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RudolfKoller

Konstruktionslehre
für den Maschinenbau
Grundlagen
des methodischen Konstruierens

Zweite, völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage

Mit 131 Abbildungen

Springer-Verlag
Berlin Heidelberg GmbH 1985
Dr.-Ing. Rudolf Koller
o. Professor ,
Direktor des Instituts für Allgemeine Konstruktionstechnik des Maschinenhaues
an der Rheinisch-Westfalischen Technischen Hochschule Aachen

Die erste Auflage dieses Werkes erschien 1976 als " Hochschultext·· unter dem Titel
"Konstruktionsmethode für den Maschinen-, Geräte- und Apparatebau"

CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek.


Koller. Rudolf : Konstruktionslehre für den Maschinenbau: Grundlagen des methodischen Konstruieren siR. Koller.
~ 2 .. völlig neubearb. u. erw. Aufl.

ISBN 978-3-540-15369-6 ISBN 978-3-662-12183-2 (eBook)


DOI 10.1007/978-3-662-12183-2

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Verwertung. vorbehalten. Die Vergütungsa nsprüche des ~5 4. Abs. 2 UrhG werden durch die ,Yerwenungsgesell-
schaft War!'. München wahrgenommen.

© by Springer-Verlag Berlin Heidelberg 198 5


Ursprünglich erschienen bei Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York Tokyo 1985
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen. Handelsnamen. Warenbezeichnungen usw . in diesem Buche berechtigt auch
ohne beso ndere Kenn zeichnung nicht zur Annahme. daß so lche Na men im Sinne der Warenzeichen- lind Marken-
schutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher VOll jedermann henutzt werden dürften.
Setzer: Th. Müntzer. Rad Langen sa lza:
2,6213020 ~ 543210
Vorwort zur zweiten Auflage

In den neun Jahren seit dem Ersterscheinen dieses Buches sind zahlreiche neue Er-
kenntnisse auf dem G~biet der Konstruktionsmethodeforschung erarbeitet worden,
Widersprüche in früheren Ergebnissen wurden beseitigt, Bisheriges konnte präzisiert
und erweitert werden. So war es an der Zeit, die ursprüngliche Darstellung an vielen
Stellen zu überarbeiten und zu erweitern. Insbesondere wurden die Kapitel 12 über
"Entwerfen und Gestalten" sowie Kapitel 13 über "Restriktionsgerechtes Konstruie-
ren" wesentlich ausgebaut und neu verfaßt. Zahlreiche Textstel,len und Bilder in ver-
schiedenen Kapiteln wurden korrigiert und neue ren Erkenntnissen angepaßt. Der
inzwischen üblichen Sprach regelung folgend, Ergebnisse der Konstruktionsmethode-
forschung als Konstruktionslehre zu bezeichnen, wurde auch der Titel dieses Buches
entsprechend geändert.
Für die Korrektur und wertvollen Anregungen bei der Erstellung der Neufassung
dieses Buches danke ich Herrn Dr.-Ing. W. Willkommen sehr herzlich. Mein besonde-
rer Dank gilt wiederum Herrn Ing. (grad.) J. Bergmann für die große Mühe bei der
Erstellung der Bildunterlagen sowie Frau M. Mundt, die sich um die Niederschrift
und Redigierung des Manuskriptes sehr verdient gemacht hat. Nicht zuletzt gilt
mein besonderer Dank dem Springer-Verlag für die wertvolle Unterstützung und
Sorgfalt bei der Drucklegung dieses Buches.

Aachen, im Juni 1985 R. Koller


Aus dem Vorwort zur ersten Auflage

Um die Mitte dieses Jahrhunderts setzte sich allmählich die Erkenntnis durch, daß
das Erfinden und geschickte Konstruieren technischer Produkte nicht nur eine Kunst
ist, welche der Intuition und dem Können einiger weniger besonders Begabter vor-
behalten ist, sondern daß beim Konstruieren neben der zweifelsohne wichtigen In-
tuition des Konstrukteurs eine Reihe von entscheidenden Vorgängen des Konstruk-
tionsprozesses beschrieben und somit anhand entsprechender Regeln systematisch
durchgeführt werden kann. Heute wird an zahlreichen Forschungs- und Entwick-
lungssteIlen der Hochschulen, Industrie und anderer Institutionen in fast allen Indu-
strieländern von Ingenieuren, Mathematikern, Wirtschaftlern, Futurologen, Philo-
sophen u. a. an der Erforschung, Rationalisierung und Automatisierung des Konstruk-
tionsprozesses gearbeitet.
War es ursprünglich nur die Absicht, den Konstruktionsprozeß rationeller zu ge-
stalten, so lassen in neuerer Zeit die ständig umfangreicher werdenden Systeme und
die enorm gestiegene Zahl der Forderungen an zukünftige technische Produkte me-
thodisches Konstruieren immer mehr zur Notwendigkeit werden. Erinnert sei hier
nur an die Forderung der Wiederverwendung von Werkstoffen aufgrund weltweiter
Rohstoffverknappung, Emissions- sowie Sicherheitsvorschriften für Kraftfahrzeuge
u. a. neuere Bedingungen und die mit diesen verbundenen zusätzlichen Schwierig-
keiten des Konstrukteurs bei der Lösung dieser Aufgaben. Das Vorhandensein elek-
tronischer Datenverarbeitungsanlagen zur Automatisierung des Konstruktionspro-
zesses war ein weiterer wichtiger "Antriebsmotor" für die weltweite Entwicklung von
Konstruktionsmethoden, da die damit gegebene Beschreibung des Konstruktions-
prozesses die Voraussetzung und Grundlage für die Entwicklung universeller Rech-
nerprogramme ist.
Während von der Mathematik und Physik seit langem zahlreiche Methoden zur
Lösung quantitativer Konstruktionsvorgänge (Dimensionierung) bereitgestellt wer-
den, ist die Entwicklung ähnlich exakter Methoden zur Durchführung qualitativer
Konstruktionsvorgänge - damit sind jene Tätigkeiten gemeint, welche häufig mit
Erfinden, Konzipieren oder Lösungsfindung bezeichnet werden -- bisher etwas ver-
nachlässigt worden. Das vorliegende Buch soll sich daher vorrangig mit Verfahren
bzw. Algorithmen zur systematischen Entwicklung von Prinziplösungen und Kon-
struktionsentwürfen beschäftigen. Auf Methoden zur Berechnung bzw. Dimensio-
nierung von Bauteilen und Systemen soll verzichtet werden, da es darüber bereits
sehr umfangreiche Spezialliteratur gibt.
Die ersten Anregungen zu dieser physikalisch-algorithmisch orientierten Kon-
struktionsmethode habe ich durch meine frühere Industrietätigkeit, welche durch
selbständiges Entwickeln neuer Lösungen gekennzeichnet war, erhalten. Dieses Buch
Vorwort zur ersten Auflage VII

faßt die wesentlichen Ergebnisse der Konstruktionsmethodeforschung neuerer Zeit


zusammen. Der Stoff des Buches ist Inhalt einer seit 1970 stattfindenden Vorlesung
für das 5. und 6. Semester Maschinenbau an der Technischen Hochschule Aachen.
Erprobt wurde diese Methode an zahlreichen Beispielen aus der Industrie.

Aachen, im August 1975 R. Koller


Inhaltsverzeichnis

Definition wichtiger Begriffe . . . . . . . . . . XIII

A. Einftihrung
1. Allgemeine Bemerkungen und Bedeutung der Konstruktion 3
2. Zielsetzung und Zweck der Konstruktionslehre . 5
3. Geltungsbereich der Konstruktionslehre . 7
4. Entstehungsursachen und Produktwerdegang . 9
5. AufgabensteIlung (Pflichtenheft, Spezifikation) . 12
5.1 Zweckbeschreibung 12
5.2 Forderungen, Bedingungen, Restriktionen . 14
B. Der Konstruktions- oder Entwicklungsprozeß
I. Die Funktionssynthese 19
6. Überblick über die Vorgehensweise . 19
7. Entwickeln von Funktionsstrukturen 25
7.1 Formulieren der Zweck- oder Hauptfunktion 26
7.2 Entwickeln von Teilfunktions-, Elementarfunktions- und
Grundoperationsstrukturen 29
7.3 Ableitung der physikalischen Grundoperationen 34
7.4 Mathematische Grundoperationen 46
7.5 Logische (Boolesche) Grundoperationen. 47
7.6 Beispiele 48
11. Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren, Entwerfen,
Gestalten. 52
8. Effektvariation und Effektstrukturen 54
8.1 Die Grundoperation "Wandeln" . 55
8.1.1 Wandeln von Energie oder Signalen 55
8.1.2 Wandeln von Stoffen . 57
8.2 Die Grundoperation "Vergrößern" . 57
8.2.1 Vergrößern von Energiekomponenten bzw. Signalen 57
8.2.2 Vergrößern von Stoffeigenschaftswerten . 58
8.3 Die Grundoperationen "Verbinden" und "Trennen" 58
8.3.1 Verbinden und Trennen von Energie und Stoff . 58
8.3.2 Verbinden und Trennen von Stoffen 59
8.4 Die Grundoperationen "Fügen" und "Teilen" 61
8.4.1 Fügen von Stoffen 61
8.4.2 Teilen von Stoffen . 63
x Inhaltsverzeichnis

8.5 Beispiel Pumpe . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64


8.6 Konzeptalgebra . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
8.6.1 Verknüpfung von Variablen durch die Grundoperation
"Wandeln" . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
8.6.2 Verknüpfen von Variablen durch die Grundoperationen
"Vergrößern" und" Verkleinern" . . . . . . . . . . . . . . . 69
8.6.3 Verknüpfen von Variablen durch verschiedene Grundoperationen 69
9. Effektträgervariation......... 71
10. Darstellung der Prinzip- oder Basislösung 74
10.1 Beispiel Pumpe. . . . . . . . . . . . 75
11. Kombinieren von Prinziplösungen. Bauelementen oder Baugruppen
zu komplexen Systemen . . . . . . . . . 79
12. Entwerfen und Gestalten. . . . . . . . . 82
12.1 Allgemeine Entwurfs- und Gestaltungsregeln 86
12.1.1 Gestaltelemente 87
12.1.2 Gestaltparameter . . . 88
1. Abmessungswechsel 88
2. Formwechsel 89
3. Zahlwechsel . . . . 89
4. Lagewechsel . . . . 90
5. Reihenfolge- oder Anordnungswechsel 91
6. Verbindungsstrukturwechsel . . . 94
12.2 Entwicklung verschiedener Bauweisen 98
12.2.1 Bauweisen von Bauelementen. . . . 100
1. Partial- und Totalbauweise . . . . 102
2. Differential- und Integralbauweise 104
3. Mono- und Multifunktionalbauweise 104
2.2.2 Bauweisen von Baugruppen und Maschinen. 109
1. Monobaugruppen-Bauweise 110
2. Modularbauweise 111
3. Baukastenbauweise . . . . 112
12.3 Entwicklung von Baureihen und Typengruppen 114
1. Größenreihen . . . . . . . . . . . . . 116
2. Gestaltbaureihen . . . . . . . . . . . . 119
3. Werkstoff, Oberfläche und Farbe technischer Produkte 122
4. Qualitätsreihen 122

III. Selektion von Lösungen . 124


13. Restriktionsgerechtes Konstruieren 124
13.1 Allgemeine Restrik tionen 124
13.2 Gestaltungsrichtlinien . 133
13.2.1 Gießgerechtes Gestalten . 135
13.2.2 Bohrgerechtes Gestalten . 143
13.2.3 Montagegerechtes Gestalten 143
13.2.4 Beanspruchungsgerechtes Gestalten 154
13.2.5 Werkstoffgerechtes Gestalten . . . 158
13.2.6 Toleranzgerechtes Gestalten . . . 158
13.2.7 Kostenreduzierendes Konstruieren 164
Inhaltsverzeichnis XI

14. Entwerfen und Ordnen von Funktionseinheiten 178


14.1 Verbindungen . . 178
14.2 Einfache Getriebe. 189
IV. Beispiele. . . . . . . . 201
15. Entwicklung von Prinziplösungen; Beispiel Zündzeitpunktversteller 201
16. Gestaltvariation ; Beispiel Steuerventil . . . . . . . . . . . . . 205

C. Anhang

Tabelle 1: Systematik der physikalischen Effekte für die Grundoperationen


"Wandeln" und "Vergrößern von Energien und Signalen". . . 212
Tabelle 2: Systematik der physikalischen Effekte für die Grundoperationen
"Verbinden und Trennen von Energie und Stoff'. . . . . . . 214
Tabelle 3: Systematik der physikalischen Effekte für die Grundoperation
"Trennen von Stoffen". . . . . . . . . . . . 215
Tabelle 4: Physikalische Eigenschaften von Stoffen . . . . . . . . . . 216
Tabelle 5: Klassifizierung der physikalischen Eigenschaften.
a) feste Stoffe, b) flüssige Stoffe, c) gasförmige Stoffe. 217
Tabelle 6: Ausschnitt aus der Eigenschaftsmatrix fester Stoffe 219
Tabelle 7: Eigenschaftsvergleich verschiedener Stoffe mit
"Eigenschaftsprofil" . . . . . . . . . . . . . 220
Prinzipkatalog 1: Wandeln der Energie- bzw. Signalart . . . 221
Prinzipkatalog 2: Vergrößern bzw. Verkleinern physikalischer Größen 255
Prinzipkatalog 3: Fügen von Stoffen 265
Prinzipkatalog 4: Teilen von Stoffen 269
Prinzipkatalog 5: Trennen von Stoffen . 277
Prinzipkatalog 6: Verbinden von Stoffen 309
Literatur . . . . . . 315
Literatur zum Anhang 322
Sachverzeichnis . . . 325
Definition wichtiger Begriffe

Algorithmus Verfahren bestehend aus Regeln (Anweisung)


zur Lösung einer Klasse von Aufgaben
Anforderungsliste Forderungen, Bedingungen, Restriktionen, die
an ein Produkt zu stellen sind, die Anforde-
rungsliste ist Teil der AufgabensteIlung eines
Produktes, s. AufgabensteIlung
Apparat Technisches System, dessen primärer Zweck
es ist, Stoffe in irgend einer Weise umzusetzen
und/oder einen Stofffluß zu ermöglichen
AufgabensteIlung Pflichtenheft oder Spezifikation; Sammlung
aller möglichen Daten und Informationen zur
Bestimmung eines technischen Produktes
"Was" soll das Produkt tun (Zweck des Pro-
duktes) und unter welchen Forderungen (Be-
dingungen, Restriktionen) soll es diesen Zweck
erfüllen ("Wie" soll es diesen Zweck erfüllen)
Black-box Abstraktion eines technischen Systems
("Schwarzer Kasten") dessen Betrachtung sich
auf die Ein- und Ausgangsgrößen (Input-Out-
put) beschränken läßt, da das System selbst
(dessen "Inneres") für die betreffende Be-
trachtung unwesentlich ist

Effekt, physikalischer Physikalisches Phänomen, physikalische Er-


scheinung oder Ablauf eines physikalischen
Geschehens; Kausaler Zusammenhang ZWI-
schen Ursache und Wirkung

Effektträger Stoff (Werkstoff) oder der Raum zur Realisie-


rung eines physikalischen Effektes. Auch nur
der Raum kann in manchen Fällen "Effekt-
träger" sein (z. B. Vakuum-Röhre)
Elementarfunktion, physikalisch- Qualitative und/oder quantitative Beschrei-
technische bung des U rsache-Wirkungszusammenhanges
zwischen zwei bestimmten physikalischen Grö-
ßen. Funktion, die sich nicht mehr in weitere
Funktionen gliedern läßt
XIV Definition wichtiger Begriffe

Entwerfen Festlegen der makroskopischen Gestalt einer


Oberfläche, eines Bauteiles, Baugruppe, Ma-
schine oder komplexeren Systems (s. Gestalt,
makroskopisch)
Entwickeln s. Konstruieren
Form Art der Oberflächen eines Bauteiles oder Kör-
pers; Oberflächen können z. B. eben, zylin-
drisch, kegelig oder kugelförmig sein. Die Form
der Oberfläche ist einer von mehreren Para-
metern der Gestalt eines Bauteiles

Funktion, technische Qualitative oder/und quantitative (gesetzmä-


ßige) Beschreibung eines Zusammenhanges
zwischen Ein- und Ausgangsgrößen technischer
Systeme

Funktionseinheit Eine vom übergeordneten technischen System


lösbare, für sich existenzfähige Baueinheit, die
wenigstens eine oder mehrere technische Funk-
tionen zu realisieren vermag

Funktionsstruktur Verknüpfung von Teil- und/oder Elementar-


funktionen in einem Strukturplan ("Schalt-
plan ") zu einer Gesamtfunktion

Gerät Technisches System, dessen primärer Zweck es


ist, Informationen in irgendeiner Weise umzu-
setzen und/oder einen Informationsfluß zu er-
möglichen

Gestalt, makroskopisch Die makroskopische Gestalt eines Bauteiles


setzt sich zusammen aus Abmessung, Form,
Anzahl, Lage, Anordnung und Verbindungs-
struktur der Oberflächen

Gestalt, mikroskopisch Die mikroskopische Gestalt technischer Ober-


flächen wird bestimmt durch deren Passungen
(DIN 7150), Form- und Lagetoleranzen (DIN
7184) und deren Oberflächenbeschaffenheit
(DIN 1302)

Gestaltelemente Je nach Hierarchieebene können Linien, Flä-


chen, Bauteile, Baugruppen etc. Gestaltele-
mente des jeweils nächst komplexeren Systems
sem
Gestalten Festlegen der makro- und mikroskopischen
Gestalt eines technischen Gebildes (Oberflä-
che, Bauteil, Baugruppe, Maschine etc.)
Definition wichtiger Begriffe XV

Gestaltvariante Mögliche alternative Gestalt eines technischen


Gebildes gleichen Zweckes. (Abmessungs-,
Form-, Zahl-, Lage-, Anordnungs-, Verbin-
dungsstrukturvarianten )
Grundoperation Tätigkeit beim Ablauf eines Vorganges; z. B.
Wandeln, Vergrößern, Addieren, Negieren etc.
Tätigkeit, die nicht mehr weiter in unterschied-
liche Tätigkeiten gegliedert werden kann
Hauptfunktion Ist die Funktion, welche den eigentlichen
Zweck, für den das betreffende technische Sy-
stem entwickelt werden soll, beschreibt (Zweck-
funktion oder Kernfunktion)
Intuition Erkenntnisse oder Einf,ille zur Lösung einer
Aufgabe, ohne erkennbaren Lösungsweg

Konstruieren Unter Konstruieren oder Entwickeln versteht


man alle jene Synthese- und Analysetätigkeiten,
die notwendig sind, um für eine bestimmte
technische Aufgabe eine zu einem bestimmten
Zeitpunkt bestmögliche Lösung anzugeben.
Unter "bestmögliche" ist hierbei eine genügend
zuverlässige, wirtschaftlich realisierbare und
sonstigen einschränkenden Bedingungen ge-
nügende Lösung zu verstehen

Konstruktionsmethode Regelwerk zum planmäßigen entwickeln einer


Lösung für eine bestimmte technische Auf-
gabensteIlung
Lösung, vollständige, konstruktive Summe aller zum Bau eines bestimmten tech-
nischen Systems erforderlichen Daten, ein-
schließlich ihrer Dokumentation

Lösungskonzept Eine optimal erscheinende Kombination von


Teil- oder Elementarfunktionslösungen

Maschine Technisches System, dessen primärer Zweck


es ist, Energie in irgendeiner Weise umzu-
setzen und/oder einen Energiefluß zu ermög-
lichen
Pflichtenheft s. AufgabensteIlung

Physikalisches Prinzip Festlegung des Effektes und Effektträgers, mit


welchen eine bestimmte technische Funktion
verwirklicht wird. Effekt und Effektträger
legen die Gestalt eines technischen Gebildes
nicht fest
XVI Definition wichtiger Begriffe

Prinziplösung Festlegung des physikalischen Prinzips sowie


einer Gestaltstruktur, die eine skizzenhafte
Darstellung ermöglicht
Spezifikation s. AufgabensteIlung
System, allgemein Gesamtheit aller mittelbar oder unmittelbar
zusammenwirkender Systemelemente inner-
halb bestimmter Systemgrenzen
Systematik Eine Ordnung nach einem bestimmten Krite-
rium und übersichtliche Darstellung Beispiel:
Periodisches System der chemischen Elemente
Systemgrenzen Festlegung bestimmter Schnittstellen zur Ab-
grenzung von Systemen
Wirkfläche Fläche, an der oder durch die ein physikalisches
Geschehen bewirkt wird
A Einführung
1 Allgemeine Bemerkungen und Bedeutung der Konstruktion

Betrachtet man das Erscheinen neuer technischer Produkte auf dem Markt - sei es
ein relativ einfacher technischer Gebrauchsgegenstand oder eine komplizierte elek-
tronische Rechenanlage - so stellt man fest, daß diesen eine Fülle von Ideen voran-
gegangen sein muß, um sie in dieser Vollkommenheit entstehen zu lassen. Bei dem
heutigen hohen Perfektionsgrad technischer Produkte sind es in deren Wettstreit
auf dem Markt oft nur wenige "Kleinigkeiten", welche den Erfolg eines Produktes
ausmachen. Das Wachstum des Sozialproduktes eines Industriestaates sowie der Er-
folg eines Unternehmens hängen unter anderem wesentlich von der Qualität und Kon-
kurrenzfahigkeit der erzeugten Produkte ab. Voraussetzung dafür ist die Leistungs-
fähigkeit der Forschung, der Konstruktion und der Fertigung des betreffenden Lan-
des bzw. Betriebes. Daran mag man die Bedeutung der Konstruktion für die Wirt-
schaft eines Landes und die Menschheit insgesamt ermessen.
Aufgrund dieser Bedeutung erscheint es daher notwendig, den Konstruktionsprozeß
zu erforschen und gegebenenfalls in Regeln zu fassen, um mit zunehmenden Er-
kenntnissen ein ständig verbessertes "Werkzeug" zur Entwicklung besserer Produkte
zu erhalten. Die Beschreibung des Konstruktionsprozesses durch Algorithmen und
Regeln sowie das Vorhandensein elektronischer Datenverarbeitungsanlagen sind
Voraussetzungen für die Rationalisierung und Automatisierung (rechnerunterstütz-
tes Konstruieren) des Konstruktionsprozesses. Es hat beispielsweise wenig Sinn,
ein spezielles Rechnerprogramm für eine bestimmte Bauform eines Systems zu ent-
wickeln, vielmehr ist es besser, durch methodisches Vorgehen systematisch alle
existenten Bauformen zu ermitteln, um so die Voraussetzung für eine universelle
Programmentwicklung zu schaffen.
Es gibt noch einen weiteren guten Grund für die Entwicklung und Anwendung einer
Konstruktionsmethode. Technische Produkte haben heute bereits auf vielen Gebieten
einen so hohen Perfektionsgrad erreicht, daß deren Verbesserung - auch wenn
man nur an kleine Schritte denkt - bei intuitiver Arbeitsweise lediglich mit großem
Zeitaufwand möglich ist. Deshalb wird man in Zukunft notwendigerweise in zuneh-
mendem Maße auf systematische Vorgehensweisen zurückgreifen müssen.
Obwohl die Menschen seit jeher konstruktiv tätig sind, um sich Hilfsmittel zur
Erleichterung und Vereinfachung der notwendigen Arbeiten zu schaffen, sind diese
Tätigkeiten bis in jüngste Zeit überwiegend intuitiv durchgeführt worden. Von
einigen genialen Ingenieuren vergangener Zeit - Archimedes, Leonardo u. a. -
sind wenigstens die Ergebnisse ihrer konstruktiven Gedankengänge überliefert. In
neuerer Zeit waren es Watt, der Erfinder der Dampfmaschine (1778), und Babbage,
4 Einführung

der das erste Konzept eines Digitalrechners (1833) erstellte, deren Konstruktions-
ergebnisse überliefert sind. Letzteres führte rund 100 Jahre später, durch Zuse,
zur Entwicklung des ersten Digitalrechners, einem Hilfsmittel zur Automatisierung
von Büroarbeit, während die Erfindung der Dampfmaschine bekanntlich den Grund-
stein zur Automatisierung manueller Arbeiten legte.
In keinem der genannten oder ähnlichen Fällen sind uns irgendwelche Informa-
tionen über die Vorgehensweisen, die zu solchen großen Ingenieurleistungen führten,
bekannt. Diese waren nur Mittel zum Zweck, und man fand es nicht der Mühe wert,
über die Vorgehensweisen zu berichten. Erst in jüngster Zeit haben sich Franke
[38], Hansen [49,50], Kesse1ring [60,61], Rodenacker [104, 106], Wögerbauer [143]
u. a. mit den Vorgängen bei der Synthese von Maschinen beschäftigt und versucht,
diese Tätigkeiten zu beschreiben.
Früher war man geneigt, das Konstruieren, insbesondere das Finden neuer Lö-
sungen für technische Aufgaben, als schöpferische Tätigkeit anzusehen, die ent-
sprechend begabten Konstrukteuren vorbehalten war. Sicher wird eine auch noch so
gute Konstruktionsmethode die Fähigkeiten eines genialen oder auch nur durch-
schnittlich begabten Ingenieurs niemals voll ersetzen können, aber durch methodisches
Vorgehen können beide in ihrer Effektivität erheblich unterstützt und angeregt
werden. Das Konstruieren würde, falls es je möglich wäre, rein systematisch zu kon-
struieren, sehr viel von seiner Attraktion verlieren.
2 Zielsetzung und Zweck der Konstruktionslehre

In neuerer Zeit bemüht man sich, die Tätigkeiten des Konstruierens und Entwickeins
technischer Produkte zu rationalisieren, zu automatisieren und einfacher lehr- sowie
erlernbar zu machen. Konstruktionsmethodeforschung ist wesentliche Voraussetzung
für die Entwicklung einer systematischen Konstruktionslehre und zukunftssicherer
Konstruktionsprogrammentwicklungen. Das Bewußtmachen von Konstruktions-
und Entwicklungsprozessen ist auch ein "Werkzeug" zur Entwicklung qualitativ
besserer Produkte. Schließlich ist die Konstruktionslehre ein Mittel, das sich ständig
vergrößernde und sich in Spezialgebiete verzweigende Wissensgebiet "Maschinen-
wesen" generell zu betrachten und besser zu überblicken.
Ziel und Zweck einer Konstruktionsmethodeforschung sind deshalb
die Entwicklung qualitativ besserer und wirtschaftlicherer Produkte;
- die Rationalisierung und Schaffung der Voraussetzungen zur Automatisierung
von Konstruktionsprozessen (Computer Aided Design);
- die Schaffung einer Lehre zur schnelleren und besseren Ausbildung von Kon-
strukteuren sowie schließlich
die Schaffung einer generellen Lehre der Maschinensysteme und damit eines
Mittels zum besseren Verständnis und zur besseren Überschaubarkeit des sich
ständig vergrößernden und sich in viele Spezialgebiete verzweigenden Wissens-
gebietes Maschinenwesen.
Um diesen Zweck gerecht zu werden, sind die Ziele einer entsprechenden Kon-
struktionsmethode die Schaffung einer allgemeingültigen, nicht objektgebundenen
Vorgehensweise, welche im Maschinen-, Geräte- und Apparatebau gleich gut an-
wendbar ist. Die Regel~ dieser Methode müssen die Gewähr bieten, daß sie für eine
bestimmte Fragestellung alle existenten Lösungen liefern, um sicher zu sein, daß eine
eventuell bessere Lösung nicht übersehen wird. Schließlich soll eine derartige Methode
auch Regeln besitzen, die eine objektive Auswahl der günstigsten Lösung aus einem
Feld von Alternativlösungen ermöglichen oder zumindestens erleichtern. Hierzu
ist die Kenntnis aller Lösungen für eine bestimmte AufgabensteIlung eine wesentliche
Voraussetzung, ähnlich wie man auch von mathematischen Methoden verlangt, daß
sie alle existenten Lösungen aufzeigen.
Methoden, die nur eine bestimmte Lösung liefern, wenn das Problem tatsächlich
mehrere Lösungen hat, sind bisher nicht bekannt geworden. Im Gegensatz zur
Mathematik ist in der Konstruktion die Zahl der Lösungen für eine AufgabensteIlung
um ein Vielfaches größer als bei mathematisch formulierbaren Problemen. Deshalb
6 Einführung

wäre es wünschenswert, Konstruktionsregeln zu entwickeln, die nur die beste Lösung


liefern. Letzteres ist ein Ziel, das wahrscheinlich nie vollkommen erreicht werden
kann. Nahziel ist deshalb die Beschreibung des Konstruktionsprozesses so um-
fassend wie möglich, um so die Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Konstruk-
tionslehre und die Automatisierung von Konstruktionsprozessen (CAD-Programm-
entwicklungen) zu schaffen.
3 Geltungsbereich der Konstruktionslehre

In der Praxis haben sich aus dem umfangreichen Fachgebiet Maschinenwesen im


Laufe der Entwicklung die drei großen Teilbereiche Energie-, Kommunikations-
und Verfahrens- bzw. Stofftechnik gebildet. Die technischen Systeme dieser Bereiche
werden üblicherweise als Maschinen, Geräte bzw. Apparate bezeichnet. Leider haben
sich im üblichen Sprachgebrauch auch viele Bezeichnungen für technische Produkte
eingebürgert, die einer konsequenten Begriffsbestimmung entgegenstehen. Da eine
Normung aufgrund dieser Problematik noch aussteht, sollen diese Begriffe hier wie
folgt vorschlagsweise definiert werden:
Maschinen sind technische Systeme, deren primärer Zweck es ist, Energie in
irgendeiner Weise umzusetzen und/oder einen Energiefluß zu ermöglichen.
Geräte sind technische Systeme, deren primärer Zweck es ist, Informationen in
irgendeiner Weise umzusetzen und/oder einen Informationsfluß zu ermöglichen.
Apparate sind technische Systeme, deren primärer Zweck es ist, Stoffe in irgend-
einer Weise umzusetzen und/oder einen Stofffiuß zu ermöglichen.
In Bild 3.1 sind typische Produkte des Maschinen-, des Geräte- und des Apparate-
baues zusammengestellt. So sollten demnach technische Systeme zum Schreiben bzw.
Rechnen nicht als Maschinen, sondern als Schreib- bzw. Rechengeräte bezeichnet
werden, da diese primär dem Umsatz von Informationen und nicht dem von Energie
dienen.
Landmaschinen wären demnach keine Maschinen sondern Apparate, da sie primär
dem Umsatz verschiedener Stoffe (Getreide, Ackerboden etc) dienen. Auch Werk-
zeugmaschinen wären demnach als Apparate zu bezeichnen, da sie ebenfalls primär
dem Umsatz von Stoffen dienen. Unter den Begriff Maschine würde nach der obigen
Definition auch der elektrische Transformator fallen, - auch wenn dieser keine
beweglichen Bauteile besitzt. Die in Atomkraftwerken angewandte Natrium-Pumpe
hat - sieht man von dem zu fördernden Medium ab - gleichfalls keine beweglichen
Bauteile und wäre demnach als Apparat zu bezeichnen, da sie primär dem Transport
von Stoffen dient!. Diese wenigen Beispiele mögen genügen, um auf die Problematik
der Definition dieser Begriffe hinzuweisen.
Eine universelle Konstruktionsmethode soll ohne Einschränkung für alle drei
Fachgebiete Gültigkeit haben. Da jeder Vorgang in technischen Systemen auf physi-

I Das physikalische Prinzip dieser Pumpe zeigt Bild 10.1.1 a


8 Einführung

Maschinenwesen
I
I I I
Maschinenbau Feingerätebau Apparatebau

I I I
Motoren Rechengeräte Dampferzeuger
Turbinen Datengeräte Behälter
Generatoren EDV - Anlogen Verdampfer
Tra nsfor motoren Regelgeräte Kondensatoren
Wärmepumpen Mengeräte Absorber
Kältemaschinen Navigationsgeräte Filter
Druckpumpen Kino -und Fotogeräte Siebe
u.a. Astron. Geräte Zentrifuge
Schreibmaschinen Abscheider
Relais Trennapparate
Waagen Rasierapparate
Thermostate u.a.
Fernsehgeräte
u. a.

Bild 3.t. Typische Produkte des Maschinen-, Geräte- und Apparatebaues

kalische, chemische oder biologische Effekte (Phänomene) zurückzuführen ist und


- wie die Praxis lehrt - die gleichen Effekte zur Verwirklichung von Funktions-
elementen sowohl im Maschinen- als auch im Geräte- oder Apparatebau Anwen-
dung finden, erscheint es nicht sinnvoll, für die verschiedenen Fachgebiete unter-
schiedliche Konstruktionsmethoden zu entwickeln. Jedenfalls gibt es hierfür keinen
ersichtlichen Grund.
Wie die späteren Ausführungen noch zeigen werden, gibt es auch in dem Fach
Konstruktionslehre sogenannte Grundlagen bzw. Methoden zur Synthese technischer
Gebilde, welche vollkommen produktneutral sind. Entsprechend läßt sich die Kon-
struktionstechnik auch - ähnlich wie die Fertigungstechnik, die Mechanik und andere
Wissensgebiete - produktneutral lehren und erlernen. Dies bietet der Hochschule
die Möglichkeit, der traditionellen produktbezogenen Konstruktionsausbildung
eine produktneutrale Ausbildung voran zu stellen. Eine produktneutrale oder generelle
Konstruktionslehre für Maschinensysteme hat neben den eigentlichen Vorteilen der
systematischen Lösungsfindung, der Rationalisierung und Automatisierung der
Konstruktionstätigkeiten auch noch den Vorteil, einen Beitrag zur rascheren und
besseren Überschaubarkeit des sich ständig erweiternden und in Spezialgebiete
verzweigenden Wissensgebietes Maschinenwesen zu liefern.
4 Entstehungsursachen und Produktwerdegang

Anlaß für die Entwicklung technischer Produkte sind die Bedürfnisse und Wünsche
der Menschen hinsichtlich Ernährung, Kleidung, Gesundheit, Wohnen, Reisen,
Information und Unterhaltung; kurzum das Bestreben "zivilisiert zu leben". Zur
Befriedigung dieser Bedürfnisse und Wünsche bedarf es der Erledigung verschiedener
Arbeiten. Um diese möglichst bequem erledigen zu können oder besser erledigen zu
lassen, besteht der Wunsch nach Werkzeugen und Automaten, die die Durchführung
der notwendigen Arbeiten erleichtern oder weitgehend selbständig erledigen können.
Die Folge dieser Wünsche sind die Land- und Lebensmitteltechnik, die Textil-, Bau-
und Verkehrstechnik, medizinische Technik und Kommunikationstechnik, wie
Presse, Rundfunk, Fernsehen usw. Die Herstellung dieser primär notwendigen
technischen Systeme erzeugt das Bedürfnis nach sekundären technischen Systemen
und Einrichtungen wie Werkzeugmaschinen, Vorrichtungen, Anlagen zur Stahl-
erzeugung u. a. zur wirtschaftlichen Herstellung der Primärsysteme.
Voraussetzung für die sinnvolle Entwicklung eines technischen Produktes ist der
Bedarf nach dem betreffenden Erzeugnis. Vor Beginn der Entwicklung eines Pro-
duktes sollte deshalb immer eine sorgfältige Analyse und Prognose bezüglich des
Marktbedarfes durchgeführt werden. Diese vor dem eigentlichen Beginn der Ent-
wicklung notwendigen Tätigkeiten werden unter dem Begriff Produktplanung zu-
sammengefaßt. Ihre Aufgabe ist es - neben der Ermittlung des Marktbedarfes -
festzustellen, welches Produkt zu welchem Zeitpunkt und für welche Märkte ent-
wickelt, gefertigt und verkauft werden kann. Neben diesen bereits sehr anspruchs-
vollen Aussagen ist die Entwicklung von detaillierten Vorstellungen über den Zweck,
über die Eigenschaften und über sonstige Daten des Produktes die wichtigste Aufgabe
der Produktplanung. Ergebnis einer Produktplanung ist somit eine detaillierte Auf-
gabenstellung über das für einen bestimmten Kunden oder anonymen Kundenkreis
zu entwickelnde Produkt.
Wege zu neuen Produktideen können Kundenwünsche, Kundenbefragungen,
eigene oder fremde Ideen, Verbesserung bestehender Produkte, "Brainstorming",
Marktanalysen, Trendstudien und daraus resultierende Marktprognosen weisen.
Beispielsweise wurden bei der Erarbeitung der Aufgabenstellung für die IBM-Rech-
nerfamilie 370, die ca. 2 Jahre dauerte, etwa tausend Kunden befragt. Als objektive
Mittel zur Marktprognose sind die Methoden der Trendextrapolation, Trendkorrela-
tion und Modellprognose bekannt geworden [18]. Das Ergebnis der Produktplanung
ist schließlich eine Aufgabenstellung mit konkreten Vorstellungen über Termine,
Stückzahlen, Zweck und sonstigen Daten für ein bestimmtes Produkt.
10 Einführung

An die Produktplanung schließen sich die hier ausführlich zu betrachtende Pro-


duktentwicklung und die Produktfertigung an. Für eine umfassende Betrachtung
und Berücksichtigung hieraus resultierender Bedingungen sind auch noch der Betrieb
und die Beseitigung oder das Recycling des Produktes in die Betrachtungen mit ein-
zubeziehen. Zusammenfassend lassen sich somit folgende Phasen "im Leben eines
Produktes" unterscheiden:
Produktplanung, Produktentwicklung, Produktfertigung, Produktvertrieb, Pro-
duktbetrieb, Produktbeseitigung oder Recycling (s. Bild 4.1).

Produktplanung

Produkt - Betrieb

Produktbeseitigung Bild 4.1.


Recycling "Entstehungs- und Lebensphasen" eines technischen Produktes

Unter Produktentwicklung sind alle zur eindeutigen Festlegung eines bestimmten


Produktes erforderlichen Tätigkeiten zu verstehen, die ausgehend von einer Aufgaben-
steIlung bis zum Erarbeiten von Fertigungsunterlagen notwendig sind. Hierzu zählen
selbstverständlich auch die Untersuchungen und Erprobungen von Prototypen des
betreffenden Produktes. Man kann die Produktentwicklung auch als einen Daten-
verarbeitungsprozeß betrachten. Eingabedaten sind die in der Aufgabenstellung
enthaltenen Informationen. Diese werden im Laufe der Entwicklung weiterverarbeitet.
Das Ergebnis (Ausgabe) dieses Prozesses ist eine riesige Menge von Informationen
in Form von Zeichnungen, welche von der Fertigung in entsprechende Produkte
umgesetzt werden. Dabei wird die Anwendung elektronischer Datenverarbeitungs-
anlagen zur automatischen Durchführung dieser Arbeiten in Zukunft sicher eine
wichtige Rolle spielen. Um den Aufwand der Datenerfassung möglichst klein zu
halten, wird es zweckmäßig sein, mit der Automatisierung des Konstruktionspro-
zesses bereits dort einzusetzen, wo die Zahl der einzugebenden Daten noch klein
ist, d. h. am Beginn des Produktentwicklungsprozesses.
Entstehungsursachen und Produktwerdegang 11

Aufgabe der Produktfertiguny ist es, die Herstellung eines Produktes zu planen und
zu organisieren, es zu fertigen und zu montieren. Ausgangsunterlagen für die Pro-
duktfertigung sind die im Konstruktionsbüro und in der Arbeitsvorbereitung er-
stellten Fertigungs- und Organisationsunterlagen.
Der im folgenden nur noch zu betrachtende Produktentwicklungsprozeß erstreckt
sich von der AufgabensteIlung bis zur Erstellung der Zeichnungs- bzw. Fertigungs-
unterlagen. Dieser Tätigkeitsbereich, der in der Praxis häufig in die Bereiche Ent-
wicklung und Konstruktion untergliedert wird, soll hier zusammenfassend mit dem
Begriff "Konstruktion" bezeichnet werden; auch die Tätigkeiten einer Entwicklungs-
abteilung. unter der man in der Praxis häufig eine Abteilung versteht, die sich vor-
wiegend mit der Erarbeitung neuer Ideen und Konzepte befaßt und hierzu häufig
experimentelle Arbeitsmethoden benutzt. können im eigentlichen Sinne des Wortes
als Konstruieren bezeichnet werden.
5 AufgabensteIlung (pflichtenheft, Spezifikation)
Vor Beginn einer jeden Entwicklung eines Produktes bzw. jeder konstruktiven Tätig-
keit ist es notwendig, sich über die Ziele der Konstruktion in Form einer Aufgaben-
stellung Rechenschaft zu geben. Das Erarbeiten einer Aufgabenstellung ist in vielen
Fällen sehr schwierig, ist diese doch für den späteren Markterfolg oder -mißerfolg
mitentscheidend ; es zwingt aber zum gründlichen Nachdenken über Ziel und Zweck
des beabsichtigten Produktes und hilft so in vielen Fällen, Fehlentwicklungen zu
vermeiden. In Streitfällen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer kann eine sorg-
fältig ausgearbeitete AufgabensteIlung auch als wichtiges Dokument dienen. In der
Praxis wird das, was im folgenden als AufgabensteIlung bezeichnet werden soll,
häufig auch als Pflichtenheft, Spezifikation oder Anforderungsliste bezeichnet.
Eine AufgabensteIlung sollte alle für eine Entwicklung notwendigen Orientierungs-
daten enthalten. Dazu zählen eine Beschreibung des eigentlichen Zweckes, des zu
entwickelnden technischen Produktes und eine Liste der die Lösungsvarianten ein-
schränkenden Bedingungen (Restriktionen), unter welchen dieser Zweck erreicht
werden soll. Hieraus folgt die Gliederung der AufgabensteIlung in die Bereiche
Zweckbeschreibung und sonstige Bedingungen.
Für den Entwicklungsingenieur ist die AufgabensteIlung ein von Zeit zu Zeit neu
zu überdenkender "Wegweiser", welcher aufgrund der beim Entwicklungsfortgang
gewonnenen neuen Erkenntnisse oder aufgrund von Änderungen der Marktsituation
Korrekturen unterliegt. Kleine Korrekturen in den Forderungen ermöglichen
manchmal sehr viel billigere Lösungen oder ergeben andere Vorteile, an die man
zunächst nicht denken konnte. Für solche sinnvollen Änderungen der Aufgaben-
steIlung bedarf es in vielen Fällen eines gewissen Fortschrittes in der Produktentwick-
lung und Beurteilung des Marktes.

5.1 Zweckbeschreibung
Unter Zweckbeschreibung ist in diesem Zusammenhang die Festlegung dessen zu
verstehen, was das zu entwickelnde Produkt tun soll bzw. welchen Zweck es hat, ohne
daß dabei ein bestimmter Lösungsweg vorgezeichnet wird. Die Zweckbeschreibung
soll frei von Lösungsvorstellungen sein. Mit anderen Worten: Unter Zweck oder auch
Zweckfunktion 1 ist in diesem Zusammenhang eine Beschreibung zu verstehen, die

I In der Wertanalyse - u. a. - spricht man an Stelle von dem Zweck auch von der Funktion (Zweck-
funktion) eines technischen Systems. Da hier der Begriff Funktion in dem Sinne Ursache-Wirk-
zusammenhang (technische Funktion) eines technischen Systems gebraucht wird, soll im folgenden.
um Mißverständnisse zu vermeiden. der Funktionsbegriff im Sinne von Zweck (Zweckfunktion)
nicht gebraucht werden.
AufgabensteIlung (Pflichtenheft, Spezifikation) 13

angibt, was mit dem zu entwickelnden System erreicht werden soll, ohne daß dabei
die Zahl der möglichen Lösungt:n zur Erfüllung dieses Zweckes in irgendeiner Weise
eingeschränkt wird.
Die Zweckbeschreibung für ein zu entwickelndes technisches System könnte bei-
spielsweise lauten: Es ist ein technisches System zum Rasenkürzen zu entwickeln.
Würde man hierzu als Eingangsgröße elektrische Energie vorgeben, so würde durch
diese Bedingung die Zahl der Lösungen eingeschränkt. Ein Zweck kann durch mehrere
verschiedene technische Funktionen erreicht werden. Ebenso gilt die Umkehrung
dieses Satzes in der Form: Eine technische Funktion kann manchmal mehrere
Zwecke erfüllen. Beispiel: Ein Ventilator kann zur Kühlung (Energietransport) be-
nutzt werden oder Luft von einem Raum in einen anderen fördern (Stofftransport);
beides sind verschiedene Zwecke.
Es gelten folgende Sätze:
Jede überhaupt denkbare Lösung L für einen bestimmten Zweck ist eine Funktion
dieses Zweckes:

L = f(Zweck)
Für jeden Zweck gibt es im allgemeinen mehrere Lösungen. Die Gesamtmenge aller
überhaupt denkbaren Lösungen MG ist ebenfalls vom Zweck abhängig:

MG = f (Zweck)
Die Zweckbeschreibung ist die allgemeinste Formulierung einer AufgabensteIlung.
Die Teilmenge der unter Beachtung der Schnittstellenbedingungen noch existenten
Lösungen MT ist im allgemeinen eine Funktion des Zweckes und der gegebenen
Schnittstellenbedingungen. MT ist kleiner oder höchstens gleich der Gesamtmenge MG
aller Lösungen:

MT = f (Zweck, Schnittstellenbedingungen)
MT ~ MG

Die Teilmenge MT wird unter Berücksichtigung weiterer Bedingungen weiter reduziert.


Im allgemeinen wird die Zahl der Lösungen auf eine oder einige wenige beschränkt,
wenn man die Frage nach der optimalen Lösung bezüglich eines bestimmten Optimie-
rungszieles stellt. Optimierungsziele können sein: kostengünstigste Lösung, funk-
tionssicherste Lösung u. a. oder eine Kombination bzw. ein Komprorniß aus meh-
reren Einzelforderungen. Es ist auch denkbar, daß man die Forderungen so hoch
stellt, daß es überhaupt nicht möglich ist, eine diesen Forderungen genügende
Lösung anzugeben. Im konkreten Fall sind üblicherweise der Zweck eines zu ent-
wickelnden technischen Systems und einige Schnittstellenbedingungen (Ein- und
Ausgangsgröße) bekannt bzw. vorgegeben.
Neben dem Zweck und den Schnittstellenbedingungen bestimmen noch eine Viel-
zahl weiterer Bedingungen (Restriktionen) die Lösung für eine bestimmte technische
Aufgabe. Diese weiteren Bedingungen oder Forderungen folgen aus dem Markt, der
Umwelt, und anderen Einflußbereichen, auf die nachfolgend noch näher einge-
gangen wird. Jede an eine Lösung zu stellende Bedingung verringert die Zahl der für
eine Aufgabe existenten Lösungen. Schließlich ist das endgültige Produkt eine Funk-
tion des Zweckes und der gesamten an ein Produkt zu stellenden Bedingungen
Produkt = f (Zweck, gj BI> g2B2 ... gnBn)
14 Einführung

Mit B1 bis Bn sollen hierbei bestimmte Bedingungen, mit gl bis gn zugeordnete Ge-
wichtungsfaktoren bezeichnet werden. Während die Zweckbeschreibung eines zu
entwickelnden technischen Produktes etwas darüber aussagt, was mit dem betreffen-
den Produkt erreicht (bezweckt) werden soll, besagen die Forderungen oder Restruk-
tionen wie dies bzw. unter welchen Bedingungen dieser Zweck erreicht werden soll
(vgl. hierzu auch Bild 12.1).

5.2 Forderungen, Bedingungen, Restriktionen

Welche Forderungen, Bedingungen oder Restriktionen sind nun im allgemeinen von


technischen Produkten zu erfüllen? Jedes technische Produkt ist in der Regel selbst
Teil eines umfassenden technischen Systems (z. B. Fahrzeug ~ Straße ~ Brücke
~ Tunnel oder Elektrorasierapparat ~ Stecker ~ Netz ~ Generator) und hat ent-
sprechend den aus dieser Systemzugehörigkeit folgenden Bedingungen (Schnitt-
stellenbedingungen u. a.) zu genügen. Technische Produkte werden für einen be-
stimmten Markt (Industrieländer, Entwicklungsländer u. a.) entwickelt, sie müssen
Umwelteinflüssen standhalten und andererseits Rücksicht auf ihre Umwelt nehmen,
sie müssen zum "know-how" und den Fertigungsmöglichkeiten der herstellenden
Firma passen und sie müssen den gesetzlichen Bestimmungen und Vorschriften der
Länder entsprechen, in die sie geliefert und in denen sie betrieben werden sollen.
Entsprechend der Herkunft der an technische Produkte zu stellenden Bedingungen
kann man zwischen Bedingungen des Marktes, der Umwelt, der Systemzugehörigkeit,
der Herstellfirma, und des Gesetzgebers des betreffenden Landes u. a. unterscheiden.
Zur leichteren Verständigung aller an der Lösung Beteiligten sollte eine Aufgaben-
steIlung auch noch einen Arbeitstitel für das zu entwickelnde Produkt haben. Ohne
Anspruch auf Vollständigkeit läßt sich somit etwa folgende Liste als Gedanken-
stütze zur Erarbeitung von Aufgabenstellungen technischer Produkte zusammen-
stellen:

I. Marktbedingungen

I. Arbeitstitel und Zweckbeschreibung des Produktes;


2. Art des Marktes bzw. Kundenkreises (Industrieländer, Entwicklungsländer u. a.);
3. Herstellkosten, Preis;
4. Betriebskosten;
5. Stückzahlen pro Jahr und/oder insgesamt;
6. Termine, Beginn und Ende der Entwicklung, Erprobung, Fertigungsfreigabe,
Lieferung u. a.);
7. Aussehen, Design;
8. Leistung bzw. Geschwindigkeit,
Drehzahl, Frequenz, Kraft, Druck, Drehmoment, Weg, Hub, Stoffdurchsatz
pro Zeiteinheit, Bit pro Zeiteinheit. Reichweite oder andere die "Leistung" eines
technischen Systems beschreibende Größen;
9. Genauigkeit, Meßgenauigkeit, Reproduzierbarkeit;
10. Wirkungsgrad;
11. Gewichte, Masse;
12. Abmessungen, Baugröße (Volumen) etc. ;
AufgabensteIlung (Pflichtenheft, Spezifikation) 15

13. Zuverlässigkeit;
14. Lebensdauer;
15. Wartungsbedingungen, Wartungsaufwand ;
16. Benutzer- oder Gebrauchseigenschaft, Komfort, Automatisierungsgrad ;
17. Betriebsbedingungen, wie;
zulässige Lagen, Klima, Erschütterungen u. a. ;
18. Baureihen oder kundenspezifische Ausführungen;
Soll das betreffende Produkt gleichzeitig oder später als Baureihe gebaut und
angeboten oder nur Kundenwünschen entsprechend gebaut werden?
19. Baukastensysteme oder andere Bauweisen;
Soll das betreffende Produkt als Baukastensystem entwickelt und gebaut werden?
Wenn ja, welche Bausteine soll es enthalten?
20. Zusatzeinrichtungen ;
Unter Zusatzeinrichtungen sollen Funktionseinheiten (Bauteile oder Baugruppen)
verstanden werden, welche in oder an die Grundausführung eines technischen
Produktes ein- oder angebaut werden können, um so die Funktionsfähigkeiten
der Grundausführung zu erweitern.
Da solche Ein- oder Anbaumöglichkeiten schon bei der Festlegung der Grund-
ausführung berücksichtigt werden müssen, um den bei einer späteren Berück-
sichtigung erforderlichen Mehraufwand zu vermeiden, ist es vorteilhaft, diese
bereits bei der Erarbeitung der AufgabensteIlung für die Grundausführung zu
planen.
Als Zusatzeinrichtungen können alle Bauteile oder Baugruppen gelten, die nicht
zur Grundausstattung bzw. Grundausführung des betreffenden Systems zählen.
Als Zusatzeinrichtungen bei Personenkraftwagen können beispielsweise gelten:
Nebelscheinwerfer, Anhängevorrichtungen u. ä.
21. Sonderausjührungen;
Als Varianten oder Sonderausführungen, bezogen auf eine bestimmte Normal-
ausführung eines technischen Produktes, sollen solche Produkte bezeichnet
werden, welche alternativ zur Normalausführung mit verschiedenen, die gleiche
Funktion erfüllenden Komponenten (Baugruppen) ausgestattet werden können.
So zum Beispiel eine Werkzeugspindel einer Werkzeugmaschine, welche alternativ
mit Gleit-, Wälz- oder hydrostatischem Lager oder ein Kraftwagen, welcher
alternativ mit Vergaser-, Benzin-Einspritzmotor oder Dieselmotor ausgerüstet
werden kann. Ein Kraftfahrzeug alternativ mit Rechts- oder Linkslenkung, wäre
noch ein weiteres Beispiel. Die Kenntnis und Berücksichtigung von später even-
tuell interessanten Sonderausführungen ist in der Phase der Definition der Auf-
gabensteIlung ebenfalls wichtig, weil diese bereits bei der Festlegung der Normal-
ausführung berücksichtigt werden müssen, um später unnötige Schwierigkeiten
und Kosten zu vermeiden.

11. Systemzugehörigkeitsbedingungen

Zu entwickelnde technische Gebilde sind meist wiederum Teile eines anderen tech-
nischen Systems. Da dies nicht immer offenkundig ist, werden die hieraus folgenden
Bedingungen für zu entwickelnde Produkte manchmal zu spät bemerkt oder über-
sehen. Die daraus folgenden wirtschaftlichen Schäden können erheblich sein. Aus
diesen Gründen ist es wichtig, daß vor einer Entwicklung auch diese Gruppe von
16 Einführung

Bedingungen erfaßt wird. Solche aus Systemzugehörigkeiten folgenden Bedingungen,


oft auch pauschal als "Schnittstellenbedingungen" bezeichnet, können z. B. sein:
I. Elektrische Größen wie Spannung, Strom, Frequenz, Bit pro Sekunde etc., wenn
die zu entwickelnden Maschinen oder Datengeräte mit elektrischen Netzen bzw.
Datennetzen zusammenarbeiten müssen;
2. Geometrische Daten, Abmessungen etc., beispielsweise bei Systemen wie Stecker
- Steckdose;
Maschine 0- Transportsystem (Container),
Maschinenräume (Toröffnung u. a.),
Photo- und Filmgeräte - Film- und Papierformate ;
Fahrzeuge- Straße - Tunnel - Garage;
mechanische Verbindungen jeder Art, wie z. B.:
Steckverbindung, Flansche, Sanitäranschlüsse ;
3. Gewichte, wie beispielsweise bei Systemen:
Fahrzeuge-- Brücken;
Maschinen- Gebäude.
4. Ergonomische Daten bei Mensch-Maschinesystemen, wie Kraftfahrzeugen,
Schreibmaschinen, Bildschirmarbeitsplätzen, medizinischen Geräten u. a.
III. Umweltbedingungen
Bei Umweltbedingungen kann man zwischen solchen Bedingungen unterscheiden,
die die Umwelt an das zu entwickelnde System stellt, und solchen, die das zu ent-
wickelnde System an die Umwelt stellt.
Unter ersteren sind Bedingungen zu verstehen, die das zu entwickelnde System
aufgrund der es umgebenden Luft, Feuchtigkeit, des in der Lutt befindlichen Staubes,
u. a. möglicher störender Stoffe zu erfüIIen hat. Unter der zweiten Art von Bedin-
gungen sind solche zu verstehen, die das zu entwickelnde System notwendigerweise
an seine Umwelt stellt, um einen einwandfreien Betrieb zu gewährleisten. Solche
Bedingungen können z. B. sein: ein klimatisierter oder/und staubfreier Raum, eine
bestimmte Luftfeuchtigkeit, Luftdruck usw.
Nähere Ausführungen hierzu finden sich unter Kapitel 13 "Restriktionsgerechtes
Konstruieren" .
IV. Gesetze, Vorschriften, Normung
Normen, Vorschriften und Gesetze eines Landes über Sicherheit, UnfaIIverhütung,
zulässige Lärm- und Abgasemission, Strahlenschutz, Funkentstörung u. a. von dem
Gesetzgeber des jeweiligen Landes aufgestellte Vorschriften liefern weitere in einer
AufgabensteIlung zu berücksichtigende wichtige Bedingungen für ein zu entwickelndes
Produkt, abhängig von den jeweiligen Ländern, für welche dieses Produkt gedacht
ist.
V. Firmenstruktur
Schließlich ist bei der Entwicklung und Fertigung eines geplanten technischen Pro-
duktes auf die Fähigkeiten der in dem Unternehmen tätigen Menschen (Know-how),
die Organisation, die Infrastruktur und die Fertigungsmitte1 des Unternehmens oder
des betreffenden Landes Rücksicht zu nehmen [82]. Durch Fremdfertigung lassen
sich "Bedingungen des eigenen Hauses" erforderlichenfalls auch umgehen.
B Der Konstruktions-
oder Entwicklungs-
prozess
I. Die Funktionssynthese

6 Überblick über die Vorgehensweise

Der Konstruktions- oder Entwicklungsprozeß eines technischen Produktes besteht


im wesentlichen aus einem Synthese- und einem Selektions- sowie einem Analyse-
prozeß. Einem Analyseprozeß dann, wenn an dem zu entwickelnden System Fragen-
stellungen der Geräuschentwicklung, des Verschleißverhaltens, des dynamischen
Verhaltens, u. a. zu klären sind, die nur durch experimentelle Untersuchungen hin-
reichend genau geklärt werden können (s. Bild 6.1 und 12.1).
Der Syntheseprozeß besteht im allgemeinen aus den Konstruktionsschritten :

----------1
I
I
I

I
i
Zu sa tz forderungen

Prinzipsynthese Prüfen,
--PrTniIPTIlsungen- -
Bewerten,

[.-=-=-~-=-::-3-~~~--1 Auswählen

Gestaltsynthese anhand von


Qualitat. Entwürfe Restriktionen.

t-::::-=-~-=-:::-::J.~~~-I Erkennen von

Mansynthese Fehlern und

Unzulänglichkeiten

Bild 6.1. Gliederung des Konstruk-


tions- oder Entwicklungsprozesses in
die Teilprozesse Synthese. Selektion
und Analyse
20 Die Funktionssynthese

Funktionsstruktursynthese, Prinzipsynthese, Gestaltsynthese und Maßsynthese.


Steht für ein zu entwickelndes System beispielsweise bereits fest, welche Prinzip-
lösung zu nehmen ist, so reduziert sich der Prozeß in der Praxis um die Schritte, deren
Ergebnisse bereits als gegeben vorliegen. Jeder dieser Syntheseschritte liefert für ein
bestimmtes Entwicklungsziel stets mehrere Lösungsalternativen. Aus diesen Gründen
ist jedem Syntheseschritt in der Regel ein Selektionsvorgang nachzuschalten, um die
Vielzahl der Lösungen bzw. Lösungswege nach Möglichkeit wieder auf einen einzigen
- den für den betreffenden Fall günstigsten - zu reduzieren.
Der sogenannte "Selektionsprozeß" besteht im einzelnen aus folgenden, sich nach
jedem Syntheseschritt wiederholenden Tätigkeiten:
Prüfen der Summe aller an eine Lösung zu stellenden Forderungen (Anforde-
rungsprofil) auf Erfüllung durch die betreffende Lösung und Ausscheiden jener
Lösungen, die fest einzuhaltende Forderungen (Festforderungen) nicht erfüllen.
Feststellen, inwieweit eine Lösung sogenannten "Wunschforderungen" eines
bestimmten Anforderungsprofils genügt.
Bewerten der einzelnen Forderungen und bestimmen des Gesamtwertes (wirt-
schaftlicher und technischer Wert, vgl. Richtlinie VDI 2225) einer Lösung.
Vergleichen der Lösungen und Auswählen der am besten geeigneten.
Erforderlichenfalls:
Feststellen der Schwachstellen an der am besten geeigneten Lösung und
Beseitigung der Schwachstellen bzw. Verbessern der Lösung mit den Mitteln
der Synthese.
Technische Lösungen erfüllen die an sie zu stellenden Forderungen nicht immer
vollkommen. Wie vollkommen eine Lösung eine bestimmte Forderung erfüllt, ist
demnach festzustellen. Es liegt in der Natur der Sache, daß dies in vielen Fällen nicht
objektiv erfolgen kann. Noch weniger lassen sich verschiedene Forderungen objektiv
miteinander vergleichen. Dies ist aber erforderlich, um festzustellen, ob eine bestimmte
Lösung besser oder schlechter ist als eine andere. Der Selektionsprozeß ist - von
einfachen Fällen abgesehen - vom subjektiven Bewertungsvermögen des Konstruk-
teurs abhängig. Man kann den Selektionsprozeß üblicherweise nur dadurch "objek-
tivieren", daß man mehrere Personen bewerten läßt und aus den Einzelergebnissen
den Mittelwert bildet und diesen für eine Entscheidung zugrunde legt.
Der Ausgangspunkt für den Konstruktionsprozeß ist die in der Produktplanung
erstellte AufgabensteIlung. Der erste Schritt auf dem Wege von einer Aufgaben-
steIlung zu einer konkreten Lösung ist die Formulierung der Zweckfunktion des zu
entwickelnden Systems entsprechend der vorgegebenen Zweckbeschreibung. In
anschließenden Arbeitsschritten wird diese Zweckfunktion weiter in Teil- bzw.
Elementarfunktions- und Grundoperationsstrukturen gegliedert. Im allgemeinen
gibt es für eine AufgabensteIlung mehrere verschiedene Funktionsstrukturen, die
zwar alle die vorgegebene Zweckfunktion erfüllen, aber nicht alle gleich günstig
für den betreffenden Anwendungsfall sind. Die möglichen Funktionsstrukturen
aufzuzeigen und die günstigste anzugeben, ist Aufgabe und Ziel von Arbeitsschritten,
die zusammenfassend als Funktionsstruktursynthese oder kurz Funktionssynthese
bezeichnet werden sollen.
In der Elektrotechnik beginnt das Lösen einer Aufgabe üblicherweise ebenfalls
mit der Entwicklung einer Funktionsstruktur bzw. eines Schaltplanes. Diese Vor-
gehensweise ist deshalb möglich, weil man auf diesem Gebiet von bekannten Ele-
Überblick über die Vorgehensweise 21

mentarfunktionen (Widerstände, Kondensatoren, Spulen, logische Bauelemente


usw.) ausgehen kann, aus welchen alle komplizierten Systeme aufgebaut werden.
Es ist sicher zweckmäßig, auch für den allgemeinen Maschinenbau Elementar-
funktionen bzw. Grundoperationen zu definieren, um die Vorgehensweise zur Ent-
wicklung komplexer Systeme der Elektrotechnik auf den Maschinenbau übertragen
zu können. Während für die Elementarfunktionen elektrischer Systeme die entspre-
chenden Bauelemente üblicherweise bereits vorhanden sind, müssen im Maschinen-
bau - von Ausnahmen, den sog. Maschinenelementen abgesehen - die Elemente für
jedes System erst entwickelt werden. Deshalb ist es für den Maschinenbau wichtig,
neben den Hilfsmitteln zur Entwicklung komplexer Systeme auch Regeln zur Ver-
wirklichung von Funktionselementen zu haben. Eine sog. Lösungsidee für eine
bestimmte Funktion beinhaltet zunächst nur qualitative Informationen. Um etwas
bemessen (dimensionieren) zu können, ist die Kenntnis der qualitativen Lösung Vor-
aussetzung. Hieraus folgt, daß der quantitativen Konstruktion grundsätzlich ein
qualitativer Konstruktionsprozeß vorangehen muß, weil ein technisches Gebilde
nur dann analytisch behandelt bzw. bemessen werden kann, wenn es qualitativ, d. h.
sein Prinzip und seine qualitative Gestalt festgelegt ist. Man kann beispielsweise ein
Getriebe erst dann bemessen, wenn feststeht, um welche Art von Getriebe (Gelenk-
oder Zahnrad- oder Kurvengetriebe usw.) es sich handelt. Ein Biegeträger kann erst
dann bemessen werden, wenn sein Querschnittsprofil qualitativ festgelegt ist.
Die erste Phase von Konstruktionsschritten, welche zu einer qualitativen Lösung
(qualitativer Entwurf) führt und in der Praxis häufig mit Ideenfindung, Konzipieren
oder Entwerfen bezeichnet wird, soll deshalb unter dem Begriff qualitative Kon-
struktion oder qualitative Synthese zusammengefaßt werden. Die Tätigkeiten, welche
ausgehend von einem qualitativen Entwurf bis zur Erstellung der Detailzeichnungen
notwendig sind, werden entsprechend unter dem Begriff quantitative Konstruktion
oder quantitative Synthese zusammengefaßt. Qualitatives und quantitatives Kon-
struieren sind zwei logisch aufeinanderfolgende Tätigkeiten, die in der Reihenfolge
nicht vertauscht werden können. Das bedeutet, daß eine Lösung immer erst
qualitativ bekannt sein muß, ehe es möglich ist für diese Gesetze abzuleiten. Anders
ausgedrückt: es ist nicht eindeutig möglich, aus dem physikalischen Gesetz auf die
Prinziplösung rückzuschließen ; gleiche Gesetze können zu unter . liedlichen Prinzip-
lösungen passen.
Aus den bisherigen Ausführungen für den Produktentwicklungs- oder Konstruk-
tionsprozeß folgt eine grundsätzliche Gliederung in die Tätigkeitsbereiche:
Funktionssynthese ;
- qualitative Synthese bzw. qualitative Konstruktion;
- quantitative Synthese bzw. quantitative Konstruktion.
Diese gliedern sich im einzelnen in die Arbeitsschritte (s. Bild 6.2):

Funktionssynthese
I. Beschreiben der Zweck-, Haupt- oder Kernfunktion.
2. Gliedern und Entwickeln einer oder mehrerer entsprechender Teilfunktionsstruk-
turen und Auswählen der günstigsten Struktur.
3. Gliedern in alternative Grundoperationsstrukturen und Wählen der am günstigsten
erscheinenden Grundoperationsstruktur.
22 Die Funktionssynthese

Bereiche Ergebnisse Arbeitsschritte

I
Markt
+"' rn Marktana Iyse
~ c
::J ::J
"'0 C Marktbedarf
0 0 Erarbeiten der
L..
a... 0.. AufgabensteIlung
AufgabensteIlung
Beschreiben d. Zweck-
Q)
1Il
oder Haupttunktion
Q)
.c
+-
c
>.
1Il
1Il
c Teilfunktionsstruktur
0

-
C +-
0 ~
c Grundoperations -
:J
strukturen

-
~ LL
::J
L..
l J) Effektvarianten
c Q)
0 1Il
~ Q)
.c Effektträgervarianten
"rn
C
+-
c
>.
tIl
Prinzip darstellen
::J Q) Prinziplösungen
>
~ :;:::
u

-
Cl
:!::
:;: Cl Gesamtkonzept
:J
C 0
Q)
+"' 10 Bauteile, Baugruppen
~
::J 1. ualitativer Entwurf
"'0 Q)
0 1Il
L.. Q)
a... .c
+-
c Experiment. Untersuchg.,
>. Erprobung, Verbesserg.
tIl
.... endgültiger Entwurf
E
+-
c
Cl
:J
0
------------ Fertigung, Montage
Produkt

Bild 6.2. Stationen und Tätigkeiten des Produktentstehungsprozesses


Überblick über die Vorgehensweise 23

Qualitative Synthese
I. Zuordnen verschiedener physikalischer Effekte zu Grundoperationsstrukturen.
2. Effektträger variieren und zuordnen.
3. Prinziplösung entwickeln und darstellen.
4. Auswählen der einzelnen Prinziplösungen für das Gesamtkonzept.
5. Gestalten eines ersten und weiterer verbesserter qualitativer Entwürfe.

Quantitative Synthese
I . Berechnen, Bemessen von Konstruktionsparametern, bzw. quantitative Fest-
legung aller Konstruktionsparameter - Bemaßen.
2. Experimentelle Untersuchung und Erprobung einzelner kritischer Baugruppen
oder eines Prototyps; Verbesserungen und endgültiger Entwurf.
3. Einzelteilzeichnungen bzw. Fertigungsunterlagen und Arbeitspläne erstellen.
Neben den einzelnen Arbeitsschritten sind in Bild 6.2 noch die Zwischenergebnisse
der entsprechenden Arbeitsschritte angegeben. In Bild 6.2 nicht angegeben sind hin-
gegen Entscheidungen, ob die Entwicklung aufgrund des bis dahin gewonnenen Er-
kenntnisstandes weitergeführt werden soll oder nicht. Solche Entscheidungen sind
mindestens nach der AufgabensteIlung, nach der Erarbeitung des ersten Gesamt-
entwurfes und vor der Freigabe zur Fertigung notwendig. Selbstverständlich können
solche Prüfungen über die Zweckmäßigkeit des Entwicklungsfortganges an jeder
Stelle des Entwicklungsprozesses einsetzen und bei genügend fundierten Kenntnissen
u. U. zum Abbruch der Entwicklung oder zu einem Zurückspringen in einen voran-

Kons truktionstätigkeiten

! p"'1
:
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Prinzip -
synthese
, 1 Zeichnen
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0

.x
=>
Zeichnen
ITI
I
Entwurf
Zus.-stettung

, ,,
I
c I I
0 I
Mo ß- synthese I
I
Quantitativer Bild 6.3. Differenzierung zwischen der
L Bemessen
Berechnen
Tolerieren
+1 Zeichnen
1+ Entwurf
Oetoilzeichng .
eigentlichen Konstruktionstätigkeit,
dem Zeichnen und den Konstruktions-
ergebnissen
24 Die Funktionssynthese

gegangenen Arbeitsschritt führen. Daraus folgt, daß ein Konstruktionsprozeß in der


Praxis häufig ein iterativer Prozeß ist.
Für das Verständnis des Konstruktionsprozesses ist noch hilfreich, zwischen der
eigentlichen Tätigkeit des Konstruierens und jener des Darstellens, Dokumentierens
oder Zeichnens zu unterscheiden. Obgleich beide Tätigkeiten in der Praxis oft neben-
einander (simultan) durchgeführt werden, sind Konstruieren und Zeichnen (Dar-
stellen) doch von wesentlich unterschiedlicher Art. Unter Konstruieren sind jene für
den Beobachter nicht sichtbaren Denkprozesse "im Kopf des Konstrukteurs" zu
verstehen, über das" wie" eine technische Lösung zu sein hat, um eine bestimmte Auf-
gabe unter Berücksichtigung bestimmter Bedingungen zu erfüllen. Unter "Zeichnen"
sind hingegen alle manuellen Tätigkeiten des bildlichen Darstellens und Dokumen-
tierens von Konstruktionsergebnissen zu verstehen. Bild 6.3 soll diesen Unterschied
zwischen Konstruieren und Zeichnen noch verdeutlichen.
7 Entwickeln von Funktionsstrukturen

Der Konstruktionsprozeß gliedert sich in die drei Phasen Funktionssynthese, quali-


tative und quantitative Maschinensynthese. Sie werden bei der Neuentwicklung eines
technischen Gebildes bewußt oder unbewußt immer durchlaufen. Je nachdem wie
weit bei der Lösung einer Aufgabe auf bereits Bekanntes zurückgegriffen werden
kann, kann die Ausführung einzelner Arbeitsschritte oder ganzer Entwicklungs-
phasen überflüssig und übersprungen werden. Die folgenden Betrachtungen gehen
der Vollständigkeit halber davon aus, daß jeder Realisierungsgrad einer Lösung neu
entwickelt und folglich jeder Arbeitsschritt des Konstruktionsprozesses durchlaufen
werden muß.
Für die folgenden Ausführungen waren vier Erkenntnisse von wesentlicher Be-
deutung, und zwar, daß
in Maschinen, Apparaten oder Geräten nur Energie-, Stoff- oder Signalflüsse
vorkommen (s. Bild 7.1);
in technischen Systemen nur Eigenschaften und Zustände von Energien bzw.
Signalen und Stoffen sowie deren Flüsse verändert werden;
die komplizierten Vorgänge in technischen Systemen auf eine endliche Zahl von
physikalischen, chemischen, biologischen, mathematischen und logischen Grund-
operationen zurückzuführen sind;
- diese Grundoperationen nur durch physikalische, chemische oder biologische
Effekte realisiert werden.
Aus diesen Erkenntnissen läßt sich folgende Vorgehensweise für die Konstruktion
von technischen Produkten ableiten: Aus der in der AufgabensteIlung gegebenen
Zweckbeschreibung und den Schnittstellenbedingungen ist zunächst der kausale
Zusammenhang zwischen Ein- und Ausgangsgrößen des Gesamtsystems zu formu-
lieren (s. Bild 7.1). Diese Zweckfunktion des zu entwickelnden Systems ist in den
anschließenden Arbeitsschritten in vorgegebene Teil- oder weiter in Elementar-
funktionen bzw. Grundoperationen zu untergliedern, die so miteinander zu ver-
knüpfen bzw. in Relation zu bringen sind, daß die Zweckfunktion des Gesamtsystems
erwirkt wird. Ergebnis dieser Arbeitsphase sind üblicherweise mehrere, alternative
Elementarfunktions- oder Grundoperationsstrukturen, aus denen dann die für das
betreffende System günstigste Struktur auszuwählen ist. In der anschließenden
Konstruktionsphase ist diese dann durch entsprechende physikalische Prinzipien
bzw. Bauelemente zu verwirklichen.
Wie bereits einleitend erwähnt, kann man bei Maschinen, Geräten und Apparaten
grundsätzlich zwischen physikalischen, algebraischen und logischen Grundopera-
26 Die Funktionssynthese

Eingangs- Ausgangs -
schnittstelle schnittstelle
für tür

Energie Energie

Gerät
Stoff Apparat Stoff

I
I
I Bild 7.1. Abstrakte Darstellung eines
I techni sc hen Systems (black-box) mit
Signal I
)------ Ein- und Ausgangsschnittstellen für
Energie. Stoff und Signale (lnforma·
"
"" tionen)

tionen unterscheiden. Während die logischen und algebraischen Vorgänge durch die
bekannten Grundoperationen der gewöhnlichen und der Booleschen Algebra sehr
gut beschrieben werden können, ist die Möglichkeit der Beschreibung physikalischer
Vorgänge in technischen Systemen durch geeignete Grundoperationen - mit Aus-
nahme in den Fachgebieten Elektrotechnik und Hydraulik - noch wenig bekannt.
Unter dem Begriff Funktionssynthese sollen hier, die Tätigkeiten verstanden wer-
den , die notwendig sind, um aus einer verbalen AufgabensteIlung eine Zweckfunktion
eines technischen Systems zu formulieren , sowie jene Tätigkeiten, welche erforderlich
sind, um eine so formulierte Zweckfunktion durch Teil- oder Elementarfunktions-
strukturen zu ersetzen. Letzterer Arbeitsgang ist etwa vergleichbar mit der Entwick-
lung von Schaltplänen für elektrische oder hydraulische Systeme .
Die einzelnen hierzu notwendigen Arbeitsschritte sollen mit Entwickeln (Syntheti-
sieren) der Teil- bzw. Grundoperationsstruktur bezeichnet werden . Die Stationen
bzw. die Ergebnisse dieser Arbeitsschritte sind Funktionsstrukturen, die entsprechend
dem zunehmenden Detaillierungsgrad mit den Worten Zweckfunktion, Teil- und
Elementarfunktions- bzw. Grundoperationsstruktur bezeichnet werden sollen
(Bild 6.2). Ziel und Zweck dieser Vorgehensweise ist die Schaffung eines genügend
verallgemeinerten und abstrahierten Modells des betreffenden Systems, das zur Ent-
wicklung aller existenten Lösungen geeignet ist.
In den folgenden Kapiteln wird auf die Durchführung dieser Arbeitsschritte noch
näher eingegangen.

