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Beschichtungen auf Glas für die 1 Gesamtenergiedurchlassgrad einer Verglasung

Gesamtstrahlung a äußere Glasscheibe


architektonische Anwendung total solar radiation
b Low-E-Sonnenschutzbeschichtung (Position 2)
außen innen
outside inside c Scheibenzwischenraum
Glass Coatings for Architectural d Low-E-Wärmeschutzbeschichtung (Position 3)
e innere Glasscheibe
Applications Transmission
transmission 1 Total energy transmittance of a glazing unit
a outer glass pane
Michael Elstner
b low-E coating for solar insulation (position 2)
Reflexion
c cavity
reflection Abstrahlung
g-Wert
d low-E coating for thermal protection (position 3)
+ Konvektion e inner glass pane
g-value
Abstrahlung re-radiation +
+ Konvektion convection

re-radiation +
convection
Emissivität
emissivity

a b c d e
1

Der Baustoff Glas spielt eine führende Rolle weitere Reduzierung der spezifischen Ener- Beschichtungstechnik
in der modernen Architektur, setzt optische gieverluste. Heute gilt Wärmedämmglas mit Bei der Inline-Technologie erfolgt das Be-
Akzente und bietet multiple technische Funk- einem Ug-Wert von 1,1 W/m2K bei zwei schichten mittels Sputterverfahren kontinu-
tionen. Ob Wärme-, Sonnen- oder Schall- Glasscheiben von 4 mm, einem mit Argon ierlich unter Vakuum im horizontalen Durch-
schutz, Design- oder Sicherheitsglas oder gefüllten Zwischenraum von 16 mm und laufverfahren. Der Druck in der Sputter-
als Teil von Solaranlagen – die Industrie stellt einer Wärmedämmbeschichtung (εn = 0,03 ) kammer wird auf etwa 1 Millionstel bar (ca.
Gläser mit individuell konfigurierbaren tech- auf Position 3 als Stand der Technik. Bei 10 -3 mbar) gesenkt. Durch ein Kammersys-
nischen Werten zur Verfügung. Energieeffizi- Dreifach-Isolierglas werden Glasdicken von tem wird das Glas von der Einlaufschleuse
enz steht dabei zunehmend im Vordergrund. 4 mm, zwei mit Argon gefüllte Zwischenräu- über die Transferkammer in den eigentli-
Der folgende Artikel führt in die Beschich- me von 16 mm und Wärmedämmbeschich- chen Beschichtungsbereich, die Sputter-
tungstechnik von Flachglas ein, beschreibt tungen (εn = 0,03) auf den Positionen 2 und kammer, eingeschleust (Abb. 2). Erst dort
die wichtigsten bauphysikalischen Kenn- 5 empfohlen. Damit lassen sich Ug-Werte wird beschichtet. Um gleichmäßige Schich-
werte und stellt neuartige Produkte vor. von 0,7 W/m2K erreichen. Im Vergleich zu ten zu erhalten, wird das Glas mit konstanter
Metallen, die nur etwa 2 –10 % der aufge- Geschwindigkeit unter den Beschichtungs-
Glashistorie nommenen Energie wieder abstrahlen, hat werkzeugen entlanggeführt (Abb. 4).
Flachglas wird seit etwa 2000 Jahren – zuerst Glas als mineralischer Werkstoff ein hohes
mit geringen Abmessungen – als raumab- Emissionsvermögen ε von 0,85. Das heißt Beschichtungsvorgang
schließendes Bauteil verwendet und gehört mehr als 80 % der Wärme wird über die Glas- Wenn in die Sputterkammer im Vakuum
damit zu den ältesten künstlichen Baumateri- oberfläche abgegeben. Um die Transparenz Atome des Schwergases Argon eingelassen
alien. Durch kontinuierliche Entwicklung der von Glas mit den Emissionseigenschaften werden und mit vorhandenen Elektronen zu-
Herstellungs- und Veredelungsmethoden ist von Edelmetallen zu verbinden, werden sammenstoßen, bildet sich Plasma, schwe-
es zu einem der modernsten Baustoffe ge- dünne Metallschichten auf das Glas aufge- re, positiv geladene Argon-Ionen. Durch
worden und prägt das Erscheinungsbild der bracht. Somit bleibt die Durchlässigkeit für Anlegen einer hohen Spannung (500 V) zwi-
Architektur unserer Zeit. Heute kann Glas das Sonnenlicht gewahrt und zugleich wird schen Kathode und Anode zündet dieses
