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Grundlagen der Festigkeitslehre Grundlagen der Festigkeitslehre

Rotationssymmetrische Spannungszustände 213 Rotationssymmetrische Spannungszustände 214

8. Rotationssymmetrische Spannungszustände
Voraussetzungen:
8.1 Voraussetzungen und Anwendungsbereiche
1. Das Bauteil habe die Gestalt eines geraden Kreis- oder
Kreisringzylinders.
Die Darstellung erfolgt in Zylinderkoordinaten: 2. Die Belastung sei rotationssymmetrisch. Damit wird der
r, ϕ, z sind die Koordinaten eines beliebigen Punktes P. Spannungs- und Deformationszustand von ϕ unabhängig.
3. Die Belastung sei von der axialen Koordinate z
Es werden hier folgende unabhängig. Dementsprechend wird hier z.B. der
Spannungen betrachtet: stehende Behälter unter Flüssigkeitsdruck nicht mit
erfasst.
4. Die Belastung sei radial gerichtet, evtl. überlagert von
P einer gleichmäßig über den Querschnitt verteilten axialen
σr - Radialspannung Belastung. Dementsprechend werden hier z.B. rotations-
σϕ - Tangentialspannung z
symmetrische Plattenprobleme nicht mit erfasst.
σz - Axialspannung.
r Bezüglich der Behandlung derjenigen Bauteile, die diese
φ
Voraussetzungen erfüllen, können zwei Problemgruppen
unterschieden werden:

σqφφ a) Für ringförmige, dünnwandige Bauteile wird die


σr
Aufgabe der Spannungsermittlung näherungsweise
statisch bestimmt und damit besonders einfach. Hierzu
h zählen z.B. dünnwandige Behälter, rotierende Ringe und
Trommeln, Schrumpfringe, Rohrleitungen und
ri Zylinderbuchsen unter Innen- und Außendruck.
Fpφ

b) Bei dickwandigen Hochdruckbehältern, Naben,


σqφφ rotierenden Rädern und Scheiben muss die Abhängigkeit
σz des Spannungs- und Deformationszustandes von der
radialen Koordinate r berücksichtigt werden.

∆l Typische Belastungen sind also Fliehkräfte infolge Rotation,


Innen- und Außendruck sowie Schrumpfpressung.
Strackeljan /Festigkeit Strackeljan /Festigkeit
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8.2 Dünnwandige zylindrische Behälter und Ringe


Dann gilt näherungsweise:
8.2.1 Dünnwandiger Behälter unter innerem Überdruck pi : q z U m = Fpz

Es werde ein dünnwandiger, geschlossener Kreiszylinder- (σ z h ) (2πrm ) ≈ pi πri 2


behälter unter einem inneren Überdruck pi betrachtet. Man
behandelt den Behälter praktisch als dünnwandig wenn gilt:
bzw. mit ri ≈ r , rm ≈ r , ra ≈ r :
h 1
≤ . pi r
r 5 σz ≈ . (8.1)
2h
mit : h - Wanddicke des Behälters
r - Radius des Bauteils
Tangentialspannung: qφ
Axialspannung: Behälter-
boden
h

ri
Fpφ

Fpz

ri
rm r
a

qz ∆l

Es bedeutet: Es bedeutet:
ri - Innenradius, ra - Außenradius, h - Wanddicke ∆l - beliebige Strecke in Längsrichtung
Fpz - Resultierende des inneren Überdruckes im Fpϕ - Resultierende des inneren Überdruckes im skizzierten
Querschnitt Längsschnitt,
qz - aus den axialen Spannungen resultierende qϕ - aus den tangentialen Spannungen resultierende
konstante Linienlast konstante Linienlast.
rm - mittlerer Radius für den Angriff von qz
Um - Umfang des Kreises mit rm.
Strackeljan /Festigkeit Strackeljan /Festigkeit
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Dann gilt: 8.2.2 Dünnwandiger Ring unter rotationssymmetrischer


t: 2 qϕ ∆l = Fpϕ Linienlast

2σ ϕ h ∆l = pi 2ri ∆l Der Ring habe in einem radialen Schnitt die konstante


Querschnittsfläche A. Er sei in axialer Richtung unbelastet. In
radialer Richtung wirke auf einem Kreis mit dem Radius R
pi ri
σϕ = (8.2) eine gleichmäßig über den Umfang verteilte Linienlast q.
h

