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Lehr- und Arbeitsbuch zum Seminar Deutsche Literatur (B. A.

Kapitel 1:
Was ist Literatur und was ist Literaturwissenschaft?
Aufgaben
1. Stellen Sie mindestens drei verschiedenen Personen die folgenden Fragen und notieren
Sie ihre Antworten.1

Fragen Name: Name: Name:

Lesen Sie gerne?

Was lesen Sie?

Wann lesen Sie?

Haben Sie ein Lieblings-


buch? Wie heißt es?

Worum geht es in Ih-


rem Lieblingsbuch?

Was haben Sie schon


auf Deutsch gelesen?

Welcher deutsche Text


hat Ihnen am besten
gefallen?

Finden Sie Lesen wich-


tig oder unwichtig?
Warum?

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Quelle: Simone Heine (2010): Deutsche Literatur. Eine Einführung in die literarischen Epochen der Aufklärung,
des Sturm und Drangs, der Klassik, der Romantik, des Biedermeiers und des Vormärz/Jungen Deutschlands. Vi-
entiane: Nationaluniversität von Laos, S. 4.
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ULIS VNU Hanoi, Fakultät für Deutsche Sprache und Kultur

2. Überlegen Sie in Kleingruppen: Was IST eigentlich „Literatur“?

3. Ordnen Sie die untenstehenden Begriffe den literarischen Grundgattungen Lyrik, Epik
und Dramatik zu. Arbeiten Sie dabei in Kleingruppen und schlagen Sie die Begriffe, die
Sie noch nicht kennen, im Wörterbuch nach.2

die Komödie die Ballade das Märchen die Novelle


der Roman das Liebesgedicht die Sage die Tragödie
die Kurzgeschichte die Fabel das Drama das Naturgedicht

Lyrik Epik Dramatik


(Gedichte) (Prosa) (Theaterstücke)

4. Diskutieren Sie in Kleingruppen: Was ist für Sie „gute“ Literatur?

2
Quelle: Simone Heine (2010): Deutsche Literatur. Eine Einführung in die literarischen Epochen der Aufklärung,
des Sturm und Drangs, der Klassik, der Romantik, des Biedermeiers und des Vormärz/Jungen Deutschlands. Vi-
entiane: Nationaluniversität von Laos, S. 5.
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Lehr- und Arbeitsbuch zum Seminar Deutsche Literatur (B. A.)

5. Versuchen Sie, für die folgenden Texte passende Fachbegriffe zu finden:

a. Hans Jürgen Heringer: Interkulturelle Kommunikation


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b. Nam Cao: M t b a no

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c. Nguy n Du: Truy n Ki u

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d. William Shakespeare: Romeo and Juliet

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e. studio d A . Deutsch als Fremdsprache. Kurs- und Übungsbuch

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f. Manfred Mai: Geschichte der deutschen Literatur

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g. Joanne K. Rowling: Harry Potter

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6. Überlegen Sie in Kleingruppen: Womit beschäftigt sich die Literaturwissenschaft?

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7. Tauschen Sie sich in Kleingruppen aus: Wie haben Sie sich in der Schule mit Literatur
beschäftigt?

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ULIS VNU Hanoi, Fakultät für Deutsche Sprache und Kultur

8. Schauen Sie sich die folgenden Texte an: Ist das Literatur? Begründen Sie Ihre Meinung.

Beispiel 1: Beispiel 2:

Reinhard Döhl (1969)

Beispiel 3: Beispiel 4:

Anatol Knotek (2001)

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Erläuterungen

Was ist Literatur?


In der heutigen deutschen Sprache gibt es zwei Definitionen von Literatur – eine weite und
eine enge:
Literatur im weitesten Sinne ist ALLES, was
geschrieben ist.
Literatur im engeren Sinne ist die Dichtung,
also (meist fiktionale) Texte mit Kunstan-
spruch. Auf diese Definition bezieht sich auch
das deutsche Adjektiv literarisch .
In diesem Kurs werden wir uns nur mit Litera-
tur im engeren Sinne befassen.

Die drei klassischen Formen (Grundgattungen) der Literatur im engeren Sinne sind:
Die Dramatik:
Dramen sind Theaterstücke, die von Schau-
spielern in der Dialogform gespielt werden.
Sie sind meistens in Akte und Szenen unter-
gliedert. Typische Formen sind die Tragödie
und die Komödie.

Die Epik:
Zur Epik zählen alle Texte, die erzählt werden
(z. B. Roman, Erzählung, Novelle, Kurzge-
schichte, Märchen, Fabel, Parabel usw.). Oft
wird auch die Bezeichnung Prosa gebraucht.
Mit dieser Bezeichnung wird die ungebun-
dene Sprache (im Gegensatz zur gebundenen
Sprache der Lyrik) betont.

Die Lyrik:
Zur Lyrik zählen alle Arten von Gedichten. Ty-
pisch für Lyrik ist: relative Kürze, meist subjek-
tive Ich-Aussage, gebundene Sprache (Reim,
Metrum), verschiedene Verfahren der ästheti-
schen Organisation der Sprache (z. B. Allitera-
tionen, rhetorische Figuren, Metaphern usw.).