nahezu alle Funktionen in der Gebäudehülle das Emissionsvermögen der Glasoberfläche Plasma, was an seiner typischen farbigen
erfüllen – der Widerspruch zwischen dem deutlich verringert. Optimal sind hauch- Leuchterscheinung, ähnlich der in Leucht-
menschlichen Bedürfnis nach Schutz vor der dünne Silberschichten in einer Dicke von stoffröhren, erkennbar wird. Das durch die
Außenwelt und der gleichzeitigen Öffnung etwa 1/100 000 mm, das entspricht 10 nm. hohe Spannung erzeugte starke elektrische
zum Licht ist aufgelöst. Durch die Ölkrise Die Anforderungen an beschichtetes Glas Feld beschleunigt die schweren, positiv
der 1970er-Jahre geriet die damalige Glas- sind in der Produktnorm EN 1096 definiert. geladenen Argon-Ionen zur Kathode hin.
architektur in die Kritik. Zu Recht, denn unbe- Auf der Kathode ist ein sogenanntes Target
schichtetes Flachglas für Fenster und Fassa- Wärmedämm- und Sonnenschutzschichten montiert, das aus einem Beschichtungs-
den führte zur Verschwendung wertvoller Wärmedämmschichten haben die Aufgabe, material (z. B. Silber) besteht. Die mit hoher
Energie. Einen ökologischen und ökonomi- im Winter den Wärmeverlust gering zu hal- Energie auftreffenden Argon-Ionen schlagen
schen Meilenstein für mehr Energieeffizienz ten und gleichzeitig passive Energiegewin- aus dem Target Material heraus, das sich
stellt die Herstellung von Gläsern mit Funk- ne zuzulassen. Sonnenschutzschichten sol- wiederum als dünne Schicht auf dem Glas
tionsbeschichtungen für Wärmedämmung len hingegen einen möglichst hohen Anteil absetzt. Zur Herstellung chemischer Verbin-
und Sonnenschutz mit der Dünnschichttech- der auftreffenden Sonnenenergie vom Raum dungen der abgestäubten Target-Materialien
nologie dar. abhalten. Mit absorbierenden und/oder re- wird in die Kammer zusätzlich Sauerstoff als
flektierenden Komponenten werden die ge- Reaktivgas eingelassen.
Warum wird Glas beschichtet? wünschten strahlungsphysikalischen und
Einfachverglasungen, die bis Mitte der optischen Eigenschaften erreicht. Zur Her- Wichtige bauphysikalische Kennwerte
1970er-Jahre üblich waren, verursachten stellung dieser Funktionsschichten werden U-Wert nach EN 673
hohe Wärmeverluste (Ug = 5,8 W/m2K). verschiedene Beschichtungsmaterialien Der Wärmedurchgangskoeffizient U gibt die
Mit dem verstärkten Einsatz von Isolierglas auf das Glas aufgebracht. Haft-, Funktions-, Wärmemenge an, die pro Zeiteinheit durch
wurden verbesserte Ug-Werte von durch- Schutz- und Deckschicht bilden ein komple- 1 m² eines Bauteils bei einem Temperatur-
schnittlich 3,0 W/m2K erreicht. Erst die Ver- xes System (Abb. 5). Die optischen Eigen- unterschied der angrenzenden Raum- und
bindung der Isolierglastechnik mit moderner schaften werden durch Nutzung des Inter- Außenluft von 1 Kelvin hindurchgeht. Je nied-
Dünnschichttechnik für die transparente ferenzprinzips, das aus der Entspiegelung riger der U-Wert, desto besser ist die Wärme-
Beschichtung von Glas ermöglichte eine von Kameraobjektiven bekannt ist, realisiert. dämmung. Die Maßeinheit ist W/m2K. Die

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Vakuumpumpen Visitier- und Pufferband
vacuum pumps inspection and buffer belt
Puffer Kontrolle Puffer
buffer control buffer

Waschmaschine
Abstapler Auslaufschleuse Sputterkammer Einlaufschleuse washing machine
stacker outlet gate sputter chamber inlet gate
Aufleger Bandmaße und Festmaße
set-down area, belt dimensions
Festmaßabnahme optische Messstation Transferkammer Transferkammer and solid measure
solid measure optical measurement station transfer chamber transfer chamber
Wasseraufbereitung
water processing