Man bezeichnet die Gl. 8.2 in der Mechanik als Kesselformel. A


r dφ qrdφ dφ
q
Der Vergleich von 8.1 und 8.2 ergibt unmittelbar: 2 2
σ φA
σφA dφ σφAsin dφ
σ φA 2 dφ dφ 2
σ ϕ ≈ 2σ z . 2 2 = σφA

2

!!!!! Die Spannung in Umfangsrichtung ist ca.


doppelt so hoch wie diejenige in Längsrichtung. !!!
Die Gleichgewichtsbedingung am differentiellen Element in
Die Radialspannung liegt zwischen den Werten:
radialer Richtung liefert.
σr = − pi am Innenrand und σr = 0 am Außenrand.

u: 2σ ϕ A = q r dϕ ,
2
Sie wird wegen r >> h gegen die Spannungen σ z und σϕ
vernachlässigt. qr
σr ≈ 0 . σϕ = .
A
Damit erhält man nach der Schubspannungshypothese σ v 3 die Beispiel 1: Gleichmäßiger innerer Druck pi
Vergleichsspannung:
Mit r ≡ ri , q = pi ∆l , A = h ∆l
σv 3 = σ1 − σ3 = σϕ − σ r ,
pr pi ri
σv 3 = σϕ = i i folgt σϕ =
h h
Die Lösung führt auf eine Bestätigung der Kesselformel.
Strackeljan /Festigkeit Strackeljan /Festigkeit
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Beispiel 2: Gleichmäßiger äußerer Druck pa Beispiel 4: Aufschrumpfen eines Ringes

Mit r ≡ ra , q = − pa ∆l , A = h ∆l Ein Ring mit ri = 499 mm, A = 100 mm2, E = 2,0⋅105 N/mm2
α = 11⋅10-6 1/k
pa ra
folgt σϕ = − .
h soll auf einen starren Zylinder mit r = 500 mm aufge-
schrumpft werden. Welche Temperatur ist hierzu erforderlich?
Beispiel 3: Fliehkraftbelastung durch Rotation
Lösung:
Ein rotierender Ring mit einem mittleren Radius rm hat die
Tangentialgeschwindigkeit v = rm ω ; ω ist hierin die Winkel- Es gilt allgemein:
geschwindigkeit.
εϕ =
(r + ∆r ) dϕ − rdϕ = ∆r = ε =ε ,
rdϕ
r
Dann gilt: r ≡ rm . r
σϕ
An einem Massenelement d m = ρ dV = ρA rm d ϕ ε= + α ∆T .
E

wirke die Zentrifugalkraft (Fliehkraft) Erwärmen des Ringes:

v2 ∆r r − ri r − ri
d Fz = dm rm ω 2 = dm = ρ A v 2 dϕ . ε = α ∆Terf = = ≈ .
rm ri ri r

Es folgt: Hinweis: Bei praktischen Berechnungen ist es üblich, im


Nenner anstelle von ri den Nennradius r zu setzen.
d Fz ρ A v2 q rm
q= = , σ= , Es folgt:
rm dϕ rm A
r − ri 1mm ⋅ K
∆Terf = = = 181,8 K .
α r 11 ⋅ 10 −6 ⋅ 500mm
σ = ρ v 2 bzw. σ = ρ rm2 ω 2
Gewählt:
!! Spannung unabhängig von der Querschnittsfläche A !! ∆Tgew = 200 K
mit der Aufweitung ∆rth = α ∆Tgew r = 1,1 mm .