7.1 Formulieren der Zweck- oder Hauptfunktion


Unter Formulieren der Zweck- oder Hauptfunktion eines zu entwickelnden tech-
nischen Systems ist - ausgehend von der Zweckbeschreibung eines Systems - das
Erkennen und Festlegen der von diesem System primär zu realisierenden Funktion
(Operation), das Erkennen des " Kerns" der Aufgaben zu verstehen. Diese Zweck-,
Haupt- oder auch Kernfunktion einer Wasserpumpe ist bei spielsweise das Wasser
Entwickeln von Funktionsstrukturen '27

mit Bewegungsenergie zu beaufschlagen. Alle anderen bei einer Pumpenentwicklung


später noch hinzukommenden Funktionen, wie z. B. jene von Rückschlagventilen,
u. a. sind sekundärer Art; zwar zur Erreichung der Zweckfunktion notwendig, von
dieser aber abhängig. Ein anderes physikalisches Prinzip als Lösung der Haupt-
funktion hat im allgemeinen auch andere Nebenfunktionen zur Folge. Die Ent-
wicklung eines neuen technischen Systems beginnt deshalb mit der Verwirklichung
der Zweck- oder Kernfunktion bzw. Hauptbaugruppe; erst wenn diese feststeht,
können die weiteren notwendigen Nebenfunktionen bzw. Sekundärbaugruppen
"um diese herum" entwickelt werden, da sie sich ersterer anzupassen haben bzw. durch
diese bedingt werden.
Ausgangspunkt und Voraussetzung für die Formulierung einer Zweckfunktion
ist eine schriftlich fixierte Aufgabenstellung über den Zweck des zu entwickelnden
Systems und die Bedingungen, unter welchen dieser Zweck erreicht werden soll
(s. Kap. 5). Die Zweckbeschreibung sagt im allgemeinen nur etwas über das mit
einem technischen System zu erreichende Ergebnis ("output") aus; sie sagt nichts
darüber aus, wie dieses Ergebnis erreicht werden soll.
Unter dem Begriff System ist im folgenden ein technisches Gebilde zu verstehen,
das je nach Umfang einen oder mehrere physikalische, logische oder 'mathematische
Prozesse durchzuführen im Stande ist. Die folgenden Betrachtungen sollen sich im
wesentlichen auf physikalische Prozesse beschränken, weshalb auf die Definition für
logische oder andere mathematische Prozesse verzichtet werden soll.
Systemen für physikalische Prozesse ist die Aufgabe gemeinsam, die Eigenschaften
oder den Zustand der Eingangsgrößen Energie, Stoff, Signal! oder deren Flüsse auf
irgendeine Weise zu verändern, so daß diese das betreffende System in veränderter
Form wieder verlassen bzw. Energie, Stoff oder Signale möglichst ohne Verände-
rung zu übertragen, so daß diese andernorts unverändert wieder zur Verfügung stehen.
Unter einer technischen Funktion soll dementsprechend ein Ursache-Wirkung-
Zusammenhang zwischen einer Ein- und Ausgangsgröße verstanden werden. Diese
kann somit konkret durch Beschreibung der Eigenschaft oder des Zustandes der
Eingangs- und Ausgangsgröße sowie der Tätigkeit, die zu dieser Umsetzung not-
wendig ist. angegeben werden.
Für die Entwicklung technischer Funktionsstrukturen aus einer konkreten Auf-
gabenstellung ist es zweckmäßig, das noch unbekannte zu entwickelnde System als
"schwarzen Kasten" (black box) mit Ein- und Ausgängen für Energien, Stoffe und
Signale zu betrachten (Bild 7.1). Die Ein- und Ausgänge eines Systems sind die Ver-
bindungen zu anderen, korrespondierenden technischen Systemen, zum Menschen
oder zu anderen natürlichen Systemen. Sie markieren ferner die Grenzen zwischen den
einzelnen Teilsystemen. Ein- und Ausgangsgrößen und Systemgrenzen bedingen
sich gegenseitig und kommen stets zusammen vor, da technische und natürliche
Systeme immer mit ihrer "Umwelt" in irgendeiner Verbindung stehen bzw. Verbin-
dung aufnehmen können, sofern es sich nicht um geschlossene Systeme handelt.
Diese Verbindungen bzw. Systemgrenzen werden häufig auch sinnvoll als Schnitt-
stellen zwischen den einzelnen Systemen bezeichnet. Entsprechend der in ein System

Hierbei ist nicht deren informativer Inhalt. sondern es sind deren physikalischen Größen und
Eigenschaften gemeint
28 Die Funktionssynthese

hineingehenden oder dieses verlassenden Energie-, Stoff- oder Signalflüsse ist es


zweckmäßig, zwischen einer Eingangs- und einer Ausgangsschnittstelle zu unter-
sch.:iden. Die Bedingungen, welche erfüllt sein müssen, damit ein Energie-, Stoff-
und Signalaustausch sowie eine stoffliche Verbindung zwischen den einzelnen
Systemen möglich wird, sollen entsprechend als Schnittstellenbedingungen bezeichnet
werden.
Die Ein- und Ausgangsgrößen sind manchmal durch die mit dem zu entwickelnden
Systemen korrespondierenden Nachbarsysteme vorgegeben oder können mehr oder
weniger frei gewählt werden. In der AufgabensteIlung für ein konkretes Produkt sind
die Schnittstellenbedingungen, soweit sie durch andere Systeme bestimmt sind, fest-
gelegt. Andernfalls können sie aufgrund des Zweckes des zu entwickelnden Produktes
festgelegt werden; teilweise können sie auch bei Kenntnis des Zweckes sinnvoll
frei gewählt werden.
Ein- und Ausgangsgrößen stehen in bestimmten kausalen Zusammenhängen. Diese
gilt es in einem ersten Arbeitsschritt zu formulieren. Nach dem bisher Gesagten läßt
sich dies zusammenfassen in

Rcycll: In einem ersten Arbeitsschritt ist, ausgehend von der AufgabensteIlung,


die Zweck- oder Hauptfunktion des zu entwickelnden Systems zu erkennen und
festzulegen. Unter "Formulieren der Zweck- oder Hauptfunktion" ist im
einzelnen das Festlegen der Eigenschaften und Zustände der Ein- und Aus-
gangsgrößen sowie deren Zuordnung unter Berücksichtigung des vorgegebenen
Zweckes zu verstehen. Mit anderen Worten: Unter Formulieren der Zweck-
funktion ist das Umsetzen der Zweckbeschreibung in physikalische, mathe-
matische oder logische Funktionen zu verstehen (vgl. Beispiel "Pumpe",
Abschn. 7.6).

Bezeichnet man die Eigenschaft oder den Zustand einer Eingangsgröße allgemein
mit GE. j und die zugeordnete Ausgangsgröße mit GA. j, so läßt sich diese Aufgabe als
physikalische Funktion kurz so darstellen:

Dieser Funktionsausdruck bedeutet, daß die Eingangsgröße GE. j (Energie, Stoff oder
Signal) der Ausgangsgröße GA. j zugeordnet ist, und daß die Eingangsgröße des Zu-
standes GE. j zugeordnet ist, und daß die Eingangsgröße des Zustandes GE. j auf
irgendeine Weise in eine Ausgangsgröße des Zustandes GA. j "umzusetzen" ist. Im
allgemeinen kann ein Energie-, Stoff- oder Signalfluß von einem technischen System
auch geteilt oder zusammengeführt werden, also eine Eingangsgröße zwei (oder
mehreren) Ausgangsgrößen zugeordnet sein bzw. es können mehrere Eingangs-
nur einer Ausgangsgröße zugeordnet sein. Der Pfeil bedeutet soviel wie" Umsetzen"
oder "Zustand bzw. Eigenschaft ändern". Der Index i soll die sich entsprechenden
Größen kennzeichnen und je nach Erfordernis die Werte I bis n annehmen.
Über die Eigenschaften (oder Zustände) der Ein- bzw. Ausgangsgrößen Energie
Stoff oder Signal (GE und GA) müssen in dieser Phase konkrete Vorstellungen existie-
ren. während die Frage nach dem .,Wie" der Umsetzung noch offen bleiben kann. GE
und GA sind unabhängige Variablen, die theoretisch beliebig angenommen werden
Entwickeln von Funktionsstrukturen 29

können. Häufig ist aber die eine oder andere Ein- und Ausgangsgröße oder beide
durch die Aufgabenstellung vorgegeben.
Ein- und Ausgangsgrößen des zu entwickelnden Systems sind eine Funktion des
zu erreichenden Zweckes:

GE bzw. GA = f (Zweck) .

Die Zweckfunktion eines Systems ist durch die Summe aller entsprechenden Zu-
sammenhänge zwischen den einzelnen Ein- und Ausgangsgrößen beschrieben:

Unter dem Begriff Funktion sollen, neben der unter Abschn. 5.1 gegebenen Defini-
tion, auch die Zuordnung von Ein- und Ausgangsgrößen eines technischen Gebildes
und deren qualitative Eigenschafts- bzw. Zustandsänderung verstanden werden. Der
hier so zu verstehende Begriff der physikalischen-technischen Funktion wird durch
die Angabe der Eigenschaft und/oder des Zustandes der physikalischen Größe vor
und nach dem betreffenden System sowie durch die Tätigkeit, die notwendig ist, um
die betreffende Eingangsgröße in die entsprechende Ausgangsgröße umzusetzen,
beschrieben (Bild 7.1.1).

Eingangsgröne Tätigkeit. Ausgangsgröne


der Eigenschaft A 1 Eigenschafts -
der Eigenschaft A 2
wechsel oder
oder des Zustandes 8 1 oder des Zustandes 8 2
Zustands -
änderung

Bild 7.1.1. Beschreibungsmerkmale einer physikalischen Funktion

Eine Funktion läßt sich deshalb häufig verbal durch ein oder mehrere Hauptwörter
und ein Tätigkeitswort schlagwortartig angeben. Als Beispiel mögen Elektromotor
und Glühlampge dienen. Der Elektromotor setzt elektrische Energie in Bewegungs-
energie um (elektrische Energie [Ws] wandeln in mechanische Energie [Nm]). Die G lüh-
lampe wandelt elektrische Energie in Lichtenergie (elektrische Energie [Ws] wandeln
in Licht [Im]). Entsprechend läßt sich auch eine zunächst nur verbal gegebene Zweck-
funktion eines zu entwickelnden technischen Systems mit physikalischen Größen
abstrahiert beschreiben und präzisieren. Zur Veranschaulichung des Gesagten wird
auf einige Beispiele von Abschn. 7.6 verwiesen.

7.2 Entwickeln von Teilfunktions-, Elementarfunktions-


und Grundoperationsstrukturen

Die Zweckfunktion eines komplexen technischen Gebildes läßt sich im allgemeinen


aus einer Vielzahl von Teil- oder Elementarfunktionen zusammensetzen. Entsprechend
der Lage der Systemgrenzen unterscheidet man begrifflich zwischen Gesamt-, Teil-
30 Die Funktionssynthese

und Elementarfunktionen. Die genaue Definition des Begriffs Elementarfunktion


erfolgt in Abschn. 7.3; hier genügt vorläufig die Aussage, daß unter einer Elementar-
funktion eine kleinste, sinnvoll nicht mehr weiter teilbare (gliederbare) Funktion zu
verstehen ist. Eine Teilfunktion setzt sich im allgemeinen aus zwei oder mehreren
Elementarfunktionen zusammen. Mehrere Teilfunktionen können ihrerseits eine
Gesamtfunktion bilden.
Unterstellt man, daß es möglich ist, alle Vorgänge in technischen Maschinen,
Geräten und Apparaten auf eine endliche Zahl von Grundoperationen zurückzu-
führen, so ist es sinnvoll, die Zweckfunktion eines zu entwickelnden Systems auf eine
Struktur dieser Grundoperationen zurückzuführen. Der Vorteil einer solchen Vor-
gehensweise liegt darin, daß mit einem relativ geringen Zeitaufwand mehrere alter-
native Funktionsstrukturen für die geforderte Zweckfunktion des betreffenden
Systems entwickelt und auf ihre optimale Eignung hin ausgewählt werden können.
Bemerkenswert ist, daß auch komplexe elektrische oder hydraulische Systeme durch
eine Struktur (Schaltplan) von definierten Elementar- oder Teilfunktionen (Wider-
stände, Verstärker, Oder-Gatter usw.) realisiert werden.
Diese Vorgehensweise ist bei der Entwicklung elektrischer und hydraulischer
Systeme schon lange bekannt. Der Konstrukteur geht von der vorgegebenen Zweck-
funktion des zu entwickelnden Systems aus und versucht diese Ursache-Wirkung-
Zusammenhänge durch eine Struktur bekannter Teil- bzw. Elementarfunktionen
zu ersetzen. Hierzu ist die gegebene Zweckfunktion zu analysieren und in Teil- und/
oder Elementarfunktionen zu gliedern. Voraussetzung für eine solche Tätigkeit
sind definierte Teil- oder Elementarfunktionen. Das Aufbauen einer der Gesamtfunk-
tion äquivalenten Funktionsstruktur aus definierten Elementar- oder/und Teil-
funktionen ist im wesentlichen ein Syntheseprozeß, der durch simultane Analyse-
vorgänge ergänzt und gestützt wird.
Im konkreten Fall hat man eine Vorstellung über die Ursache-Wirkung-Zusammen-
hänge des Gesamtsystems und versucht, diese durch eine sinnvolle Verknüpfung
definierter Elementar- oder Teilfunktionen zu ersetzen. Dieser Vorgang ist vergleich-
bar mit der Situation eines Architekten, der weiß, wie ein bestimmtes zu bauendes
Gebäude aussehen soll und welche Bauelemente (Steine, Fenster, Türen usw.) zur
Verfügung stehen, um diese Vorstellungen zu realisieren. Ein weiterer Vergleich für
die Vorgehensweise bei der Entwicklung einer Funktionsstruktur bietet auch ein
Puzzle-Spiel. Der Spieler kennt die einzelnen Bausteine und das daraus zu entwickelnde
Gesamtbild; es kommt bei diesem Spiel "nur" darauf an, diese "richtig" aneinander
zu reihen.
Am besten kann man sich diese Problematik bei der Erstellung von Funktions-
strukturen an der Entwicklung von Schaltplänen für elektrische Systeme verdeutlichen
(elektrische Schaltpläne sind mit den hier so genannten Funktionsstrukturen praktisch
identisch). Bekanntlich gibt es für bestimmte Gruppen elektrischer Systeme sehr
perfekte Methoden zum Entwurfvon logischen Systemen; erinnert sei an die Boolesche
Algebra und die Mehrpoltheorie. Kennt man diese Methoden nicht oder kann man
aus anderen Gründen nicht auf sie zurückgreifen, so geht man wieder von den zur
Verfügung stehenden Bauelementen des Systems aus, setzt diese in Form eines
Schaltplanes zu einer Struktur zusammen und analysiert diese simultan. Falls die-
ser "erste Entwurf' noch Fehler aufweist, wird entsprechend verbessert und wieder
analysiert. Dieser Vorgang wiederholt sich so oft, bis die so entwickelte Funk-
tionsstruktur der vorgegebenen Zweckfunktion bzw. dem gewollten Ursache-Wir-
Entwickeln von Funktionsstrukturen 31

kung-Zusammenhang des Gesamtsystems entspricht. Auf diese Weise werden Schalt-


pläne mangels expliziter Lösungsmethoden in der Praxis entwickelt.
Diese Vorgehensweise läßt sich ohne Änderung auf die Entwicklung allgemeiner
interdisziplinärer Funktionsstrukturen übertragen. Man versucht eine vorgegebene
Zweckfunktion durch den Aufbau (Synthese) einer Funktionsstruktur aus definierten
Elementar- oder Teilfunktionen zu ersetzen. Die so schrittweise entstehende Funk-
tionsstruktur wird solange analysiert und korrigiert, bis sie der Zweckfunktion äqui-
valent ist (vgl. Beispiele in den Abschnitten 7.6 und 15). Methoden zur systematischen
Entwicklung von Funktionsstrukturen aus physikalischen Elementarfunktionen ste-
hen bisher noch in ihren Anfangen; in Abschnitt 8.6 wird kurz auf diese bisher nur
in geringem Umfang vorhandenen Kenntnisse dieser algebraischen Vorgehensweise
eingegangen.
Theoretisch kann die Zweckfunktion unmittelbar in einem Arbeitsschritt durch
eine Elementarfunktionsstruktur ersetzt werden. Aus verschiedenen Gründen ist es
aber oft zweckmäßig, die Zweckfunktion nicht unmittelbar in eine Elementarfunk-
tionsstruktur, sondern zunächst in eine Teilfunktionsstruktur umzusetzen. Ein Grund
für ein solches Vorgehen kann beispielsweise die Absicht sein, die Zweckfunktion
in Teilfunktionen zu gliedern, zu deren Verwirklichung bereits geeignete käufliche
Baugruppen existieren, welche also nicht mehr entwickelt werden müssen. Manchmal
werden in einer Firma auch verschiedene Maschinen, Geräte oder Apparate ent-
wickelt und gebaut, in welchen identische Teilfunktionen vorkommen und folglich
gleiche Baugruppen mehrmals Anwendung finden können. Diese Gemeinsamkeiten
zu erkennen, ist mit ein Vorteil einer solchen Vorgehensweise. Grundsätzlich ist
dieser Zwischenschritt jedoch nicht notwendig, vielmehr ist das Gliedern in Teil-
funktionen ein willkürliches Festlegen von Teilsystemgrenzen, das in der Praxis
zweifelsohne sehr sinnvoll vorgenommen wird. Es ergeben sich dann oft Strukturen
aus Teilfunktionen, für die es bereits käufliche Bauelemente oder Baugruppen, wie
Getriebe, Motoren, Schalttische, Chips usw. gibt.
Hinsichtlich der Anordnung einzelner Funktionen kann man ferner unterscheiden
zwischen
Kettenstrukturen für Vorgänge, die in der Reihenfolge nacheinander erfolgen
können,
Parallelstrukturen für Vorgänge, die nebeneinander ablaufen. und
Kreisstrukturen für rückgekoppelte Vorgänge (Bild 7.2.1 a, b, c).

Kettenstruktur Parallelstruktur

a b
Kreisstruktur

Bild 7.2.la-c.
c Funk tionsstrukturarten technischer Systeme
32 Die Funktionssynthese

Beispiele für Ketten-, Parallel- und Kreisstrukturen werden im Abschnitt 7.6 aus dem
Gebiet der Getriebetechnik angeführt.
Zur Entwicklung von Teil- oder Elementarfunktionsstrukturen läßt sich zusam-
menfassend folgendes festhalten :

Reyel 2: Das Entwickeln von Teil- oder Elementarfunktionsstrukturen ist das


Gliedern einer vorgegebenen Zweckfunktion in bekannte Teil- oder Elemen-
tarfunktionen bzw. das Aufbauen (Synthetisieren) der Funktionsstruktur durch
logisches Verknüpfen definierter Teil- oder Elementarfunktionen, so daß die
geforderten U rsache-Wirkung- Beziehungen des Gesamtsystems zustandekom-
men.

Für Teilfunktionen ist eine Definition einzelner häufig wiederkehrender Funktionen


manchmal zweckmäßig und in der Praxis auch üblich. So gliedert man beispielsweise
Werkzeugmaschinensystel1)e in die Teilfunktionen, Hauptspindelantrieb, Vorschub-
einheit, Schalttisch usw.; bei Automobilen hat sich eine Gliederung in die Teilsysteme
Antrieb, Schaltgetriebe, Lenkung, Karosserie, Fahrwerk usw. eingebürgert. Da mit
zunehmendem Umfang des technischen Gebildes die Anzahl der verschiedenen
denkbaren Teilfunktionen bzw. Baugruppen sehr groß wird, ist eine umfassende
Festlegung aller möglichen Teilfunktionen natürlich nicht durchführbar; man wird
Teilfunktionen deshalb immer nur in begrenztem Umfang branchen- oder firmen-
spezifisch sinnvoll definieren und festlegen können.
Es war daher eine sehr wertvolle und wichtige Erkenntnis der Konstruktionsfor-
schung, daß die komplexen Vorgänge in Maschinen, Geräten und Apparaten auf eine
relativ kleine Zahl elementarer Tätigkeiten - sogenannter physikalischer Grund-
operationen - zurückgeführt werden können (Bild 7.3. I), und zwar sind das im ein-
zelnen folgende Tätigkeiten und deren Inversion:

Wandeln Rückwandein
Vergrößern Verkleinern
Richtung ändern Richtung ändern
Leiten Isolieren
Verbinden Trennen
Fügen Teilen
- Speichern Entspeichern

Diese Ausführungen über Grundoperationen mögen vorerst genügen; ihre Ab-


leitung sowie die Definition des Begriffs Operation erfolgt in Abschnitt 7.3.
Setzt man also voraus, daß es möglich ist, alle komplexen physikalischen Funktio-
nen technischer Systeme aus den genannten Grundoperationen aufzubauen, und daß
es ferner möglich ist, für jede Grundoperation alle geeigneten physikalischen, che-
mischen oder biologischen Effekte anzugeben, die zu deren Realisierung vorhanden
sind, so ist damit eine Methode gegeben, mit deren Hilfe es theoretisch möglich ist,
alle existenten Lösungen für eine bestimmte Aufgabe anzugeben. Zusammenfassend
ergeben sich für die bisher besprochene Prozeßphase "Funktionssynthese" die fol-
genden drei elementaren Arbeitsschritte (vgI. auch Bild 6.2):
Festlegen der Zweckfunktion des zu entwickelnden technischen Systems. Aus-
gangspunkt für die Entwicklung der Zweckfunktion ist eine Zweck beschreibung
Entwickeln von Funktionsstrukturen 33

oder zumindest eine Zweckvorstellung über das zu entwickelnde Produkt. Diese


Tätigkeit soll kurz als "Beschreiben der Zweck- oder Hauptfunktion" bezeichnet
werden. Ihr Ergebnis ist die Zweckfunktion des betreffenden Systems.
Synthese dieser Zweckfunktion durch bekannte Teil- und/oder Elementarfunk-
tionen, kurz synthetisieren oder gliedern und strukturieren der Teilfunktionen
genannt. Ihr Ergebnis sind der Zweckfunktion äquivalente Teil- oder Elementar-
funkti onsstruk turen.
Abstrahieren der Elementarfunktionen zu sog. Grundoperationen. Das Ergebnis
sind Grundoperationsstrukturen. Kommt es in manchen Fällen nicht darauf an,
welche physikalische Größen beispielsweise zur Übertragung von Informationen
benutzt werden, kann man Elementarfunktionsstrukturen auch noch verall-
gemeinert als Grundoperationsstrukturen angeben; Grundoperationsstrukturen
fehlt die Angabe einer bestimmten Ein- oder Ausgangsgröße.

Elementarfunktionen und Grundoperationen unterscheiden sich lediglich durch die


Feststellung ihrer Ein- und Ausgangsgrößen. Während diese bei der Elementar-
funktion festgelegt sind, sollen sie beim Übergang auf die Grundoperation, soweit
dies die AufgabensteIlung zuläßt, weg- bzw. offengelassen werden. Die Grundopera-
tionsstruktur unterscheidet sich von der Elementarfunktionsstruktur lediglich durch
die weggelassene Festlegung der Ein- und Ausgangsgrößen. In der Grundoperations-
struktur sind also nur die Operationen bzw. Tätigkeiten selbst (Wandeln, Vergrößern
usw.) festgelegt und nicht mehr "was" in "was" umgesetzt werden soll.

Diese Verallgemeinerung des Lösungsansatzes ist immer dann sinnvoll, wenn es im


konkreten Fall nicht darauf ankommt, welche Energie-, Stoff- oder Signal art ver-
arbeitet werden soll. Dieser Fall kommt beispielsweise in der Signaltechnik häufig vor.
So ist z. B. für eine Informationsübertragung die Art des Signals (ob optisch, elek-
trisch, akustisch oder mechanisch usw.) in manchen Fällen ohne Bedeutung. Deshalb
ist dieses Offenlassen der Art der physikalischen Größe und die damit verbundene
Einführung eines weiteren variablen Konstruktionsparameters in diesen Fällen sinn-
voll, da dadurch u. U. weitere Lösungskonzepte nicht ausgeschlossen werden. Das
Unterteilen der Gesamtfunktion eines technischen Systems in Teilfunktionen ist,
wie bereits erwähnt, im Grunde eigentlich ein Ziehen von willkürlichen Teilsystem-
grenzen, das in der Praxis durch sinnvolle Gesichtspunkte geleitet wird. Es kann auch
nach der Erstellung der Grundoperationsstruktur oder zu einem späteren Zeitpunkt
erfolgen. In Fällen, in denen man existierende Baugruppen oder Elemente verwenden
will, wäre es nicht sinnvoll, die betreffende Teil- oder Elementarfunktion nochmals
zu "erfinden", vielmehr kann man in diesen Fällen die Funktionssynthese abbrechen,
um erst wieder bei der Entwicklung von Baugruppen oder Systemal terna tiven (Bild 6.2;
Punkt 9 oder 10) einzusetzen.
Das Gliedern einer Gesamtfunktion in weniger komplexe Teil- oder Elementar-
funktionen ist ferner noch im Hinblick auf die Schaffung von Baukastensystemen und
der Verwendung von bereits existierenden Baugruppen oder Elementen von wesent-
licher Bedeutung.
Besonders zu bemerken ist noch die Tatsache, daß es für eine bestimmte Aufgabe
nicht nur eine, sondern üblicherweise mehrere Funktionsstrukturen gibt. Die Zahl
der davon brauchbaren Strukturen nimmt mit der Anzahl der an das System gestell-
ten Bedingungen ab.
34 Die FunktionssynLhese

7.3 Ableitung der physikalischen Grundoperationen

Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Konstruktionsmethode war die
Erkenntnis, daß sich die Vorgänge in technischen Systemen auf eine endliche Zahl
von elementaren Tätigkeiten zurückführen lassen. Für die Ableitung dieser Grund-
operationen ist die Vorstellung wichtig, daß in technischen Systemen nur Energie-,
Stoff- oder Signalflüsse2 vorhanden sein können, die von den betreffenden Systemen
in irgendeiner Weise übertragen und/oder verändert (umgesetzt) werden.
Unter dem Begriff Operation ist, im Gegensatz zu dem Begriff Funktion, nur die
Tätigkeit selbst zu verstehen. Es interessiert dabei nicht, "was" in "was" umgesetzt
werden soll, wohingegen unter dem Begriff Funktion vorrangig der Ursache-Wirkung-
Zusammenhang zwischen Ein- und Ausgangsgröße zu verstehen ist, d. h. "was" in
"was" gewandelt werden soll. Unter einer physikalischen Funktion ist in diesem
Zusammenhang die Angabe zu verstehen, welche physikalische Größe mittels welcher
Tätigkeit in welche andere Größe umgesetzt werden soll. Die Formelschreibweise

läßt erkennen, daß beispielsweise Energie der Form (Art) A in Energie der Form B
durch "Wandeln" umgesetzt werden soll. Der Pfeil bedeutet soviel wie "Wandeln",
er weist darauf hin, durch welche Art der Tätigkeit dieser Prozeß realisiert werden
soll. Der Pfeil ist als Operand des o. g. Funktionsausdruckes anzusehen, ähnlich wie
das Additionszeichen (+) Operand einer gewöhnlichen mathematischen Funktion
sein kann und, für sich betrachtet, nichts darüber aussagt, welche Größen addiert
werden sollen.
Für die folgenden Überlegungen ist es wichtig zu wissen, daß in technischen Sy-
stemen nur Eigenschaften und Zustände von Energien, Signalen und Stoffen verändert
oder nicht verändert werden können. Die Eigenschaften und Zustände von Energien
und Signalen bzw. deren Komponenten wie Kraft, Spannung, Strom usw. werden
eindeutig durch Angabe der Dimension (Einheit), des Zahlenwertes und der Richtung,
falls es sich um eine vektorielle, Einheit und Zahlenwert, falls es sich um eine skalare
Größe handelt, beschrieben. Bei den physikalischen Größen können durch technische
Systeme somit nur Einheit, Zahlenwert und gegebenenfalls Richtung verändert
werden, andere Möglichkeiten gibt es nicht. Die Änderung der Einheit einer physika-
lischen Größe ist üblicherweise immer mit einer Eigenschaftsänderung verbunden.
Eigenschaftsänderungen können auch als eine Änderung der Qualität einer Energie,

:1 Unter dem Begriff "Signal" ist in diesem Zusammenhang der zeitliche Verlauf einer aktiven physi-
kalischen Größe zu verstehen. Als solche sollen hier alle energiebehafteten physikalischen Größen
bzw. alle Komponenten der Energie betrachtet werden. Solche sind beispielsweise .die elektrische
Spannung. der elektrische Strom. die Kraft. der Weg. der Druck, der Lichtstrom. der Schall usw.
Aktive Signale sind Flußgrößen, sie können von einem Ort zu einem anderen übertragen werden.
Im Gegensatz dazu besitzen passive Signale keine Energie, sie können nicht übertragen werden, es
sei denn. sie werden vorher in aktive Signale umgewandelt. Beispiele für passive Signale sind Bilder.
Formen. Lochstreifen. ein veränderlicher elektrischer Widerstand usw. Signalflüsse sind in diesem
Zusammenhang in erster Linie als Energieflüsse zu betrachten, für konstruktive Verwirklichungen
von Signaleinrichtungen ist der Informationsgehalt dieser Ströme von sekundärer Bedeutung.
Entwickeln von Funktionsstrukturen 35

eines Stoffes, Signales oder deren Flüsse verstanden werden. Die Änderung des Zah-
lenwertes (Quantität) einer physikalischen Größe soll als Änderung des Zustandes
bezeichnet werden. Anders ausgedrückt: Unter einer Zustandsänderung ist die Ände-
rung des Betrages einer Eigenschaft (Quantität der Qualität) zu verstehen.
Das Ändern der Eigenschaft einer Energieart (oder Signalart bzw. Art der Energie
zur Realisierung eines Signales), ist identisch mit dem Ändern der Dimension der
Energie. Anders ausgedrückt: Verschiedene Energien (elektrische, mechanische usw.)
haben im allgemeinen auch verschiedene Eigenschaften. Das Ändern der Eigenschaft
von Energien bzw. Umsetzen einer Energieart in eine andere soll als "Wandeln"
bezeichnet werden. Erinnert man sich hierzu an die vor wenigen Jahren noch üblichen
verschiedenen Einheiten der verschiedenen Energiearten, wie mkp, Ws, kcal für
mechanische, elektrische oder thermische Energie, so kann man auch formulieren:
"Das Ändern der Dimension einer Energie" soll als "Wandeln" bezeichnet werden.
Das wieder in seine ursprüngliche Form Zurückbringen einer Energie soll als Rück-
wandeln oder kurz ebenfalls als "Wandeln" bezeichnet werden. Analog hierzu gibt
es in der Praxis auch die Möglichkeit, einem Stoff eine Eigenschaft zu geben oder
zu nehmen, so z. B. einen Stoff magnetisch oder unmagnetisch, hart oder weich zu
machen, usw. Entsprechend soll das Hinzufügen oder Nehmen einer Eigenschaft
ebenfalls mit "Wandeln" bezeichnet werden.
Das Ändern des Betrages einer physikalischen Größe einer Komponente der Ener-
gie bzw. einer Kraft, elektrischen Spannung, etc. soll mit vergrößern oder verkleinern
bezeichnet werden. Für die physikalischen Größen von Signalen gilt dies ebenso.
Analog soll das Vergrößern oder Verkleinern einer Zustands- oder Eigenschaftsgröße
von Stoffen ebenfalls mit vergrößern oder verkleinern bezeichnet werden.

Das Ändern der Richtung vektorieller physikalischer Größen (Beispiel: Kegel-


radgetriebe), wie z. B. der Vektor einer Kraft, eines Drehmomentes, einer Geschwin-
digkeit oder einer Drehzahl etc. soll mit "Richtung ändern" bezeichnet werden. Da
man die genannten Operationen in irgendeiner Weise wieder rückgängig machen kann
oder man sich zu den genannten Tätigkeiten eine inverse Tätigkeit denken kann,
erscheint es zweckmäßig, zu jeder der Grundoperationen eine entsprechend inverse
Grundoperation zu definieren.
Energie, Stoff und Signale "fließen durch Maschinen, Geräte und Apparate hin-
durch"; oder anders ausgedrückt: In Maschinen, Geräten und Apparaten sind Ener-
gle-, Stoff- und Signalflüsse vorhanden. Anhallli dieser r Ikuon lassen Sich hypothe-
tisch noch vier weitere Grundoperationen definieren. Fragt man nach allen mit
Flüssen möglichen Tätigkeiten. so folgen wenigstens noch folgende vier Operationen,
und zwar:
das Leiten bzw. Isolieren von Energie-, Signal oder Stoffflüssen;
das Speichern bzw. Entspeichern von Energie- (Signal-) oder Stoffflüssen;
das Teilen bzw. Fügen (quantitativ) von Energie- (Signal-) oder Stoffflüssen ent-
sprechend der Menge;
das Trennen bzw. Verbinden (qualitativ) von Energie-, Signal- oder Stoffflüssen
entsprechend ihrer unterschiedlichen Qualität (Eigenschaft) nach bestimmten
physikalischen Unterscheidungsmerkmalen.
Für die Praxis ist es zweckmäßig, neben diesen 7 tatsächlichen oder primären Grund-
operationen noch weitere sogenannte "quasi oder sekundäre Grundoperationen"
36 Die Funktionssynthese

zu definieren. Solche in technischen Systemen häufig zu realisierende "sekundäre


Grundoperationen" sind elektrische Schalter, mechanische Schaltkupplungen, Ab-
sperrventile, o. ä. Theoretisch sind diese Schalter (für elektrische-, mechanische-
oder hydraulische Energie) Baugruppen zur Realisierung eines steuerbaren Leitens
bzw. Isolierens von Energie-, Signal- oder Stoffflüssen und entsprechend durch
eine steuerbare Grundoperation Leiten bzw. Isolieren ersetzbar. Für die Praxis er-
scheint es jedoch vorteilhaft, für die Funktion "Ein-Ausschalter" und andere schein-
bar elementare Tätigkeiten solche "quasi Grundoperationen" einzuführen.
An dieser Stelle sei erwähnt, daß man aus praktischen Gründen auch in der Mathe-
matik solche "quasi Grundoperationen" benutzt. So gilt dort z. B. das Multiplizieren
bzw. Dividieren als Grundoperation, obgleich man diese durch mehrmaliges Addieren
bzw. Subtrahieren ersetzen kann.
Aus praktischen Gründen erscheint es ferner noch zweckmäßig, auch für die Tätig-
keiten des Führens, Verzweigens, Richtens und des Emittierens von Energie- und
Stofffiüssen sowie für die entsprechenden inversen Tätigkeiten "quasi Grundopera-
tionen" einzuführen. Tatsächlich kann man alle diese zuletzt genannten "quasi
Grundoperationen" durch eine der sieben erstgenannten ersetzen. Da sich die letz-
teren aber in verschiedenen Fachgebieten als "quasi Grundoperationen" einge-
bürgert haben (elektr. Spannungsquelle, Gleichrichtsymbol u. a.) sollen diese hier
auch als solche eingeführt werden.
Zusammenfassend ergeben sich somit die in Bild 7.3.1 durch Symbole dargestellten
sieben primären Grundoperationen I bis 7 und fünf "sekundäre Grundoperationen"
8 bis 12 mit den entsprechenden inversen Operationen.
Formal kann man jede Änderung einer Eigenschaft, eines Zustandes oder einer
Richtung wieder rückgängig machen, d. h. es ist aus theoretischen und praktischen
Gründen sinnvoll, jeder dieser Grundoperationen eine inverse Grundoperation zu-
zuordnen, beispielsweise dem Wandeln ein Rückwandeln, dem Vergrößern ein Ver-
kleinern und dem Richtungändern ein weiteres Richtungändern, dem ein Übergang
zur ursprünglichen Richtung entspricht usw.
Als Beispiele für die Operationen Wandeln bzw. Rückwandein können der elek-
trische Generator bzw. der Elektromotor dienen. Ein Zahnradgetriebe liefert ein
treffiiches Beispiel für die Operation Vergrößern und Verkleinern des Betrages einer
vektoriellen physikalischen Größe (Drehzahl bzw. Drehmoment) und für das Ändern
der Richtung eines Vektors (Winkelgeschwindigkeit).
Im allgemeinen hat jede Grundoperation einen Ein- sowie einen Ausgang. Diesem
Sachverhalt entsprechend haben die betreffenden Operationssymbole zwei Anschluß-
striche (Zweipol). Die meisten der hier genannten Grundoperationen lassen sich durch
eine Hilfsgröße steuern. Steuerbare Grundoperationen sollen entsprechend einem
Dreipol durch ein Symbol mit drei Anschlußstrichen gekennzeichnet werden.
Diese Möglichkeit der Steuerung einer Grundoperation beruht praktisch darauf, daß
Grundoperationen häufig durch physikalische Effekte realisiert werden, deren Gesetz
eine Funktion nicht nur von einem, sondern von zwei oder mehreren unabhängigen
Parametern ist (y = f(x l ; x2 ; x3 ; . . . », welche zur Steuerung benutzt werden können.
Eine Grundoperation kann also einen oder mehrere Steuereingänge haben (Drei-,
Vier- oder Mehrpol sein). Pneumatische Verstärker, stufenlos regelbare Getriebe,
Hebelsysteme mit veränderlichem Übersetzungsverhältnis (Bild 7.3.2) u. a. sind
technische Systeme, in welchen die steuerbare Grundoperation Vergrößern realisiert
ist. Systeme, mit welchen sich die Grundoperation Vergrößern realisieren läßt, werden
Entwickeln von Funktionsstrukturen 37

1. Wandeln ~ (Rück lwandeln ~


2. Vergrönern ~ Verkleinern ~
...
G
-1 '
. G er
---.J
: G
3. Richtungöndern ~ RichtungÖndern~

4. Leiten ~ Isolieren ~
G '
5. Verbinden ~
Ge
Trennen ~ Ge

~ ~
e
5. Fügen Teilen

7. Speichern
~ Entspeichern GA

8. Führen
--
GA E8 GA Nichtführen
~
* ' - - , *
9. Sammeln ~ Verzweigen ~
~ ~
-
10. Koppeln Unterbrechen

11. Richten
-
GA aGA
Oszillieren GA IllGA
.
12.
Emittieren
(Quelle I
EEGA Absorbieren GA
(Senke) 83
Bild 7.3.1. Physika li sche G rundoperationen und deren Symbole. 1his 7 primäre Grundoperationen ;
8 bis 12 sek undäre Grundoperationen

üblicherweise als Verstärker bezeichnet. Es gibt auch Grundoperationen, welche


nicht gesteuert werden können.

Emittieren - Absorbieren (Quelle - Senke)

Ein Energie-, Stoff- oder Signalfluß erfordert stets das Vorhandensein einer entspre-
chenden Quelle und Senke. Die einer Quelle und Senke entsprechenden Tätigkeiten
sollen mit den Begriffen Emittieren und Absorbieren bezeichnet werden. Beispiele
für die Funktion" Emittieren" (Quelle) sind alle natürlichen Energie-, Stoff- oder
Signalquellen (Sonne, Wasserkräfte, Brennstoffe usw.). Als Energie-, Stoff- oder
3R Die Funktionssynthese

;Länge
I
Kraft F1 Kraft F2
[N 1 [N 1

Bild 7.3.2. Die Elementarfunktion "Vergrößern einer Kraft"" und deren Realisierung mittels des
Hebeleffektes (Beispiel)

Signalsenke dient bei technischen Systemen meistens die Umwelt. Nur in den Fällen,
in denen eine unzulässige Belastung der Umwelt erfolgen würde, ist der Mensch ge-
zwungen, technische Senken vorzusehen.
Eine "Quelle" ist die Abstraktion der Summe aller technischen Systeme vor Eintritt
des Flusses in einen zu betrachtenden Systembereich.
Eine "Senke" ist die Abstraktion der Summe aller technischen Systeme nach Aus-
tritt des Flusses aus einem zu betrachtenden Systembereich. In einer Quelle oder
Senke können daher alle möglichen Operationen vorkommen. Quelle/Senke bzw.
Emittieren/Absorbieren sind somit keine primären Grundoperationen.
Emittieren und Absorbieren sind für die Entstehung eines Flusses notwendige
Tätigkeiten; diese sollen deshalb als sekundäre Grundoperationen gelten und als
solche definiert werden. Zu bemerken ist noch, daß Emittieren und Absorbieren in-
verse Tätigkeiten sind (Bild 7.3.1). Beide Operationen haben für die praktische Kon-
struktion nur geringe Bedeutung3 , formal sind sie für die Existenz eines Flusses aber
notwendig.
Unter Emittieren und Absorbieren (Quelle/Senke) sind zwei zueinander inverse
sekundäre Grundoperationen zu verstehen, welche für das Zustandekommen
eines Energie-, Stoff- oder Signalflusses notwendige Voraussetzungen sind.
Als Quelle und Senke sollen alle in der Natur vorkommenden und technischen
~ per Definition als solche bezeichneten ~ Energie-, Stoff- oder Signalquellen
bzw. Energie-, Stoff- oder Signalsenken gelten.
Leiten ~ Isolieren
Für die Ausbildung eines Flusses genügt das Vorhandensein einer Quelle und einer
Senke4 allein noch nicht, vielmehr muß der Raum zwischen Quelle und Senke die
betreffende Energie-, Stoff- oder Signalart "leiten". Um Mißverständnissen vorzu-
beugen sei bemerkt, daß "Leiten" hier im Sinne von "leitfahig" und nicht im Sinne
von "Führen" (Rohrleitung) zu verstehen ist. Der Konstrukteur hat also geeignete
Maßnahmen bei einer Konstruktion zu treffen, damit etwas "fließen" kann.
Die dem Leiten entgegenwirkende (inverse) Tätigkeit ist das "Isolieren". Leiten
und Isolieren sind Grundtätigkeiten (Grundoperationen) technischer Systeme. Bei-
spiele für die Funktion "Leiten" von Schall ist der mit Luft oder einem anderen Me-
dium gefüllte Raum sowie der Raum selbst bei der Ausbreitung elektromagnetischer

3 Ähnlich hat auch die elektrische Spannungsquelle bei der Entwicklung eines elektrischen Schalt-
plans meist nur formalen Charakter
4 Es ist günstig, sich für die Betrachtung eine natürliche Quelle vorzustellen
Entwickeln von Funktionsstrukturen 39

Wellen (Funk, Licht). Gehäuse, Dichtungen, Karosserien usw. sind Beispiele für die
Funktion "Isolieren" (Bild 7.3.3).
Leiten und Isolieren sind zwei zueinander inverse Grundoperationen, welche
dazu dienen, einem Energie-, Stoff- oder Signalfluß die Möglichkeit der Aus-
Ausbreitung zu geben bzw. diesen daran zu hindern sich auszubreiten.

Sanll11eln - Vernreiyen
Der einer Quelle entspringende natürliche oder technische Fluß hat von Natur aus das
Bestreben, sich nach allen Richtungen hin auszubreiten. Um dieses zu verhindern,
müssen in technischen Systemen Maßnahmen getroffen werden, die man im folgenden
mit Sammeln oder Bündeln bezeichnet. Technische Gebilde zur Realisierung der se-
kundären Grundoperation "Sammeln" sind Trichter für Flüssigkeiten, Parabolspie-
gel, Sammellinsen (Optik) sowie Radarschirme zum Sammeln elektromagnetischer
Wellen. Die diffus reflektierende Bildleinwand und ein Rasensprenger können als
Beispiele für die Operation "Verzweigen" dienen (Bild 7.3.3). Genau betrachtet,
wird Sammeln und Verzweigen durch eine bestimmte geometrische Anordnung von
Führungselementen erreicht.
Sammeln (Bündeln) bzw. Verzweigen (Verteilen) sind zwei zueinander inverse
sekundäre Grundoperationen, welche dazu dienen, einen sich irgendwie aus-
breitenden Energie-, Stoff- oder Signalfluß zusammenzuführen bzw. einen
gerichteten Energie-, Stoff- oder Signalfluß (Strahl) zu verzweigen.

Fiihren- Nichtfiihren
Energie-. Stoff- oder Signal flüsse haben - auch wenn sie einmal gebündelt sind -
von Natur aus das Bestreben, sich allmählich wieder zu zerstreuen. Ferner müssen
die genannten Flüsse in technischen Systemen üblicherweise auf einer bestimmten
Bahn geführt werden. Mechanische Führungen. Rohrleitungs- und elektrische Lei-
tungssysteme sind praktische Beispiele für die Tätigkeit Führen. In besonders ein-
fachen Fällen kann in technischen Systemen bei Stoffflüssen auf eine Führung im
eigentlichen Sinne verzichtet werden (Nichtführen, freie Bewegung). Ein freier
Wasserstrahl oder ein fliegendes Geschoß können als Beispiele für nichtgeführte
Stofmüsse dienen (Bild 7.3.W.
Führen bzw. Nichtführen sind zwei zueinander inverse sekundäre Grundopera-
tionen. Mit Führen soll eine Tätigkeit bezeichnet werden, welche dazu dient,
einen bereits konzentrierten (gesammelten) Energie-, Stoff- oder Signal fluß in
diesem Zustand zu halten, wobei dieser von einem Ort A zu einem anderen Ort B
auf einer bestimmten vorgegebenen Bahn (Führungsbahn) bewegt wird. Nicht-
führen bedeutet, daß in technischen Systemen, Energie-, Stoff- oder Signal-
Ilüsse in ihrer natürlichen Bewegungs- bzw. Ausbreitungsrichtung nicht beein-
flußt werden.
Die Operation Führen eines Energie- oder Signalflusses kann auch durch die
Operation "Richtungsändern" verwirklicht werden. Ein Beispiel hierzu sind die
bekannten Lichtleiter, welche einen Lichtstrahl durch Totalreflexion in ihrem Inneren
halten.

5 Bei diesem System kann die Bahn durch die Anfangsbedingungen (Startwinkel. Startgeschwindig-
keit) vorgegeben werden.
Identische Symbole ode r Beispie l e aus
I nt.rdiszi~i rijre ElfrT'lfntcrlu n ktionS5)'mbole der 'ElektralEChnik t1e.- Hydraulik der MfChanik (1ft Optik
~
~ "w~ Seh-.ll.orz..
Emillimn ~ Absorbieren ~ - ..:::::; - ------=1. ~ .t. ~ 0 ~r
(Quelle) c::r:r- ISenke I --.::.:0 <>--j t---<> . U
GA GA ~~ __ le-i le, Nlc.hll~It@1 • • . . Unc1Jrchsic.htigt'
Leilen ~ ISOlieren ~ - Meloll~ - I$olo lor Roum Olchlunge n Motefleo k e Ine Moh'fle Raum Schic:htf!n
· Roum

~ GA ~T. Y Parobol· \V Anl.nno ~ ---1 ~O;II...nliQl..,!.". ~I -k


Sommeln * Vmweigen ~ t ~~;':~I + ISondungi ~ ~ -Q9- -te;J- ~ ~

~ ~ -
~
GA G:. l .it ~g Funke-nübttsChbg Rohr Frei.r strohl Ge'tnLk :?Y LtehUeittr Lichtstrahl
führen Nichilühren .--7 ,-----, iL:=J ~ --<a-- -
C ' T k-r T '------' --- G<-schon ~
GA ' Ga GB I GA f .1. ~ ~ Molor V~dichter P~toeltmenl Lic.htboge"
Wondeln ~ I RÜCklwQndeln ~ 0= -=<.V Y y ~ ~ --EJ-- ~
GA' :
c:::=--t ~2 . •
G/..2 ~ VA' ~c ~ Oruc.kwQnL1Ie-,
~ Drossel .fn2 J - n2 ----...v
__ _----...v elende
Vergrönern ~ Verkleinern ~ 0---1 1\.1\ ...B ;:::::: n' n' -...--..

.... . --.J .... I ---' I f M ~ ~ f..,? I


Richlungöndern ~ Richlungöndern ~ ~ r{l 1. ~ ~ k- I

Ric hlen G; G G; Oszill ieren ~ , ~I , D ? 8~


Koppeln ~ Unlerbrecn~n ~ ~<hott~o---r ~""'.:W- +PPlun~D- ®.,>Ch1U.©
~ GAB Gl.a. ~ M o;.:\a tor o('m~UllatQr _~ ~
o
;;;-
Verbinden ~ Trennen ~ ~ ~ ~_ _ ~ 'Tl
~ ~ I ::;
"::r
o:.nrh
. GA. t4.
~ G:.. n 1I ::;o'
fügen ~ teilen I
~
'<
::;
. e' c I(onde-nsotor nOrUCkSpefcNr n F.ct.r :;.
SpeiChern ~ EnISP?ich~rn· --u-~ --u-- y y ......J.../IIINIr Pno.,ho.. .,on, ~
(b

Bild 7.3.3. Phy s ik a li sc h~ Elementarfunk tionssymbole und in den verschiedenen Fachbereichen übliche identische Symbole (Gegenüberstellung)
Entwickeln von Funktionsstrukturen 41

Wandeln - Rückwandein
Wandeln und Rückwandeln sind zwei zueinander inverse Grundoperationen. Mit
diesen Begriffen sollen alle Tätigkeiten bezeichnet werden, die einen Wechsel der
Eigenschaften einer Energie, eines Stoffes oder eines Signales bewirken.
Wandeln von Energie: Da die Eigenschaft von Energie üblicherweise mit ihrer
Erscheinungsform wechselt, soll unter Wandeln von Energie das Umformen
einer Energieart (Energieform) in eine andere verstanden werden. Als ver-
schiedene Energiearten gelten thermische, kinetische, elektrische, potentielle,
akustische, optische, chemische u. a. Energien (Bild 7.3.3).
Unter Wandeln von Stoffen ist ein Eigenschaftswechsel, d. h. das Hinzukom-
men oder Verschwinden einer Eigenschaft eines Stoffes zu verstehen. Solche
Stoffeigenschaftswechsel können beispielsweise durch eine Änderung des
Aggregatzustandes eines Stoffes (fest, flüssig, gasförmig) zustandekommen.
Leitfähig oder nicht leitfähig, normalleitfähig oder supraleitfähig, magnetisch
oder unmagnetisch sind weitere Beispiele für den Wechsel von Stoffeigenschaf-
ten. Chemische Stoffumwandlungen sind immer mit einem Eigenschaftswechsel
des oder der betreffenden Stoffe verbunden. Ein Stoff wird so "bearbeitet",
daß er nach diesem Prozeß eine bestimmte zusätzliche Eigenschaft hat, die er
vorher nicht hatte, bzw. eine Eigenschaft verliert, die er vorher hatte (Bild 7.3.4).
U nter Wandeln von Signalen ist ein Vorgang zu verstehen, bei dem die die
Signalgröße repräsentierende Energieart bzw. Energieform (vgl. Definition
für "Wandeln von Energie") gewechselt wird. Da für Signalgrößen nicht die
Energieform, sondern nur eine Komponente der Energie - wie beispielsweise
die elektrische Spannung, der Weg, die Kraft usw. - von Bedeutung ist, gilt
auch: Unter Wandeln von Signalen ist ein Vorgang zu verstehen, bei welchem
eine physikalische Eingangsgröße (Ursache) bestimmter Dimension in eine
Ausgangsgröße (Wirkung) anderer Dimension umgesetzt wird (Bild 7.3.5).
Beispiele für technische Systeme, in welchen Signale gewandelt werden, sind
die bekannten elektrischen, optischen und pneumatischen Längenmeßgeräte.

St A
====~C
unmagnetischÖ ~==~~
St e
magnetisch

Bild 7.3.4. Die Elementarfunktion "Wan- Bild 7.3.5. Die Elementar-


deIn eines Stoffes" und ein entsprechendes funktion "Wandeln eines elek-
Beispiel "Magnetisieren eines Stoffes" trischen (Spannung/Strom) in
ein mechanisches Signal
(Weg)" und eine Realisie-
rungsmöglichkeit mittels Elek-
tromagnet
42 Die Funktionssynthese

Verwößern-- Verkleinern
Mit Vergrößern oder Verkleinern sollen alle Tätigkeiten bezeichnet werden, welche
den Betrag (Zahlenwert) einer vektoriellen oder skalaren physikalischen Größe ver-
größern oder verkleinern. Hebelsysteme (Zahnradgetriebe) oder Keilsysteme (Schraub-
getriebe) sind treffliche Beispiele für die Grundoperation "Vergrößern" oder "Ver-
kleinern" einer Kraft oder eines Weges. Aufgrund der Erhaltungssätze von Energien
bzw. Stoffen ist es in diesem Zusammenhang nicht sinnvoll, die Grundoperationen
"Vergrößern" oder "Verkleinern" diesbezüglich auf Stoff- oder Energieflüsse anzu-
wenden, sondern vielmehr nur auf die Zahlenwerte einzelner physikalischer Eigen-
schafts- oder Zustandsgrößen, durch welche die betreffenden Energien, Stoffe oder
Signale beschrieben werden.
Unter Vergrößern und Verkleinern wn Enerqie::uslandsqrößen sollen zwei zu-
einander inverse Vorgänge verstanden werden, bei denen lediglich der Betrag
(Zahlenwert) einer Zustandsgröße verändert wird. Beispiele für die Grund-
operation Vergrößern oder Verkleinern von Energiezustandsgrößen sind
drehzahl- oder drehmoment über- oder -untersetzende Getriebe sowie elek-
trische Transformatoren (Bild 7.3.3). Unter Zustandsgrößen sollen beispiels-
weise die physikalischen Größen Weg, Kraft, Druck, Volumen, Temperatur
usw. verstanden werden, d. h. alle Komponenten einer Energie. Systeme, bei
denen das Vergrößern einer Energiezustandsgröße oder eines Signales gesteuert
werden kann und bei denen es auf das Verhältnis (Verstärkungsfaktor) zwischen
Steuer- und Ausgangsgröße ankommt, werden üblicherweise als Verstärker
bezeichnet. Beispiele hierfür sind die bekannten elektrischen mechanischen
und pneumatischen Verstärker (Bild 7.3.6).

: 5,

~5'
5,

Us

Ua

Bild 7.3.6. Die steuerbare Elementarfunktion "Vergrößern"'


(bzw. "Verstärken") sowie ein System zur Verstärkung einer
Kraft (links) und einer elektrischen Spannung (rechts)

Unter Verqrößern oder Verkleinern von Storfwerten soll ein Vorgang verstanden
werden, bei dem der Betrag einer Stoffeigenschaftsgröße verändert (vergrößert
oder verkleinert) wird. Betragsänderungen von Stoffeigenschaften können
beispielsweise eine Erhöhung oder Verminderung der elektrischen Leitfähig-
keit (Bild 7.3.7) oder eine Veränderung des Reflexionsvermögens sein.
Unter Veryrößern oder Verkleinern von Siynalen soll ein Vorgang verstanden
werden, bei dem lediglich der Betrag der das Signal bildenden physikalischen
Entwickeln von Funktionsstrukturen 43

I[A J

Bild 7.3.7. Die steuerbare Elementarfunktion "Vergrö-


ßern" bzw. "Verkleinern" einer Stoffeigenschaft. Bei-
U[V J spiel: Der elektrische Widerstand des Stoffes verändert
bzw. R[DJ sich proportional zu der auf ihn einwirkenden Kraft F

Zustandsgröße verändert wird. Da Signalflüsse physikalisch eigentlich Energie-


flüsse sind, gilt für das Vergrößern oder Verkleinern von Signalen an sich die
gleiche Definition wie für Energieflüsse. Steuerbare Vergrößerungsoperationen
werden üblicherweise als Verstärker bezeichnet. Als Beispiele können die be-
kannten mechanischen, elektrischen und pneumatischen Verstärker dienen
(Bild 7.3.6).

Richtungändern ~ Richtungändern
Mit Richtungändern soll eine Tätigkeit bezeichnet werden, die dazu dient, die Rich-
tung einer vektoriellen physikalischen Größe zu ändern; die Dimension und der
Betrag der betreffenden Größe bleibt dabei unverändert. Winkelhebel, Kegel- oder
Zahnradgetriebe, Spiegel, Prismen, Prallplatten usw. sind Beispiele für Umlenkungen
von Energie-, Signal- bzw. Stoffflüssen. Bild 7.3.3 zeigt einige Beispiele für Energie
bzw. Signalflußrichtungsänderungen.
Unter Richtungändern soll ein Vorgang verstanden werden, bei dem die Rich-
tung einer vektoriellen physikalischen Größe geändert wird.

Richten ~ Oszillieren
Jeder geführte Fluß hat zu jedem Zeitpunkt eine bestimmte Flußrichtung (Bewegungs-
richtung). Ein Fluß kann entweder seine Fluß richtung ununterbrochen beibehalten
oder aber oszillieren. Dem Oszillieren entsprechen zwei entgegengesetzte Flußrich-
tungen, wobei der Übergang von der einen zur anderen Flußrichtungjeweils zu einem
bestimmten Zeitpunkt (Umkehrzeitpunkt) geschieht. Die Operation, die bewirkt,
daß aus einem oszillierenden Fluß ein definiert gerichteter Fluß entsteht, heiße Rich-
ten. Der dazu inversen Operation entspricht der Übergang vom gerichteten zu einem
oszillierenden Fluß, sie sei Oszillieren genannt. Baugruppen, in denen Energie- und
Stofffiüsse gerichtet werden, sind beispielsweise elektrische Gleichrichter, Klemm-
richtgesperre, Rücksperrventile u. a. Ein Viergelenkgetriebe mit umlaufender An-
triebskurbel und oszillierendem Abtriebsglied (Kurbelschwinge) kann als Beispiel
für die Operation "Oszillieren" dienen (Bild 7.3.3). Die Operation Richten oder
Oszillieren kann man durch ein geeignet gesteuertes Schalten (Koppeln, Unterbre-
chen) ersetzen, so, daß ein Richten bzw. Oszillieren zustande kommt.
44 Die Funktionssynthese

Richten und Oszillieren sind zwei zueinander inverse sekundäre Grundopera-


tionen, welche dazu dienen, einen oszillierenden Energie- oder Stofffluß in
einen gerichteten bzw. einen gerichteten in einen oszillierenden Fluß umzu-
wandeln.
Koppeln - Unterbrechen (Schalten)
Ein geführter Energie-, Stoff- oder Signalfluß kann auch unterbrochen und danach
wiederum erzwungen werden. Diese beiden Vorgänge, die bestimmte Tätigkeiten
erfordern, seien mit "Unterbrechen" und "Koppeln" bezeichnet. Sie sind sekundäre
Grundoperationen und lassen sich beispielsweise durch Schalter, Kupplungen, Ab-
sperrventile, Verschlüsse usw. realisieren (Bild 7.3.3). Im üblichen Sprachgebrauch
werden diese beiden Tätigkeiten häufig auch einfach mit "Schalten" bezeichnet.
Physikalisch ist Koppeln bzw. Unterbrechen ein gesteuertes alternatives Leiten bzw.
Isolieren.
Mit Koppeln und Unterbrechen sollen zwei zueinander inverse Tätigkeiten bzw.
sekundäre Grundoperationen bezeichnet werden, welche eine Übertragung
bzw. Unterbrechung eines Energie-, Stoff- und Signalflusses zwischen zwei
Leitungsschnittstellen bewirken.
Verbinden - Trennen
Z\\.:i Energie-, Stoff- oder Signalflüsse, die sich in Bezug auf irgendeine physikalische
Größe (Gewicht, Dichte, Farbe, Amplitude, Frequenz, Wellenlänge usw.) vonein-
ander unterscheiden, lassen sich miteinander vereinigen oder aufgrund ihrer Unter-
scheidungsmerkmale voneinander trennen. Die hierzu erforderlichen Maßnahmen
gelten als Grundoperationen und seien "Verbinden" und "Trennen" genannt.
Mischer und Modulatoren bieten Beispiele für die Operation "Verbinden". Vorgänge,
denen die Operation "Trennen" entspricht, treten beispielsweise in Zentrifugen,
Farb- oder Wärmefiltern, Spektrometern, Sieb- oder Sortiereinrichtungen auf
(Bild 7.3.3).
Mit Verbinden und Trennen sollen zwei zueinander inverse Tätigkeiten be-
zeichnet werden, welche dazu dienen, Energie-, Stoff- oder Signalf1üsse mit
verschiedenen Merkmalskenngrößen zu vereinigen oder voneinander zu tren-
nen. Ein Vorgang soll immer dann Trennen bzw. Verbinden genannt werden,
wenn es darauf ankommt, zwei oder mehrere vermischte Flüsse aufgrund einer
unterschiedlichen physikalischen Merkmalskenngröße (Dichte, Atomgewicht,
Aggregatzustand, Wellenlänge, Frequenz, geometrische Form usw.) zu trennen
bzw. getrennte unterschiedliche Flüsse zu mischen. Im Gegensatz dazu steht
ein Vorgang, bei welchem Flüsse nur der Menge nach geteilt werden, wie z. B.
die Teilung der Leistung in leistungsverzweigenden Getrieben. Mit Verbinden
und Trennen sollen ferner auch alle Vorgänge bezeichnet werden, bei welchen
Energie und Stoff, Energie und Signale oder Stoff und Signale verbunden bzw.
getrennt werden.
In Warmwasser- bzw. Dampfheizungssystemen wird beispielsweise im Heizkessel
Stoff (Wasser) mit Wärmeenergie beaufschlagt (verbunden). Die Wärmeenergie wird
mit dem Wasserstrom in den zu heizenden Raum transportiert und im Heizkörper
(Radiator) an die Umgebung abgegeben, d. h. durch Wärmeleitung, Konvektion
und Strahlung werden Stoff und Wärmeenergie im Heizkörper getrennt. Als weitere
Entwickeln von Funktionsstrukturen 45

Beispiele, bei welchen Stoff und Energie getrennt bzw. verbunden werden, können
hydraulische Motoren gelten. Eine Zahnradpumpe bzw. Zahnradmotor ist ein tref-
fendes Beispiel für das Verbinden bzw. Trennen von Stoff und Bewegungsenergie
(Bild 7.3.8).

Verbinden Trennen

~t~

'{j-
E __ . ±.-::-St
Bild 7.3.8. Die Elementarfunktionen "Ver-
binden" und "Trennen" eines Energie- und
Stoffflusses. Beispiele: Hydraulikpumpe bzw.
Hydraulikmotor

Fügen - Teilen
Sollen Energie- oder Stoffmengen nicht nach qualitativen, sondern nur nach quantita-
tiven Gesichtspunkten bezüglich ihrer Menge zusammengebracht bzw. geteilt wer-
den, so sollen diese Tätigkeiten als Grundoperationen definiert und mit "Fügen",
bzw. "Teilen"ö bezeichnet werden. Differentiale, halbdurchlässige Spiegel, u. a.
bekannte Einrichtungen sind Beispiele zum Teilen von Kraft- und/oder Energie-
flüssen. Die bekannten Verfahren Schweißen, Löten, Kleben bzw. Schneiden, Spanen
u. a., sind Beispiele für die Operationen Fügen bzw. Teilen von Stoffen.
Ein halbdurchlässiger Spiegel wird in optischen Instrumenten beispielsweise dazu
benutzt, an zwei unterschiedlichen Orten ein Bild gleichen Informationsinhaltes zu
erzeugen. Infolge der Teilung des Lichtstromes sind beide Bilder nur halb so licht-
stark, wie ein einziges, durch diesen Lichtstrom erzeugtes Bild. Dabei wird zwar der
Signalfluß in zwei Flüsse geteilt, nicht hingegen die Information; diese ist in beiden
Teilflüssen vollständig vorhanden.
Es ist deshalb in diesem Zusammenhang nicht sinnvoll, von einem Teilen des In-
formationsflusses zu sprechen, wohl aber von einem Teilen des Signalflusses.
Mit Fügen bzw. Teilen sollen Tätigkeiten bezeichnet werden, welche dazu
dienen, Energiemengen, Kräfte, Wege etc. zusammenzubringen (zu "addieren")
bzw. eine Energiemenge, Kraft, Weg, etc. in mehrere Teilmengen, Teilkräfte,
Teilwege zu zerlegen.
Mit Fügen und Teilen sollen auch Tätigkeiten bezeichnet werden, welche dazu
dienen, Zusammenhaltskräfte zwischen gleichen oder verschiedenen Stoffen
herzustellen bzw. aufzuheben.
Speichern - Entspeichern
Schließlich können Energien, Stoffe und Signale auch gespeichert oder aus dem Spei-
cher (Lager) abgerufen werden. Die hierzu erforderlichen Tätigkeiten sollen als

6 In der Praxis wird an Stelle des Begriffes Teilen häufig der Begriff Trennen gebraucht; hier soll
Trennen aber ein qualitatives Trennen von Stoffen bezeichnen. wie es sinngemäß in der Verfahrens-
technik verstanden wird.
46 Die Funktionssynthese

Grundoperation definiert werden und mit "Speichern" bzw. "Entspeichern" (Ent-


leeren) bezeichnet werden. Beispiele für die Grundoperation "Speichern von Energie"
sind Schwungräder, Federn, Hubgewichte, Speicherseen, Batterien, Preßluftkessel,
elektrische Kondensatoren usw. Behälter, Tanks, Gasflaschen u. a. können als Bei-
spiele für Stoffspeicher dienen. Beispiele für Signalspeicher sind Lochkarten, Loch-
streifen, Magnetschicht-, Laufzeit-, Halbleiter- und andere Speicher. In der Nach-
richtentechnik ist es noch üblich, zwischen Lang- und Kurzzeitspeichern zu unter-
scheiden. Bei Stoff- und Signalspeichern ist es ferner noch zweckmäßig, zwischen
aktiven und passiven Speichern zu unterscheiden. Aktive Speicher sind solche,
welche zusammen mit dem zu speichernden Stoff und Signal auch noch Energie
speichern und diese auch wieder abgeben können (aktive physikalische Größen), so
daß Stoff oder Signale auf Abruf ohne Fremdenergie entnommen werden können.
Ein Beispiel für aktive Stoffspeicher sind über Null-Niveau gelagerte Flüssigkeiten;
ein geladener Kondensator kann als Beispiel für einen aktiven Signalspeicher dienen.
Passive Signalspeicher sind z. B. Lochkarten und Magnetband.
Mit Speichern und Entspeichern sollen alle Tätigkeiten bezeichnet werden,
welche dazu dienen, einen Energie-, Stoff- oder Signal fluß zeitlich begrenzt
oder unbegrenzt zu konservieren (zu speichern), um ihn nach einer bestimmten
Zeit oder nach beliebig langer Zeit wieder zur Verfügung zu haben. Speichern
und Entspeichern sind zwei zueinander inverse Grundoperationen.
Zusammenfassend ergeben sich die in Bild 7.3.1 aufgezeigten physikalischen Grund-
operationen, auf welche alle Vorgänge in technischen Systemen zurückgeführt bzw.
aus denen alle komplizierten Systeme aufgebaut werden können.
Die bisher beschriebene Vorgehensweise sieht also die Umsetzung einer konkreten
Aufgabenstellung, bzw. Zweckbeschreibung in eine Struktur, bestehend aus den
genannten physikalischen und den in den Abschnitten 7.4 und 7.5 noch zu nennenden
mathematischen und logischen Grundoperationen vor. Wie im Abschn. 8 noch ein-
gehend gezeigt wird, ist es möglich, Regeln und Hilfsmittel zur konstruktiven Ver-
wirklichung dieser sog. physikalischen Grundoperationen anzugeben.

7.4 Mathematische Grundoperationen

Analog zu den im Abschn. 7.3 genannten physikalischen Grundoperationen gibt es


die bekannten algebraischen Grundoperationen. Als solche gelten:
Addieren und Subtrahieren;
Multiplizieren und Dividieren;
Quadrieren und Radizieren;
Integrieren und Differenzieren.
Bemerkenswert ist, daß es sowohl bei den physikalischen als auch bei den algebra-
ischen Grundoperationen inverse Operationen gibt. Da die algebraischen Grund-
operationen in technischen Systemen ebenfalls vorkommen - es gibt Geräte, die
im wesentlichen nur mathematische Operationen ausführen - ist es zweckmäßig,
diese neben den physikalischen Grundoperationen zur Funktionssynthese techni-
scher Systeme mit zu verwenden.
Entwickeln von Funktionsstrukturen 47

Eine Zusammenfassung dieser Operationen und deren Symbole zeigt Bild 7.4.1.
Als Beispiele, in welchen mathematische Operationen verwirklicht sind, können die
bekannten mechanischen Tischrechner, Planimeter, Analogrechner usw. dienen.

Addieren

Multiplizieren x,~
X'~M x'~T
y=x,.x,D·lVI·d·leren X2~y=~'2

Integrieren x --{JJ:>1=JXdt Differenzieren x ~~

Quadrieren Bild 7.4.1. Mathematische


Grundoperationen

7.5 Logische (Boolesche) Grundoperationen

Technische Systeme umfassen oft nicht nur physikalische oder algebraische, sondern
auch logische Grundoperationen. Letztere sind beispielsweise in Sicherheitsschal-
tungen für Maschinen- und Personenaufzüge vorhanden. Außerdem werden für
Tastaturen und Druckwerke (Coder und Decoder) sowie für elektronische Rechen-
anlagen oder für ähnliche Systeme fast ausschließlich Bauelemente benötigt, die
logische Operationen ausführen können. Solchen Operationen entsprechen beispiels-
weise die auch INVERSION oder NICHT-Funktion genannte Negation, die auch
UND-Funktion oder UND-Verknüpfung genannte Konjunktion sowie die auch
ODER-Verknüpfung genannte Disjunktion. Diese Operationen und die diesen zuge-
ordneten Schaltungssymbole sind in Bild 7.5.1 zusammengestellt; dabei entsprechen
mit A und B als zwei Eingangsvariablen dem Symbol Ä eine negierte (invertierte)
Variable, der schaltalgebraischen Gleichung C = A . Beine UND-Verknüpfung
und der schaitalgebraischen Gleichung C = A + Beine ODER-Verknüpfung.
Die bisherigen Überlegungen führen zu der Hypothese, daß es möglich sein müßte,
alle gewünschten technischen Vorgänge, welche schließlich in Gestalt von Maschinen,
Geräten und Apparaten realisiert werden sollen, durch Verknüpfen der angegebenen
Grundoperationen (Funktionssynthese) darzustellen. Es gilt auch die Umkehrung
dieser Aussage: Alle Vorgänge in Maschinen, Geräten und Apparaten lassen sich
auf die genannten physikalischen, algebraischen und logischen Grundoperationen
(Funktionsanalyse) zurückführen.

Inversion A
-D- e= Ä

Und
A
B =[J- e=A B

Oder
A
B =tJ- e=A+B
Bild 7.5.1. Logische (Boolesche) Grundoperationen
4R Die Funktionssynthese

7.6 Beispiele

Pumpe

Es sei die Aufgabe gegeben, Flüssigkeit von einem Ort A nach B zu transportieren.
Der Mengenstrom der Flüssigkeit soll stufenlos regulierbar sein. Ferner soll das zu
entwickelnde technische System ein- und ausschaltbar sein. Um die Lösungsvielfalt
einzuschränken, sei noch vorgegeben, daß als Antriebsenergie elektrische Energie
zur Verfügung steht. Für die folgenden grundsätzlichen Überlegungen hat die ab-
solute Menge, die mit diesem System pro Zeiteinheit gefördert werden soll, keine
Bedeutung und soll daher außer Betracht bleiben.
Lösungsweg: Der Zweck des zu entwickelnden technischen Systems ist Flüssigkeit
zu transportieren; wie bzw. mit welchen Mitteln dieser Zweck erreicht werden soll,
ist vollkommen offen. Aus den in der Aufgabenstellung gegebenen Daten läßt sich
folgern, daß in das zu entwickelnde System ein Stofffluß (Flüssigkeit) hineingehen
und dieses wieder verlassen wird, daß das System ferner Eingänge für ein Ein- und
Aussignal, für ein Mengensteuersignal und für Energie haben wird. Die entsprechende
Zweckfunktion zeigt Bild 7.6.1. Die Zweckfunktion kann man zunächst in eine Teil-
funktionsstruktur gliedern, bestehend aus den Teilfunktionen Pumpe, Antrieb und
Steuerung (Bild 7.6.2), oder man kann sie unmittelbar in die Elementarfunktions-
struktur nach Bild 7.6.3 gliedern.

M-Signal EIA -Signal M-Signal --


I I
I I EIA - Signal-
Energie + -'- Stoff + Energie
Gesamtsystem Energie
Stoff

Bild 7.6.1. Bild 7.6.2.


Zweckfunktion des Systems Pumpe Teilfunktionsstruktur des Systems Pumpe

Hierzu sind folgende Überlegungen notwendig: Um Flüssigkeit in Bewegung zu


setzen, ist es notwendig, diese mit Bewegungsenergie zu beaufschlagen (zu verbinden).
Diesem Sachverhalt entsprechend folgt die Elementarfunktion "Verbinden von
Energie und Stofr' (Bild 7.6.3, rechts). Da in diesem Entwicklungsstadium noch
nicht bekannt ist, welche Energieform man zur Realisierung der Operation "Ver-
binden" (Pumpe) braucht - diese hängt vom später dafür zu wählenden physika-
lischen Effekt ab -, ist im allgemeinen eine Energieanpassung erforderlich, d. h. es
ist entsprechend eine Operation "Wandeln von Energie" vorzusehen. Aufgrund der
Forderungen, daß das System noch ein- und ausschaltbar und bezüglich der Förder-
menge regulierbar sein soll, folgen schließlich noch die Operationen Schalten (Koppeln
und Unterbrechen) und Verkleinern (Bild 7.6.3).
Die bei diesen Überlegungen festgelegte Reihenfolge der einzelnen Grundopera-
tionen ist so, wie sie gewählt wurde, nicht zwingend notwendig, vielmehr können die
Operationen Schalten, Verkleinern und Wandeln in ihrer Reihenfolge beliebig ver-
tauscht werden. Eine Auswahl möglicher Kombinationen zeigt Bild 7.6.4a, b, c.
Entwickeln von Funktionsstrukturen 49

E/A-Signal M-Signal Flüssigkeit

Bild 7.6.3. Elementarfunktionsstruktur


des Systems Pumpe

E/A- Signal M - Signal E/A- S'gl1al M-Slgnal


1

E~~~
a I~
E/A-Slgnal M-Slgnal M-Signal E/A-Signal

_.-0-~~-f>
·~c~r~
Bild 7.6.4a··d. Grundoperationsstrukturen des Systems Pumpe

Die Ein/Aus-Operation und die Operation zur Steuerung der Fördermenge können
auch statt in den Energie- in den Stoffpfad gelegt werden. An die Stelle der Operation
"Verkleinern" muß dabei u. a. die Operation "Verzweigen" treten, da sich die Stoff-
menge aufgrund des Stofferhaltungssatzes nicht verkleinern läßt (Bild 7.6.4d). Auch zu
dieser Art Funktionsstruktur lassen sich durch Vertauschen der Reihenfolge einzelner
Operationen weitere unterschiedliche Strukturen angeben.
Diese Ausfühnmgen mögen vorerst genügen. Die Behandlung dieses Beispiels
wird in Abschn. 8.5 wieder aufgenommen und weiter ausgeführt.

Getriehe
Die im vorangegangenen Abschnitt vorgestellten Grundoperationen eignen sich u. a.
auch sehr gut zur Entwicklung von Funktionsstrukturen für Bewegungssysteme. Da-
bei kann man sich zu jeder für Bewegungssysteme sinnvollen Grundoperation ent-
sprechende Grundgetriebe zugeordnet denken, wie dies in Bild 7.6.5 für einige Grund-
operationen geschehen ist. Der Grundoperation "Addieren" entspricht ein Diffe-
rentialgetriebe, also ein Getriebe mit mehreren Freiheitsgraden. Mit diesen Getrieben
können zwei oder mehrere Eingangsbewegungsgrößen addiert (überlagert bzw. gefügt)
werden (Bild 7.6.5a).
Ein Zahnradgetriebe, wie in Bild 7.6.5c angedeutet, entspricht der Grundoperation
"Vergrößern". Ferner entspricht der Grundoperation "Oszillieren" eine Kurbel-
schwinge, wie sie Bild 7.6.5b zeigt. Die in Bild 7.6.5 gezeigten Getriebe sollen jeweils
stellvertretend für alle anderen Arten von Getrieben gleicher Funktion stehen.
Die Kombination einzelner Grundoperationen zu komplexeren Funktionsstruk-
turen liefert entsprechend umfangreichere Bewegungssysteme. Dabei können anhand
der Funktionsstrukturen ohne Kenntnis des Getriebes qualitative Eigenschaften des
betreffenden Bewegungssystems vorher bestimmt werden. Durch eine Kettenschal-
50 Die Funktionssynthese

=C>- a

--B- b

Bild 7.6.5a-c. Die Grundoperationen "Addieren"


(a), Oszillieren (b), "Verkleinern" (c) und diesen
entsprechende getriebetechnische Realisierungsmög-
c lichkeiten

tung der Operationen "Verkleinern" und "Oszillieren" entsteht, unter der Voraus-
setzung gleichmäßiger Antriebsbewegung, lediglich eine langsamere oder schnellere
oszillierende Bewegung am Abtrieb. Bild 7.6.6a zeigt diese Struktur und das ent-
sprechende Getriebesystem, das formal durch Kombination der beiden Getriebe
nach Bild 7.6.5b und c entstanden ist.
Durch Überlagerung (Addieren) einer gleichmäßigen und einer oszillierenden Be-
wegung erhält man, bei entsprechender Auslegung (Dimensionierung) der einzelnen
Getriebeparameter, ein Getriebesystem, welches bei gleichmäßiger Antriebsbewe-
gung abtriebsseitig eine Schrittbewegung (Bewegung mit zeitweisen Stillständen oder
Rückläufen, Pilgerschritt) erzeugt. Dieser Überlegung entspricht beispielsweise eine
Funktionsstruktur, bestehend aus einer Addieroperation und parallel angeordneten
Operationen "Verkleinern" und "Oszillieren", wie sie Bild 7.6.6b zeigt (ParalIel-
struktur). Auf die Operation "Verkleinern" kann u. U. auch verzichtet werden, falls
die gleichförmige Bewegung ohne Unter- oder Übersetzung auf den Addierer über-
tragen werden kann.

b
(~

~ x
Bild 7.6.6a-c. Grundoperations-
strukturen (Kettenstruktur a, Paral-
lelstruktur b, Kreisstruktur c) und
ihre getriebetechnischen Verwirk-
lichungen
x c
Entwickeln von Funktionsstrukturen 51

Ein weiteres Beispiel der Funktionssynthese zeigt Bild 7.6.6c. Eine Schrittbewe-
gung entsteht auch dann, wenn man die Ausgangsbewegung des Oszillators zurück
in den Addierer führt (Rückkopplung). Die Schrittbewegung ist dann bei entspre-
chender Ausführung des Systems an der mit X bezeichneten Stelle abnehmbar. Es ist
zu bemerken, daß Rückkopplung immer zu Kreisstrukturen führt; die Struktur nach
Bild 7.6.6c ist ein Beispiel hierfür. Wie dieses Beispiel zeigen soll, kann man mit
Hilfe der Grundoperationen Bewegungssysteme mit bestimmten vorgegebenen Eigen-
schaften konzipieren. Dabei können, im Gegensatz zur quantitativen oder Maß-
synthese der Getriebe, nur qualitative Kriterien berücksichtigt werden. Deshalb soll
diese Art der Entwicklung von Getriebekonzepten auch als qualitative Getriebe-
synthese bezeichnet werden.
11. Der qualitative Konstruktionsprozeß
- Konzipieren, Entwerfen, Gestalten

Die wahrscheinlich reizvollste Tätigkeit für den Konstrukteur ist das Entwickeln
neuer Lösungen für eine bestimmte AufgabensteIlung. Diese Tätigkeit. die im ein-
zelnen oft mit Erfinden, Ideenfinden, Konzipieren, Entwerfen u. a. bezeichnet und
hier unter dem Begriff qualitatives Konstruieren zusammengefaßt werden soll, wird
häufig als rein schöpferische Tätigkeit angesehen, deren Ausführung ausschließlich
der Intuition des betreffenden Konstrukteurs vorbehalten ist. Die folgenden Aus-
führungen befassen sich mit der systematischen Entwicklung von ,.Ideen'" und sollen
zeigen. daß .,Erfinden" bis zu einem bestimmten Maß methodisch, d. h. mit Hilfe
von Regeln möglich ist. Sicher kann dadurch die schöpferische Fähigkeit eines genialen
oder auch nur durchschnittlich begabten Ingenieurs nicht ersetzt werden, aber
durch methodisches Vorgehen können beide in ihrer Effektivität erheblich unter-
stützt und angeregt werden. Die Konstruktion würde sehr viel von ihrer Attraktion
verlieren, falls es je möglich wäre, ohne die Intuition des Konstrukteurs auszukom-
men.
Der vorangegangene Prozeßabschnitt "Funktionssynthese" schloß mit dem Er-
stellen der Elementarfunktionsstruktur ab. Hier sei nochmals betont, daß es im allge-
meinen mehrere Funktionsstrukturen für eine bestimmte Aufgabe gibt. Ausgehend
von einer dieser Strukturen ist es Aufgabe und Ziel der qualitativen Synthese, für
die einzelnen Elementarfunktionen Lösungen zu entwickeln und diese zu einem Ge-
samtsystem zusammenzubauen. Wie die späteren Ausführungen noch zeigen, besteht
die qualitative Synthese aus folgenden elementaren. d. h. nicht mehr weiter glieder-
baren Arbeitsschritten (vgl. auch Bild 6.2):
- Effekt variieren,
Effektträger variieren,
Prinzip variieren und darstellen,
Auswählen und Zusammenstellen der Einzellösungen zum Gesamtsystem
Gestalten und
Entwerfen des Gesamtsystems.
Die qualitative Synthese wird mit der Erstellung eines qualitativen Entwurfs ab-
geschlossen. Hierunter versteht man eine maßstäbliche Zusammenstellungszeichnung
des zu entwickelnde technische Gebilde, welche alle wesentlichen Informationen über
Funktion, Abmessungen, Gestalt, Lagezuordnung und Zahl der einzelnen Bau-
gruppen und Bauelemente des Systems enthält.
Die beim qualitativen Entwurf ermittelten Einzelheiten werden im nachfolgenden
quantitativen Konstruktionsprozeß, bzw. der quantitativen Synthese bemessen. Es
ist nicht möglich, das qualitative und das quantitative Entwerfen völlig voneinander
zu trennen, weil man praktisch kein Einzelteil darstellen kann, ohne sich zumindest
Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren 53

ungefähr auf seine Abmessungen festzulegen. Beide Tätigkeiten, also das qualitative
wie das quantitative Konstruieren, vollziehen sich deshalb in der Praxis meist parallel.
Für das systematische Entwickeln von Lösungen war die Erkenntnis wichtig, daß
jede Art von Funktion bzw. Operation nur auf der Basis entsprechender physikalischer,
chemischer oder biologischer Phänomene in technischen Systemen verwirklicht
werden kann. Die Konstruktion eines Hebels zur Verkleinerung oder Vergrößerung
einer Kraft wäre beispielsweise nicht möglich, wenn die Physik nicht den entsprechen-
den Effekt (Hebeleffekt) kennen würde. Das bedeutet, daß die physikalischen u. a.
Effekte als die "kleinsten Bausteine" der Konstruktion angesehen werden können.
Aufgrund dieser Erkenntnisse ist es sinnvoll, alle physikalischen, chemischen und
biologischen Effekte zu sammeln und so nach dem Kriterium "Ursache-Wirkung-
Zusammenhang" zu ordnen, daß man diese bei der Suche nach Effekten mit einem
bestimmten Ursache-Wirkung-Zusammenhang rasch finden kann. Diese so entste-
henden "Systematiken physikalischer Effekte" für die einzelnen Grundoperationen
sind ein ausgezeichnetes Hilfsmittel bei der Realisierung bestimmter Elementar-
funktionen. Da man diese im allgemeinen nicht nur mit einem bestimmten Effekt,
sondern wahlweise mit verschiedenen Effekten realisieren kann, ist das einer bestimm-
ten Elementarfunktion entsprechende Zuordnen aller existenten physikalischen oder
anderen Phänomene, ein erster elementarer Arbeitsschritt auf dem Weg der Ver-
wirklichung von Elementarfunktionen. Er soll deshalb als Effektvariation bezeichnet
und im nachfolgenden näher betrachtet werden.
8 Effektvariation und Effektstrukturen

Liegt die zu lösende Aufgabe infolge der vorangegangenen Arbeitsschritte bereits in


Form einer Elementarfunktionsstruktur vor, sind also die Ein- und Ausgangsgrößen
der einzelnen Grundoperationen vorgegeben, so ist bekannt, "was" in "was" umge-
setzt bzw. welche Eigenschaft oder Zustandsgröße eines Flusses verändert werden
soll. Durch Zuordnen von geeigneten Effekten, die in Bezug auf ihre Ursache-Wir-
kung-Beziehung den in der Elementarfunktionsstruktur geforderten Bedingungen
entsprechen, lassen sich die einzelnen Elementarfunktionen einer Verwirklichung um
einen Schritt näherbringen.
Gibt' es für eine geforderte Ursache-Wirkung-Beziehung bzw. Elementarfunktion
keinen Effekt, der diese unmittelbar verwirklichen kann, so ist es im allgemeinen
möglich, diese durch Effektkettenbildung dennoch zu realisieren. Bei der Effekt-
kettenbildung wird die Möglichkeit genutzt, eine Elementarfunktion durch Anein-
anderreihen von zwei oder mehreren Effekten zu realisieren, wobei lediglich zu be-
achten ist, daß die jeweilige Aus- und Eingangsgröße (Wirkung-Ursache) zweier
aufeinanderfolgender Effekte identisch sind. Die vorgegebene Eingangsgröße wird
dabei zunächst in eine beliebige Zwischengröße umgesetzt, diese wird mittels eines
zweiten Effektes in eine weitere Zwischengröße umgewandelt usw., bis schließlich
die letzte Zwischengröße mit einem geeigneten Effekt in die gewünschte Ausgangs-
größe umgesetzt werden kann.
Die Zahl der an der Bildung einer Kette beteiligten Effekte kann dabei grundsätzlich
beliebig gewählt werden. Um einfache Systeme zu erhalten, versucht man die "Kette
der Effekte" möglichst kurz zu halten. Um hingegen Meßeinrichtungen mit großen
Vergrößerungen des Meßwertes oder Energieumwandlungen mit guten Wirkungs-
graden zu erhalten, scheut man sich nicht, auch längere "Effektketten" in Kauf zu
nehmen.
Im allgemeinen kann man für jede Elementarfunktion mehrere Effekte oder
Effektketten (Effektvariation) angeben, welche alternativ angewandt werden kön-
nen, so daß sich für die betreffende Elementarfunktionsstruktur sehr viele Kom-
binationsmöglichkeiten ergeben. Zusammenfassend läßt sich folgendes fest-
halten:

Re?Jel 3: Unter Effektvariation versteht man einen elementaren Arbeitsschritt


zur Realisierung von Elementarfunktionen durch Zuordnen von entsprechenden
Effekten oder Effektketten. Für eine Elementarfunktion gibt es entweder
keinen, nur einen oder mehrere unmittelbare Effekte und üblicherweise sehr
Effektvariation und Effektstrukturen 55

viele mittelbare Effektketten. Elementarfunktions- oder Grundoperations-


strukturen gehen in eine entsprechende Effektstruktur über, indem in die
Kästchen der Operationssymbole die entsprechenden Effekte geschrieben
werden (s. Bild 8.5.1).
Wenn die physikalischen, chemischen u. a. Effekte die "kleinsten Bausteine" zur
Verwirklichung von Elementarfunktionen sind, so ist es zweckmäßig, die bis heute
bekannten physikalischen und chemischen Phänomene! entsprechend den verschie-
denen Grundoperationen und Flußarten (Energie-, Stoff-, Signalflüsse) zu ordnen,
um sie als eine Art "Ideen-Katalog" zur Verfügung zu haben. Die folgenden Ab-
schnitte befassen sich mit der Bereitstellung dieser Hilfsmittel.

