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Basler Kommentar Bundesverfassung Art. 26 BV

BSK BV-WALDMANN, Art. 26 Bernhard


Waldmann

Art. 26
1
Eigentumsgarantie Das Eigentum ist gewährleistet.
2
Enteignungen und Eigentumsbeschränkungen, die einer Enteignung
gleichkommen, werden voll entschädigt.

[version française]
1
Garantie de la La propriété est garantie.
propriété 2
Une pleine indemnité est due en cas d’expropriation ou de restriction de la
propriété qui équivaut à une expropriation.

[versione italiana]
1
Garanzia della La proprietà è garantita.
proprietà 2
In caso d’espropriazione o di restrizione equivalente della proprietà è
dovuta piena indennità.

[504] INHALTSÜBERSICHT
Note

I. Allgemeines 1

1. Entstehungsgeschichte und Grundlagen 1

2. Wesen und Funktionen 6

3. Stellung innerhalb der Verfassung 15

II. Gewährleistung des Eigentums (Abs. 1) 17

1. Schutzobjekt 17

2. Schutzrichtung 24

3. Träger und Adressaten 29

4. Teilgehalte 33

III. Schranken 49

1. Eigentumsbeschränkungen 49

2. Einschränkungsvoraussetzungen 58

IV. Anspruch auf volle Entschädigung (Abs. 2) 79

1. Wesen und Rechtsnatur 79

2. Anwendungsbereich 82

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3. Volle Entschädigung 100

MATERIALIEN
Zu Art. 26: Art. 20 VE 1995; Erläuterungen zum VE 1995, 52; Art. 22 VE 1996; Botsch. BV, 172
ff.; VE VK NR, 375; VE VK StR, 443 f.; AB NR SD 1998 213 ff., 421 ff.; AB StR SD 1998 44, 158.

Andere: Bundesrat, Botschaft an die Bundesversammlung über die Ergänzung der


ter quater
Bundesverfassung durch die Art. 22 und 22 (Verfassungsrechtliche Ordnung des
ter quater
Bodenrechts) vom 15. August 1967, BBl 1967 II 133 ff. (zit. Botsch. Art. 22 und Art. 22 aBV,
BBl 1967 II).

LITERATUR
MARCEL BOLZ, Das Verhältnis von Schutzobjekt und Schranken der Grundrechte, Diss. Zürich
1991; JACQUES DUBEY, Espace – Temps – Propriété, Définition et restriction de la propriété
privé du sol à l’heure du développement durable et de l’aménagement du territoire, Zürich 2012;
RAPHAËL EGGS, Les «autres préjudices» de l’expropriation, L’indemnisation au-delà du modèle
fondé sur la valeur vénale, Diss. Freiburg, Genf/Zürich/Basel 2013; ALEXANDRE FLÜCKIGER, L’
autodétermination en matière de données personnelles: un droit (plus si) fondamental à l’ère
digitale ou un nouveau droit de propriété?, AJP 2013, 837–864; ALAIN GRIFFEL, Bauen im
Spannungsfeld zwischen Eigentumsgarantie und Bauvorschriften, ZBl 2002, 169–187; URS GUT,
Die materielle Enteignung, Diss. Zürich 1969; PETER HÄNNI, Planungs-, Bau- und besonderes
Umweltschutzrecht, 5. Aufl., Bern 2008 (zit. Planungsrecht); DERS., Eigentumsschutz,
Sozialbindung und Enteignung bei der Nutzung von Boden und Umwelt, VVDStrL 1992, 252–282;
HEINZ HESS/HEINRICH WEIBEL, Das Enteignungsrecht des Bundes, Kommentar zum
Bundegesetz über die Enteignung, zu den verfassungsrechtlichen Grundlagen und zur
Spezialgesetzgebung des Bundes, 2 Bände, Bern 1986; TOBIAS JAAG, Öffentliches
Entschädigungsrecht, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Formen
öffentlichrechtlicher Entschädigungen, ZBl 1997, 145–174; RUDOLF KAPPELER, Die
baurechtliche Regelung bestehender Gebäude, Das postfinite Baurecht, Zürich 2001 (zit.
Regelung); DERS., Formelle und materielle Enteignung gemäss den Fluglärmentscheiden des
Bundesgerichtes, Zürich/St. Gallen 2010 (zit. Enteignung); MARTIN LENDI, Planungsrecht und
Eigentum, ZSR 1976 II 1–224; GEORG MÜLLER, Privateigentum heute, Vom Sinn des
Eigentums und seiner verfassungsrechtlichen Gewährleistung, ZSR 1981 II 1–116; MARKUS
MÜLLER, Staatshaftungsverfahren und Grundrechtsschutz, recht 1996, 259–270; MARTIN
PFISTERER, Die Anwendung neuer Bauvorschriften auf bestehende Bauten und Anlagen –
insbesondere die Besitzstandsgarantie, Diss Bern 1979; ENRICO RIVA, Kommentar Art. 5 RPG,
in: Heinz Aemisegger/Pierre Moor/Alexander Ruch/Pierre Tschannen (Hrsg.), Kommentar zum
Bun [505] desgesetz über die Raumplanung, Zürich 2010 (zit. Art. 5 RPG); DERS., Hauptfragen
der materiellen Enteignung, Bern 1990 (zit. Hauptfragen); DERS., Wohlerworbene Rechte –
Eigentum – Vertrauen, Dogmatische Grundlagen und Anwendung auf die
Restwassersanierungen nach Art. 80 des eidgenössischen Gewässerschutzgesetzes, Bern 2007
(zit. Wohlerworbene Rechte); ALEXANDER RUCH, Die expansive Kraft der materiellen
Enteignung, ZBl 2000, 617–634; PAUL-HENRI STEINAUER, La propriété privée aujourd’hui, ZSR
1981 II 117–246; THIERRY TANQUEREL, La responsabilité de l’Etat pour acte licite, in: Anne-
Christine Favre/Vincent Martenet/Etienne Poltier (Hrsg.), La responsabilité de l’Etat, Genf/Zürich
/Basel 2012, 85–112; THIERRY TANQUEREL/FRANÇOIS BELLANGER (Hrsg.), La maîtrise
publique du sol: expropriation formelle et matérielle, préemption, contrôle du pirx, Genf/Zürich
/Basel 2009 (zit. Tanquerel/Bellanger-AUTOR/-IN); MARC D. VEIT, Die Ordnungsfunktion der
Eigentumsgarantie, Eine ökonomische Analyse der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, Diss.

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St. Gallen, Bern 1999; BERNHARD WALDMANN, Der Schutz von Mooren und
Moorlandschaften, Diss. Freiburg 1997 (zit. Schutz); DERS., Eigentum und Eigentumsordnung,
in: Alexandra Rumo-Jungo/Pascal Pichonnaz/Bettina Hürlimann-Kaup/Christiana Fountoulakis
(Hrsg.), Une empreinte sur le Code civil, Mélanges en l’honneur de Paul-Henri Steinauer, Bern
2013, 653–661 (zit. Eigentum); DERS., Materielle Enteignung, in: Giovanni Biaggini/Isabelle Häner
/Urs Saxer/Markus Schott (Hrsg.), Fachhandbuch Verwaltungsrecht, Zürich/Basel/Genf 2015,
Kapitel 27, 1115–1163 (zit. Enteignung); BERNHARD WALDMANN/PETER HÄNNI, Stämpflis
Handkommentar (SHK), Raumplanungsgesetz – Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die
Raumplanung (RPG), Bern 2006; ROLF H. WEBER, Eigentum als Rechtsinstitut,
Beurteilungsstand und Entwicklungstendenzen, ZSR 1978 I 161–191; BEATRICE WEBER-
DÜRLER, Der Grundsatz des entschädigungslosen Polizeieingriffs, ZBl 1984, 289–302; KONRAD
WILLI, Die Besitzstandsgarantie für vorschriftswidrige Bauten und Anlagen innerhalb der
Bauzonen, Diss. Zürich, Zürich/Basel/Genf 2003; PIERMARCO ZEN-RUFFINEN/CHRISTINE
GUY-ECABERT, Aménagement du territoire, construction, expropriation, Bern 2001.

I. Allgemeines

1. Entstehungsgeschichte und Grundlagen

Der Schutz des Eigentums gehört zu den Menschenrechten der ersten Stunde. So erklärte 1
bereits die vom Gedankengut der Aufklärung geprägte Déclaration des Droits de l’Homme
et du Citoyen vom 26.8.1789 das Eigentum zu den natürlichen und unabdingbaren
1
Menschenrechten (Art. 2). Unter diesem Einfluss fand die Eigentumsgarantie ihre
Verankerung in der ersten Helvetischen Verfassung von 1798 (Art. 9: «Privateigenthum
kann vom Staat nicht anders verlangt werden als in dringenden Fällen oder zu einem
allgemeinen, offenbar nothwendigen Gebrauch und dann nur gegen eine gerechte
2
Entschädigung»). Das Ende der Helvetischen Republik (1803) bedeutete vorerst auch das
Ende des verfassungsrechtlichen Eigentumsschutzes.

Im jungen Bundesstaat fand die Eigentumsgarantie weder in der BV 1848 noch in der BV 2
1874 eine explizite Verankerung. Das Eigentum war dennoch nicht schutzlos. Zum einen
waren Eigentumsrechte im 19. Jahrhundert mit Ausnahme des Tessins in allen
Kantonsverfassungen in unterschiedlichem Wortlaut, aber letztlich mit dem gleichen
3 4
Sinngehalt gewährleistet worden, sodass das Bundesgericht im Laufe der Jahre einen
5
«gemeineidgenössischen» Schutzstandard entwickeln konnte. Zum andern setzten die
Bestimmungen von Art. 21 Abs. 2 BV 1848 und Art. 23 Abs. 2 BV 1874, die dem Bund für die
Errichtung seiner öffentlichen Werke das Recht zur Expropriation gegen volle [506]
6
Entschädigung zusprachen, den Bestand eines Eigentumsrechts geradezu voraus.
Während dieser Zeit wurden auf Bundesebene die Rechte des Einzelnen an Sachen
7
während langer Zeit in erster Linie durch das einfache Gesetzesrecht geschützt, insb.
8
durch das Expropriationsgesetz und durch das ZGB.

Es dauerte bis 1959/1960, bis das Bundesgericht die Eigentumsgarantie als 3


9
ungeschriebenes verfassungsmässiges Recht anerkannte. 1969 wurde die
Eigentumsgarantie als Bestandteil der verfassungsrechtlichen Neuordnung des Bodenrechts
quater
zusammen mit dem Raumplanungsartikel (Art. 22 aBV) explizit in der BV verankert (Art.
ter
22 aBV).

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In der neuen Bundesverfassung wurde diese Verfassungsbestimmung – abgesehen von


einer Anpassung des französischen Texts an die deutsche Version und der Streichung des
ter
mit Art. 36 BV überflüssig gewordenen Absatzes zu den Schranken (Art. 22 Abs. 2 aBV) –
10
praktisch unverändert übernommen. In den Räten gestellte Minderheitsanträge betreffend
11
die Einführung einer Verantwortlichkeitsklausel und die Reduktion der
12
Entschädigungspflicht auf eine «angemessene» Entschädigung wurden des Langen
13
diskutiert, aber letztlich verworfen. Da sich der materielle Gehalt der Eigentumsgarantie
ter
nicht geändert hat, sind Praxis und Lehre zu Art. 22 aBV weiterhin massgebend.

Der völkerrechtliche Flankenschutz ist relativ schwach ausgeprägt. Auf universeller Ebene 5
findet sich die Gewährleistung des Eigentums zwar in der «deklaratorischen» Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte (Art. 17), nicht aber in den rechtsverbindlichen UNO-Pakten.
Immerhin ist das Recht auf Achtung des Eigentums auch in Art. 1 des 1. Zusatzprotokolles
zur EMRK verankert. Dieses Protokoll wurde allerdings von der Schweiz wegen des darin
ebenfalls enthaltenen Rechts auf Bildung (noch) nicht ratifiziert. Zu erwähnen sind
schliesslich auch die zahlreichen Abkommen zum Schutz der im Ausland getätigten
14
Investitionen vor staatlichem Zugriff.

2. Wesen und Funktionen

a) Wesen

Die Eigentumsgarantie ist im Grundrechtskatalog der Bundesverfassung explizit verankert. 6


Ob sie darüber hinaus aufgrund ihres ideologischen, in der Aufklärung verwurzelten
15 16
Hintergrunds auch naturrechtliche Geltungskraft besitzt, steht nicht abschliessend fest.
In der Schweiz wird die Diskussion um die präpositive Geltung von Grundrechten – anders
als etwa in Deutschland – generell mit grosser Zurückhaltung geführt. Dabei wird die
materielle Bindung des Verfassungsgebers aber weniger an [507] transzendentalen Regeln
eines richtigen Rechts als vielmehr am Völkerrecht festgemacht. Nun ist aber das Eigentum
anders als andere Grundrechte in dem für die Schweiz massgebenden Völkerrecht nur
schwach geschützt (N 5). Vor diesem Hintergrund steht es dem Verfassungsgeber
grundsätzlich offen, den Inhalt und Umfang von Eigentumsrechten grundlegend neu zu
bestimmen und dabei allenfalls sogar Art. 26 zu ändern, wie dies etwa in der 1988
17
verworfenen «Stadt-Land-Initiative gegen die Bodenspekulation» verlangt worden war.
Solange aber die Eigentumsgarantie in ihrer heutigen Form als Grundrecht gewährleistet ist,
bleibt die darin enthaltene Wertentscheidung zugunsten der Freiheit von Besitz und Haben
(wenn auch nicht absolut) verbindlich. Dass der Schutz der Eigentumsgarantie hauptsächlich
18
denjenigen zugutekommt, die schon über Eigentumsrechte verfügen, ist somit bereits in der
Verfassung selbst angelegt.

Als Grundrecht beinhaltet auch die Eigentumsgarantie ein Bündel von einklagbaren Rechten 7
gegenüber staatlichen Aufgabenträgern (Art. 35 Abs. 2) sowie objektive
Wertentscheidungen, welche in der ganzen Rechtsordnung zur Geltung kommen müssen
19
(Art. 35 Abs. 1). Sie wird im Allgemeinen den Freiheitsrechten zugeordnet.

Im Unterschied zu den meisten anderen Freiheitsrechten bezieht sich das Schutzobjekt der 8
Eigentumsgarantie weder auf die Persönlichkeit noch auf das Handeln oder Unterlassen des
Menschen, sondern im Wesentlichen auf die durch die Rechtsordnung geschaffenen und
ausgestalteten Formen und Institute der Herrschaft über Sachen und Vermögenswerte

20

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20
(vgl. N 17 ff.). So handelt es sich beim Eigentum, bei den Dienstbarkeiten und
Pfandrechten, bei den obligatorischen Rechten, bei den Immaterialgüterrechten oder auch
bei den besonderen Nutzungs- und Verfügungsrechten des öffentlichen Rechts um Produkte
der Rechtsordnung bzw. um Rechtsinstitute, die durch Art. 26 grundrechtlichen Schutz
geniessen. Dem Gesetzgeber steht es zu, diese rechtlichen Formen der Sachherrschaft zu
verändern und anzupassen; er darf sich aber – mit den Worten von GEORG MÜLLER –
«nicht zu weit von den bisherigen Vorstellungen über das Eigentum entfernen oder es gar
21
durch andere Rechtsinstitute ersetzen» . Ohne die gesetzlich ausgeformten Institute der
Sachherrschaft bliebe die Eigentumsfreiheit weitgehend inhaltsleer. Immerhin findet auch die
tatsächliche Herrschaft des Menschen über Sachen grundrechtlichen Schutz. Diese hat es
unabhängig von der Existenz oder Ausgestaltung einer Rechtsordnung immer schon
gegeben; sie ist somit auch als eine der menschlichen Natur zukommende Erscheinung
geschützt.

Von der Einrichtung des Eigentums oder anderen Formen der Herrschaft über Sachen 9
(Schutzobjekt) zu unterscheiden ist der grundrechtlich geschützte Inhalt und Umfang der
innerhalb dieser Institute bestehenden Sachherrschaftsrechte (Schutzbereich). Hier ist die
22
Tragweite des grundrechtlichen Schutzes – zumindest in der Dogmatik – umstritten:

[508] – Gemäss einer tradierten, sich an der «Normstruktur» der Freiheitsrechte orientierenden
Auffassung (sog. «Schrankentheorie») ist der Schutzbereich der Eigentumsrechte, insb.
des Eigentums, zunächst umfassend gewährleistet. Die einzelnen Nutzungs- und
Verfügungsrechte können aber eingeschränkt werden, sofern hierfür eine genügende
gesetzliche Grundlage besteht, der Eingriff im öffentlichen Interesse liegt, verhältnismässig
ist und den Kerngehalt des Eigentums wahrt.

– Demgegenüber folgern die Anhänger der sog. «Konkretisierungstheorie» aus der


rechtlichen Natur der geschützten Rechte sowie aus der Gleichrangigkeit der
Verfassungsbestimmungen, dass sich der Inhalt des Eigentums aus der Verfassung und der
darauf gestützten Rechtsordnung ergibt. Gesetzliche Regelungen zu Inhalt und Umfang der
Eigentumsrechte erscheinen damit nicht als eigentumsbeschränkend, sondern als
23
eigentumsgestaltend. Dieses Verständnis hat sich v.a. im Kontext der baulichen Nutzung
24
von Grundstücken (Baufreiheit) akzentuiert.
25 26
Obwohl die «Konkretisierungstheorie» in Lehre und Rechtsprechung gerne aufgegriffen 10
wird, hat sie sich bisher nicht (vollends) durchgesetzt. Deren Anwendung setzt eine klare,
bisher aber nicht gelungene Abgrenzung zwischen «inhaltsgestaltenden» und
27
«inhaltsbeschränkenden» Regelungen voraus und würde in letzter Konsequenz bedeuten,
dass die Verfassung die Eigentumsrechte nur nach Massgabe der Gesetzgebung schützen
28
würde. Selbst nach den Anhängern der «Konkretisierungstheorie» darf der Gesetzgeber
aber im Rahmen der Inhaltsbestimmung der geschützten Rechte das Rechtsinstitut des
Eigentums nicht aushöhlen und die bestehenden Eigentumsrechte Einzelner nur zur
Verwirklichung eines öffentlichen Interesses und unter Wahrung des
29
Verhältnismässigkeitsprinzips einschränken. Schliesslich bleibt auch eine Entschädigung
aus materieller Enteignung nicht ausgeschlossen, wenn gesetzliche Änderungen der
bestehenden Eigentumsordnung einzelne Berechtigte enteignungsähnlich treffen (N 99).
Umgekehrt geht auch die klassische Auffassung («Schrankentheorie») nicht von einer
absoluten Geltung der Eigentumsgarantie aus.