Strackeljan /Festigkeit Strackeljan /Festigkeit


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8.3. Die allgemeine Lösung für Spannungen und


Einfügen des Zylinders und Abkühlung auf die ursprüngliche Verformungen
Temperatur ∆T = 0 :
Ausdehnung in radialer und in tangentialer Richtung
∆r r − ri r − ri differentiell klein
ε= = ≈
ri ri r axialer Richtung beliebig, aber konstant ist:
r − ri ∆l
σϕ = E ε = E , d (σ .r)dr]dϕ ∆l
[σr. r+ dr
r dϕ r

N r+∆r r
σϕ = 400 .
mm 2 dϕ dϕ
dr 2 dm .r. ω² 2

Dem entspricht die Linienlast σϕ. dr.∆l σϕ. dr. ∆l


σϕ. dr. ∆ l
dϕ σr .r .dϕ. ∆l dϕ
r 2 σϕ. dr. ∆l 2
σ A N
q = ϕ = 80 . dϕ ϕ
r mm
ω

σ r = σ r (r ), σ ϕ = σ ϕ (r ).
u:
d
(σ r ⋅ r )dr dϕ ∆l + dm r ω 2 − 2σ ϕ dr ∆l dϕ = 0 .
dr 2

dm = ρ r dϕ dr ∆l nach Kürzen von dr dϕ ∆l :

d
(σr r ) + ρω2 r 2 − σϕ = 0
dr
d σr
σϕ = σ r + r + ρ ω2 r 2 . (8.3)
dr
Für die beiden gesuchten Spannungen σr (r ) und σϕ (r ) steht
lediglich die Gleichgewichtsbedingung (8.3) zur Verfügung.
⇒ Das Problem ist damit statisch unbestimmt.
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Verformungsbetrachtungen
Hookesches Gesetz
Verträglichkeitsbedingung
B’ Wird linear-elastisches Material vorausgesetzt, so gilt das
du
Infolge der Rotationssymmetrie u+ dr verallgemeinerte Hookesche Gesetz:
dr
gibt es in der r-ϕ-Ebene nur die B
Radialverschiebung u = u(r).
C’
u
A’ εr =
1
[σ r − ν (σ ϕ + σ z )] ,
dr E
C A (8.6)
Es folgt:

εϕ =
1
[σ ϕ − ν (σ r + σ z )] .
r E
du
dr
A' B' − AB dr Lösung des Gleichungssystems
εr = = ,
AB dr
A' C ' − AC (r + u )dϕ − rdϕ Nach den Voraussetzungen σ z = konst . (8.7)
εϕ = =
AC rdϕ
Ist σ z bekannt, so folgt das lösbare Gleichungssystem
bzw.
du u
εr = , εϕ = . (8.4) (8.3), (8.4), (8.6) für σ r , σ ϕ , ε r , ε ϕ , u
dr r
bzw. das Gleichungssystem
Wegen der aus der zweiten Beziehung folgenden Gleichung:
(8.3), (8.5), (8.6) für σ r , σ ϕ , ε r , ε ϕ .
du dε
= εϕ + r ϕ Üblicherweise wird hieraus eine Differentialgleichung für u
dr dr
oder eine Differentialgleichung für σ r abgeleitet.
folgt nach Einsetzen in den Ausdruck für εφ als Verknüpfung
beider Dehnungsbeziehungen die Verträglichkeitsbedingung: Nach Einsetzen von (8.6) in (8.5) folgt:

dε ϕ dσ ϕ dσ
r + εϕ − εr = 0 . (8.5) r − ν r r + (1 + ν ) (σ ϕ − σ r ) = 0 .
dr dr dr

Wegen (8.7) enthält diese Gleichung die Spannung σ z nicht


mehr.
Strackeljan /Festigkeit Strackeljan /Festigkeit
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mit der Lösung λ1 = 0, λ2 = −2 .


