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Mischen und Mastern - Basiswissen

von Baba Sikander

Vielleicht kennen Sie das: Sie haben mehrere Nächte an einem neuen Arrangement oder einer neuen
Aufnahme gesessen und viel Zeit damit verbracht, die zahllosen Regler Ihrer Audio-Software hin-
und herzuschieben, bis Sie eines Morgens um halb drei mit dem Ergebnis zufrieden waren und Sie
den neuen Song auf eine CD brennen konnten. Komisch nur, dass er sich am nächsten Tag im
Vergleich zu anderen Songs ziemlich dünn und matschig angehört hat.

Damit Sie sich die Nächte nicht vergebens um die Ohren geschlagen haben, sollten Sie Ihren Song noch
einmal zur Hand nehmen, neu abmischen und nachbearbeiten. Das ist zwar ein echtes Profi-Thema und ein
wirklich weites Feld – aber immerhin kein Minenfeld. Mit ein wenig Basiswissen kann man schon in einem
kleinen „Wohnzimmerstudio“ astrein klingende Stücke produzieren. Dieses Basiswissen über Mixdown und
Mastering möchte ich Ihnen hier vermitteln.

Wie läuft eine typische Musikproduktion ab?


Bevor wir uns dem eigentlichen Thema widmen, schauen wir uns an, aus welchen Schritten eine typische
Musikproduktion besteht und wie Mixdown und Mastering in diesen Prozess eingebettet sind.

1. Aufnehmen (Recording) der einzelnen Tonspuren


Die verschiedenen Tonspuren werden aufgenommen, Arrangements werden erstellt.

2. Abmischen (Mixdown) der Spuren zu einer Stereo-/Surround-Summe


In diesem Schritt werden die zuvor aufgenommenen Signale aufeinander abgestimmt und im Raum
positioniert.

3. Nachbearbeiten (Mastering) der Summe


Die Qualität des vorhandenen Tonmaterials wird weiter verbessert und im Hinblick auf die
Charakteristika der bevorzugten Abspielgeräte optimiert.

4. Erstellen einer Pressvorlage (Premastering) im Presswerk


Je nach Verwendungszweck und Abspielmedium besteht dieser Schritt aus verschiedenen Aktionen,
auf die hier jedoch nicht näher eingegangen wird.

Zum ersten Schritt “Aufnehmen”: Fehler, die bereits hier gemacht wurden, lassen sich später nur schwer
wieder ausbügeln. Achten Sie deshalb darauf, dass die Klänge sich nicht stark überlagern. Hilfreich ist es,
wenn Sie “in die Lücken produzieren”, also wenn Sie einige Noten in “leere” Bereiche des Arrangements
ziehen. Dies muss natürlich zum Charakter des Songs passen.

Generell gilt: Ist das Ausgangsmaterial bereits von schlechter Qualität, hilft es nicht, noch weiter daran
„rumzufummeln“ - lieber eine neue Aufnahme starten.

Im Folgenden werden die Schritte 2 und 3 näher betrachtet, da sie den klanglichen Charakter des fertigen
Songs am stärksten bestimmen.

Abmischen (Mixdown)
Alle vorher aufgenommenen Signale werden
beim Mixdown aufeinander abgestimmt und in DRUMS
einem akustisch virtuellen Raum positioniert.
Es hilft hierbei, sich die einzelnen Signale als KEYS
Musiker auf einer Bühne vorzustellen. Im
Klangbild dürfen sich diese Musiker „nicht in die LOOPS GIT
Quere“ kommen. Darum verschiebt man die PERC
VOX
einzelnen Signale zwischen links und rechts, GIT VOX
vorne und hinten. Darüber hinaus werden sie KEYS VOX KEYS
auf ihren charakteristischen Frequenzbereich
reduziert, so das möglichst wenig Überlage- Abb 1: Beispielhafte Anordnung der Signale auf einer
rungen im Frequenzspektrum entstehen. virtuellen Bühne
Die folgenden Bearbeitungsschritte werden für jede aufgenomme Tonspur durchlaufen:

1. Einstellen der Stereo-Basis


Das Signal wird nach links oder rechts verschoben.

2. Einstellen der Tiefe


Das Signal nähert sich dem Zuhörer oder entfernt sich von ihm.

3. Einstellen des Frequenzumfangs


Der Charakteristische Frequenzbereich eines Signals wird identifiziert und verstärkt. Andere
Bereiche werden reduziert.

Diese drei Schritte schauen wir uns nun ein wenig genauer an.

Einstellen der Stereo-Basis


Die einzelnen Signale werden zwischen links und rechts positioniert. Dabei
sollten nicht zwei Signale übereinander liegen, jedes Signal muss eindeutig
lokalisierbar sein.