11

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Vor diesem Hintergrund handelt es sich schwergewichtig um eine akademisch-ideologische


30
Diskussion, die sich im Übrigen auf alle Grundrechte ausdehnen lässt. Der
Verfassungsgeber ist in der Tendenz der «Schrankentheorie» gefolgt (Art. 36), wobei faktisch
Bundesgesetze aufgrund von Art. 190 eher konkretisierend wirken. In der Praxis wird
versucht, beide Theorien dahingehend miteinander in Einklang zu bringen, dass der
Gesetzgeber bei der Umsetzung und Verwirklichung der verfassungsrechtlich vorgegebenen
Aufgaben und Ziele zwar ebenfalls an das Grundrecht der Eigentumsgarantie gebunden
bleibt, dass er aber im Ergebnis mit verfassungsmässigen Eigentumsbeschrän [509] kungen
31
den Inhalt der Eigentumsrechte neu umschreibt. So können gesetzliche Änderungen oder
Anpassungen der Nutzungs- und Verfügungsbefugnisse durchaus zu Beschränkungen
bisheriger, durch Art. 26 geschützter Rechte führen; halten sie vor der Instituts- (N 34) und
Bestandesgarantie (N 43) stand, wird damit der Inhalt und Umfang der unter den
grundrechtlichen Schutz fallenden Eigentumsrechte für die Zukunft neu definiert. In diesem
32
Sinne ist Begrenzung immer auch Inhaltsbestimmung (und umgekehrt). Die
Unterscheidung erweist sich letztlich als überflüssig, da Inhalts- und
33
Schrankenbestimmungen als gegenseitig austauschbar erscheinen.

b) Funktionen

Als Grundrecht vermittelt die Eigentumsgarantie zunächst verschiedene einklagbare Rechte 12


auf Abwehr, Schutz und Leistung (N 25 ff.). Neben dieser individualrechtlichen Funktion
beinhaltet die Eigentumsgarantie auch objektive Grundsatznormen und Wertentscheidungen,
welche in der ganzen Rechtsordnung zur Geltung kommen müssen (Art. 35 Abs. 1). Diese
34
konstitutiv-institutionelle Bedeutung weist im Einzelnen verschiedene Dimensionen auf.

In seiner persönlichkeitsbezogenen Dimension ermöglicht «Eigentum» eine 13


eigenverantwortliche, selbstbestimmte und existenzsichernde Lebensgestaltung für den
Moment und für die Zukunft, schützt einen besonderen Bereich der Privatsphäre (ein
35
«eigenes Stück Welt» ) und bildet somit Voraussetzung für die freie
Persönlichkeitsentfaltung. Während diese Funktion im persönlichen Bereich der
Lebensgestaltung stark menschenrechtlich geprägt ist, teilt die Eigentumsgarantie bei der
unternehmerischen Nutzung der einzelnen Rechte ihre Funktionen mit der
36
ordnungsbezogenen Bedeutung der Wirtschaftsfreiheit. Des Weiteren bildet auch die
Eigentumsgarantie – zusammen mit dem Grundrecht der Wirtschaftsfreiheit – einen
Grundpfeiler der freiheitlich-wettbewerbsorientierten Wirtschaftsverfassung. Sie ist für Markt
37
und Wettbewerb geradezu systemrelevant. Im Unterschied zu Art. 27 wird der
38
ordnungspolitische Gehalt der Eigentumsgarantie in den Aufgabenbestimmungen der
Bundesverfassung nicht konkretisiert. Immerhin verpflichtet Art. 108 den Bund zur Wohnbau-
und Wohneigentumsförderung (N 42).

Die persönlichkeitsbezogene und die wirtschaftsordnungsbezogene Dimension ergänzen 14


sich gegenseitig und sind von ihrem Schutzgehalt her gleichwertig. Die im VE 1977
angedeutete Differenzierung der Schutzwürdigkeit von selbstgenutztem und gemeinnützigem
Eigentum einerseits und der rein gewerbsmässigen Nutzung von Eigentums [510] rechten
39
anderseits entspricht nicht dem geltenden Verfassungsrecht. Dies schliesst allerdings
unterschiedlich weitreichende gesetzliche Beschränkungen für private und kommerzielle
40
Nutzungs- und Verfügungsrechte nicht aus.

3. Stellung innerhalb der Verfassung

15
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Innerhalb der Grundrechte weist die Eigentumsgarantie mit Bezug auf ihre 15
wirtschaftsordnungsbezogenen Funktionen enge Berührungspunkte mit der
41
Wirtschaftsfreiheit (Art. 27) auf. Dazu kommen hinsichtlich ihrer persönlichkeitsbezogenen
Funktionen auch Bezugspunkte zur persönlichen Freiheit (Art. 10) und zur Privatsphäre (Art.
13 Abs. 1). Berührungspunkte bestehen sodann auch zum Vertrauensgrundsatz von Art. 9:
So werden wohlerworbene Rechte je nachdem, ob bei ihnen die sachenrechtliche Fixierung
(z.B. bei Nutzungskonzessionen) oder die vetrauensbildende Beziehung zwischen Bürger
und Staat (z.B. bei Zusicherungen an öffentlich Bedienstete) im Vordergrund steht, durch die
42
Eigentumsgarantie oder durch den Vertrauensgrundsatz (Art. 9) geschützt. Schliesslich
finden sich Elemente des Vertrauensschutzes (Art. 9) und der Rechtsgleichheit (Art. 8) auch
in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Entschädigungstatbestand der materiellen
Enteignung (Art. 26 Abs. 2; N 92).

Obwohl die eigentumsbezogenen Aufgaben- und Zielbestimmungen der 16


Bundesverfassung den Inhalt der Eigentumsordnung als Ganzes mitprägen, gehen sie der
Eigentumsgarantie nicht vor. Vielmehr ist es Sache des Bundesgesetzgebers, die hinter den
eigentumsbezogenen Sachaufgaben stehenden öffentlichen Interessen mit der
Eigentumsgarantie über eine wertende Abwägung in eine praktische Konkordanz zu bringen.
Ein sich aus der Verfassung selbst ergebender Vorrang gegenüber der Eigentumsgarantie ist
nur für eine Verfassungsbestimmung anzunehmen, die selber im Sinne einer
verfassungsrechtlichen Kollisionsregel eindeutig einen Vorrang statuiert oder Teile des
verfassungsrechtlichen Eigentumsschutzes derogiert. Dies trifft bspw. für unmittelbar
anwendbare Bauverbote wie das Minarettverbot (Art. 72 Abs. 3) oder das Verbot von
Bodenveränderungen in Mooren und Moorlandschaften von besonderer Schönheit und
gesamtschweizerischer Bedeutung (Art. 78 Abs. 5) zu (N 55). Hingegen wird die
Eigentumsgarantie durch die programmatischen Aufgaben- und Zielbestimmungen der
Umwelt- oder der Sozialverfassung nicht zum vornherein zurückgedrängt; vielmehr liegt es
am Gesetzgeber, im Rahmen einer wertenden Abwägung für eine Harmonisierung der
43
kollidierenden Interessen zu sorgen (N 56).

II. Gewährleistung des Eigentums (Abs. 1)

1. Schutzobjekt

Schutzobjekt von Art. 26 bildet das «Eigentum». Der verfassungsrechtliche Eigentumsbegriff 17


bestimmt sich aber nicht nach dem Zivilrecht (Art. 641 ZGB), sondern autonom in
44
Berücksichtigung der Funktionen (N 12 ff.) des grundrechtlichen Eigentumsschutzes. Die
Entwicklungen des Eigentumsbegriffs im Rahmen des Europarates und dessen [511]
Mitgliedstaaten bleiben (zumindest rechtlich) ohne Bedeutung, da die Schweiz das
entsprechende (erste) Zusatzprotokoll zur EMRK nicht ratifiziert hat (N 5).

– Der Schutz der Eigentumsgarantie umfasst zunächst das sachenrechtliche Eigentum an 18


Grundstücken und Fahrnis. Obwohl Tiere gem. Art. 641a ZGB nicht als Sachen gelten, ist
45
Eigentum an ihnen möglich und auch grundrechtlich geschützt. Vor dem Hintergrund der
(persönlichkeitsbezogenen) Funktionen der Eigentumsgarantie darf es nicht darauf
ankommen, ob der Gegenstand des Sachherrschaftsrechts einen (bestimmten)
Vermögenswert aufweist. Schutzwürdig ist auch das Eigentum an einem Gegenstand
ohne Verkehrswert, wie z.B. an einem persönlichen Kleidungsstück oder einem Andenken.
46

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19
– Erfasst werden darüber hinaus weitere vermögenswerte Rechte des Privatrechts an
47
Grundstücken und Fahrnis, wie beschränkte dingliche Rechte (Dienstbarkeiten,
48
Pfandrechte), der Besitz, obligatorische Rechte (z.B. aus Miet-, Pacht- oder
49 50
Arbeitsverhältnissen) und Immaterialgüterrechte.

20
– Unter den verfassungsrechtlichen Eigentumsbegriff fallen auch besonders
rechtsbeständige öffentlich-rechtliche Nutzungs- und Verfügungsrechte («wohlerworbene
Rechte»). Dazu gehören insb. die auf historischen Titeln oder seit unvordenklicher Zeit
bestehenden Rechte (sog. «ehehafte» Rechte wie Nutzungsrechte an öffentlichen
51
Gewässern, Jagd- und Fischereirechte, Weiderechte oder Tavernenrechte), vertragliche
oder vertragsähnliche Rechte (z.B. Ansprüche aus einer Konzession oder einer
52
wirtschaftspolitischen Bewilligung) oder aufgrund von (gesetzlichen) Zusicherungen ein
53
für alle Mal fixierte Anspruchspositionen, sofern beim einzelnen wohlerworbenen Recht
54
die sachenrechtliche Fixierung im Vordergrund steht und die Substanz dieses Rechts
55
betroffen ist.

Mit Blick auf die Funktion des Eigentums als Garant für eine eigenverantwortliche, 21
selbstbestimmte und existenzsichernde Lebensgestaltung (N 13) müsste sich der
Schutzbereich der Eigentumsgarantie generell auf vermögenswerte Ansprüche der
Daseinssicherung erstrecken und damit insb. auch Besoldungsansprüche und
56
Sozialversicherungsansprüche (Renten, Taggelder usw.) erfassen. Ein Teil der Lehre
verlangt sogar die generelle Ausweitung des Schutzbereichs auf alle vermögenswerten
57
öffentlich-recht [512] lichen Ansprüche des Einzelnen, insb. auch auf Ansprüche aus
58 59 60
Staatshaftung. Demgegenüber begrenzen das Bundesgericht und ein Teil der Lehre den
Schutz der Eigentumsgarantie auf einzelne konkrete Eigentumsbefugnisse an Immobilien
und Fahrnis, während das Vermögen als solches vom Schutzbereich – unter Vorbehalt der
Institutsgarantie (N 34) – ausgenommen wird. Daraus folgt etwa, dass Art. 26 in seiner
Funktion als Bestandes- und Wertgarantie im Zusammenhang mit der Erhebung von Steuern
61
und Abgaben nicht angerufen werden kann und durch öffentliches Recht begründete
vermögenswerte Ansprüche, die nicht den Status von wohlerworbenen Rechten erreichen,
von Art. 26 nicht erfasst werden. Nicht unter den verfassungsrechtlichen Eigentumsbegriff
62
fällt schliesslich auch der Schutz eines Unternehmens als vermögenswerte Gesamtheit,
der in Deutschland unter der Rechtsfigur des «Rechts am eingerichteten und ausgeübten
63
Gewerbebetrieb» diskutiert wird.

Innerhalb seines Eigentumsbegriffs schützt Art. 26 nicht nur die Nutzungs- und 22
Verfügungsrechte an bereits bestehendem Eigentum, sondern auch den freien Zugang
64
zum Erwerb neuen Eigentums. Nicht unter dem Schutz der Eigentumsgarantie steht
65
hingegen die widerrechtliche Nutzung des Eigentums.

Gemäss einer neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung werden ferner auch faktische 23


Voraussetzungen, welche dem Inhaber der Eigentumsrechte die Ausübung seiner
rechtlichen Befugnisse ermöglichen, durch die Eigentumsgarantie erfasst. So schützt die
Eigentumsgarantie den Anstösser einer Strasse vor Änderungen des Zufahrts- und
Zugangsregimes, die ihm die bestimmungsgemässe Nutzung seines Grundeigentums
66
verunmöglichen oder übermässig erschweren. Es wird anerkannt, dass auch gewisse
faktische Einschränkungen der sich aus dem Eigentumsrecht ergebenden Befugnisse den

67

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67
Schutzbereich von Art. 26 tangieren können. Diese Änderung der Rechtsprechung ist in der
68
Lehre überwiegend positiv aufgenommen worden. Genau genommen betrifft sie weniger
das Schutzobjekt als vielmehr die Frage nach dem Vorliegen eines dem Staat
zurechenbaren, unmittelbaren Eigentumseingriffs (N 49).

[513] 2. Schutzrichtung

Wie jedes andere Freiheitsrecht lässt sich auch die Eigentumsgarantie in einen 24
individualrechtlichen Teil («Normschicht» bzw. «Dimension», Art. 35 N 4) mit einem Bündel
von einklagbaren, punktuellen Ansprüchen und einen Teil mit objektiven Grundsatznormen
und Wertentscheidungen aufgliedern, welche die gesamte Rechtsordnung überdachen und
von den Behörden in der Rechtswirklichkeit umgesetzt werden müssen (Art. 35 N 11 ff.).

Innerhalb der individualrechtlichen Ansprüche enthält die Eigentumsgarantie in erster Linie 25


Abwehrrechte des Einzelnen gegenüber unrechtmässigen Eingriffen des Staates in
69
konkrete Eigentumsrechte.

Hingegen vermittelt sie grundsätzlich keine einklagbaren Ansprüche auf staatliche 26


Leistungen zur Verschaffung von Eigentum oder zur Verbesserung der faktischen
70
Voraussetzungen für die Ausübung der bestehenden rechtlichen Befugnisse. Die aus Art.
35 fliessende Pflicht des Staates, die zur Wahrnehmung der Eigentumsrechte notwendigen
rechtlichen Infrastrukturen (Vertragsrecht, Grundbuch, Zivilgerichte usw.) und tatsächlichen
71
Einrichtungen zu schaffen (Art. 35 N 38), sind weitestgehend programmatischer Natur und
72
richten sich an den Gesetzgeber. Das Regelungsprogramm der im Wesentlichen vom
Gesetzgeber zu konkretisierenden Verwirklichungsbeihilfe wird für die Eigentumsgarantie in
Art. 108 (Wohnbau- und Wohneigentumsförderung) und Art. 111 Abs. 4 (Förderung der
Selbstvorsorge) konkretisiert. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass sich einzelne
Leistungspflichten, sofern sie sich hinreichend für eine Anwendung im Einzelfall bestimmen
lassen, zu justiziablen Ansprüchen verdichten können (Art. 35 N 39). Einen
Leistungsanspruch besonderer Art vermittelt schliesslich Art. 26 Abs. 2 für Enteignungen und
enteignungsähnliche Eigentumsbeschränkungen.

Eine Verwirklichungsbeihilfe besonderer Art beinhaltet der in Art. 26 enthaltene Anspruch, bei 27
73
Eigentumsbeschränkungen den Zugang zu einem gerichtlichen Verfahren zu erhalten.
Angesichts der Rechtsweggarantie von Art. 29a kommt diesem akzessorischen Anspruch
74
heute keine Bedeutung mehr zu.

Des Weiteren kann sich auch die Pflicht des Staates, den einzelnen Grundrechtsträger vor 28
75
Gefährdungen und Eingriffen, die von Dritten ausgehen, zu schützen («Schutzpflicht» , vgl.
Art. 35 N 6), zu einklagbaren Interventionsansprüchen verdichten, sofern die Behörden
(Polizei) von der unmittelbaren, ernsthaften Bedrohung bedeutender Eigentumsrechte wissen
(oder davon bei der Anwendung pflichtgemässer Sorgfalt Kenntnis haben müssten), sie
ferner die Möglichkeit haben, vernünftige und angemessene Massnahmen zur Verhinderung
der Eigentumsverletzung zu ergreifen, und die drohende Gefahr durch die Anrufung des
76
Zivilgerichts nicht rechtzeitig behoben werden [514] kann. Das Bundesgericht anerkennt
solche Schutzansprüche allerdings nur für qualifiziert grundrechtliche Schutzgüter und lässt
77
es offen, ob das Eigentum darunter fällt.

3. Träger und Adressaten

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a) Träger von Eigentumsrechten

Auf die Eigentumsgarantie in all ihren Erscheinungsformen (Instituts-, Bestandes- und 29


Wertgarantie; N 33 ff.) können sich alle natürlichen sowie die juristischen Personen des
78
Privatrechts berufen, dies ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit bzw. ihres Sitzes. Die vom
Bundesgericht im Zusammenhang mit der Anwendung der «Lex Koller» (BewG) vertretene
Auffassung, der Erwerb von Grundstücken in der Schweiz durch Ausländer falle nicht in den
79
Schutzbereich der Eigentumsgarantie, ist unzutreffend. Einschränkungen der
Eigentumsrechte aufgrund der Staatsangehörigkeit müssen vielmehr den Voraussetzungen
80
von Art. 36 standhalten. Der Schutz der Eigentumsgarantie steht somit allen Eigentümern,
Dienstbarkeitsberechtigten, Mietern, Besitzern, Urhebern und Inhabern wohlerworbener
81 82
Rechte zu. Geschützt sind aber auch die (potenziellen) Anwärter auf diese Rechte.