Setzt man hier die aus (8.3) folgenden Ausdrücke
Also lautet die allgemeine Lösung der homogenen Dgl. (8.9)

σ ϕ − σ r = r r + ρω 2 r 2 ,
dr C2
σ r hom = C1 + .
dσ dσ ⎛ dσ d 2σ ⎞ r2
r ϕ = r r + r ⎜ r + r 2 r ⎟ + r 2 ρω 2 r
dr dr ⎝ dr dr ⎠
Zum Bestimmen einer Partikulärlösung eignet sich der Ansatz:
d 2σ r dσ
=r 2
2
+ 2r r + 2 ρω 2 r 2
dr dr σ rp = A r 2 .
ein, so erhält man folgende lineare Differentialgleichung für
Nach Einsetzen in (8.8) folgt
die gesuchte Spannung σ r :
3 +ν
d 2σ r dσ (2 + 6 ) A r 2 = −(3 − ν ) ρω 2 r 2 , ρ ω2 .
A=−
r2 2
+ 3r r = −(3 + ν )ρ ω 2 r 2 . (8.8) 8
dr dr Die Gleichung (8.8) hat also die allgemeine Lösung

C2 3 + ν
Lösung der Differentialgleichung σ r = C1 + 2
− ρ ω 2r 2 (8.10)
r 8
Die homogene Teil der Gleichung (8.8), Ermittlung von σ ϕ (r ) und u (r )
d 2σ rhom dσ rhom
r 2
2
+ 3r =0 (8.9)
dr dr Die zweite Spannung und die Verformung ermittelt man aus
(8.10) durch differenzieren nach r:
ist eine Eulersche Differentialgleichung. Nach Einsetzen des
Lösungsansatzes dσ r C 2(3 + ν )
r = −2 22 − ρ ω 2r 2
dr r 8
σ r hom = C r λ
und Einsetzen in (8.3):
erhält man die charakteristische Gleichung
C2 1 + 3ν
σ ϕ = C1 − − ρ ω 2r 2 . (8.11)
λ (λ − 1) + 3λ = λ (λ + 2) = 0 r 2
8

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Aus (8.4) und (8.8) erhält man


Nutzung der Randbedingungen
u = r ε ϕ = [σ ϕ − ν (σ r + σ z )] .
r
E Mit (8.10), (8.11), (8.12) ist die Lösung für alle Aufgaben des
behandelten Typs bis auf die Konstanten C1 und C2bekannt.
Es folgt schließlich nach Einsetzen der Gleichungen für die Diese sind aus Randbedingungen an Rändern r = konst. zu
beiden Spannungen (8.10) und (8.11) die gesuchte Lösung für ermitteln.
die Verschiebung: Bei allen zu lösenden Problemen im Rahmen der Vorlesung
und Übung besteht die Aufgabe folglich nur noch in der
Bestimmung der Integrationskonstanten C1 und C2.
1⎡ C2 1 − ν 2 ⎤
u= ⎢ (1 − ν ) C1 r − (1 + ν ) − ρω 2 r 3 − νσ z r ⎥ . (8.12) a) Kreisringquerschnitt
E⎣ r 8 ⎦
An jedem der beiden Ränder ist entweder σ r oder u bekannt:

Außenrand r = ra : σ r (ra ) = σ r a oder u (ra ) = ua ,


C2 3 + ν Innenrand r = ri : σ r (ri ) = σ r i oder u (ri ) = ui .
σ r = C1 + 2
− ρ ω 2r 2 (8.10)
r 8
b) Kreisquerschnitt

C2 1 + 3ν Für die Achse r = 0 müssen die Spannungen σ r und σ ϕ end-


σ ϕ = C1 − 2
− ρ ω 2r 2 . (8.11)
r 8 lich bleiben (bzw. die Verschiebung u muss verschwinden).

Daraus folgt aus (8.12) C2 = 0 .


Für C1 ergibt sich aus (8.10) eine Randbedingung:

Außenrand r = ra : σ r (ra ) = σ r a oder u (ra ) = ua .