Hierzu verwendet man am besten den Panning-Regler, der im Mixer Ihrer


Audio-Software für jede Spur vorhanden ist.

Einstellen der Tiefe


Die einzelnen Signale werden nah zum Hörer gebracht oder von ihm
entfernt. Um das Signal vom Hörer zu entfernen, kann man verschiedene
Techniken verwenden. Am einfachsten ist es, die Lautstärke dieser
Tonspur abzusenken. Das allein klingt meist jedoch etwas dürftig, weshalb
ein wenig Hall, kombiniert mit einem leicht reduzierten oberen
Frequenzbereich zu weitaus besseren Ergebnissen führt.
Abb. 2: Panning-Regler
Um die Tiefe eines Signals zu ändern, fügen Sie daher am besten einen im Mixer des MAGIX
zusätzlichen Hall-Effekt und einen Equalizer in die entsprechende Spur ein. Music Maker

Dabei gilt: Je weiter entfernt


das Signal klingen soll, desto
mehr Hall sollte verwendet
werden. Aber Vorsicht! Wie
so oft gilt: „Weniger ist mehr“.

Zusätzlich können Sie mit


einem Equalizer die oberen Abb. 3: Hall-Effekt des MAGIX Music Maker
Frequenzbereiche reduzieren,
wodurch das Signal etwas dumpfer klingt und weiter entfernt scheint.

Einstellen des Frequenzumfangs


Der schwierigste Teil beim Mixdown ist die Bearbeitung des Frequenzverlaufs der einzelnen Signale. Die
meisten Instrumente besitzen einen erheblichen Frequenzumfang, was bereits im Arrangement berück-
sichtigt werden sollte. So sollten sich die einzelnen Instrumente ergänzen und nicht mehrere in den gleichen
Frequenzbereichen aktiv sein.
So ist es zum Beispiel nicht,
einfach zwischen zwei gleich-
zeitig spielenden und ähnlich
klingenden Bass-Synthesizern
zu differenzieren – die
Aufnahme tendiert dazu,
„matschig“ zu werden.
Abb. 4: Parametrischer 4-Band Equalizer der MAGIX Mastering Suite
Wenn dieser Umstand bereits 2.0 (MAGIX Music Maker)
beim Arrangement berück-
sichtigt wurde, kann beim Mixdown der Feinschliff erfolgen. Dazu konzentriert man jedes Signal auf seinen
charakteristischen Frequenzbereich, wofür jeweils ein eigener Equalizer (EQ) verwendet wird. Das Ziel ist,
jedem Instrument/Signal seinen festen Platz im Frequenzspektrum zu schaffen, ohne aber alle Signale
komplett auf einen Frequenzbereich zu reduzieren.

Im folgenden Kapitel „Mastering“ wird detaillierter auf das Werkzeug „Equalizer“ eingegangen.

Mixdown – Checkliste
Nachdem Sie die einzelnen Aktivitäten beim Mixdown kennengelernt haben, stellen wir Ihnen hier eine kurze
Checkliste vor, mit der Sie prüfen können, ob der Mixdown erfolgreich gewesen ist.

1. Die einzelnen Signale wurden mit dem Equalizer klanglich voneinander getrennt. Deutliche
Überlagerungen der Instrumente/Signale wurden dadurch reduziert. Die Signale klingen solo
ziemlich dünn, ergänzen sich jedoch im Gesamtbild.

2. Die räumliche Tiefe und die Stereobasis wurden voll ausgenutzt, um einen möglichst plastischen
Klangeindruck zu erhalten. Dadurch sind alle Instrumente räumlich ortbar und in der Tiefe gestaffelt.
Der Hörer hat den akustischen Eindruck einer Band mit verschiedenen Musikern auf einer Bühne.

3. In der Summe klingen die Signale trotz Bearbeitung natürlich und besitzen ihre charakteristischen
Klangeigenschaften.

4. Es gibt keine Übersteuerungen oder andere Fehler.

5. Die Summe klingt klar und transparent. Es gibt weder Matschen, Mulmen, Dröhnen noch Zischen.

6. Achten Sie darauf, dass in Bezug auf die Lautstärke noch etwas „Luft nach oben“ bleibt. Für die
weitere Bearbeitung des Tonmaterials sollten noch ca. 3 dB zur Verfügung stehen.

Haben Sie alle Punkte der Checkliste erfolgreich abhaken können? Dann widmen wir uns nun dem
Mastering...

Nachbearbeitung (Mastering)
Ein erfolgreicher Mixdown führt uns zum Mastering, in dem die Summe der bearbeiteten Einzelsignale als
Ganzes optimiert wird. Diese Optimierung kann in Bezug auf verschiedene Kriterien erfolgen. In der Regel
wird wird auf ein ausgewogenes Stereobild, eine gute Mono-Kompatibilität und einen ausgeglichenen
Frequenzgang abgezielt. Beim Mastering werden auch eventuell vorhandene technische Restriktionen von
Abspielgeräten berücksichtigt. So ist es beispielsweise sinnvoll Frequenzen zu entfernen, die vom
bevorzugten Abspielgerät ohnehin nicht wiedergegeben werden können.