Juristische Personen des öffentlichen Rechts (Gemeinden, Kantone und ihre 30


Verwaltungsträger mit Rechtspersönlichkeit) können sich hingegen grundsätzlich nicht auf
83
die Eigentumsgarantie berufen. Der Schutz der Eigentumsgarantie steht ihnen aber
gemäss Lehre und Praxis zu, wenn sie wie Privatpersonen im Rechtsverkehr auftreten und
84
vom angefochtenen Entscheid gleich wie Private betroffen sind. Dies ist etwa bei einer
Gemeinde mit Grundeigentum im Finanzvermögen der Fall, die sich gegen kantonale
Einschränkungen konkreter Vermögenswerte zur Wehr setzt. Aber auch Vermögenswerte
des Verwaltungsvermögens sind geschützt, wenn das Gemeinwesen bzw. dessen
Verwaltungsträger als Eigentümer (und nicht in der Funktion als Träger von öffentlichen
85
Aufgaben) von einer Massnahme betroffen ist, zumal öffentliche Sachen nach der in der
Schweiz herrschenden dualistischen Theorie mit Bezug auf den Begriff und Inhalt [515] der
86
Eigentumsrechte und deren Übertragung dem Privatrecht unterliegen. Dasselbe gilt m.E.
auch für öffentliche Sachen im Gemeingebrauch; hier müsste eine Berufung auf Art. 26
möglich sein, wenn es nicht um Fragen der Benutzung der öffentlichen Sache durch die
Allgemeinheit oder einzelne Private, sondern um die Eigentumsrechte (der öffentlichen
87
Hand) an dieser Sache geht. In der Lehre wird für die Frage der Grundrechtsträgerschaft
häufig auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts im Zusammenhang mit der
Beschwerdelegitimation des Gemeinwesens (Art. 89 Abs. 1 BGG, Art. 103 lit. a aOG)
verwiesen. Diese Rechtsprechung lässt sich allerdings – anders als die Praxis zu Art. 88
aOG, die ein rechtlich geschütztes Interesse verlangte – auf die Frage der Trägerschaft von
Eigentumsrechten nur bedingt übertragen, denn die Beschwerde wegen Verletzung der
Eigentumsgarantie (Art. 95 lit. a BGG) setzt freilich voraus, dass dem Gemeinwesen die
Beschwerdeberechtigung zukommt. Die (formellen) Voraussetzungen zur
Beschwerdelegitimation sind aber nicht notwendigerweise deckungsgleich mit den
(materiellen) Kriterien für die Grundrechtsträgerschaft.

b) Grundrechtsadressaten

An die Eigentumsgarantie ist gebunden, wer staatliche Aufgaben wahrnimmt (Art. 35 Abs. 31
2). Dies gilt grundsätzlich für alle Schutzgehalte; die Institutsgarantie wendet sich allerdings
von ihrem Inhalt her primär an den Gesetzgeber (N 32).

Art. 26 gehört zu den Grundrechten, die sich i.S.v. Art 35 Abs. 3 dazu eignen, unter Privaten 32
wirksam zu sein. Eine direkte (unmittelbare) Drittwirkung unter Privaten kommt der
88
Eigentumsgarantie aber nicht zu. Vielmehr ist es Aufgabe des Gesetzgebers, die
Eigentumsrechte durch entsprechende Vorschriften zu schützen, und Sache der

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rechtsanwendenden Behörden (insb. der Zivilgerichte), die Eigentumsgarantie in der


Auslegung dieser Vorschriften wirksam werden zu lassen (zum Ganzen Art. 35 N 68). Die
Polizei ist nur dann zum Einschreiten verpflichtet, wenn wesentliche Eigentumsrechte massiv
bedroht oder bereits verletzt sind und die unmittelbar drohende oder eingetretene Verletzung
der Eigentumsrechte durch die Anrufung des Zivilgerichts (selbst über den Besitzesschutz)
nicht mehr rechtzeitig behoben werden kann (N 28).

4. Teilgehalte

Die Eigentumsgarantie wird gemeinhin in die drei Teilgehalte «Institutsgarantie», 33


89
«Bestandesgarantie» und «Wertgarantie» aufgeteilt. Es handelt sich dabei um den
Versuch, die einzelnen justiziablen Ansprüche (aber auch die Grundsatznormen und
Wertentscheidungen) nach ihrer Erscheinungsform zu gruppieren. Jedem Teilgehalt kommt
ein charakteristischer Schutzbereich zu (vgl. z.B. mit Bezug auf das Vermögen als
Schutzobjekt N 21). Je nach Teilgehalt variieren auch die Modalitäten der
Schrankenregelung. Diese Dreiteilung ist jedoch nicht Selbstzweck, sondern ein
(dogmatischer) Behelf zur Konkretisierung der durch Art. 26 geschützten Ansprüche. In
diesem Sinne zerfällt die Eigentumsgarantie nicht in drei in sich abgeschlossene Garantien.
90
Die [516] einzelnen Teilgehalte hängen vielmehr eng miteinander zusammen und vermögen
ausserdem – wie das Beispiel der Besitzstandsgarantie zeigt (N 45) – den Schutzgehalt der
91
Eigentumsgarantie nicht abschliessend zu erfassen.

a) Institutsgarantie

In ihrer Erscheinungsform als Institutsgarantie (= Wesensgehaltsgarantie) schützt die 34


Eigentumsgarantie das Eigentum als «fundamentale Einrichtung der schweizerischen
92
Rechtsordnung». Im Unterschied zur Bestandes- und Wertgarantie nimmt die
Institutsgarantie auch das Vermögen als solches (N 21) in ihren Schutzbereich und setzt
93
somit der Erhebung von Steuern und Abgaben Schranken.

In ihrer subjektivrechtlichen (einklagbaren) Funktion richtet sich die Institutsgarantie in 35


94
erster Linie an den Gesetzgeber und verpflichtet diesen, die sich aus dem Eigentum
ergebenden privaten Verfügungs- und Nutzungsrechte in ihrem Wesenskern zu erhalten.
Dem Gesetzgeber wird es damit untersagt, Normen aufzustellen, die das Rechtsinstitut des
Eigentums aushöhlen oder gar beseitigen. Die wesentlichen, sich aus der Eigentumsgarantie
95
ergebenden Nutzungs- und Verfügungsrechte müssen unangetastet bleiben.

Die Praxis und ein überwiegender Teil der heutigen Lehre sprechen der Institutsgarantie 36
96
Kerngehaltscharakter i.S.v. Art. 36 Abs. 4 zu. In diesem Sinne vermag kein öffentliches
Interesse gesetzgeberische Einschränkungen des freiheitsvermittelnden Kerngehalts des
97 98
Privateigentums zu rechtfertigen. Der Kritik an dieser Gleichstellung von Institutsgarantie
und Kerngehaltsschutz lässt sich dahingehend begegnen, dass Art. 36 Abs. 4 nicht nur
menschenrechtliche Kerngehalte erfasst, sondern auch für den Schutz institutioneller
Wesensgehalte zugänglich ist. Der Kerngehalt der Eigentumsgarantie wird allerdings durch
die Institutsgarantie nicht vollständig abgedeckt, sondern reicht darüber hinaus (N 59 f.). Im
Gegensatz zum menschenrechtlichen Kerngehalt vermag der institutionelle Kerngehalt den
Verfassungsgeber selbst nicht zu binden.

Als Institutsgarantie belässt die Eigentumsgarantie dem Gesetzgeber einen weiten 37


Ermessensspielraum bei der Umschreibung von Umfang und Schranken der
99

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99
Eigentumsrechte. Es darf darin insb. keine Garantie einer bestimmten historischen
Ordnung des Eigentums erblickt werden. Anpassungen an veränderte (rechtliche
/tatsächliche) Verhältnisse und gewandelte Anschauungen bleiben möglich, solange der
100
Wesensgehalt des tradierten Privateigentums erhalten bleibt.

[517] Die Konturen dieses minimal zu wahrenden Wesensgehalts bleiben weitgehend 38


unscharf. Dies hängt letztlich auch damit zusammen, dass der Wesensgehalt nicht statisch
zu verstehen ist, sondern einer Konkretisierung durch den Verfassungsrichter sowie einer
101
Abänderung durch den Verfassungsgeber selbst zugänglich bleibt. In der Lehre finden sich
zwar verschiedentlich Ansätze einer materiellen Konkretisierung des minimalen
102
Grundbestandes an Nutzungs- und Verfügungsfreiheiten über die Sachen. Es überwiegen
103
aber die Darstellungen von (meist ) hypothetischen Fallkonstellationen, in welchen die
Institutsgarantie verletzt wird, sowie die Auflistung von Urteilen, in denen eine Verletzung der
104
Institutsgarantie verneint wurde.

Als nicht mit der Institutsgarantie vereinbar gelten gemäss Bundesgericht und Lehre: 39

– der generelle oder zu einem erheblichen Teil erfolgende Entzug von privatem Grund und die
105
Übertragung desselben auf das Gemeinwesen;

– die (schrittweise) Überführung auch nur einzelner Güterkategorien (z.B. Grund und Boden) aus
dem Bereich der Privatautonomie in eine staatliche Bewirtschaftung: Das wäre etwa bei einem
uneingeschränkten Vorkaufsrecht des Gemeinwesens im Hinblick auf die Schaffung eines
106
kantonalen Bodenmonopols der Fall;

– die konfiskatorische Besteuerung: Die Institutsgarantie verpflichtet das Gemeinwesen, die


bestehenden Vermögen in ihrer Substanz zu bewahren und die Möglichkeit der Neubildung von
Vermögen in dem Sinne zu erhalten, dass das Einkommen nicht dauernd und vollständig
wegbesteuert werden darf. Verfassungswidrig handelt das Gemeinwesen, wenn es den
Abgabepflichtigen ihr privates Vermögen oder einzelne Vermögenskategorien durch
übermässige Besteuerung nach und nach entzieht. Zum gleichen Ergebnis kann auch eine
Häufung verschiedener Steuern und Abgaben führen, die der Einzelne nur bezahlen kann, wenn
107
er nach und nach sein Vermögen veräussert. Das Bundesgericht hat bisher mit guten Gründen
darauf verzichtet, die Grenze zwischen einer zulässigen steuerlichen Belastung und einem
konfiskatorischen Eingriff von einem ziffernmässig bestimmbaren Steuersatz abhängig zu
machen, da auch andere Elemente wie die Bemessungsgrundlagen, die Dauer der Massnahme,
die relative Tiefe des fiskalischen Eingriffs, die Kumulation mit anderen Abgaben sowie die
108
Möglichkeit der Überwälzung einer Steuer zu berücksichtigen seien.

Mit der Institutsgarantie vereinbar sind hingegen: 40

– Die Einführung einer «Reichtumssteuer», die bei einem Einkommen von CHF 500 000 zu einer
109
Steuergesamtbelastung von 46% führt;

– Eine Steuerbelastung, die das erzielte Einkommen nur vorübergehend übersteigt, sofern diese
Belastung nicht in grober Weise gegen das Gerechtigkeitsdenken ver [518] stösst, was etwa der
Fall wäre, wenn der Pflichtige zur Bestreitung seines Lebensunterhalts auf den Vermögensertrag
110
angewiesen ist;

– Die Besteuerung des Gewinns dreier Geschäftsjahre im Umfang von 67,6%, da die Steuer nur
111
einmal anfällt und sich ausschliesslich am Erbteil des Empfängers orientiert;

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– Eine Erbschaftssteuer mit einem Steuersatz von 20%, die sich progressionsbedingt auf 40% der
112
Zuwendung erhöht;
113
– Eine kommunale Feuerschutzabgabe;
114
– Eine Abschöpfung von bis zu 60% des durch Planungsmassnahmen verursachten Mehrwertes;

– Eine Erhöhung des Zolltarifs, solange durch die Höhe der Sätze nicht die Substanz des privaten
115
Vermögens ausgehöhlt wird;

– Ein kantonales Gesetz, das dem Staat für gewisse Grundstücke ein Vorkaufs- und
Enteignungsrecht im Hinblick auf die Erstellung von Wohnungen zu mässigen Preisen einräumt;
116

– Eine zeitlich unbefristete Bewilligungspflicht für den Abbruch von Häusern, die vorwiegend
117
Wohnzwecken dienen;

– Eine Bewilligungspflicht für die Veräusserung von Wohnungen, an welchen auf dem
118
Wohnungsmarkt Mangel herrscht;

– Ein völliges Abbruch-, Umbau- und Zweckänderungsverbot für alle Wohnungen, die weder
abbruch- noch sanierungsbedürftig sind, es sei denn, dass vorhandener Wohnraum zu tragbaren
Mietzinsen verbessert oder vergrössert wird oder das öffentliche Wohl eine Ausnahme erheischt;
119

– Die Enteignung von missbräuchlich leer gelassenen Mietwohnungen, deren Markt von der
120
Wohnungsknappheit betroffen ist;
121
– Waldabstandsvorschriften.

Eine Durchsicht der bundesgerichtlichen Praxis macht deutlich, dass das Bundesgericht den 41
Wesensgehalt der Eigentumsgarantie sehr eng definiert. Dennoch handelt es sich bei der
122
Institutsgarantie nicht einfach nur um eine deklaratorische Maxime, sondern um eine für
den Gesetzgeber verbindliche Schranke in der Ausgestaltung der Eigentumsordnung.

[519] Schliesslich erschöpft sich die Bedeutung der Institutsgarantie nicht im justiziablen 42
Abwehrrecht gegen staatliche Beeinträchtigungen des Wesensgehalts des Privateigentums.
Vielmehr kommt in der Institutsgarantie («Das Eigentum ist gewährleistet») auch die
123
konstitutiv-institutionelle Funktion der Eigentumsgarantie zum Vorschein: In dieser
Funktion verlangt Art. 26 vom Gesetzgeber, das Ordnungsprinzip der Eigentumsfreiheit in die
Ausgestaltung der gesamten Rechtsordnung, insb. aber in den Bereichen der Wirtschaft und
der Bodennutzung, einfliessen zu lassen. Ob sich damit auch die programmatische Pflicht
verbindet, Eigentum für jedermann zugänglich zu machen, wird kontrovers beurteilt. Für die
gesetzgeberische Ausgestaltung der Eigentumspolitik dürften jedenfalls die spezifischen
Aufträge von Art. 108, Art. 111 Abs. 4 und Art. 41 Abs. 1 lit. e wegleitend sein.

b) Bestandesgarantie und Besitzstandsgarantie

aa) Bestandesgarantie

In ihrer Erscheinungsform als Bestandesgarantie schützt die Eigentumsgarantie den 43


Einzelnen vor ungerechtfertigten Eingriffen (N 49) in den Bestand seiner konkreten
124
vermögenswerten Rechte. Demnach hat der Einzelne einen grundsätzlichen Anspruch,
125
sein konkretes Eigentum zu bewahren, zu nutzen und darüber zu verfügen. Darüber

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hinaus bietet die Bestandesgarantie auch Schutz vor dem ungerechtfertigten Entzug
gewisser faktischer Voraussetzungen zur Ausübung der konkreten Eigentumsrechte (N 23)
und vermittelt unter bestimmten Voraussetzungen einklagbare Ansprüche auf den Schutz vor
rechtswidrigen Beeinträchtigungen dieser Rechte durch Dritte.

Die Bestandesgarantie wird vor den Gerichten am häufigsten angerufen, weshalb ihr 44
126
innerhalb der Gewährleistung des Eigentums die Hauptbedeutung zukommt. Sie besteht
allerdings nicht absolut. Staatliche Beschränkungen der konkreten Eigentumsrechte sind
zulässig, wenn sie sich auf eine genügende gesetzliche Grundlage stützen, auf einem
öffentlichen Interesse beruhen und verhältnismässig sind (Art. 36 Abs. 1–3; N 58 ff.). Der
Entzug des Eigentums ist zudem nur gegen volle Entschädigung zulässig (Art. 26 Abs. 2).

bb) Besitzstandsgarantie

Nicht restlos geklärt ist das Verhältnis der Bestandesgarantie zur Besitzstandsgarantie. 45
127
Teilweise wird die Besitzstandsgarantie mit der Bestandesgarantie gleichgesetzt oder als
128
Ausfluss derselben verstanden, während andere beide Garantien explizit voneinander
129
abgrenzen. In der Tat dürfen diese beiden Garantien m.E. einander nicht gleichgesetzt
werden. Die Bestandesgarantie schützt nicht nur den bisherigen Gebrauch [520] bestehender
Eigentumsrechte und den daraus resultierenden Rechtsbestand, sondern auch künftige
Verwendungsmöglichkeiten sowie den Zugang zur Eigentumsausübung. Demgegenüber
bezieht sich der Schutz der Besitzstandsgarantie auf den Weiterbestand der
Eigentumsrechte, die sein Träger unter dem bisherigen Recht verwirklicht hat. Die
Besitzstandsgarantie schützt m.a.W. den in der Folge der Wahrnehmung von
Eigentumsrechten geschaffenen «Besitz» vor Eingriffen im Zuge der Einführung neuen
Rechts. Sie wird daher nicht nur aus der Eigentumsgarantie (Art. 26), sondern auch aus
130
dem Vertrauensgrundsatz (Art. 9) abgeleitet. Die gelegentliche Abstützung auf das
131
Rückwirkungsverbot (Art. 5) ist dogmatisch verfehlt, da sich die Besitzstandsgarantie nicht
auf in der Vergangenheit abgeschlossene Sachverhalte, sondern auf Dauersachverhalte (wie
132
insb. eine Baute) bezieht und diese vor der Anwendung neuen Rechts schützt. Bund und
Kantone sind befugt, den Inhalt und Umfang der verfassungsrechtlichen
133
Besitzstandsgarantie gesetzlich zu erweitern. In diesem Sinne ist die Besitzstandsgarantie
134 135
bspw. im Bereich des Baurechts oder im Sozialversicherungsrecht auch ein
gesetzliches Institut.

Die Besitzstandsgarantie verpflichtet in erster Linie den Gesetzgeber, beim Erlass von neuen 46
eigentumsbezogenen Vorschriften die unter der bisherigen Eigentumsordnung
rechtmässig realisierten Nutzungen zu beachten und das neue Recht «schonungsvoll»
136
einzuführen. Aber auch die rechtsanwendenden Behörden haben bei der Anwendung der
neuen Vorschriften die Ansprüche aus dem Besitzstand zu beachten. In diesem Sinne bleibt
der Einzelne vor der (ungerechtfertigten) Anwendung neuen Rechts auf Rechtspositionen,
die unter dem bisherigen Recht erworben worden sind, geschützt. Die Besitzstandsgarantie
kommt v.a. im Zusammenhang mit der Anwendung neuer Vorschriften für Bauten und
Anlagen zum Tragen: Demnach bleiben rechtmässig erstellte Bauten und Anlagen in ihrem
Bestand geschützt; sie können auch weitergenutzt und unterhalten werden und müssen
137
grundsätzlich nicht an nachträgliche Rechtsänderungen angepasst werden. Dieser Schutz
ist objektbezogen und steht dem jeweiligen Eigentümer einer Baute zu. Er geht sowohl im
Erbfall als auch bei einer Veräusserung auf den neuen Eigentümer über.