2 3

U-Wert-Ermittlung erfolgt durch Berechnung bis 2500 nm (sichtbare und infrarote Strah- Die Bezugsgröße 100 % entspricht einer
nach EN 673 oder aber durch Messung lung). Die Größe ist für klimatechnische unverglasten Maueröffnung. Die Lichtdurch-
nach EN 674. Bei gleichen Randbedingun- Berechnungen von Bedeutung und wird in lässigkeit spielt vor allem bei Sonnenschutz-
gen liefern Berechnung und Messung ver- Prozent ausgedrückt. Der g-Wert setzt sich verglasung eine Rolle, da hier trotz der
gleichbare U-Werte. Für Fenster wird der zusammen aus direkter Sonnenenergietrans- Reduzierung des g-Werts noch eine mög-
U-Wert (Uw) nach DIN EN ISO 10077 be- mission τe und sekundärer Wärmeabgabe lichst hohe Lichtdurchlässigkeit erhalten
rechnet. Diese Formel beinhaltet die Fläche nach innen qi infolge langwelliger Strahlung bleiben sollte.
der Verglasung (Ag), den U-Wert der Ver- und Konvektion (Abb. 1). Der Bemessungs-
glasung (Ug), die Fläche des Rahmens (A f), wert g für den Gesamtenergiedurchlassgrad Selektivitätskennzahl S
den U-Wert des Rahmens (Uf), den Umfang wird unter anderem nach der europäischen Mit der Selektivitätskennzahl S wird das Ver-
der Verglasung (lg) und den linearen Wär- Norm EN 410 bestimmt. hältnis Lichtdurchlässigkeit τV zu Gesamt-
medurchgangskoeffizienten (ψ) der Vergla- energiedurchlassgrad g gekennzeichnet.
sung, der die Wärmebrücke zwischen Glas g = τe + qi Eine hohe Selektivitätskennzahl drückt ein
und Rahmen berücksichtigt. günstiges Verhältnis aus. S = 1,8 kennzeich-
Farbwiedergabe-Index Ra nach EN 410 net für neutrale Verglasungsprodukte die
Ag ≈ Ug + A f ≈ Uf + lg ≈ ψ Die Farbwiedergabe ist für das physiolo- Grenze des physikalisch Machbaren wie
Uw = gische Empfinden und für die psychologi- z. B. beim Glastyp ipasol neutral 50/27 des
A f +Ag
schen und ästhetischen Momente von gro- Glasveredlers Interpane: S = 50/27 = 1,85.
Emissionsvermögen ε nach EN 673 ßer Wichtigkeit. Das Farbklima im Raum
Unter dem Emissionsvermögen ε ist das wird durch die spektrale Zusammensetzung S = τV / g
Abstrahlverhalten eines Körpers zu ver- des einfallenden Tageslichts beeinflusst.
stehen. Hinsichtlich der Wärmedämmung Demzufolge beschreibt der Ra, D-Wert die Beschattungskoeffizient b-Faktor
von Isolierglas bedeutet das: Je niedriger Farberkennung bei Tageslicht im Raum (Shading Coefficient-SC) VDI 2078)
das Emissionsvermögen desto besser der und bei Durchsicht. In vergleichbarer Weise Der b-Faktor ist ein Verhältniswert zwischen
U-Wert. Für die Berechnung des U-Werts kennzeichnet der Ra, R-Wert die Farbwieder- dem g-Wert der jeweiligen Verglasung und
von Glas wird unter anderem der ε-Wert gabe des Glases auf der Ansichtsseite. Die einer unbeschichteten Isolierglasscheibe.
benötigt. Die Ermittlung des Emissions- Farbwiedergabeeigenschaften einer Vergla- Bei dieser wird ein g-Wert von 80 % als
vermögens erfolgt durch Messung der Re- sung werden durch den allgemeinen Farb- Konstante angesetzt. Der »mittlere Durch-
flexion einer Bauteiloberfläche. Hierbei wird wiedergabe-Index Ra nach EN 410 ermittelt. lassfaktor b« ist ein Maß für die Sonnen-
unterstellt, dass der Einfallswinkel nahezu Die Skala für Ra reicht bis zu einem Wert schutzwirkung einer Verglasung und die
senkrecht zur betrachteten Oberfläche liegt von 100. Der optimal mit einer Verglasung entscheidende Größe zur Berechnung der
und die Messung bei verschiedenen Wel- erreichbare Ra-Wert ist 99. Als Bezugslicht- Kühllast. Je niedriger der Beschattungs-
lenlängen stattfindet. Der so ermittelte Refle- art wird die Normlichtart D 65 zugrunde ge- koeffizient, desto besser ist die Beschat-
xionswert R wird mit folgender Formel in den legt. Ein Wert > 90 kennzeichnet eine sehr tung.
Emissionswert umgerechnet: gute Farbwiedergabe. Demnach werden
Beschichtungen mit Werten > 90 als neutra- g-Wert
SC =
ε = 1-R le Beschichtungen im Sinne der Farbwieder- 0,80
gabe, vor allem in Durchsicht, bezeichnet.
Da es messtechnisch unmöglich ist, mit International wird sehr häufig der Shading
einem Einfallswinkel von 0° zu messen, wird Lichtdurchlässigkeit τV nach EN 410 Coefficient im Verhältnis zu einer Einfach-
im Allgemeinen bei einem mittleren Einfalls- Die Lichtdurchlässigkeit τV drückt den direkt glasscheibe verwendet (z. B. nach ASHRAE,
winkel von ≤ 10° gemessen. Es gibt ein nor- durchgelassenen, sichtbaren Strahlungs- USA). Bezogen auf 3 mm Einfachglas gilt:
males Emissionsvermögen εn nach EN 673 anteil im Bereich der Wellenlänge von 380
und ein deklariertes Emissionsvermögen εd bis 780 nm bezogen auf die Hellempfindlich- g-Wert
SC =
nach EN 1096. keit des menschlichen Auges aus. Die Licht- 0,87
durchlässigkeit wird in Prozent angegeben
g-Wert nach EN 410 und unter anderem von der Dicke des Gla- Absorption von Energie
Der g-Wert bezeichnet den Gesamtenergie- ses beeinflusst. Bedingt durch den unter- Neben der Transmission und Reflexion ist
durchlassgrad von Verglasungen für Sonnen- schiedlichen Eisenoxidgehalt des Glases die Absorption die dritte bestimmende Grö-
strahlung im Wellenlängenbereich von 300 sind geringfügige Schwankungen möglich. ße beim Strahlungsdurchgang durch Glas.