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Das Verständnis von Literatur im engeren Sinne hat sich im Laufe der Zeit sehr gewandelt:

Früher war Literatur ein Schriftstück, das ein


Autor oder eine Autorin nach bestimmten
ästhetischen Regeln schrieb: Die Form, der In-
halt, der Umfang mussten innerhalb dieser Re-
geln bleiben. Man beurteilte die Qualität eines
Werkes danach, ob es die Regeln einhielt oder
nicht. Natürlich war das nicht das einzige Krite-
rium, aber das stand am Anfang.
Diese Regeln konnte man in einer Poetik (= die
Lehre von der Dichtkunst) finden. Grundle-
gend für die westliche Literatur waren die Poe-
tik des Griechen Aristoteles (384 322 v. Chr.)
und die Dichtkunst des Römers Horaz (65 v. Chr.
8 n. Chr.). In beiden Werken findet man auch
Ziele der Literatur: Für Aristoteles standen mi-
mesis (griechisch; dt.: Nachahmung) und ka-
tharsis (dt.: Reinigung) im Mittelpunkt. Für Ho-
raz war die Verbindung von prodesse (latei-
nisch; dt.: nützen) und delectare (dt.: erfreuen)
am wichtigsten.

Die erste Poetik für die deutsche Sprache war


das Buch der deutschen Poeterey (1624) von
Martin Opitz. Diese Poetik ist noch an den anti-
ken Regeln orientiert.

In der deutschen Literatur setzte sich Ende des


18. Jahrhunderts erstmals ein anderes Ver-
ständnis durch: Im 18. Jahrhundert schrieb zu-
nächst Gotthold Ephraim Lessing einige Werke,
die den alten Regeln nicht mehr ganz folgten.
Die Stürmer und Dränger des späten 18. Jahr-
hunderts lehnten dann alle Regeln ab: Der
Dichter wurde nun als das Genie gesehen, das
sich seine Regeln und Gesetze selbst schafft.
Im späten 18. Jahrhundert wurde in der deut-
schen Literatur also die Regelpoetik durch die
„Autonomieästhetik“ abgelöst.

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Doch schon im 19. Jahrhundert gab es wieder


andere Konzepte (die es z. B. wieder erlaubten,
dass Literatur einen politischen Zweck erfüllte).

Bis heute gibt es viele kontroverse Diskussionen darüber, was für Texte als Literatur
im engeren Sinne bezeichnet werden können, was gute und was schlechte Lite
ratur ist, ob literarische Texte nicht-literarischen (z. B. politischen) Zielen dienen dür-
fen oder sogar sollen usw.

Eine weitere Möglichkeit, Texte zu klassifizieren, ist die Unterscheidung von „Sach- oder
Fachliteratur“ auch „Gebrauchsliteratur“ genannt und „schöner Literatur“:

„Sach- oder Fachliteratur“ auch „Gebrauchsliteratur“ genannt sind Texte, die in-
formieren. Die wichtigste (und oft die einzige Funktion) der Sprache solcher Texte
ist: zu informieren.

Die „schöne Literatur“ unterteilt man in zwei Gruppen:


o Die „Unterhaltungsliteratur“ (auch „Triviallitera-
tur“ oder „Massenliteratur“ genannt): Texte, die
unterhalten, aber keine Kunstwerke sind.

o Die Dichtung: Texte, die geschrieben werden, um


Sprach- oder Wortkunstwerke zu sein. In der
Dichtung hat die Sprache viele Funktionen: Sie
kann informieren und unterhalten, aber sie hat
auch eine besondere Struktur und einen eigenen
Wert.

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Außerdem gibt es noch die Unterscheidung von fiktionalen und nicht-fiktionalen Texten:

In fiktionalen Texten wird eine vom Au-


tor erfundene Welt dargestellt.

Nicht-fiktionale Texte beschäftigen sich


mit Dingen, Personen, Ereignissen etc.,
die es wirklich gibt oder gab.

Womit beschäftigt sich die Literaturwissenschaft?


Gegenstand der Literaturwissenschaft ist schwerpunktmäßig die Dichtung, also die (fiktio-
nale) Literatur mit Kunstanspruch.
Darüber hinaus werden auch verschiedene Arten von (nicht-fiktionalen) Gebrauchstexten
untersucht, die zwar nicht zum engeren Bereich der Dichtung (Drama, Epik, Lyrik) gehören,
aber durchaus einen künstlerischen Wert haben können (z. B. Biographien und Autobiogra-
phien, Reden, Predigten, Tagebücher, Briefe, Essays und andere Formen der Publizistik).
Seit einiger Zeit interessiert die Literaturwissenschaft sich außerdem vermehrt für fiktionale
Unterhaltungsliteratur ohne Kunstanspruch (Massenliteratur, Trivialliteratur).
Manchmal beschäftigt sich die Literaturwissenschaft auch mit literarischen Verfahren (z. B.
Metaphern) in nicht-literarischen Textsorten.

Teilgebiete der Literaturwissenschaft sind:

die Literaturgeschichte,
die Literaturtheorie,
die Analyse und Interpretation von Lite-
ratur,
die Literaturkritik.

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