47
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Auch die Besitzstandsgarantie gilt nicht absolut: Ihr Schutz kann auf der Basis einer 47
formellgesetzlichen Grundlage eingeschränkt werden, sofern die Anwendung des neuen
Rechts durch ein überwiegendes öffentliches Interesse gerechtfertigt werden kann und
138
verhältnismässig ist.

c) Wertgarantie

Erweist sich eine Beschränkung eines konkreten Eigentumsrechts als zulässig (was 48
ebenfalls zutrifft, wenn die Beschränkung unangefochten bleibt und in Rechtskraft [521]
erwächst), «wandelt» sich der Schutz der Eigentumsgarantie für gewisse
Eigentumsbeschränkungen (Art. 26 Abs. 2) von einem Abwehrrecht in einen einklagbaren
Entschädigungsanspruch. Diese in Art. 26 Abs. 2 gewährleistete Wertgarantie vermittelt
dem einzelnen Träger einen finanziellen Ausgleich des Wertverlustes an der Sache oder am
Recht, der infolge des (rechtmässigen) Entzugs oder der enteignungsähnlichen
Beschränkung für den Einzelnen entstanden ist (zum Ganzen N 79).

III. Schranken

1. Eigentumsbeschränkungen

a) Begriff und Arten

Die Eigentumsgarantie besteht nicht absolut. Staatliche Eingriffe sind unter den 49
Voraussetzungen von Art. 36 zulässig. Als solche gelten alle dem Staat zurechenbaren
Einschränkungen und Verkürzungen der durch die Eigentumsgarantie geschützten
Rechte. Dazu gehören in erster Linie Hoheitsakte (Erlass, Verfügung, Allgemeinverfügung),
die darauf gerichtet sind, ein durch die Eigentumsgarantie geschütztes Nutzungs- und
Verfügungsrecht zu entziehen oder zu beschränken. Dasselbe gilt für Hoheitsakte, die einem
Einzelnen gewisse grundlegende faktische Voraussetzungen zur Ausübung der unmittelbar
aus dem Eigentum fliessenden Rechte entziehen (N 23). Zu unmittelbaren, dem Staat
zurechenbaren Eigentumsbeschränkungen können aber auch Realakte führen, sofern die
eingetretenen Verkürzungen der Eigentumsrechte nicht nur als Reflexwirkung staatlichen
139
Handelns erscheinen.

In BGE 131 I 333 scheint das Bundesgericht für das Vorliegen eines Eigentumseingriffs 50
zusätzlich zu verlangen, dass sich die Einschränkung auf das Vermögen des Eigentümers
auswirkt. In diesem Sinne verneinte es das Vorliegen einer Eigentumsbeschränkung für eine
Regelung der Stadt Lausanne, welche die Behörden ermächtigte, für 15% der Wohnungen in
jedem subventionierten Gebäude die Mieter zu bestimmen, weil diese Regelung keinerlei
Einfluss auf die Einkünfte habe, die der Eigentümer aus der Vermietung der Wohnung
140
erzielen könne. Dieser Aspekt erscheint bei der Beurteilung des Vorliegens eines Eingriffs
wesensfremd.

Die Anordnung zur Beseitigung widerrechtlicher Nutzungen und Wiederherstellung des 51


rechtmässigen Zustandes tangiert die Eigentumsgarantie nicht, da diese nur die
rechtmässige Ausübung des Privateigentums schützt. Trotzdem können einer
Wiederherstellung das Verhältnismässigkeitsprinzip (Art. 5 Abs. 2) oder der
141
Vertrauensgrundsatz (Art. 9) entgegenstehen.

52
142

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142
In der Lehre werden verschiedene Kategorien von «Eigentumsbeschränkungen» bzw.
143
«Eingriffsformen» unterschieden. Dazu gehört in erster Linie die Unterscheidung zwischen
staatlichen Massnahmen, welche Eigentumsrechte ganz oder teilweise entziehen (formelle
Enteignung), und solchen, welche einzelne Eigentumsrechte beschränken [522]
(Eigentumsbeschränkungen). Dazu kommen die Einziehung und die (militärrechtliche)
Requisition (N 87) als Sonderformen.

b) Verfassungsimmanente Schranken?

In der Diskussion um die Zulässigkeit von Einschränkungen der in Art. 26 gewährleisteten 53


Eigentumsrechte werden die Konsequenzen des bereits erwähnten Theorienstreits
(«Schranken-» v. «Konkretisierungstheorie» [N 9]) deutlich sichtbar. Während nach der
Schrankentheorie Eingriffe in den Schutzbereich der Eigentumsgarantie nach den
144
Voraussetzungen von Art. 36 auf ihre Grundrechtskonformität geprüft werden, gilt das
Grundrecht der Eigentumsgarantie unter den Anhängern der Konkretisierungstheorie zum
vornherein lediglich «in einer durch andere Verfassungsbestimmungen bereits relativierten,
145
eingegrenzten Form». Damit führen neue Aufgaben- und Zielbestimmungen der
Bundesverfassung nicht zu einer Einschränkung «von aussen» (heterogene Schranken),
sondern zu einer verfassungsimmanenten Beschränkung des Inhalts der in Art. 26
146
geschützten Rechte.

Ob die Unterscheidung zwischen heterogenen und verfassungsimmanenten Schranken für 54


147
die Ermittlung von Grundrechtsverletzungen zielführend ist kann hier offengelassen
werden. Vielmehr muss bei jeder eigentumsbezogenen Verfassungsbestimmung mittels
Auslegung geprüft werden, ob der Verfassungsgeber damit die durch die Eigentumsgarantie
geschützten Rechte punktuell durchbrechen wollte oder ob er die Abwägung mit dem
Schutzgehalt der Eigentumsgarantie dem Gesetzgeber zu überlassen gedachte. Dabei ist im
Grundsatz zwischen zwei Konstellationen zu unterscheiden:

– Verfassungsbestimmungen, die Sachherrschaftsbefugnisse eigentümerverbindlich 55


beschränken, stehen gleichwertig und gleichberechtigt neben der Eigentumsgarantie von
Art. 26. Sie legen den Inhalt der durch die Eigentumsgarantie geschützten Rechte in
allgemeingültiger und unmittelbarer Weise neu fest. Art. 36 findet keine Anwendung.
Vielmehr hat der Verfassungsgeber die Abwägung mit der Eigentumsgarantie in solchen
Bestimmungen selbst vorweggenommen. Weder Ausführungsrecht noch Massnahmen,
welche diese in der Verfassung selbst angelegte, unmittelbar wirkende Eingrenzung der
Eigentumsbefugnisse konkretisieren, führen zu «Einschränkungen» von Art. 26. Dies trifft
bspw. für das Bau- und Bodenveränderungsverbot in Mooren und Moorlandschaften von
148
besonderer Schönheit und gesamtschweizerischer Bedeutung (Art. 78 Abs. 5), das
Minarettverbot (Art. 72 Abs. 3) oder das Verbot der Einrichtung von Zweitwohnungen in
Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil von über 20% (Art. 75b i.V.m. Art. 197 Ziff. 9
Abs. 2) zu.

56
– Anders zu beurteilen ist das Verhältnis zur Eigentumsgarantie bei den Kompetenz-,
Aufgaben- und Zielbestimmungen der Verfassung, deren Regelungsinhalte und -
programme die verfassungsmässigen Eigentumsrechte tangieren. Die darin enthaltenen
öffentlichen Interessen – wie z.B. die Vorschriften der Boden- und Umweltverfassung (Art.
74 ff.) und des Tierschutzes (Art. 80), die Bestimmungen der Wirtschafts- und

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Sozialverfassung (Art. 94 ff. und 108 ff.), aber auch das Nachhaltigkeitsprinzip (Art. 73)
und die Sozialziele (Art. 41) – stehen zwar gleichberechtigt neben der freiheitlichen
Werteordnung der Eigentumsgarantie. Sie bewirken aber keine unmittel [523] bare,
sondern lediglich (aber immerhin) eine latente Beschränkung der konkreten
Eigentümerrechte und prägen auf diese Weise die verfassungsrechtliche
Eigentumsordnung mit. Es liegt in diesen Fällen am Gesetzgeber, die zur Erfüllung der
vorgegebenen Aufgaben und Ziele notwendigen Regelungen in einer wertenden
149
Abwägung mit den Interessen der Eigentumsgarantie zu treffen. Eine damit
einhergehende Verkürzung bestehender konkreter Eigentumsrechte ist nur unter den
150
Voraussetzungen von Art. 36 zulässig. Wo der Bundesgesetzgeber die Abwägung
generell-abstrakt vorwegnimmt, bleibt diese verbindlich (Art. 190).

Im gleichen Sinne ist auch der in der Schweiz gelegentlich aus rechtstheoretischen, 57
philosophischen, sozialpolitischen und faktischen (Ressourcenknappheit) Gründen
geforderten Sozialpflichtigkeit des Eigentums zu begegnen. Eine solche, im Grundrecht der
Eigentumsgarantie selbst enthaltene (grundrechtsimmanente) Verantwortung gegenüber den
Mitmenschen, der Gesellschaft und den natürlichen Lebensgrundlagen, wie sie in Art. 14
Abs. 2 des deutschen Grundgesetzes ausdrücklich verankert ist, hat sich in der Schweiz
151
weder in der Lehre noch in der Rechtsprechung durchgesetzt. Ein entsprechender
Minderheitsantrag auf Ergänzung der Eigentumsgarantie mit einer Bestimmung zur
152
Sozialpflichtigkeit des Eigentums ist im Parlament ausdrücklich abgelehnt worden. Das
153
Anliegen ist zwar an sich gerechtfertigt. Die Sozialpflichtigkeit ergibt sich aber nicht aus
dem Grundrecht selbst, sondern kommt in den öffentlichen Interessen der Aufgaben- und
Zielbestimmungen der Verfassung zum Ausdruck. Diese Bestimmungen, zu denen insb.
auch der in Art. 6 enthaltene Appell an die gesellschaftliche Verantwortung gehört, vermögen
154
den einzelnen Eigentümer nicht unmittelbar zu verpflichten. Vielmehr ist es Sache des
Gesetzgebers, die in den Verfassungsaufträgen enthaltenen öffentlichen Interessen in
Abwägung mit dem Grundrecht der Eigentumsgarantie in eigentümerverbindliche Pflichten zu
155
verdichten. Dies gilt im Übrigen nicht nur für die Eigentumsgarantie, sondern auch für
andere Freiheitsrechte.

2. Einschränkungsvoraussetzungen

Staatliche Eingriffe in das Grundrecht der Eigentumsgarantie sind unter den 58


Voraussetzungen von Art. 36 Abs. 1–4 zulässig. Enteignungen und enteignungsähnliche
Massnahmen sind ausserdem voll zu entschädigen (Art. 26 Abs. 2).

a) Wahrung des Kerngehalts

Zum unantastbaren Kerngehalt (Art. 36 Abs. 4) der Eigentumsgarantie gehört nach 59


verbreiteter Auffassung die Institutsgarantie (N 36). Letztere deckt aber den Kerngehalt i.S.
v. Art. 36 Abs. 4 nicht vollumfänglich ab. Ausserdem gehört die Institutsgarantie nicht zu
jenen (menschenrechtlichen) Kerngehalten, die auch vom Verfassungsgeber nicht angetastet
werden dürfen.

[524] Für formelle Enteignungen und enteignungsähnliche Eigentumsbeschränkungen ist 60


nach Art. 26 Abs. 2 zwingend volle Entschädigung zu leisten. Aufgrund ihrer absoluten
156
Geltung kommt somit auch der Wertgarantie Kerngehaltscharakter zu. Gesetzliche
Regelungen, welche für solche Eingriffe lediglich eine angemessene Entschädigung
vorsehen, sind verfassungswidrig. Dies gilt bspw. auch für Art. 80 Abs. 3 MG

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(«angemessene Entschädigung für Gebrauch, Wertverminderung und Verlust des


Eigentums»), dies ungeachtet der Tatsache, dass die militärrechtliche Requisition
dogmatisch nicht als Enteignung gilt (N 87).

Vor diesem Hintergrund kommen die übrigen Eingriffsvoraussetzungen von Art. 36 lediglich 61
für Einschränkungen der Bestandesgarantie zum Tragen. Auch hier muss die eigenständige
157
Funktion der Kerngehaltsgarantie (Art. 36 Abs. 4) beachtet werden.

b) Gesetzliche Grundlage

Eingriffe in die Bestandesgarantie bedürfen – abgesehen von Fällen, die von der polizeilichen 62
Generalklausel (Art. 36 Abs. 1 Satz 3) abgedeckt sind – einer genügenden gesetzlichen
Grundlage. Die Anforderungen an die Normstufe und Normdichte (Bestimmtheit) hängen
von der Schwere des Eingriffs in die konkreten Eigentumsrechte ab. Für schwerwiegende
Einschränkungen ist eine «klare und eindeutige» Grundlage in einem formellen Gesetz
158
erforderlich (Art. 36 Abs. 1 Satz 2). Als solches gilt u.U. auch ein von den
Stimmberechtigten angenommenes Bau- und Zonenreglement, sofern es auf der Grundlage
159
des kantonalen Gesetzesrechts erlassen wurde. Bei einem leichten Eingriff genügt
hingegen ein Gesetz im materiellen Sinn, also eine generell-abstrakte Norm, die ihrerseits
verfassungsmässig ist und sich im Rahmen der Delegation hält und von der zuständige
160
Behörde erlassen worden ist .

Die Schwere des Eingriffs wirkt sich auch auf die Kognition des Bundesgerichts aus: So 63
prüft das Bundesgericht die Auslegung kantonalen bzw. kommunalen Rechts bei
161
schwerwiegenden Eigentumsbeschränkungen frei, während ansonsten nur eine Prüfung
162
unter dem beschränkten Gesichtswinkel der Willkür stattfindet.

Die Schwere des Eingriffs ist aufgrund einer umfassenden und objektiven Würdigung der 64
Auswirkungen einer staatlichen Massnahme auf die konkreten Eigentumsrechte des
Betroffenen zu bestimmen. Die Bewertung erfolgt insb. anhand eines Vergleichs der dem
Betroffenen vor und nach der Eigentumsbeschränkung zustehenden Nutzungs- und
163
Verfügungsrechte.

Ein schwerwiegender Eingriff liegt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung vor, wenn 65


Grundeigentum zwangsweise entzogen wird oder wenn durch Verbote und Gebote der
bisherige oder künftig mögliche bestimmungsgemässe Gebrauch einer Sache ver [525]
164
unmöglicht oder stark erschwert wird. Die Anforderungen an einen im Zusammenhang mit
der Entschädigungspflicht verlangten enteignungsähnlichen Eingriff müssen allerdings nicht
165
erfüllt sein. Als schwerwiegend gelten bspw.:
166
– Der zwangsweise Entzug von (Grund-)Eigentum oder anderen Eigentumsrechten, insb. auch
von wohlerworbenen Rechten;
167
– Die Zuweisung einer bisher in einer Bauzone gelegenen Parzelle in eine Nichtbauzone oder
andere (planerische) Massnahmen, welche eine bestehende Überbaubarkeit eines Grundstücks
168
ausschliessen oder stark erschweren;
169
– Die Vernichtung beschlagnahmter Hanfpflanzen;

– Die Beschlagnahme von Sachen, sofern die Gefahr besteht, dass diese verderben und damit
170
unwiederbringlich verloren gehen;

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– Anordnungen des Denkmalschutzes, sofern wesentliche Nutzungsänderungen, die zur


Sicherstellung einer dauerhaften (wirtschaftlichen) Nutzung einer Liegenschaft notwendig sind,
171
grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Im Übrigen bewirken Massnahmen des Denkmalschutzes i.d.R. keine schwerwiegenden 66


172
Eigentumsbeschränkungen. Als nicht schwerwiegend gelten überdies insb. Vorschriften,
173
welche eine bisher zulässige Überbauungsmöglichkeit lediglich reduzieren , die
174
baurechtliche Parkplatzerstellungspflicht, die Anordnung einer Unterhaltspflicht eines
175
bestockten Parks in der Landwirtschaftszone, das Verbot der Aufstellung eines
176 177
beleuchteten Kreuzes in einem Garten, die Verpflichtung zur Freilegung eines Baches
oder das Verbot des Anbringens von Werbung auf privatem Grund, der vom öffentlichen
178
Grund aus sichtbar ist.

c) Überwiegendes öffentliches Interesse

Einschränkungen der Eigentumsrechte müssen durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt 67


sein (Art. 36 Abs. 2). Dabei ist grundsätzlich jedes öffentliche Interesse geeignet, einen
Eingriff in die Bestandesgarantie zu rechtfertigen, sofern das angestrebte Ziel nicht rein
179 180
fiskalischer Art ist (N 71) oder gegen Verfassungsnormen verstösst. Wo [526]
gleichzeitig das Grundrecht der Wirtschaftsfreiheit betroffen ist, vermögen grundsätzlich nur
«systemkonforme» («grundsatzkonforme») öffentliche Interessen zu genügen (zum Ganzen
Art. 27 N 45).

