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Der Schornstein des deutschen Panzerschiffes ADMIRAL GRAF SPEE


Marine-Arsenal
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Kaum meltr Ahnlichkeit mit dent Schomsteilt von einst: Die Rout'lryasob:,üge cler.fi'cutz.ösischen Fregatte SURCOUF
( IAFAYETTE- Kla s s e ) de r C e genw art.

Das "Gesicht" det


Kriegsschiffe
Teil 2=Schornsteine
Siegfried Breyer
PO DZU N-PALLAS-VE R LAG . 61 2OO Wölfershei m-Berstadt
Bildquellen: Ein Wort zuvor ...
Aufgeführt sind diejenigen Bildquellen, die jeweils zur tJber die Schornsteine auf Kriegsschiffen ist in der einschlä-
Kenntnis gelangten. In vielen - wohl den meisten - Fällen gigen Marineliteratur nur verhältnismäßig wenig nachzu-
ist es jedoch nicht mehr möglich, den wirklichen Urhe- iesen. setbst in Standardwerken (wie bei Evers, "Kriegsschiff-
ber zu ermitteln. Deshalb sind die sekundär zur Verfü- bau," und später bei Hadeler unter dem gleichenTitel) sucht
gung stehenden Quellenangaben bekanntgegeben, sonst -ur, o"rg.ü"ns nach detaitlierten Ausführungen. Aturtich
- wenn nicht mehr möglich - die zu vermutende Herkunft verhdlt es sich bei den Masten. Beide Bauelemente sind für
oder die Sammlung, aus der das Bild entlehnt ist. die Zuordnung eines einmal gesichteten Kriegsschiffes und
seine Identifizierung unerläßlich. Deshalb hat es sich das
Ansaldo Genua (1); Fototeka U.S. (4); Dennertein (2); "Marine-Arsenal" zur Aufgabe gemacht, diese offensichtli-
Bildstelle Marine (2); BMVg (1); Blohm + Voß Hamburg chen Lücken zu schließen. L998 erschien als erster Beitrag
(1); Sammlung Breyer (57); Schäfer Kiel (10X Gröner das Sonderheft 16 (Das "Gesicht" des Kriegsschiffes - Teil
(1); Lemachko (1); USN (3); RN (1). 1: "Die Masten"). und diese Publikation fand großen An-
klang in der Leserschaft. Der jetzt vorgelegte Sonderband
hat die Schornsteine ins Visier genommen' wie sie sich seit
Einführung des maschinellen Schiffantriebs bis hin zum Nu'
klearantrieb in einem Zeitraum von weit über einhundert
Jahren entwickelten und darbieten. Und dies ist mehr als
ein Stück Technikgeschichte, es beinhaltet auch eine kultur-
geschichtliche Note.

O Copyright, 2000
Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks' Vertrieb: Alleinvertrieb
beim PODZUN-PALLAS-VERLAG GmbH' Podzun-Pallas-Verlag GmbH für Österreich:
Kohlhäuserstr. 8 Kohlhäuserstr, 8 Pressegroßvertrieb Salzburg
612ü) Wölfersheim-Berstadt 5081 Salzburg-Anif
61200 WÖLFERSHEIM.BERSTADT
Tel. 0 60 36 / 94 36 - Fax O 60 36 I 6270 Telefon: O6036 19436 Niederalm 300
Internet: http://wwwpodzun-pallas.de Telefax: 060361 6270

ISBN: 3 -7909 -O7ll - |


Für den österreichischen Buchhandel:
Verantwortlich für den Inhalt ist der Autor. Buchhandlung Stöhr GmbH, Lerchenfelder Straße 78'80' A-1080 Wien
Gesamtredaktion: Siegfried Breyer
Technische Herstellung:
lvllN ftein" Nickel Satz & Druck,66482 Zweibrücken

2
Kriegsschiffe und ihre Schornsteine war eingeschworen auf den jahrhundertelangen Segelan-
trieb und hielt nichts von der maschinellen Fortbewegung.
Ein Schiffohne Schornstein erscheint uns auch heute. in der Im Kriegsschiflbau war man in dieser Hinsicht noch we-
Zeit der Moderne, als "nicht ganz vollsländig", denn auf sentlich zurückhaltender als in der Kauffahrtschiffahrt, und
ihm scheint "irgend etwas" zu fehlen, was ihm eine ganz dies hatte reale Gründe: Da waren - bevor mit der von dem
besondere - um nicht zu sagen "persönliche" - Note zu ge- Österreicher Joseph Ressel erfundenen Schiffsschraube ein
ben vermag, einerlei ob es ein Kriegsschiffist oder ein Han- großer Fortschritt erzielt wurde - die großen Schaufelräder
delsschiff. Ein Beispiel sei hier willkürlich herausgegriffen: zu beiden Seiten des Schiffskörpers. Sie boten dem Gegner
Der zu Anfang der 60er Jahre gebaute amerikanische ein gutes Ziel dar, und waren sie erst einmal beschädigt,
Atomkreuzer LONG BEACH: Um wieviel anders würde er dann mußte das Schiffhilflos umhertreiben und so vollends
aussehen, wenn ihn ein Schornstein "zieren" würde! Er der Vernichtung preisgegeben sein. Dazu waren Kesselex-
würde dann durch seine äußere Erscheinungsform gerade- plosionen und Brände nicht selten und mußten so als poten-
zu "Sympathien" erwecken und nicht so kalt-nüchtern-sach- tielle Eigengefahr angesehen werden. Außerdem bean-
lich wirken, wie er sich als Ausdrucksweise moderner Bau- spruchten Maschinen und Kessel noch äußerst viel Gewicht
formen darbietet. Mit solchen ÜTtrerlegungen wird die "As- und Platz an Bord - das alles waren Gründe, die sich hem-
thetik im Kriegsschillbau" angesprochen - und so etwas gibt mend auf den Fortgang der Entwicklung auswirkten. Erst
es wirklich! Solche "Asthetik" unterliegt weniger einer ge- nach und nach begann sich der maschinelle Antrieb durch-
gebenen Gesetzmäßigkeit, sondern ist vordergründig Aus- zusetzen. aber "sicherheitshalber" versah man maschi-
druck einer Art von "modischer" Auffassung, die im Laufe nenangetriebene Schiffe eine ganze Zeitlang noch mit Segel-
der Zeit wandelbar ist. Bestimmend wirkt hier der Zeitge- takelagen. Erst die Erfahrungen des Krim-Krieges (1853-
schmack, freilich wohl stets - mehr oder weniger - im Zu- 56) konnten die bisherigen Widersacher von der Uberlegen-
sammenhang mit den jeweils gegebenen Möglichkeiten der heit des Dampfantriebes einigermaßen überzeugen; jden-
Technik. Einlluß übt aber auch die Thadition aus - und oft falls ist die weitere Entwicklung etwa von da ab wenn nicht
mehr als man zu glauben bereit ist. beschleunigt, so doch konsolidiert worden.

Die britische ZEALOUS, ein ltölzernes Z.entralbatterie- HMS AGINCOURT: 5 Masten,2 Schornsteine - eine
Panze rschiff de r Baupe riode 1 859- 1 866. Ge genüber den damals höchst ungewöhnliche Kombination. Die beiden
drei vollscltiffgetakelten Masten nimntt der Schornstein Schomsteine waren notwendig, um den Qualm von
eine optisclt elrcr bescheidene Rolle ein. immerhin schon I0 Kesseln abzuleiten. Die AGIN-
COURT war 186I-67 gebaut worden und gehörte 7um
Typ de r B reitseitpanzerschffi .

In der langen Geschichte der Schiffahrt ist der Schiffsschorn- Hatte man bisher den unvermeidbaren Schornstein gera-
stein noch sehr jung, man kennt ihn erst seit weniger als 200 dezu schamhaft zu "verstecken" versucht, so fand man sich
Jahren, nämlich seit Einführung der maschinellen Fortbewe- nunmehr mit seiner Notwendigkeit ab. Jetzt wuchs auch die
gung, besser gesagt des Dampfantriebs. Um Dampf zu erzeu- Anzahl der Schornsteine - in der Regel kam man auf zwei.
gen, wurden wassergefüllte Kessel erforderlich, die mit Koh- Zurückzuführen war das wiederum darauf, daß mit der
le. teils auch mit Holz. beheizt wurden und so das Wasser zu Schiffsgröße auch die Kesselzahl wuchs. Und noch immer
Dampf umwandelten. Dieser Vorgang erzeugte nafurgemäß gab es nur den natürlichen Kesselzug, und deshalb erhielt
Rauch, und um diesen aus dem Schiffsinneren abzuleiten, jeder Kessel (später wurden es Kesselgruppen) seinen eige-
mußte man für entsprechende Einrichtungen Sorge tragen. nen Schornstein. Man hielt es anfangs für bedenklicho wenn
Aus dieser Notwendigkeit entstand der Schiffsschornstein. die Kesselabgase umgelenkt und sie so in ihrem Zug behin-
Man erkannte sofort: Je höher er war, umso besser war sei- dert werden. Darüber hinaus war man auch bestrebt, die
ne Wirksamkeit im Hinblick auf den Kesselzug, denn etwas Schornsteine möglichst wenig aulftillig zu machen. Beispie-
anderes als den natürlichen Zug kannte man noch nicht. So le dafür gibt es zur Genüge; oft genug hielt man die Schorn-
sehen wir am Beginn der Einführung des Dampfantriebes steine extrem dünn und oft genug hoch aufragend. Aber dies
einen einzigen hohen Schornstein von meist röhrenftirmi- sollte sich bis zur Jahrhundertwende änddrn, je mehr Fort-
ger Gestaltung. Gleichwohl empfand man ganz allgemein schritte im Schiffsmaschinenbau erzielt wurden. Jetzt wur-
den Schornstein als störend schlechthin. denn die "Front" den Schornsteine so etwas wie Standessymbole: Man maß
vielfach Größe und Stärke eines Kriegsschiffes an ihrerAn- toren im Spiet als nur die Reflektion des Zeitgeschmacks,
zahl. Ein Schiff etwa mit vier Schornsteinen m u s s t e ein- nämlich Gesichtspunkte der Thrnung und der Täuschung.
fach schneller sein als eines. das nur drei Schornsteine auf' Wie schwerwares dochseinerzeif aus dem geradezu nen{ö'
zuweisen hatte! Das waren zwar nur laienhafte Vorstellun- tenden Einerlei der im Hinblick auf ihre Schornsteine oft
gen, aber diese blieben lange unausrottbar, teils bis ins 20. sehr ähnlich aussehenden Schiffstypen den richtigen zu er-
Jahrhundert hinein. Das ging sogar soweit daß man diesen kennen; in mancherlei Fäillen war das sichere Absicht:
Irrglauben noch künstlich zu ernähren versuchte. Tlpische . Die Erkennung des eigenen Schiffes sollte dadurch er-
Beispiele dafür gab es in der Fahrgastschiffahrt; Zeugnisse schwert werden.
dafür waren der jeweils dritte Schornstein des deutschen . Gelegentlich wollte man mit dem eigenen Schilf mehr Stär-
Schnelldampfers IMPERATOR und des französischen ke suggerieren als es zu bieten hatte und gab ihm einen zu-
"paquebots" NORMANDIE, denn diese wanen "blind" und sätzlichen Schornstein in der Hoffnung, daß es dann, aus
nur eben aus diesen Gründen installiert worden. der Entfernung betrachtet, einer höherwertigen Klasse zu-
geordnet wer de.Das non plus ultra solch offenkundigen Stre-
bens waren die französischen Panzerkreuzer mit zwei
Schornsteingruppen.Ihre zweimal drei Schornsteine waren
in groflem Abstand voneinander aufgestellt; aus der Ent'
fernung wirkten diese Panzerkreuzer wie jeweils zwei in ge-
staffelter Formation auf dem Marsch befindliche Drei-
Schornstein-Schiffe.

Auch die bitische ACHILLES, gebaut 1861-64, gehörte


zum Typ der Breitseitpanzerschiffe. Ihre beiden Schorn'
steine nahmen sich im Verpleich zu den Masten eher
bescheiden aus.

