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EU-Haushalt und Corona-Hilfsprogramm

- Veto von Ungarn und Polen –

I. Verabschiedung EU-Haushalt inclusive Corona


Hilfsprogramm
II. Bisheriges Vertragsverletzungsverfahren in der EU
III. NEU: Verknüpfung der Auszahlung der Haushaltsmittel mit
der
Rechtsstaatlichkeit
IV. Reaktion von Ungarn und Polen
V. Reaktion sonstiger EU-Mitgliedsländer auf das Veto
VI. Folgen des Veto
VII. Lösung des Streits durch übrige EU-Länder
VIII. Diskussion

I. EU-Haushalt mit Corona Hilfsprogramm


- Haushaltsrahmen für Finanzmittel für 2021-2027 beträgt 1,8 Billion Euro
- zzgl. ca. 750 Milliarden Programm „next generation Corona“ als Corona Hilfsmaßnahmen
- nur einstimmige Verabschiedung von allen 27 Mitgliedsstaaten möglich
- Fristablauf am 07.12.2020 um Mitternacht

 Ungarn und Polen halten Veto aufrecht

II. BISHERIGES EU-Vertragsverletzungsverfahren


- umständliches Verfahren, da Beschwerde bei Kommission nötig
- Beschwerdeführer: meist NGO oder einzelnen Bürger
- Verurteilung nach § 7 wegen Vertragsverletzungen sind im EU-Vertrag festgelegt
- Letzte Entscheidung lag beim Europäischen Rat, also Regierungschefs (nicht Kommission oder
EuGH)
III. JETZT Verknüpfung Auszahlung Haushaltsmittel und
Rechtsstaatlichkeit
- Klageweg soll Automatismus erhalten
- in regelmäßigen Abständen wird „Rechtsstaatlichkeit“ geprüft
- Rechtsstaatlichkeit definiert dabei nicht die Einhaltung der EU-Verträge sondern was
Kommission oder EuGH für „sanktionierbar“ hält (unbestimmt, willkürliche Interpretation)
- z.B. Eliminierung unabhängiger Justiz, fehlende Medienfreiheit, Verweigerung der
Umverteilung von Migranten
- Ziel: Zitat Katharina Barley (SPD): „es geht um Aushungern des Widerstandes“ (also Druck auf
unbeugsame Regierungen)
- es genügt das ein Risiko besteht um den Mechanismus in gang zu setzten
- Hürde: Zustimmung qualifizierter Mehrheit von 15 Mitgliedsstaaten mit insgesamt mindestens
65 %der EU-Bevölkerung

 daher Instrument, um Verstöße gegen rechtsstaatliche Prinzipen mit Beihilfekürzungen schnell


und effektiv zu sanktionieren

IV. Reaktion von Ungarn und Polen – Veto -


- Veto beider Staaten gegen EU-Haushalt
- Vorwurf: politische Bestrafung, weil liberale Mehrheitsmeinung nicht vertreten wird
- Politisches Instrument, weil Formulierungen vage und unklar sind

1. Polen:
- Rechtsstaatlichkeit sei Mittel geworden, um schwache
Mitglieder in der EU in Ecke zu drängen
- Partei solidarisches Polen (Ziobro: Innenminister): „Veto oder
Tod“
- Propagandamittel, das an sozialistische Zeiten erinnert

2. Ungarn:
- es geht um Identität und nationale Souveränität; Länder fühlen sich immer stärker
eingeschränkt und lehnen Intergrationsschritte ab
- Orbán
- Mechanismus bedeutet neue „Sowjetunion“

V. Reaktion der übrigen EU-Mitgliedsländer auf das Veto

1. Kritik: (Merheit)
- Erpressung und Verrat der EU durch die Osteuropäer
- keine Unterstützung, Frage der Kopplung neu zu diskutieren

2. Verständnis: (insb. Slowenien)


- Kritik, Rechtsstaatsmechanismus vermischt juristische und politische Diskussionen
- andere Schutzvorkehrungen für die europäische Rechtsordnung:
Vertragsverletzungsverfahren

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VI. Folgen des Veto für die EU

1. Nothaushalt für 2021 (Budget-Höhe wie Vorjahr)


- Nothaushalt gab es zuletzt 1988
- Priorisierung von Ausgabe bei
Notfallhaushalt mgl.
- geplant: Zurückhaltung von 50-75 % der Strukturfördermittel
für Polen und Ungarn
- Beamtengehälter und Landwirtschaftshilfen fließen, andere
Zahlungen nicht (keine Corona-Hilfen)

2. Corona-Hilfspaket
- bleibt blockiert

VII. Lösung der EU-Länder

1. Kompromiss-Suche
- hoffen auf Nachgeben von Polen und Ungarn:
abgelehnt Vorschlag Ungarn: Rechtsstaatlichkeits-Automatismus bezieht sich nur auf Fälle,
die unmittelbar mit den EU-Finanzen zu tun haben
Polen und Ungarn:
- hoffen auf Abrücken des Rechtsstaatsmechanismus
o Diskussion um Abschwächung des Mechanismus, Zusatzvereinbarung oder
Präzisierung der Vorbedingungen

 beides unwahrscheinlich
 kein einfacher Ausweg, diplomatische Gratwanderung,
nächster Gipfel der EU-Staatschefs am 10.12./11.12

2. Ausgliederung der Corona-Hilfen


- Ausgliederung aus Finanzpaket mgl. mit einzelner Beschlussfassung
- Beschlussfassung ohne Polen und Ungarn im Rahmen „verstärkter
Zusammenarbeit“ möglich => Ausgliederung
- -> Erlaubnis des Ministerrats erforderlich, aber nur qualifizierte
Mehrheit
 Rechtsstaatsmechanismus bleibt bestehen
 Nachteil: Schulden würden auf Staatsschuld Teilnehmerländer angerechnet

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VIII. Diskussion
- Veto ist Existenz gefährdend für die Länder die schwer von Corona
betroffen sind
- Mechanismus politisches Druckmittel
-> Veto ist einlegitimes Mittel um Beschlüsse zu verhindern
- Polen und Ungarn besitzen noch Milliarden vom letzten Haushalt

Ist das Veto als rechtmäßiges Vorgehen nach den


EU-Verträgen ein legitimes Mittel um den
EU-Haushalt bei Meinungsverschiedenheiten zu
blockieren?

Was wäre euer Lösungsansatz für diese Problematik?

Quellen:

1. Neue Züricher Zeitung: „Veto oder Tod“: Polen und Ungarn geht es
um mehr als die Milliarden der EU

2. Tichyseinblick: „Polen und Ungarn unterwerfen sich nicht“

3. Tichyseinblick: „Polen und Ungarn erneut im Visier der Brüsseler


Bürokraten

4. Spiegel: „Orbán beharrt auf Trennung von EU-Haushalt und


Rechtsstaatlichkeit

5. Die Zeit: „Polen und Ungarn wollen im Finanzstreit Eu-Verträge


ändern“

6. Merkur: „Einzigartige Umstände: Nach 32 Jahren droht der EU


wieder ein Nothaushalt – Ungarn und Polen zeigen keine Regung