Das Mastering besteht aus einer typischen Folge von Bearbeitungsschritten zur Klangoptimierung. Dabei
kommen meistens die folgenden Werkzeuge zum Einsatz, die in jeder anspruchsvollen Audio-Software
enthalten sind:

1. Equalizer
2. Kompressor
3. Limiter

Diese drei Mastering-Werkzeuge wollen wir uns nun etwas genauer ansehen.

Der Equalizer (EQ)


Technisch ausgedrückt, ändert ein Equalizer die Frequenz-Hüllkurve eines Klangs bzw. einer Tonspur. Das
bedeutet, dass bestimmte Frequenzbereiche angehoben oder abgesenkt werden. Dabei verhalten sich ver-
schiedene Equalizertypen (z.B. Grafischer EQ, Parametrischer EQ, Filter) unterschiedlich.

Generell gilt: Je mehr Bänder


(Frequenzbereiche) ein Equa-
lizer besitzt, desto präziser
lassen sich klangliche Verän-
derungen am Tonmaterial
vornehmen. Abb. 5: Grafischer 10-Band Equalizer im Magix Music Maker
Wenn sie beispielsweise ihrer Aufnahme mehr Druck, also mehr Volumen verleihen möchten, sollten sie die
einzelnen Frequenzbereiche der Summe so verändern, dass jedes Instrument bzw. jede Tonspur deutlich
hörbar ist und nicht in der Summe „untergeht“. Dabei hilft es, die Frequenzbereiche zu identifizieren, in
denen jeweils die Instrumente und der Gesang liegen. Einschlägige Literatur liefert hierzu genaue Angaben,
aber mit ein einem guten Gehör und ein wenig Geduld lassen sich diese Frequenzen auch durch
Ausprobieren verschiedener EQ-Einstellungen finden. Hilfreich sind hierbei auch Werkzeuge zur grafischen
Analyse des Frequenzspektrums, die einem genau zeigen, in welchem Frequenzbereich ein Klang liegt.

Abb. 6: Echtzeit-Frequenz-Analyse der MAGIX Mastering Suite 2.0

Der Kompressor
Ein Kompressor ist, einfach ausgedrückt, ein automatischer Lautstärkeregler. Geräusche über einem
bestimmten Schwellenwert (Threshold) werden reduziert, während die darunter liegenden Gräusche
unangetastet bleiben. Auf diese Weise wird die dynamische Weite eines Audio-Signals reduziert. Hebt man
anschließend die Gesamtlautstärke mit Hilfe des Gain-Reglers an, wird das Signal lauter ohne gleichzeitig
die Lautstärkespitzen anzuheben. Dies kann aus ästhetischen Gründen passieren, wenn eine Aufnahme
zum Beispiel mehr „Druck“ bekommen soll um auf der Tanzfläche richtig abzugehen. Wird die Aufnahme in
einer Umgebung mit vielen Störgeräuschen (z.B. Restaurant, Auto) wiedergegeben, kann über eine
entsprechende Kompression die Hörbarkeit leiser Klänge gewährleistet werden, ohne dass laute Klänge zu
stark in den Vordergrund treten.

Die Stärke, mit der die lauten Klänge abge-


senkt werden, wird als Verhältnis (Ratio) von
Eingangssignalstärke und der Minderung Ausgangs- (Ratio 3:1)
Lautstärke
des Ausgangssignals angegeben.

Ein Ratio von 2:1 bei einem Schwellenwert


von -10 dB bedeutet somit, dass alle Klänge,
die lauter als -10 dB sind, um die Hälfte
abgesenkt werden. Ein Klang mit einer
Eingangslautstärke von -4 dB (6 dB über
dem Schwellenwert) wird so auf eine
Ausgangslautstärke von -7 dB reduziert Schwellenwert Eingangs-
(4 dB - ((-4 dB - (-10 dB))/2)). Lautstärke
Abb. 7: Kompression mit Ratio 3:1

Bei Multiband-Kompressoren lassen sich diese Einstellungen für verschiedene Frequenzbereiche jeweils
gesondert vornehmen.