Die Rechtfertigung zur Beschränkung von Eigentumsrechten kann sich in diesem Rahmen 68
aus allen Interessen ergeben, die in den Verfassungsbestimmungen und in der auf diese
gestützten Rechtsordnung zum Ausdruck gelangen. Mit der Erweiterung staatlicher
Aufgaben- und Steuerungsbereiche wachsen somit auch die Rechtfertigungsgründe für
181
Eigentumseingriffe. Infrage kommen Eigentumsbeschränkungen heute in erster Linie aus
182 183
polizeilichen und sozialpolitischen Interessen, aber auch aus Gründen der
184 185 186 187
Raumplanung, des Umweltschutzes, des Natur- und Landschaftsschutzes , des
188 189 190 191
Denkmalschutzes, des Tierschutzes, der Energie- und der Wirtschaftspolitik oder
192
der öffentlichen Infrastrukturpolitik. Zulässig sind Eigentumsbeschränkungen ferner auch
193 194
zur Beweissicherung in einem (Straf-)Verfahren oder zur Wahrung von Staatsinteressen.
Vorbehalten bleibt schliesslich ebenfalls der in Art. 36 Abs. 2 Satz 2 ausdrücklich genannte
Schutz von Grundrechten Dritter. Es ist auch möglich, dass für dieselbe Massnahme
195
mehrere öffentliche Interessen erheblich sind.
196
Für die von einem Teil der Lehre vertretene Auffassung, wonach nur in der Verfassung 69
selbst anerkannte öffentliche Interessen zur Rechtfertigung von Eigentumsbeschränkungen
herangezogen werden dürften, findet sich in der Bundesverfassung keine Stütze. Im Übrigen
lassen sich auch in den Gesetzen zum Ausdruck kommende öffentliche Interessen meistens
auf Aufgaben- und Zielbestimmungen der Bundesverfassung zurückführen. Selbst wo dies
nicht gelingt, wirkt das in Art. 36 Abs. 2 enthaltene Erfordernis des «überwiegenden»
197
öffentlichen Interesses eingriffsbegrenzend. In der Praxis wird diese Abwägung allerdings
erst im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung vorgenommen.

[527] Des Weiteren muss das öffentliche Interesse aktuell sein. Der Entzug oder 70
Beschränkungen des Eigentums zur Absicherung künftiger Bedürfnisse sind nur zulässig,
wenn die diesen Bedürfnissen zugrunde liegenden öffentlichen Interessen genügend
198
bestimmt sind und ihr Eintritt mit einiger Sicherheit erwartet werden kann. Bei

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Dauersachverhalten ist die Eigentumsbeschränkung rückgängig zu machen, wenn das


199
öffentliche Interesse wegfällt.

In der Lehre häufen sich die kritischen Stimmen zur generellen Unzulässigkeit von rein 71
200
fiskalischen Interessen. Solange allerdings das Vermögen als solches vom
Schutzbereich der Bestandesgarantie nicht erfasst ist (N 21), erscheint diese Einschränkung
sachgerecht. Der Eingriff in konkrete vermögenswerte Rechte darf nie allein mit dem Bedarf
an staatlichen Einnahmen gerechtfertigt werden. Nicht rein fiskalisch motiviert ist bspw. die
Beschlagnahme eines Hundes als indirektes Druckmittel zur Durchsetzung finanzieller
201
Verpflichtungen des Hundehalters.

d) Verhältnismässigkeit

Einschränkungen der Eigentumsrechte müssen verhältnismässig sein (Art. 36 Abs. 3). Das 72
Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt, dass die konkrete eigentumsbeschränkende
Massnahme im Hinblick auf das angestrebte Ergebnis geeignet und erforderlich ist.
Ausserdem muss zwischen dem verfolgten Ziel der getroffenen Massnahme und deren
202
Auswirkungen auf die Eigentumsrechte ein vernünftiges Verhältnis bestehen.

– Für die Eignung verlangt das Bundesgericht nicht, dass die Erreichung des mit einer 73
Massnahme angestrebten Ziels gesichert ist; es genügt, dass die Massnahme einen
Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leistet und nicht zum vornherein untauglich erscheint.
203

74
– Im Rahmen der Erforderlichkeit ist zu prüfen, ob sich das angestrebte Ziel (öffentliche
Interesse) auch mit Massnahmen erreichen lässt, welche die Eigentumsrechte weniger
oder gar nicht belasten.

75
– Bei der Zweck-Mittel-Relation (Verhältnismässigkeit i.e.S.) geht es letztlich um die
Prüfung, ob und inwieweit eine Eigentumsbeschränkung für den Betroffenen zumutbar ist.
Verlangt ist ein «vernünftiges» Verhältnis zwischen dem angestrebten Ziel und dem
bewirkten Eigentumseingriff. Das öffentliche Interesse muss umso stärker sein, je
204
intensiver in private Eigentumsrechte eingegriffen wird. Das private, wirtschaftliche
Interesse des Betroffenen ist dem öffentlichen Interesse einer Massnahme nicht a priori
205
unterzuordnen, zumal am Schutz des Eigentums als [528] Garant für die freie
Persönlichkeitsentfaltung und als Grundpfeiler einer freiheitlich-wettbewerbsorientierten
206
Wirtschaftsordnung auch ein öffentliches Interesse besteht. Vielmehr sind sämtliche im
konkreten Fall betroffenen öffentlichen und privaten Interessen einer Abwägung zu
207
unterziehen. Diese Abwägung wird in der Praxis nicht selten «floskelhaft»
vorgenommen. Verlangt ist aber, dass der für die Ermittlung aller betroffenen Interessen
massgebliche Sachverhalt untersucht wird, die ermittelten Interessen bewertet werden
208
und das Abwägungsergebnis hinreichend begründet wird. Vorbehalten bleiben Fälle, in
209 210
denen der Bundesgesetzgeber (Art. 190) oder gar die Bundesverfassung die
Abwägung generell-abstrakt vorweggenommen hat. Hier bleibt für eine
Interessenabwägung im Einzelfall kein Raum.

Fallen diese Voraussetzungen bei Dauersachverhalten (dauernde Beschränkungen der 76


Eigentumsrechte) nachträglich weg, sind die eigentumsbeschränkenden Massnahmen
211
anzupassen oder aufzuheben. Ein Eigentümer hat Anspruch auf Prüfung, ob eine frühere

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eigentumsbeschränkende Massnahme weiterhin einem öffentlichen Interesse entspricht und


verhältnismässig ist, jedenfalls soweit sich die Verhältnisse in tatsächlicher oder rechtlicher
212
Hinsicht erheblich verändert haben.

Ob eine Eigentumsbeschränkung verhältnismässig ist, prüft das Bundesgericht 77


grundsätzlich frei. Es auferlegt sich jedoch mit Bezug auf kantonale
Eigentumsbeschränkungen eine gewisse Zurückhaltung, soweit die Beurteilung von einer
Würdigung der örtlichen Verhältnisse abhängt und sich ausgesprochene Ermessensfragen
213
stellen. Im Rahmen der abstrakten Normenkontrolle zieht das Bundesgericht ausserdem
die Wahrscheinlichkeit der späteren verhältnismässigen Anwendung des angefochtenen
214
kantonalen Erlasses in seine Prüfung mit ein.

Vor diesem Hintergrund sind die Fälle, in denen das Bundesgericht Beschwerden wegen 78
unverhältnismässiger Eigentumsbeschränkungen gutheisst, relativ selten. Als
215
unverhältnismässig qualifizierte das Bundesgericht insb.:

– Eine Sperrung bestimmter ausländischer Guthaben, welche die Auszahlung von


216
rechtskräftig zugesprochenen Beträgen an einzelne Gläubiger hindert;

– Eine generelle Bewilligungspflicht für den Abbruch und Umbau von Wohnungen, auch für
217
solche, für die keine Nachfrage besteht;
2 218
[529] – Ein generelles Verbot von Einkaufszentren mit einer Verkaufsfläche, die 500m übersteigt;

– Wenn Baulinien für einen Seeuferweg bestehende zonenkonforme Gewerbebauten


219
durchschneiden, das Wegprojekt aber mit einem Steg befriedigend gelöst werden kann;

– Eine Regelung, welche die Behörden in Fällen von Wohnungsknappheit verpflichtet, die
Bewilligung zur Veräusserung einer Wohnung in jedem Fall zu verweigern, ohne eine
220
Abwägung mit den privaten Interessen des Eigentümers vorzunehmen;
221
– Die unzumutbare Duldung eines öffentlich-rechtlichen Notwegrechts;

– Die Verpflichtung zur Bezahlung des ganzen Umsatzes, den ein Tierarzt aus der
222
Verwendung nicht registrierter tiermedizinischer Heilmittel erzielt hatte.

IV. Anspruch auf volle Entschädigung (Abs. 2)

1. Wesen und Rechtsnatur

Art. 26 Abs. 2 vermittelt dem einzelnen Träger von Eigentumsrechten einen einklagbaren 79
Anspruch auf volle Entschädigung für Enteignungen und Eigentumsbeschränkungen, die
einer Enteignung gleichkommen. In ihrer Erscheinungsform als Wertgarantie gewährleistet
die Eigentumsgarantie somit dem Einzelnen einen vollen Ausgleich für den Wertverlust an
Sachen oder an Rechten, der infolge einer Enteignung oder eines anderen besonders
223
schwerwiegenden Grundrechtseingriffs (N 65) entstanden ist. Gleichlautenden
224
Regelungen im Bundesgesetzesrecht kommt lediglich deklaratorische Bedeutung zu, denn
die Entschädigungspflicht ergibt sich unmittelbar aus der Verfassung und ist grundrechtlicher
Natur. Dasselbe gilt für entsprechende Gewährleistungen im kantonalen Recht.

80

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Der Wertgarantie wird in Lehre und Rechtsprechung Kerngehaltscharakter zugesprochen (


N 60). Einschränkungen durch den Gesetzgeber lassen sich somit mit keinem öffentlichen
Interesse rechtfertigen. Der Verfassungsgeber ist allerdings nicht daran gebunden.

Wie jedes Grundrecht ist auch Art. 26 Abs. 2 konkretisierungsbedürftig. Der 81


Bundesgesetzgeber verfügt über keine Kompetenz zum Erlass einer umfassenden und
sachbereichsübergreifenden Konkretisierung der Wertgarantie. Insbesondere lässt sich aus
225
Art. 26 keine Rechtsetzungskompetenz ableiten. Vielmehr bedarf der Bundesgesetzgeber
226
hierfür einer besonderen Sachzuständigkeit. Ausserdem dürfen gesetzliche
Konkretisierungen den verfassungsmässigen Entschädigungsanspruch nicht einschränken.
Vor diesem Hintergrund heisst Konkretisierung durch den Gesetzgeber in erster [530] Linie
die Institutionalisierung von Verfahren für Enteignungen und die Geltendmachung von
Entschädigungsansprüchen.

2. Anwendungsbereich

Beim Entschädigungsanspruch nach Art. 26 Abs. 2 handelt es sich um einen in der 82


Verfassung selbst geregelten Fall der Ersatzpflicht des Gemeinwesens für rechtmässiges
227
Handeln. Die Anwendung der Wertgarantie setzt somit voraus, dass es um einen
Entschädigungsanspruch infolge von rechtmässigen Eingriffen in die Eigentumsgarantie
228
geht. Als rechtmässig gelten nicht nur Eigentumsbeschränkungen, die in einem
Beschwerdeverfahren geschützt werden, sondern auch solche, die unangefochten geblieben
sind. Hingegen richtet sich die Ersatzpflicht für Schäden, die aus rechtswidrigen Eingriffen in
die Eigentumsrechte entstanden sind, nach den Vorschriften über die Staatshaftung.

Des Weiteren setzt die Anwendung der Wertgarantie das Vorliegen eines Eingriffs in ein 83
bestehendes Eigentumsrecht voraus. Daran fehlt es, wenn öffentlich-rechtliche
Körperschaften dem Gemeinwesen aufgrund einer besonderen gesetzlichen Regelung
229
Grundstücke unentgeltlich abzutreten haben.

Der Anwendungsbereich der Wertgarantie bleibt auf besonders schwerwiegende Eingriffe 84


in die verfassungsmässig geschützten Eigentumsrechte beschränkt («Enteignungen» und
«Eigentumsbeschränkungen, die einer Enteignung gleichkommen»).
Eigentumsbeschränkungen, welche diese Schwelle nicht erreichen, bleiben im Lichte von
Art. 26 Abs. 2 entschädigungslos zu dulden. Vorbehalten bleiben Entschädigungsansprüche
230
aus dem Vertrauensgrundsatz (Art. 9).

a) Enteignungen

Der verfassungsrechtliche Begriff der «Enteignung» bezieht sich in erster Linie auf 85
Hoheitsakte, die ein durch die Eigentumsgarantie geschütztes Recht seinem Inhaber in
einem besonders geregelten Verfahren ganz oder teilweise entziehen und auf das
231
Gemeinwesen oder einen Dritten übertragen oder es sogar aufheben. Die Verfassung
bezieht sich somit auf bereits vorbestehende förmliche Verfahren des Entzugs von
Eigentumsrechten zur Verwirklichung von öffentlichen Werken und Zwecken in Bund und
Kantonen. In diesen Verfahren wird der Sache nach ein Leistungsaustausch geregelt: Die
232
volle Entschädigung bildet Zulässigkeitsvoraussetzung für den Entzug der Rechte;
233
letzterer wird erst mit der verbindlichen Bestimmung der Entschädigung rechtswirksam.

86

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In Lehre und Rechtsprechung werden der Begriff der formellen Enteignung und dessen
Abgrenzung zu den enteignungsähnlichen Eigentumsbeschränkungen (materielle Ent [531]
eignung) allerdings heute in aller Regel in Anlehnung an den Geltungsbereich des
234
Enteignungsgesetzes (EntG) umschrieben. Demgemäss gelten als formelle Enteignung
neben dem hoheitlichen Entzug von Eigentumsrechten auch die zwangsweise Belastung des
Privateigentums mit einem beschränkten dinglichen Recht zugunsten des Gemeinwesens
235
oder eines Dritten. Auch die Enteignung der aus dem Grundeigentum hervorgehenden
nachbarrechtlichen Abwehrrechte wird als zwangsweise Errichtung einer Dienstbarkeit
236
verstanden, die auf dem Grundstück des Betroffenen zugunsten eines öffentlichen
Werkeigentümers errichtet wird, und demzufolge als formelle Enteignung behandelt (vgl. Art.
237
5 EntG); dies selbst dann, wenn die übermässigen Immissionen erst nachträglich, d.h.
238
nach der Inbetriebnahme des öffentlichen Werks entstehen. Das Bundesgericht schliesst
es allerdings nicht aus, dass parallel dazu (aber nicht kumulativ) Ansprüche aus materieller
239
Enteignung bestehen können.

Die sich schwergewichtig am EntG orientierende Begriffsbestimmung hat weiter zur Folge, 87
dass in anderen Erlassen geregelte Formen des Eigentumsentzugs vom Begriff der formellen
Enteignung ausgenommen werden: So werden die infolge einer Einziehung entstehenden
Ansprüche aus der Wertgarantie nicht unter dem Titel der formellen, sondern der materiellen
240
Enteignung geprüft, obwohl hier dem Eigentümer ebenfalls seine Sache entzogen und auf
den Staat übertragen oder vernichtet wird. Dasselbe gilt für den Tatbestand der Requisition (
Art. 80 MG und Art. 32 BZG) und die in besonderen Gesetzen geregelten Verfahren der
241
Landumlegung.

Unsicherheiten in der Abgrenzung zwischen formeller und materieller Enteignung bestehen 88


mitunter auch im Zusammenhang mit Eingriffen in wohlerworbene Rechte (N 20). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung muss für Eingriffe in die Substanz oder den
242
Wesensgehalt eines wohlerworbenen Rechts volle Entschädigung geleistet werden. Ob
dieser Entschädigungsanspruch Zulässigkeitsvoraussetzung einer formellen Enteignung
bildet oder als Folge einer enteignungsähnlichen Einschränkung geschuldet ist, bleibt
243
teilweise unklar. Den Gesetzgebern von Bund und Kantonen bleibt es vorbehalten,
wohlerworbene Rechte unter den Gegenstand eines formellen Enteignungsverfahrens zu
244
fassen. Ansonsten muss – mit RIVA – unterschieden werden zwischen gezielten
Beschränkungen oder Aufhebungen wohlerworbener Rechte, die formell enteignet werden
müssen, und Eingriffen im Rahmen der übrigen Staatstätigkeit, die nur zu entschädigen sind,
wenn sie sich enteignungsähnlich auswirken.

[532] Ob ein Eingriff in das Eigentum als formelle oder als materielle Enteignung zu 89
behandeln ist, beurteilt sich in der Praxis letztlich in erster Linie danach, ob das
Enteignungsgesetz des Bundes oder eines Kantons zur Anwendung gelangt und die für ein
im öffentlichen Interesse liegendes Werk beanspruchten Rechte im formellen
Enteignungsverfahren erworben werden müssen oder ob infolge staatlicher Massnahmen
eine Eigentumsbeschränkung bereits eingetreten ist und nur noch die Entschädigung infrage
245
steht. Aus der Perspektive der Verfassung ist diese Abgrenzung allerdings nicht zwingend.

b) Eigentumsbeschränkungen, die einer Enteignung gleichkommen

Einen Anspruch auf volle Entschädigung gewährleistet Art. 26 Abs. 2 auch für 90
Eigentumsbeschränkungen, die zwar nicht als (formelle) Enteignung gelten, aufgrund ihrer

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Auswirkungen aber einer Enteignung gleichkommen. In Lehre und Rechtsprechung hat sich
für die Tatbestände solcher enteignungsähnlich wirkender Eigentumsbeschränkungen der
Begriff der materiellen Enteignung eingebürgert. Im Unterschied zur formellen Enteignung
fehlt es bei der materiellen Enteignung an einer Übertragung oder Einräumung von Rechten
an einen Enteigner und die Entschädigung erscheint als Folge und nicht als Voraussetzung
des Eingriffs. Das hat auch zur Folge, dass ein allfälliger Entschädigungsanspruch in einem
eigenständigen Verfahren, unabhängig vom Beschwerdeverfahren gegen den
246
eigentumsbeschränkenden Hoheitsakt, geltend gemacht werden muss.

Die Konkretisierung des Tatbestands der materiellen Enteignung sowie insb. dessen 91
Abgrenzung von entschädigungslosen Eigentumsbeschränkungen erfolgte bisher
247
ausschliesslich durch das Bundesgericht. Dieses Richterrecht, das inzwischen über weite
248
Strecken wie «erstarrter Marmor» erscheint, wurde schwergewichtig im Kontext des
Planungs- und Baurechts entwickelt. Es besteht aus verschiedenen Grundsätzen
(«Formeln»), die sich teilweise ergänzen, aber auch überschneiden (N 93 ff.).