8.1 Die Grundoperation "Wandeln"


Energien, Signale und Stoffe haben bekanntlich bestimmte Eigenschaften. Nach Ab-
schn. 7.3 soll die Tätigkeit, welche zu einer Eigenschaftsänderung bzw. zum Hinzu-
kommen oder Verschwinden einer Eigenschaft bei den genannten Größen führt, mit
Wandeln bezeichnet werden. Da es bei den folgenden Betrachtungen nicht auf die
Information von Signalflüssen ankommt, sondern nur auf die Änderung ihrer physika-
lischen Eigenschaften, und da es sich bei Signalflüssen physikalisch eigentlich um
Energieflüsse handelt, kann im folgenden das Wandeln von Energie und Signal ge-
meinsam betrachtet werden.

8.1.1 Wandeln von Energie oder Signalen


Die Aufgabe, die Grundoperation "Wandeln" zu verwirklichen, stellt sich in der Praxis
immer in folgender Form: Es ist eine Energie oder ein Signal bestimmter Art in eine
andere Energie- oder Signalart umzusetzen. Der Elektro- oder der Verbrennungsmotor
sind Beispiele für die Verwirklichung der Aufgabe "Umsetzen elektrischer bzw.
chemischer Energie in Bewegungsenergie". Der Empfängermagnet in Fernschreib-
maschinen ist ein entsprechendes Beispiel für die Umsetzung eines elektrischen
Signals in ein mechanisches. Wenn man sich in Gedanken jede Energieart mit der ihr
eigenen Einheit (kNm, kcal, Ws) vorstellt - wie es vor der Bereinigung der heute
gültigen Maßsysteme für manche Energiearten wirklich der Fall war --, so kann man
"Wandeln" mit dem "Ändern der Dimension (Einheit) einer Energie" gleichsetzen.
Für die Operation "Wandeln von Signalen" trifft diese Definition sowieso exakt
zu. Das Wandeln eines Weges in Kraft oder einer elektrischen Spannung in Weg
(Empfängermagnet) oder eines elektrischen in ein optisches Signal usw., ist immer mit
einer Dimensionsänderung der das Signal bildenden physikalischen Größe verbunden.
Hieraus folgt, daß es zweckmäßig ist, die physikalischen Effekte zum Wandeln von
Energien und Signalen entsprechend der Dimensionen ihrer Ein- und Ausgangsgrößen
(Ursache-Wirkung) zu ordnen und in Form einer Matrix (Anhang, Tab. I) zusammen-
zustellen. Wenn in dieser Systematik alle bekannten Phänomene erfaßt sind, so ist
es mit diesem Hilfsmittel grundsätzlich möglich, alle existenten Lösungen für eine
Aufgabe des Typs "Wandeln einer physikalischen Größe" anzugeben.

Die chemischen Vorgänge können letztlich ebenfalls durch physikalische Vorgänge erklärt werden.
sollen hier aber als eigene Phänomene betrachtet werden. Um den Umfang des Buches möglichst
genng zu halten, kann hier im wesentlichen nur auf die physikalischen Effekte eingegangen werden.
56 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

Ein Signalfluß ist eigentlich nichts anderes als ein Energiefluß mit relativ kleinen
Energiewerten. Für die Signalübertragung interessiert immer nur eine Komponente
dieses Energieflusses, wie die Spannung, der Strom, die Kraft, der Weg, der Druck
usw. Da das Wandeln eines Signales bzw. eines Signalflusses nicht ohne eine Wand-
lung der mit dem Signalfluß identischen Energieart geschehen kann, sind Energie-
und Signalwandlung physikalisch das gleiche. Deshalb gilt die Tab. I sowohl als
Hilfsmittel für die Operation "Wandeln von Signalen", als auch für die Operation
"Wandeln von Energie".
Die Grundoperation "Wandeln" läßt sich formal auch so schreiben (Bild 8. I.1):

Diese Schreibweise soll bedeuten, daß eine physikalische Größe der Dimension A
in eine Größe der Dimension B umgesetzt werden soll; GA und G B können selbstver-
ständlich auch für verschiedene Energie- oder Signal arten stehen, deren Dimension
nach der Vereinbarung neuer Maßsysteme neuerdings gleich sind.

(Z.B. elektro (z.B. Kraft [N II Bild 8.1.1. Wandeln einer Energie oder Signalart der
Spannung [V I) physikalischen Größe GA in die Größe GD

In Tab. I sind alle physikalischen Größen in der äußersten linken Spalte (Ursache)
und der obersten Zeile (Wirkung) eingetragen. Dabei wurden aus Platzgründen nahe
verwandte physikalische Größen in einer Spalte bzw. Zeile zusammengefaßt. Das
einer Zeile und einer Spalte jeweils gemeinsam zugeordnete Feld um faßt diejenigen
Effekte, die die in der ersten Spalte und der obersten Zeile stehenden Größen mitein-
ander verknüpfen. Für die Anwendung der Tab. I ist die physikalische Größe der
ersten Spalte stets als Eingangsgröße (Ursache) und die der ersten Zeile immer als
Ausgangsgröße (Wirkung) aufzufassen. Dies bedeutet, daß Tabelle I stets von links
nach rechts und sodann nach oben durchlaufen werden muß und nicht umgekehrt.
Dadurch wird der Tatsache Rechnung getragen, daß es in der Natur reversible und
irreversible Vorgänge gibt. Leere Felder weisen darauf hin, daß kein Effekt bekannt
ist, der die ihnen zugeordneten physikalischen Größen unmittelbar miteinander
verknüpft.
Ist eine Energie oder ein Signal bestimmter Art in eine andere Energie- oder Signal-
art umzuwandeln, so kann man für diese Aufgabe nur dann unmittelbare Lösungen
angeben, wenn es in der Natur Effekte (physikalische, chemische oder biologische
Effekte) gibt, die eine derartige Umwandlung ermöglichen. Die Menge aller un-
mittelbaren Lösungen für diese sogenannte Elementaraufgabe der Konstruktion ist
identisch mit der Zahl aller existenten Phänomene der genannten Eigenschaften.
Üblicherweise gibt es für eine bestimmte Elementarfunktion keinen, einen oder
mehrere Effekte, welche diese verwirklichen können.
Gibt es für eine Elementarfunktion keinen Effekt, welcher diese unmittelbar ver-
wirklichen kann, so bedeutet dies nicht, daß es für diese keine technische Lösung gibt.
Effektvariation und Effektstrukturen 57

Vielmehr läßt sich eine Energie der Art A in eine Energie der Art Z auch schrittweise
dadurch umwandeln, daß man diese erst in eine Energieart H, dann in eine Energieart
C, D usw. umwandelt, um die letzte dieser Zwischengrößen schließlich in die ge-
wünschte Energieart Z umzusetzen. Das bedeutet, daß man durch Effektkettenbildung
praktisch beliebig viele mittelbare Lösungen für eine bestimmte Elementarfunktion
finden kann. Das ist u. a. einer der Gründe, warum es für Konstruktionsaufgaben
üblicherweise so viele Lösungen gibt.
Um die physikalischen Effekte der Tabelle 1 wieder in Erinnerung zu rufen, werden
im Anhang die wesentlichen Eigenschaften und Ursache-Wirkung-Zusammenhänge in
Form von Prinzipbildern und anderen Angaben kurz beschrieben (die beiden Ziffern
in der ersten Spalte entsprechen jeweils den Nummern der Zeile und Spalte, in welcher
der oder die betreffenden Effekte in der Tabelle I zu finden sind).

8.1.2 Wandeln von Stoffen


Unter Wandeln von Stoffen soll verabredungsgemäß die Tätigkeit verstanden werden,
die erforderlich ist. um einem Stoff eine zusätzliche Eigenschaft zu verleihen oder
ihm eine Eigenschaft zu nehmen. Das Magnetisieren oder Entmagnetisieren eines
Stückes ferromagnetischen Materials kann als Beispiel für eine Stoffeigenschafts-
wandlung gelten. Aggregatzustandsänderungen von Stoffen sind mit Eigenschafts-
änderungen verbunden, so daß diese ebenfalls als Beispiele für die Operation Stoff-
Wandeln gelten können. Alle nichtmechanischen Druckverfahren, welche durch
Energieeinwirkung lokal das Absorptionsvermögen (Farbumschlag) eines Spezial-
papiers ändern (stoffwandelnde Druckverfahren), können als weitere Beispiele für
die Operation "Wandeln von Stoff" gelten. Eine Systematik für diese Grundoperation
steht noch aus.

8.2 Die Grundoperation " Vergrößern"

8.2.1 Vergrößern von Energiekomponenten bzw. Signalen


Mit Vergrößern oder Verkleinern von Energiekomponenten bzw. Signalen sollen alle
Tätigkeiten bezeichnet werden, welche den Betrag (Zahlenwert) einer vektoriellen
oder skalaren physikalischen Größe vergrößern oder verkleinern. Hebelsysteme
(Bild 7.3.2), elektrische Spannungsteiler oder Transformatoren sind treffliche Bei-
sr: ~le für die Elementaroperatiol1 "Vergrößern" oder "Verkleinern" einer Kraft,
eilles Weges bzw. einer elektrischen Spannung oder eines Stromes. Energiekompo-
nenten und Signalgrößen sind identisch und können daher gemeinsam behandelt
werden.
Die Effekte zum Vergrößern oder Verkleinern des Zahlenwertes einer physikalischen
Größe sind als Spezialfall der Operation "Wandeln" in der Systematik der physikali-
schen Effekte für die Grundoperation" Wandeln von Energie oder Signalen" (Anhang,
Tab. I) enthalten. Alle Effekte, welche nur den Zahlenwert einer physikalischen
Größe ändern, ohne die Einheit zu verändern, sind in den Feldern auf der Diagonalen
der Systematik von links-oben nach rechts-unten angegeben, da diese Felder die
gleichen Größen als Ursache (äußere linke Spalte) und Wirkung (oberste Zeile) haben.
Die Systematik der physikalischen Effekte für die Operation "Wandeln" beinhaltet
also auch die Effekte für die Operation "Vergrößern" bzw. "Verkleinern".
Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

8.2.2 Vergrößern von Stoffeigenschaftswerten


Unter Vergrößern oder Verkleinern von Stoffen soll ein Vorgang verstanden werden.
hei dem der Betrag einer Stoffeigensehaftsgröße entsprechend verändert wird. Ein
Verkleinern einer Stoffeigenschaft auf den Wert Null würde man nach dem in Ab-
schn. 8.1.2 Gesagten als Wandeln bezeichnen (Beispiele: Supraleitung bestimmter
Stoffe bei tiefen Temperaturen). Aufgrund der engen Verwandtschaft der Operationen
.. Stoff-Wandeln" und .. Stoff- Vergrößern" ist es wahrscheinlich zweckmäßig. die
noch zu erstellenden Systematiken .. Wandeln" und .. Vergrößern von Stoffeigen-
schaften" zu einer gemeinsamen Systematik zusammenzufassen.

8.3 Die Grundoperationen "Verbinden" und "Trennen"

8.3.1 Verbinden und Trennen von Energie und Stoff


Das Verbinden und Trennen von Energie und Stoff ist eine in der Technik häufig zu
realisierende Aufgabe. Hydraulikpumpen. -motoren und Wasserturbinen sind bei-
spielsweise Systeme. in welchen ein Verbinden bzw. Trennen von Stoffen und Be-
wegungsenergie stattfindet. Eine Pumpe dient bekanntlich zum Transport von Flüssig-
keiten und setzt zu diesem Zweck die betreffende Flüssigkeit in Bewegung. Ahstrakt
betrachtet ist eine Pumpe folglich ein System. das einen Stoff (Flüssigkeit) mit Be-
wegungsenergie verbindet (beaufschlagt).
Hydraulische Motoren oder Wasserturbinen sind Beispiele. in welchen der inverse
Vorgang - ein Trennen von Energie und Stoff - stattfindet. Die ursprünglich im
Flüssigkeitsstrom vorhandene Energie steht an der Abtriebswelle zur Verfügung. der
Flüssigkeitsstrom ist nach Passieren des Motors praktisch energielos.
Warmwasserheizungen können als Beispiel für das Verbinden und Trennen einer
anderen Energieart. nämlich der Wärmeenergie mit bzw. von Stoff gelten. Wasser
wird im Heizkessel mit Wärmeenergie beaufschlagt (verbunden). mit dem Wasser-
strom wird die Wärmeenergie zu den einzelnen Heizkörpern transportiert und dort
an die Umgebung abgegeben. d. h. Energie und Stoff werden in den Heizkörpern ge-
trennt. Verbinden und Trennen von Wiirmeenergie und Stoff basieren auf den physi.
kalischen Phänomenen Wärmeleitung. Konvektion und Strahlung. Ohne die Existenz
entsprechender physikalischer Effekte wären die oben genannten Vorgänge der
Wärmeübertragung nicht realisierbar.
Für die Lösung von Aufgaben. welche sich auf das Trennen oder Verbinden eines
Stoffes mit irgendeiner Energieart zurückführen lassen. ist es folglich zweckmäßig.
alle entsprechenden physikalischen Phänomene zu sammeln und in Form einer
Systematik der physikalischen Effekte für die Grundoperationen .. Verbinden und
Trennen von Energie und Storr' zu ordnen (Anhang. Tab. 2). Bei vollständiger
Systematik wäre es theoretisch möglich. alle existenten Lösungen für eine Aufgaben-
steIlung des Typs .. Verbinden oder Trennen von Stoff und Energie" anzugeben.
Im einzelnen ist diese Systematik wie folgt aufgebaut: In der linken Spalte sind die
verschiedenen Stoff-Energie-Gemische angegeben. wie Stoff und Bewegungsenergie.
Stoff und Wärmeenergie usw.: in der obersten Zeile sind die diskreten. vom Stoff
getrennten Energiearten angegeben. In dem Kreuzungspunkt einer Zeile mit einer
Spalte dieser Matrix sind alle jene physikalischen Effekte angegeben. welche geeignet
sind. die entsprechende Verbinde- oder Trennoperation zu realisieren. Im Fall der
Realisierung einer Trennoperation ist die Systematik von links nach rechts nach oben
Effektvariation und EfTektstrukturen 59

zu lesen; im Fall der Verwirklichung einer Verbindungs operation ist diese im Gegen-
sinn, von oben nach unten nach links außen zu durchlaufen. Nicht reversible Vorgänge
(Effekte) sind durch entsprechende Pfeile hinter den Schlagworten gekennzeichnet;
die Richtung des Pfeiles gibt an, in welcher Richtung der betreffende Effekt wirkt
bzw. ob der betreffende Effekt für die Verwirklichung einer Verbinde- oder Trenn-
operation zu gebrauchen ist.
In der zweiten Zeile, zweite Spalte, finden sich beispielsweise alle Effekte zum Ver-
binden bzw. Trennen von Stoff- und Bewegungsenergie; das sind alle jene Effekte,
die man braucht, um Stoffe in Bewegung zu setzen bzw. abzubremsen. Technische
Einrichtungen, in welchen Stoffe in Bewegung gesetzt werden, sind Transporteinrich-
tungen bzw. genauer deren Antriebssysteme. Hierzu zählen beispielsweise auch
Transportsysteme für Flüssigkeiten (Pumpen). Um Flüssigkeiten anzutreiben, kann
man sich des Impulseffektes (Kreiselpumpe), des Boyle-Mariotteschen Effektes
(Saug-Kolbenpumpe), der Gravitation (ausfließender Behälter), der Adhäsion
(Flüssigkeitstransport in Kapillaren) und anderer Efi'ekte bedienen. Ein Beispiel, das
die Anwendung dieser Systematik noch ausführlicher zeigt, findet sich in Abschn. 8.5.
8.3.2 Verbinden und Trennen von Stoffen
Die Realisierung technischer Systeme zur Trennung sich durch ein oder mehrere
physikalische Merkmale unterscheidender Stoffe, ist eine, insbesondere in der Ver-
fahrenstechnik häufig zu lösende Aufgabe. Physikalische Merkmale, nach denen
Stoffe zu trennen sind, können beispielsweise unterschiedliche geometrische Ab-
messungen, Gewichte, Dichten, Siedetemperaturen, Leitfähigkeiten usw. sein. Be-
kannte technische Systeme zur Stofftrennung von festen oder fest-flüssigen Stoffen
sind Siebe, Filter, Gaszentrifugen zur Trennung von Gasen unterschiedlicher Dichte
bzw. Atomgewichte (Uranisotopentrennung), Anlagen zur Luft- und Abwasser-
reinigung, Wasser-Öl-Abscheider, Anlagen zur Gewinnung chemisch reiner oder
technischer Stoffe, wie Eisen, Aluminium, Kupfer usw. Diese wenigen Beispiele
mögen genügen, um die praktische Bedeutung der Grundoperation "Trennen" zu
verdeutlichen.
Zur Lösung von Aufgaben des Typs "Trennen von Stoffen" ist es zweckmäßig,
möglichst alle bekannten physikalischen Effekte, welche zur Trennung von Stoff-
gemischen geeignet sind, zusammenzutragen und nach bestimmten .Kriterien zu
ordnen (Anhang, Tab. 3). Da der Aggregatzustand wesentlich für das anzuwendende
Trennverfahren ist und da im konkreten Fall üblicherweise bekannt ist, in welchem
Aggregatzustand sich die zu trennenden Stoffgemischkomponenten im einzelnen
befinden, erschien es zweckmäßig, die zur Trennung von Stoffen geeigneten Effekte
danach zu ordnen, ob diese für eine Trennung eines Gemisches zweier fester, flüssiger
oder gasförmiger Stoffe bzw. eines Gemisches zweier Stoffe verschiedenen Aggregat-
zustandes, wie fest-flüssig, fest-gasförmig, flüssig-gasförmig, geeignet sind. In der
Systematik der physikalischen Effekte für die Grundoperation "Trennen von Stoffen"
sind deshalb in der äußeren linken Spalte und obersten Zeile jeweils die Kriterien
"fest", "flüssig" und "gasförmig" angegeben.
In den Feldern der so entstandenen dreispaltigen und dreizeiligen Matrix stehen in
der Spalte "Trennungsmerkmale" jeweils jene Kriterien, deren Zahlenwert bei den zu
trennenden Stoffen verschieden ist, welche also als Unterscheidungsmerkmale zur
Trennung benutzt werden sollen. Daneben finden sich in der Spalte "Effekte" jene
physikalischen Phänomene, welche geeignet sind, Stoffgemische der genannten
60 Der qualitative Konstruktionsprozeß -- Konzipieren

Aggregatzustände nach den entsprechenden Merkmalskenngrößen zu unterscheiden


und zu trennen. Schließlich sind in der dritten Unterspalte noch Verfahren bzw.
technische Systeme angegeben, in welchen die betreffenden Effekte zur StolTtrennung
bereits angewandt werden. Bild 8.3.1 zeigt einen Ausschnitt aus einem Prinzipbtalog
für die Grundoperation " Trennen von Stoffen" bzw. Beispiele zu diesem Thema.
Eine umfangreiche Systematik der physikalischen Effekte für die Operation "Trennen
von Stoffen", findet sich im Anhang/ Prinzipkatalog 5, "Trennen von Stoffen".

iS
PRINZIPKATA LOG"TRENNEN" VON STOFFEN G~GA
'fest - fest ) Ge

Trennmerkmal Effekt Prinziplösung Gesetz Anwendung Literatur

FA =PFi" VK'g
=YFrVK
Dich te Auftr ieb Sedimentotion
1 ~::!K. Setzapparat
YFI

Leit- Coulomb! 0.1 . 0.2 Elektr o -


Fc=CE - -
fähigkeit r2 scheider

Reibziffer Reibung 1l'q ~' 112


l=..J l..a..J
\.1 2 >\.I,

~.
FM=CM ~
r2
Relative 1
C"lombli - CM = Glt\.lO\.lr Magnetschei -
Permeabi - der
li tät
magnettsch l:::.!.J L:.::J ~;~- l< = iJO
!cl -l=iJr-l

Bild 8.3.1. Bei spiele bzw. Ausschnitt aus einem Prinzipkatalog für dIe Grundoperation .,Trennen von
Stof"f"en" [101]

Das Verbinden von Stoffen ist in der Praxis gleichbedeutend mit der Tätigkeit
" Vermischen von Stoffen" . Alle Arten von Mischern und Rührwerken sind technische
Systeme, in welchen die Operation "Verbinden" realisiert ist. Mischen ist ein Vorgang.
bei dem die Ordnung zweier oder mehrerer Stoffe abnimmt. Sich selbst überlassen.
vermischen sich ursprünglich geordnete Stoffe ohne äußeres Zutun. Die Natur ist
bestrebt. die Unordnung eines Systems zu erhöhen. Zwei verschiedene, ursprünglich
getrennte Gase oder Flüssigkeiten werden sich nach einer bestimmten Zeit ideal
miteinander vermischen. Dieser Vorgang wird umso länger dauern, je geringer die
Diffusionsgeschwindigkeit der betreffenden Medien ist.
Aufgrund dieser natü rlichen Tendenz von Stoffen, sich zu mischen . besteht das
technische Problem des Mischens bzw. Verbindens im wesentlichen nur darin, die Zeit
für einen Mischvorgang durch Einleiten von Bewegung auf die molekularen Teilchen
zu verkürzen. Hierfür sind bisher nur relativ wenige physikalische Möglichkeiten be-
Effektvariation und Effektstrukturen 61

kannt geworden. Neben den Rührwerken zur Beschleunigung eines Mischvorganges


gibt es noch die Möglichkeiten, Ultraschall oder hydrodynamische Reibvorgänge
(Keilspalt) u. a. zur schnelleren Mischung von Stoffen zu verwenden. Da sich für die
Operation "Verbinden" offensichtlich keine umfangreiche Systematik physikalischer
Effekte angeben läßt, sollen diese kurzen Ausführungen in diesem Zusammenhang
genügen. Prinzipkatalog 6, "Verbinden (Mischen) von Stoffen" zeigt die wesentlichen
physikalischen Phänomene für diese Operation -- s. Anhang.

8.4 Die Grundoperationen "Fügen" und "Teilen"

Fügen ist das Zusammenbringen von zwei oder mehreren Werkstücken geometrisch
bestimmter Form oder eben solchen Werkstücken mit formlosem Stoff (DIN 8580).
Unter Teilen soll das Auseinandernehmen von aufgrund atomarer, molekularer oder
anderer Kräfte zusammenhängender Körper verstanden werden.
Im üblichen Sprachgebrauch wird diese Tätigkeit von Fall zu Fall mit Abschneiden,
Absägen, Abbrechen, Abreißen und ähnlichen Begriffen bezeichnet. Mit Teilen soll
die dem Fügen inverse Tätigkeit bezeichnet werden.
Das Ergebnis eines Fügevorganges wird im üblichen Sprachgebrauch leider nicht
konsequenterweise "Fügung", sondern Verbindung genannt. Dies führt zu begriff-
lichen Schwierigkeiten, da der Begriff "Verbinden" (s. Kap. 8.3), mangels eines
anderen zutreffenden Oberbegriffs, für die Tätigkeiten "Stoff mit Energie beauf-
schlagen" und "Stoff A mit Stoff B mischen" (qualitatives Verbinden) in anderem
Sinne bereits benutzt wird. Im vorliegenden Kapitel muß deshalb der Begriff "Ver-
bindung" nochmals im Sinne von Fügung benutzt werden, um die nicht üblichen
Formen des Begriffs "Fügen" zu vermeiden.

8.4.1 Fügen von Stoffen

Technische Produkte wie Maschinen, Geräte und Apparate bestehen aus Bauteilen
und Baugruppen, die auf irgendeine Weise miteinander verbunden sind. Das Fügen
zweier Bauteile oder Baugruppen zu komplexeren Systemen - sei es das "Aufhängen"
eines Motors in einem Fahrzeugrahmen oder das Einspannen eines Bohrers in einer
Werkzeugmaschine - ist eine sehr häufig zu lösende Aufgabe beim Konstruieren.
Infolge der in der Praxis sehr unterschiedlichen Forderungen und Randbedingungen,
welche an Verbindungen gestellt werden, sind im Laufe der Technik verschiedene
Arten von Verbindungen en 1 ,tanden. So unterscheidet man zwischen festen und
beweglichen, lösbaren und unlösbaren sowie stoff-, form- und kraftschlüssigen Ver-
bindungen oder nach unterschiedlichen Herstellverfahren von Verbindungen wie
Klebe-, Löt-, Schweiß- und Nietverbindungen sowie anderen praktischen Gesichts-
punkten. Diese in der Vergangenheit benutzten anwendungsbezogenen Ordnungs-
kriterien, welche ohne Zweifel manche Vorteile haben, können jedoch nicht gewähr-
leisten, daß alle existierenden Verbindungen erfaßt werden. Ziel und Zweck der
folgenden Ausführungen ist es, die Ordnungskriterien der Konstruktionslehre für
eine möglichst lückenlose Erfassung aller Fügemöglichkeiten zu nutzen. Damit
sollen dem Konstrukteur Hilfsmittel in die Hand gegeben werden, mit denen er
Lösungen für Verbindungsprobleme bequemer und schneller angeben kann und die
ihn zum systematischen Vorgehen bei der Entwicklung von Verbindungen anleiten.
62 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

Physikalische Prinzipien

Bei der Verwirklichung einer technischen Verbindung zweier Bauteile oder Bau-
gruppen kommt es grundsätzlich darauf an, daß diese sich bei Einwirkung von Kräften
oder Momenten bezüglich bestimmter Bewegungsrichtungen nicht oder nur in Gren-
zen gegeneinander bewegen lassen; in anderen Richtungen kann eine Bewegung zu-
lässig sein (Führungen). Zur Verhinderung des Auseinandergehens von Bauteilen
bzw. zur Realisierung des Zusammenhaltens von Bauteilen muß eine Verbindung den
auf sie wirkenden Kräften entsprechende Reaktionskräfte, die ein Auseinandergehen
verhindern, entgegensetzen können. Im Sinne der Konstruktionslehre bedeutet dies,
daß zur Realisierung einer Verbindung zweier Stoffe grundsätzlich alle physikalischen
Effekte geeignet sind, welche zwei Bauteile bzw. Stoffe entgegen äußeren Kräften
zusammenzuhalten vermögen. Solche physikalischen Phänomene zur Verwirklichung
einer technischen Verbindung zweier Bauteile oder Stoffe sind

Adhäsion bzw. Adhäsionskräfte zwischen Stoffen,


Kohäsionskräfte von festen Stoffen,
Oberflächenspannungen von Flüssigkeiten,
Hookesche Kräfte (elastische Verbindungen zweier Bauteile mittels elastischer
Glieder bzw. Federelemente),
aero-/hydrostatische Druckkräfte in Flüssigkeiten,
aero-/hydrodynamische Druckkräfte in Flüssigkeiten,
Unterdruck gegenüber der Atmosphäre,
Gravitationskräfte,
elektrostatische Feldkräfte,
Ferro-, Para-, elektromagnetische Kräfte,
diamagnetische Kräfte,
Reibungskräfte, Zähigkeit,
Auftriebskräfte,
Fliehkräfte,
Impulskräfte.

Entsprechend diesen prinzipiell unterschiedlichen Möglichkeiten erscheint es


zweckmäßig, technische Verbindungen primär nach physikalischen Phänomenen zu
ordnen und zwischen Adhäsions-, Kohäsions-, Reibungsverbindungen usw. zu unter-
scheiden. Im Prinzipkatalog 3 (s. Anhang) sind die verschiedenen physikalischen
Prinzipien zusammengefaßt und durch Prinzipbilder erläutert. In Zeile 1 ist das
Prinzip des Adhäsionseffekts angegeben, der für Klebe-, Lötverbindungen und Farb-
anstriche bestimmend ist. Zeile 2 zeigt den Kohäsionseffekt in den zwei Erscheinungs-
arten Stoffschluß (Schweißverbindungen) und Formschluß infolge der Gestalt-
konstanz fester Körper. Ein weiterer für Verbindungen geeigneter Effekt ist die Ober-
flächenspannung, z. B. angewandt bei "Quecksilberlagern" (Zeile 3). In Zeile 4 ist
das Prinzip jener Verbindungen angegeben, die mittels elastischer Werkstoffe zu-
stande kommen. Die elastische Verbindung zweier Bauteile oder das Anpressen eines
Maschinenbauteiles durch Federkraft an ein anderes (z. B. kraftschlüssige Kurven-
getriebe) sind Beispiele hierfür.
Verbindungen aufgrund hydrostatischer oder aerostatischer Kräfte enthält Zeile 5;
Beispiele hierzu sind hydrostatische und aerostatische Lager sowie Kraftübertra-
gungen in hydraulischen Spannelementen. Zeile 6 zeigt den hydro- bzw. aerodyna-
Effektvariation und Effektstrukturen 63

mischen Effekt, der ebenfalls zur Herstellung von Verbindungen geeignet ist; hydro-
dynamische und aerodynamische Gleitlager können hierfür als Beispiele gelten.
Das Prinzip des Verbindens zweier Bauteile mittels Unterdruck gegenüber Atmo-
sphärendruck wird in Zeile 7 deutlich. Die Zeilen 8, 9 und 10 zeigen Verbindungs-
prinzipien, die auf Feldkräften der Gravitation, der Elektrostatik, des Elektro-,
Ferro-, Para- und Diamagnetismus beruhen. Die in der Praxis in mannigfaltiger
Weise angewandten Prinzipien der Coulombsehen Reibung, der Coulombsehen
Reibung plus" Reibkraftverstärkung" (Seilreibung) entsprechend dem Eytelweinschen
Gesetz und der Newtonsehen Reibung (Flüssigkeitsreibung) sind in Zeile 11 ange-
geben. Zeile 12 zeigt die Möglichkeit des Verbindens zweier Bauteile durch Auftriebs-
kräfte und Zeile 13 das Verbinden zweier Bauteile mit Hilfe von Fliehkräften. An-
wendungsbeispiele für den zuletzt genannten Effekt sind in neuerer Zeit auf dem Ge-
biet der Weltraumfahrt bekannt geworden, z. B. das Festhalten von Gegenständen
an der Innenwand von Raumfahrzeugen. Schließlich ist in Zeile 14 noch das Ver-
binden zweier Bauteile mittels Impulskraft dargestellt.

8.4.2 Teilen von Stoffen


Der Zusammenhalt eines festen Körpers (zweier Teilkörper) kann aufgrund atomarer
oder molekularer Kräfte oder Kräften infolge technischer Verbindungen (Schraub-
verbindung etc.) gegeben sein.
Unter Teilen ist das Auseinandernehmen eines Körpers und Bilden zweier oder
mehrerer Teilkörper entgegen atomarer-, molekularer- oder anderer zwischen diesen
Teilkörpern wirkenden Kräften zu verstehen. Demnach soll auch das Lösen einer
technischen Verbindung unter dem Oberbegriff Teilen verstanden werden. Durch
"Teilen" werden aus ursprünglich einem Körper zwei oder mehrere Teilkörper er-
zeugt. Die Grundoperation Teilen kann in der Praxis beispielsweise durch Zerspanen,
Brennschneiden, Brechen. Scheren, Zerreißen, chemische-(Ätzen) oder elektro-
chemische Vorgänge oder durch Demontieren realisiert werden. Das Teilen von
Stoffen läßt sich für technische Zwecke praktisch auf das Teilen fester Stoffe (Körper)
beschränken, da die Zusammenhaltskräfte von Flüssigkeiten oder Gasen so klein
bzw. negativ sind, daß zu deren Teilung keine Kräfte erforderlich sind und diese
keiner entsprechenden technischen Einrichtung bedürfen. Wenn Flüssigkeiten oder
Gase beispielsweise in Wasserleitungs- oder Gasleitungsnetzen scheinbar bezüglich
ihrer Menge "geteilt" (verteilt) werden, so ist dies eigentlich kein Teilvorgang (die
Medien liegen bereits geteilt vor), sondern ein Verzweigen bzw. Führen von Teil-
mengen des Stoffes an unters.chiedliche Orte. Bei zu teilenden Körpern (festen Stoffen)
kann man zwischen Teilvorgängen mit vorgegebener Teillinie (Teilfuge) und solchen
ohne vorgegebener Teilfuge unterscheiden. Zur Ersteren zählen alle bekannten lös-
baren Verbindungen, und nicht lösbar geltende Verbindungen, wie Preß- oder
Schrumpfsitze, soweit diese durch Aufbringen entsprechend großer Kräfte längs ihrer
Teilfuge wieder gelöst werden können. Zur zweiten Gruppe von Teilvorgängen zählen
alle jene, bei welchen atomare oder molekulare Zusammenhaltskräfte des betreffenden
Stoffes örtlich überwunden werden, um den betreffenden Körper zu teilen oder zu
zerk lei nern.
Das Teilen eines homogenen bzw. eines aus zwei Teilkörpern gefügten Körpers
geschieht entweder durch Wirken einer Kraft an diesem Körper. so, daß dessen
Zusammenhaltskräfte überwunden werden, bzw. dadurch, daß man die, eine Ver-
bindung von Teilkörpern bewirkenden Kräfte oder Wirkflächen außer Wirkung bzw.
64 Der qualitative Konstruktionsprozeß- Konzipieren

außer Eingriff bringt. Bei thermischen, chemischen und elektro-chemischen Teil-


verfahren wird das Material entweder örtlich in einen anderen Aggregatzustand über-
führt und/oder chemisch aufgelöst. Bei den mechanischen Teilverfahren wird das zu
teilende Material örtlich so hoch beansprucht, daß die inneren Zusammenhaltskräfte
überwunden werden und es zum Bruch kommt. Gemeinsames Merkmal aller mecha-
nischer Teilverfahren ist die lokale Zerstörung des Materials durch entsprechend
große Kräfte. Im Prinzipkatalog 4 (s. Anhang) ist dies durch Kraftpfeile angedeutet.
Durch Variieren der krafterzeugenden Effekte und den 5 Beanspruchungsarten, wie
Zug, Druck, Schub, Biegung und Torsion eines festen Werkstoffes, lassen sich Ver-
fahren zum Teilen (Zerkleinern, Zerschneiden, etc.) von Stoffen angeben. Im Prinzip-
katalog 4 (s. Anhang) ist dies beispielhaft für einige Krafterzeuger-Effekte gezeigt.

8.5 Beispiel Pumpe


Zum besseren Verständnis des Gesagten soll an dieser Stelle das Beispiel Pumpe,
das in Abschnitt 7.6 begonnen wurde, wieder aufgenommen und weitergeführt
werden. Die dortigen Ausführungen schlossen mit der Erkenntnis ab, daß dem
eigentlichen Pumpvorgang eine Elementarfunktion "Verbinden von Flüssigkeit mit
Bewegungsenergie" entspricht. Alle existenten, prinzipiell verschiedenen Lösungen
findet man, indem man nach den physikalischen Phänomenen fragt, welche geeignet
sind, eine Flüssigkeit in Bewegung zu setzen bzw. flüssigen Stoff mit Bewegungs-
energie zu verbinden. Mit Hilfe der Systematik der physikalischen Effekte für die
Grundoperation" Verbinden eines Stoffes mit Energie" (Anhang, Tab. 2) lassen sich
entsprechende Effekte angehen.
Geht man in diesem Fall davon aus, daß für den Antrieb der Pumpe jede Art von
Energie zur Verfügung stehen kann, so kommen grundsätzlich alle Effekte, welche
für ein Verbinden von Bewegungsenergie und Stoff als geeignet gekennzeichnet sind
und in der zweiten Zeile dieser Systematik stehen, in Betracht. Das sind beispiels-
weise der Impuls- (Kreiselpumpe), der Verdrängungseffekt (Kolbenpumpe), der
Adhäsions- (Flüssigkeitsförderung durch Kapillaren), der Coulomb 1-, Coulomb 11-
und Bernoulli- (Wasserstrahlpumpe), der Biot-Savartsche- (Natriumpumpe) und
Elektroosmose-Effekt. Einige der hieraus folgenden Effektstrukturen zeigt Bild 8.5.1.
Die Grundoperations- oder Elementarfunktionsstruktur geht in die konkrete
Effektstruktur dadurch über, daß man in die Operationssymbole die betreffenden
Effekte schreibt. Die aus diesen Effekten folgenden Pumpenprinzipien sind in Ah-
schnitt 10.1 dargestellt (vgl. vorausgreifend Bild 10.1.1). Zum Antrieb der einzelnen
Pumpenprinzipien sind im allgemeinen verschiedene Energiearten (Bewegungsenergie,
elektrische Energie u. a.) notwendig. Die Effekte für die Operation "Wandeln"
(Bild 8.5.1) werden dementsprechend von dem gewählten Effekt für die Operation
"Verhinden" und gegebenenfalls von der Art der in einem Netz zur Verfügung stehen-
den Energie bestimmt. Für das weitere Vorgehen ist es demnach sinnvoll, die einzelnen
Effekte ausgehend von dem Effekt für die Operation "Verbinden" (Pumpe) über die
Operationen "Wandeln", "Verkleinern" und "Schalten" unter Berücksichtigung
ihrer Abhängigkeit nacheinander festzulegen.
Wählt man beispielsweise für die Operation "Verbinden" (Pumpe) den Ver-
drängungseffekt, d. h. jenen Effekt, auf dem alle Pumpen mit veränderlichem Arbeits-
volumen beruhen, wie Kolben-, Kapselpumpen usw., so braucht man zu einer hierauf
basierenden Pumpe zur Volumenänderung in jedem Fall Bewegungsenergie. Nimmt
Effektvariation und Effektstrukturen 65

E/ A -Si gnu I M- Signol


,
,

Energie·1 ;SH>t-1ß~
Gru ndoRerot Ions struktur
. 11s~

1 1

,_1~, r:::~---, r----:-1


- - - -..!--<Y ~ 0-+ -.l -->I- -.l // f--'
L ___ -.l ~::::.:::-.l "':::---Jirt/L_"':-~_~
,I
11

Effektstruktur
- , Biot-Sovort- k
------ -i>I Effekt !
Bild 8.5.1. Entwicklung mehrerer EITektalternativen für die Operation .,Vcrbinden von Stoff und
Energie" für das Systcm Pumpe (Erläuterungen im Text)

man ferner an - um die Vielfalt der Lösungen einzudümmen -. daß zur Versorgung
dieses Systems nur elektrische Energie zur Verfügung steht. so kommen zur Ver-
wirklichung der Operation "Wandeln" (von Energie) grundsätzlich nur alle jene
Effekte in Betracht, welche elektrische Energie in Bewegungsenergie umzusetzen
vermögen. Das sind im wesentlichen alle Effekte. welche in der Systematik für die
Grundoperation .,Wandeln" (Anhang. Tab. I) als Ursache eine elektrische Größe
(Spannung. Strom u. a .. Zeile 10 und 12) und als Wirkung eine Länge oder Kraft
hzw. Bewegungsenergie (Spalte I und 4) haben. wie z. B. der Elektrostriktions-.
Magnetostriktions-. Biot-Savartsche (elektrodynamischer Effekt = Prinzip des
Elektromotors). elcktrokinetische (Elektroosmose). Coulomb 1- und Coulomb 11-
Effekt. Einige der sich hieraus ergebenden Effektstrukturen sind in Bild 8.5.2 ange-

,-----,
I _~ I I
---\--<Y O-+---j _
I I I _'" I
L _ _ _ ..J 1..::::::' __ -1

r---, r<=.::----,
I .,.... ..... I 1 ............ I
---+-if o-f- - --I ::.
I I I ~~ 1
L ___ -' '-"-::' __ -1

r-----, 1"";:::--,
1 ~- I I
---I-if o--+- - --1 /
I
L ___ .J
I
__ ..1I
'I-".-==-,...../

Bild 8.5.2. Entwicklung mehrerer Effektalternativcn für die Operation .,Wandeln von Energie" für
das System Pumpe (Erläuterungen im Text)
Der qualitative Konstruktionsprozeß -- Konzipieren

deutet. Die entsprechenden Antriebsprinzipien für Kolben- bzw. Membranpumpen


zeigt Bild 10.1.2.
Besonders zu bemerken ist noch. daß ein Teil der für die Operation "Wandeln" ge-
nannten Hfekte. wie z. B. der Elektroosmose- und der Biot-Savartsche-EfTekt, be-
reits auch zur Realisierung der Operation .. Verbinden" genannt wurden. Das bedeutet.
daß diese Effekte mehrere Eigenschaften haben, so daß sie sich sowohl zur Ver-
wirklichung der Operation "Wandeln elektrischer in Bewegungsenergie", als auch
zur Realisierung der Operation .,Verbinden von Flüssigkeit mit Bewegungsenergie"
eignen. Die Tatsache, daß es Effekte gibt welche zwei oder mehrere in einem System
vorkommende Operationen bzw. Funktionen realisieren können, führt meistens zu
sehr einfachen Lösungen (vgl. Bild 10.1.1, z. B. Lösung a und b). Auf diese und andere
Möglichkeiten zur sog. Integralbauweise technischer Systeme wird später in Ab-
schnitt 12.2 zusammenhängend eingegangen.
Um die wesentlichen Vorgänge der Effektvariation zu zeigen, mögen diese Aus-
führungen vorerst genügen; die Fortsetzung dieses Beispiels erfolgt unter Kapitell 0.1.
Das Ergebnis des Arbeitsschrittes "Effekt variieren" sind eine Vielzahl von Effekt-
oder Effektkettenalternativen für die einzelnen Elementarfunktionen. Diese können
an Stelle des Operationssymbols in die einzelnen Kästchen der Elementarfunktions-
oder Grundoperationsstruktur eingetragen werden. Man gelangt so zu Effektstruk-
turen, wie sie --- teilweise ausgeführt - die Bilder 8.5.1 und 8.5.2 zeigen.

8.6 Konzeptalgebra

Mathematische und logische Vorgänge in technischen Systemen lassen sich durch


die bekannten Grundoperationen der gewöhnlichen bzw. Booleschen Algebra be-
schreiben. Wie bereits in Abschn. 7.3 ausgeführt, lassen sich auch die physikalischen
Vorgänge in tcchnischen Systemen durch eine endliche Zahl von Grundoperationen
bcschreiben. Es liegt deshalb die Vermutung nahe, daß es auch für die theoretische
Behandlung physikalischer Systeme "Rechenregeln" bzw. eine "Algebra" gibt.
Trifft das zu, dann wäre es möglich, Funktionsstrukturen physikalisch-technischer
Systeme rein formal nach den Regeln dieser Algebra zu behandeln.
Tatsächlich lassen sich bisher einfache Vorschriften zur formalen Behandlung
physikalischer Funktionsstrukturen angeben. Da dieses "Rechnen" primär das
Konzept eines zu entwickelnden Systems bceinflußt, soll diese neue Algebra "Konzcpt-
algebra" oder kurz "K-Algebra" genannt werden.
Für die physikalischen Grundoperationen sind, ähnlich wie es in der gewöhnlichen
Algebra für die Addition, Division, Multiplikation u. a. geschehen ist, Symbole
festzulegen. Mit ihnen läßt sich beispielsweise die Grundoperation "Wandeln'" wie
folgt darstellen:

Dieser Ausdruck bedeutet, daß die physikalische Größe G der Dimension A in eine
andere Größe G der Dimension B zu wandeln ist; der Pfeil ist das Symbol für die
Operation "Wandeln".
Zusammenfassend seien für die einzelnen Grundoperationen folgende Symbole
vorgeschlagen:
EtTektvariation und Effektstrukturen 67

Wandeln: F w == GA ---+ G B (Oder F w = ~:)


Vergrößern : F Yg == G A1 < G AZ
Verklein-.:rn : F Yk == G Az > G A1
Richtungsändern : F Rä == GA j GA
Führen: FFh == GA = GA
Sammeln: F sa == GA ® GA
Verzweigen: Fyz==GA*G A
Richten: F Ri == G A"* GA
Oszillieren: Fo, == GA +--> GA
Verbinden: F Vb == (GA' G B) >- GAB
Trennen: F Tr == GAB -< (GA' G B)
Fügen: F Fü == GA + GA 1 G AA
Teilen: F Tc == G AA 11 GA + GA
Speichern: F sp == GA ->8 GA
Entspeichern : FE == GA -e GA
Es ist dabei zu beachten, daß diejenigen Operationszeichen, die mit den mathema-
tischen Zeichen gemäß DIN 1302 übereinstimmen, hier eine andere Bedeutung
haben.
Bei der gewöhnlichen Algebra können die Variablen bekanntlich jeden beliebigen
Zahlenwert annehmen, bei der Booleschen Algebra hingegen nur die diskreten Werte 0
und 1. In der K-Algebra sind die Variablen GA' G B usw. im Falle der Operation
"Wandeln von Energie" der allgemeine Ausdruck für jede beliebige Dimension bzw.
Energieform. Allgemein gesprochen beziehen sich die Variablen der K-Algebra auf
Merkmalskenngrößen zur Beschreibung der Eigenschaften und Zustände von Energie,
Stoff und Signal sowie deren Flüsse. Es gilt die Aussage: Die Variablen der K-Algebra
können bestimmte, eine Eigenschaft oder einen Zustand einer Energie, eines Stoffes
oder Signales beschreibende "diskrete Werte" annehmen. Darunter sind in diesem
Zusammenhang alle qualitativen Festlegungen (Merkmalskenngrößen) einer Eigen-
schaft oder eines Zustandes zu verstehen, die eine Energie, einen Stoff oder ein Signal
betreffen. Das können beispielsweise die Dimension, die Größenordnung oder die
Richtung einer physikalischen Größe sein.

8.6.1 Verknüpfen von Variablen durch die Grundoperation "Wandeln"


Der Grundoperation F w entspricht der "Befehl" Wandeln der physikalischen Größe
GA in eine andere physikalische Größe G z gemäß

Bei dieser Kurzschreibweise soll der Pfeil zwischen den beiden Variablen GA und
G z die Vorschrift .,Wandeln" versinnbildlichen.
Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß das Wandeln einer Größe GA in eine
Größe G z schrittweise vollzogen werden kann, gemäß

(I)
6X Der qualitative Konstruktionsprozeß ~- Konzipieren

Diese oder die folgende äquivalente Schreibweise

(2)

sollen darauf hinweisen, daß zunächst die Größe GA in die Größe G B' danach die
Größe G B in die Größe Ge und schließlich die Größe Gy in die gewünschte Größe
G z umgewandelt wird. Dabei ist zu beachten, daß in (1) im allgemeinen die Reihen-
folge der einzelnen Größen nicht vertauscht werden darf.
Das schrittweise Wandeln einer Größe GA in eine Größe G z läßt sich theoretisch
stets auf ein unmittelbares Wandeln zurückführen gemäß

(3)

Diese Zuordnung - der in der Algebra das Kürzen von Größen entsprechen
würde - drückt die Tatsache aus, daß eine viele Wandeloperationen umfassende
Effektkette theoretisch durch einen Effekt ersetzt werden kann, der die Größe GA
unmittelbar in die Größe G z umwandelt.
Zwei Beispiele sollen die praktische Bedeutung dieses formalen Vorgehens kurz
veranschaulichen. Das Umwandeln thermischer in elektrische Energie geschieht
heute vorwiegend stufenweise. Dazu wird zunächst thermische Energie eines Gases
in kinetische Energie eines Gasstrahles umgewandelt (dem I. Hauptsatz entsprechend),
die (auch Anwenden des Impulseffektes) als mechanische Energie auf eine ro~,..:rende
Welle übertragen und schließlich (auf der Basis des Biot-Savartschen Effektes) in
elektrische Energie umgesetzt wird. Der Verwirklichung dieser Effektkette entspricht
das System "Heizkessel-Turbine-Generator" (Bild 8.6.1). Seit einiger Zeit ist man
bemüht, anstatt dieser Effektkette Effekte anzuwenden, die es ermöglichen, thermische

-
Heizkessel Turbine (Le i trad) Turbine (Laufrad) Generator
E[l] chemische Energie
in
thermische Energie
Moschinensy'stem
- thermische Energie
in
kinetische Energie - kinetische Energie
in
mechanische Energie
r---
mechanische Energie
in
elek trische Energie
~Ws]

·0
Elementorfunktionsstruktur

- Verbrennungsef te kt -

Effektstruktur
1. Hauptsatz t-- Impulseffekt t----
Blot ~ Savortscher
Effekt --
Bild 8.6.1. Elementarfunktions- und Effektstruktur des bekannten Systems Heizkesscl-Gencrator
zur Umwandlung chemischer in elektrische Energie
Effektvariation und Effektstrukturen 69

Energie unmittelbar in elektrische Energie umzusetzen. Eine Entwicklung, bei der


dies angestreht wird, ist die magneto-hydrodynamische-Direktumwandlung im
MHD-Generator.
In der Meßtechnik hingegen wird oft das Meßsignal nicht nur einmal, sondern
mittels einer Hfektkette mehrmals umgesetzt, um beim Messen eine hohe Ver-
größerung des Meßwertes zu erreichen. Bei elektrischen Längenmeßgeräten wird
beispielsweise eine zu messende Längenänderung zunächst in eine elektrische Größe
umgesetzt (umgewandelt). als solche verstärkt (vergrößert) und danach wiederum in
eine Längenänderung bzw. einen Zeigerausschlag umgewandelt. Optische oder
pneumatische Meßger~ite können ebenfalls als ein Beispiel für das Ausnutzen von
Erfektketten dienen.

8.6.2 Verknüpfen von Variablen durch die Grundoperationen


"Vergrößern" und" Verkleinern"
Die Grundoperationen "Vergrößern" oder "Verkleinern" des Zahlenwertes eIner
physikalischen Größe können als Sonderfälle der Grundfunktion "Wandeln" be-
trachtet werden. Formal lassen sich dafür Beziehungen angeben, die denen für die
Funktion "Wandeln" sehr ähneln. Das Vergrößern des Zahlenwertes einer physika-
lischen Größe GA um den Faktor n kann theoretisch in beliebig vielen Einzelschritten
vollzogen werden. gemäß

(4)

Umgekehrt kann man sich eine Kette von Vergrößerungen durch nur eine Operation
ersetzt denken.

(5)

Ein praktisches Beispiel für die durch (4) und (5) ausgedrückte Beziehung sind
gleichförmig ühersetzende Getriebe. Die Vergrößerung oder Verkleinerung einer
Drehzahl kann bekanntlich mittels einer oder mehrerer Übersetzungsstufen bewirkt
werden; ein mehrstufiges Getriebe läßt sich theoretisch immer durch ein einstufiges
Getriebe ersetzen. Ausgeführte Beispiele für Getriebe mit sehr großen Übersetzungs-
verhältnissen sind elektrische Energiezähler mit Ein-, Zwei- oder Dreizahnritzel sowie
Schneckenradgetriebe.

8.6.3 Verknüpfen von Variablen durch verschiedene Grundoperationen


In technischen Systemen kommen im allgemeinen alle möglichen Grundoperationen
vor. Es gibt auch Funktionen zu realisieren. hei denen die Variablen durch verschiedene
Operationen miteinander verknüpft werden müssen. Beispielsweise lassen sich die
Eigenschaften eines Elektromotors mit einem angeflanschten mechanischen Getriebe
zur Drehzahländerung oder eines elektrischen Spannungsteilers mit nachgeschaltetem
Gleichspannungsmotor durch eine Beziehung der Art

(6)
70 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

beschreiben. Der linke stehende Ausdruck sagt, daß zunächst die elektrische Größe
GA (Spannung) in die mechanische Größe G BI (Drehzahl) umgewandelt und diese
danach um einen bestimmten Faktor verkleinert wird. Dem rechts stehenden Aus-
druck entsprechend wird hingegen die elektrische Größe G AI zunächst um einen
anderen, entsprechenden Faktor verkleinert und sodann in die mechanische Größe G B
(Drehzahl) umgewandelt. Das Gleichheitszeichen besagt, daß die den beiden Aus-
drücken zugeordneten Funktionen in qualitativer Hinsicht äquivalent sind. Diese
Beispiele mögen zur Einführung genügen; eine umfassende Darstellung dieser Algebra
steht noch aus.
9 Effektträgervariation

Ausgehend von einer bestimmten Aufgabenstellung schloß der vorangegangene


Arbeitsschritt mit einer entsprechenden Effektstruktur ab. Das bedeutet, daß für
jede zu realisierende Elementarfunktion eine Vorstellung existiert, mit welchem
physikalischen Effekt oder mit welchen Effekten diese verwirklicht werden können.
Auf dem Wege der weiteren Realisierung muß jedem Effekt ein Effektträger (Stoff)
zugeordnet werden. Im allgemeinen kann man jedem Effekt verschiedene Stoffe
zuordnen und so alternative Lösungsvarianten finden.
Durch Effekt und Effektträger ist die Prinzip- oder Basislösung eines Funktions-
elementes [65] festgelegt. Daraus folgt, daß man durch Variation des Effektträgers für
ein und denselben Effekt systematisch verschiedene Prinziplösungen entwickeln
kann. 1m allgemeinen erhält man durch Wechsel des Aggregatzustandes "fest",
"flüssig" und "gasförmig" jeweils drei verschiedene Prinziplösungen für einen be-
stimmten Effekt. Feststoff-, Flüssig- und Gaslasersysteme sind ein treffliches Beispiel
hierfür. Das ist jedoch nicht immer so. Es gibt auch Effekte, für welche ein Wechsel
des Aggregatzustandes nicht sinnvoll ist, nämlich solche, die gerade die beim Wechsel
des Aggregatzustandes "verlorengehende" Eigenschaft benutzen, wie beispielsweise
im Fall des Hebeleffektes. Darüberhinaus gibt es auch Effekte, zu deren Realisierung
zwei Stoffe mit verschiedenen Aggregatzuständen erforderlich sind; ein Beispiel
ist ein von Flüssigkeit oder Gas umströmter Tragflügel (Profilauftriebseffekt). Die
Herstellung von Federn (Hookescher Effekt) aus Stahl, Kunststoff oder Gummi
(Bild 9.1) und von Wärmedehnelementen aus festen Stoffen oder Flüssigkeiten können
ebenfalls als Beispiele für die Variation des Effektträgers dienen (Bild 10.1). Als ver-
schiedene Effektträger sollen in diesem Zusammenhang Stoffe mit deutlich unter-
schiedlichen Eigenschaften, wie z. B. Stahl, Kunststoff, Holz, etc. gelten.
Ein sehr aktuelles Beispiel der Effektträgervariation ist die Verwendung von Kunst-
stoffen an Stelle von Stahl oder anderer Metalle (Lagermetalle). Der Konstrukteur

~Stahlfeder
b
~
Kunststoffring
Bild 9.l.la und b. Effektträgervaria-
ti on (Stahl/Kunststoff)
Hookeschen Effekt
zum
72 Der qualitative Konstruktionsprozeß -- Konzipieren

wendet die Möglichkeit der Effektträgervariation häufig dann an, wenn er bezüglich
Festigkeitsforderungen, Schwingungsdämpfung, Lärmentwicklung, Kosten u. a.
Forderungen bei einer bereits fortgeschrittenen Entwicklung in Schwierigkeiten gerät
und nach Werkstoffen sucht, die sich bezüglich der genannten Eigenschaften günstiger
verhalten als bisher an gleicher Stelle verwendete Stoffe. Durch Wechsel des Effekt-
trägers (Werkstoffes) läßt sich dadurch manchmal eine aufwendige Änderung geome-
trischer Abmessungen umgehen.
Für die Anwendung der Effektträgervariation in der Konstruktionspraxis zur
systematischen Entwicklung verschiedener Prinziplösungen genügt es nicht, nur
zwischen Stoffen verschiedener Aggregatzustände zu unterscheiden, vielmehr ist es
notwendig, den Begriff Effektträger genauer zu definieren. Als verschiedene Effekt-
träger sollen Stoffe betrachtet werden, welche sich in einer oder mehreren für einen
bestimmten Anwendungsfall relevanten Eigenschaften deutlich unterscheiden ("Quali-
tätssl'rung"). Die Effektträgervariation liefert im allgemeinen mehrere alternativ
anwendbare Lösungen. Aus diesem Lösungsfeld ist in einem anschließenden Selek-
tionsverfahren die für den betreffenden Fall günstigste Alternative oder es sind die
günstigsten Alternativen auszuwählen und weiterzuentwickeln.
Zusammenfassend ergibt sich zum Aufzeigen weiterer Lösungsalternativen mittels
Effektträgervariation

Regel 4: Als verschiedene Effektträger für einen bestimmten Effekt gelten alle
jene Stoffe, denen die Eigenschaft oder Eigenschaften gemeinsam sind, die zur
Realisierung des betreffenden Effektes notwendig sind. Durch Variation des
Effektträgers kann man zu einem Effekt entsprechend mehrere unterschiedliche
Prinziplösungen l angeben. Verschiedene Effektträger können beispielsweise
feste, flüssige oder gasförmige Stoffe sein.

Die so beschriebene Effektträgervariation ist ein erster Teilschritt zur Festlegung


des Werkstoffes (qualitative Festlegung). Die exakte Festlegung der Werkstoffdaten
braucht meist erst später in der quantitativen Konstruktionsphase zu erfolgen. Hierzu
sind die für den betreffenden Effekt relevanten Stoffeigenschaftswerte von ausschlag-
gebender Bedeutung. Für die Schaffung einer Konstruktionsunterlage zur systema-
tischen und ggf. rechnerunterstützten Effektträgervariation ist es daher sinnvoll, alle
wichtigen Konstruktionswerkstoffe und deren Stoffeigenschaftswerte zu sammeln
und so zu ordnen, daß sie nach Aggregatzustand und/oder aktuellen Stoffeigenschaften
"abgerufen" werden können. Einen Überblick über die wesentlichen Stoffeigen-
schaften für feste, flüssige und gasförmige Stoffe zeigt im Anhang Tab. 4.
Zum einfacheren Vergleich und zur Beurteilung von Stoffen bezüglich ihrer Eignung
für einen bestimmten Anwendungsfall ist es zweckmäßig, die existenten Wertebereiche
der Stoffeigenschaften in Klassen von 0 bis 9 einzuteilen. Null bedeutet dabei, daß bei
einem Stoff eine bestimmte Eigenschaft in keiner nennenswerten Quantität vorhanden
ist. Ein Stoff erhält für eine bestimmte Eigenschaft die Klasse 9, wenn der betreffende
Eigenschaftswert etwa dem maximal vorkommenden Wert gleichkommt. Die daraus
folgende Klassifizierung der Stoffeigenschaftswerte für feste, flüssige und gasförmige
Stoffe zeigen die Tab. 5a und b des Anhangs.

1 Der Begriff "Prinziplösung" wird im Abschnitt 10 noch näher erläutert


Effektträgervariation 73

Exemplarisch zeigt Tab. 6 ein Datenblatt für die Eigenschaften von Eisen und
Stahl.
Wenn eine elektronische Datenverarbeitungsanlage zur Verfügung steht, können die
wichtigsten Konstruktionswerkstoffe sowie deren Eigen :haftswerte in einer soge-
nannten Datenbank gespeichert und zur Werkstoffestlegung abgerufen werden.
Hierfür ist es häufig notwendig, verschiedene Werkstoffe hinsichtlich einer oder
mehrerer Eigenschaften bzw. Eignung zu vergleichen. Zu diesem Zweck ist es prak-
tisch, die Werte der interessierenden Eigenschaften der verschiedenen Stoffe in einer
Form darzustellen, wie es Tab. 7 für die Eigenschaft "Streckgrenze von Metallen (aJ"
verschiedener Stoffe zeigt [35].
10 Darstellung der Prinzip- oder Basislösung

In den bei den vorangegangenen Arbeitsschritten wurden Effekt und Effektträger für
eine bestimmte Elementarfunktion festgelegt. Mit der Wahl des Effektes liegt die
prinzipielle Verwirklichung für die betreffende Funktion fest. Trotzdem kann die
sog. Prinziplösung noch nicht dargestellt werden, da diese im allgemeinen nicht nur
vom Effekt, sondern auch vom gewählten Effektträger mitbestimmt wird . Die Prinzip-
lösung ist eine Funktion des Effektes und des Effektträgers:

Prinziplösung = f(Effekt, Effektträger) .

Eine Prinzip lösung kann erst dann bildlich dargestellt werden, wenn Effekt und
Effektträger qualitativ festgelegt sind. Das Bild einer Prinziplösung soll mindestens
alle jene Größen enthalten, welche als Parameter in der mathematischen Formulierung
(physikalisches Gesetz) des betreffenden Effektes vorkommen , soweit sie überhaupt
bildlich darstellbar sind (vgl. Bild 7.3.2 , Hebeleffekt). Da die Prinziplösung als Grund-
lage bzw. Ausgangspunkt für die anschließende Gestaltungsphase dient, soll sie
alternativ auch als Basislösung bezeichnet werden .
Zur Veranschaulichung der vorangegangenen Ausführungen soll hier ein kurzes
Beispiel eingefügt werden. Es sei die Aufgabe gestellt, die täglichen Schwankungen der
Temperatur eines Raumes zum Aufziehen einer in diesem Raum befindlichen Uhr
zu benutzen, oder es soll das Ventil eines Kühlwassersystems bei Kraftfahrzeug-
motoren (Thermost<)t) abhängig von der Temperatur des Kühlwassers geöffnet bzw.
geschlossen werden . Abstrahiert stellen sich beide Aufgaben so: Eine Temperatur-
änderung ist in mechanische Energie (Kraft bzw. Weg) umzusetzen. Zur Realisierung
dieser Elementarfunktion "Temperaturänderung wandeln in eine Kraft bzw. einen
Weg" kann man u. a. den bekannten Wärmedehnungseffekt benutzen. Mit der Wahl
dieses Effektes liegt die Prinziplösung teilweise fest . Die Prinziplösung läßt sich
aber erst dann skizzieren, wenn auch der Effekuräger qualitativ festgelegt ist. Im
vorliegenden Fall kann der Effektträger ein fester oder flüssiger Stoff sein.

Bild 10. 1 a, b. Darstellung einer Prin zip- oder


Basislösung
Darstellung der Prinzip- oder Basislösung 75

Entsprechend der Zuordnung eines festen oder flüssigen Stoffes zu dem genannten
Effekt, ergeben sich die beiden in Bild 10.1 gezeigten verschiedenen Prinzip- oder Basis-
lösungen für einen thermischen Antrieb. Es ist noch zu bemerken, daß die beiden
Prinziplösungen (Bild 10.1) alle geometrischen Parameter der entsprechenden physi-
kalischen Gesetze (~I = C(lo~t und ~ V = ßVoM) enthalten.
Zur systematischen Entwicklung verschiedener Prinzip lösungen ergibt sich folgende
Reocl5: Verschiedene Prinziplösungen für eine bestimmte Funktion erhält
man durch Variation des Effektes und des Effektträgers. Bei der Darstellung
der Prinzip- oder Basislösung ist der durch den gewählten Effekt gegebene
Ursache-Wirkung-Zusammenhang unter Berücksichtigung der durch den ge-
wählten Effektträger gegebenen Eigenschaften in ein Funktionsprinzipbild
umzusetzen. Die Darstellung der sog. Prinzip- oder Basislösung kann bzw.
muß sich dabei auf die Wiedergabe der geometrischen und bildlich darstellbaren
Parameter, welche durch das physikalische Gesetz des betreffenden Effektes
vorgegeben sind, beschränken. Für die Darstellung eines Prinzips ist es wesent-
lich, daß alle Parameter dargestellt werden können, die dieses Prinzip be-
schreiben. Handelt es sich um einen Effekt mit räumlichen vektoriellen Größen,
benötigt man auch für die Prinzipdarstellung eine 3-dimensionale Abbildung.
Bei der Prinzipdarstellung genügt es deshalb oft, Teile, die in Wirklichkeit drei-
dimensional ausgebildet werden müssen, ein- oder zweidimensional darzustellen.
Beispielsweise ist für die prinzipielle "Darstellung des Hebeleffektes nur die physika-
lische Größe "Länge" (Hebellänge) von Bedeutung, der Querschnitt eines Hebels
ist in diesem Zusammenhang belanglos. Um das Prinzip des Hebeleffektes darzu-
stellen, genügt es deshalb, den Hebel als eindimensionales Gebilde darzustellen
(Bild 7.3.2). Neben den geometrischen Größen 11 und 12 , sind in Bild 7.3.2 die Kräfte F 1
und F 2 bildlich dargestellt, obwohl diese keine geometrischen Größen sind.
Für die Elementarfunktion "Wandeln von Energie bzw. Signalen" sind die den
einzelnen Effekten entsprechenden Prinziplösungen, deren physikalischen Gesetze
sowie wichtige Daten im sog. Prinzipkatalog im Anhang zusammengefaßt. Diese
Art von Katalogen sollen dem Konstrukteur das Aufzeichnen der Prinziplösungen
ersparen und ihm Informationen über die Größenordnung des Ursache-Wirkung-
Zusammenhanges (Quantität) eines Effektes liefern, um die Beurteilung einer eventuell
neuen, unkonventionellen Lösung zu erleichtern. Für weitere Informationen ist
diesem Katalog noch ein eigenes Literaturverzeichnis angehängt.

10.1 Beispiel Pumpe


Zur Veranschaulichung dieses Arbeitsschrittes soll abschließend das Beispiel Pumpe,
das in den Abschnitten 7.6 und 8.4 begonnen wurde, um die Darstellung der Prinzip-
lösung weitergeführt werden. Die letzten Ausführungen schlossen mit der Erstellung
verschiedener Effektstrukturen für Pumpensysteme ab. Dabei war im einzelnen die
Erkenntnis von Bedeutung, daß es bestimmte physikalische Effekte gibt, mit deren
Hilfe man eine Flüssigkeit in Bewegung versetzen kann. In dem vorliegenden Arbeits-
schritt sind diese verbalen Lösungen durch ein entsprechendes Bild einer Prinzip-
oder Basislösung zu ergänzen.
Bild 10.1.1 zeigt einige, den genannten Effekten entsprechende Prinziplösungen zur
Bewegung von Flüssigkeiten. Bild a zeigt die Anwendung des Biot-Savartschen
76 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

~
---
--- -

t. ___ =-
::::::::
-- --- --
Biot - Savartsche r -E. Elekt rokinetischer - E. Gravita tion Kopilloritötseffekt
( Elek trod yn. - Effekt) (Elektroosmose )
a b c d

t t
+
-
::=:: -
--- f - -

- - - _:~ - -- -- -.:
r:--=--...:-_-_-
r-_ -==--:=-=-=-:-=.::.-=-=-=
...:_-~_-_-_
- - - - - - - --
t
Coulomb 1- E. Coulomb II-E Verdröngungseffek t Impulseffekt
e f g h
Bitd 10.1.1 a··h. Prinziplösungen für di e Elemelltarfunktioll "Verbinden eines Ellergie- und Stoff-
llusses"

Effektes (Prinzip des Elektromotors) zum Transport für Flüssigkeiten. Eine Flüssig-
keit an einem Rohr befindet sich in einem senkrecht zur angestrebten Bewegungs-
richtung wirkenden magnetischen Feld B; wird außerdem noch ein elektrischer Strom
in der gezeichneten Richtung durch die Flüssigkeit geleitet. so wird sich die Flüssigkeit
aufgrund des Biot-Savartsch <' 11 Gesetzes (bzw. Effektes) im Rohr senkrecht zur Strom-
richtung I und zum magnetischen Feld B bewegen. Dieses Prinzip läßt sich natürlich
nur auf elektrische leitfähige Flüssigkeiten anwenden. Wegen des relativ schlechten
Wirkungsgrades wird es bisher nur dort angewandt . wo es darauf ankommt. Pumpen
ohne bewegte Teile zu haben (Natriumumwälzung in Atomkraftwerken).
Die übrigen Prinziplösungen zeigen die Bewegung von Flüssigkeiten aufgrund des
Elektroosmose-, Gravitations-, Kapillarifäts-. Coulomb 1- (elektrisches Feld) und
Coulomb lI-Effektes. Letzterer Effekt ist natürlich nur bei magnetischen Flüssigkeiten
anwendbar. Ferner sind in Bild 10.1.1 noch der in der Praxis häufig zum Bau von
Membran- bzw. Kolben- und Kreiselpumpen angewandte Boyle-Mariotte- und
Impulseffekt angegeben . Wählt man beispielsweise den Boyle-Mariotteschen Effekt
als Pumpen prinzip. so ist für den Betrieb dieser Art von Pumpe eine Bewegung zum
Ansaugen und zur Veränderung eines Volumens zu erzeugen. Steht dazu nur elektri-
sche Energie zur Verfügung, so stellt sich weiterhin die Aufgabe, elektrische Energie
in Bewegungsenergie umzuwandeln. Zur Realisierung dieser Teilaufgabe eignen sich
grundsätzlich alle Effekte, welche elektrische Größen in Weg oder Kraft umzusetzen
vermögen. Bild I 0.1.2a bis e zeigt Antriebsprinzipien basierend auf dem Biot-Savart-
schen-. Coulomb 1-, Coulomb 11-. Elektrostriktions- und Magnetostriktionseffekt.
Darstellung der Prinzip- oder Basislösung 77

Biot-Savart - E. Coulom b 1.- E. Coulomb 11. - E.


a b c

El ekt ros trik ti ons - E. Magnel osl ri ktiollS - E. Keil- E.' Biol - So vorl -E. (E.- Mo lor )
d e f
Bild 10.1.2a- f. Prinziplösungen für dic Elcmcntarfunktion " Wandeln von elektrischer in Bewegungs-
energie"

Es ist noch zu bemerken , daß eine oszillierende Volumenänderung einen ebenfalls


oszillierenden Volumenstrom zur Folge hätte, wenn man nicht zwei Rücksperrventile
(Kugelventile) , wie in Bild 10.1.2 gezeigt, vorsehen würde. Im Gegensatz zur Kolben-
oder Membranpumpe braucht man für den Betrieb einer Kreiselpumpe prinzipiell
keine Rücksperrventile, es sei denn aus anderen Gründen , z. B. zum Anfahren eines
Kreiselpumpensystems. Wie dieses Beispiel zeigen soll, sind durch das gewählte
physikalische Prinzip u. U. weitere Elementarfunktionen bzw . Funktionselemente
notwendig, um eine "physikalische Lösung" in eine für die Praxis geeignete bzw.
" technische Lösung" zu überführen.
Denkt man sich ferner das Biot-Savartsche Prinzip , nach Bild JO.1.2a zum be-
kannten Elektromotor weiter entwickelt (gestaltet) , so sind zur Umwandlung der
rotatorisch fortlaufenden Bewegung in eine translatorisch oszillierende noch die

Bild 10. 1.3. Erweiterte Grundopera-


tionsstruktur des Systems Pumpe (Er-
liiutcrungen im Text)
Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

Operationen "Wandeln" und "Oszillieren" notwendig; in Bild 10.1.2f ist das diesen
Operationen entsprechende Getriebe angedeutet. Zeichnet man rückblickend die
Grundoperationsstruktur für das System "Membranpumpe" , so ergibt sich eine um
die beiden Operationen "Richten des Stoffflusses" sowie "Wandeln und Oszillieren
des Energieflusses" erweiterte Grundoperationsstruktur, wie sie Bild I 0.1.3 zeigt.
Dieses Beispiel soll zeigen, daß im Laufe der Entwicklung zur ursprünglichen Grund-
operationsstruktur ständig weitere logisch bedingte Operationen hinzukommen; die
ursprünglich weitgehend allgemeine Struktur wird mit fortschreitender Konkretisie-
rung der Lösung zu einer umfangreicheren, speziellen Struktur eines bestimmten
produktes.
11 Kombinieren von Prinziplösungen, Bauelementen oder Baugruppen
zu komplexeren Systemen

Der vorangegangene Arbeitsschritt schloß mit der Erstellung der Prinzip- oder Basis-
lösung ab. Diese beschränkte sich auf die qualitative Darstellung des betreffenden
Ursache-Wirkung-Zusammenhanges und enthielt im wesentlichen nur die durch das
betreffende physikalische Gesetz vorgegebenen Parameter. In dem folgenden Arbeits-
schritt "Kombinieren" sind die den einzelnen Elementarfunktionen entsprechenden
Prinziplösungen gemäß der Elementarfunktionsstruktur zu komplexeren Systemen zu
kombinieren. Dieser Arbeitsschritt muß notwendigerweise vor dem Gestalten er-
folgen, da die einzelnen Elemente wegen des starken gegenseitigen Einflusses nicht
losgelöst von ihren Nachbarelementen sinnvoll gestaltet werden können.
Maschinen, Geräte und Apparate bestehen üblicherweise aus einer Vielzahl von
Funktionselementen oder Baugruppen. Eine Baugruppe besteht meistens aus mehreren
Funktionselementen. Unter einem Funktionselement soll hier verabredungsgemäß
die technische Verwirklichung einer Elementarfunktion verstanden werden. In den
vorangegangenen Arbeitsschritten hat man im allgemeinen für jede Teil- oder Elemen-
tarfunktion mehrere, alternativ anwendbare Lösungen erhalten. Um die sich durch das
Kombinieren aller Alternativlösungen ergebende Lösungsvielfalt einzuschränken,
wäre es erstrebenswert, objektive Kriterien zur Bestimmung der jeweils günstigsten
Lösung für eine Teil- oder Elementarfunktion zu haben.
Leider ist eine Lösung, welche für sich betrachtet optimal ist, von Ausnahmen
abgesehen, nicht die günstigste Lösung in Verbindung mit dem betreffenden Gesamt-
systern. Das bedeutet, daß in vielen Fällen erst die einzelnen TeiJIösungen zum
Gesamtsystem kombiniert und danach bezüglich ihrer optimalen Eignung für den
speziellen Fall selektiert werden müssen. Zur systematischen und lückenlosen Durch-
führung der Kombination der einzelnen Teillösungen zu dem entsprechenden Ge-
samtsystem kann man eine Kombinationssystematik benutzen, welche unter dem
Namen "morphologischer Kasten" [83] bekannt geworden ist.
Um die Zahl der Kombinationsmöglichkeiten nicht unnötig hoch zu treiben, wird
man vor diesem Arbeitsschritt alle Lösungsalternativen für die einzelnen Teil- oder
Elementarfunktionen ausscheiden, von denen man auch bei diskreter Betrachtung
zweifelsfrei sagen kann, daß sie zu keinen brauchbaren Lösungen führen werden. Die
verbleibenden Lösungsalternativen werden mittels eines Schlagwortes in die Kombi-
nationssystematik, wie sie Bild 11.1 zeigt, eingetragen. In horizontaler Richtung
werden in der betreffenden Zeile die jeweiligen Alternativen für die gleiche Teil- bzw.
Elementarfunktion eingetragen. Die Zahl der Zeilen entspricht der Zahl der ein
80 Der qualitative Konstruktionsprozeß -- Konzipieren

Effekt-, Eftektträger-, Prinzip-, Gestalt -


oder Baugruppenalternativen
e 1 A12 A13 A14 A15 Ä 16
0 ~J1_
=-=
~
-'-~~l
--
e 2 A 21 A 23
:f
~ 3 A 31 A 32 ~}33 A 34
'-
QJ -~
4 A41
"0 A,.42

A52
I
Ci 5 A51 A53
CQJ I
I
E I
.!!!
UJ ~
I
I
eine mögliche
Kombination (Konzept)

Bild 11.1. Kombinationssystematik (morphologischer Kasten)

Gesamtsystem bildenden Teil- oder Elementarfunktionen : die Zahl der Spalten ent-
spricht der Zahl der Lösungsalternativen für eine bestimmte Funktion.
Eine Gruppe von Prinzipalternativen bestehend aus jeweils einer Alternative aus
jeder Zeile, ergibt ein Konzept für das betreffende Gesamtsystem. Ist n t , n2, n3' ... usw.
die Zahl der in den entsprechenden Zeilen (1,2, 3 usw.) stehenden Lösungsalter-
nativen, so ergeben sich theoretisch

voneinander yerschiedene Kombinationen. Jede dieser Kombinationen repräsentiert


ein mögliches Konzept für das betreffende Gesamtsystem. Welche Kombinationen
praktisch sinnvoll sind und welche nicht, muß von Fall zu Fall geprüft werden [86].
Mit Hilfe einer solchen Systematik können grundsätzlich Lösungsalternativen
systematisch zu komplexeren Systemen kombiniert werden. So können beispielsweise
nach dem gleichen Schema Effekt· und Effektträgeralternativen (Abschn. 10) zu
Prinziplösungen oder bereits existierende Bauelemente zu Baugruppen, Baugruppen
zu Maschinen oder Maschinen und Geräte zu noch komplexeren Systemen kombiniert
werden.
Zur Durchführung dieses Arbeitsschrittes ergibt sich somit folgende

Regel 6 : Verschiedene Konzepte technischer Systeme erhält man durch Kom-


binieren geeigneter Elemente mittels einer Kombinationssystematik nach
Bild 11.1. Im einzelnen können nach den Regeln dieser Matrix Effekt- und
Effektträgeralternativen zu verschiedenen Prinzip lösungen, Funktions-
elementalternativen zu Baugruppen, Baugruppenalternativen zu Maschinen
oder Maschinen-, Geräte- oder Apparatealternativen zu komplexen Systemen
kombiniert werden.

