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Johannes Brachtendorf (Hrsg.

Gott und sein Bild -


Arpstins De Trinitate im
Spiegel gegenwärtiger
Forschung

Ferdinand Schöningh
I'.rrlt.rlx,r'rr . Miirxlrt'rr ' Wit'rr 7.iiri,'lr .7
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Inhalt

Johannes Bracbtendorf
Einführung. 7

I. Zlryänge zLt De Trinitate

Roland Kany
Typen und Tendenzen der De Trinitate-Forschung
seit Ferdinand Christian Baur. . 13

Ed.mwnd Hill, O.P


Augustine's Method inthe De Trinitate: A Model for
Text Books and Catechisms . . 29

Basil Stwder
Oikonomia und Theologia in Augustins De Trinitate 39

Gouloen Madec
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme ,,Inquisitione proficiente". Pour une lecture ,,saine" du
Gott und sein Bild- Augustins De Trinitate im Spiegel gegenwäniger
De Trinitate d'Augustin 53
Forschung/Hrsg.: Johannes Brachtendorf.-Paderborq München; Vien;
Zürich: Schöningb 2000
ISBN 3-506-71401-5
II. Die Subjekttheorie
Chisto?b Hom
urehlass.solons: INNovA GmbH, Dll17s Borcho selbstbezüglichkeit des Geistes bei Plotin und Augustinus' ' 8l

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cedruckt auf uwddrondliclEn, cHorfEi kan Pöpin
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Johannes Bracbtendorf Jobannes Bracbtendorf


Der menschliche Geist als Bild des trinitarischen Gottes
- Ahnlichkeiten und Unähnlichkeiten . 155
Einführung
III. Sprachtheorie und \X/illensbegriff

Robert Markws Augustins De Trinitate ist ein facettenreiches \(erk. Zunächst kann es mit
Communication and Transcendence in Augustine's De Trinitate . . 173 Recht als Gründungsurkunde der westlichen Trinitätstheologie bezeichnet
werden. Augustin legt eine systematische Durchdringung des Glaubens an
Johann Krewzer den dreifaltigen Gott vor, die in der lateinisch sprechenden Kirche rasch zu
Die Sprachlichkeit der Erinnerung. Überlegungen zum paradigmatischem Rang aufstieg und dem Mittelalter zumindest formell als
verbwm intimwm in Buch XV von De Trinitate 183 unanfechtbare Autorität galt. Die gegenwärtige Theologie kritisiert Augu-
stins Trinitätsauffassung mitunter als ,,essentialistisch", weil sie die Trinität
John Rist nicht in ausreichendem Maße von der Heilsgeschichte her deutlich mache,
Love and \Will. Around De Trinitate XY 20,38 205 und als ,,einheitszentriert", weil Augustin mit der Akzentuierung der Einheit
Gottes die Möglichkeit aus der Hand gebe, die Gemeinschaft der Gläubigen
untereinander in ein rechtes Verhältnis zur Gemeinschaft der göttlichen Per-
IV. \üflege der Rezeption im Mittelalter sonen zu setzen. Unabhängig von der Frage, ob diese Vorwürfe berechtigt
sind (die Beiträge von E. Hill, B. Studer und G. Madec im vorliegenden Band
Edward Bootb, O.P. verneinen dies), zeigt sich die \X/irkmacht von De Trinitate doch darin, daß
Saint Thomas Aquinas's Critique of Saint Au gustin's Conceptions selbst gegenwärtige Ansätze ihr Profil durch Abstoßung von Augustins Pa-
of the Image of God in the Human Soul . 219 radigma zu gewinnen suchen.
De Trinitate stellt aber auch einen Meilenstein in der Geschichte der Sub-
Burbbard Mojsisch jektphilosophie dar. Mit dem zweiten Teil seines §Terkes legt Augustin eine
Dietrich von Freiberg - ein origineller Rezipient der Mens- Analyse des menschlichen Geistes von bis dahin kaum gekannter Intensität
und C o gitatlo -Theorie Augustins 241 vor, in der er einerseits Elemente der antiken, insbesondere der neuplatoni-
schen Geistphilosophie aufnimmt und tradiert, andererseits aber nicht mehr
Ed,ward Bootb, O.P. den göttlichen Nous in den Mittelpunkt stellt, sondern für einen Selbstbezug
St. Thomas's Scriptwm Swpra I [LibrwmJ Sententiarum 249 des menschlichen Geistes argumentiert. Jedem willentlichen Akt der Selbst-
besinnung liegt Augustin zufolge eine ursprüngliche Selbstkenntnis als Mög-
lichkeitsbedingung voraus, die nicht diskursiv und episodisch, sondern in-
tuitiv und stetig ist, die aber im Gegensatz zum Selbstverhältnis des
göttlichen Geistes nicht alles W'issen umfaßt, sondern lediglich die Identität
des wissenden und wollenden endlichen Ich garantiert. Philosophie-
geschichtlich kommt Augustin das Verdienst zu, eine Theorie endlicher Sub-
jektivität ausgearbeitet zu haben.
I)as Mittclalter hat Augustins Philosophie des menschlichen Geistes rezi-
picrt untl irr vcrschicdorc Richtungcn weiterentwickelt. Hervorstechend ist
rrbcr dic \Wirkrrrrg Arrgrrstirrs auf clic Subf cktthcoricn dcr Ncuzcit. Ic'lccn wie
tlicjt'rrigt'rr rlcr. I lrrlrt'zwt'ilclb.rrkt'it tlt.r cigorcrr Hxisrcnz (si fillor, sum), <lcr
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tl yohannes Brachtendorf Einführung 9

retisch-praktischen Doppelnatur des menschlichen Selbstverhältnisses dien- neuplatonischen Hintergrund der Auffassung Augustins. L. Hölscher erör-
ten von Descartes bis zur Existenzphilosophie des 20. Jhdts. als historische tert Augustins Argumente für die Immaterialität des menschlichen Geistes.
und sachliche Bezugspunkte. Augustins Sprachtheorie, insbesondere die mit V. H. Drecoll bezieht die Bewußtseinsanalyse von De Trinitate IX auf die et-
der subjekttheorie eng verbundene Lehre vom verbwm intimwm wie sie in wa gleichzeitig entstandenen gnadentheoretischen Schriften Augustins. Der
De Trinitate entfaltet wird, hat in wittgenstein und Gadamer ihre modernen Beitrag von J. Brachtendorf geht der Frage nach, warum und inwiefern Au-
Rezipienten gefunden. gustin den menschlichen Geist als Bild Gottes interpretiert. In einem dritten
Für die gegenwärtige Philosophie, insoweit in ihr die Bestimmung des Teil erörtern R. Markus und J. Kreuzer die Sprachtheorie von De Trinitate
verhältnisses von Subjektivität und Metaphysik wieder an Bedeutung ge- im Kontext der Geistphilosophie Augustins. J. Rist geht Augustins Zuord-
winnt (D. Henrich), bietet sich nicht nur der deutsche Idealismus als Folie nung von voluntas und amor nach und diskutiert sie vor dem Hintergrund
an, sondern auch Augustins spezifischer versuch, das verhältnis des Subjekts antiker \Willensauffassungen. Im vierten Teil dieses Bandes kommen exem-
zu seinem ihm vorausliegenden Grund als dasjenige eines Bildes zum Abge- plarisch zwei mittelalterliche Rezipienten der Geistphilosophie Augustins zu
bildeten zu verstehen. Die Rede vom menschlichen Geist als einem ,,Bilcl '§ü'ort.
E. Booth stellt die eher kritische Haltung des Thomas von Aquin dar.
Gottes" findet sich historisch sowohl vor als auch nach Augustin. Augustin B. Mojsisch zeichnet Dietrich von Freibergs Veiterbildung des Augustini-
gibt ihr aber einen besonderen Sinn durch die These, dieser Geist weise in schen Konzeptes nach. Als letzten Beitrag enthält dieser Band eine kritische
seinem ursprünglichen Selbstbezug ebenso eine trinitarische Struktur auf wie Neuedition von Thomas von Aquins Scriptwm Supra I ILibrumJ Sententi-
die göttliche Dreifaltigkeit, so dall in der Subjekt-Analyse, die nichts anderes arum (dist.3, q. 3-5), die E. Booth erarbeitet hat. Dieser Text, der das wich-
als eine ins Philosophisch-reflexive erhobene Form einer natürlichen Ten- tigste Dokument der Auseinandersetzung Thomas' mit Augustins l.ehre
denz zur Selbsterfassung darstelle, der an sich unzugängliche Grund von vom menschlichen Geist als Bild Gottes darstellt, war bisher nur in der kor-
Subjektivität wie in einem Bild sichtbar werde. rekturbedürftigen Fassung von Roberto Busa (S. Tbomae Aqwinatis Opera
Die vielzahl der Richtungen, in die De Trinitate wirkt, weist bereits auf Omnia) zugänglich.
das schwierigste Problem der De Trinitate-Forschung hin, nämlich dasjenige 'Wenn
ein klassisches \7erk sich dadurch auszeichnet, daß es in verschiede-
der Einheit des §7erkes. tx/ie hängt die Lehre von der göttlichen Dreifaltig- nen geistesgeschichtlichen Situationen seine Ausleger findet und Interpreta-
keit mit der Analyse des menschlichen Geistes zusammen? Hier tritt die Fra- tionen hervortreibt, dann zählt Augustins De Trinitate sicherlich zu den
ge nach der Möglichkeit der unterscheidung von Theologie und philosophie Klassikern. Ein Klassiker eröffnet nicht nur eine Interpretationsmöglichkeit,
in De Trinitate auf den Plan, sowie - falls diese Möglichkeit gegeben ist - das sondern läßt eine Mannigfaltigkeit von Perspektiven, Ausgangspunkten und
Problem der Zuordnung der Disziplinen. Ist Augustins §(erk ein durchgän- Herangehensweisen zu, ja fordert sie, ohne doch der Beliebigkeit Raum zu
gig theologischer (oder gar mystischer) Traktat; oder läßt es sich * vielleicht geben. Konsens ist bei der Deutung eines solchen W'erkes wohl eher die Aus-
mit verweis auf die \Tirksamkeit der neuplatonischen Hypostasentheorie in nahme als die Regel und jedenfalls nur als Ergebnis mühevoller Verständi-
Augustins Trinitätslehre - letztlich im Ganzen philosophisch interpretieren? gungsarbeit ztt er zielen.
Kann eine unterscheidung zwischen offenbarungsbegründeten und ver- Schwierig sind alle §flerke Augustins - auch die scheinbar leicht zu verste-
nunftbegründeten Anteilen und eine spezifische Zuordnung von vernunft henden. Aber in De Trinitate erklimmt Augustin die Gipfel der Spekulation,
und Glaube vorgenommen werden? oder verfolgt Augustin im Grunde gar um von dort aus die Dreifaltigkeit Gottes und des menschlichen Geistes
keine systematische, sondern eine spirituelle Absicht (exercitatio animi)? sichtbar zu machen. Er verzichtet dabei auf die Anschaulichkeit des Dialog-
Fragen wie diese fordern grundsätzliche Einschätzungen des charakters von stils, auf die Eintrettung in die Erzählung der Geschichte eines Lebens, und
Augustins De Trinitate. Solche Einschätzungen müssen sich dadurch be- auch über weite Strecken auf einen festen biblischen Rückhalt. Dies ist ver-
währen, daß sie nicht nur bestimmte Teile dieses §Terkes erfassen, sondern mutlich der Grund dafür, daß selbst unter Fachleuten Augustins De Trinita-
den Zusammenhang des ganzen Ensembles verständlich machen können. re nicht jedermanns Sache ist. Die De Trinitate Forschung des 20. Jhdts. voll-
Im ersten Teil dieses Bandes steilt R. Kany maßgebliche Typen der Inter- zog sich Schüben. M. Schmaus' großes Buch ,,Die psychologische
pretation von De Trinitate seit dem frühen 19. Jhdt. vor. Die n.it.ag. von E. tirritätslchrc des hl. Augustinus" (1927) liiste in den 20er und 3Oer Jahren
Hill, B. Studer und G. Madec bieten aktuelle versuche, zu einem Gesamr- cincn solclrcn Schub :rtrs. I)ann wircn cs dic 50cr ur.rr{ 6Ocr J:rhrc, dic cine
vcrständrris von Arrgusri ns Da Trinitllte zu gelangen. Der zweite Teil ist Au- Ilcilrc grrrrr«llcgt'rrtlcr trrrtl tlct,rillicrtcr LJrrlt'rstrclrungcrr hcrv<,rlrr,rchtcn. l)e
gtrsrirrs Strhjt'krrlrt'oric gcr.vitlrrrct. (llr. F{orn untl J. P6pin analysiercn den rr.r,'lr rv rr r,l.' .'r vt'r 1,,1.'i, lrrlvt isc r rr I rig u rr r / )r'
'll ttttl,tt t'. Scit cirrigcrr
.f.rlrrcrr zt'i
10 Johannes Brachtendorf

gen sich aber deutliche Anzeichen für eine \Wiederbelebung der Diskussion.
Durch eine internationale, philosophisch-theologische Konferenz, die unrer
dem Titel ,,Gott und sein Bild - Augustins De Trinitate im Spiegel gegen-
wärtiger Forschung" vom 6.-8. November 1998 in Tübingen stattfand, habe
ich versucht, zu einer Bündelung der Diskussion beizutragen. Bei den Beiträ-
gen des vorliegenden Bandes handelt es sich um die überarbeiteten Fassun- I. Zugänge zu De Trinitate
gen der Vorträge dieser Konferenz. Ich danke an dieser Stelle allen Teilneh-
mern an dieser Konf erenz fir Ihr Engagemenr und für ihre Bereitschaft, die
Mühe der Verständigungsarbeit auf sich zu nehmen.
Danken möchte ich auch Herrn Tobias Herrmann unci Herrn Elias Vola-
nakis für Ihre technische Unterstützung bei der Erstellung des Tagungsban-
des. Mein besonderer Dank gilt dem Bischof der Diözese Rottenburg-Stutt-
gart sowie der ,,Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen e.V.", die
durch großzügige finanzielle Unterstützung das Erscheinen dieses Bandes
ermöglicht haben.
Roland Kany

Typen und Tenden zen der


D e Trinitate -F orschung
seit Ferdinand Christian Baur

Der Knabe der berühmten mittelalterlichen Legende behauptet, Augustinus


körrne rn De Trinitare unmöglich auch nur den kleinsten Teil der Trinitäts-
mysterien ausschöpfen.1 Es ist fraglich, ob der historische Augustinus dem
Knaben recht gegeben hätte. Zweifellos unmöglich ist es dagegen, das Meer
der De Trinitate-Forschung in einem kurzen Aufsatz auszuschöpfen. Rund
fünfhundert Bücher und Aufsätze der vergangenen anderthalb Jahrhunderte
in über einem Dutzend Sprachen befassen sich ganz oder in zentralen Teilen
mit Augustins Trinitätslehre, und Hunderte weiterer Publikationen ergänzen
sie um wichtige Einzelaspekte. Ich versuche, einige Schwerpunkte und
Grundtypen dieses Forschungszweiges zu charakterisieren und ein paar Er-
gebnisse, Tendenzen und offene Fragen festzuhalten.2

I. Der idealistische Interpretationstyp


Nicht nur um dem genius loci meine Reverenz zu erweisen, lasse ich die mo-
derne De Trinitate-Deutung überhaupt und im besonderen ihre idealistische
Variante mit dem Tübinger Ferdinand Christian Baur beginnen. Mit sechzig
Seiten brillanter Analyse und Kritik yon De Trinitate beschlie{3t er 1841 den
ersten Band seiner großen Geschichte der Trinitätslehre und Christologie, ei-
ner (lründungsurkunde moderner Dogmen- und Theologiegeschichtsschrei-
bung. Baur war zD dieser Zeit Hegelianer und sah den spekulativen Kern der
Lehre von Inkarnation und Trinität in der Erkenntnis, ,,daß das substanziel-
le §ü'esen des Geistes im Menschen wie in Gott eines und dasselbe" sei.l Au-

ActaSS aug. VI (1868) 5.357 {. Reihen und Zeitschriften werden hier und im folgenden nach
dcnr Abkürzungsverzeichnis dcr Theologicben Realenzyklopädie, Berlin/New York 21994,
z it ic rt.

Mcirr Vortragstcx( rcsiirnicrt J'cilc cincs in Vrrbcrcitung hcfindlichcn Forschungsberichtes von


lltrtlrliirrgc.
fr(llr. Ii.rtrr, I)ittlttistlitlttl.tlrrt'r',ttrlrrl)rrirtttigl't'tt lndMt'nstltu,r'rJunN()oltt'sinibrt'r
yrt,lrttlttlttl,r'rt I rttii'trl'lrotr', lrrstcr'lcil: l),rs l)otttt,r,ltr,tltr,, Kirtltt l,i: ztrr.\yn,,lr'r,»t
( l,,tl,t,l,trt, 'l rrlrrrl,r'rr ls,ll, S t,//
1,4 Roland Kany Typen und Tendenzen der De Trinitate-Forschung seit F. Chr. Baur 15

gustins Einsicht, daß der menschliche Geist dann am meisten Bild des trini- chem Selbstbewußtsein, der in der einen oder anderen §7eise die neuzeitliche
tarischen Gottes ist, wenn er Gott selbst denkt, übersetzt Baur in Hegelsche Erkenntnistheorie, Subjektivität und Innerlichkeit vorbereite. Über \X/indel-
Dialektik: Augustinus meine, ,,daß das Denken nur dann den seiner Form band bis Charles Taylor läßt sich diese Deutung verfolgen, die mit unter-
adäquaten Inhalt habe, wenn es Gott zum Inhalt hat".a Inkonsequenterwei- schiedlichen Bewertungen verbunden sein kann.8
se sei Augustinus bei einem Dualismus von Endlichem und Unendlichem
stehengeblieben, der in einer recht begriffenen Trinitätslehre in der Idee der
Zeugung des Sohnes bereits überwunden sei. So habe Augustinus seine Ent-
deckung nicht fruchtbar machen können, daß das Verhältnis des Varers zum II. Der neuscholasdsche Deutungstyp
Sohn nichts anderes sei als das Verhältnis des denkenden Geistes zu sich
selbst, das,,absolute Selbstbewußtseyn".5 Die Neuscholastik verstand sich als Bollwerk gegen die Moderne, besonders
Dies ist das zentrale Stichwort des idealistischen Typs der De Trinitate-In- gegen theologische Rezeptionen des deutschen Idealismus. Die Neuschola-
terpretation: Augustinus habe die Trinität als göttliches Selbstbewußtsein stiker zogen die Linien von Augustinus aus nicht mehr zu Descartes und
aufgefaßt. Abgesehen von der Frage nach der Richtigkeit dieses Augustinus- Hegel, sondern zu Thomas von Aquin und nahmen bei beiden Denkern in
verständnisses wittern heutige Theologen wie Jürgen Moltmann in einer sol- erster Linie diejenigen Ausschnitte ihrer Trinitätstheologie wahr, die Eingang
chen tinitätslehre einen abstrakten Monotheismus.6 Aber im neunzehnten in den neuscholastischen Traktat De d,eo trino gefinden hatten. In dieser
Jahrhundert knüpften mehrere deutsche protestanrische Systematiker positiv Optike erschien De Trinitate als neuscholastisches Lehrbuch aaant la lettre
daran an, und auch die erste große Monographie iber De Trinitate folgt die- mit den Teilen ,,Schriftbeweis" in den Büchern I-IV, ,,dogmatische Formu-
sem Deutungstyp - freilich stammt sie von einem Katholiken, dem Augs- lierung" in den Büchern V-VII und ,,spekulative Durchdringung" in den
burger Benediktinerabt Theodor Gangauf. Er war ein Anhänger Anton Büchern VIII-XV. Inhaltlich glaubte man ebenso die Grundzüge neuschola-
Günthers, und dieser hatte Gottes Trinität aus einem dem endlichen Geist stischer Trinitätslehre wiederzufinden: nämlich erstens ein Ausgehen von der
zugänglichen Begriff des Selbstbewußtseins rational ableiten wollen. Gang- Einheit Gottes, zweitens eine Interpretation der Personen als subsistierender
aufs Buch Des beiligen Awgustinws specwlatiae Lebre oon Gott dem Dreiei- Relationen und drittens eine Deutung der trinitarischen Hervorgänge nach
nigen, 1865 erschienen, also wenige Jahre nach der kirchlichen Verurteilung der Analogie von Kräften in der menschlichen Seele. Diese drei Charakteri-
Günthers wegen Rationalismus, soll einen rechtgläubigen §fleg zwischen Au- stiken hängen eng zusammen: In der Version von Th6odore de R6gnon ist
gustinus und einer Philosophie des Selbstbewußtseins nach Art Günthers die These berühmt geworden, es gebe zwei Grundtypen von Trinitätslehre:
eröffnen und gipfelt in einem Kapitel, das ganz güntherianisch ,,Die göttli- eine östliche, die von der Person des Vaters ausgeht, und in diesem Ursprung
che Subject-Objectivirung" überschrieben ist.z Nach Gangauf zeigen Augu- die Einheit der Trinität verwurzelt sieht, und eine westliche, die von der Ein-
stins Analysen der Selbstkonstirution des Geistes zwingend, daß Gott trini- heit des trinitarischen Gottes ausgeht und von dort aus zur Dreiheit der Per-
tarisch sein muß. Denn für Gott als absoluten Geist müsse afortiori gelten, sonen gelangen wolle; dem Osten werde die Einheit und Gleichheit der Per-
was für einen endlichen Geist - abgesehen von seiner Endlichkeit - norwen- '§üesten
sonen zum Problem, dem die Dreiheit und Verschiedenheit der
dig gelte. Personen.l0 Augustins De Trinitate galt als die Verkörperung des westlichen
Der idealistische Deutungstyp ist sehr rasch in der Philosophiegeschichts- Typs schlechthin.
schreibung übernommen worden und hat dort eine bis in die Gegenwart rei-
chende §Tirkung entfaltet. Denn seit Dilthey sehen Philosophiehistoriker
s V. Dilthey, Einleitung in die Geisteswissenscbaften, hg. von B. Groethuysen, Stuttgart/Göt-
den Kern von De Trinitate oft in dem Bezug von menschlichem und göttli- tingen a1959 (= Gesammelte Schriften 1),5.260-267; V. Vindelband, Lebrbwcb der Geschich-
te der Philosophie,Tibingen '61976, S. 231-246 (Überarbeitung der Gescbichte der Philoso-
1 Ebd. S. 855. phie,Tibingcn 'zlgoo); Ch. Taylor, Sowrces of tbe Self. The Mahing of the Modern Identity,
5 Ebd. S.870. Cambridge 1989 (dcutsch 1994), Kap. 7.
6 J. Moltmann, Trinität und Reich Gottes. Zrrr Gotteslebre, München 1980, S. 32 f. e So z. []. L..f;rnsscns, Trdctdtus de l)eo trino, Freiburg 1900 (= Sumrna thcologica III), S.5 A.4;
7 Th. Gangauf , Des bciligen Augustinus speculatioe Lebre oon Gott dem Dreieinigen. Ein uis- ,ihrrlie lr IJ. Altrncr/A. Stuibcr, /',rtrolo.gi', Irrciburg/tlascl/\Wicn 8197ti, S.426, uncl ungefähr so-
scnstba.l'tlit'hrr Nat'ltu,tis tlcr objt'ttivcn ßcgründetbeit dieses christlicben Glaubensgegenstan- g,rr rr,,, lr V. (iccrlirrgs, Arrgrrslinrrs: Lrxikon dtr ,mtiktn christlichm Litt:rattr, hg. von
dL,s,,trts dor .\tltnlttn lrs gt,rr,untt,tt gruflttt Kircbcnlchrcrs gcgen dcn unter dem Schcinc dcr S. I)opp/V.(iccrlirrgs, lireilrrrrg/ll.rsel/Vicrr I9911,S.65 lJ5;lricr /9.
\\'t"r'nvlt,tft ,tit'sts,l,ti'tlitltt (irttl&Nrtrt lrtl,,ottpltndrn Ilnglurbt'n zusamntotytsttllt, 'li
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Arr1,rl,ur 1' lx(r5, S .)(r', .l.lli I cr)-' ')x
t6 Roland Kanv Typen und Tendenzen der De Trinitate-Forschung seit F'. Chr. tsaur 17

Daß R6gnons Typologie irreführend ist, mindestens in ihrer populären Schmaus' Augustinusbild kann man geradezu greifen, wenn Karl Rahner
Simplifizierung, haben französische Theologen schon vor Jahrzehnten be- Jahrzehnte später glaubte, gegen Augustinus formulieren zu müssen: ,,Die
sonders in bezug auf die Theologie des vierten Jahrhunderts vor Augen ge- psychologische Trinitätslehre überspringt die heilsökonomische Erfahrung
führt. Im englischsprachigen, deutschen und italienischen Raum haben in der Trinität zugunsten einer fast gnostisch anmutenden Spekulation darüber,
jüngster Zeit etwa Barnes und Studer mit z.T. neuen Argumenten gezeigt, wie es im Inneren Gottes ztgehe."la Schmaus selbst hat in der Nachkriegs-
wie wenig R6gnons Schema der Dogmengeschichte im allgemeinen und Au- zeit eine ähnliche Kritik an der ,,psychologischen" Trinitätslehre Augustins
gustins De Trinitate im besonderen gerecht wird. Augustinus gehe nicht von geübt, der er nun z\Mar auch eine metaphysische Dimension einräumte, aber
der Einheit Gottes aus, sondern von den Personen, von denen das Gottsein eine Unterbelichtung der biblisch-heilsgeschichtlichen Dimension ankreide-
prädiziert werde - gerade auch vom ursprungshaften Vater. Von der Gleich- te. Diese Dimension fehle gleichwohl nicht ganz und führe daher zu inneren
heit der Personen dann gelange Augustinus zur Einheit der Substanz.lr Spannungen des §flerkes über die Trinität.15 Damit korrigierte Schmaus seine
Dem neuscholastischen Interpretationstyp z1)ztJrechnen ist das ein- Bewertung, kaum aber seine Interpretation von De Trinitate. Und diese In-
flußreichste und umfassendste Buch zu De Trinitate überhaupt, Michael terpretation fand sich über Jahrzehnte in patrologischen und dogmenhistori-
Schmaus' 1927 erschienene Dissertation Die psycbologiscbe Trinitätslehre des schen Darstellungen kanonisiert. Den neuscholastischen Augustinus, nicht
bl. Awgwstinws.l2 Iweder Schmaus noch sein Doktorvater Martin Grabmann den Text von De Trinitate selbst, haben allem Anschein nach auch viele sy-
waren Neuscholastiker im engeren Sinne. Aber beide lasen Augustinus mit stematische Theologen rm zwanzigsten Jahrhundert, Katholiken wie Prote-
den Augen damaliger Schuldogmatik. \flas Schmaus durch den suggestiven, stanten, im Auge, wenn sie sich zustimmend oder kritisch über Augustins
die Interpretation von De Trinitate jahrzehntelang prägenden, ja fehlleiten- Trinitätslehre äußern - von Karl Barth über Karl Rahner bis Catherine La
den Titel seiner Arbeit zum Charakteristikum Augustins erhob, die ,,psy- Cugna und Colin Gunton.16
chologische Trinitätslehre", das entwuchs Grabmanns Bemühen, mittelalter-
liches Denken seit Augustinus mit der damaligen philosophischen Mode des
Psychologismus aktualisierend zu verknüpfen.r3 Hatre Gangauf die Logik
der von Augustinus analysierten geistigen Strukturen als notwendig aufge- III. Der hermeneutische Forschungstyp
faßt und eben damit ihre Geltung im Bereich des Absoluten begründet, so
begnügte sich Schmaus entsprechend psychologistischer Philosophiekonzep- Alfred Schindlers Zircher Habilitationsschrift, 1965 erschienen, ist die erste
tion und neuscholastischer Begrenzung der Reichweite menschlicher Ver- ausführlichere protestantische Darstellung von Augustins De Trinitate nach
nunft damit, in Augustins Argumenten feine Beobachtungen seelischer Sach- Baur und die bisher letzte monographische Gesamtdarstellung des Themas.
verhalte zu sehen, die unter Voraussetzung des Glaubenssatzes von der Sie bedeutet gegenüber Schmaus und dem von ihm beherrschten Augusti-
Gottebenbildlichkeit als Veranschaulichungen der kirchlichen Trinitätslehre nusbild einen methodischen Neuansatz. Der Autor zeichnet Buch für Buch
gemeint seien. Da diese Deutung bei Schmaus mit der Behauptung einher- den durchgehenden Gedankengang Augustins nach und unterzieht ihn einer
geht, Augustinus gehe von der Einheit Gottes aus statt von den Personen, möglichst immanenten Kritik. Diesen Kommentarteil bereitet Schindler mit
wie sie der Menschheit geschichtlich begegnet sind, kann es so scheinen, als einem fast ebensolangen Teil über die drei Themen vor und außerhalb von
gehe es Augustinus um die trinitarische Psyche des einen Subjekts Gott - wir De Trinitate vor, die ihn dann auch an dem lWerk selbst am meisten interes-
sind sozusagen bei einer psychologistisch depotenzierten Version der ideali- sieren: trinitarische Analogien, Gottebenbildlichkeit und das Verhältnis von
stischen These von Gott als absolutem, selbstbewußtem Subjekt angelangt.
ra K. Rahner, Grundhurs des Glawbens. Einftihrung in den Begriff des Christentums, Fret-
t1
M. R. Barnes, De R6gnon Reconsidered: AugSt 26 (1995) S. 51*79; Augustine in Contempor- burg/Bascl/§üien 197 6, S. 1 41.
ary tinitarian Theology: 75 56 (1995) 5.237-250; B. Studer, La teologia trinitaria in Agosti- l5 M. Schrr.raus, Die Spannung von Mctaphysik und Heilsgeschichte in der Trinitätslehre Augu-
no d'Ippona. Continuitä della tradizione occidentale?: Cristianesimo e specificiti regionali nel stins [959]: StParr 6 (1962) (- TU 8t)S. 503-518; ders., Dle Denkform Augustins in seinem
Meditenaneo latino (sec. IV-VI). XXII Incontro di studiosi dell'antichitä cristiana. Roma, 6-8 'Wcrk
dc trinitatc, Münchcn 1962 (= SBA\fl.I'H 1962,6).
maggio 1993, Rom 1994 (= SEAuS 46),5.161-177. K. Ilartlr, l)ic l.chrc von Wtn't Oottts. Pxicgomtnd zur Kirchlicbt'n Dogmatik, erster Halb-
M. Schmaus, Dic psychologische Trinitätslebre d.es hl. Augustinus, Münster 1922 (= Mlf[ 11;, hrrrrtl, Ziirich l9l2 ( Kl) I/l); K. ll.rhncr, l)cr drcifrlrigc (iott rls lriurszcn(lcr)(cr [Jrgnrnd tlcr
Nachdruck tnit cincnr N,rchtreg untl l.itcraturcrgänzungen des Verfassers, Münster 1967/69. lltilsgcselrirlrrt': llt'\',tl ) (196/) S. ll7 .l0l;(1. M. l..rougrr.r, (ir,,/ for llt. l'ht liirtitl, art,l
IJ (lh,rr.rlitcristisclr t'twr M. (lt.tlrrrr.rrrn, I)cr kritischc Rcalisnrus ()swald Kiilpcs und tlcr Sterxl ( llu\!t.nt /r/r', S.rrr Iir.rrr,is,(' l()(rl, S. lil l0'); (1. lr (;rurr')n, lltr'()ttr', tltr'l'lttct ,rtr,t tlt,'
I'u,,l,t,l,l .rtistottlirtlr srlr,rl.rstisrIr,n l'lri[,sr,Plrit: l'ltl )() (1916) S. ]11 ]69. ,4/,rr),, ( ,rrrrl,r rrl1lr' l')') I
18 Roland Kany Typen und Tendenzen der De Trinitate-Forschung seit F. Chr. Baur 19

göttlichem und menschlichem §7ort. So kommt nun auch endlich die Gene- IV. Die platonisierende Interpretation
se von Augustins Denken in den Blick. Augustins verschiedene Schriften
werden nicht mehr bunt durcheinandergewürfelt. Schindlers Arbeit gehört Mit der Frage nach der Rolle des Platonismus für Augustins Trinitätslehre
in einem doppelten Sinne dem hermeneutischen Typus zu: in einem allge- rührt man unmittelbar an eine mindestens tendenzielle Differenz von Ka-
meinen Sinn des §(/ortes, weil sie mit den Methoden einer versrehenden Phi- tholiken und Protestanten. Denn die neuzeitlichen Debatten um den ,,plato-
lologie vorgeht, und in einem speziellen Sinne, insofern sie sich einem mit nisme des pöres de l'6glise" und die ,,Hellenisierung des Christentums" han-
dem Namen von Gerhard Ebeling verbundenen, ausdrücklich ,,hermeneu- deln letztlich vom Verhältnis von Glauben und 'ü/issen, Theologie und
tisch" genannten Selbstverständnis von Theologie verpflichtet weiß, genauer Philosophie, Gnade und Natur.
einer bestimmten ,,Theologie des rWortes". Schindler behauptet die lJntrenn- Die philosophisch interessantesten Teile von De Trinitate, also insbeson-
barkeit von Gott und W'ort und ist davon überzeugt, daß Sprache srark ver- dere die Reflexionen zum Selbstbewußtsein in den Büchern IX, X und XIV,
knüpft sei mit der Wahrheitserkenntnis. Schindlers Grundfrage lautet, ob scheinen deutlich in den Kontext neuplatonischer Diskussionen zu gehören.
Augustins De Trinitate eine solche Theologie des §Tortes srützen könne - die \X/illy Theiler schloß eine Analyse dieser Bücher mit dem Satz: ,,Die psycho-
Antwort fällt weitgehend negativ aus. Denn letztlich gelange Augustinus so- logische Trinitätslehre des hl. Augustin zeigt sich so auch als Ableger por-
gar mit seiner Lehre vom inneren \üort über bloße Analogien nicht hinaus. phyrischen Denkens." re Joachim Ritter dagegen analysierte die gleichen Pas-
,,Es bleibt trotz allem dabei, daß die Trinität die ,res' isr und das Bild eine sagen ganz von Plotin her, hierin eher Paul Henry folgend.2o Jean P6pin hat
Analogie ,in re alia'."17 §flarum das §7ort Fleisch werde, bleibe unerklärt, das dann genaue Parallelenstellen zu Augustins Analyse der Selbsterkenntnis so-
einzig wirklich Existentielle, was De Trinitate leiste, sei die exercitatio men- wohl bei Plotin als auch bei Porphyrios nachgewiesen, zudem in Porphyrios'
rls des Lesers. Gedanken über die Leib-Seele-Einheit die Vorlage für Augustins Konzept
Mir scheint, daß es relativ wenig Auseinandersetzung mit den Augusti- der ,,unvermischten Einheit" .von mens, notitia, amor eotdeckt.2l Für Ed-
nuskritiken Schindlers gegeben hat, und manche der neuesten, positiver ur- ward Booth bedeutet De Trinitate vor allem eine Kritik des Neuplatonismus:
teilenden De Trinitate-Literatur dahinter ohne Begründung zurückfäIlt. während der Neuplatonismus die aus Aristoteles angeeignete vöqorg voiloc-
§7orin die hermeneutische Methode des Buches aber Nachfolge gefunden og-Struktur zu einem kosmologischen Prinzip erhebe, benutze Augustinus
hat, ist die Einsicht, daß man Struktur und Argumentationsfolgen von De diese Struktvr zlrr Beschreibung menschlicher Subjektivität und löse damit
Trinitate zum Schlüssel der Interpretation machen kann. Mehrere Autoren auch §Tidersprüche in der aristotelischen Theorie.22
haben seither versucht, Makrostrukturen sei es des gesamten Textes, sei es Das Kernthema der Diskussion um ein platonisierendes Verständnis von
mehrerer zusammenhängender Bücher, aufzudecken - etwa Ayres, Brach- De Trinitate wird deutlich in dem großen Buch von Olivier du Roy über die
tendorf, Cavadini, Crouse, Hill und Rowan \üilliams, die in inhaltlicher Genese von Augustins Trinitätslehre bis zum Jahre 391, in dem De Trinitate
Hinsicht zugleich anderen Deutungstypen zuneigen.ls Im weiten Sinne zur nur anhangsweise behandelt wird.23 Du Roy vertritt die These, daß Augusti-
hermeneutischen Methode gehören natürlich noch viele neuere Studien zu nus die Grundstruktur seines trinitarischen Denkens aus dem Neuplatonis-
zahlreichen Aspekten von De Trinitate. mus entnommen habe und sie erst nachträglich mit der christlichen Tri-
" A^9.[*rdl"r, Wort und. Analogie in Augustins Trinitätslehre, Tübingen 1965 (= HUTh 4),
s. 227. 1e V. Theiler, Porpbyrios und Augustin, Halle 1933 (= SKG.G 1933, 10), S. 52; erneut in V. Th.,
r8 L. Ayres, The Christological Context of Augustine's De trinitate XIII: Toward Relocating
Forscbungen zum NeupLatonimus,Berlin 1966 (= QSGP 10), S. 160-251, hter 224.
Books VIII-XV AugSt 29 (1 998) S. 1,11-139; J. Cavadini, The Structure and Intention of Au- 2c
J. Ritter, Mwndws intelligibilrs. Eine Untersuchung zur Aufnabme und Umztandlung der neu-
gustine's De trinitate: AugSt 23 (1992) S. 103-123; R. D. Crouse, St. Augustine's De Trinitate: platonischen Ontologie bei Augwstinus, Frankfurt 1937 (= PhA 6),5. 1,12-1,21; vgl. P. Henry,
Philosophical Method: StPatr 16 (1985) (= TU 129) S. 501-510; E. Hill, St Augustine's De Tri- Plotin et l'Occident. Firmicus Maternus, Marius Victorinus, Saint Augustin et Macvobe,Lou-
nitate. The Doctrinal Significance of its Structure : REAug 19 (1973) S. 277-286; ders., Intro, vain 1934 (= SSL Etudes 15).
duction: The Worhs of Saint Augwstine, Part I, Vol. 5: The Trinity, Brooklyn, NY 1991, 2r
J. P6pin, ,Ex Platonicorum persona". Etudes su, les lectures pbilosophiqwes de saint Awgustin,
S. 18-59; R. \X/illiams, Sapientia and the Trinity. Reflections on the De trinitate Awg(L) 40 Anrstcrdam 1977, S. XXX-XXXVII; 783-267.
(1990) (= Collectanea Augustiniana. M6langes T. J. van Bavel, Bd. 1) 5.317-332; The Parado- r2 E. Booth St. Augustine's ,,notitia sui" Related to Aristotle and the Early Neo-Platonists:
xes of Self-Knowledge in the De trinitate: J. T. Lienhard/E. C. Muller/R. J. Tcskc (Hgg.), Aug(1.)27(1977)5.70 l32tt.164-401;28(1978)S. l81 221129(1979)5.97 124;SaintAugu
Collectanea Augustiniana. Augustine , l'resbytcr FactwsSum, Ncw York rr. a. 1993, S. 121-114. stittt'dnd tltt Wtston Traditiorr ol St'll Knttu,ing, Villenove l9li9 (= Thc S;rint Augustinc l-cc-
Ich clarf hicr auc[r cincrr cigcrrcn Vcrsuch crwiilrncn, wcrrrrgltich ich ihn rnittlcrwcilc für rc trrrc I()li6); rrrt,l wcitt'rt Arlrcitor tlc.ttllrt,t Aulols.
visi,,rrs[rcdiir ltig lr.rltc: /')r/r'r (t)nt(»nn nt(\ itrrtirtttt: ( )rr ( ]t r rrirr l'ositiorrs ( )pposul lry Au1,,tr 'r (). l)rr ll,,t, l'trrttllrtrtr,,' ,lt l,t lt)t tn l,t lltrtrtltlr»r \,utrl /1utu\tn!. ()ori st lt st tltiolotir
stirrcirr /)r"lltttrl,ttr':\'tl'.rtt -t/ (|()'i)t) \. l.).) l.)lj l)nttt,u)t lt\tln ttl l')/, l'.rrrs l',1(,(,( l'Arr1i).
20 Roland Kany Typen und Tendenzen der De Trinitate-Forschung seit F. Chr. Baur 21

nitätslehre identifiziert habe. Daraus erwachse eine noch in De Trinitate vor- und nahmen Augustinus gegen die zu Topoi erstarrten Kritiken des zwanztg'
handene Spannung aus philosophischer tiadik und christlicher Geschicht- sten Jahrhunderts in Schutz.2e Arnold etwa will zeigen, daß für Augustinus
serfahrung. Goulven Madec und andere haben dagegen argumentiert, Augus- das Gesandtwerden einer göttlichen Person stets die Vermittlung der Kennt-
tinus habe eine christliche Transformation platonischer und ciceronianischer nis ihrer immanenten Hervorgänge sei und heilsökonomische Bedeutung ha-
Begriffe und Denkgewohnheiten vollzogen. Platonismus und Christentum be, insofern sie den Menschen die contemplatio dei vermittle und ihnen damit
seien bei Augustinus daher nicht in eine Sequenz zu zerlegen, die dann eine ermögliche, in ihrer Seele die Analogien zur göttlichen Trinität zu entdecken.
bestimmte D efizienz gezeiti gt habe.2a Arnold vermutet, daß diese augustinische Perspektive kaum rezipiert worden
Übrigens wurde in der Forschung wiederholt daran erinnert, daß der sei, weil man sich meist nur an den Schwerpunkt von De Trinitate gehalten
Neuplatonismus nicht Augustins einziger philosophischer Hintergrund ist. habe, der auf der immanenten Trinität liege.
So hat etwa Schindler inmitten der von der Porphyrios- und Plotinforschung Nach Studer nähert sich Augustinus der Auffassung, die Oikonomia offen-
so stark beanspruchten Passagen von De Trinitate X eine enge Verwandt- bare die Theologia. Studer will die soteriologische, biblische Sichtweise Au-
schaft zu Formulierungen Ciceros im ersten Buch der Tuskulanen über gustins wiedergewinnen, die er für spirituell fruchtbarer hält als die im latei-
Selbsterkenntnis entdeckt.25 nischen lWesten weitaus stärker rezipierten augustinischen Eigenarten wie die
Relationslehre und die Vergleiche mit dem Innern des geistigen Menschen.
Vährend sich abzeichnet, daß der soteriologische Deutungstyp in dieser
gemäßigten Fassung den neuscholastischen Typus als konsensfähige Stan-
V. Der soteriologische Deutungstyp dardaufassung innerhalb der Theologie ablösen wird, ist vereinzelt auch ver-
sucht worden, das traditionelle Augustinusbild geradewegs umzukehren: Sa-
Mit dem Vorwurf eines mangelnden heilsökonomischen Interesses, den rah Heaner Lancaster zufolge gilt schon für Augustinus Rahners Axiom, die
Rahner, der späte Schmaus, du Roy und andere gegen die angeblich ,,psycho- ökonomische Trinität sei die immanente und umgekehrt.3o Hier dürfte wohl
logische",,,essentialistische", einheitstrunkene Trinitätslehre Augustins erho- Übertreibung am'§Verk sein.
ben, war die katholische Theologie in der Mitte der sechziger Jahre ungefähr
da angelangt, wo Harnack schon zu Anfang des Jahrhunderts gestanden hat-
te: ,,Diese Speculation, welche die immanenteste unter den immanenten Tri-
nitäten zu construiren und die Dreiheit zur Einheit zu sublimiren versuchr,
VI. Der noologische Deutungstyp
entfernt sich eben damit von jeder geschichtlich-religiösen Grundlage und
Eine Reihe von Autoren mit meist ausgeprägt philosophischer Ausrichtung
verliert sich in paradoxen Distinctionen und Speculationen".26 Die Augusti-
liest die trinitarischen Geist-Analysen der letzten Bücher von De Trinitate
nus-Interpretation, die solchen Kritiken zugrundeliegt, wurde seit Mitte der
vor allem von der Theorie des Selbstbewußtseins in den Büchern IX und X
sechziger Jahre zunehmend infragegestellt. Emile Bailleux betonte seit 1966
her. Diesen auf Augustins Begriff der mens, des votg, konzentrierten Deu-
die Soteriologie Augustins in De Trinitate,2T vom gleichen Jahr an argumen-
tungstyp nenne ich ,,noologisch". Hintergrund ist wohl häufig eine in den
tierte auch Frangois Bourassa wiederholt für eine ,,hei1sökonomische" Deu-
vergangenen zwanzigJahren in vielen Teilen der §üelt vertiefte philosophi-
tung der augustinischen Trinitätslehre.28 Andere, vor allem Jacobus Verhees,
sche Beschäftigung mit den Themen Subjektivität und Selbstbewußtsein.
Edmund Hill, Johannes Arnold und Basil Studer vertieften diese Sichtweise
Die erste Gruppe solcher Arbeiten kreist nicht primär um die Frage, ob
und wie Augustins Geistanalysen eine Erkenntnis der göttlichen Trinität dar-
2a G. Madec, Notes sur l'intelligence augustinienne de la foi: REAug 17 (1971) S. 119-142 (auch
zu Gh. Lafont, Peut-on connaitre Diew en Jdsus-Christ? Problömatique,Paris 1969, der sei- 2e God in beuteging. Een onderzoeb naar d.e pneumatologie ,,.tan Augustinus, §Tagenin-
J. J. Verhees,
nerseits auf du Roy eingeht); A. Solignac, Rez. zu du Roy: ,4rPä NS 31 (1968) S. 489-494. gen 1968 (Proefschrift Nijmegen 1968); E. Hitl, Karl Rahner's ,,Remarks on the Dogmatic Treati-
25 A. Schindler, (wie A. 1Z),5.246-249. se L)e Trinitate' and St. Augustin e: AugSt 2 (1971) S. 67-80; J. Arnold, Begriff und heilsökonomi-
26 A. v. Harnack, Lehrbuch der Dogmengescbicbte,Bd.2, Tübingen 1909, S. 306. schc Ilcdcutung dcr göttlichcn Sendungen in Augustinus' De Trinitate: RechAug 25 (1 991 ) S. l-69;
27 E. Bailleux, La sot6riologie de saint Augustin dans le,,De Trinitate": MSR 23 (1966) B. Sttrdcr {alltc dic Scric scincr Publikationcn vorl:iufig zusrmmcn in dcr Saint Augustine Lecture
S. 149-173;Histoiredusalutetfoi trinitairechezsaintAugustin: RTbomT5(1975) S.533-561; 1996:llistoryrntl IrrithinAugusrirrc'sl)cTrirritetc: At5i.\tud2s(1997)S.7-50;dcrs., Mysterium
und weitere Arbeitcn desselben Autors. (trit,tti\. \tudit'rr zut lirtrrsr unl zur'li.ittit,itsltltrt in dtr Altot l(irrlrr, I{orn 1999 (,. StArrs 127).
r8 F. Bourassa, Sur le Trait6 de la Trinit6: Gr.47 (1966) S.254-285; Thdologic trinitairc chrz srinl t'r S. I lt.rrcr I .rrrt.rsttr.'l'lrrct l'r'rsorrt,l Sul)sl.ln(c; l'lrc l(cl.rtiorr.rl lisscttrt ,,l tlrr"liirrrrc (irxl in
Atrgtrstin: Or.58(1977)5.675 718:59 (1978) S..j/5-412; unrl wcitcrc Arbcitor.lt'ssellrcrr ALrr,,r'. Attl',u:ltttr"s l)r''liirrit.rtr': ll,r'ttt ('O (l')')(')S l-)t I t9
22 Roland Kany Typen und Tendenzen der De Trinitate-Forschung seit F. Chr. Baur 23

stellen. Vielmehr interessiert hier, welche Theorie von menschlichem Geist, VII. Philologische Arbeit an De Trinitate
menschlichem Selbstbewußtsein, menschlicher Selbsterkennrnis aus De Tri-
nitate spricht, was sich etwa für die Frage der Realität und Substanzialität des Nur sehr knapp gehe ich hier auf philologische Arbeiten zuText, Chronolo-
Geistes daraus ergibt, welche Anthropologie, welche Leib-Seele-Relation, gie und Quellenforschung ein, so wichtig sie sind.
welche Phänomenologie menschlicher Bezogenheit sich daraus ergibt. In Die 1968 im Corpws Cbristianorwrn erschienene Ausgabe yon De Trinitate
diesen Themen läßt sich De Trinitate offenbar nach wie vor als aktuelles, kei- erschloß Neuland, ist aber textkritisch unbefriedigend3r - Hill ist in seiner
neswegs nur historisch aufschlußreiches §7erk interpretieren * ich denke et- Üb..r.tzr.rg mit Recht oft zum Maurinertext zurückgekehrt.3a Der Quel-
wa an die Bücher von Salvino Biolo, Gerard O'Daly, Ludger Hölscher und lenapparat ist teils lückenhaft, teils mit Überflüssigem befrachtet.
Klaus Bort oder Passagen aus Rists Augustinusbuch.sl Die chronologische Forschung ist neuerdings durch die Funde von Divjak
Die zweite Gruppe von Autoren des noologischen Typs will dagegen den und Dolbeau und die Erforschung der Traktate zum Johannesevangelium in Be-
W'eg Augustins von der Analyse des menschlichen Geistes zur Trinitätslehre wegung gekommen.3s Die Untersuchungen zur Entstehungsgeschichte yon De
nachvollziehen oder prüfen. So haben in den vergangenen Jahren Booth, \7il- Trinitate von Anne-Marie LaBonnardiöre sind dadurch in manchem überholt.36
liams, Ayres und Brachtendorf Studien publiziert, die zwar zu unrerschiedlichen Augustinus dürfte nicht erst um 404, sondern schon einige Jahre früher mit der
Ergebnissen gelangen, aber alle auf dem Hintergrund eines modernen Textver- Arbeit an De Trinitafe begonnen haben. Bestätigt hat sich dagegen LaBonnar-
ständnisses die Logik des augustinischen Gedankenganges von der Geschichts- diöres damals bahnbrechende Spätdatierung des Abschlusses von De Trinitate
erfahrung des Geistes über seine Selbstreflexion zur trinitarischen Gotteser- zwischen 421und 426.'§fichtig ist das u.a. deshalb, weil Augustinus demnach
kenntnis rekonstruieren wollen.l2 Rowan \X/illiams etwa betrachtet De Trinitate in der letzten Phase der Arbeit an De Trinitate bereits den 419 von ihm kritisch
als ausbalancierte Alternative zu neuen ,,pluralistischen" Konzeptionen der Tri- analysierten Sermo Arrianorum, ein homöisches Manifest, gekannt hat.
nität als interaktivem Drama. Nicht eine Selbstbezogenheit des Menschengeistes Damit bin ich bereits bei der Quellenkritik. Gerade Augustins Umgang
sei für Augustinus Bild Gottes und auch nicht die Fähigkeiten oder Kräfte der mit dem sogenannten Arianismus, d.h. den verschiedenen nichtnizänischen
Seele; sondern der Geist sei dann Bild Gottes, wenn alle drei Momente geistiger Theologien des vierten und beginnenden fünften Jahrhunderts, ist lange ein
Aktivität sich auf Gott beziehen und der Geist des Menschen Gottes Handeln Stiefkind der Forschung gewesen und kommt erst in jüngster Zeit richtig in
und Selbstmitteilen empfange und aufnehme. Der Gotr, dessen Bild der Geist Gang. So hat etwa Michel Barnes überraschend darzutun versucht, das fünf-
dann sei, wolle sein Leben mitteilen, sei selbst nicht monistisch und individuali- te Buch .von De Trinitate richte sich gar nicht gegen die Eunomianer, wie
stisch. Im Hl. Geist als der Liebe von Vater und Sohn komme der Prozeß der meist angenommen wird, sondern gegen lateinische Homöer.l7
Liebe so zur Vollendung, daß ein Handeln ad extra möglich werde.
'üas Augustins Kenntnisse der griechischen Theologie angeht, so haben
Andere Arbeiten des noologischen Typs interpretieren die Argumenre an- die präzisen Forschungen von Pierre Courcelle und Berthold Altaner aus
ders. Ich resümiere sie hier nicht, weil sie ein Hauptthema mehrerer folgen- den vierziger und fünfziger Jahren seither nur wenig Zuwachs erfahren.3s
der Beiträge sind.
l3 Sancti Aurelii Augustini De trinitate libri XV, cura et studio \M J. Mountain, auxiliante Fr.
Glorie, 2 Bde., Turnhout 1968 (= CChr.SL 50/50 A).
x SSrolo, tz coscienza nel ,,De Trinitate" di S. Agostino,Rom 1969 (= AnGr 172); Coscienza e The li(orks of Saint Augustine 1-5: The Trinity,Brooklyn 1991; vgl. E. Hill, The De Trinitate:
conoscenza di sd in s. Agostino: Interioritä e intenzionalitä nel ,,De cbitate Dei* di Sant'Ago- Annotations on the Text of the Latest Edition: AugStud 3 (1972) S. 1*14.
stino,hg. von Remo Piccolomini, Rom 1991 (= SEAug 35), S. 75*36; G. O'Daly, Awgustine's Oeuztres de Saint Awgwstin 46 n: Lettres l:t -29:r. Nouvelle 6dition du texte critique er inrro-
Philosopby of Mind, London 1987 L. Hölscher, The Reality of the Mind. Augustine's Pbiloso- duction par Johannes Diviak, Paris 1982 (= BAug 46 u); Augustin d'Hippone, Vingt-six ser-
phical Arguments for tbe Human Soul as a Spiritual Substance, London/New York 1986 mons au 2euple d'Afrique, retrouv6s ä Mayence,6dit6s et comment6s par F. Dolbeau, Paris
(Ubers.: Die Realität des Geistes, Heidelberg 1999);K.Bort, Personalität und Selbstbeu,uflt- 1996(=EAug 147)tOeuttresdeSaintAugustinTl-74 s:Hom6liessurl'6vangiledeSaintJean.
sein. GrundLagen einer Pbänomenologie der Bezogenheit,Tibingen 1993 (Tübingcr Phäno- Traduction, introduction et notcs par M.-F. Berrouard, Paris 1969-98 (= BAug 71-74 B).
menologische Bibliothek); J. M. Rist, Awgustine. Ancient Tbowght Baptized, Cambridge 1994. tar
A.-M. La Bonnardiöre, Recberches de chronologie augustinienne, Paris 1965 (= EAud.
12 E. Booth, (wie A. 22); W'illiams, (wie A. 18); L. Ayres, The Discipline
of Self-Knowledge in 17
M. R. Barnes, The Arians of Book V, and thc Gcnrc of De Trinitate: /7äS NS 44 (1993)
Augustine's De trinitate Book X: Ders., (Hg.), Tbe Passionate Intellect. Essays on tlte Trans- s. 185 195.
l8 P. (lrrrrrccllc, Lcs lcttrcs grc«lu(:s cn Otcidcnt, Paris r1948 (- BFIITAR 159), S. 137-209; B. Al-
formation of Claxical Traditions Presenterl to Professor I. G. Kidd, New Brunswick, N.J.
1995, S. 261-296; J. Brachtencl <tr{, ...prius csse cogitare quam crcdcre. A Natural lJnderstan t;tncr, Kltitt'ptrtristist.hr ,\cbrif tt'n. hg. vorr (). (ikrclln;urn, Ilcrlin l962 (- TU tll), S. l8l 331;
ding of ,,Trinitv" in St. Augustirrt.?:,4rr,lt 29 (l99rl) S. 199 209; rlcrs., I)ic Struktur tlcs (;. I, M. li.rrttlirrk, l)ic liccirrllrrssrrrrg Auguslirrs <lrrrch tlic gricchischcrr l'.rtrcs:,4rtrrrlrrr,ur,r
Itrcrrs.-ltlit-lrcrr Ot islcs rt.relt A rrgrrsl irrrrs. St llrst r cl lt xiorr trrr,l ll kr.nrrtrris ( loilr.s in ,,1 )c 'li-irrir.r lr,lrttlnr,r, torrrrrrrrrrit.ttror)\ l)r(:s(nl(i(s.ru (.ollorlut lrlcrrr.rlr,,n.tl rl'lJtrt,lrt ll l,l rtovctttlrrt'
t t ", I I.rrrrlrrrr l')S(', r'rlrtcls l,.rr I ,1,,, It,,r'lr , r I r,.ur ( ),'rl, l'.rrrs l'/t,/, S ') .).1.
1,, 2000 l'.rr.rrlcilirrr.rt,r l')).
(
24 Roland Kany Typen und Tendenzen der De Trinitate-Forschung seit F. Chr. Baur 25

Das Ergebnis f;jr De Trinitate fällt recht mager aus: Benutzr hat Augustinus, zeigte, daß sich die Trinitätslehre des Aquinaten in dem Maße perfektionier-
fast immer in lateinischen Übersetzungen, ein wenig Origenes, ein wenig Ba- te, in dem er Augustins De Trinitate las,a3 Burkhard Mojsisch verglich Die-
silius und Didymus, ziemlich sicher zwei der theologischen Reden des Gre- trich von Freiberg und Thomas von Aquin in ihrer Rezeption der augustini-
gor von Nazianz und lateinische Pseudo-Athanasiana. schen mens-Konzeption,aa und Luise Abramowski demonstrierte an
Für die lateinischen Väter ist die Forschungslage sogar noch ungünstiger.se Grundbegriffen der Trinitätslehre, wie krumm die Pfade der Entwicklung
Noch immer weiß man wenig über Augustins Kenntnis und Verarbeitung vom vierten Jahrhundert über Augustinus bis Thomas verlaufen sind.a5 Die
der trinitätstheologischen Traktate von Tertullian, Novatian, Hilarius und zukünftige De Trinitate-Forschung wird aus der Erschließung der mittelal-
letztlich auch Ambrosius. Am meisten Forschungsarbeiten gibt es zu Marius terlichen Auseinandersetzung mit Augustinus wichtige Anregungen und
Victorinus, den man früher gerne als den großen Anreger für Augustins Tri- neue Perspektiven gewinnen können.
nitätslehre betrachtete. Aber der gründlichste Forscher auf diesem Gebiet, In den Ostkirchen gilt De Trinitate oft als Gründungsurkunde einer unse-
Pierre Hadot, ist sehr skeptisch, ob Augustinus die trinitätstheologischen ligen Lehre, über der Ost und lWest sich trennten. Entsprechend gibt es zahl-
Schriften des Victoriners überhaupt gekannt habe.ao Übereinstimmungen reiche Studien zu De Trinitate, die etwa erforschen, inwiefern sich die filio-
könnten auf die von Marius Victorinus übersetzten gemeinsamen Gewährs- qwe-Theoloeie auf Augustinus stützen kann, ob seine Pneumatologie auch
leute Plotin und vor allem Porphyrios zurückzuführen sein. Diese Möglich- ostkirchlich akzeptabel sein könnte usw.46 Besonders interessant sind natür-
keit scheint mir auch nach Ciprianis detaillierter Argumentation noch zube- lich Außerungen von ostkirchlicher Seite. Sichtet man die Forschungslitera-
stehen, derzufolge Augustinus schon in seinen Frühschriften eine Kenntnis tur, so stößt man auf eine überschaubare, aber doch überraschend große Zahl
von Marius' Ad.versus Ariwm verrate.4l von mitunter wirklich bemerkenswerten, differenzierten Auseinanderset-
zungen vor allem griechischer, russischer und rumänischer orthodoxer Theo-
logen mit Augustins De TrinitateaT und auch auf einige erhellende
byzantinistische Forschungen. So ist 1995 in Athen endlich die editio prin-
\/III. D er rezeptionsgeschichtliche Forschungstyp ceps der vollständigen De Trinitare-Übersetzung von Maximos Planudes ins
byzantinische Griechisch erschienen.a8 Planudes hat sie im dreizehnten Jahr-
De Trinitate ist in den Kirchen des Ostens kaum gelesen worden, hat aber ei- hundert möglicherweise im Dienste von lJnionsbestrebungen des byzantini-
nen überwältigenden Einfluß auf die gesamte seitherige Trinitätstheologie schen Kaisers, aber auch aus Liebe zur lateinischen Sprache und Literatur
des westlichen Christentums ausgeübt, am meisten im Früh- und Hochmit- verfaßt. Früher ist ihre §flirkungsgeschichte für minimal gehalten worden,
telalter. doch mehren sich Hinweise auf eine stärkere anonyme Rezeption in By-
Ein beträchtlicher Teil der Forschung zum lateinischen Mittelalter enthält zanz.49
mehr oder minder detaillierte Vergleiche mit Augustins De Trinitate.
'§7ährend
die frühere Forschung sich von dem fragwürdigen neuscholasti- ar D. Merriell, To the Image of tbe Trinity. A Stwdy in the Deoelopment of Aquinas' Teaching,
J.
schen De Trinitate-Yerständnis leiten ließ, erschienen seit den fünfziger Jah- Toronto 1990 (= STPIMS 96)
aa B. Mojsisch, Augustins Theorie d,er mens bei Thomas von Aquin und Dietrich von Freiberg
ren zunehmend differenzierte Vergleiche, die oft auch halfen, den scholasti- -
zu einer ordensinternen Kontroverse im MitteIalter: Traditio Augustiniana. Studien über Au-
schen Firnis zu entfernen, der das Augustinusbild verdunkelt hatte, etwa die gustinus und seine Rezeption [FS \filligis Eckermann], hg. von A. Zumkeller/A. Krümmel,
'§üürzburg 1994,5.193-202; und weitere Arbeiten desselben Autors.
Arbeiten von Henri Paissac und Andr6 Malet zu Thomas und Augustinus.a2
as L. Abramowski, Zur Trinitätslehre des Thomas von Aquin: ZTbK 92 (1995) S. 466-480; vgl.
I)ie Augustinus-Rezeption wird neuerdings viel exakter analysiert: Merriell
dies., Der Geist als ,,Band" zwischen Vater und Sohn - ein Theologoumenon der Eusebianer?:
zNW 87 (1ee6) S. 126-132
a6 Nur ein Beispiel: Y.M.-J.Congar,/ecrois en l'Esprit Saint,Bd.3, Paris 1980, S. 116-134.
1! A. A. R. Bastiacnscn, Augustin et ses pr6d6cesseurs latins chr6tiens: Augastiniana traiectina, a7 Die wohl bedeutendste dieser Arbeiten ist P. Vere!öackij, Plotin i Blaäennyj Avgustin v ich ot-
rr. r. ()., S. 25-57. ndeni.j k trinitarnoi probleme: Praz,Sob, Juli/August 1911, S. 171*1971' September 1911,
rr ll I Iedot, ,l4dtius Vittorinus. Rt'L:hcrchcs sur sd aic ct scs oeutres, Paris 1969 (= EAug), s.305-128.
S. 201t 210: urrrl irr wcilt'rt'rr I)rrblik,rtiorrcn. r8 ,{iryorrrr(vorr IIrEri'I'pr(röoq lttllyi(t rrvrrx«riörxu ällp ix riiq Atrrivr'rv öLu},6xtorr eiq rtv
It p. {.i1rri,rrri, l.c lorrticrrsti.rrrc tlcll.r tlottrirr.r trirrit,rri,r rrr'i prirrri dirkrghi tli S. Agostino:,4rzg. '1.),),riörr lrtrilvlyxl Mr'r§t1roq ir II)"rrvo(rörl(, letcinisch gricchische Ausgrbc, hg. rrnrl cirrgclcitct
r,l(1,),),1)s.l5l lll vorr M. l).rp,rllronr,rptrlrrs, l.'l's.rb.rrc, (i. l{igotri,2 lirlr., Atlrcrr 1995 ( 'Axrrör11ri,tr'A(h1vr,rv.
'Irryrrtlrtr rt t,rrtrt I ltortt,rr, I'.rr is I')51; A- Mrrlt t, /)r'rrol Itrli),ro(ligxrl'A l\4rrurirotl t).
rlr. \,trtrt I ltrtttt,tt rl'.'lryrtrr, l',rr rs I')5(,. r" Vlil ,l.rzrr rrrcrrrc llcrl,rr',lrrr"1i,l,r lt,litr,,rr ir lty/'t-t 1l'.)()'))S. 150 15,)
26 Roland Kanv Typen und Tendenzen der De Trinitate-Forschung seit F. Chr. Baur 27

IX. \fleitere Typen imago und similitwdo. Könnte man die Ansätze so verbinden, daß man allen
Büchern gerecht wird? Vill Augustinus die Bücher I-VII vielleicht zu einem
Mit den besprochenen acht Typen ist die Forschungslirerarur natürlich bei negativen Ergebnis führen und damit die Notwendigkeit des spekulativen
weitem nicht vollständig erfaßt. Man könnte erwa von einem ,,voluntaristi- Aufstiegs der Bücher VIII-XV begründen?
schen" Deutungstyp sprechen, wie ihn Ernst Benz und in je eigener Y/eise b) Man könnte meinen, wenn die soteriologische Lesart von De Trinitate
Albrecht Dihle und Charles Kahn wegen des Willensbegriffs in De Trinitate Augustinus näher an die Trinitätstheologie der Griechen des vierten Jahr-
entwickelt haben.so Oder man könnte Arbeiten, die von der Bedeutung der hunderts rücke, dann könne sie Augustinus den Ostkirchen näher bringen.
Zetchen oder der oerbum-Lehre in De Trinitate aus das Werk deuten,51 als Aber haben nicht im Gegenteil ostkirchliche Theologen von jeher Augusti-
,,semiologischen" Deutungstyp zusammenfassen usw. §(/eitgehend außer nus und der Trinitätstheologie des \flestens vorgeworfen, die ökonomische
acht blieb in dieser Retrospektive auch die Literatur über Augustins Tri- und die immanente Trinität gerade nicht scharf genug zu trennen? Dahinter
nitätslehre außerhalb von De Trinitate, etwa zu seinen Frühschriften und stand natürlich die Frage, ob Augustinus berechtigt war, aus der Sendung des
Predigten. - Mein Forschungsbericht bricht also an dieser Stelle eher ab, als Geistes durch den erhöhten Herrn darauf zu schließen, daß der Geist inner-
daß er zuende wäre. göttlich ebenfalls auch vom Sohn - filioqwe - hervorgehe. Und wahrschein-
lich hat dies mit einer im Osten wohl häufiger als im.§7'esten begegnenden
Neigung zs einer apophatischen Gotteslehre zLt tun, die im Grunde Gott,
wie er in sich ist, zu einem schlechthin Jenseitigen aller Erkenntnis machen
X. Fragen und Paradoxa will.s2 Dorothea §flendebourg hat ausgerechnet bei dem Theologen des vier-
zehnten Jahrhunderts, dessen Denken heutige ostkirchliche Erwägung en zur
Abschließend möchte ich auf ein paar Probleme und paradoxe Konstellatio- Trinitätstheologie wohl am nachhaltigsten prägt, bei Gregor Palamas näm-
nen der De Trinitate-Forschung hinweisen, die sich ergeben, vrenn man ver- Iich, eine heilsökonomische Funktionslosigkeit des Hl. Geistes und der
schiedene Typen und Tendenzen miteinander kommunizieren läßt. Trinität überhaupt diagnostiziert.s3 Ist die Diagnose richtig, so müßte ein tra-
a) Die soteriologische Deutung wendet sich gegen die Tendenz der ideali- ditionell neuscholastisch gedeuteter Augustinus den Ostkirchen seelenver-
stischen wie der neuscholastischen Konzeptionen, Augustins Trinitätslehre wandter erscheinen als der moderne ,,soteriologische" Augustinus.
'§7enn
quasi als Theorie der Binnendifferenzierung eines göttlichen Subjekts zu le- sich die Fronten derart paradox umkehren lassen, dann ist der Rich-
sen und betont demgegenüber Augustins Ausgehen von den Personen und tungsanzeiger defekt. Sein Versagen beruht sehr wahrscheinlich auf allzuvie-
der biblischen Heilsgeschichte. Der noologische Typus dagegen könnte we- len irreführenden dualen Oppositionen:,,philosophisch-platonisch persws
gen des Interesses am Thema Selbstbewußtsein ein wenig zum idealistischen heilsgeschichtlich", ,,statisch versus dynamisch", ,,theologisch aersus oiko-
De Trinitate-Bild tendieren. Könnte der Eindruck zutreffen, daß die Sote- nomisch", ,,essentialistisch ztersws personalistisch", ,,von der Einheit ausge-
riologen vor allem De Trinitate I-IV und etwa XIII im Blick haben, die hend oersus von der Person ausgehend", ,,modalistisch oersws subordinatia-
Noologen dagegen vor allem IX/X und vielleicht XIV? Im Buch XV treffen nisch" usw. Vielleicht benennen alle oder fast alle dieser Paare falsche
sich alle wieder, aber mit unterschiedlichen Deutungen des Verhältnisses von Alternativen. Fatal werden sie besonders, wenn man sie kumuliert, so als
gehörten etwa in die ,,westliche" Richtung: ,,neuplatonisch, statisch, essen-
5c
tialistisch" usw., in die ,,ostkirchliche" Richtung dagegen: ,,heilsgeschicht-
E. Benz, Marius Victorinws und die Enrutick.lung der abendländischen Willensmetaphysik,
Stuttgart 1932 (= FKGG l); A. Dihle, The Tbeory of Will in Classical Antiqulry, Berkeley u. a. lich, dynamisch, personalistisch" usf. Die gegenwärtige Debatte um die Tri-
1982 (= §21hs1 Classical Lectures 48) (dcutsche Kurzfassung Die Vorstellung vom Willen in der nitätstheologie des vierten Jahrhunderts, besonders um den Begriff des
Antike, Göttingen 1985); Ch. Kahn, Discovering the \Will: From Aristotle to Augustine: J. M. Neunizänismus,sa könnte dazu beitragen, einen funktionstüchtigeren Kom-
Dillon/A. A. Long (Hg.),The Question of ,,Eclecticim". Studies in Later Greek Philosophy,
Berkeley u. a. 1988, 5.234-259. paß zu bauen.
5r Beispielsweisc R. A. Markus, St. Augustine on Signs: ders. (Hg.), Augusti.ne. A Collection of
Critical Essays, Garden City, NY 1972,5. 61,-91; D. Pintariö, Sprache und Trinität. Semanti- 5r K. (llrr. l)clnty, ()rtbrxlov'l'htoltt,git. liinL' liin[übrung, [).rnnst,xlt 1990, S. 25-5[t.
sche Probleme in der Trinitätslehre des hl. Augustinus, Salzburg/Münchcn 1983 (= SSPh 15); 51 I). \(t'rrrlclr,,rrrg, (,'r'rs/ txltt lin<'rtit. Zur lir,rtt irr itrrtrtiiltli<./tt'tr Vrt.anl'rrung dcs t.hristli
S. Nrkagawa, ,,San-i ittai ron" ni okcru kotoba-ron [I)ie f)iskussion über Sprachc io Über dic
t ltor L 1,,'rt' irt Jtt l,\,t,ottrtrit, l,ut l'lttt,lr,ltr', Mirn, lrcrr 191i0 (M M l lS'l' .+).
l)rtititritktitl: (.busti shisa kutkyu .\tudits itt 14tdicral Tltought (Kyoto) 3l (l9li9) 'r Vlil u .r (llrr \4.rrlirrlri,'s,V.rtist l.rtcirristlr,t..N,ttriz.rrrirrtrttr"?l'.irtV,,rr, lrl.r1'liir cirrt Arrt
\. I 5.1 t(, r. rvort ./, tt',l,trlt ltrt lrtttl,'' ( I'trttr'trttntt I (l')'l/) \ ./l ')5i l\l \rrrr,,rrcttr, I),rl rrr,r'rrrsrrr,,,rl
28 Roland Kanv

c) Eine Grunddifferenz zwischen idealistischer und neuscholastischer In- Edmwnd Hill, O.P.
terpretation liegt darin, daß erstere Augustinus eher den Versuch eines ratio-
nalen Trinitätsbeweises zuschreibt, letztere dagegen Augustinus die Befol-
gung der neuscholastischen Konzeption von,,Glaubenswissenschaft"
Augustine's Method in the
unterstellt. Die meisten Theologen neigen in diesem Punkt bis heute zum De Trinitate: A Model
neuscholastischen Typ. Aber ist Augustins Vorgehen damit richtig beschrie-
ben? Man sagt 2.8., Augustins Ternare in den letzten Büchern von De Trini-
for Text Books and Catechisms
ta.te setzten den Trinitätsglauben schon voraus; oder: Augustins lVerk sei ei-
ne Meditation, kein philosophisches Fachbuch; oder: Augustinus gehe Quaerite Dominum et confirmamini; quaerite
überall von der Hl. Schrift aus. Aber was heißt das genau? Schränkt etwa faciem ejus semper (Ps 104/105:4).
dieses ,,Ausgehen" wirklich die Geltung seiner Argumente ein, d.h. gelten sie
nut wenn man den Glauben schon voraussetzt? Oder betrifft das ,,Ausge-
hen" nur die Genese seiner Argumente, etwa den didaktischen §7eg, auf dem
er seine Leser entlangführt, während die Argumenre rational gültig sind? This is Augustine's text, as it were, for his De Trinitate, the peg on which
Vielleicht ist es eine Folge der im Spätmittelalter vollzogenen Trennung he hangs this great work. His approach to the mystery is that of one enga-
von Theologie und Philosophie, daß es verhältnismäßig wenige exakte Ana- ged on a quest) like the quest for the Holy Grail. Consequently his treat-
lysen der Konsistenz, der Rationalität und des argumentativen Srarus von ment of the subject follows the via inventionis rather than the via doctrinae
Augustins trinitarischer Geistmetaphysik gegeben hat: Theologen scheinen of Thomas Aquinas. And for this reason I consider that his scheme or lay-
sich oft rasch damit zufrieden gegeben zu haben, daß es sich ohnehin nur um out of the De Trinitate would have been a more suitable model to follow
Trinitäts-,,Analogien" handle, denen ruhig etwas Beliebiges, Austauschbares for later composers of seminary text books and of catechisms for children
anhaften dürfe; Philosophen dagegen lasen De Trinitate meist nur als histori- or adults, than the scheme of St Thomas'treatise rnhis Summa Theologiae,
sche Zwischenstation auf dem §üeg von Plotin zu Descartes und gingen am Ia, qq.2743, and q.93 on the trinitarian image in man.
trinitätstheologischen Zweck dieser ,,noologischen" Aspekte achtlos vorbei In saying this I am not simply knocking St Thomas; he was not, after all,
wie an einem klerikalen Schriftenstand. Das scheint sich seit einigen Jahren composing a seminary text book, let alone a catechism for children; and his
zu wandeln. Das Niemandsland zwischen den neuzeitlichen, nicht etwa an- proceeding by the oia doctrinae, as he sets it out in his brief prologue to
tiken Grenzposten von Theologie und Philosophie wird wieder erkundet. q.27, presupposed, I believe, that his srudents in the theology schools had
Vielleicht stellt sich ja heraus, daß der Verfasser von De Trinitate in dieser already been along the qtia in,uentionis, at least to some extent, in their at-
einst blühenden Landschaft gewohnt hat. tendance at lectures on the scriptures delivered cursorie. Anyway, he starts
off with the divine processions, goes on to the divine relationships, and
then to each of the divine persons in turn and their distinguishing names;
and he ends - and this in my opinion is a real weakness in his treatment -
ends with q.43 on the missions of the divine persons as a kind of af-
terthoughq paying scant attention to the crucial fact that it was by the mis-
sions, the visible missions of the Son and the Holy Spirit, that the mystery
of the tinity was actually revealed. And then his discussing the trinitarian
image in the human mind quite separately in his treatise on man, while of
course making sense in one way, does rather obscure the fact that it is
through thc image that we are led to a deeper understanding of its exem-
plar. That of coursc is what imagcs arc for; onc gets to know what the Po-
neoniccnisnro. Rasscgnrr tli alcunc pubblicaz-ioni recenti: Aug.38 (199S) 5.5-27; B. Studer, Una
vrrltttrrzionc critice tlcl rrcorrict'rrisnro: clrd. S.29 4fl; (lhr. M;rrhschics. Gibt cs cinr: cinhcitlichc
pc looks likc frorn sccing 1'ricturcs or photographs of hirn; onc clocs not
,,k.rpp;ttlozisr Itt 'liinit.rtstlrc,,l,,gic" ? Vrrl.irrligc l'.r w.igrrrrgcrr zrr I'linhcit rrrrtl I )i[{crcrrzcrr rrt'rr look.rl tlrt'l'oPt'irr,,r'tlt'r'l() llct ir rlt'c1rcr irrsiglrt irrto lris Picturt's or Photo-
ttiz.rrristlrcr'1 1r,,,1,,1',i,':,llI l'lt IO(l'r')ll) S. 5I').1 gr'.r 1rl1t.
30 Edmund Hill. O.P. Augustine's Method in the De Trinitate: A Model for Text Books and Catechisms 31