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2 schematische Darstellung kontinuierlich arbei-
tender Beschichtungstechnik mit Hochleistungs-
Kathodenzerstäubung (Inline-Verfahren)
Pump- Pump- 3, 6 Doppelfassade mit ipachrome-design-Beschich-
system / system/ tung, John Lewis Department Store, Leicester
pump pump Deckschicht /Cover coating 2008, Architekten: Foreign Office Architects
system Magnetron-Kathode/ system
magnetron cathode 4 Schemaschnitt Kathodenkammer zur Aufbrin-
Target/target Schutzschicht /Protective coating gung dünner Schichten mit dem Magnetron-
Plasma/plasma Sputterverfahren
U = 500 V Silberschicht /Silver film 5 Schichtaufbau von Warmglas
Gas-
Anode/anode Anode/anode einlass/
Gas-
einlass / gas inlet
Haftschicht /Adhesive layer 2 Schematic representation of a continuous coating
gas inlet process with high-performance cathode deposition
Glasscheibe/glass pane (inline process)
Glas /Glass 3, 6 Double-layered facade with ipachrome design
coating, John Lewis Department Store, Leicester
2008, Architects: Foreign Office Architects
4 Schematic section through a cathode chamber for
applying thin films using the magnetron sputter
process
4 5 5 Layers in warm glass