Aus der Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten, die dieses Vorgehen ergibt, ist
- wenn möglich - die für den betreffenden Fall günstigste Lösung bzw. sind die
günstigsten Lösungen auszuwählen. Das Ergebnis dieses Arbeitsschrittes ist somit
Kombinieren von Prinziplösungen, Bauelementen oder Baugruppen zu komplexeren Systemen 81

ein am besten erscheinendes Konzept für das zu entwickelnde technische System. Der
Realisierungsgrad, welcher in diesem Stadium erreicht ist, entspricht dem einer
Prinziplösung 1 • In den anschließenden Arbeitsschritten werden die einzelnen Elemente
unter Berücksichtigung ihrer gegenseitigen Relationen gestaltet und in einem maß-
stäblichen Entwurf vereinigt. Auf die hierzu notwendigen Tätigkeiten wird in den
folgenden Abschnitten noch näher eingegangen.

Hierbei wird vorausgesetzt, daß der überwiegende Teil des betreffenden Systems neu entwickelt
werden muß und nicht auf bereits existierende Bauelemente oder Baugruppen zurückgegriffen
werden kann
12. Entwerfen und Gestalten

Die vorangegangenen Arbeitsschritte schlossen mit der Erstellung eines Konzeptes


für das zu entwickelnde System ab. Der bis dahin erreichte konstruktive Realisierungs-
grad ist durch Prinziplösungen für die einzelnen technischen Funktionen gegeben.
Diese Lösungen für die späteren Baugruppen sind in Form von Prinzipskizzen vor-
handen, wobei die einzelnen späteren geometrischen Elemente noch als ein- oder zwei-
dimensionale Gebilde dargestellt sein können. Ein reales technisches Gebilde besteht
demgegenüber aus einer Vielzahl dreidimensionaler Einzelteile bzw. Körper, welche
in irgendeiner Weise miteinander in Verbindung stehen. Die Tätigkeiten, welche
notwendig sind, um eine Prinziplösung in ein herstellbares technisches Gebilde zu
überführen, sollen mit "Gestalten oder Entwerfen" bezeichnet werden. Mit Ge-
stalten oder Entwerfen soll im wesentlichen das Überführen der ein- oder zweidimen-
sionalen Prinziplösung einer bestimmten Funktionseinheit in ein dreidimensionales
(körperliches) technisch herstellbares Gebilde bzw. eine Baugruppe verstanden werden.
Zur Gestaltung einer Baugruppe müssen im einzelnen Wirktlächen festgelegt werden;
diese sind zu Bauteilen zusammenzufügen, die Bauteile sind des weiteren zu Bau-
gruppen zu fügen und diese wiederum zu Maschinen, Geräten oder noch umfassen-
deren Systemen. Liegen Bauteile oder Baugruppen bereits vor (Norm-, Kaufteile
und/oder Standardbaugruppen) können die entsprechenden Konstruktionsschritte
entfallen. Das Ergebnis dieser Arbeitsschritte ist in jedem Fall eine erste Skizze oder
ein erster maßstäblicher Entwurf, der im Verlauf des weiteren Entwicklungsprozesses
u. U. mehrmals überarbeitet, untersucht und verbessert wird und zu einem zweiten,
dritten, vierten usw. Entwurf führt, um so schließlich in Form eines sogenannten end-
gültigen Entwurfes einen Perfektionsgrad zu erreichen, der es vertretbar erscheinen
läßt, dieses durch Zeichnungen festgelegte System fertigen zu lassen.
Das Entwerfen oder Gestalten von Maschinen oder Geräten besteht grundsätzlich
aus zwei unterschiedlichen Arten von Prozessen, und zwar einem Synthese- und einem
Analyseprozeß. Als Syntheseprozeß seien alle jene Tätigkt<iten verstanden, die den
Konstrukteur bei einer AufgabensteIlung zu alternativen Lösungen für einen be-
stimmten Zweck führen. Mit Analyse- oder auch als Selektionsprozeß seien dagegen
alle jene Tätigkeiten wie Bewerten, Prüfen, Vergleichen und Auswählen von Lösungen
verstanden, die dazu dienen, aus einer Vielzahl im vorangegangenen Arbeitsschritt
gefundener Lösungsalternativen jene auszuwählen, die für den betreffenden Fall am
besten geeignet ist oder die die betreffenden Bedingungen, denen eine Lösung zu
genügen hat, am besten erfüllt. Unter Analysieren soll auch jene Tätigkeit des Prü-
fens und Erkennens von Unzulänglichkeiten verstanden werden, die Auslöser
Entwerfen und Gestalten 83

für weitere oder erneute Synthese schritte zur Verbesserung einer bestehenden Lösung
sind. Dieses Analysieren geschieht anhand einer Vielzahl zu berücksichtigender Be-
dingungen, wie beispielsweise kostengünstig, fertigungsgerecht, wartungsarm, lärm-
arm, transportgerecht, usw. (s. Bilder 6.1 und 12.1).

chemische Energie

T
C'-.
Funktionsstruktur -

~
synthese
Restriktionen
Wie soll d. Maschine
ihre Aufg. erfüllen?
co
.;0 ------------ ----------
Pri nzipsynthese
Cl>
co kostensparend
~
co
:.cu Cl> fertigungsgerecht
------------
'-
Vl
Cl ~. energiearm
::E
Ges taltsynthese .:0:
geräuscharm
~
.~ Cl> wartungsarm
~ .co.
V">
klein
0 ------------ Cl> leicht
u.a.
Vl
Marlsynthese 'OJ
Vl "-

~
Cl
:;:

Fertigen, Montieren,
Untersuchen

Bild 12.1. Darstellung des Konstruk-

1
tionsprozesses, insbesondere des Ana-
lyseprozesses: Prüfen, Bewerten, Selek-
tieren, bzw. Auswählen der günstigsten
Markt, Umwelt, Lösung; Erkennen von Unzulänglich-
Herstellverfahren,
Gesetze ua. keiten, - Verbesserungen durch er-
neute Syntheseschritte

L= f (Zweck; Restriktionen)

Bei der üblichen Vorgehensweise entwickelt der Konstrukteur in Gedanken eine


Lösung, prüft diese an bestimmten Bedingungen, zeichnet sie auf oder verwirft sie,
je nachdem, ob sie den zu berücksichtigenden Bedingungen genügt oder nicht genügt.
Synthese und Analyse vollziehen sich in Gedanken so sehr nebeneinander, daß sie
häufig nur als eine Tätigkeit empfunden werden. Im Hinblick auf die Entwicklung
von Regeln zum systematischen Gestalten von technischen Gebilden ist es aber
wichtig, zwischen solchen Regeln zur Synthese von Lösungsvarianten und Richt-
linien zur Einschränkung der Vielfalt bzw. Selektion zu unterscheiden. Für die weitere
Behandlung der ersten Teilaufgabe stellt sich die Frage nach Parametern, die die
Gestalt eines Körpers oder technischen Systems bestimmen. Auf die Kriterien zur
Analyse und Selektion von Lösungen wird in Kap. 13 noch eingegangen.
Gestalten oder Entwerfen sind Tätigkeiten, welche den größten Zeitaufwand
des gesamten Konstruktionsprozesses beanspruchen, es sind im allgemeinen die
Haupttätigkeiten des Konstrukteurs. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen ent-
R4 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

scheidend für den Erfolg oder Mißerfolg einer Konstruktion. Das Entwerfen oder
Gestalten technischer Gebilde wird heute meistens mehr intuitiv als systematisch
durchgeführt. Der Konstrukteur hält das Ergebnis seiner Tätigkeit genau fest, er
findet jedoch in der Regel nicht die Zeit, darüber nachzudenken und den Weg fest-
zuhalten, wie er zu diesem oder jenem Ergebnis gelangte.
In der Gestaltungsphase sind die in dem vorangegangenen Arbeitsschritt gefundenen
günstigen Prinziplösungen zu gestalten; es ist ein erster Entwurf anzufertigen. Im
Falle einer Neuentwicklung beginnt man dabei mit der Realisierung der eigentlichen
"Zweckfunktion h • des zu entwickelnden technischen Systems. Alle anderen danach
oder parallel zu entwickelnden Baugruppen für weitere Hilfs- und Nebenfunktionen
des Systems hängen von der Realisierung der Zweckfunktionsbaugruppe ab und
haben sich dieser unterzuordnen bzw. sind dieser anzupassen. Es entsteht so zunächst
die Baugruppe, die die Zweckfunktion des zu entwickelnden Systems zu realisieren
vermag; danach weitere, die Hauptbaugruppe ergänzende, bzw. unterstützende Bau-
gruppen für notwendige Sekundärfunktionen. Schließlich entsteht so nach und nach
ein mehr oder weniger vollständiger I. Gesamtentwurf des zu entwickelnden Ge-
samtsystems. Kritische Operationen des Systems werden detailliert untersucht und
auf Unzulänglichkeiten hin analysiert. Der erste Entwurf wird danach korrigiert und
verbessert; es entstehen weitere Entwürfe, bis schließlich ein endgültiger Entwurf bzw.
Entwicklungsstand erreicht ist, der hinsichtlich Zuverlässigkeit, Lebensdauer, Fer-
tigungskosten u. a. Kriterien den vorgegebenen Forderungen entspricht.
Ausgehend von relativ wenigen Daten einer AufgabensteIlung schafft der Kon-
strukteur so eine Vielzahl von Daten und dokumentiert sie in einer Zusammen-
stellungszeichnung. Entsprechend kann man den Konstruktionsprozeß auch als einen
Datengenerierungsprozeß betrachten, bei welchem, ausgehend von wenigen Daten
einer AufgabensteIlung, beim Entwerfen eines technischen Systems, eine große
Datenmenge erzeugt wird.
Betrachtet man den Entwurfs- oder Gestaltungsprozeß einer Baugruppe genauer,
so stellt man fest, daß der Konstrukteur üblicherweise zuerst mit der Gestaltung der
Wirkflächen beginnt, welche dann nach und nach mit weiteren Flächen zu einem
Bauteil zusammengefügt werden, dieses wird des weiteren mit anderen Bauteilen zu
einer Baugruppe zusammengefügt, diese wiederum zu Maschinen, usw. Da die Ge-
stalt eines Bauteiles (oder Bauelementes) von dessen Zweck und verschiedenen Korre-
lationsbedingungen dieses Bauteiles mit "korrespondierenden" Bauteilen abhängt,
kann ein Bauteil nicht "isoliert" von den "Nachbarbauteilen" gestaltet werden;
ein Gestalten eines Bauteiles nach dem anderen ist nicht möglich. Der Konstrukteur
gestaltet deshalb mehr oder weniger gleichzeitig (simultan) stets mehrere zusammen-
hängende Bauteile bzw. Bauelemente. Die Gestalt benachbarter Bauelemente und
Baugruppen, etc. hängt voneinander ab.
Ein sehr einfaches Beispiel, das "Gestalten eines Stütz-Elementes", soll dieses Vor-
gehen veranschaulichen. Für die Abstützung von System I auf System 2 ist ein Bauteil
zu gestalten, das die im System 1 auftretenden Kräfte auf System 2 überträgt bzw.
System 1 sicher auf System 2 abzustützen vermag (s. Bild 12.2a). Um die Kräfte von
System 1 und 2 in das zu gestaltende Stützelement einzuleiten, bedarf dieses ent-
sprechender Einleitungs-Wirkflächen I, II. Würden von System I auf 2 nur Kräfte

I auch Haupt- oder Kernfunktion genannt


Entwerfen und Gestalten 85

11 ~F

1.20/////,1
a b c d e

D
F,LL
fi' -L
f g
W/M
h k

El'
~F

Bild 12.2a-o. Gestaltvariationen und unter-


Leiter Isolator Dämpfer schiedliche Bauweise eines einfachen Stütz-
m n elementes (Erläuterungen im Text)

wirken, die genau senkrecht zu den Systemtlächen wären, so könnten die Wirktlächen
des Stützelementes außer eben auch zylindrisch oder eine andere Form haben (s.
Bild 12.2b).
Notwendigerweise wird man diesen Wirktlächen die gleiche ebene Form geben, wie
sie die "korrespondierenden" Systeme haben.
Um aus den beiden Wirktlächen I, 11 ein reales Kraftleitelement zu machen, sind
die Wirktlächen I, 11 mit weiteren Begrenzungstlächen eines Körpers zu versehen, die
schließlich alle durch einen homogenen Körper miteinander verbunden werden
(s. Bild 12.2c); Bild 12.2d zeigt hierzu eine alternative Verbindung der beiden Wirk-
tlächen I, 11 mittels zweier Stützen. Die Zeile 2 des Bildes 12.2 zeigt - ausgehend von
der Massiv-Lösung nach Bild 12.2c -- zwei Lösungen, bei welchen die gleiche Aufgabe
nicht mit einem, sondern mit mehreren Bauteilen gelöst wird (s. Bild 12.2f, i, g).
Hiermit soll gezeigt werden, daß man zur Realisierung einer Funktion nicht not-
wendigerweise auch nur ein Bauteil verwenden muß, sondern auch mehrere verwenden
kann (Total- oder Partialbauweise, s. Kap. 12.2).
Die Zeile 3 des Bildes 12.2 zeigt noch Gestaltvarianten von Stützelementen zur
Übertragung (Leitung) vertikaler und horizontaler Kräfte mit jeweils einem Bauteil
für die vertikalen und einem für die horizontalen Kräfte (Bild 12.2i) und nur einem
Bauteil für beide Operationen (Bild 12.2k; "Integrierte Bauweise", s. Kap. 12.2).
Die Zeile 4 des Bildes 12.2 zeigt schließlich noch drei Lösungen zur Kraftleitung von
System I nach System 2 mit zusätzlichen Funktionen zur Leitung elektrischen Stromes
(Bild 12.21), zur elektrischen oder Wärmeisolation, (Bild 12.2m) oder zur Dämpfung
von Schwingungen (Bild 12.2n). Diese letzten Beispiele sollen zeigen, daß ein und
dasselbe Bauteil auch zwei oder mehrere technische Funktionen zu realisieren vermag,
wenn der betreffende Werkstoff (EtTektträger) mehrere geeignete Eigenschaften, wie
z. B. tragfähig und leitfähig, besitzt ("Multifunktionalbauweise", s. Kap. 12.2).
86 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

12.1 Allgemeine Entwurfs- und GestaItungsregeln

Die kleinsten geometrischen Gebilde, die ein Konstrukteur theoretisch festlegt, sind
Punkte (z. B. Nadelspitze, Krümmungsmittelpunkte), das nächstkleinere Gebilde
sind Kanten (z. B. Werkzeugschneiden), Flächen (z. B. Laufflächen von Wälzlager,
Führungstlächen etc.), Bauteile (Kugeln, Stifte, Ringe, Schrauben etc.), Baugruppen,
Maschinen, Aggregate oder letztlich technische Systeme, bestehend aus einer Vielzahl
von Maschinen, Geräten, Bauwerken u. a. technischen Gebilden (s. Bild 12.1.1. Ent-
sprechend dieser Komplexitätshierarchie technischer Gebilde ist es sinnvoll, zwischen
dem Gestalten einfacher Bauteile und dem umfangreicher Gebilde, wie Baugruppen,
zu unterscheiden. Auch ist es zweckmäßig, wie später noch gezeigt wird, zwischen
verschiedenen Bauweisen bei Bauteilen und komplexeren Systemen zu unterscheiden.

Beispiel:

Technische Systeme Verkehrssysteme


[ Anlogen, Produkte)

I
Aggregate Notstromaggregat
[Produkte I

I
Maschinen, Geräte, Apparate
( Produktel
I Werkzeugmaschine

I
Baugruppe Vorschubeinheit


Baueinhei ten Spanneinrichtung ,
,'.ja schinenelemente
Bauelemente I Kugellager, Gleit-
Funk tions ei nhel t en lager, Chip

I
Bauteil Innenring, Kugel,
Normteil, Standardteil Lagerschale,
Werkstück Schraube
I
Teilkörper Senkung, Sicke,
Ges ta I t - Mo k ro
1 Fase

I
Oberflächen Laufflächen,
Wirkfldchen Schneidflächen

I
Kanten, Konturen
Konturelemente Schneidkanten
Grenzen zwischen Flachen

I
Punkte
Spline, Punktfolgen
Nadelspitze Bild 12.1.1. Hierarchie
technischer Gebilde
Entwerfen und Gestalten 87

Wie die Praxis lehrt, ist das üblicherweise "kleinste zu gestaltende Gebilde", - sieht
man von Kanten und Spitzen ab· ,eine Fläche (Wirkfläche) eines Bauteils, wie zum
Beispiel eine Anschlag-, Führungs-, Verbindungst1äche (Flansch), Turbinenschaufel-
fläche usw. Mehrere dieser Wirk- und sonstigen Flächen werden im weiteren Ge-
staltungsverlauf zu einem Bauteil vereinigt; es entsteht ein Bauteil aus ein und dem-
selben StotT auch das Vereinigen mehrerer Wirkflächen in einem Bauteil ist im
weitesten Sinne ein Gestalten einer" Verbindung". Wirkflächen werden letztlich durch
körperliche Gebilde realisiert. Mehrere gleiche oder unterschiedliche Bauteile fügt man
dann weiter zu Maschinenelementen 2 wie Kugellagern, Gleitlagern, Ketten usw.
zusammen.
Diese werden in weiteren Gestaltungsprozessen noch zu komplexeren Systemen wie
Baugruppen, Maschinen, Aggregaten usw. verbunden.
Nach welchen Regeln dieses Erzeugen oder die Synthese der Gestalt eines Bauteils,
einer Baugruppe oder eines komplexeren Systems erfolgt und welche Gestaltvarianten
technischer Gebilde dadurch theoretisch und praktisch möglich sind, wird nach-
stehend ausgehend von der kleinsten zu gestaltenden Einheit, der Wirkfläche-
noch näher ausgeführt.

12.1.1 Gestaltelemente
Ein technisches Bauteil (Körper) besteht im allgemeinen aus mehreren Oberflächen 3 ,
die durch Kanten 4 begrenzt und gegeneinander abgegrenzt sind. Das für den Betrachter
sichtbare, die Gestalt eines Körpers bestimmende Element ist dessen Oberfläche

Bougruppe

Bouteil

~
a c

o o
Sonderfälle: Symmetrische Abmessungen

G ···~
..t· y
~

b d

Bild 12.1.2a-4. Abmessungswechsel an Bauteilen (a, b) und an Baugruppen (c); symmetrische Ab-
messungen sind Sonderfalle von Abmessungswechseln (d)

2 Maschinenelemente bestehen manchmal aus einem Bauteil (Stifte, Schrauben), oft aber auch aus
mehreren Bauteilen, wie zum Beispiel Kugellager u. a.
3 Die für die Funktion eines Bauteiles und somit für die Gestaltung meistens wichtigen Oberflächen
eines Bauteiles werden zur Hervorhebung als Wirkflächen bezeichnet.
4 Kanten oder Unstetigkeiten in den höheren Ableitungen.
88 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

(Bild 12.1.2a). Die den Körper begrenzenden Oberflächen lassen sich folglich als die
Gestaltelemente eines Körpers oder Bauteils bezeichnen. Geht man in der Komplexi-
tätshierarchie technischer Systeme von einfacheren zu umfangreicheren Gebilden, so
kann man die ein Maschinenelement bildenden Bauteile analog als deren Gestalt-
elemente oder die eine Baugruppe bildenden Maschinenelemente als deren Ge-
staltelemente oder die eine Maschine bildenden Baugruppen als deren Gestalte1emente
bezeichnen usw. Geht man der Vollständigkeit wegen in dieser Komplexitätshierarchie
zu einfacheren Gebilden, so können die eine Fläche bildenden Linien als Gestalt-
elemente dieser Fläche bezeichnet werden. Schließlich kann man noch die eine Linie
bestimmenden Punktlagen als deren Gestalte1emente ansehen. Allgemein läßt sich
sagen, daß die Gestalt eines Bauteiles, eines Maschinenelementes oder einer Bau-
gruppe durch die Parameter der diese bildenden Gestalte1emente bestimm- und
veränderbar ist.
12.1.2 Gestaltparameter
Fragt man nach den grundsätzlichen Möglichkeiten, durch die die Gestalt eines Bau-
teiles, einer Baugruppe oder einer Maschine verändert werden kann, so stellt sich die
Frage nach den Parametern der Gestalt und deren Änderungsmöglichkeiten.
I. Abmessungswechsel
Betrachtet man der leichteren Überschaubarkeit wegen zunächst wieder einen ein-
fachen Körper (Bild l2.1.2a) und dessen zugehörige Gestaltelemente oder dessen
Oberflächen, so läßt sich feststellen, daß dessen Oberflächen und somit dessen Ge-
stalt durch Verändern der Abmessungen der Oberfläche (Länge, Breite) oder Kanten-
länge veränderbar sind. Bild l2.1.2a und b zeigen dazu die Veränderung der Gestalt
eines prismatischen Bauteiles und eines Zahnrades durch Verändern einer oder
mehrerer Abmessungen.
Bei der Veränderung von Abmessungen ist es zweckmäßig, zwischen Abmessungen
der Wirk flächen oder der Bauteile selbst, sowie Abstandsmaßen von Wirkflächen
zueinander oder Bauteilen zu anderen Wirkflächen bzw. anderen Bauteilen oder Be-
zugspunkten zu unterscheiden (Bild 12.1.2c). Für die Praxis besonders wichtig und
hervorzuheben sind jene Sonderfalle von Abmessungswechsel, die durch Gleich-
machen von Winkeln und/oder Abständen zu symmetrischen Gesatltvarianten führen,
wie Bild 12.1.2d an den Beispielen eines Flansches und einer Pkw-Karosserie zeigt.
Unter einem Abmessungswechsel an Bauteilen oder Baugruppen ist folglich
das Entwickeln alternativer Gestaltvarianten von Bauteilen oder Baugruppen
durch Ändern der Abmessungen oder Abstände von Wirkflächen an Bauteilen
sowie Abständen von Bauteilen und Baugruppen zueinander oder bezogen auf
einen Rezugspunkt zu verstehen, ohne dadurch die Funktion des betretTenden
Gebildes zu verändern 5 . Eine Abmessung zu Null oder unendlich werden zu
lassen, sei aus praktischen Gründen nicht als Abmessungswechsel bezeichnet.
Für die Praxis wichtige Sonderfälle sind symmetrische Gestaltvarianten wie Recht-
eck-, Quadrat-, Winkel-, Doppel-T-Profile usw., die durch die Wahl gleicher Ab-
messungen, Abstände oder Winkel an einem Bauteil oder einer Baugruppe entstehen.

5 Die dadurch zu gewinnenden Gestaltvarianten müssen alle ein und derselben AufgabensteIlung
genügen
Entwerfen und Gestalten 89

2. Formwechsel
Die Gestalt eines Bauteiles läßt sich auch dadurch verändern, daß man die Form der
Oberfläche variiert (Bild 12.1.3a). Für technische Gebilde häufig angewandte Ober-
flächen sind die ebene, zylindrische, kugel-, kegel- und torusförmige Flächen. Para-
boloid-, Hyperboloid- oder nicht analytisch beschreibbare Oberflächen werden bei
technischen Objekten weit weniger häufig gebraucht. Bild 12.1.3 b bis d zeigt an den
Beispielen Typenkopf, Kurven- und Schrittgetriebe Gestaltvarianten, die man sich
durch einen Formwechsel der betreffenden Wirkflächen entwickelt denken kann.

Unter einem Formwechsel von Wirkflächen sei hier das Entwickeln von Ge-
staltvarianten eines Bauteiles (Körpers) durch sinnvolles Ändern der Form
seiner für seine Funktion wesentlichen Wirkfläche(n) zu verstehen, ohne die
Funktion zu verändern.

Als Flächen unterschiedlicher Form sind beispielsweise Planflächen oder solche


2. Ordnung, wie Zylinder-, Kugel- und Kegelflächen, aufzufassen. Grundsätzlich
kann man jede beliebige Flächenform zu einem Formwechsel des Bauteiles benutzen.
Für technische Gebilde gilt aber die Restriktion, möglichst einfache, bzw. solche
Flächenformen zu verwenden, welche mit dem betreffenden Fertigungsverfahren
wirtschaftlich hergestellt werden können, wenn die Funktion des betreffenden Bau-
teiles keine anderen, aufwendigeren Flächenformen zwingend vorschreibt.

Bauteile Baugruppen

t!;}{f;)
a c

',1\
93
.JH
• ~

Bild 12.t.3a-d. Formwechsel der Wirkflächen (Oberflächen) an Bauteilcn (a, b) und an Baugruppen
(e, d)

3. Zahlll'echsel
Ein weiterer Parameter der Gestalt ist die Zahl der Oberflächen des betreffenden
Körpers oder Bauteiles (Bild 12.1.4a bis c). Die Gestalt eines Bauteiles läßt sich durch
Variation der Zahl der diese umschließenden Oberflächen verändern. Analog kann
man eine Baugruppe bzw, Maschine durch Variation der diese bildenden Bauteile
(Maschinenelemente) bzw. der diese bildenden Baugruppen variieren. Beispielsweise
90 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

Bauteile Baugruppen

a d

00
b e

Bild 12. I.4a-f. Zahlwechsel der Wirkflächen an Bauteilen (a. b, c); Zahlwechsel der Bauteile oder
Funktionseinheiten an Baugruppen (d, e, I)

kann man mehrere gleich starke Federn anstelle einer einzelnen oder eine oder mehrere
Schrauben zur Befestigung eines Rades verwenden (Bild l2.1.4e). Der Bau von Ver-
brennungsmotoren mit jeweils einem oder mehreren Einlaßventilen je Zylinderkopf,
oder von Ein- oder Mehrzylindermotoren, ~ind weitere Bespiele der Gestaltvariation
durch Zahlwechsel von Bauteilen oder Baugruppen (Bild 12.1.41).

Unter einem Zahlweehse1 von Wirktlächen sowie Bauteilen oder Baugruppen


sei hier das Entwickeln unterschiedlicher Gestaltvarianten (Lösungen) von
Bauteilen bzw. Baugruppen bzw. Maschinen durch Variieren der Zahl der
diese bildenden Wirktlächen 6 bzw. Bauteile bzw. Baugruppen verstanden, ohne
daß dadurch deren Funktion (Zweckfunktion) verändert wird.

4. Lageu'cchsc/
Für die folgende Betrachtung ist es zweckmäßig, sich die einzelne Obert1äche eines
Körpers selbst als Bauelemente in Form dünner Bleche mit jeweils einer Vorder- und
Rückseite vorzustellen, die bei der Gestaltung eines Körpers (Bauteils) auf die,cn

6 Dabei hat jede so entstehende weitere Wirkl1äche. Bauelement usw, selbständig eine eigene Funktion
zu verwirklichen. Nicht sinnvoll würe ein beliebiges Anbringen von mehr Flüchen oder das Zer-
stückeln eines Bauteiles
Entwerfen und Gestalten 91

gelegt und zu dem endgültigen Körper (Bauteil) verbunden werden. Wie' Bild 12.1.5b
an zwei Beispielen zeigt, kann man die Gestalt eines Körpers auch noch dadurch
verändern, daß man die Oberfläche wendet, das heißt, sie entweder mit ihrer Vorder-
ader Rückseite auf den Körper legt, der gestaltet werden soll. Dieser Vorgang sei
als "Wenden der Wirkfläche" oder allgemein als "Lagewechsel" bezeichnet. Für
einen Lagewechsel bei Flächen gibt es folglich je Fläche nur zwei Lösungen.
Analog dem Wenden der Wirkfläche gibt es bei Bauteilen oder Baugruppen mit
mehreren Anschlußf1ächen mehrere unterschiedliche Möglichkeiten des Lagewechse1s.
Bei zwei quaderförmigen Bauteilen gibt es insgesamt 6 x 6 = 36 unterschiedliche
Relativlagen oder Lagewechsel, wenn man unterstellt, daß jede der sechs Flächen des
jeweiligen Bauteiles als Anschlußf1äche geeignet und sinnvoll ist. InBild 12.1.5 a
ist dieser Sachverhalt für zwei Quader angedeutet. Bei der Anordnung von Ventilen
und anderen Hydraulikbauelementen auf Hydrauliksteuerblöcken macht man von
dieser Gestaltvariation besonders häufig Gebrauch (Bild 12.1.5 c).
Unter einem Lagewechsel ist das Entwickeln unterschiedlicher Gestaltvarianten
zweier oder mehrerer miteinander zu verbindender Bauteile oder Baugruppen
durch Verändern der Relativlage der bei den Bauteile oder Baugruppen zuein-
ander zu verstehen, ohne die gewollte Funktion der Lösung zu verändern.
Als Lagewechsel soll auch das Gestaltvariieren eines Körpers durch Wenden
der Oberf1äche dieses Körpers verstanden werden, da man die Oberf1äche eines
Körpers auch als ein an diesen "angebautes" Bauteil betrachten kann.

""
",
I/lI
"
" "
11"

" I,

a b

c
Bild 12.1.5a-c. Lagewechsel von Wirkflächen bzw. Wenden der Wirkflächen an Bauteilen (b); Lage-
wechsel von Bauteilen (oder Baugruppen) an Baugruppen (a, c)

5. Reihen/olge- oder Anordnungsll"echsel


Die Gestalt eines Bauteils wird außerdem noch dadurch verändert, daß man die
Reihenfolge oder die Anordnung der dieses Bauteil bildenden Oberf1ächen verändert.
Bild 12.1.6a zeigt das Vertauschen der Seiten 1 und 2 eines Körpers. Das Verlegen
92 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

Bild 12.1.6a-c. Anordnungs- oder Reihenfolgewechsel von Wirkflächen an Bauteilen (a, b, c)

der Gewinde- oder einer Verzahnungsfläche von außen nach innen (Bild 12.1.6b
und c), oder von der Zylindermantel- zur Plan seite eines zylindrischen Körpers, sind
in der Praxis häufig an gewandte Gestaltvarianten, due durch Verändern der Reihen-
folge (Anordnung) der Flächen entstehen.
Das Verändern der Reihenfolge oder Anordnung von Wirkflächen sei im folgenden
als Anordnungs- oder ReihenfolgewechseC bezeichnet. Bei Bauteilen oder -gruppen
ist die Änderung der Anordnung oder Reihenfolge als Gestaltungsmaßnahme noch
deutlicher in die Augen springend. Bild 12.1.7 a zeigt eine unterschiedliche Anordnung

1
4

1 Er'

a b

Bild 12.1.7a und b. Anordnungs- oder Reihenfolgew\!chsel von Bauteilen an Baugruppen (b), bzw.
Baugruppen an Baugruppen (a)

7 Beide Begriffe seien zum besseren Verständnis gleichbedeutend nebeneinander verwendet


Entwerfen und Gestalten 93

der Horizontal- und Vertikalverstellkomponenten für Pkw-Sitzsysteme. Mit Xv, X H ,


Y v, Y H usw. sind die verschiedenen Verstell systeme in X- und Y-Richtung (H = hin-
ten, V = vorne) bezeichnet. In Bild 12. 1.7 b sind unterschiedliche Anordnungsstruk-
turen bei Druckwerken dargestellt.
Bild 12.1 .8 zeigt vier Anordnungsvarianten einer Maschine zum fadengeraden
Trennen von Frotteestoffbahnen : Struktur a entspricht einer Maschine entsprechend
der US-Patentschrift 3182536, Struktur b einer solchen entsprechend der deutschen
Patentschrift 2544410, Struktur d einer von Fa. Rüttgers und Struktur c einer bisher
nicht bekannten , aber möglichen Maschine, wie man sie aufgrund dieser Betrach-
tungsweise finden kann .

Unter Anordnungs- oder Reihenfolgewechsel der Wirkllächen und Bauteile


bzw. Baugruppen ist das Entwickeln von Lösungsvarianten (Gestaltvarianten)
eines Bauteiles, einer Baugruppe oder Maschine durch Ändern der Reihen-
folge der Wirknächen, der Bauteile oder der Baugruppen eines Systems zu
verstehen , ohne dadurch dessen gewollte Funktion zu verändern .

Mit einer Änderung der Anordnungsfolge von Baugruppen, Maschinen usw. sind
in der Regel auch Änderungen in der Folge der auszuführenden Operationen (Ver-

a Transport
Abtasterl
~~ [J: Richtelement

:...,..........
S2 Sl
b

d
m.. ___ um"", " :f-:Lm
Transpor t

1'"
Abzugsrichtung

Bild 12.1.8a-il. Anordnungs- oder Reihenfolgewechsel von Baugruppen bei einer Einrichtung zum
fadenparallelen Ausrichten und Trennen einer Stoffbahn
94 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

fahrensschritte) verbunden; die Gesamtfunktion darf dadurch jedoch nicht ver-


ändert werden.

6. Verbindungsstrukturwechsel
Schließlich ändert sich die Gestalt eines Bauteiles, einer Baugruppe oder Maschine
auch noch dadurch, daß man die Reihenfolge der Verbindung zwischen den diese
bildenden Elementen variiert, ohne dabei deren räumliche oder örtliche Anordnung
zu verändern. Hat man mehr als zwei Wirkflächen, Bauteile oder -gruppen mitein-
ander zu verbinden, so ergeben sich dafür mehrere alternative Lösungen. Durch die
Wahl unterschiedlicher Verbindungsfolgemöglichkeiten ergeben sich unterschiedliche
Verbindungsstrukturen und somit unterschiedliche Gestaltvarianten. Dazu ist zu
bemerken, daß bei einem (nur) Verbindungsstrukturwechsel die räumliche Anord-
nung der Wirkflächen, Bauteile oder -gruppen unverändert bleibt. Die Bilder 12.1.9a
und b zeigen dazu zwei Beispiele; die jeweils wichtigen Wirk flächen sind dabei mit den
Ziffern I bis 3 sowie I bis 4 gekennzeichnet. Von besonderer Bedeutung ist diese Art
der Gestaltungsmöglichkeit vor allem bei der Gestaltung der Leitungsstrukturen zur
Verbindung von Anschlußbohrungen bei Hydrauliksteuerblöcken (Bild 12.1.9c);
die Anschlußstellen sind dabei die mit Leitungen zu verbindenden Bauelemente. Ein
anderes treffendes Beispiel sind die möglichen alternativen Verbindungsstrukturen
von Zahnrädern in Rädergetrieben.
Unter einem Verbindungsstrukturwechsel ist das Entwickeln unterschiedlicher
Gestaltvarianten von Bauteilen und Baugruppen bzw. Maschinen zu verstehen,
indem man von der Möglichkeit Gebrauch macht, zu verbindende Elemente
(Wirkflächen, Anschlußbohrungen usw.) in unterschiedlicher Reihenfolge

c
Bild 12.1.9a-c. Verbindungsstrukturwechsel dreier Bohrungsflächen eines Hebels (a), Seitenflächen
einer Schiene (b) und der Anschlußleitungen eines Hydrauliksteuerblockes (c)
Entwerfen und Gestalten 95

miteinander zu verbinden, ohne dadurch die gewollte Funktion des betreffen-


den Gebildes zu verändern. Die räumliche oder örtliche Anordnung der Ele-
mente bleibt dabei ebenfaHs unverändert.

Die wesentlichen Daten der Gestalt eines Bauteiles oder einer Baugruppe und deren
Änderungen lassen sich mit den Mitteln der Graphentheorie sehr anschaulich dar-
steHen, insbesondere kann man mit diesem Mittel die verschiedenen Gestaltparameter
begründen und gegeneinander abgrenzen. Diese Möglichkeiten soHen im folgenden
etwas näher erläutert werden:
Ein Graph besteht bekanntlich aus sogenannten Knoten und Kanten (Bild 12.1.1 Oa).
Für die vorliegende Anwendung kann man die Knoten jeweils als die abstrahierte
Information oder als Symbole der Gestaltelemente (Oberflächen, Bauteile, Bau-
gruppen, usw.) ansehen. Die die Knoten verbindende Kante symbolisiert die Relation
llder Verbindung zwischen zwei Gestaltelementen : die Kante ist die abstrahierte
Information der Verbindung zweier Gestaltelernente. Eine nicht vorhandene Kante
zwischen zwei Knoten bedeutet, daß zwischen diesen beiden Gestaltelementen keine
Verbindung (Relation) besteht. Die Gestaltstruktur eines Prismas mit insgesamt fünf
Oberf1ächen ist in Bild 12.1.10a dargesteHt. Die Gestaltstruktur eines Maschinen-
elementes, wie eines doppelreihigen KugeHagers, bestehend aus mehreren Bauteilen,
zeigt Bild 12.1.10 b. Zur Unterscheidung, welche Art von Gestaltelementen gemeint
sind, ob Flächen, Bauteile, Baugruppen usw., ist es zweckmäßig, unterschiedliche
Knotensymbole wie Kreise. Quadrate usw. oder eine zusätzliche Kennzeichnung der
Symbole mit Buchstaben, Ziffern oder Worten zu verwenden.

a b

Bild 12.1.10a and b. Darstellung der Gestaltstruktur technischer Gebilde mit den Mitteln der Graphen-
theorie. Gestalt- bzw. Oberflächenstruktur eines Bauteiles (a); Gestalt- bzw. Bauteilstruktur eines
Maschinenelementes (b)

Mit Hilfe dieser abstrakten Darstellung der Gestalt technischer Gebilde läßt sich
zur Präzisierung der einzelnen Gestaltungsregeln folgendes festhalten : Ein Ab-
messungs- oder Formwechsel an einem Bauteil oder einer Baugruppe erzeugt an
der zugehörigen Gestaltstruktur usw. dem Graphen keine Veränderungen. Das heißt
mit anderen Worten: Die Abmessungen und/oder Form kann man sich als interne
Informations- oder Datenänderung eines Knoten vorsteHen, die dessen äußeres ab-
straktes Erscheinungsbild sowie die zugehörige Gestaltstruktur nicht verändern
(Bild 12.1.11 a und b). Ein Zahlwechsel von Gestalte1ementen, das heißt ein Hinzu-
kommen oder Wegnehmen eines Gestaltelementes (Oberfläche, Bauteil usw.) an einem
96 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

technischen Gebilde, bedingt eine entsprechende Veränderung der betreffenden Ge-


staltstruktur (Bild 12.1.11 c).

a Abmessungs -
wechsel

b Form -
wechsel

c Zahl -
wechsel

d Lage - -<;>--0-0- -0-p-0-


wechsel
·0-@-0- -0--0-0-
e Anordnungs -
wechsel 0--0---0 0-0--0
f Verbindungs - 0--0---0 ~ Bild 12.1.11 a-g. Änderung der verschie-
strukturwechsel denen Gestaltparameter und deren Aus-
wirkung auf die entsprechende Gestalt-
struktur bzw. Graphen (Erläuterungen
g Verbindungs -
artwechsel ~ 0===0 im Text)

Wie bereits ausgeführt, sei unter einem Lagewechsel die Möglichkeit verstanden,
zwei Bauteile oder Baugruppen wahlweise mit ihren verschiedenen Oberflächen zu
verbinden (anzuflanschen). Die mit Ziffern oder Buchstaben näher gekennzeichneten
Knoten des Graphen (Bild 12.1.11 d) symbolisieren entsprechend die sechs Fälle
zweier beispielsweise quaderförmiger Bauteile. Die Zahl aller theoretisch möglichen
Lagewechsel erhält man, wenn man jede Fläche des einen mit jeder des anderen Bau-
teiles verbindet. Dies sind bei zwei quaderförmigen Bauteilen mit jeweils sechs Flächen
36 Möglichkeiten. Bild 12.1.11 d zeigt einen von 36 theoretisch möglichen Lage-
wechseln und die dazugehörige Veränderung der Gestaltstruktur.
Eine Änderung der Anordnung oder Reihenfolge der Bauelemente und deren Aus-
wirkung auf die dazugehörige Gestaltstruktur ist in Bild 12.1.11 e dargestellt.
Bild 12.1.11 f zeigt ein Beispiel bezüglich Änderung der Verbindungsstruktur von
Gestaltelementen.
Schließlich wird man durch diese graphentheoretische Betrachtungsweise noch
darauf hingewiesen, daß man die Information der "Kante" auch noch variieren kann.
das heißt die Gestalt eines technischen Gebildes im weitesten Sinne auch dadurch noch
verändern kann, daß man die Art der Verbindung zwischen den bei den Gestalt-
elementen verändert. In Bild 12.1.11 g ist die Änderung der Verbindungsart durch
Entwerfen und Gestalten 97

einen "Farbwechsel" bzw. Veränderung des Kantensymbols des Graphen angedeutet.


Die Änderung der Verbindungsart zweier Bauteile ist ähnlich wie beim Abmessungs-
oder Formwechsel als solche der internen Kantendaten zu verstehen. Das äußere
Bild des Graphen wird durch einen Wechsel der Verbindungsart nicht verändert.
Eine Verbindung hat im allgemeinen seIbst wieder eine Gestalt und eine entsprechende
Gestaltstruktur, die man nach den Regeln abis f entwickeln und gegebenenfalls
verändern kann. Die Betrachtung der Änderungen der Gestalt anhand des Hilfs-
mittels "Graph" vermittelt den Eindruck, daß mit den genannten sechs Parametern
sehr wahrscheinlich alle grundsätzlichen Möglichkeiten zur Variation der Gestalt
technischer Gebilde erfaßt sind und es darüber hinaus keine weiteren gibt.
Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei noch darauf hingewiesen, daß man die
o. g. Form-, Zahl-, Lage- und AnordnungswechseI theoretisch auch durch Ändern
von Abmessungen erzeugen kann. Bild 12.1.12 zeigt hierzu drei Beispiele; die in diesem
Bild rechts gezeigten GestaItvarianten kann man sich durch Abmessungswechsel
aus den jeweils links daneben stehenden entstandenen denken. Wenn im ersten Fall
das Maß a gleich Null wird, geht die ursprünglich quadratische Gestalt in einen Kreis
mit Radius r über (Bild 12.\.12a). Läßt man den Krümmungsradius r der Bogen-
führung nach Bild 12.1.12 b gegen unendlich gehen, so entsteht aus dieser eine Gerad-
führung. Wird der Durchmesser d] gleich dem Durchmesser dz (Bild 12.1.12c), so
wird der ursprüngliche Kegel durch "Abmessungswechsel" in einen Zylinder über-
führt. Im ersten Fall würde man entsprechend dem früher gesagten von einem Zahl-
wechsel der Wirkt1ächen sprechen, da vier ebene Flächen entfallen sind; im zweiten
und dritten Fall würde man, da sich die Form der jeweiligen Obert1äche von einer
zylinderförmigen in eine ebene, bzw. von einer kegelförmigen in eine zylinderförmige
geändert hat, jeweils von einem Formwechsel sprechen. Theoretisch kann man auf

r
a

Q" konst
Bild 12.1.12a-c. Abgrenzung des Ab-
messungswechsels gegenüber Form-,
Zahl- u. a. Gestaltvariationsparameter
c (Erläuterungen im Text)
98 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

diese Weise Form-, Zahl-, Lage- und Anordnungswechsel auf Abmessungswechsel


zurückführen. Diese Betrachtungsweise ist zwar für theoretische Überlegungen
interessant, sie erscheint aber im Hinblick auf die Konstruktionspraxis nicht geeignet,
da sie der Denk- und Vorgehensweise des Konstrukteurs nicht entspricht und die
verschiedenen Möglichkeiten der Änderung einer Gestalt nicht genügend differenziert.
Um diese hier angesprochenen "Abmessungswechsel" gegenüber Form-, Zahl-,
Lage- und Anordnungswechsel abzugrenzen, muß noch folgende Verabredung ge-
troffen werden:

Wenn eine Abmessung einer Fläche oder eines Körpers gegen Null oder un-
endlich strebt, oder wenn zwei relevante Abmessungen gleich werden, dann
sollen diese Fälle,je nachdem ob sich dadurch die Form einer Fläche ändert oder
die Zahl der Flächen eines Körpers verändert wird, nicht als Abmessungs-
wechsel, sondern als Form- oder Zahlwechsel bezeichnet werden.
Der Übergang von einer bestimmten Lage- oder Anordnungszuordnung in
eine andere hieße dann "Lage- oder Anordnungswechsel" und nicht Ab-
messungswechsel, wenn sich die bei den Lage- oder Anordnungswechsel nicht
durch stetiges Ändern geometrischer Abmessungen ineinander überführen
lassen, sondern nur als diskrete Lage- oder Anordnungszuordnung existieren.

Auch aufgrund der vorangegangenen graphentheoretischen Betrachtungen erscheint


diese Unterscheidung sinnvoll und zweckmäßig.

12.2 Entwicklung verschiedener Bauweisen

Auch bei der Entwicklung von Maschinen, Geräten und Apparaten kann man
- ähnlich wie bei Bauwerken - unterschiedliche Bauweisen anwenden. Im einzelnen
gibt es sowohl für Bauelemente als auch für komplexere Systeme, wie Baugruppen
oder Maschinen, unterschiedliche Bauweisen. In der Praxis ist von Fall zu Fall zu
entscheiden, welche Bauweise für welches Produkt vorteilhaft ist. Die folgenden
Ausführungen sollen die verschiedenen Bauweisen vorstellen und deren wesentliche
Merkmale aufzeigen.
Den Begriff der "Bauweise" kennt man insbesondere im Zusammenhang mit
Bauwerken, wie "Pfahlbauweise" , "Fachwerkbauweise" , "Holzbauweise" , "Fertig-
bauweise" u. a. Im Bauwesen werden sehr unterschiedliche Kriterien eines Bauwerkes
als "Bauweisen" bezeichnet. Wohl gemerkt, nicht der Stil eines technischen Produktes
soll hier betrachtet werden, sondern dessen Bauweise. Auch im Maschinenbau wird
sehr Unterschiedliches als "Bauweise" bezeichnet, so spricht man z. B. bei Maschinen
oder Geräten von einer "Integrierten Bauweise", einer "Blechbauweise" , einer
"Leichtbauweise", einer "Kasten- oder Fachwerkbauweise" (Stabbauweise), einer
"Modularbauweise" , "Baukastenbauweise" und anderen mehr.
Demnach bezeichnet man als unterschiedliche Bauweisen bei technischen Systemen
die alternative Verwendung unterschiedlicher

- Werkstoffe (Stahl-, Kunststoff- oder Holzbauweise etc.) oder unterschiedlicher


- Halbzeuge (Blech-, Pfahlbauweise etc.).
Entwerfen und Gestalten 99

Ferner bezeichnet man die Entwicklung technischer Systeme mit besonderen


Benutzereigenschaften (Leicht-, Sicherheitsbauweise etc.) oder mit besonderen
- Gestalmerkmalen (Kasten-, Flachwerk, Flach- oder Mikrobauweise, Ein- oder
Mehrzylinderbauweise etc.)
als unterschiedliche Bauweisen.
Als unterschiedliche Bauweisen bezeichnet man technische Systeme auch ent-
sprechend dem vorherrschenden

Fertigungsverfahren (Guß-, Schweiß-, Nietbauweise etc.) oder danach, ob Bau-


teile am
Aufstellungsort oder bereits in einer Fabrik vorgefertigt wurden (Fertigbauweise
bei Häusern) oder danach
wer etwas letztlich fertigsteIlt - eine Firma oder man selbst (Selbstbauweise,
bzw. ,,00 it yourself-Bauweise").
Schließlich spricht man auch von unterschiedlichen Bauweisen bei technischen
Gebilden, je nachdem wieviele
- Funktionen pro Bauelement oder Baugruppe realisiert werden (Total-, Integral-,
M ultifunktional-, Modularbauweise etc.).
Weil die zuletzt genannte Art von Bauweisen - im folgenden zusammenfassend
als "Funktionsbauweisen" bezeichnet -- von besonderem wirtschaftlichen Interesse
ist, sollen sich die weiteren Ausführungen auf die nähere Betrachtung dieser Bau-
weisen beschränken.

Funktionsbauweisen

/ ~
Bauelemenle bzw. Baugruppen,
r-- r-
Maschinenelemenle Maschinen

- Parlialbauweise - Monoba ugruppenba uweise

- Tolalbauweise ~
Modularbauweise
~
Baukaslenbauweise

- Differentialbauweise
f- Inlegralbauweise

r- Monofunkliorialbauweise
Bild 12.2.1. Übersieht über die untersc hiedlichen Funktions-
'- Mullifunklionalbauweise bauweisen bei Bau- oder Maschinene lementen sowie kom-
plexeren Systemen (Baugruppen und Maschinen etc.)
100 Ocr qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

Bei der Entwicklung von Maschinen oder anderen technischen Systemen kann man
sowohl bei der Gestaltung eines einzelnen Bauelementes als auch des umfangreicheren
Gesamtsystems zwischen unterschiedlichen Bauweisen bezüglich der Zahl der durch
diese verwirklichten Funktionen unterscheiden. Unter unterschiedliche Bauweisen
bzw. Funktionsbauweisen soll hier zum einen die Möglichkeit verstanden werden,
umfangreiche technische Systeme in eine größere oder kleinere Zahl diskreter, für
sich funktionsfahiger, selbständiger Baugruppen mit bestimmter(en) Funktion(en)
zu gliedern, zum anderen soll die Möglichkeit verstanden werden, zwei oder mehrere
Bauteile unter bestimmten Voraussetzungen zu einem Bauteil zusammenzufassen
(zu integrieren) bzw. ein Bauteil in zwei oder mehrere Bauteile zu gliedern (diffe-
renzieren). Entsprechend ist zwischen unterschiedlichen Bauweisen bei komplexen
Systemen wie Maschinen, Geräten und deren Baugruppen und solchen bei Maschinen-
bzw. Bauelementen zu unterscheiden. Bild 12.2.1 gibt einen Überblick über die mög-
lichen unterschiedlichen Funktionsbauweisen bei Maschinen- bzw. Bauelementen und
komplexeren Systemen (Baugruppen, Maschinen etc.). Wie die folgenden Aus-
führungen noch zeigen, folgen diese unterschiedlichen Funktionsbauweisen aus den
möglichen unterschiedlichen Verhältnissen der Zahl der Funktionen zur Zahl der
eine Baueinheit (Bauelement, Baugruppe etc.) bildenden Bauteile.

12.2.1 Bauweisen von Bauelementen


Als "Bau- oder i\1aschinenelemente" sollen im folgenden kleinste zu montierende
Baueinheiten eines komplexeren Systems verstanden werden. Ein Bauelement soll
ferner dadurch gekennzeichnet sein. daß es wenigstens eine oder mehrere vollständige
Funktionen zu realisieren vermag. Es kann aus einem Teil bestehen oder aus mehreren

b I
6 I
&&®
I I I
&&& I

I ~2 I T] I ctJ
I
Tl
'----- B ----'
~[1J~ B

a b c d
Partialbauweise Total- bzw. Differential bauwei se Integralbauweise
Ganzbauweise -gleiche oder verschiedene - gleiche Funktionen-
Funktionen-

&~® I I
I I

B
e f g

Integralbauweise Multifunkti onal ba uwei se Multifu nktionalbauwei se


-verschiedene Funktionen- - gleiche Funktionen- -verschiedene Funldionen-

Bild 12.2.2a-g. Funktionsstruktur von Bau- oder Maschinenelementen unterschiedlicher Bauweisen;


B = Bauelement. F = Funktion
Entwerfen und Gestalten 101

Teilen (Bauteilen) zusammengesetzt sein. Unter "Funktion" ist die Beschreibung


des Zusammenhanges zwischen Ursache und Wirkung einer physikalischen Opera-
tion bzw. des Zusammenhanges zwischen Ein- und Ausgangsgröße eines Bauele-
mentes bzw. einer Baueinheit zu verstehen.
Geht man davon aus, daß ein Bauelement normalerweise eine oder mehrere gleiche
oder unterschiedliche Funktionen zu realisieren vermag, so ergeben sich hiermit
folgende unterschiedliche Zuordnungs- bzw. Realisierungsmöglichkeiten von Funk-
tionen durch Bauelemente, und zwar:
eine oder mehrere Funktionen werden durch ein mehrteiliges Bauelement reali-
siert; im folgenden soll diese Art zu bauen, als Partialbauweise bezeichnet werden
(s. Bild 12.2.2a)
eine oder mehrere Funktionen werden durch ein einteiliges Bauelement realisiert
= Total- oder Ganzbauweise (s. Bild 12.2.2b)
mehrere gleiche oder unterschiedliche Funktionen werden durch jeweils ein
Bauelement realisiert = Differentialbauweise (s. Bild 12.2.2c)

a b c
Partialbauweise Total- (Ganz -) bauweise Differenzier te Bauweis e
- gleiche Funktionen-

~~I'
~.' ,
.
"-. '

d e
, "
Integrierte Bauweise Multifunktionale Bauweise
- gleiche Funktionen- - gleiche Funktionen-

f g
Monofunktionale Bauweise Multifunktionale Bauweise
- verschiedene Funktionen- - verschiedene Funktionen-

Bild 12.2.3a-g. Unterschiedliche Bauweisen einer Nockenwelle (Beispiel). a Partialbauweise; b Total-


bauweise; c Differentialbauweise bei gleichen Funktionen; d Integralbauweise bei gleichen Funktio-
nen; e Multifunktionalbauweise bei gleichen Funktionen; f Monofunktionalbauweise (verschiedene
Funktionen); g Multifunktionalbauweise (verschiedene Funktionen)
102 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

mehrere gleiche und/oder unterschiedliche Funktionen werden durch ein aus


mehreren Bauteilen zusammengesetztes ,,Integriertes Bauelement" realisiert =
Integralbauweise gleicher bzw. unterschiedlicher Funktionen (s. Bilder l2.2.2d
bzw. l2.2.2e)
- mehrere gleiche oder unterschiedliche Funktionen werden durch ein und dasselbe
Bauelement realisiert = Multifunktionale Bauweise gleicher bzw. unterschied-
licher Funktionen (s. Bilder 12.2.2f bzw. g).

1. Partial- und Totalbauweise


Ein Maschinen- oder Bauelement zur Verwirklichung einer oder mehrerer Funktionen
kann aus einem oder aus mehreren Teilen (Bauteilen) zusammengesetzt sein. Beispiele
hierfür zeigt das Bild 12.2.3 a und das Bild 12.2.4. Ein Bauelement aus einem oder
aus mehreren Teilen zusammensetzen zu können, ohne dessen Funktion zu verändern,
ist ein wichtiger Parameter zur Gestaltung technischer Systeme. Die Möglichkeit, ein
Bauelement aus mehreren Teilen zusammensetzen zu können, braucht man zur Er-
füllung bestimmter Restriktionen, wie z. B. fertigbar, montierbar etc. So lassen sich
beispielsweise sehr voluminöse Ständer für extrem große Pressen, welche durch Gießen
nicht mehr herstellbar sind, durch Fügen mehrerer Stahlplatten-, d. h. in Partial bau-
weise -- vorteilhaft herstellen. Ein anderes Beispiel sind Pleuel für Verbrennungs-
motoren, welche aus Gründen der Montierbarkeit bekanntlich in Partialbauweise
realisiert werden. Bild 12.2.4 zeigt verschiedene technische Gebilde, welche alter-
nativ aus einem oder aus mehreren Bauteilen zusammengesetzt sind. Die Variation

Hebel Bohr - Vorrichtung

o
c& ~-----
(9))
(0
a b

Flugzeug

c
Bild 12.2.4a-{;. Bauelemente in Partial- bzw. Totalbauweise, Hebel (a), Bohrvorrichtung (b), Flugzeug-
teil (c) [51]
Entwerfen und Gestalten 103

der Bauteile pro Funktionseinheit, Total- oder Partialbauweise genannt, ist ein wesent-
liches Mittel zur Gestaltung technischer Gebilde.

Unter Partial- oder Totalbauweise soll hier das Entwickeln alternativer Ge-
staltvarianten eines Bauelementes bestimmter Funktion , bestehend aus mehre-
ren bzw. nur aus einem Teil verstanden werden.

Die Bilder 12.2.2 a und b zeigen die Relationen zwischen Funktionen und den Teilen
eines Bauelementes bei Partialbauweise (a) , und bei Totalbauweise (b). Die Bil-
der 12.2.3 a und b zeigen exemplarisch eine Nockenwelle in Partial- bzw. Totalbau-
weise. Bild 12.2.5 zeigt noch ein weiteres Beispiel zum Thema Total- oder Partial-
bauweise. Bild a zeigt das Getriebegehäuse einer Kohlestaubzuführung in Partial-
bauweise, bestehend im wesentlichen aus drei Gehäuseteilen ; Bild b zeigt zum gleichen
Zweck ein einteiliges Getriebegehäuse. Nach [145] konnten in diesem Falle durch
Anwendung der Totalbauweise die Gesamtherstellkosten um 29 % gesenkt werden.

Bild 12.2.5a und b. Getriebe- und Kupplungsgehiiu se eines Walzenzuteilers in Partialhauweise (a)
bzw. Ganzbauweise (b)(aus "Nachrichten der Zentrale für Gußverwendung" , DüsseJdorf, Nr. 2/ I971)
104 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

2. Differential- und Integralbauweise


Mehrere diskrete (differenzierte) Bauelemente gleicher oder verschiedener Funk-
tion(en) lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen auch zu einem sogenannten
integrierten Maschinenelement mit einer entsprechenden Gesamtzahl an Funktionen
zusammenfassen. Selbstverständlich gilt auch die Umkehrung dieses Satzes, daß man
ein integriertes Maschinenelement mit mehreren gleichen oder unterschiedlichen
Funktionen in mehrere differenzierte Bauelemente mit jeweils einer Funktion auf-
lösen (trennen) kann. Integrierte elektronische Schaltkreise (Chip) bzw. diskrete
elektronische Bauelemente (Widerstände, Verstärker etc.) sind hierzu bekannte Bei-
spiele. Die Bilder 12.2.2c und d zeigen die Funktions-Bauelementestrukturen bei
differenzierter bzw. integrierter Bauweise. Hierbei kann man des weiteren noch nach
differenzierter und integrierter Bauweise von Bauelementen gleicher bzw. unter-
schiedlicher Funktionen gliedern. Die Bilder 12.2.3c und d zeigen eine Nockenwelle
in differenzierter- bzw. integrierter Bauweise. Die Bilder 12.2.6a, bund c zeigen noch
weitere Beispiele integrierter Bauweisen beim Bau eines Federelementes (a) und von
Verbrennungsmotoren (integrierte Kurbelwelle b, integrierte Zylinder c).

Unter Differential- bzw. Integralbauweise soll das Entwickeln alternativer


Gestaltvarianten von Bauelementen durch Auflösen eines Bauelementes mit
mehreren gleichen oder unterschiedlichen Funktionen in einzelne (diskrete)
Bauelemente bzw. das Zusammenfassen mehrerer Bauelemente gleicher oder
unterschiedlicher Funktionen zu einem gemeinsamen, alle Funktionen bein-
haltenden (integrierten) Bauelement verstanden werden.

o o o
a b c
Bild 12.2.6a-c. Integrierte Blattfedern (a); Motor mit integrierter Kurbelwelle (b) oder integrierten
Zylinderflächen (e)

3. Mono- und Multifimktionalbaull'eise


Zur Realisierung einer physikalischen Operation braucht man üblicherweise einen
Effektträger bzw. einen Werkstoff. Es liegt in der Natur von Werkstoffen bzw. Effekt-
trägern, daß diese nicht nur eine, sondern häufig mehrere Funktionen zu realisieren
vermögen. Das bedeutet, daß man Bauelemente entwickeln kann, die zwei oder meh-
rere Funktionen zu realisieren vermögen, ohne daß es hierfür eines notwendigen zu-
sätzlichen Aufwandes oder zusätzlicher Kosten bedürfte. Bauelemente können multi-
funktional genutzt werden. Ein "klassisches" Beispiel hierzu sind die Schienen der
Eisenbahn, die sowohl zur Führung der Schienenfahrzeuge als auch als Stromleiter
bei elektrischen Bahnen dienen können. Ein anderes Beispiel sind die Bodenrahmen-
rohre (Längsholme) beim VW-Käfer, die sowohl als Tragerahmen als auch als Lei-
tungsrohre für die Warmluft (Heizung) vom Motor in den Fahrgastraum dienen.
Entwerfen und Gestalten 105

Ein weiteres Beispiel multifunktionaler Bauweise ist die Verwendung elektrischer


Kabel bei einfachen Beleuchtungskörpern, bei welchen diese sowohl zur Strom leitung
als auch als Zugmittel zum Aufhängen der Lampe genutzt werden . Für wertvollere
schwere Beleuchtungskörper wird zur Deckenbefestigung eine eigene Kette oder ein
Zugstab vorgesehen. Eine Welle aus Kunststoff kann sowohl zur Übertragung eines
Drehmomentes als auch als Isolator für elektrischen Strom und als Wärmeleitwider-
stand genutzt werden . Fernleitungen zur Übertragung elektrischer Energie werden
außer zur Energieübertragung neuerdings auch zur Übertragung von Nachrichten
genutzt. RohrIeitungssysteme (Pipeline) zum Transport bestimmter Flüssigkeiten
und Feststoffe sind ein analoges Beispiel.
Wie diese Beispiele zeigen , kann man die unterschiedlichen Eigenschaften des Werk-
stoffes eines Bauelementes zur gleichzeitigen (parallelen) Realisierung unterschied-
licher Funktionen nutzen. Man kann auch ein und dieselbe Eigenschaft eines Bau-
elementes (s. ÜberIandleitungen oder Rohrleitungen) zur Übertragung unterschied-
licher Größen bzw. Sachen (Energie und Nachrichten bzw. Flüssigkeit und Fest-
stoff) nutzen. Schließlich kann man durch geeignete geometrische Anordnung der
Bauelemente eines Systems (Verzweigung der Ausgänge) ein und dieselbe Funktion
eines Bauelementes mehrfach nacheinander (seriell) nutzen. Entsprechend ist es
zweckmäßig, zwischen drei Arten multifunktionaler Bauweisen zu unterscheiden.
Gekennzeichnet sind diese drei Arten multifunktionaler Bauweisen
durch Nutzung der an einem Bauelement ohnehin vorhandenen mehreren Eigen-
schaften zur Realisierung mehrerer Funktionen (ohne nennenswerten Mehrauf-
wand)
durch mehrfache Nutzung einer Funktionsfähigkeit eines Bauelementes für unter-
schiedliche Zwecke (Aufgaben) und bzw. oder
durch mehrfache Bereitstellung einer Funktion eines Bauelementes und serieller
Zurverfügungstellung dieser Funktion an mehreren Ausgängen durch Verzweigen
der Ausgangsgröße (Multiplex-Betrieb).
Bild 12.2.3e zeigt zur zuletzt genannten Art multifunktionaler Bauweise zwei
Beispiele einer Mehrfachnutzung eines Nockens mit drei Abtriebsgliedern (Aus-
gängen). Bild 12.2.7 zeigt hierzu ein weiteres Beispiel. Die Bilder 12.2.3f und g zeigen
ein Beispiel einer Bauweise für unterschiedliche Funktionen (Nockenwelle und ÖI-
zuführung) in monofunktionaler Bauweise (f) und multifunktionaler Bauweise (g) .
Unter multifunktionaler Bauweise bzw. multifunktionalem Bauen sollen die Mög-
lichkeiten verstanden werden,

a b c
Bild 12.2.7a-d. Multifunktionale Nutzung (ein-. zwei-. drei- . sieben fach) einer Kurbelwelle
106 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

mehrere ohnehin an einem Bauelement vorhandene Eigenschaften (Fähigkeiten)


zur Verwirklichung von verschiedenen Funktionen zu nutzen
ein und dieselbe Funktion eines Bauelementes für unterschiedliche Zwecke (Auf-
gaben) gleichzeitig zu nutzen
ein und dieselbe Funktion eines Bauelementes für gleiche Zwecke (Aufgaben)
mehrfach-seriell (multiplex) zu nutzen.

Die Bilder 12.2.2 fund g zeigen hierzu noch die strukturellen Unterschiede zwischen
multifunktionaler Bauweise bei Nutzung ein und derselben Eigenschaft (f) und unter-
schiedlicher Eigenschaften (g).
Versucht man einen Nocken einer Nockenwelle (Bild 12.2.8) multifunktional zu
nutzen, so würde das beispielsweise bedeuten, daß Ein- und Auslaßventil einen ge-
meinsamen Nocken haben. Abgesehen davon, daß man bei einer derartigen Lösung
durch eine entsprechende Kipphebelkonstruktion die nötige Phasenverschiebung des
Orfnungszeitpunktes zwischen Ein- und Auslaßventil erreichen könnte, würde ein
solcher Motor, dessen Nockenbewegungsgesetz ein Kompromiß zwischen Ein- und
Auslaßnockengesetz sein müßte - falls er überhaupt laulfähig wäre - sehr schlechte
Laufeigenschaften haben. Mit anderen Worten: Dem Integrationsgrad technischer
Gebilde sind Grenzen gesetzt, die von Fall zu Fall zu ermitteln sind .

Bild 12.2.8a und b. Nockenwelle eines Kolbenmotors in Inte-


a b gri erter Bauweise (a) und mit erhöhtem Integrationsgrad (b)

Besonders zu bemerken ist in diesem Zusammenhang noch die Tatsache, daß viele
der bekannten Getriebe ebenfalls multifunktionale Eigenschaften haben. Das be-
deutet , daß bereits sehr einfache Getriebe mehrere Elementarfunktionen realisieren,
ohne daß hierfür zusätzliche bauliche Maßnahmen erforderlich wären. So können
die im Bild 12.2.9 links gezeigten Getriebe sowohl die Antriebsbewegung verkleinern
(oder vergrößern) als auch die Bewegungsrichtung umkehren, während die rechts im
Bild gezeigten nut die Bewegung verkleinern (oder vergrößern) können.
Als Beispiel für die multifunktionale Nutzung von Bauelementen kann auch das
Druckwerk für Datenfernschreibmaschinen nach Bild 12.2.10 dienen. Das System
besteht im wesentlichen aus einem Typenträger (a) mit den Typen (b), einem Typen-
trägerwagen (c), einem Decodiergetriebe (e) , einem Wagenvorschubgetriebe (f), der
Schreibwalze (d) und einer Farbbandschaltung (nicht gekennzeichnet). Der Typen-
träger wird durch das Decodiergetriebe über das Riementrum (gI) entsprechend eines
bestimmten abzudruckenden Zeichens eingestellt. Zu diesem Zweck werden die vier
auf dem Hebel (k) gelagerten Rollen über die Kurvenscheibe (I) gemeinsam oszillie-
Entwerfen und Gestalten 107

rend angetrieben. Durch Ansteuern der Haken (m) mittels der Drähte (n) kann wahl-
weise eine Bewegung jeder einzelnen Rolle zugelassen oder verhindert werden. Den
:t = 16 Kombinationsmöglichkeiten entsprechend - die Hübe der einzelnen Rollen
verhalten sich wie I : 2 :4: 8 - kann der Typenträger in 16 Drehpositionen gebracht
werden. Die gleiche Kurvenscheibe (I) treibt über einen Hebel (p) das Klinkenschalt-
werk (f) (Vorschubgetriebe) an. welches mittels des Riementrums (gz) den Schreib-
wagen (c) schrittweise jeweils um einen Zeichenabstand nach rechts bewegt.

Mult ifunktionale Monofunkllonale


Getriebe Getriebe

1!Si)\ :f)
~ +
t A
\8><Ü) ,,8I)\
Bild 12.2.9. Mono- und multifunktionale Ge-
triebe (Erläuterungen im Text)

b
Bild 12.2.10. Multifunktionale (zweifache) Verwendung eines Riemens (Riemen trum gz: Ü bertra-
gungsmittel der Vorschubbewegung; Riementrum gl: Übertragungsmittel der Einstellbewegung) und
eines Nockens I (Antriebsnocken für Decodiergetriebe c und Vorschubgetriebe f) bei einem Druck-
werk (Siemens)
108 Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

Durch die geschickte Anordnung der Rolle bzw. des Hebels (k) und des Vorschub-
getriebes (f) ist es bei dieser Lösung möglich , mit einer einzigen Kurvenscheibe (I)
alle vier Rollen sowie das Klinkenschaltwerk (f) anzutreiben; ohne diese Anordnung
wären fünf Einzelantriebe erforderlich. In dem vorliegenden Fall ist die günstigste
Anordnung der genannten Elemente die Voraussetzung für die multifunktionale
Nutzung der Kurvenscheibe (I). Ferner ist noch das Bauelement "Zugmittel" multi-
funktional genutzt, und zwar zur Übertragung der Einstellbewegung auf den Typen-
träger (Riementrum gl) sowie zur Übertragung der Vorschubbewegung auf den
Typenträgerwagen (Riementrum g2)' In Bild 12.2.11 erfüllt das Zugmittel noch eine
weitere Funktion, nämlich die des Typenträgers. Die einzelnen Typen befinden sich
in mehreren Reihen übereinander auf dem Zugmittel. Zur Höheneinstellung der ver-
schiedenen Typenreihen kann der Teil (q) des Typenträgerwagens um eine Achse (r)
gekippt werden . Die abzudruckende Type wird von einem Hammer (s) gegen die
Schreibwalze geschlagen. Ansonsten ist diese Lösung mit der nach Bild 12.2.10 iden-
tisch. Die Verwendung des Zugmittels als Übertragungsmittel und Typenträger ist
ein Beispiel "multifunktionaler Bauweise".

Bild 12.2.11. Multifunktionale Verwendung eines Riemens (dreifach) als Übertragungsmittel der Vor-
schubbewegung sowie der Einstellbewegung und als Typenträger bei Druckwerken (Siemens)

Schließlich zeigt Bild 12.2.12 zusammenfassend "Maschinenelemente" der ge-


nannten unterschiedlichen Bauweisen, versehen mit den entsprechenden Ein- und
Ausgangsgrößen in "black box-Darstellung".
Total-, integrierte- und multifunktionale Bauweise bieten oft ein wirksames Mittel
zur Reduzierung der Herstellkosten technischer Systeme. Dies trifft jedoch nicht
immer zu, da die Bauteile mit zunehmendem Integrationsgrad auch komplizierter
und aufwendiger in ihrer Herstellung werden. Je größer hingegen die Auflösung eines
komplizierten Bauteiles in Einzelteile wird. desto einfacher werden diese einzelnen
Teile , aber desto aufwendiger wird ihr Zusammenfügen zu einem Ganzen. Es gibt
Entwerfen und Gestalten 109

deshalb ein Optimum bezüglich Herstellkosten und Zahl der Teile; diesem möglichst
nahe zu kommen, ist u. a. Ziel der Entwicklung eines wirtschaftlichen Produktes.

,o-[I}AO
E/Et1 F/F, I-A/A 1

E/El"""1 F/F} I-A/A 2 Eo-I Fa ~!~


A o
E/E~I F/~ I-AlA)
a c e
Partialbauweise Differential- bzw. Mono- Multifunktionalbauweise
funktionalba uweise -gleiche Funktionen-

~-DA'
E/E 1- F/F, A/A 1
--------
E/E~ F/f3
--------
AlA 2 E1E7E~1 F,/~/~ !--A 1A 2 A)
E/E;-- F/f3 A/A 3
b d f
Tolulbuuweise Integralbauweise Multifunktionalbauweise
-gleiche oder ver- -verschiedene Funktionen-
schiedene Funktionen-

Bild 12.2.l2a-f. Darstellung von Bau- oder Maschinenelementen unterschiedlicher Bauweise. E =


Eingangsgröße, A = Ausgangsgröße. F = Funktion, Kästchen ~ Bauelement

12.2.2 Bauweisen von Baugruppen und Maschinen


Wie bei Bauelementen, so kann man auch Baugruppen, Maschinen, Geräte oder
andere komplexere technische Systeme in unterschiedlichen Bauweisen entwickeln.
Umfangreiche technische Systeme, Maschinen, Geräte, Apparate müssen nicht not-
wendigerweise in "für sich existenzfähige Baugruppen" gegliedert sein, vielmehr
können diese auch so entwickelt und gebaut werden, daß sie eine einzige umfang-
reiche Baugruppe bilden. die alle Bauteile und Funktionen des Systems in sich ver-
eint. Insbesondere frühere Maschi0en, Fahrzeuge etc. waren häufig in sogenann-
ten "Monobaugruppen-Bauweisen" gebaut. Aber auch in neuerer Zeit gibt es
Produkte. die vorteilhaft in "Monobaugruppen-Bauweise" gebaut werden. Das
jüngste Beispiel hierzu ist eine kürzlich auf dem Markt erschienene Armbanduhr
SWATCH. Bei dieser Uhr wird auf eine sonst übliche Gliederung in Platine und Ge-
häuse verzichtet, vielmehr werden bei dieser alle Bauelemente unmittelbar im Ge-
häuse befestigt oder gelagert. Als ein weiteres Beispiel für eine Monobaugruppen-Bau-
weise kann die Datenfernschreibmaschine der US-Firma Teletype, Typ 33, gelten
(Bild 12.2.13). Bei dieser Maschine sind so umfangreiche Funktionskomplexe, wie
Druckwerk, Tastatur, Lochstreifenleser und Locher zu einer Baugruppe zusammen-
gefaßt. Ein Tauschen dieser Funktionseinheiten, wie dies bei modularer Bauweise
einfach möglich wäre, ist bei diesem Gerät nicht möglich. Dafür sind die Herstell-
kosten dieser Fernschreibmaschine jedoch besonders gering.
110 Der qualitative Konstruktionsprozeß -- Konzipieren

In Monobaugruppen-Bauweisen werden heute überwiegend Konsumgüter (Haus-


haltsgeräte u. a.) entwickelt und gebaut, für welche infolge der hohen Lohnkosten
Reparaturen ohnehin wirtschaftlich nur noch begrenzt möglich sind. Hingegen werden
andere wertvollere technische Systeme, insbesondere Investitionsgüter, hinsichtlich
wirtschaftlicher Reparatur, Wa rtung und anderer Gründe meist in Baugruppen geglie-
dert bzw. modular aufgebaut. Technische Systeme in bestimmte Baugruppen (Funk-
tionseinheiten) zu gliedern, wird üblicherweise Modularbauweise (Multibaugruppen-
bauweise) genannt. Besteht ein modular gegliedertes technisches System aus alternativ
zusammen bau baren Bausteinen (Maschinenelementen, Baugruppen), so bezeichnet
man dieses als "Baukastensystem". Baukastensysteme sind demnach eine besondere
Art modularer Systeme.