I don't know what the situation is in other countries; but in English-spea- at the end of Bk VIII he has staked his claim and fixed the point where he is
king countries, as I wrote in a little book, Tbe Mystery of tbe Trinity, an es- going to sink his shaft. \7e have not yet found what we are looking for, he
say in baute awlgarisationl; ,,The mystery of the Trinity... is perhaps the ar- says, but we have found the place where to look. Vhat I think he is doing in
ticle of Christian belief about which most ordinary Christians are most this book is trying to establish a direct ontological link between the divine
inarticulate, and which has the least meaning for their lives and devotion. It mystery of God himself (which we are in no position at all to inspect interi-
has somehow lost its moorings in common Christian experience - so much ore modo) and the more accessible mystery of the human self. He finds this
so that many people will doubt if it ever had such moorings in the first pla- link in the categories of truth and goodness. God is ipsa veritas and ipswm
ce, and will be tempted to assume that the doctrine is nothing but the pro- bonurn. But now, truth is that in terms of which we know and understand
duct of the over-subtle speculations of theologians in academic ivory towers" whatever we do know and understand, and goodness is that in terms of
(p.a). The reason for this sad state of affairs lies in the way the doctrine has which we desire, approve, and love whatever we do desire, approve, and
been presented in the older text books and catechisms, which all proceed love... They are the specifications or measurements of our knowing and our
along the oia doctrinae in solemn procession from the unknown to the loving. So in fact, whether we notice it or not - and we seldom do - God,
known; from technical, abstract notions like,substance' and,person', to end who is truth, and God, who is goodness, is the category in terms of which
up rather casually with a few references to scripture, and such purely we know anything, and the value in terms of which we love anything. God
secondary terms as ,Father, Son and Holy Spirit'. being truth and goodness, we really have to say he is the very mould or
I was away from Cambridge in a Dominican house in another diocese on structure, the very cast of the human self, of what Augustine called the mens
Trinity Sunday this year. The Sunday was chosen as a suitable occasion for a or mind. Thus we have a kind of guarantee that if we inspect the human my-
pastoral letter from the bishop, not on the subject of the Trinity, but in this stery interiore modo, we shall indirectly be penetrating more deeply into the
case as a kind of follow-up to Pentecost; it could have been worse - it could divine mystery. This is the place where we must stake our claim and dig,
have been, and such letters on Trinity Sunday have been, on diocesan finan- which we proceed to do in the next seven books. The first spadeful of topsoil
ces. In any case, it was happily received by very many, if not most priests, as is removed at the very end of Bk VIII by marking out a little trinity in the
a perfect excuse for not having to preach about the Trinity. category of goodness and the activity of love which it governs: the trinity or
St Augustine, travelling along the aia inoentionis in the opposite direction threesome of the lover, the beloved and the love that binds them together."
to St Thomas, proceeds from the missions of the Son and Holy Spirit in Bks (pp. 24-25,secs 19-21).
II-IV, to the relationships between the persons and the names distinguishing Augustine would not be Augustine, to be sure, if all this were starkly and
them in Bks V-VII; and from there to the heart of the mystery, the divine simply evident; here in Germany I think you will appreciate the compliment
processions, made more accessible to us by the trinitarian image in the hu- I pay him when I mention his love of baroque, not to say rococco decorati-
man rnens, as in a mirror by which to gaze on God indirectly, in Bks on and elaboration of his themes; perhaps in consideration of his native
IX-XIV. Bks I, VIII and XV, the first, the middle and the last, provide the North African soil one should call this the arabesque quality of his style.
indispensable frame for this vast canvas. It is Bk VIII in particular that holds And in spite of it, his whole treatment of the subject does succeed in ancho-
the whole work together. If I may quote from the Introduction to my trans- ring the mystery of the Trinity in common Christian experience. Of course
lation of the De Trinitate2:,,He ends his short preface to this book by saying he was no more writing a seminary text book or a catechism of Christian
that he is going to go over the things he has already treated of modo interio- doctrine than was Aquinas; the reason he took so long over the De Trinita-
re, in a more inward or profound manner. In other words... he has so far on- ,e was that works which he considered of more immediate pastoral impor-
ly scratched the surface of the mystery - seven books of surface exploration! tance kept on having to be undertaken and finished first. No, he was writing
This makes sense, however, if we keep in mind that the work is not an aca- it primarily for himself, and also for a highly educated readership. But he
demic treatise, but a personal quest; he is a prospector, looking for gold. So thought of himself as being, what indeed he was for all his unique genius,
the representative human being, and in particular the rcpresentative Christi-
Publishcd by Geoffrey Chapm.rrr, l.r,rrtlon, 1985, as one of a serics that was never completed, an; ancl hc anchorcd thc nrystcry of thc Trirrity vcry definitely in his own
tr.tllcd ,,lntrotlucing (i:rtholic'l'lrcol.gv"; thc volumes that did appear werc rc-issucd a fcw pcrson,rl cxpcrio.rcc, his (lhristiarr cxpcricncc of faith, his rcsponsc t«r C«rc1's
y,'.trs l.tlt'r.ts ,,(llt.t[rrtr.ut's'l'lrc,,l,,1iv I il,r.rry", n()w takcn ovcr [ry Clssc['s.
'll,r"liirritl,,l,rrlrlislrcrl {r,r llrc Arr1,,rr.,trrri.ur I lcrit.rg«. Irrstitrrtr'.rrrr,rng
,,7}t, Worl,s r,l ,\'aint Au rcvcl,rti.rrr wlriclr is givcrr rrs ,rl,«,vt' ,rll ,rrrtl Iirst :rrrrl l-ort'rttost irr tlrc scr i1r
,\,,u\tutt A tr,rrrsl.rliorr lor tlrt .rlll ( (nturr",l,r'N,.w (litv I'l css, Ilrorrklvn, Nr.w \',,r'k, l'l'll. IUt('s.
32 Edmund Hill. O.P. Augustine's Method in the De Trinitate: A Model for Text Books and Catechisms 33

So we begin from where we all are, as Christians, from the starting point by asserting that while this is normally so, in our case we must simply take it as
of faith, the initium fidei - a phrase taken, curiously enough, from the Song meaning that the one sent is from the one sending, and to enquiring whether
of Songs, 4:8, in his LXX based version, the Greek dnö dgXrlg nioreog ren- any of the divine persons can be said to have been sent in the old testament; to
dering what the Vulgate and all modern translations have as ,,from the peak which the answer, at yery considerable and painstaking length, is ,,No".
of Amana". Augustine quotes the whole verse, in a different context about It is ,,No", because while in one form or another God certainly appeared to
faith preceding good works, in one of the sermons (94a) recenrly discovered people in old testament times, from Adam and Noah to Ezekiel and Daniel, and
by M. Frangois Dolbeau in the Mainz city library:3 ,,Come my bride; you while it may seem likely that in this or that theophany it was more probably the
will come and pass through from the beginning of faith". Son, or the Holy Spirit, or even the Father who was being manifested under
And this is what Augustine does in Bk I; he establishes the Church's trini- one kind of temporal ,sacrament( or other, the evidence is never absolutely de-
tarian faith, basically the absolute equality of the three divine persons as cisive in favour of one divine person rather than the others, or indeed rather
against the Arians, on the authority of scripture. But it is particularly illumi- than its just being a manifestation of God, the one Lord. In any case, whatever
nating to see how he states this faith, before going on to ,prove' it, so to say, the visible or audible signs of a divine manifestation, they were all the work of
from scripture. After setting out the tradition of ,,all the Catholic commenra- angels; and it was in fact angels, the divine messengers, who were sent in the old
tors on the divine books of both testaments" which he has been able ro read, testament. It is to their activity that Bk III is devoted. Augustine, more than
in terms that will be echoed in the Athanasian creed on the distinctness and most of the Fathers or later exegetes either, seems to have taken seriously the
equality of the three persons in one substance, he goes on: ,,It was not, how- rabbinic teaching about angels and the old law, alluded to by Paul in Gal 3:19.
ever, this same three that was born of the Virgin Mary, crucified and buried Bk IV is the crucial part of this section; it is here that he gives an account,
under Pontius Pilate, rose again on the third day and ascended into heaven, taking up most of the book, of Christ's work of redemption, or as he calls it
but the Son alone. Nor was it this same three that came down upon Jesus in here, mediation. It is here too, incidentally, that his penchant for baroque de-
the form of a dove at his baptism, or came down on the day of Pentecost af- finitely tips over into what to us moderns will seem the most extravagant ro-
ter the Lord's ascension, with a roaring sound from heaven as though a vio- cocco. Christ's work of mediation (contrasted with the devil's fake mediati-
lent gust were rushing down, and in divided tongues of fire, but the Holy on, as sought after in the ,theurgy', the teletai of pagans like Porphyry) is
Spirit alone. Nor was it this same three that spoke from heaven, Yow are my presented as a restoration of harmony between the single and the double,
Son, either at his baptism byJohn (Mk 1:11), or on rhe mounrain when the which leads into a long reflection on the mysteries of the perfect number, 6,
three disciples q/ere with him (Mt 17:5), nor when the resounding voice was and its connection with the number 46, the number of years that it took to
heard, I haoe botb glorified my name and will glorify it again (fn 12:28), but build Herod's temple, and a number that is built into the very body of
it was the Fathert voice alone addressing the Son; although just as Father and Christ, the temple that he would raise up again in three days (Jn2:1,9-21).
Son and Holy Spirit are inseparable, so do they work inseparably. This is al- And then at the beginning of Bk IV25 he says: ,,There you have what the
so my faith inasmuch as it is the Catholic faith" (I,7). Thus he includes in his Son of God has been sent for; indeed there you have what it is for the Son of
statement of trinitarian faith a brief account of when and how the mystery God to have been sent". Thus once again the faith experience of the ordinary
was revealed; and it was on this part of it, quite as much as on the ,problem' Christian is directly engaged; the sending of God the Son is linked with Jesus
of three in one, that he says people were puzzled and worried. of Nazareth and his life, death and resurrection - with christology and sote-
So he goes on to deal with the missions in Bks II-IV, always wirh reference to riology if you want the academic words. But they are not here left to a sepa-
scripture, because it is here that the Christian's experience of faith is immediate- rate academic treatise.
ly engaged. He does not, however, say that this is what he is doing. He approa- Next, having thus connected the mission of the Son with his redeeming
ches the sending of the Son and of the Holy Spirit as something that seems to work, with the ,mission' on which he was sent, he goes on to connect the
militate against their genuine equality in the godhead with the Father, since in missions of Son and Holy Spirit with their very being in the inner trinitarian
the ordinary human context those sent on missions are subordinate to those mystery of God; with what we call the eternal processions. In Bk IV,29 he
who send them, as ambassadors are subordinate and inferior to the rnonarchs writes: ,Just as being born means for the Son his being from the Father, so
who send thcm. So Bk II is clcvoted to looking at this problem, to rcsolving it his bcing scnt nrcrrns his lrcing known to bc frorn hirn. And just as for the
I Ioly Spirir his lrcirrg rhc gil'r of (lo.l nlcrlns his proccctling frorn thc Irrrthcq
' Scc rrry lr.rrrsl.rti,,n i l l,,' ,,,,»l,t ol \,tttrt .,ltryrrrtttrt.\r'trrrortt, Ncw (.iry l'rt.ss l,.),)/ lll/ll, scr so lris lrcirrp', s('nl nl('.urs lris lr.'irrg krr.rwrr to Plot'r't'rl lrortr lrirrr".
34 Edmund Hill. O.P. Augustine's Method in the De Trinitate: A Model for Text Books and Catechisms 35

Augustine does not move on straight away, however, to a discussion of the And so in Bks XI-XIII Augustine again brings us firmly back into the
eternal divine processions. Bks V-VII are taken up with meeting the arguments realm of Christian experience. Vhile Bk XI is mainly taken up with throw-
of the Arians - in fact the later Arians of the late 4,h century, Eunomians or ing light on the mental image by looking at analogues in our sense experi-
Anomoeans - against the equality and unity in one substance of the divine per- ence, that of both the outer and the inner senses, he contrives to introduce
sons. He meeß their arguments, not from scripture but from ,reason', largely the theme of temptation, of seduction of our higher or inner powers from
in fact from Aristotle. \Xrhat he is doing in these books is not so much talking their proper object, the contemplation and love of God, our true selves and
about the Trinity as talking about talking about the Trinity - how to talk about our neighboursa, by our lower or outer selves. Then in Bk XII he introduces
it correctly. And in so doing he introduces the key concepr of relationship, of us to the story of the fall, presenting Adam and Eve - and the serpent - and
ad aliqwid; and this involves him in looking at the divine names applied to the their behaviour as a kind of elaborate allegory of what goes on in each one of
three persons, and distinguishing between their proper names and names ap- us, in Everyman; while in Bk XIII he comes to the remedy, namely the in-
propriated to them, and also in discussing the terms ,substance' and ,person'. carnation of the Vord and the redeeming work of Christ, in a kind of echo
But in fact this is an indispensable preliminary to his investigation of the of what he was doing in the first part of the work, in Bk IV.
processions, which he is going to carry out by means of the image in man, Thus it is only as remodelled by Christ that we can proceed in Bk XIV to
that is to say in the humannlens, of the divine Trinity; the image being the the achievement of the complete image in ourselves of the divine tinity,
,product', so to say (in a totally non-temporal sense, of course), the product which consists in the mind's remembering, understanding, and loving God.
of the eternal processions. Now when he comes, in Bks IX and X particular- Again, Trinity, christology, soteriology, and indeed eschatology are intertwi-
ly, to construct (I use the word advisedly) to construct the appropriate ima- ned and woven together into a total theological tapestry woven on the warp
ge in the human mind of the mind's remembering itself, understanding or of the Christian experience of faith, of scripture, and of the visible missions of
knowing itself, and loving or willing itself, he does so with very obvious and the Son and Holy Spirit. Finally we come in Bk XV to the happy conclusion
deliberate reference back to the correct relationship language he has estab- that our quest for God has been a failure, because he is only to be found and
lished in Bks V-VII. 'We have already seen how in Bk VIII he provides the seen as he is in the next world. §7e cheerfully admit the inadequacy of the tri-
given, ontological basis for this construction in the categories of truth and nitarian image in our minds to reflect, to give us a full picture of, the divine
goodness in terms of which the mind knows and loves, and then in the preli- Trinity. This too, surely, is a proper conclusion to a sound catechesis on the
minary threesome discerned in the activity of love. mystery, that our search along the via inventionri ends in our finding the un-
This first stage of the constructed image, the mind's acts of self-memory, known God, who remains as unknown as he was at the beginning (as they
self-understanding and self-willing, does give us a genuine model for probing were at the beginning!), in spite of his, their, having been declared unto us by
the divine processions, in much the same way as a geographical globe gives the preaching of the gospel and the whole Christian traditions. I remember
us a genuine model of the world. But surely we have to move beyond it - it reading a book by a W'est African theologian, whose name I regret to say I
is so evidently and dangerously self-centred! So it is refined, in the course of have forgotten, in which he said that a great mistake of European missiona-
Bks XI-XIV into the mind's remembering, understanding and loving God, ries to Africa was, shall we say, to take Paul on the Areopagus too literally, to
who is interior intimo meo. think that they could tell their hearers everything there was to be known
But being made in the image of God is not just a datum or fact about our about God; a onesidedly cataphatic approach unbalanced by any sense of the
human nature, which we can chisel into shape by this process of selective apophatic theology, which would have spoken more directly to traditional
construction; it is also a responsibility, a project; not iust something we are, African ideas about the supreme being beyond all being. However necessary
but something we also have continually to become. '§7e are engaged, let us the formulae of the creeds for stating our faith, for marking the initiwm fidei,
remind ourselves again, with Augustine in a quest for God. And the only God and the trinitarian mystery of his being are not to be encapsulated in any
way we shall ever be able to find him, to see him as he is, is to become like formulae - that indeed is why we have to go on searching!
him - is to find indeed ourselves, our true selves, as well as finding him (or - At,h.b".kofhisnrind,nodoubt,isthedistinctionbetweenfruiandwti,cnioyingandusing,
them!). But the inescapable fact of sin means that we have spoiled or defaced which hc chboratcs tnthe l)cotrina Cbristiana, Bk I. I{c has alrcady alludcd to it here in Bks
the image of God in ourselves, in our minds; and the image once defaced IX,l3 entl X,l3;17. ()ur Iowcr sclvcs,rrc.:onstlntly 5gd1r1:ing us int«r cnjoying, or coveting, ft>r
tltt'ir owrr s.rkt' tht' lt'sst'r goo.ls of tlris w,rrl,l, wlriclr .rrc only givt rr rrs lo lrr. rrsctl lirr tlrc s,rhc
cannot restore or re-engrave itself to be a truc likeness of its exernplar. This ol tlrt' lriglrcr g,,,,.1s.
c:rn only bc done by its maker, by its cxcrrrlrl,rr. '' Scc A, tr |/:.'i, l',rrrl ,rt Atlrcrrs ,rr tlrt Arcolr.rl,rrs.
36 Edmund Hill. O.P. Augustine's Method in the De Trinitate: A Model for Text Books and Catechisms 37

In my book which I mentioned earlier on, Tbe Mystery of tbe Trinity he does not use the words ,person' or ,trinity' once. If one compares this
(which is really no more than a digest of the De Trinitate),I was severely cri- book with The Faitb Explained by a later and very proficient popularizer of
tical of most pre-Vatican II seminary text books and catechisms. However, I theology, Leo Trese (L959), its merits stand out even further. Trese gives a
was delighted to find in the library of St Augustine's Seminary in Lesotho, competent explanation of the Trinity - but does not refer at all to the missi-
where I was teaching at the time, a light shining in that early 19th century ons, the incarnation or Pentecost".
darkness; a little book called Tbe Fowr Mysteries of the Faitb, by F.C. Kol- At the end of my book, having been so critical of those early text books
be6, written as long ago as 1926. Frederick Charles Kolbe s/as a most inte- and catechisms, I felt under a kind of obligation to offer a trinitarian cate-
resting man; born in Paarl in South Africa in 1854, the son of a Vestphalian chism which would be structured on the lines I have sketched here. I was ab-
Protestant missionary who had married the daughter of a member of the le to take as its framework, I am delighted to say here in Germany, the Ca-
London Missionary Society. He studied law at Cape Town University, where tbolic Catechism, officially adopted for all dioceses in Germany back in the
he won a scholarship for further studies in London. There he became a 1950's, well before the second Vatican Council - another light shining in that
Catholic, felt a vocation to the priesthood, and was sent by Cardinal Man- old catechetical darkness. I am only acquainted with it, naturally, in the
ning to the English College in Rome, being ordained in 1882. Back in Cape English translation published by Herder, Freiburg 1957, in its 15'h impressi-
Town he devoted himself to teaching in Catholic schools, and to improving on, 1965. It has a very short section on the Trinity as such. But it does suc-
the education of Catholic teachers. In the small world of the Cape Colony ceed in giving it a context, as it is constructed historically, on the economy
of that time, and then of the Union of South Africa, he was quite a notable li- of salvation. So the dogma has the same context as we experience in the
terary figure, and a friend of Jan Smuts. He may or may not have founded Church's liturgical year, where the feast of the Blessed Trinity comes a week
the Catholic chaplaincy at the University of Cape Town, but it is at any rate after Pentecost; or to be more accurate, after we have celebrated the incarna-
now called after him. He died in Cape Town in 19367. His book is for the tion and redemption (the mission of the Son) from Advent, through Lent,
most part just redolent of its time, very old-fashioned and indeed out of Holy'§7eek, Easter and the Ascension, and the mission of the Holy Spirit at
date. It merited a Foreward by Cardinal Gasquet in Rome. But quite briefln Pentecost. So my suggested ,,Catechism of Pro-Trinitarian Boldness (as an
the reason why I regard him as a light in the darkness of those far-off days is antidote to what Karl Rahner calls ,,anti-trinitarian timidity") could serve as
that he begins his discussion of the Mystery of the Trinity (the other three a kind of extended insert in that excellent German Catholic Catecbism.
are the Incarnation, the Church, and the Eucharist) with the words: ,,My
purpose is not to prove the mystery but to sbow tbe mod,e of its revelation"
(my italics). And then he continues: ,,The Second and New Creation is re-
presented to us as the result of a Divine Council in which God the Father
sends His Son to rebuild the structure which Adam had ruined, and sends
His Spirit to animate the work". Straight into the missions, the mode of re-
velation. If you say something is revealed, the first thing to investigate is bow
it is revealed, and your investigation will in fact tell you much more about
what is revealed. ,,For these words alone (I wrote in my book, p.165, with
perhaps a touch of over-enthusiastic hyperbole) Mgr Kolbe deserves, in my
opinion, to be declared the first 20'h century Doctor of the Church. It is a
matter of a robust and realistic sense", I continued, ,,triumphing over the
cobwebs of conventional abstraction and mystification which had, I presume,
constituted Mgr Kolbe's seminary education. In the whole short chapter

(' Published by I-ongmans, Grecn and Co, London, 1926.


7 Ir<rr nrorc about hinr scc Tbc Catholic Cburch in Soutb Africa from its Origins to tbe Present
l),q,by §(.Ii.[Jrown (Ncw l,,rk, l'/60).'l'hc tlcr.rils I givt',rbrrut hirn irr rny lrook :rrc rcgrcttl-
lrlv in.rct rrr.rlc.
Basil Stwder

Oikonomia und Theologia in Augustins


De Trinitate

Einleitungl
Die fünfzehn Bücher von Augustins De Trinitate sind bekanntlich ganz auf
die exercitatio mentis ausgerichtet2. §ü'ie vor allem aus dem achten Buch her-
vorgeht, ging es dem Bischof von Hippo in seinem theologischsten §7erk in
erster Linie darum, seine Leser, ja sich selbst zu einer tieferen Erkenntnis
und zu einer grösseren Liebe der Dreifaltigkeit zu führen3. Nicht weniger of-
fensichdich ist es aber, dass all seine Bemühungen um eine verständnisvolle-
re Nähe ztr trinitas qude est unws Dews ihre Grundlage im christlichen Glau-
ben besitzena. Augustin versteht dabei unter Glauben nicht allein jene
demütige Haltung gegenüber der §flahrheit, die Gott in seinem Sohn mittels
des Heiligen Geistes offenbart. Gewiss unternimmt er seine geistigen An-
strengungen, um immer reiner vor seinem Gott zu stehen. Doch Glauben
bedeutet für ihn auch, mit der Lehre seiner Kirche übereinzustimmens.
Von daher versteht es sich ohne weiteres, dass er sein opws laboriosum in
zwei Hauptteile gegliedert hat6. In den ersten sieben Büchern steht das
NüORT im Vordergrund. In einer weitergefassten exercitatio sucht Augustin
aufzuzeigen, dass die katholische Lehre von der aeqwalitas und der wnitas der
drei göttlichen Personen ganz der Heiligen Schrift entsprichtz und zudem
auch zu Recht mit den in der Kirche üblich gewordenen technischen For-
meln zum Ausdruck gebracht wird8. In den Büchern neun bis fünfzehn hin-

Vgl. zur vorliegenden Untersuchung meine früheren Studien: La Cognitio historialis di Profi-
rio nel De Ciaitate Del di Agostino (cio. 10,12): Stwd.Epbem.Aug. 50 (Roma 1995), 529-553. -
Zur Pneumatologie des Augustinus von Hippo: AugR 35 (1995) 567-583. - History and Faith
in Augustine's De Trinitate: AwgStud 28 (1997) 7-50. - Theologie - Oikonomia. Zu einem tra-
ditionellen Thema in Augustins De Trinitate: Stud.Anselm. 124 (Roma 1997), 575-600 (mit der
Bibliographie S. 575f0. - Schola Cbristiana, Paderborn 1998. - Una Valutazione critica del
neonicenismo: AugR 38 (1998) 2948.
B. Studer, Gott und unsere Erlösung im Glauben der Aben Kircle (Düsseldorf tlas), zoe;
Theologie, 583f; Schola, 16f; 310f.
3
B. Studer, Schola, 311, mit De Trin. VIII pr.1.
4
B. Sttrder, Schola, 111, mit De Trin.YIil 4,6*5,8;7,10; 10,14.
5
B. Sturlcr,'l'heologic, 5tl3f.
B. Strrtlcr, Schola,.l09fT, nrit tlcrn Hinwcis auf A. Schindlcr,Wol und Analogit in Augustins
'liirrir,litslrltrt ('l'irbingor 1965), l.l6 uvl 177.
l)t liitt. I ),4.
V1il. /)r' /)rtr. XV l,',.
40 Basil Studer Oikonomia und Theologia in Augustins De Trinitate 41

gegen, die man mit ANALOGIE überschreiben kann, erfolgt die exercitatio Frage stehenden Studien angebe und mich speziell mit der Forschung zum
mentis im eigentlichen Sinn. §üie Augustin im überleitenden achten Buch sog. Neunizänismus auseinandersetze. Es handelt sich um den 1996 in den
ausführt, strebt er darin an, modo interiore den Taufglauben zu erfassene. Studia Anselmiana veröffentlichten Aufsatz ,,Theologia - Oikonomia in Au-
Weil der gläubige Christ keine forma trinitatis besitzt, muss er sich mit der gustins De Trinitate", sowie um den dieses Jahr in der Zeitschrift Awgustini-
Erkenntnis von Bildern begnügen, die ihm wenigsrens in etwa erlaubt, Gott, anum erschienen Vortrag .Una valutazione critica del Neonicenismo" 11.
das heisst die Trinität, inniger zu lieben10.
Damit habe ich, so gut ich konnte, die Grundlinien von Augustins De Tri-
nitate umschrieben. Dem darf sicher beigefügt werden, dass die spätere latei-
nische Theologie dieses Hauptanliegen im wesentlichen rezipiert hat11. Sie I. Dispensatio
machte sich seine Lehre von den missiones und den relationes sowie vor al-
lem seine psychologischen Spekulationen zu eigen. Es gibt jedoch auch se- Ohne Zweifel sind die apostolischen Schriften vorab als die Gute Nachricht
kundäre Themen, die nicht oder wenigstens nicht genügend übernommen zu sehen, in der erzählt wird, vras Gott in Jesus Christus zum Heil der Men-
worden sind. Selbst wenn sie weniger hervortreten und darum auch weniger schen gewirkt hatla. Aber es finden sich in ihnen, gewiss mehr nebenbei,
beachtet worden sind, verdienen sie es, näher ins Auge gefasst zu werden. auch Aussagen, die sich auf das Verhältnis von Vater und Sohn beziehen oder
Es handelt sich tatsächlich um Themen, die uns den Blick für Augustins auch angeben, wie der Geist zu Gott und zu Christus steht. Es sei nur an den
theologische Methode öffnen. '§flie in keinen anderen §(erk legt nämlich Au- Anfang des Johannes-Prologes erinnert, in dem vom '§7ort die Rede ist, das
gustin in De Trinitate dar, wie sehr die Theologie in der Geschichte verwur- Gott und auf Gott hin ist. In die gleiche Richtung weist der Jubelruf Jesu im
zelt ist, und wie im besonderen der intellectws fidei sich zum Glauben der Matthäus-Evangelium, in dem Jesus von der gegenseitigen Erkenntnis des
einfachen Christen verhält. Auf der anderen Seite verhelfen uns gerade diese Vaters und des Sohnes redet (Mt 11,25)15.Im Anschluss an die Glaubens-
Nebenthemen weiter, wenn wir uns bemühen, von der zu abstrakt geworde- überzeugung, die in solchen Texten zum Ausdruck kommt, entfalteten die
nen Trinitätslehre herauszukommen und zu einem trinitarischen Glaubens- christlichen Theologen schon sehr früh die Thematik von Theologia und
verständnis zu gelangen, aus dem ein Christ auch leben kann. Augustin Oikonomia. Sie stellten damit den Zusammenhang des trinitarischen §(ir-
selbst ist uns im letzten Buch von De Trinitate bereits vorausgegangenl2. Er kens in der Geschichte und der ewigen Gemeinschaft von Vater, Sohn und
unterzieht dort seinen metaphysischen Ansatz nicht nur einer scharfen Kri- Heiligem Geist dar.
'§ü'ie
tik, sondern erschliesst uns auch in seiner Pneumatologie, was man alles aus aus dem ersten trinitarischen Traktat, der Schrift Tertullians Adversws
der Bibel herausholen kann. Praxean hervorgeht, gab die Polemik gegen die sog. Monarchianern den ent-
Auf solche Nebenthemen möchte ich in meinem Beitrag näher eingehen. scheidenden Anstoss zur genaueren Fassung dieser Thematikl6. Die lJnter-
Genauerhin will ich mich hier mit drei Themen befassen. Unter demTitel di- scheidung zwischen dispensatio und dispositio, wie sie der erste lateinische
spensatio werde ich den Zusammenhang des Trinitätsglaubens mit der Heils- Theologe entwickelt hatte, machte jedoch keine Schule. Viel mehr Erfolg war
geschichte, das heisst, im besonderen mit dem Ostergeheimnis erörtern. Es der origenischen lJnterscheidung von theologia und oikonomia, zwischen
folgen unter dem Titel historia einige Überlegungen zur historischen Grund- der Rede von Vater und Sohn und der Botschaft vom Heilswirken Gottes
legung der Theologie. Im letzte n, mit sensws plenior scriptwrae überschriebe- beschiedenlT. Soweit wir aus den uns erhaltenen Schriften ersehen können,
nen Teil werde ich versuchen au{zuzeigen, dass das biblische Erbe viel rei- stellte er jedoch die Begriffe tbeologia und oibonomia nicht unmittelbar ein-
cher ist, als eine auf den Glauben von Nizäa fixierte Exegese denken lässt. ander gegenüber. Immerhin unterschied er entschieden zwischen dem Gott
Im übrigen verzichte ich darauf, den Fragestand von der Forschung der in sich und dem Gott für uns. Vor allem zeigte er mit aller Klarheit auf, dass
letzten Jahrzehnte her genauer zu erläutern. Ich erlaube mir diesbezüglich, die Menschwerdung des Logos dessen ewige Existenz enthüllt.
einfach auf meine letzten Beiträge zu verweisen, in denen ich die neuesten in
1r Vgl. Anm. 1.
ra Vgl. zum folgcndcn, ausscr B. Studcr, Pncurnatologic; History; Thcologie; Neonicenismo,
auch B. Uvini, l)ispcnsatio r.rcl I)c'l'rinitatc di Agostino cli ippona, diss.lic., Patristisches In-
e De Trin. VIII pr.l. stitrrt,,Atrgustiirirrnurn", I9911.
ta De Trin. VIII 5,8. ß Vgl. i.I, t0,2ll, sowic l)t li.in.l 10,16.
II I3. Studcr,'Ihcologic, 5'X,
rr Il. Sturltr, l',,",,,,,.i,,1,,yii., "' VIf..1.Mtrirtlit, l'ltu'lrrytr ln»tl,titr rlr"li'rtrrllrr'tt, 'l r',r1., I',rris lt)66 6')
l'
lrcsonrlt'rs 56ll 5/1 IJ. Strrlcr, l'lrr',,1,,1iir', 5,z,zl.
42 Basil Studer Oikonomia und Theologia in Augustins De Trinitate 43

Bei Eusebius von Cäsarea hingegen kam die Thematik tbeologia - oihono- Der enge Zusammenhang von tbeologia und oikonomia steht schon in den
rnia voll zum Tragen18. Im Anschluss an die origenische Trinitätslehre warf ersten vier Büchern im Vordergrund28. Im Blick auf die früheren Missdeu-
er Marcellus von Ancyra vot er reduziere mit seiner Leugnung der ewigen tungen der biblischen Berichte über die Theophanien unterscheidet Augustin
Sohnschaft Christi die tbeologia auf die oikonomia.In der Folge begegnet die geschöpflichen Erscheinungsformen von der völlig unsichtbaren, den
diese Thematik vor allem im Zusammenhang mit der sog. regula canonicale. drei Personen gemeinsamen göttlichen Substanz. Damit kann er aufzeigen,
Um die arianischen Einwände gegen die wahre Gottheit Christi zu entkräf- dass alle drei, VateE Sohn und Geist, in gleicher'§7eise, nicht mehr und nicht
ten, unterschieden die nizänischen Theologen, ebenfalls im Anschluss an weniger, als unsichtbar bezeichnet werden müssen. Gleichzeitig geht er auf
Origenes, die biblischen Hoheitsaussagen von den Aussagen, welche sich auf die mit den Theophanien zusammenhängende Sendung des Sohnes und des
die Menschwerdung, auf die menschlichen Schwächen und den Tod Jesu be- Geistes ein. Er schliesst aus den betreffenden Texten, dass der Vater, von dem
ziehen. Besonders lag ihnen am Herzen, den eingeborenen vom erstgebore- nie gesagt wird, er sei gesandt worden, auch in der Ewigkeit der Dews de
nen Sohn zu unterscheiden20. Im Grunde fassten sie damit nur die beiden nwllo ist2e, dass der vom Vater gesandte Sohn auch von ihm seit Ewigkeit ge-
Teile des zweiten Artikels des nizänischen Glaubensbekenntnisses zusam- boren ist30 und dass der vom Vater und Sohn gesandte Geist seit Ewigkeit
men21. §7ie sehr es aber dabei auch um die Unterscheidung und den engen aus beiden hervorgehtll. In diesem Zusammenhang nun braucht er mehrmals
Zusammenhang von theologia und oikonomia ging, erscheint besonders dar- den Begriff dispensatio. Er verbindet damit die Auffassung von den signa
in, dass Gregor von Nyssa diese Thematlk zur Grundlage seiner Grossen ka- congrwa, die auf die Unterscheidung der drei Personen hinweisen32. Nach
techetischen Rede machte und von 400 an eine ganze Reihe von Traktaten seiner Meinung sind die in der Bibel erzählten ,res gestae Zeichen, die als
De trinitate et incarnatione verfasst worden sind22. sacra.menta auch eine similitud.o miteinschliessens3. Das mag in den alttesta-
Es versteht sich ohne weiteres, dass Augustin, der sich durchwegs an den mentlichen Berichten weniger klar sein. Darum ist es auch nicht immer leicht
Glauben von Nizäa hielt, aus dieser Überlieferung von Anfang an auch die festzulegen, von welcher Person darin gesagt wird, sie sei erschienen. Die Er-
Thematik von tbeologia und oikonomia übernahm23. Die Rede über das zählungen und Reden des Neuen Testamentes hingegen lassen keinenZwei-
Glaubenssymbol und die Schrift De agone cbristiano lassen daran keinen fel darüber, dass nur der Sohn Mensch geworden ist3a und dass der vom Va-
'§7eise
Zweifel2a. Allerdings rezipierte der angehende Seelsorger unsere Thematik ter und vom Sohn gesandte Heilige Geist in ganz eigenartiger in
nicht ausdrücklich. \Während er oik,onomia in der bei den Lateinern üblichen unseren Herzen wohnt35.
\(eise mit dispensatio wiedergab, vermied er nämlich das für ihn heidnisch Etwas weniger ausdnicklich, aber eindringlich genug kommt die Thematik
klingende Yort tbeologia. Er gab vielmehr die dahinter stehende Idee mit res theologia und oih.onomia in den Büchern 12 und 13 zur Sprache, in denen es
aeternae wieder. um die scientia und die sapientia geht36. \üflährend sich nämlich dte scientia
Es kann indes nicht überraschen, dass die Thematik von tbeologia und oi- auf die res gestae narratae bezieht, betrifft die sapientia die res aeternae con-
konomia auch in seinem theologischen Hauptwerk erscheint, zu dessen Vor- templatandae. Allerdings ist zu beachten, dass Augustin sich hier nicht für
bereitung Augustin alle ihm zugänglichen tractdtores catbolici gelesen hatte25. '§ü'irken
das der trinitas in der Geschichte, sondern für die menschliche Er-
Tatsächlich behandelt er darin nicht allein die Frage der Gleichheit und Ein- kenntnis, also nicht für die göttliche Offenbarung, sondern für den Glauben
heit der trinitas qwae est wnws Dews26. Er holt vielmehr zweimal auch zu um- des Menschen interessiert. Damit scheint er die tbeologia und die oib,onomia
fassenden soteriologischen Exkursen aus27.

28 Vgl. die Erklärung der drei Haupttexte bei B. Uvini, Dispensatio, 48-79; De Trin. I 8,16; II
15,25;\Y 20,29.
heologie, 528. 2e De Trin.lY 20,28.
re B. Studer, Thcologie, 579. ro Vgl. De Trin.lY 2O,27f.
20 Vgl. A. Grillmeter, I (Freiburg
Jesus der Cbristws im Glawben der Kirche 1979), 106-110. 31 De Trin. lY 20,29.
2r B. Studer, Theologic, 578. 12 Vgl. B. Studcr, History, 38; Theologie, 585f; B. Uvini Dispensatio,64-73: ztt dispensatio con-
r2 B. Studer, Thcologie, 579. grua in De Trin.ll 15,25.
j' B. Studcr, Theologic.5T'rl[. rr B. Studcr, History, l5f, untl vor ,rllcrn B. Uvini, I)ispcnsatio, 49-64: zu dispensath sintilitudi-
2a Vgl. Augustinus,f ct syntb..[.6;'),16: t{,,!on. 17,19 l<),21.
nutr it I)t 'frin.I 8.16.
} Vgl. /)c 'l'rin.14,7. \a I)t'lrirt. lV 2l,.ll.
r" VßI. /)r, l'tin.l ),4. r'' V1il. /)r' 'lirrr.l\/ )oJ').
I V1il. lt. Sturltr, (lott rrrrrl rrrrtrt l rlorrrrrl',.'0,1 f'' fi. Strrrltr,'l'lr,,,l,,1irr','rllll; l lrstorl', ll, rrrrt l),' lirrt \lll l'),.).'ll.
44 Basil Studer Oikonomia und Theologia in Augustins De Trinitate 45

auseinander zu reissen. Immerhin ist das einigende Moment nicht zu über- wicht aus dem Zusammenhang, in dem sie steht. Augustin entwickelt sie näm-
sehen. Christus selbst ist nicht nur scientia., sondern auch sapientia, nicht nur lich zusammen mit seiner Kritik an seiner psychologischen Trinitäts analogieaT .
oia, sondern auch patria. Er selbst führt uns also durch den geschichtlich Es kann somit nicht genug betont werden, wie grundlegend die Thematik
fundierten Glauben zur ewig beseligenden Schau37. tbeologia - oikonomia für das trinitarische Denken Augustins ist. Das ergibt
Am meisten kommt indes die Thematik tbeologia - oibonomia im letzten sich eindeutig vor allem aus seinen Ausführungen über die Sendungen des
Buch von De Trinitate zur Geltungs8. Das Wort dispensatio findet sich zwar Sohnes und des Heiligen Geistes und über das Filioque. Gewiss denkt er
dort nicht. Der Sache nach bringt aber Augustin klar zum Ausdruck, dass nicht weiter über den Grundsatz nach, wie weit die dispensatio dte res aeter-
das Heilsgeschehen in der Geschichte uns in das ewige Zusammensein von nae offenbart. Aber er setzt dieses Prinzip in seiner ganzen Trinitätslehre
Vater, Sohn und Geist hineinschauen lässt. Er greift tatsächlich auch hier die voraus. Damit fügt er sich iedoch nur in die schon alte Überlieferung ein, in
Thematik des Filioqwe wieder auf}e. Dazu stützt er sich vor allem auf die bib- der die Theologen aus der Erzählung von der Taufe Jesu auf die wirkliche
lischen Stellen, welche die heilsgeschichtliche Rolle des Sohnes hervorheben. Unterscheidung von Vater, Sohn und Geist geschlossen und von den Passi-
Interessant ist, wie er dabei Joh 20,22 und Apg 2,4 miteinander verbindetao. onsberichten her den sog. Patripassianismws widerlegt hatten.
Vichtig ist ebenfalls, dass er deswegen 1. Job 4,16: ,,Gom ist Liebe" speziell
auf den Heiligen Geist bezieht, weil nur von ihm gesagt wird, dass er uns in
Gott und Gott in uns bleiben lässta1. Diese Auslegung findet im Jobannes-
Kommentar eine eindrucksvolle Ergänzung. Im Anschluss an die Apostelge- II. Historia
schichte schliesst Augustin dort von der vom Heiligen Geist gewirkten Ge-
meinschaft der Gläubigen auf die im Heiligen Geist verwurzelte ewige Aus dem Gesagten geht bereits hervor, dass die dispensatio, welche es er-
Gemeinschaft von Vater und Sohna2. laubt, die res aeternae zeichenhaft, in sacramento, zu erfassen, mit dem Be-
Um die pneumatologische Anwendung der Thematik tbeologia - oibonoruia griff der historia zusammenhängt. Die res gestde werden erzählt, weil sie
in ihrer vollen Bedeutung zu erfassen, muss man sich das unterschiedliche sacrd.nTenta. der res contemplandae sind. Augustin bringt denn auch in De
Vorgehen in der Christologie und Pneumatologie vor Augen haltenal. Augu- aera religione dispensatio und bistoria ausdrücklich zusammen48. Es ist je-
stin erklärt zwar ausdrücklich, dass er in dieser wie in jener vorgehen wolleaa. doch genau zu beachten, was er unter bistoria verstehtae. Mit den antiken
Es ist jedoch zu beachten, dass er den Begriff des §Tortes einfach als gegeben Autoren unterscheidet er in diesem Begriff zwei Aspekte: die inoestigatio
voraussetzt. Er frägt sich nicht, wie dies etwa Kittel im Theologischen §flör- und die narratio. Der Historiker sieht sich um und stellt Nachforschungen
terbuch zum NT tut, was die biblischen Autoren veranlasste, diesen Begriff an; dann erzählt er, was er selbst gesehen oder von andern gehört hat.
auf Christus zu ibertragenas. Er schliesst also nicht aus der einzigartigen Die Tragweite des Begriff es bistoria, wie ihn Augustin versteht, wird noch
Lehrtätigkeit Jesu darauf, dass dieser schon immer das \flort des Vaters gewe- klarer aus der Tatsache, dass er seiner theologischen Arbeit zwei Modelle zu-
sen ist. Augustin stellt hingegen fest, dass die Philosophen wohl das §üort, grunde legt5o. Das erste gründet in der narratio, das zweite hingegen in der
aber nicht den Heiligen Geist erkannt haben. Im Blick darauf verstehen wir exercitatio. Diesen zwei Modellen entspricht weitgehend, was Augustin
ohne weiteres, dass die Pneumatologie viel biblischer, weniger philosophisch selbst schon in De Ordine und dann besonders in De pera religione mrt pia
ist als die Christologiea6. Diese biblische Orientierung erhält noch mehr Ge- auctoritatis und aia rationis umschreibtsl.
Das mehr historische Vorgehen kennzeichnet die praktische Schrift De ca-
37 B. Studer, History 34f, mit De Trin.lV 18,24.
r8 B. Studer, Pneumatologie; History 39f. techizandis rudibus mit ihren zwei Musterkatechesen. Es bestimmt vor allem
3e Ygl. De Trin.IY 20,29, mtt dispensatio. den zweiten Teil von Augustins grosser Apologie De Chtitate Dei, in dem
a0 Vgl. B. Studer, Pneumatologie,572.
die am Ende des ersten Teiles angekündigte cognitio bistorialis zur Aus-
ar B. Studer, Pneumatologie, 572.
a2 B. Studer, Pneumatologie, 580, mit Io. eu. tr. 14,9;39,5;Theologie, 590, mit De Trin. XV 19,36f
u. s. 7L 12,18. Dazu en.Ps. 120,12, wo die pro nobis terrPordliter gesta der intellegentia incorn-
mutab ilis o e ritatis gegenübergestellt werden. a7 Ygl. De Trin.XY 22,42-25,45.
ar B. Studcr, Theologie,59lf. ai ucra rcl- 7,13.
a'1 Y gl. Dr 'Irin. XY 17,27. a') B. Strrrlcr, ()ognitio, \17 545; I Iistory, I0-l').
'r'' Vgl. t). Kirrcl, 77rW IVl26 I40. 50 Il, Slrttlcr, Sr Ir,,l.r j0/ll.
1'' li. Strr,l, r, I'rrcrrrrr,rlologic, 5/111. ''l V1il. Arrllrrstrul\, r,,./. ll'),)(', rlt,r rtl..>4,.1\, rrrrr /1,'l tt','l'r'lll
46 Basil Studer Oikonomia und Theologia in Augustins De Trinitate 47

'§[ie
führung kommts2. In etwa klingt es indes schon in De vera religione an53. der geistige Sinn den Buchstaben übersteigt, aber von ihm weiterhin ge-
Die fünfzehn Bücher von De Trinitate hingegen sind, wie schon gesagt, als tragen wird, geht die fides spiritwalis höher hinaus, bleibt jedoch immer in
exercitatio angelegt. Allerdings kommt das historische Vorgehen auch in die- der fides bistorica verwurzelt. Im übrigen ist nicht zu übersehen, dass Augu-
sem theologischen Hauptwerk voll zur Geltung. Die tiefschürfenden Über- stin in De Cioitate Dei die Autorität der bistoria sacra atts der Erfüllung der
legungen über die Trinitas quae anus Dews beruhen auf Tatsachen: auf den Prophezeiungen begründet und diese nach seiner Auffassung auf das noch
res gestae, die in der Bibel erzählt und in den christlichen Gemeinschaften zu erhoffend e Ziel der bereits geschehenen und in d.er bistoria sacra erzählten
weitererzählt wurden5a. ZumTerl setzen sie selbst in der Gegenwart von da- re s ge stae verweisen6l.
mals gemachte Erfahrungen voraus5s. Noch mehr, Augustin unterlässt es kei- Als nicht weniger wichtig erweisen sich die Überlegungen, die Augustin in
neswegs, über den Zusammenhang der historia, wie er sie versteht, und sei- den Büchern 12 und 13 über die scientia anstellt. Diese bezieht sich auf die
nem mehr philosophischen Spekulationen selbst nachzudenken. zeitlichen, kontingenten Dinge. Die scientia hat also die res gestae zum Ge-
Solche methodologische Überlegungen begegnen vorerst im vierten Buch. genstand, die vielleicht erfahren, jedenfalls erzählt und geglaubt werden.
Im Zusammenhang mit den Theophanien spricht Augustin dort vom Tod Konkret handelt es sich vm exerupla virtwtis und um die Heilsereignisse Jesu,
und der Auferstehung des wahren und einzigen Mittlers56. In diesen antipor- welche in der Heiligen Schrift berichtet werden62. Allein auf der Grundlage
phyrianischen Darlegungen über sacramentuTn et exemplum unterscheidet er der so verstandenen scientia kann der geistige Aufstieg zur sapientia, zur
nicht nur das philosophische auf die Ideen ausgerichtete vom historischen Schau der ewigen Dinge führen. W'ie Augustin immer wieder - wenn auch
Denken, das die Vergangenheit und die Gegenwart umfassr. Er stellt das hi- mehr oder weniger ausdrücklich - betont, verlässt der Gläubige die Grund-
storische Vorgehen auch der prophetischen Erkenntnis gegenüber, der allein lage des Glaubens nie, wenn er sich mit der ewigen Virklichkeit befasst und
sich die Auferstehung der Toten erschliesstsT. Dieser prophetisch e Zugang sich bemüht, tiefer in sie einzudringen,
zur Zukunft besitzt aber ihre Grundlage in einer historischen Erkenntnis, Vie sehr Augustin, bei aller Bevorzugung der sapientia am Ausgangspunkt
das heisst, im Glauben an die Auferstehung Christi. Der Christ hofft auf die der historia festhält, können folgende drei Hinweise bestätigen. Zuerst sind
Zukwft auf Grund dessen, was in Christus schon geschehen ist58. einmal die historischen Elemente des christlichen Glaubens gut zu beach-
Genauerhin geht die prophetische Erkenntnis über die narratio bistorica ten6l. Ein Christ darf nicht glauben, wenn er sich nicht historisch vergewis-
'W'ortes
hinaus, weil der Christ nicht nur wie die Nicht-Chrisren an das Kreuz, son- sert hat, dass er sich der Autorität des Gottes anvertrauen darf. Im
dern auch an die Auferstehung Christi glaubt, weil ausserdem sein Glaube an Glauben selbst stimmt er §üahrheiten zu, die ihm historisch vorgelegt wor-
die Auferstehung Christi sich auf den Glauben an die Auferstehung der Toten den sind. Schliesslich denkt (cogitar) er in Anlehnung an die ihm historisch
öffnet und weil schliesslich die glaubende Liebe zum auferstandenen Herrn zugängliche Überlieferung darüber nach. -'üfleiter mag jemand von Augu-
ihn dazu bringt, Gott anzuhangen und damit die Dreifaltigkeit zu liebense. stins Auffassung über den magister interior die bistoria in Frage stellen. Aber
Das alles wird noch klarer, w.enn man sich vergegenwärtigt, dass die Un- er soll nicht vergessen, dass darin die Sinneserfahrung und damit die bistoria
terscheidung von fides bistorica und fides spiritualis, die Augustin hier vor- keineswegs ausgeschlossen ist. Augustin sieht vielmehr die Rolle des magi-
aussetzt60, der lJnterscheidung zwischen Buchstaben und Geist ähnlich ist. ster interior darin, dass ein Mensch ohne ihn nicht beurteilen kann, dass sei-
ne Erkenntnis wirklich die Vahrheit trifft'a. - Schliesslich helfen uns auch
52 Vgl. B. Studer, Cognitio. die Gedanken über Paulus, den gerechten Menschen weiter65. Ausgangs-
si Vgl. B. Studer,208f, mitoerarel.7,73. punkt dabei ist die fides historica. Vir glauben, dass der Apostel ein gerech-
5a Ygl. De Trin.TY 18.,24.
55 B. Studer, History, 31ff.
ter Mensch gewesen ist. §flenn wir aber darüber nachdenken (cogitare), was
56 Vgl. B. Studer,
,,Sacramentum et exemplum" chez saint Augustin: RchAwg 1O (Paris 1975) S7-
ein Mensch und was Gerechtigkeit bedeuten, und zudem selbst die Gerech-
141 (Dominus Salvator, 14-212); C. Simonelli, La fede nella risurrezione di Cristo nel De Tri- tigkeit lieben, verstehen wir viel besser, was wir glauben.
nitate di Agostino, I)iss. in Vorbereitung.
57 De Trin.IY 16,21.
58 De Trin.lV 18,24.
5e Ygl.DeTrin.lY 7,14;IV18,24;lV2l,3l;VIII 4,6-5,8.-Dazuen.Ps.120,6,wodiefidesauf ('r B. Studeq Cogniti«r, 544f
das
Ostergehcirnnis zcrttrrt'rt ist:.lqrlt't tltristianorum, resurrectio Christi. est. Das wird im Zusam- 6r B. Sturlcr, Sclroll, J09, ,.'ri: D"'t'rir. XIII 2,5 u. 19,24-20,25.
menhang ntit tlcrtt ( il.rrrbcn rrn rlrr'7r,rtr'rior.d gesalit, wclcher der Schau vorausgchcn muss (vgl. ('r ll. Stutlcr, I listory, 2(r[f,
/ix 3j,20 2l). t''' Vgl. lt. Stutlct,(ir,ttr,t ( hristt (it,ttr,r l)tt ltrt Arryrrtttrtrrt t,r»t lltltlto (l(orrr.r l()()1), 159 l6l.
") VHl. Il. Strr,l, r, I lirtor y, l,/1. r." tytlil l)t. litrt. ylll (,,,)
48 Basil Studer Oikonomia und Theologia in Augustins De Trinitate 49

Aus dem Vorausgehenden dürfte also klar geworden sein, dass die augu- Geschehen der Offenbarung interessiert ist. Es geht auch ihm vorab um die
stinische tinitätslehre auf der bistoria beruht. Gerade daraus geht aber auch gnosis, viel weniger um die die tbeologia offenbarende oih.onomia. Als Mann
hervor, dass für ihn die Theologie, wenn wir diesen später eindeutiger gefas- der Bibel, der sich fortwährend bemüht, das §7ort Gottes besser zu erfassen,
sten Begriff gebrauchen wollen, auch im historischen Sinn eine §Tissenschaft geht er im Gebrauch und in der Erklärung der Heiligen Schrift dennoch weit
ist. Sie bezieht sich offensichtlich nicht nur auf die ewigen Ideen, sondern über die nizänische Tradition hinaus. Bei aller Treue zur fides catbolica kann
ebenso auf die kontingenten erzählten und geglaubten Dinge. er sich dem immer neuen Anruf des lWortes Gottes nicht verschliessen.
NTie wenig Augustin sich durch seine Vorgänger festlegen lässt, erscheint
in zwei Tatsachen, die allgemein anerkannt sind. Er bleibt nicht bei der \Wi-
derlegung der Einwände stehen, welche die Arianer vom biblischen Begriff
III. Sensus plenior scripturae der Sendung her gegen die Gleichheit der drei göttlichen Personen erhoben
hatten. Er leitet vielmehr aus den biblischen Aussagen über die Sendungen
'§7as ich bisher über die dispensatio und ihre Beziehung zur ewigen '§(irk- ab, dass der Vater ohne Ursprung ist und darum auch im eigentlichen Sinn
lichkeit sowie über die historia ausgeführt habe, steht ohne jeden Zwerfelin Gott genannt werden kann7o. Ebenso konnte er dank seiner hervorragenden
Zusammenhang mit der Heiligen Schrift. Unter dispensatlo versteht man, wie Hermeneutik herausarbeiten, dass der Heilige Geist irn eigentlichen Sinn als
Besagt, das Heilswirken Gottes, wie es von den biblischen Autoren erzählt die Liebe bezeichnet werden dar?1 .
oder mindestens vorausgesetzt wird. Vor allem ist damit die Menschwerdung Es sind indes auch zwei Themen wohl zu beachten, die mit dem Osterge-
gemeint, die im Mittelpunkt der von den Evangelien berichteten Heilsge- heimnis zusammenhängen. Auf der einen Seite steht hinter seinem ersten so-
schichte steht. Historia hingegen besagt im theologischen Denken Augustins teriologischen Exkurs in De Trinitate die Auffassung, dass Christus der ein-
in erster Linie narratio. Er selbst bezeichnet demgemäss in De Cioitate Dei zige Gerechte ist72. 1ü7enn Jesus indes als einziger Mensch, selbst in der
die Bibel als bistoria sacra66.Im übrigen weist die historische Kritik, die er in Furcht vor dem Tod, im Gehorsam gegenüber den-r Villen seines Vaters aus-
den anti-manichäischen Schriften unternimmt, in die gleiche Richtung6T. halten konnte, dann nur deswegen, weil er schon immer der Sohn Gottes ge-
Nicht weniger eindeutig ist eine zweite Feststellung. '§7enn Augustin in wesen ist73. Augustin nimmt damit die spätere Auffassung voraus: unus ex
seiner theologischen Arbeit über die dispensatio und damit über die bistoria trinitate passus esr. Auf der anderen Seite schliesst er aus den zahlreichen
nachdenkt, rezipiert er die vorausgehende exegetische Überlieferung. Er un- Texten, die irgendwie vom Einheit und Liebe stiftenden Geist sprechen, auf
terstreicht schon in der Einleitung zu De Trinitate, dass er sich immer an die das vinculum amoris, das seit Ewigkeit Vater und Sohn verbindetTa. Übrigens
tractatores catbolici halten will68. Die Autoren, welche die Bibel im Hinblick wird gerade in diesem Zusammenhang deutlich, wie sehr nach Augustin der
auf den Glauben von Nizäa ausgelegt haben, haben also seinen theologischen Glaube an die Auferstehung Christi nicht nur den Glauben an die Trinität le-
§7eg bestimmt. bendig erhält, sondern die Grundlage der ganzen Theologie bildet.
Diese gebieterisch sich aufdrängende Feststellung schliesst jedoch eine Es sei noch beigefügt, dass Augustin bei seiner Exegese vonJoh 5,19f zur
schwerwiegende Schwierigkeit in sich. Die biblische Ausiegung der tractato- Feststellung gelangt, dass die Eigenart des Sohnes darin besteht, ganz Auge
res catbolici muss als dogmatische Exegese angesehen werden6e. Sie ist tatsäch- und Ohr für den Yater zu sein. Aber er bringt sogleich die oisio und dte au-
lich weitgehend darauf fixiert, aus den heiligen Schriften, besonders aus Jo- ditio des Sohnes gut nizänisch mit seinem Aus-dem-Vater-sein in Zusam-
hannes und Paulus, Bevreise für die wahre Gottheit Christi und des Heiligen menhangT5. Ebenso richtet er das johanneische Thema der Verherrlichung
Geistes herauszuholen. Sie ist so stark vom Anliegen der Orthodoxie ganz auf die oikonomia aus. Glorificatio bedeutet nach ihm manifestatio, ge-
blockiert, dass vieles im biblischen Erbe brach liegen bleibt. Es ist zudem schieht also nur in der Geschichte. Er unterscheidet sich damit von der vor-
nicht zu übersehen, dass Augustin wie schon seine Vorgänger viel mehr an der
exercitatio, an der menschlichen Glaubenserkenntnis, als an dem göttlichen
7a De Trin.IV 20,28.
7t [)e Tt.in- XV l7.2tif.
Vg[. B. Studcc Cognitio, 545. 72 B. litu,lcr, (lrrtia (lhristi, I 1Ofi;'l'hcologic, 59)1.
B. Studcr, History, 1 L /' Vß1. /),' /irz. Xlll l4,lti; /o. tr.r. tr-8).1 tttt.l v,,r.tlltttt corrr'7rl
l)t 'lrin. | 4,7. ''l Il- Stu,l, r, l)rrtrrnr,rtolol,,it, 5lill.
ll. Strrtlcr, Schol.r, 2 I 5f.
'' Il Stu,l,r,'l'1r,,,1,,1ir,, \r).1, rrtrl l)r litrt.ll l,\.
50 Basil Studer Oikonomia und Theologia in Augustins De Trinitate 51

nizänischen Exegese des OrigenesT6. Für diesen fallt die doxa mit der göttli- am Anfang der Beschäftigung mit der biblischen Frohbotschaft die fides bi-
chen Natur zusammen. Die ökonomische Verherrlichung verweist darum storica steht. Ganz im Gegenteil, diese historische Verwurzelung wird in ei-
auf den immanenten Austausch der Herrlichkeit. Gerade in solchen Ausle- nem gewissen Sinn noch verstärkt. Das ursprünglicheZeugnis der Apostel
gungen des vierten Evangeliums zeigt sich aber, wie hinderlich die nizänische wird nämlich durch die späteren Zeugnisse LU."äig erhalten.
Exegese mit ihrer regwla canonica sein konnte, wie sehr es also nötig war, Trotz der Abhängigkeit von der unmittelbar vorausgehenden tadition ge-
sich von ihr ztt befreien, wenn man in den ganzen Reichtum des Evangeli- lingt es jedoch Augustin immer wieder, der biblischen Botschaft näher zu
ums vorstossen wollte. kommen. In einer erfrischend wirkenden Annäherung an die Heilige Schrift
Augustin war also, wie auch zu erwarten, in seinem Zugang zur Bibel von stützt er sich mehr oder weniger bewusst auf den Grundsatz, nach welchem
der nizänischen Tradition geprägt. Aber in seiner Liebe zum §[ort Gottes die oibonomia die tbeologia offenbart. Die dispensatio erschb.esst ihm dte res
konnte er sich auch von ihr lösen. Damit gibt er uns zu verstehen, dass eine aeternrte. Noch genauer! Im Mittelpunkt des göttlichen Heilsgeschehens, das
Rückkehr in den viel weiteren Horizont der vornizänischen Theologie völlig die bistoria sacra erzähk, steht das Ostergeheimnis. Aus ihm erfährt der gläu-
legitim ist. Er ermuntert uns geradezu, das §üort Jesu vom Hausvater, der aus bige Christ, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist ein Gott sind.
seinem Schatz Altes und Neues hervorholt, ganz ernst zu nehmen77. Dieses Grundanliegen erscheint sonnenklar in der Art, wie Augustin mit
der patristischen Tradition den Bericht von der Taufe Jesu trinitarisch deu-
tet78, oder auch in der \7eise, wie er aus den biblischen Berichten über das
Leben und Sterben Jesu darauf schliesst, dass allein der Sohn das Menschli-
IV. Abschliessende Überlegungen che in wnitatem personde angenommenhatTe. Ganz in seiner Linie liegt es
aber auch, wenn wir selbst den Grundsatz von der die tbeologia offenbaren-
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Ausführungenin De Trinitate für den oibonomia auf alle res narra.tae anwenden. Augustin hat es denn auch im
die Kenntnis von Augustins theologischer Methode grundlegend sind. Diese Fall der missiones und des Filioque ausdrücklich getan.
gewiss programmatische Feststellung gilt für sein ganzes theologisches Den- Daraus ergeben sich für mich zwei Folgerungen. Auf der einen Seite steht
ken. Sie trifft indes besonders frir die Art und §7eise zu, wie er sich ,,übend" fest, dass Augustins Trinitätslehre von der lateinischen Theologie * von der
bemüht, die Dreifaltigkeit tiefer zu erkennen und inniger zu lieben. östlichen Theologie ganz zLt schweigen - nur zum Teil und ziemlich einseitig
\üer sich indes auch auf den Nebenwegen des opus laboriosum bewegt, rezipiert ist. Es ist nicht der Platz, den Gründen dieser bis auf heute nach-
dem geht auf, dass für Augustin die Theologie eine historisch fundierte Wis- wirkenden Tatsache nachzugehen8o. Es sei nur auf die fatalen Folgen der Re-
senschaft ist. Sie besitzt ihre Grundlage im Glauben, der auf der bistoriabe- zeption des Symbolwm Qwicwmqwe hingewiesen, das in theologisch nicht ge-
ruht. Sein historisches Vorgehen charakterisiert natürlich vor allem die exe- rade hochstehenden Kreisen entstanden ist und das dann Thomas von Aquin
getischen und terminologischen Darlegungen in den ersten sieben Büchern. und viele andere Athanasius zugeschrieben habensl.
Es erscheint jedoch ebenfalls im Exkurs über die scientia und die sapientia. Auf der anderen Seite dürfte deutlich geworden sein, dass man aus Augu-
Dabei ist nicht zu übersehen, dass bistoria im Sinne der Alten auch die Er- stins Beschäftigung mit dem Taufglauben viel mehr herausholen kann. 'Wer
fahrungen mit der Gegenwart einschliesst. Von da aus gesehen ist es ver- auf die Nebenthemen der einzigartigen in De Trinitate erklingenden Sym-
ständlich, dass für den Seelsorger von Hippo der Glaube immer eine fides phonie achtet, hört daraus ein trinitarisches Glaubensverständnis, mit dem er
formata sein muss, eine fides quae per caritatem operatur, erne fides, die aber auch im christlichen Alltag etwas anfangen kann. Er bewundert darin die
in der Taufe besiegelt und in der Eucharistie täglich erneuert wird. Nähe zur Bibel. Er übersieht auch nicht, dass Augustin sich im Gebrauch
Das historische Vorgehen, über das sich Augustin fortwährend, wenn auch von der fides catbolica und dem darin enthaltenen Grundsatz von der die
mehr nebenbei Rechenschaft gibt, fällt weitgehend mit dem Gebrauch der tbeologia offenbaren oileonomia leiten lässt. Es geht ihm selbst auf, wie sehr
Heiligen Schrift zusammen. Dieser wird jedoch zur Hauptsache von der ni-
zänischen Tradition bestimmt. Doch damit ist keineswege aufgehoben, dass

78 Vgl. /)r 'liin.l 4,7.


/r' R. Stutlcr', l-a gloril'icazionc dt:l l'adrc, ful r'tglio c dello Spirito Santo ncl commanto su Gio /'' Vgl. 1),"littt.lY l0,l1J; IV 21,11; VIII 5,/; Xlll l/,22.
sr) Vß1. IJ. Strr.l,r, l'lrc,,l,,p,,tc, l/1 l//.
't,,rrturli ()riyort, Atti,k'l Srrrrlr,,tio tli l'lltso, hrsg. v<,rr 1.. P.rrlovcsc, Iionr,r 1999.
'' V1il ,4/r I 1,51. I ),rzrr Arrliuslirrrrs, ,yr. llt. I 5: (.( llrl .l.llt,l2tll. r'l V1il. f .N.l) h,llr'. l'l,c.ltl,,trr,t'r,ut ( ttt,l,Iorrrlorr I')t,.1
52 Basil Studer

er sich dabei aus seinen menschlichen Erfahrungen schöpftsz. Allerdings tun Goulaen Madec
wir gut daran, wenn wir uns dabei auch an Autoren, wie vor allem Origenes,
halten, die von der nizänischen Engführung noch unbelastet sind. Diese
zweite Schlussfolgerung liegt denn auch ganz im geistigen Horizont des Bi-
Inquisitione proficiente"
,,

schofs, der wie alle Kirchenväter die Auslegung der Bibel als Aktualisierurrg: Pour une lecrure ,,saine" du De Trinitate
als lebendige Begegnung mit dem §7ort Gottes versteht. In den Confessiones
hat er tatsächlich den Grundsatz Gregors des Grossen vorausgenommen,
d'Augustin
nach welchem die Heilige Schrift mit ihrer Auslegung wächst8r.
A la m6moire d'Anne-Marie La Bonnardiöre

Le titre de cette communication est emprunt6 ä la lettre 174 qu'Augustin


adressa ä l'6v6que de Carthage, Aurelius, en lui envoyant le texre d6finitif du
De Trinitatel. Le sous-titre est sciemment frondeur et peut-etre provocateur.
La thäse que je veux esquisser est, en effet, qu'aprös avoir 6t6 accident6 ä cau-
se d' un vol, l'ouvrage a 6t6 mal trait6 (si ce n'est: maltrait6) au cours des
siöcles dans les instituts universitaires.