Strackeljan /Festigkeit Strackeljan /Festigkeit


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8.4 Dickwandige (rotierende) Rohre Beispiel 1: Dickwandiges Rohr unter innerem Überdruck pi

Mit ω = 0 folgt aus der allgemeinen Lösung (8.10), (8.11),


(8.12):
C
σ r = C1 + 22 ,
r
C
σ ϕ = C1 − 22 ,
r
1⎡ C ⎤
u = ⎢(1 − ν )C1r − (1 + ν ) 2 − νσ z r ⎥ .
E⎣ r ⎦
Gegeben: pi = 200 N/mm² , ri = 100 mm , ra =150 mm ,
E = 2 ⋅105 N/mm² , ν = 0,3 .
Wegen (8.6) folgt daraus nach dem Hookeschen Gesetz für die
axiale Dehnung Gesucht: σ z , σ r (r ), σ ϕ (r ), σ V 3 (r )
Vergleichsspannung nach der
εz =
1
[σ z −ν (σ r + σ ϕ )] = 1 (σ z − 2ν C1 ) = konst . Schubspannungshypothese
E E
Lösung:
Unter den Voraussetzungen der vorgenommenen Herleitungen Für die Axialspannung gilt σ z ARing = Ainnen ⋅ pi
herrscht ein ebener Deformationszustand, die Querschnitte
bleiben eben.
Ainnen ⋅ pi π ri 2
σz = = p,
Daraus folgt auch: ARing π (ra2 − ri 2 ) i
ri 2
Durch Randbedingungen der Gestalt
σz = pi .
ra2 − ri 2
w = konst. (speziell w = 0) für die axiale Verschiebung w an
Rändern z = konst. können nur gleichmäßig über den Aus den Randbedingungen
Querschnitt verteilte Längsspannungen verursacht werden.
1. σ r (r = ri ) = − pi ,
2. σ r (r = ra ) = 0 .

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folgen aus: Vergleichsspannungen:


C2
σ r = C1 + ,
r2 σ1 (r ) ≡ σ ϕ (r ) , σ3 (r ) ≡ σ r (r ) .
C
σ ϕ = C1 − 22 ,
r Damit folgt
1⎡ C ⎤ σV 3 (r ) = σ1 (r ) − σ3 (r ) = σ ϕ (r ) − σ r (r ) ,
u = ⎢(1 − ν )C1r − (1 + ν ) 2 − νσ z r ⎥ .
E⎣ r ⎦ r2 r2
σV 3 (r ) = 2 2 i 2 a2 pi .
(ra − ri ) r
C2
C1 + = − pi ,
ri 2 Schließlich gilt
C
C1 + 22 = 0 ri 2 ⎡ ra2 ⎤ pi
ra u (r ) = 1 − 2 ν + (1 + ν ) r.
ra2 − ri 2 ⎣⎢ r 2 ⎥⎦ E
mit der Lösung:
Numerische Ergebnisse
2 2 2
ri ri r
C1 = pi , C2 = − a
pi
r − ri 2
a
2
ra2 − ri 2 σ z = 160 N / mm 2 , C1 = 160 N / mm 2 , C2 = −3,6 ⋅ 10 6 N

Damit wird: r [mm ] 100 110 120 130 140 150

ri 2 ⎛ ra2 ⎞ σ r [N / mm 2 ] -200 -137,5 -90 -53,0 -23,7 0


σ r (r ) = − 2
σ ϕ [N / mm 2 ]
⎜ 2 − 1⎟ pi ,
ra − ri 2 ⎝r ⎠ 520 457,5 410 373,0 343,7 320
σ V 3 [N / mm 2 ] 720 595 500 426 367,3 320
r 2
⎛r 2

σ ϕ (r ) = 2 i 2 ⎜ + 1⎟ pi .
a

ra − ri ⎝r
2
⎠ u [mm] 0,266 0,248 0,233 0,222 0,212 0,204

Weiter gilt: Es ist:


σV 3max = σV 3 (r = ri ) = 720 N / mm2
C1 = σ z , σ r ( r ) < σ z < σ ϕ (r ) für alle r,

Strackeljan /Festigkeit Strackeljan /Festigkeit


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Beispiel 2: Presspassung
Der Innendurchmesser
wird um: Es werde ein elastisches Rohr auf einen elastischen
∆di = 2u (r = ri ) Zylinderbolzen aufgeschrumpft.
,
= 0,532 mm
δ
der Außendurchmesser raR
riR≈ rm raB≈rm
um riB= 0
∆d a = 2u (r = ra )
= 0,408 mm
aufgeweitet.

Bedeutung des Indizes:


a – außen, i – innen, R – Rohr, B – Bolzen .
Die Tangentialspannung σ ϕ und mit ihr die Vergleichs-
spannung σV 3 klingt von innen nach außen sehr stark ab. Es sei: δ = raB − riR , ER = EB = E , σ Z = 0
Dadurch wird das Material schlecht ausgenutzt.
Näherungsweise gilt: riR ≈ rm , raB ≈ rm
Schließlich sollen die allgemeinen Ergebnisse für die
Spannungen noch in die Näherungsformeln für den δ wird also gegen rm vernachlässigt, nicht jedoch gegen die
dünnwandigen Behälter überführt werden. Radialverschiebung u (r) !
Mit
ra ≈ r , ri ≈ r , ra − ri = h << r
folgt Gegeben:
ri 2 ri 2 r2 p r E = 2.0 ⋅105 N / mm 2 , rm = 50mm, raR = 200mm, δ = 0.1mm
C1 = 2 pi = pi ≈ pi = i
ra − ri 2
(ra + ri )(ra − ri ) 2r h 2h
p r 3 Gesucht:
C2 = − ra2C1 ≈ − r 2C1 = − i , Spannungsverlauf nach dem Aufschrumpfen, nach
2h
Abkühlung, ∆T = 0 .
d.h.
pi r C p r
σ z ≈ C1 ≈ , σϕ = C1 − 22 ≈ i ≈ 2σ z .
2h r h
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Auswertung der Rand- und Übergangsbedingungen:


Lösung:
Wegen C2 B = 0 lauten die allgemeinen Lösungen für Rohr und C2 R
aus 1. : C1R + 2
= C1B ,
Bolzen: rm
C
σ rR = C1 R + 22R , σ rB = C1 B , rm ⎡
r aus 2. : ⎢ (1 − ν )C1R − (1 + ν ) C22 R − (1 − ν )C1B ⎤⎥ = δ
C E⎣ r m ⎦
σϕR = C1R − 22R , σϕB = C1B , C
r aus 3. : C1R + 2 R2 = 0
r⎡ C ⎤ r raR
u R = ⎢(1 − ν )C − (1 + ν ) 22R ⎥ , u B = (1 − ν )C1B
E⎣ r ⎦ E
Nach Einsetzen von C1B nach der ersten Gleichung in die
Rand- und Übergangsbedingungen zweite folgt :

1. σ rR (r = rm ) = σ rB (r = rm ) , rm ⎡ C C ⎤
⎢ − (1 + ν ) 22R − (1 − ν ) 22R ⎥ = δ ,
2. u R (r = rm ) − u B (r = rm ) = δ , E⎣ rm rm ⎦
3. σ rR (r = raR ) = 0 1
C2 R = − Eδ rm
2
u (rm) uB(rm)
Damit liefern die dritte und die erste Gleichung:
δ
C2 R 1 r
C1R = − 2 = Eδ m2 ,
raR 2 raR
1 ⎛1 1 ⎞
C1B = − Eδ rm ⎜⎜ 2 − 2 ⎟⎟
• gestrichelt die gemeinsame Lage von Rohrinnen- und 2 ⎝ rm raR ⎠
Bolzenaußenfläche nach dem Aufschrumpfen
Man erhält für die Spannungen im Bolzen
• Die Darstellung positiver Radialverschiebungen ( u B (rm )
ist bei diesem Beispiel eigentlich negativ) gestattet ein 1 ⎛1 1 ⎞
bequemes Ablesen der richtigen Vorzeichen in der σ rB = σ ϕB = − Eδ rm ⎜⎜ 2
− 2 ⎟⎟ = konst. ,
2 ⎝ rm raR ⎠
zweiten Übergangsbedingung.
und für die Spannungen im Rohr
Strackeljan /Festigkeit Strackeljan /Festigkeit
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1 r ⎛ r2 ⎞ 1 r ⎛ r2 ⎞ 8.5 Rotierende Scheiben konstanter Dicke