Bild 12.2.13. Beispiel: Fernschreib-


maschine (Typ 33, Firma Teletype)
in Monobaugruppenbauweise

I. Monohauyruppen-Bauweise
Maschinen, Geräte und andere technische Systeme müssen nicht in eigenständige
Baugruppen (bzw. Funktionseinheiten) gegliedert sein, vielmehr können alle Funk-
tionen einer bestimmten Maschine im Extremfall in einer einzigen Baugruppe zu-
sammengefaßt sein; technische Systeme müssen nIcht modular aufgebaut sein.
Besonderes Kennzeichen einer solchen Bauweise ist ein allen Funktionen bzw. Bau-
teilen gemeinsames Maschinengestell oder -gehäuse. Maschinen oder Geräte solcher
Bauweise sind in der Herstellung möglicherweise sehr kostengünstig. Reparaturen
sind hingegen relativ aufwendig oder bei manchen Produkten praktisch unmög-
lich. Konsumgüter, wie Elektroherde, Staubsauger, Waschmaschinen , Küchenma-
schinen (u . a.) sind aus Kostengründen oft weitgehend monomodular aufgebaut.
Die Monobaugruppen-Bauweise oder Monomodular-Bauweise läßt sich wie folgt
definieren:
Als Monobaugruppen-Bauweise soll eine Bauweise bezeichnet werden, welche
die Zahl der Baugruppen eines technischen Systems - im Extremfall auf
eine einzige Baugruppe - reduziert. Besondere Kennzeichen einer solchen
Bauweise sind, ein allen Bauteilen gemeinsames Gehäuse oder Gestell bzw.
das Fehlen eigenständiger Baugruppen mit jeweils eigenen Gestellen und ent-
sprechenden Schnittstellen zueinander.
Entwerfen und Gestalten 111

2. Modular-Bauweise
Höherwertige technische Güter sind heute wegen der einfacheren Reparatur und aus
vielen anderen Gründen nicht mono-, sondern multimodular aufgebaut. Diese meist
etwas teuereren technischen Produkte sind üblicherweise in Baugruppen, wie Motor,
Getriebe, Kupplung usw. gegliedert. Jede Baugruppe (Modul) besitzt ein eigenes Ge-
stell (Rahmen , Einschubplatte etc.) und kann darüber hinaus ein eigenes (geschlosse-
nes) Gehäuse haben und ist für sich funktionsfähig. Die einzelnen Baugruppen bzw.
Funktionseinheiten können deshalb relativ bequem aus dem Gesamtsystem ausge-

~ I

Bild 12.2.14. Beispiel: Fernschreibmaschine (T 1000. Fa. Siemens) in Modular- sowie Baukasten-
Bauweise
112 Ocr qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

baut, repariert oder durch neue funktionsfähige Module ersetzt (getauscht) werden.
Besonderes Kennzeichen für ein modulares, in Baugruppen gegliedertes System sind
standardisierte Paß- oder Schnittstellen der einzelnen Baugruppen miteinander.
Unter Paß- oder Schnittstellen sollen alle für das Zusammenpassen (geometrische
Gestalt) und Zusammenarbeiten (Leistungsdaten u. a.) zweier Baugruppen erforder-
lichen Daten der Anschlußstelle verstanden werden. Solche definierten Schnittstellen
sind für das Zusammenwirken der einzelnen Module notwendig.
Sieht man von partiellen Mischbauweisen ab, so können Fernsehgeräte, elektro-
nische Datenverarbeitungsanlagen. Fernschreibmaschine T 1000 (s. Bild 12.2.14).
Getriebe u. a. als typische Beispiele technischer Gebilde mit modularer Gliederung
dienen. Spic\zeugbaukästen für den Bau eines ganz bestimmten Modellflugzeuges
oder Autos etc. sind weitere bekannte Beispiele hirzu.
Als Multibaugruppen- oder Modular-Bauweise soll eine Bauweise bezeichnet
werden, die technische Produkte in Bausteine (Baugruppen. Bauteile) mit
bestimmteren) Funktion(en) und Schnittstellen gliedert. Durch Zusammen-
bau dieser Bausteine (Module) kann- im Gegensatz zu Baukastensystemen -
nur ein bestimmtes Produkt erzeugt werden. Bausteine können sein: Bauteile.
Baugruppen oder komplexere Systeme. wie Maschinen und Geräte. Modular-
bausysteme können reine Bauteile. Bauelemente- oder Baugruppensysteme
sein: es können auch sogenannte "Mischsysteme" vorkommen, in welchen
Bausteine jeder der genannten Komplexitätsebene vorkommen. Ein wesent-
liches Merkmal der Bausteine von Modularsystemen sind deren definierte
Schnittstellen (auch Flansch- oder Anschlußstellen genannt) miteinander.
Modularsysteme haben den Vorteil, daß einzelne Baugruppen zu Reparatur-
zwecken bequem ausgebaut und ggf. durch eine funktionsfähige Baugruppe des
gleichen Typs ersetzt werden können. Reparaturen sind schnell und risikolos möglich.
Beispiele sind der Tauschmotor und das Tauschgetriebe bei PKW. der Tausch einer
defekten Baugruppe (Einschub) bei Rechnern. Nachteilig sind u. a. die Mehrkosten
bei Modularsystemen für die Fertigung der notwendigen Paßstellen und zusätzlichen
Verbindungen (Steckverbindungen, Flansche etc.).

3. Baukastenhauweise
Aufgrund wirtschaftlicher Vorteile werden heute immer mehr technische Produkte
der verschiedensten Branchen als Baukastensysteme gebaut und angeboten. So zum
Beispiel Werkzeuge, Vorrichtungen, Werkzeugmaschinen. Getriebe, EDV-Anlagen,
Dampfturbinen, Phonoanlagen, Möbeleinrichtungen und viele andere mehr (s.
Bild 12.2.15). Baukastensysteme sind gleichfalls modular gegliedert. Oie einzelnen
"Bausteine" (Module) eines Baukastensystems können Bauteile, Maschinenelemente,
Baugruppen. Maschinen, Geräte oder auch komplexere Gebilde sein. Oie Bausteine
eines Baukastensystems bzw. deren Paß- oder Schnittstellen müssen notwendiger-
weise standardisiert oder genormt sein, damit diese mechanisch verbunden und zu-
sammenarbeiten können. Im Gegensatz zu einfachen modularen Systemen zeichnen
sich Baukastensysteme noch dadurch aus, daß zu den einzelnen Bausteinen ein oder
mehrere Bausteine unterschiedlicher Funktion existieren, welche alternativ an einen
anderen Baustein angebaut werden können. Baukastensysteme zeichnen sich auch
noch dadurch aus, daß mit nur einem oder wenigen standardisierten Bausteinen eine
Entwerfen und Gestalten 113

Vert ikal fräskapt 1 Vertikalfräskopf 2 Gegenhalter


StoOapparat

Gegenüberliegende
Fräseinheit

Dreispindel- Fräseinh·eit

Vertikal fräsei nhei t

Winkel tr äskopt

ii I
Dreispinde l - Fräseinheit

Schnel lau fende Zwei spindel Bohr- und Fräseinheit


Ve r tikallräseinhei t

Bild 12.2.15. Beispiel: Fräsmaschine (Fa. Hermle) in Baukastenbauweise


114 Der qualitative Konstruktionsprozeß- Konzipieren

beliebige Zahl von Systemen unterschiedlicher Eigenschaften bzw. Funktionen eines


bestimmten Produktionsbereiches hergestellt werden können.
Unter Baukastenbauweise oder Baukastensystem versteht man die Möglich-
keit, technische Produkte in einen oder relativ wenige standardisierte Bausteine
mit bestimmten Funktionen zu gliedern, so, daß mit diesen der Bau einer
begrenzten oder beliebigen Zahl verschiedener technischer Dinge eines Pro-
duktbereiches möglich ist. Bausteine können sein: Bauteile, Baugruppen oder
umfangreichere Systeme wie Maschinen. Baukastensysteme können reine
Bauteile-, Maschinenelemente- oder Baugruppensysteme sein, oder es können
auch sogenannte "Mischsysteme" vorkommen, in welchen Bausteine jeder
der genannten Hierarchieebenen enthalten sind. Wesentliche Merkmale der
Bausteine eines Baukastensystemes sind deren standardisierte Schnittstellen
(auch Anschluß- oder PaßsteIlen genannt), um mit gleichen oder anderen Bau-
steinen in Verbindung treten zu können. Den gleichen Bausteintyp in einem
mittels Baukastensystem erstellten Produkt mehrmals anzuwenden und die
Stelle eines Bausteines in einem System wahlweise durch andere Bausteine
zu ersetzen, sind weitere wesentliche Kennzeichen eines Baukastensystemes.
Die wirtschaftlichen Vorteile von Baukastensystemen sind größere Losgrößen. Die
Folge sind in der Regel geringere Herstellkosten, bessere Prü fmöglichkeiten bzw.
bessere Qualität. Weitere Vorteile sind kürzere Lieferzeiten, raschere Ersatzbeschaf-
fung. Nachträgliche Erweiterungen und Umbauten von Systemen sind weitere Vor-
teile.
Weitere Ausführungen zu Baukastensystemen finden sich unter [14]. Angewandt
werden Baukastensysteme heute insbesondere zum Bau von Automobilvarianten,
beim Bau von Werkzeugmaschinen (s. Bild 12.2.15), Vorrichtungen, Werk zeugen ,
Möbeleinrichtungen, Rechenanlagen u. a. technischen Produkten.

12.3 Entwicklung von Baureihen und Typengruppen


Ein wesentliches Mittel zur Rationalisierung im Konstruktions- und Fertigungs-
bereich ist die Entwicklung technischer Produkte als Baureihen- oder Typengruppen.
Neben der Möglichkeit durch Festlegen diskreter Abmessungen eines Produktes
Baureihen zu bilden. gibt es noch eine Vielzahl anderer relevanter Konstruktions-
parameter, welche für eine Baureihenentwicklung ebenfalls in Frage kommen. Ent-
sprechend der unterschiedlichen Arten von Konstruktionsparametern kann man
zwischen Größen-, Gestalt-, Werkstoff- und Qualitätsbaureihen unterscheiden. Die
. folgenden Ausführungen sollen einen Überblick über diese Möglichkeiten der Bau-
reihen- und Typengruppenentwicklung technischer Produkte geben.
Durch die Entwicklung von Maschinenelementen, Baugruppen, Maschinen, Ge-
räten oder Apparaten in Baureihen. lassen sich die Konstruktions- und Fertigungs-
arbeiten für die betreffenden Produkte wesentlich rationalisieren. Hinzu kommen
Vorteile bezüglich Qualität. Preis und Lieferzeit bei Baureihen-Produkten. Als Bau-
reihen sollen im folgenden jeweils mehrere technische Gebilde (Typen) gleichen Zwek-
kes und gleichen physikalischen Prinzips aber unterschiedlicher qualitativer und/oder
quantitativer Auslegung verstanden werden.
Technische Gebilde oder Elemente einer Baureihe können Bauteile, Maschinen-
elemente. Baugruppen, Maschinen. Geräte, Apparate oder noch komplexere Sy-
Entwerfen und Gestalten 115

sterne sein. Baureihen sind dadurch gekennzeichnet, daß sich deren Typen nach dem
Gesetz einer Reihe ordnen lassen; ein zwischen zwei Typen liegender oder das auf
einen Typ folgende Element einer Baureihe läßt sich aufgrund des Gesetzes der Reihe
vorherbestimmen. Neben Baureihen-Produkten gibt es noch "baureihenähnliche
Produkttypen", welche sich nicht dem Gesetz einer Reihe entsprechend ordnen lassen.
Diese sollen demnach auch nicht als Baureihen, sondern als "Typengruppen" be-
zeichnet werden. Für die Praxis sind Baureihen und Typengruppen von gleicher
wirtschaftlicher Bedeutung.
Für die Bildung von Baureihen oder Typengruppen kommt grundsätzlich jeder
Parameter eines technischen Gebildes in Frage. Solche Parameter sind
physikalische Größen, wie z. B. die Leistung, Geschwindigkeit, Weg, Kraft,
Temperatur usw.,
Gestaltparameter, wie die Form, Lage, Zahl, Anordnung, Abmessung8 und Ver-
bindungsstruktur von Gestaltelementen (s. Kap. 12.1),
- Werkstoffart und Werkstoffparameter und
- Qualitätsparameter.
Einen Überblick über mögliche Arten von Baureihen und Typengruppen zeigt
Bild 12.3.1.
In der Praxis haben bisher nicht alle der genannten Parameter Bedeutung bei der
Bildung von Baureihen oder Typengruppen erlangt.
Jeder Parameter eines technischen Gebildes kann theoretisch unendlich viele
Werte annehmen. Die Praxis kann meist ohne diese "unendlich vielen Werte" aus-
kommen und sich auf relativ wenige Werte beschränken. Es ist deshalb in vielen Fällen
möglich, und aus wirtschaftlichen Gründen naheliegend, nicht jeden möglichen Para-
meterwert eines technischen Gebildes, sondern nur relativ wenige diskrete Werte

Phys. Größen Gestalt Werkstoff Qualität

Leistung Abmessung Stahl Genauigkeit


Kraft, Druck Form Zuverlässigkeit
Geschwindigkeit Zahl Leichtmetall Lebensdauer
Weg, Hub Lage Komfort
Temperatur Anordnung Kunststoff Leistung IPreis
Struktur
Keramik

Glas

Bild 12.3.1. Überblick über Baureihen und Typengruppenarten

8 Die Abmessung ist zwar auch eine physikalische Größe. hier soll sie jedoch als Gestaltparameter
geführt werden
116 Ocr qualitative Konstruktionsprozeß Konzipieren

zuzulassen, d. h. Produkte zu standardisieren bzw. als Baureihen und Typengruppen


zu entwickeln. Technische Produkte können nach einem oder mehreren Kriterien
geordnet werden; ein Typ einer Baureihe kann mehreren unterschiedlichen Reihen
angehören. So werden beispielsweise Wälzlager in Baureihen bzw. Typengruppen
geordnet nach Abmessungen, entsprechend der Form der Wälzkörper, der Belast-
barkeit und der Laufgenauigkeit.
Die Typen einer Baureihe oder Typengruppe haben neben den o. g. Ordnungs-
parametern natürlich noch viele andere sie beschreibende Parameter, welche für
die Festlegung der betreffenden Baureihe weniger wich tig sind. Diese können bei
der Entwicklung einer Baureihe oder Typengruppe in gleicher Weise wie die Ordnungs-
parameter oder davon unabhängig verändert werden oder nach Möglichkeit in
bestimmten Bereichen auch konstant gehalten werden. Welche Art und Weise der
Veränderung für die übrigen Parameter die am besten geeignete ist, läßt sich nicht
generell sagen, sondern kann nur von Fall zu Fall festgelegt werden. Mei:,t benutzt
man für die unterschiedlichen Parameter auch unterschiedliche Änderungsstrategien.

J. Größenreihen
Entsprechend den vorangegangenen Ausführungen können als "Indikatoren" der
Entwicklung von Baureihen alle quantifizierbaren Parameter sinnvoll sein und be-
nutzt werden; das sind alle physikalischen Größen, wie
Leistung,
Kraft, Druck, Gewicht,
- Geschwindigkeit, DrehzahL Frequenz,
- Weg, Hub, Reichweite,
- elektrische Größen, wie Spannung, Strom, Widerstand, Induktivität, Kapazität,
Temperatur, Wärmemenge,
Lichtstärke, Lichtstrom. Reflexion
u. a. für den Benutzer technischer Produkte wesentliche Parameter.
Die entsprechenden Baureihen sollen mit dem Oberbegriff "Größenbaureihen"
oder kurz "Größenreihen" zusammengefaßt werden (s. Bild 12.3.1).
Die Abmessung eines technischen Gebildes ist zwar eine physikalische Größe,
sie ist aber auch ein wesentlicher Parameter der Gestalt eines technischen Gebildes
(s. Kap. 12.1) und soll deshalb hier nicht zu den physikalischen Größen, sondern
zu den Gestaltparametern gezählt werden. Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei
hier darauf hingewiesen, daß viele der o. g. Größenbaureihen bezüglich Kraft. Lei-
stung, Hub u. a. praktisch in Abmessungsbaureihen münden, weil eine größere
Belastbarkeit, ein größerer Hub oder Leistung usw. in der Regel entsprechend grö-
ßere Abmessungen eines technischen Gebildes nach sich ziehen. Dennoch handelt es
sich dabei nicht um Abmessungsbaureihen, sondern um Baureihen für unterschied-
liche Leistungen, Kräfte usw. Ein typisches Beispiel hierzu sind die hekannten Bau-
reihen für Glühlampen unterschiedlicher Leistung; die unterschiedlichen Leistungen
bewirken bekanntlich unterschiedliche Abmessungen der Glaskolben. Wie im fol-
genden Kapitel noch gezeigt wird, gibt es neben diesen "quasi Abmessungsbaureihen"
noch echte Abmessungsbaureihen. bei welchen es primär auf unterschiedliche Ab-
messungen ankommt (s. Kap. 2.1). Beispiele für Baureihen bei denen es hingegen auf
unterschiedliche Belastbarkeiten, Drücke und Leistungen ankommt, sind z. B.
Wälzlager-, Riemen-, Ketten-, Schrauben-, Muttern-. Getriebe-, Pressen- und Moto-
Gestalten und Entwerfen 117

renbaureihen. Das Bild 12.3.3 zeigt exemplarisch einige Baureihenprodukte für unter-
schiedliche Kräfte (a), Drehmomente (b), Leistungen und Drehmomente (c).
Wie die Erfahrung zeigt, ist es bei der Entwicklung von Größenbaureihen in vielen
Fällen zweckmäßig, die charakteristischen Werte der einzelnen Typen einer Baureihe
(Ordnungsparameterwerte) entsprechend der Gesetzmäßigkeit geometrischer Reihen
zu stufen. Man kann jedoch auch andere Gesetzmäßigkeiten wählen. Geometrische
Reihen lassen sich allgemein wie folgt mathematisch formulieren:

T n = Tl . <pn oder

t-
<P=~T:
Hierbei ist Tl der erste Wert und T n der n-te Wert der relevanten Größe einer Baureihe.
Mit <P wird der Stufen sprung bezeichnet; n ist die Zahl der Stufen einer Reihe und
z = n + I ist die Zahl der Typen einer Baureihe. Wie Kienzle [62] gezeigt hat, ist
in vielen Fällen als Stufen sprung für die wesentlichen Größenwerte einer Produkt-
reihe eine dezimalgeometrische Reihe zur Stufung geeignet. Die verschiedenen mög-
lichen Stufensprünge der dezimalgeometrischen Reihe ergeben sich dann zu

Hauptwefte
Grundreihen ~:~l:U'1 ~s::~
R5 RIO R 20 I R4Q

1,00 , ,00 ' , ,00 I 1 00 1,0000 000


I 1,06 1,0593 025
1.12 1.12 1.1220 050
1,18 1.1885 075
1.25 ~ .25 1,25 1.2589 100
1,32 1,3335 125
, .40 1 '0 1.'125 150
1.50 14962 175
1,60 , .60 , ,60 1,50 ',5849 200
1,70 1,6788 2.25
, ,80 1.80 1,7783 250
1.90 18836 275
2.00 ;2,00 2.00 19953 300
2.12 2,'135 325
2.24 2.24 2.2387 350
2.36 2,3714 375
2,50 2.50 2.50 2.50 2.5'19 '00
2.65 2.6607 425
:,80 .2 80 28184 450
3.00 2.9854 475
3.15 3.15 315 31623 500
3.35 33497 525
3,55 355 3.5481 550
3.75 3.7584 575
4,00 4.00 4,00 400 3.9811 60e
.125 42170 625
4,50 450 44668 650
4.75 4.7315 675
5.00 5.00 5.00 50119 700
5.30 5.3088 725
5,00 I 5.60 56234 750
i 600 59566 775
6,30 6,30 6,30 630 63096 800
670 66834 825
7.10 7.10 7,0795 850
750 74989 875
8,00 8.00 800 7.9433 900
850 8,4140 925
9,00 900 8,9125 950
9.50 94406 975 Bild 12.3.2. Hauptwerte von Normzahlen (Auszug aus DIN ~23)
IIX Der qualitative Konstruktionsprozeß - Konzipieren

Für z. B. 10 bzw. 20 Stufen hat die Reihe einen Stufen sprung von

10 ---
<P = l!10 = 1,25; <P = -vw
20
= 1,12

Mit n = 5. 10, 20.40 usw. ergeben sich die bekannten Normreihen R 5, RIO, R 20,
R 40 usw. (DIN 323). In Bild 12.3.2 ist ein Auszug aus der DIN 323 mit den Haupt-
werten wiedergegeben. Für die Praxis ist es noch wichtig zu wissen, daß man durch
Auf- oder Abrunden der theoretischen Größenwerte auf "runde Zahlen" von den
exakten Werten einer Reihe abweichen kann; hiervon wird auch häufig Gebrauch
gemacht. Im allgemeinen kann man eine Baureihe auch dadurch festlegen, daß man
den Hauptwert des kleinsten und des größten Typs einer Produktreihe und die Zahl z
der zu planenden Typen wählt. Hiernach läßt sich eine Bereichzahl B wie folgt fest-
legen:

Hauptwert des größten Typs des Bereiches _ =


B = ________ <p(z-l)
Hauptwert des kleinsten Typs des Bereiches

[[!IJ
I
a

c
Bild 12.3.3a-e. Größcnbaureihen bezüglich Kraft. Drehmoment und Leistung bzw. Muttern (a),
pneumatischer Drehantrieb (b. Fa. NOBRO), Getriebe (c. Werkbild Fa. Flender)
Gestalten und Entwerfen 119

Daraus kann man den entsprechenden Stufensprung


z-l

<P = VB
berechnen und die Hauptwerte der übrigen, dazwischenliegenden Typen ermitteln.
Weiteres über Gesetzmäßigkeiten von Baureihen findet sich unter [96].
In manchen Fällen ist es zweckmäßig, Baureihenprodukte nicht yeometrisch,
sondern arithmetisch zu stufen. So sind zum Beispiel Baureihen für Bohrer, Wälz-
lager, Bleche (Dicke), Konfektionskleidung (Anzüge, Schuhe, Hüte etc.) zweck-
mäßigerweise arithmetisch gestuft.

2. Gestalthaureihen
Die Gestalt eines Bauteiles, einer Baugruppe, Maschine etc. wird durch die Para-
meter Abmessung, Form, Zahl, Lage, Reihenfolge und Verbindungsstruktur der
Gestaltelemente bestimmt. Jeder dieser Gestaltparameter kann grundsätzlich als
"Indikator" einer Baureihe oder Typengruppe dienen (s. Bild 12.3.1).
2.1 AhmessuflYs-, Flächen- und Volul1lenbaureihen
Typische Abmessungsbaureihen sind solche, bei welchen es primär auf die unter-
schiedlichen Werte einer
- Abmessung (Länge, Breite, Höhe, Durchmesser, Umfang etc.)
ankommt. Als Beispiele hierzu können gelten, Baureihen für Bohrer (Bohrersätze),
verschiedene Halbzeuge, Distanzscheiben, Endmaße, Rachenlehren, Meßdorne,
Türen, Fenster, Möbel, Papier-, Brief-, Bild- und Filmformate sowie Konfektions-
kleidung, Schuhe, Hüte etc.
Gas- oder Wasserleitungsrohre und elektrische Leiter (Kupferdrähte), können als
treffende Beispiele gelten, bei welchen die Querschnittsfläche Parameter der Bau-
reihe ist.
Als Beispiele für Volumenbaureihen hingegen können Behälter, Tanks, Flaschen
und Trinkgefäße gelten.
2.2 Formyruppen
Ein Ordnungskriterium für Typengruppen kann für manche technische Produkte die
Form einer wesentlichen Wirkfläche oder deren äußere Erscheinungsform sein.
Unterschiedliche Wirkflächen sind in der Technik meist eben-, zylinder-, kegel-,
kugel-, tonnen- oder torusförmig. Als Beispiele für Formtypengruppen können gelten,
Wälzlager mit unterschiedlichen Wälzkörperformen, wie K ugel-, Zylinder-, Kegel-
und Tonnenlager (Bild 12.3.4a). Die unterschiedlichen Glaskolbenformen bei Glüh-
lampen (birnen-, kugel-, kerzen-, torus-, zylinderförmig) können ebenfalls als Bei-
spiel für Formtypengruppen dienen (Bild 12.3.4b). Ebenso können Absperrventile
mit kugel-, kegel- oder zylinderförmigen Absperrelementen oder Zahnräder mit
evolventen-, zykloiden-, sinusförmigen oder anderen Flankenformen sowie Gewinde
mit Rund-, Spitz- oder Trapezform als Beispiele für Formtypengruppen gelten.
Für die Entwicklung von Form-Typengruppen läßt sich zusammenfassend folgende
Anleitung geben:
Unterschiedliche Typen einer Formgruppe lassen sich möglicherweise dadurch fin-
den, daß man die Form der wesentlichen Wirkfläche (Lauffläche, Dichtfläche,
120 Der qualitative Konstruktionsprozeß- Konzipieren

Bild 12.3.4a and b. Beispiel: Form-


typengruppen von Wälzlagern (a),
von Glühlampen (b)

äußere Erscheinungsform etc,) eines technischen Gebildes im Rahmen der technisch


einfach herstellbaren Flächenformen variiert und die für den betreffenden Fall sinn-
vollen Formen auswählt und zu einer "Produktfamilie" bzw. "Typengruppe" zu-
sammenstellt.

2.3 Zahlreihen

Ein weiterer Parameter der Gestalt ist die Zahl der Gestaltelemente. Die Zahl der
Gestaltelemente kann ebenfalls als "Indikator", bzw. Ordnungskriterium für Bau-
reihen dienen. Unter "Gestaltelementen" sind in diesem Zusammenhang Wirk-
flächen, Bauteile, Baugruppen oder auch komplexere Gebilde zu verstehen. Als
"Elemente" sollen in diesem Zusammenhang neben Gestaltelementen auch sonstige
("immaterielle") Zahlparameter technischer Systeme gelten, wie beispielsweise die
Zahl der Schritte pro Umdrehung bei Schrittmotoren.
Als Beispiele für Zahltypenreihen können Baureihen von Verbrennungsmotoren
gelten, welche für bestimmte Zwecke in Ein-, Zwei-, Vier-, Fünf- oder Sechszylinder-
bauart hergestellt werden. Ein-, zwei-, drei- usw. -polige Stecker (s. Bild 12.3.5) und
zwei-, vier-, oder sechspolige Elektromotoren sind weitere Beispiele für Zahl typen-
reihen, bei welchen nicht Abmessungen oder physikalische Größen, sondern die Zahl
eines gestaltenden Elementes Ordnungskriterium ist. Stühle oder Schränke in sonst
gleicher Ausführung aber mit 3, 4, 5 oder 6 Fußstützpunkten bzw. I, 2, 3 oder 4 Schub-
laden können als Beispiele für Zahlbaureihen oder Zahltypenreihen anderer Branchen
gelten. Somit läßt sich folgende Anleitung zur Entwicklung von Zahlbaureihen geben:
Zahlbaureihen von Produkten entstehen dadurch, daß man ein oder mehrere wesent-
liche "Elemente" (Wirkflächen, Bauteile, Baugruppen etc.) technischer Gebilde in
ihrer Zahl variiert und sinnvolle Zahl varianten als Typen einer Baureihe festlegt.

foO\ 88888888

~
88888888

Bild 12.3.5. Beispiel: Zahlbaureihe von Steckern


Gestalten und Entwerfen 121

2.4 Lageyruppen
Ein Ordnungskriterium für Typengruppen kann für manche technische Produkte die
Lagezuordnung von Wirkflächen zu den übrigen Flächen des Bauteiles oder die
Lagezuordnung von Bauteilen zueinander sein. Beispiele hierzu sind Schrauben glei-
cher Abmessungen aber mit Innen- und Außensechskant-Schraubenköpfen, Schrau-
ben mit Außen- und Innengewinde, Innen- und Außenzahnräder, gerad- und schräg-
verzahnte Zahnräder und andere. Boote mit Innen- oder Außenbord-Motoren kön-
nen als Beispiel einer Lagegruppe komplexerer Gebilde gelten. Eine "Produktfamilie"
(Lagegruppe), bei welcher Bauteile in ihrer Lage variiert werden, wäre u. a. die
Alternative oben- oder seitengesteuerter Verbrennungsmotor.
Im übrigen scheinen Typengruppen, basierend auf einem Lagewechsel von Wirk-
flächen, Bauteilen oder Baugruppen, keine große Anwendung als Typengruppen ge-
funden zu haben.
2.5 Anordnungs- oder Reihenj(ilgeyruppen
Ein weiteres Ordnungskriterium für Typengruppen kann für manche technische
Produkte die Anordnung bzw. Reihenfolge von Baugruppen zueinander sein. Ob-
gleich diese in der Praxis nicht so häufig vorkommen, sollen sie hier der Vollständig-
keit wegen erwähnt werden. Produkte in Form von "Anordnungstypengruppen"
sind beispielsweise Schränke mit Schubladen unterschiedlicher Anordnung, wie sie
Bild 12.3.6a zeigt. Ein weiteres Beispiel hierzu sind Druckwerke unterschiedlich an-
geordneter Druckwerkelemente (s. Bild 12.3.6b). Jede dieser Anordnungsgruppen
besitzt eine endliche Zahl von Typvarianten ; der Leser mag sich selbst die in Bild 12.3.6
fehlenden Anordnungstypvarianten überlegen.
Für die Entwicklung von Anordnungsgruppen läßt sich folgende Anleitung geben:
Unterschiedliche Typen einer Anordnungsgruppe lassen sich dadurch finden, daß
man deren Anordnungsreihenfolge systematisch variiert, die sinnvollen Anordnungs-
folgen auswählt und zu einer "Produktfamilie" zusammenfaßt.

I CJ g 03 I I E3 I
I I
CJ D
03

,
+ +
y
-
IR
~U
Bild 12.3.6a and b. Beispiel: Anordnungs-

b
+ oder Reihenfolgetypengruppen bezüglich
Schubladen (a), Druckwerke (b)
122 Der qualitative Konstruktionsprozeß --- Konzipieren

3. Werkstoff: Oberfläche und Farbe technischer Produkte

Weitere Kriterien zur Bildung von Typengruppen können für bestimmte technische
Produkte die Art der Werkstoffe, die Art der Oberfläche oder die Farbe der Ober-
fläche sein. Felgen für Automobile alternativ aus Stahl oder Leichtmetall, Schrauben
und Muttern aus Stahl. nichtrostendem Stahl. Messing oder Kunststoff. Armaturen
für verschiedene Chemikalien aus unterschiedlichen Kunst- oder KeramikstofTen.
Schüsseln, Töpfe aus Stahl, Leichtmetall oder Kunststoff, sonst gleiche Möbel mit
unterschiedlichen Holzarten herzustellen, sind Beispiele für die Bildung von ,.Produkt-
familien" durch Variation der Art des Werkstoffes.
i\hnlich verhält es sich mit technischen Produkten gleichen Zweckes und gleicher
Gestalt, aber unterschiedlicher Oberfläche. Mit Oberflächentypengruppen sollen
solche Produkte bezeichnet werden, die bei sonst gleicher Ausführung mit unter-
schiedlicher Oberfläche gefertigt und angeboten werden. So zum Beispiel Schrauben,
Stoßstangen, Kontakte und vieles andere mehr mit metallischer. verchromter, ver-
kupferter. lackierter, versilberter, vergoldeter und anderer Oberfläche. Ansonsten
gleiche Möbel mit unterschiedlichen Furnieren zu belegen (Eiche, Nußbaum, Kunst-
stoff usw.), kann als weiteres Beispiel für Typengruppen unterschiedlicher Ober-
flächenart gelten.
Bei Farbanstrichen gibt es des weiteren noch sogenannte Farbtypengruppen. Bei
spiele hierfür liefert insbesondere die Automobilindustrie, indem sie bestimmte Fahr-
zeugtypen nur in bestimmten Farben oder Farbzusammenstellungen von Karosserie
und Innenraum liefert.

4. Qualitiitsrcihcn

Ein weiteres Ordnungskriterium für Baureihen kann auch die Qualität eines Produktes
sein. Unter Qualität versteht man in der Technik z. B.

die Genauigkeit (Toleranzbreite), mit der ein bestimmtes Maß eines Produktes,
eine Passung u. ä. eingehalten wird,
- die Lebensdauer,
die Zuverlässigkeit (Fehlerrate),
- den Komfort (Einfachheit der Benutzung),
das Leistungs- Preisverhältnis

und anders mehr. In vielen Fällen benötigt man in der Technik ansonsten identische
Produkte unterschiedlicher Qualität, so zum Beispiel Lager, Endmaße, Gewichte,
Objektive, Konsumartikel (1. bzw. 2. Wahl) und anderes. Insbesondere ist es üblich.
Abmessungen (Passungen) von Bauteilen entsprechend den an diese zu stellenden
Genauigkeitsforderungen mit einer bestimmten Qualität zu fertigen. Mit den Tole-
ranztabellen nach DIN 7151 bzw. ISO, in welchen für die Güte der Einhaltung von
Abmessungen Qualitätsstufen von 01 bis 18 vorgeschlagen werden, ist eine inter-
national gültige Qualitätsordnung gegeben, die man zur Entwicklung von Qualitäts-
baureihen für verschiedene Produkte nutzen kann. Auch für eine Stufung der Qualität
technischer Oberflächen bestimmter Produkte (DIN 3141) besteht in der Praxis ein
Bedarf. Entsprechend gibt es für bestimmte Zwecke ansonsten gleiche Produkte
unterschiedlicher Oberflächenqualität. Beispiele hierzu sind insbesondere Laufflächen
Gestalten und Entwerfen 123

von Lagern, Endmaße, Optik-Bauteile (Linsen, Prismen, Planplatten, u. a.), sichtbare


Oberflächen von Gehäusen, Möbeln, Türen, Fenstern, Karosserien u. a. technischen
Produkten.
Diese hier aufgezeigte Ordnung und die Beispiele mögen genügen, um auf die
Möglichkeiten der Bildung von Baureihen und Typengruppen hinzuweisen und um
anzuregen, eigene Produkte aus ökonomischen Gründen auf die Möglichkeit der
Bildung von Baureihen oder Typengruppen hin zu überprüfen.
m. Selektion von Lösungen

13. Restriktionsgerechtes Konstruieren

13.1 Allgemeine Restriktionen

Technische Produkte sind das Ergebnis eines Syntheseprozesses und eines Prüf- oder
Selektionsprozesses. Unter dem Syntheseprozeß sind jene Tätigkeiten zu verstehen,
die notwendig sind, alle existenten Lösungen für eine bestimmte Aufgabe oder Teil-
aufgabe zu liefern. Unter dem Prüf- oder Selektionsprozeß sind hingegen alle Tätig-
keiten zu verstehen, die erforderlich sind, um aus der Vielfalt der Lösungsmöglich-
keiten die für den betreffenden Fall beste auszuwählen oder/und Mängel an Lö-
sungen rechtzeitig zu erkennen und Verbesserungsmaßnahmen einzuleiten.
Mit Restriktionen sollen alle jene Kriterien bezeichnet werden, nach welchen Ent-
wicklungen technischer Systeme zu selektieren (prüfen, bewerten und auszuwählen)
und gegebenenfalls zu optimieren sind.
Die in den vorangegangenen Abschnitten vorgestellten Konstruktionsregeln waren
so angelegt, daß ihre Anwendung für eine bestimmte technische Funktion möglichst
alle existenten Lösungen aufzeigte. Würde der Konstrukteur mit diesen Regeln ohne
Berücksichtigung von einschränkenden Bedingungen arbeiten, so würde er für dic
meisten zu realisierenden Funktionen eine schwer überschau bare Zahl von Lösungs-
alternativen produzieren, welche anschließend nach bestimmten Kriterien auf ihre
Brauchbarkeit und Wirtschaftlichkeit untersucht werden müssen. Bei diesem Selek-
tionsprozeß würde üblicherweise nur die für den betreffenden Fall günstigste Lösung
übrig bleiben, alle anderen müßten verworfen werden. Tatsächlich verwirft der
Konstrukteur bereits viele Lösungen in Gedanken, wenn sie bestimmten Kriterien,
wie z. B. ,,fertigbar" , "kostengünstig" u. a. nicht genügen und stellt sie erst gar nicht
dar, d. h. im Kopf des Konstrukteurs findet neben einem Syntheseprozcß ein ständiger
Selektionsprozeß statt. Einfache überschau bare Selektionsvorgänge werden bereits
in Gedanken abgehandelt, kompliziertere werden auf dem Reißbrett abgewickelt.
Manche Selektionskriterien treten so dominant in Erscheinung, daß diese oft fälsch-
licherweise als Konstruktionsregcln angesehen werden; tatsächlich sind dies aber
die Lösungsvielfalt einschränkende Bedingungen (Restriktionen). Aus diesen Restrik-
tionen lassen sich Richtlinien für das Konstruieren, insbesondere Gestalten ableiten
(s. Kap. 13.2). Bild 13.1.1 zeigt exemplarisch einige wichtige .Restriktionen. Restrik-
tionen schränken die Lösungsvielfalt ein und beschränken sie eventuell auf eine einzige,
optimale Lösung.
Die Lösungen eines erfahrenen und eines weniger erfahrenen Konstrukteurs unter-
scheiden sich im wesentlichen darin, daß diejenigen des erfahrenen Konstrukteurs
Restriktionsgerechtes Konstruieren 125

Bedingungen, Restriktionen
geringe Herstell·u. Betriebskost.

hoher Wirkungsgrad

geringe Geröuschemission

geringe Schadstoffemission chemische


~ Energie
hohe Lebensdauer

Ih_o_h_e_Z_u_v_e_rl_ö_s_s~ig:.k_e_i_t
L __ --II~
LIk_l_e_in_e_r_B_a_u_ra_u_m
____ ~I-----------
ILg_e_r_in_g::....e_s_E_i..:.g_e_n:::.ge_w_ic_h_t_~I---

I,.-Fert_igun_gsg_erech_t _II~
Montagegerecht

Prüfgerecht
./

I
/;/
j m"hOO;"h,l
Energie

Wartungsarm/Service- freund!.1

Recycling - gerecht

Ressourcen - gerecht

Bild 13.1.1. Restriktionen bei der Entwicklung technischer Produkte (Auszug)

mehr für den betreffenden Fall relevanten Restriktionen genügen. Oft ist dem Kon-
strukteur dieses Prüfen so selbstverständlich, daß er diese Tätigkeit bereits im Unter-
bewußtsein vollzieht. Manchmal versäumt er es, eine Lösung an einem wichtigen
Kriterium zu prüfen. Ist dieses eine vergessene Prüfkriterium von entscheidender
Bedeutung für die Wahl der einen oder anderen Lösung, so kann es so lange zu Fehl-
entwicklungen kommen, bis dieses Versehen bemerkt wird. Wenn man bedenkt, daß
die Zahl der von einem Konstrukteur zu berücksichtigenden Prüfkriterien sehr groß
ist, und diese meist nicht niedergeschrieben vorliegen, ist ein solches Versehen nicht
verwunderlich. Erfolg oder Mißerfolg eines Produktes hängen von der Bewertung
und Berücksichtigung wichtiger Restriktionen ab.
Ein zu entwickelndes technisches Produkt kann nicht losgelöst von dem "Umfeld"
betrachtet werden, in welchem es entsteht und für welches es bestimmt ist; die Fer-
tigungsstätte, der Markt und viele andere "Umfeldbereiche" haben Einfluß auf ein
126 Selektion von Lösungen

technisches Produkt und bestimmen dieses bis ins Detail. Die "Kunst des Konstruie-
rens" besteht im wesentlichen darin, alle für einen bestimmten Fall wesentlichen
Restriktionen zu erkennen und angemessen zu berücksichtigen. Um die Vielzahl der
möglichen an technische Produkte zu stellenden Restriktionen zu erfassen, ist es
hilfreich, von den möglichen Einflußbereichen auf die einzelnen Restriktionen zu
schließen.
Von welchen Einflußbereichen wird die Konstruktion eines technischen Systems
beeinflußt? Sicher ist der Markt, für den das technische Produkt gedacht ist, einer
der wesentlichen Einflußbereiche. So besteht ein Unterschied in der Ausführung
eines Produktes, je nachdem, ob es für den europäischen, den amerikanischen oder
für den Markt eines Entwicklungslandes gedacht ist. Der Markt hat zweierlei Ein-
flüsse auf die Entwicklung eines technischen Systems: Einerseits hat das Produkt
Bedingungen zu genügen, damit es vom "Markt aufgenommen" wird, andererseits
hängt die Ausführung eines Produktes stark von den dem Entwickler zur Verfügung
stehenden Rohstoffen, Halbzeugen, Maschinenelementen usw. der Zulieferfirmen
ab, d. h., daß zu entwickelnde Produkte auch sehr stark von dem betreffenden "Markt-
angebot" oder der Infrastruktur eines Marktes beeinflußt werden.
Da technische Produkte im allgemeinen keine in sich geschlossenen Systeme sind,
sondern immer mit anderen technischen oder biologischen Systemen zusammenwir-
ken müssen, folgen aus der damit gegebenen Systemzugehörigkeit weitere Bedingun-
gen, denen das zu entwickelnde System zu genügen hat.
Jedes technische System muß seine Funktion, wo auch immer - sei es auf der Erde
oder im Weltraum - in einer bestimmten Umwelt erfüllen. Aufgrund der möglichen
störenden Einwirkungen der Umwelt auf das technische System ergeben sich weitere
Bedingungen, denen es genügen muß, wenn es gegen Störungen der Umwelt unemp-
findlich sein soll. Demgegenüber kann auch das technische System störend bzw.
schädigend auf die Umwelt wirken, was ebenfalls zu vermeiden ist und zu weiteren
Bedingungen für das zu entwickelnde technische System führt.
Ein technisches System kann sich schließlich auch selbst stören, infolge von Neben-
bzw. Störeffekten, die vom eigentlich gewollten Effekt mit "angeregt" werden. Reso-
nanzerscheinungen, Eigenwiderstand, Eigenreibung sind Beispiele solcher unge-
wollter Eigenstörungen, die notwendigerweise Rückwirkungen auf die Entwicklung
eines Produktes haben müssen.
Ferner werden die für ein technisches System gewählten oder erforderlichen Her-
stell- und Transportverfahren weitere Bedingungen für seine Entwicklung liefern.
In manchen Fällen wirkt ein zu entwickelndes technisches System auch auf das Her-
stell- und Transportverfahren zurück oder bewirkt in einzelnen Fällen ein neues
Fertigungs- oder Transportverfahren.
Gesetze, Vorschriften und Empfehlungen beeinflussen ebenfalls die Entwicklung
technischer Systeme und sollen dementsprechend zu einem weiteren Einflußbereich
zusammengefaßt werden. Andererseits können neue technische Systeme Gesetze
und Vorschriften erforderlich machen.
Schließlich gilt es, bei der Entwicklung technischer Systeme, eine Reihe von Ent-
scheidungen zu treffen, die der Intuition des Konstrukteurs überlassen sind, weil für
sie keine oder keine genügend klaren rationalen Entscheidungskriterien bekannt
sind. Gemeint sind jene Parameterwerte einer Konstruktion, für deren Festlegung es
nicht nur eine, sondern mehrere gleichwertige Lösungsmöglichkeiten gibt, und bei
denen keine eindeutigen Gründe erkennbar sind, die für die eine oder andere Lösung
Restriktionsgerechtes Konstruieren 1~7

sprechen. Da diese Entscheidung dem Konstrukteur anheim gestellt ist, ist eine Kon-
struktion zu einem Teil auch Ausdruck des "Stils" eines Konstrukteurs, einer Abtei-
lung, einer Firma oder eines Landes. Beispiele hierzu sind "Nuancen" eines Produktes,
die diese typisch für eine bestimmte Person, eine bestimmte Firma oder ein Land er-
scheinen lassen. In Bild 13.1.2 sind alle diese Einflußbereiche nochmals zusammen-
fassend und übersichtlich dargestellt.

Bild 13.1.2. Herkunftsbereiche tech·


nischer Restriktionen

Restri/oiollel1fi"ir die J:'llflricklllll!J tee/mischer Systemc


Aus den verschiedenen genannten Einflußbereichen ergeben sich zahlreiche Restrik-
tionen für die Entwicklung eines technischen Produktes, die es im folgenden - unab-
hängig vom konkreten Fall -- möglichst umfassend darzustellen gilt. Die Zusammen-
stellung von Bedingungen soll für Maschinen, Geräte und Apparate gelten. Im kon-
kreten Fall müßten die relevanten Bedingungen aus diesen gewählt und unter Um-
ständen um spezielle Bedingungen ergänzt werden.

Mark tbedingungen
Viele wichtige Bedingungen für die Entwicklung eines technischen Produktes folgen
aus dem Bedürfnis und der Konkurrenzsituation des Marktes. So lassen sich besonders
die Daten für die AufgabensteIlung (Pflichtenheft, Spezifikation) eines technischen
Systems zum größten Teil aus den Gegebenheiten des Marktes ableiten. Vom Markt
ableitbare Bedingungen sind vor allem diejenigen, welche sowohl für den Kunden als
auch für den Entwickler des betreffenden Produktes wesentlich sind. Solche Be-
dingungen bzw. Daten einer Maschine. eines Apparates oder Gerätes sind beispiels-
weIse
Leistung,
Geschwindigkeit, Drehzahl, Frequenz bzw. Arbeitstakte pro Zeiteinheit, Ein-
schaltdauer,
Selektion von Lösungen

Kraft, Druck und Drehmoment,


Weg, Hub,
Wirkungsgrad,
- Energie-, Signal- und/oder Stoffdurchsatz pro Zeiteinheit,
Genauigkeit, Meßgenauigkeit und Reproduzierbarkeit,
Gewicht, Masse,
Baugröße, Abmessung,
Emission, Geräusch und Belastung der Umwelt,
Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit.
Lebensdauer,
- Sicherheit,
Wartungsbedingungen (Wartungsmittel, Wartungsabs1:and,
Wartungsdauer u. -ort),
Anwendungsbereich, Universalität,
Automatisierungsgrad, Komfort und Benutzerfreundlichkeit,
Sonderausführungen,
Baureihen,
Bauart (Baukastensystem (Modul-Bauweise), integrierte Bauweise),
- Stückzahlen,
Aussehen, Design,
- Herstell- und Betriebskosten, Preis,
- Zeitpunkt, Termine.
Systcm::lIyehöri!Jkeit
Technische Systeme sind in der Regel nicht in sich abgeschlossen, sondern müssen
notwendigerweise mit anderen Systemen zusammenwirken. Im allgemeinen hat des-
halb jedes technische System einen Ein- und Ausgang für Energie-, StotT- oder/und
Signaltlüsse. Diese Übergangsstellen zwischen zwei Systemen werden üblicherweise
als Schnittstellen bezeichnet. Eine Schnittstelle kann in der Praxis eine Flanschver-
bindung zwischen zwei Maschinen oder Maschinenbaugruppen, ein Steckeranschluß
bei elektrischen Geräten oder die Zuführeinrichtung (Zapfhahn -- Tanköffnung bei
Pkw's) einer stoffverarbeitenden Anlage sein. Im einzelnen kann man zwischen
Schnittstellen unter technischen Systemen und solchen zwischen technischen und
biologischen Systemen (Lebewesen) unterscheiden. Ergonomische Bedingungen sind
Schnittstellenbedingungen zwischen Mensch und Maschine.
Aus der Notwendigkeit, daß ein technisches System mit einem anderen technischen
oder biologischen System zusammenwirken muß, ergeben sich Bedingungen, die im
folgenden zu genaueren Kennzeichnung als "Schnittstellenbedingungen" bezeichnet
werden. Schnittstellenhedingungen können beispielsweise bei Maschinen, Geräten
und Apparaten sein:
..- bestimmte geometrische Strukturen-, Gestalt- und Abmessungsdaten von Flan-
schen, Steckern, Kupplungen und Trichtern für Energie-, Stoff- oder Signal-
anschlüsse,
Leistungsdaten wie Drehmoment, DrehzahL Stromstärke, Spannung, Frequenz
für Energie- oder Signaltlüsse sowie Stoffdurchsatz,
- Ergonomiedaten.
Werden solche Bedingungen bei einer Entwicklung übersehen, ist der wirtschaftliche
Schaden oft erheblich.
Restriktionsgerechtes Konstruieren 129

Umwelthedingunyen

Aufgrund des Betriebs eines technischen Systems in einem Umweltsystem sind im


allgemeinen Einwirkungen einerseits des Systems auf die Umwelt und andererseits
der Umwelt auf das System gegeben. Das zu entwickelnde technische System muß
mit diesen Einwirkungen fertig werden und gegen Störungen der Umwelt unempfind-
lich sein, andererseits darf das technische System die Umwelt nicht stören oder
schädigen. Entsprechend kann man zwischen Störungen des technischen Systems
durch die Umwelt und der Umwelt durch das technische System unterscheiden. Des
weiteren erscheint es zweckmäßig, Störungen nach ihrer Art - physikalisch, chemisch
oder biologisch - und Ursache zu gliedern.

Stiirunyen des technischen Systl'lI1S durch dil' Umwelt


Physikalische Störursachen der Umwelt auf ein technisches System können sein:
Kondenswasser, Seewasser, Hochwasser, Regen und Luftfeuchtigkeit,
- Staub- und Schmutzablagerungen,
Schnee und Eis,
- Feuer, Sturm, Blitzschlag, Hagel,
Luftdruck,
Erdbeben,
Strahlung, Licht, Wärme, Kälte und Elementarstrahlung,
elektrostatische Aufladung.
Chemische Ursachen:
chemische Zerstörungen wie Korrosion, Bildung von Oxydschichten und Lokal-
elementbildung infolge umgebender Luft, Luftfeuchtigkeit, Dämpfe oder in der
Luft vorhandene Schadstoffe.
Biologische Ursachen können gegeben sein durch
pflanzliche Absonderungen wie Blütenstaub, Sekrete, Laub, Wachstum,
- Lebewesen wie Bakterien, Termiten, Insekten und andere.
- Fehlverhalten von Personen.

Slörun!Jl'n da Unll\'e/1 durch technischl' Systeme

Technische Systeme können möglicherweise bei ihrem Betrieb, auch nach ihrer
Außerbetriebnahme bzw. Liquidation, die Umwelt beeinträchtigen. Diese Beein-
trüchtigungen oder Störungen können konkrete Gefahren für das Leben oder die
Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen oder zu Schädigungen anderer
technischer Systeme, von Gütern und Kunstwerken führen. Aufgabe von Entwick-
lungsbemühungen ist es auch, diese Gefahren zu verringern oder ganz zu vermeiden.
Physikalische Störursachen technischer Systeme können sein:
Uirmemission,
Strahlung, Licht, Wärme, Funkwellen und Elementarstrahlung,
mechanische Verletzungen durch technische Systeme wie Explosion, Splittern,
Schneiden, Quetschen, Klemmen, Schwingen, Vibrationen, Stoßen und Schlagen
(DI;-..r 31000 und 31001).
1-'0 Selektion von Lösungen

Chemische Störursachen können im oder außer Betrieb eines technischen Systems


anfallende schädliche Emissionsstoffe, wie Gase, Flüssigkeiten, radioaktive oder
andere Stoffe sein. Störungen der Umwelt durch ein technisches System können
auch durch den Entzug unschädlicher Stoffe entstehen. So z. B. durch Entzug von
Sauerstoff infolge von Verbrennungsvorgängen oder des Entzugs von Wasser aus
dem Boden bei Bauvorhaben etc.

Fcrtii!1II1YS1'CJjährcll und Transport

Wesentlichen Einfluß auf die Gestaltung technischer Systeme haben -- neben der
Funktion, dic es erfüllen, und dem Werkstoff, aus dem es hergestellt werden soll -- die
verschiedenen Fertigungs- und Montageverfahren. Bild 13.1.3 zeigt an einem ein-
fachen Beispiel den Einfluß des Fertigungsverfahrens auf die Gestalt eines Hebels
gleicher Struktur. Die Gestaltung eines Bauteils ist abhängig davon, ob das betref-
fende Teil durch
Gießen,
Schmieden,
Prügen.
Fließpressen,
Spritzen,
Tiefziehen,
Magnetumformung,
Schneiden,
Schweißen,
Ultraschall-Schweißen,
Blasen,
Explosionsumformung,
Extrudieren.
Sintern.
Zerspanen,

Gunteil Schweinteil

Löttei I sponend gefertigtes TE'il

span los gefertigtes Teil

Bild 13.1.3. Einfluß des Fertigungsverfahrens auf die (lestal! eines BaLltciles
Restriktionsgerechtes Konstruieren 131

Ultraschall- Bohren,
Elektro-Erodieren,
elektrochemisches Abtragen oder
kombinierte Herstellverfahren
hergestellt wird. Auch weitere Bearbeitungen wie
Galvanisieren,
- Härten und
- andere Nachbehandlungen insbesondere Schleifen
von Bauteilen haben Einfluß auf die Gestaltung.
Von Einfluß auf die Gestaltung von Bauteilen sind neben den Fertigungsverfahren
auch
Montage-,
Kontroll-,
Prüf- und
Handhabungsverfahren
von Bauteilen, vor allem auch, ob diese Verfahren
manuell,
- teilweise automatisch oder
- vollautomatisch
ausgeführt werden sollen.
In Kap. 13.2 sind für einige Fertigungsverfahren entsprechende Gestaltungsricht-
linien angegeben.
Da technische Produkte in der Regel nach ihrer Fertigstellung zu ihrem Einsatzort
bzw. zum Kunden transportiert werden müssen, ergeben sich aufgrund des notwen-
digen Transportes weitere Bedingungen für ein technisches System, welche bereits
bei der Entwicklung zu berücksichtigen sind. Infolge der Transportverfahren und
den damit verbundenen Transportkosten, ist eine Begrenzung der Abmessungen und
des Gewichtes eines zu transportierenden Systems notwendig. Per Eisenbahn, LKW
oder Schiff zu befahrende Tunnels, Unterführungen, Tordurchfahrten oder Brücken
sind zu berücksichtigen. Ferner können auf ein technisches System Beanspruchungen
während des Transportes infolge von
Lageänderungen,
Erschütterungen bzw. Stößen,
-- Klimaverhältnissen und
anderen Gegebenheiten
auftreten, die im Betrieb sonst nicht gegeben sind.

Eigenbeeinflussung , Eigenstörung
Ein technisches System kann nicht nur durch externe Einwirkungen in seiner Funk-
tionsfähigkeit gestört, sondern auch durch eigene, interne Ursachen in seinem ein-
wandfreien Funktionieren behindert werden. Die bekannten physikalischen Stör-
ursachen technischer Systeme können sein:
Reibung,
_.- Toleranzen und Abmessungsabweichungen,
Verschleiß,
Eigenschwingungen und Resonanzen,
-- Materialermüdung,
Alterung (Kunststoffe),
132 Selektion von Lösungen

Eigenerwärmung, Wärmedehnung und Wärmeleitung,


Eigenwiderstand, Eigeninduktivität und Eigenkapazität,
Eigenaufladung,
Eigenrauschen,
Eigengewicht und Eigenmasse.
Eigenvolumen.
Eigenspannung und zulässige Spannung.
Relaxation,
Aufnahme von Flüssigkeit und andcren Stoffen.
Chemische Störursachen mit der Folge von Eigenzersetzung können sein:
Lokalelementbildung.
aggressive Schmiermittel oder Abgase,
sonstige interne chemische Prozesse.

Geset~e lind Vorschriften


Gesetze. Vorschriften. Versicherungsbestimmungen, Normcn und Empfehlungen
können die Entwicklung technischer Systeme ebenfalls wesentlich beeinflussen. Bei
der Entwicklung neuer technischer Produkte ist es notwendig, bestehende oder zu
erwartende Gesetze und Vorschriften zu kennen und erforderlichenfalls zu berück-
sichtigen. Beispicle für solche Restriktionen des Gesetzgebers und anderer Institu-
tiemen sind die
maximal zulässigen Lärm- und Abgasemissionswerte für Maschinen. Kraftfahr-
zeuge, o. a.
Hubraumbesteuerung.
Abmessungs- und Gewichtsbeschränkung für bestimmte technische Systeme,
Sicherheits- und U nfallvorschriftcn.
- Bercchnungsvorschriften,
Ba u vorschri ften,
- Normen. Standards und andere Vorschriften.
Im allgemcincn becinflussen und erschweren Restriktionen dic Entwicklung und
Lösung technischer Aufgaben. In der Praxis ist bei der Entwicklung immer eine große
Zahl von Restriktionen zu berücksichtigen. die oft konträre Maßnahmen verlangen.
Die,. Kunst des Konstruierens" besteht im besonderen darin, geeignete Maßnahmen
zur Berücksichtigung der einzelnen Restriktionen zu finden, die Bedeutung der ein-
zelncn Restriktionen richtig zu bewerten und die Maßnahmen so zu ,.dosieren".
daß eine der Bcdeutung der Restriktion entsprechende optimale Kompromißlösung
entstcht. Beispielsweise bedingt die Forderung nach kostengünstiger Fertigung eines
Produktes große Toleranzen: dieser Forderung stchen aber möglichst engc Toleran-
zen im Hinblick auf eine präzise Funktionserfüllung, große Zuverlässigkeit und lange
Lebensdauer entgegen.
Zur Berücksichtigung jedcr Restriktion gibt es im allgemeinen eine oder mchrere
Maßnahmen. Ausgearbeitet und als Empfehlungen dargestellt. werden diese Maß-
nahmcn fälschlicherweise oft als "Konstruktionsregeln" bezeichnet. Da diese "Re-
geln" aber in Wirklichkeit nicht der Suche nach allen theoretisch denkbaren Lö-
sungen dienen, sondern diese Vielfalt einschränken, sollen sic nicht als Regeln, sondern
als Konstruktionsrichtlinien oder Konstruktionsempfehlungen bezeichnet werden:
Empfehlungen deshalb. weil sie berücksichtigt werden können. aber nicht in jedem
Fall berücksichtigt werden müssen. Die Zahl dieser Richtlinien oder Empfehlungen
Restriktionsgerechtes Konstruieren 133

ist sehr groß, und es gibt zahlreiche Literatur hierzu (z. B. über gieß-, schweiß-,
korrosions- und fertigungsgerechtes Konstruieren) [16, 111, 124]. Für die verschie-
denen Einflußbereiche und Bedingungen ist es zum Teil sehr schwierig, allgemein-
gültige Abhilfemaßnahmen bzw. Richtlinien anzugeben. Am besten kann man dies
noch für jene Bedingungen, welche aus den verschiedenen Herstellverfahren herrüh-
ren, weil diese genügend genau bekannt sind und sich nicht oder nur über sehr lange
Zeitabschnitte ändern. Hingegen ist es sehr viel schwieriger, für Bedingungen des
Marktes allgemeingültige Konstruktionsmaßnahmen anzugeben, da sich Markt-
bedingungen relativ rasch ändern können und meist sehr produktspezifisch sind.
Auch aus Umfangsgründen wäre es nicht möglich, alle Abhilfemaßnahmen für diese
Bedingungen hier darzustellen. Die folgende nähere Betrachtung von Restriktionen
ist deshalb auf einige wenige wichtige beschränkt.

13.2 GestaltungsrichtIinien
Die in Kap. 12 genannten Gestaltungsregeln sind grundsätzlich geeignet, jede belie-
bige Gestalt eines Bauteiles oder einer Baugruppe zu erzeugen. In der Praxis braucht
man jedoch nicht ein Bauteil irgend einer Gestalt, sondern ein für eine bestimmte Auf-
gabe günstiges (optimales) Bauteil. Dieses ist in erster Linie eine Funktion der tech-
nischen Aufgabe bzw. des Zweckes des betreffenden Bauteiles, ferner eine Funktion
des Werkstoffes, der zu dessen Herstellung erforderlich ist und eine Folge des Fer-
tigungs- und Montageverfahrens. Dazu kommen möglicherweise noch Bedingungen
aufgrund einer Systemzugehörigkeit, der Umwelt, Bedingungen der Vermeidung von
Eigenstörungen, des Aussehens (Design), Normvorschriften, Gesetze und sonstige.
In erster Linie ist ein Bauteil eine Folge der von ihm zu erfüllenden technischen Auf-
gabe bzw. des Zweckes, sowie eine Folge des zu seiner Herstellung und Montage
notwendigen Fertigungs- und Montageverfahrens. Zu den genannten Bedingungen
kommen in der Praxis schließlich noch wirtschaftliche Restriktionen hinzu. Ein
Bauteil ist dann optimal, wenn es eine bestimmte technische Aufgabe (Zweck)
hinreichend erfüllt und mit einem Minimum an Werkstoff-, Fertigungs-, Montage-,
Transport- und Betriebskosten hergestellt, transportiert und betrieben werden
kann. Aufgabe- bzw. funktions-, fertigungs- und montagegerechtes Konstruieren
bedeutet demnach, Gestalt- und Werkstoffdaten eines technischen Gebildes so fest-
zulegen, daß es seine technische Aufgabe hinreichend erfüllt und mit einem Mini-
mum an Kostenaufwand hergestellt werden kann. Die Aufgabe oder der Zweck eines
Bauteiles bedingen einen bestimmten Werkstoff (Effektträger) für das betreffende
Bauteil. Die Aufgabe (Zweck oder Funktion) eines Bauteiles (oder einer Baugruppe)
legen auch bereits einen wesentlichen Teil der Gestaltparameter eines Bauteiles fest.
Die übrigen Gestaltparameter eines Bauteiles sind abhängig von dem Werkstoff, aus
dem es gefertigt wird, von dem Fertigungs- und Montageverfahren, von seiner System-
zugehörigkeit, den Umweltbedingungen, von Bedingungen zur Vermeidung von
Eigenstörungen, des Transports, des Aussehens, Vorschriften (Gesetze) und even-
tuell weiteren Bedingungen. Faßt man zusammen, so läßt sich festhalten :
Die Gestalt eines Bauteiles ist eine Funktion
- des Zweckes,
des Werkstoffes.
des Fertigungs- und Montageverfahrens.
der Systemzugehörigkeit,
134 Selektion von Lösungen

der Umwelt,
der Neigungen zu Eigenstörungen,
von bestehenden Vorschriften (Gesetzen),
~ von Bedingungen des Aussehens (Design),
~ der zulässigen Kosten u. a. Bedingungen.
Unter der Aufgabe, "ein Bauteil richtig zu gestalten", verbirgt sich im einzelnen
ein
der Funktion des Bauteiles,
der Leistung,
der Beanspruchung,
der Lebensdauer
und anderen, aus der Aufgabe des Bauteiles folgenden Bedingungen entsprechendes
Gestalten.
Bei beanspruchungsgerechtem Gestalten ist weiter zwischen physikalischen
und chemischen, dynamischen und statischen u. a. Beanspruchungen eines Bau-
teiles zu unterscheiden. Unter lebensdauergerechtem Gestalten sind im einzelnen
Gestaltungsrichtlinien zur Reduzierung der Gefahr von Ermüdungsbrüchen, zur
Verringerung des Verschleißes, zur Kompensation von Kriech- und Relaxations-
erscheinungen bei Bauteilen (u. a.) zu verstehen usw. Entsprechend diesen Aus-
führungen ergibt sich eine Ordnung der Gestaltungsrichtlinien nach Aufgabe bzw.
Zweck eines Bauteiles, nach Art des Werkstoffes (z. B. kunststoffgerechtes Gestalten),
des Fertigungsverfahrens, des Montageverfahrens, der Systemzugehörigkeit, Umwelt,
Eigenstörung und sonstigen. In Bild 13.2.1 sind diese übersichtlich zusammengefaßt
und zum besseren Verständnis zu den einzelnen Oberbegriffen exemplarisch noch
einige Begriffe genannt, wie leistungsgerecht, beanspruchungsgerecht usw., die unter

Aufgabe Fertigung System-


Werkstoff Umwelt Eigenstörung Sonstige
Zweck Montage zugehörigkeit
Funktion Werkstoff - Gießen Ergonomie Temperatur Reibung Gesetze
Leistung eigenschaften Schmieden Schnittstellen Luftfeuchtigkeit Vibrationen Sicherheit
Beanspruchung u. a. Schweißen u.a. Lörmemission Erwärmung Normen
Lebensdauer Spanend u. a. u. a. Transport
Ermüdung Spanlos Design
Gewicht Roboter u. a.
Abmessung u. a.
u. a.

Bild 13.2.1. Gliederung der Konstruktionsrichtlinien


Restriktionsgerechtes Konstruieren 135

den jeweiligen Oberbegriffen zu verstehen sind. Allen diesen technischen Forderungen


ist noch die wirtschaftliche Forderung nach möglichst geringen Herstellkosten, über-
lagert. Ursache aller Richtlinien ist das Bestreben, Bauteile oder Baugruppen so zu
gestalten, daß diese über einen gewünschten Zeitraum (Lebensdauer) ausreichend
funktionsfahig sind und mit einem möglichst geringen Aufwand hergestellt werden
können. Alle diese "Ge rechts" dienen letztendlich dazu, die Qualität (Zuverlässigkeit
und Lebensdauer) eines technischen Gebildes zu erhöhen und bzw. oder die Herstell-
kosten zu senken. Für den Vergleich zweier in Qualität und Kosten unterschiedlicher
Lösungsalternativen ist es zweckmäßig, den "Nutzwert" bzw. den Quotienten von
Qualität und Kosten zu bilden. Das heißt, ein technisches Gebilde hat dann einen
höheren wirtschaftlichen Nutzwert, wenn es bei sonst gleichen Eigenschaften und bei
gleichbleibender Qualität gelingt, die Herstellkosten zu senken, oder bei gleichblei-
benden Herstellkosten die Qualität zu verbessern.
Unter fertigungsgerechtem Gestalten ist das ein bestimmtes Fertigungsverfahren
berücksichtigende Gestalten eines Bauteiles zu verstehen, wie z. B. das gieß-, schweiß-,
oder bohrgerechte Gestalten. Bild 13.1.3 zeigt exemplarisch den Einfluß des Ferti-
gungsverfahrens auf die Gestalt eines Bauteiles gleichen Zweckes.
Woraus folgen nun diese Bedingungen des fertigungsgerechten Gestaltens? Jedes
Fertigungsverfahren, gleich ob manuell oder maschinell, kann bestimmte Gestalt-
details nicht, nur sehr aufwendig oder unter Verlust an Qualität erzeugen, andere
Details hingegen mühelos und mit guter Qualität. Aus diesem Grunde ist es für den
Konstrukteur wichtig "Schwächen" und "Stärken" eines Fertigungsverfahrens zu
kennen, um bestimmte Gestaltdetails bei der Entwicklung von Bauteilen nach Mög-
lichkeit zu vermeiden und andere anzustreben.

13.2.1 Gießgerechtes Gestalten


Das Optimierungsziel jedes Gestaltungsprozesses eines Bauteiles oder anderen tech-
nischen Gebildes ist es, dessen Qualität genügend hoch und dessen Herstellkosten
so gering wie möglich zu halten. Mit der Entwicklung von Gestaltungsrichtlinien soH
ein Hilfsmittel geschaffen werden, das die Erreichung dieses Zieles erleichtert. Für
durch Gießen oder mittels eines anderen Fertigungsverfahrens herzustellende Bau-
teile bedeutet dies,
Bauteile so zu gestalten, daß sie durch das betreffende Fertigungsverfahren mög-
lichst problemlos hergesteHt werden können (qualitätssicherndes Gestalten)
bzw., diese so zu gestalten, daß die Ausschußquote so klein wie möglich wird.
Bauteile so zu gestalten, daß diese mit einem möglichst geringen Kostenaufwand
hergestellt werden können.
Beide Ziele sind in der Praxis eng miteinander verbunden und lassen sich häufig
nicht getrennt behandeln. Um eine Antwort auf die Frage, was ist problemlos und
billig herstellbar?, zu finden, muß man das betreffende Fertigungsverfahren und
dessen Eigenschaften näher betrachten, um insbesondere "Schwächen" des Ver-
fahrens zu erkennen und diese durch entsprechendes Gestalten der Bauteile zu kom-
pensieren. Solche Schwierigkeiten bei Teilprozessen des Gießverfahrens sind z. B.
das Herstellen einer Sandgußform, insbesondere das Entnehmen des Modells
und des späteren Gußstückes aus der Sand- oder Metallform. Das Holzmodell
oder Gußstück aus der Form störungsfrei zu entnehmen wird erst dadurch er-
möglicht, daß man am Gußstück, und damit an der Form, geeignete Schrägen
vorsieht,
136 Selektion von Lösungen

das Fließen des heißen Metalls oder Kunststoffes in der Gießform. Für; ein strö-
mungsgünstiges Fließen und zur Schonung der Gießform ist es erforderlich,
scharfe zu um strömende Kanten an der Gießform zu vermeiden und Gußradien
vorzusehen. Ferner sind in der Gießform an erforderlicher Stelle Luftabström-
öffnungen vorzusehen, um Lufteinschlüsse zu vermeiden (u. a.),
das Abkühlen und Schrumpfen von Werkstücken. Für ein gleichmäßiges, mög-
lichst spannungsfreies Abkühlen und Schrumpfen von Gußstücken sind entspre-
chend gleichmäßig dicke Wanddicken und Querschnitte anzustreben; schroffe
Übergänge von dünnen zu dicken Querschnitten sind zu vermeiden und durch
allmähliche Übergänge zu ersetzen,
auch die dem Gießprozeß nachfolgenden Fertigungs- oder Montageprozesse
sind zu berücksichtigen, um die Kosten des gesamten Fertigungsprozesses zu
minimieren. So können z. B. Bohrungen bereits vorgegossen werden. Für spätere
Bohrvorgänge sind beim Gießen Bohreran- und -auslauff1ächen an Gußstücken
rechtwinklig zur Bohrerachse anzuordnen. um ein Verlaufen des Bohrers beim
Anbohren bzw. ein Brechen des Bohrers beim Auslaufen zu verhindern.
Diese wenigen Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, daß die Richtlinien des
fertigungsgerechten Gestaltens aus den Eigenschaften der jeweiligen Fertigungs-
verfahren folgen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit lassen sich somit aus den
einzelnen Teilprozessen des Fertigungsverfahrens und deren Eigenheiten folgende
Richtlinien zur Erreichung guter Werkstückqualität und Reduzierung der Herstell-
kosten angeben:

a) Fliejil'oryanl}
I) Die AngußsteIle ist an der Gußform an Stellen relativ großer Werkstückquer-
schnitte so vorzusehen, daß das einströmende flüssige Metall die Form selbst
nicht zerstört s. Bild 13.2.2, Zeile Nr. 1. 1
2) Die Gußform ist so mit Luftkanälen zu versehen, daß die Luft aus der Gußform
ungehindert entweichen kann. Die Gußform ist so mit Speiser zu versehen, daß
an Stellen großer Materialanhäufung Material beim Abkühlvorgang aus dem
Speiser nachfließen kann - s. Bild 13.2.2, Zeile Nr. 2.
3) Größere, beim Gießen waagerecht liegende Flächen sind wegen der Gefahr der
Luftblasenbildung zu vermeiden - s. Bild 13.2.2, Zeile Nr. 3.
4) Scharfe Körperkanten sind wegen der Gefahr des "Auswaschens" beim Um-
strömen und wegen der möglichen späteren ungünstigeren Festigkeitscigen-
schaften zu vermeiden; scharfe Kanten sind nach Möglichkeit abzurunden
- s. Bild 13.2.2, Zeile Nr. 4.

b) Entnahme der Modelle aus der ,",'andform oder der Werkstücke aus der GuJ!fimn
5) Zur problemlosen, zerstörungsfreien Entnahme von Modellen aus der Sandform
oder der Werkstücke aus der Metallgußform sind die Flüchen von Gußwerk-
stücken nicht parallel, sondern keilförmig (konisch) zu gestalten - Gußschrägen
vorsehen! - s. Bild 13.2.2, Zeile Nr. 5.

Einzelne Bilder der Richtlinien - Bild 13.2.2 bis 13.2.9 und 13.2.14 bis 13.2.20 - sind unter Be-
rücksichtigung der Vorarbeiten [16. 86, Ili, i22. i24. 1291 zusammengestellt
Restriktionsgerechtes Konstruieren 137

Be isp iele
Richtlinien
ungünst ig günstig
flleSSvOrgang

1. Anguss und Ste i ger vor-


sehen; Anguss an Stelle
grosser WerkstUckQuer-
schnl tte legen; Quer-
schnittminderung zun An-
gUSS hin vermelden und
fUr ausreichende Zufluss-
Querschnl tte Im Inneren
sorgen.

2. Gussform so gestal ten,


dass Luft ungehindert
entwe I ehen kann;
Luftsack-Bildung ver-
meiden. Gasentwicklung
In Kernen beachten.

3. GrOssere, beim Glessen


waagerecht liegende
flachen vermelden

~. SCharfe KOrperkanten
nach MögliChkeit ver-
meiden; - Abrundungen
vorsehen ((.ussr~dlen!)

5. Guss-Schragen vorsehen

Bild 13.2.2. Richtlinien zum gießgerechten Gestalten mit Beispielen


138 Selektion von Lösungen

c) Abkühl- und Schrumpfl'oryan?J

6) Um Wärmespannungen und Risse zu vermeiden, sind Materialanhäufungen in


Gußwerkstücken zu vermeiden. Anzustreben sind gleichmäßig dicke Wand-
stärken - s. Bild 13.2.3, Zeile Nr. I.
7) Schroffe Wanddickenübergänge sind zu vermeiden. Anzustreben sind allmäh-
liche Wanddickenübergänge - s. Bild 13.2.3, Zeile Nr. 2.
8) Um ungleichmäßige Abkühlung am Rande dünner Gußstücke zu vermeiden,
sind dünnwandige Gußstücke vorteilhaft mit Randverstärkungen zu versehen;
.- s. Bild 13.2.3, Zeile Nr. 3.
9) Schwindungsbehinderte Zonen sind nach Möglichkeit zu vermeiden oder
falls unverzichtbar - zu verstärken, um Risse oder Brüche zu vermeiden
- s. Bild 13.2.3, Zeile Nr. 4.
10) Mögliche Schrumpfspannungen zwischen zwei Werkstückzonen können durch
Gestalten nachgiebiger Zwischenzonen reduziert werden - s. Bild 13.2.3,
Zeile N. 5.

d) Einfacher Modell- und Gußformbau, Qualitätssicherung

11) Geometrisch einfache Formen lassen sich kostengünstiger und mit höherer
Qualität herstellen, bequemer prüfen und bemaßen - s. Bild 13.2.4, Zeile Nr. I.
12) Schwierig herstell bare Werkstückformen lassen sich durch Partial bau weise ein-
facher herstellen. Nachteil: Kostenaufwand für die Verbindungen der einzelnen
Teile zum Gesamtteil - s. Bild 13.2.4, Zeile Nr. 2.
13) Die Zahl der "Gießkerne" zu reduzieren oder besser ganz zu vermeiden, erhöht
die Maßhaltigkeit (Qualität) der Gußwerkstücke und reduziert die Herstell-
kosten - s. Bild 13.2.4, Zeile Nr. 3.
14) Seitenzüge bei Gießwerkzeugen zu reduzieren oder ganz zu vermeiden, steigert
die Qualität der Werkstücke und senkt die Werkzeug- und Fertigungskosten;
- s. Bild 13.2.5, Zeile Nr. 4.
15) Kerne nicht nur einseitig, sondern mehrseitig stützen, steigert die Maßhaltigkeit
der Werkstücke und reduziert die Ausschußquote - s. Bild 13.2.5, Zeile Nr. 5.
16) Gußformen in einer - nicht in mehreren - Ebenen zu teilen, und/oder die ganze
Gußform in eine Werkzeughälfte zu verlegen, verbessert die Qualität des Werk-
stückes ohne zusätzlichen Kostenaufwand - s. Bild 13.2.5, Zeile Nr. 6.

e) Kostenreduzierung

17) Die Wanddicke bei Werkstücken so gering wie möglich gewählt wird -- s. Bild
13.2.6, Zeile Nr. I.
18) Bei der Gestaltung von Gußwerkstücken ist Material in erster Linie dort anzu-
ordnen, wo es aus Festigkeits- oder anderen Gründen gebraucht wird; Leicht-
bauweise anstreben - s. Bild 13.2.6, Zeile Nr. 2.
19) Abmessungen an Werkstücken so weit wie möglich standardisieren und gleich
machen, um die Zahl der notwendigen Werkzeuge (Fräser u. a.), Prüflehren etc.
zu reduzieren _. s. Bild 13.2.6, Zeile Nr. 3.
Restriktionsgerechtes Konstruieren 139

Be ispiele
Richtl inien
ungünst ig günstig

AbkUhl en-Sch nJOOf en

1. Gle l chmllsSlge WanddIcken


anst reben; Materla l an-
Mu f ungen verme l den .

..!!.~.!...
b 4

2. I<elne schrof f en, sondern - .0


wenn nötig - al lmahl l che
Wandd IckenUbergMge

3. Randverst1!rkungen bel
dUnnwandlgen Guss-StUcken
vorsehen (ungle I che Ab-
kUh I ung am Rand)

Schw IndungsbehInderte Ge-


~ ~
=V:ntorm
~.
sta I tzonen vers tllrken
'$==W'
. '

5. SChrumpfspannungen durch
nachg i ebIge qeometrtsche
Formen reduz I e ren

Bild 13.2.3. Richtlinien zum gießgerechten Gestalten mit Beispielen


140 Selektion von Lösungen

Beispiele
Richtlinien
ungünstig günstig

EInfache werkzeuge/Qual l ms-


verbesserung

1. Einfache Formen bevor-


zugen

2. Kompl i zierte Formen In


zwei oder mehrere Bau-
teII e zerl egen

3. Zahl der Kerne reduzieren


oder ganz vermelden;
Hlnterschn l tt verme lden

Bild 13.2.4. Richtlinien zum gießgerechten Gestalten mit Beispielen


Restriktionsgerechtes Konstruieren 141

Beispiele
Richtlinien
ungünstig günstig

4. Zahl der SeltenZUge


rf?t p
reduzieren oder ganz ver-
meiden

~~lzf* ~~'7lzf*

~~} -rtf
I
i ,.,.,
5. Kerne beidseit i g stUtzen
I
~ I .,."
"" i

"-~
6. Gussform In ~ Ebene , ,
teilen und grOssten Werk-
stockque r sehn I t t In Tell- ~ -$ ü1E :jJ- ~
ebene legen {« ~ ~
~

Bild 13.2.5. Richtlinien zum gießgerechten Gestalten mit Beispielen


142 Selektion von Lösungen

Be ispie le
Richtlinien
ungünst ig günstig

e
.E.
Kostenreduz I eru09 4

3
1. Handdicke so ge r ing wie D'
mög l iCh

I
,
0
5
10 2 2 ) 456 789103 2 ) 4 567 101011
Grölltw Abm"5$Un

2 . GussgewIcht durch "Leicht -


bauweiSe" reduzieren ,
d. h. Materi al dort, wo
aus Festtgkel tsgrUnden
nötig; Ri Ppen , Doppe l -
wande, Kas tenpro f II e
etc.
Mater ial e i nspa rung durch
Ausnehmungen t LOcller> 1m
Gusstell

3. vereinhel tllchung der Ab-


rundungs r ad I en, Sch r a-
gungSw l nke l u. a. Ab-
messungen

Bild 13.2.6. Richtlinien zum gießgerechten Gestalten mit Beispielen


Restriktionsgerechtes Konstruieren 143

f) Nach[olgeprozesse berücksichtigen

20) Zum späteren Entfernen der Speiser- und Angußputzen ist es günstig, diese so
am Werkstück anzuordnen, daß sie einfach entfernt werden können - s.
Bild 13.2.7, Zeile Nr. 1.
21) Die Kernhohlräume sind mit möglichst großen Öffnungen zu versehen, damit die
Kerne solide abgestützt sind und der Kernsand später bequem entfernt werden
kann - s. Bild 13.2.7, Zeile Nr. 2.
22) Später zu bearbeitende Flächen hebt man zur Ersparnis von Bearbeitungsauf-
wand besser von der übrigen Fläche ab und legt sie möglichst in eine Ebene -- s.
Bild 13.2.7, Zeile Nr. 3.
23) Später zu bearbeitende Fiächen eines Gußstückes sind mit Bearbeitungszugaben
zu verstehen - s. Bild 13.2.7, Zeile Nr. 4.
24) Später zu bearbeitende Flächen eines Gußwerkstückes sind entsprechend bohr-,
fräs- oder montagegerecht (usw.) anzulegen; - s. Bild 13.2.8, Zeile Nr. 5.
25) An geometrisch komplizierten Werkstücken sind u. U. eigene Flächen zum
Positionieren und Spannen des Werkstückes vorzusehen, die, wenn sie nicht
mehr benötigt werden, entfernt werden - s. Bild 13.2.8, Zeile Nr. 6.