Itali e nis che s kntralbatte r ie - Panze r s chiff RO M A ( I 66 3 -


Von der Jahrhundertwende ab wurden die Schornsteine 69 gebaut), 3 barkgetakelte Masten, ein Schornsteinfür
wesentlich größer, sowohl der Höhe nach als auch in ihrem
6 Kessel.
Querschnitt, d.h. Volumen; manchmal scheint es, als sei des
Guten zuviel getan worden, wenn man davon ausgeht, was
von der technischen Notwendigkeit her geboten schien. Da-
für waren im Grunde genommen die gleichen tJberlegun'
gen maßgebend wie bei den erwähnten "blinden" Schorn- DieAufstellung der Schornsteine richtete sich von jeher nach
steinen auf Schnelldampfern. Es kamen noch Feinheiten der örtlichen Lage der Kesselräume, naturgemäß umso
hirzu: Je strirker der "Fall" des Schornsteines - mit "Fall" mehr, als man noch auf den natärlichen Kesselzug angewie-
ist die Neigung gegen die Senkrechte gemeint - war' um so sen war.Aber auch nach Einführung des künstlichen Kessel-
mehr mußte der Eindruck großer Schnelligkeit suggeriert zuges änderte sich nicht allzuviel daran, und stets waren
werden Andererseits konnten genau senkrecht stehende, Rückschlüsse möglich:
nicht allzu hohe Schornsteine von möglichst großem Quer- . Bei weit auseinanderstehenden Schornsteinen oder Schorn-
schnitt den Glauben erwecken, ein besonders kampfstarkes stein-Gruppen waren die Maschinen zwischen den Kessel-
Schiff vor sich zu haben. Es war absolut kein Zufall' daß räumen zu vermuten.
jahrzehntelang Kreuzer fast ausnahmslos geneigte Schorn- . Waren die Schornsteine etwa in der Schiffsmitte, so sprach
steine aufzuweisen hatten, Linienschiffe (Schlachtschiffe) dies dafür, daß die Maschinen hinter den Kesselräumen in-
hingegen senkrecht stehende. Ab Beginn des 20. Jahrhun- stalliert sind.
derts ist dann der künstliche Kesselzug durch Gebläsehilfe . In den selteneren Fällen, wo der oder die Schornsteine etwa
eingeführt worden. Dieser Fortschritt hätte eigentlich eine dort errichtet sind, wo die zweite (hintere) Schiffshälfte be-
gruppenweise Zusammenlegung vül Abgasführungen ge' ginnt, konnte davon ausgegangen werden, daß die Maschi-
stattet, wodurch sich die Zahl der Schornsteine eigentlich nenräume vor den Kesselräumen angeordnet sind.
hätte verringern lassen (und damit die Zielfläche im Gefecht). Es gab auch Sonderfonnen von Schornstein-Aufstellungen.
Das Gegenteil aber war der Fall: Es scheint, als ob man - Erinnert sei beispielsweise an die der frühen Kaiserlichen
vornehmlich im Kriegsschiffbau - darauf bedacht gewesen Marine Deutschlands angehörenden Panzerschiffe der
ist, die Zahl der Schornsteine noch zu steigern. Drei Schorn- SACHSEN-Klasse mit ihren vier im Quadrat angeordneten
steine waren im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts röhrenftirmigen Schornsteinen; diese Schiffe glichen äußer-
die Regel und vier keine Seltenheit. Die Italiener und die lich mehr schwimmenden Fabriken denn Kampfschiffen.
Franzosen stellten mit bis zu fünf bzw. sechs Schornsteinen Im Marinejargon hat man sie treffend als "Zementfabriken"
den Rekord auf. Es waren aber offenbar noch andere Fak- bezeichnet.

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Franz.ösische s Barbette - Panze rschiff REQU I N v on I 878/ Franz.ösischer Monitor FULMINANT ( I 875-82). Gut
88. Eine erste eigenwillige lösung zeigen die zweimal erkennbar ist hier die seitlich u)eggeklappte ohere
zwei Schomsteine, jeweils paarweise innerhalb einer Abdichtung des Schornsteines zum St:hutz gegen Nässe
gemeinsamen Ummnntelung, in dieser Anordnung und Kälte.
ne be ne inande r aufg e ste llt.

Russischer Kreuzer ASKOLD von lB99/1901. Fünf


Schornsteine fiir nur 9 KesseMmmerhin einer der
schnellsten Kreuzer seiner Zeit. d

Britisches Panzerschiff ROYAL SOVEREIGN t,on 1849,


vom Typ her ein Turmschifffür die Küstent,efteidigung -
vom Aussehen her völlig dishamtonisch wegen des
vertikal aufgestellten Schontsteine,s und der schrägge-
stellten Ma,sten.

Unten:
Italienisches Schlachtschiff RE UMBERTO (Stapellauf I BBB), ein Schiff mit drei Schomsteinen, die vorderen neben-
einander im " Doppelltack" ; ztvisclten diesen und dem achteren Schomstein der einzige Mast.
Zur konstruktiven Gestaltung der Schornsteine selbst bleibt
einiges anzumerken: Zuerst war der Schornstein eine ein-
fache Rauchabzugsröhre von gewöhnlich bescheidenem
Durchmesser, meist gerade mal so viel, um die Rauchgase
ohne Stau herauszuleiten. Da einerseits mit den Fortschrit-
ten im Schiffsmaschinen- und -kesselbau die vom Schorn-
steinkörper nach außen abstrahlenden Hitzegrade ständig
zunahmen und damit den Aufenthalt von Besatzungsange-
hörigen an Oberdeck in seiner Nähe erschwerten und ande-
rerseits der eigentliche Schornstein mit Rücksicht auf die
möglichst schnelle Betriebsbereitschaft der Kessel vor allzu
starker Abkühlung geschützt werden mußte, suchte man
nachAbhilfe. Dies geschah, indem man das Rauchrohr - den
eigentlichen Abgasleiter - mit einer Ummantelung versah,
teils zur ganzen Höhe, teils weniger. Diese Ummantelung hat- Deutsc'hes PanT.erschiff BADEN (1880 votn Stupel), rttit
te also eine Doppelfunktion zu erfüllen: Zwischen ihr und seinen vier im Quuclrctt tutgeoruhtetetr S<'lrcrttsteinen: int
Rauchrohr blieb ein genügend großer Zwischenraum, die M at ro s e n i a rg on d e s ln lb g,e nt e o l,s " .s c h u, i rtu r t e n d e
überflüssigen Hitzegrade konnten nach oben außen entwei- kmentfabri k" apo st rop lt i e rt.
chen, ohne daß in nennenswertem Umfang kalte Luft oder
Niederschläge von oben her eindringen konnten, denn da-
für sorgte eine ringsum überstehende Manschette.
Ein weiteres Problem tat sich in jener Zeitauf: Der bei Dun-
kelheit verräterische Funkenflug aus den Schornsteinen bei
forcierter Fahrt (er trat auch bei Verwendung minderwerti-
ger Kohlensorten und bei der Brikettsverbrennung auf). Ihn
suchte man dadurch zu vermeiden, indem man die obere
Öffnung durch einen Gifferrost abdeckt. Seine Funktion er-
füllte dieser Rost, wenn die Funken gegen die Roststribe flo-
gen und dadurch zum Verglimmen kamen. Oft genug wur-
de dieser Gitterrost nach oben so aufgewölbt, daß er im
Zentrum den Schornsteinabschluß sichtbar überragte.
Die Einftihrung des künstlichen Kesselzuges fand ihren im
Außeren sichtbarenAusdruck in der Zusammenlegung von
Rauchrohren, die dann innerhalb einer gemeinsamen Um-
Franz.ös i s c lrc s S c hl ocht s c I iff VO LTA I R E ( St a p e I I a uf'

1909): Fünf'Schorn,steine in zvt'ei Gruppen, ltier beint


Betrieb aller 26 Ke.ssel.

Französisches Barbette-Panzerschiff FURIEUX (Stapellauf 1BB3), ein Sc'lnm,stein. Auflet:.terem :;iaht ttrurt einert
haubenähnlichen Aufsatz, der das Eindringen von Nässe verhindent soll, um tlie Betriebs.siclrcrheit der Ke.ssel a,r.t
wahren.

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Japanisches Schlachtschiff SHIKISHIMA ( 1898 vom Stapel), drei Schornsteine fiir 25 Kessel.

Britischer Panzerkreuzer MINOTAUR (1906 vom Stapel). Je vier der insgesamt 24 Kessel benötigten einen Schorn-
stein. Diese waren leicht schrriggestellt und hatten gleichmrifiige Abstände).

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Italienisches Schlachtschiff SAINT BON (1901 tom Snpet), unmittelbarer Nat-hfolger der RE UMBERTO-KIasse.
Statt I 8 Kessel nur noch äeren t 2, cleshalb auch nur noch ztvei Sc'homsteine, dazwischen der einzige Mast'

ud :

Italienisches Schlachtschiff REGINA ELENA (1904 vom Stapet), mit nur zwei Schornsteinen, obwohl 28 Kessel an
Bord!

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mantelung nach oben herausgeführt wurden. Dies erfolgte
etwa von jenem Zeitpunkt ab, wo man bestrebt war, die ei-
gene Silhouette möglichst klein zu halten, und das stand wie- f'f&tt"
derum in enger Beziehung zur Entwicklung der Artillerie-
schießverfahren und des Feuerleitwesens. Je nach Anzahl
der Rauchrohre und ihrem Weg von den Kesseln mußte die
Ummantelung diesen Vorgaben folgen. Es entstanden dabei
Formen, unter denen der "Flaschenhals-Schornstein" der
wohl am meisten charakteristische war. Die einzelnen Gestal-
tungsformen ließen ebenfalls gute Rückschlüsse auf die Po-
sitionen und manchmal auf die Stückzahl der Kessel zu. Das
möglichst zügige Abströmen der Rauchgase wurde umso
wichtiger, je mehr die Geschwindigkeit der Schiffe anwuchs.
Man erzielte diesen Effekt auch dadurch, daß der Schorn- Ameriknnischer Panzerkreuzer CALIFORNIA ( 1904 vom
stein nach achtern geneigt und seine Mündung schräg nach
Stapel), l6 Kessel, vier Schornsteine in gleichmät3igen
unten weggeschnitten wurde.Aber nicht alle Schiffe' die ge-
Abständen.
neigte Schornsteine hatten, waren auch wirklich schnell -
wie anfangs dieser Ausführungen bereits erwähnt worden
ist, sollte oftmals nur ein solcher Eindruck erweckt werden.
Um Verwirbelungen der bei Fahrt ausströmenden Rauch-
schwaden und damit einen damit entstehenden Stau über
dem Schiff zu vermeiden, erhöhte man vielfach den vorde-
ren Schornstein oder verkürzte den achteren; dies ist auch
jetzt noch gelegentlich der Fall.