Dabei gilt, dass Strahlung, Transmission folgende Anteile bestimmt: mefunktionsschicht senkt z. B. beim
und Absorption gemeinsam 100 % ergeben. • Strahlungsaustausch zwischen den Schei- Glastyp iplus E das Emissionsvermögen von
Durch die Absorption wird die Strahlungs- ben infolge des Emissionsvermögens der εd = 0,89 auf εd = 0,03. Damit wird der Strah-
energie in Wärmeenergie umgewandelt. Scheibenoberfläche für Wärmestrahlung lungsaustausch fast vollständig unterdrückt.
Dies führt zu einer Temperaturerhöhung • Wärmeleitung des Gases im SZR Unverändert bleibt der Wärmefluss infolge
der absorbierenden Glasscheibe und es • Konvektion des Gases im SZR Wärmeleitung und Konvektion des Gases
besteht die Gefahr von Glasbruch. Für nor- im SZR. Mit einer Silberbeschichtung als
male Einbausituationen wird bei Horizon- Bei konventionellem, unbeschichtetem Wärmefunktionsschicht kann der Ug-Wert
talverglasungen ab einer Absorption von Zweifach-Isolierglas mit einem Ug-Wert von des Zweifach-Isolierglases von ca. 3,0 auf
50 %, bei Vertikalverglasungen ab etwa durchschnittlich 3,0 W/m2K entfallen wegen 1,4 W/m2K reduziert werden. Wird die Luft
55 % empfohlen, vorgespannte Gläser (TVG des hohen Emissionsvermögens der Glas- im SZR durch ein Edelgas wie Argon er-
oder ESG) zu verwenden. oberfläche etwa zwei Drittel des Wärme- setzt, das über eine geringere Wärmeleit-
flusses auf die Wärmestrahlung zwischen fähigkeit verfügt als Luft, sinkt der Ug-Wert
Wärmetechnische Wirkungsweise von Isolier- den Scheiben und nur ein Drittel auf die zusätzlich um 0,3 W/m2K auf 1,1 W/m2K.
glas mit Low-E-Beschichtung Wärmeleitung und Konvektion der Luft im Mit unterschiedlichen Füllgasen ergeben
Der Wärmefluss durch Isolierglas wird durch Scheibenzwischenraum (SZR). Eine Wär- sich unterschiedliche Ug-Werte. Mit den
steigenden Anforderungen an die Energie-
einsparung nach EnEV (2009/2012) wird
Dreifach-Wärmedämmglas mehr oder weni-
ger zur Standardverglasung. Den Zusam-
menhang von Gasfüllart und Breite des SZR
zeigt Abb. 9. Somit lassen sich Ug-Werte von
0,5 W/m2K realisieren.
Der U-Wert von Fassaden und Fenstern
kann zusätzlich durch die Verwendung
thermisch verbesserter Abstandhalterprofile
im Randverbund des Isolierglases, einer
sogenannten Warmen Kante, verbessert
werden (Abb. 10). Die Definition einer sol-
chen »Warmen Kante« wird in DIN EN ISO
10 077-1:2006 (D) Anhang E beschrieben.

Entspiegelungsschichten
In der Solarthermie kommt es darauf an, die
eingestrahlte Energie der Sonne über den
gesamten Spektralbereich maximal zu nut-
zen. Nahezu alle Solarkollektoren und PV-
Module sind durch Glasscheiben abgedeckt,
an deren Oberfläche ein Teil der einfallenden
Sonnenenergie reflektiert wird. Ein weiterer
Teil wird im Glas absorbiert und als Wärme-
strahlung nach außen und innen wieder ab-
gegeben. Dies bedeutet eine Minderung der
am Absorberblech des Kollektors zur Verfü-
gung stehenden Energie. Charakteristische
Merkmale von Glasabdeckungen für Solar-
anwendungen sind daher die größtmögliche
Energietransmission (τe) und Langzeitstabi-
lität. Aufgrund der hohen thermischen und
6 mechanischen Belastungen wird Kollektor-

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7, 8 Wirkungsprinzip von hochtransmittivem Abdeck- unbeschichtetes Glas beschichtetes Glas
glas für Sonnenkollektoren uncoated glass coated glass
9 Ug-Wert der Verglasung in Abhängigkeit der
Gasbefüllung und der Breite des Scheibenzwi-
schenraums bei einem Dreifach-Wärmedämm- Glasscheibe Beschichtung
glas mit Low-E-Beschichtungen e = 0,03 auf glass pane coating
Position 2 und 5
10 Uw-Wert des gesamten Fensters für Abstand-
halter aus Aluminium, Kunststoff und Edelstahl
in Abhängigkeit von der Fensterfläche hohe Reflexion niedrige Reflexion
high reflection low reflection
7, 8 Principle behind high-transmission cover glass in
solar collectors
9 Ug value of glazing in relation to type of gas filling Absorberblech Absorberblech
and width of cavity with triple insulating glass with absorber sheet absorber sheet
a low-E coating of e = 0.03 at positions 2 and 5
10 Uw value of the whole window for spacers of
aluminium, plastic and stainless steel in relation to
window area transmittierte Energie transmittierte Energie
transmitted energy transmitted energy
7 8