Ob eine Eigentumsbeschränkung enteignungsähnlich wirkt, misst sich gemäss 92


Bundesgericht nach verschiedenen Kriterien («Grundgedanken»), deren Inhalt nicht nur
durch die Eigentumsgarantie selbst, sondern auch durch das Rechtsgleichheitsgebot und
249
den Vertrauensgrundsatz geprägt wird: Massgebend ist in erster Linie die Schwere des
Eigentumseingriffs. Daneben spielen aber auch das Prinzip der Lastengleichheit, die
Zielrichtung des Eigentumseingriffs sowie Gesichtspunkte des Vertrauensschutzes eine
Rolle. Angesichts des Erfordernisses der Enteignungsähnlichkeit und des im Grundrecht von
Art. 26 Abs. 2 angelegten Systems «volle oder keine Entschädigung» werden an die
Voraussetzungen des Tatbestands der materiellen Enteignung allerdings hohe
Anforderungen gestellt. Es vermag daher nicht zu erstaunen, dass eine
250
Entschädigungspflicht aus materieller Enteignung heute nur relativ selten bejaht wird.

Gemäss einer ständigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung (sog. «Barret-Formel» )


251
93
liegt eine materielle Enteignung vor, «wenn dem Eigentümer der bisherige oder ein [533]
voraussehbarer künftiger Gebrauch einer Sache untersagt oder in einer Weise eingeschränkt
wird, die besonders schwer wiegt, weil der betroffenen Person eine wesentliche aus dem
Eigentum fliessende Befugnis entzogen wird. Geht der Eingriff weniger weit, so wird
gleichwohl eine materielle Enteignung angenommen, falls einzelne Personen so betroffen
werden, dass ihr Opfer gegenüber der Allgemeinheit unzumutbar erscheint und es mit der
252
Rechtsgleichheit nicht vereinbar wäre, wenn hierfür keine Entschädigung geleistet würde.»

– Nach dem ersten Teil dieser Formel ist die enteignungsähnliche Wirkung einer 94
Eigentumsbeschränkung vorab nach deren Schwere zu beurteilen. Die Intensität des
Eingriffs misst sich dabei weniger in Funktion einer allfälligen prozentualen
Wertverminderung des von der Eigentumsbeschränkung betroffenen Objekts, als vielmehr
danach, ob daran eine bestimmungsgemässe, wirtschaftlich gute Nutzung weiterhin
253
möglich ist.

95
– Der zweite Teil der Formel («Sonderopfer») ist vom Gedanken der Lastengleichheit
getragen. Er setzt aber ebenfalls einen Eigentumseingriff von einer gewissen Intensität
voraus, auch wenn die Schwelle zum besonders schweren Eingriff nicht erreicht wird. Was
die Entschädigungspflicht auslöst, ist die hinzutretende «stossende Rechtsungleichheit
des Eingriffs gegenüber anderen Eigentümern in gleichen Verhältnissen», sodass die
254

Quelle: www.legalis.ch
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254
Entschädigung als «Ausgleich dieser Ungleichheit» erscheint. Das Bundesgericht bejaht
diese Voraussetzungen bei Eigentumsbeschränkungen, die sich ebenso oder ähnlich
auswirken wie eine zugunsten des Gemeinwesens begründete, ausschliesslich einen
255
Eigentümer belastende Dienstbarkeit. In der Praxis spielt der Sonderopfer-Tatbestand
kaum eine Rolle.

96
– In beiden der hiervor genannten Tatbestandsvarianten ist die Möglichkeit einer künftigen
besseren Nutzung der Sache nur zu berücksichtigen, wenn im massgebenden Zeitpunkt –
also beim Inkrafttreten der Eigentumsbeschränkung – anzunehmen war, sie lasse sich mit
hoher Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft verwirklichen. Die
Realisierungswahrscheinlichkeit einer künftigen besseren Nutzung – bei Grundstücken
geht es i.d.R. um die Möglichkeit der Überbauung – ist anhand der rechtlichen und
tatsächlichen Faktoren zu beurteilen, welche die konkrete Nutzbarkeit einer Sache in
256
naher Zukunft bestimmen.

Parallel zu dieser Grundkonzeption hat das Bundesgericht weitere Grundsätze entwickelt, 97


nach denen eine Entschädigungspflicht im Grundsatz ausscheidet, ohne dass anhand der
«Barret-Formel» geprüft werden muss, ob eine Eigentumsbeschränkung besonders schwer
ist oder eine stossende Rechtsungleichheit bewirkt:

– So bleiben Eigentumsbeschränkungen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 98


unabhängig von ihrer Schwere entschädigungslos, wenn sie zum Schutz von
Polizeigütern (wie z.B. von Leib und Leben oder der öffentlichen Gesundheit) angeordnet
257
werden. Das Bundesgericht hält trotz verbreiteter Kritik in der Lehre daran fest, [534]
geht allerdings von einem engen Polizeibegriff aus: Demnach ist eine
Eigentumsbeschränkung nur dann entschädigungslos hinzunehmen, «wenn mit der gegen
den Störer gerichteten Massnahme eine als Folge der beabsichtigen
Grundstücksbenutzung zu erwartende konkrete, d.h. ernsthafte und unmittelbare Gefahr
für die öffentliche Ordnung, Sicherheit und Gesundheit abgewendet werden soll und wenn
die zuständige Behörde zu diesem Zweck ein von Gesetzes wegen bestehendes Verbot
konkretisiert und in Bezug auf die infrage stehende Grundstücksnutzung bloss die stets zu
258
beachtenden polizeilichen Schranken der Eigentumsfreiheit festsetzt». Keine
Anwendung findet der Grundsatz der Entschädigungslosigkeit von
Eigentumsbeschränkungen polizeilicher Natur, wenn (1) die Eigentumsbeschränkung nicht
rein polizeilich motiviert ist, (2) die polizeiliche Massnahme eine bereits bestehende
Nutzung betrifft oder (3) die Schaffung einer Schutzzone eine Auszonung von baureifem
259
oder grob erschlossenen Landes bewirkt.

99
– Ebenfalls im Grundsatz entschädigungslos bleiben gemäss Bundesgericht Massnahmen
zur Umsetzung der Verfassungsnormen zum Schutz der Umwelt und zur Raumplanung,
da diese der Eigentumsgarantie gleichberechtigt gegenüberstehen und damit den Inhalt
der Eigentumsordnung bestimmen. Das Bundesgericht hat diesen Grundsatz im
quater
Wesentlichen im Kontext der Schaffung der raumplanerischen Grundordnung (Art. 22
260
aBV, Art. 75 BV) und der darauf gestützten Raumplanungsgesetzgebung entwickelt. In
diesem Sinne habe der Bundesgesetzgeber den Inhalt des Grundeigentums für die ganze
Eidgenossenschaft auf das Baugebiet beschränkt, ohne hierfür eine allgemeine
Entschädigungspflicht auszulösen. (Planerische) Massnahmen, welche diese
Grundordnung umsetzen («Nichteinzonung»), bleiben daher grundsätzlich
261

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261
entschädigungslos. Die gleiche inhaltsbestimmende und grundsätzlich
entschädigungslos hinzunehmende Bedeutung hat das Bundesgericht auch den
Bestimmungen des Umweltschutzgesetzes über den Lärm- bzw. den Immissionsschutz
262
zugesprochen. Sie muss m.E. für alle Eigentumsbeschränkungen gelten, welche die
Verfassung oder – gestützt auf diese – Bundesgesetze allgemeinverbindlich anordnen.
Vorbehalten bleibt eine Entschädigungspflicht im Einzelfall, wo die generell-abstrakte
263
Eigentumsbeschränkung oder deren Umsetzung den Einzelnen enteignungsähnlich trifft.
Die Voraussetzungen eines Entschädigungsanspruchs sind in einem solchen Fall aber
stark von Gesichtspunkten des Vertrauensschutzes geprägt.

3. Volle Entschädigung

Art. 26 Abs. 3 BV statuiert – im bewussten Anschluss an den deutschsprachigen Wortlaut 100


ter 264
von Art. 22 Abs. 3 aBV – für Enteignungen und enteignungsähnliche
Eigentumsbeschränkungen einen Anspruch auf «volle Entschädigung». Eine bloss angemes
265
[535] sene Entschädigung reicht nicht aus. Die Verfassung verlangt vielmehr, dass der
266
eingriffsbedingte Schaden in vollem Umfang ausgeglichen wird. In diesem Sinne darf die
Entschädigung bei materiellen Enteignungen nicht vom Grad der Intensität des
Eigentumseingriffs abhängig gemacht werden. Sobald der Tatbestand der materiellen
Enteignung erfüllt ist, muss voll entschädigt werden.

Die Entschädigung misst sich am Schaden, den der Betroffene durch die Enteignung bzw. 101
den enteignungsähnlichen Eingriff in seinem Vermögen erlitten hat. Die Entschädigung
muss so bemessen werden, dass der Betroffene wirtschaftlich gleichgestellt wird, wie wenn
267
die Enteignung bzw. der Eigentumseingriff nicht stattgefunden hätten. Zu entschädigen
sind neben dem (Verkehrs-)Wert des enteigneten Rechts (formelle Enteignung) bzw. der
Wertverminderung des durch die Eigentumsbeschränkung betroffenen Vermögenswerts
(materielle Enteignung, Teilenteignung) auch weitere Vermögenseinbussen (sog.
Inkonvenienzen), die sich nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge als Folge der Enteignung
oder enteignungsähnlichen Massnahme voraussehen lassen, wie z.B. Umzugskosten,
268
Aufwendungen für Anpassungsarbeiten oder Auslagen für unnütz gewordene Planungen.
Zum auszugleichenden Schaden gehört ferner auch die Verzinsung der geschuldeten
269
Vergütung ab deren Fälligkeit («Schadenszins»). Zu entschädigen sind ausnahmslos
vermögenswerte Interessen, nicht aber reine Affektionsinteressen oder blosse Erwartungen
270
oder Hoffnungen. Das vermögenswerte Interesse kann sich entweder aus objektiven
(Verkehrswert) oder aus subjektiven (finanzieller Wert des gegenwärtigen oder geplanten
271
Gebrauchs eines Rechts für den Betroffenen) Elementen ergeben.

Dem Anspruch auf volle Entschädigung wird nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur 102
dann genügend Rechnung getragen, wenn der Bewertungs-Stichtag nahe beim Zeitpunkt
des Entzugs der enteigneten Rechte bzw. bei der Wirksamkeit der Eigentumsbeschränkung
272 bis
liegt. Art. 19 EntG hat zwar den Stichtag für formelle Enteignungen durch den Bund auf
den Zeitpunkt der Einigungsverhandlung vorverlegt, räumt dem Enteigneten jedoch zugleich
die Möglichkeit ein, sofort eine Zahlung in Höhe der voraussichtlichen Entschädigung zu
verlangen. Bei der materiellen Enteignung ist sowohl für die Qualifizierung der
Enteignungsähnlichkeit einer Massnahme als auch für die Berechnung der Entschädigung
273
auf den Tag des Inkrafttretens der Eigentumsbeschränkung abzustellen.

103
274

Quelle: www.legalis.ch
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274
Die Verfassung macht mit Bezug auf die Art der Entschädigung keine Vorgaben. Der
durch die Enteignung oder Eigentumsbeschränkung entstandene Wertverlust kann von
Verfassung wegen nicht nur durch Geldleistung, sondern auch durch Sachleistungen [536]
(Realersatz) ausgeglichen werden. Ein verfassungsmässiger Anspruch auf eine bestimmte
275
Art der Entschädigung besteht grundsätzlich nicht.

Als Grundrecht begründet auch die Wertgarantie keine Bundeskompetenzen. Dem 104
Gesetzgeber von Bund und Kantonen steht es im Rahmen ihrer jeweiligen
Sachzuständigkeiten aber zu, den Entschädigungsanspruch zu konkretisieren. Als
Minimalgarantie schliesst Art. 26 Abs. 2 gesetzliche Vorschriften nicht aus, die dem von
einer Enteignung oder einer enteignungsähnlichen Eigentumsbeschränkung Betroffenen
276
mehr als eine volle Entschädigung zusprechen oder eine Entschädigung auch für
Eigentumsbeschränkungen vorsehen, die nicht den Charakter einer formellen oder
277
materiellen Enteignung haben. Für die Kantone werden die Regelungsbefugnisse
allerdings durch die Bundesgesetzgebung eingeschränkt: So wird es ihnen in Fällen von
materieller Enteignung nach Art. 5 Abs. 2 RPG untersagt, Vergütungen vorzusehen, die über
die volle Schadloshaltung hinausgehen. Dasselbe gilt für formelle Enteignungsverfahren
nach eidgenössischem Recht, welche die Kantone aufgrund bundesrechtlicher Vorschriften
278
oder des ihnen eingeräumten Wahlrechts anstelle kantonaler Verfahren durchführen.

Fussnoten:
1 Vgl. ebenso Section 1 und 6 der Virginia Bill of Rights vom 12.6.1776.
2 KÖLZ, Quellenbuch, 127.
3 Vgl. BGE 74 I 465 E. 3a, m.w.H.; vgl. auch schon BGE 35 I 559, 571 E. 4.
ter quater
4 Botsch. Art. 22 und Art. 22 aBV, BBl 1967 I 133 f.; KÖLZ, Verfassungsgeschichte I,
328 ff., 588.
5 Vgl. zu dieser Entwicklung ausführlich SALADIN, Grundrechte, 114 f.
6 Vgl. BV 1874-JAGMETTI, Art. 23 N 49; KÖLZ, Verfassungsgeschichte I, 588.
7 HÄNNI, VVDStrL 1992, 254 f.
8 Vgl. das Bundesgesetz vom 1.1.1850 über die Verbindlichkeit zur Abtretung von
Privatrechten (BBl 1850 II 47 ff.) sowie das 1930 erlassene und heute noch gültige EntG;
zum Ganzen HESS/WEIBEL, Bd. I, 1 f.
9 BGer vom 11.5.1960, E. 2, ZBl 1961, 69 ff. m.H. auf unv. Urteile vom 24.6.1959 und
21.10.1959.
10 Vgl. Botsch. BV, 172.
11 VE VK NR, 375 («Eigentum verpflichtet gegenüber Mitmenschen, Gesellschaft und den
natürlichen Lebensgrundlagen»).
12 VE VK NR, 375; VE VK StR, 444.
13 AB NR SD 1998 425 f.; AB StR SD 1998 158.
14 Vgl. unter SR 0.975.
15 So immerhin BGE 35 I 559 E. 4 («…qu’elle [garantie de la propriété] découle naturellement
de l’état de société»).
16 MÜLLER/SCHEFER, 1007 f.; vgl. bereits BRIDEL/MOOR, ZSR 1968 I 412.
17 Vgl. BBl 1986 I 178 f. (Wortlaut der Initiative); BBl 1986 I 153 ff., 165 (Botschaft des
Bundesrates).
18 AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz. 809.
19

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Statt vieler AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz. 12, 789, 791; HÄFELIN/HALLER
/KELLER, Rz. 209; HÄNNI, Planungsrecht, 15.
20 AUBERT/MAHON, Art. 26 N 4; BIAGGINI, Komm. BV, Art. 26 N 4; Merten/Papier-BIAGGINI,
ter
§ 221 Rz. 1; BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N 1; FS Schindler-HANGARTNER, 714;
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2038; Thürer et al., Verfassungsrecht-RIVA/MÜLLER-
TSCHUMI, § 48 Rz. 9; SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 13.
ter
21 BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N 1; vgl. auch SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art.
26 N 13; VALLENDER/HETTICH/LEHNE, Wirtschaftsfreiheit, § 6 Rz. 3 f.
22 Vgl. für einen Überblick GRIFFEL, ZBl 2002, 171 ff., m.w.H.
23 Vgl. grundlegend G. MÜLLER, ZSR 1981 II 42 ff., 48 ff.; LENDI, ZSR 1976 II 219 f.
24 Vgl. HÄNNI, Planungsrecht, 26 f.
25 Statt vieler AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz. 817; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN
, Rz. 2038; HÄNNI, VVDStrL 1992, 257; KIENER/KÄLIN, 337; Thürer et al.,
Verfassungsrecht-RIVA/MÜLLER-TSCHUMI, § 48 Rz. 10; RIVA, Art. 5 RPG N 113; Biaggini
/Gächter/Kiener-UHLMANN, § 37 Rz. 2.
26 Vgl. grundlegend BGE 105 Ia 330 E. 3c; ferner 119 Ib 124 E. 2a; 122 II 326 E. 4a; 123 II 560
E. 3c.
27 Vgl. die Abgrenzungsvorschläge bei DUBEY, Rz. 673 ff., 678 ff.; GRIFFEL, ZBl 2002, 173 f.
28 In diesem Sinne Art. 17 VE 1977.
ter
29 BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N 22; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2038; G. MÜLLER
, ZSR 1981 II 46, 55; vgl. auch Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 33; KIENER/KÄLIN, 337
f.
30 Vgl. grundlegend BOLZ, insb. 252 ff., 261 ff.; SALADIN, Grundrechte, 339.
31 Vgl. etwa BGE 105 Ia 134 E. 3a («und auf diese Weise […] den Inhalt des Eigentums näher
zu umschreiben»); vgl. zur Relativierung des Theorienstreits auch Merten/Papier-BIAGGINI,
§ 221 Rz. 33 f.
32 So auch G. MÜLLER, ZSR 1981 II 44.
33 HÄNNI, VVDStrL 1992, 271.
34 Zum Ganzen auch AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz. 806 ff.; BELSER
/WALDMANN, Grundrechte II, Kap. 6 Rz. 4; Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 3; FS
Schindler-HANGARTNER, 711 f.; KIENER/KÄLIN, 337 f.; G. MÜLLER, ZSR 1981 II 66 ff., 76
ff.; MÜLLER/SCHEFER, 1008 f.; RHINOW/SCHEFER, Rz. 1784 f.; RHINOW et al.,
Wirtschaftsrecht, § 6 Rz. 3, 33; STEINAUER, ZSR 1981 II 153 ff.; Biaggini/Gächter/Kiener-
UHLMANN, § 37 Rz. 1; VALLENDER/HETTICH/LEHNE, Wirtschaftsfreiheit, § 6 Rz. 82 ff.
35 MÜLLER/SCHEFER, 1008.
36 Vgl. BGE 135 II 296 E. 2.1 («Netzwerkfreiheit» der Fernmeldedienstanbieter); 136 I 17 E. 5.2
(Shisha-Bar).
37 SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 88; vgl. auch AUBERT/MAHON, Art. 26 N
3.
38 Vgl. dazu eingehender SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 79 ff.; VEIT, 141 ff.
39 Vgl. Art. 30 lit. d und g VE 1977.
40 Vgl. auch MÜLLER/SCHEFER, 1009.
41 Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 20.
42 Statt vieler BGE 132 II 485 E. 9.5; 128 II 112 E. 10a.
43 Zum Ganzen auch G. MÜLLER, ZSR 1981 II 84 ff., m.w.H.