Alles, was bisher dargelegt worden ist, gilt im wesentlichen


den kohlenbeheizten Kesseln. Bei ihnen war das Aufkom-
men an Rauchgasen außerordentlich groß und zwang zu
genügend groß dimensionierten Rauchrohren. Dies ist ver-
s&indlich, weil der Ausnutzungsgrad der Kohle vergleichs-
weise gering und bei ihrer Energieumwandlung größere
Mengen an Abfallstoffen anfallen. Dies sind neben der
Schlacke eben jeneAbgasschwaden, die als dicht zusammen-
geballte, langgezogene Schwebestoffe aufsteigen und bei
entsprechenden Wetterverhältnissen hinter dem Schiff oder
dem Geschwader zurückbleiben. Diese Rauchfahnen wa-
ren zudem verräterisch, da sie oft genug noch aus größeren
Entfernungen ausgemacht werden konnten. Freilich hatte 'a
das auch Vorteile, etwa im Gefecht, wenn es darauf ankam,
die Artilleriebeobachtung des Gegners zu erschweren' was
durch "Schwarzqualmen" erfolgte; dadurch konnte eine
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I

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Rauchwand zwischen sich und dem Gegner gelegt werden' a.
allerdings mit dem Effekt, daß dadurch auch das eigene .-
Feuern beeinträchtigt wurde.
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Eine Anderung trat mit der Einführung der Öfeuerung ein. il r-['-
Ihr höherer Ausnutzungsgrad gestattete praktisch eine
rauchloseVerbrennung. Das ungleich geringere Aulkommen
Deutsclrcr Grofiler Kreuzer HERTHA, zwei halb umm(In-
von Abgasen ermöglichte jetzt Abgasleitungen von deutlich
geringem Durchmesser: Die Notwendigkeit einer Schorn- telte Schornsteine.
steinummantelung biieb davon unberührt, an ihr wurde
weiterhin festgehalten. Das hatte seine Gründe, denn es kam
nunmehr darauf an, die Rauchgasführungen mehrerer Kes- Deutsches GroJ3es Tttrpedoboot V 99, 3 Schomsteine,
sel zusammenzufassen und innerhalb einer Ummantelung davon der mittlere dtrrch Zusammenzielung aweier
zu vereinigen, um die Zahl der Schornsteine gering zu hal- e i nze lne r al s " F I a s c henlml s - Scho m st e i n" crus g, e bilde r,
ten in dem Bestreben, dem Gegner nur eine kleine Silhouet- dawtr und dahinter je ein RöhrenJrtnn-Schomstein.
tebzw.Zießläche zu zeigen. Dabei waren freilich auch Aspek-
te der Harmonielehre im Spiel. Interessant ist in diesem
Zusammenhang, daß dafür die Gesetze der für den Flugzeug-
bau wichtigen Aerodynamik angewandt wurden; so wur-
den die Schornsteine beispielsweise in ihrem Querschnitt
stromtinienftirmig gestaltet, um den Luftwiderstand zu mini-
mieren. Besonders ausgeprägt war das im britischen Kriegs-
schifTbau während der 30er und 40er Jahre. Ein meßbarer
Effekt warjedoch dem nicht abzugewinnen, denn der Luft-
widerstand von Schornsteinen ist - auch aufden schnellsten
Schiffen - so gering, daß er praktisch kaum eine Rolle spielt.
Ganz allgemein kam aber im Lauf der Jahre von dem bis
Deutscher Kleiner Kreuzer KARLSRUHE, vier jeweils zu einem Drittel wnmantelte Schornsteine.

Links : Deutsches Linienschiff WITTELSBACH.


R ö hre nfö mti g e r Qu e r c hni tt, mi t ri n gfö r mi g an g e o rd'
s

neten Eisenrohr- Fu/3pferden für Instandhaltungsor-


beiten

Russischer Kreuzer l. Ranges (etwa dem Panzerkren-


7er gleichzusetzen) ROSSIYA mit vier leicht schrcigge-
stellten Schornsteinen votl röhrenftirntigem Quer-
schnitt

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Deutsches Tbrpedoboot S 143 von 1906, zvvei Schornsteine mit wenig Fall ('Fall' ist die seemännische Bezeichnung
f)r Schrägstellung).

Deutscher Kleiner Kreuzer DRESDEN mit drei Schorn-


steinen; alle haben leichten Fall, der mittlere wies einen
etwas gröt3eren Querschnitt auf, weil er zwei Kesselrciu-
me zu entsorgen hatet, die anderen nur je einen.

Rechts:
Deutscher Kleiner Kreuzer GEFION (Stapellauf 1893),
drei Schornsteine mit ganT leichtem Fall und gleichmät3i-
sm Abständen.
Französischer panzerkreuzer ERNEST RENAN (t906 vom Stapel), sechs Schomsteine in zwei Gruppen, zusammen
.für insgesamt 42 (!) Kessel.

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Anrc rikctni s c lte r Ze rstö re r


IARDNER (DD 286), einer der
" Four Pipers", die
leg,endriren
während des Ersten Weltkrieges
geboul wordert sintl. Die vier
paanv e i s e an g e o rdne te n
Röhrenscho mste ine waren fiir
sie clnrakteristisch.

Linienschiff derP REU SSEN-


Klasse mit drei ummantelten
Schornsteinen.

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dahin vorherrschenden kreisförmigen Querschnitt der
Schornstein ab und bevorzugte solche mit ovalem oder el'
lipsenftirmigen Querschnitt.
Mit derWeiterentwicklung der Feuerleitverfahren und dem
Aulkommen von Feuerleitst'änden und -geräten in großen
Aufbauhöhen - in der Regel etwa in Höhe der Schornstein-
mündungen oder der noch etwas höher - wurde eine weite-
res Problem aktuell: Je näher diese Einrichtungen dem
Schornstein waren, um so mehr wurde dem dort eingesetz-
ten Personal derAufenthalt verleidet: Qualm' Ruß und Hit'
ze beeinträchtigten ihrWirken vehement. Diese Unannehm-
lichkeiten wirkten sich auch auf die Optiken der Leitgeräte
aus. In solchen Fällen wußte man sich jedoch zu helfen: So
vereinigte man einzeln stehende Schornsteine zu einem ein'
zigen und gewann dadurch Abstand von den Zentren der
Feuerleitung und -beobachtung. Dies wurde beispielsweise
auf britischen Schlachtschiffen der QUEEN ELIZABETH-
Klasse in den 20er Jahren durchgeführt sogar mit meßba- Britisches Schlachtschiff COLOSSUS (1910 vom
ren Erfolgen Wo man solcherart nicht vorgehen konnte, St ap e I ), zw e i S ch o rns te ine unt e r s c hi e dlich g rotS e r
etwa weil die Schornsteine wegen zu groflem Abstand der
Kesselräume nicht zu vereinigen wanenr ging man andere
Querschnitte, davon der vordere vor dem Mast.
Wege. In diesen Fällen bog man den vorderen Schornstein
etwa S-ftirmig weit zurück. Der Beispiele dafür gibt es mehre-
re, gehandhabt wurde diese Methode im japanischen, russi'
schen und schwedischen Kriegsschiffbau zwischen den bei'
den Weltkriegen.
In jener Zeit begann auch die Nutzbarmachung von Schorn-
steinen für andereAusrüstungselemente. So war der Bedarf
an leichten Fla-Waffen in den 30er Jahren sprunghaft ange-
stiegen, um der Bedrohung durch tieffliegende Kampfflug-
zeuge - etwa Sturzbombern - Rechnung zu tragen (sie wur-
den für viel gef?ihrlicher gehalten als hoch fliegende schwe-
re Bomber). Auch ftir schwere Scheinwerfer rmrde weite-
rer Platz benötigt. Um diese Position zu gewinnen, baute
man an den Schornsteinen entsprechend bemessene Kon- Britisches Schlachtschiff NEPTUNE (1909 vom
solen an oder man ging - wie in Deutschland - zu Plattform- Stapel), zwei gleich gro.lSe Schornsteine, davon der
krärzen über. die sich um den Schornstein erstreckten. Auf vordere hinter dem Mast.
ihnen konnten dann die geforderten Waffen und Scheinwer-
fer installiert werden. Die typischen Beispiele dafür lieferte
die deutsche Marine in den 30er und 40er Jahren: MitAus-
nahme des Kreuzers LEIPZIG und des Panzerschiffes
DEUTSCHLAND verließ kein "Dickschiffl' ohne diesen
Plattformkranz die Bauwerft. Ganz neu war das jedoch kei-
neswegs: Schon vor und während des Ersten Weltkrieges
ftihrten große deutsche Kriegsschiffe solche Scheinwerfer-
Konsolen zu beiden Seiten an ihren Schornsteinein; aller-
dings war die Grundfläche dieser Konsolen geringer.
Die Einführung des Dieselmotoren-Antriebs veränderte den
Schornstein äußerlich so gut wie gar nicht. Aber noch weni-
ger als es auf herkömmlichen Kesselschornsteinen bis da-
hin schon der Fall war, wurde jetzt das Mantelinnere ausge-
fällt von den eigentlichen Gasabzugsrohrleitungen ihre Zahl
vermehrte sich zwar, aber ihr Querschnitt schrumpfte. Be-
wirkt wurde dies durch dieAuspufftöpfe mit den Schalldäm-
pfern, deren Durchmesser oft größer ist als der des eigentli-
chen Gasabzugsrohres.
Schräge Schornsteinkappen kamen während des Brsten
Weltkrieges auf, zunächst auf Torpedobooten und Zerstö-
rern. Dadurch erhoffte man sich einen besseren Abzug der
Rauchgase. Solche Kappen veränderten das äußere Erschei-
nungsbild des Schiffes oft erheblich und führten zu einem
ästhetischen vorteilhafteren Erscheinungsbild. Es waren
aber keineswegs modische Einflüße, die der Einführung sol-
cher Kappen zugmndlagen, derur immer gtng es dabei um
die Verbesserung der Rauchgas-Ableitung. Erst später, als
sie eingeführt waren, sprachen bei ihrer Weiterentwicklung
Japanisches Schlnchtschiff HYUGA (Stapellauf 1917) in
(Fortsetzung S.24) der Ausrüstung, Montage des vorderen Schornsteines.

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Britischer Schlachtkreur.er TIGER (1913 vom Stapel), drei gleich gro.Be röhrenförmige Schomsteine in gleiclrcn
Absttinden.

Italienisches Schlachtschiff DANTE ALIGHIERI (1910 vom Stapel), zweimal z.wei Sc'hornsteine .ieweils dicht
hintereinander, sozusagen irn " Doppelpack".

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Die beiden Schontsteine
de s britischen Schlacht-
srhffis MARLBOROUGH
(1912 vom Stapel).
C' htrr akt e ri s t i s c h w are n

fur di e 7.e ilgenössischen


n,S c hlac hts c hiffe
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?" di.e St'heinvverfertürme um
tlert nc lie rert St horn,slein.

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Ge genäberliegende Seite :
J up cu r i,s c h e r S cl ilachtkrc u-
z.er IIIEI ( I9l2 vont
St apel ). d rei wüerschied-
lich g ol3e Sr:hontsteine,
tlnvtttt der t,otdere höher
und nüt Sc'lrögkappe
ausgestattet, um ein
bes se res Abzielrcn der
Rauchgas scltw adert von
cl en R räckenau{battten zu

erlartpen.

Französisches
Schlachtschiff
BRETAGNE (1913
vom Stapel),
vorderer Schom-
stein dicht an Mast
und Brücke.

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Gegenüberliegende Seite :
Deutsches Schlachtschiff BAYERN ( I 9l 5 vom Stapel). Die beiden Schornsteine sind zu einem Drittel ummnntelt und hnben unterschiedliche GröJ3e.
Britischer Kreuzer ENTERPNSE (1920 vom Stapel),
drei unterschiedlich groJ3 bemessene Schornsteine mit
Britischer Flakkreuzer CURACAO (1917 vom Stapel),
Fall, davon der hintere in " detachierter" Position.
zwei Schomsteine mit Fall, unterschiedlich Rroß bemes-
sen.

Japanischer Schlachtkreuzer KONGO nach Umbau (1912 vom Stapel), anstatt der ursprünglichen drei Schornsteine
nur noch deren zwei, diese in unterschiedlicher Höhe und mit konisch erweiterten Aufsätzen aus?estattet, wahr-
scheinlich um Funkenflug zu verhindern.

Italienischer
Schwerer Kreuzer
POI-A, (1931 vom
Stapel). Zwei
unterschiedlich
hohe Schornsteine
mit Schrägkappen,
deren " styling" .fur
den italienischen
Marineschffiau
prägnant wurde.

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d*- höchst unterschiedlichen schornsteinen,
Japanischer schwerer Kreuzer MyoKo (1g27 vom Stapel) mit zwei
deren FaIl ins Extreme gesteigert war

Schornsteine, davon der vordere mit


Japanischer Schwerer Kreuzer CHOKAI (i,931 vom Stapel)' ebenfalls zwei
starkem FaIl, der achtere lotrecht.

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Deutsches Linienschiff SCHLESIEN nach Umbau. Die beiden vorderen Schornsteine wurden vereinigt, der
dritte blieb erhalten.

