florian Rössler • 141: Elisabeth Kaiser, Sigrid Lessing, Rai-
ner Lenzen • 144/145: Peter Pfeiffer • 147: Dik Jüngling • 150: Eleo-
nora Aprile • 151: Leo Menzel • 160: Barbara Schlick • 161: Annette
Böhmer (3) • 164/165: Thomas Rasche (8) • 165: Jo-Ella Dirks • 182:
Sonja Martl • 183: Rainer Lenzen • alle anderen Arbeiten: Albrecht
- orderid - exl43369175-3960888694 - transid - exl43369175-3960888694 -
Rissler

BILDNACHWEIS FOTOS
Seiten: 5, 9, 49, 60, 84, 95, 106, 134, 135 (2), 140, 150, 168: Ursula
Rückauf-Rissler • 150: Nancy Aprile • 158: Walter Spagerer • 160:
Gerd Schmith • 178: Benjamin Mittag • alle anderen Fotos: Albrecht
Rissler

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IMPRESSUM  HINWEIS 
Gestaltung und Text: Albrecht Rissler und Ursula Rückauf-Rissler Der Umwelt zuliebe verzichten wir auf die Einschweißfolie.
Umschlagentwurf: Albrecht Rissler
Lektorat: Barbara Lauer Schreiben Sie uns: Falls Sie Anregungen, Wünsche und Kommentare
Copy-Editing: Ursula Rückauf-Rissler, Julia Griebel haben, lassen Sie es uns wissen: hallo@dpunkt.de
Satz: Albrecht Rissler
Herstellung: Frank Heidt, Stefanie Weidner Die vorliegende Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Alle
Druck und Bindung: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG , Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Abbildungen,
39240 Calbe (Saale) auch auszugsweise, ist ohne die schriftliche Zustimmung des
Verlages urheberrechtswidrig und daher strafbar. Dies gilt insbe-
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek sondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in in elek-tronischen Systemen.
der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Es wird darauf hingewiesen, dass die im Buch verwendeten Soft-
Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. und Hardware-Bezeichnungen sowie Markennamen und Produkt-
bezeichnungen der jeweiligen Firmen im Allgemeinen waren-
ISBN : zeichen-, marken- oder patentrechtlichem Schutz unterliegen.
Print 978-3-86490-721-0 Alle Angaben und Programme in diesem Buch wurden mit größter
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