abdeckglas als ESG ausgeführt. Herkömm- licher Haftungsaufbau der Folie zum Subs- barer und daher für die unterschiedlichsten
liche Abdeckgläser bestehen aus absorp- trat bzw. Glas selbst. Durch die Zulassung Anwendungen geeignet (Abb. 3, 6). Es lässt
tionsarmem Weißglas, entweder mit glatter Z-70.4-138 vom Deutschen Institut für Bau- sich zu ESG vorspannen und zu VG bzw.
oder strukturierter Oberfläche. Versieht man technik (DIBt) kann die zeit- und kostenauf- VSG verarbeiten, kann mit Wärme- oder
Weißglas mit einer Entspiegelungsbeschich- wendige bauaufsichtliche ZiE entfallen. Die- Sonnenschutzbeschichtungen kombiniert
tung, wird die Energietransmission durch die se Art von Sonnenschutzgläsern sind als und zu Isolierglas weiterverarbeitet werden.
Glasoberflächen und somit die »Solarernte« VSG somit auch monolithisch einsetzbar,
erhöht. Unbeschichtete Floatgläser haben z. B. in Vorhangfassaden, Vordachsystemen Ausblick
eine Gesamtreflexion von ca. 8 % (Abb. 7). oder in Doppelhautfassaden. Da sie auch Die Entwicklungen rund um den Werkstoff
Durch die beidseitige Beschichtung wird die mit in der Masse eingefärbten Gläsern kom- Glas enden nicht bei Funktionen wie Wär-
Lichtreflexion auf etwa 2 % reduziert (Abb. 8). biniert werden können, ergeben sich neue medämmung und Sonnenschutz, sondern
Ein weiterer Vorteil liegt in der geringen Win- gestalterische Möglichkeiten. verbessern und verändern auch dessen
kelabhängigkeit der Beschichtung. Dadurch Festigkeit und Oberflächen. Die zunehmen-
wird die Transmission besonders in den Glasdesign mit neuen Beschichtungen de Komplexität erfordert eine frühzeitige in-
Morgen- und Abendstunden sowie in den Chromhaltige Mehrfachschichtsysteme mit dividuelle Abstimmung von Anforderungen
Wintermonaten deutlich gesteigert. einem Transmissionsgrad von nur etwa 4 % und Lösungsmöglichkeiten zwischen Archi-
sind so hoch reflektierend wie ein konventio- tekten, Planern, Bauherren und Beratern
VSG mit hochwertigem Sonnenschutz neller Silberspiegel, aber wesentlich belast- des Glasveredlers. DETAIL 07– 08/2009
In Europa dürfen nur Bauprodukte in Verkehr
gebracht werden, deren Verwendbarkeit Dreifach-Wärmedämmglas Beschichtung εn = 0,03 auf Position 2 und 5
gemäß der Bauproduktenrichtlinie, seit Juli Ug-Nennwert in Abhängigkeit vom SZR
Ug-Nennwerte/Ug nominal values

Triple insulating glass εn = 0.03 in pos. 2 and 5 – Ug nominal value dependent on cavity
2013 der EN-Bauproduktenverordnung, 1,40
nachgewiesen ist. Dies ist in Deutschland 1,30
dann gegeben, wenn ein Produkt den in 1,20
der Bauregelliste (BRL) bekannt gemachten 1,10
[W/m2K]

1,00
technischen Regeln entspricht oder nur un-
0,90
wesentlich von diesen abweicht. Entspricht 0,80
es diesen nicht, sind weitergehende Ver- 0,70
wendbarkeitsnachweise vorzulegen, um 0,60
das Produkt in Verkehr bringen zu dürfen. 0,50
0,40
Das können eine allgemeine bauaufsichtli- 2≈8 2 ≈ 10 2 ≈ 12 2 ≈ 14 2 ≈ 16
che Zulassung (abZ), ein allgemeines bau- SZR /cavity [mm]
aufsichtliches Prüfzeugnis (abP) oder eine 9 90 % Argon /argon 90 % Krypton / krypton Luft / air
Zustimmung im Einzelfall (ZiE) sein.
Wärmedurchgangskoeffizient vom Fenster Uw
Bei der Herstellung der Bauprodukte Ver-
Thermal transmission coefficient of window Uw
Uw-Nennwerte / Uw nominal values