I. Iwwenis incboawi, senex edidi


La r6daction drt De Trinitate s'est 6tal6e sur plus de vingt ans2. Elle avait d6-
but6 vers 400, ainsi que celle üt De Genesi ad litteram, puisqu'Augustin pr6-
cise dans les Retractationes Il 25, qu'il avait interrompu ces travaux par n6-
cessitd de r6pondre aux lettres de Petilianus le donatiste3.
En hiver 410411, Augustin, en convalescence ä la campagne, invitait in-
stamment Consentius, qui 6tait ä Hippone et qui 6crivait lui-möme sur des
questions trinitairesa, ä lire ce qu'il avait 6crit sur la Trinit6: Quae cwm ita
sint, interim wolo wt legas ea qwae ad istam qwaestionem pertinentia iam mwl-

J'adresse mes vifs remerciements au docteurJohannes Brachtendor{, d'une part pour avoir or-
ganis6 ce colloque, et d'autre part pour m'avoir fait b6n6ficier d'un exemplaire de son ouvrage:
Die Strubtur des menschlichen Geistes nach Augustinus. Selbstreflexion und Erhenntnis Gott-
" \rgt d." .t"rigschönen Text in De Trin. Yl10,1 1: CChL 5a,242, mitder Deutung des von Hi- es in De Trinitate (Hamburg 2000), ouvrage qui m'a 6t6 d'une grande utilit6 dans [a pr6para-
larius übernommenen Ausdruck usus: ,,llle igitur ineffabilc quidam complexus parris et imagi- tion de cette communication.
nis non est sine per{ruitione, sine caritate, sine gaudio. Illa ergo dilectio, delectatio, felicitas vel Voir A.-M. La Bonnardiirc, Rccherches dc cbronologia augustinicnne, Paris, 1965, p.165-177:
beatitudo, si tamen aliqua hun.rana voce digne dicitur, usus alr ilkr appellatus est breviter, et est ,,La phasc tcrmin;rlc rlc la rithctiorr tltr ,[)c'ltinit.rtc"'.
in trinitatc spiritus sanctus, non gcnitus seil gcnitoris gcrritirluc suavitas ingenti largitrre atquc Vrir (1. Mrdcc, lnlntdu<lx»t tu.r'"Riuisions"L't i lt ltdutr lrs rt'uart,s tlt,s,tittt Auguslin,Pt
ubcrt:rtc pcrfultrlcns ()nlncs crcilturils pr() cilptu cilnnn u( r,rrlincln suum teneänt et locis suis ris, 1996, p. 151.
rct;rrics..rrrr." /i7r. I l() (tlrr (.r'rlrtts.rul,,uslitricrr),.l: ,,1)t rrrrit.rtt l)(i (t l)(r\(ln.rrrrrrr lrirrit.rtt lrrrirrsnr,rtli rrt.rl,.r
!t V1il. lt. Strrrlcr, St lrol.r, lOr), rrrit ( irt.1,or M.r1',rrrrs, l rt l l t, :. 1 /,,\. ( ()ll5( I ll)\1"
54 Goulven Madec ,,Inquisitione proficiente". Pour une lecture ,,saine" du De Trinitate d'Augustin 55

ta conscripsimws, illa etiam qwae in manibws babemws et, propter magnitwdi- E. Hendrikx me parait minimiser la gravit6 de l'incident ou de l'accident
nem ta.m difficilis qwaestionis, nondum possLtmtus explicare (Ep. 120,3, l3)5. qui perturba la r6daction du De Trinitate. Un exemplaire en fut effectivement
Selon E. Hendrikx, cela veut dire 1) que ,,la grande partie du De Trinitate d6rob6; et Augustin en fut durablement fäch6, comme en t6moigne la notice
... se trouvait achev6e dans un texte provisoirement d6finitif (sic!)", et 2) que des Retractationes:
le reste 6tait dl'6tat d'un brouillon ,,qui 6tait bien grossiörement achev6, mais ,J'ai 6crit sur la Trinit6 qui est Dieu quinze livres au cours d'un certain
sur lequel l'auteur travaillait encore pour en faire un texte net et d6finitif sans nombre d'ann6es. Mais je n'avais pas encore achev6 le douziöme et je les
y r6ussir jusqu'ici ä cause de Ia difficult6 du problöme trait6"6. gardais plus longtemps que ne pouvaient le supporter ceux qui d6siraient ar-
En 472, Augustin expliquait ä Marcellinus, pourquoi il r6sistait ä ses amis demment les avoir, qu'ils me furent d6rob6s moins bien corrig6s qu'ils ne de-
qui le pressaient d'6diter le De Genesi etle De Trinitate: Il s'agit dans ces ou- vaient et qu'ils n'auraient pu l'ötre quand j'aurais voulu les 6diter. Lorsque
vrages de questions trös d6licates, trös p6rilleuses, qui r6clament toute la vigi- plus tard j'appris le fait, parce qu'il en 6tait rest6 d'autres exemplaires chez
lance critique. Si ses amis le pressent d'6diter ces livres, afin qu'il puisse les nouse, j'avais d6cid6 de ne plus les 6diter moi-m6me, mais de les conserver en
d6fendre 6ventuellement de son vivant, c'est qu'ils estiment qu'i[ n'y a rien ä l'6tat et de dire en quelque autre opuscule ce qui m'6tait arriv6 ä leur sujet.
y reprocher; autrement ils l'exhorteraient, non pas ä leur publication, mais ä Pourtant sous la pression de fröres ä qui je n'ai pas 6t6 capable de r6sister, je
une correction plus diligente. Augustin, lui, compte plutöt sur de vrais juges, les ai corrig6s autant que j'ai estim6 devoir les corriger, je les ai compl6t6s et
s6vöres par exigence de v6rit6; et il veut ötre au premier rang d'entre eux: ut 6dit6s, leur ajoutant comme en-tete la lettre que j'ai 6crite au v6n6rable Au-
ad illos ea tantum reprebendenda perweniant qude a me, qudmuis sedwlo per- relius, 6v6que de I'Eglise de Carthage, prologue dans lequel j'ai pourtant ex-
scrutante, minime uideri potwerunt (Ep. 143,4). pos6 et ce qui 6tait arriv6 et ce que j'avais voulu faire selon mon dessein et ce
En 415, Augustin racontait ä Evodius qu'il avait achev6 les cinq premiers que j'avais fait par contrainte de la charit6 fraternelle" (Retr Il 15, 1).
livres clu De ciwitate Dei et qu'i[ avait dict6 les commentaires des Psaumes 67, IJne lecture saine du De Trinitate commence donc par celle de la lettre
7l et77. On lui r6clamait instamment les autres. I1 ne voulait pas en ötre di- 17410:,
strait et empöch6 par toutes sortes de problörnes qui l'assaillaient ,,de transu- ,,Augustin, au seigneur bienheureux, digne de la v6n6ration d'une charit6
erso". Et mäme les livres sur la Trinit6 qu'il avait en mains depuis longtemps, toute pure, ä son saint fräre et compagnon de sacerdoce, le pape Aurelius, sa-
il ne voulait pas s'en occuper pour le monlenq parce qu'ils r6clamaient trop lut dans le Seigneur.
de travail et parce qu'il estimait qu'ils ne pourraient ötre compris que par peu Les livres sur la Trinit6 qui est le Dieu supr6me et v6ritable, je les ai com-
de gens. L'urgence 6tait aux ouvrages dont il esp6rait qu'ils seraient utiles au mencr5s jeune, je les ai 6dit6s vieux. J'avais, en effet, rel6gu6 cet ouvrage, aprös
grand nombre: prioritd pastorale (Ep. 169,1)7. avoir d6couvert qu'il m'avait 6t6 d6rob6 ou vo16 avant que je l'eusse achevd et
Selon E. Hendrikx, ,,cette d6cision d'arrOter pour un temps ind6termin6 le mis au point en le corrigeant, comme c'6tait mon intention. En effet, ce n'est
travail du De Trinitate... dut se r6pandre bien vite dans le cercle intime des pas un ä un, mais tous ensemble que je voulais 6diter ces livresll, parce que
confröres et des collögues d'Augustin ... Leur patience, si longuement et si les suivants sont li6s aux pr6c6dents par le progrös de la recherche.
durement 6prouv6e, tournait au d6sespoir: I'arr6t momentan6 risquait de de- Donc, puisque cette intention n'avait pu 6tre r6alis6e du fait que des gens
venir facilement un renoncement d6finitif. Nous comprenons dös lors qu'ils avaient pu avoir accäs ä certains de ces livres avant que je le voulais, j'avais
se laissaient tenter de soutirer secrötement un des textes-nets et de le faire cir- laiss6 la dict6e interrompue, en me proposant de me plaindre de ce fait dans
culer, ä l'insu de l'auteur, dans le cercle de ses amis et de ses connaissances"8. quelque 6crit, afin que ceux qui Ie pourraient sachent que ces livres n'avaient
pas 6t6 6dit6s par moi, mais enlev6s avant qu'ils me parussent dignes de mon
Ep. 120,3, 13. N. B.: tout au long de l'article j'emploie les italiques pour mettre en relief les 6dition.
formules et propositior.rs qui n.re paraissent particu[iörernent significatives.
E. Hendrikx, ,,La date de composition du De Trinitate", Bibliotbique Augustinienne (= BA)
15, p. 563-564.
e Augustin faisait donc dtablir plusicurs exemplaircs en cours de travail; j'entrevois li un indicc
Jc ne partage pas l'avis de P. Brown, Lavie de saint Augustin, Paris, 1971, p.420: ,,D6sormais, de quclquc ,,traviil en 6quipc", qui n'cst p;rs pris en c()mptc par I1. f)ekkcrs, ,,Saint Augustir.r
face au d6fi du p6lagianisme, toute cette activit6 sp6culative s'arr6te soudain. Evodius, roujours 6ditcur",'l'roisii»tc tcnt.cnairr dt I't;dititttt rttauristt'dL'srtint Augustroz, Plris, 1990,p.235-244.
friantl tlc sujcts 6rudits ct csoti'riqucs, sc fcra ratrroucr s.rns clouceur... et Augustin Iui flit l0 l'lllc l r1(i rrrrllrt'Ltrtttscrtrt'nt orrrisr'.l.rrtr l,'v,,ltrrrrt' l5 Jc l.r ,,[]ilrlrotlritltrc Arrgustirricrrnc"
.,,rn1,rrrr.lrc tluc lcs spiculrtiorrs p«rfontlcs rlu 1)c Trinitatt lui sont brustluenrcnt.lpp.rrucs (l(r55), ic I'\' csl rrlis( <l.ttts I'.tv.tttt Ir('1r(rs ({c l',,liti,,r, ,lg lr)(X,.
lrors 1rr,,1r,,s". Norr; Augrrstirr irtv,xlrtc crprtssi'trttrt (t uni{llr('n)('r)t lc rrroril I)Jstr)r.ll. l1 (.rrnlr.tircntcnl ,r (( illr'il l,rit.rit
1r,,rI lcl)rrtrrtl,rlr' /)r'r ,,(.)rr0rurrlri\|rr,'rc\(l[il,',li,lit.r',,r
ir.,1 t5, 1' 56s. (l lr nrrllorttttt tt,.ttttl,tt.,r'\!( (o(ltr\.,(nl (l)t tut l),t Y .'t'l
56 Goulven Madec ,,Inquisitione proficiente". Pour une lecture ,,saine" dr De Trinitate d'Augustin 57

Pourtant, press6 par la requ6te träs instante de beaucoup de fröres et surt- Ijensemble est-il pourtant coh6rentls? Oui, puisqu'Augustin s'esr rdsolu ä
out par votre ordre, je me suis appliqu6 ä achever, avec l'aide du Seigneur, cet le publier. En tout cas, il faut le lire en totalit6, de livre en livre, comme le
ouvrage si difficile; et, ayant corrig6 ces livres, - non comme je l'aurais vou- souhaitait Augustin, pour suivre le ,,progrös de la recherche*: Non enim sin-
lu, mais comme je I'ai pu, afin de ne pas les rendre trop diff6rents de ceux gillatim, sed ornnes simul edere ea ratione decreueram, quoniam praecedenti-
qui, d6rob6s, 6taient d6jä parvenus entre les mains des lecteurs -;'e les ai en- bus conseqwentes inqwisitione proficiente nectantwr (Ep. 174).
voy6s ä votre r6v6rence par l'interm6diaire de notre fils et compagnon de dia- Cette formule ne m'incite ni ä continuer la recherche de chronologie, ni ä
conat Carissimus12; et j'ai permis ä quiconque de les 6couter, de les copier et exercer ma curiosit6 sur une 6ventuellle 6volution doctrinale. Je la tiens
de les lire. plutöt pour une consigne de lecture, une invitation aux lecteurs de bonne vo-
Si mon dessein avait pu 6tre respect6, ils seraient assur6ment, tout en ayant lont6 ä progresser, en refaisant la recherche progressive de l'auteur. C'est aus-
le m6me enseignement, beaucoup plus clairs et nets, pour autant que l'aurai- si une invitation ä observer la structure et les articulations de l'ouvrage.
ent permis et la difficult6 d'expliquer des r6alit6s si grandes er la mesure de
ma capacit6.
Il y a des gens qui ont les quatre ou plut6t les cinq premiers livres sans
pr6ambules et le douziäme sans une partie finale qui n'est pas perire; mais si II. Structure et grille de lecture
la pr6sente 6dition peut parvenir ä leur connaissance, ils corrigeront le tout,
s'ils le veulent et le peuvent. Je retiens deux analyses de l'ouvrage:
Je demande enfin que vous ordonniez de placer cette lerrre, ä part bien sür, Le ,,plan" de M. Schmaus
mais pourtant en tete de ces livres. Adieu. Priez pour moi". ,,Das ganze \Werk zerfällt in zwei grosse Teile.
Le vol est post6rieur ä la lettre 169, puisqu'il n'y a 1ä aucune allusion au Der erste Teil bietet von Buch 1 bis 4 das positive Schriftmaterial über das
fait. E. Hendrikx le date de 416; A.-M. La Bonnardiöre, de 417-418t3. Trinitätsdogmd, yon Buch 5 bis 7 die Formulierwng d.es Dogmas,
,,Pieux larcin"ra? S'il a 6t6 perp6tr6 par des admirateurs, ils ont 6t6 mal die zweite Hälfte ist der spekulathten Dwrcbdringung d.es Mysteriums ge-
avis6s. Augustin n'6tart pas hostile ä une consultation sur place: il y encoura- widmet"l9.
geait Consentius. Mais tout ouvrage 6dit6 dchappe ä son auteur; il ne peut le Le ,,plan" de E. Hendrikx2o
rattraper, comme dit Augustin au d6but des Retractationes: Scribere auteftt ,,I. Partie positive: Le contenu dw dogme (L. I-IV):
ista mihi placuit, ut baec emittam in manus bominum a quibus ea quae iam I-IV. Unit6 et 6galit6 des Personnes divines
edidi rewocare et emendare non possutn (Retr, prol. 3)15. Une ,,6dition-pira- II-III. En outre: les missions
te" risque d'ötre beaucoup plus calamiteuse! Mais il est probable que les d6- II. Partie sp6culative: Termes et analogies (L. V-XV)
gats furent limit6s, car ä ce jour aucun manuscrit n'en a 6t6. rep6r6., si j'en ju- A. La formulation du dogme (L. V-VII):
ge par l'6tude de Dom A. 1Vilmart16, et les Prolegomena du CCL 50. V. Les pr6dicaments; les relations
Je crois qu'il faut prendre au s6rieux Ia d6claration d'Augustin disant que VI. Deux ou trois Personnes ne font pas plus qu'une Personne; Dieu
l'ouvrage n'est pas aussi parfait qu'il aurait pu et dü l'ötre. L emendatio frna- est Trinitas, non triplex.
le des livres I-XIIa, objet de 1',,6dition-pirare", dur ätre l6göre, puisqu'Augu- VII. Les pr6dicables; pourquoi donc trois Personnes?
stin pr6cise: adiwuante Domino terminare curaui eosqwe emendatos, non at B. La vie de l'äme humaine analogie de la vie divine (L. VIII-XV)
wolwi, sed wt potwi, ne ab illis qwi subrepti iam in manibus hontinwm exierant, VIII.Transition
plwrim.wm discreparent (Ep. 174). Je ne crois donc guöre ä l'hypothöse de IX. L analogie: mens-notitia-amor
couches r6dactionnelles ou d'ajouts autres queles prooemia des livres I-Vl7. X.,, Eo identior Trinitas" : me oria- inte lle ctu s-v olwntas
t2 Yon BA 468, p. 556-557, et BA 15 (1996), p. 8't. XI. Les analogies dans la connaissance par les sens externes et internes
tr Recberches de chronologie awgustinienne, p. 158-169.
ra E. Hendrikx, BA 15, p. 565.
15 Retractationes, Prol. 1 (BA 12, p.2{ß-269). 18 Vrir.l. llrirt'htcntlorl, (r: ,,Arrs tlicscrrr A[rrill gclrt hcrvor, tlrss /)r, 'l'rinit.ttc unscrcr Auffas-
P.
lt' ,,La tradition des grands ouvrages de saint Augustin", Miscellanea Agostiniana,ll, p. 269-278. sttrtg ztll,,lgc s.rclrlielrc Strirrgcnz lrcsitz ttn,l cirrc Iolr.irt'rrtt Argtrrrrtrrl.rliorrskt'ttt.lrfwcist".
l/ J. I3. du Roy,,,1.'cxp6ricncc dc l':rnrour ...", Rccbercbt,s Augustinitnncs,2, p.433, n.82, eroir r'' M.Srlrnr.rus,/)rr'lttl,rltolrrytttltr lirtttt,tttl,l,tr',1,tl,ctltttrr,4rrtlrrstttrrr:, Mrirrslt.r, l')2/,P.5,
,ltrclcr ,lcrrx rnlcrpol.rtiorrs tl.rrrs Ic livrc VIll (4, (, 6,9 ct 9, I 1)- r' ß,.1 l',. l) -,0 ., I
58 Goulven Madec ,,Inquisitione proficiente". Pour une lecüre ,,saine" dl De Trinitate d'Augustin 59

XII-XII. La science et la sagesse; la sagesse est par excellence l'image Devant un parterre de philosophes et de th6ologiens, et qui plus est dans
de Dieu un Institut qui s'adonne aux questions philosophiques fondamentales de la
XIV. La participation ä la sagesse de Dieu comme image de sa Trinit6: th6ologie2a, pareille d6claration risque d'ätre vertement tanc6e par les uns
memoria Dei - intellectws Dei - amor Dei etlou les autres. Ils vont me prier de les laisser exercer en paix leurs professi-
XV. Les processions en Dieu, expos6es et 6labor6es ä partir de la plus ons, pr6senter le De Trinitate comme un moment important de la th6ologie
haute vie de l'äme humaine". dogmatique etlou de Ia philosophie de l'esprit. Ils vont ,,me remettre ä ma
Je rappelle aussi I'all6gation d'H.-I. Marrou: place", comme on dit familiörement. Mais quelle est ma place? Je suis un
,,Le de Trinitate se divise ... en deux parties d'un ordre tout ä fait distinct. marginal, sans domicile fixe dans les quartiers universitaires, entre Facult6s
On peut dire, ä la condition de pas trop serrer les mots, que l'une est propre- de philosophie et de th6ologie.
ment thöologique, l'autre plwtöt philosophiqwe. Les huit premiers livres en ef- Rdcusant le vocabulaire scolastique, que me reste-t-il pour tächer de com-
fet repr6sentent un effort pour 6tablir et d6fendre contre ses ennemis le dog- prendre le De Trinitate? Les cat6gories de pens6e d'Augustin que ;.'observe
me catboliqwe de la Trinit6 ... Au livre IX, changement ä vue; d6sormais et dans les articulations de l'ouvrage.
;'usqu'ä la fin du grand ouvrage, nous nous trouvons sur le terrain propre de
la philosophie augustinienne: 6clairöe, par la th6ologie qui pr6cäde, sur le con-
tenu de la foi trinitaire, la raison od tenter, par ses propre moyens et en se ser-
zsant de ses propres forces de rejoindre ce but lumineux que l'äme jusqu'ici ne lII. Fides et ratio
poss6dait que par la foi; ayant cru et connaissant ce qu'il croit, Augustin va
chercher ä comprendre"2l . Le De Trinitate d6bute par une d6claration frappante, abrupte, agressive:
Le problöme de la c6sure, entre les livres IV et V (Hendrikx22), ou entre les ,,Celui qui va lire nos d6veloppements sur la Trinit6 doit d'abord savoir que
livres VII et VIII (Schmaus) ne m'embarrasse pas outre mesure. La position notre stylet est en garde contre les chicanes de ceux qui, m6prisant le fonde-
de Marrou pas davantage: il ne justifie pas l'annexion du livre VIII ä la pre- ment de la foi, sont tromp6s par un amour immature et pervers de la raison":
miöre partie et je crois qu'il aurait 6t6 en peine de le faire23. Lectwrws baec qwae de Trinitate disserimus prius oportet ut nouerit stilwm no-
Ce qui me g6ne et que je r6cuse c'est Ie vocabulaire scolastique des analy- strum aduersws eorum uigilare calwmnias qui fidei contemnentes initiwm im-
stes: Ie dogme et la sp6culation, la th6ologie et la philosophie, les pr6dica- rnaturo et perwerso rd.tionis arnore fallwntwr (I 1, 1). Augustin en 6numöre
ments et les pr6dicables, la raison avec ses propres forces, les analogies: tout trois espöces: ceux qui mesurent les r6alit6s spirituelles ä l'aune des exp6rien-
cela n'a rien d'augustinien. Ce sont des grilles conceptuelles qui enferment, ces de leurs sens, ceux qui pr6tent ä Dieu des sentiments humains, ceux qui
qui emprisonnent Augustin et son ouvrage, et partant des piöges ä l'inter- pr6tendent transcender tout cela, sans tenir compte du poids de leur conditi-
prdtation et ä la compr6hension. on mortelle. Je ne vais pas enquäter pour d6noncer les uns et les autres par
leurs noms. Selon A. Schindler il s'agit lä plutöt d'un ,,ontologisches Grund-
modell aller möglichen Häresien". Cela ressemble, en effeL ä l'esquisse d'u-
21 H.-I. Marrou, Saint Augustin et lafin de La cubure antique, Paris, 1938, p. 64.
22
ne typologie de l'erreur religieuse qu'on lit en De uera religione, 1.82s.
Voir aussi A. Schindler, Wort und Analogie in Augustins Trinitätslehre, Tübingen, 1965,
p. 118-1 19: ,,§7as die Gliederung des Gesamtwerks anbetrifft, so zerfällt es eindeutig in drci L'erreur commune des ces raisonneurs est de r6cuser le fondement de la
Hauptkomplexe, nämlich in die Bücher I bis IV, die dem Schriftbezteis dienen, die Bücher V foi, l'Ecriture sainte qui s'adapte aux petits que nous sommes, parlant le lan-
bis VII, dre der begrffiicben Klärwng des Dogmas gewidmet sind, und schliesslich die Bücher gage mdtaphorique du corps et de l'äme, mais rarement celui de la philoso-
VIiI bis XY die sich ... um die Analoglez der Trinität bemühen. Insofern nun die e rsten sieben
Bücher inhaltlich im grossen ganzen der Art entsprechen, wie im vierten Jahrhundert allge- phie (I 1,2). C'est lä que s'opöre la n6cessaire purification de notre esprit, 1ä
n-rein über die Trinität geschrieben wurde, und die übrigen acht Bücher sehr stark eigene'We- que nous sommes nourris et fortifi6s par la foi, conduits par des chemins plus
ge gehen, kann man mit einem gewissen P.echt die Zäsur in der Mitte, also zwischen Buch VII
praticables afin que nous devenions aptes et capables de saisir le mystöre de
und VIII sctzcn. Filr Augustin stelb sicb die Sacbe ettpas anders dar. Die ersten vier Bücher sol-
len die Trinitätslehre, sowie sie Glaube der Kirche ist, aus der Schrift beweisen, der ganze Rest Dieu (I 1, 3). C'est simplement la spiritualit6 dc saint Paul.
des §7erks versucht die Gegner dicser Lehrc zu widerlegen, und zwar einerseits durch Eingc-
hen auf die ,,haereticorum versutissima argumenta", andrerseits durch cinc Bchandlung ,,mo
do intcriorc", cl. h. durch clic Analogicn inr Mcnschcn, wobci inlrcr rlls Intcrcssc lcitcnd ist, rr ,,1'lbcrlr,rrrl K.rrlsIirrivcrsit.rt 'liilringtrr,K.rtlr,,lir, lr'l'lrcologisclrcsStrrrirr.rr,AlrtcilLrngfiir['hi-
ctwis irufzuzciLcrr, ,,rurrlt' rlrrbit.rrc rrorr possirrt" ...". l,,sr,pltis, lr, ( irurr,llt,rlcrr rl, r'l'1r,,,1,,1ii, ".
rr(ltltr',liviri,,n('strll.lint('nu(rl.rrrss.r/ir'/r,r/,1/lo,I),rris,I(),11),p.(r(16. "' (lrrttttttcl, rrl,n.rl, A i\{ I.r ll,,ttn.rtrltctr', li,,l,,t,l,,'. p 1,16,rr i,
60 Goulven Madec ,,Inquisitione proficiente". Pour une lecture ,,saine" dt De Trinitate d'Augustin 6l

Mais quand on leur tient ce langage, certains s'irritent et s'estiment ou- incomprebensibiliwm rerum inquisitione proficitur et melior meliorqwe fit
trag6s. Augustin entreprend pourtant de les convaincre (reddere rationem) quaerens tam magnwnx bonwm qwod et inweniendwm qwaeritwr et quaeren-
sur le mystöre trinitaire, 1) d'abord en montrant quelle est la foi selon l'auto- dum inuenitwr? (XY 2,2).
rit6 des saintes Ecritures,2) ensuite peut-etre en leur faisant d6couvrir quel- L intelligence de la foi est un travail sur les Ecritures. Doarina christiana;
que chose dont ils ne puissent douter; ce qui rabbatrait leur caquet26 et les in- comment traduire? Doctrine, instruction, enseignement, 6ducation, culture
citeraient ä retourner au point de d6part et ä l'ordre de la foi, au service chr6tienne? On ne sait trop. Mais une chose est certaine. C'est une tractatio
sanitaire de la sainte Eglise. Car ces raisonneurs sont des malades (morbus) scripturarum2e, un effort soutenu d'intelligence des Ecritures et un partage de
qu'Augustin va s'efforcer de persuader qu'ils doivent prendre le remöde des l'intelligence acquise3o. Les ,,r6alit6s" (res) dont traitent les Ecritures sont la
baptis6s que dispense la ,,pharmacienne" qu'est la sainte Eglise (in sancta Trinit6 et l'6conomie du salutll;
ecclesia medicina fideliunt constituta, | 2, 4). La demewre de pens6e d'Augustin est la Bible oü est pr6sent6e la Trinit6,
Augustin ne s'adresse pas ä des ,,universitaires". Il a des admirateurs im- Pöre, Fils, Esprit saint, ä l'auvre dans le monde, dans les apparitions et les
patients; mais il s'attend aussi ä des critiques, justifi6es ou non. Il ne les craint missions, la Trinit6 qui est qualifi6e d',,6conomique" par les dogmaticiens. Il
pas: Nullws enim reprebensor formidandws est amatori ueritatis (II 1); il ne s'agit pour lui de rendre raison (reddere rationem) de l'affirmation que les
craint pas la contestation de celui qui ne comprend pas: qu'il remise cet ou- trois, Pöre, Fils et Esprit saint, sont l'unique, le seul, le vrai Dieu (I 2,4; cf. I
vrage, qu'il s'en d6sembarrasse m6me, et donne sa peine et son temps ä ceux 4, 7); ll s'agit de justifier l'affirmation de leur ,,consubstantialh6", de leur
qu'il comprend; pas davantage la contradiction de celui qui comprend, mais ,,homoousie", comme l'ont fait avant lui tous les commentateurs catholiques:
estime que telle formule n'est pas exacte: qu'il d6fende la sienne et r6fute Otnnes quos legere potui, qui ante n7e scripserwnt de Trinitate qtuae Deus est,
l'autre, s'il le peut; et s'il le fait avec charit6 et v6rit6, Augustin cueillera le diwinorwm librorum ueterum et nouorunT catbolici tractatores, boc intender-
fruit le plus juteux de son propre labeur (I 3, 5). unt secundum scriptwras docere, qwod Pater et Filiws et Spiritws sanctus unius
Pour sa part, il m6dite sur la Loi du Seigneur, si ce n'est jour et nuit (cf. Ps. swbstantiae inseparabili aequalitate diwinam insinuent unitatem (I 4, 7).
1,2),du moins ä tous les instants qu'il peut; et ses m6ditations, il les attache C'est, en effet, la Trinit6 ,,immanente'12 qui est objet de recherche, objet de
au stylet pour 6viter leur fuite dans l'oubli (I 3, 5). problömes pos6s soit par des h6r6tiques, soit par des importuns (et nobis ta-
Les lecteurs qu'il souhaite sont ceux qui sont dispos6s ä cheminer avec lui edio sunt) (I 5, 8), qui sont aussi des fröres: Vbi est inseparabilis Trinitas?
sur la voie de la charit6 (I 3, 5). C'est le droit de la charit6 qui l'oblige: il se ...Solet haec qwaestio ab stwdiosissimis fratribws proponi, solet in amatorum
doit d'informer ses fröres sur le chemin qu'il a parcouru, 1'6tape ä laquelle il Verbi Dei sernTone uersari, solet pro hac m.wbum pwlsari ad Dewrn, dicentibus
est parvenu, le parcours qui lui reste ä faire jusqu'ä la fin. Il faut aussi, et hominibus: "facit aliquid Pater qwod non facit Filiws? facit aliqwid Filiws quod
Dieu le lui accordera, qu'en servant ä ses fröres de quoi lire, il progresse lui- non facit Pater? " ... (Sermo 52,2,2-3,4).
mäme (ipse qwoqwe proficiam) et qu'en d6sirant r6pondre ä ceux qui cher-
chent il trouve aussi lui-m6me ce qu'il cherchait (I 5, 8).
Le De Trinitate est un ouvrage de recherche, r6pondant ä l'exhortation du
psalmiste: ,,Cherchez toujours son visage" (Ps. 104, 4; I 3, 5)27, une recher- IV. Apparitions et missions
che dans la foi, un travail d'intelligence de la foi, sans pr6tention dogmati-
cienne, et qui ne peut etre que modeste, 1") 6tant donn6 notre situation de Livresl-IY primum secundwm auctoritatern sctipturarum sanctarum (l 2,4).
marcheurs en exil: Quamdiu enim samus in corpore, peregrinamur a Domi- Augustin commence par expliquer une s6rie de testimonia scripturaires qui
no. Per fidem enim ambwlarrTus, non per speciem (2 Cor 5, 5-7) Contemplatio prouvent Ia parfaite divinit6 du Fils (I 6,9 ss.) et de l'Esprit saint (I 6, l3).
qwippe lnerces est fidei, cui per fidem corda mwndantar ... (I 8, 17)28; 2") par-
2e De d.octrina christiana, Prooemium, 1.
ce que nous r6fl6chissons sur une r6alit6 in-compr6hensible, im-prenable, et
\c De doctr. cbrist. I1,1: ,,f)uae sunt res, quibus nititur omnis tractatio scriprurarum, modus in-
je dirai möme: in-conceptualisable: Cwr ergo sic quaerit, si incomprebensibile
uenicndi quac intcllegenda sunt et modus profcrcndi quac intcllccta sunt".
comltrchcndit cssc quod qwaerit, nisi quia ce ssandwm non est quamdiu in ipsa rt |bid., I 5,5 ct 10, 10.
i2 c fris,rllttsiorr tr Orundariotr rlc K. R.rltrtcr: ,,1.r'li-irriti'rlc l'i'c<,nrrrnic tltr srrltrt cst lr'[iinit6
.f
r'',,lstis !in illis r.rtiocirr.rtorihrrs' (l 2, 4). itlttt.tttctttt, (t inv('rs(r!r(n1", tl.rrrs ,,(Jrrt'l<;ucs rcnl.u(llt(s \ltr lc tr.li((i ilogrrr.rtit;trt',1)c'lirrit.t
: V,,tt .tttssi lX l, l; XV l, l; XV 7, ll. tt"', /'rrrlr llt,,tl,t,t,trlttrr, ll, I'.rris, l')1,/, ll. 1.10. V,,ir .russr (, l.rlont, l'(ul t)n r,,tttr,rittt l)itt
'rr V,,u.ur\\r Ilt),.'l;ll l/,.)tlt lll.l,'t; IV/, ll,lVll{,2,1;VIII4,6;XIV2,4. ttt lt:rrr ( l'trttr, l',rrr.,, l')(,').;r l,/l ,).,}i:,,l cr,;rlssr.\\\t(.nt.rtt(lur.,l,.h.rrl l(,rlrrrr.r".
62 Goulven Madec ,,Inquisitione proficiente". Pour une lecture ,,saine" dt De Trinitate d'Augustin 63

Mais il y a quantit6 d'autres textes qui affirment que le Pöre est plus grand V. L indigence de l'abstraction
que le Fils, ä cause de l'Incarnation. Augustin 6nonce donc la rögle de discer-
nement: secundwn't forülarn Dei - secwndwm formam serwi (Pbil.2,6-7), qui Livres V-VII: ut ... respond.ere
incipiamus fid,ei nostrae adwersariis (V 3, 4).
permet d'interpr6ter correctement ces divers textes. Il la rappelle au d6but du Augustin porte maintenant sur le terrain des ,,adversaires de notre foi",
se
livre II (1,2),en ajoutant qu'il reste des textes ambigus, dont on ne sait de les ariens, pour expliquer le bon usage des catdgories aristot6liciennes. I1 n'y
prime abord s'ils concernent l'inf6riorit6 cons6cutive ä l'Incarnation, ou pas d'accident en Dieu. Mais il ne s'en suit pas que toute attribution soit sub-
seulement le fait que le Fils est n6 du Päre; d'oi une dewxiäme rigle, selonla- stantielle; il y en a aussi de relationnelles (ad aliqwid).
quelle le Fils (Dieu) n'est pas inf6rieur au Pöre, mais tient son origine de lui; C'est affaire de discernement et n6cessit6 de clarifier le vocabulaire abstrait
et cette natiwitas n'implique pas inaeqwalitas (lI l, 3*2,4). Cette deuxiäme qui est bien pauvre. On dit que Dieu est swbstantia, mais le terme est impro-
rögle s'applique 6galement ä l'Esprit saint (II 3, 5): lui aussi tient son ötre du pre; proprement il est essentia. Il s'est r6v6l6 tel ä Moise: Ego swm qui sum
Pöre, comme le Fils. La mission du Fils est son Incarnation, celle de I'Esprit (Ex. 3,14; VII 5, 10). Les grecs disent oüoio; mais ils disent aussi ündotaotg.
ses envois sous forme de colombe ou de feu. Pourquoi le Päre n'est-il pas dit On ne sait trop quelle diff6rence ils y mettent; toujours est-il que la formule
,,envoy6" ä propos des apparitions du buisson ardent, de la colonne de nu6e trinitaire: p[« oüotcr, rQtlE üxroordoerE, s'est impos6e (V 8, 10)35. Nous di-
et de feu, de la foudre sur la montagne, etc. (ll 7, 12)? sonsi Ltna essentid wel swbstantia, tres Personae (V 9, 10). Mais lorsqu'on de-
Ceci pose le problöme g6n6ral des apparitions divines et de la distinction mande: trois quoi?, le langage humain souffre d'une bien grande indigence.
entre apparitions et missions. Question trös complexe qu'Augustin subdivi- On dit n6anmoins: trois personnes, non pas pour dire cela, mais pour n'ätre
se en trois points (II 7 , l3): 1) Qui est apparu aux patriarches, le Pöre, le Fils
pas r6duit au silence: Tamen cum quaeritwr quid tret, magna prorsus inopia
ou l'E,sprit saint, ou tantöt l'un, tantöt l'autre, ou encore la Trinit6 sans di- bwmanum laborat eloquium. Diawm est tamen: tres personae, non ut illud di-
stinction de personnes? 2) Est-ce par I'interm6diaire de cr6atures form6es ceretur, sed ne taceretur (V 9, 10).
rur.riquement ä cet effet, ou par les anges? 3) Y a-t-il eu des missions du Fils et Loquendi causa de ineffabilibws... (VII 4,7); loqwendi necessitate parta ba-
dc l'Esprit auparavant, et, si oui, en quoi diffärent-elles de celles qui sont ra- ec uocabwla, cwm opws esset copiosa disputatione adwersum insidias uel errores
contöes dans l'Evangile? baereticorum (VII 4, 9); propter disputandi necessitatem (VII 6, 12). Augustin
Lc traitement de la premiöre question couvre la suite du livre II (8, 14-18, n'a manifestement pas d'enthousiasme pour ce recours ä un langage autre
)5); la deuxiöme est trait6e dans le livre III (1,4-11,27);\a troisiöme est 16- que celui de l'Ecriture36.
.rrrn<rnc6e en III 11, 2T,ettrait€.e au livre IV la mission du Fils trös longue-
Dans sa r6cente Histoire des dogmes, Bernard Sesboü6 s'est appliqu 6 i pr6-
rrrcrrt (1, 310,28) et la mission de l'Esprit saint en une page (20,29).
senter les 6tapes de l'6laboration de ,,la formule trinitaire", ,,indispensable ä
l.',,cx6göse augustinienne des th6ophanies" marque-t-elle un progrös d6ci- 1'unanimit6 de la confession de foi": ,,LJne formule trinitaire 6quilibr6e et
sil clans l'histoire du dogme trinitaire, cornme l'estimait le pöre J. Lebre- s'imposant ä tous pouvait seule recomposer l'unanimit6 des croyants dans
tonrr), ä l'encontre de dom G. Legeay qui pr6f6rait ,,ä l'opinion de saint Au- leur confession du Dieu unique en trois personnes"37. Il pr6sente aussi rapi-
gr.lstin, le sentiment ä peu prös unanime des Pöres des quatre premiers siöcles dement Augustin comme ,,h6ritier de la pens6e grecque": ,,Il est plus que
dc t'Eglise, qui n'h6sitent pas ä enseigner que c'est le Fils du Pöre, Notre- vraisemblable qu'il a connu les cuvres trinitaires d'Athanase, de Basile de
Scigncur J6sus-Christ non encore n6, qui s'est manifest6 par les diverses ap- C6sar6e, de Gr6goire de Nazianze, et sans doute aussi de Didyme 1'A-
paritions rapport6es dans l'Ancien Testament"la? Je ne me charge pas d'en veugle"l8.
cl6cider. J'observe seulement qu'Augustin veut traiter le problöme paisible-
ment: in pace catbolica pacifico studio requiramus, parati corrrigi, si fraterne
dc recte reprebendimwr, parati etiam si ab inimico, uera tdmen dicente, mor-
dcmur (II 9, l6).
15 Depuis la lettre synodale de Constantinople adress6e i Romc en 382. Voir Histoire des dog-
tnes, sous ladirection de B. Sesboü6, tome I: 1-e Dieu du salut, Paris, 1994, p.3014A2.
3" Voir M.-F'. Bcrrourrd, ,,I.a d6fiance d'Augustin ä l'6gard clu mot "persona" en th6ologie trini-
tairc", R,4 73h, p. 475-4711. [.c thi'nre en discussion cst, du rcstc, scriptlrrilirc: c'cst la difficul-
1r . Lclrrclorr,
.f ,,\,rirrt Arrgrrstirr tlrt:,rl,,gitrr.lc l.r'liirritl'. Sorr cxi'gi'sc rlcs th6ophanies", Miscella- ti <lu lt,stirnoniurl: ,,( lllrisrunr I)ci rrirtrrt.crrr ct [)ci srpicnti;irtt" (l ( )or. l, 24; voir VI, 1, 1; VII,
I
ttr',r ,'lyotltttt,rrt,r, I l, 1'. ti2 ti t6. t, t).
ll (i tt lls tlrcr,l,lr,rnitr,,l',r1,,,r l.r tlortrirrt tlcs I'trt's", lituttt' lltottti:tt,10,
Lr'1,,r',rt,.,1'.rrr1',t ' It. S, *1,,'rrr'. p. .'S l ct .)l"i t
l't{)-',1r ltl{ l',ti,.l()'r.l-'.1, ll, l't()i,l) l(, (,')iI l-)5 li,l:rrt,rtr()[,lr.l.r1r..l0l. \t\ ll,rtl,l \()/
64 Goulven Madec ,,Inquisitione proficiente". Pour une lecture ,,saine" du De Trinitate d'Augustin 65

Je veux bien, quitte ä constater qu'il ne les cite pas et que son propos n'est VI. A la recherche de l'image de Dieu
manifestement pas de militer ä leur cöt6 ou ä leur suite pour quelque sacro-
sainte ,,formule trinitaire". Celle-ci existe d6sormais, sous sa forme grecque Livres VIII-XV modo interiore (VIII 1).
et sous sa forme latine. Uune et l'autre sont respectables, mais pauvres; car A la fit du livre VII (6, 12), Augustin a 6voqu6 le thöme scripturaire de l'i-
persona, comme ünöotoorg ou JrQdorofiov, d6signe un ad se, un en-soi, et non mage de Dieu, en citant les testimonia: Gen. 1.,26: Faciamws bominem ad
pas une relation interpersonnelle. Ad se qwippe dicitwr (Pater) persona, non imaginem nostram; 1 Cor. 11,7 Vir qwidem non debet uelare caput, cum sit
ad Filiwm wel Spiritwm sanctum, sicwt ad se dicitur dews et tna.gnus et bonws et imago et gloria Dei; Col. 3,10 Qui renowa.tur in agnitionem Dei, secundum
iustus et si quid aliud bwiwsmodi. Et qwemad,rnodwm boc illi est esse qwod d.e- imaginem eiws qwi creauit eum; et il a rappel6 l'avertissement d'Isaie (7, 9):
ttm esse, quod magnwm, quod bonwm. esse, ita hoc illi est esse qwod personam
,,Si vous ne croyez pas, vous ne comprendrez pas" .
esse. Cwr ergo non baec tria simwl wnam persona.m dicimus, sicut wnam essen- Au livre VIII, il
cong6die la controverse (stwdiwm contentionis), pou.
tiam et wnwm dewm, sed tres dicimws personas, cum tres deos aut tres essen- proc6der modo interiore ... seruata illa regula, ut qwod intellectwi nostro non-
tias non dicamus, nisi qwia wolwmws wel anwm aliqwod wocabwlum serwire hwic dwm elaxerit a firmitate fidei non dimittatwr (VIII 1, 1). Recherche dans la
significationi qua intellegitwr Trinitas, ne omnino tdceremus interrogati, qwid foi donc: Per fidem adbwc arnbwlamws, non per speciem (2 Cor. 5,7;YIII 4,
tres, cum tres esse fatererrtur (VII 6, 11). 6); et recherche en progrös de livre en livre.
Au terme, B. Sesboü6 estime qu'Augustin ,,reste sur une aporie: il n'arrive Augustin commence par r6fl6chir et faire r6fl6chir ses lecteurs sur la V6rit6
pas d rlconcilier le point de vue absolu de la personne et le c6t6 des relati- en soi et le Bien en soi42. Dans le r6sum6 qu'il donne du livre VIII du De Tri-
ons"3e. Ce;'ugement fait 6cho ä la conclusion que Ghislain Lafont tire de son nitate, il 6numöre quatre thömes: la V6rit6, le Bien, la Justice, l'Amour (XV 3,
6tude sur ,,Gr6goire de Nysse et saint Augustin. Le paradoxe patristique": 5)a3; mais c'est un raccourci. Je crois que le thöme de l'amour englobe celui
,,La pens6e d'Augustin ... 6pouse d'embl6e la perspective ä laquelle la d6fen- de la justice; car il apparait dös VIII 4,6: Sed dilectione standum est ad illwd
se de la foi a conduit les Pöres Cappadocie ns. Et elle esswie les m€mes öcbecs, et inbaerendwm illi (Bono), ut Praesente perfraamur a quo sulnus, quo absen-
lorsqu'elle travaille sur les mömes plans de r6flexion logique et m6taphysi- te nec esse possumws. Dans le g6rondif inbaerendwm, j'entrevois une allusion
que: ... au niveau du langage universel des cat6gories, saint Augustion n'arri- au verset du Psawme 72,28:: mibi autem adbaerere Deo bonwm esr (cit6 en VI
ne pas ä situer personne et essence l'une par rapport ä l'autre dans une relati- 5, 7), qui est la formule chr6tienne du tölos (voir De ciwitate Dei X ZS1++.
on d6passant celle de l'accident ins6parable par rapport ä la substance; / Le problöme principal qui doit nous occuper, au sujet de la Trinit6 et de la
n'arriae pas davantage (et c'est 6videmment 1i6 ä l'6chec pr6c6dent) ä conci- connaissance de Dieu, est celui de l'amour: Quapropter non est praecipue ui-
lier le signifi6 des mots essence et personne lorsqu'l/ pewt leur donner ä tous dendwm in bac qwaestione, qwae de Trinitate nobis est et de cognosendo Deo,
deux une signification absolue"40. nisi quid sit wera dilectio, immo wero quid sit dilectio (VIII 7, 10); cet amour
Question pr6alable ou pr6judicielle: 6tait-ce bien sa tentarive? 6tait-ce qui est tanr c6l6br6 par l'Ecriture de Dieu (VIII 10, 14): Qwid est autem dilec-
seulement son intention? Je ne crois pas; le ,,n6o-nic6nisme" n'6tait pas son tio uel caritas quam tdntoPere scriptwra diwina laadat et praedicat, nisi amor
affaireal.Le De Trinitate n'est pas un ouvrage ,,dogmatique". Il ne le devient boni? Amor d.utem alicwiws an'tantis est et amore aliquid anxatur. Ecce tria
que par l'effet, le m6fait, d'un transfert, - d'une d6portation, oserai-je dire -, sunt: dma.ns et qwod antatur et arnor (VIII 10, 14).
dans les officines universitaires. Dans son ouvrage c61öbre: Eros et Agapä, A. Nygren avait s6vörement iu-
96 l'interpr6tation qu'Augustin aurait donn6e, selon lui, de la formule
johan-
nique: ,,Dieu est amour" (1 Job. 4,16):,,Cette parole rev6t dans sa pens6e un
sens nouveau: elle s'applique ä l'6goisme divin. ,Dieu est caritas' signifie, en
premier lieu, que Ia vie divine - amans et qwod amatur et arnor - se d6roule
en elle-m6me dans un 6goisme incessant et dans une jouissance bienheureuse

te Ibid.., p.309.
a0 G. I-afor.rt, Pcut-on connaitre Die u en
Jdsus-Chrit?, Paris, 1969, p.103. l-es italiques sont de
rrron intirrtivc. (1,;,;;il'.rv.rit
I.rit rl.rrrs lc livrc Vlltlcs (i»t/i'rsiors; voir.f. []nclrtt'rxkrrf, p. tt5 tltl.
'rl Voir Il. "'l i
Strr<lt'r,,,IJn.r v.rlut.rzi,,nt critic.r,lcl rrr.orritcrrisrro", AuguslinidiluDt,.]li, I')91.l, p. Voir lttlnrlotl, p. /'.1.
.1. Ilr,rt
l9 ,ttt. r'r Vcrscltrtccrr Vl '\,/ <.1 (i M.r,l,,,I'!ltlt'\t'tttlr\tut,titt\lntt(nn(\, l'.rris, l')'),1,ll. llI J1.2.
66 Goulven Madec ,,Inquisitione proficiente". Pour une lecture ,,saine' dr De Trinitate d'Augustin 67

de sa propre perfection"as. Jean-Baptiste (alias: Olivier) du Roy a r6agi li- image de la Trinit6: Et haec est quaedam imago Trinitatis: fosa mens et notitia
contre. Il admet qu'Augustin risque ,,d'aboutir ä cet,6goisme divin' au livre eius, qwod est proles eiws ac de se ipsa uerbum, et amor tertius; et baec tria un-
IX du De Trinitate", pärce qu'il y rabat sa r6flexion sur le sujet: ,,Ecce ego um atque una substantia (IX 12, l8). Au livre X, l'attention se fait plus
qui quaero, cum aliquid amo tria sunt: ego et quod amo et iupse amor ..." p6n6trante (limatior ... intentio; X 1, 1); l'esprit procöde ä la d6couverte pro-
(IX2,2). Mais il estime que le livre VIII rapporte une renrative pour,,d6- gressive de sa structure trinitaire, comme memoria, intellegentia, uoluntds. Et
couvrir, au terme de ce retour (par voie r6flexive) vers l'Amour-Source, la baec tria ,tnu.m, una uita, unt mens, una essentia (X 11, 18).
Trinit6 divine, le Dieu qui est amour". Le livre VIII, selon lui, ,,repr6sente On peut observer ici que la recherche sur l'esprit, image de Dieu, part de
une essai ddcisif et d6finitif, l'aboutissement et la fin d'une recherche qu'Au- son unit6 pour discerner sa trinit6. C'est peut-ötre sur ce point qu'il y aurait
gustin ne reprendra plus"+6. lieu de reconsid6rer la distinction accr6drt6e par le Pöre de R6gnon. Dans le
Mais Augustin dit exactement le contraire ä la fin du livre VIII; il a trouv6 dernier ouvrage en date que j'ai pu lire ä ce sujet, G. Greshake affirme: ,,eines
le lieu de la recherche; il va Ia commencer: Sed bic paululum reqwiescat in- aber dürfte unbestritten sein: Für Augustin steht die Einheit des göttlichen
tentio, non ut se iam existimet inwenisse qwod qwaerit, sed sicwt solet inueniri '§Tesens bei weitem in der Vordergrund: sie bildet ge§/issermaßen den
locus ubi qwaerendwm est aliquid; nondwm illwd inwentlrm est, sed iam inw- Fixpunkt aller trinitätstheologischen Überlegungen"; et il r6cuse les observa-
entum est ubi quaeratur; ita hoc dixisse swffecerit, ut tanquam ab articwlo ali- tions de B. Studer ä ce sujet: ,,Der hier von Studer geltend gemachte geneti-
cwius exordii cetera contexoruws (VIII 10, 14)47. sche Awsgangspwnh.t ist jedoch nicht das gleiche wie der (systematisch-her-
Dans sa grande thösea8, tout en c6l66rant,,l'6tonnant pouvoir de synthöse meneutische) Kristallisationspunkt des Denkens ... Doch ist und wird bei
de l'intelligence d'Augustin", son .g6nial 6clectisme"4e, O. du Roy ne cesse Augustin die Vielfalt der Personen auf eine (wie mir scheint: abstrakte) Ein-
de relever les tätonnements, Ies h6sitations, les tentatives, les essais, les 6checs heit hin hermeneutisch reduziert"52. Mais oü se fait la cristallisation? Dans la
de son h6ross0 ... C'est impresssionnant, mais, pour moi, plus d6concertant ,,sp6cu1ation" sur la Trinit6 divine ou dans la lente r6flexion sur la structure
que convaincant. Car cela tient, je crois, ä la fixation qu'O. du Roy fait sur le trinitaire de l'esprit humain?
thöme de la Trinit6, comme si Augustin, dans ses premiöres cuvres, n'avait A la fi., du livre X (12,19), Augustin se demande s'il convient dös mainte-
en tete que l'intelligence de la foi en la Trinit6, alors qu'il traitait de quantit6 nant de monter vers l'Etre supröme dont l'esprit est l'image: ad illam swm-
d'autres sujets: la sagesse, Ie bonheur, l'ordre, la libert6, et möme la vraie re- mam et altissin'tam essentiam, cuius impar imago est bumana mens, sed tanTen
ligion. Je soupEonne aussi chez O. du Roy ce que j'appellerais, faute de imago, ou s'il faut poursuivre la recherche dans l'äme. Il choisit le second
mieux ou de pire, le ,,stress du doctorant" qui transföre sur l'auteur qu'il 6tu- parti, ä l'usage des esprits lents (tardioribws); et il relance la r6flexion dans les
die les difficult6s qu'il 6prouve lui-m6me dans l'6laboration de sa thöse. Au- livres XI-XIV.
gustin, dit-onsl, ,,ne parvient pas", dans le De Trintare, ä formuler... ä for- Ce sous-ensemble est fortement charpent6 par des couples conceptuels 1)
muler quoi? ce qu'on voudrait qu'il dise! la distinction (paulinienne) de l'homme ext6rieur (livre XI) et de l'homme in-
Le livre VIII a d6fini le lieu de la recherche. Au livre IX, Augustin s'enga- t6rieur (livre XII); 2) la distinction des deux fonctions de l'esprit: l'action et
ge dans l'6tude de l'image de Dieu: Attendamws qwantwm ?osswn'tus et inuo- la contemplation (livre XII), auxquelles s'adonnent respectivement 3) la
cemus Lwcem selnPiternam, wt illwminet tenebras nostrAs, et wideamus in no- science et la sagesse (livres XII-XIII,
distinction illustr6e par 4) le discerne-
bis, quantwm sinimwr, imaginem Dei (IX2,2).Et il y distingue une certaine ment des temporalia et des a.eterna dans le Prologue johannique (livre XIII).
Il serait trop long d'examiner tout cela en d6tai1. Notons seulement que cet
as A. Nygren, Eros et agapi, traduction franqaise, Paris, 1952, t. ensemble structurel enserre aussi toute une spiritualit6 d'inspiration paulini-
III, p. 107-108.
+e
;.-8. du Roy, ,,[.'exp6rience de l'amour et ['intelligence de la foi trinitaire selon saint Augu- enne: l'esprit humain est cr66 ä l'image de Dieu; l'image est brouill6e par le
stin", Recberchcs August.inicnncs,2, 1962, p. 415445 @. a17). p6ch6, dif-forme; elle doit se re-former, renouveler son 6tre dans le souvenir,
'17 VIII 10, 14. J. Ilr.rr:lrtcntlt,rf irrtitult, son comnrcntairc dc cc livre: ,,Das Scheitern der Gotte-
l'intelligence et l'amour de Dieu . Le progrös dans la recherche est progrös
schau und das l)rojcht tlcr (icistanalysc" (p. 79). Mais jc doute {ort qu'Augustin ait janrais eu
I'illusion tl'urrc p,,ssibilitt:tlc ,,visiorr lrtlatilir]uc" rlc l)icu cn cctte vie! spirituel: In bac qwippe imagine tunc perfecta erit Dei similitudo, qwando Dei
'ls J'cmploic lc ntot .rrt scrs,;tr.rlit.rtil, tout.lu(.rnt r;ut tlu:rntitltif, pour parodicr Aristotc. pcrfccta crit uisio; dc rTua dicit apostolws Paulws: ,,Videmus nunc per specwlwm
l" ( ). rlrr Ro1. P. l.lri; ;,. I l.l
\i) Yoir ibil., p. l,l l5; p litl;1,. l,l/; p l/l;p. 177; p. ltlO; p. ltl2; p.201;p.205; p. 209;p.222;p. in acnigrntt(, tun( dltt(tn Jhcic ad l'acitm" (l ()or. 13,l2). Itcm dicit: "Nos
2')/;p. ll');p lll;p tll;p i{"),p.101.
'l ().rlu l(ov, 1, 'l lli,,l'l',, 1''o,4'l»,4/.' "r (;.(;rr',,lr.rlir',l)tr'rltrt,rtty,t(irtll,Itrttltttttt,uttrlrtIl,,',,1,,1,1,,lrr,rl,rrr1, l()()/,lr.()5ctn. l(,1
68 Goulven Madec ,,Inquisitione proficiente". Pour une lecture ,,saine" dr De Trinitate d'Augustin 69

dutem reuelata facie gloriant Domini speculantes, in eamd.em imaginem VII. Science et sagesse
transformamwr de gloria in gloriam" (2 Cor 3, 18): hoc est qwod fit de die in
diem bene proficientibus (XlY 17,23). Le De Trinitate est-il mi-th6ologique, mi-philosophique? C'6tait l'avis de
Le thöme du progrös est 6nonc6 dans le prologue du livre I: Oportet aw- H.-I. Marrouss I mais dans sa Retractatio, suite aux critiques des th6ologiens,
tem, et donabit Deus, wt eis ministrando qwae legant, ipse qwoque proficiam, notamment de Th. Deman56, il pr6cisait qu'il avait r6serv6 ,,6troitement le
et cupiens respondere quaerentibws, ipse qwoqae inweniam qwod quaerebam terme de th6ologie ä l'6tablissement du donn6 r6v6l6, ä sa mise en ordre, sa
(I 5, 8). Augustin l'avait d6jd 6crit, dans la lettre 143,2, adress6e ä Marcelli- syst6matisation et, 6galement ä sa d6fense contre f impi6t6 et l'h6r6sie, faisant
nus: Ego proinde fateor me ex eorum numero esse conari qui proficiendo hommage ä la philosophie de tout ce qui est savoir rationnel, v6rit6 6tablie
scribwnt et scribendo proficiunt. On le retrouve dans le prologue des Retrac- par voie d6monstrative, conqu6te de la raison humaine utilisant ses ressour-
tationes, 3: Quapropter qwicwmqwe ista lectari sunt non me imitentur erran- ces proprement naturelles".
tem, sed in melius proficientern. Inweniet enim fortasse quomodo scribendo Il ajoutait: ,,Il est naturel que le th6ologien refuse une telle d6finition qui
profecerim quisqwis opwscwla rnea ordine qwo scripta swnt legerit. Et d6jä dans aboutit en effet ä mutiler la th6ologie puisqu'on finit, de proche en proche
le sermon Dolbeau l0: Omnia qwae scripta swnt in sanctis canonicis libris, nos par la r6duire ä l'examen des v6rit6s qui, r6sistant ä tout effort de la raison, se
qui dispwtamws et libros scribimws, proficiendo scribimws, cottidie discimus, r6völent ind6montrables. C'est pourquoi, s'il insiste, j'accepterai bien volon-
scrutando dictan'tws, pwlsando loqwimurt3. On peut donc dire que le thöme est tiers d'englober les livres I-VIII comme les livres IX-XV du De Trinitate,la
caract6ristique de toute la r6flexion doctrinale d'Augustin. scientia comme la sapientia, dans une conception trös compr6hensive de la
Les proc6d6s ,,CDromiques" actuels permettraient d'6tudier ais6ment le th6ologie ä qui serait d6volu, dans sa totalit6, l'effort de la raison humaine
vocabulaire de la recherche et du progrös. Je ne retiens ici que la notion d'E- cherchant ä prendre l'intelligence de la foi"57. En clair, le De Trinitate serait
xercitatio animi, mise en vedette par H.-I. Marrou. J. Brachtendorfsa conteste entiärement th6ologique.
son interpr6tation. Je crois, en effet, que les explications de Marrou sont em- Mais tout r6cemment J. Brachtendorf s'est appliqu6 ä une interpr6tation
barrass6es par son pr6jug6 selon lequel Augustin composait mal. Mais, plutöt philosophique de I'ensemble de l'ouvrage; il parle ä l'occasion de la ,,th6olo-
que de limiter l'exercice aux livres XI-XIII, comme le fait J. Brachtendorf, gie philosophique" d'Augustin58; et il critique vigoureusement deux positi-
j'estime que toute la deuxiöme partie du De Trinitate relöve de cette m6tho- ons th6ologiques qui, implicitement ou explicitement, contesteraient la pos-
de, qui consiste ä r6fl6chir longuement sur les r6alit6s qui nous sont familiö- sibilit6 de son op6ration5e.
res ou nous paraissent telles ä premiöre vue, pour nous purifier et nous Dans un long chapitre intitul6: ,,Das Verhältnis des Dogmas zur Yer-
pr6parer ä comprendre, autant qu'il se peut dans notre condition pr6sente, nunft"60, M. Schmaus restreignait le röle de la raison en 6crivant que, de ses
les 16alit6s intelligibles. propres forces, elle ne peut p6n6trer Ie mystöre et que son röle se borne ä la
C'est le rythme dans le De mwsica, le langage dans le De magistro, la m6- clarification du dogme: ,,Die Vernunft muß hier die ganze Enge ihrer Spann-
moire dans le livre X et le temps dans le livre XI des Confessiozs. C'est la vie kraft eingestehen. Sie vermag aus eigener Kraft das Geheimnis weder in sei-
de l'esprit dans la seconde partie du De Trinitate: Quid. enim tant cogitationi ner Tatsächlickeit zu erkennen noch in seinem Inhalte zu begreifen... §flas sie
adest quam id qwod menti adest? Aut qwid tam rnenti adest quam ipsa rnens? hierbei zu leisten vermag, ist die inhaltliche Klarstellung des Dogmas, die
(X 7, 10). Qwod nwnc in mente bwmana utcumque uestigare conamwr nt ex Zurückweisung falscher Auffassungen und die Entkräftung von Einwänden
inferiore imagine in qwa nobis familarius nalura ipsa nostra quasi interroga- sowie die analogische Bewährung desselben"61.
ta respondet exercitatiorem mentis aciem ab inlwminata creatura. ad Lumen
J. Brachtendorf lui oppose ä juste titre les pages De ciuitate Dei X 23 et 29,
incommutabile dirigamws ... (IX 14,l7). oü Augustin reconnait clairement ä Porphyre une certaine connaissance de
ss Voir le texte de lap.64, cit6 plus haut.
56 Th. Deman, ,,Composantes de la th6ologie", Reoue des Sciences pbilosophiques et th|ologiques,
28, 1939, p.386434.
57 H.-1. Mar«ru, Rctr.lüdtio, p. 638-640.
58
.f. Brlchtcnrlor f, p. 5(',
.f. Ilr,rchtcrrrLrrl, p. tl I l.
YoirAugustind'Ltipponc,VingI sixscrmonsaupeuplad'Afriquc,6dit6sparF.Dolbcau,Paris, 5')
r'(' M. Stf tttt.ttts,I)rr
l(.)96, p. §1. 1ts1'rltrtlttyttltt littttt,tlJrlrr', 1r. l(r') t()0.
I llr.rtlrttrrrlorl, p.6 ti. ''t M. S, 1,rr,.,,,r, 1' I / / tt l8l, I Ilr.rr lrrr.rrrlorl, 1r tl ').
/U Goulven Madec ,,Inquisitione proficiente". Pour une lecture ,,saine" &t De Trinitate d'Augustin 71

Dieu tri-un. M. Schmaus ne les ignorait pas, mais en minimisait la port6e, par- Augustin s'est pass6 du mot ,,theologia" pour d6signer son entreprise. Il
ce qu'il concevait la raison augustinienne ä la maniäre scolastique62. Et J. mentionne, en revanche: par leur nom quelques philosophes, les meilleurs
Brachtendorf lui oppose aussi le propos d'O. du Roy: ,,Voilä confirm6 ce que d'entre eux: Pythagore, Platon, Cic6ron. I1 s'inspire profond6ment de Plotin
l'6tude des Confessions nous avait fait poser comme hypothöse: c'est dans Plo- etlou de Porphyre; c'est av6r6z0. Mais deux remarques s'imposent ici.
tin et par lui qu'Augustin a trouv6 l'intelligence du mystöre de la Trinit6. Nous 1) Je n'6prouve aucune difficult6 ä admettre la d6pendance d'Augustin ä
avons vu qu'il reconnait exactement les trois personnes de la Trinit6 chr6tien- l'€gard du n6oplatonisme: il l'a reconnue lui-mäme dans le livre VII des Con-
ne dans les trois Hypostases plotiniennes"63. Je vais revenir lä-dessus sous peu. fessions! Mais ä une condition qui me parait capitale: qu'on n'en conclue pas
J. Brachtendorf critique aussi l',,interpr6tation radicalement th6ologique" que cela est ,,philosophique", sous entendu: non-,,th6o1ogique", ou non-
que pr6sente la ,,Bibliothöque Augustinienne", notamment dans f introduction ,,chr6tien", ä la maniöre scolastique! Augustin, en effet, s'approprie cette
du volume 16. Il attribue celle-ci ,,vermutlich" ä E. Hendrikx, auteur de l'in- m6thode de r6flexion de l'esprit sur lui-mäme, de l'esprit qui sait qu'il est
troduction du volume 156a. Tout en regrettant qu'elle ne soit pas sign6e, je cro- cr66 ä l'image de Dieu (Gen. l, 26-27, testimoniwm scripturaire capital); et il
irais plutöt qu'elle est due aux artisans du volume 16: P. Agaösse et J. Moingt, espöre de ses lecteurs qu'ils feront eux-mömes l'exercice. C'est de la bonne
car le style d'6criture et de pens6e me parait diff6rent de celui d'E. Hendrikx, philo-sophie, en qu6te de sagesse.
qui estimait que ,,dans le De Trinitare la scolastique a connu son heure de nais- 2) Mais Augustin reproche aussi aux meilleurs philosophes des nations ou
sance"65; et;'e doute que l'auteur de Augustins Verbältnis zwr Mystib ait admis plutöt il d6plore qu'ils aient philosoph6 sans le Christ M6diateur (sine homi-
que la deuxiöme partie du trait6 soit ,,une cuvre th6ologique, voire my- ne Christo pbilosophati sunt) (XIII 19,24). Ce qui implique bien l'id6e d'une
stique"60. ,,Augustin, lit-on en BA 16, ne raisonne pas en philosophe aprös avoir autre pratique de la philosophie, la bonne, celle des chr6tiens.
r6fl6chi en th6ologien, il ne se place pas aux frontiöres ou m6me ä l'ext6rieur de Pour nous , le Christ est tout: science et sagesse; ,,i1 implante en nous la foi
la R6v6lation aprös s'6tre plac6 au centre. Non seulement c'est [a foi qui d6clen- au sujet des r6alit6s temporelles; il nous montre la v6rit6 au sujet des r6alit6s
che la recherche, rnais c'est elle qui la juge, qui la nourrit, qui la f6conde et qui 6ternelles. Par lui nous allons ä lui; nous tendons par la science ä la sagesse;
la finalise"67. J. Brachtendorf r6cuse cette affirmation: ,,Die Kriterien für die mais nous ne nous 6cartons pas de lui, en qui sont cach6s tous les tr6sors de
Richtigkeit von Augustins Ontologie der mens hwmana sind Phänomengerech- la sagesse et de la science" (De Trin. 19,24). Xlll
tigkeit, Erklärungskaft und innere Kohärenz, nicht aber Übereinstimmung mit J'abonde donc dans le sens de J. Brachtendorf et je rench6ris:le De Trini-
dem Glauben ... Die Mangelhaftigkeit der radikal theologischen Interpretation tate est ,,philosophique" de part en part, mais d'une philosophie radicale-
wird sich vor allem an ihrer Unfähigkeit zeigen, Augustins These festzuhalten, ment chr6tienne, christique. I-,,6pist6mologie" augustinienne - pardon de
daß der menschlichen Geist nicht nur erst der göttlichen T?inität ähnlich wer- jargonner - est, en effet, fond6e sur la personne du Christ, telle que la pr6-
den soll, sondern immer schon trinitarisch strukturiert ist"68. sente le Prologue de Jean: le ,,Verbe 6ternel, Raison universelle des esprits" et
Il n'est peut-Atre pas inutile d'observer ici trös simplement que ,,rh6ologie" le ,,Verbe fait chair, Auteur et consommateur de notre foi", comme dira Mal-
et ,,philosophie" ne sont pas ,,en m6nage" chez Augustin; le couple n'est pas ebranche dans l'avertissement de ses Mdditations cbrötiennes.
encore constitu6. ,,Theologia" est un mot paien, pi6g6 par l'usage que Varron Cbristws scientia et sapientia nostra, tel est le principe de coh6rence de la
en avait fait. ,,Philosophia" est un mot noble, chargl de sens affectif: c'est doctrine augustinienneTl. Je crois qu'Augustin en est redevable ä Simplicia-
I'amour de la Sagesse ... et la Sagesse est le Christ Virtus et Sapientia Dei nus qui, lors des conversations qu'ils eurent en 6t6 38672, lui indiqua que le
(l Cor.1,24)6e. Prologwe johannique est un condens6 de la doctrine chr6tienne, mais aussi et

('r M. Schmaus, p. 187-188. 7c Voir'§fl. TLeiler, Poryhyrios undAugustin, p.48-53'J. Pipin.