σ rR = E δ m2 ⎜1 − aR2 ⎟ , σϕR = E δ m2 ⎜1 + aR2 ⎟
2 raR ⎝ r ⎠ 2 raR ⎝ r ⎠
Grundgleichungen (8.10), (8.11), (8.12) :
Numerische Ergebnisse:
C2 3 + ν 2 2
σ r = C1 + − ρω r ,
N N r2 8
σ rB = σϕB = − 187.5 , C1R = 12.5 , C2 R = − 5.0 ⋅ 105 N
mm 2
mm 2
C 1 + 3ν 2 2
σϕ = C1 − 22 − ρω r ,
r 8
1⎡ C 1 − ν2 ⎤
u = ⎢(1 − ν )C1 r − (1 + ν ) 2 − ρ ω2 r 3 ⎥
E⎣ r 8 ⎦

Beispiel: Rotierende homogene Vollscheibe mit spannungs-


freiem Außenrand beim Radius r = ra
Gegeben: ν = 0.3 ; Gesucht: relativer Spannungsverlauf

Lösung:
Für die Vollscheibe muss gelten C2 = 0

Randbedingung und Auswertung

3+ν 2 2
σ r (r = ra ) = C1 −
ρ ω ra = 0 ,
8
3+ν 2 2
C1 = ρ ω ra
8
Maximale Vergleichsspannung (Schubspannungshypothese): Damit erhält man den Spannungsverlauf

σ v 3 max = σ 1R (r = rm ) − σ 3R (r = rm ) = σ ϕR (r = rm ) − σ rR (r = rm ) , 3+ν 2 2
σ r (r ) = ρ ω (ra − r 2 ) ,
N 8
σ v 3 max = 400
σϕ = ρ ω2 [(3 + ν ) ra2 − (1 + 3ν ) r 2 ]
mm 2 1
8
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Mit
3+ν 2 2
σ max = σ r (0 ) = σϕ (0 ) = ρ ω ra
8

ist folgende Darstellung möglich:

⎛ r2 ⎞
σ r (r ) = ⎜⎜1 − 2 ⎟⎟ σ max ,
⎝ ra ⎠
⎛ 1 + 3ν r 2 ⎞
σϕ (r ) = ⎜⎜1 − ⎟ σ max
⎝ 3 + ν ra2 ⎟⎠

Numerische Ergebnisse:

r
ra 0 0.2 0.4 0.6 0.8 1
σr
σ max 1.000 0.960 0.840 0.640 0.360 0 Die Spannungen fallen von innen nach außen stark ab. Eine
σϕ bessere Materialausnutzung erreicht man bei rotierenden
Scheiben durch Gestaltung als Scheibe veränderlicher Dicke
σ max 1.000 0.977 0.908 0.793 0.632 0.424
mit nach außen abnehmender Dicke.

Typische Randbelastungen für rotierende Scheiben sind:

Am Innenrand:
Pressdruck infolge einer Schrumpfverbindung mit einer Welle,

Am Außenrand:
näherungsweise gleichmäßig verteilte Zugspannungen infolge
der Fliehkräfte von Schaufeln.

Strackeljan /Festigkeit Strackeljan /Festigkeit