bund- und Verbundsicherheitsglas, mit


1,4
PVB-Folien oder anderen Zwischenlagen,
1,3
z. B. für die Verwendung nach den »Techni-
schen Regeln für die Verwendung von lini- 1,2
[W/m2K]

enförmig gelagerten Verglasungen« (TRLV) 1,1


und den »Technischen Regeln für die Ver- 1
wendung von absturzsichernden Verglasun-
0,9
gen« (TRAV) sowie der DIN V 11535-1 sind
die Vorgaben der BRL zu beachten. Bei 0,8
0,00 0,50 1,00 1,50 2,00 2,50 3,00 3,50 4,00 4,50 5,00
wesentlicher Abweichung ist eine abZ oder Fensterfläche / window area [m2]
objektbezogen eine ZiE erforderlich. Eine Rahmenanteil 60 % 42 % 36 % 33 % 31 % 30 % 29 % 29 % 28 %
frame proportion
wesentliche Abweichung ist beispielsweise
die Aufbringung von Glasbeschichtungen längenbezogener Wärmedurchgangskoeffizient / thermal transmission coefficient per unit length:
Abstandshalter Aluminium / aluminium spacer profile = 0,075 W/mK
zur Folie hin, wie das bei ipasol bright der Abstandshalter its-Edelstahl / Interpane stainless-steel spacer system = 0,048 W/mK
Fall ist. Grund hierfür ist ein unterschied- 10 Abstandshalter Thermix-Kunststoff / plastic spacer profile = 0,038 W/mK

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Kurzbezeichnung/ Einheit / Norm / Michael Elstner leitet das Interpane Beratungscenter
bauphysikalischer Kennwert / building physics parameter (IBC) in Plattling und ist Mitglied mehrerer Arbeits-
designation unit standard
gruppen, die sich mit dem Thema Glas beschäftigen.
Wärmedurchgangskoeffizient / thermal transmission coefficient Ug-Wert / Ug value W /m2K EN 673 ibc@interpane.com

normales Emissionsvermögen / normal emissivity εn - EN 673 Michael Elstner heads the Interpane’s advisory centre
(Interpane Beratungscenter – IBC) in Plattling, and is a
Gesamtenergiedurchlassgrad / total solar energy transmittance g-Wert /g value % EN 410 member of several working groups concerned with the
subject of glass. ibc@interpane.com
direkte Energietransmission / direct energy transmission τe % -
11 bauphysikalische Kennwerte von Verglasungen.
sek. Wärmeabgabe nach innen / secondary heat emission to inside qi % EN 410 Um die Werte für Glasaufbauten mit Interpane-
Beschichtungen zu berechnen, steht in der
Farbwiedergabe-Index / colour rendering index Ra - EN 410 Service-Rubrik von www.interpane.com unter
»HClient« ein kostenloses Tool zur Verfügung.
Lichtdurchlässigkeit / light transmission τv % EN 410
11 Building physics parameters of glazing.
Selektivitätskennzahl / selectivity ratio S - - A free tool (“Hclient”) is available in the “Service”
section at www.interpane.com to calculate the
Beschattungskoeffizient / shading coefficient b-Faktor/SC - VDI 2078 values for glazing constructions with Interpane
11 coatings.