Britischer Schwerer KreuzerYORK. Nicht mehr die für die bisher gebauten britischen "Washington-Kreuzer"
charakteristischen 3 Schornsteine, sondern durch Zusammenziehun? der vorderen nur noch deren zwei, aller-
dings wie bei jenen noch mit Fall.

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Gestalt, um
Japanisches Schlachtschiff MUTSU nach erstem (Jmbau. Der vordere Schornstein erhielt S-förmige
s e'ine M ündunl v on den B rückenJM ast-Aufu auten zurückzuv
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Der S-förmig gestaltete Schornstein


de s japanischen Schlachtschffi s
NAGATO. Im Vordergrund erkennt
man die Kesselraumschcichte des
zweiten Schornsteins. d
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Noch einmal die
NAGATO aus der
Fliegersicht.

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Itali enische r Sc hw e re r
Kreuzer TRENTO, zwei
" Flaschenhals" -

Schornstein noch ohne


Kappen.

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insoweit modische Aspekte mit, als eine Reihe von Marinen Dieses Problem ist zufriederstellend gelöst worden. Man läißt
dabei einen eigenen Stil bei ihrer Gestaltung schufen. die Rauchgase aus etwa unterhalb der Oberkante des
Allmätrlich wuchsen diese Kappen in die Höhe, wobei sie an "mack" austretenden, etwa imWinkel von je 45 Grad beid-
der Vorderseite unterschiedlich starke Aufwölbungen erhiel- seitig nach achteraus gerichteten Rauchrohren entweichen.
ten. Das erfolgte primär aus dem Grund, um den Austritt Die Rauchrohre haben eine nur relativ geringen Querschnitt
des Abgase sofort in die gewünschte Richtung - nicht erst in entweder kreisfürmig bis oval oder aber rcchteckig verlau-
die Höhe steigend und dann nach achteraus verflüchtigend fend. Die Rauchgase treten unter hoher Geschwindigkeit
- zu lenken. Entscheidend kam es darauf an, ein rasches aus ihnen aus. Da die größte Hitzeabstralrlung etwas unter-
''Abrrißen" der Rauchgase zu bewirken, so daß diese schnell halb der abschließenden Plattform des "mack" entsteht,
vom Schiff freikamen und nicht als Rauchfahne hinterher- r+urde eine befriedigende Anordnung von Antennen und
gezogen wurde. Gelegentlich versuchte man, diesen Effekt Sensoren darüber möglich.Außerdem hat man erkannt daß
ncch durch zusätzliche Windleitbleche (etwa auf niederlän- sich in der Regel im oberen Teil es "mack" noch ein Raum
dischen Kreuzern der 30er und 40er Jahre) zu steigern (viel anordnen läßt, in dem sich insbesondere die Geräte der
hat das jedoch nicht gebracht). Diese Schornsteinkappen ECM-Anlagen unterbringen lassen, für die eine möglichst
nahmen in den einzelnen - besonders in den großen - Mari- kurze Verbindung zu den Sensoren vorteilhaft ist. Dieser
nen ganz charakteristische Formen an und wurden als Ele- Raum läßt sich in der Regel so gut isolieren und lüften, daß
mente der Schiffserkennung bedeutungsvoll. Mit der elek- er - obwohl oberhalb der Abgasleitungen liegend - für
tronischen Entwicklung und der zunehmenden Ausrüstung Mensch und Gerät erträgliche Bedingungen bieteL
mit Antennen und Sensoren ergaben sich jedoch neue Pro- Bei der Realisierung des"mack" zeigten sich weitere Vor-
bleme, und zwar insofern, als die Festigkeit der Masten als teile:
deren Thägerelemente bedeutend gesteigert werden mußte. . Diese sind gewichtsmäßig leichter als separate Ausführun-
Aber allein damit war es auch nicht getan: Die Vielzahl von gen Yon Masten und Schornsteine.
Antennen, Sensoren und sonstigen Geräten machte ntsätz- . Bei vorteilhafterAnordnung zeigen die Fernmeldeantennen
liche Aufstellungsmöglichkeiten in möglichst großer Höhe gerade hier besonders gute Abstrahlungseigenschaften.
erforderlich. So wurde allmählich der Schornstein auch für . Die Verwendung hitzebes&indiger Kabel im Bereich der
die Postierung solcher Ausrüstung auszunutzen versucht, Rauchgase - die dennoch häufig genug ausgewechselt wer-
so wie es bereits zuvor bei der vermehrüen Ausstattung mit den müssen - läßt sich dennoch einschränken.
Scheinwerfern und leichten Fla-Waffen gehandhabt wor- Solche "mack's" finden wir in den 70er. 80er und noch bis
den war. Diese Entwicklung führte dann in den 60er Jah- in die 90er Jahre hinein auf französischen, italienischen,
ren zu dem sog. "mack", eineWortschöpfung aus dem Engli- russischen, japanischen, niederländischen und amerikani-
schen. zusammensetzend aus den Kürzeln "ma" (aus schen Kriegsschiffen.Auch die drei in der USA für die deut-
"mast") und "ck" (aus "stack" = "Schomstein"). Konstruk- sche Marine gebauten FK-Zerstörer der LÜTJENS-Klasse
tiv handeltes sich um die Kombinationzwischeneinem Mast haben solche erhalten. Der "mack" hatte jedoch bereits ei-
und einem Schornstein als ein voneinander nicht trennba- nen Vorläufer: Man erinnere sich des 1940 fertiggestellten
rer Baukörpen Dabei ist eine strenge Thennung zu treffen französischen Schlachtschiffes RICHELIEU und seines
von solchen, bei denen unmittelbar hinter dem Mast der Schwesterschiffes JEAN BART. Bei diesen war auf dem
Schornstein folgt (wie vielfach im Nachkriegs-Frachtschiffs- Schornstein ein großer Leitstand mit einem schweren Feu-
bau gehandhabt) und jenen, bei denen der Schornstein in erleitgerät postiert (außerdem etliche Fla-Waffen), während
die Mastkonstruktion (oder umgekehrt) integriert ist. Für der obere Teil des Schornsteins nach hinten schräg herausge-
erstere seien frühe Beispiele genannt, so die damaligen sow- zogen war. Mit dieser Anordnung erreichte man, daß das
jetische Landungsschiffe der "Alligator"-Klasse, die italie- Feuerleitgerät mit seinem empfindlichen Optiken von
nischen Fregatten der LUPO-Klasse oder die französischen Rauchgasen unbehelligt blieb. Obwohl die Vorteile einer
Korvetten vom Tlp "A 69" (D'ESTIENNE D'ORVES-KI.) solchen Anordnung auf der Hand zu liegen schienen, fand
für erstere und die amerikanischen Fregatten der KNOX- dieses Beispiel zunächst keine Nachahmung. Statt dessen
Klasse, die sowjetischen FK-Kreuzer der "Kresta-I" -Klas- gingen die Briten dazu über, Schornsteine im Inneren von
se und die frarzösischen Fregatten der SUFFREN-Klasse. Gittermasten hochzuziehen. Seinen Grund hatte dieses Vor-
Als die US Nary in den frühen 60er Jahren zum "mack" gehen primär in dem Streben, mehr Platz an Oberdeck zu
überging, hatte hierfür die zunehmende Bedeutungder elek- gewinnen und sekundär in der Forderung, die Silhouette zu
tronischen Ausrüstung (hier im weitesten Sinne zu verste- reduzieren. Erstmals ist das auf britischen Zerstörern der
hen) ftir Aufklärung und Waffeneinsatz den Anstoß gege- Nachkriegszeit gehandhabt worden. Nachahmung fand die-
ben. Dabei spielten auch die Belange des FT-Nachrichten- ses Beispiel dann in der niederländischen Marine.
verkehrs eine gewisse Rolle. Sollten die elektronischenAusrü- Die Einftihrung von Gasturbinen führte zumindestens auf
stungselemente möglichst unbeeinträchtigte Bestreichungs- größeren Schiffseinheiten zu Reaktionen. Je größer die An-
winkel und -räume erhalten, so mußte für die Nachrichten- triebsleistung war, um so größere Dimensionen des Schorn-
antennen möglichst gleichftirmige Strahlungseigenschaften steines waren notwendig, Bei ihnen ist die Abgasmenge so
gefordert werde. Hinzu kam, daß Störungsfaktoren ver- gnoß, daß man mit den für Dampfturbinen und Dieselmoto-
schiedenartigenAntennen untereinander vermieden werden ren ausreichenden Schornsteindimensionen nicht aus-
mußten. In zahlreichen Modellversuchen ermittelten die kommt yor allem aber haben die Gasturbinen-Abgase be-
Amerikaner die zweckmäßige Bauweise solcher "mack's". trächtlich höhere Temperaturen, so daß man allein schon
Dabei hatte sie sich die folgenden Aufgaben gestellt: aus diesem Grunde zu gmß dimersionierten Schornsteinen
genötigt ist Darüber hinaus hat es sich auch als vorteilhaft
. Gewinnung von Platz für die Postierung elektronischer erwiesen, flir die Haupt-Gasturbinen separate Schornstei-
Ausrüstungselemente. ne vorzusehen. Tlpische.Beispiete dafür sind die deutschen
. Fernhalfung von korrosiven Gasen von empfindlichen Sen- Fregatten Klasse 120 (KOLN-Klasse), die einstmals sowjeti-
soren und Geräten. schen FK-Fregatten der "Krivak"-Klasse und die ebenfalls
. Möglichst Fernhalten von Kabelleitungen vom Ausströ- sowjetischen FK-Kreuzer der "Kara"-Klasse. Als Beispiele
mungs- und Abstrahlungsbereich des Schornsteines.
(Fortsetzung S.31)

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Schwedisches Küstenpanzerschiff DROTTNING VIKTORIA mit zwei sleich hohen Röhrenschornsteinen.

So wie die DROTTNING VIKTORIA sah ursprünglich auch die SVERIGE aus. Ende der 20er Jahre hat ntan sie
umgebaut, dabei erhielt ihr vorderer Schornstein eine S-Jörmige Struktur Als Vorbild dazu cliente offensichtlic.lt
die japanische M UTSU - Klasse.

Noch einen Schritt weiter gingen die Schweden bei ihrem dritten Küstenpanzerschiff der DROTTNING VIKTO-
RIA-Klasse, der SVERIGE. Bei ihr führte man gleichförmig die beiden Schomsteine zuscunnTen Lmcl erhielt
dabei einen einzipen.

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Auch die sowjetische Marine .folgte dem Vorgehen der Japaner und Schweden und bog den vorderen Schornstein des
Schlachtschijfes ab der nueitin Hälfie nach rüclcwörts, wie sie das in einem etwas bescheidenerem Rahmen bereits
bei der PARIZHSKAYA KOMMUNA setan hatten'

Bei ihrem dritten Schlachtschffi der


OKTYABRSKAYA REVOLYUTSIYA, verlängerten
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die Sowjets den vorderen Schornstein und gaben


ihm S-förmige Gestalt.

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Als die Franzosen 1940 ihr erstes 35 000 ts-Schlacht-
schiff RI C H E U E U de r We ltöffe nt lic hke it p rä s e nti e rt e n,
staunte die Fachwelt: Anstatt der erwarteten Ausfiihrung
wie auf den vorangegangenen Schlachtschffin der
DUNKERQUE-Klasse knm Neues zum Vorschein: Eine
kombinierte Ausfiihrung von achterem Mast und Schorn-
stein, sozusagen der erste "m.nck".

Rechts: Blick von achtern auf den Schomstein/Mast-


Komplex des franTö sischen Schlachts chffi s
RICHELIEU.

Das Mittelschiff der RICHELIEU mit dem "mack" - seinerzeit ein mutiger Schritt.

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Das Mittelschiff cles frcutzösischen Schlachtschffis JEAN BART mit dem leicht modifizierten "mack".

Noch einmctl das Mittelschiff der JEAN BART. Der klar gegliederte " mack" tritt deutliclt zutage.
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Der gröfrte Schonstein nit Fall befand sich auf den jtrpanisthen Sllper Schla(htschiffyAMATo. wie man ard dieser Modellaul ahme zu sehen bekommt, wies der
Schomstein bi: etwa zw HdWe sei9r Höhe eine Umr antelung auf, (lie schräs yon unten nach oben yertief.
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Die Schornsteine des britischen Schlachtschiffes KING GEORGE V. von 1937.