,,lJne nouvelle source de saint Au-
"1 O. du Roy, p. 148; J. Brachtendorf, p. 9. gustin: le Zitima de Porphyre sur l'union de l'äme et du corps", Revua des Etudes Anciennes,
('r Brachtendor[, p. 11, n.24. 66, 1964. p. 53-107.
J.
t'\ BA 1,5, p. 16-1,7. Cf. p. 18, n. 3: ,,Ici 6galement nous sommes frapp6s et surpris de l'allure sco- 71 G. Madec, ,,Christus, scientia et sapientia nostra. Le principe de coh6rer.rce de la doctrine au-
lasique du proc6d6". gustinienne", Re'cberches Augustiniennes, 10, 1976, p. 77-85.
66 IIA16, p. 16. Voir E. Hendrikx, Augustins Verhältns zur Mystik, §7ürzburg, 1936, qui nie lc 7) Yoir Oonf. VIII 2,3 er Dt du. l)ciX,29.ll cst vr,ri <p'Augustin n'cnrlrloic prs lc mot Verbum,
mysticisme d'Au gustin. rl;rns scs prcnrit'rs ticrits, pt,urdlsigrrcr lc []ils (tltr lltry, p. l4ll)- I'lst-cc p:rr ignorancc (p. a28)?
67 RA 16, p.8. .ft' rtc croir p.rs. l'ltrtot l).lrcc (lu(' Vtrltt»t ('sl (lu r('ßistr( .ltr I.rrrg.rgc, rlrrrrt'tlr' l'cxtclrioriti', ct i
('8
J. Ilrachtcndorf, p. I 1. tt tilrc rcrl.rrrrcr,ut ('\l)li(.rtiorr. (Voir I). W. l,,lrrrsor,,,Vt'rlrrrrrr irr tlrc r'.rrly Arrgrrstirrt'(111(,
"" Vrrir (i. Mrrdcc, Pctrtrs tlttrdcs augustinicnnes, p.261-270. l')/)",li,', lt,t,ltt'\:ltrt\tnntutli\, I^i, l'.1/.), l) .,') 'rl)
72 Goulven Madec ,,Inquisitione proficiente". Pour une lecture ,,saine" dl De Trinitate d'Augustin 73

de ce fait m6me un moyen de discernement philosophique et de jugement l'intelligence ä la foi, l'une d'ordre illuminatif, l'autre d'ordre moral"76, car
des pratiques philosophiques: il permet de discerner 1) la sup6riorit6 du pla- l'une et l'autre sont fond6es sur l'unique personne du Christ, Dieu fait hom-
tonisme par rapport aux philosophies de ce monde, 2) la part de doctrine me. C'est clair dans le texte du De Trinitate XIII 19, 24,que j'ai cit6 plus
commune au platonisme et au christianisme: Dieu un et trine, 3) la diff6ren- haut; et aussi bien dans I'usage qu'Augustin fait de la proportion platoni-
ce sp6cifique du christianisme: la foi dans le Christ, Verbe incarn6. cienne (Timöe,29c): &meg ngög y6veorv oüoto roüro fiQöE nlorrv ö],f10eru;
Mais la pens6e d'Augustin n'est pas m6di6vale: elle n'est pas fond6e sur la dans la traduction de Cic6ron: Quantunl ad id qwod ortum est aeternitas ua-
distinction de la philosophie (naturelle) et de la th6ologie (surnaturelle). Tou- let, tantwm ad fidem ueritas, telle qu'on la trouve en De Trinitate IY 18,24 et
tes les 6tudes de sa doctrine fond6es sur cette distinction courent le risque en De consensu euangelistdrunl I 35, 53.
d'6tre scolastiques au sens p6joratif du mot: ,,dogmatiques et scl<iros6es" ,,Lun de ceux qu'on a tenus pour sages en Gröce autrefois l'a dit aussi: ,Tant
comme ditle Petit Larousse. vaut 1'6ternit6 par rapport au devenir, tant vaut lavlrit1 par rapport ä la foi'. Et
Selon O. du Roy, la ,,structure fondamentale de la th6ologie d'Augustin" assur6ment Ia formule est vraie; car ce que nous appelons le temporel, Platon
serait ,,n6e de l'exp6rience möme de sa conversion, c'est-ä-dire de cette suc- l'a appel6 le devenir; et nous sommes bien nous aussi de cet ordre-lä, non
cession chronologique qui lui a fait d6couvrir l'intelligence de la Trinit6 dans seulement par le corps, mais aussi par la mutabilit6 de notre esprit; car c'est
Plotin et ensuite seulement la n6cessit6 de l'Incarnation comme voie d'humi- une impropri6t6 d'appeler 6ternel ce qui est sujet ä quelque changement ...
lit6 vers Dieu"7l. O. du Roy estime donc que, selon Augustin: ,,savoir oü al- Notre foi deviendrav6rit6,lorsque nous serons parvenus ä ce qui est promis ä
ler est possible, dans une certaine mesure, ä I'bomme livrd ä lui-m€me. Par nous qui croyons; or c'est la vie 6ternelle qui nous est promise ...LaY6rit6l'a
oü y aller, c'est ce que le Christ nous a r|v6l6 par son incarnation ...". dit: ,la vie 6ternelle c'est qu'ils te connaissent Toi, l'unique vrai Dieu, et Celui
Il ajoute gravement: ,,Mais voit-on le problöme que cela pose? Si le mode que tu as envoy6, J6sus Christ' (Iob. 17,3) .., et la V6rit6 elle-m6me, co6ter-
supr6me de connaissance a pu 6tre atteint en quelque mesure par les philo- nelle au Pöre, a germ6 de la terre (Ps. 84, 1.2: de terra orta est)" (IV 18,24).
sophes paiens sans la foi, si donc l'illumination supröme n'est pas transfor- Pour Augustin, l'homme n'est jamais ,,livr6 ä lui-m6me"; il n'y a pas
m6e intrinsöquement par la foi, si c'est seulement le degr6 et la stabilit6 qui d',,exercice autonome de Ia raison livr6e ä ses seules forces"77. Tout bon
difförent, alors le Dieu r6v6l6, le Dieu Trinit6, peut effe connu en dehors de chr6tien doit savoir que la v6rit6, oü qu'il la trouve, vient de son SeigneurT8.
l'6conomie de la r6v6lation. Que sera alors I'intellectus fidei, puisque l'in- Si Porphyre a connu laTrinitlTe, c'est, qu'il le veuille ou non, gräce au Verbe
tellectws est une d6marche d'ordre illuminatif et quela fider est une d6marche de Dieu, gräce au Christ. Et je suis tout dispos6 ä croire qu'Augustin est re-
morale ...I1 s'instituera entre les deux termes une dialectique trös serr6e d'6lan devable ä Porphyre de la c61öbre louange qu'il adresse ä Dieu, en racontant la
et de r6gulation, d'audace et de discipline, d'ascension mystique et d'humble d6couverte qu'il a faite gräce aux Libri platonicorum: O aeterna weritas et
retour ä la norme eccl6siale. Cette dialectique, c'est toute l'histoire de la uera caritas et cara. aeternitas, tw es Dews meusg1.
pens6e d'Augustin ..."7a.
O. du Roy conclura sa vaste 6tude en disant que ,,la philosophie dont se
sert Augustin ne sera pas radicalement convertie par la foi chr6tienne. Sans
doute s'ouvrira-t-elle progressivement ä des valeurs proprement jud6o- VIII. Les embarras de l',,analogie" et de l',,anagogie"
chr6tiennes, sans doute l'int6riorit6 n6o-platonicienne prendra-t-elle un ac-
cent personnaliste, mais ce travail d'impr6gnation ne va pas jusqu'ä la mise Selon A. Schindler l'analogie est un ,,Oberbegriff frir die verschiedenen Bil-
en question des schömes philosophiques fondamentaux. L intelligence d'Au- der, Entsprechungen, Einteilungen, die Augustin verwendet, um die Er-
gustin n'est qu'ä moiti6 6vang6lis6e par sa foi"75. kenntnis der Trinität durch ihre verschiedenen Abspielungen in der Kreature
J'estime plutöt qu'O. du Roy reste prisonnier du dualisme philosophico- zu ermöglichen oder zu fördern" (p. 12).
th6ologique. Le schöme Patria-Via n'est pas dissociatif; il ne r6partit pas la 76 P.456.
foi d'un cöt6, la raison de I'autre; il n'6tablit pas une ,,relation extrinsöque de 77 BA 16, p. 8 ct 10. Cf. aussi la fornrule dc'H.-I. Marrou cit6e plus haut, n. 57.
78 [)c dodrira thristiana II
I 8, 2tt.
/') Voir /)r ouitatL'l)L'i X 29; c[. (). Ju Roy, 101.
P.
/t ( ). (lu l{oy, p. 96 92. xo ()tnfi'ssions VII lO, 16. Voir (i.
M.rrlcc, ,,Atrgrrstin t't I)orplryrc, ['][r,rtrch" tl'urr [ril;rn dcs rc-
't lbtl., p. l0\. ,lt.r.lrr't t'l rlcs rorrltrtttrtr",,,(.l,rt,l,rrnt r/r'r,11r'rrr"', llotttrrt,tyr t lnot Ittlrtrt, I'.rris, l9t)2, p.
" I',..15(,. t(,/, 11., (l). l/ä)
74 Goulven Madec ,,Inquisitione proficiente". Pour une iecture ,,saine" &t De Trinitate d'Augustin 75

C'est un mot grec qu'Augustin emploie occasionnellement dans quelques (Rom. 11,, 36)86. Tout est trinitaire et matiöre ä r6flexion sur la trinit6, l'hom-
ouvrages8l. Il n'y en a qu'un seul emploi en contexte trinitaire; et ce n'est pas me ext6rieur (livre XI), l'homme int6rieur (livre XII), etc.; mais toute trinit6
dans le De Trinitate, mais dans le Sermo 52, 1.0,23: Non dico: Pater memoria n'est pas l'image de la Trinit6! Toutes les cr6atures sont faites par la Sagesse
est, Filiws intelleaws est, Spiritws wolwntas est; non dico, qaomodo libet intelle- de Dieu, qui est son Image et ressemblance; mais la crlature rationnelle et in-
ga}ar, non awdeo ... Non dico ista illi Trinitati, ,telut dequanda, qwasi ad ana- tellectuelle est faite aussi orient6e vers elle: Horwrn alia sic sunt per ipsam, ut
logiam, id est ad rationem qwarndam comparationis dirigenda, non boc dico. ad ipsam etiam sint, ut orunis rationalis et intelleawalis creatwra, in qua bomo
Sed qwid dico? Ecce in te inweni tria separabiliter demonstrata, inseparabiliter rectissime dicitwr factus ad imaginem et similitudinem Dei; non enim aliter
oPerata. incommwtabilenl. Veritaten? posset mente conspicere. Alia uero ita sunt per ip-
Augustin ne travaille pas ä une synthöse ou ä une syst6matisation de for- sam facta, ut non sint ad ipsamg7. Et c'est pourquoi ,,1e v6ritable honneur de
mules, de similitudes, d'analogies, d'images ... Je gage qu'il n'aurait guöre ap- l'homme (cf. Ps 48, 13) est l'image et ressemblance de Dieu, image qui ne se
pr6ci6 les tableaux qu'on en a dress6 ici et läsz, qui relävent des proc6d6s de garde que dans l'orientation vers Celui par qui elles imprim6e: quae non cu-
l',,6co1e", et qui sont de ce fait malheureusement dissociatifs et fixistes. stoditwr nisi ad lpsum a quo imprimitwf 8.
Il faut rappeler, en contraste, l'obervation capitale de Pierre Hadot: ,,Le De Au terme de son grand ouvrage, O. du Roy distingue trois d6marches
Trinitate d'Augustin pr6sente une suite d'images psychologiques de la Trinit6 qu'Augustin aurait adopt6es au cours de son ,,entreprise" d'intelligence de la
qui ne forment pas un systäme coh6rent et qui, pour cette raison posent bien foi en la Trinit6: l'anagogie, I'ontologie et l'analogie: ,,L'anagogie plotinienne
des problömes aux commentateurs. Mais en fait Augustin ne veut pas pr6- düt ötre d'abord corrigde par une ontologie cr6ationniste de style probable-
senter une th6orie syst6matique des analogies trinitaires. Il veut faire exp6ri- ment porphyrien. Puis une voie moyenne entre ces deux orientations, ascen-
menter ä l'äme, par un retour sur elle-m6me, le fait qu'elle est l'image de la dante et descendante, s'offrit ä Augustin: une m6thode analogique que la
Trinit6: ,ces trinit6s', dit-il lui-m6me, ,se produisent en nous et sont en nous, th6ologie de l'image lui permettait de d6velopper dans une ligne platonicien-
lorsque nous voulons de telles choses' (De Trin. XV 6, 10). C'est finalement ne. I1 parvenait ainsi ä reprendre la d6marche r6flexive de l'anagogie,le cogi-
dans le triple acte du souvenir de Dieu, de la connaissance de Dieu, de l'a- ,o, tout en maintenant entre Dieu et lacrlature une distance que l'ontologie
mour de Dieu, que l'äme se d6couvre image de Dieu"83. cr6ationniste lui avait permis d'exprimer. Mais le cycle triadique de 1'6mana-
Toute la cr6ation porte la marque ou la trace de la Trinit6, toute crlature tion, tel qu'il s'6tait sch6matis6 au terme de la premiöre p6riode 6tudi6e dans
aussi, puisque le Pöre, le Fils et I'Esprit saint cuvrent ensemble, ins6parable- ce livre, devenait le cycle de l'esprit cr66, s'explicitant ä lui-möme dans l'ex-
ment84; ce qui ne veut pas dire indistinctement85: Quoniam unus est Dews, sed traposition de son verbe et revenant ä lui dans l'amour de soi. Il devenait de
tamen Trinitas; nec confuse accipiendum est: ,,ex quo omnia, per quem omnia, plus en plus difficile de le remettre dans le circuit des processions divines et
in quo o7nniA", nec düs mwhis, sed ,ipsi gloria in saecula saecwlorwm. Atnen" du cycle trinitaire de la cr6ation. Il restait donc ä la transposer analogique-
ment en Dieu. Et pourtant les incessantes recherches du De Trinitate, comme
81 De Gen. liber imperfectus 2,5 (PL 34,222):,,secundum historiam, secundum allegoriam, se- l'essai de synthöse du De ciuitate Dei, prorent que cette d6marche analogi-
cundwm analogiam, secundum aetiologiam". De wtilitate credendi 3, 5 (BA 8, p. 216-219): que n'6puisait pas l'intention de cette entreprise"8e.
,,Omnis igitur Scriptura, quae Testamentum uetus uocatur, diligenter eam nosse cupientibus
Je suis radicalement sceptique vis ä vis de cette syst6matisation finale d'u-
quadri{aria traditur: secundum historiam, secundum aetiologiam, secundwm analogiam, secun-
dum allegoriam';3,7 (p. 220): ,,lam porro analogiam qua utriusque Testamenti congruentia
ne ,,genöse"; cette ,,6tude g6n6tique" me parait grosse d'un pr6jug6 selon le-
perspicitur ..."; 3, 8 (p. 22): ,,Nam et historiam ueteris Testamenti et aetiologiam et analogiam quel toute l'activit6 de pens6e du ,,jeune Augustin" serait focalis6e sur le my-
in nouo Testamenti, satis, ut puto, est demonstratu m' De musica | 12, 23-24: analogia en grec, störe de la Trinit6, en mal d'6laboration de ce qui n'aboutira, au terme de tant
proportio en latin.Vl 17,57 .Ynde corrationalitas quaedam - ita enim m/ur analogiam roca-
re - ..." . Qw. in Hept. 2, 17 (PL 34, 601): ,,et secundum analogiam propheta Moysi Aaron, sed
d'efforts et d'essais, qu'ä une modeste ,,th6orie psychologique"eo.
ad Pharaonem".
82 Celui d'E. Portali6, Dictionnaire de Th1ologie catholique, 1, col.2351-2352 (inspir6 par K. Sci-
pio, Des Aureliws Augustinws Metaphysih, Leipzig, 1886, p. 66-67); celui de Hendrikx, 8,4 15,
p.571. 86 VI lO, l2; v«rir f'1. Ilaillorx, ,,I)ieu -l'rinittl cr son rruvrc", Rechertbes Augustiniennes,T,lgTl,p.
3r P. Hadot, Exercices spirituels et philosopbie antique, Paris, 1987, p. 55-56. I tlg-2 l U; p. 95- 99:,,l.cs [r,nctions rcspcctivt's tlt's'l'rois".
1 1

8a Dc Trin. I 4; II 10, 18; XV 3, 5. xt l)t urrt rrligittrtc 44, ll2. ('.1. l)c ()rnttr ltlttr irttptrltrtu.s l(r,59-(10.
85 88 l)t"lirrtrl,ttt XII II,l('.()rtlrcrtsr'.rttssi rr.rtrrrt'llcrrrtrrt .rrr,,1;tr'islr rros,rr/7i"'dtOonl.Il,l.
Conrrairenrcnticequ'affirmaitE.Portali6,dansleDictionnairedetb|ologiecatholique,I,col.
2.]4ll: ,,tJn iul(rc [)r()grös rlc le tlrirrkrgic trinitlirc d'Augustin, c'cst l'insistrrncc i fairc r]c torttc r') ( ). tlrr l(,rr,, ,150 ,151.
P.
opt:r.rti,,rr.livirrc.r,l cxlr.r I'rluvrt'irrtlistirrett'rlt's trois l)(ts()tltr(\". "'t l!,11!.p .tt;
76 Goulven Madec ,,Inquisitione proficiente". Pour une lecture ,,saine" du De Trinitate d'Augustin 77

l)ans l'analyse qu'O. du Roy fait des livres IX-XVel il manque la notion Derniörement G. Greshake affirmait: ,,Augustinus bleibt sowohl in seiner
cl'exercice spirituel ou celle de progrös de la recherche de livre en livre. Par- Gottesvorstellung wie in seinem Menschenbild (worin nicht das animal so-
l:rnt du livre [I des Soliloques comme d'un ,,,exercice de l'äme' sur le thöme ciale, sondern der Einzelne in seiner Unmittelbarkeit zu Gott den Akzent
clc I'immortalit6", il estime que H.-I. Marrou ,,a consacr6 un excellent cha- trägt"tt' et il rapportait ce propos, scandaleux ä mon sens: ,,Damit hat er -
pitrc ä l'exercitatio animi" et qu'il a propos6 ,,trös justement de voir dans le wie Joseph Ratzinger zusammenfaßt - ,eine der folgenschwersten Entwick-
De Trinitate un exemple achev6 de cet ,exercice de 1'äme"'e2. Mais il semble lungen der abendländischen Kirche angestoßen', insofern durch ihn ,die Per-
l'avoir oubli6 dans le r6sum6 qu'il donne lui-mäme de la deuxiöme paftie de sonen Gottes gänzlich ins Innere Gottes eingeschlossen wurden und ... so die
cet ouvragee3. Si l',,anagogie" est ,,ce type d'ascension r6flexive et my- ganze W'ir-Dimension ihren Ort in der Theologie verloren hat'* r00. Augustin
stiqus"e+ qui implique la rentr6e en soi-m6me, le passage par ,,1'int6riorit6 aurait enferm6 les personnes divines ä I'int6rieur de Dieu et, de ce fait, toute
pcrsonnelle", je n'en connais pas de consid6rable que celle du De Trinitate, la dimension du Nous aurait perdu sa place en th6ologie! Si c'est vrai, est-ce
livres VIII-XV. C'est, selon moi, une vaste reprise de la priöre des Soliloqwes: la faute d'Augustin, le ,,docteur" de la Trinit6 et de l'Eglise, corps du Christ,
Deus semper id.em, nowerim me, nowerim Te. Oratwm este5. ou Ia faute des th6ologiens qui ont diss6qu6 et r6parti les morceaux de son
enseignement en trait6s th6ologiques ?
Peut-6tre faudrait-il aussi s'interroger tant soit peu sur les conditions de
possibilit6 de l',,inter-subjectivit6". Sur ce point I'e dois me contenter d'6-
IX.,,Intersubj ectivit6" num,3rer sommairement ici trois principes augustiniens: 1) Le ,,je" humain ne
se constitue que gräce au ,,Tu" divin. La source du moi et du toi est plus pro-
Maurice N6doncelle, l'analyste de la r6ciprocit6 des consciences, se deman- fonde que le tr6fonds de moi et de toi, plus haute que le trdhaut de moi et de
dait, lors du Congrös International Augustinien de 1954: ,,L'intersubjectivit6 toi: ,,interior intimo meo et superior summo meo«101. 2) Pour ,,dialoguer", il
l.rumaine est-elle pour saint Augustin une image de la Trinit6?'e6. Il plaidait faut 0tre trois, toi, moi et Dieu, la V6rit6 int6rieure qui prdside ä nos
pour I'int6gration des ,,textes minoritaires", ce qui permettrait de respecter espritsl02. 3) Il n'y a de v6ritable amiti6 qu'entre les ätres unis entre eux grä-
nricux l'6quilibre de la doctrine trinitaire d'Augustin et de mieux en com- ce ä la charit6 r6pandue en nos c(Eurs par l'Esprit saint qui nous a 6t6 donn6
prendre la f6condit6 historiqueeT. Il signalait aussi clairement les difficult6s (Rom. 5,5). Telle 6taitla communaut6 chr6tienne primitive; telle est ou de-
clu sujet: ,,Ainsi l'amour inter-subiectif d6faille parce qu'il nous laisse plu- vrait 6tre I'Eglise-communion.
sicurs; et l'amour intra-subjectif d6faille parce qu'il nous laisse seul". Et il ex- M.-F. Berrouard a repris l'6tude des dix citations de la fonnule des .Aces
plitluait que ,,si l'analyse du su;'et donne lieu ä une ,image' trinitaire propre- des apitres 4,2: cor unum et animd una, employ6e comme ,,image de l'unit6
rrrcnt dite, alors que l'analyse intersubjective n'offre qu'un ,vestige' et se tient 6ternelle du Pöre, du Fils et du Saint-Esprit". ,,Il ne s'agit pas, conclut-il, de
crr rctrait dans le De Trinitate, ce n'est pas que les deux analogies soient in- r6duire ces textes ä une analogie psychologique et de vouloir les interpr6ter ä
t'onrpadbles; mais Augustin a donn6 sa pr6f6rence ä celle qui contenait f id6e la lumiöre de l'intersubjectivit6 humaine; ils confrontent un mystöre de la foi
..l'urre plus parfaite unit6 substantielle"e8. Nous avons vu que J.-8. du Roy avec une affirmation de l'Ecritwre... Si cette affirmation de l'Ecriture a be-
.rv,rit repris l'6tude du thöme et estim€ que I'essai du livre VIII se concluait soin d'ötre vivifi6e par l'exp6rience, elle n'en reste pas moins avant tout une
l)irr un 6chec. affirmation de l'Ecriture et qui demande ä 6tre saisie dans Ia foi pour devenir
signifiante du mystöre". Et M.-F. Berrouard ajoute cette remarque capitale:
,,Augustin ne parle jamais d'image ä propos de la communaut6 de J6rusalern
et, dans son De Trinitate, il n'utilise pas non plus la phrase des ,4cres dans
')t I bid., p. 437447. une vis6e trinitaire. La raison en est peut-etre trös simple: comme tous les au-
') Ibid., p. l7l-174, en note. teurs de la premiöre Eglise, Augustin est trös respectueux de l'Ecriture et trös
t\ tbid., p.436451.I1 me parait symptomatique qu'O. du Roy ne cite pas une fois la lettre 174.
,,a
Ibid., p. t7O.
"\ Soliloques 1l l, l.
')t' Augustinus Magister, l, p. 595-602. ')') Dcr l)rtititrr' (iol/, lrrt'ibrrrg, I9')7, p. 97-100.
Yoir ibid. p.601. l0ul..rtil.rliorr provitnltlcl)rry»r,trrnl\/ttl'iltrlry.rrrrrl. l\4iirrtlr<rr, l')77,p.))1
"/
es I). 600. Voir lussi l'olrscrv:rtion dc Brachtcntlorf, p. 189, n. 47, sur lcs cxplications rlc Mr
J. .[. ')r(.ira/. lll t,, I I
,lct, Attrltus Augustttru:, Ithrlrtsolthrr unl ( .hristtnlu»t, l'991. r1r'( l /)r' ttttt\t.t\ltt'. i,,,r/ \ll.'',. t,,
78 Goulven Madec

irttentif aux mots m6mes de l'Ecriture i comment awrait-il osö appeler ,image'
de Dieu wne röalitö qwe l'Ecyitwre ne d.6signe pa.s comme telle?"103. C'est le
bon sens möme.

II. Die Subjekttheorie


X. Conclusion
Il n'y a, pour Augustin, de ,,th6ologie" ou de ,,philosophie" de l'esprit, il ne
peut y avoir d'intelligence de l'esprit par lui-m6me, que parce qu'il est cr66 ä
l'image de Dieu. Aux th6ologiens et aux philosophes de voir s'ils peuvenr et
doivent continuer ä s'approprier les r6flexions d'Augustin par prdlövements
th6matiques int6ress6s, ou s'ils ont int6r6t ä lire le rout, d'un livre ä l'aurre,
comme Augustin le souhaitait.
Et pour achever de me compromertre devant les th6ologiens et les philo-
sophes, je me demande: Suis-je th6ologien? Non; la dogmatique m'int6resse
trop peu. Suis-je philosophe? Peut-ötre un peu; gräce ä Augustin.

r')' ,,[.a prcmiirc communiruti tleJ6rusalcm conrme image de I'unit6 dc la Trinitö.


Unc dcs cxigi'-
rts.tttgttstrrrt'nnt's tl',4rl 4,.12.r", llomo spiritalis, Fcstgaba für 1,. Vtrbtijcn, Viirz[rtrrg, l9ll7,
p. )0/ ))-,1 (20lJ; 221 224; lcs it.rlirlrrt.s sorrl ,lc rnon iniri.rrivt.).
Cbristopb Horn

Selbstbezüglichkeit des Geistes bei Plotin


und Augustinus

Die Vorstellung von einer ,,Selbstbezüglichkeit des Geistes" bildet eines der
Hauptmotive der Ethik und der spekulativen Metaphysik des Altertums. Sei-
ner zentralen Bedeutung angernessen, handelt es sich um ein vergleichsweise
gut erforschtes Philosophem.r Ich möchte daher zu Beginn nur skizzenhaft
an einige Forschungsergebnisse erinnern, um dann die spezifische Fort-
führung des Motivs bei Plotin und Augustinus zu diskutieren. Dabei werde
ich die These vertreten, daß sich bei den beiden spätantiken Philosophen -
uotz Threr engen Traditionsbindung - eine innovative Phänomenbeschrei-
bung dieser Selbstbezüglichkeit findet. Plotin und Augustinus charakterisie-
ren das Sich-selbst-Denken des Geistes erstmals als ein unmittelbares, refle-
xives Selbstwissen in bewußter Absetzung von einem intentionalen
Gegenstandswissen. Sie nähern sich clamit stark dern Begriff des Selbstbe-
wußtseins an, der in der älteren Philosophie allenfalls rudimentär vorhanden
ist.
Das Motiv der Selbstbezüglichkeit hat seine \(urzeln bekanntlich in der
archaischen Spruchweisheit der Sieben tVeisen und in der delphischen Reli-
giosität. Diese fordern eine Selbsterkenntnis im Sinn des prudentiellen
Maßhaltens und des mentento mori. Es liegt nahe anzunehmen, daß die phi-
losophische Version dieses Motivs, wie wir sie seit Platon kennen, auf die Be-
schäftigung des historischen Sokrates mit dem delphischen gnöthi seduton
z-urückgeht. Bei Platon und Aristoteles ist mit dem Motiv dann bereits ein
ganzes Bündel von Aspekten verknüpft; es scheint mir hilfreich, fünf ver-
schiedene Gesichtspunkte auseinanderzuhalten. Da sie in der nachklassi-
schen Philosophie jeweils traditionsbildend gewirkt haben, läßt sich sinnvol-
lcrweise (i) von einer Cbarmides-Tradition, (2) einer Apologie-Tradition, (3)
cincr Politeia-Tradition, (4) einer Alhibiades /-Tradition und (s) von einer
Mctapbysih A-Tradition sprechen. Natürlich bestander-r diese Traditionen nie
unabhängig voneinander; doch schiebt sich bisweilen der eine, bisweilen der
,rnrlcrc Aspckt in dcr-r Vorclergrund.
(l)Mit tlcr Cbarmirlcs-Tr,rclition mcinc ich dic \ü/irkungsgeschichte ciner
[',cslirrrrrrtcn Iiornr tlcr M;rlrrrung zur Sclbstcrkcnntnis: [)cr Aufruf z-ur
St.llrstrcl-lt'xi,,rr [,c,lt'trtct cirrt'rr Arrsto(l ztrr-bcsorrncrrcrt Lcbcrrsfiilrrutrg. I]ci
t't1il. lr,s,,rr,l, rr ll,','t\ l'l// 1't
l,),),/; l,r.prrr l,),,rr
82 Christoph Horn Selbstbezüglichkeit des Geistes bei Plotin und Augustinus 83

Sokrates, Platon und in der Alteren Akademie sind die §Turzeln iener Mo- teilen. §(/er zum ,,Bewußtsein seiner selbst gekommen" sei, werde von allen
ralkonzeption der Selbstsorge zu suchen, die auf eine Kongruenz des pru- sinnlichen Begierden frei.11 Bei Aristoteles findet sich eine vergleichbare
dentiellen und des moralischen Aspekts bewußter Lebensführung abzielt Harmoniethese besonders in der Konzeption einer ,,Freundschaft mit sich
und die für die hellenistische Ethik maßgeblich ist. Insbesondere Platon hat selbst". l2
die Motive der genauen Selbstprüfung2, der Abgrenzung des wirklich Ge- (a) Als Alkibiades /-Tradition läßt sich eine ethisch verstandene Geistme-
wußten vom Nicht-Gewußten,3 der Selbstentdeckunga, der Fürsorge für die taphysik bezeichnen: die These von der Einheit von Selbsterkenntnis und
Seele5 sowie der Einübung ins Sterben6 exemplarisch abgehandelt und sie Gotteserkenntnis. Dieser Zusammenhang scheint bereits tn der Apologie, im
mit einer Metaphysik des wahren'§Tissens verknüpft. Eine besonders sub- Charmides und im Pbaid.ros angelegt zu sein; entfaltet wird er aber beson-
tile Version dieser Selbstsorgekonzeption stellt die akademisch-stoische ders im pseudo-platonischen Groflen Albibiades. Auf die Frage, was der
Lehre von der Selbstaneignung (oiheiösis) dar; in ihr wird die Vorstellung Mensch eigentlich sei, lauter dort die Antwort, er sei eine Seele.rl Diese Ant-
einer schrittweisen Selbstentdeckung auf eine umfassende Theorie naturalen wort beruht auf der sprachlichen Beobachtung, daß man nicht nur sagen
Strebens gestützt. könne, ein Mensch gebrauche seine Hände oder Augen, sondern überdies, er
(2) Unter der Apologie-Tradition verstehe ich die Entdeckung einer mora- gebrauche seinen Körper insgesamr; die gebrauchende Größe müsse aber von
lischen Innensphäre, d.h. die Entdeckung des Gewissensbegriffs, wie er eine der gebrauchten verschieden sein. Im sogenannten Augengleichnis wird zu-
,,Schuldkultur" gegenüber einer archaischen ,,Schamkultur" charakterisiert. dem erklärt, Selbsterkenntnis bedeute, auf die eigene Seele zu sehen, genauer
Die platonische Frühschrift Apologie enthält die beispielsweise auch bei De- auf ihr gottähnliches Zentrum. In der Tradition versrand man dies so, als ver-
mokrit sowie bei Euripides belegte Verbindung zwischen den Begriffen lange der delphische spruch, man solle sich selbst als geistiges oder göttliches
Selbstbewußtsein und Gewissen. Der griechische syneidäsls-Begriff steht \Wesen verstehen lernen.la Denn allein das
Göttliche soll dasjenige sein, das
seither für das Selbstbewußtsein verstanden als eine moralische Kontrollin- sich auf sich selbst als Denkgegenstand richtet.
stanz. Das Verbindungsmoment zwischen den beiden \Tortverwendungen (5) Damit sind wir bei der Metapbysik-A-Tradition: Nach Arisroteles' re-
liegt in der Vorstellung einer ,,inneren Mitwisserschaft". Sokrates kennzeich- leologischer Konzeption ist Bewegung als Aktualisierung einer Anlage zu
net es als daimonion: als innere göttliche Stimme.T verstehen. Die Bewegung eines Gegenstands beruht also darauf, daß dieser
(3) \Vas ich als Politeia-Tradition bezeichnen möchte, hängt eng mit dem auf die Realisierung seiner vermögen zustrebt. Daher muß es einen ersten
Cbarmides-Motiv zusammen: Eine bewußte Lebensführung besteht nicht unbewegten Beweger geben, der als telos alles andere bewegt, ohne selbst be-
nur in der Fähigkeit, vom eigenen Handeln Rechenschaft abzulegen, sondern wegt zu werden - sonst entstünde ein infiniter Regreß. Nun ist auch Denken
zudem im Erreichen einer möglichst großen Selbstübereinstimmung. Platon eine Form von Bewegung; also muß das göttliche Denken des ersten unbe-
vertritt die These von der Einheit oder Harmonie der Seelenteile. Er ver- \Ä/egten Bewegers sich selbst zum Gegenstand haben. Denn das Denkobjekt
langt, jedes Individuum solle durch Ausführung seiner spezifischen Funkti- soll stets die Vernunft auf sich hinbewegen; die Denkbewegung kann ihren
on ,,nicht viele, sondern einer werden".8 lJnter innerer Flarmonie versteht er Abschluß nur in etwas finden, das sich selbst denkt.15 In dieser Konzeption
mithin nicht nur die \X/ohlgeordnetheit der Seele, sondern ihre Einheit;e im spiegelt sich eine teils kritische, teils affirmative Auseinandersetzung mit der
Jenseits soll dann vollends klarwerden, ob eine Seele ,,vielgestaltig oder ein- altakademischen Strebens- und Bewegungstheorie, die besonders auf Eudo-
gestaltig" ist, ob sie also bestimmte nicht zu ihr gehörende ,,Ablagerungen" xos von Knidos zurückgeht, und mit Platons Prinzipienlehre, Ideentheorie
mit sich herumträgt.10 Gemeint ist offenkundig eine ,,Reinigung" der eige- und Derivationsmodell. Aristoteles entwickelt rn Metapbysib L7_9 die Kon-
nen Person von unpassenden emotionalen und konativen Persönlichkeitsan- zeption der Selbstbezüglichkeit des ersten unbewegten Bewegers, der kein-
erlei Potentialität aufweist, die durch Bewegung, also Denken eines fremden
't Cnrr*A- l64d; 165d; 166e ff.;169b; ApoLogie 28e; 38a; tgl. Laches 187e. Dcnkobjekts, erst aktualisiert werden müßte. Im Unterschied zum mensch-
Ygl. Cbarmides 167a: eidenai ha te oiden kai ba mA oiden.
a Phaidros22geI.
5 cpimeleia t|s psych|s: Apologie 29e; 30b. I tis L'ttnoian dutos bduta, tpbihoncnos: I,olitcid 571 d [.
6 Phaidon 64af. lr Vgl. Nii('o»r,tlti:tltt lirhil. lX s.
3ldff.;vgl.DcmokritDK63B264und2gTsowicEuripidcs, OrcstesY. t\
' Apologi.t 196. l i ltot' ottrt ftrt,ttr t ltr iltot;
1'1 f 1i.,4ll'rlti,tdts I l)')t.
1tt
8 l)olittit 1)ld. tt ',,/..1\.ltt'i ( .it t ro, /)r' lrttrl,rrs Y 't5 11rl lirttrl,trttt lisltttt,rtirtt.r I 5J; V 70. I;iir wcitt.rc Stcll.r
') I'rtlttti,t,[.l,lrl l.; Nozror (,2lJtl l. zrr,lr,t,r'li.rrlrtr,,rr v1',1 ht, rrr, r l')Sl,.ll.
Itolrttt,t ('1.t,1; (rt lr L ' nt)t\t\ utr'\tt)\ ,ll,t.t1,l,y'tl lo,'.ll'tl I
84 Christoph Horn Selbstbezüglichkeit des Geistes bei Plotin und Augustinus 85

Iichen Selbstbewußtsein hat sich das göttliche Denken selbst zum Gegen- wendet:t8 Menschliches Selbstwissen beruht auch bei Plotin auf den Elemen-
stand. Dennoch wäre es überpointiert, in dieser Konzeption bereits ein re- ten (1) bewußte Selbstrelativierung, und zwar im Sinn einer Entdeckung der
flexives Selbstwissen im Unterschred zu intentionalem Objektwissen zu se- eigenen ,,Entfernung vom göttlichen Ursprung",tt (2) Tugenderwerb im Sinn
hen. Denn einerseits bleibt womöglich die Interpretation von Hans Krämer von verinnerlichter Moralität2o und (3) Vereinheitlichung der eigenen
ernsthaft vertretbat nach der der unbewegte Beweger genau genommen Persönlichkeit;21 zudem besteht auch für Plotin ein unmittelbarer Zusam-
nicht sich selbst, sondern 55 Gestirnbeweger denkt.16 Zum anderen: Selbst menhang (4) zwischen menschlicher Selbsterkenntnis und göttlichem Sich-
wenn sich der erste Beweger selbst zum Denkobjekt hätte, scheint es sich bei selbst-Denken22 sowie (5) zwischen kosmologischer Bewegungslehre, Deri-
dieser ,,Selbstreflexion" eher um ein objektbezogenes Denken der höchst- vationskonzeption und Strebenstheorie.23 Auch Plotin inreressierr sich nicht
möglichen Entität zu handeln. Der Beweger denkt nicht eigentlich sich vorrangig für das alltägliche menschliche Selbstbewußtsein; ausdrücklich sagt
selbst, sondern das vorzüglichste Denkobjekt. er, der mit dem nows gemeinte Intellekt sei nicht der eines Individuums.2a
Halten wir fest: Die fünf Hauptaspekte des klassischen Motivs einer Der göttlichen Selbsterfassung nähert sich der Mensch vielmehr erst durch
,,Selbstbezüglichkeit des Geistes" sind Selbstsorge, Gewissen, Einheit der seine ,,Vergeistigung" oder ,,Geistwerdung" (noöthAnai) an.25 Selbstbewußt-
Persönlichkeit, Göttlichkeit der menschlichen Seele und das Sich-selbst- sein ist also nicht primär ein alltägliches und vertraures, sondern ein ethisch-
Denken des göttlichen Geistes. \Wer sich diesen Themenkomplex erstmals protreptisch gefordertes Phänomen. Außer dem Gott erfaßt nur der Philo-
deutlich macht, dürfte davon überrascht sein, daß die gemeinte Selbstbezüg- soph sich selbst, nicht der gewöhnliche Mensch.26 In Plotins Theorie des
Iichkeit nirgendwo den neuzeitlichen Begriff des Selbstbewußtseins themati- Intellekts treten zu diesen traditionellen Elementen noch folgende drei
siert: Nirgendwo geht es um ein reflexives, unmittelbares oder gar zweifels- hinzu.
freies Selbstwissen, etwa um die Selbstgewißheit eines reinen Ich; nirgendwo Erstens übernimmt er die bei Platon in nwce angelegte Auffassung von der
wird Subjektivität als Basis des menschlichen \Weltverhältnisses aufgefaßt. ,ori-I^ ^nenz
der Ideen. Diese seit Antiochos ,Ln Ärkrlo., vielfach verrre-
Neben der Vorstellung von der Selbsttransparenz des Bewußtseins spielt tene Überzeugung, Platons Ideen seien als ,,Gedanken Gottes" aufzufassen,
überdies die moderne Vorstellung von seiner Privatheit keine erkennbare findet sich vor Plotin bereits im Mittelplatonismus, nämlich bei Philon von
Rolle. Auch ist kaum vom gewöhnlichen menschlichen Selbstbewußtsein, Alexandrien, Attikos, Alkinoos und Numenios. Auch Plotin unrerstreicht,
der alltäglichen Selbstvertrautheit, die Rede: Das Phänomen, daß sich der die Ideen dürften ,,nicht außerhalb des nol.ts" situiert werden.27 Seine Innova-
'üTahrnehmende seines §Tahrnehmens und der Denkende seines Denkens be- tion - oder zumindest seine neuartige Akzentsetzung- besteht nun darin, daß
wußt ist, wird zwar von Aristoteles behandelt; aber damit ist ein begleitendes er die Ideen insgesamt als Einheit auffaßt: Jeder Inhalt des Intellekts ist zu-
Bewußtsein mentaler Akte, kein Selbstbewußtsein gemeint.lT gleich jeder andere, und jeder Teilgehalt umfaßt zugleich das Ganze; Plotin
expliziert diese homow pdnta- oder totwm simul-Strukrur gerne am Beispiel
der epistömö, in welcher ebenfalls jeder Teilgehalt jeden anderen Teilgehalt
und das Ganze impliziert.28 Der Intellekt stellt auf diese ril/eise etwas Einheit-
I r8 Vgl. die ausführliche historische
Quellenuntersuchung bei Beierwaltes 1991,77-93.
re Besonders in Ennead.e V 1
UOl 1.
Nun ist es eine bekannte Tatsache, daß sich auch Plotin für sein Modell eines rc Vgl. u.a. Enneade VI 9 [9] 5, 5-12 und VI 7
[]81 36,6-1,3.
menschlichen Selbstwissens auf die Vorstellung eines transzendenten, selbst- )t Ygl. Enneade I6 [1] 9, 8 ff.; I 2lt9)4,6 und V 3 1491 17,38.
)) Ygl. EnneadeY 314917 u.ö.: duu aus{ührlich Kremer 1981.
bezüglichen Intellekts (nous) stützt und dabei alle fünf Traditionslinien ver- rr Die Einheit dieser Theorieelemente wurde bereits in der klassischen Monographie von Arnou
1921 herausgearbeitet.
Enneade III 8 [30] 8, 41 f.
YgI. Enneade VI 7 [38] 35, 5 und VI 8 [39] 5, 35.
r(' Krämer 1964, 127 fI. Vgl. u.a. Lnneade V8 []ll 10,42;ll,5lV3 l49l7,lt{,.
t7 Ygl. Nikomachische Ethtk 7X 9, 1170a25-b10 u.ö.; zum Zusammenhang von Sclbstwahrneh- Ilcsrrntlers in Ennctdc V 5 [.f2].
nrung und Selbstbewußtsein vgl. Rappe 1997 :und Oehler 1997, 25 ff. Ob man deshalb sowcit I)cr:utrrx;rgrrrcischt'AttsrllLtcli lt(»tt(,t.tltuttdt'rsthcintbci I'lotinwiirtlichinEnncadeVI 6[341
gchcrr soll vric Oehlcr 1962, der behauptet, die klassische Antike habe die cartesisch-neuzeitli- /,.1. llt'sortrlcrs rviclrtig sirrrl It'rnu rlit Stcllen (irr chronologisclrt'r Iiolgc): V 9 [5] tl, 2 f[.:Y 4
chc ()ption rcflexivr:n Wisscns w,rhrgenommen, rber als unsinnig verworfcn, k,rnrr hicr dahin- l7l ),4 /: V I ll0l 4. t/ \o: V 8lrll.l.22 J5; lll / l45l l, 1; I 1l l5ll-1, l5 20. Zurrr cpisti'rni-
gcsrt'llt [rlcr[rcrr. Vcrrnrrtlich crforrlcnr wctlcr tlcr Ohunidrs noch tlic Niktnratl,rstlrt litl,il' Vtrlilti,lr l,r'r,,rr,kt. lV', I8] t, ri ll lIr Arrl,rrstirrrr, sin,l l,tr,,rr,l,rs cils,lrl.rgig: l)t"l)rrrit,rtt
n,,,lr.rrr,lr l)r,otittt,r lll .l cint so wcitgtlrerrtlt'un(l v()r.tuss(tzttngsr',iclr. lnltrlxtt.rtrorr. lX 5. ri, \V',, /. \\' ,/, ll rrrrrl \V ll,.'-'
86 Christoph Horn Selbstbezüglichkeit des Geistes bei Plotin und Augustinus 87

liches und Vielheitliches zugleich dar Er bildet eine in sich differenzierte Ein- fassen, nicht aber sich selbst, da er seinerseits entweder einfach oder komplex
heit (ben polla).2e Plotin bringt diese wechselseitige Durchdringung der Ideen sei - was zur erstgenannten lJnmöglichkeit oder aber zu einem unendlichen
auch mit Platons symploh€-Konzeption aus dem Sopbistes im Verbindung, al- Regreß führen soll).1, -ü7as Sexrus hier kritisiert, ist das sogenannre Reflexi-
so mit der These von einem wechselseitigen Implikationsverhältnis der ober- onsmodell von Selbstbewußtsein, und er kritisiert es mit dem exzellenten
sten Gattungsbegriffe.so Er insistiert wie später Hegel darauf, man könne Argument, das reflektierende Ich sei mit dem reflektierten Ich nicht iden-
nichts einzelnes verstehen, ohne zuvor immer schon das Ganze begriffen zu tisch: Es komme keine echte Selbstbeziehung zustande, sondern nur eine un-
haben. Der Intellekt soll in jedem seiner Teile vollständig präsent sein. endliche Iteration phasenverschobener Subjekt-Objekt-Relationen.ss Plotin
Zw e itens: Plotins innovative Explikationsform der b omo w p anta-Struktur antwortet auf das Sextus-Dilemma so, daß er den Intellekt als Einheit aus
ist triadisch. Er verwendet gerne die Trias von Denksubjekt, Iienkobjekt und Identität und Differenz zu erweisen sucht; wenn jeder Teil des Intellekts je-
Denkakt, besonders in Eniead.e Y 3 l4g) 5, der letztlich die Grundfigur sei- den anderen und das Ganze virtuell immer schon einschließt, scheint das
ner Derivationstheorie, die Trias von Beharren, Hervorgang und Rückkehr Problem des Sextus gelöst zu sein.
zugrundeliegt. Eine zentrale Quelle dieser plotinischen Konstruktion läßt Kommen wir damit zu Augustinus. Bis auf veränderte Akzentsetzungen
sich bei Alexander von Aphrodisias ausmachen; in dessen Kommentierung handelt es sich bei Augustins Konzeption menschlichen und göttlichen
von De anima III 4-5 erscheint bereits der Gedanke, daß der nows die noAM Selbstbewußtseins um das bomow panta-Modell Plotins. vahrscheinlich hat
denkt und die no|ta deshalb mit dem nows im Denkakt geeint sein müssen.ll der Kirchenvarer den für die Selbstbewußrseinskonzeption entscheidenden
Als philosophiehistorischer Hintergrund im negativen Sinn ist ferner Plotins plotinischen Traktat, die Schrift Enneade y 3 L491, selbst gelesen, wenn auch
bewußte Abgrenzung vom Modell des Numenios wichtig, welches - so Plo- in lateinischer Übersetzung. Obwohl sich die Ansicht weitgehend durchge-
tins Bedenk en - ztt einer Hypostasenvermehrung führt.32 Plotin dagegen ge- setzt hat, da{3 Porphyrios die vorrangige neuplatonische Quelle für Augusti-
braucht spekulative Triaden, um die Struktur des nows trotz aller internen nus darstellt, behält diese Annahme eine hohe Plausibilität.3e Tatsächlich fin-
Pluralisierung als einheitlich beschreiben zu können. Er unterlegt seiner Trias den sich auch bei Augustinus die zuvor genannten Hauptmerkmale der
gerne die Identifikation von Denken und Seinl3, den Begriff des ,,vollkom- gnötbi seauton-Tradition in der plotinischen Version.ao Insbesondere wird
men Seienden" (pantelös on) und die Trias aus zöA, nows und pbronAsis3a so- der moralisch-präskriptive charakter der Selbsterkenntnis akzentuiertat, und
wie die Trias von on, nous und z6€.3t ebenso nachdrücklich wird die Einheit aus Selbsterkenntnis und Gotteser-
Drittens: Plotin ist bemüht, die skeptische Infragestellung einer intelli- kenntnis betont.a2 In der Anwendung der neuplatonischen Geistmetaphysik
giblen Selbstbezüglichkeit zurückzuweisen.16 Der Pyrrhoneer Sextus Empi- auf die Trinitätsvorstellung folgt Augustinus dem Beispiel des Marius Victo-
ricus wandte gegen den aus seiner Sicht unsinnigen Begriff des Sich-selbst- rinus. Augustinus macht von Plotins Modell näherhin einen zweifachen Ge-
Denkens folgendes ein: Geistiges Erfassen bedeutet stets, daß ein brauch: Erstens verwendet er es seit contra Acad.emicos zur Zurickweisung
Erkennendes einen Erkenntnisgegenstand erfaßt; ist dies aber richtig, so der akademischen Skepsis; dabei entwickelt er ein Argument, das dem carte-
kann es kein Selbstbewußtsein geben; denn weder könne sich etwas Einfa- sischen Cogito nahekommt.a3 Zweitens b*.rrtrt Augustinus das
".rtrr.rli.h
ches selbst erfassen (dann wäre es nämlich insgesamt als Erkennendes zu be-
t- Adrrr*, lrLotbematicos YII f= Pyo, O|rsihous 111 284-286; 31A412.
stimmen und nicht zugleich als Erkanntes) noch etwas Komplexes (denn r8 Die zahlreichen'Wiedcraufnahmen dieses Zirkeleinwands in der Philosophiegeschichtc
werden
dann könne zwar der erkennende Teil einer Entität deren restliche Teile er- eingehend untersucht bei Düsing 1997,97-120.
re Dazu ctwa du Roy 1966, 69 f.
r0 Allerdings scheint auch Porphyrios in den wenigen einschlägigen Textpassagen,
die überliefert
2e Nach Platon, Parmenides 144e. sind, von Plotin nicht abzuweichen; vgl. die Fragmente 273-275 Smith sowie Beierwaltes 1991,
rc Vgl. die Formel symploh| hai synthesis rn Ennead.e VI 2 [43] 21,53 tf . 91 f. Laut Vita Plotini 18 soll Porphyrios anfangs mit eincr eigenen Schrift gegen Plotins Auf-
rr Alexandcr von Aphrodisias, De anima 89, 16-29 Bruns. fassung von der n ozs-Imrnanenz der Ideen opponiert haben, sich ,b". dem Eindmck
12 Plotin weist erkennbar etwa in den Schriftcn Enneade VI 9
- II 9 [33] 1 - Numeni-
[9] 5 und von Amelios'Gegenschriftcn dcm plotinischen Standpunkt angeschlossen'.rrri"i haben.
os' Unterscheidung zwischen einem ,,ruhenden" und einem ,,bewegten" nous zurück; dazu I Vgl. etwa De Trinitate X 11, 12.
ausführlich Halfwassen 1 994. tt '/..8. in tlcrr l;t'rrrrt.lrr Jr.un rt anintam stirt cultio ,rut .\oliloquia I 2, Z sowie nooerim ,ne, no-
ri Nach Parmenides DK 28 B 3. DL'r'nn l( tus 9tliltxluta ll l.l.
ra Sophistes24SelI. r' [)rc wiclrtigstcrr llclcgsttlltrr liir cirr rrrgrrstirrisclrcs Oogito silrd ()r»tlra Aurdonrco.s III 9, l9;
\5 Timaios 39c; vgl. dazu den klassischen Aufsatz von Hadot 1960. flf I l, l6; l)r'1,111,1 i'rt,t .1, /;\,,ltht1rrr,t ll l, ^l; i )r,prr,t tt,litittttt 19,11; l)t libtru arbitt.io ll
r(' Zu Pkrtins Auscin;rndcrsctzurrg mit t{cr pyrrhonischcn Skcpsis vgl. \Wallis lgllZ urrd tlic zrr \, /; l)1 111,11,111 ,/,'r \1 .'r, r,,ut, /)r' lirrttt,ttt X 10, lt l6 un(l XV l.t,-tl.'/.ltl.rrrti skcPtis,.lrt.rr
s.itzliclrcrr Ilt'oIr,rchtrrngcn [rci (]rystel | 9')8. Ilrrrlcll,rrrlr,lvlil'lrrl,r,, l','liri,zrrr lnt(.rl)r(t,tti()nu..t Il()rn lt)t)/.
88 Christoph Horn Selbstbezüglichkeit des Geistes bei Plotin und Augustinus 89

plotinische Modell, um damit nach außen ein apologetisches Argumerfi zu' als schlechterdings Einfaches denkt: Plotin selbst konstatiert wiederholt, daß
gunsten der christlichen Trinitätsvorstellung zu erhaltenaa und um nach in- Selbstbewußtsein bei etwas schlechthin Einheitlichem unmöglich sei.a7
nen die Trinitätskonzeption einer rationalen Interpretation zugänglich zu Natürlich ist sein nous keineswegs schlechterdings einheitlich.
machen; dies ist sein Thema besonders in De Trinitate lX, X, XIV und XV. (2) Es wirkt unzulässig, den Oberbegriff des Intellekts, also nous bzw.
Eine eingehende Darstellung der homow panta-Relation findet sich bei Au- mens,in die ihm immanente Dreiheit der Relata einzubeziehen, wie dies bei
gusrinus etwa in De Trinitate XV 5, 7. Generell ist seine Version der plotini- Plotin und Augustinus zwar nicht durchgehend, aber doch haufig geschieht.
schen Konzeption aufgrund seines dogmatischen Interesses noch stärker an Denn dabei entsteht das Problem eines unmöglichen Selbsteinschlusses: Die
der triadischen Form orientiert.a5 Wä[rend Plotin das erste Prinzip, das ben, Begriffe nous und mens tretefl, wie es scheint, an zwei logisch miteinander
als strikt nicht-relational kennzeichnetlbezieht Augustinus das unwm - den unverträglichen Stellen des Modells auf.
Vater der Trinitätsrelation - in die Relation mit ein. Diese Differenz sollte (3) Kaum überzeugend wirkt auch, daß der Intellekt meist mit dem akti-
man freilich nicht überschätzen; sie relativiert sich bei näherem Hinsehen da- ven oder subjektiven Teil, also mit dem nooun oder amans, gleichgesetzt
durch, daß auch Plotin mitunter die Vorstellung vertritt, das hen selbst sei in wird. Man gewinnt so den Eindruck, als liege der (in Punkt (2) genannten)
den Denkprozeß einbezogen: Dabei fungiert das ben allerdings nur als indi- Doppelverwendung eine rnangelnde Unterscheidung zugrunde. Erforderlich
rektes, durch Denken nicht aktuell erreichbares Obiekt.a6 schiene die Differenzierung zwischen dem Intellekt qua Denkvermögen,
welches alle epistemischen Einzelleistungen wmfaflt, und dem Intellekt qua
Subjekt, d.h. dem selbstbewußten Ich, welches diese Leistungen vollziebt.
(4) Damit zusammenhängend scheint befremdlich, daß in dem plotinisch-
II augustinischen Modell Bewußtseinsprozesse wie Denken, §flollen, §(issen
oder Sich-Erinnern zu Teilaspekten des Geistes hypostasiert werden. Es han-
Soweit in groben Zigen die historischen Grundlagen des piotinisch-au- delt sich bei ihnen, so könnte man einwenden, doch um Akte, nicht um Mo-
gustinischen Modells. Ich möchte dieses nun einer systematischen Kritik rnente oder Teilaspekte des Intellekts; dem Schluß von Akten auf Teilaspek-
unterziehen, die zugleich ein Licht auf seine historische Stellung und Be- te liegt, so scheint es, eine Verwechslung von Akten und Vermögen
sonderheit werfen soll. Folgende sieben Einwände scheinen mir bedenkens- zugrunde; und die Vermögen werden dann fälschlich als quasi-personale Trä-
wert: ger interpretiert. Es dürfte ausgeschlossen sein, mit Plotin und Augustinus
(1) Es leuchtet nicht ein, auf welche lVeise der Zirkel- oder Regreßeinwand epistemische Akte als selbständige und zugleich korrelative'ü(esenheiten auf-
des Sextus Empiricr.rs gegen die Möglichkeit von Selbstbewußtsein durch das zufassen. Erst recht wirkt die trinitätstheologische Behauptung befrerndlich,
plotinisch-augustinische Modell überwunden sein sollte. Denn wenn sich im diese könnten als Personen verstanden werden.
göttlichen, vom Philosophen erreichbaren Intellekt einzelne Momente oder (5) Kann man in die Relation von nooLtn und no|ton bzw. von d.tnans und
Teilaspekte isolieren lassen und wenn mit ihnen das Sich-selbst-Denken er- qwod amatwr tatsächlich die Relation selbst, also noösis und amor, als drittes
klärt werden soll, liegt exakt darin das Zugeständnis, daß der lntellekt nicbt Relatum einbeziehen? Auch das scheint logisch unzulässig; wäre die Relation
sicb selbst denkt, sondern einer seiner Teile einen anderen Teil erfaßt. Mehr nämlich selbst ein Relatum, dann mül3ten auch die Relationen zwischen
noch, auch wenn die Beschreibungen das Beweisziel haben zt zeigen, daß dmdns und amor sowie zwischen amor und qwod dmd.tur als Relata aufgefaßt
sich das Ganze selbst denkt, denkt es sich hierbei doch nicht als das, das sich werderr, und man hätte es mit fünf Relata zu tun statt mit dreien 1usw.)d in-
selbst denkt usw. Zudem ist für Plotin auszuschließen, daß der Intellekt sich finitum). Dieser Einwand gegen das Modell des Sich-selbst-Denkens ist mit
dem bekannten anti-platonischen tritos-anthripos-Argument eng verwandt.
(6) Mehr noch, wenn man den Intellekt wie Plotin und Augustinus als Ge-
ao Z.B. tn De cioitate dei XI 26.
flccht unaufhebbarer korrelativer Teilaspekte darstellt, die zueinander in ei-
a5 Die eminente Bedeutung triadischer Formeln seit der augustir.rischon Frühphilosophie hat be-
sonders du Roy 1966 hcrausgestellt.
ner dynarnischcn Ide ntitätsbeziehung stehen, dann scheint es unzulässig, Pri-
46 InderPlotin-ForschungwirddieFragekontroversdiskutiert,obdiefrühenTexte EnneadeY
4l7l 2mdEnneade III 9[13] 1,indenendasEine alsnoiton bezeichnetwird,sichvonPlo- lr I)lotirt,sokiitttttt nt.tn.rtl,rrtttt'ttlit'rtrt,wcistfolgcriclrtigrlicVorstcllungzrrrück,tlasrrbsolutc
tins Standardbeschreibung des Denkobjckts so rnassiv untcrschcidcn, da{3 cin Rückschlu(l auI I'lirrcverlttl',, u1,,, \r'll,rtl,r'u'rrl(tsctt:vgl. l'trrtt,rrlcV ll.+9] l.);rlcrlrrrcllcktlringcgcrrwt.isccr-
cinc Lclrrcntwicklung [)lotirrs nriiglich wird. I'.inc srrlchc'['lrcsc wird t'twrr von F].tdot tttrrl urul rrcirrrr,r, l)rr.rlrt.rt ttl ,,t,,1,1',,t,rnt,nttt,ttI'r,t,,,t,"1,1.l:urtr',trlt V(,Il.lI I,('. Arrl I)lotirrsI{c
Iltrrs.rni,lr \,(.rlr'(.1(.n. Zrr,inigcrr ncu('r('n I)i.ku:si,,rtslrcitr,rgcrr vgl. I lorrr l9()5. )21 )26. ,l, v,,ru\,11,.t1,,ivrrlit.,,,,,1,,.Irr,,rrrrrVlliItrllk('rln(.r,lr1,,lr.rrlrurrrr,1..
90 Ohristoph Horn Selbstbezüglichkeit dcs Geistes bei Plotin und Augustinus

mats- und Abhängigkcitsvcrhältnisse zu behaupren, wie dies beide Philoso- ausdrücklich, das Sich-selbst-Denken des nows sei so zr.r v«.rrrr lr, rr,t,r
phen ausführlich tun. L,nrweder, so lällt sich einwenden, besteht eine sym- als ganzer durch sich als ganzen denkt",st Plotin weist alrer rlr, i\,rtl,
rnetrische Interdepcndcr.rz, oder es liegt ein einseitiges Abhängigkeitsverhält- zurück, daß dabei der denkende nout ein anderer als der gctl.r. l,r, .., r t,,, ,

nis vor. sten Kapitel von Enneade II 9 [33] heißt es, der sich selbst tlcrrk.'rr,l, t,,r, lt, r ,

(7) Es scheint kaum nachvollziehbar, weshalb der selbstbezügliche Intel- sei kein anderer als der, der denkt, daß er denkt usw. (2.34 fl .). | ), r ,1, ,,t , ,,
lekt gerade durch drei aufeinander bezogene Relata gekennzeichnet sein soll- de nows könne vom gedachten nous nicht einmal mithiife von ,,( it., l.r r l, , , ,, r

te. Um die triadische Struktur zu begründen oder gar eine gültige imago tri- perimenten" (epinoiai:Z.42)unterschiedenwerden.Dasistbc,rrrt.rh,rr.,,,,,
nitatis zu erhalten, müßte ja die Vollständigkeit und Nicht-Ergänzbarkeit weil Plotin damit unter Beweis stellt, wie präzise er auch das zwr.rr, I t,,,,,
dieser dreigliedrigen Relation gezeigt werden. Das tun weder Plotin noch des Sextus-Dilemmas erfaßt hat. Denkt der Intellekt sich inr Snrrr ,,,,,,
Augustinus; Plotin scheint daran sogar überhaupt nicht interessiert zu sein: Ganzes-Ganzes-Relation, so ist das erste Ganze immer ein andu't.s (,.rr, ,

Er operiert teils mit zweigliedrigen, reils mit vier- oder ftinfgliedrigen Rela- 1l als das zweite. Um eine Koinzidenz zu erreichen, müßte er sich - po rrttl,,,
tionen.as sibile - als Denkender denken können, der sich als Denkender rlcrrhr, ,1,,
Soweit meine sieben Einwände. Ich versuche nun, diese Bedenken aus der sich als Denkender denkt usw. ad infinitwm.
Perspektive der plotinisch-augustinischen Konzeption einer selbstbezüglich- Doch selbst wenn meine Darsteliung soweit richtig sein sollte, isl rl,rrrrrr
keit des Geistes zu entkräften. Dies gelingt, so meine ich, nur teilweise; aller- I
noch nicht mehr gezeigt als Plotins bemerkenswertes Problembewrrlll.,.rrr
'1
dings erweisen sich sowohl die Stärken als auch die Schwächen dieses Mo- [Jmso dringlicher stellt sich die Frage, worin Plotins Löswng besteht. Sr..lrr
11

dells als lehrreich. { man sich das Ende von Kapitel 5 der Schrift V 3 [49] an, hat man schcirrl,.,,
I
i allen Grund, enttäuscht zu sein: Plotin führt dort die drei Momente rz,,rr,,
noAsis und no|tun an, identifiziert sie aufgrund der dynamis-energeia-Rcltt
on, in der sie zueinander stehen sollen, und behauptet dann, das Problem rlc.
III Sich-selbst-Denkens sei nunmehr gelöst.52 Aber davon kann keine Rede scirr.
Genau genommen wird weder aus dieser Stelle noch aus den mir bekanntcrr
Betrachtet man die plotinische Position, wie sie besonders rn Ennead.e Y 3 Deutungen klar, worin präzise diese Lösung liegt: Die Interpretationen von
[49] entfaltet wird, so ist man überrascht zu sehen, wie präzise das Problem- Beierwaltes 1991,1994 und 1998, Halfwassen 1994, Emilsson 1995 und t99e
bewußtsein Plotins an den von Sextus vorgegebenen Schwierigkeiten orien- sowie Crystal 1998 zeichnen durchweg ein Bild, bei dem die Lösung in einer
tiert ist. Plotin sagt ausdrücklich, daß ein Sich-selbst-Denken des Inteilekts Identifikation bestimmter Relata oder Korrelativbegriffe zu suchen ist; in al-
nicht als Relation zweier Teile, also nicht als Teil-Teil-Relation, konzipiert len diesen Deutungen wird Plotins Selbstbewußtseinskonzeption im Sinn ei-
werden dürfe.+s Ebenso klar fällt seine Zurückweisung der bomoiomer|-Lö- ner,,geeinten Differenz" aufgefaßt.51
sung aus, also der Vorstellung, Sich-selbst-Denken sei als Beziehung zweier
Ganzheiten zu verstehen, die sich jeweils aus gleichen Teilen zusammensetz- fr"".arV I [49] 6,1 f.
ten; Plotin lehnt mithin auch die vorstellung ab, ein Teil des Intellekts denke
"
5r Vgl. Beierwaltes 1998, 177: ,,Der Nus denkt also das in ihm selbst Viele als ein mit sich Iden-
einen anderen, der aber mit dem ersten wegen seiner inhaltlichen ljnunter- tischcs und dadurch von anderen ldentitäten Verschiedenes. (...) Sein als das Gedachte und
Denken als der Vollzug dieses Gedachten ist ein und dasselbe: Sein ist Denken, indem es ge-
scheidbarkeit gleichzusetzen sei.so Drittens wird auch die Ganzes-Ganzes- dacht wird, Denken ist Sein, indem es sich selbst denkt." Halfwassen 1994,30: ,,Venn die
Relation von Plotin in einer bestimmten Hinsicht verworfen. Zwar rneinr er Noesis, dic in-r Sein der Ideen angesprochen ist, als Vollzug der reladonalen Einhcit selber das
Ztr-I)enkende (to noöton) ist, das Zu-Denkende aber ebcn der Ideenkosmos in seiner relrtio-
nalen Einheit, also das Denkende selber ist, dann denkt das die Einheit des noetischen Seins
18 Bei den
rollziehcndc Dc-nkcr.r sich selbst (...)." Ernilsson 1996,34:,,In fact, the very being of this in-
viet- odcr Iünfglicdngcn Rclationcu handelt cs sich urn l):rrstellungen dcs Intellckts, tellcct is just the activity of thinking. Thus, there is no distinction between the agent and his
dic sich auf die megista gt'tti-Ktrnzcptiort ilus dcnr Sophistts stiitz-cn: r,gl. bes«rndcrs EnneatlcY
activitv (...). []urthcrmorc, thc identity o[ the object of thought with the thinker requires that
9 [5] 10; VI 9 [9] 3; V I [10] 4:lI 6lt7) l; VI / []81 l.i; III / [4513. Inr Trektat V r, 134]9 er,
thc olricct ht tlrc .tctivitv of thinking. This cnetrlcs Plotinus to say that the ir-rtellect's thinking
sclreint eine viergliedrigc ILcl.rri,rlr tüs t)n, !,nti, ttorts un<l zit,»t- is its sclf thirrkirrg..onstituring irrrnrctli:rrc sclf-krrowlcdgc." (lrvstal I998,286: ,,(...) we havc
a') llnneadty 3[49] 5, 1-.]. I'.rr.rllclslr'llcrt rl.rzu linrltn sich
lrci Augustinus i» l)tt'ltitritdtt XIY b, .tn iti< rrtitv r( l.rlron, wlrtr lr tolt'r.rtcs irrtcrrrel tliflcrcrrti.rtiorr. Morcovcr. it is a tliffcrcnti.ition
8 urrd irr Dc Gcncsi ad lrrtn,rut Yll )1, )8. wlriclr t.tl,.. tltc l.,rrn,,{ rvlr,,lr',r1,,.rirrrt rvlr6lt,.tll,,wirrii ltrr tltc srrlrjr.tt pIigct tlistirretiprr.rrrrl
\) linnt'adt,V I l+91 5, I /
ytl rr,rt Irrolrilrrlrrrl,. tlr. rrrt.ll.r t lt,,rt lin,rrvirrL, irrcll ll .rrrvtlrirrli, tlrt rvlr,rlc/rvlrolt.rcl.rti,,n,
"t linnnr,lt V r l.l9l 6,/: l','1,'' 1,,'1,, .t,,,,t,lrt1,.to l'1,'ttrrrr'., r'. tlr, ,,rrlr rr',6 rrr rvlrr,lr rlr, rrrt,ll,,t r,,rrltl l'r,,1'r.rlt Irrrr' rtrr'11."
92 Christoph Horn Selbstbezüglichkeit des Geistes bei Plotin und Augustinus 93

Nun bestreite ich natürlich nicht, daß Plotin an einer Vielzahl von Stellen ziehen, noch dadurch, daß man sich gleichteilige Ganzheiten vorstellt, die in
seines §üerks die Selbstbezüglichkeit des Geistes im Sinn einer solchen geein- einer Relation zueinander stehen, noch auch dadurch, daß man den ganzen
ten Differenzkennzeichnet. \ütras ich bestreite, ist jedoch, daß darin eine hin- nous als Denksubjekt und zugleich den ganzen nows als Denkobjekt auffaßt.
reichende Lösung für das durch Sextus gestellte Problem liegen kann. Plotin Selbstbewußtsein ist ein einfaches, elementares Verstehen, kein relationales
beschreibt an solchen Stellen lediglich, inwiefern man den Intellekt als vor-re- Etwas-als-etwas-Denken.
lational rekonstruieren kann: Indem man Subjekt und Objekt als voneinan- Ich denke, man kann zeigen, daß bei Plotin und Augustinus tatsächlich der
der untrennbar erweist. Er löst aber nicht das Paradox, wie sich aus einer Re- Akzent nicht auf dem Nachweis irgendwelcher Relationen liegt. Ihre Pointe
lation jemals Identität ergeben soll; Relata sind niemals einfach miteinander besteht vielmehr darin zu argumentieren, daß man Selbstwissen nicht verste-
identisch. Plotin würde dem Sextus-Dilemma nur entgehen, wenn er dianoe- hen kann, solange man es nicht als Phänomen begreift, bei dem das subjekti-
tisches Denken klar als intentional, noetisches Denken dagegen als nicht-in- ve und das objektive Moment immer schon aufeinander bezogen und geeint
tentional, als reflexiv bestimmen würde. Insofern scheint mir die Interpretati- sind; Relationalität ist dabei in gewisser \7eise aufgehoben. Nach meiner
on von Sara Rappe 1996 sinnvoll, die in Plotins Texten eher eine protreptische Deutung stimmen Plotin und Augustinus der Behauptung des Sextus zu, daß
als eine rekonstruktive Argumentation auszumachen versucht. Möglicherwei- man eine Selbstbeziehung nicht angemessen denken kann, sobald man ein in-
se liegt der Akzent in Plotins Geistmetaphysik tatsächlich mehr auf einer tentionales Modell ins Spiel bringt; die einmal separat konzipierten Pole
Überwindung des dianoetischen Denkens als auf einer Beschreibung des Denksubjekt und Denkobjekt sind nicht so miteinander verknüpfbar, daß
nous; allerdings kann diese Sichtweise solchen Texten, in denen es zweifellos man daraus Selbstbewußtsein erhält.
um die Struktur des nows geht, noch keinen argumentativen Sinn verleihen. Bei genauerem Hinsehen finden sich in der Tat einige Indizien dafür, daß
Soweit ich sehe, kommen noch zwei weitere Deutungen des plotinischen Plotin und Augustinus Selbstwissen für einheitlich und unanalysierbar hal-
Lösungsvorschlags in Betracht. Zum einen könnte man annehmen, daß Plo- ten. Plotin exponiert das Problem des Sich-selbst-Denkens im ersten Kapitel
tin den Intellekt als einheitlich konzipiert und daß seine häufige Sprechwei- der Schrift Enneade V 3 [49] exakt so, daß er das intentionale Modell
se von Teilaspekten oder -momenten lediglich ,,unsere" - streng genommen zurückweist und sagt: ,,Man muß also annehmen, daß es aucb vom Einfa-
unangemessene - dianoetisch geprägte Sprechweise widerspiegelt. Diese In- chen ein Denken seiner selbst grbt" (dei toinyn tbestbai bai haplou hatano|-
terpretation ist meiner Ansicht nach ausgeschlossen, weil Plotin niemals aus- sin beawtou: Z. 12 f .).Im ersten Kapitel von II 9 [33] wird die Selbsterfassung
drücklich sagt, seine nows-bezogenen Darstellungen seien bloß dianoetische als ,,ein einziger, seiner \Tirkungen genau bewußter Zugriff" bezeichnet (mia
Verkürzungen, während er die Unangemessenheit der Rede über das Eine prosbol€ owk anaistbAtos t6n energämatön heaut|s:2.35 f .). Die Subjekt-Ob-
häufig und energisch herausstellt. Verfehlt wäre eine Darstellung des nous jekt-Dichotomie wird von Plotin folgerichtig als Verfallsform jenes unmit-
aus Plotins Sicht zwar dann, wenn sie raum-zeitliche Ausdehnung unterstel- telbaren Selbstbesitzes interpretiert, über die das ben in vollem Umfang ver-
len würde; gerade dies vermeidet er jedoch sorgfältig. Also muß Plotin ange- fügt. Dies wird besonders anhand von Enneade Y 3 ft9113 deutlich: Das hen
nommen haben, eine angemessene Sprechweise im Blick auf den Intellekt sei transzendiert die Selbsterfassung der synaistbäsis, nicht weil es ohne Selbst-
möglich. Zrm anderen könnte man im Anschluß an II 9 [33] 1, 33-36 vor- bcsitz wäre, sondern weil es durch reinen Selbstbesitz charakterisiert ist. Das
schlagen, jeder noetische Akt weise nach Plotin immer schon ein begleiten- ist m.E. auch der Hintergrund, vor dem die merkwürdige Rede von einem
des Selbstbewußtsein auf. Das ist aber ebenfalls kein akzeptabler Vorschlag, ,,gleichsam" (boion) bestehenden Selbstbewußtsein des Einen gelesen werden
weil dies bereits für jeden \Tahrnehmungakt und jeden dianoetischen Denk- rnuß. Nach Enneade VI S [39] 16, 19-21 blickt das hen ,,gleichsam auf sich
akt gilt. Zudem, würde man Selbstbewußtsein als ein Begleitmoment des selbst hin" und ,,bringt sich dadurch gleichsam selbst hervor". §7enn Selbst-
Denkens charakterisieren, wäre es erneut nur beschrieben, nicht aber in sei- wissen einheitlich ist, steht seiner Zuschreibung an das ben nichts mehr im
ner Besonderheit bestimmt. \Wege. Auch wenn Plotin an dieser Stelle dem Einen nicht im eigentlichen
Ich möchte nun folgenden Interpretationsvorschlag machen: M.E. wird Sinn Sclbstbcwußtsein z-usprechen will, bleibt doch die Tatsache bemerkens-
der zentrale Gedanke des fraglichen Modells erst greifbar, wenn man sich wcrt, da13 cr ihnr ülrcrhaupt cirr Analogon zum Selbstverhältnis des nows zu-
verdeutlicht, daß Plotin und Augustinus jede Art von Relation ablebnen erkcnrrcrr k,rrrrr.5'l
müssen, soll Selbstbewußtsein angemessen gedacht werden. Der Zirkcl- und
Regreßeinwand des Sextus ist nämlich wcder dadurch z.u bchcbcn, da{l rnrn 'l Ilcittrv.tltr'. lr)r)t, l,/'' I liclrt rr,,tlr ttrr,tr S,lrtitt ucit,t, irr,lcrrr tt rl.rs,rl,s,lrw.iclrL'ttl<'ltoiort
Monrct.ttc, Aspcktc otlcr Tcilc tlcs Intcllckts ncnnt, tlie sich rruf'cirr:rrrtlt'r [rt' ttl,r'r lr,rtt;,t rcl.rtrrir, rI
94 Christoph Horn Selbstbezügiichkeit des Geistes bei Piotin und Augustinus 95