The single glazing that was standard up until ventional, uncoated double glazing with a transmission and therefore the solar “harvest”.
the mid 1970s was characterised by high Ug value averaging 3.0 W/m2K, about two- Another advantage is that effectivity is less
heat loss (Ug = 5.0 W/m2K). Increased use of thirds of the heat flow is accounted for by dependent on the incident angle of radiation,
double glazing brought improved Ug values of heat radiation between the panes, induced which brings improved transmission in the
an average of 3.0 W/m2K. Further reductions by the emissivity of the glass surface, and mornings and evenings and in winter.
in heat loss followed with the application of only one third by thermal conduction and air
modern thin-film coatings. Today double glaz- convection in the cavity. In the case of iplus E, Building products marketed in Europe have
ing with a Ug value of 1.1 W/m2K with glass from Interpane, a thermally insulating layer to meet the functionality requirements of the
thicknesses of 4 mm and a 16-mm argon- reduces emissivity from εd = 0.89 to εd = 0.03, Construction Products Directive. In Germany,
filled cavity is regarded as the state of the art. virtually suppressing all radiation exchange. functionality is proven if the product meets the
Triple glazing brings the Ug value down to Heat flow remains unchanged, because of the technical requirements published in the Build-
0.7 W/m2K, with 4 mm-thick glass and two conductivity and convection of the gas in the ing Regulation List (Bauregelliste). Failing this,
16-mm argon-filled cavities. In contrast to cavity. When using silver as a thermally insu- further evidence of suitability must be met
metals which re-radiate only around 2 to 10 % lating coating, such as in the example of iplus before they can be marketed. For the use of
of the energy they absorb, glass has a high E, the Ug value of double glazing can be re- laminated glass and laminated safety glass,
emissivity of ε = 0.85, i.e. over 80 % of the duced from around 3.0 to 1.4 W/m2K. If the with or without PVB foil, EN 14449 must also
heat is radiated via the surface of the glass. air in the cavity is replaced with an inert gas be observed. If product performance does
Applying a thin film of metal to the glass sig- like argon, which has lower thermal conduc- not conform to the requirements, separate
nificantly reduces emissivity while retaining tivity than air, the Ug value is reduced further approval must be sought in accordance with
transparency and permeability to light. The to 1.1 W/m2K. Different gases produce differ- Part A of the Building Regulation List. Glass
optimum is an ultra-thin film of silver, around ent Ug values. The relationship between type coated on the side facing the foil would repre-
1/100,000 mm thick, or 10 nm. EN 1096 sets of gas and width of cavity is shown in ill. 9. sent a significant deviation, because it affects
out the requirements for coated glass. This way, a Ug value of 0.5 W/m2K is achiev- adhesion to the substrate or glass. ipasol
Insulating coatings keep heat losses low in able. The Ug value of facades and windows bright solar glass is one such case; this has
winter, but still allow for utilisation of passive can be additionally improved by using thermal- now been granted approval and can therefore
energy. Solar coatings reflect as much of the ly efficient spacers for the edge seal around be used monolithically as laminated safety
solar energy as possible. The desired proper- the insulating glass (ill. 10). glass in curtain walls, canopies and in double-
ties are achieved by combining absorbing and skin facades. New design possibilities are also
reflecting components in a complex system of Almost all solar collectors are covered with opened up, because it can be combined with
layers – adhesive, functional, protective and glass, from the surface of which a part of the body-tinted glass. Chromium-based multi-
covering (ill. 5). solar energy is reflected. Another part is ab- layered systems, such as ipachrome design,
Glass is coated in an in-line sputtering system sorbed in the glass and re-radiated as thermal with only around 4 % transmission, offer the
(ill. 2, 4). Here argon atoms are fed into a radiation outwards and inwards, thereby re- same high-reflective properties as convention-
vacuum, where they collide with electrons to ducing the energy available at the absorber al silver mirror finishes, but they are signifi-
form a plasma, or heavy, positively charged sheet in the collector. Typical features of glass cantly stronger and therefore suited for a wide
argon ions. A high voltage passed between covers for solar applications are therefore range of applications (ill. 3, 6). Glass of this
cathode and anode then accelerates these maximum energy transmission (τe ) and long- type can be made into toughened, laminated
ions towards the cathode, where the “target”, term stability. Because of the high thermal and laminated safety glass, combined with
i.e. coating material (e.g. silver), is mounted. and mechanical stresses toughened glass thermally insulating or solar coatings and
The ions hit the target at high speed, causing is used for the cover glass on collectors. made into insulating glass units.
material to become detached which is then Conventional cover glass is made up of low-
deposited as a thin layer on the glass. absorption flint glass with either a smooth New developments in glass do not stop at
or a structured finish. Flint glass with a light- functions like thermal insulation and solar
The flow of heat through insulating glass is reflecting coating has increased transmission protection. Improvements are also being
determined by the following factors: radiation because radiation is reflected from the sur- made to its strength and surface finish. With
exchange between the panes as a result face of the glass. Uncoated float glass has the increasing complexity involved with glass,
of the emissivity of the surface of the glass; an overall reflection of around 8 % (ill. 7). By it is important for architects, planners, clients
thermal conductivity of the gas in the cavity; coating both sides with iplus HT, for example, and glass consultants to work together from
convection of the gas in the cavity; and the light reflection is reduced to around 2 % (ill. 8). an early stage to reach a solution that meets
thermal conductivity of the edge seal. In con- This anti-reflection surface increases energy all the requirements.

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