Japanischer Kreuzer SUZUYA der MOGAMl-Klasse (1934 vom Stapel), zwei Schornsteine zusammengeführt.

30
für die letztere Möglichkeit seien der britische FK-Zerstö- führt. Als Konsequenz darauf begann die Suche nach Mög-
rer BRISTOLund die kanadischen Fregatten der IRO- lichkeiten nach einer "Immunisierung" von Kriegsschiffen
QLIIOIS-Klasse genannt. gegen Radaranstrahlung. Daraus entwickelte sich die
Die Vermehrung der Schornsteine wird nicht etwa vorge- "stealth"-Technologie. Diese betrilft zwar das gesamte Schiff,
nommen, weil man zu große Dimensionen scheut (was wie- d.h. Schilfskörper undAulbauten. Aber die Schornsteine als
derum Einfluß auf die Silhouette hätte). sondern aus einem Ableiter von sehr heißen, infrarot-sensiblen Abgasen neh-
jener Gründe, die zur Schalfung des "mack" geführt hat- men dabei eine besondere Stellung ein. Diese werden nun-
ten. Man will damit die gewöhnlich in der Schiffslängsachse mehr vielfach schräg nach außen angeordnet, um gegen-
installierten empfindlichen Antennen und Sensoren den über der Anstrahlung einen Brechungs- bzw. Spiegeleffekt
schädlichen Abgasen entziehen. Deswegen hat man die Ab- zu erzeugen und damit den Auftreffwinkel zu verFälschen
gasschornsteine jeweils aus ihrer vertikalen Achse nach au- bzw. verzerren und die Strahlen abzulenken. Die Abgas-
ßen geneigt so daß die aus ihnen entweichendenAbgase un- schornsteine werden darüber hinaus vielfach extrem breit
schädlich bleiben. bzw. voluminös gehalten, um die llitze auf größere Flächen
DieTenderz in neuerer Zeit geht vielfach dahin, dieAntriebs- zu verteilen und so weniger schädlich gegen Infrarot zu
anlagen - insbesondere die mit Gasturbinen - weiter als bis- machen, sofern man nicht eine Mehrzahl von Schornstei-
her üblich und zulässig in dasAchterschiff zu verlegen. Dem- nen - bis zu vier - vorzieht. Die Nutzbarmachung der Kern-
entsprechend müssen auch die Schornsteine positioniert wer- energie für den Antrieb von Kriegsschiffen hat bei den sol-
den, also nach achteraus. Tlpische Beispiele dafür bieten cherart ausgerüsteten Uberwasserschiffen einen Schornstein
die russischen FK-Fregatten der "Krivak"-Serien, die bri- entbehrlich gemacht, denn bei der Umwandlung von Kern-
tischen Fregatten deTAMAZON-Klasse und eine Reihe von energie entstehen keine Verbrennungsabgase. Solche Schif-
der britischen Schiflbauindustrie für ausländische Rech- fe bieten einen ungewohnten Anblick, wie eingangs dieses
nung gebauten Korvetten und Fregatten. Auf kleineren Beitrages festgestellt wurde. Aber ihre Zahl ist gering ge-
Kriegsschiffen - etwa Schnellbooten - besteht dabei die Mög- blieben: Außer den zehn vorhandenen Nuklear-Flugzeug-
lichkeit einer Installierung derAntriebsanlage (Gasturbinen) trägern der U.S. Naly gibt es schon keine Überwasserschiffe
in dasAchterschiff, und die Möglichkeit, dadurch dieAbga- mit diesem Antriebszweig mehr. Die wenigen seit den 60er
se aus Offnungen im Heckspiegel abzuleiten. Dabei kann Jahren gebauten Atom-Kreuzer und Atom-Fregatten sind
derAbgasausstoß nicht nur denVortrieb des Schiffes begün- bereits sämtlich außer Dienst gestellt und erwarten nach
stigen, sondernVorteile in Bezugauf den Lärmpegel des Gas- Entsorgung ihren Abbruch. Nichts deutet darauf hin, daß
furbinenbetriebes erzielen. Aber einer solchen Anordnung in überschaubarer Zukunft noch einmal Überwasserschiffe
sind Grenzen gesetzt, sie läßt sich auf größeren Schiffen nur mit Nuklearantrieb gebaut werden. Längst ist man aus der
schwerlich realisieren. Die bisher größten solcherart kon- Euphorie nuklearer Fortbewegung heraus, die unverändert
struierten Schiffseinheiten sind die russischen Fregatten der hohen Installierungs- und Unterhaltungskosten und die öko-
"Mirka"- und die UJäger der "Poti"-Klasse. logischen Bedingungen zwingen zu äußerster Zurückhal-
Nicht zuletzt hat der 1982 geführte Seekrieg um die Falkland- tung. Allein Ubooten scheint der Nuklearantrieb noch vor-
Inseln zu neuen Erfahrungen und zu ihrer Umsetzung ge- behalten, aber auch hier ist eine Prognose sehr gewagt.

In der zweiten Hcilfte der 30er Jahre ging die britische Marine bei ihren Neubaukreuzern zu schräggestellten
Schornsteinen über wie hier auf dem Flakkreuzer ARGONAUT zu sehen ist.

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Bei ihren Schlac'htsc'hiffen der QUEEN ELIZABETH-Klasse - führten clie Briten die beiden Schornsteine zLtsatntnen,
unt clen RouchgasaLtstritt vort den Schiffsfiihrung,s- und Waffenleiteinrichtungen.fernTulrcilten. Diese Aufinhme zeigt
clie WARSPITE naclt dem Unfuau.

(Jncl so sah clie WARSPITE nach ihrem ?veiten groJ3en Umbau aus: Hierbei waren die alten Kessel dttrch neue ratrm'
uncl gewicltssparende ersetzt worden. Dies erlaubte, mit einem deutlich kleineren Schomstein auszukomnten.

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Bei den weniger umfassend umgebauten Grol3knmpfschffin behielten die Briten die bisherigen Schornsteine bei, weil
von einer Erneuerung der Kesselanlagen abgesehen worden war Hier ist der Schlachtkreuzer REPUIßE zu sehen.

Kennzeichnendfür die ersten Nachkriegs-Kreuzer der deutschen Marine waren die beiden Schornsteine, die einen
ganl leichten Fall aufwiesen. Hier der Kreuzer KÖLN im Jahr 1938.

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Der achtere Schornstein des deutschen Kreuzers KONIGSBERG, davor Katapult und BordflugzeuS..

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Der Schornstein
des deutschen
Schlachtschffis
BISMARCK mil
dem Platform-
kranz für
Scheinwerfer und
leichte
FlaWaffen.

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Wcihrerul der Ausrüstung des Schlachtschffis TIRPITZ aufgenommen: Bereitstellung des Schornsteinmantels zum
Einbau

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Die beiden möchtigen Schornsteine mit ihren schwarz gepönten Kappen des amerikanischen Schlachtscltffis IOWA, eine Affiahme aus ihre r I etzte n Re aktiv ierung s -
periode.
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Der M otorenab gas - Schontstein de s deutschen Panze r- Vom Asthetischen her eine Glanznummer: Der vordere
schffis ADMIRAL SCHEER mit den Mündungen der Schornstein eines deutschen Zerstörers 1936. An der
einzelnen Ab pas rohren. Seite Dampf- und Abgasrohre sowie ein Antennen-
schacht.
Der Schomstein des deutschen Schlachtschiffes SCHARNHORST noch ohne Schrägkappe. Gut siclttbar der
P I atfo rmkranz fii r S c h e inw e rfe r und I e i c ht e F laWaffe n.

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Der Schontstein des niederlünclischen Flugzeugträ- Der innerhalb des vorderen Mostes hochg,ezogene,
gers KAREL DOORMAN, Mündung nach achteraus nach achtern abknickende Schornstein des niederlcin-
abknickend, um auf dem vorderen Teil eine groJ3e dischen Ze rstö rers UTREC HT.
Radarantenne montieren zu können.

Es beda('schon genaueren Hinsehens, umfestzustellen, dctJ3 innerhalb des vorderen Mastes ein Schornstein
installiert ist. Das Bild zeipt den britischen Zerstörer BROADSWORD der "Weapon"-Klasse.

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Amerikanischer Geleitzerst0rer VALDEZ (DE I 096) Die beiden "mecks" auf dem deutschen FK-Zerstörer
rt'tit " ntoc'k" . Die seitliclt auskragertden Raucltgas- LÜTJENS.
iffiungert .sincl gur Jt erkeruten.

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Deutsche Fregatte KOLN (1981


vom Stapel). Gut erkennbar ist
die Abschlu./3flosse des Schorn-
steines.

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S owj e t i s che r At om- Rake te nkre uze r


F KIROV (1977 vom Stapel). Prägnant
ist der groJ3 dimensionierte "meck"
hinter den Brückenaufuauten.

Ame rikani s che r F K-Ze rstö re r


ARLEIGH BURKE; auffällig sind die
aus dem Schornsteinmantel herausra-
genden Abgasröhren.

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DEUTSCHLAND

SES CORSAIR abgebrochen


Vor gut zehn Jahren entstand auf der Werft von Blohm +
Voss in Hamburg auf eigene Rechnung die CORSAIR. Bei
ihr handelte es sich um ein Fahrzeug in SES-Auslegung (SES
= Surface Effect Ship), gedacht war es als Erprobungsträger
und Demostrationsmodell mit dem Ziel, Aufträge einzufah-
ren. In mannigfaltigerAusriistung ist CORSAIR einer Rei-
he von militärischen und zivilen Interessenten vorgeführt
worden. Letztlich vermochte sie doch nicht zu überzeugen,
die erhofften Aufträge blieben aus. Ende 1999 kam für
CORSAIR das Ende: Sie wurde bei der Nauta-Werft in Gdy-
nia/Polen abgebrochen.
Erprobungsträger CORSAIR. Foto: Blohm + Vass
oAruenaRnr
Flugabwehr-Komponenten für "Standard Flex
300"-Patroler
Was im Waffenspektrum der Patroler der FLYVEFISKEN-
Klasse - dem sehr wandlungsf,ähigen Kampfschiffstyp mit
Einheitsrumpf und -antrieb - bisher fehlte, ist nunmehr
Realität geworden: Eine Flugabwehr-Komponente (über das
Vorhaben berichtete "Marine-Arsenal" bereits 1996 in Band
36,5.42). Inzwischen ist auf ersten Booten das dafür be-
stimmte "Sea Sparrow"-FK-Waffensystem eingerüstet wor-
den, jedoch nicht - wie ursprünglich berichtet - in einem
Gemeinschaftscontainer nahe am Heck. sondern in sechs
einzelnen, paarweise aufgestellten Einzelcontainern weiter
vorlich. Die FK werden vertikal abgefeuert. Die solcherart
nachgerüsteten Fahrzeuge verfügen nunmehr über die Feu-
erkraft einer dreimal so großen FK-Korvette der NIELS
JUEL-KIasse als da sind: Vier "Harpoon"-Seeziel-FK, sechs Drinischer "Standard Flex 300'-Patroler SKADEN mit
"Sea Sparrcw"-Flugabwehr-FK, eine 76"2 rnm-Kanone, zwei Tbrpedobewaffnung, " Harpoon" -Seeziel-FK und Verri-
12,7 mm-MG und zwei 533 mm-Torpedorohre. knlstart-System fiir " Sea Sparrow" -Schiff/Lufi-FK - fiir
alle Frille gerüstet! Foto: Dönische Marine
DANEMARK
In den Spuren von "Stanflex"

Dänemarks Marineschifrbau hat durch seine "Standard Flex


300" (kurz "Stanllex")-Technologie - die Schaffung eines
Universaltyps mit verschiedenen Optionen an Funktionsele-
menten - von sich reden gemacht und setzt diesen Weg be-
harrlich fort" Jetzt sind die ersten Einheiten einer gleicharti-
gen Neuentwicklungen zur Flotte getreten. Es handelt sich
dabei um vier Minenabwehrdrohnen des Tlps STOR. Diese
nur 125 ts verdrängenden und auch nur 26150 m langen Fahr-
zeuge sind seefüchtigerals die ihnen vorausgegangenen funk-
tionsgleichen Einheiten von Tlp SAV ( die freilich auch nur
Die Variante I der neuen dänischen Minenjagddrohnen.
auf 32 ts resp. 18"20 m kommen). Die jetzt zur Flotte getrete- Tzichnung: Amtlich.
nen Einheiten sind für die Mineniagd optimiert und haben
daftir ein Hochfrequenz-Seitensicht-Sonar Thomson-Mar-
coni STS 2054 und ein Minenjagdgerät "Double Eagle".Au-
ßerdem verfügen sie über ein magnetisch-akustisches Mi-
nenräurngeschirr "Dyad". Die Drohnen können von einem
FLYVEFISKEN-"Mutterboot" aus ferngesteuert geführt tigsten Funktionen zu: Außer den vier Minenabwehrdroh-
werden, aber sie lassen sich auch bemannt in konventionel- nen sollen Schlepper (2 Einheiten), Torpedofangboote (3),
ler Weise einsetzen Jetzt ist das Programm auf insgesamt Vermessungsboote (4), Schulboote (2) und Patroler (1) ge-
16 Fahrzeuge erweitert worden. Die standardisierte Bau- baut werden. Das Progranun soll bis 2ffi6 abgeschlossen
weise läßt eine Palette von Einheiten für die verschiedenar- sein. Erbauerin aller Einheiten ist DANYARD in Aalborg.