Auch bei Augustinus wird die Besonderheit des Selbstbewußtseins damit bleibt, r!)as es denken könnte; wenn nämlich Subjekt und Objekt bereits das
erläutert, daß der gesuchte Gegenstand sich unmittelbar seibst gegenwärtig Ganze des Intellekts seien, enthalte das Denkende bereits das Gedachte und
ist: Man dürfe sich selbst nicht so wahrzunehmen suchen, als sei man das Gedachte das Denkende, und somit komme es zu einer echten Selbstbe-
zunächst abwesend, vielmehr müsse man dafür sorgen, sich als einen Anwe- ziehung. Crystals Interpretation verkennt jedoch, daß der Fehler bereits in
senden wahrnehmen zu können.ss Daher, so Augustinus, sei die Forderung der Selbstbeziehung als solcher liegt. Denkt sich der nous zugleich als deq
,,Erkenne dich selbst!" von gänzlich anderer Art als etwa die Forderung ,,Er- der sich denkt, so denkt er sich dabei nicht als der, der sich als sich Denken-
kenne die Cherubin.r und Seraphim!" oder ,,Erkenne den Villen jenes Men- der denkt etc. etc. Ich glaube, es hilft hier auch nicht, auf die zeitfreie Ewig-
schen!" - also Vorschriften, die sich auf erwas zunächst Unbekanntes richte- keit des plotinischen nows hinzuweisen; denn das Problem liegt ja nicht dar-
ten.s6 In dieselbe Richtung weisen alle Augustinus-Stellen, an denen von in, daß zwischen dem Akt des Sich-selbst-Denkens und dem Akt des
einer unmittelbaren Präsenz des Geistes, der memoria oder deruolwntas die Sich-sclbst-als-Denkenden-Denkens Zeit vergeht; vielmehr handelt es sich
Rede ist.s7 um zwei inhaltlich verschiedene Denkakte: Mich zu denken ist etwas anderes
So betrachtet scheint es mir ein ernster Interpretationsfehler zu sein, woll- als mich als Denkenden zu denken.5e
te man die beiden spätantiken Modelle einer Selbstbezüglichkeit des Geistes Ein wichtiges Bedenken muß hier entkräftet werden. Gegen meine Inter-
so charakterisieren, als untersuchten sie die Frage, wer und was sich eigenr- pretation könnte man einwenden, sie vedange zu Unrecht eine unmittelbare
lich im Intellekt worauf beziehen muß, damit von Selbstbezüglichkeit die Einheit oder Einfachheit des Selbstbewußtseins, wie Plotin sie allenfalls dem
Rede sein kann. Natürlich wären alle Antworten dieser Art falsch. Denn daß Einen, nicht aber dem Intellekt zusprechen könne; die Tatsache, daß beim
sich Begriffspaare wie dynamis und energeia,Form und Materie, Sein und Sich-selbst-Denken des nous stets ein bestimmtes Maß von Differenz und
Denken, Gedachtes und Denkendes, Liebendes und Geliebtes oder Vater Inkongruenz von Subjekt und Objekt übrig bleibe, entspreche insofern sogar
und Sohn zur Beschreibung von Selbstbewußtsein heranziehen lassen, wirkt genau Plotins Intention. Das scheint mir nicht richtig; vielmehr ist die Ein-
bereits phänomenologisch unzutreffend, da Selbstbewußtsein kein inhaltlich fachheit des Selbstbewul3tseins zu unterscheiden von der Einfachheit reiner
bestimmtes \Tissen von sich darstellt; erst rechr scheint es unmöglich, Selbst- Differenzlosigkeit. Die Einfachheit von Selbstbewußtsein ist keineswegs
wissen auf diese \fleise zu erb,lären. Beschreibungen dieser Art bringen gün- strikt: tVer sich selbst im reflexiven Sinn denkt, versteht sich zwar als etwas,
stigstenfalls zum Ausdruck, daß zwei Korrelativbegriffe immer paarweise nämlich im Unterschred zu intentionalen Gehalten, er versteht sich fedoch
(und mehrstellige Korrelationen irnmer vollständig) gedacht und genannt gerade nicht als ein von sich unterschiedenes Objekt. Am klarsten zeigt sich
werden müssen, claß also ein Glied nicht ohne das andere angeführt werden dieser von Plotin präzise erfal3te Unterschied in jenen fingierten Selbstaussa-
darf. Damit ist jedoch keineswegs gezeigt, daß die Korrelate miteinander gen, die er dem Einen und dem Intellekt in den Mund legt; während es kei-
identisch sind; im Gegenteil, Korrelate miteinander zu identifizieren, isr un- ne angemessene Selbstaussage vom Einen geben soll (sondern allenfalls ein
zulässig, wenn es sich um eine wirkliche Korrelation handeln soll. Denn ,,ich ich" oder ,,bin bin"), kann der nows nach Plotin von sich etwa behaup-
wenn ein Teil oder Aspekt einer Entität einen anderen Teil derselben Entität ten ,,Ich bin das Sein".6o
denkt, kommt dabei niemals Identität heraus.58 Ebensowenig bietet die '§(as zum Ausdruck gebracht werden muß, ist also gerade die Unangemes-
Ganzes-Ganzes-Relation eine geeignete Interpretationsbasis - entgegen der senheit der Subjekt-Objekt-Distinktion, ohne damit absolute Einfachheit zu
kürzlich von Ian Crystal (199S) vorgelegten Deutung, nach welcher Plotin unterstellen. Eben dies artikuliert Plotin, so meine ich, indem er den Intel-
das Subjekt und das Objekt der Denkbeziehung jeueils ak Ganzes versran- lekt als den Ort der Pluralisierung der vom hen ausgehenden energeia (62w.
den habe. Plotin, so Crystal, entgeht dem zweiten Horn des Sextus-Dilem- dynamis) kennzeichnet. Dies entspricht präzise der ben-polla-Struktur der
mas, demzufolge für ein Subjekt, das als Ganzes denkt, nichts mehr übrig ,,zweiten Hypothesis" des platonischen Parmenides: Auch dort wird das sei-
cnde Eine durch einen Prozeß der Multiplikation oder ,,Zerstückelung"6t
char,rktcrisiert. [n Plotins \(orte n: Wcnn der Intellekt sich selbst denkt, zaird
55 DeTrinitateX9,12:Nonitaqueuelutabsentemsequaeratcernere,sedpntcsentemsecurctdi- cr picLcsi cr gcncricrt dic Idccn; der Intellckt wird durch den Akt des Sich-
scernere.
56 Ebd.
57 l)az-u untcn Abschnitt IV.
'lt'il-Rcl,rtion in V
"' I)lrrlin wt isl ,licscrr l'rrrrl't crplizit tt littttt,rlr II e Illl l, ll ll. urrrl irr V.l 1.1')l 5,.1-gzrrriick
"§ [)ftrtin rvcist tlic'l'cil I 149] 5,.]-9 zuriick, Augustinus ir l)r'liirtit,rrt XIY "' V1il. V I l,l'.,1 l(),.t1 l') rrrr,l I i,.).1 .'('
6.8. ' Y1,,1 lt'tttt,rft.,,ttt,,r,r l',rtt,t, ttt,l, ' It' l,l'1, r,,rvl ' l't t tuttI t.,tütil'il,,, If,\lr't
96 Christoph Horn Selbstbezüglichkeit des Geistes bei Piotin und Augustinus 97

selber-Sehens zur Ztpeiheit usw.62 offenkundig in der Parmenides-tadition Augustinus in jedem Fall der klarere Autor zu sein: Er erweist Selbstbe-
will Plotin zeigen, daß sich der nows durch innere Aufspaltung selbst plura- wußtsein zunächst als etwas, wovon man unmittelbar selbst weiß, und
lisiert: Das Denksubjekt ist nicht nur ,,denkend", sondern immer auch schon nimmt erst danacb bestimmte Relationen innerhalb des Selbstbewußtseins
,,gedacht" und das Denkobjekt nicht nur ,gedacht", sondern immer zugleich an. Zweitens wäre es möglich, daß die Betonung des Denkakts als Einheits-
schon ,,denkend"; als derartige Zweiheit erzevgt der nous alle Einzelideen, moment von Denksubjekt und Denkobjekt in Enneade V 3 [49] 5 gerade den
also die intelligible Unendlichkeit.63 Vorrang der unmittelbaren Selbsterfassung vor ihren Teilungsprodukten zei-
Nun räume ich selbstverständlich ein, daß Plotin haufig so spricht, als gen soll.6s In diesem Fall würde die triadische Struktur nicht Selbstbewußt-
könnte er zeigen, daß die getrennren Aspekte Denksubjekt und Denkobjekt sein beschreiben oder gar rekonstruieren, sondern den derivativen Über-
im Denkakt zu einer Einheit finden. Plotin stellt die sachlage mitunrer sogar gangspunkt von reflexivem zu intentionalem §Tissen signalisieren.
so dar, als bedeute der Denkakt die Aktualisierung einer Einheit, die zuvor Sich-selbst-Denken darf nicht als intentionale Korrelation rekonstruiert
lediglich porentiell (en dynamei) vorhanden ist. Möglicherweise fallt plotin werden; es muß unmittelbar und ungegenständlich sein. Ich denke, daß sich
an diesen Stellen hinter sein eigenes Problembewußtsein zurück; das wäre allein mit dieser interpretatorischen Perspektivenverschiebung die vorher
n:ur zLL leicht möglich, wenn man verdeutlicht, daß die plotinische Lehre vom angeführten Bedenken (1) und (2) entkräften lassen. Zu (1): Der Zirkelein-
Intellekt mindestens drei unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen hat: Der wand des Sextus ist dann tatsächlich überwunden, und zwar deshalb, weil
nows ist nicht nur (a) der Ort unmittelbaren Sich-selbst-Denkens, sondern Plotin und Augustinus keineswegs Relationen zur lJrsache der Einheit des
zugleich (b) der Inbegriff aller Ideen, also das wahre, paradigmarische Sein, Selbstbewußtseins machen, weder eine Teil-Teil-Relation noch eine
und (c) das erste Derivat, dessen interne Dynamik die gesamte weitere Deri- Ganzes-Ganzes-Relation. Zu (2): Das Problem des Selbsteinschlusses löst
vationskette erklären soll. Die Momenre (r), (b) und (c) scheinen mir in Plo- sich auf, wenn man bedenkt, daß die Rede von diversen Korrelationen ge-
tins Geistmetaphysik nicht immer befriedigend miteinander korreliert zu rade eine Selbstpluralisierung vorführen soll. Vird der nous oder die mens
sein: Denn für das Moment (a) ist die Einfachheit von Reflexivität kenn- in die Korrelation einbezogen, so zeigt dies lediglich den Ausgangspunkt
zeichnend, für (b) das symmetrische Interdependenzverhältnis der homow der Teilungsdynamik an. Andererseits bestätigt sich der Verdacht von Ein-
panta-strukrur und für (c) eine nous-inrerne Hierarchisierung, die den Her- wand (7): Es ist gleichgültig, anhand welcher und wievieler Korrelativbe-
vorgang weiterer, ungeordneter Entitäten erklären soll. Augenscheinlich wei- griffe eine in sich differenzierte Einheit dargestellt wird - wichtig ist, daß
sen (a) und (b) auch dann ein Spannungsverhältnis auf, wenn man wie Plotin dies im Bewußtsein geschieht, daß diese sekundär sind und daß es viele an-
sagq die no€ta wirden unmittelbar erfaßt und seien mit dem sie erfassenden dere ebenso geeignete Differenzierungen gibt. Bei Plotin wird uns dies ge-
Subjekt identisch;6a erst recht wirkt problemarisch, daß mit (c) ein subordi- radez,t exemplarisch vorgeführt. Bisweilen charakterisiert er die Teilaspek-
nierendes Element im Blick auf den Intellekt ins Spiel kommt. te des Geistes anhand einer zwei- oder dreigliedrigen, dann wieder anhand
Denkbar sind aber noch zwei andere Deutungen der Tatsache, daß Plotin einer vier- oder fünfgliedrigen Korrelation (vgl. oben Anm. 45). Auch Au-
gelegentlich Selbstbewußtsein in intentionalen Begriffen beschreibt. Erstens gustinus wechselt die Korrelativbegriffe seiner zahllosen spekulativen Tria-
könnte es so sein, daß die Korrelativbegriffe bei Plotin genauso wie bei Au- den auf eine vollkommen undogmatische Veise. Allerdings ist Augustinus
gustinus sekundär sind und keine echte Beweislast tragen. Hierin scheint mir der Fehler anzulasten, zu lJnrecht auf der Dreiheit der Relata zu bestehen.
Bei Augustinus wird nie klar, weshalb er gemeint haben könnte, daß zwar
62 Ygl. Enneade III s []01 11, 1-6; VI 7 l38l2,25-27;39, 14-16; 4a, t;Y 3 l49l ß,9 lf .; 13, t2 esse) nosse und oelle66 und esse, scire und amare6T jeweils für sich gültige re-
tf.;23,37 ff . u.ö.
63 Dieser Vorgang wird anhand des Zahlbegriffs detailliert in Enneade VI 6 [34] 9*11 geschildert.
-Bei Augustinus findet sich dieser Gedanke in einer veränderten Form: Nicht schon die in-
"5 Ist meine Interpretation soweit plausibel, so darf man Plotin und Augustinus keineswegs vor-
nertrinitarische Differenz von Vater, Sohn und Geist ist die Ursache alles Geschaffcnen, son- halten, sie hätten irrigerweise die Einheit des Intellekts durch Operieren mit Korrelativbegrif-
dern erst die interne Pluralität von Gottes aerbum,oirtus oder sapientia; hier wird Christus fen zeigen wollen. Vielmehr wäre das Gegenteil richtig: Plotin setzt so betrachtet die Begriffe
als Ort der Ideen verstanden. geradc so cin, daß sic zeigen, wie der Intellekt als eine sicb aufspaltende Einheit begriffen wer-
6a Das wird besonders deutlich in V 9
[5] 5: Plotin argumentiert dort, dic Korrelation zwischen den k,rrrn. Unrl Augustinus thcmatisiert bcwußtseinsinterne Relationcn erst nach der Hervor-
dem nows und seinen l)enkgegenständen sei keine nachträgliche (m€ epahton: Z. 4), vielrnehr hc[runs tlcr Urrrnirtcl[,.rrkcit rlcs Sclbstwisscns. I)ic Einheit cles Intellekts darf also nicht als
scien die Denkobjekte im Intellekt stcts aktual präscnt; folglich licge ein Sich-sclbst-l)crrkcn
e 4.,,r/r,u .lts I )t rrkv,,rg.rrrgs lrcgrillcn wcrtlcn, sontlcrn .rls «lcsscn V)raussctzungi Rcsultat dcs
vor. I);rmit wärc jcdoch nur cin äußcrlich-intcntionalcs, nicht cin rcflcxivcs Sich scl[:st-l)crr I )r'nh.tkts irr ,lic Mrrlriy,lil(.rti(,n (l( r l,lt crt ztt cirrcr irrtclligiblcrr Llrrcrrtllichl<t'it.
licrr hcschrichcn. Pltitin srrgt ntit Ilccht, Sclbstbcwrrlltscin licgc t.rst v()r, w( nn ('(w.ls ,,sr(.11 '" ('r»rltttrrtrtr't XIII Il.l.'
scllrst irr sir'lr scllrst" <lL'lkt (lttttott ,tr,t l,,ri t,rt lt,tutr):'/.. le\. '" l)r,11'11,,1,,/r'r \'l .'t,
98 Christoph Horn Selbstbezüglichkeit des Geistes bei Plodn und Augustinus 99

ziproke Implikationsbeziehungen unterhalten, die fünfgliedrige Keme aus sind nicht selbst Akteure68l er beantwortet den Einwand jedoch nicht gera-
esse, nosse, velle, scire und amare hingegen nicht sinnvoll gebildet werden
de befriedigend.6e Insgesamt scheint Augustins Verfahren auf folgender Un-
könnte. genauigkeit zu beruhen: Er stützt sich auf die Ambiguität der in der Platon-
An dieser stelle beginnt für mich der unplausible Teil des plotinisch-augu- Forschung sogenannten ,,Paulinischen Prädikation". Gemeint ist der
stinischen Modells einer Selbstbezüglichkeit des Geistes. Meines Erachtens
Aussagetyp ,,Die Liebe ist langmütig" (nach 1 Kor. 13,4). Augusrinus kann,
stellt Punkt (4) einen echten Fehler dieser Konzeption heraus, und dasselbe so scheint mir, rrTens, amor und notitia nur deshalb wie Personen agieren las-
gilt, wie mir scheint, ftir die Punkte (5) und (6).
sen, weil wir an Sätze dieses Typs gewohnt sind. Freilich bedeutet ,,Die Lie-
Zu @): Das Problem läßt sich ganz deutlich an Augustins Modell de- be ist langmütig" keine Aussage über das Abstraktum Liebe; sie bringt viel-
monstrieren. Die für die Dreierbeziehung konstitutiven Relata, so wie der
mehr zum Ausdruck, daß liebende Individuen gewöhnlich zu Geduld und
Kirchenvater sie beschreibt, liegen ontologisch gesehen auf zwei verschie-
Nachsicht mit ihren Geliebten bereit sind.70
denen Ebenen. Betrachten wir die Triaden mens, amor und notitia sowie
Zr (5): Ebenfalls fehlerhaft scheint mir das Verfahren, mit dem Plotin und
memoria, intellegentia und aolunta.s. Die zwei Ternare wären als Korrela- Augustinus neben das nooun (bzw. amans) und das noöton (bzw. quod. ama-
tionen nur dann ontologisch plausibel angeserzt, wenn man die verwende- twr) auch die noAsisbzw. amor in eine triadische Relation einbeziehen wollen.
ten Begriffe alle im sinn mentaler vermögen oder mentaler Akte (oder am
Dieses Vorgehen ist m.E. genauso absurd, wie wenn jemand in die Korrelati-
besten als beides zugleich) auffassen könnte. Das ist aber ausgeschlossen. In
on von Vater und Sohn die Vater-Sohn-Beziehung als drittes Relarum inte-
vahrheit stehen die von Augustinus verwendeten Begriffe teils für mentale grieren wollte. Zwar müssen die Relata einer Korrelation nicht gänzlich art-
Fähigkeiten, teils für menrale .[rktet mens und intellegentia bezeichnen si-
oder gattungsgleich sein wie in der Relation VaterlMutter/Kind.71Sie kön-
cher keinen Denkakt, sondern die Denkfähigkeit oder das vernunftvermö-
nen vielmehr eine gewisse Unähnlichkeit aufweisen, wie dies beispielsweise
gen, memoria steht nicht für den Erinnerungsakt, sondern filr die Erinne-
bei den Relationen Sprecher/Hörer/kommunizierter Inhalt oder Verkäu-
rungsfähigkeit und volwntas nicht für den villensakt, sondern für das fer/Kaufer/verkaufter Gegenstand der Fall ist. §(ährend Sprecher und Hörer
§Tillensvermögen. Dagegen bezeichn et amor die aktuelle Liebesbeziehung,
Personen sind (dasselbe gilt für Käufer und Verkäufer), handelt es sich beim
nicht die Liebesfähigkeit und ebenso notitia die aktuelle Kennrnisnahme, kommunizierten Inhalt um ein sprachlich-gedankliches Gebilde (und beim
nicht die Fähigkeit zur Kenntnisnahme. Angenommen nun, Augustinus verkauften Gegenstand meist um ein materielles Gut). Auch in diesen Fällen
hätte recht zu behaupten, daß es keinen Denkakt ohne Kenntnis und vol-
wäre es freilich grotesk, wollte man den Kommunikationsakt oder den Ver-
len geben kann; dann würde daraus noch keineswegs folgen, daß sich Den-
kaufsakt als vierte Glieder der Korrelationen betrachten. Eben das gilt auch
ken, Kenntnis und vollen auf drei verschiedene, wenngleich interdepen-
für die Relation Denkendes-Gedachtes-Denkakt oder Liebendes-Geliebtes-
dente Teilvermögen des Geistes zurückführen ließen. Augustinus mr.ht
Liebe.
sich bei seinem Schluß von der Vechselimplikation der Akte (falls diese zu
ZuPunkt (6): In dieser Frage zeigt sich ein verhängnisvoller Fehler empi-
Recht behauptet wird) auf interdependente vermögen den umstand zunur-
rienaher Korrelationen wie derjenigen von Vater und Sohn.72 Augustinus
ze, daß man den deutschen Ausdruck ,,'§flille" (oder volontd oder will) suggeriert, man könne gleichzeitig ihre komplette Identität und ein Abhän-
ebenso wie den lateinischen oolwntas in einem uneigentlichen sinn so ver-
gigkeitsverhältnis behaupten; besonders unbefriedigend wirken bei ihm die-
wenden kann, daß er den willensakt bezeichnet. Auf diese .ü7eise kann er
den Eindruck erwecken, als sei srers von drei Akten und zugleich von drei 68 De Trinitate XY 22, 42.
distinkten Vermögen die Rede. 6') In De Trinitate XY 23,43 verweist er lediglich auf die Differenz von menschlicher Person und
Mehr noch, er kann damit sogar suggerieren, die von ihm unterschiede- göttlicher Trinität.
70 Augustinus erweist sich sonst als durchaus sensibler Autoq was die Beobachtung uneigentli-
nen triadischen Momenre ließen sich personal oder quasi-personal verstehen. chen Sprachgebrauchs angeht. Gute Beispiele hierfür finden sich in De cioitate dei XI 8; dort
Klarerweise mußte Augustinus daran interessiert sein, die drei Relata als interpretiert er den Ausdruck ,,Ruhe Gottes" nicht als die Ruhe, die der ermüdete Gott nach
Personen im sinn der kirchlichen Lehrentscheidungen von Nizäa und Kon- vollendetem Scchstagcwcrk cinhält, sondern als die Ruhe derjenigen, die ,,in Gott ruhen'. Au-
gustinus fiihrt irr dicscnr Korrtcxt auch Vcrglcichsfälle wie ,,Das Theatcr klatscht Beifall" an,
stantinopel erscheinen zu lassen. Jedoch sind vermögen oder Fähigkeiten rlic cirrcr I'.tttlirrischcrr l)r:itlihrtiorr schr rrlhckonrrrcn- l)cnnoch scheint er das Problcm im
und ebenso Akte immer die vermögen oder Akte oon Personen; sie sind vorlit'gt'tt.lt'n I;.rll rri, lrt g,.,'1r,,, zrr lr.rlr.'rr.
nicht selbst Personen. Zwar fihrt Augustinus dicscn E,inwanc] ar-r ci,cr stcl 'r [)icscwirrl lrtk.trrrrtlirltnl)r'litrrtl,ttlXll5,5.rlsrrrrs.rtlrgt'rrr.illzrrriiehgcwicscrr.
'r Itlrrtirr sl,tirlrt zw.tr .nt,lt r',,ttt ,,(iotlcssolrt" .rls .,syricgcll,ilrl" ,lcs V,rl..r, (t.l\. l:nrtt,tlt lll
lc sclbst an: [):rs Ich ist tlcr -lt:igcr rncnt,rlcr Aktc otlcr vt'rrrriigcn tlicsc t}

I i0f I I rrrr,l V fi I ll I l-)). r'r nrrrt ,l.rrrrrt .rlrcr ,lrr.ll,.l,rti,,rr t,r,t l,r'rr urr,l rr,,rn
100 Christoph Horn Selbstbezüglichkeit des Geistes bei Plotin und Augustinus 101

ienigen Stellen, an denen er das ben Plotins auf gleichem Niveau wie den plo- ,,So groß ist jedoch die Kraft des Denkens, daß sich auch der menschliche
tinischen nous ansiedeln will, und dies unter Beibehaltung der strikten oirre- Geist selbst gewissermaßen nur dann in sein Blickfeld stellt, wenn er an sich
renzlosigkeit des göttlichen vaters und der unendlichkeit seines aerbwm, selbst denkt. Und so ist nichts im Blickfelde des Geistes, außer man denkt
serneroirtus oder sapientä, obwohl letztere- also Christus - doch sämtliche daran, so daß auch der Geist selbst, mit dem man denkt, was immer man
Ideen enthalten soll.Tr Bei Plotin zeigt sich ein ganz ähnlicher Fehler daran, denkt, nicht anders in seinem Blickfelde sein kann als dadurch, daß er sich
daß er seine bevorzugten Begriffspaare zur Beschreibung der homou pant/4- denkt. §flieso er aber, s/enn er sich nicht denkt, nicht in seinem Blickfelde ist
struktur, nämlich Möglichkeit und wirklichkeit, Form und intelligibie Ma-
terie, Identität und Differenz, Ruhe und Bewegung, Sein und verdln, Ahn-
- er kann doch ohne sich niemals sein - gleich als wäre etwas anderes er
selbst, etwas anderes sein Blick, können wir nicht ausfindig machen."
lichkeit und unähnlichkeit usw. jeweils mit einer bestimmten (Übers. M. Schmaus)
Prioritätsbehauptung verbindet. Danach soll die energeia der d.ynaruis vor- In Confessiozes X heißt es ähnlich über die memoria, sie besitze neben der
hergehen, die Form der Materie, das Sein dem Denken usw. Interessanrer- Fähigkeit zur Bewertung und zur Gegenstandskonstitution die Kraft einer
weise bestehen bei Plotin gravierende unklarheiten im Gebrau ch der dyna- unmittelbaren Selbsterfassung: ,,Das Gedächtnis ist sich selbst durch sich
mis-energeia-Dichotomie, und ebenso kommt es gelegentlich zur selbst gegenwärtig" Qter se ipsam sibi praesto est ipsa memoria).7a Augustinus
vertauschung der Priorität von Sein und Denken. Jedoch, auch wenn die pri- stellt fest, daß ,,ich selbst der sich Erinnernde, ich selbst der Geist bin" (ego
oritätsthesen gelegentlich umgekehrt werden, kann dies nicht darüber hin- swm qwi memini, ego animus).7s Er postuliert einen epistemischen Sondersta-
wegtäuschen, daß der Fehlcr bereits in solchen Thesen selbst liegt. tus der memoria, wenn er sagt: ,,Nichts ist so sehr in meiner memoria wie die
memoria selbst."76
Etwas weniger bekannt ist die Tatsache, daß Augustinus damit im wesent-
lichen eine plotinische Position vertritt. Plotin beschränkt sich nämlich kei-
IV neswegs darauf, den anagogischen Proze{3, also die Vergeistigung(noötb€nai)
oder Vergöttlichung (bomoi\sis theö), als eine Form von Entindividualisie-
Bislang habe ich Punkt (3) ausgelassen; darin hatte ich das Bedenken rung zu kennzeichnen; ebenso oft kommt die umgekehrte Kennzeichnung,
geäußert, daß Plotin und Augustinus das Denkvermögen nicht adäquar vom die der Selbstwerdung vor. Anhand einer eindrucksvollen Stelle versuche ich
selbstbewußtsein oder der subjektivität unterscheiden. Diese Beobachtung abschließend plausibel zu machen, daß Plotin erstens den Aufstieg als Ent-
halte ich in der Tat für richtig, aber sie trifft nicht das §flesentliche: Gerade deckung des wahren Selbst versteht, daß er dieses zuteitens mit dem Ich (ge-
Plotin und Augustinus lassen sich als die Entdecker der subjektivität und des nauer mit dem berühmten ,,§üir") identifiziert, daß sich im selben Kontext
reflexiven Selbstwissens bezeichnen.Trotz der Beibehaltung des traditionel- drittens ein Cogito-Argument zumindest andeutet und daß er viertens
len geistmetaphysischen Begriffsrahmens liegt das zertrale Merkmal ihrer Selbstwissen als nicht-gegenständliches, nicht-intentionales 'üTissen kenn-
Konzeptionen anderswo: in der Betonung der unmittelbarkeit des selbst- zeichnet. Ich meine das Kapitel 11 von Enneade V 8 [31]. Plotin charakteri-
wissens. Für Augustinus ist dies eine allgemein anerkannte Tatsache; seine siert den Aufstieg zum noas dort explizit als eine ,,Selbsterfassung und
Entdeckung der ,,Innenwelt" führt philosophiehistorisch gesehen zur carte- Selbstwahrnehmung" (synesis bai synaistbAsis bawtou).77 Danach erfolgt eine
sischen Behauptung eines invarianren, zweifelsfreien, intelligiblen Ichs, auch ausdrückliche Gleichsetzung des Sich-selbst-Denkenden mit dem ,,Vir" (hö-
wenn Augustinus - wie Burnyeat 1982 herausgearbeitet hat noch keines-
- meis);Plotin beschränkt sich also keineswegs darauf,,,uns selbst" mit dem
wegs wie Descartes den gesamten Erfahrungsbereich der erkennenden res dianoetischen Denken gleichzusetzen.T8 Sodann sagt Plotin, daß lediglich die
cogitans gegenüberstellen wollte. Neben den bereits genannren cogito-pas-
sagen lassen sich dafür alle diejenigen stellen anführen, die den menschlichen 7a Confessiones X 16,24. Vgl. im Blick auf den \?illensbegriff etwa De duabws animabws lQ, 74
Geist explizit als das selbstreflexive Bewußtsein kennzeichnet, das sich selbst und De libero arbitrio III 3, 7 und III 17,49. Weitere Belegstellen für ein inneres Selbstwissen
unmittelbar präsent ist und nur durch sich selbst präsent sein kann. so sagt bei Augustinus findcn sich bci O'Daly 1987,207-211.
1\ Conlesskncs X 16,25.
Augustinus in einer Passage von De Trinitate XIV 6, g: /t' [)c'lrinitar X I I, 18.
// linnttdt V tl l.llll ll, -ll.
7r Ein gutcs Bcispiel für dicscs,ruf clrristus '8 Zttttt,,\Uir"vcrtl,rtt,l.n.rlsStrlrjt'ktrlcstli,utottistltcrt[)r'rrkt'rrsvgl. lrt'sorrtlcrsV]l49l 1,1lQtu
bcz.g.rc nozs M.trt.il bictct 1)r, L)(.t(t,-(,lisi(,rt, 41 tlt, nt,t\ ltrttrtt'rtl; zttrlt rrll,', ttrrrl (,, .1 ll. l'lorirr rcllt liticrt scirrc I)oppclvtrw.u,ltrrrli vorr ,,\Wir"
llt. .rrrr,lrrr, l li, lr ,,, V t l.l')l l. .' | .'i (r'l', ttttt, r,,,, l,rr ,,rr,l, ltlrrrttttrttt) r,,rvi, irr I I l5)l ll untl lO.
102 Christoph Horn Selbstbezüglichkeit des Geistes bei Plotin und Augustinus 103
\wahrnehmu ng (aistbosis)
die Realitä t des nous bezweifeln könne, nicht aber Literatur
der sehende (bo idön); würde er dies nämlich bezweifeln, so müßte er sich
selbst bezweifeln (ä ei apistoi bakeinos, owd.' an bawton pisteuseien einai) Arnou, R. 1921: Le d6sir de dieu dans la philosophie de Plotin, Paris.
was ausgeschlossen sein soll; Plotin kommt dabei einei cogito-Formulie-
- Beierwaltes, \W. 1991: Selbsterkenntnis und Erfahrung der Einheit. Plotins Enneade V
rung bemerkenswerr nahe. Und schließlich unterscheidet ein äußerlich-ver- 3, Frankfurt a.M.
* 1994: Eriugena. Grundzüge seines Denkens, Frankfurt a.M.,241-256.
gegenständlichendes lvissen vom rüTissen des Intellekrs, der sich nur selbst
und in sich selbst sehen kann. Er schreibt: - 1.998: Platonismus im Christentum, Frankfurt a.M., 172-204.
Booth, E. 1977-79: St. Augustine's notitia sui Related to Aristotle and the Early Neo-
,,Das, was zu uns gehört, und uns selbst können wir nicht (äußerlich) Platonists, in: Augustiniana 27 -29.
wahrnehmen; indem wir aber so beschaffen sind [nämlich gesund; c.H.] sind Burnyeat, M. 1982: Idealism and Greek Philosophy: W'hat Descartes Saw and Berke-
wir unser selbst am allermeisten (innerlich) bewußt, indÄ wir das §Tissen ley Missed, in: Philosophical Review 91,340.
Courcelle, P. 1974: Connais-toi toi-mOmc. De Socrate ä saint Bernard,3 Bde., Paris.
um uns und uns selbst zu einer Einheit gemacht haben. so ist es also auch
Crystal, I. 1998: Plotinus on the Structure of Self-Intellection, in: Phronesis 43,264J36.
dort [im Intellekt; c.H.]: \flas wir am intensivsren wissen, kommr uns wie Düsing, K. 1997: Selbstbewußtseinsmodelle. Moderne Kritiken und systematische
ein Nichtwissen vor, weil wir (vergeblich) auf einen äußeren Eindruck der Entwürfe zur konkreten Subjektivität, Bonn.
'§Tahrnehmung
warten, die aber feststellt, sie habe nichts gesehen. sie hat L,milsson, E.K. 1995: Plotinus on the Objects of Thought, in: Archiv für Geschichte
nämlich nichts gesehen und dürfte derartiges auch niemal, -r"h"r. rwas also der Philosophie 77, 21,-41..
zweifelt, ist die §Tahrnehmung, der andere hingegen [sc. der Intellekt; c.H.] - 7996: Cognition and its Object, in: L. Gerson (Hg.), The Cambridge Companion to
Plotinus, 217-249.
ist der Schauende. Andernfalls könnte jener, wenn auch er zweifelte, nichi F'uhrer, Th. 1998: Skeptizismus und Subjektivität: Augustins antiskeptische Argu-
einmal glauben, daß er selbst existierr. Denn er kann sich nicht außerhalb sei- mentation und das Konzept der Verinnerlichung, in: R.L. Fetz/R. Hagenbüchle/ P.
ner stellen, als wäre er etwas, das man mit den Augen des Körpers sieht...ze Schulz (Hgg.), Geschichte und Vorgeschichte der modernen Subjektivität, Ber-
Es scheint mir nicht richtig, in sachen Selbstbewußtsein eine tiefgreifende lin/New York, 319-339.
Entwicklung zwischen der Position plotins und derjenigen Augustins anzu- Halfwassen, !. 1994: Geist und Selbstbewußtsein. Studien zu Plotin und Numenios,
Stuttgart.
nehmen. Beide Philosophen unterscheide n zwar nicht hinreichJnd zwischen
Horn, Ch. 1995: Plotin über Sein, Zahl ,tnd Einheit. Eine Studie zu den systemati-
Denkvermögen und Bewußtsein; auf plotin und Augustinus geht jedoch ei- schen Grundlagen der Enneaden, Stuttgart/Leipzig.
ne Entdeckung von epochaler Bedeutung zurück: dic Entdeckung des refle- - 1997: §(elche Bedeutung hat das Augustinische Cogito? in: Ch. Horn (Hg.), Augu-
xiven §flissens, durch das Subjektivität und Selbstbewußtsein chaiakterisiert stinus, De ciz.'itate del (Reihe ,Klassiker Auslegen'), Berlin, 109-129.
sind. Beide Philosophen stellen das Traditionsmoriv der Selbstbezüglichkeit Krämer, HJ.1964 (21967): Der lJrsprung der Geistmetaphysik. Untersuchungen zur
Geschichte des Platonismus zwischen Platon und Plotin, Amsterdam.
des Geistes erstmals auf die Basis eines unmittelbaren selbstwissens des Kremer, K. 1981: Selbsterkenntnis als Gotteserkenntnis nach Plotin, in: International
Ichs.8o Studies in Philosophy 13,41-68.
Lloyd, A.C. 1964: Nosce teipsum et conscientia, in: Archiv für Geschichte der Philo-
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O'Daly, GJ.P. 1987: Augustine's Philosophy of Mind, Berkeley/Los Angeles.
Oehler, K. 1962: Die Lehre vom noetischen und dianoetischen Denken bei Platon und
Aristoteles, München.
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7e Ennead.ev8[31]11,i1-40:Tdööf1pövxa[fipeIEovcioe4ro..oüroö'övreEpd],r,oro.nd.wtrrv 39-64.
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oE doriv ö iö<ix. ii, ei dmoroi xäxe[voq, oü6'äv aütöv nroteüoe rev iiror. "i;Hn;rEi;rrv,
o.i» 1dq oirr\, uriröq cen (l:rtholic I)hilosophic;rl ()uartcrly 7l,433-451 .
«\üvorur ö§rrr 0eiE 6ouröv öE cioOrlröv övtu <iq0«),1.roiq r.Iq rotr rrritrtcroq
[i],dnir.v. tlu liol', (). 1966: L'intt'lligcrrcc tlc la foi cn l:r trinit6 sclon s;rint Augustin. G6nösc clc
80 Für kontroverse
Diskussioncn zu Plotins Geistmcraphysik dankc i.h ,urz".n". IJcicrw..rltcs urrtl s:r thi',rlogic tr irrit.rirt' ;rrstlrr't'rr J9l, I):rris.
Jcns Halfwasscn, für Einwrindc untl Anrcgung"n )ui Augustirrus-lrrtcrpr('t:rri()n .l.lr.rrrrt.s W.rllis, l{.'ll l')fi,/:.Sr(l)tr(r\nr.rrr,l N,,,1rl.rt,,rrislr,irr:Atrlsticgrrrrtl Nicrlcrgengtlcrrii
[] r:rclt t'nrlorf
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rrrs, lr,'rr Wt lr. ll l(, .). ', I I ',1').1
Jean Pöpin

Le tout et les parties dans la connaissance de


la mens par elle-möme (D, Trin. X 3, 5-4, 6)*
(Nouveaux schömes porphyriens chez
saint Augustin, III)

Dans la recherche des analogies psychologiques de la Trinit6, qui est I'un des
aspects les plus novateurs dans le trait6 augustinien de mäme nom, la notitia
swi del'esprit humain est impliqu6e surtout dans deux sch6mas: dans mens-
notitia-amor au d6but du livre IX (2,2-5,8), et dans memoria-intellegentia-
wolantas ä la fin du livre X (11, 17-12,19). De ce fait, il est tout naturel que
la notitia sui soit analys6e surtout au d6but du livre X.
Ce concept est appliqu6 alors ä une r6alit6 qu'Augustin nomme mens, et
qui est la facult6 mentale sup6rieure de l'homme. Ce mot latin est souvent, et
non sans raison, traduit par ,esprit' ou ,Geist'l. Mais la mens n'est autre que
le voüg des n6oplatoniciens; or, pour des raisons lexicographiques trös con-
nues, fond6es principalement sur l'abondance relative des mots de m6me fa-
mille, c'est en franEais le mot ,intellect' qui permet de traduire voüg le plus
commod6m enti mens sera donc traduit ici d'une fagon g6n6rale par ,intellect'.

I. La connaissance de l'äme par elle-möme


Ce serait en tout cas une erreur de choisir pour cet emploi ,äme', comme
I'ont fait, de faEon inexplicable, certains traducteurs. Sans doute est-il arriv6
ä Augustin d'appliquer express6ment ä l'äme, anima, des analyses sur la con-
naissance de soi trös proches de celles que l'on va rencontrer au d6but de De
Trinitate X: c'6tait dans son grand commentaire de la Genöse, De Genesi ad

'' Jc voudrais rappeler une fois pour toutes que plusieurs des points abord6s dans les pages que
l'on va lirc l'ont 6t6 d6fä dans mon ouvrage Ex Platonicorwm persond. Etudes sur les lectures
philosophiques dc saint Augustin (Amsterdam 1977), notamment p. 199-203 et 254-267. Si,
.l'une f,rgrrn gini'r;rlc, jc nr,rinticns eujourcl'hui mcs conc,lusions d'alors, j'ai, comme il est na-
turcl, varii'cl.rns ct'r't.rrrrs .l.lt.rils. Il scr;rit frstidicux clc lc signalcr ici chaque fois: je laisse au [ec-
rt'rrr, s'il s'y inltirctrt', lt' t,,itt ,l', n l.tir t lc corrrpt«',
I Airrsi Arrr clirrr Arrl,,rrslrrrrrr, I ll,,'r ,1,'rr ,lr,'trttrrrttt (ioll, ,rtrsgcw.ihlt trrrrl iibcrtrirgcn von M.
S, lrrrr.rrrs(Mttrr, lrcrr l'r', l),X l.'r,;r l'l'): ,,W.ts.tlr,,lrcirtrlu(icist...?"..ltrttcsttissottvcrtlirt
\l)ul tlc rcttc crr,ll, ttt, tt,,,lrr, lt,,t,
l0(r
Jcan P6pin Le tout et les parties dans ia connaissance dela mens par elle-möme 107

vII 21,28, ä propos de la thlse aristot6lico-cic6ronienne de l,äme


litteram A la thEse de l'äme faite d'un cinquiöme corps, Augustin oppose le t6-
comme cinquiöme corps, et dans une tout autre perspective de recherche, re- moignage de ['äme sur elle-möme, lequel suppose qu'elle se connait. Voici
lative ä materies animae hwmanae (vII 11, rs). Malgr6 ce d6calage, et ä l'ex- l'enchainement des id6es pour 6tablir ce dernier point: (1) c'est un fait que
emple de plus d'un historien2, le lecteur de De Trinitate X se doit de con- 1'äme cherclre ä se connaitre; (2) elle ne peut ignorer ce fait; (3) si donc elle se
naitre Ia page du De Genesi, qui pourrait en 6tre une premiöre esquissej. on connait cherchant, assur6ment elle se connaitt: Cwm ergo quaerentem se nou-
l'examinera donc tout de suite, en commenE ant par.r, li.. la traducdon: it6, se wtique nowit. Une fois acquise cette premiEre conclusion, Augustin
,,L'äme mäme ne se pr6sente pas ä soi-m6me comme quelque chose de tel, propose un raisonnement qui ressemble ä un syllogisme, dont voici la ma-
car elle ne peut pas ne pas se connaitre, möme quand elle cherch. ä se con- jeure: (4) omne, qwod nowit, tota nowit,l'äme est tout entiöre ä connaitre tout
naitre. En effet, quand elle se cherche, elle connait qu'elle se cherche; c'est ce objet de sa connaissance; la mineure: (5) l'äme se connait; la conclusion: (6)
qu'elle ne pourrait pas savoir, si elle ne se connaissait pas. elle est tout entiöre ä se connaitre, tota se nowit. La mineure (5) reprend, on le
eu'elle se cherche
ne provient pas en effet d'ailleurs que de soi-m6me.
euand donc elle se con- voit, la conclusion de f inf6rence (3): se utique nowit. Derniöre d6cluction im-
nait en train de chercher, c'est elle-m6me assur6ment qu'elle connait er tout portante: (7) tota se nouit, ergo et totam se nouit,ltarfi tout entiöre ä se con-
ce qu'elle connair, elle est tout entiöre ä le connaitre. Aussi, quand elle se naitre, il s'ensuit qu'elle se connait tout entiöre; raison avancle (neqwe enim)
connait en train de chercher, est-elle tout entiöre ä se connaitre, et donc elle pour valider ce ergo:l'äme est face ä soi-mäme dans un systöme clos, sans au-
se connait tout entiöre; car ce n'est pas quelque chose d'autre, mais elle-m6-
tre objet de connaissance, en sorte que, comme dans un miroirT, la totalit6
me qu'elle est tout entiöre ä connaitre. Pourquoi donc se cherche-t-elle en- qui se connait ne puisse connaitre que la totalit6 de soi-möme (se ipsam tota
core, si elle se connait en train de chercher? car si elle ne se connaissait pas, nouit). Quant ä la fin du texte, elle est de moindre int6röt touchant la notitia
elle ne pourrait se connaitre en train de se chercher; mais cela est vrai dans le sui de l'äme: qu'a celle-ci ä se chercher encore, dös lors qu'elle se connait
pr6sent; or ce qu'elle cherche sur elle-m6me, c'est ä connaitre ce qu'elle a 6t6 cherchant? Certes, se r6pond ä lui-m6me Augustin, mais cela vaut pour le
aupa.ravant ou ce qu'elle sera. Qu'elle cesse donc en attendant de soupgonner temps pr6sent; or elle continue de chercher son origine, sa destin6e. Enfin,
qu'elle est un corps, puisque, si elle 6tait quelque chose de tel, elle se con- retour ä la situation initiale: l'äme n'est pas un corps, sinon elle se connaitrait
naitrait telle, elle qui se connait mieux que le ciel et la terre, qu'elle connait comme telle.
par les yeux de son corps"a. Möme lue de trös prös, cette page continue de poser des probltsmes. La
coh6rence des propositions qui s'y succödent est, ä premiäre vue, impres-
' A ."-"r.*"fn". 1, solignac, €dir. d,e De Gen. ad litt. dans la ,,Biblioth. augustin.", t. 4g, no-
te compl6m. 32, p.704-705_.-voir encore L. Ayres, The Discipline of self-knäwledg. i., e.rg,r- sionnante; elles semblent toutes d6couler d'un fait d'exp6rience interne: l'äme
stine's De Trinitate Book X, dans L. Ayres, edit., The passiinate Intellect (n" r4, M6l.
Kidd, coll. ,,Rutgers univ studies in class. Humanities"
Lt. cherche ä se connaitre, se ut cognoscat inquirit, et elle en a conscience. Mais
vII (New Brunswick-Lonrion 1995), on ne voit pas que toutes les assertions qui suivent d6coulent logiquernent de
p. (261-296) 277 et n. 47.
I Bien que la chronologie compar6e des deux ouvrages soit encore trös incertaine, on regarde ce point de d6part; c'est le cas, ä tout le moins, de la majeure (4) quod nowit,
commun6nrent De Gen. ad litt. Yll comme anr6rieu r ä, De Trin. X. tota nouit, puisque rien, dans tout le paragraphe, ne permet d'6tablir cette
a De Gen. ad litt. Yll 21,28,6d.zycha (CSEL 28), p. 218, 1-14: ,,Nec ipsa sibi aliquid tale oc-
thöse qui en occupe le centre.
currit, cum se nescire non possit, etiam quando, ," rt .ogrro..rt, inquiiit. cu- se quae-
rit, nouit, quod se quaerat; quod nosse ,ro, porr"t, si se-non norr.,. N.qu. enim "rri-aliunäe se
quaerit quam a seipsa. Cum ergo quaerentem se nouit, se utique nouit et omne, quod nouit,
tota nouit. Cum itaquc se quaerentem nouit, tota se nouit, ergo et totam se nouit; neque enim
aliquid.aliud, sed se ipsam rora nouit. Quid ergo adhuc se qu"-".it, si quaerentem se nouit?
Ne-
que emm sl nescrret ser posset quaerentem se scire se; sed hoc in praesenti; quod ,rutem de
se
quaerit, quid antea fuerit uel quid futura sit quaerit. Desinat..go irr.r. interim suspicari se
es-
se corpus, quia, si aliquid tale esset, talem se nosser, quae
-rgl, ," nouir quanr .""1r- ", ,".- '' On voit quc, cl,rns I'inf6rence (3), la conclusion se trouve d6jä contenue, du moins graphique-
ram, quae per sui corporis oculos nouit". - Ici, et plus encore dans l"s p"rsag",
du De Trin. qui ment, dans l;r pr6rrissc.
seront examin6s bientöt, on observe qu'Augustin entremöle les ,r".b". zorrJ (ou cognoscerei
et u Que cettc subrrrdorrn6c soit, pcu aprös, rcprise presque ä l'identique avec une autre propositi-
scire; une enquöte raPide dans quelques-unes de ses ceuvres montre qu'il scr.lble ne mett.c rrrr principrrlc (tot,t st, rtouit), ccl,r s'cxpliqtrc, ie supposc, par Ie fait que la reprise est une
entre eux aucune diff6rence de sensl la seule raison qui pourrait lui faire pr6f6rer l'un ä l'autrc lrraclrylogic t;rri l.rit I'irrrlr.rss( sur unc t:tirpc rlc I'argunrcnt, tl'abtrrcl explicit6c (se utiqre nouit).
apparait d'ordrestylistiqLte
-nosse
n'apas de contraiie de m6me famillc, ajors que stire artescr ' Sirrrplt t'orrrP.rr.risorrrlcstri;rlivt,rlrr't'nl,rit Atrgustirrri'cusccrr l)cTrin. Xl(16-19) 5,cd.Mo-
re; scire permet donc des effets_impossibles avec zossr,; on lc vt,it par cxcmple ct oonf. y 4.7: rrrrl.rrrr (ilorir'(( ( / 5O), P ll./: ,,rrr't rrll,r rrr,*1,, l)ul.lil(lUr)t cst [...] rrt nl(ns t.lnl(lu.rnr in sP(-
- ... quisquis nouit ista, ianr pllcet tibi? Infclix cninr homo, qui icit ill.r onrrri.r, tc.ru((.rn rr(,s Illlrt \( [illl(rrt A,, t,' r.rlrilil,'ll{'rrl.rlr\.l('l(trr.rr'tttrlIl rlll.lilr \l)(rt.r\uIt \ll rlr)\\('s('lll(lil)
(it; l)c;rtus:rutcnr rltri tc scit, r'tirrrrsi rll,r rrcsei.tt. (.)rri ,crrr ct ttict ill.r rr.rrrr ... ..
\.[n.. ; l)(,1[ (( lr \l( ,,1 Drft,r, l) I l'' I l(, rl ü .t'l ."r
108 Jean
p6pin Le tout et les parties dans la connaissance dela mens par elle-m6me 109

II. Plotin contre la connaissance de l'äme par elle-m6me tellect? Dans f incapacit6 oü l'on est de r6pondre ä cette question, on est 16-
duit ä imaginer: menant plus ou moins de front le travail du De Genesi et ce-
voici une seconde difficult6, dans un tout aurre registre. Tout le monde, je lui du De Trinitate, l'auteur, introduit pour le second aux problömes de la
pr6sume, est aujourd'hui d'accord pour esrimer que les c6löbres analyses connaissance de soi exerc6e par l'intellect, aurait, dans le premier, appliqu6
d'Augustin sur la connaissance de soi sont redevables, au moins pour une son information ä l'äme, par une sorte de contre-emploi: explication, il faut le
part, ä l'inspiration n6oplatonicienne, noramment plotinienne. Mais plotin a- reconnaitre, bien m6diocre.
t-il jamais accord6 la connaissance de soi ä l'äme? La r6ponse est assez com- Toujours est-il qu'en d6pit des diff6rents points d'interrogation qui I'af-
plexe. Elle se trouve surtour dans deux trait6s. voici le t6moignage du plus fectent, le paragraphe du De Genesi VII garde une importance consid6rable
ancien, III 8 [30], swr la natwre et la contemplation, et l'(Jn, d'apräs leq.r"l le aux yeux du lecteur du De Trinitate X; car on va voir qu'il pr6sente une in-
progrös de la contemplation se traduit par l'affinit6 croissanre du sujet qui d6niable communaut6 de thömes et de formules avec ce dernier texte, dont il
contemple et de l'objet contempl6, jusqu'ä leur identit6 totale dans la perfec- a vraisemblablement pr6c6d6 la r6daction.
tion de la connaissance de soi; oE si,
,,dans l'äme möme de l'homme de bien, les objets connus tendent vers l'i-
dentit6 avec le sujet parce qu'ils aspirent ä f intellect, il est clair que dans l,in-
tellect suiet et objet sont d6sormais un, non par appropriation (oüx oixerö- III. Trois extraits du d6but de De Trinitate X
oet), comme dans l'äme la meilleure, mais par essence (ül,l",oüo[a)..s.
on ne saurait mieux sugg6rer que seul l'intellect, en d6finitive, est le lieu Dans le premier, qui est bref, la connaissance de soi, en tant que mat6riau
de la connaissance de soi, er que l'äme, füt-elle onouöo(a rilrlf, n,y peut pr6- destin6 ä prendre place dans les analogies psychologiques de la Trinit6, est
tendre au titre de la subsmnce, mais seulement, pourrait-on dire, in ooto. rapport6e, non plus ä l'äme de l'homme, comme pr6c6demment, mais ä son
Plus tardif, le traitl swr les hypostases qwi connaissent et ce qwi est aw-delä, intellect, mens; Augustin se place dans l'hypothöse oü celui-ci ne se con-
v 3 [49], semble bien maintenir, et m6me durcir cerre analyse. Le d6saccord naitrait pas soi-möme, et il en montre les cons6quences fausses:
des 6diteurs sur I'adoption ou le rejet d'une n6garion ajout6e par Ficin ,,Comment l'intellect se sait-il donc sachant quelque chose, lui qui ne se
emp6che de trop faire fond sur une phrase qui d6nie ä l'äme la pens6e de soi- sait pas soi-möme? Car ce n'est pas un autre intellect que lui qu'il sait sa-
m6mee. Il n'en reste pas moins que, dans une appr6ciation trös mesur6e, plo- chant, mais c'est soi-möme. Il se sait donc soi-möme. D'autre part, quand il
tin oppose l'intellect, qui a la connaissance de soi inscrite dans sa propre se cherche pour se connaitre, il se connait d6jä cherchant. Il se connait donc
identit6, et l'äme, qui l'exerce seulement par procuration de l,intellecti d61rä"t2.
,,La pens6e de soi-m6me se produit diff6remment dans le cas de l,äme, En d'autres termes, la connaissance de soi propre d.lamens est inf6r6e de
mais, dans le cas de l'intellect, c'est davantage au sens propre. Car l,äme, on son activit6 mentale consciente: se aliquid scientem scit, qwaerentem se iam
le sait' se pense soi-m6me en tant qu'elle appartient ä un autrero, tandis que nowit, ces propositions permettent de conclure scit igitur se ipsam, se ergo
l'intellect le fait en tant qu'il est lui-mäme"l1. noait. Comme on l'a observ6 d6jä pour le texte du De Genesi,les mots m6mes
Mais si tel est l'enseignement plotinien ordinaire, ä quelle inspiration donc de la conclusion sont pr6form6s dans la pr6misse: se ... scit, se ... nouit.
rapporter le contenu de cette page d'Augustin, tout occupde ä c6l6brer la ca- Deux autres passages du m6me livre X, qui suivent de peu, introduisent,
pacit6 de l'äme ä se connaitre elle-m6me, sans m6me que soit nomm6 l'in- dans la connaissance que l'intellect prend de lui-möme, la consid6ration du
tout et des parties. Augustin aborde lä un probläme d6jä pos6 dans l'histoire
de la philosophie ant6rieure. IJn t6moignage bien connu de Sextus Empiri-
Porphyre.
e v 3, 1, 16-17; mris la connaissance de soi 1) De l'rin. X I (17-40) 5, p. 318: ,,Quo pacto igitur se aliquid scientem scit quae se ipsam nescit?
est refus6e ä la partie diano6tique de l'äme (2,23-25),
ä ses raisonnements, er r6serv6e ä l'intellect (3, 14-18); se connaitre soi-m6me r'.r, p"r.on-
Ncquc cnirrr illttrilrll llre ntcnt scicrttrm scit sccl se ipsarr. Scit igitur se ipsam. Deinde cum se
naitre ia pens6e discursive de l'äme, mais bien plutöt se connairre comme devenu confo.me ä (luir('rit ut rrorrt'rit, (lu.r('r ('n(('nl st' i.rrrr rrorrrt. Ilrn st' crgo nouit". ()n cloit obscrvcr quc les deux
l'intellect $,7-10); l'äme ne nous conduit pas ä l'intuition de l'intellect et ä la connaissancc dc t'xcrnlrlt's lr.rr.rlli'1,. n (,lrl l).r\ un( stllr(tlrr( l()t.rl('rlr('rrt itlcrrtirluc: st'itnlon scit ripötc Ic rnönrc
soi dont il a la cl6, tj r[ nor'i<rti rtr öv vrir ,,uirrir iarrrri., (4, 24-31). vttlrt,.tl,rts(llr( (( lr'(\lp,tslcr.tsl\\tlt(ll,uttnltnl ...nt)ltl. (lt'sctotttl txctttplcligurc,darrs
ro L'intcllcct.
rr v-1,6,2 rlt'slctttrcslt(\\'()r\rr\.t'tllr'(ir'tt ,r,l lrlt tttt\ttl,ttt,lr. l06,n.,l: ,.(lrrrrr(tll()(lu.l(.r(.nt(.n)\(.
4. I
'
Dotlrl. \( ltlr(llt Irlill
il0 Jean P6pin [.e tout et les parties dans la connaissance dela mens par elle-m€me ttL
cusll nronrrc c1u'il 6tait dcjä farnilicr des sceptiques; il ne l'6tait pas moins des qui a 6t6 trouv6e cherche la partie qui n'a pas encore 6t6 trouv6e, ce n'est
n6oplat<lnicicns, co,nrc on lc verra bientät pr. des t"*t.. d" plotin et de donc pas lui-m6me que l'intellect cherche, lui dont aucune partie ne se cher-
Porphyrc. che. Car la partie qui a 6t6 trouv6e ne se cherche pas; quant ä la partie qui n'a
Avant d'aller plus loin, I'on doit prendre conscience que ce d6bat sur le pas encore 6t6 trouv6.e, elle non plus ne se cherche pas puisqu'elle est cher-
tout et les parties dans la connaissance de soi peut donner lieu ä deux inter- ch6e par la partie qui a d6jä 6t6 trouv6e. Par cons6quent, 6tant donn6 que ni
pr6tations au moins. L une (1) affecte l'intellect en tant qu'dgent de cette con- I'intellect n'est tout entier ä se chercher ni aucune partie de lui-möme ne se
naissance: dans ce cas, l'intellect se connaitrait par une partie de lui-m6me, cherche, c'est que l'intellect ne se cherche absolument pas soi-mäme"15.
par une autre il ne se connaitrait pas. L'autre (2) concerne l'intellect en tant La suite du dernier texte cit6 formule diverses observations qui 6clairent le
qu'objet de la connaissance de soi; il se connaitrait alors en atteignant une clessein de l'auteur. Si donc l'intellect connait une partie de soi-mäme et cher-
partie de lui-m6me, une autre partie de lui-m6me demeurant hor, äe son at- che le reste, il connait qu'il ne s'est pas trouv,5 au complet, d'oü il suit qu'il a
teinte. Cette distinction simple peut d'ailleurs devenir complexe si l,on con- une id6e de sa grandeur totale. A ce propos, Augustin 6tend ä la recherche de
l1r"ii: les deux interpr6tations l'une par l'autre; p". "*"-p1", une parrie de soi la distinction dont il marquait plus haut la connaissance de soi: se totam
l'intellect en connaitrait une autre partie; o., ,r".., que telle est la possibilit6 qwaerit / tota se qwaerit. Si c'est la partie de soi d6couverte par l'intellect qui
envisagde par Plotin. IJne autre faqon d'atteindre ä la complexit6 serait d,en- en cherche la partie non encore d6couverte, ce n'est pas soi-m6me que l'in-
visager pour les parties un nombre sup6rieur ä deux. Augustin, on va le voir, tellect cherche, puisque aucune partie de lui ne se cherche, ni la partie d6cou-
s'en est tenu ä Ia distinction simple, au moins dans les deux textes que voici: verte, ni la partie non encore d6couverte. On reviendra bientöt sur cette ar-
,,Que dirons-nous donc? Qu'en partie il se connait, QU,en f artie il gumentation admirable, ä laquelle on ne pourrait reprocher que quelque
ne <se> connait pas? Mais il est absurde de dire qu'il n'est pas tour entier ä complaisance dans la virtuosit6.
savoir ce qu'il sait. Je ne dis pas: ,Il sait la totalit6 du savoir:, mais: Quant ä la conclusion, l'int6röt en est exceptionnel pour l'historien de la
,ce qu'il
sait, il est tour enrier ä le savoir. Aussi, quand il sait quelque chose de soi-mö- philosophie. Elle consiste, on le voit, ä montrer qu'une proposition, se rtens
me, ce qu'il ne peut qu'en 6tant tout entier ä Ie savoir, il se sait tout entier. or qwaerit, est fausse parce que, des deux seuls modes sous lesquels elle pour-
il se sait sachant quelque chose, et il ne peut rien savoir qu'en 6rant tout en- rait se v6rifier (tota se quaerit mens et pars eiws wlla se qwaerit), aucun n'est
tier ä savoir. Il se sait donc soi-m6me tout entier..14. vrai. Or il s'agit lä d'un sophisme typiquement sceptique, comme on le voit
La notion de 'partie' dans la connaissance de soi revient peu aprös sur le par exemple dans une page de Sextus Empiricus sur le möme sujet, ä laquelle
_
devant de la scöne: ll a 6t6. d6jä fait allusionr6. On doit donc voir dans ces lignes un t6moignage
,Que si l'intellect en partie se connait, mais en partie cherche enco-
re, ce n'est pas lui-m6me, mais sa partie qu'il cherche; quand en effet c'est de Ibid.){4(18-37)6,p.31,9-320:,,Quodsi expartesenouit,exparreautemadhucquaerit,non
lui-m6me que l'on parle, on parle de lui tout enrier. De plus, puisqu'il con- se ipsam sed partem suam quaerit; cum enim ea ipsa dicituq tota dicitur. Deinde quia nouit
nondum se a se inuentam totam, nouit quanta sit tota. Atque ita quaerit quod deest [...] Huc
nait qu'il ne_s'est pas encore trouv6 tout entier, c'est qu'il.orrrrrt, quelle accedit quia si parte inuenta, non se totam quaerit. tamen tota se quaerit [...] Aut si non tota se
grandeur est la sienne quand il est tout enrier. Et il cherche ainsi ce qui man- quaerit sed pars quae inuenta est quaerit partem quae nondum inuenta est, non se ergo mens
que [...]. A quoi s'ajoute que, s'il est vrai qu'ayant trouv6 une partie de lui_ quaerit cuius se nulla pars quaerit. Pars enim quae inuenta est non se quaerit; pars äutem quae
nondum inuenta esr nec ipsa se quaerit quoniam ab ea quae iam inuenta est parte quaeritur.
m6me, il ne se cherche pas tout entier, n6anmoins il est tout ..rti.. ä se cher-
Quocirca quia nec tota se quaerit mens nec pars eius ulla se quaerit. se mens omnino non qua-
cher [. '.] Autremenr, s'il n'est pas tout entier ä se chercher, mais que la partie erit". Noter que le point-virgule pos6 dans l'6dition du CCL apris non se totam quaerit est
tout ä fait iniustifi6, puisque la phrase continue; les Mauristes ne s'y 6taient pas tromp6s.
P[ut6t que d'en disserter, mieux vaut en traduire quelques extraits: ,,Si l'intellect se comprend
13 Aduersus
mathem. VII 310-312. (xcrrcr),«trrflävernt) lui-mäme, ou bien il sera tout entier ä se comprendre [ui-m6me (ötroE
ta De Trin. 3^(4.6-.51) 6_, p. 318-3.19:,,Quid ergo dicemus? An quod ex parte se nouit, ex parre
.x iatrrirv), ou bicn i[ [...] utiliscra ä cette fin une partie de lui-m6me (pdger ö6 rtvl 6arrroi). Or il
non nouit? Sed absurdum est dicere non eam totam scire quoi scit. Non dico: nc pourra pas ötre tout entier ä se comprendre lui-möme [...] Pas davantage cependant l'in-
,Totum scit.,
sed: ,Quod scit tota scit'. cum itaque aliquid de se scit quod nisi rota non pot"rt, t,r."- ,. ,.it. tcllect ne pctrt-il utiliser h cettc fin unc partie de lui-mäme [...] En sorte que sa compr6hension
Scit autem sc aliquid scicntem,,ncc potest quidquam siire nisi tota. Scit sc igitur totam.,. Eu tlc soi nr s;rur,rit cornrrrcrrccr" (Aducrsus mathtm. VII 110-312). On voit la structure formelle
cig,rrd ;ru c()lltcxtc sur lc tout ct lc's partics, tlc ccrtc rrrgtttncttt,tti,,tt: il cst .tv,tnci' .l'alr«rr.l tluc l:r thi'sc cn cxrmcn pourrait sc v6rificr sous
ic-comprcnd.s aliquitl de se scil en p."n*n, r/r sc 6ans
tttt scrts P;rrtitif ('tltrclqtrc c'ltosc dc soi nrörnc','une prrrtic tli'soi-rrrömc'), fr6qucnt tlens lc
Iltil rlt'ttx l,lrrtrt's cl rlctrx lorrrrts rcrrlt'rrrt'rr(; il cst nl()ntr(:.rl()rs (lu'itucunc tlc ccs tlcux fortncs n'cst
t..rlil: cl. A. l'lrrr.ur & I'l'l'lr.r..rs, Syilt,t\'( /,rrrzr,(l)iris l95l), p.40-42. I)'rrutrc
lrrrrr, h r...si possilrlc, l)()ut(()n(lut,,ttltt,.tl.tl.tttssclltlcl.rtlriscirriti.rlc,()r,rlivt'rsttirrroigrt,tgcstlonnt'rtt
t,ttt,t/l,tttl\ttllt,li\.1 ,lt)1,,,\(rrrlst.lis.rittltiji,iIr.1lrstlcI'irrrc,<,nl)it(ictt,tllitt. .t ptttstt r;rr'il r'.r1',rt 1,,,l tt,, t,,,1,,'rl'rrrspir.rtiorr 1r'i'rrlrorrit'rrrrt, i r'.rpgrr,,,lrcr rlt r-r'rrx,lrrr,,rt
Vll .tl,,,li t tt.\ilftt.t, I l0(,, il ,l; ,,tot.r sc nr)urt, (.t1,rlct lot.llt s,,rr,,rril... (l( (r)r\rl,rl('\l,.tt \r'rlttr l tttl'tt1,11,. 11y1'rt1 1t1,11/11v71 l l(' lli(',(l l).tr l)t(,1,(tr( l.titrr', tX
tt2 Jean P€pin Le tout et les parties dans la conna'issance dela mens par elle-möme 113

