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Begründung

Meine Ablehnung, gegenüber der Idee Dienst bei der Bundeswehr zu leisten, begründet sich
hauptsächlich darin, dass ich dafür charakterlich nicht geeignet bin. Ich besitze – wie jeder
andere Mensch auch – individuelle psychische Eigenschaften, die im Laufe des Lebens mal
an Ausdruck gewinnen, mal verlieren aber größtenteils festgelegt sind. Diese Eigenschaften
bestimmten und bestimmen die von mir getroffenen Entscheidungen und somit auch die von
mir bevorzugte Umgebung in der ich aufwuchs und in die ich mich begeben werde. Wie jeder
andere auch, wurde ich durch meine Umgebung beeinflusst, wodurch sich mein Charakter
(meine Person mit meinen Wertvorstellungen) und somit auch mein Gewissen aufgrund
meiner Eigenschaften entwickelt hat; niemand kann mich zwingen, mich der Umgebung der
Bundesanstalt für Wehrdienst auszusetzten.
In meiner Kindheit wurden mir viele Freiheiten gelassen. Ich war noch jung (ca. 6 Jahre) als
sich meine Eltern schieden und meine Mutter – allein dann – war sonst zu beschäftigt, um
sich mehr als nötig um mich zu kümmern. So war ich die meiste Zeit mir selbst überlassen
und fast immer mit Freunden zusammen. Die wenige Zeit Zuhause war aufgrund meiner
durch die viele Arbeit gestresste Mutter eher angespannt als entspannend, wodurch es
anstatt vernünftig miteinander zu reden, öfters – auch wegen Kleinigkeiten – zu Streit kam.
Nur war ich meistens nicht direkt involviert, denn meine größere Schwester musste für alles
hinhalten; ich konnte wohl aus Angst der Autorität gegenüber nur den selten auch
handgreiflichen Streit mit ansehen bzw. anhören. Ich glaube jetzt, dass wenn ich – auch mit
der Einschränkung waffenlosen Dienst auszuführen – zur Bundeswehr gehen würde, es im
Ernstfall unvermeidbar ist, auch mit Gewalt in Kontakt zu kommen. Ich bin der Meinung
einen Konflikt (Streit) mit Gewalt zu lösen ist nahezu immer destruktiv, weil es viel zu leicht
zu Situationen kommt, in denen man Stress und Emotionen ausgesetzt ist, wodurch man oft
nicht vernünftig über seine Handlungen und deren Folgen nachdenken kann. Für mich ist
Gewalt in diesem Sinne etwas, was man nicht gut kontrollieren kann. Ich verurteile nicht die
Menschen, die aus Notwehr Gewalt anwenden, denn handelt man in Notsituationen, ist dies
meist reflexartig, was wieder die Unkontrollierbarkeit von Gewalt unterstützt. Und dem
gesunden Menschenverstand missfällt normalerweise der Gedanke die Kontrolle zu
verlieren. Es ist auch wie, wenn man in Rage geratenen Parteien nur zusehen kann aber
nicht fähig dazu ist, etwas zu unternehmen, sodass niemand zu Schaden kommt – d.h. dass
eine vernünftige Lösung des Konflikts schon durch die anfängliche Anwendung von Gewalt
verspielt wurde (vgl. Ein Colt und ein Mann, der durch maximalen Verlust (subjektiv
betrachtet) nichts mehr zu verlieren hat und nicht mit sich reden lässt).
Anstatt also Geld in die Unterhaltung und Aufrüstung militärischer Mittel zu investieren, sollte
mehr daran gelegen sein, auf allen Seiten konfliktgefährdeter Parteien Aufklärung zu treiben.
Das führt mich zum nächsten Punkt. Ich habe mal davon gehört, dass der Mensch im
Grunde ein friedliches Wesen ist, also Gewalt nicht bewusst – außer um zu überleben –
anwendet, wenn seine Umgebung ebenfalls friedlich ist. Ich gehe sogar soweit, dass ein in
früher Vergangenheit geschehener Zufall (Unfall) eine Reihe von unüberschaubaren
gewalttätigen Handlungen ausgelöst hat und sich das Ganze durch den Umstand, dass sich
niemand ungerecht behandelt fühlen will, hochgeschaukelt hat. Daher sollte in allen Ländern
die Bildung in gesellschaftswissenschaftlichen Fächern gefördert werden, damit die
Menschen kritisch gegenüber ihrer Umgebung urteilen können und nicht von derselben zu
stark beeinflusst werden (Mir zum Beispiel hat der Ethikunterricht in der Schule die Augen
geöffnet). Kommt es doch zu falsch interpretierten Unfällen oder zu unkontrollierten
Gewalthandlungen, müssen die Betroffenen zuerst die nicht zu verkraftende Ungerechtigkeit
als gesellschaftliche Anomalie betrachten und tolerieren und dann durch Kommunikation den
Sachverhalt aufklären.
Sicher hört sich das jetzt alles sehr naiv an, weil es ja in Realität ganz anders aussieht. Da
gibt es politische Differenzen, verschiedene Kulturen und Religionen und Ansichten. Jeder
glaubt im Kreise seiner relativ winzigen Gesellschaft, der man gegenüber gewissermaßen
zur Zugehörigkeit gezwungen wurde, Recht zu haben und rechtens zu handeln und schert
sich einen Dreck um die Tradition und Lebensweise anderer, die für schlichtweg falsch oder
unsittlich erklärt werden. Der Mensch ist zu stolz und zu egoistisch, um ausreichend
Toleranz, Respekt und Akzeptanz gegenüber der gesamten gesellschaftlichen Variation zu
entwickeln. Aber vielleicht sind Einige dafür charakterlich nicht geeignet – ich meine, um mit
allen zusammen in Frieden zu leben – d.h. einfach nur überfordert mit den dafür nötigen
Anforderungen? Was dann? Keine Ahnung; dann sind wir wahrscheinlich alle irgendwann
bald tot (vgl. die Möglichkeit eines unkontrollierten Einsatzes von Nuklearwaffen).

Zum Abschluss noch kurz eine Schilderung einer persönlichen Erfahrung, die, hoffe ich, der
Begründung etwas die Würze nimmt:
Vor einigen Monaten – ich erinnere mich noch genau – wurde ich dermaßen gereizt, dass ich
nachdem ich nach langer Zeit des „Mich-Reizen-Lassens“ die Nase gestrichen voll hatte,
auch nicht mehr an mich halten konnte, um dann zu bemerken, dass ich mit meinem durch
Wut unkoordinierten Ausbruch doch nichts auszurichten vermag und schließlich mit
schlechtem Gefühl in der Magengegend endlich in aller Deutlichkeit begriff, wie sinnfrei
Gewalt doch ist. Seitdem habe ich mir für immer vorgenommen, in Situationen in denen
psychisch oder physisch Gewalt ausgeübt wird, nur noch meinen Verstand zu benutzen und
in Dilemmata, also wo Gewalt der einzige Ausweg ist (aber sowas gibt es überhaupt nicht),
da ich überzeugter Utilitarist bin, gezwungenermaßen nur dem Allgemeinwohl gegenüber
förderlich handle. Und das maximale Glück möglichst vieler zu erreichen, ist während des
Zivildienstes um einiges lukrativer als während des Wehrdienstes.