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44 Vgl. für eine Übersicht auch BIAGGINI, Komm. BV, Art. 26 N 12 ff.; BV 1874-G. MÜLLER,
ter
Art. 22 N 2; MÜLLER/SCHEFER, 1013 ff.; SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26
N 15 ff.; Biaggini/Gächter/Kiener-UHLMANN, § 37 Rz. 4.
45 Vgl. BGE 134 I 293 E. 5 (Beschlagnahme eines Hundes).
46 So auch MÜLLER/SCHEFER, 1017.
47 Vgl. BGE 128 I 295 E. 6a; 121 II 436 E. 3c.
48 Vgl. BGE 128 I 129 E. 3.1.3 (Beschlagnahme von Vermögenswerten im Strafverfahren); 128
I 327 E. 3.3 (vorübergehende Sicherstellung von Gegenständen durch die Polizei); 120 Ia
120 E. 1b (Beschlagnahme eines Fahrzeugs im Strafverfahren).
49 Vgl. BGE 119 Ib 148 E. 1a (Rechte des Pächters an Pachtobjekt); 105 Ia 43 E. 1c (Rechte
des Mieters an Mietobjekt); ferner BGE 121 I 326 E. 3 (Wahrnehmung Aktionärsrechte).
50 Vgl. BGE 135 II 224 E. 3.3.3 (Erst- bzw. Exklusivverwertungsrechte an Fussball- und
Eishockeyspielen); 126 III 129 E. 8a (Patent). – Weitergehend FLÜCKIGER, AJP 2013, 864
(Selbstbestimmungsrecht über persönliche Daten als neuer Typus des Eigentums).
51 Vgl. BGE 117 Ia 35 (Weiderechte); 90 I 177 E. 3 (Tavernenrechte).
52 Vgl. BGE 132 II 485 E. 9; 128 II 112 E. 10; 127 II 69 E. 5a; 113 Ia 357 E. 6a/cc; 96 I 282 E.
5c.
53 Vgl. etwa im Kontext von vermögenswerten Ansprüchen aus dem öffentlich-rechtlichen
Dienstverhältnis BGE 134 I 23 E. 7; 118 Ia 245 E. 5b; 106 Ia 163 E. 1a; vgl. dazu
ausführlicher MÜLLER/SCHEFER, 1015, m.w.H.; ferner 130 I 26 E. 8.2.1.
54 Vgl. BGE 131 I 321 E. 5.3; 118 Ia 245 E. 5a.
55 BGE 131 I 321 E. 5.3; 127 II 69 E. 5a.
56 Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 10; FS Schindler-HANGARTNER, 712; SALADIN,
Grundrechte, 401 f.
57 Vgl. etwa Thürer et al., Verfassungsrecht-RIVA/MÜLLER-TSCHUMI, § 48 Rz. 13
(«Vermögen als Gesamtheit von geldwerten Rechten»); TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER,
Verwaltungsrecht, § 63 Rz. 14 («vermögenswerte Rechte des öffentlichen Rechts»).
58 Vgl. etwa M. MÜLLER, recht 1996, 268 f.
59 BGE 132 I 201 E. 7.1; 127 I 60 E. 3b.
60 MÜLLER/SCHEFER, 1016 (anders Vorauflage, 600); RHINOW/SCHEFER, Rz. 1797; vgl.
auch HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2046bb.
61 Vgl. allerdings BGE 124 I 6 E. 4b/aa betreffend die Anrufung von Art. 26 BV gegenüber einer
Ersatzforderung des Kantons für einen unrechtmässig erlangten Vorteil; differenzierter ist die
Rechtsprechung des deutschen Bundesverfassungsgerichts: vgl. BVerfGE 115, 97, 112.
62 Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 8; HÄNNI, VVDStrL 1992, 267 f.
63 Vgl. statt vieler Maunz/Dürig, Komm. Grundgesetz-PAPIER, Art. 14 N 95 ff.; von Münch
/Kunig-BRYDE, Art. 14 N 18 ff. m.w.H.
64 BGE 119 Ia 348 E. 2a; 114 Ia 14 E. 1b; 113 Ia 126 E. 3b; BGer vom 19.4.2005, 1P.639/2004
, E. 2; MÜLLER/SCHEFER, 1018; SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 15.
65 BGE 111 Ib 213 E. 6c (Errichtung einer Baute ohne rechtsgültige Baubewilligung); vgl.
allerdings mit Bezug auf den Besitz von Hanfpflanzen, dessen Widerrechtlichkeit im Rahmen
einer Strafuntersuchung erst abgeklärt werden muss, BGE 130 I 360 E. 1.2.
66 BGE 126 I 213 E. 1b/bb (Aufhebung einer Zufahrt), bestätigt und präzisiert in BGE 131 I 12
E. 1.3 (Zone mit einem Fahrverbot mit zahlreichen Ausnahmeregelungen). Anders noch
BGE 105 Ia 219, 221 f. E. 2 (Einschränkung der Seezufahrt zu einem Grundstück am
Seeufer).

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67 BGE 140 I 176 E. 9.2 (faktischer Bewirtschaftungszwang durch Einführung einer


Zweitwohnungssteuer auf unbewirtschafteten Zweitwohnungen).
68 Vgl. etwa SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 17.
69 BGE 119 Ia 28 E. 2; 105 Ia 330 E. 3d; AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz. 815;
Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 15; Thürer et al., Verfassungsrecht-RIVA/MÜLLER-
TSCHUMI, § 48 Rz. 11.
70 BGE 105 Ia 330 E. 3d und 92 I 503 E. 2a (kein Anspruch auf Erschliessung des
Baugrundstücks); ferner BGE 119 Ia 28 E. 2; Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 15;
Biaggini/Gächter/Kiener-UHLMANN, § 37 Rz. 11; SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH,
Art. 26 N 18.
71 G. MÜLLER, ZSR 1981 II 53; BIAGGINI, Komm. BV, Art. 26 N 6.
72 HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2039; Thürer et al., Verfassungsrecht-RIVA/MÜLLER-
TSCHUMI, § 48 Rz. 11.
73 Vgl. BGE 128 I 129 E. 3.1.3.
74 BIAGGINI, Komm. BV, Art. 26 Rz. 7.
75 Vgl. grundlegend BGE 126 II 300 E. 5a, m.w.H.
76 BELSER/WALDMANN, Grundrechte II, Kap. 6 Rz. 12; Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz.
15; Thürer et al., Verfassungsrecht-RIVA/MÜLLER-TSCHUMI, § 48 Rz. 12.
77 Vgl. BGE 119 Ia 28 E. 2 und BGer vom 22.6.2006, 1P.109/2006, E. 4.1 (Polizeiliches
Einschreiten gegen Hausbesetzer in der Stadt Genf).
78 BELSER/WALDMANN, Grundrechte II, Kap. 6 Rz. 18; KIENER/KÄLIN, 338; Thürer et al.,
Verfassungsrecht-RIVA/MÜLLER-TSCHUMI, § 48 Rz. 15.
79 BGE 112 Ib 241 E. 1d.
80 So auch MÜLLER/SCHEFER, 1019; SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 30; a.
M. Biaggini/Gächter/Kiener-UHLMANN, § 37 Rz. 10.
ter
81 BGE 128 I 295 E. 6a; BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N 21; vgl. auch BGE 136 I 17 E. 5.2
(Mieter).
82 AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz. 822.
83 Bei öffentlichen bzw. gemischtwirtschaftlichen Unternehmen hat das Bundesgericht die
Grundrechtsträgerschaft offengelassen; vgl. BGE 127 II 8 E. 4c (Swisscom AG); vgl. ebenso
für das Oberwalliser Kreisspital Brig (öffentlich-rechtliche Körperschaft) BGer vom
21.4.2008, 1C_33/2007 und 1C_34/2007, E. 5.4, ZBl 2009, 214, 225.
84 Botsch. BV, 173; Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 19; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER
, Verwaltungsrecht, § 63 Rz. 13; Biaggini/Gächter/Kiener-UHLMANN, § 37 Rz. 10.
ter
85 Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 19; BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N 21; vgl. auch BGE
97 I 640 E. 2b; restriktiver wohl AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz. 824; in BGE
131 II 13 E. 6.4.1 hat es das Bundesgericht im Zusammenhang mit der angeordneten
Interkonnektionspflicht («Öffnung der letzten Meile») angesichts des immer noch weitgehend
staatlich regulierten Marktes offengelassen, inwieweit sich Fernmeldedienstanbieter und
insb. die Swisscom AG auf Art. 26 BV berufen können.
86 Statt vieler TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Verwaltungsrecht, § 49 Rz. 2.
87 So im Ergebnis auch MÜLLER/SCHEFER, 1019 f.; a.M. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz.
2040.
88 BGE 111 II 330 E. 5; BIAGGINI, Komm. BV, Art. 26 N 6.
89

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Statt vieler Botsch. BV, 173; BVGE 2007/23 E. 7.4.1; BELSER/WALDMANN, Grundrechte II,
Kap. 6 Rz. 7 ff.; KIENER/KÄLIN, 340 ff.; MÜLLER/SCHEFER, 1020; TSCHANNEN
/ZIMMERLI/MÜLLER, Verwaltungsrecht, § 63 Rz. 3; Biaggini/Gächter/Kiener-UHLMANN, §
37 Rz. 11; vgl. auch SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 29 («Elemente» und
«Ausprägungen» der Eigentumsgarantie).
90 KIENER/KÄLIN, 340.
91 Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 14.
92 BGE 119 Ia 348 E. 2a; 106 Ia 342, 348 E. 6a; 105 Ia 134, 140 E. 3a; 99 Ia 35 E. 3; 96 I 557
E. 3; vgl. auch statt vieler Botsch. BV, 172, AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz.
810; KIENER/KÄLIN, 340.
93 Grundlegend BGE 105 Ia 134, 139 f. E. 3a; vgl. auch BGE 127 I 60 E. 3b.
94 BGE 105 Ia 134, 140 E. 3a; 96 I 557 E. 3; Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 50;
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Verwaltungsrecht, § 63 Rz. 5.
95 BGE 105 Ia 134, 140 E. 3a.
96 Vgl. etwa BELSER/WALDMANN, Grundrechte II, Kap. 6 Rz. 8; HÄFELIN/MÜLLER
/UHLMANN, Rz. 2041; KIENER/KÄLIN, 340, 350; MÜLLER/SCHEFER, 1039 f.;
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Verwaltungsrecht, § 63 Rz. 4; Biaggini/Gächter/Kiener-
UHLMANN, § 37 Rz. 13.
97 Vgl. BGE 119 Ia 348 E. 2a.
98 Vgl. namentlich Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 30, 53; aus der früheren Doktrin insb.
SALADIN, Grundrechte, 366.
99 BGE 103 Ia 417 E. 3; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2043.
ter
100 Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 50; BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N 1.
101 BGE 105 Ia 330 E. 3c.
102 Vgl. eingehend WEBER, ZSR 1978 I 171 ff., m.w.H.
103 Vgl. immerhin BGer vom 17.6.1959, E. 6b, ZBl 1960, 281 betreffend die Ungültigkeit einer
Initiative, die das Grundeigentum schrittweise an den Staat übertragen und ein
Veräusserungsverbot einführen wollte (die Ungültigkeit wurde aber mit dem Verstoss gegen
den Sinn und Geist des Bundeszivilrechts gestützt auf Art. 6 ZGB begründet).
104 Vgl. etwa die Übersicht bei AUBERT/MAHON, Art. 26 N 16 Fn. 57 f.; BIAGGINI, Komm. BV,
Art. 26 N 42 f.; WEBER, ZSR 1978 I 162 ff.
105 BGE 105 Ia 134, 140 E. 3a; HÄFELIN/HALLER/KELLER, Rz. 595.
106 BGE 88 I 248, 257 E. II.3; vgl. HÄFELIN/HALLER/KELLER, Rz. 595.
107 BGE 106 Ia 342 E. 6a; 127 I 60 E. 3b.
108 BGE 106 Ia 342, 349 E. 6a; 105 Ia 134, 141 E. 3a.
109 BGE 99 Ia 638 E. 7.
110 BGE 106 Ia 342 E. 6c; 102 Ia 220 E. 3c; krit. dazu SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH,
Art. 26 N 35.
111 BGE 102 Ia 220 E. 3.
112 BGer vom 30.11.2004, 2P.139/2004, E. 4.3.
113 BGE 122 I 305 E. 7.
114 BGE 105 Ia 134 E. 3; vgl. auch BGE 122 I 120 E. 5.
115 BGE 114 Ib 17 E. 5a.
116 BGE 88 I 248 E. II.3.
117 BGE 99 Ia 35 E. 3.

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118 BGE 113 Ia 126 E. 6.


119 BGE 103 Ia 417 E. 3.
120 BGE 119 Ia 348 E. 2.
121 BGE 96 I 557 E. 3.
122 So aber AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz. 812 («portée purement déclaratoire»);
AUBERT/MAHON, Art. 26 N 16 («portée déclaratoire»).
123 Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 54; KIENER/KÄLIN, 337; SG Komm. BV-VALLENDER
/HETTICH, Art. 26 N 32.
124 Botsch. BV, 173; BELSER/WALDMANN, Grundrechte II, Kap. 6 Rz. 11; Merten/Papier-
BIAGGINI, § 221 Rz. 21; HÄFELIN/HALLER/KELLER, Rz. 599; HÄFELIN/MÜLLER
ter
/UHLMANN, Rz. 2044; KIENER/KÄLIN, 340; BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N 16;
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Verwaltungsrecht, § 63 Rz. 8; Biaggini/Gächter/Kiener-
UHLMANN, § 37 Rz. 14.
125 BGE 131 I 333 E. 3.1; AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz. 807; SG Komm. BV-
VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 30.
ter
126 Botsch. BV, 173; AUBERT/MAHON, Art. 26 N 7; vgl. auch BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N
16.
127 AUBERT/MAHON, Art. 26 N 3a; AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz. 807;
KAPPELER, Regelung, Rz. 4346.
128 SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 30.
129 Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 22; RHINOW et al., Wirtschaftsrecht, § 6 Rz. 12; WILLI,
7.
130 BIAGGINI, Komm. BV, Art. 26 N 19; GRIFFEL, ZBl 2002, 181; MÜLLER/SCHEFER, 1016;
BGer vom 16.12.2002, 1P.418/2002, E. 3.1.1
131 Vgl. BGer vom 16.12.2002, 1P.418/2002, E. 3.1.1; BGE 113 Ia 119 E. 2a.
132 WILLI, 8, 33.
133 BGE 113 Ia 119 E. 2a; BGer vom 16.12.2002, 1P.418/2002, E. 3.1.1.
134 Vgl. Art. 24c RPG; zu den kantonalen Besitzstandsgarantien WILLI, 73 ff., 78 ff.
135 Vgl. BGE 137 V 162 E. 3; 129 V 305.
ter
136 Vgl. Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 22; BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N 17.
137 BGE 113 Ia 119 E. 2a (Wiederinstandsetzung des Gebälks, des Daches und des oberen
Wohnraumes einer unter dem alten Recht erstellten Wohnbaute); ferner statt vieler BGer
vom 16.12.2002, 1P.418/2002, E. 3.1.1; BGE 117 Ia 243 E. 3c; GRIFFEL, ZBl 2002, 181 ff.;
HÄNNI, VVDStrL 1992, 264 ff.; PFISTERER, 93 ff., 110; WILLI, 9 f.
138 BGE 113 Ia 119 E. 2a; BGer vom 16.12.2002, 1P.418/2002, E. 3.1.1; Merten/Papier-
BIAGGINI, § 221 Rz. 22; WILLI, 46 ff.
139 Vgl. im Kontext der Wertgarantie HÄNNI, VVDStrL 1992, 276; Biaggini/Gächter/Kiener-
GÄCHTER, § 30 Rz. 96 f.; KIENER/KÄLIN, 95; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 736a.
140 BGE 131 I 333 E. 3.1.
141 Grundlegend BGE 111 Ib 213 E. 6c (rechtswidrig erstellte Baute); ferner 132 II 21 E. 6; in
anderen Entscheiden wendet das BGer fälschlicherweise Art. 36 Abs. 3 an (vgl. etwa BGer
vom 14.4.2010, 1C_262/2009, E. 5).
142 Vgl. Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 23; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER,
Verwaltungsrecht, § 63 Rz. 15.
143 Vgl. KIENER/KÄLIN, 342 ff.