de la culture sceptique qu'Augustin commenga d'acqu6rir avant möme son Voilä donc les deux assertions qu'Augustin rejette dans la th6orie des par-
initiation au n6oplatonisme et qu'il compl6ta dans la suite; toutefois, s'il ties, c'est-ä-dire les deux points dans lesquels il estime qu'elle consiste: (1)
nlontre certainement lä sa connaissance du scepticisme, il n'est, on s'en serait seule une partie de l'intellect connaitrait I'intellect; (2) I'intellect connaitrait
dout6, plus du tout sceprique: si, effectivemenr, ,l'intellect ne se cherche ab- seulement une partie de lui-möme. Inutile de pr6ciser que, dans ces proposi-
solument pas soi-m6me', la raison en est qu'il n'en a pas besoin, puisqu'il se tions oü 'l'intellect' est oppos6 ä une partie de lui-m€me, il s'agit de 'tout f in-
connait d'embl6e, iam se nowit, comme l'6tablissait le rexte cit6 plus haut. tellcct': c'est Augustin en personne qui prend la peine d'en avertirlT.
Quant ä son autre page oü revient la consid6ration des parties de l'intellect,
ä savoir De Trinitate X 4,6,les termes en sont un peu diff6rents: au problö-
me de la connaissance de l'intellect par lui-möme est associd celui de sa re-
IV. Augustin et Plotin cherche. La proposition initiale, ex Parte se nouit, y est reprise et 6clair6e peu
aprös par si partc inuenta, non se totam quacril, tamen tota se quaerit; or ccs
Les 6diteurs de Plotin sont unanimes ä observer que ce philosophe est ä l'o- mots montrent bien que la connaissancc de soi ex parre est conque ici comme
rigine de diff6rents traits du De Trinitate, noramment dans les livres IX et X; la d6couverte d'une partie de soi: c'est le point de vue del'objet de la con-
ils invoquent ä cet 6gard, plus qu'aucun autre, le trait6 plotinien Y 3149) Swr naissance. Que cet objet soit ainsi connu seulement pour une partie de lui-
les bypostases qwi connaissent. De fait, celui-ci abordait d6jä le problöme du m6nre conduit ä vouloir en connaitre 1'autre partie; ainsi se comprend ex par-
tout et des parties dans la connaissance de soi propre ä i'inteiiect, et il le fai- te eutem adbuc quaeritls, oü continue de r6gner sans partage la consid6ration
sait dans des termes qui rappellent ceux d'Augustin. Mais non sans de certai- de l'objet. On mesure la diff6rence avec le texte pr6c6dent, oü les deux points
nes diff6rences de fond. de vue se balanqaient. Qu'ils soient maintenant r6duits ä un seul s'explique
On n'a pas oubli6 les formules saisissantes du De Trinitate X 3, 6 contre la par le fait qu'il ne s'agit plus ici de confronter la pr6sence et I'absence d'une
thöse d'une mens qui se connaitrait soi-m6me uniquement ex pdrte. Elles seu- m0me op6ration de connaissance (se nouit / non nouit), mais cle distinguer
les permettent d'6clairer l'id6e que l'auteur se fait ici de la th6orie des parties. deux situations psychologiques, la possession de la connaissance de soi (se
C'6tait d'abord (l) eam totam scire qwod scit,,l'intellect est rout entier ä sa- nowit) et l'effort improbable de la recherche (adhuc qwaerit).
voir ce qu'il sait', c'est-ä-dire ä se connaitre; voilä d6mentie l'id6e que seule Comment Augustin se repr6sente-t-il rnaintenant la th6orie des parties? Ex
une partie de lui-m6me le connaitrait; le point de vue, on le voit, est celui de pdrte se nowit, l'intellect connaitrait seulement urle partie de lui-möme: c'est
l'agent de la connaissance de soi. L'autre formule majeure, ä l'aide des m6mes le point (2) du texte pr6c6dent. Quant d ex parte autem adbuc quaerit, I'art-
mots, a une tout autre port6e: (2) totam se scit,,l'intellect se sait tout entier'; teur lui-möme prend soin d'en dire l'6quivalence ä, partem sua.nt qwaerit; mais
elle aussi est une contesration de l'hypothäse des parties; mais ce qu'elle en si l'intellect 'cherche sa partie', c'est qu'il ne Ia connait pas encore; or cette
conteste, c'est que l'intellect connaisse seulement une partie de lui-möme; en partie-lä n'est pas la partie du point (2), elle est ,l'autre partie', la partie in-
d'autres termes, elle prend l'hypothöse des parties sous I'angle del'objet dela connue. On est donc en droit d'ajouter ä (1) et (2) un point (3) qui devrait se
connaissance de soi. dire: l'intellect ne connaitrait pas une partie de lui-meme. Mais il est clair que
95-101 (ce dernier passage est ä lire mainrenant dans la trad. et avec les notes de J. Brun- (3) ne fait guöre que r6p6ter sous un autre angle la substance de (2). On peut
schwig, ,,La Pochothäque", Paris 1999, p. 1129-1131; cf. J. Barnes, Dioger.res Laertius IX donc conclure sur la foi de ces textes qu'Augustin, quand il r6cuse toute con-
61-116: The Philosophy of Pyrrhonism, dans \W. Haase, edit., Aufstieg und Nied,ergang der rö-
sid6ration des parties dans la connaissance de l'intellect par lui-mäme,
miscben Welt,lI 36,6, Berlin-New York 1992, p. 42414301); que l'on compare pr. e*emple,
chez Diog. Laärce, IX 96, la critique de la notion de signe: ,,s'il y a signe, diient-ils, il est ioit conqoit cette hypothöse, qu'il tient pour fausse, comme faite de deux affir-
sensible, soit intelligible. or il n'est pas sensible, puisque [...] Mais il n'est pas non plus intel- mations: (1) seule une partie de l'intellect connait l'intellect, (2) l'intellect
ligible, puisque [...] Il n'y a donc pas de signe" (trad. cit6e): on reconnair ä peu präs le sch6ma
connait seulerncnt une partie de lui-möme.
du raisonnement que I'on a rencontr6 en Aduersus matbent. VII et chez Auguitin. Il faut en
signalerunederniöreoccurrenceenHypot.pyrrhon.Illg8-101 (c{.Ir215-2lBetAduerswsma- Plotin, c'cst bicn connu, avait d6jä manifest6 une attitude tout ä fait com-
them. rxJ30-357), qui nous int6resse parce qu'elle a trait au problöme du tout et des partics, 1',,rrrrblc. II corrnrrisslit lui aussi,
jusquc, scmblc-t-il, clans sa propre 6cole, des
et oü il est 6tabli par une argumentation sceptique du möme genre que ni le tout n'cxisie ind6-
philosophcs qui cxplitluaicrrt l,.r c«lrr.rrriss:rncc clc soi proprc ä I'intcllcct par le
pendamment de ses parties, ni les parties elles-mämes n'exisrent. Sur la post6rit6 n6oplatoni-
cienne de ces repr6sentations, bonne mise au poir-rt de R. T. wallis, scepticisnr and Nc,,1rlar,,-
nism, dans lü7. Haase, edit., ANRV( II 36,2 (Bcrlin-Ncw york lgtz), p. (eil 954) 9t(t et7 I I),rfr\lclcrlcrtlt \tl't,t.1' lll,n l'' ,.,tttrr(rrr,.trl)s.trlirrlur,tot.t,li,itrtr".
(sur Adutrsus tndtbcnt. VII 3I0 \12) ct 921-t)24 (sur l)lotin, V 1). lri f f rr,,rr
lr,t\. rotor', lr, t, ,1t,,t, r//. ,, (lu ,rlrl'lr( rrl lcr lt.trlttr llttts
1t4 Jean P6pin Le tout et les parties dans la connaissance de la rnens par elle-m6me 1 15

jeu de ses parties. S'agit-il, comme certains l'ont crule, de l'explication m6me int6resse exclusivement les parties de l'intellect: c'est l'une d'elles qui en con-
d6nonc6e par Augustin? Question cruciale, ä laquelle seul peut r6pondre naitrait une autre, sans qu'aucune place soit jamais faite ä l'intellect en tant
l'examen attentif des d6clarations plotiniennes. Elles sont routes, ou presque, que tel. Davantage, il est indispensable que ce dernier demeure hors jeu pour
dans le trait6 V 3 149), et dös la premiöre ligne: ,,Se servir d'un seul de ses que fonctionne pleinement l'argument oppos6 par Plotin et selon lequel il ne
composants pour consid6rer les autres, peut-on dire que c'est lä se penser s'agirait pas alors de connaissance de soi-m6me, mais d'une chose qui en
soi-m6me? [...] Non, cela ne serait pas l'objet de la recherche, le principe qui connait une autre; car la critique n'aurait pas 6t6 concluante en pr6sence de
se pense soi-meme, mais une chose qui en pense une aurre"20. Lid6e est d6jä l'intellect total, dont aucune partie ne pouvait €tre dite absolument autre que
trös claire, bien que le mot de ,partie' ne soit pas encore prononc6; mais il le lui.
sera peu aprös: ,,Est-ce donc par une partie de soi-m6me que l'intellect re-
garde une autre partie de soi-rnöme? (ä),).trr pL6pel datrroir ä)")"o p6pog crüror-r
xoOog(;) Mais s'il en est ainsi, l'une sera celle qui voir, I'autre celle qui est
vue: voilä qui n'est pas 'se penser soi-m6me' (aütö dnutö)"2r. Derniöre as- V. Une 6ventuelle r6miniscence paulinienne
sertion de Plotin sur le röle 6ventuel des parties dans la connaissance de l'in-
tellect par lui-m6rne, et leur mise en conflit (que l'on a relev6e souvent chez S'il est vrai que la th6orie des parties de l'intellect que reflöte l'analyse d'Au-
Augustin) avec l'id6e de sa totalit6: f intellect ,,est rour enrier ä se voir par lui- gustin est ä ce point diff6rente de celle que Plotin a dans l'esprit, elle pourrait
rnöme tout entier, et non pas par une partie de lui-möme une autre partie", difficilement en provenir. Ce n'est pas ä dire qu'elle n'ait pas rapport ä d'au-
ö),og ö)"ur, oü pr6per. &)"),o p6pog22. tres aspects de la pens6e n6oplatonicienne. Mais, avant d'en arriver Iä, il n'est
Ces diff6rentes d6clarations dessinent un tableau assez coh6rent de la fa- pas inutile de poser la question d'une autre inspiration possible pour les pa-
Eon dont Plotin entend l'hypothäse des parries, et qui le d6termine ä la refu- ges d'Augustin que I'on vient de lire.
ser: l'intellect serait morcel6 en deux parties, dont l'une connaitrait l'autre; Le lecteur aura remarqud dans certaines de ces pages l'emploi de caractöres
c'est ä quoi le philosophe n'a pas de mal ä riposter qu'il ne s'agirait nullement dilat6s pour les mots e.r parte r6p6t6s. Ils ont pour fonction de faire droit
alors d'une connaissance de soi, mais de la connaissance banale dans laquelle a une suggestion des 6diteurs du De Trinitate dans le Corpws cbristianorum,
I'agent et I'objet sont distincts. Le dernier rexte cit6 donne mOme ä penser sclon lesquels il y aurait lä une allusion ila I" Epkre aux Corintbiens 13,
que tout recours ä l'explication par les parties conduirait ä exclure route con- 9-1224, oü de fait revient quatre fois ex parte. En dehors de cette rencontre, il
sid6ration de la totalit6 de l'intellect. faut convenir que Ia relation aux deux textes du De Trinitate n'est pas 6vi-
Or ce n'est pas du tout sous ces traits-lä que se pr6sentait la th6orie des dente; en particulier, on pourrait objecter l'absence de la dimension eschato-
parties repouss6e par Augusti n23. La notion de l'intellect pris dans sa totalit6 logique, tenue pour ins6parable des versets pauliniens. Pourtant, l'analogie
n'en 6tait nullement absente, puisqu'elle figurait au contraire express6ment d6passe l6görement ex Parte et s'6tend au verbe cognoscere, pr6sent sous qua-
dans les deux axiomes, au titre soit de I'objet (1), soit de l'agent (2) de la con- tre formes dans les versets cit6s et apparent6 au nosse d'Augustin; il y a enfin
naissance. Dans l'esprit de Plotin au contraire, le processus cognitif incrimin6 la d6consid6ration que ce dernier attache, on l'a vu, ä la connaissance ex ?ar-
lc.' elle 6tait d6jä pr6sente d'une certaine fagon dans l'Epitre: euactl.abitur
le Theiler lui-m6me, clans son ouvrage in€gali Poryhyrios tnd Augustin (1931), p.49 = For-
§7.
cluod ex parte est.
scbungen zum Neuplatonismus (Berlin 1966), p. 220-221. Augustin connait naturellernent ce passage paulinien. Parmi ies utilisations
20 Plotin, Y 1, l,1-2 er 11-12.
2r V 3,5, 1-3; il est ä croire que 'Mais s'il en est ainsi ...'introduit une ob.jection, que Plotin
qu'il en a faites, l'une surtout peut 6clairer ce d,5bat, du fait qu'elle est im-
adresse ä un interlocuteur suppos6 d6fendrc [a th6orie des p:rrties; les deux derniers mots grecs,
prdgn6e dc culture n6oplatonicienne comme le De Trinitate. Elle appartient
on vient de le voir, ont 6t6 donnEs en 1, 11-12 comme I'objct mäme de la recherche.
)2 y3,6,7-8;cesquelquesmotssouläventenr6alit6degrandesdifficult6sd'intcrpr6tation,dans
lesquelles, par bonheur, on n'a pas ä entrer ici.
23 Cette diff6rence ind6niable cntre les deux auteurs n'empöche pas Augustin d'avoir pu connai- A <lflaut r['lrouvt,ir crrc,,r. lirt'c('l).tss.ll{c (lilns lx y(tzJ Latita dc Bcurort, lc voici clans laVul-
tre le trait6 plotinien et d'en avoir 6ventuellement retenu tel ou tel trair; quand il 6crit par cx- 6.ttr', oiril rrc.l,rit p.rs itrt tri's rlillrrrcrrl: ,,'' l.x p.rrtc cnittt.,,grt,,.tinrLl\ ('t (\ [-.rrtc [rrophct,r-
emple er.r De Trin. X 4,6, citc suprd, p.111. n. l5: ,,si [...] pars quae inucnta csr qu.rcrir p.rrrcn) rr:rrs.l"(,urrr.rrrttrrr u,rr, tit,1u,ul I)(rl((tunr t'st, ttt.tr'rt.tlri(ul ,1tt,,tl tx l)ittc ('st l...llrVitlcntus
quae nortdum inuenta cst, non sc ergo mcns qurrerit", norr sculenrcnt il sc rapprochc dc lir c()rl nlIr(l)(.t\l)((illlIrrr.rr'Irl,,nr,[(,llIr(,Irl('rr1.r,,..r,1 l.r,i,nr.Nllrrrtr,1,or,rtr,('x[).lrl("tul]l .lU

ccPtitrn l.krtinicnnc dc I'cxPlication Prrr lcs [r,rrtics, rrr;ris il crrrploic corrtrt.t't'llt. cr l'.rrgurrrcrrr l(nt (r)lt,ilo\r.tilr,\r(ulIlr')1,Irlu.,.rrrrr" I,s,r,,r,t,r,,lil,tt,.\olrl)\onr(lrl,sctttlrlctil,ttl,,tc
topirluc rlc I)lotin. [[l[\((lr(,,1,',,.'r,,.,t,,1,1,r,r,/rr /i,r \ ].r'(rlIr///,),r,1t IO,r,rr / ttt,l'r'trrlt,,tt,rt,r'
116 Jean P6pin Le tout et les parties dans la connaissance dela mens par elle-mäme 117

aux Confessions XII25 et vient ä propos du mot caelwm dans le I "'verset de la quid de se scit quod nisi tota non Potest, totarn se scit;la mineure: Scit dutem
Genöse: Augustin nomme ce ,ciel' caelum caeli ü voit en lui, c'est bien con- se aliquid scientem, nec potest qwidqwam scire nisi tota;la conclusion: Scit se
nu, une sublime r|alit6 intellectuelle trös inspir6e du voüg des ndoplatoniciens igitwr totam.
dans la propri6t6 qu'elle ade nosse simul, non ex pdrte 1...), sed ex toto, Comme dans tous les syllogisrnes, c'est la ma;'eure qui a la plus grande
non modo boc, modo illud, sed, qwod dictwm est, nosse simwl sine uLla uicissi- port6e doctrinale. Or elle revient ä dire que si l'intellect se sait tout entier, la
twdine temporwm. II y a lä, du processus cognitif propre ä l'intellect, une de- raison en est qu'il sait quelque chose de soi-m6me, aliquid de se scit, oi de se
scription centr6e ostensiblement sur la simultan6it6 (nosse simwl), qui s'op- ne signifie pas ,au sujet de soi-m6me', mais indique une tournure partitive:
pose ä la fois ä la fragmentation en parties (non e x p arte) et ä la succession l'intellect ,sait une partie de soi-m6me'28, et c'est pourquoi il est dit ,se savoir
dans le rcmps (sine wlla uicissitwdine temporum). Mais la nature de l'intellect tout entier'. Aussi bien une telle inf6rence n'a-t-elle rien d'extravagant dans
est telle, aux yeux des n6oplatoniciens, que la connaissance des Otres n'y est un contexte consacr6 ä confronter la connaissance partielle et la connaissance
pas diff6rente de la connaissance de soi; ainsi est-on conduit aux pr6occupa- totale.
tions clu De Trinitate X, oi l'intellectws des Confessions reprendra son nom Voilä plus ou moins 6claircie la thöse (b). Quant ä la thöse (a), eam totam
de mens; De Trinitate X opposera largement ä la connaissance partielie de scire quod scir, elle ne comporte de preuve, de fagon assez d6solante, que
soi-möme la notion de totalit6; mais I'auteu r des Confessions avait d6jä com- 1'absurdit6 de sa n6gation. Pourquoi abswrdum est?2e Cette absurdit6 sup-
pl6t6 de sa propre initiative non ex parte par sed ex toto. Voilä quelques pos6e ne va pas de soi30. Le mot m0me pourrait venir de Plotin, qui, dans les
points communs entre les d6veloppements extraits des deux ouvrages: ils premiers chapitres du trait6 y 3rt qu'Augustin a probablement lus, r6pöte
permettent d'envisager sans invraisemblance que De Trinitate X contienne ä plusieurs fois citonog, ä propos notamment de la division en parties que f in-
son tour, non plus une r6f6rence d6taill6e comme les Confessions, mais une tellect op6rerait en soi-mäme. Mais ce n'est pas lä l'objet exact qu'Augustin
allusion fugace i ex parte de l'6pitre. Ce qui est sür, c'est qu'une telle r6mi- frappe d'absurdit6. Quant au fond, ce serait un peu vite dit de proclamer ab-
niscence n'exigerait pas la pr6sence cl'un contexte eschatologique; car l'ample surde l'hypothöse selon laquelle l'intellect ne serait pas tout entier ä se con-
citation de la p6ricope paulinienne dans les Confessiozs survenait justement naitre, puisque, d'aprös le trait6 V 3, 5, l*7 , telle 6tait justement la conception
en r6f6rence ä la vie de I'intellect, d'oü toute temporalit6 est exclue. de certains philosophes dans 1'6cole de Plotin.
Devant ce problöme irritant, qui ajoute un mystöre ä celui de la Trinit6,
une issue 6ventuelle se prdsente ä l'esprit: l'argument a parte ad totwm, que
l'on vient de montrer ä l'cuvre pour asseoir la thöse (b), ne s'acquitterait-il
VI. Dogmatisme et d6monstration en De Trinitate X 3, 6 pas d6jä de la m6me fonction au b6n6fice de la thöse (a)? En d'autres termes,
ne pourrait-il d'abord aider ä 6tablir que l'intellect ne peut s'arröter ä con-
Il faut maintenant faire retour au premier texte augustinien cit626 contre l'hy- naitre seulement par une partie de lui-m6me, mais doit impliquer dans toute
pothöse des parties. II 6nonce successivement, on s'en souvient, deux thöses connaissance la totalit6 de lui-rnöme? C'est ce qu'il faut examiner maint-
essentielles: (a) eam [sc. mentem] totam scire qwod scit,,l'intellect est tout en- enant.
tier ä savoir ce qu'il sait'; (b) totdnx se scit,,rl se sait tout entier'.
La thöse (b) reqoit, dans la seconde moitid du texte cit6, une d6monstration
claire, de facture proprement syllogistique2i (comme le montrent les con-
jonctions canoniques awtem et igitur), dont la majeure est: Cwm itaque ali-
tt Cl de'li t"prr, p. OOO et n. 14.
}r On noter;r que, dans ,eam totam scire quod scit", quod scit ne peut ötre, comme on l'a parfois
25 XII 13J6a,Sic interim sentio propter illud caelum caeli, caelum intcllectuale, ubi est intellec- pcrrs6, une proposition compl6tive, du fait de sa reprise imm6diate par ,,Quod scit tota scit".
tus nosse simul, non ex partc,non in aenigmatc, non per speculum, sed ex toto, in manifesta- r0 En I)e Cen. ad lit.Yil 21, 28, cit6 suprd, p.106 ct n.4, on lisait d6jä ä propos de l'äme, pos6
tione, facie ad faciem, non modo hoc, modo illud, sed, quod dictum est, nosse simul sinc ulla conllnc un ;rxiomc intliscutlblc: ,,omnc, quod nouit, tota nouit". A. C. Lloyd, Nosse teipsum
uicissitudine temporum". ,rnrl conscicrrti.\ dtlts Art.hit' lilr Otschichtc dcr Pbilosopbic,46 (1964), p. (188-200) 189, n'a
26 Yoir supra, p. 110, n. 14. p.rs iti' scnsilrlr' .\ ( ctt(' ,rlrsorr't ,lc jrrsti[rc.rtion rrrtionncllc: 'it is thc wholc rnirrd which is thc
r7 En [ait, un syllogisme obösc. dont les dcux pr6misses sont cllcs-mömes clcs r,risc,nrrcnl('ntsi ()r] srrlrjccr,,l t1r. 1,,,,,."i,'11': p.rr rl,rv.rrrt.r1,,r' ll. Willirrrrs,'l'ltc I).rr.rrloxcs of Stll Knowlc.lgc irr tl,c
dit, ic crois, un ipicbirimt'(i n()re r tluc cc syllogisrnc rrc cornci<lc []ils i'rvcc cclui rpri .r It<: rcpiri l)t littrtt,ttt'-,l,rrr. I l' I r,'rrlr.rr,l, l t I lrlullcr, l{. l. liskr', ctlr1.,,4r!r,/rrrr':ltrrtltylyT 1,,r1,,'
st?ttt, l. l07, crr /)r' (irtt. tl lrtt. Yll 21, Jli). Scrrlc c(n( inlu[)r(:t.lti,,rr ,lu text, Porrrr.l tlr. V,rr,,(.,,11,,t.rrr,.r.Arrl',rr,.rnr.rrr.r'(N,§ \,'r l, l')')l), 1r.(lJl lll)lJ'l
(()tlfl)t( n(lr(',;rr'il y,r un Ptr)l,r(\,l.rns l.r lxnsr:r'rlt'lol,rtrt,r'rrl/,r.\ill \r,t,t!tut tt)t,t»t " Ar,'' l, lr' 1s. ,. ,rr,. r,' ,' lrr1r,,lr,' Lrr'l"rr
118 Jean P6pin Le tout et 1es parties dans la connaissance dela mens par elle-m€me ll9

VII. Augustin et le th6oröme in parte totum: Voilä qui n'est pas douteux. Mais on d6couvre aussi, dans la pens6e d'Au-
gustin, des cas oü ce schöme, tellement reconnaissable, de la distension de la
partie aux mesures du tout fonctionne hors de toute r6f6rence aux rapports
1. dans les rapports de l'äme au corps de l'äme et du corps.

On rencontre assez souvent chezle grand th6ologien l'id6e qu'ä la diff6ren-


ce de la masse corporelle, qui n'est pas tout entiöre dans chacune de ses par-
ties, l'äme, elle, est pr6sente tout entiöre ä chacune des plus minimes parcel- 2. comme discriminant entre le corps et l'incorporel
les de son corps. Cette observation traverse la carriöre litt6raire d'Augustin.
Däs le lendemain de son bapt6me, voici ce qu'il 6crit: ,,Aucune masse, occu- Ainsi la döfinition du corps est-elle ä ses yeux ,ce dont, dans l'espace d'un
pant un lieu, n'est tout entiöre dans chacune de ses parties, mais dans leur to- lieu, la partie est moindre que le tovt', cwius in loci spatio pars toto minor
tal 1...1 L'äme, en revanche, est pr6sente, non seulement ä la masse globale de est35.Il n'est pas 6tonnant que Dieu, ä l'extröme oppos6 du corps, soit l'objet
son corps, mais m€me, tout entiäre en m6me temps, ä chacune de ses parcel- de la description inverse sur les deux points mentionn6s: Augustin s'adresse
les (Anima uero non modo wniuersae moli corporis sui, sed etiam unicuique en effet ä lui en ces termes trös connus: wbique totws es et nusquam locorum
particwlae illiws tota simwl adest) [...] Elle est donc pr6sente tout entiere en es, ,tu es partout tout entier, tu n'es nulle part dans les lieux'36; ubique, ad'

mame temps ä ses parties prises une ä une, elle qui, tout entiöre en m6me verbe de lieu, doit 6videmment ötre vid6 de toute connotation locale, ce qui
temps, 6prouve une sensation dans chacune d'e11es"32. Or le m6me point de suggöre d'entendre que Dieu est pr6sent tout entier dans chacune de ses par-
doctrine se retrouve, bien plus tard, au milieu du De Trinitate: ,,L äme est ties. Or cette interpr6tation trouve confirmation dans le grand commentaire
plus simple que le corps pour [a raison que ce n'est pas par sa masse qu'elle se du möme auteur sur la Genöse: ,,Car il n'y a dans la substance de Dieu, qui
r6pand ä travers l'espace d'un lieu, mais dans chaque corps elle est ä la fois fait qu'il est Dieu37, rien qui soit n'roindre dans la partie que c-lans le tout
tout entiöre dans le corps tout entier et tout entiöre dans n'importe laquelle (quod brewius sit in parte qbam in fofo), comme le sont n6cessairement les
de ses parties (in unoqwoque coryore, et in toto tota est et in qualibet parte ei- choses qui sont dans des lieux"38. Avec toute la nettet6 possible, voilä une
us tota esrJ)); ainsi, quand, clans la plus minuscule parcelle du corps, quelque v6ritable d6finition de 1'essence divine: celle dont Ia partie n'est pas moindre
chose se passe que l'äme vienne ä ressentir, bien que cela ne se passe pas dans que le tout.
le corps tout entier, l'äme est n6anmoins tout entiöre ä le ressentir parce que Ce concept, dont l'importance n'a pas 6t6 suffisamment reconnue, se fait
c'est ä la totalit6 de l'äme que cela ne demeure pas cach6 (illa tanten tota sen-
jour encore dans deux lettres d'Augustin. L-une, qui porte le n' 137, reprend
tit qwia totam non latet)"t+. la möme opposition entre la nature du corps et la nature divine: ,,Le corps
Il y a lä une d6marche rationnelle qui consiste ä inclure d'une certaine fa- [...] emplit le lieu de telle sorte qu'en aucune des parties de celui-ci il ne soit
gon la totalit6 dans [a partie. Sous cet angle, la comparaison est possible avec rour entier (ut in nulla eius Parte sit totum) [...] L" faEon dont on dit que
le mouvement par lequel on passait, dans la majeure du syllogisme de naguö- Dieu emplit le monde n'est pas comparable ä ce qui se passe avec l'eau, avec
re, de aliquid de se scit ä" totam se scit. A ce rapprochement, l'on objectera l'air, avec la lumiöre e11e-m6me, ce qui aurait pour cons6quence que, par une
toutefois avec raison que, s'il y a en effet dans ces deux derniers textes inclu- rnoindre partie de [ui-m6me, il emplisse une moindre partie du moncle, et par
sion du tout dans la partie, il s'agit du tout de l'äme et de la partie de son cor- une plus grande partie de lui-mäme, une plus grande partie du monde (wt mi'
ps, c'est-ä-dire d'une probl6matique 6videmment 6trangöre ä celle du De Tri-
nitate X, oir tout se joue au plan de la mens, de l'intellect.
'1 DeTrin.XT(9)27-2S,p.323.Augustinutilisecetteddfinitioncontrelar6ductior.rdel'ämeau
12 De inmort. anirnae 16,25, 6d. Hörmann (CSEI- 89),p.128, 1-16. 5' corps, d6jä abordic cn Dt Clen. ad litt. Yll 21,28, cf. supra, p. 106.
ir Thäme plotinien, c[.IY 2la) 1,65-66: ötr1 iv rdcrr xui Öv örtlxrtrv ar'rtor'1 iitrn. '' Oonf. VI .1.,+l sur ubi,lut totas rrppliqtri'ä [)icu, v«rir (). du Roy, l.'intt'lligence dc la foi en la
ta DeTrin.VI 6(8)22-27,p.237.Laderniärephrasc,bientraduiteparM.Schmaus,op.cit.,p.gl 'l).initl srl,»t ltuttt .'lu\u\ttn. ( lt ni'sc tlc s.r thrlologic trinit,tirc justlu'cn 391 (Paris l9(>6), notc
('so empfindet sie es, weil es der ganzen Seele nicht verborgen bleibt, in ihrer Ganzheit'), rcs- .rrtrtr.xc I, p. '16') 'llO
semble de träs präs ä unc tautologic; si tel n'avait pas dt6 lc crrs, ellc,rur,rit pu rrirlcr.r c,,rll.r.rr " ,,irr crrrs srrlrst.rrrli.r,,;,,.,,1,,r. r'rt", l.rlorr rortrpltrltttit ,lc.lirr' ,,tl.urr I't'ss,tt,,'rlivirrc"; t'|. (.'t»tl.
clrc [a tl6clrration toujottrs opaqtrc tl'Augrrstin rrbsurdun t,st dittrt il(,n ttt»t l(,ltttt \tit( lltt,(l VII -1, l: ..rr'.I l.r(l ( il .rrl,.l.urlr.rrr ltl.rlll, (lll,t (\".
\': ltr.( irtt ,r,/ /rlr Vlll l,r. \ri. l, ',,:i, tt) .'.'
120 Jean P6pin i
Le tout et les parties dans la connaissance delamens par elle-möme 121

nore sui parte minorem mundi partem impleat et maiore maiorern)"3e. Lautre espace par une partie plus grande (ruentis natura?n 1...1 non esse corPoreanl,
lettre, la 162", confirme tout ä fait la pr6c6dente en fondant l'incorpor6it6 de parte minws occuPare loci spatiwm maiwsqwe maiore)"a4.
id. est non minore sui
Dieu sur le m6me priviläge:,,Dieu.,t.t pm un corps ni [...] cette substance Aussi bien, d6jä en De Trinitate IX et dans un autre contexte, Augustin 6tait-
dont la nature est telle qu'elle est moindre dans une partie que dans le tout il arriv6, par le m0me cheminement, ä la möme conclusion: dans le monde des
(minor sit in parte qwam in toto), ce qu'il doit 6tre sacriläge de supposer de corps, disait-il, ,,aucune partie n'embrasse le tout dont elle est une partie
Dieu"ao. (nwlla pars totunl cwius pars est complectitur). Mais l'intellect (Mens wero),
A ce leitmotiv augustinien qui tranche si simplement entre Dieu et le mon- quand il se connait tout entier, c'est-ä-dire connait complBtement, sa con-
de des corps par le critäre de la partie et du tout, on pourrait objecter: et l'ä- naissance s'6tend au tout de lui-möme Qter totum eius est notitid eiws)"+s.
me? En raison de son incorpor6it6, elle se trouve, dans ce dilernme, du cöt6
de Dieu: ,,Une chose qui est moindre dans sa partie que dans son tout (res
quae in parte minor est quarn in toto), voilä qui ne s'accorde pas ä la dignit6
de l'ärne ni, combien moins! ä la majest6 de Dieu"ar. Les Confessions asso- \/III. Valeur heuristique du sch6ma in parte totum
cient les deux mämes termes, Dieu et I'äme, pour les opposer l'un et l'autre ä
la moles, ) la masse corporelle, qui est ,moindre dans sa partie que dans son Il serait possible, il n'estpas n6cessaire de rassembler d'autres attestations en-
tout', rninor in parte quam in totoa2. La formule, on Ie voit, est devenue pres- core. Celles-lä suffisent ä 6tablir qu'Augustin ne cesse de concevoir l'articu-
que technique pour d6finir le corps, compar6 ä Dieu et ä l'äme. A celle-ci se lation du corps et de l'incorporel sur un modöle 61abor6 ä partir du tout et
substitue parfois le spiritws, comme c'est le cas plus haut dans les Confessi- des parties. Il y a le domaine oü le tout n'est pas dans chacune de ses parties:
ons, oi l'on d6couvre qu'Augustin avait mis au point cette repr6sentation c'est la masse corporelle. Il y a le domaine oü chacune de ses parties contient
pour faire piöce ä la th6ologie mat6rialiste des manich6ens: ,Je ne connaissais le tout: c'est I'incorporel, l'äme, l'esprit et I'intellect de Dieu ou de ['homme.
pas que Dieu est esprit, et non pas celui dont les mernbres auraient longueur Tel est le sch6ma dans sa s6cheresse; mais diverses pr6sentations viennent
et largeur et dont I'6tre serait une masse, parce qu'une masse est moindre souvent l'6toffer: on parlera de la pr6sence du tout ä ses plus minimes par-
dans sa partie que dans son tout (moles in parte minor est quam in toto suo), celles, du ,partout tout entier', de ce qui est ou n'est pas moindre dans la par-
ou, si elle est infinie, moindre dans telle de ses parties d6limit6e par un espa- tie que dans le tout, etc., sans parvenir ä masquer l'ossature de I'argument,
ce d6termin6 que dans son infinit6, et ellc n'est pas tout entiöre partovt (tota dot6, ä travers tous les textes cit6s, d'une remarquable consistance.
wbiqwe) comme l'esprit, comme Dieu"al. Cette lourde phrase rend compte de Mais si, dans les r6alit6s incorporelles, le tout est ainsi, en grandeur r6elle,
faEon parfaite de la doctrine dans son ensemble, en dressant face ä face la prEsent dans n'importe quelle partie, cet axiome ne peut qu'entrainer d'im-
masse corporelle, in parte minor quam in toto, et, tota ubiqwe, l'essence de portantes applications gnos6ologiques; dös qu'il s'agit de l'äme, de l'esprit, de
l'esprit de l'homme, de l'esprit de Dieu. f intellect, de Dieu, celui qui aspire ä les connaitre cesse de devoir en embras-
Cependant, plus encore que anima, que s?iritus, c'est la mens, divine ou ser la totalit6 par une compr6hension globale: il suffit d'en atteindre quelque
humaine, qui repr6sente dans ce sch6ma l'incorporel par excellence. On ne chose pour que le tout se laisse saisir. Ce principe n'a pas, semble-t-il, v6cu
s'dtonnera pas que ce soit en De Trinitate X qu'on la rencontre dans cet em- jusqu'ä l'6poque moderne, oü il aurait pu 6clairer le cas 6ch6ant certaines dif-
ploi: car on voit bien, peut-on y lire, que ,,1'intellect a pour nature et d'ötre ficult6s telles qu'en pose, par exemple, le c6löbre ,cercle herm6neutique'. Ce-
une substance et de n'ötre pas corporel, c'est-ä-dire de ne pas occupet par la dit, il est important pour la suite d'observer que cette utilisation gnos6olo-
une moindre partie de h.ri-m6me, un moindre espace de lieu, et un plus grand gique de l'axiome (,dans les incorporels, connaitre une partie, c'est connaitre
la totalit6'), ä laquelle on pense imm6diatement, n'est que la cons6quence
tl'une v6rit6 plus profonde, de port6e proprcment ontologique (,dans les in-
v Epist.,lJZ(Volusiano)II 4,6d.Goldbacher(CSEL44),p. 101,5-13;cequisuit(13-la),,,ubi-
corporels, la totalit6 est dans la partie'); beaucoup des formules augustinien-
que totus csse et nullo contineri loco", reproduit ä peu prös ce que I'on vient de lire en Conf.
VI 3, 4; cette lettre est tardive, dat6e de 411412 par l'6diteuq Index III (CS E L 58), p. 37 . rlcs quc l'on vicnt clc parcourir s'cn tiennent ä cc point clc vue, et passent sous
aa Eptst. 162(Euodio) 8,6d.Goldbacher(CSELaa),p.519,3-7;dat6e,elle,de4l4-415,ibid.,p.
42.
at Da diutrsis quaest. LXXXIII 5l (4) 94-96, ad. Mutzcnbcchcr ((:(:1.44 A), p. tl2. tt l)r lir». X / (') l0) t l t,r, p t.)l
t: (.otrl. X 6, l0- r' lX.l (/) /l /\,1.."1'l,.rvr', lr',,,rrrrr,rrl.rr,.,l,
t\ ( rtrtl. lll,7,12. Arrrtotlr',rrrrl tlrr' | ,rrlr N,,, l'l rt,,rrr'.t ..,l.rnr
122 Jean P6pin Le tout et les parties dans la connaissance de la mens par elie-m€m e 123

silence les applications gnos6ologiques 6ventuelles; ces formules, pour la plu- ment nous laisser indiff6rents. Anaxagore, Aristote, Epicure connaissent le
part, consistent ä 6noncer qu'ä la diff6rence des corps, les r6alit6s spirituelles mot ou du moins le concept, dont ils usent de faEon peut-6tre moins simple
ne sont pas moindres dans la partie que dans Ie tout, en d'autres termes que que ne le laisserait supposer la d6finition cit6e. Ce qui est sür, c'est que les
le tout est dans la partie: ce qui est vrai de la partie l'est donc du tout. exemples qu'ils emploient appartiennent au monde mat6riel, ä la physique, ä
Le principe se montre si vigoureux dans l'auvre d'Augustin que l'on se l'anatomie.
sent le droit de l'invoquer pour r6soudre certains problämes propres ä cet au- Ce sont, semble-t-il bien, les philosophes n6oplatoniciens qui ont trans-
teur. De ce nombre doivent 6tre les obscurit6s que l'intrusion des concepts port6 l'hom6om6rie dans le monde spirituel. Plotin a fait un petit nombreaT
de partie et de tout r6pand dans la connaissance de soi exerc6e par l'intellect, d'emplois de I'adjectif öpotopegfg. Un seul doit 6tre mentionn6 ici, et on ne
comme on l'a vu au d6but du livre X De Trinitate. Gräce ä cette cl6, on l'a peut s'6tonner qu'il appartienne autraite V 3 [49], que l'on a eu d6jä ä con-
d6jä dit, on ne rencontre plus aucun obstacle qui retienne de conclure de (2) sulter ä plusieurs reprises. La derniöre fois, c'6tait Plotin refusant que la con-
aliqwid de se scit,,il sait quelque chose de soi-m6me', ä. totam se scit,,il se sait naissance de soi propre ä l'intellect püt ötre le fait d'une partie qui verrait et
tout entier'. Mais la m6me c16 doit ouvrir l'accös 6galement ä la justification d'une autre qui serait vuea8. Mais ce refus 6tait suivi imm6diatement de quel-
de cet 6nonc6 qui avait paru plus haut si r6tif: (1) abswrdum est dicere non ques lignes qui semblent 6tre, au moins par un proc6d6 litt6raire, la riposte
eam totarn scire qwod scit,,rl est absurde de dire que l'intellect n'est pas tout d'un interlocuteur, et que voici:
entier ä savoir ce qu'il sait'. Car cette assertion vient faire piöce ä l'hypothö- ,,Pourquoi donc, si toute r6alit6 de cette nature est pour ainsi dire
se qui la pr6cöde, selon laquelle l'intellect pourrait se connaitre par une par- hom6omöre (oiov öpotopsQöE), en sorte que la partie qui voit (tö öqöv) ne
tie de lui-möme, ex parte se noait. Mais le principe que l'on vient de d6gager, soit en rien diff6rente de celle qui est vue (tofi ögurp6vou)? Car de cette fagon,
pris dans sa dimension ontologique, permet d'6tablir que l'hypothöse pro- en voyant cette derniöre partie (dxetvo tö pt6gog) de soi-m6me, qui est iden-
pos6e est proprement intenable dös lors que la partie suppos6e connaissante tique ä soi-m6me, il s'est vu soi-m6me; il n'y a en effet aucune diff6rence de
se trouve 6tre identique au tout de f intellect. la partie qui voit avec celle qui est vue"4e.
I1 reste un dernier point ä 1clairer dans Ie th6oröme in parte totum, qui 16- Peu importe, au fond, que Plotin ait ici donn6 la parole ä un adversaire r6el
git aux yeux d'Augustin la faEon d'6tre des incorporels et I'intuition que l'on ou qu'il se soit fait lui-m6me 1'6cho d'une objection existante, ou mäme qu'il
en peut prendre. C'est que cette repr6sentation, dont I'auteur du De Trinita- l'ait forg6e de toutes piöces pour pr6ciser un point en la r6futant. En toute
te a su faire un usage si f6cond, lui est ant6rieure; s'il l'a sans aucun doute am- hypothöse en effet, il ressort de ce passage que i'on disposait, dans la mou-
plifi6e et approfondie, on peut montrer, je crois, qu'il l'a reEue d6jä consti- vance du premier n6oplatonisme, d'une fagon de r6habiliter l'hypothöse des
tu6e pour l'essentiel. Davantage, on peut estimer que son origine extrinsäque parties, et de la rendre conforme ä l'exigence plotinienne de l'identit6 par{ai-
contribue ä lui assurer plus de consistance qu'elle n'en aurait peut-ötre si les te entre le sujet et l'objet de la connaissance de soi: ce postulat providentiel
besoins de la th6ologie l'avaient seuls fait naitre. n'6.tait autre que la doctrine de l'hom6om6rie des incorporels. Si Plotin fait
ici grise mine ä cette explication, il lui fut parfois moins hostile; c'est ainsi
qu'il admettait naguöre, sans en prononcer le nom, l'hom6om6rie de f in-
tellect: si une partie de I'intellect, argumentait-il, n'a pas dans leur pl6nitude
IX. La doctrine de l'hom6om6rie chez les n6oplatoniciens toutes les propri6t6s de l'intellect total, alors celui-ci ne sera pas totalement
intellect5o.

1. Plotin '1l Six d'aprös le Lexicon Plotinianum; aucun emploi du substantif.


tB CI.supra,p.000;mais,ondoitlcr6p6ter,tcllcn'estpaslafaEondontAugustincongoitlacon-
Le mot veut dire ,similitude des parties', c'est-ä-dire, on le comprend facilc- naissancc dc soi ex parte.
p V l, 5,3-l; tlxtivo tö lripo< tl6signe [a partie qui est vue. L'hypothöse ainsi argument6e se heur-
ment, ,similitude des parties entre elles et avec le tout'a6; apräs tout ce que tc, chcz Plotin, i unc fin tlc non rcccvoir pcu ,rirnablc, qui a pcut-6trc inspi16 Augustin: ,,D'a-
l'on vient de lire sous la plume d'Augustin, une tcllc notion ne pent 6viclcrn- [ro«l il cst rbsrrr.lc (iit,,:ro() t;rrc l'irrtcllcct sc divisc cn prrrtics dc soi nrönrc" (5,7).
"r) tll 1l l-]01 ll,.ll .15: ,,1'rrrttlle,I n'('\t [).rs irrtcllcct tl'trrr objct urri<1uc, rrr:ris il cst univcrscl;6t:rnt
rrrrivcrscl, il cst intcllr', ( rlc torrtcllrr,rc.. l'rrrsrlu'il tst trrrivtrscl ct irrtt'llcct tlt'torrtcs tlr,rst's, s,r
,,1'r **lonrri
t,. P,rr l.S-l Porrr I'rrljcctif t.,rrlcslrrrr,l.urt: ,lr.rvirrg lr.rrts lilic,..r,.lr .rlrt.r .urtl rlrc lr.rrti,.rrr.rrrl,rrt .l,,rr,;,,,,,,,1,rt(,rt (tlolrt(\tlrorcs(AI t,,tivtti't,',r,tt,'rvt,riivt,rxtti rtltvlurt,
wlr,rl.'. rtrti ti,1ti1x, rri't,,r,i/rrv r{iv rr(rr r(rvr«) .rn,,rr, rl,lur,r lrr( l),rtr( {llr n'r'\t l),1\ rrrtr'll,rt ct il
t
r24 Jean P6pin i Le tout et les parties dans 1a connaissance de \a mens par e11e-m6me 125

2.Porphyre Ces quelques lignes, on Ie voit, pr6sentent de grandes analogies avec l'ar-
gument d'Augustin in parte totwm. Il s'agit des deux cöt6s de l'essence in-
Mon intention n'est pas de suivre le destin de cette doctrine dans le n6opla- corporelle, dont l'äme est une vari6t6. Le mot ,hom6omöre' ne se lisait pas
tonisme, mais simplement de la montrer ä l'auvre chez Porphyre, le disciple dans le latin d'Augustin, mais la notion qu'il exprime y figurait express6-
et successeur de Plotin. On ne dispose d'ailleurs ä cet effet que de quelques ment, y compris certains traits descriptifs, avec d'ind6niables rencontres de
textes. L'un est une doxographie de Jamblique, dont voici l'essentiel: formules; que l'on compare ä cet 6gard in qwalibet parte eius tota est et dtt
,,Allons, montons donc ä l'essence incorporelle en soi (6ni tlv xoO'aütfiv ötonüv aürr1E p6ger eivcu, rd öl,cr.
äodlpatov oüo[«v), distinguant en ordre, dans son cas aussi, toutes les opini- Des deux attitudes antith6tiques dont Jamblique cr6dite Porphyre, c'est la
ons sur l'äme. I1 en est certains qui d6clarent que, dans sa totalit6, l'essence de seconde, celle de l'adh6sion, qui doit ötre vraie. Car elle trouve confirmation
cette nature est hom6omöre (n&oav tlv tor,uÜt1v oüolov öpor,opepfl), iden- dans deux textes sortis de sa plume. Voici en effet ce que Porphyre 6crit dans
tique et une, en sorte que, dans n'importe laquelle de ses parties, il y a tout la bröve Sentence 22:
l'ensemble (ti4 xcri dv ötqmüv aütfrg p6prr eivor, tir öl"o)"st. ,,L'essence intellectuelle est hom6omöre (öporcpeg{g), en sorre que les e-
tres sont ä la fois dans l'intellect particulier et dans l'intellect total (xoi, öv rüt
pmQrxö vQ eivnr, td övto xai, öv tdr nnvrel,e[,ql)"52.
sera compos6 de non-intellects, et il sera un tas fait de piöces et de morceaux en attente de de- Ce qui suit dans la sentence concerne ce que disait Jamblique de l'omni-
venir l'intellect constitu6 de toutes choses"; pour ce rapprochement, cf. Harder-Beutler-Thei- pr6sence totale et de son caractöre appropri6 ä chaque essence. Mais c'est le
ler, note adY l,s, l, Bd. V b,p.375; de Plotin, on ajoutera Iy 214)1,65-66,cir6 supra, p.
118, n. 33. Porphyre reprendra d'ailleurs l'id6e que l'intellect est ,,intellect d'un bout ä l'autre,
mot,hom6omöre'qui tire l'ailsl; quant ä le d6finir, comme fait Porphyre, en
ne se pouvant m6me supposer qu'il ait en soi-möme de I'inintelligence" (Sent. 44,6.d.Lrmberz, disant que les <memes> ätres sont pr6sents et dans l'intellect particulier et
p.57, 13-14); car cela revient ä dire qu'aucune de ses parties n'est non-intellect; la notion de dans l'intellect total, cela revient ä poser qu'au niveau de la deuxiöme hy-
,partie de f intellect' est d'ailleurs discut6e plus haut dansla Sentence.
5r Porphyre,441 F Smith 1-3, p. 511; Smith ne prend pas le texte de Stob6e assez haut, et je fais postase le tout est dans la partie.
donc commencer le fgt trois lignes auparävant; cf. la traduction Festugiäre (La rivölation Le t6moignage de la Sentence 37 estä,la fois plus explicite et plus compli-
d'Hermis Trismdgite, lII Les doctrines de l'äme), p. 184, avec les notes. Dans le texte de Jam- qu6. Il s'agit d'une longue comparaison, comme Porphyre les affectionne,
blique, ce d6veloppement est suivi des notations que voici: ,,Ils placent, mäme dans l'äme par-
ticuliäre, le monde intelligible et les dieux, les d6mons, le Bien et toutes les classes sup6rieures
emprunt6e cette fois ä la vie v6g6tale:
ä elle (rd rgeoprireqa y6vr1 aüt19, excellente correction d'Usener), et ils d6clarent que toutes ,, ... n'importe laquelle de ses parties a puissance sur toutes choses (toü
choses se trouvent pareillement en toutes choses (dv rüotv [...] ndvro), de fagon appropri6e ruxövroE p6QouE nd,vta öuv<rp6vou) quand l'äme se garde pure des corps, de
toute{ois ä l'cssence de chacune d'elles". A [a lumiäre des travaux classiques de P. Hadot, Por-
phyre et Viaorinus (Paris 1968), 1,p.239-246 et 338-339, et de C. G. Steel, Tbe Changing Self.
m6me que n'importe quelle partie de la semence possede la puissance de la
A Study on the Soul in Later Neoplatonism: Iamblichus, Damascius and Priscianus (Brussel semence tout entiöre (tö tuXöv pdqoE toü ofiäQporoE tilv roü xrovröE oxrdQ-
1975),p.23-26,11 apparait queJamblique a r6uni lä deux points de doctrine diff6rents. Il s'a- püToE äXst öÜv«prr,v). Et de möme qu'absorb6e dans la matiöre, une semence
git en premier lieu de la thöse de I'hom6om6rie stricto sensil, telle qu'on l'a vue par exemple
chez Augustin: dans les incorporels, le tout est pr6sent dans chacune des parties. Dans les li-
est vaincue par cette matiöre dans chacune des raisons s6minales qui en ses
gnes suivantes (3-Z) se fait jour une autre notion de I'hom6om6rie (dont le nom n'est plus pro- parties lui donnaient puissance, et qu'inversement, rassembl6e dans sa puis-
nonc6), en vertu de laquelle l'äme particuliöre comprend en elle toutes les hi6rarchies sup6rieu- sance de semence, elle possöde dans chacune de ses parties la puissance tout
res ä elle, et qui s'6nonce ,tout est dans tout', dv nüotv [...] xdvrcr (moyennant une r6serve de
premiöre importance); cettc hom6om6rie-lä remonte i Anaxagore, qui entendait ainsi qu'il y a
entiöre (xa0' öx«otov rdlv treQöv öXel tilv fiü,oü,v öüvoptv), de möme aussi,
en toute chose une partie de toute chose, que rien au monde n'est pur, except6 le voüg üxqo- dans l'äme immat6rielle, ce qui est consid6r6 comme une partie possöde la
tog. Apräs quoi Jamblique, semblant prendre globalement ces deux thäses (si diff6rentes sous puissance de I'äme tout entiare (tö ög p6goE dnrvooüpevov tfrg tdoqE lruXIE
leur commune d6nomination), les attribue, avec diverses inflexions, ä Num6nius, ä Am6lius,
mais aussi ä Plotin (qui ne serait pas ,d'accord en tout point') et surtout ä Porphyre (,perplexe
ö1et tilv öÜvaptv)"s+.
devant cette opinion, tantöt s'en 6cartant intens6ment, tant6t s'y ralIiant comme ä une traditi- Une fois mise au jour l'analogie du grain qui meurt et renait, ce texte pro-
on venue des origines'). Il est impossible de savoir sur quel point de l'expos6 doctrinal qui cure dcs donn6es de premiöre valeur sur la conception porphyrienne de 1'ä-
pr6cäde portaient ces rriactions. On va voir tout de suite ce qu'il en est pour Porphyre. Pour
Plotin, le thdme rejoint l'id6e que se fait cet auteur de la vie de l'intellect: ,,Li-haut chaque par-
mc: cle la rr-rörnc faqon cluc n'importe quelle partic de la semence a en elle la
tie vient toujours du tout et en m6me temps chacune est aussi le tout (öp,« Exorrtov xoi iil,ov);
car on a bien l'irnage d'unc partic, mais un regard perqant y voit le tout (qxrvth(t'r<rt 1tt\v yirp .\r'ir1. ll, titl. l..rlrl,cr z, P. I l, I i l'1.
1t(poq. t:voqitttn öf [...] ii],ov), i supposcr quc l'on soit pour I,r vuc scrr[rl,rblc i l.yncic" (V tl Il cst j ttottt rlttr'l',,r1'lr1'11 u\('.1.,\(-/ \()lt\'(nl (l( ttrrrrts tlt. l.r Irtittrt l.rrrrillt,.rlrlrli,;trtis i tl'.rrrt
l:t114,22-25);rl,utslcnt['tttt's(nsv()nllV2, 1,65 (,(,ctllllt, ll,4l 45,citi"ssr7rr,r,p. Illl,rr. 1], Ier ,1,,,t,,t,,,, t. rrol.lrrlllrt ,1.,,,r ',, . , r,rrurrr'nl.rirr's ,lI lirtt,, tt ,lcs I l,rtrrt,ttttr/rrr'r rlc I'toltirrrr:r'
cl l). l2\ ll'1, rr. 50. ,i
\r'ttt. l,t. l, 't'1, t.i 't',, t
1,26 Jean P6pin

puissance de la semence dans sa totalit6, de la m6me faEon n'importe quelle Lwdger Hökcber
partie de l'äme d6tient la puissance de l'äme dans sa totalit6. Voilä, rendu en
termes de ,puissance', le premier type d'hom6om6rie que d€criraJamblique
dans les essences incorporelles, lui aussi ä partir de I'exemple de l'äme. Mais
Die Geistigkeit der Seele
la comparaison de la semence pourrait intriguer: n'amöne-t-elle pas Porphy- Augustins Argumente in De Trinitate
re ä accorder ä la semenc e, r6alit6 corporelle, le privilöge de l'hom6om€rie 16-
serv6, justement, ä ,l'äme immat6rielle'? Lexplication pourrait 6tre dans le
fait que la semence n'est pas ici regard6e comme une substance mat6rielle,
mais simplement comme le support des raisons s6minales qui en dynamisent
Ies parties. Besitzt der Mensch eine Seele? lVie ist sie zu erkennen und zu beschreiben?
On constate ainsi que le principe in parte totum ne laisse pas d'intervenir, Ist sie ein eigenständiges, vom Leib verschiedenes Subjekt? Oder gehört sie
avec une certaine vigueur et sous diff6rents aspects, dans la doxographie de zum Leib als sein Leben, seine Gestalt, seine Form? Oder ist sie in \Wirklich-
Porphyre et dans la faible portion conserv6e de son cuvre. C'est gräce ä lui, keit identisch mit dem Leib und nur linguistisch von ihm verschieden? Ist sie
peut-on dire, que l'hom6om6rie des incorporels s'est inscrite ä l'horizon doc- das Nervensystem oder das Gehirn des Menschen oder ein Aspekt der bei-
trinal des n6oplatoniciens: il apparait que Plotin s'est beaucoup moins in- den?
t6ress6 ä ce thöme, et que du reste son attitude, dans la circonstance, manque Die Frage nach der Seele, dem Geist oder dem ,,Ich" des Menschen ist so
de coh6rence, comme Jamblique ne s'y est pas tromp6. Pour sa part, Augus- alt wie der Mensch selbst. Und doch ist sie immer wieder neu und aktuell,
tin a donn6 ä cette repr6sentation l'ampleur 6tonnante que l'on a montr6e, au vor allem in heutiger Zeit, wo materialistische, behavioristische oder kyber-
point d'y trouver vraisemblablement les ressources 6pist6mologiques n6- netische Vorstellungen über die Seele zu überwiegen scheinen. Sie ist und
cessaires pour conceptualiser l'accomplissement de la connaissance de soi. I1 bleibt eine existenzielle Frage, die den Menschen als Menschen unmittelbar
est bien assez inventif pour avoir forg6 lui-m6me cet instrument performant, betrifft.
et dans ce cas ses multiples applications de l'axiome in parte totum jalonne- Augustinus schreibt in einem frühen Werk, daß er nur zweierlei wissen
raient le progrös de sa r6flexion. Cependant, le caractöre indiscutablement möchte: Gott und die Seele.l Alles andere ist ihm unwichtig. Diesem inneren
n6oplatonicien, plus pr6cis6ment porphyrien, du principe de l'hom6om6rie Verlangen widmet er sein gesamtes §flerk. Dabei spielt sein Buch De Trinita-
des incorporels suggöre de mettre celui-ci au nombre des acquis philosophi- ,e eine besondere Rolle. Es geht ihm darin um ein tieferes Verständnis des in-
ques dont Augustin fut redevable ä sa lecture des libri platonicorwm. nersten §flesens Gottes, der Dreifaltigkeit, auf dem Hintergrund von ,,Tri-
nitäten", die er im Geist des Menschen sucht und findet. Da der Mensch als
Abbild Gottes geschaffen ist, wird, so Augustinus, die Erforschung des
menschlichen Geistes zu einem besseren Verständnis des letztlich uner-
gründlichen Geheimnisses seines Urbildes, des dreieinen Gottes führen.
Augustins Trinitätslehre soll hier nicht näher entfaltet werden. Mir geht es
vielmehr darum, auf die Originalität und die Bedeutung aufmerksam zu ma-
chen, die seine Analyse des menschlichen Geistes in De Trinitate für eine
philosophische Erforschung des Leib-Seele-Problems hat. Denn wohlge-
merkt: Augustinus möchte keine geoffenbarten, theologischen Kategorien in
den Menschen hineininterpretieren, sondern umgekehrt durch eine rationale
Irrkenntnis des Menschen das rWesen Gottes erhellen. Dabei findet er einen
'lugang zum mcnschlichcn Gcist, der in zweierlei Hinsicht außerordentlich
ist und auch hcrrtc rroc'h l.iir d:rs Lcib Scclc-Problcnr nicht hoch gcnug eingc-
sclriitzt wcrrlcrr k.urrr.

| \,'lrl,,,1trt,r I ),/
128 Ludger Hölscher t)ie Geistigkeit der Seele. Augustins Argumente in De Trinitate 129

Zum einen ist es die Methode, die Augustinus anwendet. \7eder geht er gemacht hat und die dann in ihm sind.7 Der Geist muß ja, um diese Bilder in
der historischen Fragestellung nach, wie andere Denker über den Geist oder sich zu haben, aus sich heraus gegangen sein und die äußeren Dinge, deren
die Seele gedacht haben, noch spekuliert er über ihr'§7esen als solches. Viel- Bilder es sind, wahrgenommen haben. Zudem kann alles sinnlich wahr-
mehr geht er aus von der Selbsterfahrung, die jeder Mensch von sich hat. nehmbare Außere von vielen Geistern erkannt und in gedanklichen Bildern
Und er fragt: Was ist das, was mir in der Erfahrung meiner selbst unmittelbar ,rufgenommen vrerden. Es ist nicht nur ein Geist, der sie in sich hat. §(enn je-
gegeben ist? \X/elche Merkmale besitzt dieses Etwas, das ich erfahre, wenn ich doch der Geist sich selbst erkennt, dann macht er keinen ,,IJmweg" über
,,ich" zu mir sage? Hat es leiblich-körperliche Eigenschaften, erq/a räumliche äußere Dinge, sondern er erkennt sich selbst unmittelbar, und zwar insofern,
Lokalität und Ausdehnung, Teilbarkeit und sinnliche \(ahrnehmbarkeit, als nur er selbst ausschließlich sich selbst erkennt. Einen solch unmittelbaren
oder besitzt es ein eigenes Wesen in sich? Läßt es sich mit Hilfe materiell- Zugang zu sich selbst hat nur er selbst, weil es ein und derselbe Geist ist, der
körperlicher Vorstellungen und Bilder erklären, so wie es nach Augustinus sich selbst gegenwärtig ist.
nicht wenige Menschen tun,2 weil sie alles Nicht-Körperliche für nicht exi- Im Hinblick auf die Frage, ob dieses in der Innenerfahrung gegebene
stierend halten,3 oder muß es unvoreingenommen als unkörperlich und irre- Selbst ein leiblich-körperliches Objekt ist, kann mit Augustinus darauf hin-
duzibel geistig anerkannt werden? gewiesen werden, daß uns alles sinnlich wahrnehmbare Körperliche als
lVie allgemein in seinem Werk plädiert Augustinus auch hier dafür, sich außerhalb unserer selbst gegeben ist und in Akten, in denen wir uns auf es
mit den Dingen selbst zu beschäftigen und ihren inneren Sinn, ihre Intelligi- hin transzendieren, wahrgenommen wird. Es besteht immer eine Distanz
bilität (rerwm ipsarwm intellectws) zu erfassen.a Dantlädt er den Leser seines zwischen dem wahrnehmendem Geist und körperlichen Sinnesobjekten. Ge-
'üTerkes ein. Er soll sich mit ihm auf die §Tahrheit der Dinge selbst richten, nau diese Distanz aber fehlt in der unmittelbaren Selbsterkenntnis des Gei-
d.h. auf den in der Innenerfahrung gegebenen Geist und ihn als solchen zu stes. Ja, auch dadurch, daß der Geist ausschließlich sich selbst in dieser un-
erkennen suchen. Dann ist Augustinus auch offen für Kritik und Korrektur; entrinnbaren §7eise gegenwärtig ist, zeigt sich seine Unkörperlichkeit; denn
hat er es doch lieber, im Sinne der §Tahrheit kritisiert, als von einem Irren- alles Körperliche ist öffentlich wahrnehmbar und kann auch nicht wahrge-
den oder Schmeichler gelobt zu werden.s nommen werden. Aufgrund seiner einzigartigen Selbstgegenwart ist und
Es ist gerade diese Methode der Innenerfahrung, die Augustinus dann in- bleibt der Geist aber nur privat, für sich selbst zugänglich. Nur er hat diese
haltlich zu Einsichten und Ergebnissen kommen läßt, die das Leib-Seele- Beziehung zu sich selbst, und das für immer, solange er Geist ist. Er kann da-
Problem in einer selten übertroffenen lWeise erhellen. Diese Einsichten, die her nicht körperlich sein. Dieses Argument aufgrund der unmittelbaren
gemeinhin als sein cogito-Argumenr für die Geistigkeit der Seele bezeichnet Selbstgegenwart des Geistes legt die Grundlage für weitere Argumente, die
werden, sollen hier in ihrer Differenziertheit und Komplementarität näher es, von verschiedenen lWeisen der Selbsterkenntnis ausgehend, noch tiefer
dargestellt werden. und umfassender begründen und so nach Augustinus den Geist schließlich
Augustinus geht von einem erstaunlichen Faktum der eigenen Innenerfah- als unkörperlich und als geistig erweisen.
rung aus. 'Wenn dem Geist gesagt wird: ,,Erkenne dich selbst", dann erkennt Eine §7eise, sich selbst zu erkennen, bezeichnet Augustinus als se cogitare.
er sich selbst in demselben Augenblick als denjenigen, der gemeint ist, und Damit meint er die Selbstreflexion. Augustinus staunt über die Kraft des
zwar deswegen, weil er sich selbst gegenwärtig ist.6 Diese unmittelbare Denkens (ois cogitationis), dtrch die der Geist sich selbst gewissermaßen in
Selbstgegenwart des Geistes wird von Augustinus immer wieder hervorge- sein eigenes Blickfeld stellt.8 §(/enn der Geist sich selbst erkennt, dann ist ein
hoben. Der Geist ist sich selbst nicht nur innerlicher gegenwärtig als alles und derselbe Geist gleichzeitig sowohl Subjekt als auch Objekt seines Er-
sinnlich \Tahrnehmbare, was eindeutig außerhalb seiner selbst ist, sondern er kennens: Ich als erkennendes Subjekt erkenne mich als erkanntes Objekt.
ist sich selbst auch noch unmittelbarer gegenwärtig, als ihm die gedanklichen Diese kognitive Dualität in ontologischer Identität arbeitet Augustinus wei-
Bilder und Vorstellungen gegenwärtig sind, die er sich von äußeren Dingen ter heraus, indem er sie sowohl mit der §fleise vergleicht, in der wir ähnlich
rcflexiv gegebene, sinnlich wahrnehmbare Objekte erkennen, als sie auch ge-
wissen kürperlichcn Rcflexionen gegenüberstellt.
2 De Trinitate I l,l
3 De Trinitate X 7,1A
a De TtinitateY 7,8
5 Dc I'rinitatc II, prooc.nr. ' l)r'litrttt,rtt \ 8.ll
t' l)c'lrinitatt X 9,1) tt I )t ll trttt,tt, \ I \' r'.ti
I
ll0 Ludger Hölscher Die Geistigkeit der Seele. Augustins Argumente in De Trinitate III

Venn zum Beispiel unsere leiblichen Augen sich selbst sehen, dann sind zweifelt, dann ist er sich absolut sicher, daß er selbst existierr und lebt, rl.rli c,
erkennendes Subjekt und erkanntes Objekt auch in diesem Fall identisch. in seinem Zweifeln denkt und Gewißheit haben will und daß er weiß, rl.rfl cr
Doch im Vergleich zvm se cogitare liegt ein entscheidender Unterschied vor: zweifelt und woran er zweifelt.la'§7enn er daher wirklich zweifelt, dann rnull
IJnsere Augen können sich selbst nicht sehen, außer wenn ihnen ein Spiegel dieses sichere \Tissen in seinem Zweifel enthalten sein. Anderenfalls würdc
gegenübersteht.e Man solle aber keineswegs meinen, so Augustinus, daß auch er nicht zweifeln. Ja, in seinem Zweifel sind sogar unendlich viele sichere Er-
der Geist sich selbst gleichsam wie in einem Spiegel erkennt.l0 Denn in Virk- kenntnisse enthalten. Denn wenn er sicher weiß, daß er in seinem Zweifeln
lichkeit sehe ich im Spiegel nicht meine Augen, sondern nur ihr Spiegelbild, existiert, lebt, denkt und all die anderen Akte vollzieht, dann weiß er genau-
das zudem noch seitenverkehrt ist und andere Proportionen haben kann als so sicher, daß er weiß, daß er dies weiß, und so weiter ad infinitum. Diese
die wirklichen Augen. Der Geist aber erkennt wirklich sich selbst und kein Unendlichkeit sicheren lWissens ist in seinem Zweifeln als solchem inbegrif-
Bild von sich. fen, ohne daß sie explizit erfaßt werden könnte oder müßte.1s
Überhaupt läßt sich die Sinneswahrnehmung nicht zur Erklärung der Auf der Grundlage dieser Gewißheit, die der Mensch von seiner eigenen
Selbstreflexion heranziehen. \[enn wir auf unseren Leib schauen, dann sehen Existenz hat, entwickelt Augustinus sein si falloa sum-Argvrnent, das viel-
die Augen immer nur einen Teil von ihm. Sie nehmen ihn nur unter einem leicht sein berühmtestes Argument für die Unkörperlichkeit des Geistes ge-
bestimmten Blickwinkel wahr und müssen sich räumlich bewegen, wenn sie worden ist.l6 Augustinus geht von zwei Prinzipien aus, auf denen das Argu-
ihn, soweit möglich, als ganzen sehen wollen.rr Aufgrund seiner unmittelba- ment beruht. Das eine Prinzip formuliert er in dem scheinbar tautologischen
ren Selbstgegenwart ist sich der Geist aber nicht unrer einem bestimmten Satz, daß der Geist sich gewiß ist, nur das zu sein, dessen er sich allein sicher
räurnlichen Aspekt gegeben, sondern er erkennt sich als garrzen, ohne sich ist, daß er es ist (idque solwm esse se certa sit qwod solum esse se certa est).
bewegen zu müssen. Er reflektierr unmittelbar über sich selbst. Dieses er- Dies bedeutet, daß der Geist nur das seinkann, über das er Gewißheit hat,
staunliche Über-sich-selbst-Reflektieren läßt sich körperlich nicht erklären. und nicht das, über das er bloß eine Meinung hat. Das zvreite Prinzip lautet:
§flenn etwa ein Stück Papier so gefaltet wird, daß es sich selbst berührt, dann Der Geist kann nicht das, was er selbst ist, so denken, wie er das denkt, was
,,reflektiert" immer nur ein Teil von ihm über einen anderen Teil. Es kann er selbst nicht ist ([neqweJ ita cogitaret id quod ipsa est qwemadmodwm cogi-
sich selbst nie vollständig gegenwärtig sein. Vielmehr verdoppelt es sich in- tat id quod ipsa non esr). Das heißt, daß der Geist nicht das seinkann, was er
sofern, als ein Teil einen and.eren berührt. Genau das aber geschieht nicht im auf andere \üeise denkt, als er sich selbst denkt. Da der Geist sich aber nicht
se cogitare. Es ist nicht ein Geist, der in sich ist und denkt, und ein anderer, sicher ist und zweifelt, ob er ein Körper oder ein leibliches Organ, erwa das
der sor ihm steht und gedacht wird,12 sondern es ist derselbe identische Gehirn, oder ein Aspekt des Leibes ist - eine Ungewißheit, die schon da-
Geist, der sowohl Subjekt als auch Objekt seiner Reflexion ist. Daraus ergibt durch angezeigt ist, daß jeder Geist sich and,ere Vorstellungen, Meinungen
sich nach Augustinus zwangsläufig, daß dieser in der Innenerfahrung gege- und Gedanken über sein eigenes \ü7esen macht, obwohl jeder doch ein Geist
bene Akt der Selbstreflexion nicht körperlich erklärt werden kann, sondern ist -, läßt sich auf die Unkörperlichkeit des Geistes aufgrund der beiden
eine incorporea conaersio ist.13 Kein Körper oder leibliches Organ könnte das Prinzipien wie folgt schließen:
vollziehende Subjekt dieses Aktes sein. 1) Da der Geist sich unbezweifelbar gewiß ist, daß er existiert, lebt, weiß
Eine weitere §7eise der Selbsterkenntnis, die nicht nur die Unkörperlich- usw, aber da er Zweifel hat, ob oder welch ein Körper er ist, kann er selbst
keit, sondern schließlich auch positiv die Geistigkeit des Geistes aufzeigen nicht körperlich sein; denn der Geist, der sich seiner selbst gewiß ist, kann
wird, behandelt Augustinus in seinem sog. si fallor, sum- Argument. Im Hin- nicht das sein, dessen er sich ungewiß ist.
blick auf die Tatsache, daß Menschen sich täuschen oder Zweifel haben kön- 2) Da der Geist, der, wie oben ausgeführt, sich selbst unmittelbar gegen-
nen, worin genau das körperliche oder unkörperliche .Vesen ihres Geistes wärtig ist, sich selbst daher auch auf eine unmittelbare §fleise denkt, während
besteht, weist Augustinus darauf hin, daß sie keinen Zweifel an der Erkennt- er sein vermeintlich körperliches §[esen als Objekt seines Nachdenkens und
nis ihrer eigenen Existenz haben können. Denn wenn jemand tatsächlich Überlegens denkt, kann er kein Körper sein; denn er kann nicht das sein, was
cr auf andcrc Weise dcnkt, als cr sich selbst denkt.
') De Trinitate X 9,12
ta De Trinitate X 3,5
1t Dc Trinitate XIV 6,8 rr 1)r"/irlrt,rtl X l0.l'l
r2 cbrl. t'' l)r'litttrt,rtr XV 1.,,-,1
It ,'lr,l. l'' Trrrrr l,'11',r'rr,ltrt lt, ltutrt.rl, \ l(),1(,
132 Ludger Hölscher Die Geistigkeit der Seele. Augustins Argumente rn De Trinitate 133