Abb. 8: 3-Band Kompressor der MAGIX Mastering Suite 2.0 (Magix Music Maker)

Viele Kompressoren verfügen noch über die zusätzlichen Parameter Attack, Release und Gain. Attack
beschreibt in Milisekunden den Zeitraum zwischen dem Überschreiten des Schwellenwertes und dem
Zeitpunkt an dem der Kompressor „voll greift“. Release hingegen beschreibt den Zeitraum zwischen dem
Unterschreiten des Schwellenwertes und dem Zeitpunkt, an dem der Kompressor „abschaltet“. Eine ganze
Reihe von Kompressoren bieten diese Parameter nicht an, da sie für den „normalen“ Gebrauch wenig
Relevanz besitzen. Sie greifen relativ stark in das Klangbild eines Signals ein und eignen sich eher zur
charakteristischen Bearbeitung einzelner Klänge als zur Nachbearbeitung eines Summensignals.
Abb. 9: Kompressor des MAGIX Music Maker mit Attack, Release und Gain

Mit Hilfe des Gain-Reglers können Sie die Gesamtlautstärke des Signals verändern. Da die Signalspitzen, je
nach Ratio, mehr oder weniger stark reduziert wurden, ist nach oben wieder ein wenig Platz. Daher kann die
Lautstärke wieder etwas angehoben werden. Einige Kompressoren (wie bspw.der in Abb. 8 dargestellte 3-
Band-Kompressor) führen dies automatisch aus, so dass Sie sich keine Gedanken darüber machen müssen.

Der Limiter
Ein Limiter ist im Prinzip nichts anderes als ein Kompressor, dessen Ratio sehr
hoch eingestellt ist. In den meisten Fällen wird ein Ratio ab 10:1 und darüber
hinaus als Limiter verwendet. Limiter werden unter Anderem genutzt, um letzte
Lautstärkespitzen, die nach dem Komprimieren noch übrig geblieben sind, weiter
zu reduzieren. Dadurch verhindert man ein Übersteuern des Ausgangssignals.

Viele Limiter nehmen diese Einstellungen automatisch vor, so dass man keine
Zeit damit verschwenden muss, den richtigen Schwellenwert für das Limiting zu
finden. Der Limiter der MAGIX Mastering Suite 2.0 im MAGIX Music Maker ist
dafür ein gutes Beispiel. Abb. 10: Autom.
Limiter der MAGIX
Mastering Suite
2.0

Mastering-Checkliste
Sie haben nun die wesentlichen Werkzeuge kennen gelernt, die in einem typischen Mastering-Prozess zum
Einsatz kommen. Anhand der folgenden Checkliste können Sie prüfen, ob Sie beim Mastering Ihres
Tonmaterials alles Wichtige bedacht haben.

1. Der Equalizer ist so eingestellt, dass über das gesamte Frequenzspektrum „etwas passiert“, ohne
dass einzelne Instrumente oder der Gesang zu stark oder zu gering betont werden.

2. Das Tonmaterial wurde so komprimiert, dass das Ausgangssignal möglichst laut ist, ohne allzu viele
Übersteuerungen zu produzieren. Einige wenige Übersteuerungen sind in Ordnung, die werden mit
dem Limiter reduziert.

3. Das Ausgangssignal darf nach Verwendung des Limiters zu keinem Zeitpunkt mehr übersteuern.

Allgemeine Tipps und Tricks zum Mixdown und Mastering


Zum Schluss möchte ich Ihnen noch einige allgemeine Tipps vorstellen, die einem die Optimierung des
Tonmaterials wesentlich erleichtern.

1. Halten Sie Ihre Ohren „frisch“!


Das bedeutet, dass Sie Ihre Ohren vorher nicht mit extremer Lautstärke belasten sollen. Nach einem
Tag in der Stadt, mit Straßenlärm, Flugzeuggeräuschen, Martinshörnern etc. hört man feine
akustische Differenzen wesentlich schlechter als nach einem Tag, an dem man nur unter
Vogelgezwitscher zu „leiden“ hatte.

2. Suchen Sie eine klangliche Referenz!


Bevor Sie Ihr Tonmaterial optimieren, sollten Sie sich Gedanken machen, wie es sich am Ende
anhören soll. Am besten, Sie suchen sich einen Song, der bzgl. des Klangbildes möglichst nah an
Ihre Idealvorstellung heranreicht. Während des Mixdowns und Masterings sollten Sie von Zeit zu
Zeit eine Pause machen um sich den Referenz-Song anzuhören. Das bringt Sie immer wieder auf
den richtigen akustischen Pfad zurück.

3. Vergleichen Sie die Ergebnisse verschiedener Einstellungen!


Produzieren Sie mehrere Versionen Ihres Songs mit jeweils leicht veränderten Einstellungen und
vergleichen Sie diese mit „offenen Ohren“. Wenn Sie aufmerksam zuhören, werden Sie schnell ein
Gefühl für den richtigen Klang entwickeln.

Sie besitzen nun das notwendige Basiswissen, um die ersten Schritte im Bereich Mixdown und Mastering zu
unternehmen. Ich wünschen Ihnen dabei viel Erfolg und vor allem eine Menge Spaß!

Ihr Baba Sikander