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144 Vgl. statt vieler die Darstellung bei HÄFELIN/HALLER/KELLER, Rz. 601 ff.
145 HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2037.
146 Vgl. AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz. 817.
147 Vgl. dazu krit. BOLZ, 191 ff.
148 Vgl. dazu WALDMANN, Schutz, 257 ff.; BGE 127 II 184 E. 5b/aa–bb; 117 Ib 243 E. 3b; BGer
vom 17.9.2013, 1C_515/2012, 1C_517/2012, E. 7.
149 Vgl. BGE 117 Ib 243 E. 3a.
150 Thürer et al., Verfassungsrecht-RIVA/MÜLLER-TSCHUMI, § 48 Rz. 10; SG Komm. BV-
VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 13.
151 Vgl. immerhin BGE 119 Ia 390 E. 5d, wonach das Primat der öffentlichen Hand über den
Untergrund «Ausdruck der sich aus der Sozialpflichtigkeit ergebenden Schranken des
privaten Eigentums sei».
152 AB NR SD 1998 213 ff.
153 So auch das Votum von Bundesrat Koller, AB NR SD 1998 217.
154 Missverständlich Botsch. BV, 173.
155 So auch FS Schindler-HANGARTNER, 717; Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 5; SG
Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 10.
156 KIENER/KÄLIN, 353; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Verwaltungsrecht, § 63 Rz. 11;
vgl. auch AUBERT/MAHON, Art. 26 N 10d.
157 So im Ergebnis auch Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 31; RHINOW et al.,
Wirtschaftsrecht, § 6 Rz. 17, 26.
158 BGE 130 I 360 E. 1.2; 119 Ia 362 E. 3a; 118 Ia 384 E. 4a.
159 Vgl. BGE 133 II 220 E. 2.5, m.w.H.; zum Ganzen auch HÄNNI, Planungsrecht, 37.
160 BGer vom 19.11.2013, 1C_3/2013, 1C_19/2013, E. 6.2.
161 BGE 135 III 633 E. 4.3; 126 I 219 E. 2c; 121 I 117 E. 3b/bb; 118 Ia 384 E. 4a.
162 BGE 119 Ia 88 E. 5c/bb; 119 Ia 141 E. 3b/dd; 109 Ia 188 E. 2; 108 Ia 33 E. 3a; BGer vom
18.11.2014, 1C_267/2014, E. 3.1.
163 Vgl. z.B. BGE 119 Ia 141 E. 3b/dd (Berücksichtigung von bereits bestehenden
Nutzungsbeschränkungen einerseits und von künftigen Ausnahmen von einem
Schifffahrtsverbot andererseits).
164 BGE 133 II 220 E. 2.5; 131 I 333 E. 4.2; 115 Ia 363 E. 2a; 108 Ia 33 E. 3a.
165 MÜLLER/SCHEFER, 1021.
166 BGE 98 Ia 43 E. 2b.
167 BGE 119 Ia 362 E. 3b.
168 BGE 121 I 117 E. 3b/bb; BGer vom 5.3.2003, 1P.13/2003, 1P.14/2003, E. 4.
169 BGE 130 Ia 360 E. 1.2 m.w.H.
170 BGer vom 16.5.2003, 1P.149/2003, E. 3.3 (Hanfpflanzen).
171 BGE 118 Ia 384 E. 4a.
172 Vgl. BGer vom 15.1.2013, 1C_439/2012, E. 4.3, m.w.H.
173 BGE 115 Ia 363 E. 2a (Herabsetzung Nutzungsdichte); 110 Ia 167 E. 7a (Verbot von
Einkaufszentren in Gewerbezone).
174 BGer vom 19.11.2013, 1C_3/2013, 1C_19/2013, E. 6.2; BGer vom 11.12.2013, 1C_486/2013
, E. 5.2.5.
175 BGer vom 15.1.2013, 1C_439/2012, E. 4.3.
176 BGer vom 21.6.2004, 1P.149/2004, E. 3.6.

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177 BGE 140 I 168 E. 4.1.2.


178 BGE 128 I 295 E. 6, 8b.
179 Zum Begriff BGE 116 Ia 81 E. 6d.
180 BGE 111 Ia 93 E. 2b; 102 Ia 104 E. 3.
181 Vgl. für einen Überblick AUBERT/MAHON, Art. 26 N 10b; AUER/MALINVERNI/HOTTELIER,
Bd. II, Rz. 831; HÄNNI, Planungsrecht, 38 ff.; MÜLLER/SCHEFER, 1023 f.
182 Vgl. bspw. BGE 135 I 209 E. 3.3.3 (Beschlagnahmung und Einziehung von Waffen); 128 I
295 E. 6b (Werbeverbot für Tabak und Getränke mit einem Alkohlgehalt von mehr als 15 Vol.
-%); BGE 114 Ia 245 E. 5a (Gefahrenzone für ein Rutschgebiet); BGer vom 17.5.2006, 1P.
103/2006 (Abbruch eines einsturzgefährdeten Hauses).
183 So die Bekämpfung der Wohnungsknappheit (statt vieler BGE 119 Ia 348 E. 3b; 116 Ia 401
E. 10b; 113 Ia 126 E. 7a; 111 Ia 23 E. 3a).
184 Diese Interessen werden insb. in den Planungsgrundsätzen des RPG konkretisiert: vgl. BGE
121 I 245 E. 6; 119 Ia 362 E. 3–5.
185 Statt vieler BGE 125 II 129 E. 9a (Reduktion von Luftverunreinigungen).
186 Statt vieler BGE 118 Ib 485 E. 3b (Biotopschutz).
187 Statt vieler BGE 101 Ia 213 E. 5; 90 I 334 E. 3; 84 I 167 E. 5.
188 Statt vieler BGer vom 3.2.2012, 1C_300/2011, E. 5.1.2; BGE 135 I 176 E. 6.1; 126 I 219 E.
2c; 120 Ia 270 E. 4a; 118 Ia 384 E. 5a.
189 Vgl. BGer vom 12.10.2007, 2C_79/2007, E.4.5 (Halteverbot).
190 Vgl. BGE 132 II 408 E. 4.5.1.
191 Vgl. BGE 131 II 13 E. 6 (Interkonnektionspflicht im Fernmelderecht).
192 Vgl. BGE 129 I 337 E. 4.2 (Wanderwege); 114 Ia 114 E. 4b (Schiessanlage); 114 Ia 335 E. 2
(Sportanlage); BGer vom 3.5.2010, 1C_87/2010, E. 2.6 (Abstellplatz Busse).
193 Vgl. BGE 128 I 129 E. 3.1.3.
194 BGE 132 I 229 E. 11.4 (Vermögenssperre).
195 Vgl. z.B. BGE 117 Ia 141 E. 2c betreffend eine Erstwohnungsanteilsregelung aus
raumplanerisch-sozialpolitischen Gründen und zur Gewährleistung eines funktionierenden
Boden- und Wohnungsmarkts.
ter
196 Vgl. BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N 35; Thürer et al., Verfassungsrecht-RIVA/MÜLLER-
TSCHUMI, § 48 Rz. 18; SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 46.
197 Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 28.
198 HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2060, m.H. auf BGE 114 Ia 335 E. 2d (Zone für
öffentliche Bauten und Anlagen).
199 HÄNNI, Planungsrecht, 47; BGE 120 Ia 227 E. 2c/d; vgl. in diesem Lichte auch die Regelung
in Art. 102 ff. EntG (Rückforderungsrecht).
200 Vgl. Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 27.
201 BGE 134 I 293 E. 5.2.2.
202 Statt vieler BGE 135 I 176 E. 8.1; 135 I 209 E. 3.3.1; 135 I 233 E. 3.1; HÄFELIN/MÜLLER
ter
/UHLMANN, Rz. 2062 ff.; BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N 38 ff.; Thürer et al.,
Verfassungsrecht-RIVA/MÜLLER-TSCHUMI, § 48 Rz. 19; TSCHANNEN/ZIMMERLI
/MÜLLER, Verwaltungsrecht, § 62 Rz. 19 f.; SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26
N 49 f.
203

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Vgl. BGE 111 Ia 93 E. 2b betreffend einen Wohnanteilplan zur Sicherung von Wohnraum;
vgl. ferner zur Eignung der Beschlagnahme eines Fahrzeugs im Hinblick auf eine spätere
Einziehung nach Art. 90a SVG BGE 139 IV 250 E. 2.3–2.4.
204 BGE 114 Ia 114, 123 E. 4ce.
205 Vgl. für den Denkmalschutz BGE 118 Ia 384 E. 5e.
206 HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2066.
207 Vgl. BGE 120 Ia 270 E. 6 (Unterschutzstellung eines Bahnhofgebäudes); BGer vom
28.4.2010, 1C_90/2010, E. 3.1 (Veräusserungsverbot).
208 BGE 126 I 219 E. 2h (Auswirkungen der Unterschutzstellung eines Kinos); 114 Ia 114 E. 3
und 4c (Standort Schiessanlage).
209 Vgl. BGE 131 I 321 E. 5.4 (Art. 788 i.V.m. Art. 2 SchlT ZGB); BGE 132 II 408 E. 4.3 (RPG).
210 Vgl. z.B. zu Art. 78 Abs. 5 BGE 117 Ib 243 E. 3b; 123 II 248 E. 4b.
211 Vgl. mit Bezug auf das Erfordernis der Eignung BGE 111 Ia 93 E. 2b; BV 1874-G. MÜLLER,
ter
Art. 22 N 39; SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 50.
212 BGer vom 27.5.2013, 1C_484/2012, E. 4.4 (Entlassung einer Parzelle aus einem
Naturschutzgebiet).
213 BGE 135 I 176 E. 6.1; 132 II 408 E. 4.3; 129 I 337 E. 4.1; 126 I 219, 222 E. 2c.
214 Vgl. BGE 111 Ia 23 E. 3b.
215 Vgl. auch die Übersicht bei AUBERT/MAHON, Art. 26 N 10c; MÜLLER/SCHEFER, 1025 f.;
VALLENDER/HETTICH/LEHNE, Wirtschaftsfreiheit, § 6 Rz. 43.
216 BGE 132 I 229 E. 11.2–11.7 (mangelnde Eignung, Unzumutbarkeit).
217 BGE 103 Ia 417 E. 4 (mangelnde Erforderlichkeit).
218 BGer vom 29.10.1992, 1P.290/1992, E. 4b/bb–cc.
219 BGE 118 Ia 394 E. 5a–c (mangelnde Erforderlichkeit).
220 BGE 113 Ia 126 E. 7b/aa.
221 BGE 121 I 65 E. 5c–d.
222 BGE 124 I 6 E. 4b/dd.
223 Vgl. Botsch. BV, 173; BIAGGINI, Komm. BV, Art. 26 N 27.
224 Vgl. Art. 16 EntG, Art. 5 Abs. 2 RPG, Art. 18u EBG, Art. 18 Abs. 1 und Art. 25 Abs. 1 NSG,
Art. 44 Abs. 1 LFG.
ter
225 Unzutreffend daher der Ingress zum EntG, der sich u.a. auf Art. 22 aBV (Art. 26 BV)
bezieht.
226 Z.B. Art. 81 für die Regelung der formellen Enteignung für öffentliche Werke des Bundes;
Art. 75 für den Bereich der Raumplanung.
227 TANQUEREL, 87 f.
228 BGer vom 12.7.2012, 1C_121/2012, E. 5; Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 35;
WALDMANN, Enteignung, Rz. 27.55.
229 Vgl. BGer vom 21.4.2008, 1C_33/2007, 1 C_34/2007, E. 5.2–5.4 betreffend die Regelung im
Kanton VS (Art. 6 Abs. 3 KV) und deren Anwendung auf eine unentgeltliche Übertragung
des Spitaleigentums vom Oberwalliser Kreisspital Brig auf den Kanton.
230 Dazu zählt bspw. der Ersatz für Aufwendungen für nutzlos gewordene Projektierungs- und
Planungskosten (BGE 119 Ib 229 E. 4; 108 Ib 352 E. 4b/aa).
231 Vgl. Botsch. BV, 173 f.; Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 38; BV 1874-G. MÜLLER, Art.
ter
22 N 43.
232 BGE 131 I 321 E. 6.2; 93 I 130 E. 7a.

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233 BGE 131 I 321, 331 E. 6.2.


234 Statt vieler AUBERT/MAHON, Art. 26 N 12; BIAGGINI, Komm. BV, Art. 26 N 24; HÄFELIN
/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2069 f.; HESS/WEIBEL, Vor Art. 1 N 3 ff.; KIENER/KÄLIN, 342 f.;
MÜLLER/SCHEFER, 1026 ff.; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Verwaltungsrecht, § 64
Rz. 1, 7 ff.; SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 53 ff.
235 Vgl. BGE 122 II 246 (Belastung eines Grundstücks mit einem Tunnelbau- und
Eisenbahnbetriebsservitut).
236 BGE 116 Ib 11, 16 E. 2b/aa; 106 Ib 244 E. 3.
237 Vgl. statt vieler BGE 134 II 49 E. 6–11 (Flughafen); 133 II 30 E. 2.3 (Eisenbahnen); 123 II
560 E. 3 (Strassen).
ter
238 Krit. dazu JAAG, ZBl 1997, 152 f.; BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N 64; RUCH, ZBl 2000,
628 f.; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Verwaltungsrecht, § 61 Rz. 12.
239 BGE 132 II 475 E. 2.5.
240 Vgl. BGE 135 I 209 E. 3.3.1 (Einziehung von Waffen).
241 Vgl. AUER/MALINVERNI/HOTTELIER, Bd. II, Rz. 875 ff., 878 f.
242 Statt vieler BGE 127 II 69 E. 5a; 119 Ia 154 E. 5c; 119 Ib 254 E. 5a.
243 Vgl. auch MÜLLER/SCHEFER, 1029.
244 RIVA, Wohlerworbene Rechte, 98 f., 108 ff.; vgl. auch TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER,
Verwaltungsrecht, § 64 Rz. 14.
245 So BGE 113 Ia 368 E. 4a; bestätigt in BGE 116 Ib 11 E. 2a.
246 Zum Ganzen statt vieler BGE 93 I 130, 143 f. E. 7a; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz.
2176; SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 66; WALDMANN, Enteignung, Rz.
27.57 ff.
247 Vgl. zur Entwicklung dieses Richterrechts eingehend RIVA, Hauptfragen, 18 ff.
248 FS Jaag-GRIFFEL, 10.
249 Grundlegend BGE 118 Ib 241 E. 6c in Anlehnung an die «Leitbilder» von RIVA,
Hauptfragen, 262 ff., 266 ff.; zum Ganzen auch WALDMANN, Enteignung, Rz. 27.8.
250 Vgl. zu einer Rechtsprechungsübersicht insb. RIVA, Art. 5 RPG N 138 ff.; WALDMANN
/HÄNNI, Art. 5 N 54 ff.; WALDMANN, Enteignung, Rz. 27.77 ff.
251 BGE 91 I 329, 337 E. 3; zur Entstehung und Entwicklung dieser Rechtsprechung RIVA,
Hauptfragen, 113 ff.
252 Statt vieler BGE 131 II 728, 730 E. 2.
253 BGer vom 10.8.2010, 1C_487/2009, E. 6.5; BGE 114 Ib 112 E. 6b; 112 Ib 263 E. 4; 111 Ib
257 E. 4a.
254 BGE 108 Ib 352, 355 E. 4a; vgl. auch BGE 112 Ib 263 E. 5.
255 Vgl. BGE 113 Ia 368 E. 6; 112 Ib 263 E. 5b; 107 Ib 380 E. 3.
256 Statt vieler BGE 131 II 72 E. 3.3; 131 II 728 E. 2; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2181.
257 Vgl. etwa HÄNNI, Planungsrecht, 351 f.; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2214; MÜLLER
/SCHEFER, 1035 f.; RIVA, Hauptfragen, 323 ff.; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER,
Verwaltungsrecht, § 65 Rz. 28; WALDMANN/HÄNNI, Art. 5 N 50; ZEN-RUFFINEN/GUY-
ECABERT, Rz. 1517.
258 BGer vom 9.11.2011, 2C_461/2011, E. 4.2, ZBl 2012, 617, 619; ferner statt vieler BGE 135 I
209 E. 3.3.1; 106 Ib 330 E. 4; 106 Ib 336 E. 5.
259

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BGer vom 9.11.2011, 2C_461/2011, E. 4.3; BGE 106 Ib 336 E. 5b, m.w.H.; zum Ganzen
auch WEBER-DÜRLER, ZBl 1984, 297 ff.; krit. gegenüber der Ausnahme für bestehende
Nutzungen MOOR/POLTIER, Droit administratif II, 900.
260 Grundlegend BGE 105 Ia 330 E. 3d–e; ferner BGE 112 Ib 396 E. 5; 113 Ib 318 E. 3c/aa; 116
Ib 379 E. 5b; 119 Ib 124 E. 2c; 122 II 326 E. 4b–c; 131 II 728 E. 2.3.
261 Statt vieler BGE 131 II 728 E. 2.1, m.w.H.
262 BGE 130 II 394 E. 8.2; 123 II 560 E. 3c.
263 Vgl. zur (ausnahmsweisen) Entschädigung für Nichteinzonungen statt vieler BGE 132 II 218
E. 2.2, m.w.H.
264 Botsch. BV, 173 f.
265 Entsprechende Minderheitsanträge wurden in den Räten abgelehnt (vgl. N 4); vgl. aber Art.
80 Abs. 3 MG (N 87).
266 Vgl. BGE 127 I 185, 190 E. 4; BIAGGINI, Komm. BV, Art. 26 N 36; MÜLLER/SCHEFER,
1036 f.; RHINOW et al., Wirtschaftsrecht, § 22 Rz. 19; WALDMANN, Enteignung, Rz. 27.110
ff.
ter
267 Vgl. BGE 122 I 168 E. 4b/aa; 93 I 554 E. 3; BV 1874-G. MÜLLER, Art. 22 N 66; EGGS, Rz.
239 ff.
268 Vgl. BIAGGINI, Komm. BV, Art. 26 N 38; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2110 ff., 1985;
269 BGE 125 II 1 E. 1a.
270 HÄNNI, Planungsrecht, 629.
271 Vgl. BGE 113 Ib 39 E. 2a (Verkehrswert oder «subjektiver» finanzieller Schaden); BV 1874-
ter
G. MÜLLER, Art. 22 N 69; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Verwaltungsrecht, § 64 Rz.
17; SG Komm. BV-VALLENDER/HETTICH, Art. 26 N 73.
272 Vgl. für die formelle Enteignung BGE 116 Ia 106 E. 3a, m.w.H.; BGE 89 I 343 (Tag des
Entscheids der Schätzungskommission).
273 HÄNNI, Planungsrecht, 616 f., 658; BGE 132 II 218 E. 2.4; 114 Ib 112 E. 7a.
274 Vgl. aber Art. 17 EntG (Vorrang der Geldleistung) und dazu BGE 128 II 368 E. 4, m.w.H.;
umgekehrt bildet der Realersatz bei Landumlegungen die Regel (BGE 119 Ia 21 E. 1a m.w.
H.).
275 Vgl. Merten/Papier-BIAGGINI, § 221 Rz. 47; HESS/WEIBEL, Art. 18 N 8; BV 1874-G.
ter
MÜLLER, Art. 22 N 65.
276 BGE 127 I 185 E. 4 («Unfreiwilligkeitszuschlag» gem. Art. 15 EntG/VS); vorbehalten bleibt
die Beachtung der übrigen Verfassung, insb. des Rechtsgleichheitsgebots (Art. 8 BV).
ter quater
277 Botsch. Art. 22 und Art. 22 aBV, BBl 1967 I 146.
278 BGE 127 I 185, 191 E. 4.

Quelle: www.legalis.ch