Aus der Selbst-Geroiflbeit und aus der Unmittelbarkeit der Selbst-Er- vit enim se qaa.erentem a.tque nescientem dwm se quaerit ut noverit).2r Mit
kenntnis schließt Augustinus somit auf die Unkörperlichkeit des Geistes. anderen'§Torten: Wenn ich mich zu erkennen suche, weiß ich bereits, daß icb
Oder anders gesagt: Der Geist besitzt eine Erkenntnis seiner selbst, die ihm derjenige bin, der sich noch nicht kennt. Ich bin mir selbst und niemand an-
nur im Hinblick auf sicb selbst und nicht auf irgendeinen Körper gegeben ist. derem als vollziehendem Suby'ekt meines Suchens bewußt. Ja, ich bin sowohl
Er selbst kann daher nicht körperlich sein. mir selbst als auch meinem Suchen bewußt. Ich habe ein Bewußtsein von mir
Jedoch läßt sich gegen dieses Argument nicht nur einwenden, daß es bloß als Subjekt und von dem, was ich bewußt vollziehe. Genau dieses Selbst-Be-
einen rein formalen Nachweis für die Unkörperlichkeit des Geistes zu er- wußtsein nennt Augustinus se zosse.
bringen scheint, ohne positiv dessen Geistigkeit zu begründen. Es läßt sich Im Unterschied zum se cogitare stellt sich der Geist im se nosse nicht aus-
vor allem aber auch der Einwand erheben, daß es viele Dinge in uns gibt, drücklich in sein eigenes Blickfeld. Er reflektiert nicht über sich und erkennt
über die wir uns nicht sicher sind, über die wir nur vage Meinungen und sich somit auch nicht als Objekt seines Reflektierens. Allein die Tatsache,
Vorstellungen haben, oder die allein Gott, der uns innerlicher ist als wir uns daß der Geist überhaupt einen bewußten Akt vollzieht, ermöglicht das
selbst,17 bekannt sind. Ja, unter dem Einfluß Kants könnte man die völlige Selbst-Bewußtsein im Sinne von se nosse. Denn gerade im und durch den
Unmöglichkeit der Erkenntnis unseres eigenen Selbst annehmen und be- Vollzug eines bewußten Aktes, wie immer er auch sein mag, bin ich mir
haupten, daß das, was ich in der Selbsterfahrung als mich selbst erkenne, ei- selbst als der ihn Vollziehende bewußt. Dieses Selbst-Bewußtsein ist absolut
ne ,,Erscheinung des inneren Sinnes" ist, während das wirkliche ,,transzen- sicher und unbezweifelbar. Ich kann mich darüber nicht täuschen. Selbst
dentale Ich" jenseits unserer Erfahrung unerkennbar ist.l8'§7arum sollten wir wenn ich unsicher wäre, ob ich mich über mich selbst täusche, und Zwerfel
uns angesichts dessen ausgerechnet der Unkörperlichkeit unseres Geistes so an meiner Selbsterkenntnis hätte, würde ich mir sicher sein, daß icb zweifle
gewiß sein? und unsicher bin. '§7enn ich wirklich zweifle, bin ich mir selbst als dem
Aus diesen Einwänden ergibt sich die Notwendigkeit, mit Augustinus auf Zweifelnden unbezweifelbar gewiß.22
eine Fähigkeit oder Eigenschaft des Geistes hinzuweisen, die schließlich auch Der Grund filr die Möglichkeit des se nosse liegt in der anfangs erwähnren
seine Geistigkeit erweisen wird. Dies führt uns zum Kern des Augustini- unmittelbaren Selbstgegenwart des Geistes. Man könnte sagen, das se nosse
schen Argumentes. §ü'ir sahen bereits, wie Augustinus das se cogitare, die zir die Selbstgegenwart des Geistes, insofern sie bewußt erfahren wird. Der
Selbstreflexion, als eine §üeise der Selbsterkenntnis kennzeichnet, in der der Geist ist sich seiner selbst unmittelbar bewußt. Daher fehlt dem se nosse jede
Geist Subjekt und direktes Objekt seines eigenen Erkennens ist. Eine andere kognitive Distanz zwischen erkennendem Subjekt und erkanntem Objekt -
§7eise der Selbsterkenntnis bezeichnet Augustinus als se nosse. Er meint da- eine Distanz, die in der Selbstreflexion gerade den ,,Raum" für mögliche
mit ein erkennendes Bewußtsein, das der Geist von sich selbst hat, auch Täuschungen der Selbsterkenntnis schafft. Das Bewußtsein von sich selbst
wenn er nicht reflexiv an sich denkt oder, wie Augustinus sagt, wenn er noch als vollziehendem Subjekt bewußter Akte begleitet so unmirtelbar den Voll-
auf der Suche nach sich ist. \ü7as liebt der Geist, so fragt sich Augustinus, zug dieser Akte, daß jede Täuschung unmöglich ist. Denn auch wenn ich
wenn er sich zu erkennen sucht, d.h. \,'enn er sich noch nicht kennt?le Die mich täuschte, wäre ich mir als demjenigen, der sich täuscht, bewußt: Si fal-
Tatsache, daß er das Verlangen nach Selbsterkenntnis hat, zeigt, daß er sich lor, swm.
bereits irgendwie kennen muß. Denn nichts könnte verlangend geliebt wer- Auch die oben genannten Einwände gegen dieses Augustinische Argument
den, wenn es nicht bekannt wäre.20 tüie aber kennt sich der Geist, wenn er lassen sich nun beantworten. Sie alle erweisen sich nämlich als gegenstands-
sich noch unbekannt und auf der Suche nach sich ist? los, wenn zwischen se cogitare und se nosse vnterschieden wird. Daß wir
Diese scheinbar widersprüchliche Fragestellung löst Augustinus durch den über viele Dinge in uns unsicher sind und sie nicht wirklich wissen oder daß
Hinweis auf das se nosse. Der Geist weiß, daß es kein anderer Geist ist, der nur Gott uns letztlich kennt - was zweifellos wahr ist -, hindert nichts an
sich zu erkennen sucht, sondern er selbst. Er erkennt sich selbst a/s den Su- der Tatsache, daß wir uns auf eine ganz andere \fleise unserer selbst gewiß
chenden und Nichtwissenden, wenn er sich sucht, um sich zv erkennen (no- sind: durch das se nosse. Denn diese Selbst-Gewißheit bleibt ganz unberührt
von jeder kognitiven Begrcnztheit und Unsicherheit der reflexiven Selbster-
kcnntnis. Iibcnso: Scll)st wcnn clas, was rnir nach Kant in clcr Innenerfahrung
t7 Confessiones lll 6
r8 I.K;rnt, Kritik dtr rrinrn VL,rnunft, A 199-41.)
1') l)r'l).initart X J,5 't l)r'littttt,rt, \ \.',
)" l)r'littrt,rtt X l,.l " Sr,'lr, Arrrrr l'l
134 Ludger Hölscher Die Geistigkeit der Seele. Augustins Argumente in De Trinitate 135

als ,,Ich" gegeben ist, eine Erscheinung und nicht das reale ,,transzendentale durch mein Leibgefrihl. Im lJnterschied zum se nosse besteht dieses Leibge-
Ich" wäre, so wäre ich mir durch das se nosse als demjenigen bewußt, der fühl jedoch nicht nur aus unzähligen Empfindungen der einzelnen Glieder
diese Erscheinung hat. Ich wäre mir selbst als realem Subiekt dieser Erschei- des Leibes, die ich zudem noch jeweils als ,,im" Leib räumlich lokalisiert er-
nung bewußt. Ohne real DJ sein, könnte rnir nichts erscheinen; und ohne fahre, sondern für einzelne Organe des Leibes ist diese Innenerfahrung gar
gleichzeitig von meinem realen Selbst als dem Subjekt zu wissen, das die Er- nicht möglich. Gerade das Gehirn mit seinen Milliarden von Zellen und
scheinung hat, könnte ich von meiner Erscheinung nichts wissen. Ein solcher Synapsen, das zumeist für den Geist oder den ,,Grund" des Geistes gehalten
Kantscher Einwand würde somit die Selbst-Gewißheit nicht nur nicht auf- wird, ist für mich von innen nicht erfahrbar, sondern nur durch äußere For-
heben, sondern sie im Gegenteil noch tiefer begründen. schung, die ich allerdings auch nie an mir selbst durchführe. Mein Vissen,
Dieses einzigartige se nosse, durch das sich der Geist seiner selbst unmit- ein so unvorstellbar komplexes Gehirn zu haben, besitze ich nicht aus inne-
telbar und mit unbezweifelbarer Gewißheit bewußt ist, liegt Augustins sl rer Leiberfahrung, sondern, wenn überhaupt, aus dem Glauben an die Zu-
fallor, swm-Argument zugrunde. §flie wir sahen, gelangt Augustinus auf- verlässigkeit wissenschaftlicher Forschung.
grund zweier Merkmale des Geistes zu der Erkenntnis, daß er rnit keinern Daher kann das, was ich unmittelbar im se nosse erfahre, kein leibliches
Körper identisch sein kann: aufgrund seiner Selbst-Gewillheit und aufgrund Organ sein. Es kann weder eines der vielen Leibesglieder sein, die ich als im
seiner unmittelbaren Selbst-Erkenntnis. Beides ergibt sich, wie wir jetzt se- Leib lokalisiert erfahre, noch eines von den Organen, die meiner Leiberfah-
hen, aus seiner Fähigkeit zum se nosse. Daraus kann Augustinus den Schluß rung unzugänglich sind. Durch das se nosse erfahre ich somit meinen Geisr,
ziehen, daß der Geist nur das sein kann, was ihm unmittelbar und mit Ge- der kein Körper oder Teil meines Leibes ist. Zwar sind manche Organe, vor
wißheit als er selbst gegeben ist, und nicht das, dessen er sich ungewiß ist allem das Gehirn, notwendige leibliche Voraussetzungen für meinen Geist,
und das er auf andere tifleise denkt, als er sich selbst denkt. Genau das aber insofern als ihre Erkrankung oder Verletzung mich geistig einschränken
wäre der Fall, würde er sich als einen Körper denken. Anders ausgedrückt: würde. Aber identisch mit dem Geist sind sie dadurch nicht.
Veil der Geist ein unmittelbares und ein sicheres Selbst-Bewußtsein (se zos- Das se zosse erweist aber nicht nur die Unkörperlichkeit des Geistes. Es
se) besitzt, kann er selbst nicht körperlich sein. Der Geist möge daher, so eröffnet vor allem auch ein positives Verständnis für das \flesen des Geistes.
Augustinus in einem anderen \üerk, den Verdacht fallen lassen, ein Körper Denn im se nosse ist mir ein Subjekt gegeben, das bewul3t, ja das selbst-be-
zu sein; denn wenn er einer wäre, würde er sich auch als solchen erkennen wußt ist. Es besitzt eine ,,Eigenschaft", die einzigartig und irreduzibel ist und
(desinat Tnens suspicari se esse corPus, quia, si aliquid tale esset, talem se nos- die ich nur in mir selbst unmittelbar erfahre: (Selbst)-Bewußtsein. Genau
'lü-äre
set).23 das, dessen ich mir im se nosse als ,,Ich" bewußt bin, ein körper- dies kennzeichnet meinen Geist als geistig - ein Begriff, dessen Bedeutung
liches Organ, etwa mein Gehirn, so müßte ich diesem Organ a/s dem voll- nicht durch materiell-körperliche Vorstellungen und Erklärungen zu fassen
ziehenden Subjekt meiner bewußten Akte bewußt sein. Ich müßte rnein ist, sondern allein durch die eigene Innenerfahrung, die Augustinus sich zur
Gehirn nicht als Objekt meines'§flissens und Forschens kennen, sondern in Methode gemacht hat. Im se nosse erfahre ich mich darüber hinaus auch als
einem unmittelbaren und einem sicheren Bewußtsein von ihm. ein reales Subjekt, das seine bewul3ten Akte vollzieht und ,,trägt" .Ich bin
Vie unmöglich dies ist, geht auch aus der Tatsache hervor, daß ich meinen mir sowohl meiner selbst als auch der von mir vollzogenen Akte bewußt.
Leib ganz anders erfahre, als ich mir selbst im se nosse gegeben bin. Augusti- Damit erfahre ich mich selbst als eine bewußt-geistige Substanz (substantia
nus weist in verschiedenen lVerken auf die besondere innere Leiberfahrung spiritalis).25
hin, die er als sentire in corpore bezeichnet.2a Zum besseren Verständnis des Ohne hier näher auf Augustins Substanzbegriff und auf die besondere Be-
Augustinischen Argumentes sei dieser Gedankengang hier erwähnt, auch ziehung von geistiger Substanz, Bewul3tsein und bewußten Akten eingehen
wenn er nicht explizit in De Trinitate enthalten, aber eindeutig impliziert ist. zu können, sei noch das Folgende erwähnt, das zum Teil über De Trinitate
Der Mensch erfährt seinen Körper nicht nur von außen, d.h. als Objekt hinausgeht.r6 Nach Augustinus ist sich der Geist seiner selbst nicht nur im
der Sinneswahrnehmung und empirischen Forschung, sondern auch von in- Vollzug seiner bewußten Akte bewußt. Er steht auch in einer beständigen
nen als seinen Leib. Ich empfinde meinen Leib und seine Glieder innerlich

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1,36 Ludger Hölscher

kognitiven Beziehung zu sich selbst, die, unabhängig von seinen Akten, in Volher Henning Drecoll
einer un- oder unterbewußten Dimension seiner selbst vollzogen wird. Da-
her ist er sich dieser Selbst-Beziehung nicht durch sein Aktbewußtsein be-
wußt. Augustinus bezeichnet sie als die memoria swi des Geistes.2T Durch sie
M ens - notitia - amor
erweist sich der Geist auch als eine identische, in der Zeit andauernde Sub- Gnadenlehre und Trinitätslehre in
stanz; denn die memoria swi gehört zum Geist, solange er Geist ist.
Das Substanzsein des Geistes darf daniber hinaus weder zu einer Abwer-
De Trinitate IX
tung des Leibes noch zu einer Spaltung des einen, atts Geist und Leib beste-
henden Menschen führen. Für Augustinus gilt im Gegenteil: Geist und Leib und in De peccatorum meritis et remissione/
sind als verschiedene Substanzen so aufeinander bezogen, daß der Leib teil- De spiritu et littera
hat an dem Wert und der \Würde des Geistes und diese zum Ausdruck
bringt.28 Diese Bezogenheit sowie vielfältige Beziehungen zwischen Geist
und Leib, die als solche ihre Verschiedenheit voraussetzen, wie die erwähnte
Erfahrung des Leibes von innen oder die Fähigkeit des Geistes, durch ver- Die folgenden Ausführungen haben sich zum Ziel gesetzt, dem Profil von
schiedenartige leibliche Organe sinnlich wahrzunehmen oder auch eigene Augustins Trinitätslehre in De Trin. IX dadurch näher zu kommen, daß die
geistige Vorgänge in den Augen oder im Gesicht auszudrücken, deuten hin Aussagen von De Trin. lX in Beziehung gesetzt werden zu zwei gnaden-
auf die einzigartige leib-geistige Einheit des Menschen. Gerade weil und in- theologischen Schriften, die zeitlich in der Nähe der Entstehung von Buch
sofern Geist und Leib verschieden sind, begründen sie diese Einheit, die der IX anzusiedeln sind1.
Mensch ist. Wie sie aber miteinander verbunden sind und worin das ,,Band"
ihrer Einheit besteht, bleibt letztlich für uns eine Aporie, ein Geheimnis. Vie
vergleichbar ähnliche ,,Einheiten", etwa das ,,Eins-Sein" zweier voneinander
verschiedener Menschen in der Liebe oder die tWesenseinheit der drei gönli- I. Die Einheit der Trinität in De Trinitdte lX
chen Personen, im Grunde nur in ihrer Tatsächlichkeit, nicht in ihrem ge-
nauen ,,'Wie" von uns zu verstehen sind, so auch die leib-geistige Einheit des Vor nunmehr über Z0 Jahren veröffentlichte Michael Schmaus sein Werk
Menschen. Gerade darin aber besteht der Mensch, wie Augustinus sagt: ,,Die über die ,,psychologische Trinitätslehre"2 Augustins. Dieser Begriff ist inso-
'§7eise,
in der ein Geist mit einem Körper vereint ist und zu einem Lebewe- fern problematisch, als er nahelegt, daß Augustin von der Betrachtung des
sen wird, ist ganz und gar wunderbar und kann vom Menschen nicht begrif- menschlichen Verstandes auf die Trinität schließt. Eine Art Induktion, deren
fen werden - aber das ist gerade der Mensch." 2e Ergebnis darin bestünde, daß die Trinität so strukturiert ist wie die mensch-
liche Seele, ist natürlich gar nicht das Anliegen Augustinsr.
Aber immerhin beginnt Augustin Buch IX damit, daß er als Gegenstand
der Untersuchung, als Ziel seines qwaerere, die göttliche trinitas nennt
(IX,l/l{)4, dann aber nach einer Einleitung (IX,1/57: quae cwm ita sint) mit
der imago beginnt, mit dem Bild des menschlichen Inneren. Dabei scheint

I Zur Entstehungszeit von De Trin.lX vgl. A. Schindler, Wort und Analogie in Augustins Tri-
nitätslebre, BHTh 4, Tübingen 1965,91.
r M. Schmaus, Die psycbologische Trinitätslebre des bl. Augustinus, MBTh 11, Münster 1927,der
cbd. lsS dcn zweiten Tcil seincr lJntcrsuchung ur.rter die Überschrift ,,Analogische Erklärung
des l)ogmas nrit Hilfc tlcr I)sychologic" stellt.
' Vgl. Schindlt'r, (wic Arrrrr. l) lli4l, rlcr hcrv«rrhcbt, wic st.rrk dic'Irinitätslchrc dic psychologi-
27 De Trinitate XIV 6,8; XIV 10,13. sclrcn ArrsIiilrr rnrgcrr grr.rgl (rrrr,l rrit lrt rrrrrgt.kclrrt).
28 De Cioitate Dei | 13 XXII 24; De Cura pro Mortuis Cercnda III 5. 't'/.iti<'rtw.t,l,rt,l.rtllu, lr rrrrtr,,rrrrs, lr,rZillosowictliclorrrisclrcK.rpitclz,ilrlungM«rrrrrt.rirrs,
)" Dc Ciuitatc 1)ei XXI Z: ,,nrodus, quo corporibus;rdlracrcnt spirittrs ct;rnirrrrrli,r firnrt, r'nnrirr,, tlic.rrrr l(.rrt,l stcltt tttrrl t,.,,1,,1,, tr,lr rli, 7r'iltrrz.ilrlrrrrl', rirlrtct. Arrl,.rlrcrr n,r,lr rlt.rrr Srlr.rgs
rrrirtts <'st n.', ,',,,t1tr,'lt.'rt.li.r[, lr,,rrrirrc [)()(csl, (l lt,,, i1rs,'ltottto t's1." tri, lr / sirr,l 7, r1, i,,,,,1',,1,,,,
138 Volker Henning Drecoll Gnadenlehre und Trinitätslehre in De Trinitate IX 139

der Ausdruck nondum de swpernis loqwimwr/ ,,noch sprechen wir nicht über to ist (IX,4/27-32); dieser allgemeinere Gebrauch von substantia meint den
den oberen Bereich" (IX,1/58) zu verraten, daß die Betrachtung der mensch- Aspekt, daß etwas ad se dicitwrT. Der herangezogene Vergleich ,,wie zwei
lichen mens nlrr eine Art Vorstufe ist für die Aussagen über die Trinität. Al- Freunde", die ja doch zwei Menschen, also zwei substantiae und trotzdem
lerdings verrät der Begriff imago gleichzeitig, daß die göttliche Trinität nicht als Freunde relational aufeinander bezogen sind (IX,4/42-44), wird unmit-
hergeleitet wird, sondern bestimmte Aspekte in ihr plausibel gemacht wer- telbar nach der Einführung wieder kritisiert und zurückgenommen
den sollen. Daß Gott als Trinität zu beschreiben ist, wird dabei von vornher- (IX,4/49-57)8. Mit der Dreiheit mens - anlor * notitia ist dieser Vergleich der
ein vorausgesetzt (vgl. IX,1/33-38).Dazu paßt etwa die Frage, mit der Au- Trinität mit mehreren Menschen ganz unvereinbar.
gustin seine eigenen Ausführungen dazu, daß mens und amor beide ein Geist Denn Augustin zielt ja gerade darauf, einen Vergleich anzuführen, in dem
seien, unterbricht: Vbi ergo trinitasl - ,,\7o ist denn jetzt die tinität?" Das jede Komponente als toturn, als vollständig, ganz, anzusehen ist. Gerade da-
klingt, als wollte Augustin die Zwischenfrage seines Lesers vorwegnehmen zu ist der Vergleich mit dem menschlichen Verstand, der sich selbst kennt
und ihn darauf vertrösten, daß sich das, was trinitätstheologisch relevant ist, und liebt, geeignet. Eine Aufteilung der menschlichen mens wird abgelehnt
gleich herausstellen wird. Bevor er dann fortfährt, fordert er auf, Gott als lwx (IX,4/64-71). Vielmehr ist die mens, wenn sie sich perfekt, also ganz kennr,
s e mp it ern a anzurufen (IX,2 / 4 I 43). Der gläubi gen Voraussetzung entspricht in ihrer Gänze notitid, und wenn sie sich perfekt liebt, ebenfalis in ihrer Gän-
die Gebetshaltung bei der lJntersuchung. ze antor (IX,4/71-74). Es handelt sich also nicht um eine Mischung(com-
Die ,,Abbildhaftigkeit" sowie die glaubige Vorausserzung, daß Gott als mixtio IX,4/82.87) im Sinne einer xgd.org, bei der die verschiedenen swbstan-
Trinität zu beschreiben ist, gehen in dem Begriff ,,psychologische Trinitäts- tiae erhalten bleibene, sondern um die Einheit von dreien derselben essentia.
lehre" unter5. Der Begriff ,,psychologische Trinitärslehre" legt darüber hin- Diese Einheit läßt sich auch nicht mit der Einheit von drei goldenen Ringen
aus nahe, daß in Augustins Trinitätslehre die Einheir stärker betont wird als als Identität des Materials vergleichen (IX,4/89-96)r0. Vielmehr kommt keine
die Vielheit6. Dies scheint sich in De Trin.IX zunächst zu bestätigen; schließ- commixtio in Frage, die zu einem confwndere führt (also einer oülXuolg)lr
lich gipfelt die Betrachtung der menschlichen rnens in der folgenden Aussa- (IX,S/2f), andererseits sind diese drei untrennbar wna swbstantia wel essentia
ge: ,,Auf eine geheimnisvolle \ü/eise sind daher diese drei voneinander un- (rx,s/30)12.
trennbar, und dennoch ist ein jedes von ihnen Substanz, und zugleich sind Dieser summarische Blick auf De Trin. IX führt vorerst zu einem doppel-
alle eine Substanz bzw ein §üesen, wenn sie auch wechselseitig relational ten Ergebnis: a) Die Betrachtung der menschlichen mens (denn diese wird ja
ausgesagt werden" (IX,5 / 28-3 l). quasi für sich, im exemplarischen Singular betrachtet) scheint die Betonung
Zwar wird nicht ausdrücklich gesagr, daß dieser Satz auch von der Trinität der Einheit stärker als die der Dreiheit zu begünstigen. Und b) scheint die
gilt (mit ista sind ruens, notitia und amor gemeint, was Augustin auch als tri- Betonung der Einheit zu der berühmten Formulierung aus Buch I zu passen,
nitas bezeichnet, vgl. lX,5/2), und dies wird erst recht nicht als Analogie
oder gar als Schluß logisch eingeordnet, doch läßt sich der Satz ohne die ge-
Ygl. De Trin.Y,6/44: Quidquid autem ad se dictur secwndum substantiam dicitwr;vgl. De Trin.
ringste Veränderung auf die Trinität anwenden, ja er fordert durch die Be- V,8/l-3. Vgl. Schmaus, (wie Anm. 2) 256.Daß die Verwendung des Begriffes substantia nur
grifflichkeit ein trinitätstheologisches Verständnis geradent heraus. Aussagen als Abgrenzung gegen ein Verständnis als Akzidentien verständlich ist, zeigt sich an den Pro-
wie die zitierte sind transparent: In der Betrachtung der imago erscheint das blemen, die Augustin mit der Anwendung des Begriffes ündotuorg auf die Personen der Tri-
nität hat, vgl. De Trin. Y,8/43-51;YlI,6/l-6.
Urbild, ohne daß die Relation zwischen Urbild und Abbild genauer be- Zu vergleichen ist die Anführung des Beispiels von drei Menschen (Abraham, Isaak und Ja-
schrieben wird. kob), bei der Augustin die Gefahr eines ,,Polytheismus" (entsprechend zu drei Pferden u.ä.
Der zitierte Satz legt den Akzent auf die unrrennbare Einheit. Zwar be- müßte man von rres essentiae sprechen) bemerkt; De Trin.YlI,4/99-106. Eine Auffassung der
göttlichen essentia als Gattungsbegrifl (species) scheidet daher aus, vgl. De Trin.
schreibt Augustin auch, inwiefern die drei Größen eine gewisse ontologische VII,6/55-60.102-105. Für Basilius von Cäsarea und Gregor von Nyssa war dagegen die Iden-
Eigenständigkeit haben, und dazu bezeichnet er sogar amor :und notitia je- tität der oÜoln bei gleichzeitiger Differenz als tl6otootE besonders gut am Beispiel der drei
weils als swbstantia (IX,4/38f), doch ist diese Anwendung des substantia-Be- Menschen zu verdeutlichen, vgl. Basilius, Adoersus Eunomiwmll,4/3-5; epistula 214,4/9-15
(Courtonne); epistula 38,2/5-21 (Patrucco); Gregor von Nyssa, Ex commwnibus notionibus
griffs abhängig von der Ablehnung als ,,Akzidens", als erwas, was in swbiec- 2l/2-10.1)as Flrrtschcidcndc anr Vcrglcich mit dcn Frcundcn ist also die imBegrrff amicuslie-
gcn<1c Ilcl.rtiorr, v gl. I ) t l't i n.Y ll,6/9-1 5.
Vgl. SVIrll,4Tl 47\; l5l/ll -l1.ll l'):154/19-22.
5 Vgl. zur Abbildhaftigkeit aber Schmaus, (wic Anm. 2) 399. Vgl. /)r' Iiitt. Yll,6/ /(, /').')8 lo).
(' Vgl. Schmaus, (wic Anm.2) lOl:,,Deutlich stcllt cr irr rlic I{cilrc jtrrcr Vgl. SVIrll,4/l .l/ l. l"l/.'t .)'): l5t/lt) l5.l/5i l\l/l\ l/.
lscil. Augustirrlsich
'l'hcologcn, rlic tlcrr [ [rrupttorr .rrrf dic I.]irrlrcit «lcs g,irrliclrcn \,)Ucst,rrs l,.g..rr" ; vgl. .rrrt lr 1051. Zttrrr N,lr,rr,ur.urrl(r \.n ttrl,tl,rttlt,r lln{l r'\\r'rl//,r t'y,|. l)r'littt V,Ul4ll.1 / ,t')
r40 Volker Henning Drecoll Gnadenlehre und Trinitätslehre ir.r De Trinitate IX l4t
derzufolge die Personen der tinität nach außen hin untrennbar wirken mente zu bezeichnen, geht wohl etwas zu weit, denn Augustin hat sie zu ei-
(I,4/4*6.2214)13. nem guten Teil wohl selbst formuliert16. Dabei handelt es sich a) um Argu-
Daß beide Beobachtungen die Trinitätslehre Augustins noch nicht hinrei- mente, die als direkte Aussage der Gegner zitiert werden (L9;22-23;25-27;
chend erfassen, läl3t sich auf der Grundlage der Heranziehung von zwei gna- 29;30-33, fiktiv: 7b; 8b; 18), b) um zusammenfassende \fliedergaben von
dentheologischen Schriften auch anhand von De Trin. IX zeigen. gegnerischen Argumenten oder Intentionen (3-6; 9a-d; 10; lla; 12, 13a;
16-17; 18a; 20-21; 27b; 29), c) um \Wiedergaben der gegnerischen Exegese
(l_2;7-8;11; 15;2S), d) um ein gegnerisches Argument, das nur aus Augu-
stins \Tiderlegung erschlossen werden kann (4a; l2a-b;14;17a;20a) oder e)
II. Die lJnterschiede in der trinitätstheologischen um eine gegnerische Exegese, die nur aus Augustins \Widerlegung erschlos-
sen werden kann (1a-b; 8a; 13; 2la;22a;23a;24;24a;27a;30a).
Akzentuierung zwischen De peccatorunT meritis et Pecc.mer. ist nach der Abreise Augustins aus Karthago Herbst 411 und vor
remissione und De spiritw et littera 14 Sommer 413 verfaßt und evtl. danach noch leicht verbessert worden. Zwi-
'§finte
schen r 412 und Sommer 41.3 rst pecc.mer III entstandenlT.
Entscheidender Grund für die Heranziehung der beiden gnadentheologi-
schen Schriften ist neben der zeitlichen Nähe zu De Trin.IX die Beobach- fin le Syrien et [e Liber de fide, Augustiniana 22 (1972), 531-539, hier: 5:6i.5]8f. Ztr Zu-
schreibung des liber de fide an einen Rufin übcrhaupt'rgl. Rufini Presbyteri Liber d.e Fide. A
tung, daß sich beide Schriften gerade in ihrer trinitätstheologischen Ausrich-
Critical Text and Translation u'itb Introdwction and Comme ntary by Mary §Tilliam Miller, Pa-
tung beachtlich unterscheiden. tristic Studies 96, Washington D.C. 1964,Introduction 1 mit Anm.4-7 (und das Foto vor S.1).
Die Schrift pecc.mer. ist auf eine Anfrage des Marcellinus hin entstanden r6 Zusammenstellung bei §Termelinger, (wie Anm.15) 286-289 (= Anhang I). Zu ergänzen sind
und setzt sich mit Argumenten auseinander, die teils mündlicher Diskussion, folgende Argumente (Numerierung ergänzend zur Zählung Vermerlingers): Buch I: 1,a:7/4-7
(Kol 3,5) - lb 7 / lO( Qtropter peccaturr in Röm I,lA = fi Peccdtum non fiar) - 4a 20/22 (parvw-
teils aus mindestens zwei Schriften entstammenls. Diese Argumente als Frag- /i ohne Taufe werden nicht in damnatione sein) - 7a: 24/21t (Lk 5,32 bezieht sich nicht auf die
parauli) - 8a:26/9-14 (Joh 6,54 bezieht sich nicht auf die parauli) - 8b:27/l0l (infantes sind
weder ungläubig noch können sie glauben) - 9a, 9b, 9c,9d: 29/18-20 31/10-12.15f;32/8-ll
rr Unmittelbar neben dieser Formulierung gibt Augustin Beispiele für Appropriationen: die (Scelen haben in caelesti babitatione gcsündigt) - 11a: f5 / lO (regnurn dei kann den parvuli nur
Stimme aus dem Himmel bei de r Taufe Jesu wird dem Vater zugeschrieben (I,4/18f), die Tau- dtrrch die Taufe gewährt werden) - 12a: 42/2543/1 (gratia Christi isr nicht nötig, um aus dem
be dagegen dem Geist, der auch bei Pfingsten als handelnder aufgefaßt wird (I,4/14-18), die corpils mortis befreit zu werden) - 1,2b:43/4-6 (Christus hätte inkarniert werden müssen, auch
Geburt, Kreuz und Auferstehung werden Jesus Christus zugcschrieben (I,4/11-14) und nicht wenn die Menschcn mcht in carne peccdti geboren wären) - 13a:54/ll-lJ Qtaruuli haben eine
der ganzen Trinität. De Trin. I,4 ist also kein Beleg daflir, daß die Unterschiede der Personen medietas quasi als meritum innocentiae, deretwegen sie im ewigen Leben sind) - 17 ist zu er-
beim heilsgeschichtlichen Handeln Gottes gar keine Rolle spielen. weitern auf 64/24-65/15 - 17a: (,6/14 (redimerc in der Taufe ist(ür dte parr.,u/i nötig wegen der
1{ Stellen pecc.mer. rnd spir. et litt. werden nur mit Seiten- und Zeilenzahl (Zeilenzahlen nach eigenen Sünden); Buch II: llt:72/7-10 (Betonung des liberurn arbitrium, keine göttliche Hilfe
^ns
denr Schrägstrich /) nach CSEL 60 angegeben. Fljr s.293-294 wurden die Zeilen in den Mig- nötig ad non pe ccandutn); - 2Oa.76/20-23 (Geständnis, rricht bzw. nicht volle ,ustitia z:uh^be\
nespalten durchnumeriert. sie aber von sich, nicht vom Schöpfer zu haben); - 2la: 79/ 16-19 ( 1.Joh 3,9); - 22a: 83/91 (l loh
15 Augustin nennt 3,9); - 2)a:85/5f und 89/l-5 (Hiob 1,1.8 vgl. s9/7-9); - 24a: 9l/20-22 (Lk 1,6 als Beleg für Text
?ecc.mer. 64/l4f einen libellus breorssirnus und 64/22{ das Buch eines anderen
Gegners. Ep.175,5;661/9undgr.etPecc.or.lI,19,21,;181/lTbelegenzwareinenlibellusdesCae- 24; vgl. auch 92/18); - 27a:97/21-98/1(Ps 98,6f als Beleg für Moses, Aaron und Samuel als Ge-
lestius, doch reicht das zur Identifikation mit dem rnpecc.mer genannten Buch nicht aus. Die rechte); - 27b: 100/1,8f (Bemühen, erwas Gutes in nostra aoluntate zu finde n) - 30a: 1 1311 1-15
Nälre der in pecc.mer. widerlegten Argumenre z.:m liier de fid.i eines Rufin ist sachlicher Art, (Röm 5,16.18 spricht gegen Augustins Interpretation von l.Kor 7,14).
zeigt aber keine literarische Abhängigkeit; vgl. A. Zumkeller, ALG I,36f; O. \ü/ermelinger, Äozn ti \n ep.139 spricht Augustin dirvon, daß er Marcellinus die Bücher I-II bereits zugesandt habe,
nnd Pelagius. Die tbeologiscbe Position d.er römischen Brscböfe im Pelagianischen Streit sie aber zurückgenommen und den Grund da{ür vergessen habe (ep.139,3;152/5-7). Außerdem
411432, Päpste und Papsttum 7, Stuttgart 1975, 14. §üörtliche Nähe besteht nur zwischen erwähnt er einen anzufügenden Brief, den er bei einem Karthagoaufenthalt (cum ibi essem)be-
pecc.mer. 22/13-18 und liber de fide a0, 11,4/23-27; vgl. dazu V. Dunphy, Rufinus the Syrian's gonnen, aber noch nicht voliendet habe. Dieser Brief ist wohl pecc.mer. III (das Argument aus
,,Books", Ailgustiniinum 23 (1983), 523-529, hier: 524 Anm.8; als begrifflicher Unterschied Pelagius' Römerbriefauslegungin pecc.mer.lll,2;129/18-22 entspricht der Aussage des Ankla-
fnllt au{, daß Rufin von liberiund infantes, nicht aber von paruili spricht. Zur Datierung des /i gelibells gegen Cälestius, derzufolge Adams Fall genausowenig der ganzen Menschheit schade-
ber de fide vgl. G. Bonner, Rufinus of Syria and African Pelagianism, Augu.stinian Studies I re wie Christi Krcuz und Auferstehung der ganzen Menschheit, also auch den Ungläubigen,
(1970),3147 [auch in: Ders.: Godt Decree and Man's Destiny. Studies on tbe Thought of Au- nutzt). Somit ergibt sich folgende Reihcnfolge: schriftliche Anfrage dcs Marcellinus (pecc.mer.
gustine of Hippo, London 1987, Nr.X], hier: 38f. Im Anschluß an Marius Mercator sollte der .1/l lf) - Entstchung von lrccc.n('r. I-lI und Übcrsendung an Marcellinus - Zurücknehmen dcr
Verfasser des liber d.e fide (awh zur Unterscheidung von Rufin von Aquileja) Rufin dcr Syrer Biir'hrr, IlcgrnrrrlcrArlrcit itrl,(((.,n(r. IIIinKrrrthago-Alrrcisc:rusKarthrgo-ep.139.D'a,es
genannt werden (vgl. G. Bonner, Augustine and Modern Researcb on Pelagianisn Thc Saint rrrrw.rlrrs, lrt.irrli, lrrst,tl.rl(ArrllrrstirrltL<.rtt'r'. lll nrx'h4lltrt'gonrrcrrlrr(,kottrtnt.rttrchtstett
Augustine Lecture 1970, Villanova 1972 [auch in: Ders.: God's Deoee and l'ldn's Dtstiny. Stu- rlo K.rrtlr,rli,',rrrl,rrrlr.rlt I rr,lr' ,ll.'/Anl.rrrg'l ll irt lir,rgc (vgl. t). ItcrIr turrl f. 1,. M.ricr, /.r's
dies on thc Tbougbt of Augustirtc of Hippo, London 1987, Nr.Xll, l9-23); cinc Idcntifizit'rurrg Ii,y,r,r,r', tlr' vttrrt ltrltrt!rr, l'.u r', l()('r), 'l\.1 ,l(,2; ,lcttttt.r. lr sirril lrrr rlic l,tlrrr'4 I I 4 I I <lrt i K.rrt
rnit rlcn vorr Llicronyrrtts gcn:ulntcl) Pcrsonen nltrtcns Rrrfin ist unsich('r, vgl. I l. l{orrrltt, l(tr lr.r1',,,.rrrl, rrtlr.rlt,' .urlru lrrrr, rr I l\l.rrllrrrrr ( )1,t,,1,. r/N,,v, tttl,, t 'l I l, ,'. I lcr lrst/l )r'zt rrrlrclI l,)
142 Volker Henning Drecoll Gnadenlehre und Trinitätslehre in De Trinitate IX 143

Das besondere Profil der Gnadenlehre von pecc.mer. ergibt sich aus der in einer gewissen Neutralität auf die \üelt kommen. Als Gegenargument ver-
Adam-Christus-Typologie, die Augustin aus Röm 5 aufgreift. Dabei wählt weist Augustin auf Joh 6,54 und Joh 3,35f, wodurch er deutlich macht, daß
Augustin nicht von sich aus Röm 5,12, vielmehr setzt er sich mit einem be- das Leben nur über Christus zugänglich ist (26/23-27 /a). Ein neutraler, dritter
reits existierenden Argument auseinander, das ihm Marcellinus mitgeteilt hat. Ort (vgl. mediws locus 54/8) zwischen 'uita aeterna und Zorn Gottes ist nicht
Die Adam-Christus-Typologie spricht diesen Gegnern zufolge (conari eos anzunehmen. Auch die infantes bleiben (vgl. manet in Joh 3,36) unter dem
10/10) dafür, daß mit dem Tod in Röm 5,12 der geistige Tod gemeint ist, der Zorn Gottes (27/22-25). Von diesem Zornbefreit entsprechend Röm 7,25 nur
durch Nachahmung zustandekommt (10/13-16). Dem stellt Augustin seine die christologisch verstandene gratia dei (27/25f). Erlösung ist nur über Chri-
Erbsündenlehre und die Christologie gegenüber. §(ie Adam d.llch die pro- stus mögiich, und zwar wegen dessen Inkarnation (54/15-25). Er ist der ein-
pa.gatio auf verborgene Veise die Sündigkeit der Nachfahren bewirkt zige mediator, der durch die una gratia die Versöhnung mit Gott vermitteln
(11/l-3 vgl. 13/5-7)18, so ist Christus tätig: er bewirkt die illuminatio und kann (55 / I 6-20). Diese christolo gische Akzentuierung des Gnadengeschehens
iwstificatio (11/9f) und gibt ebenfalls im Verborgenen (latenter, occwltissima) greift Augustin besonders bei der Auslegung des Nikodemusgespräches auf
die Gnade, die als gratia spiritus zu verstehen ist (11./15-17). Christus gibt (57/6-63/25).Dieregeneratio spiritalis ist nur durch Christus möglich, genau-
(dat) die Gnade und flößt sie ein (inJ'wndit). Die Gnade steht an der Stelle, an er über das descendere - ascendere desselben. Gemeint ist die Inkarnation, die
der in der Sündenlehre die ebenfalls verborgene tabes der carnalis concupis- als Herabsteigen Christi und so als Teilhabe des Fleisches an der diainitas im
centiasteht(ll/l9f). Der Genitiv spiritws bei der'Wendung spiritus gratiaeist Himmel zu verstehen ist (60121-61/S). Die Menschen, die mit dem Inkarnier-
als genitivus explicativus zu verstehen: Die Gnade besteht im Geist Christi. ten unus Christus werden, steigen mit ihm auf (61/8-16).
Pneumatologische Aussagen dienen dazu, das präsentisch und innerlich-ver- Zu dieser Argumentation über die Inkarnation tritt von Joh 3,14f her das
borgene Handeln Christi auszudrücken. Die Rechtfertigungin Cbristo wird Argument des Todes Christi, mit dem Christus eine poena sine cwlpa erlitt,
so beschrieben als occuba commwnicatio et inspiratio gratiae spiritalis wodurch Schuld und Strafe aufgelöst v/erden (62/7-10). Derjenige, der der
(12/l9f). Tragendes Gerüst der Gnadenlehre ist die Christologie. similitudo mortis Cbristi gleichförmig wird, und zwar per fidem baptismum-
Dies zeigt sich auch an der fortlaufenden Erklärung von Röm 5,13-21 qwe,wird sowohl von der Sündeper iwsti.ficationem als auchvomTod per re-
(13/8*21/23), etwa bei der Interpretation von Röm 5,15 (15/1.*9; 16/22-24) surrectionern befreit (62/10-13). Obwohl sich vonJoh 3 her wie vom Thema
und von Röm 5,18. Mit iwstificatio ist ein Tun Christi gemeint, das nur er al- ,,Taufe" her pneumatologische Aussagen besonders nahegelegt hätten, argu-
lein kann (1,8/10-12; vgl. tSltef). Von der Rechtfertigung allein durch Chri- mentiert Augustin weitgehend christologisch.
stus ist die Nachahmung zu unterscheiden, die sich etwa auch auf Paulus be- Dieser christologische Akzent der Gnadenlehre zeigt sich schließlich auch
ziehen läßt (vgl. l.Kor 11,1) (18/1,2-22). in pecc.mer II. Die vier Möglichkeiten, anhand derer Augustin die Möglich-
Die christologische Ausrichtung der Gnadenlehre in pecc.ruer. zeigt sich keit des Sündlosseins diskutiert (77/1.3-17), zielen nämlich auf die Christo-
auch in der Auslegung von Joh 3. Die gegnerische Argumentation schloß aus logie. Augustin geht die Frage, ob jemals einer sündlos lebt bzw. gelebt hat,
der Verbindung von Taufe und regnum caelorum in Joh 3,3.5, daß die nicht in vier Schritten an: a) ob es überhaupt möglich ist (Antwort: ja)
getauften paruuli Leben haben können, ohne tns regnwm caelorwm zu gelan- (77/16-78/18), b) ob dieser Fall gegeben ist (Antwort: nein) (78/19-98/20),
gen (25/14-25;vgl.22/13-22)1e. Dieses Argument bedeutet, daß die Menschen c) wieso nicht (Antwort: wegen des nolle des Menschen, das sich als igno-
rantia und infirmitas sowie als swperbia beschreiben läßt) (98/21-105/4) und
-Februar 413 und 3. Juni-September 413. Die herkömmliche Datierung von ep.139 aü die Zeit schlielSlich d) wer derjenige wäre, der ganz ohne Sünde wäre (105/5-1ll/9).
vor Februar 412 (vgl. B. Delaroche, La datation du De peccatorum meriris er remissione, Ät,4zg Dieser letzte Abschnitt ist das eigentliche Argumentationsziei. Augustin ant-
4l L1995),17-57,hier:42) ist nicht zwingend, daep.139 nicht ausdrücklich aufApringius'Amt als
Prokonsul Bezug nimmt (sondern nur den Prokonsul allgemein nennt; 151/8). wortet mit dem Verweis auf den Inkarnierten. Christus kann deswegen aus
18 Dazu, daß Augustin an eine Vermittlung durch die Eltern, nicht eine unmittelbare Einge- dem Zustand, in dem die Menschheit sich befindet, befreien, weil er selbst
schlossenheit aller Menschen in Adam denkt, vgl. S. Lyonnet, Augustin et Rm 5,12 avant la aus diesem Rahmen herausfällt. Genauer stellt Augustin gegenüber: Die
controverse p6lagienne, NRTä 89 (1967),842-849,hier:844f.849. Rufin d. Syrer, Liber de fide
39 lehnt es explizit ab, daß die ganzeY/ehper unwm bominem Adamin Ungerechtigkeit ge-
Menscl.rcn sind aus Flcisch geboren - Christus in similitwdine carnis, die
stürzt sei und daß alle Menschen durch die Übertretung Adams und Evas mit Sünde gcschä- Menschcrr sirrtl zurrr'fotlc bcstinrnt wcLcn clcr Sündc - Christus ist in clcn
drgt Qt e c c at o ob n o x i i) s eien ('l 12 / 6-8.1 2-l 4). 'lird bcstirrrnrt ur)r rrrrrt'r't'twillt'rr rrntl ohnc Siinclc, tlic Mcrrschcn wcrtlcrr
re RufinderSyrer, liberdefid.e 40f betont,daßdieTaufe
'Jcrspiritaliprootatio<lcninfantcsLltn
Zug.rrrg z-urrr rcgnurn taclcslc crrniiglichc (l l4/25f), dal( dic lgnls ,tt,tcttttt icdot'h rriclrt rlit rrn o
tltrrclr (irr.r,lt' S,ilrrr,' ( iollcs ( llrlistus ist ,lurclt rlic N.rtur irrrrrtcr Solrrt
rt'rlr's trtllt l6ll0t),.tls,,,rueh rriclrt,lrt vorr
(l jcdtr S.lrtrkl lrcicrr p,orulr (ll6/)Ol.l lti/l{ ll). (i«rttcs, rlit l!1, rri, 1,,',' l,.rl,, rr ,urr , u,illt'tt 1.,'lr.'rr tt.'il ( llu.islus ist cwilics l,r'
144 Volker Henning Drecoll Gnadenlehre und Trinitätslehre in De Trinitate IX 145

ben (1 l0/13*18.22-25). Die Inkarnation ist wie in der Auslegung von Joh 3 Positionen (vgl. auch 185/20-186/2): a) \Wenn jemand sagt, es gibt jemanden,
der entscheidende Schlüsselpunkt, an dem der ron Adam abhängige Schuld- der ohne Sünde lebq diese Möglichkeit aber auch nicht im geringsten auf sich
zustand der Menschheit durchbrochen wird. bezieht, ist das zu vernachlässigen (Se/VZ31zr. Anders steht es mit der
Mit dieser Kurzbeschreibung der Gnadenlehre in pecc.mer soll nicht ge- zweiten Gruppierung b), die vertritt, daß der Mensch durch die Kraft des
sagt sein, daß sich rn pecc.mer. gar keine pneumatologischen Aussagen fin- von Gott geschenkten \Willens und die Hilfe des von Gott stammenden Ge-
den. Im Gegenteil, Augustin setzt zur Beschreibung der Virksamkeit Chri- setzes in der Lage ist, gerecht zu leben (156/24-157/9).
sti immer wieder auch pneumatologische Aussagen ein. Am auffälligsten ist Dem ist schließlich c) Augustins eigene Meinung gegenüberzustellen, der-
dies der Fall in der Auslegung von Röm 8 am Beginn yon pecc.mer Augu- zufolge neben dem \X/illen des Menschen und dem Gesetz noch die Verlei-
stin arbeitet dort sehr stark mit der doppelten Bedeutungvon spiritus. Er hung des Heiligen Geistes nötig ist, der die delectatio dilectioque bewirkt
verbindet zwei Gedanken miteinander: a) Die Menschen müssen zunächst (157/10-L5). Erst durch den Heiligen Geist wird das gute Handeln möglich.
innerlich, in ihrem spiritws, erneuert werden, bevor sie auch körperlich erlöst Beleg: 2.Kor 3,6, umformuliert als Bedingungssatz: Der Buchstabe des Ge-
werden, und b) diese innere Erneuerung findet dadurch statt, daß Christus setzes tötet, Iüenn nicht der Heilige Geist hinzukommt (157/25f; vgl.
seine Gnade gibt, die als spiritws zu verstehen ist (8/25-9/11). Auch hier 160/9-13;173/6f). Er ist es, der laut Röm 5,5 in unseren Herzen die Liebe
bleibt die pneumatologische Argumentation jedoch rückgekoppelt an die ausgießt (159/l4f-17; 157 /22-24). 2.Kor 3,6 ist so nicht nur als Richtlinie für
Christologie (vgl. gratia Cbristi in 8/20 und 9/10, was von Christus in Röm ein nicht buchstäblisches, sondern geistig-übertragenes Schriftverständnis zu
8,10f abhängig ist), die somit als das eigentliche Zentrum der Gnadenlehre in verstehen (158/l-9)22, sondern vor allem als Kernformel für das paulinische
p e cc. mer. anzusehen ist. Gesetzesversdndnis: Mtr littera occidit ist die /ex gemeint, die sich entspre-
Von dieser trinitätstheologischen Ausrichtung yon pecc.nTer I-II unter- chend R.öm 7,7 in der Aussage non concwpisces zusammenfassen läßt
scheidet sich spir. et litt. deutlich. Die Schrift geht ebenfalls auf eine Anfrage (158/10-15)2r. Auf dieser Negativfolie wird das Gnadengeschehen
des Marcellinus zurück, der sich l>er pecc.mer. II gefragt hatte, ob es sinnvoll hauptsächlich als pneumatologisches Geschehen beschrieben.
sei, die Sündlosigkeit als möglich, aber nicht gegeben anzusehen. Augustin Im Anschluß an Röm 2,17-29 hebt Augustin das gloriarihervor. Er unter-
antwortet, indem er zunächst mehrere Bibelbelege für niemals realisierte scheidet erngloriari in deo, so wie es die gratia fordert, von dem gloriari in
Möglichkeiten gibt, die Gott jedoch sicher möglich gewesen wären (etwa das deo, als ob man es allein verdient hätte, das Gesetz zu empfangen
Kamel und das Nadelohr) (155/10-18; vgl.2ZZ/S-18). Die eigentliche Argu- (165/12-18). Das falsche gloriari beruft sich etwa auf Ps 147,20 und meint,
mentation von spir. et litt, beruht auf einem Einwand, der auf diese bibli- durch die eigene Gerechtigkeit das Gesetz Gottes zu erfüllen (165/l8f)2a. In
schen Belege hin erhoben werden könnte: Daß es sich dabei nämlich um ope- §Tahrheit handelt es sich jedoch eher um Übertretung, was den Zorn bewirkt
ra dfuina handele, was für das gerechte Leben der Menschen nicht gelte. abundante peccato, womit Augustin Röm 5,20 aufnimmt. Gemeint ist damit,
Eigentliches Ziel rst es also, zu zeigen, daß das gerechte Leben ebenfalls auf daß die Sünde weiterhin getan wird, obwohl die Täter um die Sünde wissen
Gottes lX/irken zurückgeht (155 /22-156/7). (165/18-21). Und selbst da, wo sie die Forderunger-r des Gesetzes erfüllen,
Seiner eigentlichen, auf dem Römerbrief basierenden Argumentation20 tun sie es aus Angst vor der Strafe, nicht aus Liebe zur Gerechtigkeit - non
stellt Augustin in Kurzform seine Lösung voran. Zu unterscheiden sind drei adiwtante spiritw gratiae (165/21-23). Augustin unterscheidet den Anschein

20 Augustin will 2.Kor. 3,6 vom Römerbrief her erklären, der daher im Zentrum des ersten Teils 2r Diese erste Meinung könnte auf Marcellinus selbst zielen, dessen Anfrage ja impliziert, daß er
xeht ('1,60/9-176/77).2.Kor 3,6 ist dabei zwar im Blick (2.8. 160/l)f;174/81;176/16), wird f e- es für möglich hält, daß es sündlose Menschen gibt.
doch nicht eigens exegesiert. Dies geschieht in einem z'weiten Teil, in dem Augustin erst auf rr So hatte Augustin die Srelle in util. cred. 1,9 und doctr. cbr. 1fi,5/1-9 verwandr, vgl. conf.
den Kontext 2.Kor 3,6 eingeht (176118-186/2) und dann die Auslegung der 2.Kor 3 zugrun- Yl,4/18-27; vsl. dazu T. V. Gilbride, St. Augustine's Interpreteüion of tbe Paulhe Antithesis
deliegenden Stelle Jer 31,37-34 (186/3-196/19) heranzieht. In einem dritten Tei[ (196/20-221/4 Betlueen the Letter and tbe Spirit in His De Spiritu et Littera,I)iss. §Tashington D.C., Studies
bemüht sich Augustin, mögliche Einwände durch begriffliche Präzisierungen auszuräumen; in Sacred Thcology, 2. Scries, No.190, Vashington D.C. 1968 (dactyl.), +1-41.
vgl. zum Aufbau von spir. et litt. J. Plagnieux, Le Chrdtien en face de la loi d'apräs le De Spi- rr Atrf rlic /cx irrr Sinnc von Riim T hrrrtc Atrgustin 2.Kor 3,6 bereits inSimpl. I,1/356-372bezo-
ritu et littera de saint Augustin, in: J. Auer und H. Volk (Hgg.), Theologie in Geschicbte und gerr, vgl. I). Merrfioti, I'uotno tra lcggc c grazia. Analtsi teologica dal l)e Spiritu ct littera di
Gegenzuart. Micbael Schmaus zum secbzigsten Geburtstag dargebracht aon seinen Freunden S.Agostirto, ()rll.Aloisi.rn.r lll (l)rrb[rliceziorri dclle I'ontificie I',ict,lti'ltologice tlcll'ltalia Mc-
und Schälern, München 1957,725-754, hier: 729. Ausführlich untersucht Augustins Paulus- ridi,,rr.rle, St zi,rrrt S.l.rrrl,,r Nc.rlrcl;. Illtsci.r l')ll.l,')5.
auslegung inPecc.mer. B. Delaroche, Saint Augustin. Lecteur et interpräte de s.rint P.rul .lans lc 'r Vgl. llM. llorrrl,,rt,('li'rt.r(,t.rtr,rr'.Sr'1'l,,nlicr cnl)ictt, lrtilt,ilt,«tlrrrlcl.ttltri,rl,,git',tttg,r
f)e peccatorum meritis et remissione (hiver 411-412), Collection ,les itud"t Auyu:tnttttrttLs. rlitritttrt, ,l, l.r 1i,.,.,,t ,,ll,.,ttorr,lr't I:lrr,lrt,'lrr.qrttlttttt'ttttt\. Strit Arrtirlrrit< l'lS, l'.rris l')')(,,
Stirie Anti<ltriti' 146, I).rris I 99(,. I ri.t I
146 Volker Henning Drecoll Gnadenlehre und Trinitätslehre in De Trinitate lX 147

cines tüTerkes corlln hominibus von dem, was in voluntate coram deo statt- Gnadengeschehens als Tun Christi nahegelegt hätten, an denen Christus abcr
fand. Die äußere Erfüllung einer Gesetzesforderung befestigt noch den nur beiläufig erwähnt wird.
Schuldzustand der Menschen, da Gott von ihnen weiß, daß sie lieber das Die Umformulierung von littera occidit, s?iritus oiaificat in einen Kondi-
Verbotene begehen würden, wenn es ungestraft geschehen könnte tionalsatz (160/9-13;173/6f) führt dazu, daß Augustin nicht einfach /ex und
(165/23-25; 166/11-14). Dem stellt Augustin die circwrncisio cordis aus Röm gratia gegenüberstellt, sondern den Gesetzesbegriff differenziert: Zu unter-
2,29 gegeniber, womit einelJolwntas gemeint sei, die frei ist von jeder uner- scheiden ist die lex factorum von der lex fidei. Beide sind nicht in ihrem sach-
laubten concwpitcentia (165/25-166/2). Und das geschieht nicht durch die lit- lichen Gehalt verschieden, sondern in ihrer Funktion: Qwod operum lex mi-
tera docens et minans, sondern nur durch den spiritus adiwvans /ttque sanans nando imperat, hoc fidei lex credendo impetrat (175/13f). Durch die lex
(166/2f). Die Gegenüberstellung von littera und spiritws begegnet auch in operum sagt Gott: fac quod iwbeo, durch die lex fidei wird zu Gott gesagt: da
Röm 2,29 (165/11f)2s, so daß Augustin hier zunächst dasZiel seiner Argu- qwod iwbes (175/21-23). Eine Erfüllung des Gesetzes avs timor poenae, nicht
mentation erreicht: Gegenübergestellt werden Gesetz und Geist, jedoch avs a.ntor iustitiae ist nichtig, da eine falsche Motivation zugrundeliegt. Ent-
nicht als Stadien erltsprechend der Abfolge swb lege - sub gratia, sondern von scheidend ist die radix caritatis (180/23-25). Die Liebe ist aber auf die Virk-
ihrer Funktion aus: docens - adiwvans. Parallel stehen dabei der adiuvans spi- samkeit des Geistes zurückzuführen. Erst durch ihn entsteht die fides, die
ritus gratiae (165/22) und der spiritws adiuvans atque sdnans (166/2f). Die In- per dilectionem tätig ist und im interior homo als condelectari legi vonTag zu
terpretation des Gnadengeschehens als Hilfe durch den Geist drückt sich be- Tag wächst (L80/26-18114). Diese Differenzierung des Gesetzesbegriffes er-
sonders in der \flendung spiritus gratiae aus26. möglicht es, die /ex durchaus ais etwas Positives, von Gott Gewolltes, als das
Spiritws gratiae (biblisch in Sach 12,10 und Hebr 10,29) findet sich yor spir. Entscheidende des Gnadengeschenes aber die Tätigkeit des Geistes zu be-
et litt. nur pecc.mer. 1I,43; '114/79, begegnet aber in spir. et litt. haufiger schreiben. Damit wendet er sich gegen die Betonung der lex als Gnadenmit-
(1 65 / 22; 1 67 / 20; 17 3 / 6; 201 / 12: 228 / 6). Der Begriff begegnet auch bei Pelagi- tel im Sinne des Pelagius2e, schließt aber auch eine Abwertung des Gesetzes
us, und zwar gerade bei der Interpretation von 2.Kor 3,627, dessen Römer- aus, die ihn (genauso wie die auf der Erbsündenlehre basierende Tauflehre)
briefauslegung Augustin ab pecc.mer. III kannte. Augustin verwendet also ab dem Manichäismusvorwurf aussetzen könnte.
spir. et litt. einen biblischen, auch von Pelagius verwandten Begriff, um seine Hier ist nicht der Ort, um die Argumentation von spir. et litt. ausfihrli-
pneumatologisch zugespitzte Gnadenlehre auf einen Begriff zu bringen. cher zu analysieren. Die Unterschiede zu pecc.mer. sind deutlich; schemati-
Diese Zuspitzung führt dazu, daß, während in pecc.mer. die Sünde als sierend läßt sich gegenüberstellen: Die Gnadenlehre wird in pecc.mer. von
ignorantia und infirmita.s beschrieben wird, die ignorantia und ihre Beseiti- der Christologie, genauer: der Inkarnationslehre her entworfen, der Erbsün-
gung in spir. et litt. zurücktreten. Die Erkenntnis wird nicht einfach aus dem denlehre gegenübergestellt und für die Tauflehre nutzbar gemacht. In spir et
Gnadengeschehen ausgeklammert (vgl. etwa die Interpretation von Ps litt. fehlt derErbsündenbegriff, dafür wird der Gesetzesbegriff, der in
35,8-13 in 163/4J,3), doch ist sie nicht das Entscheidende (vgl. 173/8-14 und pecc.mer. so gut wie keine Rolle gespielt hat, wichtig. Die Christologie tritt
224/1,8-22). In den Vordergrund tritt die infirmitas (167/22; vgl. ß8/7; fast ganz zurück, dafür wird die Gnadenlehre jetzt als Pneumatologie ent-
169/17), die nur durch die direkt im Inneren des Menschen wirkende Kraft wickelt. Dieser Unterschied läßt sich nicht durch den Verweis auf unter-
des Gnadengeistes überwunden werden kann. Parallel dazu tritt die Christo- schiedliche Adressaten (beide Male Marcellinus) oder einen verschiedenen
logie in spir. et litt. zurick: Zwar ist immer wieder von der fides Cbristi die
Rede28, doch fehlt eine eigentliche Erläuterung. Besonders deutlich wird dies
an der Art und lüZeise, wie Augustin Stellen wie Röm 3,21-24 (167/18-168/9)
oder Rörn l,l6f (17ll8f) verwendet, beides Stellen, die eine Beschreibung des 2e Vgl. Pelagius, Exp. Rom. 60/2af zu Röm 8,2: notandurn quia gratiarn legem appellat, vgl.
G. Grcshake, Gnad.e als honlerete Freiheit. Eine Unterswchung znr Gnadenlehre des Pelagius,
Mainz 1972, 145. Das Gcsetz ist für Pelagius insofern spiritualis, rls es spiritualia vorschrcibt
25 Pelagius, Exp. Rom. 27 /6f .15-20 interpretiert F.ön 2,27-29 auf das Gegenüber von /ex :und no- (58/6). Hält sicl-r der Mensch von den carnalia fern und nt dic spiritualia, wohnt dcr spiritus in
't)um testdmettum; dx no?ilrn testdrnentwn legt das Gewicht auf die wahre, innere Beschnei- ilrm, was ,ruf clas ethische Tun bczogen blcibt (6.1/4.7f.1 4-16-l9f). Allerdings ist ths Gcsetzes-
dung (27l9.J0). verstäntlnis tler Pclagrus niclrt cinhcitlich, r'gl. tJ. H. Irsscr,'l'hcscn rrnd Anrncrkungcn zunr
2(' Einen Uberblick über die Aquivalenzbcgriffc z't gratia gtbt Marafioti, (wie Anm. 23) l-il exegctisr'lrt'rr I).rttltrsvcrst,irr<lnis rlcs I'clrgius,,Stl'rtr7 (1966) (-'l'Ll 9-l),44.'! 461, hicr:441
Anm. 26. 4'll. Vor ,tlltnr trrtr'1',ticrr l)r'1.r1',itts (l.l\.tlt((\(.lnl('ntlirlrc (icsctz itt t'irtc rlrrrlrrrr,,,lic rltrr,lr,lic
I Vgl. 1:rp. Il Oor.246/7: non litterat legis,:ad spnitui gruttdr nunt\lr.tntt'5. Lclrrt (.lrrrstr rrl,, r.l,,,trri \vn(l, vl,l. l r1t lirttrt l\/l\ 17,1:t1,. 11 1 ,'t. )44/l/ -14\/\), r,1'1. (irts
ri Vgl. tlcrr [.ll,crlrli,'k l,ci M.rr.rfioti, (wit Arrnr.22) li5l. lr,rk, , l'l ''l
il

l4ll Volker l{enning f)recoll Gnadenlehre und Trinitätslehre in De Trinitate \X 1,49

Gegcnstand beider Schriften (beide Male die Frage nach der Möglichkeit ei- einer oitiata (1344/6f). Die Schuld Adams gehört also nicht zur natura,ist
nes sündlosen Lebens),,wegdiskutieren"30. den Menschen aber durch die Fortpflanzung als iam natnrt, als aitiwm natu-
Er läßt sich jedoch erklären, \ilenn nlan zwischen pecc.mer.I_ll wd spir. et rae vermittelt worden, von dem nur Christus befreit (1344/7-14). Daraus
litt. die Predigt ansetzt, die mit großer §flahrscheinlichkeit auf den 27. Juni läßt sich schließen, daß Augustins Erbsündenlehre, wie sie in pecc.mer. I
413 zu datieren ist: s.29431.In diesem Sermon verteidigt Augustin seine we- sichtbar wird, schon im Sommer 473 in Karthago auf Vorbehalte stieß und
nige Tage vorher ebenfalls als Predigt vorgetragene Meinung zur Kindertau- sogar abgelehnt wurde. Der Vorwurf gegen Augustin als Vertreter dieser
fe und Erbsündenlehre (s.293; vgl. tlZl /ZZ-25). Diese vorangegangenen Aus- durch die propago vermittelten Sündigkeit des Menschen lautete, dadurch die
führungen haben Aufregungen verursacht und seien zu kurz gewesen nalura Gottes des Schöpfers zu beschuldigen. Damit ist ein typisch antima-
(1336/l-5). Zentraler Streitpunkt war die Rede von der massa irae (1333/22; nichäisches Argument genannt, das Augustin dadurch abzuwehren versucht,
vgl. tlll/tlf), d,as Zitat von Röm 5,12 (1333/18-20) sowie Augustins daraus daß er auf die mala oolwnt4s verweist, durch die das oitiwm zu der Natur ge-
folgende Lehre von der Taufe der parowli (1333/44f: 1334/27f;1335/30- kommen sei.
34.3e-41). Von daher erklärt sich, daß Augustin rn s.294 mit Joh 3 einsetzt und erst
Seinen Gegnern gegenüber zeigt sich Augustin gesprächsbereit und ver- nach ausführlicher Interpretation des Nikodemusgespräches auf Röm 5,12
ständnisvoll. Es handele sich um eine tiefe Frage @rofwnditas quaestionis), zu sprechen kommt. Diese Ausführungen lösen wiederum eine solche Auf-
durch die die Gegneq die er ausdrücklich als fratres (1336/40, vgl. tlSZ/tS; regung aus, daß Augustin um Ruhe bitten muß (rogo oos ut paululum ac-
1345/9f; 1348/17f) tituliert, bewegt seien (1336l40f, vgl. zw profunditas qwiescatis 1347 /33), bevor er ein Cyprianzitat verlesen kann.
1339/33 und l34l/49f) und die zu diskutieren ist (1336138f). Er beteuert die Diese kurze Analyse von s.294 ist zu dem Unterschied zwischen pecc.mer.
eigene infirmitas, die nicht vermag, die Frage zu lösen (1339/4l.a9f vgl. und spir. et litt. in Beziehung zu setzen. Daraus ergibt sich die These: Augu-
1339/33f), und verweist deshalb auf die auctoritas, die zu Recht (bene facis) stin könnte versucht haben, das Anliegen seiner Gnaclenlehre neu zu formu-
auch von dem Gegner herangezogen werde (1340/3f). A1s besonderes Kenn- lieren, diesmal ohne die Erbsündenlehre, dafür (wie in der frühen Paulusexe-
zeichen seines Gegners nennt er im pejorativen Sinn das dispwtare Q3a3/27f) gese) mit dem Gesetzesbegriff. Daß die Begriffe baptismwm, baptisma,
und ratiocinari (1339/58;7346/8f), ja bezeichnet an einer Stelle den Gegner baptismare in spir et litt. so gut wie gar nicht auftauchens2, läßt sich demnach
sogar als bellator, Itoc est fortis ratiocinator (1339/52), doch überwiegt die als Versuch verstehen, die Gnadenlehre unter Ausklammerung des zentralen
werbende Haltung. Augustin nimmt seinen Gegner gegen einen hypotheti- Streitpunktes,,Tauflehre" zu entwickeln.
schen gemeinsamen Feind in die Verantwortung (commwnis inimicus l34O/8 Dies könnte Augustin urn so eher geraten erschienen sein, als er sich im
bzw. commwnis adtsersariws 1340/10f; vgl. auch 1338/48), der behaupten lahr 413 mit Schriften des Pelagius auseinandersetzte und dabei bemerkt ha-
könnte, daß die parvuli ohne Taufe auch das regnam caelorum erhielten ben könnte, da{3 eine auf der Inkarnation beruhende Argumentation allein
(1339/25-28). Er fordert ihn auf, nicht dwrus zu sein (1340/26{). wohl nicht in der Lage ist, die innere Einwirkung des Gnadengeschehens
Zu diesen Außerungen mit werbendem Charakter kommen defensive hin- adäquat auszudrücken. Pelagius' christologische Gnadenlehrel hätte dann
zu: Augustin bittet darum (und das in Karthago!), daß die Gegner ihn nicht die Betonung der Pneumatologie in spir.et litt. mitvertrsacht34.
inswper als Häretiker bezeichnen (1,345/l7f). Er verwahrt sich dagegen, eine Der Vergleichvonpecc.mer und spir. et litt. fuhrt für die Trinitätslehre Au-
Neuerung zu vertreten, und stellt die gegncrische Meinung als Neuheit dar gustins im Zeitraum 4121413 zu dem folgenden Ergebnis:
(1347/3740). Velcher Art diese Vorwürfe q/aren,laßt sich der Aussage non 1) Augustin verfügt über eine erstaunlich hohe Flexibilität. Er kann seine
accusdmus naturam entnehmen (1344/4f). Die natwra als etwas von Gott Ge- Gnadenlehre sowohl christologisch als auch pneumatologisch begründen.
schaffenes ist gut und wirc{ nur durch den schlechten §7illen der Schlange zu Dies tut er je nach Bedarf, bzw. wie es ihm angebracht zu sein scheint.

t2 Ygl.tSS/2(irnziriertenTitelvonpecc.mer.), 162/l-3rnd2Q7/25 imZiratvor.rRöm6sowieals


r0 Dies wird auch daran sichtbar, daß eine Stelle wie Röm 5,20 in beiden Schriften zitiert, aber einzige Verwendung in Augustins Argumentation 218110.
ganz verschieden interpretiert wird,in pecc.mer. von Röm 5,12-19 aus Qteccatum als peccatum rr Vgl. Greshake, (wie Anm. 29) 116*129.
originale; 20/ 15-19), in spir. et litt. von Röm 6 aus (peccatum in der Abfolge lex - peccatun - ra Fiirdicl)rrticrungvonsprct/itt.lredcutetdics,daßdicSchriftzwischcnJuli-Flcrbst4l3cnt-
gratia; 160 / l9-162/24). st:rrrtlcrr st'irr rrrrr((. ( )lr M,rrcr'llinus hci Abschluli rlcr Arbcitcrr tut spir'. tt /itt. n.,clr lc[rtc ([)r-
''r Ein Teil dcr Über(iefcrr.rng ncnnt in Jrr Llt,crschriir clas Daturn V.Kal.Julii. vgl. Pcrlcr/M.rio, Irrrrrtl,rllirrrr, lrtrrrrl,,: ll.\cl)t(n1l)(r.tl),vgl.N4.Morr'.ru, lr,l,,t,r,r,llttttllrrrtrt,tt»slt(.',,,
(wic Annr. 17) 318t mit Anrrr..l. I)ic [)rcrligt ist wahrschcinlich wcgcr.r tlcr [lczrrgrrrhrrrt'.rul rl.r, tt\lrtruJ,t,t,t ,l, ,trttl .lrr,t'rrtttrr, l).uis l')/l I lirtltAtty ', (l')71), I llll l, 'r.l), rrrrrl( ,,llcn
Oylrrirrrzitrr l»it,l,r in Ocst.l'r'1. I 1,25; /li/Jri /9/5 gcrr.rrrrrrtrr ztr irlcrrrilizit.rtrr. l,l, rl,, rr
150 Volker Henning Drecoll Gnadenlehre und Trinitätslehre in De Trinitate lX 151