4l
FRANKREICH
Modernisierung der seegestützten nuklear-
strategischen KomPonente
Im Oktober 1999 übernahm Frankreichs Marine National
den nuklearstrategischen UKreuzer LE TEMERAIRE. Bei
ihm handelte es sich um die Baunummer 2 der vier Einhei-
ten umfassenden LE TRIOMPHANT-KIasse. Damit hat D e r ne ue franzö sisc he nukle ar s t rat e g i s c he U Kre ttze r
Frankreich wieder vier Einheiten dieser Schiffskategorie ver- LE TEMERAIRE. Foto: 'SOW'
fügbar. Die LE TEMERAIRE erreicht ein Deplacement von
12l40ll4 335 ts und ist mit sechzehn ballistischen Raketen
des Musters M-45 ausgerüstet. Die M-45 hat eine Reichwei-
te von 6000 km und führt sechs nukleare Sprengköpfe des
Musters TN-45 zu je 150 KT TNT-Äquivalent in das Ziel.
Dieser Flugkörper soll im Jahr 2008 durch die M-51 abge-
Arger mit Flugzeugträger CHARLES DE
löst werden, die es auf eine Reichweite von 8000 km bringen
soll. Die LE TEMERAIRE verfügt über eine nukleare An'
GAULLE
triebsanlage und soll getaucht 25 kn Geschwindigkeit errei-
chen. In den Jahren 2004 und 2008 werden zwei weitere Mit ihren neuen nuklearangetriebenen Flugzeugträger
Einheiten dieser Klasse zur Flotte stoßen. Dann werden vor- CIIARLES DE GAULLE haben die Franzosen beträchtli-
aussichtlich die beiden seit 1976 resp. 1985 im Dienst befind- chen Arger. Sie sind nämlich gezwungen, eine Reihe von
lichen UKreuzer L' INDOMPTABLE und L'INT'LEXIBLE kostenintensiven Nachbesserungen (man spricht von um-
gerechnet 80 Mio. US-Dollar) vornehmen zu lassen, um ihn
aus dem aktiven Dienst herausgezogen und stillgelegt.
überhaupt verwendungsfähig zu machen. Dazu gehören u.a.
der Ersatz zahlreicher der vor zehn Jahren verlegten , inzwi-
schen korrodierenden Rohrleitungen, die Vers&irkung der
Reaktorabschirmungen, die Sicherung der Brückenauf-
bauten vor dem Abgaistrahl startender Flugzeuge und An-
derungen an den Rudern (die ab 15 kn Schiffsgeschwindig-
r.d {qlF keit zu vibrieren beginnen, wobei es nicht möglich ist, die
Spitzengeschwindigkeit von 27 kn zu entfalten). Nicht zu-
letzt muß das Flugdeck um 5 m verlängert werden (um den
Start - und Landebetrieb vonBC2 "Hawkeye" zu gewährlei-
sten), was verwunderlich erscheint, weil dies hätte von al-
lem Anfang her erkannt werden müssen. Jetzt liegt der Ttä-
ger wieder in seiner Bauwerft, wann er endlich seine Ein-
satzreife erlangt hat, ist vorab nicht zu sagen.

N e ue r franzö s i s c he r At o rn- F I u g ze u gt rä g e r C H A RLE S


DE GAULLE. Foto: SIs.Br\l Der Entwurf "Super-Vita" lehnte sich offenkundig an die
vonVT für Qatar gebauten FK-Schnellboote der BARZAN-
Klasse (siehe "Nlarine-Arsenal" Band 34, S.43) an' die in
der zweiten Hälfte der 90er Jahre gebaut wurden. Der "Su-
per-Vita"-Entlvurf sieht für die neuen griechischen Boote
GRIECHENLAND eine Länge von 62 m und eine Geschwindigkeit von 35 kn
vor. Die Bewaffnung soll aus einer OTO-Melara'76,2 mm-
Neue FK-schnellboote geplant: Zuschlag ging Kanone, zwei 30 Flugabwehr-Mk 30 mm, acht Seeziel-FK'
an Großbritannien ein Flugabwehr-FK-Waffensystem und zwei 53,3 cm-Tor-
Die britische Vosper-Thornycroft-Werft (VT) in Woolston pedorohre vor
bat mit ihrem Entwurf "Super Vita" für drei für Griechen-
land bestimmte FK-schnellboote entschieden. Mitbewerber
waren Frankreich,/Constructions Mdcaniques de Norman-
die) urrd die Bundesrepublik Deutschland (Lürssen-Werft I

Vegesack). Der Bau soll nach den britischen Plänen auf ei-
ner heimischen Werft (Eleusis Shipyard) erfolgen. Für die
drei Einheiten sollen die Baukosten umgerechnet 600 Mio.
DM betragen. Ddr Bau wird in der zweiten Hälfte des lau- r *t$ll-*,,$ -r- r''-
fenden Jahres begonnen, die Ablieferung soll den griechi-
schen Wünschen gemäß gegen Ende des Jahres 2003 erfol-
gen. Mit diesen Einheiten wird die Ersatzgestellung für die
überalterten Boote des französischen Tlps "Combattante Die für Griechenland bestimmten neuen FK-Schnell-
II" eingeläutet, die es auf nahezu 30 Dienstjahre gebracht boote vom Tvp " Super Vita". Bildquelle: Vosper/
haben und weitgehend abgefahren sind. Thornycroft

42
GROSSBRITANNIEN
Hubschrauberträger OCEAN ermöglicht Neuan-
fang

Die Teilnahme des seit Ende 1998 im Dienst befindlichen


18000 ts-Hubschrauberträgers OCEAN an dem im vergan-
genen Herbst im Mittelmeer stattgefundenen Flottenmanö-
ver "Argonaut" hat deutlich gemacht, daß die Royal Navy
B riti s c he r H ub s c hraub e rt rci R e r O C EAN. Fo to : AN Bw/
ihre Fähigkeit zurückgewonnen hat, eine über einen länge-
ren Zeitraum und über globale Entfernungen hinweg ge-
MFIO
führte Amphbious Task Group (AFG) zusammenzustellen
und zum Einsatz zu bringen - dies meldete die deutsche
Marinezeitschrift "Marine Forum" in ihrer Dezemberaus-
gabe 1999. Erstmal seit den 60er Jahren konnte die INDIEN
Embarked Military Force (EMF) der 3nd Commando Bri-
gade der Royal Marines komplett eingeschifft werden. Ne- Vorbereitungen für den Bau des ersten eigenen
ben der OCEAN nahmen noch das alte Dockraum- Flugzeugträgers?
Landungsschiff FEARLESS ( Ftihrungsschiff) und einige Auf der Werft in Cochin (Südindien) wird mutmaßlich - so
amphibische Unterstützungsschiffe an dem Manöver teil. meldet Stefan Terzibaschitsch in der Januar-Ausgabe sei-
Für die FEARLESS und ihr Schwesterschiff INTREPID - ner "U.S.Naly Nachrichten" - der erste eigene Flugzeugträ-
beide befinden sich seit weit über 30 Jahren im Dienst und ger inAngriffgenommen. Sein Deplacement wird auf 32000
sind weit heruntergefahren - sind die im Herbst 1991 bewil- ts geschätzt, und es ist zu vermuten, daß man in Modular-
ligten beiden ErsatzbautenAlBloN und BIILWARK mitt- bauweise verfahren wird, um die Bauzeit von neun auf sechs
lerweile in Auftrag gegeben und begonnen worden. Ihr Zu- Jahre zu verkürzen. Die französische Direction des Con-
lauf wird gegen Ende des Jahres 2002 (ALBION) resp. De- structions Navales (DCN) soll Garant dafür sein, daß der
zember 2003 (BULWARK) erwartet. Bau zügig abgewickelt wird. An Bord des Thägers sollen 16
Kampf- und 20 Unterstützungsflugzeuge aufgenommen
werden können.Vorgesehen ist das erst seit kurzer Zeit aus-
geklügelte STOBAR-Start-und Landesystem, was bedeutet:
Vorn ski-jump-Start von V/STOL-Maschinen, Schräglande-
INDIEN deck für konventionelle Fanghaken-/Bremsseil-Landungen.

lnstandsetzung eines Ubootes in Rußland


Im Oktober 1999 kehrte das 1988 von der damaligen Sowjet-
union gelieferte Projekt 877-EKM-Uboot SINDHUVIR
(NÄTO-Klassencode: "Kilo") nach einer im Juni 1997 bei
der Zvezdochka-Werft im russischen Sverdovinsk begon-
nenen Grundüberholung in die Heimat zurück. Die Über-
holungsarbeiten betrafen u.a. die Ausbesserung des Druck-
körpers und die Reparatur verschiedener Systeme. Gleich-
zeitig sind - was erstmals geschah - die in Indien gefertigten
Akkumulatoren-Batterien mit Elektrolyt gefüllt worden.Von
diesem Tlp hat Indien bisher neun Einheiten erhalten, ei-
ner zehnte befindet sich noch in derAusrüstung und soll im
Sommer 2000 abgeliefert werden.

Indisches Uboot SINDHUVIR zur Überholung int


russischen Severodvinsk. Foto : " Sudostroienie"

ISRAEL
50 Uboote der Klasse 209 für das Ausland gebaut. In der
HDW lieferte zweiten Ubootneubau ab Marine Israels sollen die drei Boote der DOLPHIN-Klasse
die drei Uboote der GAL-Klasse ablösen. Letztere entstam-
Nach der DOLPHIN (siehe " MarineArsenal " Band 45, S.40) men ebenfalls deutscher TLrchnologie und sind in den Jah-
ist seitens der Howaldtswerke Deutsche Werft (HDW) in ren 1974 bis 1976 bei Vickers in Großbritannien nach den
Kiel die Übergabe der LEVIATHAN an die israelische Mari- Plänen des inzwischen HDW angegliederten Ingenieurbü-
ne erfolgt. Dieses Boot hat inzwischen die üblichen Erpro- ros Gabler gebaut worden. Zu den Besonderheiten der DOL-
bungen absolviert und verlegte im vergangenen Oktober in PHIN-Boote zählt die Fähigkeit Minen zu legen, Torpedos
seine künftige Heimal Als drittes und letztes Boot wird die (bis zu zehn) auszustoßen und Seeziel-FK SUB-HAR-POON
bei Thyssen Nordseewerke Emden gebaute TEKUMA (ex abzufeuern. Der ursprünglich vorgesehene Brennstoff-
DAKAR) folgen. Die drei Boote zählenzu den außergewöhn- zellen-Antrieb ist noch nicht instatliert worden, eine Nach-
lichsten Neubauten der HDW; diese hat seit 1972 mehr als rüstung ist möglich und bleibt vorbehalten.