13.2.2 Bohrgerechtes Gestalten


Sind Werkflächen an Bauteilen durch Bohren herzustellen, so sind aufgrund der
Eigenschaften dieses Fertigungsverfahrens folgende Richtlinien zu beachten:

Die Bohreran- und -auslauffläche sollte wegen des Verlaufens bzw. der Bruchgefahr
des Bohrers nach Möglichkeit stets senkrecht zur Bohrerachse angeordnet sein-
s. Bild 13.2.9, Zeile Nr. 1.
- Sacklochbohrungen sollten nach Möglichkeit eine kegelige, der Bohrerspitze
entsprechende Grundfläche haben dürfen, - plane Sacklochgrundflächen sind
zu vermeiden.
Bei Gewindesacklochbohrungen ist ein Reservevolumen für den Auslauf des
Gewindebohrers und die Späne des Gewindeschneidvorganges vorzusehen;
Gewindesacklöcher sind nach Möglichkeit zu vermeiden und durch Durchgangs-
löcher zu ersetzen .. - s. Bild 13.2.9, Zeile Nr. 2.
Bohrungen in gegenüberliegenden Wänden etc. sind nach Möglichkeit fluchtend,
durchgehend und mit gleichem Durchmesser zu gestalten; s. Bild 13.2.9, Zeile Nr. 3.
Gewinde können gleichzeitig von einer Seite aus geschnitten werden, wenn man
die Gewindedurchmesser abstuft und gleiche Gewindesteigerungen vorsieht -
s. Bild 13.2.9, Zeile Nr. 4.

13.2.3 Montagegerechtes Gestalten

Bei der Konstruktion von Bauteilen und Baugruppen ist neben vielen anderen Be-
dingungen auch darauf zu achten, daß diese überhaupt und mit möglichst geringem
Zeitaufwand montierbar sind.
Bei der Entwicklung von Richtlinien für das montagegerechte Gestalten muß man
zwischen manueller Montage, Montage mit Automaten und Montage mittels Robo-
tern unterscheiden.
144 Selektion von Lösu ngen

Beispiele
Richtlinien
ungünstig gü nstig

-w-
r-l r -, r-l
Nacllfol Deprozesse " \ , I,
1. Gute Zugang I tchkel t zum
En t fernen der Anguss- und
Spelserputzen

2 , Hohl r91.f11e ml t genugend


grossen Offnungen ver-
sehen , daml t ~erne leicht
en tfernt und so l ide abge-
stUtzt werden können

3. Zu bearbe l tende Flachen


von unzubearbe 1tenden
Flachen abheben und Be-
arbel tungsf lachen
mög li chst In eine Ebene
legen

4. Bearbe I tungszugaben vor-


sehen

Bild 13.2.7. Richtlinien zum gießgerechten Gestalten mit Beispielen


Restriktionsgerechtes Konstruieren 145

Beispiele
Richtlinien
ungünstig günstig

5. Zu bearbeitende Flachen
entsprechend spateren
Bearbe I tungsverfahren
bOhr- , fras-, sChle lf - ,
montagegerecht usw. ge-
stalten

6. Spann- und Posltlonler-


flachen fUr sicheres ,
verformungsfreies Be-
festigen zur we l terver-
arbe l tung vorsehen

Bild 13.2.8. Richtlinien zum gießgerechten Gestalten mit Beispielen


146 Selektion von Lösungen

Beispiele
Richtlinien
ungünstig günstig

1. Vorsehen von senkrecht zur


Bohrerachse stehenden Ansa t z-
und Auslauff l ächen
I Jf

2. verIreIden von Sacklöchern;


wenn Sack I (jche r Mt Ig, nur
ml t Bohrspltze zulassen

3. Ans t reben durchgehender


Bohrungen gle i chen DurCh-
Iressers

~. Bel GewInden ungleiche


nu rchlresser, GewInde kann
bel gl eicher Ste i gung
gl eichzeitig her'lestell t
werden .

Bild 13.2.9. Richtlinien zum bohr- und gewindeschneidgerechten Gestalten mit Beispielen
Restriktionsgerechtes Konstruieren 147

Da Montageautomaten und Roboter an die montagegerechte Gestaltung üblicher-


weise höhere Forderungen stellen als eine manuelle Montage, andererseits Monteur
und Montageroboter sehr ähnliche "Schwachstellen" haben, kann man die folgenden
Betrachtungen für die drei genannten Montagearten gemeinsam durchführen. Wie
die Beispiele später zeigen, sind Gestaltmaßnahmen, welche für Automaten vorteil-
haft sind, üblicherweise auch für eine manuelle Montage von Vorteil.
Um die Frage, was "montagegerechtes, insbesondere robotermontagegerechtes
Gestalten" ist, zu beantworten, muß man zunächst festlegen, welche Tätigkeiten
unter dem Begriff "Montage" zu verstehen sind. Die Montagetätigkeiten sind gegen
vorhergehende und nachfolgende Tätigkeiten abzugrenzen. Im folgenden sollen unter
einem Montageprozeß alle jene Tätigkeiten verstanden werden, die notwendig sind,
um ein Bauteil 1 eines bestimmten Ordnungszustandes an einem Ort A aufzunehmen,
zu einem Bauteil 2 nach Ort B zu bringen und Bauteil 1 und 2 zu fügen. Ein Montage-
prozeß kann demnach aus folgenden unterschiedlichen Tätigkeiten bestehen, und
zwar dem
Feststellen der örtlichen und räumlichen Lage bei der miteinander zu verbindender
Bauteile 2 ,
Ordnen und Positionieren der zu montierenden Bauteile2 ,
Aufnehmen bzw. Greifen eines Bauteiles 1 an einem bestimmten Ort A,
Transportieren des Bauteiles 1 zum Bauteil 2 (von A nach B) unter Beibehaltung
der einmal erreichten Ordnung des Bauteiles,
Positionieren der beiden Bauteile zueinander und
Verbinden (Fügen) des Bauteiles I mit Bauteil 2.
Von wesentlicher Bedeutung für die Automatisierung eines Montageprozesses ist,
"wie gut geordnet" die Bauteile vorliegen: ob völlig ungeordnet (a), bezüglich einer
oder mehrerer (max. 5) Freiheitsgrade geordnet (b), vollkommen geordnet (in 3 Trans-
lations- und 3 Rotationsrichtungen) (c) oder vollkommen geordnet und zum automa-
tischen Nachrücken mit potentieller oder einer anderen Energieart ausgerüstet
(d) - s. Bild 13.2.10.
Ebenso wichtig ist ferner auch die Ordnung des Bauteiles 2, d. h. : ob dieses bei einem
Montagevorgang irgendwo in einer Ebene oder im Raum stehen kann, oder aber zu
MontageLwecken immer exakt an einem bestimmten Ort positioniert ist. Die Auto-
matisierung ~ines Montagevorganges beginnt mit der Klärung der Randbedingungen,
"wie gut geordnet Bauteile einem Montage-Roboter zur Verfügung gestellt werden
können". Aus wirtschaftlichen Gründen ist es vorteilhaft, wenn man Bauteile bereits
geordnet in den Montageprozeß einbringt. Zwar gibt es heute bereits Industrie-
Roboter mit einfachen "Sehorganen", d. h. mit optoelektronischen u. a. Sensoren, die
den "Griff in die Kiste" (s. Bild 13.2.10 a) bereits ermöglichen, doch sind derartige
Roboter noch relativ langsam und kostenaufwendig. Aus wirtschaftlichen Gründen
ist es deshalb in der Regel auch in Zukunft zweckmäßig, einem Montage-Roboter
bereits geordnete Bauteile anzubieten.
Hierzu ist es meist sehr viel wirtschaftlicher, die Ordnung von Werkstücken und
Bauteilen beim Durchlaufen durch die verschiedenen Fertigungsmaschinen stets

2 Die beiden erstgenannten Operationen können entfallen, wenn bereits geordnete und positionierte
Bauteile zur Montage vorliegen, oder wenn in Zukunft sensitive Roboter kostengünstig zur Ver-
fügung stehen.
14~ Selektion von Lösungen

a ungeordnet b teilweise geordr et

vollkommen geordnet
c vollkommen geordnet d + potentielle
Energie

Bild 13.2.10. Verschiedene Ordnungsgrade von Bauteilen ; a = ungeordnet. b = teilweise geordnet.


e = vollkommen geordnet. d = vollkommen geordnet plus potentielle Energie

aufrecht zu erhalten. als sie nach jedem Arbeitsprozeß verfallen zu lassen. um sie
anschließend wieder aufwendig herstellen zu müssen. Die Operation "Ordnen" kann
dann entfallen und die Fähigkeiten und Kosten von Robotern können wesentlich
geringer sein. Handelt es sich hingegen um kleine Bauteile. deren Ordnung schwer
aufrecht erhalten w~rden kann. wie es bei Schrauben. Nieten etc. häufig der Fall ist.
so kann man die Operation .,Ordnen" von jener des .,Montierens von Bauteilen"
trennen und für erstere technische Einrichtungen benutzen. wie Schwingsortier- und
Magaziniereinrichtungen. Die Robotertätigkeit beschränkt sich dann auf das Auf-
nehmen (Greifen) bereits geordnet vorliegender Bauteile am Ort A, das Hinbringen
dieser Bauteile zu einem ebenfalls bereits geordnet vorliegenden Bauteil am Ort B
sowie das Positionieren und Fügen beider Bauteile miteinander. Die Ordnung von
Bauteilen, welche durch spanlose Fertigungsverfahren hergestellt werden, kann man
auch dadurch kostengünstig halten, daß man diese im "Stanzstreifen" hängen läßt,
um sie erst zu oder nach deren Montage ganz vom Stanzstreifen zu trennen.

Ei?JCl1schaficll 1"0/1 Rohotcrn

Roboter werden heute bereits für die vielfältigsten Montage- und Fügearbeiten einge-
setzt, so z. B. in der Automobilindustrie zur Montage von Karosserien und anderen
Baugruppen. zum Verschweißen der Karosseriebauteile, zum Lackieren u. a. Fer-
tigungsprozessen, zur Montage von Elektromotoren, Druckwerken und vielen anderen
Produkten mehr. Obwohl es heute bereits zahlreiche Roboter und Roboterentwick-
lungen mit vielfältigen komplexen Fähigkeiten gibt, werden diese aufgrund der dazu
notwendigen hohen Investitions- und Betriebskosten in absehbarer Zukunft nur in
den Fällen zum Einsatz kommen. wo es aus Gesundheits-, Sicherheits- oder anderen
Gründen keine Alternative gibt. Roboter können mit tastenden bzw. abstands-
messenden. kraft- oder momentmessenden und optoelektronischen bzw. Fernseh-
sensoren (u. a.) ausgestattet werden; entsprechend vielseitig sind deren Fähigkeiten.
Restriktionsgerechtes Konstruieren 149

Man bedenke dabei aber den Aufwand, der notwendig ist, um mittels optischer Sen-
soren und Rechner beispielsweise eine Schattenkante von einer Körperkante eines
Bildes zu unterscheiden oder mit diesen Mitteln räumlich zu sehen. Deshalb wird es
aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll sein, Montageprozesse so aufzubereiten, daß
man mit Robotern nach Möglichkeit ohne aufwendige Sensortechnik auskommt.
In der Regel können die beiden zu verbindenden Bauteile dem Montageroboter
bereits geordnet und positioniert angeboten werden, so daß dieser nur noch die Auf-
gabe "Aufnehmen, Hinbewegen, Positionieren und Verbinden" zu übernehmen hat.
Die folgenden Betrachtungen über die Eigenschaften von Montage-Robotern sollen
sich zweckmäßigerweise auf diese sogenannten Normalfcille beschränken. Auf die
Betrachtung zukünftig noch denkbarer Fähigkeiten und Eigenschaften von Robotern
soll hier verzichtet werden. Versucht man die Eigenschaften in Anwendung befind-
licher Roboter kurz zusammenzufassen, um daraus in einem weiteren Schritt Richt-
linien zur robotergerechten Gestaltung abzuleiten, so läßt sich festhalten, daß
Roboter ein Bauteil nur begrenzt genau greifen können,
Roboter können - ähnlich wie Menschen auch - ein Bauteil zu einem anderen
Bauteil nur begrenzt genau positionieren (± I bis ± 0.05 mm, je nach Masse des
zu positionierenden Bauteiles),
Greif- und Positionierbewegung eines Robotergreifers werden üblicherweise von
ungewollten Schwingungsbewegungen überlagert, die in ihrer Wirkung mit dem
Zittern der menschlichen Hand vergleichbar sind,
Roboter können einfache Bewegungsformen und kurze Wege schneller ausführen
als komplexe Bewegungsformen oder lange Wege,
der Greifer eines Roboters kann weit weniger universell zugreifen als eine mensch-
liche Hand; ein bestimmter Greifer ist nur für Dinge geeignet, die bestimmte Greif-
flächen haben,
einfache Roboter können - im Gegensatz zum Menschen - nicht sehen, nicht
tasten und nicht hören, von einer Hand in die andere Hand etwas übergeben. Sie
können die zum Greifen notwendige Kraft auftretenden Unregelmäßigkeiten
(Störungen) nicht anpassen u. a.
Vergleicht man die Eigenschaften mit denen eines Monteurs, so fällt auf, daß diese
manchen "Schwachpunkt" gemeinsam haben. Deshalb gelten zahlreiche Gestal-
tungsrichtlinien sowohl für das manuell-montagegerechte wie auch für das roboter-
montagegerechte Gestalten gleichermaßen oder zum; ndest in ähnlicher Weise, wie
die folgenden Beispiele noch zeigen werden.
Zusammenfassend lassen sich somit folgende Ursachen bzw. Ziele für die Entwick-
lung von Richtlinien des montagegerechten Konstruierens nennen, und zwar:
- die Schwächen des betreffenden Verfahrens ohne zusätzlichen Kostenaufwand
bzw. bei gleichzeitiger Kostensenkung zu kompensieren.
die Qualität des betreffenden Verfahrens oder Produktes zu sichern oder zu
erhöhen, ohne dessen Herstellkosten zu erhöhen,
die Nachfolgeprozesse zu berücksichtigen, um über alle Operationen betrachtet
ein Kostenminimum zu erreichen,
den Kostenaufwand generell zu reduzieren.
Zur Erreichung dieser Ziele lassen sich folgende Richtlinien des montagegerechten
Konstruierens angeben:
150 Selektion von Lösungen

Beispiele
Richtl inien
ungünstig günst ig

1. Notwendigerwei se schwach
unsyrrmet r Ische Te 1I e zum
einfache ren Ordnen deut-
I I ch asyrrmet r Isch ge-
st al ten
e 0
I / 0
I

2. Ans treben syrrrnet ri scher


Teile, lI1I das Ordnen der
[;l ~ - Cl

l:J m - - D

Bautelle zu vereinfachen

~~ 8J
~ FOOOO=QJ
3. Pos iti onieren der zu
fUgenden Baute I 1 e oder
Baugruppen

~ Indl'w:l .. ,au'nohm.

(Orl- ~ -- j
6-

Bild 13.2.11. Richtlinien zum montagegerechten G estalten mit Beispielen


Restriktionsgerechtes Konstruieren \5\

I. Um Investitionskosten zu senkcn, ist es zweckmäßig, Montage-Robotern die zu


montierenden Bauteile geordnet und positioniert anzubieten - s. Bild 13.2.11,
Zeile Nr. 3; gleiches gilt auch für die manuelle Montage.
2. Anstreben von in Sortiereinrichtungen problemlos zu ordnenden Bauteilen ;
möglichst um mehrere Achsen symmetrische Bauteile anstreben - s. Bild 13.2.11,
Zeile Nr. 2 - bei notwendigerweise unsymmetrischen Teilen deutliche Un-
symmetrien zum eindeutigen Erkennen und Ordnen vorsehen, s. Bild 13.2.11,
Zeile Nr. 1.
3. An automatisch zu montierenden Bauteilen sind erforderlichenfalls geeignete
Greifflächen vorzusehen; Greifflächen unterschiedlicher Bauteile sind so zu
gestalten, daß gleiche Greifer nach Möglichkeit viele unterschiedliche Bauteile
greifen können ("Greifflächen-Familien" bilden).
4. Reduzieren von Montagerichtungen (Zusammenbaurichtungen). Insbesondere
Vermeiden von zweiseitigen Montagevorgängen ("von vorne und von hinten"-
Montagen), wegen der dazu notwendigen kostenaufwendigen U msetz- oder
Wendeeinrichtungen. Anstreben von Baugruppen, welche nur von einer "Seite"
bzw. Richtung aus montiert werden können - s. Bild 13.2.12, Zeilen Nr. 4 und 5.
5. Reduzierung der Zahl der Montageoperationen durch Reduzierung der Teilezahl,
d. h. Total-, Integral- oder Multifunktionalbauweise anstreben.
Das heißt beispielsweise:
Unmittelbare Verbindungen anstreben, mittelbare Verbindungen mit 3 oder mehr
Bauteilen vermeiden. Reduzieren der Teilevielfalt, z. B. möglichst gleiche Schrau-
bengrößen anstreben.
6. Vermeiden von nachträglichen Änderungen der zu montierenden Produkte wegen
der möglicherweise hohen Umstellungskosten automatisierter Montagevorgänge.
7. Zentrierflächen an den zu fügenden Bauteilen anbringen (Selbstzentrierung), um
Positionierungenauigkeiten und "Zittern" des Roboters zu kompensieren - s.
Bild 13.2.13, Zeile Nr. 7.
8. Ersetzen von gestaltschlaffen durch gestaltsteife Bauteile. Beispiele: elektrische
Leiterbahnen bei PKW-Rück leuchten nicht als Litze, sondern steife Blech-
bahnen. Steifer K unststoffhimmel statt textiler "Himmelausstattung" bei
Personenkraftwagen.
9. Einfache, geradlinige Fügebewegungen anstreben; bzw. mehrdimensionale Be-
wegungsformen vermeiden - s. Bild 13.2.13, Zeile Nr. 6. Dies läßt sich u. a.
erreichen durch Gliederung komplexer Produkte in mehrere Baugruppen ; viele
weniger umfangreiche Baugruppen lassen sich meist einfacher automatisch
montieren und dann zur Gesamtmaschine zusammensetzen als eine Maschine
in Monobaugruppen-Bauweise.
10. Vermeiden von Montage-Fügevorgängen, die einer genauen Positionierung eines
Bauteiles durch den Roboter in mehr als zwei Richtungen bedürfen. Läßt sich
eine drei- oder mehrachsige Positionierung nicht vermeiden, soHten die Bauteile
mit entsprechenden Positionierhilfen (-flächen) versehen werden, so daß diese
"selbstausrichtend" sind.
11. Vermeiden unnötig enger Toleranzen (Passungen), die einen Fügevorgang mög-
licherweise behindern.
12. Vorsehen automatischer Prüfvorgänge derart, daß z. B. abgetastet wird, ob ein
bestimmtes Bauteil vorhanden ist oder nicht; oder ein Bauteil oder eine Baugruppe
152 Selektion von Lösungen

Be ispiele
Richtlin ien
ungünstig günstig

4. Reduz i erung der Anzahl


der zu fUgenden Te 11 e

5. Reduz I erung von I,WsDann-


vorg3ngen durch Re -
duzierung der FUge-
r i chtungen

Bild 13.2.12. Richtlinien zum montagegerechten Gestalten mit Beispielen


Restriktionsgerechtes Konstruieren 153

Be ispiele
Richt linien
ungünstig günstig

6 . Einfache FUgebewegungen an-


streben; kurze Fogewege an-
streben

7. Selbst positionierende Bau-


te i le (Im Nahtberelchl an -
streben

8 . BeQueme ZugangliChkelt
fur Hande und/oder Wer~­
zeuge ans treben

Bild 13.2.13. Richtlinien zum montagegerechten Gestalten


154 Selektion von Lösungen

nicht eingebaut werden kann, wenn ein bestimmter Fertigungs- oder Montage-
prozeß vorher nicht erfolgt ist; Prüfvorgänge, die bei manueller Montage meist
nicht erwähnt werden, weil sie ein \1onteur erledigt, ohne daß man ihn darauf
hinweist, sollen bei automatischer Prüfung nach Möglichkeit automatisch zu
Fehlermeldungen führen.
13. Schaffung genügender Freiräume (Ausnehmungen etc.) für automatische Füge-
vorgänge und der dazu erforderlichen möglichst geradlinigen Werkzeugbewegun-
gen -- s. Bild 13.2.13, Zeile Nr. 8.
14. Vermeiden, daß vorangegangene Montagevorgänge nachfolgende behindern oder
daß nachfolgende Montagevorgänge vorangegangene möglicherweise verschlech-
tern oder rückgängig machen.

13.2.4 Beanspruchungsgerechtes Gestalten


Bei durch Kräfte beanspruchten Bauteilen technischer Gebilde kann man zwischen
einer qualitativen und einer quantitativen Auslegung unterscheiden. Mit qualitativer
Auslegung soll hier das zweckmäßige Festlegen der qualitativen Gestalt des be-
treffenden Bauteiles verstanden werden, mit quantitativem Auslegen die quantitative
Festlegung (Berechnung) eines Bauteiles aufgrund von Festigkeitsforderungen. Wie
eingangs erwähnt, ist die qualitativ richtige Festlegung eines Bauteiles wesentliche
Voraussetzung für eine sinnvolle nachfolgende quantitative Auslegung bzw. Festig-
keitsberechnung eines Bauteiles. Fehler in der qualitativen Auslegung können durch
die quantitative Berechnung nicht wieder korrigiert werden. Was ist unter bean-
spruchungsgerechtem Gestalten zu verstehen?
Unter beanspruchungsgerechtem Gestalten versteht man das qualitativ und
quantitativ richtige Festlegungen der Gestalt minimalen Werkstoffaufwandes eines in
bestimmter Weise beanspruchten Bauteiles, so daß es die auftretende Beanspruchung
mit Sicherheit aufzunehmen vermag.
Im einzelnen bedeutet dies, ein Bauteil mit Rücksicht auf die Festigkcitseigen-
schaften seines Werkstoffes so auszulegen, daß
bei bestimmten Belastungsfällen eine möglichst gleichmäßige Spannungsver-
teilung zustande kommt und bevorzugt solche Spannungen (Zug- oder Druck-
spannungen) im Werkstoff auftreten, für welche dieser am besten geeignet ist-
s. Bild 13.2.14, Zeile 1 und 2,
Kräfte auf kürzestem Wege von einer Stelle eines Systems zur anderen geleitet
werden (vermeiden von Torsions- oder Biegemomenten in Bauteilen)- s.
Bild 13.2.14, Zeile Nr. 3.
spätere Betriebskräfte (Fliehkräfte, Drücke etc.) Schrumpfverbindungen oder
Dichtwirkungen (etc.) zwischen Bauteilen nicht wieder aufheben oder verringern·-
s. Bild 13.2.15, Zeilen Nr. 4 und 5.
Kräfte gleichmäßig-- ohne Spannungsspitzen -" von einem Bauteil in ein anderes
übergeleitet werden; s. Bild 13.2.15, Zeile Nr. 6.
Bauteile beim Einbau nicht überbeansprucht werden - s. Bild 13.2.16, Zeile Nr. 7.
Kerbspannungen von Bauteilen durch Ausrunden der Kerben relativ klcin ge-
halten werden - s. Bild 13.2.16, Zeile Nr. 9 u. a .
. _. Biegewechselspannungen infolge von eventuell auftretenden Schwingungen bei
eingespannten Bänden, Seilen etc. durch Abrunden der Einspannstelle oder
Kunslstoffdämpfer relativ klein gehalten werden, um Brüche an den Einspann-
stellen zu vermeiden - s. Bild 13.2.16, Zeile Nr. 10.
Restriktionsgerechtes Konstruieren 155

Be ispiele
Ric htli nien
ungünstig günstig

1. Gussstahl Ist tor Druck-


spannungen besser ge-
eIgnet, al s fUr Zug-
oder Tors Ionsspannungen

2. Stahl oder Kunststoffe


sInd wegen des Knlckens
besser auf lug als auf
Druck beanspr uchbar

3. Anstreben möglIchst
kurzer Kraf tI e Itwege und
steifer Le i terQuer-
schnitte

Bild 13.2.14. Richtlinien zum beanspruchungsgerechten Gestalten mit Beispielen


156 Selektion von Lösungen

Beispiele
Richtlinien
ungünstig günstig

4. Vermelden, dass Sch rll1llf-


verbindung durch Fliehkräfte
aufgehoben wl rd

5. Vermelden, dass Innendruck,


Infolge von Deformation, Un-
dichthel t verursacht

6. GlelctJnässlge Belastungen
von KraftOberleI tungsfläChen
anstreben

Bild 13.2.15. Richtlinien zum beanspruchungsgerechten Gestalten mit Beispielen


Restriktionsgerechtes Kon struieren 157

Be ispiele
Richtl inien
ungünst ig günstig

~~.
7. Verringern der Blege-

~~
spannungen durch grössere
Feder l angen (~e l chere
Federcharak t erl stlkl

8. Blegellal ken ml t
konstanterer Festlgkel t
p P ~
F= F= t==
(Beanspruchung I ans treben

~ ~
~ ~
9. Vermelden von Kerben
an hoch beanspruchten
Ste ll en eines Baute li es

~";.". ~
10 .
~
~I
B l ege~echsel spannungen ) i
k l ein hai ten durch
Dampfen der El nspann- ) I
J
J
l
stelle be l Se i len,

~
Bandern ete .
• ,

Bild 13.2.16. Richtlinien zum beanspruchungsgerechten Gestalten mit Beispielen


158 Selektion von Lösungen

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit mögen diese wenigen Beispiele genügen, um


auf die wesentlichen Gesichtspunkte des qualitativ beanspruchungsgerechten Ge-
staltens hinzuweisen.

13.2.5 Werkstoffgerechtes Gestalten


Bauteile für Maschinen und Geräte werden aus verschiedenen Werkstoffen mit sehr
unterschiedlichen Werkstoffeigenschaften gefertigt. Die Gestalt von Bauteilen hängt
nicht nur vom Zweck, dem ein Bauteil dienen soll, ab, sondern auch von vor- oder
nachteiligen Werkstoffeigenschaften. Vor- und nachteilige Eigenschaften sind zu
erkennen und bei der Gestaltung entsprechend zu nutzen bzw. durch eine geeignete
Gestaltung zu kompensieren.
Unter werkstoffgerechtem Gestalten soll das durch entsprechendes Gestalten vor-
teilhafte Nutzen günstiger und Kompensieren nachteiliger Eigenschaften eines
Werkstoffes für bestimmte Anwendungsfalle verstanden werden.
Im einzelnen ist hierunter das Gestalten eines Bauteiles so zu verstehen, daß bei-
spielsweise
relativ hoch beanspruchte Querschnitte eines Bauteiles aus Gußstahl auf Druck
statt auf Zug beansprucht werden, weil Gußstahl auf Druck höher belastbar ist
als auf Zug. Hingegen relativ hoch beanspruchte Querschnitte eines Bauteiles aus
Stahl oder Kunststoff besser so gestaltet werden, daß diese Querschnitte auf Zug
statt auf Druck beansprucht werden, da diese - wegen der Knickgefahr bei
schlanken Stäben - höher auf Zug als auf Druck beansprucht werden können
- s. Bild 13.2.17, Zeile Nr. 1.
gegebene vorteilhafte Eigenschaften (hohe Elastizität) eines Werkstoffes zur
Integration mehrerer Funktionen in einem Bauteil genutzt werden (Multifunk-
tionale Bauweise anstreben) - s. Bild 13.2.17, Zeile Nr. 2.
gegebene vorteilhafte Eigenschaften (Weichwerden in Wasser) eines Werkstoffes
zu vereinfachten Fertigungsverfahren und Montagen genutzt werden - s. Bild
13.2.17, Zeile Nr. 3.
nachteilige Eigenschaften von Kunststoffen (Kriechen, Relaxation) durch ge-
eignete Bauteilgestaltung kompensiert werden. Würde man beispielsweise einen
Kunststofftypenträger genauso gestalten, wie einen Stahltypenträger (s. Bild
13.2.17, Zeile Nr. 4, links), so würde die Kunststofftypenfläche durch die wieder-
holte Stoß beanspruchung beim Anschlagen der Typen nach und nach in dem die
Typenfläche tragenden keilförmigen Volumen verschwinden. Im Falle einer
prismatischen Ausbildung des Typenträgers, wie im rechten Bildteil gezeigt, ist
dieses "Wegtauchen" der Wirkfläche praktisch vermieden - es bildet sich bei
dieser Gestaltung eine Art "Meiselbart" an der Typenfläche.
Dauerbelastung an nicht kriechfesten Kunststoffbauteilen vermeiden. Bauteile
so gestalten, daß Beanspruchungen nur kurzzeitig auftreten; Beispiel: Schnapp-
verbindungen oder Halterungen von lalousiekurbeln [86].

13.2.6 Toleranzgerechtes Gestalten


Die Fertigung von Bauteilen mit engen Maßtoleranzen ist sehr aufwendig und teuer.
Die Einengung der Toleranz um den Faktor zehn verursacht meist auch eine Kosten-
steigerung um den gleichen Faktor oder mehr. Beim Festlegen von Maßen gilt deshalb
der Grundsatz, "Toleranzen so eng wie nötig bzw. so grob wie möglich".
Restriktionsgerechtes Konstruieren 159

Be ispie le
Richtl inien
Werksto f f A Werks t off B
1. Kompensieren nachteil i ger
GuOstohl Stahl . Kuns tstoff
Eigenschaften ei nes Werk-
stoffes : Gussstahl Ist
fUr Druckspannungen
besser geeignet, als
fUr Zugspannungen. Stah l
und Kunsts t offe sind
hingegen besser auf ZUg
al s auf Druck beans~ruch­
bar (Knickung!)

Kunststaff

2 . Nutzung vo r te i lhafter
EI genscha f ten (k I eine r
Eiast i zi t a t SIOOdu I. bZw.
höhere ElastlZltaU
durch l1ultlfunktlonale
Bauweise; Gelenke,
Federn "mi t anspritzen"

Stahl Kunslst all PA

~ I I

~'"
so he 'gestellt
3. Nu t zung der "I/e l ctlnacher-
f unktion" von Wasser

~
/

I . , ' I ,'
I
'/ /
so mont iert

4. wegen der nachte II I gen


Stahl Kunstslo ll
Ei genschaften des
Kr lechens thermo-
plastischer Kunststoffe
bei st ossartlger Be -
l astung s i nd Typen-
körper f Ur KunststOf f-
typentrager anders zu
ges t al ten al s bel Stahl

Bild 13.2.17. Richtlinien zum werkstoffgerechten G estalten mit Beispielen


160 Selektion von Lösungen

Durch qualitative toleranzgerechte Gestaltung lassen sich in vielen Fällen enge


Toleranzen an Bauteilen oder Baugruppen ganz umgehen oder zumindest kosten-
günstiger herstellen. Unter toleranzgerechtem Gestalten soll das qualitative Fest-
legen einer Gestalt eines Bauteiles oder komplexeren Systems verstanden werden, so,
daß auf enge Toleranzen ganz verzichtet werden kann oder diese zumindest mit
wirtschaftlich vertretbarem Aufwand hergestellt werden können. Im einzelnen lassen
sich hierzu folgende Richtlinien bzw. konstruktive Möglichkeiten angeben:
Enge Toleranzen lassen sich dadurch vermeiden, daß man Überbestimmtheiten
(Doppelpassungen) vermeidet - s. Bild 13.2.18, Zeile Nr. 1.
Enge Toleranzen zur Verringerung des Spieles zwischen Maschinenbauteilen
lassen sich dadurch umgehen, daß man das Spiel mittels einer Kraft (Federkraft
u. ä.) über geeignete Bauelemente einseitig "herausdrückt" - s. Bild 13.2.18,
Zeile Nr. 2.
Enge Toleranzen für präzise Passungen lassen sich auch durch justierbare Paß-
elemente vermeiden - s. Bild 13.2.19, Zeile Nr. 3.
Enge Toleranzen lassen sich für bestimmte Anwendungsfalle dann noch mit
wirtschaftlich vertretbarem Aufwand realisieren, wenn es gelingt, alle Toleranzen
eines Systems auf die Fertigung eines geometrisch einfachen Paßelementes zu
reduzieren; wobei am Paßelement lediglich der Abstand zweier paralleler Flächen
entsprechend genau gefertigt werden muß - s. Bild 13.2.19, Zeile Nr. 4.
Enge Toleranzen zur exakten Positionierung von Bauteilen können auch noch
durch Vermeiden von Überbestimmtheiten und Andrücken durch elastische
Elemente (Federn) umgangen werden - s. Bild 13.2.20, Zeile Nr. 5.
Enge Toleranzen können wirtschaftlich günstiger hergestellt werden, wenn es
gelingt, das Absolutmaß des zu tolerierenden Abstandes der, die Genauigkeit
bestimmenden, Wirkflächen klein zu machen - s. Bild 13.2.20, Zeile Nr. 6.
Kleinere Absolutmaße haben bei gleicher Qualität einer Passung kleinere Tole-
ranzen als größere.
Enge Toleranzen können bei weniger ausgedehnten Flächen (3-Punktauflage
u. a.) wirtschaftlicher hergestellt werden, als bei Flächen großer Ausdehnung;
- s. Bild 13.2.20, Zeile Nr. 7.
Enge Toleranzen lassen sich dann wesentlich wirtschaftlicher herstellen, wenn es
gelingt, die Zahl der Maße einer Maßkette bzw. die Zahl der Wirk flächen für das
Zustandekommen eines genauen Maßes zwischen zwei Bauteilen zu reduzieren
- s. Bild 13.2.20, Zeile Nr. 8.
Enge Toleranzen in kinematischen Ketten lassen sich u. a. dadurch vermeiden,
daß man die Gelenke der Kette mit definiertem Spiel ausstattet, über das Getriebe
ein bestimmtes Abtriebsglied nur ungefähr einstellt und die genaue Positionierung
des Abtriebsgliedes über eine steuerbare Rasteinrichtung realisiert - s.
Bild 13.2.20, Zeile Nr. 9.
Enge Toleranzen lassen sich schließlich auch noch in den Fällen wirtschaftlich
herstellen - wenn es darum geht, zwei oder mehrere Bauteile gleich dick, gleich
lang oder mit mehreren kongruenten Bohrungen auszustatten (u. ä.) - wenn
man diese so gestaltet, daß sie in einem allen Bauteilen gemeinsamen Arbeitsgang
gefertigt (überschliffen, gebohrt usw.) werden können.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sollen diese Richtlinien und Beispiele wesent-
liche Möglichkeiten des toleranzgerechten Gestaltens aufzeigen.
Restriktionsgerechtes Konstruieren 161

Beispiele
Richtl inien
ungünstig günstig

1. Vermelden enge r Tole-


ranzen ourch Verme Wen
von Doppe I passungen
Wbe rbes tllTlßthel ten)

-1 .a-
0

H ~' '"
.0.1
100 100

2. VermelOung enger
To I eranzen uno Bese I t1 -
gung von SP I eIpassungen
ourch elastIsche Elemen te
(Federn)

Bild 13.2.18. Richtlinien zum toleranzgerechten Gestalten mit Beispielen


162 Selektion von Lösungen

Beispiele
Richtlinien
ungünstig günstig

D + ,

9 -

3. Vermelden enger Tole-
ranzen durch Verwendung
von JustIerelementen

0
mn

4. Enge Toleranzen lassen


SIch fUr besttnrnte Falle
nOCh ml t wlrtschaftJ I ch
Cf! +, +

~
vert retbaren Aufwand
verw l rkllchen, wenn si ch
dI e Herstellung auf geo-
metr l sch eInfache Ge-
stal telemente (prazlse
bearbel tbare Körper-
lf8
. -
f ormen) wI e be I -
spIelsweIse pa rallele
Fl achen beschrankt

Bild 13.2.19. Richtlinien zum toleranzgerechten G estalten mit Beispielen


Restriktionsgerechtes Konstruieren 163

Beis piele
Ric htlin ien
ungün stig gü nstig

5. Vermelden enger Tole-


ranzen und Sp i el durch
Vermelden von Oberbe-
stlnrnthe l t und Anwendung
ei nes elastischen
Elementes

6. Enge Tole ranzen können


kos t engunstIge r du rch
kl eine re Abso l utab-
messungen erre Icht
we rden.
:: ~ n
-~ -~

a tfElt
7. Enge Tol eranzen können
an weniger ausgedehnten
(kle l nerenl Fl achen
kos t enguns ti ge r real i -
si ert werden als an
9rossen

8. Enge Toleranzen lassen


si ch kostengUnstlg durch
Reduzi erUng der Zah l de r
Zw i schenglieder (Zah l
der Masse bzw. "lange
der Masske t te") er-
re ichen

9. Enge To l eranzen an Ge-


trtebeke tten lassen
sich auch dadurch ver-
meiden, dass man Sn l el
In de r Kette vorsIeht
und das ei nzustel lende
letzte Gl i ed der Ke tte
ml t einer steue rba r en
Raste l nrIchtung genau
POS I t10n l ert

Bild 13.2.20. Richtlinien zum t oleranzgerechten G estalten m it B eispielen


164 Selektion von Lösungen

13.2.7 Kostenreduzierendes Konstruieren

Ein technisches Produkt genügend funktionsfähig, zuverlässig und so zu gestalten,


daß es mit einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand herstell bar ist, ist eine der
wesentlichen Voraussetzungen für die Existenzfähigkeit eines Unternehmens.
Bei bereits laufenden Produkten besteht die Konstruktionsaufgabe folglich nur
in dem Ziel, diese bei gleichbleibender oder besserer Qualität so neuzugestalten,
daß sie mit geringerem Kostenaufwand hergestellt werden können. "Kosten-
reduzierendes Konstruieren" ist deshalb eine der zentralen Forderungen beim Ge-
stalten technischer Gebilde. Wenn man bedenkt, daß der Konstrukteur mit der Fest-
legung des Konstruktionsergebnisses auch die Kostenbasis des betreffenden Produktes
festlegt, mag man daran die Bedeutung des kostenreduzierenden Konstruierens er-
messen. Einkauf, Arbeitsvorbereitung oder andere, der Konstruktion nachgeschaltete
Bereiche, vermögen die einzelnen Kosten einer Lösung lediglich noch in einen durch
die Konstruktion vorgegebenen Rahmen zu verbessern.
Für die Kostenreduzierung technischer Produkte ist es wichtig, zwischen den nach
ihrer Entstehung unterschiedlichen Kostenarten zu unterscheiden. Kosten technischer
Produkte entstehen bei deren Herstellung, bei deren Betrieb und eventuell bei deren
Beseitigung. Für den Käufer eines Produktes sind dies sogenannte Investitionskosten
(Preis), Betriebs-, Instandhaltungs- und eventuell Beseitigungskosten (Bild 13.2.21).
Die Investitionskosten bzw. der Preis eines Produktes ergibt sich aus der Summe der
Selbstkosten und dem zu erzielenden Gewinn eines Unternehmens. Bild 13.2.22 zeigt
eine weitergehende Aufschlüsselung der verschiedenen Kostenarten. In diesem Zu-
sammenhang ist bemerkenswert, daß die prozentualen Anteile der Investitions-,
Betriebs- und Instandhaltungskosten an den Gesamtkosten eines Produktes von
Produkt zu Produkt sehr unterschiedlich sein können, wie Bild 13.2.23 exemplarisch
zeigt. Grundsätzlich wird jede Änderung eines Konstruktionsparameters die Kosten
eines Produktes verändern. So kann man die Kosten eines Produktes bewußt ver-
ändern durch die Wahl
einer anderen Funktionsstruktur,
eines anderen physikalischen Lösungsprinzipes (Effekt und/oder Effektträger
bzw. Werkstoff) und/oder
einer anderen Gestalt.

Investitions - Kosten zur


kosten bzw. Preis Beseitigung

kosten

Bild 13.2.21. Zusammensetzung der Gesamtkosten eines technischen Produktes


Restriktionsgerechtes Konstruieren 165

vereinbarter Abschlag

I
Vl
c-
Ol e ~ ;
I C
::J
2VlC c
(j) (j)
Vl
Ol
:;;: o N (Jl
, C Vl .~ c: ::L :.=J c
N
...J
c ~
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LL
15% S 5% S

20-80%H 7-10%H 10 -15 'I,H 10 -50 % H

Bild 13.2.22. Gliederung der Kosten technischer Produkte (n, Ehrlenspiel); die angegebenen %-
Zahlen stellen nur Anhaltswerte für mittlere Industriebetriebe der Einzel- und Kleinserienfertigung dar

100%
Gesamt-
kosten

_ Investitionskosten
~ Betriebskosten
ITIIIIJ Inslondholtungskoslen

Gabel - PKW Wasserwerk-


schlüssei kreiselpumpe

Bild 13.2.23. Gesamtkostenstruktur verschiedener Produkte (n, Ehrlenspiel)

Während von den bei den erstgenannten Möglichkeiten der Kostensenkung in der
Praxis nur relativ selten Gebrauch gemacht werden kann - da sich für die länger
gebräuchlichen Produkte im Laufe der Zeit ohnehin die wirtschaftlich optimalen
Funktionsstrukturen und Prinzipien durchgesetzt haben und andererseits wirkliche
Neuentwicklungen relativ selten sind - ist Kostensenkung durch Umgestaltung von
166 Selektion von Lösungen

Bauteilen und Baugruppen oder ganzer Maschinen von erheblicher Bedeutung. Die
folgenden Ausführungen sollen sich deshalb vorwiegend mit den Möglichkeiten der
Kostenreduzierung durch Gestaltungsmaßnahmen befassen.
Herstellkosten eines bestimmten Produktes senken, heißt im einzelnen reduzieren
der Fertigungs-, Montage- und Materialkosten. Diese Kosten lassen sich grund-
sätzlich dadurch reduzieren, daß man eine Konstruktion anstrebt, die möglichst
weniger Fertigungs- und Montageoperationen bedarf und möglichst wenig Material
benötigt und/oder die Anwendung eines kostengünstigeren Fertigungs- und Montage-
verfahrens sowie einen kostengünstigeren Materialeinsatz zuläßt (s. Bild 13.2.24).
Diesen Grundsätzen entsprechende Richtlll1ien zur kostenreduzierenden Gestaltung
von Bauteilen und Baugruppen lassen sich kurz wie folgt zusammenfassen:

Herstellkosten
reduzieren

~~~~~
r---F-e-r-ti-g-U-n-g~S~k-o-s-t-e-n--' rl----M-o-n-t-a-g~e-k-o-s-te-n----,I rl----M-a-t-e~r~ia-l-ko-s-t-e-n----.

~
r---------l/\ kostengünsti -
gere Fertigungs-
/\
r---:------,
[
/\
we ni ge r

Material
r----------,

verfa hre n.
Werkzeuge u.
Werkzeug -
maschinen

Bild 13.2.24. Möglichkeiten zur Reduzierung von Herstellkosten

1. WeniyerFerligung
Weniger Fertigung bzw. eine Reduzierung des Fertigungsaufwandes läßt sich im
einzelnen durch folgende Maßnahmen erreichen: durch
1.1 Reduzierung der Zahl der Bauteile, so z. B. durch Anstreben von Ganz-, Integral-
und/oder Multifunktionalbauweise: ~ s. Bild 13.2.25, Zeile Nr. 1.
1.2 Reduzieren von Funktionen und folglich von Bauteilen (reduzieren des Un-
nötigen) eines technischen Gebildes.
1.3 Reduzieren der zu bearbeitenden Flächen, so z. B dadurch, daß man
verschiedene Flächen zur rationelleren Bearbeitung in eine Ebene legt:
- s. Bild 13.2.26, Zeile Nr. 2,
die Größe der zu bearbeitenden Flächen reduziert wird ~ s. Bild 13.2.26,
Zeile Nr. 2.
1.4 Gestaltung von mehreren Bohrungen (Flächen) so, daß diese gleichzeitig be-
arbeitbar sind.
Mehrwerkzeug-Anordnungsmöglichkeiten, d. h. gleiche Richtung und Min-
destabstände bei Mehrspindelsystemen beachten 1 __ s. Bild 13.2.26, Zeile Nr. 3.
Restriktionsgerechtes Konstruieren 167

-- Mehrere in einer Achse liegende Gewinde bezüglich Durchmesser stufen,


damit gleichzeitiges Gewindeschneiden möglich ist -- s. Bild 13.2.9, Zeile 4.
1.5 Reduzieren oder Vermeiden von Werkstückumspannvorgängen. Bearbeitungs-
richtungen reduzieren; möglichst alle Bearbeitungen von einer Seite und aus
einer Richtung - s. Bild 13.2.27, Zeile 5.
1.6 Reduzieren des zu zerspanenden Volumens
durch Anstrehen kleiner Durchmessersprünge bei Drehteilen,
Anstreben minimaler Aufmaße.
1.7 Reduzieren der Zahl der An- und Auslaufvorgänge, durch gemeinsame Bearbei-
tung mehrerer Werkstücke - s. Bild 13.2.27, Zeile 4.
1.8 Reduzieren der Zahl der Fertigungsoperationen
Toleranzen so groß wie möglich, um Feinbearbeitungsoperationen zu ver-
meiden - s. Bild 13.2.28, Zeile Nr. 7.
Oberflächenqualität nur so gut wie nötig.
Solche BearbeitungsverJ"ahren anstreben, die Oberflächennachbearbeitungen,
Anstriche u. a. Operationen erübrigen, z. B. farbige Kunststoffspritzguß-
gehäuse( -teile) statt Blech- oder Leichtmetallgehäuse verwenden, die weiterer
Oberflächennachbearbeitungsverfahren bedürfen.
1.9 Prüfvorgänge automatisch erzwingen, d. h.
- nachfolgende Operation verhindern, wenn voranzugehende Operation nicht
erledigt wurde - s. Bild 13.2.29, Zeile Nr. 8.
1.10 Verwenden von Norm-, Standardteilen oder Halbzeugen an Stelle von selbst
konstruierten Bauteilen; - s. Bild 13.2.28, Zeile Nr. 9.
Verwenden von Zukaufteilen aus Branchen mit großen Stückzahlen (Groß-
serienfertigung) .

2. Kostenqünstiye Fertiyuny
Eine kostengünstigere Fertigung kann man im einzelnen durch folgende Maßnahmen
erreichen: durch
2.1 Anstreben größerer Stückzahlen und kostengünstigerer Fertigungsverfahren
-- s. Bild 13.2.29, Zeile Nr. I.
spanlose Fertigung statt Kunststoffspritzen, Kunststoffspritzgießen statt
Metalldruckguß, Metalldruckguß statt Gießen, Schweißen. Gießen, Schwei-
ßen statt spanender Fertigung, hobeln statt drehen, drehen statt fräsen usw.
2.2 Anstreben eines günstigeren Werkzeuges und/oder einer günstigeren Werkzeug-
maschine - s. Bild 13.2.29, Zeile Nr. 2.
2.3 Anstreben einer einfacheren Bauteilgestalt, welche durch weniger Maße be-
schreibbar ist - s. Bild 13.2.30, Zeile Nr. 5.
2.4 Reduzieren oder Vermeiden von Werkzeugwechsel durch Vereinheitlichung der
Maße der zu bearbeitenden Bohrungen, Radien etc., d. h. gleicher Fräser, gleicher
Bohrer usw. für die Herstellung verschiedener Wirkflächen verwendbar - s.
Bild 13.2.20, Zeile Nr. 3.
2.5 Gleichmachen von Bauteilen, insbesondere durch Gleichmachen symmetrisch
anzuordnender Bauteile - . s. Bild 13.2.30, Zeile Nr. 4.
3. WeniiJer Montaqe (Redu::ieren der Montaqeoperationen)
Eine Reduzierung der Montageoperationen kann erreicht werden durch:
3.1 Reduzieren der Zahl der zu montierenden Bauteile
16S Selektion von Lösungen

Richtlinien Beispiele
.. weniger Fertigung" ungünstig günstig

{i+_.*

1. Te ll ezahl reOUZleren, O. h.
Total-, In tegral - unO/ode r
MultlfunKtlOnalbauwelse an-
streben

Bild 13.2.25. Richtlinien zum kostenreduzierenden Gestalten mit Beispielen


Restriktionsgerechtes Konstruieren 169

Richtlinien Beispiele
- weniger Fertigu ng - ungünstig günstig

2. Zu oearbeltende Flachen
reduZieren
- ve r sch I edene Flachen 1n
~ Ebene 1egen

-I(----------T
- die Grbsse der ZU be-
arbel tenden Flache
reouzleren

3. Mehrere FI3chen gl e Ich-


zeItig bearbeltbar ge-
stalten
- gle Iche Bearbel tungs-
rtch t ung anstreben

M l nd.~tobstQnd

~ ~ -$ ~ ~
$
- MIndestabstande bel Mehr- ~
~ ~ ~ ~ ~
sp Inde lköpfen beachten ~ $
-$- $ ~ ~ :$ ~ -$- ~

Bild 13.2.26. Richtlinien zum kostenreduzierenden Gestalten mit Beispielen


170 Selektion von Lösungen

Richtlinien Beispiele
- w~ni9~r F~rti9un9- ungünstig günstig

~. Bautelle In ~ Cl>
Arbe I t sgang bear be I ten

5. Zah I der \;erks tuckum-


spannungen reduzIeren
oder vermelden
- Bearbel tungsrlchtungen
reduzIeren, mögl i chst
al le BearbeI tungs -
operationen von ~
Se I te und aus !tlneL
RIChtung

Bild 13.2.27. Richtlinien zum kostenreduzierenden Gestalten mit Beispielen


Restriktionsgerechtes Konstruieren 171

Richtlinien Beispiele
- weniger Fer tlgung - ungünst ig günstig

7. Zahl der FertIgungs-


operatIonen reduz leren
- DoppeI passungen ve r -
me Iden; geomet rt sch
einfache Passtelle vor-
sehen

- enge To leranzen durch


Justierbare Elemente
oder andere Massnallnen
vermelden - Folge: Ein-
sparung teuerer Feln-
und AAPassarbe I ten bzw.
l ange Massketten ver-
meiden

- Gewindeschneidvorgange
nach 110gl iChkei t ver-
meIden -
z. 8. SChraubverbindungen
durch Schnappverb I ndungen
ersetzen

8. PrUfvorgange automatI-
-
sieren - Z. B. nach-
folgende Operation ver-
hIndern, wenn voranzu -
gehende Operation nicht
erfolgt 1St, u. a.
Einbou avCh möoUc.h, Einbau nur mögliCh , wenn sa,del r and
ohne don Sch",.lnung vorhe r niwd.rOUChwein t wurd • .
ertohjlt iJt .

,-----1
,,I ~
9. Verwenden von orm- oder
Standardteilen oder Halb- ~ :
I
I
,,I
zeugen statt selbst
I
I ,,
konstruierte r Bautelle
I
I ,, I
I
,

,,
I I
I, I I
Ll------c:l I ______--1I

Bild 13.2.28. Richtlinien zum kostenreduzierenden G estalten mit Beispielen


172 Selektion von Lösungen

Richtlinien Beispiele
- kos te ngünstigere Fertigung- ungünst ig günstig

~
1. Anstreben grosser StUck-
zah I en uno kos ten-
gUnst I ge re r Fert Igungs-
verfahren
IlJJ W

- span l oses statt spanenoes


Fert I gungsve r fahren

- anderes Material und


Fert I gungsverfahren,
Spr ltzg l essen statt
spanendes Fert I gungs-
verfahren

2. Anst reben ei nes kosten-


gUnst Igeren We rkzeuges
und/oder Werkzeuges
plus W erkzeugmaschine

Bild 13.2.29. Richtlinien zum kostenreduzierenden Gestalten mit Beispielen


Restriktiollsgerechtes Konstruieren 173

Richt li nien Beispiele


- kostengüns tigere Fer tigun g - ung ünst ig günstig

3. Zah I der Werkzeuge und


we rkzeugwechse I redu-
zieren oder ganz ver-
meiden durch Vereinhel t-
llchung der MaOe der
WIrkflachen

4. Werkzeugkosten redu-
zieren durch vermeidung
von ungleichen oder
Spiegel symnetrl schen Bau-
teilen.
Symne t rlsch angeordnete
Bautelle gleich machen

5. Kos tengUnst iger her-


stellba re KOrperformen
anstreben

Bild 13.2.30. Richtlinien zum kostenreduzierenden Gestalten mit Beispielen


174 Selektion von Lösungen

- Ganz-, Integral- und/oder Multifunktionalbauweise anstreben.


Reduzierung der Funktionen und folglich Reduzierung von Bauteilen.
3.2 Reduzieren von Umspann- und/oder Wendevorgängen durch Anstreben eIn-
seitig und in einer Richtung montierbarer Baugruppen.
3.3 Zu montierende bzw. zu fügende Bauteile so gestalten, daß diese innerhalb eines
bestimmten Bereiches selbstpositionierend (selbstzentrierend) sind.
3.4 Zu montierende Bauteile nach Möglichkeit geordnet halten, um wiederholte
Operationen des "Ordnens" zu vermeiden.
3.5 Bauteile einer Baugruppe so gestalten, daß sich Prüfvorgänge, ob "Montage
richtig erfolgte", erübrigen ~
Falschmontage unmöglich machen.
Falsch- oder Fehlmontage eines Bauteiles automatisch in der anschließenden
Montageoperation auf Richtigkeit prüfen.
Unvermeidliche Prüfvorgänge automatisieren.
4. Kostengünstiye Montage
Eine Reduzierung der Montagekosten ist durch folgende Maßnahmen möglich:
4.1 Wahl des kostengünstigeren Montageverfahrens. Prüfen, ob manuell, automatisch
mit Montageeinrichtung oder automatisch mit Roboter oder Kombinationen
aus den genannten Verfahren kostengünstiger sind?
4.2 Zu montierende Verbindungen so gestalten, daß die einzelnen Bauteile nach-
einander und nicht gleichzeitig montiert werden müssen ~ gleichzeitiges Halten
und Fügen mehrerer Teile vermeiden.
4.3 Kurze Fügewege anstreben.
4.4 Einfache Montage- bzw. Fügebewegungsformen anstreben.
4.5 Für bequeme Zugänglichkeit und genügend Raum für Montage- bzw. Fügevor-
gänge sorgen.
4.6 Montageteile so symmetrisch wie möglich (möglichst um 2- oder besser um
3-Achsen symmetrisch) gestalten, um Erkennungs- und Ordnungsoperationen zu
reduzieren oder ganz zu vermeiden.
4.7 Nicht symmetrisch gestaltbare Teile deutlich unsymmetrisch gestalten, um das
Erkennen und Ordnen des Teiles zu erleichtern.
4.8 Montagebauteile nach Möglichkeit rollbar oder rutschbar gestalten, damit diese
mittels Schwerkraft billig transportierbar werden.
5. Weniyer Material (Reduzieren des Materials)
Materialreduzierungen lassen sich bei technischen Produkten üblicherweise erreichen
durch:
5.1 Reduzierung der Bauteile
~ Ganz-, Integral- oder Multifunktional-Bauweise anstreben.
- Reduzieren der Funktionen und somit der Bauteile.
5.2 Material nur dort anordnen, wo es tatsächlich benötigt wird -- durch Umformen
oder Urformen u. a. ~ Leichtbauweise anstreben - s. Bild 13.2.31, Zeile Nr. 1.
5.3 Materialmenge durch Optimierungsrechnungen reduzieren:
5.4 Materialmenge möglicherweise durch Verwendung günstigerer Ausgangshalb-
zeuge reduzieren ~ s. Bild 13.2.31, Zeilc Nr. 2.
5.5 Materialmenge durch Verwendung anderer Fertigungsverfahren und Fertigungs-
operationenfolge reduzieren: s. Bild 13.2.31, Zeile Nr. 3.
Restriktionsgerechtes Konstruieren 175

Richtlinien Beispiele
- weniger Material- ungünstig günstig

1. Material nur dort an-


ordnen, wo es aus
Fest Igkel tsgrunden ge-
braucht wl rd

m i

2. Ma ter ialmenge durch Ver -


wenaung eines gUnstIgeren
Ausgangsha I bzeuges 000 0 000
redUZieren

3. Materla lmenge durch andere


St re I f enano rdnUng und an-
schllessender zusatzllcher
Fert 19ungsooerat I on
redUZieren

Bild 13.2.31. Richtlinien zum kostenreduzierenden Gestalten mit Beispielen


176 Selektion von Lösungen

Richtlinien Beispiele
- kestengünstigeres Meterial - ungünstig günst ig

1. Nur dort teueres t'laterta l


wo not Ig, ansonsten
l>llllgere Matertallen
verwenden
E--~
- -
hechfest

Bild 13.2.32. Richtlinien zum kostenreduzierenden Gestalten mit Beispielen


Restriktionsgerechtes Konstruieren 177

6. Kostengünstigere Materialien
Relativ teuere Materialien lassen sich in vielen Fällen durch kostengünstige Mate-
rialien ersetzen, durch
6.1 Substituieren von Werkstoffen, d. h. prüfen, ob ein billigeres Material ein
teuereres möglicherweise ersetzen kann.
6.2 Verwenden eines teueren Materials nur an den Stellen, an denen es gebraucht
wird, ansonsten verwenden eines billigeren Materials - s. Bild 13.2.32, Zeile
Nr. 13 .
Insert-/Outsertbauweise,
Beschichten (Galvanisieren, Kleben, Aufdampfen, "vergolden", "versilbern"
etc.),
Partialbauweise,
Faserverstärkte Werkstoffe (Glasfaser, Carbonfaser u. a.),
Sandwichbauweise (Schichtbauweise).
6.3 Verwendung von kostengünstigeren oberflächenhärtbaren Stählen an Stelle von
durchhärtbaren Stählen.

3 Ein Teil dieser Einzelbilder der Blätter 13.2.25 bis 13.2.32 sind mit freundlicher Genehmigung des
VOI-Verlages GmbH Düsseldorf der VOI-Richtlinie Nr. 3237, Blatt 1/1967 und Blatt 2/1973
(Fertigungsgerechte WerkstücksgestaItung im Hinblick auf automatisches Zubringen, Fertigen
und Montieren) entnommen [135]
14 Entwerfen und Ordnen von Funktionseinheiten

Unter dieser Rubrik sollen einige im Maschinenbau häufig angewandte Funktions-


einheiten - wie Verbindungen und einfache Getriebe -- entworfen und geordnet
werden. Hierbei soll das methodische Vorgehen nochmals deutlich gemacht werden.
Bei der Konstruktion technischer Systeme - seien sie noch so verschieden -
gibt es einige Teilaufgaben, welche in modifizierter Form bei fast allen Entwicklungen
zu lösen sind. So sind beispielsweise bei jeder Konstruktionsaufgabe Bauteile oder
Baugruppen in irgendeiner Weise miteinander zu komplexeren Systemen zu ver-
binden. Ferner sind bei der Entwicklung von Maschinen und Geräten meistens
irgendwelche Bewegungssysteme (Getriebe) zu verwirklichen. Es erscheint deshalb
zweckmäßig, auf diese häufig vorkommenden Teilaufgaben der Konstruktion im
folgenden noch grundsätzlich einzugehen.

14.1 Verbindungen
Maschinen, Geräte und Apparate bestehen, wie bereits erwähnt, aus einer Vielzahl
von Bauteilen und Baugruppen, die von Fall zu Fall sehr unterschiedlich miteinander
verbunden werden müssen. Das "Verbinden" zweier Bauteile oder Baugruppen ist
deshalb eine sehr häufig wiederkehrende Konstruktionsaufgabe. Wenn man bedenkt,
daß alle Bauteile eines technischen Systemes, gleich welcher Art, irgendwie mitein-
ander verbunden sind, so mag man daran die Bedeutung von Verbindungen für die
gesamte Technik ermessen.

Ordnun{]skriterien ji"ir Verbindunqen


Die Verbindung zweier Bauteile kann fest oder beweglich sein (Gelenk, Führung).
Sie dient üblicherweise zur Übertragung von Kräften oder Momenten, zur Führung
von Bauteilen, zur Befestigung von Schichten, zum Verbinden von textilen Fäden
und anderen Zwecken.
Unter einer Verbindung soll im folgenden jedes technische Mittel zur Verhinderung
oder Begrenzung von Relativbewegungen in nur einer oder mehreren Bewegungs-
richtungen zwischen einander berührenden oder benachbarten Bauteilen verstanden
werden. Eine feste Verbindung soll eine Verbindung mit dem Freiheitsgrad Null bzw.
mit dem Unfreiheitsgrad 6 sein. Eine bewegliche Verbindung kann die Gelenkfrei-
heitsgrade 1, 2, 3, 4, 5 oder 6 haben [25]. Lager und Führungen sind bewegliche Ver-
bindungen zweier Bauteile und sollen im folgenden mit in die Betrachtung einbezogen
werden.
Entwicklung verschiedener Funktionseinheiten 179

Verbindungen kann man, wie noch gezeigt wird, nach vier Kriterien ordnen, und
zwar nach den ihnen eigenen
physikalischen Prinzipien (Phänomenen),
Gestaltmerk malen,
Zwecken bzw. Benutzereigenschaften und
Herstellverfahren.
Läßt man die Herstellverfahren von Verbindungen als Ordnungskriterien außer
acht, so kann man diese nach den drei verbleibenden Kriterien, physikalisches Prinzip,
Gestaltmerkmalen und nach ihrem Zweck bzw. ihren Eigenschaften ordnen. Ent-
sprechend ist eine umfassende Systematik der Verbindungen als dreidimensionales
matrixartiges Gebilde vorstellbar, wie es Bild 14.1.1 andeutet.

Gestalt -
merkmcle

Bild 14.1.1. Schema für eine Ordnung tcchnischer Verbindungen


nach physikalischen Prinzipien, Gcstaltmerkmalen lind Zwecken
(Eigenschaften bzw. Aufgaben)

Gestaltmcrkmalc um Vcrhindun{fCn
Die Wahl eines geeigneten physikalischen Effekts zur Realisierung einer Verbindung
führt zu einer bestimmten Prinzip- oder Basislösung, die noch keine endgültige Ge-
stalt hat. Die eigentliche Gestalt wird erst in weiteren Konstruktionsschritten - der
Entwurf- oder Gestaltphase - festgelegt. Dementsprechend erscheint es zweckmäßig,
die die Gestalt einer Verbindung bestimmenden Merkmale als weiteres Ordnungs-
kriterium zu nutzen und Verbindungen auch hiernach zu ordnen.
Die Gestalt eines Bauteiles, einer Baugruppe oder einer Maschine wird durch sechs
Parameter der Gestalt beschrieben. Wie noch näher erläutert wird, kann man ent-
sprechend zwischen sechs unterschiedlichen Gruppen von Gestaltvarianten von Ver-
bindungen unterscheiden und nach diesen ordnen.
Diese sechs unterschiedlichen Gruppen von Gestaltvarianten entstehen durch
systematische Variation der
Abmessung,
Form,
IXO Selektion von Lösungen

- Zahl ,
Lage,
Reihenfolge bzw. Anordnungsstruktur und
Verbindungsstruktur
der Gesamtelemente [80].
Bild 14.1.2 zeigt am Beispiel einer einfachen Drehmitnehmerwelle die durch Ab-
messungs-, Form-, Zahlwechsel usw. der Wirkflächen entstehenden jeweiligen
Gruppen (Familien) von Gestaltvarianten.

Zwecke und EiiJenschaften von Verbindunyen


Verbindungen technischer Systeme dienen im allgemeinen unterschiedlichen Auf-
gaben (Zwecken). So können diese den Z weck haben,

Ausgangs-
Drehm itnehme r
gestal t

Abmessung
© @ @ @
Form
@ @ @ (Q)
[b ffi @ @
r
I
I
.

,
I
I

e
I I

Zahl

~ :(:fl

:=!;m
.
;~ . if'

Lage
0 @©©
Anordnung !
Reihenfolge @ @ D
Verbindu ngs -
st ru kt u r
D CQ)
Bild 14.1.2. Gestaltvariation einer Drehmitnehmerwelle mit ents prechendem Paßstück (Auszug):
Aufgabe (Zweck) und der zur Realisierung genutzter Effekt sind bei allen Gestaltvarianten gleich:
Beispiel einer "Gestaltsystematik"
Entwicklung verschiedener Funktionseinheiten 181

zwei Bauelemente (Bauteile) oder Baugruppen unbeweglich miteinander zu ver-


binden (feste Verbindungen),
Bauteile oder Baugruppen nur in bestimmten Richtungen unbeweglich, in anderen
beweglich miteinander zu verbinden.

Diese in bestimmten Richtungen beweglich, in anderen Richtungen unbeweglichen


Verbindungen sollen im folgenden "bewegliche Verbindungen" bzw. "Gelenke"
oder "Führungen" genannt werden. Sie können den Freiheitsgrad I, 2, 3, 4, 5 oder 6
bzw. den Unfreiheitsgrad 5, 4 3, 2, I oder 0 haben. Beispiele sind unter den Begriffen
Lager, Gelenke, Führungen, Kupplungen, Mitnehmer und Ketten bekannt. In
bestimmten Richtungen bewegliche Verbindungen können des weiteren sekundäre
Eigenschaften haben wie

rotatoriseh, translatorisch oder allgemein beweglich,


umlauffähig oder nicht umlauffähig,
reibungsarm oder nicht reibungsarm,
-- gleitend, wälzend, elastisch beweglich oder gemischt gleitend-wälzend.

Sie können ferner


wartungsarm oder nicht wartungsarm sein und auch noch andere Eigenschaften
haben.

Verbindungen können darüber hinaus den Zweck haben,


-- relativ dünne Schichten auf anderen Stoffen zu halten (z. B. Anstriche, aufge-
dampfte Schichten, galvanische Überzüge),
- textile Fäden, Schnüre usw. aneinanderzureihen bzw. zu verbinden (verknüpfen).

Ein Beispiel für eine Systematik von beweglichen Verbindungen, bei der diese nur
nach dem jeweiligen Zweck (Eigenschaft) der Verbindung geordnet sind, ist die aus
der Getriebelehre bekannte Systematik der Gelenke unterschiedlicher Freiheitsgrade
(Bild 14.1.3). Sie sind lediglich nach ihrer 'Eigenschaft "Freiheitsgrad" geordnet;
Variationen des physikalischen Prinzips und der Gestalt wurden absichtlich nicht
berücksichtigt.
Den drei genannten Kriterien entsprechend, kann man Verbindungen nach ihrem
physikalischen Prinzip. nach ihren Gestaltmerkmalen und nach ihrem Zweck bzw.
ihren Eigenschaften ordnen. Entlang den Koordinatenachsen, die in Felder eingeteilt
sind, kann man sich jeweils in einem Feld ein physikalisches Prinzip, ein Gestaltmerk-
mal und einen Zweck (eine Eigenschaft) von Verbindungen eingetragen denken (s.
Bild 14.1.1). In dem im Schnittpunkt der Koordinaten liegenden Fach ist die Lösung
(oder Lösungen) zu finden, die dem jeweils angegebenen Prinzip, Gestaltmerkmal
und Zweck an den Stellen der Koordinatenachsen entspricht. Welche Möglichkeiten
zum Aufbau von Verbindungssystematiken kann man aus dieser Erkenntnis ableiten?
Verbindungen lassen sich grundsätzlich nach unterschiedlichen physikalischen
Prinzipien, Gestaltmerkmalen oder Zwecken ordnen, wobei jeweils zwei nicht als
Ordnungskriterien benutzte Variablen (z. B. Gestalt und Zweck, Prinzip und Gestalt
oder Prinzip und Zweck) konstant gehalten werden können.
Man kann die beiden nicht als Ordnungskriterien genutzten Variablen auch offen
lassen (eindimensionale Systematiken). Der Prinzipkatalog 3 (s. Anhang) der physika-
-----------------
.. Eigenschaftsönderung/Freiheitsgrad
X
1->
Untreiheiten 6 5 t.
Darstellung
der
Unfreiheilen )- )- ~ )= )= ~ )= )--
Beispiel *

~~ ~~
~ @ ~ ~I-I* ~ ~
-~
,
~ -

Unfreihei ten 3 2
Darstellung
der }-c )=. )=
Unfreiheiten ~ ~ )=. )=- ~
Beispiet
~" ~"
~ c$J ~
{W ~
!" ~ 1J
Unfreiheiten 2 1 0
Translation in Rototion in
Darstellung
der C/l
<>
Unfreiheit en
)= )= )= ~ J= &'Li),
),.--\)-:0 '"::::
Beispiel
. *
}= Ci
c/'< ::>

'::>o"
_ • unfrei = o frei r
~:
@ II1 [Th? 1. <=
::!
'IQ

Bild 14,1.3, Va ri a ti on der Eig cnsclHlf'l "Freih eil sgra d " cincs Gclenk s; Beispiel fü r ein e "Eigc nschaft syslcma lik"; die mil · geke nn ze ic hneten G elenk e sind
• "::>
a ll s mchrercn "Elcmcnla rgc lc nk cn" zlba llll11 cngcsclzl
['Tl
Phys ikalisches Pr inzip ::s
?0"
,.,-
:::
::s
Bezeichnung Lag er und Führ u nge n (Jq
."

~
r.
::;'
1 2 3 I, 5 6 (; '
Kohäsio n 0-
(1)

Physiko lischer Oberflächen - Hookesches Aer 0 - 1 Aero -I ::s


Adhä s ion ~
Effekt spannung Gesetz Hydros tatik Hydrodynamik "Tl
StotfschluO Formschlun :::
C ::s
QJ ;:'
.....
.... Ci
o ~
..c (1)
u :;
~,~-," ::;'
C
'" Pr inzipie n I A.,: A' I ~.
QJ m/IJ////~~
01 rn CI ~ ~ -;;- y;~ 0;-- ro
::s
W Hg
J:: D, I
rotatorisch ff ' ~ /-
be w egl ich
-&Hg :;,-.:. .. ~EfG: . ~
~ % -.=- f l /'/ ~
I
~
. -
t ransla torisch " :' ~"';-':
be weglich
-- iiI .: 1 '
~~ Hg d1l t
Bild 14. 1.4. Ordnung vo n Vcrbindungcn nach physikalischcn Prin zipicn und Eigenschaften. hier: rola l ori sche und lranslalorischc Bewcg lichkeil : Beispiel
cincr .. Prin zip -Eigcnschaft-Systcm<!l ik"
=
oe
'""
IR4 Selektion von Lösungen

lischen Effekte für die Operation Fügen (Verbindungen), ist hierfür ein Beispiel. Dabei
ist zur Darstellung des betreffenden Prinzips irgendeine Gestalt gewählt; auch wird
der mit einem bestimmten Verbindungsprinzip möglicherweise zu erfüllende Zweck
einer Verbindung offen gelassen.
Bild 14. 1.2 zeigt dagegen die Systematik einer Drehmitnahme zweier Profilwellen
mit variabler Gestalt bei konstantem Zweck (Momentenübertragung, Wellen teleskop-
artig ineinander verschiebbar) und konstantem physikalischen Prinzip (Kohäsion).
Schließlich zeigt Bild 14.1.3 eine Systematik von Gelenken mit variablen Eigen-
schaften (Zwecken bzw. Freiheitsgraden, offen gelassenen bzw. beliebigen Gestalt-
varianten und zwei unterschiedlichen physikalischen Effekten , nämlich der Kohäsion
(s. Gelenke des Freiheitsgrades 0 bis 5) und dem Hookeschen Effekt (s. Federgelenke
mit Freiheitsgrad 6). Will man in dieser Systematik korrekterweise nur Lösungen eines

Pr i nz ip

Ae r o- / Aer -I
Elektro-
Hydro - Hyd ro -
magnetik
stat ik dy namik

GI
o
E
.x
....
<lI
E

Bild 14.1.5. Ordnung von Verbin-


dungen nach physikalischen Prin-
zip- und Gestaltmerkmalen, hier:
rotatorisch bewegliche Verbindun-
gen (Lager); Beispiel für eine " Prin-
zip-Gestalt-Systematik "
tn
::l
Ausgangs- Ausgangs -
Stehlager ges talt Ge radf ührungen ~
gestalt ;:S'

"'C"
::l
~
<
~
Abmessung rl
::r-
n; '
0.
(1)
::l
~ , ~ ~ ~[;J ~
"Tl
"::l
Fo r m ~
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(1)

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(1)

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Zahl

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Lage
, ~ [j w
R,;h,01o 19' ~
I -
[j i]
Bild 14. 1.6. Ordnung von Verbindungen nach Geslallmerkmalen und Eigenschaften, hier : Steh lager und Geradführung: Beispiel für eine " Gesta lt-Eigcllscha ft-
Systema tik" 00
lJ>
186 Selektion von Lösungen

Prinzips (Kohäsion) zeigen , müßte man das Federgelenk durch ein Gelenksystem
mit Freiheitsgrad 6, bestehend aus nur starren Einzelteilen, ersetzen. Der Leser mag
sich selbst überlegen, wie ein solches Gelenk mit sechs Freiheitsgraden aussehen würde.
Darüber hinaus läßt sich diese " dreidimensionale" Systematik der Verbindungen, wie
sie Bild 14.1.1 schematisch zeigt, in viele "zweidimensionale"' Systematiken gliedern:
hierzu kann man sich die Systematik nach Bild 14.1.1 in unterschiedliche Ebenen
parallel zur x,y-, x,z- oder z,y-Ebene geschnitten denken. Mit anderen Worten:
Verbindungen können auch nach zwei Variablen geordnet werden , und zwar nach
Prinzipien und Gestaltmerkmalen,
~ Prinzipien und Eigenschaften und /oder
~ Gestaltmerkmalen und Eigenschaften.
Die nicht als Ordnungskriterium genutzte dritte Variable wird dabei jeweils kon-
stant gehalten.
Ein nach Prinzipien und Eigenschaften geordneter Ausschnitt einer Systematik
beweglicher Verhindungen zweier Bauteile ist in Bild 14.1.4 zu sehen. Für Prinzipien ,
für welche keine Lösungen mit den Eigenschaften "rotatorisch oder translatorisch
beweglich" existieren, sind leere Felder ausgewiesen. Eine nach Prinzipien und Ge-
staltmerkmalen geordnete Systematik (Ausschnitt) gelenkiger Verbindungen (Lager)
zeigt Bild 14. 1.5, eine nach Gestaltmerkmalen und Eigenschaften geordnete Syste-
matik von rotatorisch bzw. translatorisch beweglichen Verbindungen (Gelenke und
Führungen) zeigt Bild 14.1.6. Der Vollständigkeit wegen sei hier noch kurz darauf
hingewiesen, daß die Fertigung und Gestalt einer Verbindung auch noch von den

Aus ga ng s- teste Ver bindung


si t uat ion

I
~
i
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a

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I
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b
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c

88 f ::EI}
Bild 14.1.7. Einfluß der Randbedingungcll
auf die G estalt einer festen Verbindung:
a) dicke Platte mit dicker Platte: b) dünne
Pla tte mit dünner Pl a tte : c) dickes Rohr mit
d dickem Rohr : d) dünn es Rohr mit dünnem
Rohr
m
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Ausgangsges tall Gestaltvar iante n
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I \ ~ : J :-'1 ~ (I)
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1 ~ G~~~ :=-_l
Lage ,
~ ~~ I r -=-==-S~'J

Reihenfolge ' .
-- - - - ~~
E!- EJ
Bild 14.1.8. Verschiedene Beispiele der Gestall va ri a tion eine r V erbindung d ureh F orm· , Abm ess un gs· , Za hl -, Lage- und
Reihenfo lgewechsel (Überblick)

""-.J
I SR Selektion von Lösungen

Randbedingungen abhängen, unter denen eine Verbindung zu gestalten ist, so z. B.


die Gestalt der zu verbindenden Bauteile oder deren Werkstoffe (Metall oder Kunst-
stoff), Bild 14.1.7 zeigt hierzu einige Beispiele.

Systematik der Verhindunysflächen


Wegen ihrer grundlegenden Bedeutung für die Konstruktion sei abschließend noch
auf die Gestaltungsmöglichkeiten von Verbindungsflächen eingegangen .
Eine Verbindung zweier Bauteile besteht wenigstens aus j e einer Verbindungsfläche

r------.. Formwechsel

1 2 3 L.. 5 6 7
Ebene Zylinder Kegel Kugel Torus Schraube Allgem .FI.

*
bJ
A

Ebene @ @ ~~ ,@)l-
$
CI (;
B

~ ~ t)
"/
Zyl inder
~ ;li

t
C

Kegel ~ $$ ~
!i I 0
0

Kugel ~.

±
E

Torus a- ~
F

Schraube
tD ~


G

Allgem . FI .

Bild 14.1.9. Gestaltsystcmatik der Verbindungsflächen durch Form wechse l (Auszug) : Kantcn be-
rührung durch * gcke nnzeichnet
Entwicklung verschiedener Funktionseinheiten 189

des einl:n und des anderen Bauteils bzw. aus einem Paar einander flächen-, linien- oder
punktförmig berührender oder nahe benachbarter Flächen. Es können auch Kombi-
nationen aus Flächen und Kanten (z. B. Wire-Wrap-Verbindungen) oder aus Kanten-
paaren vorkommen. Alle möglichen Gestaltkombinationen zweier Verbindungsstellen
erhält man, wenn deren Gestaltparameter - Abmessung, Form, Zahl, Lage, Rei-
henfolge und Verbindungsstruktur der Wirkfläche - systematisch variiert werden.
Verbindungst1ächen können verschiedene Formen annehmen, Abmessungen unter-
schiedlich oder gleich sein (Bild 14.1.8, Zeilen I und 2). Verbindungen unterschiedlicher
Gestalt ergeben sich auch, indem die Zahl der an der Verbindung beteiligten Wirk-
flächen variiert wird (Bild 14.1.8, Zeile 3). Weiterhin findet man unterschiedliche
Gestaltvarianten, wenn man die Lage der Verbindungsflächen bezüglich des Bauteiles
systematisch wechselt (Wenden der Flächen). Theoretisch gibt es bei Flächen mit
unterschiedlicher "Vorder- und Rückseite" (konkav bzw. konvex) insgesamt 22 = 4
Lagewechsel, wobei jeweils ein Lagewechsel meist ohne praktische Bedeutung ist
(Bild 14.1.8, Zeile 4, Strichlinien).
Schließlich gelangt man noch zu weiteren Gestaltvarianten, wenn die Reihenfolge-
struktur der Elemente gewechselt wird. Ein aus den Flächen Kegel, Zylinder (Zentrier-
ansatz) und Gewinde bestehendes Verbindungselement ändert seine Gestalt auch
dadurch, daß diese drei Flächenelemente in unterschiedlicher Reihenfolge angeordnet
werden (Bild 14.1.8, Zeile 5).
Bild 14.1.9 zeigt mögliche Formwechsel und Kombinationen von Verbindungs-
flächen. (Der Stern in Feld A6 soll auf die in diesem Fall auftretende Kantenberührung
zwischen Ebene und Schraubenfläche hinweisen). Bild 14.1.10 enthält die zu den
einzelnen Formenpaaren existierenden Lagewechsel-Gestalt-Varianten. Schließlich
gibt Bild 14.1.11 noch auszugsweise die Gestaltvarianten wieder, welche man durch
Zahlwechsel der verschiedenen Flächenkombinationen finden kann. In der äußeren
rechten Spalte der Systematik des Bildes 14.1.11 sind auch einige "kantenberührende
Verbindungen" angegeben. Wie das Beispiel "Wire-Wrap-Verbindungen" zeigt,
können derartige Verbindungen in manchen Fällen technische Bedeutung erlangen;
sie sollten deshalb nicht voreilig von einer umfassenden Betrachtung ausgeschlossen
werden. Die vorangegangenen Betrachtungen und Überlegungen machen deutlich,
in welcher Vielfalt Verbindungen in technischen Systemen vorkommen und welchen
Zeitanteil sie entsprechend bei Entwicklungen beanspruchen. Mit diesen Ausfüh-
rungen soll ein Weg für eine umfassende Ordnung und Systematik von Verbindungen
gewiesen und Anregungen für ein selbständiges Vorgehen bei der Suche nach einer
speziellen Verbindung für eine bestimmte Aufgabe gegeben werden.

14.2 Einfache Getriebe


a) Wechsel des Getrieheprinzips und der Getriehehauj(mn
Getriebe zur Lösung einfacher Bewegungsaufgaben werden in Maschinen und Geräten
ebenfalls sehr häufig benötigt. Überlicherweise kann man zur Verwirklichung einer
Bewegungsfunktion nicht nur die auf dem Hebeleffekt beruhenden mechanischen
Getriebe benutzen, sondern auch jeden anderen physikalischen Effekt, mit dem es
möglich ist, irgend eine Energieart in Bewegung (bzw. Bewegungsenergie) umzu-
wandeln, Bewegungen zu vergrößern oder zu verkleinern oder Bewegungsrichtungen
zu ändern. Für das Auffinden der für eine konkrete Aufgabe günstigsten Lösung oder
190 Selektion von Lösungen

1 2 3
Ebene Zylinder Kege l

A
@ &7 ~
Ebene

[3 8 Fal ~ ~
B

Zylinder

~
. .

~
C
~
Kegel

~
D

Kugel

Toru s

Schraube

Bild 14.1. 10. Gestaltsystematik der Verbindungsf1ächen durch La gewechsel (Auszug) der verschie-
denen Formvarianten nach Bild 14.1.9 ; Kantenberührung durch * gekennzeichnet

zur Entwicklung eines möglichst lückenlosen Kataloges für Bewegungssysteme ist die
Kenntnis aller existenten Bewegungsprinzipien, deren verschiedener Bauformen und
-arten Voraussetzung. Es wäre daher vorteilhaft, einen Algorithmus zur systematischen
Entwicklung aller möglichen Bewegungssysteme zu haben. Ausgangspunkt und Basis
für die Entwicklung einer solchen Methode (Algorithmus) ist die Erkenntnis, daß
Bewegungssysteme immer auf physikalischen Phänomenen beruhen, welche in der
Entwicklung verschiedener Funktionseinheiten 191

I. 5 6
Kugel Torus Schraube

& $ 1f
* A
~
Ebene

~ ~ ~
B

~ Zylinder

rrE m
m ~ ~ ~
C

0
Kegel

il&
A ~ rfh I ~
0

~ - ..J.
Kugel

{1S
~ 0rlli ~ , -
, .
m E

Torus

& € -33
F

Schraube

Lage sind, eine Bewegung bzw_ Bewegungsgrößen (Weg, Geschwindigkeit usw .) oder
Energiegrößen (Kraft, Moment) zu übertragen, zu verkleinern oder zu vergrößern
sowie in ihrer Richtung l zu ändern (Getriebe u. a. Bewegungssysteme) oder Energie

I Kraft, Weg. Geschwindigkeit ll. 3_ sind Vektoren


P
r - - - - - -.... Zahlwechsel ~
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Bild 14.1.11. GestahsystcmaLik der Verbindungsnächen durch Zah lwechscl bzw. Zah l- und Reihenfolgewechsel (un tere Zeile)
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"
Entwicklung verschiedener Funktionseinheiten 193

irgendeiner Form in Bewegungsenergie umzusetzen vermögen (Bewegung erzeugende


Systeme bzw. Motoren).
Die zuletzt genannte Gruppe der Bewegung erzeugenden Systeme soll hier nicht
weiter betrachtet werden. Für die erste Gruppe von Bewegungssystemen läßt sich
folgern, daß alle jene physikalischen Phänomene (Effekte) zur Entwicklung dieser
Systeme geeignet sind, welche eine Kraft bzw. ein Moment oder eine Bewegungsgröße
leiten (übertragen), vergrößern bzw. verkleinern und/oder in ihrer Richtung ver-
ändern können. Effekte, welche die genannten Eigenschaften haben, lassen sich formal
aus den entsprechenden Systematiken der Grundoperationen "Vergrößern", "Rich-
tungändern" und "Leiten" angeben.
Die mit Abstand am häufigsten angewandten Effekte zur Vergrößerung oder Ver-
kleinerung einer Bewegung sind der Hebel- und Keileffekt2 . Ferner eignen sich zur
Realisierung der o.g. Grundoperationen auch der Torsions- und Querkontraktions-
effekt, der Effekt der Druckkonstanz in Fluiden sowie elektrische und magnetische
Effekte. Bild 14.2.1 Zeile 2 zeigt die daraus folgenden Prinzipien für die entsprechen-
den Bewegungssysteme. Der Hebel- bzw. Keileffekt ist die Basis aller bekannten
Getriebe mit nur festen Elementen, wie Kurven-, Gelenk-, Räder- und Zugmittel-
getriebe (u. a.).
Der Torsionseffekt führt zu Getrieben mit einem oder mehreren elastischen Glie-
dern; angewandt wird dieses Prinzip zur Vergrößerung kleiner Bewegungen im sog.
Microkator, einem Gerät zur mechanischen Messung extrem kleiner Längenände-
rungen (1/10000 mm).
Eine Anwendung der Querkontraktion elastischer Körper bei Zug- oder Druck-
belastung zu kinematischen Zwecken, wie in Bild 14.2.1 angedeutet, ist bisher nicht
bekannt geworden. Zur Verdeutlichung und Vervollständigung des systematischen
Vorgehens wird diese Möglichkeit hier mit aufgenommen.
Auf dem Effekt der Druckkonstanz in Gasen und Flüssigkeiten (statischer Fall)
basieren alle sog. hydrostatischen Getriebe, welche neben festen auch hydraulische
bzw. pneumatische Elemente verwenden.
Die Möglichkeit, Kräfte durch elektnsche oder magnetische Felder zu erzeugen und
zu übertragen, führt schließlich zu Bewegungssystemen mit magnetischen bzw. elek-
trischen Elementen. Verwandt werden solche Systeme insbesondere zur mechanisch-
verbindungslosen Übertragung von Bewegungen durch Glas- oder andere Wände
hindurch.
Von größerer Bedeutung für technische Getriebe sind bisher nur der Hebel- bzw.
Keileffekt und der Effekt der Druckkonstanz in Flüssigkeiten geworden, alle anderen

2 Wie man theoretisch zeigen kann, lassen sich Hebel- und Keilgetriebe ineinander überführen. Das
in Bild 14.2.1. Zeile 2. Spalte 2 gezeigte Hebelgetriebe sei als Prinzip- oder Basislösung des Hehel-
effektes definiert. Läßt man in Gedanken den Drehpunkt eines Hebels mit dem Gestell gegen un-
endlich wandern. so kann dieses Glied nur eine translatorische Bewegung ausführen; das ursprüng-
liche Getriebe mit einem rotatorischen An- und einem rotatorisehen Abtriehsglied geht in ein
Keilgetriehe mit translatorischcm Abtriebsglied über. Läßt man beide Hebeldrehpunkte des Prin-
zipbildes nach unendlich gehen. so entsteht aus dem Getriebe nach Bild 14.2.1 Zeile 2. Spalte 2 ein
Keilgetriehe mit zwei translatorisch beweglichen Gliedern. Hieraus folgt. daß Heoel- und Keil-
getriebe prinzipiell identische Getriebe sind. Aus praktischen Gründen sollen sie hier mit eigenem
Namen gekennzeichnet und von Fall zu Fall auch als zwei "verschiedene" Getriebe betrachtet
werden
194 Selektion von Lösungen

Systematik der Bewegungssysteme

1 Gru ndop ero tion


-KJ- -1A --{~J- 1-~ +--+
L L L L
Ph~Si k . Effekl
J OUerkontroklions-
Ge rie be-Prinz ip Hebel-lKeiigelr. Torsionsgelriebe gel riebe Fluidgelriebe Eleklr.!Hagn.Gelr.

2 Prinzip
~~~
Ao 80
L
x
Xt

L
x,
XI

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--

L
---
--
--
---- - - - ----
---
--
I~
IGJ L
I Rader- / Zug - / Druck -
Kurvengelriebe Gelenkgelriebe Hybride Getriebe
Wälzhebelgetriebe mittelgelriebe

~ g ..
Gestallvorianten

~. ~
3 1. Ordnung

~
( Getriebeorl ) A, '_ ! ,

Ebene Kurvengetr. Ebene Gelenkgeir. Ebene Rädergetr. Ebene Zug-/Druck· Ebene Hybride Getr.
Schwingen - Stimrodgetriebe mitlelgelriebe
Gesta llvorionlen Stößel -
Keil-
2.0rd nung
Sphär. Kurvengelr. Sphär. Gelenkgetr. Sphär. Rödergelr. Sphär. Zug -/ Druck, Sphör. Hybride Gelr.
Ebene Kugelkurvengetr. Kegelrodgelriebe miltelgelriebe
4
Sphärische
Räumliche
Räum!. Kurvengetr. Räum!. Gelenkgelr. Räum!. Rädergetr. Raum!. Zug-/ Druck- Räum!. Hybride Gelr.
Getriebe Zyl~ Kurvenge tr. Schraubenrodgetc mittelgetriebe
Schraubgetnebe Schneckenrodgetr.
HyperllolOOrlIlgetc
Bild 14.2. 1. Systematik der B ewegungssysteme

Effekte werden nur in relativ wenigen Fä llen (Microkator) oder überhaupt nicht
angewandt.
Aus der Prinziplösung des Hebeleffektes (Bild 14.2.1) lasse n sich mit den Gestal-
tungs- und Entwurfsregeln folgende bekannte Getriebearten ableiten: Kurven-,
Gelenk-, Wälzhebel- bzw. Räder- und Zug- bzw. Druckmittelgetriebe (Bild 14.2.1,
Zeile 3). Das Kurvengetriebe entspricht der allgemeinsten Form eines Hebelsystems.
Gekennzeichnet ist dieser Getriebetyp durch ein gleichzeitiges Wälzen und Gleiten
im Berührpunkt (Gelenk) der beiden Hebel bzw. Kurven. Schraubengetriebe sind bei
dieser qualitativen Betrachtungsweise als eine spezielle Bauform des allgemeinen
Kurvengetriebes zu betrachten. Die Bedingung, daß in dem Berührpunkt der beiden
Hebelkörper nur Wälzen (kein Gleiten) auftreten so ll. liefert das wesentliche Merkmal.l

3 Der Berührpunkt der beiden Hebel liegt bei Wiil zgetrieben immer exakt auf der durch die Dreh-
punk te An _ B" gegebenen Ge raden
Entwicklung verschiedener Funktionseinheiten 195

zur Konstruktion von Wälzhebelgetrieben. Als Rädergetriebe werden üblicherweise


jene speziellen Wälzhebelgetriebe mit geschlossenen Kurvenkonturen bezeichnet.
Die Gelenkgetriebe (auch Koppel- oder Kurbelgetriebe genannt) sind dadurch
gekennzeichnet, daß die einzelnen Hebel durch Drehgelenke4 so verbunden sind, daß
sich die benachbarten Glieder nur auf Kreisbahnen gegeneinander bewegen können.
Schließlich kann man sich Zugmittel getriebe aus Rädergetrieben dadurch entstanden
denken, daß das dem Zugmittel entsprechende Hohlrad eines Rädergetriebes biege-
elastisch wird. Druckmittelgetriebe sind bei dieser qualitativen Betrachtungsweise
bis auf die Art der Beanspruchung des Mittels mit Zugmittelgetrieben identisch.
Unabhängig von der mit einem Getriebe zu realisierenden Bewegungsfunktion,
kann die Gestalt eines Getriebes ferner noch sehr markant durch die Lage der Getriebe-
achsen beeinflußt werden. Die Lage der Achsen jeder in Bild 14.2.1, Zeile 3 gezeigten
Getriebeart kann so festgelegt werden, daß alle Achsen parallel sind, sich in einem
Punkt schneiden oder eine allgemeine räumliche Lage zueinander haben. Die diesen
Achsenlagen entsprechenden Getriebegestaltvarianten werden als ebene. sphärische
bzw. räumliche Getriebe bezeichnet (Bild 14.2.1, Zeile 4).
Zusammenfassend kann man folgendes festhalten : Bewegungssysteme können
auf verschiedenen Prinzipien bzw. physikalischen Effekten beruhen. Die Gestalt von
Bewegungssystemen kann durch die Lage der Achsen (eben, sphärisch, räumlich)
wesentlich variiert werden. Bei Hebelsystemen kann man zweckmäßigerweise zwi-
schen Kurven-, Gelenk-, Wälzhebel- (Räder-), Zug-/Druckmittelgetrieben und
Kombinationen der genannten Arten (Hybridgetriebe) unterscheiden.
Nach den vorangegangenen Ausführungen ergeben sich zur qualitativen Synthese
von Bewegungssystemen folgende Möglichkeiten:
zu unterschiedlichen Lösungen für eine Bewegungsaufgabe kann man dadurch
gelangen, daß man das Prinzip (Hebel-/Keileffekt, Druckkonstanz in Flüssigkeiten,
Torsionseffekt u. a.) oder die Bauart (Kurven-, Gelenk-, Räder-, Zug- oder
Druckmittelgetriebe u. a.) variiert. Die Bauart der genannten Getriebetypen kann
im allgemeinen auch noch dadurch weiter variiert werden, daß man diese Getriebe
als ebene, sphärische oder räumliche Getriebe, d. h. mit parallelen oder sich in
einem Punkt schneidenden oder mit beliebiger Achslage ausbildet.
Zur' Verdeutlichung des Gesagten zeigen die Bilder 14.2.2 und 14.2.3 einige Beispiele
aus der Praxis.
Bild 14.2.2 zeigt exemplarisch verschiedene Getriebebauarten zum Öffnen und
Schließen VOll PKW-Fenstern. Die meisten dieser Lösungen wurden tatsächlich im
Laufe der Entwicklung in verschiedenen Fahrzeugen eingesetzt. Dieses und auch das
folgende Beispiel soll zeigen, daß man durch einen Wechsel der Getriebebauart
systematisch zu unterschiedlichen Lösungen einer Bewegungsaufgabe gelangen kann.
Als Wechsel der Getriebeart soll die alternative Verwendung von Kurven-, Gelenk-,
Räder-, Zugmittel-, Druckmittel- oder hybriden Getriebetypen verstanden werden.
Das Schraubgetriebe gilt bei dieser Betrachtungsweise als spezielles räumliches Kur-
vengetriebe, welches aus dem Keilgetriebe abgeleitet werden kann. Bild 14.2.3 zeigt
drei addierende Getriebe zur Decodierung von binären Signalen als weiteres Bei-
spiel für einen Wechsel der Getriebeart (Gelenkgetriebe (a), Zugmittelgetriebe (b)

4 Das Schubgelenk ist als Drehgelenk mit gegen unendlich gehendem Radius aufzufassen
196 Selektion von Lösungen

~--

[
'. '\ ~ ~ ~
" \. '"
' '\ ""
/-~\

Kurvengelriebe Gel~nkge!riebe Rödernelriebe


a b c

Zugmillelgelriebe or u[km ilIe 1ge Ir ie be SChra ubge I rie be


d e f

Bild 14.2.2a~f. Lösungsalternativen für ein Fensterhebegetriebe bei Personenkraftwagen, Wechsel der
Getriebeart: Kurvengetriebe (a und f), Gelenkgetriebe (b), Rüdergetriebe (c), Zug- bzw. Druckmittel-
getriebe (d, c)

X1 ()-_.-
1:1
X2 0--- i_I: 2 2 3
X3 0--- - 1: 4 " 0 0 0

XI. 0-- 1 :8

X2 XI. G
Xs t X1
tTitTil-Ti
-JIuIUIl:-- Xs
1-[1--[1 -i
X2 X3 XI.
X3 X1 e c

a
Bild 14.2.3a-c. Verschiedene in ihrer Funktion identische decodierende Getriebe mit vier Freiheits-
graden: Gelenkgetriebe (a), Zugmittelgetriebe (b). Rüdergetriebe (c)

und Rädergetriebe (c». Decodierende Getriebe wurden häufig in Datenfernschreib-


geräten angewandt.

Beispiel: Anpreßvorrichtuny
Es sei die Aufgabe gestellt. eine Anpreßvorrichtung zu konstruieren. welche die Ro-
tation einer von Hand angetriebenen Welle in eine translatorische Anpreßbewegung
Entwicklung verschiedener Funktionseinheiten 197

umsetzt. Zur Erzeugung einer relativ großen Anpreßkraft ist die Abtriebsbewegung
gegenüber der Antriebsbewegung stark zu verkleinern (übersetzen). Aufgrund räum-
licher Gegebenheiten muß die Eingangswelle horizontal angeordnet werden. Ferner
soll das Abtriebsglied in vertikaler Richtung wirken (Bild 14.2.4 oben).
Hieraus ergibt sich folgende Abstraktion : Die Rotationsbewegung einer horizontal
anzuordnenden Welle ist in eine Translationsbewegung umzuwandeln; diese ist zu
verkleinern und in ihrer Richtung so zu verändern, daß schließlich eine vertikale An-
preßbewegung entsteht. Eine von mehreren möglichen Grundoperationsstrukturen
zeigt Bild 14.2.4a. Da die Reihenfolge der einzelnen Operationen für diesen Fall
beliebig gewählt werden kann, erhält man durch systematisches Vertauschen der
Reihenfolge der drei Grundoperationen "Wandeln", "Verkleinern", "Richtung-
ändern" insgesamt sechs Grundoperationsstrukturen .
Zum Aufzeigen von möglichen Konzepten ist es zweckmäßig, eine Kombinations-
systematik mit den Einzellösungen der Grundoperationen zu entwickeln (Bild 14.2.5).
In den Spalten dieser Systematik sind für das Wandeln, Verkleinern und Richtung-
ändern jeweils Lösungsvarianten angegeben, welche durch einen Wechsel der Ge-
triebeart (Spalte I bis 4) und des Getriebeprinzips (Spalte 5) gefunden wurde. In der
I. Zeile finderi sich jeweils Getriebe verschiedener Art zum Wandeln von Rotations-
in Translationsbewegung. (Da sich bei dieser Operation die Dimension der Bewe-
gungsgrößen ändern (Weg ..... Winkel; Geschwindigkeit ..... Winkelgeschwindigkeit
usw.), wird diese Operation entsprechend der Definition (Abschn. 7.3) mit "Wandeln"
bezeichnet). Die 2. Zeile zeigt verschiedene Arten von Getrieben zum Verkleinern
einer Bewegungsgröße. In der 3. Zeile sind Getriebe zur Änderung der Richtung des
Weges, der Geschwindigkeit bzw. der Kraft angegeben. Wegen ihrer großen prak-

Grundopprot ionsstru turpn

o A

b B

c c
Bild 14.2.4. Anpreßvorrichtung, Grundoperationsstrukturen und Lösungen
198 Selektion von Lösungen

tischen Bedeutung sind in der I. Spalte neben einem weitgehend allgemeinen Kurven-
getriebe mit stößeIförmigem Abtriebsglied auch noch das Schraub- und das Keil-
getriebe aufgenommen ; beide Getriebe gelten als Gestaltvarianten des allgemeinen
Kurvengetriebes. Die Pfeile am Ein- und Ausgang der einzelnen Getriebe sollen die
realisierte Operation nochmals symbolisieren. Es ist noch besonders zu bemerken,
daß das Kurvengetriebe mit stößelförmigem Abtriebsglied (I. Spalte) sowohl eine
Bewegungsform in eine andere wandeln kann (I. Zeile), Wege verkleinern (2. Zeile)
sowie auch die Bewegungsrichtung zu ändern vermag (3. Zeile).
Lösungen für das Gesamtkonzept lassen sich nun mit Hilfe der Kombinations-
systematik leicht angeben. Sie entstehen durch die Kombination vonje einer Lösungs-
variante jeder Zeile, d. h. jeder angegebenen Operation, zu einem Gesamtsystem.
Wählt man dabei für die Operationen Wandeln und Verkleinern jeweils ein Schraub-
getriebe (Spalte I, Zeile I bzw. Spalte I, Zeile 2) und zur Richtungsänderung ein Keil-
getriebe (Spalte I , Zeile 3), so erhält man eine Prinziplösung, wie sie Bild 14.2.4A
zeigt. Eine besonders einfache Lösung erhält man, wenn für alle drei Operationen
das Kurvengetriebe mit stößelförmigem Abtriebsglied gewählt wird. Die entsprechen-
de Lösung zeigt Bild 14.2.4B. Schließlich wurde im Falle der Lösung C zur Wandlung
der Bewegungsform und zum Verkleinern der Bewegung ein Schraubgetriebe und
zur Richtungsänderung der Bewegung ein FluidgetriebeS (Spalte 5, Zeile 3) gewählt.
Rein formal gibt jede Lösungsalternative der Zeile I des Bildes 14.2.5 kombiniert
mit jeweils einer Alternative aus den Zeilen 2 und 3 ein der AufgabensteIlung ent-

Prinzip Hebel elri ebe Fluit!lelri e be

I ~~ 2.0 rdnun v Zug-I Druckmitt et-


Kurvengel ri ebe Ge le nk get ri ebe Räde rget riebe Get ri e be
Grundfunklio

~
if=E. ~ 0~
....

~
-$ )
-0-
I

~
1

~
* t *
I
-~
---c2t- ~ .... _...~.,' -:.
~--ijE" I

~
-rsl ~ * IP ~
.~)
-B- ~~ -. -.-----,:
..

Bild 14.2.5. Getriebe- Kombina tionssystematik

5 Neben dem Richtungsändern hat dieses Getriebe a uch noch die Eigenschaft, Wege zu ver-
kleinern
Entwicklung verschiedener Funktionseinheiten 199

sprechendes Getriebegesamtkonzept. Theoretisch ergeben sich bei Nutzung aller


Kombinationsmöglichkeiten insgesamt 63 = 216 Konzeptvarianten. In der Praxis ist
an diesen Syntheseschritt anschließend ein Selektionsvorgang durchzuführen , dessen
Ziel es ist, die für den betreffenden Fall günstigste Konzeptvariante anzugeben. Da
es in dem vorliegenden konkreten Anwendungsfall u. a. besonders auf eine geringe
Bauhöhe ankam, erschien hierfür die Lösung nach Bild 14.2.4A als am besten geeignet.

b) Wechsel der Bewe{junflS!'o/'m

Häufig ist in Maschinen und Geräten ein bestimmtes Bauteil nur in verschiedene
Lagen zu bewegen, dabei kommt es oft nicht auf die Form der Bewegung an . Bei-
spiele für solche Mechanismen sind elektrische Schalter, Türen, bestimmte Vorschub-
einrichtungen, Sitzhöhenverstelleinrichtungen und viele andere Dinge mehr. In allen
Fällen, wo es bei der Bewegung nicht auf die Form der Bewegung des Bauteiles,
sondern lediglich auf das Anlaufen bestimmter unterschiedlicher Lagen eines Bau-
teiles ankommt, findet man verschiedene Gestaltvarianten für Getriebe
durch einen Wechsel der Bewegungsform des Abtriebsgliedes. Dabei kann die
Bewegungsform des Abtriebsgliedes rotatoriseh, translatorisch oder von allge-
meiner Form sein.
Beispiele für einen Wechsel der Bewegungsform sind rotatorisch, translatorisch
oder allgemein bewegte Türen, wie Drehtüren, Schiebetüren bzw. Gelenkgetriebe-
türen ; letztere kommen manchmal bei Straßenbahnen, Rennautos oder anderen
Fahrzeugen vor. Für die Betätigung elektrischer Kontakte ist die Bewegungsform
ebenfalls belanglos. Ein Wechsel der Bewegungsform führt, wie man gedanklich
leicht nachvollziehen kann, zu dem bekannten Drehschalter (Rotation), Druckknopf-
schalter (Translation) oder mittels Gelenkgetriebe betätigten Schalter.

Gesamtstruktur losung 1: Bewegungstorm : Transtation

~~
t Translation
lösung 2: Bewegungstorm : Rotation

lösung J: Bewegungstorm :

Bild 14.2.6. Entwickeln von Lösungsaltemativen


durch Wechsel der Bewegungsform am Beispiel
einer Werkstück- Vereinzelungseinrichtung
200 Selektion von Lösungen

Bild 14.2.6 zeigt zur Vereinzelung von zylinderförmigen Werkstücken drei ver-
schiedene getriebetechnische Lösungen, welche durch Wechsel der Bewegungsform
gefunden werden konnten. Die Aufgabe bestand darin, die im Speicher befindlichen
zylinderförmigen Werkstücke einzeln dem Werkstücklift bzw. der Bearbeitungs-
stelle zuzuführen. Die Teilbilder a, b, c zeigen jeweils die getriebetechnische Lösung
mit translatorischer, rotatorischer und allgemeiner Bewegungsform des Getriebe-
gliedes zur Vereinzelung dieser Werkstücke.
IV. Beispiele

15 Entwicklung von Prinziplösungen ;


Beispiel Zündzeitpunktversteller

Der Zündzeitpunkt bei schnellaufenden Verbrennungsmotoren wird bekanntlich


mit zunehmender Drehzahl des Motors vorverlegt, d. h. die Zündung des Gasge-
misches im Brennraum erfolgt - bezogen auf die Kurbelstellung des Motortrieb-
werkes -- mit zunehmender Drehzahl früher. Zu diesem Zweck befindet sich an Ver-
brennungsmotoren im sog. Zündverteiler das Subsystem des Zündzeitpunktver-
stellers. Der Zündverteiler besteht im wesentlichen aus einer Welle, welche über die
Motornockenwelle angetrieben wird. Auf dieser Welle befindet sich ein rotierender
elektrischer Kontakt (Verteilerfinger) und ein Mehrfachnocken- entsprechend der
Motorzylinderzahl zur Steuerung des Unterbrecherkontaktes. Verteiler- und
Unterbrecherkontakt werden also durch eine gemeinsame Welle synchron gesteuert.
Der Zündzeitpunkt des Motors, der durch die Phasenlage des Verteilerfingers und
des Unterbrechemockens bestimmt wird, kann also durch gemeinsames Verdrehen
dieser beiden Elemente gegenüber der Antriebswelle (Nockenwelle) verstellt werden.
Abstrahiert man das Teilsystem "Zündzeitpunktversteller" (ZZV), so ergibt sich
gedanklich ein "schwarzer Kasten" (Bild 15.1) mit den Eingangsgrößen Drehwinkel <jl
und Winkelgeschwindigkeit <p sowie der Ausgangsgröße ß = <jl + \jJ; unter \jJ ist
dabei ein bestimmter, der Winkelgeschwindigkeit <p proportionaler Winkel zu ver-
stehen, der dem Antriebswinkel <jl überlagert werden soll. Ersetzt man diese Ge-
samtfunktion des Systems ZZV durch eine Grundoperations- bzw. Elementarfunk-
tionsstruktur, so benötigt man zu deren Darstellung zwei Grundoperationen, und

'{!/~
----
Gesomtfunktion
ZZV ---
'{!+ ljJ

Bild 15.1. Gesamtfunktion eines Zündzeit-

,- - ---t>,{!+4'
punktverstellers

I
~04'
<P.~
_~ __ .ö.I ______________<
_ p-- Bild 15.2. Elementarfunktionsstruktur eines
Zündzeitpunktverstellers
202 Selektion von Lösungen

zwar eine Operation "Wandeln", welche die Winkelgeschwindigkeit <p in einen Win-
kelausschlag \jJ umgesetzt, und eine Operation " Addieren", welche die Winkel <p
und \jJ zur gewünschten Ausgangsgröße summiert. Die hieraus folgende Elementar-
funktionsstruktur zeigt Bild 15.2. Wenn es gelingt, alle existenten physikalischen
Phänomene für die Operation "Wandeln" und .,Addieren" anzugeben, so folgen durch
systematisches Kombinieren alternativer Lösungen alle Konzepte für Zündzeitpunkt-
versteIler.

Effekt struktur Effektstruktur

Prinziplösung Prinz iplösung 5


4
7

20
~~~~~~~~~=:

a b

Eff ektstruktur Effektstruktur

Prinziplösung

I.'(OjI-l--- - -- ~o
30
c:::~tta~~ 3
~~~~~::;-- 2

c d
Entwicklung von Prinziplösungen ; Beispiel Zündzeitpunktversteller 203

Effektstruktur Effektstruktur

._____s

~~ '
Prinziplösung
7

~;a
," ~
E
I, ._ "

[ { _L_-_-_-_-_-_~: ce::, ,JJ lektro - oder


Permanent -
magnet I
I

e f

Bild 15.3a-f. Prinziplösungen für Zündzeitpunktversteller, basierend auf dem Zentripedalbeschleuni-


gungseffekt (a) , Impulseffekt (b), Profilauftriebseffekt (c), Zähigkeitseffekt (d), Biot-Savartschen-
Effekt (e) und Wirbelstromeffekt (I)

Wenn man unterstellt, daß es in jedem Fall gelingt, das die Operation "Wandeln"
realisierende System auf die rotierende Welle zu setzen, so kann auf die Verwirk-
lichung der Operation " Addieren" verzichtet werden, da dann eine Addition der
Winkel <p und ljI automatisch gegeben ist. Auf dem Weg der weiteren Realisierung
des Systems ZZV besteht dann lediglich noch die Teilaufgabe "Umwandeln einer
Winkel!!e<;('hwindigkeit<i> in einen proportionalen Winkel 1jI". Diese Aufgabe läßt
sich manuell mit Hilfe der Systematik "Wandeln von Energie bzw. Signalen" (An-
hang, Tab. I) systematisch behandeln.
Dieses Suchen und Zusammenstellen von geeigneten Effekten kann auch mit einem
entsprechenden Programm per Datenverarbeitungsanlage durchgeführt werden.
Im vorliegenden Fall entwickelte der Rechner jeweils für eine Effektkette mit zwei
Effekten 12, für Ketten mit drei Effekten 118 und für Ketten mit vier Effekten 1872
verschiedene Effektstrukturen. Bei näherer Betrachtung der Lösungen erkennt
man jedoch sehr rasch, daß wesentlich verschiedene Lösungen nur durch Variation
des ersten Effektes der Kette bzw. des Eingangs- oder Sensoreffektes entstehen. Unter
Berücksichtigung dieser Gegebenheiten ergeben sich für die vorliegende Aufgabe 21
verschiedene Prinziplösungen. Das Bild 15 .3 zeigt hiervon eine Auswahl. Die ein-
zelnen Lösungen basieren auf dem Zentrifugal- (a), Impuls- (b), Profilauftriebs- (c) ,
Zähigkeits- (d), Biot-Savartschen (e) und Wirbelstromeffekt (f); in den oberen
Bildteilen befinden sich die entsprechenden Effektstrukturen .
204 Selektion von Lösungen

Im Hinblick auffunktionsgerechtes Konstruieren sei noch darauf verwiesen, daß die


meisten der in Bild 15.3 gezeigten Prinzipien winkelbeschleunigungsempfindlich sind,
falls nicht eine geeignete Abhilfemaßnahme getroffen wird. Um betreffende Systeme
beschleunigungsunempfindlich zu machen, muß deshalb noch ein entsprechender
Massenausgleich durchgeführt werden, wie es Bild 15.4 prinzipiell zeigt. Hebellängen
und Massen müssen so bemessen werden, daß das Hebelsystem (2) bei einer Beschleu-
nigung der Welle (I) im Gleichgewicht ist.

Bremsscheibe

2 .-'--'--_"""'-+..1..-_ _-, Massenausgleich

Bild 15.4. Massenausgleich für Zündzeit-


pun k tve rs te 11 ers ystc me
16 Gestaltvariation; Beispiel Steuerventil

Zur Bremsung bestimmter Fahrzeuge ist es notwendig, die Bremskraft bzw. den die
Bremskraft erzeugenden Druck abhängig von zwei Signalgrößen (Parametern) zu
steuern. Zu diesem Zweck braucht man ein entsprechend steuerbares Druckventil,
wie es Bild 16.1 im Prinzip zeigt. Dieses System besteht aus zwei Kolben 1 und 2,
einem Gleichgewichtshebel 3, dem eigentlichen Ventil 4, einem Stell kolben 5 und
einem Stellhebelsystem 6. Die wesentliche Aufgabe dieses Systems ist die Reduzierung
des Kesseldruckes R auf einen den beiden Signalgrößen (Drücken) C v und T ent-
sprechenden Bremsdruck C.

2 ~

Bild 16.1. Schematische Darstellung eines regel-


baren Lastbremsventils (Werk bild : Knorr-
Bremse GmbH)

Die Wirkungsweise des Steuerventils ist kurz folgende: Der Signaldruck (T) drückt
den Stellkolben 5 (T-Kolben) entgegen der Federkraft nach links und stellt somit ein
dieser Größe entsprechendes Übersetzungsverhältnis am Hebel 3 ein. Wird nun ein
bestimmter Druck (C) auf den Kolben 2 gegeben, so wird dieser sich nach unten
bewegen und das Ventil 4 betätigen. Dabei wird das Ventiloberteil zunächst den
Raum C, der ursprünglich mit der Atmosphäre verbunden war, gegen diese abschließen
und dann den Raum R mit C verbinden. Aus dem Druckkessel (R) wird Luft in die
Leitung C strömen und dort einen entsprechenden Bremsdruck aufbauen. Sobald
dieser Druck genügend groß geworden ist, wird er über den Kolben I und Hebel 3
den Kolben 2 zurückdrängen und die Verbindung zwischen Raum Rund C unter-
brechen. Sinkt der Druck im Raum C ab, so wird der Kolben 2 das Ventil zwischen R
206 Selektion von Lösungen

und C wieder öffnen, und es wird solange Luft nachströmen, bis der Kolben 1 wieder
diesen Vorgang unterbricht. Der so in C entstandene Druck ist den Größen C und T y

proportional. Wird der Druck auf der Cv-Leitung weggenommen, so geht das Ventil 4
in seine Ursprungslage zurück, die C-Leitung wird wieder mit der Umgebung (Atmo-
sphäre) verhunden, und der Bremsdruck bzw. die Bremskraft verschwindet wieder.
Die konstruktive Aufgabe besteht darin, dieses System, welches aus den beiden Kol-
ben 1,2, dem Gleichgewichtshebel3 und dem Ventil 4, dem Stellkolben 5 und einem
Stellgetriebe 6 besteht, so zu gestalten, daß es bei möglichst kleinem Gesamtvolumen
bestimmte Grundflächenabmessungen (Länge, Breite) nicht überschreitet. Selbst-
verständlich soll dabei noch beachtet werden, daß die Zahl der notwendigen Bauteile
möglichst gering und ihre Herstellung möglichst einfach ist.
Wenn man davon ausgeht, daß die physikalischen Prinzipien, so wie sie in Bild 16.1
gegeben sind, festliegen, dann läßt sich diese Aufgabe im wesentlichen auf das Er-
stellen eines maßstäblichen Entwurfes des O.g. Systems beschränken. Geht man ferner
davon aus, daß die Gestaltung der einzelnen Baugruppen für sich betrachtet keine
grundsätzlichen Schwierigkeiten bereiten bzw. in einem ersten Entwurf einmal durch-
geführt wurde und im wesentlichen beibehalten werden kann, so kann diese Aufgabe
hier aus Umfangsgründen auf das Problem der gegenseitigen Lage- und Reihenfolge-
zuordnung (s. Kap. 12) der einzelnen Baugruppen reduziert werden.
Bei der gegenseitigen Lage- und Reihenfolgezuordnung (s. Kap. 12) von Bau-
gruppen - oder Bauelementen- bzw. beim Entwerfen eines Systems aus mehreren
Baugruppen wird man nicht mit irgendeiner, sondern mit einer der zentralen Bau-
gruppen beginnen und alle übrigen um diese herum anordnen. Beim Gestalten gibt
es im allgemeinen Baugruppen, welche sich schwieriger oder weniger schwierig in
das Gesamtsystem einordnen lassen. Da die Schwierigkeiten beim Entwerfen tech-
nischer Gebilde mit der Zahl der zu einem System zusammenzufassenden Baugruppen
zunehmen, wird man die schwieriger anzuordnenden Baugruppen vorrangig und die
einfacheren später in den Entwurf einbringen, da das Raumproblem am Anfang
noch relativ gering ist. Zentrale Baugruppe ist im allgemeinen immer jene. welche
die Hauptfunktion, also die eigentlich gewollte Funktion des Systems realisiert.
In dem vorliegenden Fall ist das Ventil 4 die zentrale Baugruppe, welche letztlich
das Steuern des Bremsdruckes ausführt. Als die nächst wichtigeren Baugruppen er-
scheinen die heiden Kolben 1 und 2, der Stellzylinder 5 und zuletzt das Stellgetriebe 6,
welches am leichtesten der durch die Lage der anderen Baugruppen gegebenen Raum-

Bild 16.2a-c. Systematische Lagevariation zweier Elemente (schematische Darstellung) als Parallel-
verschiebung (a), Drehung (b), Schiebung und Drehung (c)
Cl
.... ...L T T r;l
TT .L T E
T T t-T .l.. T <'
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e1>
ö'
-L ::>
T T T
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TTI T Tl I T
I TI "
-r- T r-- . l.
--3 T I r-Tl r-T I .J.. .J.. Tl i=I I -LTI I ..LT
1
--3 ~ --3 --3 --3 --3 ~ --3 --3 ~ --3 ~ ~ ":;!"
"
----,] ~
--3 --3 --3 T
TT T T
TTI I
r- T
T 1-1.Tl I 1+I 1Tl 1T 11..L Tl 11-1. T
r-- 1*111 t 1,J'il f- ~
TT+TI TTtITT~ ITTr--1T*ll Tt ITr-TI I Tr-~ ITi l TI Til Ti IT..l. TI I T..l..~
1

l ~a-a4:i, ~~~~t~ tt~


~ MJa Ir ml11~~w tlilth J!f fh!fI1t
P h.:r ~ IQ- lJJ; Df; 1$ ~ tp ~ Jb ~ ~ Irr
[-,oder
T Steuerzylinder ISteuerventil T [v-Zylinder ,'o-'
-J

Bild 16.3. Lagezuordnun gssystema tik für ein Steuerventi l (Auswahl)


208 Selektion von Lösungen

situation angepaßt werden kann. Um zu möglichen Lagezuordnungen zu kommen,


ist es gleich, ob man Teil I festhält und Teil 2 um I sich angeordnet denkt, wie das
Bild 16.2 schematisch zeigt oder umgekehrt. Deshalb kann man auch die beidell
Kolben als (quasi-)zentrale B.augruppe ansehen und mit diesen die Lagevariation
beginnen, wie das in dem vorliegenden Beispiel geschehen ist.
Mögliche Lagezuordnungen zweier Baugruppen zueinander erhält man, wie das
Bild 16.2 schematisch zeigt, durch Parallelverschieben (a), durch Drehen (b) und
durch Drehen plus Parallelverschiebung (c). In der Praxis sind meistens nur spezielle
Lagen (90 °, 180°,270° usw.) interessant, wie sie Bild 16.3, Zeile I beispielsweise für die
bei den Kolben I und 2 zeigt. Um Zeichenarbeit zu sparen, ist es dabei zweckmäßig,
die einzelnen Elemente durch maßstäbliche Symbole, welche etwa den Umriß der
betreffenden Elemente oder Baugruppen angeben, zu ersetzen . In Bild 16.3, Zeile 2,
sind dann zu jeder Kolbenlagezuordnungje zwei Steuerventilzuordnungen angegeben.
Das Steuerventil ist dabei symbolisch durch einen Pfeil dargestellt. In den folgenden
Zeilen 3, 4 und 5 sind bei konstanter Lagezuordnung der vorher genannten Bau-
gruppen noch verschiedene Lage- und Reihenfolgezuordnungen des T-Kolbens ange-
geben . Schließlich zeigen die Zeilen 6, 7 und 8 die Gestaltvarianten der Zeilen 3, 4 und 5
mit angepaßtem Stellgetriebe 6.
Bild 16.3 vermittelt nur einen Ausschnitt aus der Gesamtmenge der theoretisch
möglichen Lage- und Reihenfolgevarianten ; trotzdem liefert diese Systematik einen
recht guten Überblick über die durch Lage- und Reihenfolgevariation gegebenen
Gestaltungsmöglichkeiten. Kleines Bauvolumen, insbesondere Gestaltvarianten mit
einer relativ kleinen Anschraubfläche (Flanschfläche), versprechen die etwas dicker
umrandeten "Konstellationen" zu ergeben. Selbstverständlich kann diese schemati-
sche Gestalt- bzw. Lagevariation kein sicheres Urteil darüber liefern, ob eine der hier

c R
Bild 16.4. Entwurf eines Steuerventils (Werk- Bild 16.5. Verbesserter Entwurf eines Steuer-
bild : Knorr-Bremse GmbH) ventils (Erläuterungen im Text, Werk bild :
Knorr-Bremse GmhH)
Gestaltvariation ; Beispiel Steuerventil 209

genannten Gestaltvarianten die absolut beste ist oder nicht, sondern nur in etwa den
Weg weisen, wo diese liegen könnte.
In dem vorliegenden Fall wurden aufbauend auf die Systematik des Bildes 16.3
mehrere Entwürfe ausgearbeitet. Dabei konnte die Vermutung, daß die für den vor-
liegenden Anwendungsfall günstigsten Gestaltvarianten aus den in Bild 16.3 dick
umrandeten Lagevarianten hervorgehen, bestätigt werden. Bild 16.4 zeigt einen ersten
Entwurf der Lösung nach Bild 16.3, Spalte 10. Bei diesem Entwurffällt auf, daß es am
Ventil und an dem einen der beiden Kolben Räume gibt, welche im Betrieb immer
den gleichen Druck (C-Druck) haben. Es ist daher möglich, diese beiden durch eine
Leitung verbundenen Räume (C-Räume) im Ventil und Kolben 1 räumlich zusammen-
zulegen bzw. zu "integrieren" (Absehn. 12.2). Durch "Integrieren" der beiden C-
Räume entsteht in folge des Wegfalls der Koppelung 7 (Bild 16.4) eine noch weiter
vereinfachte Lösung, wie das Bild 16.5 zeigt.
C Anhang
Tab. 1. Systematik der physikalischen Effekte flir die Grundoperationen "Wandeln" und
länge, Geschwindigkeit Beschleunigung Kraf-, Masse, Zeit,
~
Ursache
länge,
Querschnitt,
Volumen
Hebel- Effekt,
1
Kontinuität
2
Zentrifugal-
3 Druck,
mechanische Enerqie
Hookesches Gesetz
4 Trägheitsmoment, S
Diente
Abstand einer Masse
Frequenz

Elastizität
6

Querschnitt, Keil-Effekt (Düse) beschleunigung Dberflächen -Spann ung vam Drehpunkt (Einspann länge)

L
Volumen (Getriebe, Zahnräder, Zähi9keit SChubverformun~ Schwerkraft
Schraube) TOrrlcelli- Gesetz Baylf'-Mariotte- esetz (Pendellän~e)
Kapillarität Bewegungsgesetz Couillmbsches - Ges.], 11 loufzeit-E fekt
1 Querkontraktion Drehpunktsabstand Auftrieb I
Schubverfarmung Gravitatian I
Fluid-Effekt Zenhfugaldruck
Kahäsians-Effekt Gravitahansdruck
Adhäsians-Effekt Kapiliardruck . -- ----~tn::-:-- - - - -
Geschwindigkeit Weissenberg-Effekt Hebel-Effekt, Carialis beschleunigung Enerjiesatz Dapple r Effekt
Bewegungsgesetz Keil- Effekt Zentrif ugal- Coric isbeschleunigung Stick -Slip-Effekt
(Getriebe, Zahnräder, beschleunigung ImpLis Wirbelstrane
Schraubel ladung im !Drall, Schub)
Stan magnetischen Feld Bernoullisches Gesetz
2 Fluid-Effekt Wirbelstram
Zähigkeit
Turbulenz
PrafilQuftrieb
Magnus-Effekt

Beschleunigung Hebel-Effekt,
Strö llungswiderstand
Newtan-Axiam I - ,---- ._---
Keil-Effekt ,
I (Getriebe, Zahnräder,
3

f"""'
Fluid-Effekt
Kraft, Hookesches Gesetz Energiesatz . N-ewton-Axiom Fluid (statisch) BoylecMar iotte-Gesetz Saite
Druck, Querkantraktion Bernoullisches Gesetz HebE'1. Keil
mechanische Energie Schub/Torsian Impulssatz Reib'Jng
Coulombsches Drall Hyst,rese
Gesetz I, II ISchallgeschwindigkeit Kohilsions-Effekt
4 Auftrieb IZähigkeit A.dhiisions- Effekt
Boyle-Moriotte-Gesefz I
Masse, ISchallgeschwindigkeit INewton-Axiom Gravitation Eigenfrequenz
Trägheitsmoment, Newlon-Axiom
Dichte Zentrifugolkraft
S I Ener~iesatz
I I Corill iskraft
Zeit, BewegungW1esetz IDispersion Rese,nanzobsorpt ion Schwebung
Crequenz 6

+
Stehende elle IStroboskop)
Resonanz I - - r---'
mechanische Wellen Schallccregung Scholldruck
(Schall) (Membrane, I
Stimmgabel)
!
7 I I
-- ----
Temperntur, Wärmedehnun~ Molekular- tw6rmedehnung Gasgleichung Eigenfrequenz
Wär~e Anomalie des Nassers ~eschwindigkeit DamJfdruckkurve (Quarz)
hermik Ober fliichenspannung
Schall geschwin digke it Gasgleichung II
8 Dsm-Jtischer Druck I

- - t--
Elektrischer 9
Widerstand ._-------- --
Elektrische S~annung, Elektrostriktion Elektro kinetischer ladun9 im Biot .. Savartsches Josephson-E Ifekt
Elektrischer tram, Effekt elektrischen Feld Gespfz
Elektrisches Feld Eie ktrokinetischer
Effekt
Hysterese
10 CoulJmbsches Ges. I
lJohnsen-Rahbeck) I
relative Dielelektrizi-
--------_. --.-_._- ---
tätskonstante .-_ . _ - - - - - -
Kapazität
11
--- -- ----- - - ; c . - ; - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Magnetisches Feld, Magnetostriktion Indu ktionsgesetz Biot -Sovortsches Ges.
Induktivität Wirbelstrom Coulombsches Ges.ll
Einstein-de-Haos-E ff.
Ferro-/Para-/Dia-
12 magnetika
Influenz
---;-- ._._- - _ . - t--- - - - - - -- - ._-_.- ~erese ____ -------
Elektrornognetische Strahlungsdruck
Wellen
Ilicllt, Strahlung)

13
"Vergrößern von Energien und Signalen"
mechanische Wellen Temperatur, Elektrischer Elektrische S~annun% Kapazität Magnetisches Feld, Elektromagnetische
(SchallI 7 Wärme 8 Widerstand 9 Elektrischer trom, 1 11 Induktivität 12 Weilen 13
Elektrisches Feld (Licht. Strahlu!29l
Mechanische Plastische Verformung Dehnmenstreifen Piezo-Effekf Plattenabsta~d Spulenlänge Interferenz
Längenänderung Wärmeleitung Leiterlänge und Plaitenabstand Fläche Luftspalt Schichtdicke und-lage
Schaildissipation Strahlung -querschnitt S.tonionisation (Drehkondensator) Verschiebung Absorption
Konvektion (Schiebew iders tand, (Anderung des Dielelektrische des Kernes Beugun~

r
Kontaktflöchengröne, Elektrodenabstandes) Verschiebung Lage zweier Spulen Graukei
Tauchtiefe, Ionisationsgeber Dicke des Dlelektr. (Abschirmung) Streuung
Spalldicke) Breite des Dielektr.
Elektrolyt
I
-_._-~---- ~--_. ~---- ----
Doppler-Effekt Konvektion Anderung eines Induktionsgesetz Barnett-Effekt Doppler -Effekt
Stic~- Slip-Effekt ((,~f(l' )) Ikomplexer Widerstan- Elektrokinetischer Geschwindigkeit (Rot -Verschiebung)
d,cch W"be"", "'"kl
Ionisation
einer Ladung Strömungsdoppel-
brechung

I
I ------ ITolmann-Effekt Elektromagnetische
I Elektrodynamischer I Welle
I I Effekt Ladung
I
Stick- Slip-Effekt
Druckwelle """'1
1. Haup satz ~:,g=---
!Druckempfindliche
Thomson- Joule-E ffekt Stoffe, LaCKe,
Piezo-Effekt
Reibu ngsele ktriz ität
Kondensator
Plattenabstand
Dielektrizitäis-
Permeabilität
Xm~flp)
magnetische
Spannungsdoppel-
brechun~
Brechza I~flp)

k'I'T
konstante~flp)
Hysterese Kohlegries, Metalle. Elektrokinetischer Eff. Anisotropie (Gase)
Konvektion I Silbermangan. Ionisation (Prenduktor) Reibung
Wirbelstrom Kohlewiderstand, Barkhausen-Effekt Magnetoelastizitäts- (Feuerstein)
Turbulenz Enoegeber) Anisotro~er Druckeff. Effekt
LenJrd- ffekt
PI';h"',, Oielektrizitäts - Permeabilität~flp) Brechung
konstante~flp) (Schlieren)

Dispersion Dielektrische Skin-Effekt Josephson-Effekt Streuung


I Verlustwarme komplexer Widerst+
Wirbelstrom (Resonanz)
Reflexion I Reibun~ Debeye- Sears-Effekt
(Ultraschallprüfungl [Ultrosc ailschweinungl I (Beugungl
Leitung I Absorption
Brechung (Leuchtschirm)
Totalreflexion
Interferenz I
AbslllJl.tion
Thermophon SchmelZEn Leiter Thermo-Effekt Curie- Temperatur Curie-Punkt Wiensches
Verdampfen Halbleiter Thermische Emission IlThermofluxl Verschieb ung sgesetz
Kondensieren Supraleitung [Glühemissionl Permeabilität Inte nsi tä tsverte iIun~
[heafpipel IThermische Ionisierung P~roelektrizität Xm~flT! Stefan -Bolzmannsc es
Erstarren [ iezo-Effekt) [Paramagnetische Gesetz
Leitung I Rausch -Effekt Gasel Flüssigkristalle
Strahlung Meissner -Dchsenfeld- Brechzahl
Konvektion --- Effekt
Dhmscher Widerstand
---
Thermophan Joulesche Wärme Varistor Verstärker -Effekt Kapazitätsdiode Magnetisierungs- Glimmentladung
Peltier-Effekt R~"JP Transformator Ferroelektrika kennlinie Röntgenstrahlung
Lichtbogen Transduktor - Sek undärelektronen- Wf(B) Elektrische
Drossel verviel facher Lumineszenz
Tunnel-Effekt Thermokreuz Szintillation
Feldeffekttrans istor Leitun~ Kerr-Effekt
Trans uktor Laser -Effekt
Influenz Stark-Effekt
~tverstärker .. _- Flüssiqkristalle
kompltxer Widerstand ladungs-
erhaltungssatz ----
_.
Ri~hi-Effekt Lorentz-Kräffe lorentz-Kröfte Sättigun~seffekt Faroday-Effekt
En magnehsierung (Feldplatte. (Hall-Effekt) ITransdu tori Zeemann-Effekt
Thomson-Effekt) Plasma (MHDI Influenz Cotton-Mou ton -Effekt
komplexer Widerstand Magnistor Remanenz
Supraleitung Indu ktionsgesetz Hysterese

-- ---------- r------- ------ - - -


Strahlungswörme S?terrsch ichtphotoefiekt Uchte'iektrlscher Effekt Brechung, Laser
( hotodiodel (Photozelle, D°frpelbrechung
Photowiderstand Photoelement) Po arisation
Widerstandsönderung Interferenz
von Kristallen Lumineszenz
Ionisation Ois~ersion
Lei ung
Absorption
Tab. 2. Systematik der physikalischen Effekte für die Grundoperationen "Verbinden und Trennen von Energie und Stoff'

(Jt.[,~! ""~
Grundoperationen Verbinden (~I und Trennen (li von Energie und Stoff" --~+
c [

T~el'm·s~hp t1wrgir 1 Elektllsche lner gre Enprgie Akustische Energie Optiscne Energie Che:T:isl r12 t:nl?rgie
, Magnetische
ThermiK [OU'IOITlb 11 _! i t~embrQne Strahlungsdruck _" I Explosion --'
I Reibung

ICoulomb t _I
IlnJOktion J
, J

i '
, -,
-h-h,er moeleme-nt--- ~ IHysterese ~ I Absorption --l' I exotherme Recktioll
~ I \~QrrTIeSrrOnllJrlg Joulsche War me _I Wirbelsrlolll
...J ,'~onveidion J:el~~tr \/er,ldslwcH :T1E? -, 'I I I. von --l
Verfcrmu'lg ~J I 'eiliereilekt _ , Kr'stollisoticc
----- -.-+----
Trerlne'l VOl
2leku sche Efle,r~le
I --'

rr'og:lEfsche E'lEigie Leite- ..J I !


I ~urchflcssene-
-~-r - I
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\toll· Nemrane - - - - ,---~ -, ----~----~- .


i
---.- ---r' - ' 1-. I i
,e" c",,"" E"ceg,e I ! i

-.-.-.- I ,: E.,"'""""' I .. I
1-' Pumpioser Tribolumineszens
optische Energie Phosphoreszens '1 Verbrennung
~ ::~;;G;;" ~ IChemolumineszens ..J

I Dissoziation I Photosynthese
''/erjrennU'lg >
ITribolumineszens
Verbrennung g.
IBetterle 1
~I-j
Chemotumineszens ~
g
~Jteltiel;e, .<r:elisch::, :JbEvk::c'le~-, 0,c:stis:::~e ['2Ig:2
Tabelle 3 215

Tab. 3. Systematik der physikalischen Effekte ftir die Grundoperation "Trennen von Stoffen"

Grundoperation "Trennen von Stoffen"


fesf ffüssig gosförmig
"',<,
I::~:'"'
~'!.I!r~~t
I!~ f~Ot'Ol'Skfa ll
:tJ Of'I5tlF\rsSIlj; flllprplf",',iI'
'(jrG1'llnl1011 ~tIt r.OlTlpr{,"<;'I~ IIßl
IJfQYI'1·.o~ ,
ItJrUC:k~~' I ~"l'."" :tf1tqr,.... ~r, t ~rVUJ'l
~rlL~Q..Mn9't.. M CrvckQII';.t'ID'url~ [w~.'Jfflrll:JO

1:~;-l"
"'{]S~E'l\lt41gt'fllt
'ltfitnlu!J'ill~IOn l!'f1ltlr~E' Ta If"'!'9''lbt,[J"rg,~~iI>l l~"'p-!r~I':JfIl '~"~v~1 ~r

COJ~~ll I Ou;htl'
bt11~f'n1$'9 A~f';o~1OII
lI,lIlIrltll [)I OIlS ~~!PJl
Pralltuog}'~'II'try'
VI IIMotp rlOft9ll"?UOIJ .r. v..l)r~llQn
AIl:.r,rj1lll1rJ:;I"I!iJ·~ ILJl~q;tt!)f
4

\\oLj'tll'lll'rG~ t totOllllpriJ1uns r.-:- . rc,j1ll1arl'lli'U OI!l~~ot !l llJ"1I1 OI'!~Ir,n


~1o'1)b [l Wl 'SlE'IMtfIL.(t~1 I'tff"BlllPllIJng
~roI ILCllJllrl!b SUIll-,(Jt!lM'lSpunkl .StltJll"l'(lllOn Gelrlerhn6nung
...!:.JlttJf'1)