/41.
KANADA
Verjüngung der Ubootwaffe

Die vier im Frühjahr 1998 von Großbritannien angekauf-


ten Uboote der UHOLDER-Klasse sollen gegen Ende des
Jahres 2ü)0 in Kanada einsatzbereit sein und ihren Dienst
aufnehmen. Bekanntlich hatte die britische Marine diese
erst zu Anfang der 90er Jahre gebauten Boote nach nur
kurzer Zeitaußer Dienst stellen müssen. da sie von beträcht-
Iichen Geldmittelkürzungen betroffen worden war. Inzwi-
'. schen haben die Boote neue Namen bekommen: UPHOL-
DER wurde CHICOUTIMI, aus URSULA ist CORNER
BROOK geworden, UNICORN heißt WINDSOR und
UNSEEN ist VICTORIA. Mit diesen Ubooten wird die
maritime Stellung Kanadas beträchtlich aufgewertet.
Das für Israel gebaute Uboot TEKUMA im Juli 1999
bei der Übe6tihrungsfahrt von Emden nach Kiel.
Foto: Behling
POLEN
Flottenausbau im Zeichen des NATO-Beitritts

Aus Polen werden beträchtliche Aktivitäten in der Marine


und im Marineschiflbau gemeldet. Nachdem es Mitglied der
NATO geworden ist, steht der Gewährung von Militärhilfe
seitens seiner Bündnispartner nichts mehr imWege. So wer-
den die USA zwei ihrer FK-Fregatten der OLIVER HA-
ZARD PERRY-Klasse abgeben, nämlich CLARK (FFG 11)
undJOHNA.MOORE G'f'G 19). Diese werden voraussicht-
lich die Namen PULASKI und KOSZÜSZKO führen; da-
mit soll die Erinnerung an zwei polnische Offiziere wach-
gerufen werden, die unter George Washington imAmerika-
nischen Unabhängigkeitskrieg(l77 6- 1783) neben dem Deut-
schen Steuben und dem Franzosen Lafayette mitkämpften.
Der Zulauf der beiden Fregatten (PULASKI soll schon am
15. März 2000 erfolgen, der des zweiten Schiffes erst 2001)
wird endlich die Ablösung des "Kashin-mod"-Zerstärers
WARSZAWA möglich machen, der 1988 von der Sowjetuni-
Italienisches F K- Schnellboot GRI FONE der on geliefert worden war, nachdem er schon neun Dienst-
S PARVI ERO - Klas s e. Foto : AN Bw/FAF I O jahre unter der Flagge mit Hammer und Sichel hinter sich
hatte.Vergleichsweise zuTWARSZAWA sind die beiden ame-
rikanischen Fregatten verhältnismäßig "jung": sie wurden
erst 1980 resp. 1981 in Dienst gestellt. Mit ihnen wird es
ITALIEN
Die letzten FK-Tragflügel-Schnellboote außer
Dienst Britisches Uboot URSUI-A, im Juni 1994, ietzt knnadisch
CORNER BROOK.
Italiens Marine hat sich im Oktober 1999 von ihren letzten
FK-tagflügel-Schnellbooten der SPAR\TERO-KIasse ver-
abschiedet. GRIFONE und CONDOR waren die letzten der
einst sieben Einheiten zählenden Klasse, deren Zulauf 1974
@rototypboot-SPARVIERO) und dann in der ersten Hälf-
te der 80er Jahre (Serienboote) erfolgt war. In welcher Wei-
se über diese Boote verfügt wird, ist einstweilen noch offen
(Weiterverkauf oderAbbruch). Vorerst sind sie außer Dienst
gestellt worden und haben Reservestatus erhalten. Diese nur
60 ts verdrängende Boote gehören zu den schnellsten ihrer
Gattung - dank ihrer T[agflügelkonstruktion jagten sie mit
50 kn Geschwindigkeit über das Wasser. Ihren Antrieb er-
hielten sie von einer Rolls Royce-Gasturbine "Proteus" von
3310 kW Leistung. Bewaffnet waren sie mit jeweils zwei
OTOtu,q*T-SchifV Schiff-FK und einer OTO-Melara Kano-
ne 76,2 mm.

44
den Polen möglich sein, innerhalb von multinationalen
Schiffsverbänden zu operieren. Im Zeitraum 2000/2001 soll
in der Marinewerft Gdynia der Kiel einer 1600 ts-Frrgatte
MEKO A-lffi (Projekt 621- diese Numerierung orientiert
sich an der bisherigen polnischen Zählweise) gestreckt wer-
den. Dabei hofft man auf den Beistand der Hamburger
Schiffswerft Blohm & Voss. Insgesamt wünscht man den
Bau von sechs solchen Einheiten. Ihre Bewaffnung soll aus
16 Mk-41-Unterdeck-Vertikalstart-Schächten für SchifV
Luft-FK, acht Seeziel-FK, einer 7612 mm Kanone und ei-
nem 30 mm-"Goalkeeper"-Fla-Rohrwaffensystem bestehen.
Außerdem soll2fi)l mit dem Bau einer bis zu fünf Einhei-
ten umfassenden Serie von Minenjagdbooten begonnen wer-
den. Diese sollen 400 ts Deplacement haben und 40-45 m
lang sein. Ihre Bewaffnung soll aus einem 23 mm-Rohr-
waffensystem "Wrobel II" bestehen. Die Marine übernahm
inzwischen von der Danziger Nordwerft ein Entmagneti- Amerikani scher Ge leitzerstöre r STARK im Oktob e r
sierungsschiff der russischen "Bereza"-Klasse (Projekt 130), 1998 in Kiel. Foto: Behline
das von der Sowjetunion als Baunummer 20 in Auftrag ge-
geben worden war, dann aber wegenAusbleibens von Geld-
mitteln unfertig liegengeblieben war und nicht mehr zur
Ablieferung gelangte. Nunmehr soll es zum Werkstattschiff
für die Minenabwehrverbände umgebaut und danach in
Swinemünde stationiert werden. Auch im Marineschiff-Ex-
portbau gibt es neuerdings wieder einige Bewegung: Ge-
genwärtig befinden sich für den Jemen vier Landungsschiffe
im Bau; Erbauerin ist die Marinewerft Gdynia. Diese Einhei-
ten verkörpern wahrscheinlich verbesserte Versionen des
Projekt 773, das in der NATO als "Polnocny"-Klasse ge-
führt wird.

RiJS ze ic hnun g e n de s p o lni s c hen Landun g s s c ltiffe s P roj e kt


773. Bildquelle : Polnisch.

RUSSLAND

Die Story um die "tatarischen Kreuzer"

Niemand will die Neubau-Fregatte Projekt 11661 (Projekt- de. Schiffe wie die ALBATROS zu verwenden: Auf diesen
name "Gepard") haben, nicht einmal nachrangige Staaten Tlp ist exportrelevante Technik eingertistet, die Geräte- und
der Dritten und Vierten Welt. Dabei ist dieser Tlp, von An- Schalttafeln sind in englischer Sprache abgefaßf eine Schiffs-
trieb und Waffenspektrum betrachtet, durchaus nicht heizung wurde im Hinblick auf die tropischen Einsatzge-
schlech[ die auf ihm einzurüstenden Waffensysteme sind biete nicht vorgesehen. Auch das Fehlen einer Hubschrau-
immer noch aktuell. Ursprünglich war diese Fregattenserie ber-Komponente wird beanstandet (auf der BUREVEST-
(als Nachfolgerin der "Koni"-Klasse entworfen) Indien of- NIK soll sie vorgesehen gewesen sein). So wird es kommen,
feriert worden Aber die aufstrebende Supermacht lehnte wie es unter den gegebenen Umständen vorprogrammiert
ab, und zwar mit dem Hinweis, daß vergleichbare Kampf- scheint: Der Abbruch des fertigen Schiffes wird wohl fol-
schiffe neuerdings im eigenen Land gebaut werden (der Hin- gen.
weis zielte wohl auf die Korvetten der KHUKRI-Klasse).
Gleichwohl waren Ende der 80er Jahre zwei Binheiten in
der Gorkiy-Werft in Zelenodolsk ("Werft Nr.340") in der
GUS-Republik Thtaristan in Bau gegeben worden, (daher
im Volksjargon als die "tatarischen Krerrzer" bezeichnet). Technisch-taktische Daten: Deplacement 1900 ts, Länge
Die Baunummer l wurde am 20. Oktober 1988 auf Kiel ge- 92,00/102,00 mBreite 12,50/13,60 m, Seitenhöhe 7,50 m, Tief-
legt, kam im Juli 1993 zu Wasser und führt den Namen AL- gang 4,40 m, Antriebsanlage: CODOG-Anlage auf 2 Wellen
BATROS (exYASTREB); ein zweites Schiff, Name BURE- (2 Gasturbinen + I Dieselmotor mrt 43,07 resp. 5,88 MW,
VESTMK, folgte einige Zeit später. Ende 1994 ist dieALBA- Geschwindigkeit26 kn Höchst- und 18 kn Marschgeschwin-
TROS fertiggestellt worden, seither wartet sie in ihrer Bau- digkeit, Bewaffnung: 2 x 4 SS-N-25 Seeziel-FK, 1 x 2 SA-N-
werft auf die weitereVerwendung. Die BUREVESTNIK ist 4-Flugabwehr-FK-Starter, eine 7 6,2 mm-Kanone L/65 AK-
inzwischen in der Bauhalle abgebrochen worden, bevor sie l76,2x 6 30 mm-FlakAK-630,2 x 2 533 mm-Torpedorohre,
zu Wasser kam. Die russische Marine sieht sich außerstan- 1 RBU-6000-U Jagdraketenwerfer. Ausrüstung u.a. Düppel-

45
f
Li,,

Seiten- und obere Ansicht des Fregatten-Projekts


II66I "Gepard". Zeichnung: Copyright S. Breyer

Die in Russland gebaute Fregatte ALBATROS in ihrer


wer{er und Variable Depth Sonar (\DS). Bauwerft in Zelenodolsk. Foto: " Sudostroienie".
Das "Aus" tür die BEREZINA!

Rußlands größter Flottenversorger, die zur Schwarzrneer-


flotte gehörende BEREZINA, ist 1998 außer Dienst gestellt
worden. Gebaut worden war sie 1972-77 in Nikolayev; ob-
wohl zwei typgleiche Einheiten geplant waren, ist sie Einzel-
schiffgeblieben. Ihre Dienstzeit dauerte nur rund 20 Jahre,
danach mußte sie stillgelegt werden, weil die für eine Gene-
ralüberholung und dringende Reparaturen benötigten Geld-
mittel ausblieben. Als nicht mehr fahr- und einsatzbereit ist
darur die Ausmusterung verfügt worden. Das Schiff hatte
ein Maximaldeplacement von etwa 36 000 ts und war mit ei-
ner starken Defensivbewaffnung - darunter Flugabwehr- Flottenversorger BEREZINA. Foto : BMVg.
FK - ausgerüstet.

Die URAL als schwimmendes Kraftwerk?

Nach der Außerdienststellung und anschließenden Strei-


chung des nuklear angetriebenen 36 000 ts-Raketenortungs-
schiffes URAL (NATO-Codename "Kapusta") steht seit eini-
ger Zeit die Frage zur Debatte, wie es fernerhin noch ge-
nutzt werden kann. etwa als schwimmendes Kraftwerk zur
Raketenortungs schiff U RAL. Foto : B MV g Versorgung wichtiger Objekte in der Fernostregion. Sein
Brennsftibevorrat - so wird argumentiert - reiche aus, um
noch vier Jahre lang 18 bis 20 MW Strom zu erzeugen. Bei
einer Nachladung der Reaktoren würde auch diese Zeitspan-
ne um weitere fünf Jahre verlängern lassen. Für die "Um-
stimmung" der URAL würden nur 1l bis L,5 Mio Rubel
gebraucht. Die URAL war 1981-88 gebaut worden und ist
SCHWEDEN nach nur zehnjähriger Dienstzeit gestrichen worden.