.
Pof11Dl~r(l(k • ~'E'fd\lf'l5,tl,J1!1 V~I!I~ll,;l'Ig!oIlOC~1'J
\I, losf't'l
~~~:~
~t~:!IQrJOltt l05bdlk~1
otIIJSJDIlSkot)llllfrl~Dlffuslon
"'"
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- Au! f'/fb ~Flc~ JCt'ltSltfba eil /EIliktrOOS'"!n$@t
.o-COfl(lliSioJOn (tlloGJn;I)
COuh..... b n L _.-

.~ E~s,crr:JM"str- Itoh.csion
S'eG e l!.."e~c!ur Su:lI<OCI!IGt'J tlX'Uffio:JE'.,.TV1unQ

Ab~l.JflUr.gen

EI Eltttrllll(ll
6e Geni!ll!"lftf
"10 Mllg\ehsmus
Mt Med'l Ill'II~
Jc;! I ~moayr.amlk
VI \'erlQhrtnsltCMlk
Tab. 4. Physikalische Eigenschaften von Stoffen
IV
fest ftüssig gosfärmig ~
lId physikolische lei- IId. physikolisehe Zei- Ifd physikolisehe lel- IId physikolisehe Zei-
Dimension Dimension Dimension Dimension
Nr Stolfeigenscholl chen Nr. Siofleigenscholl ehen Ne Siolfeigenschall chen Nr. Sfolfeigenschall chen
I Dichle ~ kg/dm J ~O relotive Permeabililäl I I Dichle kg/dm J I Dichle !! kg/m J
I~ - I-lL
Z Streckgrenze _ (J\ N/mm'·10 lu Curie-Punkl C '( 2 Dberllöchensponnung (J N/m.lO:j "2 dynamische Viskosllöt 11 P
3 Drucklesllgkeit (J" N/mmT·IO '42 Remonenzinduklion 8, v s/m' 'J Rondwinkel 'f rod
- -
~ Biegefesligkeil CJbO N/mm'.IO ~3 Koerzitivkraft H. Alm·IOI ~ dynamische Viskosllät It - cP
V slm/
- -
5 Zugfestigkeit (Jz8 N/mm'·ID '« Sälligungsmognelisierung I. 5 Kompressibilillil "- bor'.l0-·
- I-
6 Schublesl:gkeil 118 N/mm/·tD '4S Righi-ledue-Kaeflizienl S De'·ID •
7 Flöchenpressung p N/mm/.IO 1.6 HolikoeUiiiiml Rh em1/(A s) 20 Wörmeleillöhigked I. W/lmgrd} 20 Wärmeleillöh~keil i. W/lm grd}.iO~
8 Elosiizllalsmodul E N/mm/·IO' 21 Roumousdehnungskoefl. grd-l ·l0 J 21 ~~onslante _ _ R JI'K kg.l0
- - ~ -'(--
9 Gleitmodut G N/mm/.IO' rsoSchollgeschwindigkeit e m/s·l0' 22 kritische Temperotur t. kritische Tempt'ralur t. 'C
10 Kompressionsmodul K N/mm/·tO' 51 Absorptionskoeflizient IX -sltm.l0 iO 23 spezifische Wor me c_ Vikg grd}·lO J
rurzJ'spezifische Wärme- cp Jllk_g_grdJ.101
-
I- --- -
2~ Schmelzwärme )/kg.lO j 1
-
11 'ouerzohl fl 1 c. 1-2( fsolropenexponenl
- "
hor - -
12 Reibzdfer , 15 krilischer Druck fl> bar 'Ts kritischer Druck p,
l3 SloOzohl
-- It
k -, 60 8rechzohl n 1 '26 'verdompfungswärme 1. - J/kg.1(ll 26 Verdampfungswärme ), )/kg.l0] -
I ~ Verlustfaklor -- -1- - e/; 27 Schmelzlemperolur '( 27 Schmelzpunkl 'C
-
d 61 ~onsgr~d ;~ Ir Ir
~- I-~L
62 Absorplionskonslanle k m' ~ Siedelemperalur ~ 'C 128
Siedepunkl
- - 11. •
- '( -
63 spezifische Drehung IX rOcidm1/(dm k~
1- -- - -- -
20 Wärmeleitfähigkeil ).
W/lmgrd) 64 Verdelsche Konslonle ~ ~.10 30 spezifischer Widersland 0 Ohm·cm
21 ~ngenousdehnungskoefl. IX m/{m grd}·10·' 65 Abbesche lahl v 1 31 Dieleklrizitätskonstante E 1 31 Dieleklrizilätszohl E 1
~
- 1- - r--~ --
22 kub. Ausdehnungskoetf. ß grd·'·I0·· 66 rel. spgs_-opliseher Koeff. CL _em'lN.10 8
23 spezilische Wärme e Vlkg grdf.iöl ~O relotive Permeabilitöt '1 ,- t 140" relalive Permeobilität
fl!-
-- 1
) / kg.l0-J - - 1--"- -- --
TI: sChmelzwörme c.- 11i Dilfusionskoelfizient 0 m /s
- --
W/lmZgrd'}
2S Strohlungszohl 50 Schollgeschwindigkeit m/s 50 ScholigeschwJOdigkelt
- I - - m/l
C e c_
26 Widerslandstemp Koelf. ß grd·' ·10·J 51 ~tlonskoeltizienl IX s/lm.lO· n 51 ~bsorplionskoeflizienl ce I- sl /m.l0-.··-
- ;- - - 1----
27 Seebeck-Koelfizient e"l f-LV/grd 80 Oauerstondstestigkeit -
0-L r N/mml.l0
81 Oouerschwingfestig~ (J~ N/mffil·l0 60 Brechzahl
~
, 60 8rechzaht n I
82 Bruehdehnung er f - - o/. - 61 Absorptionskonslanle k - tim C( ·'·r':'.10·
-61 -Verdelsehe Konstante --'" -
30 speZifiSCher WiderSland Ohm·cm 83 Zeitdehngrenze CJ~Jh N/mm/· l0- 62 Verdelsche Konstante ~·10·1
A _ __
Q ~ ,
Tl Oieleklrizitätskonslanle e 1 8~ Hörte HB N/mm/·l0 63 speziiische Drehung ('( rod dm1/ldm kgl
-
- .I- - -
Jz piezoelektr. lodungskonsl d- ClN·lO'/ 85 Kerbsehlagzöhigkeil 0. Nm/em ·10 6~ Kerr -Konstante K cm '(es EI /·10 1
33 Oietektr. Verluslfoklor 19b I 86 Porösitöl P 'I. 55 Abbesche Zoht v 1
--
- I- -
~ Sprungtel1\ll.erotur _ T, K Schmelz punk I ~l 1 - - ' ( ~ rel. spez Doppelbrechung 0 .cm sI7g.10"
-35 ~ - '(
-
Pelherkoelfizienl Pu mV 88 Siedepunkl ts
~~ piez_oeleklr Spg.-Konst 9 Vm/N.lQ) 89 Durchschlogfestigkeit U. kV/em 7ö kryoskopische Konstonte KK grd kg/Mot 5"
37 Curie-temperatur 'C 71 Molzoht M g/mot M g ' 'T101
::r
I, 'C 90 mox. Gebrouehstemperotur I, 7~ Molzohl I'>'
72 Diffuslonskoeftizienl 0 ml/s·l0? ~
f--
_Il ~Iioskopische Konstonte KE grd kglMOI -
Tab. 5a. Klassifizierung der physikalischen Eigenschaften
0) lesle S iolle j;;l
IId·1 physikalische Ilei- Klasse IId physikolisehe Zei 0'
Dimension Dimension ~
Nr Sioifeigenschall ehen 5 I 6 Ilr. Siolleigenscholl ehen Ö
Oich,e Q kg/dm 1 -I I-I 1-1 n ,·9 9'1 11·15 -1\ 11.0 relalive Permeabililäl
j j /1. 1 .1 V>
~
2 SIreckgrenze Os N/mni1.10 .] 3·\0
I
10·/0 10·30 30 <0 <~\O 54160
f .60 1) 'C .100
ill Curie-Punkl
<) ].10
3 Drucklesligkeil
Biegefesligkeil
adi
<T~B
N/mml.IO
Nimm ·10
"I
10·10 1O.:lII 30-<0 1 '0-10 I \0·,0 1 .60 41 Remonenzinduklian
1.3 KoerzilivkrOIl
B.
H,
Vs/m7
A/m.IO J
<0)
J ID W/0 10 11I J"O '~·50 5~·'0
1 t 1'60
Zuglesligkeil O,B N/mmT.TO -ID ~·15 Vs/ml 1.1-2.2 .1.1
Il/mm l .1O
-] I
.... J 3~'O
1
15·'0 CH5 55-10 10-15 9S 100 ,IOD 1.1. 1SÖlligUngs.mOgnelisierung I,
10-](1 zo· 30 JO.I,(] tO-50 'SO. liD I"
50 45 Righi-Leduc-Koellizienl 1.:·2.0 r.Q.2.~ >2.S
Schulliesligkeil T" 5 De '·10'
7 Flöchenpressung Nlmml·IO • J J-'0 W-10 j /0. JO , 30- co <0-10 54HO
1 1.6 Hollkoellizienl
+,60 Rh cm1/lA si :.oS,"
8 Elostizilälsmodul N/mm/·IO' -I 1-5 1"0,1- ~"I I 'I 'IO t t 10-JO . 30 <\ , "5
.
9 Gleilmodul Nlmml·IO' _, I J ].I 1-1 )·9 9 11 11 '\ ,1\ 50 Schallgeschwlndlgkeol m/s·IDI -3 ].\0 10-20 /0·]0 30·'0 '0-<\ '\·\0 ,\0
~ + •
10 Kompressiansmodul N/mm 1 .IO' -I I·J
~ t j\ J \ 10 10-15. ,\ /0 /0.15 1.15 1511AIlsorPIIOnSkOetilZteni f( sl/m·IO'~ .1 '·2 1-) l-t ~:~

11 Ouerzahl )l I <Oll tOII-OI5 ~15-0)a~/O·o,15 D15'O,JIID.J1l'~~D,35.a«l


12 Reibzitler 11 I <~I 11-01 t Ol-ll t 01 D,' O"ll' 0.1'0. D.&·oi
j
i 3 Sionzahl k -~ Hii I~ I H tJi-~ ~l·' 60 Brechzohl
H <1,1 0·1." 1.~-t.6 ... 1.5-1.8 _:, 8.2,0 -!,O.Z:!....!.242;. ~1,'

11. Verluslloklar d <noooi~~~h;D.I!~o'o~O ~.~D\ OO~MI!O'O~loJ~OI _~I .0.1 61 Rellexionsgrod IT, ... 30 .... lO·tC ~60 ... 60·;0 70-8' g,·s~ ,..g:l
[ L 't f1 62 Absorptlonskonslonle ,0.5 0,5·1,0 ~·s S·!ä 10·50 50··,:0 !oC-?I): ,..1'J~

I 63 spezillsche Drehung IX c2 1·6 5-10 10-2i) ~c·~~ S~·'~~ !ac·]':') .:~:


+ ...
20 Wärmeleitfähigkeil J}' W/fm grdl .0.1 f.I.1]jl_,O ID·50 541'I\.Ot54115!150'l\~ .3541 64 Verdelsehe Konslonle ~ <I '-1 1·) ).~ .. -5 5-5 1)_. ."

• 21 lön~en.oUsdehnüOjjskaell. r( m/fm grd): 10" <I I < <-8 I 11 11 16 16·/0 1/0.151,15 65 Abbesche Zohl
J <20 2(1.1.1 )~.,~ ~::·5(\ so·s= ~r·": ":.&J ... 8*
2Z kull. Ausdehnungskaell ~ grtj-'.IO·' •J ).11 11·" 1']6 ~ 'I '1'~7\1' 11 66 rel spgs -optischer Koefl Co cm1/N·IOI 41 ~II.O 1-1 2·] ]' -·1 \-\ .!
23 spezifische 'warme - J/fkg grd).IOl _01 ~1·Ol OJO-~' Q<\·O~Oll'H7\ O}\·agO 0.9-1,1 .1,1
... t I f- '-
2/. Schmelzwörme c, J/kg·IOJ <\0 \O'100t~D-'IO ~0·1541, 150·3\0 1541-<10~<\O-I\O ~ ·110 170 1Dillusionskoeflizleni m1/s
1S Sirahlungszahl C W/fm 1grd') oll QJ.1.0 I,O-U 3.H.\ ".\
26 I'Iiderslondslemp Koell
i ~ grd·I.IOJ
f 1.0·~\fl.I,),of)'0,~\
.1,0 1,0·1.0 i 2.0-1.D 1,D·'.0 <.0'<,1 <,51.0 1·10'~0 ~ .6.0
17 Seebeck-Koellizlenl eC.lI.1 ",V/grd <-60 ,I -_,
601 '01 I'1-10)
,~ I-100.0 1 0·/0 j,~+- 10· '0 <0-00 >60 180 0auers Ion dses ,.I' '1
I Ig,el lTa N/mm/·IO .;10 10·25 ~5· .. j ,.!j·55 5!·"J 't~_d~ SS ·1lXl .-.:,
t ~ 81 Douerschwinglesligkeil 1Te. N/mm"f.IO .. ) ] a a -~3 1.3·18 ~8·!1 :3·:8 :a:,H .::
.. 82 8ruchdehnung IT 'I. .. 5 5·10 :.0·15 ~·;o ZO·Y.l J~.~': :j.~: ~!,
~ , , ,. .
30 spezifischer Widersland e Ohm·cm « l0·~l!O-'·lO\t-t(J'·1D-Jt~ 1.1D-\ 1I'_1/)1 1I011D~ 10~-1D1 t- ..... lO' 83 Zeildehngrenze IT•• h ·mml·IO ... 10 'Co '5 'S·!!! ::.~! :5·]; 1:·j: 35·.C ~,,=

31 Oielektriziffllskonslonle E I < 1.\ '.\ ·\0 5·10 IHO /0. II 1]5-60 60-100. . 100 84 Härle HB N/mm/·IO <5 5:0 :,.~~ S:l·lCO !,~ ~~ '~~1':= ::~J'~:' ,.~'J
t • ,. t 1
31 piezaeleklr. Ladungskonst. d Cl N·10'1 - 7\ 7\·100 "00·110 ~0·150 150-lIO J\O-'511 '14\·100, -100 85 Kerbschlogzöhigkeil 0, Nm/cm' ·10 • 1 l·1 H "' • ,-'
33 Dielektr. Verlustfoklar 19 tl 00001 '0~001 'lOoo\ 'Q . OOI '0.001 '0.01 t~O\ [' ,0' 86 Porösil öl P 'I. -.2 !-~ 5··r Je·?'"! :C·T :;- .. '" ~:.,~ .. 5'
. 1',.0005 , 'QOO'I ·O.ODI I '0.011 '0.01, '0.1 '
31.- Sprungtemperatur I, -I 1 1-1 • 1·) • J., • C-\ I 1·6 + 6 i '· 8 87 Schmelzpunkt I[ 'c ... 5~ :~.27.i~:OO.~~'~S:'l:.~JCt.'0~~;;S~-~~o27j~~ ,,"10:10
35 Pellierkoellizienl Pu mV -0,1 I QI.Q\ 0.1·1.0 1]·1,0 1-10 ~.\Il 10 100 >100 88 Siedepunkt I, 'c ",500 ~SCO'IOOO.l~~5~O~~C~Z:~~~~::J~~?~CL"5~_
36 piezaelekle. Spg.-Konsl 9 V m/N·IOJ .10 10-15 10 II 1 J\ '0 I -co 189 Ourchschloglesligkeil U, kV/cm 'ZO :tl.loe · l'O·~C '~r·:7' "~~-~r, :~~·Jcr J:JCo-~"JO .... ~(t
37 Curie-Temperalur le '( _\0 -3\0 90 mox Gellrouchslemperolur I, '( "':~ zo·s." ~::H" r~·~:: ·:r· :~ :~, ~~: ]:~-;XI ~.~

~
-.J
Tab. Sb.
IV
bl Ilüssig~ Slofl~ cl gasförmige Sfolle oe
Ud physikalische lei- , , Klosse lid physikaliscl1e Zei· . .
Nr. Sioffeigenschall ehen DimensIOn ~ J , 5 -6 7 8 9 Nr. Siofleigensehafi ehen OlmensIon
I Dichte_ Q kg/dm~. -'.1 'H.B '.HO 1,'.1) 1.1-1.6 I.H.O 1.0.1.5 ~1.5 I Dichle . . ._ !! kg/m J . -OI J ~I ' 0.5 iG.H.• 11.H5 +1.H" f,1.0'l' ~l.o-<.O t >.,o
2 Obe~lll.chensp~~ng (J N/m.IO· J _10 1.·15 15·3. JO·40 '0·\0 \0-60 60·70 _70 2 dynomlsche Viskosilol '1 P :BO .0·100 1100·110 iIIO·"Oll' ·lfjJ 160·110 ,ao·/10 .1111
J Randw inkel 'I rod ·5 5-10 /0-<0 ". fjJ fjJ. BQ BO·l00 100 ·110 ~ 110 1
dynamische Viskosiläl 1-;1 cP -Q.J O.J-1I.1i O,i·l~ I.O·I~ I,5-/.' 1.0·1011 100-500 ~500 - .
Kompressib~ilÖi y. bar· 1.1O" -/1 1/.)11 JO·'O "·50 5H' 160-70 1O-BQ _BO - - ~ l' I '
f- ,- - - t t -t ! I +

]0 ~örmelel~öhI9kell_ _ ). -- w~ 9r!!l -.~ 0.1·0,1 el-Q.J OH' 0,' 0.5 ',\-Bi . Q,6~ ~ lO WörmeleiiiÖ_~keil C Wifm +
g~dl·IOL ~-IÖ 110,)0 >-40 ~ '0-50 so.i060~ .80
21 R~m~usdehnungsko~c1 grd· l.lO':: _ -0.1 0.30.5 0.5·0) 0.1·Q.! ] •.11.1 1.1.1.3 1,3 -15 ~I.' 21 Ga.Skonslonte R Jl"K kQ.IO -15 ~15-lO JO-45 . 'HO SO-BO BQ-~O 1100·150 _'50
22 knlische temperalur t, 'C -100 100.150,150.;0) ,JOO·J\O ,JSO·IIII '011-150 150·500 ~SOO 2Z knlische temperalur I,
3 speZifische Wö.':me ---_ ~ J/lkg grdl·~O' _ 'Q.5 10'5~'0 ' ,.O=i.ö I·) t n 5·1\ IHS . ~/S ~J ~pezifische Wörme cp
, Schmelzwörme c, Jlkg·I03 -Il! $0·1\ '5·100 100-150 1\11·/00 1lI0·15O 150·)00 .300 2( Isolropenexponenl )(
5 kriiiSCher Oruck p~ bar - .ll lo.im \O·!OJ ;0-70 1O-B. B'-'O; "-11)0 _~o 25 krilischer Oruck p,
6 Verdomptungswörme }. l/kg.lO] -/00 100.11lll !lOO " 1II! 'l1li ·5l1li 5:')06l1li io •..ellllt•..~OC-:-~ 16 Verdamplungswärme ,.
7 Schmelzlemperalur IE _ __'C_ _ .10 . 10·. O" ~ I-~'~Ol ~-'1IBOI ~Bf)lIDl~:'!OliOJ _160 Z7 Schmelzpunkl IE
8 Siedelemperalur I}_ 'C -0 0·10 IHO .iO·IOO 100·150 · 150.1O'~1'0-JIII .]1]0 lB Siedepunkl Is

0lspezilischer Widerslond ~ Ohm·em -10 m·lo '011·10'


10·~ 10'loi.MI' ·J ''+ll~'' IlI' C-:-IO'
I. Oei leklrizilölskonslanle [ I _I 1·10 10·15 .'5.'1' lO · lO lO · 'O "50 1 .,0 31 Dieleklrizilölszahl
-- - -- -.. !- ~-+ - ~~--
Ölielolive perin.eabilitö~" . 1 O!!!IIII f!'g9000,gj'g'ji ')9~~I,OO~mUil6m,ooI00 '40 relo'ive Permeabililöl,-, 1 ~99S00 ~9ggliJ~[9lg9D~·9!i'91:lIIöoOf.Oiililn,caI!0 1001011
_ - ' I- - r'--D.mj]) Q.9lm.,l.IIlIOJIII.lODOOL 1.1I!!ll10(QIIllll t ' ._ ' . ~mo ,~mfi.J.:lII!1lIll .LQWQLl.~'n '.110100 .

1I . hwm
O S- ch agesc -e d'I.g.kel'I - e r- . m / S - -
-'Oll - - 1100
S".IIOO~ , ll00 '~11011
.1)00 +'llO0
-.1'00 "00
.1100 ~IIII
-liltlt 1_11" 50 Sch 01I gesch'
wm d'Ig keil. e m/s _
1 A.!'sorpllooskoellizieo,--
. ~_ sl/m·IO- 'l . :0,1 0.1-~0,5-:.0 /'-lO ~.HO 1,0-IQ{ 10-15 .11 51 Absorplionskoellizienl (t s'tm·IO ·11

lffg(echzohl n I - -I,~ 1.'l.ti "6-I.~I "HO 1.0'1,1~1.I' 1' .1' 60 Brechzohl n 2


_ l'· lIIOn\~~~-::-~L~C~rOO1]a·l.oclo
61 AbsorPhOllSk.. onslonle k 1./m .~I ~5-1.0
1,0-5,0 5.0-IQO 10-50 50100 1100./00 ./00 61 Verdelsche Konslanle ( ( . A'im·IO' -o.os O.01·0.0'O.0'-D.C7 ,0,",1I.[ll ','B-0(!lC.lJ'l-0,10 0,10-":1 .0"
62 'Verdelsche Konslanle ß " ~" ' .Io:r - ~, - 1·1 1-) J.-; (.5 5-i i-' .7
63 spezifische Orehung rt rod dml/(dm kgl -I H i 1·O 10·10 10 ~
6-4' e=- -Kerr-tonslonte -_. "K Cfiriles EFIOT -I 110 10·\0 \0·1l1li
- •. - - - ..- _.
65 Abbesche Zahl " 1 -lli 10 10 )o·~ '0·50
66 rel. spez, Doppelbrechung 0 cm sf/g.ID
.. '1I -I - 1-10 10 10 70-lQ 1• 10 l ~O_50 ~!OJ .601 1
01 krvaskoDische Konslanle I KX I grd kg/Mol -I 1-1 ,10 10 15 1\ 10 10 lO JO 10 -10 ,.; - - - 5'
t ++t- .... - -
g/mol -10 J.50 \0 70 10!!l 00 110 110lll 130 1SO .~o 71 Molzchl M g/mol .10 10·'0 '0·" 'O· i' .ai1 !J ·,oe tX I:n .':' 8"
I .' + - -
Oilfusionskoellizienl I 0 I ml/s·ID·' .( t '; ti B e 10
I
10 11 '1" "" -li - •
~
KE grd kg/Mol - Oi 0, 1.0 110 1.0 , 2.0 l' I U '0 '.0 '0 ,.0 '.0 ,'.0
Tab. 6. Ausschnitt aus der Eigenschaftsmatrix fester Stoffe
~
0-
51011 Mechanik Ihermodynamik Eleklrizilöl Magnelismus Akuslik Optik Verlahrenslechnik g.
(b
1 0'-
1

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6171 1318 51 I 1 I 1...1
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~3-) 6 +4t ,4t 4 7.6 . _ 65 5 3
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SI 37-Z 6'5 ~ I, 7 6 65 5 i
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6 5
5W-Z_
;. 51 I, 7 6 • 65
J- ........ .1.

S150-Z 65 6 I, 7 6 65 1
~ 1,1 111 1HttJIIH ffITffiJIJ Iml ' '
Ck 35 _ 6~6 .,6 1,.7 6 55 5 8 3
~ 6~6 I, 7 6 55 5 ,~ t1 tttri I I I I!I I I!-W! j ~ 111111111111 HI
Ck
- 60 6 8 ~
- - - /, 7 6 55 5 8 3
ZOMn5 65 61,76
30 Mn 5 6T 7 t l, j 61 I I IIII I II15171 I I 1 1 I 1 I 13
36CrNiMo/' ~+I,J 6
~ Cr Ni Mo 6 6 _9 _ _ 9 _ _j 4 ~7 6

24"0 Ni I,
"Mo' 6
61
'6 t '6'~' 1 66 I, -.,
31, Ni 5 66 6 I, 7 6
...!i.Ni6 6~ _6 I, 7 61 111TITI 111515 1-1-1- -I-+--1-+-1-l-1-1-1 ++
ZI, Ni 8 67 7 476 , ~
ttHtt1 t Itttttiti 111111111-tT '-0
16Ni)1, 661 16 ' 476) 1111 I 1 1 15 15 Ir
220 Anhang

Tab. 7. Eigenschaftsvergleich verschiedener


Stoffe mit "Eigenschaftsprofil "

Streckgrenze (Js
Sioffname
Qualilalive Große Quanlilalive Größe
Eisen « --, 12,0 N/mm/·IO
5133-1 --. 19,0 Nlmml.lO
5134-2 K·G - -5 21.0 N/mm/.l0
5137 -2 - -5 23.0 N/mm/·lO
St 37 -2 K - - - ti 31.0 N/mm1.10
SI 42-2 - -5 25.0 N/mm/·lO
~150-2 - -5 29,0 N/mm/·lO
5160-1 ---6 34,0 N/mm/·lO
-- --
Ck 35 ---6 38.0 N/mm/.lO
Ck 45 7 41,5 Nlrrun1.10
Ck 60 e 52.0 N/mm/.la
20Mn5 --5 30.0 N/mm/·lO
-
30Mn 5 V 1 48,0 N/mm/.la
--
36CrNiMo4 9 72.5N/mm/.1O
34 Cr Ni Mo 6 9 80,0 N/mm/·la
30 Cr Ni Mo 8 9 87,5 N/mm/·lO
24 Ni 4 - - -6 32.5 N/mm/·10
31, Ni 5 ---6 40.0 N/mm/.lO
-
14 Ni 6 - -5 28.0 N/mm/·lO
24 Ni 8 1 40,0 N/mm/.10
16Ni 11, ---6 35.0 N/mm/.10
12Ni 19 1 1,5.0 N/mm/.10
Prinzipkatalog 1

Wandel der Energie- bzw.


Signalart
222 Anhang

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie - bzw. Signalart


Lönge,
Ursache :
-0- Querschnitt,
Volumen

Ursache Physikalischer Effek t Gesetz literatur Anwendungsbeispiele

02.01 1-0 1-1


I

I
Geschwindigkeil Bewegungs·
geselz
~
'l.- '--?7{/////1l.7· ' s - v dl
0
[2.11.5.3 1

~
I
Weissenberg • =- -;. . ---
Eltekl - - --
~ --- [41. 5,104
- - - -
<:.i....::> "/
'w

01. .01
Kraft.
Hookesches
Gesetz ffi-~ - F
61_ 1..1· f
E A
[ 7,11 .,.wo,_ ~
Druck, A 61
Mechanische
Energie

Ouerkonlnoktion
ri=~]#;'
A
6r
-=11' -
r
F
E-Ä
[111. 5.81

Schub.
Torsion
~-T<
1
I
I
I
I
I
I F I ( F
61· 2' G.A
)1 1111.5_ 83

ladung 0 1
Coulomb- ~ jF I. ICE\Ql ' [281.5238
Gesetz I
1 + ++++ I II [ 301.5_283
/
ladung 01
+++-++1
7//I///I/////. t CE-- I-
4a·E:o·E,

1'olslörke <1>111 ~F SI I
Coulomb- - I l.iCH <l>1~<I>1
Geselz II POISIOrke<l>lV [311,5491
. ~ 1-
cH· -411:-110'11,

Aullrieb ~'
~___A
61._ F_
PFi ,g·A
12.II,S.288

~~
Boyle-Moriotte -
Gesetz 6V'~ -~
PI )vI
12.11.5.273
Prinzipkatalog 1 223

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


länge.
Ursache :
-0- Uuerschnitt.
Volumen

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwend ungsbeispiele

06.01 t. O t·1

Zeit.
Frequenz
Bewegungs-
gesetz 4r ·t
/"/"t //Ffi ,
i
I

0
I

I vdt
Photographische Verfahren
[211.5.3 1 zur Geschwindigkeits-
bestimmung
s -----1
"
-

~'
Stehende Welle [11 1,5.113 Kundtsches Ro hr.
I· cIV
Wellenlöngenmesser
c •Wellengeschwindigkeit
v- Frequenz

'I :f
'''''//~
L-
10
Resonanz
I.~
I-Iv /Wo)z [7.11. 5.268 Zungenfrequenz messer
m I
wo' Eigenfrequenz

07.01 141
Mechonische
Wellen IScholl) Schallonregung .- t-- [2 .11,s.m Mikrophon

V1
08.01 +61
Bimetall,
l emperatu r. Wörmedehnung R-~ _.{)
' (
61 . l o·a ·61 1311,S.31~
lhermostat
10 -61 ~
Wärme a· löngenousdehnungs-
koeffiz ient

J=I-'
v z.B. HzO
1.091
""
/
'IIärmedehnungs - {
Sprengen von Gestein mit
onomalie 13 1l ,S.31B Wosser
" d)
-61 i(
Wörmeabfuhr
-16 o ~ 'e 16 1
10.01
Elektrische
Spannung,
Elektr isch er
Strom,
Elektrisches Feld
Elektrostriktion
61

I,
1_ Q' ! 6 1 • 01, d· E
E. Elektr.-Feldstörke
d. Materialkonstante
[291,S .15 Ultraschollerzeugung

&~
12.01 H
10 2

~'
Mognetisches
Feld. Magnetostriktion , , [2.21,S.215 Ullroschallerzeugung
Induktivi öt H
3
I
o 61 ~
224 Anhang

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Ursache: ------0-- Geschwin digkeit

Ursache Physi kali scher Effekt Gesetz literatur Anwendungsbeispiele

01.02
l önge. Kontinuität 111 l,S .75 Düsen
Querschnitt.
Volu men

Zähigkeit y- -W
_ . -1 12.1J,5.314
6rt'1l r

W. Reibungswiderstand

lorricelli-
Gesetz
h~----
----- v 12.ll. 5.309 5peicherkraltwerk

t.O bT
Bewegungs- !!i
y_ 11.11.5.29
gesetz dt

Drehpunkts - P.I.V. - Getriebe.


abstand
v. r· w 12.lJ. 5. 37
Orehzo hlübersetzung

04.02 W - V1EIOI/0 Schwungrodontri eb.


Kraft. Energiesatz 17.1],5.259
v -V1Ek;,,/m StoOvorgä nge
Druck.

-- -
Mechanisdw

[82]
Energie
Bernoullisches Düse.
Gesetz
::-:PI,:: .. 12.1],5.304
lurbinenleitrad
.-_. ... P.,',-

Impulssatz v.* JFdt [7.11.5.260


Pumpen.
(Drall)
w·t JMdt
SloOvorgönge

~
, F
Orallsatz Wp 17.1J.5.278
( Kreiseleffektl - w,

t~
Prinzip katalog 1 225

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Ursache:
-----0- Geschwindigkeit

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

04.02

~mr
Kraft. Schottgeschwin- 5tollweltenrohr.
C=Y'Kp/p' [2.1).5.492
digkeit Überschaltwindkonot
Druck.
M~anische
'K=Isentropenexponent
Energie

F
Zähigkeit
~~F~'~ v=F JL
'Tl A
[2.1).5.323

'Tl=Oynamische Zähigkert

05.02
Dichte Schallgeschwin -
digkeit
~»~pt c =V'Kp/p '

'K= Isentropenexponent
[2.1).5.492 Stonwellenrohr

06.02 Frequenzobhängige Fortpflan- cL C


Zeit. Frequenzfilterung.
Dispersion zungsgeschwindigkeit von [21 1. S. 595
I Spektroskopie
Frequenz Signolen
z.8. Schallgeschwindig-
keit in Kohlendioxyd

08.02
~»r »
Temperatur. SChottgeschwin
c=YiIT [111.5.114
digkeit
Wärme

10.02 v =~

~(
I 'Tl
Elektri sehe Elek trokine - Hydroelektrische Wosser-
Spannung . €: ' Dielektrizitötskonsl. [51.5.886
tischer Effekt ~ =Eleklrokinetisches
pumpe
Elektr. Strom.
Potential
Elektr. Feld
'Tl ' Dynamische Zlihigkeit

12.02

~
Magnetisches Drehzahlerhöhung eines
Feld . InduktClnsgesetz , . v . _U
_
BI
[401.5.200 Elektromotars durch Feld -
Induktivität sc hwöchung
I -.

~
v =c -F-
'K "'" ... a1 Zähler für elektri sche
Wirbelstrom
~ ~v c= Anordnungskonstante
Energie
)t= Eel ktrischer lfitwert
F 8=Mognelische Inwktion
226 Anhang

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Ursache:
-0- I3€sch leunigung

Ursache Physik alischer Effekt Gesetz Literalur Anwend un gsbeispiele

W
01.03 Zentrifugal- an
Lä nge, an_rw 1 171).5 W
beschleunigung
Querschnitt ~ ~UJ

02.03

~ :~
Coriotis -
Geschwindigkeit beschteunigung . v, 0, -2 vrW 17.1],5 150 Föllinger - Kupptung

~
Zent rifugat-
beschleunigung a. _rw 1 17.11. 5. 243

~- 4
Mognetische Linsen.
Ladung immog -
netischen Feld an- 8. vJ1.
m
111 1. $.301 mognetische Ablenkung
:0 v m bei Fernsehröhren

04.03
Kroft,
Druck,
Newton Ax iom ~
m
a.1.
m 17.n. S. 256 Bewegungssysteme
Mechonische
Energie

05.03 0.1.

~
m
Masse,
Trägheitsmoment.
Newton Ax iom -EI .~ 17.l1. 5.256
m • fl
Dichte w--
~ t, 0

10.03 O,m
Elektrische
Spannung,
Elektr. Strom,
Ladung im elek-
trischen Feld .~ a; JL E
m
Elektrostatische Lackierung.
1111.5.278 Zy kl olron

Elekt r. Feld
Prinzip katalog I 227

Prinzipkatalog : Wandeln der Energ ie- bzw. Signalort


Ursache: ------0--- Krafl.
Oruck.
Mechanische Energie

Ursache Physi kalischer Effekt Gesetz Li teratur Anwendungsbeispiele

01. 04
~I -l- Vorgespannte Feder.
lönge. Hookesches
- F [7. 11.5.2 ~5 Ventilfeder.
Gesetz
Querschnitt. c - 111 Erzeugung von KrofischluO
c· Federkonstanle
Volumen

Oberfl öchen·
F.201 [2 .1],5.403 Kapillore
spannung
o·Oberllöchenspannung

SChubver · F, cs ·111 [7.1],5.246 Erzeugung 'Ion KrofischluO.


formung larsiansfeder
cs' Federkonstante

Boyle·Mariotte · IIp, P -p _P .lIv [2.1],5.273 luftfeder


Gesel z 1 1 1 VI

ladung (12 iF F=CE ' ~


11
Coulamb- ' 1 +++++ L.1-I [2.2l.S .~2
Geselz 1 ~+ ++++I c[, _ _I_
'/,////, $ >
ladung Ql ;;. 4n·(0· (,

Polstörke <1>1 IF <I> ·<1>1


"1 h' si , F-c~'-II-
Coulomb -
Gesetz II
PoIslörke <l>1~ ;srf' [31l.S.491 Magnetische Federung
cH = I
.~ 4n '110'11 ,

Auftrieb ~"
~
--=- A ' F. PFI ' g. A·111 [2.11.5.288 Schwimmerventil

Gravilation "iDr e H Fo ",,' G 11.11.5.111 G


..i,h""O!"
L~-- ,..::::::::!.: G, Gravitalionskonslanle
/ t-
r ,
m
F
Zentri fugal· [7.1l.5.273 Mechanische
kroll 5ch wingungserregung

Gravilations· p- hpg [7.1l.5.274 Wasserlurm


druck
228 Anhang

Prinzipkoto\og: Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Krofl.
Ursache: -----(ZJ-- Druck.
Mechanische Energie

Ursache Physikalischer Eff ek t Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

01.04
~
20 cos'!>
Lä nge. p--- Docht.
Kapillardruck r 12 .1 J.5.~1 9
Ouerschnilt. Kapillare
Vo tumen F -~ '!> V --- 0 - Oberflächenspannung

02.04
~
wZ
Ern' - e T
Geschwindigkeit Energiesatz
'l/~ E,,; m T
vZ 17.11.5.269 Schwungrad

'11'

~
~
Coriolis -Kraft ' ~m
Fc ·2mwv, 17.11.5.263 FöHinger - Kup plung
- I~

~~
F. J!..lmvl
dl Rakelenantrieb,
Impuls
~ M; .J!..lewJ
12 .1I.S. a~
5100vorgönge
dl

e
U~

IIp. 1l1v1
p" h, 5taudruCkmesser.
Bernoullisches
- ~- - r---Yz IIp ; pz - P, [2.1I . S.30~
Geselz Wasserstrahlpumpe
. / ..;...-----0-
lIv z, vl -v:

E~~
rb

G1 \'\8H"'":;
", ,,,', -
, "" ..., W " _ _ "\
/ ,. .... ~\ ..... ..... \
~"" A' I

Wi rbelstrom
~ ~B
J~~ ,

'\'
I ,. \ _,
.#1
F -c BI V x I~O1. S. 20~
Instrumentend ämpfung ,
Wirbelstrombremse,
u.I ~v
' ••
!/ /
" :: ........ :,.. ....... Tochometer
C -Anordnungskonstante
x' Elektr. Leitwe rt
B •Mogn. Induktion

F v

~
Zähigkeit F, A" Ql Hydrodynamische Lager1.lng,
dh 12.11. 5.31 9
Flüssigkeitsdämpfung
,, ' Dyn. Zähigkeit

Turbulenz
v ::::~.:-30~--::9u
-.D --.D -..D .-..s:>
I~U=:
lIP
[7.11.5.310

~ v

~
v ~~~
F,' c, 1- v A
Z
Tragflügel .

-
Profilouftrieb [ 7.11.5.327
Kreiselverdichter
\~ A •Tragflügel fläche
Ca- Auflriebsbeiwert
Prinzip katalog 1 229

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Kraft.
Ursache: -----[Zl- Druck.
Mechanische Energie

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

02.04 Ft
Geschwindigkeit Magnuselfekt
v:Q:?7
-- R~/ I
F: 2n pR l wv I 12.1I.S.316
Schi1fsantrieb
(Flettner · Rotor)

v
- A
F:E.vIA.c
Strömungs ·
widerstand - -- ~F
2 • 17. nS.3D~
Fallschirm,

p - c.: Vflderstandsbeiwert
Anemometer

03.04 m
Besc \eunigung I Newton Axiom ----rO---; F: ma

05.0 4
Masse.
lrägheitsmoment.
Dich e
Gravitation
m

-
(3' F F
r
~
..,
.
F:.!!l..1i G
rl

G Grovitationskonslante
%
12.11.5.122

m
I Newton Axiom
F0-; F, ma

/' F
J. r . \
m
2entrifugal ·
kraft
-l- F, m rw l 17.1],5.272 Auswuchten
\ '-.~/
/

Energiesatz
(J ,J11=!
Il
Erot : 6
vi
Ekin : mT
Twl

Coriolis- Kraft
@W
:~ m
F·2m wv, 17.1).5.263

06.04 Resonanz-
Ein schwingungsföhiges System hat EQbS~
Zeit . hohe Energieabsorption imBereich 1201 Schwingungstilger
absorption
der Resonanzfrequenz .
Frequenz

.
Wo v

07.04
p ~? F, pl _A_
Mechanische 5challdruck
lVetlen(5c 0111 ))) 7F Zpc 2 Kohle · Mik raphon

c. Schallgeschwindigkeit
230 Anhang

Prinzipkatatog: Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Kraft.
Ursache: ---{Z}- Druck.
Mechanische Energie

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literat ur Anwendungsbeispiele

08.04
9 1<1.~
F'Cl·tll · E· A
Wärmede nung Cl E E· E -Modut 5chrumpfverbindung
Temperatur. d
Cl' Wörmeousdehnungs-
Wärme koefli zient

Dampfdruck·
'kurve ~. p~
I
(2.11.5.710
(251
Dampfkessel

Abnahme der Oberflächen-


F.201
Oberflächen- spannung mit der Temperatur (siehe 01.041 (1(11.5.186
spannung bei Flüssigkeiten (im allge -
meinen nur geringl
o •HTI

Gasgteichung
~
v: const
1I
PI=PII,"" 17.1I.5.m Verbrennungsmotor

...-

l
II

I
Osmatisc er p =c· R·1 151.5.332
Druck

Monometer c. Noturkons onte


R=Gaskonstante

10.04 ~I"F Elektromotor,


Etektrische Bio - 5avart- s .1
Spannung . B i l ' / F-I · f.8 (1IJ.S.Z23 Lautsprecher.
sches Gesetz
Elektrischer ~/YAI/I71 Drehs pul m eßwer ke
Slrom.
Elektrisches Feld
~

"K"~I"~~.!
P -~U
l r

1.
Elektrokine -
tischer Effekt
C -Elektrokinetisches (51.5.886 Pumpe{elekt rostatisch)
Er
Po en iol
Er' Relotive Oielektrizi-
U tätskonstante

*'
Elektrisches Dreh-
~ / fetd erzeugt mech. AlM
Drehmoment Ignl OY.)
Hysterese Blot v94 2-15
.% E EtektrisCher Isola-
-,-- tor mit dietektri- 5.201
scher Hysterese

Er Eet k trostat ische Mellgernt e,


F-...L ~

~ :~
Coutomb- - E OEr 4 Tt r1 12.21.5.42 Etektrostatische
Gesetz I 1281.5.238 Popieraufspannung,
E ,= RelativeOielektrizi -
tölskonstante Johnson-Robeck -Effekt
Prinzipkatalog I 231

Prinzipkotolog : Wandeln der Energie- bzw. Sg


i nalart
Kratt.
Ursache: ~ Druck.
Mechanische Energie

Ursache Physikalischer Effek t Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

10.04 Relative
Elektrische Eleklroslalisches
Oielektrizitöts· (l11,S.191
Spannung. Voltmeier
konstante
Elektr. Strom,

.rd{~
Elektr. Feld c ~AnordlUlgskonslante

12.04
Magnetisches
Feld,
Induktivitöt
Biot. Savart.
sches Geselz B ji ~. I
- I
(2 81. S. 238 Elektromotoren

Polstörke ~2
111
lF si I
I ~1 · <I>2 Hu1Jmagroel.
Coulomb -
Gesetz II Polslörke ~11\. f)' I F- c"' -12- [31l.S.491 Magnetische Entlastung von
1
lagern
.~
cM- 4Tt·~c · ~(

Ummagnelisieren
Einstein - Wegen der geringen Wirkung
eines lerromogneti ·
de Haas· schen Körpers erzeugt [111. S. 241 des Effekts bisher keine
Effekt technische Anwendung
einen Drehimputs

Magnete.
Ferro-.Poro- u. 12.21.5.108 Magnetabscheider
Oiamagnetika
Paramagnetische 0rMessung

Magnetfeld HK-SM
erzeugt im Weich-
eisen Influenzfeld Bleche nheber,
Influenz (2.21.5. 93 Weicheisen- Amperemeter
und damit Ab·
stoßung

Hysterese ~ ~""
I
-m/ F

Hysteresekupplung ,
[1.21. 5.109 Hysteresebremse

Material mit groner Hysterese

13.04 Wegen der geringen Wirkung


Elektramagne· Strahlungs- Strahlung übt auf getrOffene 1111. S. 392 des Effekts bisher keine
tische Wetlen druck Körper einen Druck aus technische Anwendung
232 Anhang

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Masse
Ursache: ----[2J- Träheitsmoment
~ichte

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

01.05

(~
länge, Abstand einer
Querschnitt,
Masse vom e efr 2 dm [7.nS.269 Schwungrod
Drehpunkt dm
Volumen
1]"f'

04.05 ~F,

W~
Kraft, Boyle ·Mariotte-
P2
Druck, Gesetz P2 ~ PI P;- [2.1],5.273
•.••.. Pi.·.•.
Mechanische
Energie PI P2

tF
08.05
Temperatur. Allgemeine Gas-
gleichung
. ' P
1fT [7.1], S. L.45
/

Wärme
(Isobare) '.. p:'. .' P pe
'.:-.- ... ": .

ReAligemeine GaskonstJnte
Prinzipkatalog 1 233

Prinzi pkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Ursache: -----{2J- Zeit .
Frequenz

Ursache Physikalischer Effe kt Gesetz Literatur Anwend ungsbeispiele

01.06 wo' clm

LÖnge.
Ouerschnilt.
Etastizität
/, --·B ~ '
Jl=€~ wo' cIS
c.Federsteifig eit abhön·
17.11.5.288
Zungenfrequenzmesser.
Stimmg abet
gig von Abmessungen

771
Votumen

Schwerkraft v •..L
ZR
ltg7f' [2.11.5.162 Pendeluhr
: t 9 z.O.
Ma hemotisches
t Pendel
I Dickenmessung durch
,
..
'
~ Ullraschall .
T .J...
Loufzeiteffekl
'(
T

, v v Echotot.
I
t· D I -T Radar

5"_"0"
02.06 v_v~
Doppler - Elfe I [ S 1. vs/c [311.5.289 Geschwindigkeitsmessung
6eschwindi~eil

c -Schallgeschwindig~it
2n
~~ .
Slick·Slip·Effekt " ~
~~ . - Oed.: 1. 5c hw ingungs-
fähiges 5ystem
Geigensaite

/ t
vI -const wo"'VCTn1 2. d ~ /dv <0

~rr- Zylinder
v· O. 185 t Messen von Slrömungs-
Wirbelstrone v ~~~ 12.11.5.530 geschwindigkeiten
~~~
- v
v. Frequenz der
Wirbelablösung

~ -:t ,
04.06
Kraft.
Druck.
Mechanische
Saile ! f~
F
~~:::j ~
A.p
v . -.L VF/A p'
2· 1
[2.11.5.505
Frequenzeinslellung bei
Sailen inslrumenten

Energie

05.06 ~ WN//////////

@
Dynamische Bestimmung
Masse.
vi ~ : ~-e
Eigenfrequenz 17.11.5.281 von Massen bzw. Trögheils-
Trägheitsmoment momenlen
Dichle

08.06 Oie Eigenfreq uenz von Schwing-


Eigenfrequenz quarzen ändert s ci h bei enl -
VDI - Z
Quarz -Temperatur-
Temperatur. 1970 Nr.l
(Ouarz) sprechendem Krislallschnill stark Sensoren
Wärme 5. 14
mit der Temperatu r

1Elektri
0.06sche Im Ji eltemperaturbereich kann m
it Sender.
Spannung. Josephson-Effekt Hilfe des Josephson -Elemenfes w. h U [2.21.5.520 Empfänger.
eine Gleichspannung U in ei ne h
Elek tr. S
trom Parametriscne Verslärl<er
Hochfrequenz umgesetzt werden
Elektr. Feld
234 Anhang

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Sign alart


Ursache:
-0- Mechanische Welle (Schall )

Ursoche Physikolischer Effekt Geset z literotur Anwendungsbeispiele

01.07
länge,
Ouerschnill,
\\)Iumen
Mechanische
löngenönderung
((@)) 12.11 ,5.530 lau Ispre eher

t
\
\

~)-HHf-
I - 10 e-mr
Schalldissipalion [2.11,5.503 Schalldömmung

r -'-f I m-Absarplionskoeffizienl

02.07

s.".~.
v __ v l'VE/C
Geschwindigkei I ' s 1.vs/c
Ooppler-Effekl 1311. 5.289 Geschwindigkeilsmessung

c=Schaligeschwindigkeil

~:~
lür kleines v:
Stick-Slip-Effekt v -kv

v,- consl k =Syslemkonslante

04.07
~
Streichinstrumenle,
Kraft, Stick-Sl ip-Effekt
Froudsches Pendel
Oruck. I I
Mechanische
Energie

Oruckwellen ~
~!!t~"tlqt"i~~·:;-~·~ - [2.11,5.495 Stoßwelle

~
(Jf.~?:

06.07
Zeit,
Dispersion
265
Frequenzabhöngige laufzeit rnecho- 260
nischer Wellen in einem Medium
~~
rnlS

12.11 ,$.493
Frequenz 255
1 10' 101 kHz 10'v
1.8. Schallwellen in CO/

10,07 Gasvolumen Vo
11.4 1'lo'R
EIekirische
Spannung, I hermophon ~)))) / Po Po = a1.vo.<j)
[81.5 .550 Eichgeröle für Schalldämpfer
Elektr. Strom, 7
t. losin vo~,\. Schalldruck- R=Drohtwiderstand
Elektr. Fetd Draht mit Radius 0 amplitude <j) =Systemkonstante
Prinzipkatalog 1 235

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Ursoche: -----0- Temperotur.
Wärme

Ursoche Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

01.08
länge. Ptostische
[1(II.S.168
Verformung
Ouerschnitt .
Votumen

Wörmeleitu ng [7.11.5.479 Wörmeisotierung

Strohlung Q.CA[(10hO)' '(IT010)'] [7.11. 5.477 Dimensionierung von


Heizftächen

c· Strohtungskonstonte

Konvektion [14.1) S. 3B6 Di~ensionierung von


. Wormelouschern

a . WÖrmeübergongszoht

OZ.08 Strämungsgeschwindigkeils -
Geschwindigkeil Konveklion [11..11. S. 3B6 messer,
v Heizgebläse.
Kühtgebläse

04.08
Kraft. Reibung 17.1 I. S. 2Z9 Reibschweinen
Druck,
Mechonische
Energie

...
w. fp~ M.6 U· 6W Wärme -, Kroft - und

~
1. Houptsatz 111.5.66 Arbeitsmaschinen
U • Innere Energie
o W. Arbeit

Reole Gose erlohren bei einer


Thamsan- Jaule- Drosselung eine 1emperalur - 111.5. 187 _. ( )
Effekl änderung bei gteichbleibender 12.11. 5.573 luftverllusslgung linde
Enthalpie h
236 Anhang

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Sig nalart


Ursache:
----1ZJ- lemperalur.
Wö rm e

Ursache Phys ikalischer Effekt Gesetz literatur Anwend ungsbeispiele

04.08

-*'
Kratl.
Oruck.
Hyslerese 0" f Fds 12.11, 5. 251 UllraschallschweiOen

Mechanische a"pro Zyklus erzeugle


Energie Wärmemenge

IÖ I.

Konvektion
~!!.-: ' o.' a AI -I,) ISI. 5. 212 Oruckmesser ( Vakuum)

bei Gasen: a , I(p)

In einem eleklrisch leilfähigen


(x ) Körper. der durch ein Magnel-
Wirb elslrom leid B hindurch bewegt (v) wird. -consl· Slv1 x [301. 5. ~O8
entsteht infolge von Wirbelstromen
Wä rme

u:=
IIp

lurbulenz
:~:::i~i
I--.D --0 -'--.!::) Ilurbul€flZ [7.11. 5.310
l--u-----:3-0~ I ril
L - l I p --! v
O· E
verl." . lIp ril/p

wl~~t:'
Ploslische
Verformung O- W·f FdS 114.11. 5. 168

06.08
Zeit.
Fre quenz
Oielekirische
Verlust wärme dlr:r;töt[
~";k",
U· sin wt
O.U/ Cwtanli

Ii-Oiele tri scher


IZ1], 5.569
unsts tolfschwPinen,
Verkleben von Sperrholz

Verlu stwinkel

In einem elektrisch teilföhig en


( K ) Körper. der sich in einem
Wirbetstrom Wechselmagnetfeld (Ssinwtl a· const·S I wl x 12.21. S. 2~9 Induktionserwönmung
betindet. entsteht infolge von
Wirbelströmen Wä rme
Prinzipkatalog 1 237

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Ursache:
--0- lemperatur.
Wärme

Ursache Phy sikalisch er Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

07.08
Mecoonische Werden durch mechanische
Wellen Relativbt'Wegungen
WellenISchall1 Reibung 1211. 5.2608 Ullroschollsctr.Yeiflung
zwischen Reibflächen angeregt .
so · entsteht Wärme

10.08 0

f!!!!J
Elektrische
Spannung. Jaulsehe Wärme ä , UI [301 . S. 301 Etektrische Heizung
Elektrischer
Strom.
Elektrisches Feld
,,'I'pk,; 1
k

u~-~
(14.2 15.313
.0 , nJ Vatva Hefl
PeUier- Efle kt \!/ Kühtaggregat
b .... Pettier -
n~~ 80Herien
;1" I.
p. n· Peltierkaeffizient
0

Lichtbogen
L u:=J! ä ,U I
[2tJ. S. 1637
[31\.5.550
Schweinverfahren .
Schmelzen von Metall

12.08

~ ' -
Magnetisches Ö .
Fetd. Righi - Eflekt ~ . llll . SH~b [2.21 5.493
I b I
tnduktivität
III MI
• 5 •Righi - leduc •
Koeffizient

Wird ein paramagnelischer Stoff


Entmagn eti · adiabatisch magnetisiert bzw. [1 11.5.164
lll ,k ll Hz Hagnetpumpe
si erung entmagnelisiert. so erwiirmt er 1301.5. 379
sich. Ilzw. kühlt sich ob

k· Materiatkonstante

13.08 A

[TIh . [rr' r rJ
Etektromagne -
tische Wetten Strohlungswörme 12 Sonnenwörme,
Q, cA 100 . (Tz
Wo 17.11.5.477
llicht. S
trahlungl l aserschweinen

c.Strohlungskonstonte
238 Anhang

Prinzipkatalo g: Wan deln der Energie- bzw. Signalart


Ursache:
-----0- Elektrischer Wi ~erstand

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

01. 09
~
Potentiometer.
länge. l eitertänge und R. -.l. Schiebewiderstand .
lIA 12. 21. S. 135
• quersch nitt Spannungsteiter.
Querschnitt .
lI.Elektr.leitfähigkeit Dehnmeßslreiten
Votum en
ßek trolyt

Etektrotyt
if--==:i :- J
~-t-1 A
RI • J...
Aa 12.21. S. 396 Elektrotytischer Geber

:L
a. Elektr. leitwert

"."
04.09 Engewiderstands - Kroftgeber
~ roft .
Enge-Effekt 12.21. S. t41 - Dehnungs -
Druck.
geber
Mechanische
Energie F

06. 09 Frequenzabhängige Verdrängung RI"~


Zeit.
Skin-Eflekt von Wechselstromen zur leiter-
oberfläche und damit Widerstands-
12.21. S. m DberflöchenhÖrtung.
Frequenz Hohlleiter
erhöhung dl'f
d·leiterdurchmesser

=
Komplexer l .fR1 +(wl-l/wC)1 1111. S.252 Elektrischer Schwingkreis
Widerstand

08. 09 0.6T
R~ Widerstandsthermometer.
Temperatur.
leiter
'\. 1111. 5.197 Bolometer.
<>---1 I--
Wärme T Automatische Regulierung
R.RoU +all- Toll der Stromstärke
a · Temperot urkoeltizienl
R

Halbteiter ~)1//1-- U~TC


'~',<,NTC
12. ZI. S. 50B NTe Widersto
1211,S.1265 PIC - W
- nd.
iderstand
T

Suproleifung
Bei Abkühlung auf eine bestimmte
kritische Temperotur in der NÖhe
des obsoluten Nullpunktesl5prung -
temperatur) sinkt der spezifische
Widerstand p einiger Metalle
:[ t
3
2
1
Pb
12.21. S.137
1111. S.506
sprunghaft out unmeßbar kteine
Werte ob
o 2 4 6 8 12KT

Bei höheren Temperaturen (ober-


Thermische holb 1000'() werden Gase infotge 1301. 5.321
Ionis ierung thermischer Dissoziation elek-
trisch leitend
Prinzipkatalog 1 239

Prinzipkatalo g: Wandeln der Energ ie- bzw. Si gnalort


Ursache: -C2}- Elektrischer Widerstand

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele


Ro( ·u· y
10.09
u~
~
EIekIrische 101
Spannung, funkenlöschung.
Var istor 11,61. S.IOI,
I~I ~ Spannugsstabilisierung
Elektrischer 10°
Strom. 10.1 10° 10 1 kl'l 1D I R
C:v . Bauelemenlwerte
Elektrisches FeI:I

Transduktor·
drossel U W :h
Ab nahme von 21 bei zunehmender
Im. S. 30B Regelungen

Sättigung des Kernes durch h·W


E
Bereich des nega-
~ Schneller Schalter,
Halbleiterbauelement mit BereiCh liVstandes
Negativer Widerstand zur
Tunnel -Oiode negativen. differentiellen Wider - 1461. S. 69 Entdämpfung von Oszilla -
standes toren tür HF - Anl
ogen
OurchlaOspannung

}lt~1
Elektronisch steuerbarer
Halbleiterbauelemenl. dessen Widerstand für Analog -
Valvo -Heft
Feldeftekt - rechenschaltungen,
Widersland durch ein elektrisches Feldeffekt -
Transistor f eld gesteuert werden kann Transistoren Verstä rker,
-4 - 3 -2 -I 0 V21 Spannungs -Frequenz -
lI&s- Wondler

11. 09

~]
Z· YRI .lwL. l/wCJ1
Kapazität Komplexer Elektrischer Schwingkreis,
Widerstand Z
11 11. S. 252
R ,Ohmscher Widerstand Blindleislungskompensalor
L, Induktivitäl
C.Kapazität

12,09 8

Magnelisches
Feld,
Lorentz -Kräfte
(Ihamson·Et!ekt)
-Lfe ;J--L-
~R:::.j
.~ 1301. 5, 368 Messung magnetischer Felder.
Feldplotte
Induktivitäl Widerslandsönderung im Magnetfeld
durch Ablenkung der Slrombahnen 8

C-:J
Z;fR1. (wl -l/wC /
Komplexer
111!. 5. 261
Widerstond R,Ohmscher Widerstand
L, Induktivität
C; Kapazitöt
Bei ErreiChen einer kritischen H

~~d
magnetischen Feldstärke He
Supraleitung wird ous ei nem Supraleiter ei n 1111. S, 506
Normalleiter, wobei siCh der elek- Supra -
leitend
trische Widerstand entsprechend
erhöht I,p I
240 Anhang

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Ursache : ---IZ}- Eleklrischer Widersland

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

Ir
13.09 Wird die Sperrschichi eines Halb -
10 Beleuchlurgsslörke

~
Elektromagne - Sperrsc hichI- leiters beleuchtet. sa enlslehen Pholodiode.
~ (~ IJ
tische Wellen pholoeff eld freie Ladungstroger. die eine I PhototronsistlJ
(LichI,Strohlung) elektrische Leitföhigkea bewirken
Uo

Photowiderstand
Holbleitertauelement . dessen
Widerstand sich bei Beleuchtung
infolge der entstehenden freien
R~ (221. S. ZZ1
[41J.5.35 Photowiderstond
Ladungsträger verringert
Beleuchtungsstörke

In Kristallen entstehen durch


Widerstands -
Bestrahlung freie Lodungstroger.
änderung von [421. S. 7 Halbleiter -Strohlungsdeteldor
die eine elektrische Leitfähigkeit
Kristallen bewirken

Ir
1 Beleuchtur gSstörke
Durch energiereiche Strahlung
werden in Gasen Ionen erzeugt.
I
Ionisation [~51. 5. 226 Dosimeter
die eine elektrische Leitfähigkeit I
bewirken
R
Prinzip katalog 1 241

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


---0-
EIekirische Spannung .
Ursache: Eleklrischer SIram.
Elektrisches Feld

Ursache Physika li sc her Effek t Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

l[!j
01.10
länge. Piezo- Ellekt i U
u~ 1291. S . l~
Oehnungsmesser.
Gasanzünder
Querschnitt.
Volumen I'It

gu~
Plaltenabsland U._U_ d
EOEr A
(beim Konden- 1~01.5.59 Bandgenerator
solar!
E. Dieleklrizitöls·
d konstanle

lritt in einer Röhre mit geri ngem


Gasdruck aus der Kathode ein Elek-
Sloßionisal ion lronenstmm Ik aus, so vervielfachi 1.1 ead (401.5.175
sich dieser in Abhängig eil des
Anoden - Kalhoden • Abstandes d
(l .lonisierungszahl

02.10

~
" v
Geschwindigkeit B t:::I " .j U Ourchflunmesser.
Induldionsgesetz [~Ol. 5.200
I , ,t lacho - Genenator

I . '-

W
u.v-I_,,-
r; Er EO
(5J. 5.885
. r

--
Elektrokine - l E • Dieleklrizitätskonst. 130J. S. 310 Elektrokinelischer
tischer Effekt r; • Eleklrokinelisches 122l.5.221 Geschwindig eitsgeber
U Er POlenlial
" •Dyn. Zähigkeit

Ionisation
aktive?~
präpamt1'"
v
.;. r ':., _ Ionen ~o l~ u_
181. 5.305 Varslrom - Anemometer
Zw ischen den EIekiroden lIient ein
wegen der Rekombinationszeit der
u
Ionen von v abhängiger Sirom I

03.10 Durch die Mossenträgheit der Elek-


tronen Iritt zwischen den End-
Beschleunigung lolmonn - EHekt flöchen eines melallischen leiters E.b_1_ 111J. 5.200
bei Beschleunigung ein elektri - e/m
sches Feld auf

U .K ·B · ~
w~ n~
w
dt
Elektrodyna ·
US p 12.21.5.200 Beschteunigungsmesser
mischer Effekt B. Magnetische Induktion
z.B.Cu ,lI ~ -0
K· Anordnungs - und
'r- Materialkonstante
242 Anhang

Prinzipkatalog: Wandeln der Energie- bzw. Signal art


EIekirische Spannung,
Ursache:
-----0- ElekIrischer Sirom,
EIekirisches Feld

Ursache Physi kalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

04.10
E~
~[}I
Druckmessung ,
Krofl.
Piezo . Effekt [291. 5. 1. Gosonzünder.
Druck. g t Mikrophon
Druck
Mechanische g. Piezoeleklrische
Energie °d l SpoMltlgskonstonte
Bei inniger Berührung zweier Iso ·
lotoren werden ladungen ausge ·
Reibungselektri· tauscht. Zur Trennung der Berüh ·
zitöt( Kontakt· rungsflöchen ist mechanische [2.21.S.76 Bandgenerator
elektrizitöt} Energie ertorderlich.die die Span·
nung entsprechend dem Effekt
· Plattenabstand DUO' vergrönert

Kondensator

4P U
U.JL . .JL • ..L d

W.F· M
o öd 0
[31l.S.09

Elektrokine·
tischer Effekt
W ~ : Er
U.~l
l)X

~ . l) . E wie 02.10
x · Elektr.leitföhigkeit

I
p

~ --- ~
~
z.B. in H1
10. 1

Ionisation 10· l [BI. S.221 Ionisations· Vakuummeter

W r
'X
'X
~~ 10'
10. 5
10.5 10.5 10" Igll,

V
,verstärker OSZiIlO- '
Filler sk~

I NE-leist.-I I
Oszillai % 600

l fOO ""~ 1
~'OO
.c
Induslrie·
Borkhausen- u Anzeiger Zerslörungsfreie Werkslaff -
Effekt Joch '" 197( Nr.31 prüfung
g200

~.
S.685
0
-B -4 0 4
MeChanische
Teslleli spule Spannung
Prinzipkatalog 1 243

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


EIekirische Spannun g.
Ursac he:
-----0- Eleklrischer SIram .
EIekirisches Feld

Ursache Physi kalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendung sbeispiele

04.10 Veränderung des Verlau fes der mog·


netischen Kraftlinien in magnetisch
Kroll. Anisotroper anisotropen I'/erkstolfen in Abhän ·
1221. 5.509 Preßdu lor
Oruckelfekt gigkeit mechanischer Belastung
Druck. und dadurch Erzeugung einer ln -
Mechanische du kti 0 nsspannung
Energie

Elektrische Aufladung von Flüssig - 1301.5.304


Lenard - Effekl
keilslropfen bei der Zerstäubung

06.1 0 Berühren sich 2Supraleiter unler


Mikrowellenbeslrohlung.SO ensleht VQI • Z
Zeit. U, ~
Josephson ·EHekt zwischen ihnen eine Gleichspan - 1974 Spannungsnormal
Frequenz nung U.die der Mikrowellenlrequenz 2e I Nr. S.378
v proportiono list

C
08.10 Temperoturmessu ng.
Temperalur. 12.21. 5.156
Thermo · Effekt A U U ' Cl lT z . T,) Thermoelement.
114.2],5.312
Wörme Thermomagne
T~ B
Cl . 5eebeck·Koeffizient

;'L"L
Wird die thermische Energie von 3
mA
Thermische Elektronen größer als hi re Aus ·
Emission trittsarbei t. so treten Elektronen 12.2I.S.435 Radioröhre
I Glühemission ) in die Umgebung ous und machen
diese leitfähig
2000 2200 2400'( I

Erwörml mon piezoeleklrisches


Material. so Iritt inlotge Wörme- 12.21. S.75
Pyroelektrizität
dehnung eine etektrische Span-
nung zwiSChen den Endflöchen oul

Durch Wönmebewegung der Eet k- U2=4· . T· R·


01
tronen ensteht on einem Wider -
Temperaturmessung
Rausch -Elfekt stand Reine statistische Rausch· 114 1. 5.397
k = Boltzmann · Konst. (Rauschthermometer )
spannung deren Elfektivwert von
der Temperotur Tabhöngt 01 ' Bandbreite der
Anordnung

09.10
----er-
I _~ R
Elektrischer Ohmscher Schiebewiderstand.
U, R·I 111 1.5.196
Widerstand Widerstand Sponnungsteiler
244 Anhang

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalort


Ursache: --0-- Elektrische Spannung .
Elektrischer Strom.
Elektrisches Feld

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

11.10 lla-:~C::::::--...
Kapazitä l lad ungs-
erhallungssalz ~C1J
\~
llx-llt
u.J!.
c
[~OJ. S. 107

12.10
Magnelisches
Feld,
Induklivitäl
Lorenlz-KfÖfte U . BI JL [tl J. S. 227 Mognelteldmessung .
IHall- Effek!) d Hollmulliplikalor

Plasma [2 .21.S.QB MHO - Generotor

Mognistor
lronsislor, bei dem in Abhängig -
keil einer magnelischen Feld-
slörke und dem KOllektorstram
I~~ Mognelfeldmessung
eine Spannung obgegeben wird
H

U' d, · NA dB
i-[~
In dl
Induklionsgeslz ()1I. 5.507 lronsformo tor

E~~
-- A.Spulenftäche
H. Windungszah l

13.10
Eleklromagne - Lic hlelektrischer
fische Wellen Effekt
Ilichl.Stmhlung)
'~ ()1 I. S. 568
[411
Photozelle.
Photoelement

lichtstrom
Prinzipkatalog I 245

Prinzi pkatal og : Wand eln der Energie- bzw. Signalart


Ursa che: ------[2J- Kapaz itiit

Ursache Physi kalisc her Eff ekt Geset z Literatur Anwend ungsbeispiele
Er
01.11 l ~ vA
Liinge.
Elektrischer
Kondensator -+ I
f- llC - Clldd 1221.5. 150 liingenmessung
(Platt enabsland)
Querschnitt. ~ f-o-
~ d..

Qf}
Votum en
Elektrischer
Kondensator llC < cM [221. 5. 154 Drehkon densator
(FIiiche) A
(J_~

[1/ 8t
~l
Verschiebung
llC .C llA (E, - E/) [22l. 5. 154 lochstreifenteser
des I A
' A

Dicke des d I
I I
'-
IIC,C dl (E Z- E,J
Dietektrikums I ...... ~~ , 71d dEI ' dl (EI ' E,)
[221.5. 157 Dickenmessung
! I I

04.11
raft. Plot enabstand ~ 777)"; 1

F ~ ~ /~
'
llC'zFIIS
U
2 1401. 5. 108 Kroflmessung
Druck. lls
Mechanische
Energie

Dielektrizitiits-
~~
181.5.560 Druck messung
konstan te f (p) F F
P
z.B. Bariumtitonat
IICiC "'O.1lot
246 Anhang

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalort


Ursache: -----[2}-- Kapozilö l

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

05 .11
"tz[i
Jif
.. . 1.1 -----
Masse. oielektriz tiä ts- .'~ ': '.~" ~-

Trägheitsmoment. konstante I 1p) ':',i~':: 1 I


IK 21.S.!Ill
Dichte A ..:.. ': ;.:: ot 200 op
-. ,".-',
z. B. Luft

"b!
C'EO ErAld

08.11 Q
Temperatu r.
Wärme
Curie-
Temperatur ==J;F= 121.21. S.941
18 1.5.561
Temperoturmessung

z. B. Boriumlitonol T

10.11
1401. S.532 Abslimmbore Filter.
Elektrische Halbleilerbauelement . dessen K,_
C._ Intermetalt
Spannung. Kapozitälsd iode Kapaz ität sich über eine
Spannung variieren länt
fu:K; Sonderdruck
Sendesuchautomatik.
Elektrischer 14, 1962 FrequenzmOdulation
Strom.
Elektlisches Feld K;. Bauelementkonsl.
bei bestimmten

c~
Stoffen Er" IWI

Er
fe rroeleklrika 1271. S.301

I I
U U
z.8, Seigneltesalz
Prinzip katalog I 247

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Ursache: --0- Mognelisches Feld,
Indukliyilöl

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz literatur Anwend ungsbeispiele

01 .12 - 1-

ioomrooOl
lönge.
Ouerschnill. Spulenlönge 1311. S. 527 Abslimmen eines
Schwingkreises
Volumen
- l - --1
n . Wni dungszahl

L' !ic n1_ Ä-


luflspoll ~.J.L 1221.S.170 Induklionsweggeber
!ir. !il

Verschiebung
des Kerns

Bei Serienschallung
l,L I · l1 dM
lage zweier Bei Parallelschaltung
1221. 5.169 Indukliyer Weggeber
Spulen
l' ~dM
ll · l1

! S M.Gegenindukliyitöt

02.12
Oie Rolation eines lerromogne -
Geschwindig eil
lischen. unmognetisierten Körpers
8ornetl- Ellekl 1301, S. 385
bewirkl ein schwoches Mognetfeld
in Richtung der Rototionsochse

Geschwindig eil
einer ladung H ' J!.!:. eonsl 1311.5. ~97
r
Eine mit y bewegte Ladung 0 ent-
spricht einem Strom I, Oy und
hot ein Magnetfeld H zur Folge
248 Anhang

Pr\t'lzip\<'otolog: Wan deln der Energie - bzw. Sg


i nalart
Ursache:
-----CZJ------ Magnelisches Feld.
Indukliviläl

Ursache Phys ikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

04.12 Oie Permeabililät änderl sich X •yL


Permeabililät bei paramagnetischen Gasen T
Kraft, [441. S. 97
X" .r (pI mit der Anzahl der Molekiile
Druck. pro Votumeneinheit (D ruck) y . Materia ll<onstante
paramagn. Gase
Mechanische
Energie ohne

~
Unlerwirfl man einen ferromagne -
Hagneto - lischen Körper einer mechanischen
Magnetoelostischer
elaslizitäts- Spannung so ändert sich seine 122), 5.179
Kraftgeber
Effekt Permeabililäl I Umkehrung der
Magnetostril<Iion) mil
Kroft F

Verönderung des Verlaufs der


magnelischen Kraftlinien in mag-
Hagnelische
nelisch anisotropen Werkstoffen (221. 5. 509 Preßduklor
Anisotropie
in Abhängigkeil mechanischer
Belaslung

05.12 Oie Permeobililät öndert sich


X ' YI T
Hosse. Permeabililäl bei paramagnetischen Gasen
X : f (p) [441.5.97
mit der Anzahl der Moleküle pro
Tnägheitsmomenl, m YI: Haterialkonslanle
Volumeneinheit (Dichle I
Dichle paramagn. Gase

08.12

l~
Werden ferromagnelische Stoffe
über eine bestimmte Temperatur lempera turschalter.
Tempera lur,
Ic (Curie-1emperatur) erhitzt . 11 1l,S. 239
Curie - Punk I lemperaturkompensa lion
Wärme so vertieren sie ihre ferro magne- [14.21.5.342
lischen Eigenschaften und zeigen in elektrischen Zählern
paramagnetisches Verhallen
I(' I

Permeabilitäl
Der Permeabilitälskoeffizienll.l
der meisten poramagnelischen
Sioffe isl bei nichl zu liefen
.~ [1 1J. 5.237
[14.21.5.342
lemperoluren der absolulen lern-
perotur I umgekehrl proportionol
I
C ;510flkonslonte

Ein Suproleiler verhält sich un -


Meissner- terhalb einer kritischen lempero- 1.1, -0
Ochsenfeld-8fekl lur I obsolut diomagnelisch, d.h. [2.21.5.517
er verdßÖngt Hagnetfeldlinien

'&
vollkommen aus seinem Inneren für 1 ~ l c

10.12 Infolge der Magnelisierungskenn-


Elektrische
Spannung. Hagnetisierungs- linie ist der Zusammenhang
kennlinie zwischen eleklrischem 51rom [2.21. 5. 207
Eleklrischer 1.1 ,
und Induktion nichl linear
SIrom,
ElektrisdlesFeld [·W
Prinzipkatalog 1 249

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Ursache: ~ Eleklromagnelische Wellen
~ (lichi. Sirahlung)

Ursoche Physikolischer Effekt Gese tz Literatur Anwendungsbeispiele

01.13 Verslörkung lür

l onge. 2d nl-sin~-~'kh Verg ülung von Objektiven.


2
Querschnill. Au slöschung tür l Öngenmessung.
Volumen Inlerferenz l'
rt h {ll:]j [2. 31. S. Z39 Holographische Oetonmotions-
2d n-SI u· T 2 h meßlechnik.
Oberflöchenprülung
Auslö schung Verslörkung n ,Brechungs zahl
durch durch h, Wellenlönge
Interferenz Inlerferenz k·O.I. 2. 3....

10

Absorplion
1_ _____ ~L [01. 5.475 Groukeil

k,Absorplionskonslonle

Messung von Gilter onstonlen.


Beugung 12.31. S.284 Bestimmung des Ourch-
messers von Orählen

Beugung om Spalt: 0 lichlquelle.


llinse. BBlende mit SpoII. b SpoII·
breile. ß Beugungswinkel. 5 Schirm
In einem Medium mir slolistisch
fein verleillen leilchen (Abmes-
sungen in der Größenordnung h)
wird einfo llende Strohlu ng
Sireuung verändert bezüglich Richlung.
Intensität. Spektrum und Polori-
solionszuslond. Oie Störke der
Verönderung läßl Rückschlüsse
auf die Größe der Teilchen zu

02.13 Oie scheinbare Sirahlungs -


Geschwindigkeit. frequenz einer sich mir v
entfernenden lichtquelle ist [431. S. 489 G h' d' k '15
Zeif Dappler-fffeki [2.31.5.223 esc wln Ig e, messung
verkleinerl gegenü ber ihrer
talsöchtichen. Das Umgekehrte
gill bei ihrer Annäherung

In verschiedenen Flüssigkeiten
(Fadenmoleküle) erfolg t in Ab-
Stnömungs - hängigkeit des Geschwindigkeits-
[ t4.1I.S.572
do~elbrechung gefälles eine Ausrichtung aniso-
troper Teilchen und damit eine
oplische Doppelbrechun g
250 Anhang

Prinzipkatatag : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Ursache:
--I2J- Elektromagnetische We llen
(L ichi. Strahlung)

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

03.13 Beschleunigung einer Ladung


Beschleunigung
Ladung ruft eine elektramagnetische [191. S. Z58 Röntgenrlihre
Welle hervor

;
04.13 Id(61
Kraft.
~ 6,c(0,-0/ldn.
oruc .
Mechanische
Spannungs -
doppelbrechung
.'" /
0, I~echanische
Spannung (BI. S.333 Spannungsoptik
Energie ~~ tF
6, Gangunterschied
d,Materialdicke in
Polarisiertes Strahlrichtung
Licht c, Materialkonstante
Bei Gasen und oompten
gilt :
Oie Brechungszaht der meisten
Brechzahl Stolfe-insbesondere der Gase - n(p)- =(no-1)p· [1(11. S.~D8
erhöht sich mit steigendem ßruck
k =1emperoturobhän-
giger Materialwert

Enlstehung von Funken durch (211. S.956 Feuerstein


Reibung
Reibungswörme

05.13 Ist die Dichte in einem Medium ört·


Masse. tich nicht konstont (Schlieren l. so
1rägheitsmament. Brechung ist auch die Brechungszaht eine Homogenitotsuntersuchungen.
IZ. 31. S. 317
Funktian des Ortes. Oie Größe der Schlierenmethode
Dichte lichtablenkung ist ein Maß tür
die Oichteunterschiede.

06.13 Oie tntensitat I des Streulichtes


Zeit.
Streuung ist proportional der vierten I ,1 0 eonst· v' 1111. S.365
Frequenz Potenz der Frequenz v
Prinzipkatalog I 251

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Ursache:
-0--- Eleklromognelische Wellen
(lichi. Sirohlung)

Ursache Physikal ischer Effekt Gesetz Literatur Anwend ungsbeispiele

07.13 Beugung des lichtes on einem


sina , k~
Mechanische Debeye - Seors- durch Ullroschollwellen hervor- 1.."""11
Effekt gerufenen Phosengitler. (Durch
Wellen [2.31. S. 29/'
(Beugung ) röumlich periodische Oichle - a,Beugungswinkel der
~chwankungen enlsprechende Inlensitdtsmoximo
Anderung von n I k ,0.1. 2. 3...

Durch Absorption von U11 ro -


Absorption
schallwellen ongeregte Lumines· 1211. S. 2377
(leuchtschirm )
zenz [Sonolumineszenz)

08 .13 E

~'
I 11101 - -1-
lemperotur. Dos Inlensitätsmoximum ausge-
Wiensches -
sondter Strahlung vertogert sich 1 [111. 5.376
Wärme Verschiebungs- I lemperolurmessung
mit steigender lemperotur zu 1301, S.55/'

~
gesetz
kleineren Wellenlöngenwerten A

1..

'~
Dos Pion sche Strohlungsgeselz
Plonksche - gibl den Zusommenhong zw ischen
[/'51.5. /'89 lemperoturmessung,
Inlensitäts - Strahlungsenergie E und der
verleilung Temperotur im ganzen Temperolur- 1111.5.375 Forbpyromeler
und Wellenlöngenbereich on
1..

Oie Gesamtstrohlung E des


Siel on -80llz- schwa rzen Körpers über olle
monnsches - Wellenlöngen pro Flöchen - und E,ol' [301.5.555 Temperolurmessung

\\
Geselz Zeileinheil ist der /'.Polenz der ob-
solulen lemperolur proportionol
o, Boltzmonn Konslonte

,.
Dünne Schichlen von lösungen Bes timmung VQ n Ober lIachen -
bestimmler Forbslolle (cholesleri- Gelb lemperoluren.
Flüssigkrislolle nische Flüssigkris lalle ) zeigen Grün [2/'J.5.36B
Forberscheinungen .die empfind- Blau Bildliche Oorslellung von
lieh von der Temperolur obhängen Viole" Temperolurverleilungen

10 15 20 25 30 'e /'0 T
I-
Oie Brechuogszohl n(t) der meisten nltl -I. kfno-II-
I-al
Brechzahl Stoffe - insbesondere der Gose- 111,,1 l. 5./'07
a , Ausdehnungskoell.
sinkl mit steigender lemperolur 1
k, druckobhöngiger
Maleriolwerl
252 Anhang

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie - bzw. Signalart


~ Eleklromagnelische Wellen
Ursache:
~ (LichI. Sirohlung)

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

10.13 Leuchlerscheinung bei einer elek-


Elektrische Irischen Gasentladung bei relaliv
Glimmentladung (li 1.5. 291 Glimmlampen
Spannung. kleinen Drücken und geringen
Elektrischer Siromdichten
Strom .
Elektrisches Feld
Werden in einer Rönlgenröhre die
aufgrund der Beschleunigungs -
Rönlgenslrahlen spannung bewegten Elektronen am h· v • Ue. 130l. S. 541 Röntgengeröl
Anodenmoterial abgebremst. so ent-
steht eine sehr kurzweilige elektro- U _ B chi ' _
magnetische Welle (Röntgenstrahlen) - s~~nn~~;lgungs

Emission von Licht aus einem Fest-


Lumineszenz - Oiaden.
Elektrische körper. dessen Elektronen zuvor
130 l. S.6D9 Lumineszenz _Plotte.
Lum ineszenz durch Anlegen eines elektrischen 12.4l. S.152
Feldes in angeregte 2ustände Laser - Diode
übergegangen sind

Beim Eindringen eines schnellen


a -Teilchens in ein ZnS - Kristall
entstehen schorf lokalisierte Licht- 1211. 5.2500 Szinti llationszähler
Szintillation
blitze. Oie dabei emittierte licht-
menge ist dem Energieyerlust des
Teilchens proportional

~I~~ U •.dI""... ".


",
I~
'~ 6'E=U/IGangunterschied
1211. 5. 1460 Kerrzelle .
Kerr -E ffekt

~ r.
[30 1.5.530 Lichtsteuerung

t::,
A' Wellenlänge des
Optische Achse lichtes im Vakuum
linear polarisiert K. Kerr -Konstante
Prinzipkatalog 1 253

Prinzipkatalog : Wandeln der Energie- bzw. Signalart


Ursache : ~ Elektromognetische Wellen
~ - (Licht. Strohlung)

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

10.13 Elektrode Elektrischer Strom


Loser - Diode,
Elektrische
Spannung. Laser -Effekt [2 11. S.1605 Glostoser.
Eleklrischer Holographie
Strom.
EIekirisches Feld Elektrode
~------~----~--------~----------+-----~------------~
N
Befinden sich fichtaussendende l!.v. RHT E
Atome in eni em elektrischen Feld. so
Slork -Effekl erzeugl dieWechselwir1<ung zwiSChen l!.v. Frequenzänderung [2.31.5.415
den Hülleneleklronen und dem Feld RH' Stark- Konstonte
eine Aulspaltung der Spektrallinien ' ! 1.2.3.. ... ...
Z.Kernladungszahl
E.Elektrische Feldstärke

Anzeigeeinheiten.
Flüssigkeits - Variable Farbfilter,
kristalle [2.41. 5.366
Speichereinheiten für Computer.
Flachbildschirm

12.13
Magnetisches a. V·1· B
Feld.
Faraday -Effekt [11 1. S.364 lichtmodutation
Induktivität
a.Orehwinket der
Polarisationsebene
V, Verdetsche Konstante
Transparentes Materiat B.Magnetische Induktion

Bef inden sich lichtaussendende l!.v . ! _e_ H


Atome in einem magnetischen Feld. so 4,,·m·(
Zeemann -Effekt erzeugt die Wechselwirkung zwischen e.m,Elektronenladung. [Z.3I. S.409 Oappeltrequenzlaser
d.en Hullenele tronen und dem ~e.ld Elektronenmasse
elOe Aufspaltung der Spektrollln!en c,Lichtgeschwindigkeit
H.Magn. Feldstärke

Cotton -Mouton-
Effekt

Optische Achse C. Collon - Mouton-


linear polarisiert Konstante
Prinzipkatalog 2

Vergrößern bzw. Verkleinern


physikalischer Größen
Prinzip katalog 2 257

Prinzipkatalog: Vergrönern - Verkleinern physikalischer Größen


l önge .
Ursache:
----c23- Uuer5chnill .
Volumen

Ursach e Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

01.01
länge.
Ouerschnill.
Hebel - Effekt 51 - 1bP-
'r
_- -- -52
I)
52' S'I;"" 17.11
Hebelgetriebe.
Zahnröder

Volumen

Keil - Effekt '~


-T - 5,
SI' s, tona [ 7.11
Schroube.
Kurvengetriebe
'/

lIh _
'il. !
~
Kapillarilöt v.=-
--'il - -
~ ..:. -
h,
.1 ßh ,_~ .2oC05'il 12.1 l.S .416
r,z -r, ßr pg
--- --.,: -
lZr,-i 2r2 .-
ßh. h, -hz t!r.r,-rz
I

Ouerkontraktion ;.aC::'=D~M
, 1 0
M. ~ .!!.Q.ßI
to
IZ.1l.S .141
- lo'ßI

Schubver -
formung l~J~1
I
I I
I
I
I ßI. ßs 2
21
1301. 5.120 Mikrokator

~
A, Hydroulik .
Fluid - [liek I
T ;: :~i~': T SI ' - S, 17.11
s2 AI Pneum atik
s, "
258 Anhang

Pri nzi pkatalog : Vergrößern - Verkleinern physi kalisch er Größen


Ursoche:
----C23- Geschwindigkeil

Ursache Physikali scher Eff ekt Geset z Literatur Anwendungsbeispiele

02.02
'~
I I
Geschwindigkeil Hebel - Effekt rl
vl , vl - Hebelgetriebe
r,
) vI
w

~
I Kurvengelriebe ,
Keil - Effekt vI' v, tona Exzenter ,
Schroube
" /.

vorher nachher
Stoß
cY
ml ml
vI
@
m, ml
CI Ci' mlvl ' ml vr milv,-vl lk
ml ,m l
[7.11.5.279

k- Sloßzohl

AI

~..
A, Hydraulik,

r
Fluid - Effe t "::' vl, vl -
VI AI Pneumati
VI T :i:i/

Ursache:
----c23- Beschleunigung

03.03
Beschleunigung Hebel- Elfe I
"t''1'')J1 w 01
° 1' 0, -
rl
rl
Hebelgel ri ebe

~-
Kurvengelriebe ,
Keil - Effekt a 0, ° l, ol ton a Exzenter,
Schraube
'///////.. /

A
A ,I

~ A,

;,i~i~:
Fluid - Effekt ° / ' 0, Ai' Hydrouli
01T T °1
Prinzipk atalog 2 259

Prinzi pkatalog : Vergrößern - Verkleinern physikalischer Größen


Kroll
Ursache:
~ Druck
Mechanische Energie

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

04.04
~
.... :~. Hydrauti k.
Kraft . Fz,F 1 ~
l..U.J1U
Ftui d- Effekt . .. F
Druck. AI Pneumatik
F1 1
Mechanische
Energie

Hebel - Effekt
~-~-r
-
• I
rl - r/ -
F/,F 1 ..!!.
rl
Hebelgetriebe

Reibu ng ~
~, F ,~ N Bremse

+
W"I' f F·ds
Hysterese W~" I ,pro Betastungs- [37.41. S. 761
zyklus in Wärme
umgesetzte
Energie
260 Anhang

Pr;nzipkatalog : VergröOern - Verkleinern physi kaliseher Grönen


Ursache: ~ Zeil
~ Frequenz

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

06.06
Zeil .
Frequenz
I Frequenzobstimmung.
Schwebung v, - VI ' V] - - 12.11.5.179
I. Stroboskop

v•• 5chwebungsfrequenz
Vi • Gru ndf requenzen

Ursache : ~ Mechanische Wellen


~ (SchollI

07.07
Mechanische . Bei der 5chollrellexion tritt eine
Wellen (Scholl) Reflexion Intensilätsobnohme auf 12.l1.S . ~92 Schallisoto ion

Bei der Übertagerung zweier


Scholl ellen is d ieAusläschung
Interferenz 12. 1.5.452
oder Verstärkung infolge Inter -
ferenz mäglich

Absorption 1111. 5. \20

ß-Absarptionskoeffizient
Prinzipkatalog 2 261

Pri nzi pkatalog: Verg rößern - Verkleinern physikalischer Größen


Ursache:
----c21- Temperatur.
Wärme

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele

08.08
lemperalur.
Wörme
Schmelzen
Wörmeaufnahme bei
schmelzlemperolur I:~ 12.11.5.720 Flüssigkeilsgelüllie
Kühlelemenle

Erstorren
Wörmeobgabe bei
Erslarrun gst emperatur I:~ 12.11. 5.720

Verdompfen Wörmeoufnohme bei


Verdompfungs emperotur
I,~ 12.1J.5.720 I Kü hlschronkverdompfer.
Heo - pipe
0

Kondensieren
Wörmeobgobe bei
Kondensotionstemperotur
I~ 12.11. 5.720 Heot - pipe

:--d ...
Ö, At(l1· 1,1
Wörmeleitung 11-~ (311.5.369 Wiirmelouscher
~-~ f--II A ' leitender
Ouerschnitl

Konvektion
A
~ -, =-"'=-' ~~ -
Ö, a · A(ll-I,1 17.11. s. 470 Heizkörper

a.Wörmeübergongszohl

sirohlung T,

CITh
TI >I,
ö ,cAC~~),·( I~O)']
c .Strohlungskonslonle
17.11. 5.477 Heizstrohler
262 Anhang

Prinzipkatalog: Vergrößern - Verkleinern physikalischer Größen


EIekirische Spannung .
Ursache: ~ Elek lrischer SIram.
EIeki ri sches Feld

Ursache Physikalischer Effekt Gesetz literatur Anwendungsbeispiele

10.10
EIekirische
Spannung.
Eleklrischer
Iranslormolor
@
Ul
N
' ,
D
uo·..1. · UI
NI
l3ll. S.139
lronslarmolor.
überlrager

Sirom.
Konslanlon
Eleklrisches Feld
lhermo reuz U~/. Messung von
[2.21.S.160 I Hochlrequenzslrömen

,:~' "Et
Fe

lransduklor
IMagnel· 11
1401.S.522 Steuerung s orker
verstör er) WechselS röme

K~
o': M
11 I I I 11
U/

Sekundär- I Szin tillotionsz Öhter.


elekt ronen - I, .6"· L 129.11. S. 26
verviellacher I, Foto erviellocher
Porallele trode mil
Emissionstaklor ö

1301. S. 323 Spannungs _bz w. Srom-


Verslörker [221. S. 309 verslörkung in digilalen und
[401. S. 368 anologen Schall reisen
S.156

Aufladung von lraplchen

r·l ·
....... !
Influenz E·O[]
:-:··
:-: -: EIOCIJ E o
E r-I
E, 'T,. EO [2.2 I.S.50
'~ : : : .. l
11

Magnetisches Feld.
Ursache: ~ Ind uktivit öt

tndu tivitot :
12.12 1401. S. 521 Mognelverstör er.
Magnelisches 5ältigungsellekt L·const· ~ r (H)
12.21. S. 207 5ättigungsdrosset
Feld. 1
Induktivität
W
Inlluenz H. OfSTSl 12. 21.5.93 Erzeugung von Mognelpolen
I l!...uJ in lerromognetischem Malerial
~
Prinzipkatalog 2 263

Prinzip katalog: Verg rößern - Verkleinern phys ikali sch er Größen


Elektromognetische
Ursoche :
~ Wellen

Ursache Physikalisc her Effekt Gesetz Literatur Anwendungsbeispiele


Blilzlompe als Refleklor tür
13.13 Pumplichtquelle Pumplichl
Eleklro-
mognelische V loserticht

r. ~nß 'Wi~~
Wellen
Loser • •" 1211.5. 1602

I
Stob ~us Losermoteriot (z.B,Rubin)
mit porollelen. verspiegellen
Endttöchen

Doppelbrechung ~n ci "'I 4>,,4>/' 4> olZ [2.31. 5.351


~ ~I
Dpl ische Ac hse

a
Polarisation
~n, ~' , 4>0' cos/a 12.3I.S.m lichtschwöchung

Polarisolar Analysalor

I,
l'lD/\/\l o 1,.1 1

\~ Enlspiegelung.

"*'
[2.31. 5.296
Inlerterenz
~ f\f\r I
Dielek trische Spiegel
Auslöscpung bzw. Verstörkung 0 180' J60'~
durch Uberlogerung 1. 21 , cos l (~121

l uminiszenz t!)
Fluoreszierende oder
vl <v,
Fluoreszenztarbstoffe,
[2.3J .5. 1.3B Optische Aufheller i n
Waschmitteln,
Leuchtsloffe
phosphoreszierende Flöche

Absorption
rj~rrl1
, , , __ - - I
" 'o·e··· 1 IZ.31. 5.187
Graukei I.
Lichtschutzglöser

"'--- k, Absorplionsindex
Prinzipkatalog 3

Fügen von Stoffen


Prinzip katalog 3 267

Prinzipkatalog "Fügen" von Stoffen

Anwendungs- Anwendungs -
Effekt Prinz ipsk izze Effekt Prinzipskizze beispiele

rnCI
beispiel e

0
Adhäsion Klebeverbindungen Eleklrostatische Elektrostolische
Lötverbindungen Kröfte Papierbelestigung

B
Kohäsion Schweinverbindungen Magnet ische Magnetische

G EB
Kröfle Spannlische
Stoflschtun Ferro-/Para-
Eteklro -magn.

- Nulensteine
Nietverbindungen rn
~ GJ
Formschlun Diamagnetisch

Oberflöchen- Quecksilbertager Reibung Reibverbindungen

.~
spannung

~---- Coulomb
W/&////7/?/..

Hookesches- Gesetz Elaslische Knüp ungen

~
Verbindungen noten
Eytelwein 5\ Spill

R i!
Aero-/Hydro- ydraulik-
stotik Spannelemenle

m
t
Newton ~~=
--
._-
- ---
--~~
----
---
-- - - -
, ... '

-
§
Aero-/ Hydro- Lager Auftrieb Sicherhei sventite
dynamik
~
--~- ~~ _ _ _ _CO-~-

-- -- ~

Unlerdruck
111 11 Saugnöple Fliehkrafl
Trögheitskrofl ~ I~
Raumfahrzeuge
Fliehkraft -

~
kupplungen
. .

$
Gravilation Maschinen- Impuls /'1~I///!fl«r.!

~ I
aufsiellungen
Prinzipkatalog 4

Teilen von Stoffen


Literaturhinweise finden sich unter [101]
Prinzip katalog 4 271

Prinzipkatalog ..Teilen von Stoffen


11

====={]]::}==
GA GAn
Mechanische Beanspruchung
(Materialbruchl
Effekt Prinzipsk izze Gesetz Bemerkungen Anwendungsbeispiele
Zug f ~ dA Bruch durch Materialdehnung Zerreinen
über plastischen Bereich hinau s

~
Beispiete für die Erzeugung der Kroll F:

Zentrifugal- dF =rwzdm
kraft
~ dF

~d.

Druck F.dA Bruch durch Materialdehnung Bockenbrecher


lF über plastischen Bereich hinaus Kegelbrecher

1I:~.
Walzenbrecher
lrammelmühlen
Bruchslücke PralIbrecher
Schlagstiftmühlen
p Sirahtmühlen
Schleudermühlen
Beispiele für die Erzeugung der Kroll F:

Schneiden Schneiden durch abrasive Schneiden mit


mit ;;;0- Wirkung des Wassers. Hochdruckwasserstrahl
Hochdruck- Alome werden aus dem Gitter-
wasserstrahl verband gelöst und weggespüll
J
''''''''''] /; ~ ['"
6lektro- Dos zu zerkleinernde Gut wird Brecher noch Julkin
hydraulischer Etl ~=~ e durch die Stonwellenfront einer
Eflekl ~,\\..':...._;,;./H elekirischen Entladung unter
HzO - ~~~~-:,/.z
--
Wasser zerstör I
~~_. -
-
---"'-
" -,...--
--- -- -- -
--

TT'
272 Anhang

Prinzipkatalog "Teilen" von Stoffen


GA=CJlJ=G
I

An
Mechonische Beonspruchung
(Moteriolbruch)
Effekt Pri nz ip)ok izze Gesetz Bemerkungen Anwendungsbeispiele
Schub
- F 1 =y-G Bruch durch Malerialdehnung Abscheren

:Ef
y= Schiebung über plasl ischen Bereich hinaus
6 •Schubmodul

r-
Beispiele für die Erzeugung d er Krall F:

Reibung FA'>L -r Abrieb im Grenzflöchenbereich Mühlen


v Jr v sehr kleine Korogrönen möglich Kugelmühlen
Slabmühlen

( ~
FA ---.." Irommelmühlen
Pendelschwingmühlen

Schneiden F.I -s-ts Schneiden

~
F =Schnitt krall Freischnill
t =Scherlesligkeil Führungsschnitl
s =Blechdicke Schneiden mil Gummikissen
I .Länge der elc_
Schnittlinie Schneidmühlen
Strangschneider

'l//J
Biegung p.EIIM b Bruch durch Materialdehnung Brechen
p. Krümmung- über plastischen Bereich hinaus Masselbrecher

J
y radius
I
~
"I
Beispiele für die Erzeugung des Biegemomentes:

Resonanz /") wr=lwr1-t) ) Vorousselzung:

, j - -'
-' -' -' /
-'
/
\ Wr' Resonanz-
frequenz
wo'w,

---,, , , /
~/

>< J Wo' Eigen-


"'''''~ frequenz
'- '- '-
-t) =Abkl ing-
" '> konslanle
"
Prinzipkatalog 4 273

Prinzipkatalog ,.Teilen" von Stoffen


I

G.====={]l:r= G An
Mechonische Beonspruchung
(Moteriolbruch)
Effekt Prinzipskizze Gesetz Bemerkungen Anwendungsbeispiele
Torsion ",.M,_2_
-I_ Bruch durch Molerialdehnung

~,
Tt-r'- G über plaslischen Bereich hinaus

- W ,{; - - ._ ~
I -i \

Beispiele für die Erzeugung des lors ionsmomenles:


274 Anhang

Prinzipkatalog "Teilen"
,
von Stoffen
Thermische Beanspruchung
G A = L J l J = GAn
(Phasenwechsel )
Effekt Prinzipskizze Gesetz Bemerku;,gen Anwendungsbeispiele
Örtlich tl wörmurlQ des ~~aterials über Breillischneiden
begrenzte deli Schmeizpulild hinous Li cht bogellsehne i deli
Temperatur - Losers I rohl schneide n
erhöhung
EI ekl ron ens 110 1,Isc hne i eie',
P10 sm ost ro hIsc hn eidpn
Funkenerosion

V
Örtlich Eis Aufgrund der Anomalie des Zerteilen von Eis
begrenzte Wasseis wird Eis bei einer
Druck- DruckerhöhulIQ flüssig.
erhöhung Gescllmolzells Wasser aus
dem Spalt ertfernen
Prinzipkata)og 4 275

Prinzipkatalog "Teilen " von Stoffen


I

G~==={]l]= GAn Chemische Beanspruchung


(Ma ferial auf! ösung)
Effekt Prinzipskizze Gesetz Bemerkungen Anwendungsbeispiele
Örflich Werkslollablrag durch ÄIzen
begrenzle
chemische
~ chemische Reaklion mil
einem ÄIzmedium
lauchälzen
b Sprühälzen
Reaklian
b

~
Örllich
begrenzle
eleklro -
chemische
Reaklion
.~
. irr Vorschub

e
Werksloffobtrog durch
galvanische Reaklion,
Leilfähigkeil des Materials
ist Voraussetzung
EIeklro-chemisches
Senken
Schleifen
Honen
Läppen
Entgralen
Polieren
lhermische Werksloffabtrag durch Orahl-Erodieren
und Funken -Erosion

f~1
etektrische
Wirkungen

Cl
Örlliche 11
\I I Werkstoffabtrag durch Schneiden mit
\111'
begrenzte