Aufwendiger Umbau von Ubooten


Die in den späten 80er Jahren zur Flotte getretenen Uboote
SÖNrNUÄNNLAND unA ÖSTERGÖTLAND der VA-
STERGÖTLAND-KIasse werden gegenwärtig auf derWerft
der Kockums-A.B. in Malmö - die sich 1999 zu einem Ko-
operationsverbund mit der bundesdeutschen Howaldts-
werke-Deutsche Werft in Kiel (IIDW) zusarnmengeschlos-
sen hat - auf Stirling Mk 3-Antriebsanlagen umgebaut. Die
Kosten hierfür belaufen sich auf umgerechnet etwa 137 Mio. gewordenen Uboote der GOTLAND-KIasse ausgerüstet
DM. Stirling-Antriebsanlagen arbeiten außenluftunabhän- worden, aber diese erhielten noch die Mk 2-Version. Für
grg und verbrennen in einer unter hohen Druck stehenden die jetzt zum Umbau bestimmten Boote steht indessen die
Brennkammer Sauerstoff und Dieselkraftstoff. Der Sauer- Version Mk 3 zur Verfügung, die als leistungsstärker be-
stoffvorrat wird in flüssiger Form mitgeführt, er allein be- zeichnet wird und einen geringeren Geräuschpegel aufweist.
stimmt die Fahrausdauer des Bootes und erlaubt Thuch- Allerdings kommt man bei diesen beiden Booten nicht um-
fahrten bis zu mehreren Wochen Dauer. Mit Stirling-Moto- hin, sie um 10 m zu verlängern. Der Umbau soll bis zum
nen waren die in der zweiten Hälfte der 90er Jahre fertig Jahr 2004 abgeschlossen sein.

6
SINGAPORE
Landungsschiff ENDURANCE im Dienst
Seit 1999 befindet sich die ENDURANCE tun Dienst, das er-
ste von vier Landungsschiffen des sog. Tlps STEM-1400.
Bauwerft ist Singapore Shipbuilding, die Kiellegung war im
Märzl997 yorgenommen worden. Die drei SchwesterscNf-
fe sollen im Laufe dieses Jahres und im darauffolgenden Jahr
folgen. Mit diesen vier Neubauten ersetzt der südostasiati-
sche Stadtstaat seine veralteten LST-Landungsschiffe ame-
rikanischer Herkunft. Die amphibische Komponente besteht
aus einem 350 Mann starken Detachement von Marinein-
fanteristen mit vierzig Rad- und/oder Kettenfahrzeugen. Als
Landemittel stehen vier Landungsboote vom Tlp LCVP so- Landungsschtff END U RANCE der Marine
wie zwei Hubschrauber zurVerfügung. Für die Hubschrau- Singapores. Foto: " SOW"
ber gibt es Hangars an Oberdeck.

SPANIEN
Zweites LPD-Landungsschiff zu Wasser

Im Juli 1999 kam die CASTILLA zu Wasser, die zweite Ein-


heit der GALICIA-Klasse. Beide sind Schwesterschiffe der
niederländischen ROTTERDAM. Es handelt sich bei die-
d--
fr.
sem "Thio" um eine Gemeinschaftsentwicklung Spaniens
und der Niederlande. Federführend für Entwurf und Kon-
struktion war die spanische Bazan-Werft in Ferrol. Diese
Spanisches LPD-LcmdLtngsschiJf CASTILLA nach dem Schiffe sind als Dockraum-Landungsschiffe des Tlps LPD -
dieses Kürzel steht fürAmphibiousThansport, Dock - ausge-
Stapellauf. Foto: H. & L.van Ginderen
legt und nehmen ein Landungsdetachement bis zu 468 Köp-
fen auf. Die Baukosten konnten verhältnismäßig niedrig
gehalten werden, weil man sich an Normen des zivilen Schiff-
baus gehalten hat. Mit diesen beiden Einheiten konnte die
amphibische Komponente der spanischen Marine beträcht-
lich gesteigert werden: In naher Zukunft werden vier große
URUGUAY Landungsschiffe, ein amphibischer T[ansporter und über
65 Landungsboote unterschiedlicher Gattung (LCU, LCM,
LCA, LC\?, LCPL) und Größe verfügbar sein.
Wiedersehen mit einem "alten Bekannten"

Seit Herbst 1998 führt der einstige Hochseeschlepper HEL-


GOLAND (A 1457) der deutschen Marine die Flagge der
Marine Uruguays. Sein neuer Name lautet OYARVIDE, die
Kerurung 22. Die einstmalige HELGOLAND war in den Jah- dem Kommando der Thoßschiffe an, das später in Versor-
rcn1964-66 im Zuge des ersten Marinebauprogramms ent- gungsflottille umgenannt wurde. In Uruguay wird das eisver-
standen und gehörte seit der Indienststellung (März 1966) s&irkte Schiff u.a. für Vermessungszwecke eingesetzt.

Ehemaliger deutscher Hochseescltlepper HELGOLAND jetzt unter uruguayischer Flagge. Foto: ANBw/FAFIO

t':.-

iL*t

41
WENIG BEKANNTE SCHIFFSEINHEITEN DER KRIEGSMARINE

Eisbrecher POLLUX
DIE HAUPTDATEN DER POLLUX-
Ats 1938 vom Reichsverkehrministeriumr an die E Schichau-
Größe 4191 BRT
Werft derAuftrag für den Eisbrecher CASTOR erging, be- Deplacement 4500 / 5408 t
stand die Absicht. alsbald einen zweiten zu ordern und ihm Länge auf KWL/
den Namen POLLUX zu geben. Dazu ist es wegen des Aus- über alles 75,00 / 78y'5 m
bruchs des Krieges jedoch nicht mehr gekommen. Gleich- Breite, größte 18,90 m
Seitenhöhe 9,70 m
wohl bestand weiterhin Bedarf an einem zweiten großen
Tiefgang maximal 7.ü)m
Eisbrecher zurVerwendung in der Ostsee, vor allem urn den Antriebsanlage Zw ei3 Zylinder-dreifachwi r-
dort laufendenAusbildungsbetrieb für die Ubootwaffe nicht kende Expansionsmaschinen,
unterbrechen zu müssen, wenn sie im Winter zufriert. Nach vier Wagner-Kessel (Betriebs-
der Besetzung der Niederlande lag es nahe, deren leisfungs- druck 20,6 atü)
Antriebsleistung 6m0 iPS (Konstruktionsleis-
fähige Schiflbauindustrie für die Marinerüstung in An- tung)
spruch zu nehmen. 1941 kam zwischen dem Reich und der Propeller 2 Heckpropeller je 4,50 m
niederländischen Maschinenfabrik & Schiffswerft J. Smit Durchmesser (keine Bugpro-
jr., Rotterdam, der Bauvertrag für den "Eisbrecher fV/40"2 peller)
Geschwindigkeit 13,0 kn Konstruktionsleistung
zustande. Noch 1941 auf Kiel gelegt, kam dieser im Laufe
Bewaffnung 4 2Omm-FlaMW
des gleichen Jahres zu Wasser, seine Ubergabe an die
Kriegsmarine erfolgte am 18. Dezember l943.Anschließend * Nach Gröner, Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945' Band 6,5.62 I 63
verlegte das Schiff nach Kiel, wo es in der Kriegsmarine-
werft ausgerüstet wurde. Die Arbeiten dort zogen sich auf
Grund der prekär gewordenen Kriegslage in die Länge, eine
besondere Priorität hatte man demAuftrag nicht zuerkannt.
So konnte die Indienststellung erst gegen Ende des Jahres
1944 erfolgen. Danach blieben POLLIX nur noch wenige
Monate: In der Nacht zum 8. Februar 1945 wurde sie vor
Pillau durch eine Mine beschädigt, sie ging mit demAchter-
schiff auf Grund. Die sofort eingeleiteten Bergungsarbeiten
erwiesen sich als nicht erfolgsversprechend und mußten
schon am 9. Februar eingestellt werden. Als Plllau dem An-
sturm der RotenArmee erlag, konfiszierten die Sowjets das
Wrack.Aber auch ihnen ist die Bergung mit dem Ziel einer
Reparatur und Wiederindienstnahme nicht auf Anhieb ge-
lungen. So bleibt die Vermutung, daß es an Ort und Stelle
abgebrochen worden ist. Von russischer Seite wird nicht
bestätigt, daß POLLTX wieder in Fahrt gebracht worden
ist.3'a

Das bisher einfige bekanntgewordene Foto des


deutschen Eisbrechers POLLUX. Foto: Slg. Breyer

Seitenansicht des Eisbrechers POLLUX. Zeichnung :


Mrva.
I Diesen Auftrag nahm später die Kriegsmarine an sich und verknüpfte
daran die Forderung, das Schiff für eine Doppelrolle - neben der als Eis-
brecher auch die Verwendung als Fla-Schulschiff - auszurüsten

2
Die Eisbrecher V40 und IV40 waren die ebenfalls im Ausland gebauten
EISBAR und EISVOGEL.
3
Bei Berezhnoy, Thofey i Reparatsü VMF SSSR, Irkutsk 1994, ist POL-
LUX nicht verzeichnet. Diese Dokumentation gilt als relativ zuverlässig.
a
Nach Oesterle, Eisbrecher aus aller Welt, Berlin 1988' S. 3f ist POL-
LUX 1948 gehoben worden. Es wird dort dargelegt, daß die Schäden ver-
mutlich so groß waren, daß auf eine Wiederherstellung verzichtet wurde.

218
*t
**
**,

Schwed ische Küsten panzersch itf TH U LE

Die THULE war nach der SVEA und der GÖTA das men noch vier L5.2 cm-GeschützeLl3{ und etliche 5,7
dritte Küstenpanzerschiff der damaligen norwegisch- cm-Kanonen. Außerdem gab es drei 38,1 cm-Unter-
schwedischen Marine und ist in den 80er Jahren des wassertorpedorohre.
vergangenen Jahrhunderts auf der Bergsund-Werft in
Stockholm gebaut worden. Der Stapellauf erfolgte am Im Zeitraum von 1901-04 ist die Bewaffnung moder-
4.Juli 1893. nisiert worden: Fortan führte die THULE nur noch
ein 25,4 cm-Geschütz, fid,r das ein neuer Binzelturm
Mit diesem Tlp grng die Marineführung von den bis- (mit 191 mm dicker KNC-Panzerung) eingebaut wur-
her üblichen Monitoren ab und schuf damit eine Art de. Die Mittelartillerie ist dafür um drei 15,2 cm-Ge-
von "Mini-Schlachtschiff" für den artileristischen schütze (auf nunmehr sieben) verstärkt worden. Ihren
Schlagabtausch im Küstenvorfeld. Antrieb erhielt die THULE von zwei dreifach-
wirkenden Expansionsmaschinen, deren Dampf in
Die THULE hatte eine Wasserverdrängung von 3305 sechs kohlenbeheizten Zylinderkesseln erzeugt wurde.
t und war 79,50 m lang und 14,62 m breit; der Tief- Mit einer Maschinenleistung von 4600 iPS sollte das
gang betrug 5,1.1 m. Für ihre Standfestigkeit sollte ein Schiff 16 kn Geschwindigkeit erreichen.
nur auf das Mittelschiff beschränkter Gürtelpanzer
aus Creusot-Stahl von243 bis 293 mm Dicke sorgen. In den 30er Jahren ist es abgebrochen worden, seinen
Die Bewaffnung bestand aus zwei 2514 cm-Kanonen Dienst hat es versehen. ohne daß es berichtenswerte
U32 in einem Zwillingsturm im Vorschiff; dazu ka- Ereignisse gegeben hätte.
Marine - Arsenal - Sonderheft-Band 20
Verkaufpreis 24,80 DM 181 ,- öS / 23,80 sfr
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@ Amerikanischer Lenkwaffenkreuzer VINCENNES, Ansicht von achtern, rechts der Steuerbord-Schornstein.

PODZUN-PALLAS-VERLAG . 61 2OO Wölfersheim-Berstadt


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