2) Je nachdem, ob Augustin christologisch oder pneumatologisch argu- Komplizierter ist die Frage nach der unterschiedlichen Struktur von Chri-
mentiert, ändert sich die Struktur seiner Gnadenlehre. Dies Iäßt sich nur stologie und Pneumatologie. Schien doch gerade der Vergleich mit der trini-
dann verstehen, q/enn Christologie und Pneumatologie von sich aus her be- tAS mens, amor und notitia sehr stark auf die Einheit der Trinität zu verwei-
reits eine verschiedene Struktur beinhalten. senl5. Und dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn man den Abschnitt
Dafür gibt es in spir.et /lr. gegenüber pecc.mer. auch Anhaltspunkte. §flar über das aerbwm in Buch IX berücksichtigt.
nämlich in pecc.mer. die Erlösung als Befreiung von ignorantia und infirmi- Ausgangspunkt der Argumentation ist die Beobachtung, daß die mens,
ras beschrieben worden, tendiert spir. et litt. dahin, die infirmitas als eigent- wenn sie sich selbst betrachtet und liebt, nicht etwas Unveränderliches kennt
iich ausschlaggebend anzusehen, während die Beseitigung der ignorantia et- und liebt (IX,6/1f). Dem wird ausführlich gegenübergestellt, daß der
wa durch das Gesetz noch nicht zur Erlösung führe. Die Betonung der menschliche Verstand durchaus in der Lage ist, zeitlose Gedanken zu erfas-
Pneumatologie und die Zurückstellung der Christologie gehen also Hand in sen, die dann jedoch über ihm liegen, ihm also nicht gleich sind. Im Fall der
Hand mit einer Reiativierung der Erkenntnis im Erlösungsgeschehen. Selbsterkenntnis ist jedoch die E,rkenntnis mit dem erkennenden Verstand
gleich (aeqwalis) (IX,ll/21,-26). Um den Erkenntnisvorgang näher zu be-
schreiben, analysiert Augustin den Begriff oerbwm. Zn unterscheiden sind
drei Bedeutungen: a) das lautliche lVort (IX,10/6-8), b) der geistige Begriff,
unabhängig von der Zustimmung bzw. dem lVahrheitsgehalt (IX,10/8-10)
III. Die IJnterschiede zwischen Christologie und
und c) die geistige Erfassung, die eine Zustimmung beinhaltet (IX,10/10f)36.
Pneumatologie und ihre Vereinbarkeit mit der Eine genauere Analyse mül3te zeigen, inwiefern dieses letzte Verständnis von
Einheit der Trinität in De Trinitate IX oerbum auf dem Hintergrund der stoischen Lehre von dem Begreifen, das
mit ouyxatd0eorE vor sich geht, zu verstehen ist37. §üie dem auch sei, Augu-
Daß Augustin mal christologisch, mal pneumatologisch argumentieren kann, ist stin reduziert die drei Möglichkeiten auf zwei, denn der zweite Fall läßt sich
mit dern Gedanken vergleichbar, den Augustin am Anfang yon De Trin. lXaus- als Sonderfall des dritten Falls auffassen (insofern auch bei der Ablehnung ei-
führt. Ausgehencl von dem festzuhaltenden Glaubenssatz, daß Vater, Sohn und nes Gedankens dieser Ablehnung innerlich zugestimmt wird; IX,10/16-20),
Heiliger Geist ein Gott, aber nicht miteinander identisch sind, sondern dalJ es so daß als Definition von oerbum herauskommti cum amore notitia
sich unr eine trinitas aufeinander bezogener Personen und die unitas gleichen (IX,10/30).
Wesens handelt (IX,1/33-38), erbittet er auch für die weitergehende Untersu- Diese Definition von l)erbum zieht die beiden Elemente notitia und arnor
chung, die sich um Erkenntnis bemüht, Gottes Hilfe (IX,1/40). Dabei rechnet in einem Begriff zusammen. Mit dem Abschnitt über das ,terbum geht Au-
er für diesen, über die Glaubensaussage hinausgehenden Bereich mit Schwie- gustin also auf dem §7eg, anhand des menschlichen Verstandes eine Analogie
rigkeiten und einer Gefahr, nämlich der: etwas auszusagen, was unangemessen, zur Trinität zu finden, weiter, als es die Trinitätslehre ertragen würde. Eine
indignwm, sei (IX,Il42f). Damit ist genauer gemeint, daß er zu einer Aussage Anwendung des Begriffes oerbwm, verstanden als notitia crrm alnore, würde
kommt, die Gott als dern Schöpfer etwas zuschreibt, was eigentlich nur zvr ja sofort zr der Frage führen: Vird der Geist nur unter das oerbwm subsu-
Schöpfung paßt (IX,l/5a-56). Die Gefahr, die dahinter steckt, ist die bei Augu- miert? Ist eine Eigenständigkeit des Geistes clann nur denkbar als ,,Neben"
'§0ieso
stin häufig mit Röm 1,25 belegte Gefahr cler Verwechslung von Schöpfer und dem Sohn? Und dies würcle wiederum zu der Frage führen: ist eigent-
Geschöpf als Ursache aller heidnischen Irrtümer in der Gottesfrage. Umgekehrt lich nicht auch der Geist ,,Sohn" im Sinne von perbum?
ist jedoch ein Fehler bei dem, was über die einzelnerr Personen gesagt wird -
heute würde man sagen: den Appropriationen -, verzeihlich (IX,1/43-49). Als ooluntas sei hier r-richt weite r eingegangen, vgl.
" A,rf ai. O. elheh memoria, intellegentia,
Beispiel dafür führt Augustin die Frage an, ob wirklich der Heilige Geist die ca- Schmaus, (wie Anm. 2) 277; rntr ein Unterschied sei noch vermerkt: Im Gegcnsatz zu atnor swi
ritas sei. Wenn nicht der Heilige Geist die Liebe ist, ist es vielleicht der Vater (De Trin.lX,4/ll;IX,12/40.49f;XIY,ll/27) spricht Augustin nirgends vonooluntas sui (nur
sui.me tipsius als Gcnitivattribut z.u memoritt et intellegentia et t,oluntas in X,l2/7; vgl. ntemo-
oder der Sohn, clenn das Schriftzeugnis von lJoh +,8 ist auf keinen Fall falsch, ria et intrllectus et nntor suiinXlY,1.4/41f .53t).
wess/egen also die Definition als Liebe Gott zukommt. Ob aber die Appro- "' Vgl. Schirrdlcr, (wic Annr. l) lU9; I). Pinteriö: Spratltt und Trinität. Scmantist.bc Problcmc in
priation zum Geist zutreffend ist ocler nicht, ist dann eine zweitrangige Fragc, dtt 'l'rirtit,itslrl.tr,' lr': ltl. ,4upustinns. S,rlzlrtrrgcr Sttrrlit',r ztrr Phil,rsoplric 15, SrlzburH/Miirr
clrcrr l')ll l. 56. I 0 I.
bci clcr Fchler cbcn verz.cihlich sind (IX,1/49-54). Wcr so c{cnkt, k.rnn tcin. l'', .l''/ll'l tltt ütt»tt)ttlü, \Dr',ttl\til\tt'ut l)t)\\t ton\t,t)t iltt ut)ltlttt\ tttuDt iltl
( l rrrrdcrr lchrc rrrrrl pncu rnrrtol«rgisch, lnrrl christologisclr forrnu l icrcrr. ),;l,tt,tll,l
152 Volker Henning Drecoll Gnadenlehre und Trinitätslehre in De Trinitate lX 153

Es ist also kein Zufall, daß Augustin am Ende von Buch IX auf den Un- xion über die Notwendigkeit, die Gnadenlehre nicht von der Christologie
terschied zwischen Christologie und Pneumatologie eingeht und daß er in her zu konzipieren, und die Reflexion darüber, daß auch die Betrachtung der
Buch XV bei der Zusammenfassung von Buch IX den Begriff oerbum nrcht menschliche n mens in der Trinitätslehre keine vollkommene notitia hervor-
aufgreift (De Trin. XY,3/71-75)38. Augustins Lösung sieht nun wie folgt aus; zubringen vermag, sind also vergleichbar. In den Vordergrund treten daher
Ausgangspunkt bildet die Glaubensaussage, derzufolge Christus der Sohn, in spir. et litt. wie in De Trinitate IX die Pneumatologie und die suchende
das verbum ist, während der Geist die caritas ist (IX,l2/ 16-1 8). Die Betrach- Haltung des Glaubens. Die Untersuchung der Trinitätslehre muß mit Liebe
tung dieses Unterschiedes in der Trinität soll dann über die Betrachtung des geschehen.
Unterschiedes im menschlichen Verstand erfolgen (IX,12/12-16: ab inlwmi-
nata creatura ad lwmen incommwtabile dirigamw.s, vgl. noch IX,12/18-20 und
der Rückbezug der imago auf die trinitas in IX,12175-80). Als wichtigsten
Unterschied nennt Augustin dabei die zeitliche Perspektive, der das mensch-
liche Denken unterliegt. Sodann faßt er zusammen, wie im Falle der Selbst-
erkenntnis des Verstandes dieser eine sich gleiche notitia erzeugt (gignere).
Die notitia beinhaltet jedoch anders als die Selbstliebe ein Gefundenhaben,
dem die inquisitio als Danach-Streben, etwas zu finden, als appetitus inaeni-
end.i gegenibersteht (IX,12/50-55). Dieser appetitus geht durchaus von dem
fragenden Verstand aus, findet jedoch das Ztel, wohin er strebt, nicht, es sei
denn: Das, was gesucht wird, wird als Gefundenes mit dem Sucher verbun-
den (IX,12158-61). Dieser appetitus ist nun nicht einfach identisch mit dem
amor (IX,12/61-64), um den esja geht, doch entspricht er ihm in einer be-
stimmten Hinsicht, denn er entspricht dem \Wissenwollen, dem Eifer (stwde-
re) im \Tissensproz-eß, und zeigt so, daß die Liebe im Gegensatz zur notitia
noch nicht beinhaltet, daß etwas gefunden und so lVissen hervorgebracht
wurde (IX,12/64-75).
Zu diesem Schluß von Buch IX ist der Anfang in Beziehung zu setzen, in
dem das quaerere der Trinität als die richtige Haltung beschrieben wird (vgl.
schon IX,1/3-Z). Eine definitive Erkenntnis Gottes bzw. der Trinität ist, so
Augustin, nicht möglich (biblische Belege sind Ps 68,33, Ps 1.04,4; l.Kor 8,2f ,
Gal4,9 und maxime Phil 3,13-15;IX,l/7-21), stamdessen geht es um die ln-
tentio (IXj/21-22) des Suchenden. Dieses Suchen ist als ein Sich-Nach-Vor-
ne-Strecken zu verstehen, das ausgeht von dem Bereich des Glaubens
(IX,I/23f). Der Glaube bildet sozusagen den Ort, in dem das Suchen statt-
findet (De Trin.YllI,l\/ 12-15).
Zieht nan den Schluß von Buch IX heran, so ergibt sich, daß in Augustins
f)enken eine Affinität besteht zwischen Christologie und Erkenntnislehre
und zwischen Pneumatologie und einer Betonung des vorn Glauben ausge-
henden Suchens. Der gegenwärtige Ztstand des Menschen ist durch letzte-
ren bestimmt, während die Erkenntnis in das Eschaton ausgelagert wird
(IX,I/25{). Dieser in De Trin.IX entwickelte Gedanke entspricht genau dem
Zurücktreten der Christologie und der Erkenntnis in spir. et litt. I)ic Rcflc-

tn Vgl. Schirrr'llt r, (wic Arrrrr. l) 192


Johannes Brachtendorf

Der menschliche Geist als Bild des


trinitarischen Gottes - Ahnlichkeiten und
Unähnlichkeiten

I. Schwierigkeiten mit dem Bild Gottes


Augustins Lehre vom menschlichen Geist als intago dei stellt eines der pro-
minentesten Themen in De Trinitate dar. Unter den Interpreten besteht ;'e-
doch kaum Einigkeit über diese Lehre, weder was ihren genauen Inhalt an-
geht, noch was sie für die Frage nach der Möglichkeit der tinitätserkenntnis
bedeutet. Gegenstand dieses Beitrags soll nun nicht die Lehre vom Bild
Gottes im Rahmen des Augustinischen intellectws fidei sernJ Vielmehr
möchte ich den Inhalt dieser Lehre entfalten. Augustins eigene Erklärungen
wirken uneinheitlich, jedenfalls auf den ersten Blick. Gleich zu Beginn des
'üTerkes warnt Augustin vor dem Irrtum derer, die den dreifaltigen Gott in
Entsprechung zu einer geistigen Kreatur wie etwa der menschlichen Seele
denken wollen - so als könne Gott wie die Seele etq/as vergessen und sich
wiedererinnern, oder als sei er wie diese dem'Wechsel der Leidenschaften un-
terworfen.2 Andererseits hält Augustinus aber die mens bumana für jene
Kreatur, die dem dreifaltigen Gott so nahe stehe, daß sie als Bild Gottes (im-
ago Dei) zubezeichnen sei.r Zwar impliziert schon der Bildbegriff nicht nur
eine Entsprechung von Bild und Abgebildetem, sondern auch eine ontologi-
sche Verschiedenheit des Bildes von dem, dessen Bild es ist. Im letzten Buch
'§Terkes
seines macht Augustinus aber derart tiefgreifende Unterschied e zwi-
schen göttlicher Dreifaltigkeit und menschlichem Geist geltend, daß viele In-
terpreten meinen, hier werde die Lehre von der mens bumana als imago d,ei
grundsätzlich kritisiert, wenn nicht gar völlig verlassen.a

Vgl. dazu J. Brachtendorf: ... prius esse cogitare quam credere. A Natural Understanding of
,,Trinity" in St. Augustine? in: Augustinian Studies 29:2 (1998),35-45. Für eine umfassende
Erörterung vgl. ders: Die Struhtur d,es menscblicben Geistes nach Augustinus. Selbstreflexion
und Erhenntnis Gottes in De Trinitate, Hamburg 2000.
,,Sunt item alii qui secundum animi humani naturam vel affectum de Deo sentiunt, si quid sen-
tiunt [...1. [...] Rursus qui opinatur Deum nunc obliviscentem, nunc rccordantem vel si quid
huiusrnocli cst, nihilominus in crrore cst." (1)e Trin. I 1,l; hicr und im Folgendcn z-itiert nach
Oorpus Ohristi,tnoruntI Bclc. L, La; ctJ. Mount:rin) Augustirrus diitlp()stizicrt auf sciten dercr,
rlic ,lt r.rrt lr.rlsclrt'' iil)cr (;()rt <lt nkcrr, cirrc gcistigc Krerrkhcit.
Vgl. /), '/irr \ l 5.ti
Yy,l. l), 1',r,t \\. 'l'l \\ .'.',1.'
l,,yr',l,, ltntrt,rt'1, l,', ,1,
' 1,, tltLr tt
156 Johannes Ilrachtendorf Der menschliche Geist als Bild des trinitarischen Gottes lr57

Selbst dort, wo Augustinus seine Lehre vom Bild Gottes entfaker, nämlich Grundbestimmungen in der mens l)umana nachzvweisen. Zu Beginn scinc-s
in De Trinitare IX-XIY scheinen seine Aussagen disparat zu sein. Fraglich tWerkes schreibt Augustinus:
,,Alle mir erreichbaren katholischen Erklärer
ist, worin genau die Bildhaftigkeit der mens besteht. Liegt sie in ihrem der heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes, welche vor mir
Selbstbezug, also im Erinnern, Denken und Lieben ihrer selbst, oder ist die über die Dreieinigkeit, welche Gott ist, schrieben, wollen gemäß der Schrift
?nens nur dann Bild Gottes, wenn sie an Gott denkt und ihn liebt? Muß die lehren, daß Vater, Sohn und Heiliger Geist, von einer und derselben Sub-
mens gar aufhören, sich selbst zu lieben und statt dessen Gott lieben, um stanz, durch ihre untrennbare Gleichheit die göttliche Einheit bezeugen und
Bild Gottes werden zu können? Da der Selbstbezug - wie noch auszuführen daß sie daher nicht drei Götter sind, sondern ein Gott, wenngleich der Vater
sein wird - ein natürliches Merkm al der mens darstellt, während die Liebe zu den Sohn zeugte und daher der Sohn nicht der gleiche ist wie der Vater,
Gott ihr als Gebot aufgegeben ist, kann die Ambivalenz auch folgender- wenngleich ferner der Sohn vom Vater gezevgt ist und daher der Vater nicht
maßen formuliert werden: 1sr die mens hwmanaBlld Gortes, oder so// sie es der gleiche ist wie der Sohn, wenngleich endlich der Heilige Geist weder Va-
erst werden? Handelt es sich bei ,,Bild Gottes" um eine ontologische oder ter noch Sohn ist, sondern nur des Vaters und Sohnes Geist, auch seinerseits
um eine moralisch-praktische Bestimmung? Mit seiner Metapher vom ,,ent- dem Vater und Sohne gleich und zur Einheit der Dreieinigkeit gehörend."6
stellten Bild Gottes"s scheint Augustinus beides festhalten zu wollen, daß die (I 4,7) Hier bringt Augustinus die wesentlichen Bestimmungen der göttli-
mens ihre Bildhaftigkeit verloren hat und sie daher wiederzuerlangen strebt, chen Dreifaltigkeit zum Ausdruck: Dreiheit, Gleichheit und Einheit der Per-
was letztlich nur eschatologisch möglich ist, und daß der menschliche Geist sonen, sowie die Verschiedenheit der Personen in ihrem Verhältnis zueinan-
bei aller Entstellung durch Irrtümer und Laster doch niemals aufhört, Bild der.
Gottes zu sein. Im Folgenden möchte ich eine Interpretation vorschlagen, Gott ist einer - una essentia. Dennoch wird von dreien gesprochen, näm-
die Augustins Lehre vom Bild Gottes als in sich kohärente und folgerichtige lich von Vater, Sohn und Geist, die sich durchaus voneinander unterscheiden
Entfaltung einer Theorie des menschlichen Geistes zu begreifen sucht. lassen. Um Einheit und Verschiedenheit zugleich festhalten zu können, dif-
lerenziert Augustinus zwischen zwei verschiedenen Aussagetypen. Eine so-
genannte ad se-Aussage bestimmt einen Gegenstand in sich selbst; eine Aus-
sage ad aliquid relative bestimmt ihn in Bezug auf einen anderen
II. Prinzipien trinitarischer Ontologie Gegenstand.T Diese Unterscheidung hat Augustinus zufolge ontologisches
Gewicht, denn was ad se ansprechbar ist, das ist (in der Regel) in se,besitzt
also Eigenständigkeit. §flas hingegeo nur ad aliquid relatiae aussagbar ist,
1. Die göttliche Trinität weist keine solche Eigenständigkeit auf.8 Vater, Sohn und Geist sind Gegen-
stände von ad se-Prädikationen, doch wird von ihnen stets das Gleiche aus-
Der menschliche Geist ist nicht Gott. Gott ist Schöpfer alles Seienden; die gesagt. Der Vater ist allmächtig, gerecht und gütig, der Sohn ist allmächtig,
mens bwmana ist eines seiner Geschöpfe. Der lJnterschied zwischen Ge- gerecht und gütig, und der Geist ist es ebenfalls; ja selbst von ,,Gott" gilt,
schaffenem und Ungeschaffenem verbietet es nach Augustinus von vornher- daß er allmächtig, gerecht usw. ist.e Die Drei sind somit untereinander und
ein, die mens rhrem Seinsrang nach auf eine Stufe mit Gott zu stellen. Dieser auch dem Ganzen gleich. Diese Gleichheit ist aber nicht so zu deuten, als
Unterschied Iäßt jedoch die Möglichkeit offen, daß ein Geschöpf Struk- handelte es sich um drei gleiche '§flesen, etwa um drei Götter. Zwar ist der
turähnlichkeiten mit Gott aufweist. Die Aufdeckung solcher struktureller
Entsprechungen ist dasZiel der Lehre vom Bild Gorres.
Zunächst seien kurz die ontologischen Grundbestimmungen der göttli- ,,Omnes quos legere potui, qui ante nre scripserunt de Trinitate, quac Deus est, divinorum Li-
chen Dreifaltigkeit rekapituliert, wie Augustinus sie in De Trinitate Y_YII brorum veterum et novorum catholici tractatores, hoc intenderunt secundum Scripturas docc-
entfaltet. Danach soll gezeigt werden, wie Augustinus versucht, die gleichen re, quod Parer et Filius et Spiritus sanctus, unius eiusdemque substantiae inseparabili aequali-
tate divinam insinucnt unitatem; ideoque non sint tres dii, scd unus Deus: quamvis Pater
[riliurn gcnucrit, ct irlco liilius non sit qrri Patcr est; FiIiusquc l Patrc sit gcnitus, ct irlco Patcr
non sit tltri Iiilirrs cst; Spirittrs<1uc sanctus ncc P;ltcr sit ncc I;ilius, sr'.I t,tnturn Patris ct Ililii Spi
saint Augustin, Bibliothöque Augustinienne, Paris 1949 ff. Bd. 16, 643-645 (= notc 5l)l t.l. ritrrs, I'.rtricrl'ili,r,ti.rruilrsceo.rt<1rr,rlis,t't.rtl 'l?irritaspt'rtrntrrsunit.tt('nr."(l)r'lrin. I4,7)
Brroth, St. Augustine's ,,notiti,r sui" Related to Aristotle lntl rlrc Early Nco-l)l.rrorrists, n Au- Vgl. / )r' '/irrr \' 'r.t' s,'t
euit t,u,utr )9 (1979), 1 22. Vyil. /), /rrr Vll l.'
' l)t liin. XIV l6,.ll Vyil. / ), /ilr \ ti.'r
ls8 Johannes Brachtendorf I)er menschliche Geist als Bild des trinitarischen Gottes 159

Vater Gott, der Sohn Gott und auch der Geist Gott, doch ,,Gott" ist nicht 2.Die mens buntdnd und ihr Selbstbezug
als Art- oder Gattungsbegriff zu versrehen. vielmehr sind die Drei zusam-
men der eine Gott - una essentä. Augustinus zufolge ist die Kraft der glei- An dieser Stelle kann Augustins Analyse der mens bwmana, wie sie in De
chen Substanz im Varer, Sohn und heiligen Geist so groß, daß alles, was von Trinitate IX vorliegt, nicht im Detail dargestellt, sondern nur nach ihren Er-
den einzelnen Personen in bezug auf sie selbst ausgesagt wird, von ihnen zu- gebnissen zusammengefaßt werden. Augustins komplexe Darlegungen lassen
sammen nicht in der Mehrzahl, sondern nur in der Einzahl ausgesagt werden sich dann verstehen, wenn man die zugrundeliegende Absicht beachtet. Die-
darf.r0 Daher besteht ein Pluralisierungsverbot für ad se-Bestimmungen. Un- se besteht in dem Versuch nachzuweisen, daß die genannten vier Merkmale
tersagt ist die Rede von drei Göttern ebenso wie diejenige von drei Allmäch- nicht nur den trinitarischen Gott, sondern auch den endlichen, menschlichen
tigen oder von drei substanzen, denn eine pluralisch gebrauchte ad se-Be- Geist charakterisieren. la
stimmung würde stets Vater, Sohn und Geist einer gemeinsamen Art Am Ende des VIII. Buches hatte Augustinus die Liebestriade diskutiert,
zuordnen und so die Einheit der essentia zerstören. lJnter dieses Verbot fällt die aus den Elementen &mor - amans - quod a?natnr besteht.l5 Im Selbstbe-
streng genommen auch die Rede von drei Personen. Nur um der Bequem- zug fallen d.mans und qwod anTatur zusammen, so daß sich eine Zweier-
lichkeit des sprechens willen läßt Augustin diese Rede zu - und dies auch struktur aus rtens und amor eius ergibt.tb Eine ähnliche Dreierstruktur läßt
nur dann, wenn sie durch die Hinzufügung wna essentia sofort falsifiziert sich im Bereich des \[issens konstruieren, die sich dann im Falle des Selbst-
wird.lr bezuges auf die Zweiheit von mens und notitia eiws reduziert. Zusammen-
Aus dem Pluralisierungsverbot folgt das Prinzip der Nicht-Addierbarkeit. genommen ergeben diese Dyaden eine Dreiheit von mens * amor sui - notitia
Da es sich nicht um mehrere Gerechte oder mehrere Allmächtige handelt, swi.In der Absicht, den trinitarischen Charakter dieser Dreiheit darzulegen,
sind vater und Sohn zusammen nicht größer als der vater allein. Anders als geht Augustinus verschiedene, durch die Tradition vorgegebene ontologische
im Bereich der raumzeitlichen Dinge sind in der Sphäre göttlicher Trinirät Schemata durch, um deren Ungenügen zu beweisen und die wahre Struktur
zwei oder drci nicht mehr als eins. Solange es um ad se-Bestimmungen geht, des Geistes aufzudecken.
repräsentiert iede einzelne Person alle anderen Personen und den einen 1. lWar bei Erörterung der göttlichen Trinität das Gewicht auf die Einheit
Gott.r2 Unterscheidbar sind Vater, Sohn und Geist Augustin zufolge nur Gottes zu legen, da die Rede von einer Dreiheit von Personen durch die Tra-
durch ihre spezifischen Relationen zueinander. zwar ist der vater ebenso dition bereits etabliert wat so hebt Augustinus gegen die naheliegende Deu-
Gott wie der Sohn und der Geist, aber der vater ist eben vater des sohnes, tung der ntens als einer Einheit zunächst die Dreiheit von mens) amor sui und
der Sohn sohn des varers und der Geist beider Geschenk.rl Es gelten also notitia swi hervor. Dem klassischen Modell zufolge verhält sich die rtens zn
folgende Bestimmungen: ihren Vermögen wie eine Substanz zu rhren Akzidenzien.lT Akzidenzien ste-
1. Vater, Sohn und Geist sind je ad. se ansprechbar und besitzen somit Ei-
hen ontologisch aber nicht in se, sondern sind in alio, so daß hier von einer
genständigkeit. 2. Da die ad se-Bestimmungen für alle die selben sind, Trinität keine Rede sein könnte. Augustinus bringt daher Argumente gegen
herrscht ,,Gleichheit" unter den Dreien. 3. Durch die Nicht-Addierbarkeit die Deutung yon aruor und notitia als Akzidenzien vor, um ihnen schließlich
wird die Gleichheit zur ,,Einheit". 4. unterscheidbarkeit der Drei besteht einen Substanz-status zuerkennen zu können.18 Ein erstes Argument besagt,
nur durch die spezifischen Relationen. daß Einsicht und Ville nicht an der mens haften, wie etwa die Farbe am ge-
färbten Gegenstand, sondern diese transzendieren können, indem sie sich auf
1a Zu beachten ist Augustins Anspruch, eine philosophische, und nicht etwa eine theologische
lc
,,tantamque vim esse eiusdem substantiae in Patre et Filio et Spiritu sancto ut quidquid de sin- Theorie des menschlichen Geistes zu liefern. Die vorangegangene Analyse der göttlichen Tri-
gulis ad se ipsos dicitur non pluraliter in summa sed singulariter accipiatur. " (be Tiin. v 8,9) nität liefert den thematischen Leitfaden der Geistanalyse und gehört somit dem Entdeckungs-
ll Ygl. De Trin. YII 4,7-6,12 zusammenhang an, nicht aber dem Begründungszusammenhang.
t2
,,Deinde in his rebus non tantum est unus homo, quantum tres homines simul; et plus sunt ali- l5 ,,Ecce tria sunt: amans ct quod amatur et amor." (De Trin. VIII 10,14)
quid homines duo quam unus homo: et in statuis aequalibus plus auri est tres simul quam srn l6 ,,Duo ergo sunt cum se quisquc amat, amor et quod amatur, tunc enim amans et quod amatur
gulae, et minus auri est una quam duae. At in Deo non ita est: non enim maior esscntia est P:r- unurn cst." (Dc Trin. lX 2,2)
ter ct Filius et Spiritus sanctus simul, quam solus Pater aut solus F-ilius; sed trcs sinrul illac r/ Vgl. Aristott'lt's, K,rtt'goritn 8b 24 - l0a 24.
substantiae sive personae, si ita diccndae sunt, acquales sunt singulis: quod aninralis horno rrorr 1N
,,Sirrrrl t.li.rnr.rtlruoncrrrrr rr rrtcurrrtlttc vi.lcrc lr,rsstrnrrrs h,rt'r-rrr.rrtitr,r cxsistcrc. ct tit!rr(ltlilr)l
pcrcipit. Non cnim potcst cogitilre nisi moles ct sp;rtil, vel rnir.rutrr vcl grantlie, volitrrrrilrrrs irr irrvglrrl.r t,v,,lvr rrt \( nt r.rrt ln ( t (linun)cr( r)l (rr srrbstrrrtirli(t'r vcl, rrt it.r rlir',tnr, r'sscrrti.rlil, t, tt,rtt
,rrrirrro cirrs Ph,rntrrsnrrrtibtrs tiur(lr.rirr) irrrrgirribus c()r-[)()runr." (l)c li.itr. VII 6,1 l) r.un(llr.lnr rrr.rrl,r,',to rrt ,,,lor .rrrt lilirrr.r irr,r,rl,orr'.rtrt rrll.r.rli,r,1r,.rlit.rt.rlrt (lrr.rrrtit.r\." (/)r'
Vgl./)r"litt.Y5,6;V Il.l2 15, 16 /)rr l\ 1," )
160 Johannes tsrachtendorf Der menschliche Geist als Bild des trinitarischen Gottes t6t
anderes als die mens rtchrcn.le \weiterhin gelte, daß die notitia, da sie sich 4. Unterscheidbar sind die drei Glieder durch ihre spezifischen Relationen,
nicht selbst unbekannt sein könne, subjekt von ad se-Aussagen sei, wie et- die die genetischen Verhältnisse widerspiegeln. Die mens bringt die notitia
wa: notitia noscens esr.2o Ahnliches sei yom a.rnor zu sagen.21 .üas aber zum '§Tissen
swi, d.h. das um sich selbst, als verbum mentis hervor. Daher ist die
Gegenstand von ad, se-Aussagen werden kann, das steht ontolo gisch in se mens die Zeugende, das oerbwm mentis aber das Gezeugte. Die Liebe als
und hat somit als Substanz zu gelten. \W'ille zum §flissen spielt in diesem Zeugungsvorgang eine vermittelnde Rol-
2. Augustinus zufolge zeigt sich die Gleichheit der Glieder darin, daß sie le, aufgrund deren Augustinus das aerburn mentis bestimmt als cwm a.more
ontologisch auf dem gleichen Niveau liegen. Der Geist kenne sich selbst notitia. Mit der mens verbindet sich in Liebe ihr §7ort.27
nicht etwa vermittels sinnlicher §Tahrnehmung - so erkennt der Geist sol- Der menschliche Geist - so das Ergebnis des IX. Buches - weist die glei-
ches, das unter ihm steht, nämlich Körperliches, sondern durch sich selbst.22 chen Strukturmerkmale auf wie die göttliche Dreifaltigkeit, nämlich Eigen-
In der Selbstkenntnis und Selbstliebe, in der der Geist sich selbst in voll- ständigkeit, Gleichheit, Einheit und relationale Verschiedenheit der Glieder.
kommener lüZeise erfaßt, herrscht Gleichheir von mens, amor swi und notitia Freilich, Gott ist ein unendliches'§7esen, der menschliche Geist aber ein end-
swi.23 liches. Kraft seiner Unendlichkeit ist in Gott die Dreiheit zugleich eine Ein-
3. Im Selbstbezug findet eine wechselseitige Totaldurchdringung statt, die heit. Der menschliche Geist hingegen erreicht seine trinitarischen Eigen-
die Gleichheit zur Einheit steigert. Anders als beim verhältnis zwischen zwei schaften auf andere §üeise. In all seinen Analysen deutet Augustinus die mens
Freunden, zwischen Ganzem und reil2a oder zwischen vollständig gemisch- auf Selbstbezüglichkeit als ihren Grundcharakter hin. Alle Strukturmerkmale
ten substanzen2s, in denen eine lerzte unabhängigkeit der Glieder bestehen der rnens ergeben sich aus diesem Grundcharakter. Die Eigenständigkeit von
bleibt, befinden sich mens, notitia sui und amor swi jeweils radikal im ande- '§?'issens
notitia wd amor wird deutlich am Selbstbezug des und der Liebe,
ren. Mit seinem merkwürdig konstruiert wirkenden Aufweis, daß jedes ein- der sich in der Möglichkeit entsprechender ad se-Aussagen niederschlägt.
zelne Glied sich in jedem der beiden anderen findet (in alternis), daß zudem Gleichheit besteht dann, wenn die mens sich wissend und liebend selbst voll-
jedes in beiden anderen vorliege (singwla in binis) und daß schließlich zwei kommen erfaßt; die Einheit resultiert aus der vollständigen gegenseitigen
immer paarweise im dritten sind (bina in singwlis), will Augustinus seine Durchdringung aller Glieder; die relationale Verschiedenheit zeigt sich in der
These von der wechselseitigen Totaldurchdringung von mens, notitia sui und genetischen Analyse der Selbsterkenntnis. Selbstbezüglichkeit ist somit die-
amor swi stützen.26 Aufgrund dieser Totaldurchdringung gilt auch in Bezug jenige \{eise, auf die ein endliches, geistiges §fesen die ontologischen Merk-
auf den menschlichcn Geisr, daß jedes einzelne Glied alle anderen und die male des unendlichen Gottes in sich nachbildet.
Ganzheit repräsentiert. Ebenso wie in der göttlichen Trinität sind auch hier
zwei oder drei nicht mehr als eins.

'' ,N." .-- color iste aut figura huius corporis potesr esse et alterius corporis. Mens autcm III. Der ursprüngliche Selbstbezug des menschlichen
amore quo se amat potest amare et aliud praeter se. Item non se solam cognoscit mens sed et
alia multa. Quamobrem non amor et cognitio tamquam in subiecto insunt"menti sed substan-
Geistes als Bild Gottes
tialiter ctiam ista sunt sicut ipsa mens [...]." (De Trin. IX 4,5)
20 Augustinus gibt sich mit diesem Ergebnis noch nicht zufrieden. Die Analy-
,,Et notitia quamvis referatur ad mentem cognoscentem vel cognitam, tamen et ad se ipsam
nota et noscens dicitur; non enim sibi est incognita notitia qua se mens ipsa cognoscit.; (De
se des menschlichen Geistes - so wie sie bisher vorliegt - weist nämlich eine
Trin. IX 5,8) Zv Kritik an der Vorstellung eines selbstbezüglichen Vissensaktes ,gl. L. Höl-
scher, The Reality of tbe Mind. Augwstine\ Philosophical Arguments Zweideutigkeit auf, die vor allem die Darstellung der Relationen betrifft. Das
for the Human soul as a
Spiritual Substance, London 1986, 135 f. Problem läßt sich sowohl von der trinitätstheologischen als auch von der be-
21
,,Et amor quamvis re{eratur ad mentcm amantem cuius amor est, tamen et ad se ipsum est wußtseinstheoretischen Seite her verdeutlichen. Der Vater ist ,,früher" als der
amor ut sit etiam in se ipso quia et amor amatut nec alio nisi amore amari potest, id est se ip-
so. Ita sunt haec singula in se ipsis." (De Trin. IX 5,8) Sohn, denn er ist der Zergende, der Sohn aber der Gezeugte. Diese Priorität
22
,,Ergo et seipsam per se ipsam novit [...]." (De Trin. IX 3,3) des Vaters bringt aber nur die Richtung des Hervorgehens zum Ausdruck,
23
,,Haec tria cum perfecta sunt, esse consequenter aequalia. " (De Trin. IX 4,4)
21
Vgl. De Trin. IX 4,6
25
Vgl. De Trin. IX 4,7 l/ ,,Vcr[rurrr cst igitrrr ,1rr,r.l rrrrr,'.lis,cnrcrc ilc insir]uilrc volurnus, cunl run()rc notitie. (lunr itrr-
)(,
,,Tota vero rn totis quemadmodum sint iam supra ostendimus cunl sc totanr mcns ilnrilt ct r()- (lu('s('nr('ns rtovrt ct .rnr.rt, ittnl,,itttt ti ltttotr'vcr[rtutt citts. I'lt t;ttorti.un.u)r.ll r)()liti.lrtt tt ttt,vit
trrltl n«rvit ct t()t(llll illtl()rcnl sttunr rtovit t()t.1nrquc.lrn.It tr()titiiUll su,rrrt rlUIntlt, lrix i5(,1.l(l s(. .lnt()lcnr, tl vIrl,rrril ilr.Irr)r(-(\l (l ,lrn(]t irr v,rIr,, (l Utrur]t(l[( itt.rlr.rrrlt .ttr;ttc tlit(tttr'." (/)r'
ips,r pcrfcct.r srrrrt." (/)r, 7iir. lX 5,11) /irrr. l\ l0.l'')
162 Johannes Brachtendorf l)er menschliche Geist als Bild des trinitarischen Gottes 163

nicht jedoch ein zeitliches ,,früher-sein". Denn Gott ist nicht erst dreifaltig
besteht. Terminologisch unterscheidet Augustinus zwischen der erst noch
geworden, sondern war es immer schon.
Jene selbstbesinnung, durch die diä herzusteiienden Selbsterkenntnis als se cogitare und der immer schon beste-
mens eine notitia suihervorbringt, kann aber als vorgang in der Zeit verstan-
henden Vertrautheit des Geistes mit sich als se nosse.3lFür diese Dreiheit am
den werden. Der Mensch vernirnrnt die Aufford"*.rg ,u. selbsterkenntnis:
Grunde des menschlichen Geistes führt Augustinus nun die Rede von ze-
cognosce te ipswm, wendet sich daraufhin von den ihn umgebenden Dingen
moria sui, intellegentia swi und voluntas swi ern.32
ab und kehrt in sich selbst ein, um zu erkennen, wer oder *r, in v/ahrheit Augustinus findet trinitarische Strukturen auf allen Ebenen des geschaf-
ist. Eine solche lJmwendung würde einen vorgang in der Zeit ". darstellen. Be- fenen Seins. Er spricht hier von oestigia trinitatis, von effigies trinitatis oder
zogen auf die Dreiheit der mens bwmana hieße das, daß die mens zu einem
einfach von trinitates.ll Den Titel imago reservierr er jedoch für jenes Ge-
bestimmten Zeitpunkt ihrer Existenz tut, was sie zuvor nicht tat, nämlich ei-
schöpf, das der göttlichen Dreifaltigkeit am ähnlichsten ist.3a Das Kriterium
ne notitia sui hervorbringen. An dieser stelle wäre die Analogie zur göttli-
größtmöglicher Ahnlichkeit ist aber die Unveränderlichkeit der trinitari-
chen Trinität durchbrochen, denn diese besteht zeitlos und istieiner verän-
schen Struktur. ,,Es wird also weder die Dreiheit, die jetzt noch nicht be-
derung unters/orfen. Die mens würde aber ersr in der zeft zur Trinität und
steht, Bild Gottes sein, noch ist jene Bild Gottes, die dann [sc. eschatolo-
wäre somit wandelbar.
gischl nicht mehr bestehen wird. Vielmehr muß man in der Seele des
Das X. Buch De Trinitate widmet Augustinus dem Nachweis, daß der
Menschen [...] das Bild des Schöpfers finden, das unsterblich ihrer lJnsterb-
menschliche Geist in Vahrheit eine in sich unveränderliche Trinität darstellt
lichkeit eingepflanzt ist."r5 Die menschliche Seele trägt die imago dei in sich
- ebenso wie die göttliche Dreifaltigkeit. Die mens bwmana wird nicht erst vom ersten Augenblick an, in dem sie zu sein anfing. Dieses Bild Gottes -
trinitarisch, indem sie sich in der Zeft auf sich selbst besinnr, srart an Auße-
,,mag es so verbraucht sein, daß es beinahe nicht mehr ist, mag es verdunkelt
res zu denken, sondern ist es immer schon, seit sie zu sein begann. um dies
und entstellt sein, mag es hell und schön sein" - ist ,,immer vorhanden".36
?u..r"ig:r, führt Au gustinus ein bewußts einstheoretisches Aigument. Jene Eine solche Sempiternität weist aber nur das in sich unveränderliche Gefüge
Selbsterkenntnis, die das Delphische orakcl fordert, ist Auguslinr, ,uiolg.
von memoria sui, intellegentia swi und aoluntas swi auf . Daher kann Augusti-
nur möglich, weil der menschliche Geisr immer schon mii sich selbst be-
nus sagen: ,,Siehe nun, der Geist erinnert sich seiner, sieht sich ein, liebt sich.
kannt ist. \fläre dies nicht so, dann wüßte er nicht, was er suchen solle, wenn
\üenn wir das schauen, schauen wir eine Dreiheit, noch nicht zwar Gott,
ihm aufgetragen wird, sich selbst zu suchen; und selbst dann, wenn er sich
aber doch schon Gottes Bild."37 Augustin zufolge gehorcht das Gefüge von
fände, wüßte er nicht, daß er selbst es ist, den er gefunden hrt.^ D" eine sol-
memoria swi, intellegentia swi und oolwnta.s sal ebenso den Gesetzen trinita-
che Selbstbesinnung möglich ist, muß die mens vorgängig mit sich selbst be-
rischer Ontologie, wie die im IX. Buch analysierte Dreiheit von mens, amor
kannt sein' Der gleiche Sachverhalt läßt sich uo, Rrgrrtins Begriff der Lie-
swi r;nd notitia sui38, zeichnet sich darüber hinaus aber noch durch die Zeit-
be her darstellen. Augustinus zufolge ist die Liebe intintional, dlh. ,1. richtet
losigkeit der internen Relationen aus.
sich immer auf etwas, und dieses et\ /as müsse man kennen, um es lieben zu
Bei der Darstellung der göttlichen Dreifaltigkeit war Augustinus bereits an
könnerr.2e '§(/enn nun gemäß dem Relationen-schema cles IX. Buches die
die Grenzen der Sagbarkeit gestoßen. Anläßlich der Beschreibung der Kon-
mens ,,nithrlfe des amor eine notitia swi hervorbringt, dann muß sie bereits
vor Entstehung dieser notitia eine selbstkennrnis besessen haben. Andern- 3t Ygl. De Trin. X 5,7
falls wäre der amor inhaltslos, da ja die notitia sui erstnoch produziert wer- 12 Ygl. De Trin. X 11,17-18
33 Ygl. De Trin. XI 1,1
den soll und somir als Inhalt nicht in Frage kommt.3. Der menschliche Geist ra ,,Non sane omne quod in creaturis aliquo modo simile est Deo etiam eius imago dicenda est,
- so Augustins Ergebnis - kennt sich immer schon und liebt sich immer sed illa sola qua superior ipse solus est. Et quippe de illo prorsus exprimitur inter quam et ip-
schon. selbsterkenntnis ist nur möglich, weil Selbstkenntnis immer schon sum nulla interiecta natura est." (De Trin. Xl 5,8)
15 ,,Nec illa igitur trinitas quae nunc non est imago Dei erit, nec ista imago Dei est quae tunc non
erit, sed ea est invenienda in anima hominis, id est rationali sive intellectuali, imago Creatoris
:tr quae immortaliter immortalitati eius est insita." (De Trin. XIY 4,6)
eo ipso quo.se quaerit, magis se sibi notanr quam ignoram esse convincitur." (1)e 16 ,,[...] profecto ab initio quo esse coepit ista tam mägna et mira natura, sive ita obsoleta sit haec
Trin. X 3,5),,At si novit quid quaerat, eise ipsam qure.it, ." ipsäm utique oovir.,, (De
"Qua519r1er Trin. X imago ut pcnc nulla sit sivc obscura atque deformis sive clara et pulchra sit, sernper est." (I)c
4,6)
2e Trin. XIY a,6)
-[...] neque omnino quidquam amerur incognitum.,. (De Trin. X 2,4) r/ ,,1'lccc crll() n1('ns rrrcrrrirri( srri, irrtcllcgit sc, diligit sr.- Hoc si c«'rninrrrs, ct'rninrrrs trirrrr.rtcrrr,
r0 Soheißtesüberdennachselbsterkenntnis^-strebend".G"i.r,,,A-ri
igiru.,scdquirl :r)r.r?S(. ttt,tttluntr;rrirlcrrrl),rtrrst,l i.rrttirtt.tgirttrttl)ci."(/)r"/irt.XlVtt, ll)
ipsam? Quomodo, cum sc nonclum novcrit, ncc quisquanr tluotl rrcscit?" (/)r, rB
'l'rin. X 3,5\ 1r,r..it ",rr"." I)ictll)('rlr.rl'rurl'-,1,\ttrllttrlt ')1,r'liilrrtcrrN.tr'ltwciscr.rrrl ,licI)rcilr<itv,,rr»u'ntt,tttt,rrt,trtttl
Ityttt!t,t tru rtrrl r',,lrrttt,rr rrrr lrrlrrt Aul,rtstirlrr rt l)t litrr X I l,l8,lu',1'
164 Johannes Brachtendorf Der menschliche Geist als Bild des trinitarischen Gottes 165

stitutionsbedingungcn des menschlichen Geistes - denn um diese geht es hier chen Nacheinander aktiv werden, ist die Differenzierung von innerem Ge-
- treten ähnliche Probleme auf. offensichtlich sind ja die Begriffe memoria dächtnis, innerer Einsicht und innerem Villen eher als Unterscheidung von
und, intellegentia dem Bereich diskursiven Denkens entnommen, in dem sich Aspekten des einen, unveränderlichen Selbstverhältnisses zu verstehen.'§flo-
die intellegentia (cogitatio), gelenkt durch den §flillen, auf einen Gegenstand rauf es Augustinus bei der Verwendung des Begriffes memoria sui ankommt,
richtet und die gewonnene Einsicht dem Gedächtnis anvertraut, um später ist die Stetigkeit, die Gedächtnisinhalten dadurch zukommt, daß sie konti-
auf sie zunickgreifen zu können. Schon der übergang vom IX. zum X. Buch nuierlich bereit liegen. Nicht den §Techsel von Aktualisierung und Inaktua-
machte aber klar, daß nicht an ein solches zeitliches verhältnis zu denken lisierung sondern diese Kontinuität will Augustinus vom ursprünglichen
ist.3e Im XIV. Buch bemüht sich Augustinus ausdrücklich, das hier gemeinte Selbstbezug des Geistes aussagen, wenn er diesen als memoria szl beschreibt.
Verhältnis gegen die gewöhnliche Bedeutung von mentoria, voluntas und in- Intellegentia sui ist als Ausdruck des Akt- und Vollzugscharakters der
tellegentia abzusetzen. Um das Bild Gottes zu finden, müssen wir uns ,,zum Selbstbeziehung des Geistes zu verstehen. \Während auf der Ebene diskursi-
inneren Gedächtnis des Geistes hinwenden, durch das er sich seiner erinnert, ven Denkens die Gegenstände der Aufmerksamkeit nicht simultan, sondern
zur inneren Einsicht, durch die er sich einsieht, zum inneren \Willen, durch nur sukzessive erfaßt werden und daher ständig wechseln, zeigen die Be-
den er sich liebt, wo diese drei immer zusammen sind und zusammen waren, stimmungen des Selbstbezuges als memoria sui und intellegentia swi an, daß
seit sie zu sein anfingen, [...]."40 Der Geist wird nicht erst ein selbst, indem er dieser als stetiger, in sich invarianter und somit nicht-diskursiver Vollzug zu
irgendwann beschließt, seine cogitatlo auf sich selbst zu richten und das Er- denken ist. §(enn Augustinus mit der volwntas sai eine praktische Dimension
gebnis im Gedächtnis zu hinterlegen, sondern er ist immer schon ein Selbst, im Selbstbezug zur Geltung bringt, dann richtet sich diese oolwntas nicht auf
seit er zu sein begann. ,,Im Geiste aber ist es nicht so. Er ist sich nämlich kein einen partikulären Willensinhalt neben anderen und auch nicht auf ein erst
Ankömmling, gleich als ob er zu seinem Selbst, sofern es schon war, von an- noch ausstehendes \Tillensziel. Vielmehr kommt ihr die gleiche Stetigkeit zu
derswoher käme eben in diesem seinem Selbst, sofern es noch nicht da war, wie der intellegentia sui.
oder als ob er zwar nicht von anderswoher käme, sondern in seinem selbst, Augustinus zufolge ist der menschliche Geist in seinem Innersten nichts
das schon war, eben dies sein Selbst geboren worden wäre, das noch nicht anderes als ein stetiger, kognitiv-voluntativer Selbstbezug. Dieser Selbstbe-
war, wie im Geiste, der schon war, der Glaube entsteht, der noch nicht war, zug kann nicht an die Stelle des'§üeltbezuges treten oder mit diesem konkur-
oder als ob er sich, wenn er sich nach seiner einmal vollzogenen Selbst- rieren, so als hätte man sich zu entscheiden, ob man sich lieber mit sich selbst
erkenntnis seiner erinnert, in seinem Gedächtnis sähe, wie wenn er dort hin- oder mit anderem als sich selbst befassen möchte. Selbsthabe ist kein will-
terlegt worden wäre und wie wenn er nicht dort gewesen wäre, bevor er sich kürlich zu vollziehender oder zu unterlassender Akt, sondern ein der mens
selbst erkannre, während er doch in der Tat, seit er zu sein begann, niemals bumana wesentlicher Vollzug, durch dessenlnvarianz allererst die in allen
aufhörte, sich seiner zu erinnern, niemals aufhörte, sich einzusehen, niemals nach außen gerichteten Akten durchgängige Identität des Geistes garantiert
aufhörte, sich zu lieben, wie wir schon gezeigt haben."a1 §7ährend die äuße- wird. Nur aufgrund dieses immer bestehenden Selbstbezuges kann ich all
re memoria, cogitatio und poluntas Vermögen darstellen, die in einem zeitli- meine §Teltbezüge überhaupt meine nennen.
Somit kann der volwntas-Aspekt des Selbstbezugs keiner moralischen Dif-
den Interpreter gehen die Meinungen darüber auseinander, ob und in welchem umfang
" Yn,g ferenz unterliegen. Die innere volwntas ist nicht nach gut und böse beurteil-
De Trinitate eine Aufstiegsbewegung enthält, wie wir sie etwa von den Confessiones her ken-
nen. M.E. enthalten die Bücher XI-XIII Elemente einer solchen Bewegung, aber nicht im Sin- bar und unterliegt auch nicht der Forderung nach einem rechten Maß. Als
ne eines Aufstiegs zu Gott, dem höchsten Seienden, sondern ztmZentrum der mens humana Konstitutionsbedingung des menschlichen Geistes kann sie nicht anders sein,
als zweithöchster Entität. Im Übergang zum XL Buch unterbricht Augustin seine Darlegun-
gen' um auch die ,,langsameren Geister" zum verständnis der Ergebnisse des X. Buchei zu als sie ist, denn sonst gäbe es den Geist nicht. Die volwntas interior hat immer
führen. Durch Erörterung von Dreiheiten, die der Struktur des 2entrums der mens immer schon, was sie will, und kann nichts anderes wollen, als was sie hat.a2 Frei-
näher kommen, soll der Leser die Fähigkeit des .dinoscere", d.h. dcs ,,Auseinanderkennens"
(schmaus) solcher Elemente erwerben, zwischen denen keine zeitdifferenz besteht.
a0 ,,Nam si nos referamus ad interiorem mentis memoriam
qua sui meminit et interiorem intelle- aut post cognitionem sui recordando se ipsam velut in memoria sua constitutam videt quasi
gentiam qua se intelligit et interiorem voluntatem qua se diligit, ubi haec tria simul sunt ct si* non ibi fucrit äntcquJm se ipsam cognoscerct, cum profecto ex quo esse coepir, numquam sui
mul semper fuerunt ex quo esse coeperunt sive cogitarentur sivc non cogit.rrcntur, vidchirur mcminissc, nrrrrl(luilln sc intcllegcre, numquam se amare destitcrit sicut ianr ostendimus." (De
quidem imago illius trinitatis 1...1." (De Trin. XIY 7,tO) 7ür. XIV l0,ll)
4l ,,Porro autem in ntente non sic est; neque cnim adventicia sibi ipsa cst qul.\i ;rtl sc ilrs,uu .1ur.. rr I).r tlic.t rt)lt.nt,t\ irrrrrrcr .r lrorr h,rt, wls sic will, vt'rrlit sit siclr rricht tlurclr cin IJetliirfnis:
iam erat vcrtcrit aliunclc catlctn ipsa quac non errt, ilr.lt rrorr ,rliuntlc vcrrcrit st.rl i,, ,,:ipr.,.;r,.,,. ,,.1n)or(1il( rl)\( noI rl.r !( nlrlur (ss(, (unl cunr n()n Prorlit irrtligt'rrti,t, r;rttlrrr.rrtr s(rIrl)('r l)r.l(s1()
iittrr t'rrtt ll.llJ sit (i ipsr tlLt.tc rl()n ('t'.ll si(u( in nr(nt( r1u.rt.i,rrl r.r.rt orilrrr lirl<.s r;rr.rc ron (.r.lt, trt rlttrxl .un,rtur " lll, llrtt \ l.',19)
166 Iohannes Brachtendorf [)er menschliche Geist a1s Bild des trinitarischen Gottes 167

lich hat die Rede vom Bild Gottes für Augustinus auch eine moralisch-prak-
Revision der Lehre vom Bild Gottes verstanden.as Auf dem Hintergrund des
tische Bedeutung. Mit dem Apostel Paulus fordert Augustinus die Seele auf,
bisher Gesagten zeigt sich jedoch, daß Augustins diesbezügliche Au13erun-
das Bild Gottes in sich umzugestalten und ,, ...r.r..rr, uncr zwar durch
gen die Lehre von der fundamentalen Selbstbezogenheit des menschlichen
Hinkehr zu Gotr. Durch die sünde wurde das Bild entstellt durch den
-
Glauben soll es wiederhergestellt werden. In der törichten seele ist das Bild
Geistes gar nicht betreffen.
Augustins erste Abgrenzung besagt, nicht der ganze Mensch sei Bild Gott-
verblaßt * durch weisheit wird es erneuert.43 Grundsätzlich ist aber fesrzu-
es und nicht einmal die ganze Seele, sondern nur die mens. Eine einzelne Per-
halten, daß auch die törichte seele Bild Gottes ist, nämlich aufgrund ihres
son sel nicht dreifaltig, sondern besitze eine Dreifaltigkeit in ihrem Geist.
konstanten selbstverhältnisses. Jede Erneuerung und moralischJ Besserung
Gott hingegen sei in seiner Ganzheit nichts anderes als Dreifaltigkeit. ,,Ich
stellt aber eine veränderung in der Seele dar und muß somit auf einer ande-
bin es, der sich durch diese drei erinnert, einsieht und liebt, ich, der ich we-
ren Ebene liegen als die ursprüngliche Selbstbeziehung des Geistes. Erneue-
der Gedächtnis, noch Einsicht, noch Liebe bin, sondern diese drei besitze.
rung des Bildes kann deshalb nicht bedeuren, daß der Geisr, anstart sich sei-
Diese drei können also von einer Person ausgesagt werden, welche diese drei
ner selbst zu erinnern, sich zu denken und sich selbst zu lieben, an Gott bat, nicht diese drei lsr. In der Einfachheit jener höchsten Natur hingegen,
denken und ihn lieben solle, etwa weil es sich bei seinem Selbstbezug um ei-
die Gott ist, sind, wenngleich nur ein Gott ist, doch drei Personen, der Vater,
ne sündhafte Selbstzentriertheit handelte, die aufgebrochen und in eine Gottes-
Sohn und Heilige Geist."a6 Nun ist aber spätestens seit dem IX. Buch klar,
beziehung umgewandelt werden müßte. Die hier geforderte Gottesliebe
daß nicht der Mensch als ganzer, sondern nur die mens bwmana Blld Gottes
ist eine Angelegenheit der äußeren oolwntas, nicht der inneren. Das funda-
sein kann.aT Daß Gedächtnis, Einsicht und Liebe einen Akteur voraussetzen,
mentale selbstverhältnis konkurriert nicht mit dem verhältnis zu Gott, son-
der die entsprechenden Akte vollzieht, oder einen Herrn, der über die Akti-
dern ist dessen Möglichkeitsbedingung. Nur weil der Geist sich immer seiner
vierung der Vermögen entscheidet, gilt nach dem oben Gesagten nur für die
selbst erinnert, sich immer denkt und liebt, ist er ein Selbst, das sich auf an-
äußere memoria, cogitatio und voluntas, nicht aber für die innere Dreiheit,
deres als sich selbst richten und sich dieses zueignen kann. Nur ein in sich
die ja erst jenes bewußte Wesen konstituiert, das zum willentlichen Vollzug
selbstbezügliches wesen wie der menschliche Geist vermag sich überhaupt
von Akten in der Lage ist. Der Mensch hat im Selbstbezug seiner mens eine
auf der Ebene diskursiven Bewußtseins Gott zuzuwenden, sich Gottes zu er-
Dreifaltigkeit, aber dieser das Ich allererst konstituierende Selbstbezug ist ei-
innern und ihn zu lieben. Tut er dies tatsächlich, dann werden awcb die äuße-
ne Dreifaltigkeit, ebenso wie Gott eine Dreifaltigkeit rir.
re memoria, die cogitatio und die äußere ,toluntas zur vollkommenheit ge-
Die zweite Abgrenzung betrifft den Zusammenhang der Trinität. §üegen
langen und zum Bild werden. Dies ist aber nur möglich, weil die in.re.e
der z''tr Einheit gesteigerten Gleichheit, ausgedrückt durch das Gesetz der
Dreiheit immer schon imago dei ist.aa
Nicht-Addierbarkeit, repräsentiert in Gott jede einzelne Person zugleich al-
le anderen Personen und die Gesamtheit der Personen. Überträgt man die
Rede von memoria, intellegentia und oolwntas auf Gott, wie Augustin dies
im XV. Buch tut, dann ergibt sich nicht etwa, daß der Vater der memoria ent-
IV. Unähnlichkeiten zwischen göttlicher und spräche, der Sohn der intellegentia und der Geist der volwntal Vielmehr er-
menschlicher Dreifaltigkeit ? innern sich Vater, Sohn und Geist je für sich ihrer selbst und auch der ande-
ren Personen, sie kennen je sich selbst und die anderen und lieben je sich
Im XV. Buch nimmt Augustinus Abgrenzungen der göttlichen Dreifaltigkeit selbst und die anderen. \Während bei Gott also jede der drei Personen zu-
gegen das Denken des Menschen vor. Diese Abgrenzungen werden of1 als gleich jede der drei Funktionen ausübe, und zwar in Bezug auf sich selbst

at YgL De Trin. XIY 16,22 f.


a{ Nur eine solche, immer schon Vgl. oben Anm.4
bestehend e imago dei ist auch capax dei. ,,Sed prius mcns in se ip- ,,Ego per omr.ria illa tria memini, ego intellego, ego diligo, qui nec menroria sum nec intelle-
sa consideranda est antequam sit particeps Dei et in ea reperienda est imago eius. Diximus enim gcntia ncc dilcctio, scd hacc habeo. Ista ergo tlici possunt ab una persona quae habet haec tria,
eam etsi amissa Dei participatione obsoletam atque deformem Dei tamen-imagincm pcrnrancrc.
non i1rs,r cst lrrt, tri.r. lrr illius vcro sunlrnac sinrplicit:rtc naturac quac I)cus cst, quamvis unus
Eo quippe ipso imago eius estquo eius capax est eiusquc essc particcps pr.,r.:st,.1u.r.l ta,n ,r,,
sit [)ctrs, tr(s t.uu( n l)o\()n.l('sunt, I)iltcr-ct Iiilitrs ct SPiritrrs srrnctrrs." (Dr Trin. XV 22,42)
F"rTb"lyulnisi perhocquodimagoeiuscsrnonp.rr"rt." (Di-lrin.irvn,rry (.)alttxtlci scin ll ,,Atrlct.ttrrtts,rrrru,rl, lr.r,,r'rrsrrltrrlit)n('a:lct('rttlrr,rcrrrrrlt,rsrrrrt,rltrihttslr()rll(,(()nsfirt:ilt(luc
ist offcnsichtlich nicht cine Qualifikation .lcr rnrrr,rlisclr vollkornrrrt.rrt.rr Sr.t,lt.. s,,rr.lt.rrr «.irrt, llc
ur lr.r,, ,1rr,r, rr,( r(rlurr,lr\, (lu.urrur)r irt lris rcl,rrs l)()ssunrus, lirlui.l,, rclrt'ri.rrrrrrr, rlc s,,l.r
stittrttltttlg tles \Wcscrts tlcs rttcrrst ltlit lrt'rr ( icirtt's, urrtl trillt rl.rlrt.r .ruclr .rul rlt.rr Srirrtlcr zu.
il11 [l( lr.r(l|ilIil. (/)r /rrr l\.',,))
l6U Johannes Brachtendorf Der menschliche Geist a1s Bild des trinitarischen Gottes l(,')

und die anderen, gelte für den Menschen, daß er sich nur durch das Ge- nach dem anderen an, sondern umfaßt ,,mit einem einzigen, ewigcrt, Llrlw.trr
dächtnis erinnere, nur durch die Einsicht einsehe und nur durch den villen delbaren und unaussprechlichen Blicke alles [...] v/as er kennt"5r' I)cr
liebe.a8 Die These, daß in Gott nicht jede Person nur eine Funktion ausübe, Mensch denkt hingegen diskursi\ d.h. er erfaßt seine Denkinhalte sukzessi-
sondern alle drei Funktionen, und zwar sowohl in Bezug auf sich selbst als ve und muß einen Gedanken aufgeben, urn den nächsten fassen zu können.
auch auf die anderen Personen, ist letztlich nur eine Neuformulierung des '§ü'iederum
gilt jedoch, daß dieser Unterschied nur zwischen göttlichem und
Grundsatzes, daß drei nicht mehr sind als eins. Solange es um ad se-Eigen- bewußtem, menschlichen Denken besteht. Jene Selbstbezüglichkeit aber, in
schaften geht, repräsentierr jede Person die gesamte tinität. Genau diese der die mens immer schon sich ihrer erinnert, sich denkt und sich liebt, ist
Struktur hatte Augusrinus aber auch im menschlichen Geist gefunden, sofern nicht an das Gesetz der Diskursivität gebunden. Gemäß der trinitarischen
rnens, amor swi und notitia suiae bzw. memoria swi, intellegentia swi und vo- Logik ist die gegenseitige Durchdringung der Glieder auf dieser Ebene in je-
lwntas suit1 sich so sehr gegenseitig umfassen und durchdringen, daß jedes dem Augenblick vollständig. Hier gibt es keine Veränderung und keinen
einzelne Element zugleich die gesamte Dreiheit darstellt. Die Nicht-Addier- §7andel, sondern vollkommene Selbstpräsenz.
barkeit der Elemente ist ein \vesensmerkmal der intellegiblen \ilelt über- '§ü'as
diese Selbstpräsenz bedeutet, zeigt Augustins These, der Geist wisse
haupt und gilt somit auch von der mens bwmana. Auch weist Augustinus im zwar nicht das Ganze, aber was er wisse, wisse er als Ganzer.sa Diese These
weiteren Verlauf des XV. Buches auf diese grundsätzliche Ebene hin, wenn ist als Einschränkung zu verstehen. Sie besagt, daß die Selbstpräsenz des Gei-
er erklärt, daß die memoria immer schon ihre eigene intellegentia und. oo- stes, wie sie im ursprünglichen Selbstbezug besteht, nicht als vollkommene
lwntas mit sich führe, daß auch die cogitatio in sich durch memoria und vo- Selbstgegenwart auf allen Ebenen zu verstehen ist. Im X. Buch der Confes-
lwntas zur Dreiheit ergänzt werde, und daß der aolwntas intelligentia und sion e s b eschreibt Au gustinus in beinahe psychoanalytisch anmutender'Weis e
ntemoria als kognitiver Anteil inhäriere.sr So mag es wohl sein, daß der die ,,weiten Hallen" und ,,entlegenen Kammern" des Gedächtnisses, die jene
Mensch sich durch das Gedächtnis erinnerr, durch die Einsicht einsieht und unzählbare Menge von Bildern beinhalten, die durch die Sinne aufgenommen
durch den Willen liebt, doch dies ändert .ichts daran, daß der ursprüngliche, oder durch die Phantasie entworfen werden.ss Dort heißt es: ,,Groß ist die
kognitiv-voluntative Selbstbezug ebenso trinitarisch strukturiert ist wie die Macht meines Gedächtnisses, gewaltig gro{3, o Gott, ein Inneres, so weit und
göttliche Dreifaltigkeit. grenzenlos. §ü'er ergründet es in seiner ganzen Tiefe? Diese Kraft gehört mei-
Die dritte Differenz schließlich betrifft die Simultaneität bzw. Diskursi- nem eigenen Ich hier an, sie ist in meiner Natur gelegen, und gleichwohl fas-
vität des rVissens. Augustinus zufolge ist Gottes §?issen simultan in doppel- se ich selber nicht ganz, was ich bin."56 Demnach ist der Geist sich selbst so
tem Sinne: einmal indem das Zukünftige und das Vergangene für dieses \ü'is- wenig gegenwärtig, daß er nicht einmal von dem, was in seinem Gedächtnis
sen ebenso präsent sind wie das Gegenwärtige; und zum anderen, indem ist, das Ganze weil3. Dennoch muß der grundlegende Selbstbezug, um den es
Denkinhalte nicht bloß einzeln erfaßt werden, so daß ein Inhalt fallen gelas- in De Trinitate geht, vollständig und unteilbar sein, denn er stiftet allererst
sen werden müßte, damit ein anderer Inhalt Gegenstand der Aufrnerksam- lene Identität, die es ermöglicht, meine Gedächtnisinhalte, auch die im Mo-
keit werden kann, sondern gleichzeitig präsent sind.s2 Gott schaut nicht eins ment unerreichbaren, nxeine zu nennen. Diese Identität impliziert nicht, daß
der Geist aktuell alles über sich weiß, aber sie impliziert sehr wohl, dal3 er al-
- ,J"-q.- l" hoc magna distantia les, was er weiß, als Ganzer, d.h. als er selbst weiß. Die vollkommene Selbst-
est, quod sive mentem dicamus in homine, eiusque notitiam,
et dilectionem, sive memoriam, intellegentiam, voluntatem, nihil mentis meminimus nisi per
memoriam, nec intellegimus nisi per intellegentiam, nec amamus nisi per voluntatem, At viro aliis ad alia cogitando transeatur, sed in uno conspectu simul praesto sint universai quis, in-
in illa Trinitate quis audeat dicere Patrem, nec se ipsum, nec Filium, nic Spiritum sancrum in- quam, hominum comprehendit istam sapientiam eandemque prudentiam eandemque scientiam
tellegere nisi per Filium, vel diligere nisi per Spiritum sanctum, per se autem meminisse tan- 1...1?" (De Trin. XY 7,13)
tummodo vel sui vel Filii vel Spiritus sancti; [...]." (De Trin. Xy 7,12) 51 ,,[Deus] qui non singula cogitando aspicit sed una, aeterna et immutabili atque ineffabili visio-
1e Vg[. De Trin. lX 5,8
ne complectitur cuncta quae novit [...]." (De Trin. XV 7,11)
50 Vgl. De Trin. X 11,18
5r ,,Sicut ergo inest intellegentia, inest dilectio illi memoriae principali in qua invenimus pararum 'a ,,Sed absurdum est dicere non eam totam scire quod scit. Non dico: Totum scit, sed: Quod scit
totx scit." (De Trin. X a,6) Vgl. dazu die Analyse bei L. Hölscher (a.a.O. 193-195) sowie die
et reconditum ad quod cogitando possumus pervenire quia et duo ista invenimus ibi quando Ausfü[rrurrgen bci E. Booth, St. Augustine's ,,notitia sui" Related to Aristotle and the Early
nos cogitando invenimus et intellegere aliquid et amare quae ibi erant et quando inde non co- Nt'o-l)lat<rnists,in Augusriniana 28 (1978), 19l f .
gitabamus." (De Trin. XY 21,41) '5 Vgl. (i»r/. X r,ll
52 ,,Quis ergo hominum potest istam sapientiam qua novit Dcus
omnia it;r ut ncc ca quilc (licllr) t,, ,,M,rgn,r ist,r vrs r.st r'.,r Ir(ilr()r'i.r('t rrr.rgrrr rrinris, tlt'rrs nrctrs, []cn('(r,llc.uttPlttnt ct infirriturtr.
tur Practerita ibi practercant, nec ea qu,rc dicuntur futur,r rlu.rsi rlesint cxpct'tt.rrtul ur vcr)i.ln(, (.)rrir.r,l lrrrr,l,rrrr,.rrrrrrr, { lr\ lr( r\( nrt? lrt vir csl lr.rte.rrtittti nr('i.ll(lu( .t,1 ttt,.tttt rr,ttttt.tttr ltttli
sc(l ('t prrrctcritir t't ftttttra cunr prircs('nti[)tts sirr( r'urrr'(.r pr.rcscntir; ncc sirrgrrl.r cogitr.rrtrr cl .rlr [(1,il(( {1,('rl'',,,.rl,r.,l,,rUIr.,llr0rl rttttt"((r,rr/ Xt{,1\; IIlr.rs.I ll|rrrlr'rlt)
l7O Johannes tsrachtendorf

durchdringung, die Augustinus als \üesensmerkmal der mens bwmana her-


ausarbeitet, betrifft also nicht die Vielzahl konkreter Inhalte des Geistes, son-
dern nur die Konstitution des Selbst überhaupt.
Der rnenschliche Geist ist ein Bild des dreifaltigen Gottes, weil er ebenso
wie dieser die Strukturmerkmale einer Trinität aufweist. Mit den Thesen des
XV. Buches De Trinitate nimmt Augustinus keineswegs seine Bild-Theorie
III. Sprachtheorie und
zurück. Vielmehr macht er noch einmal klar, wo die trinitarische Struktur
des Geistes zu finden ist, nämlich in jenem Selbstbezug am Grunde der mens
Villerrsbegriff
bwmana, der jene Identität gewährleistet, die in iedem konkreten Außen-
'§Tesens vorausgesetzr ist. Zugleich
bezug eines mit Bewußtsein begabten
hebt Augustinus noch einmal die Unterschiede zwischen Gott und Mensch
hervor, die la in allgemeiner Form durch den Begriff des Bildes, das bei aller
Übereinstimmung mit dem Original doch nicht mit diesem identisch ist, be-
reits markiert sind. Gott und Mensch sind nach Augustinus grundsätzlich
durch die Differenz zwischen schöpfer und Geschöpf geschieden. Eine Di-
vinisierung des menschlichen Geistes ist damit von vornherein ausgeschlos-
sen. 'üir hatten oben festgestellt, daß Selbstbezüglichkeit diejenige Seinswei-
se isr, durch die die endlich e nxens bwmana Strukturmerkmale des
unendlichen Gottes in sich nachbildet.5T Die Thesen des XV. Buches kon-
kretisieren den ljntcrschied zwischen Gott und seinem Bild vor allem auf
dem Gebiet des '§ü'issens. Gott schaut das Vergangene und das Zukünftige an
- der menschliche Geist kann Zukünftiges nur aus Vergangenem erschließen.
Gottes simultanes §fissen umfal3t alles nur Wißbare - der menschliche Geist
vermag nur in seinem unmittclbaren Selbstbezug dem Gesetz der Diskursi-
vität des Denkens zu entkommen. Gott ist sich selbst vollständig präsent -
dem menschlichen Geist sind sogar die Inhalte seiner eigenen memoria nicht
resrlos zugänglich. Gott hat alles \(issen immer schon in sich - dle rnens
humana muß all ihr \fissen (sei es durch äußere Lehrer, sei es durch den in-
neren Lehrer) empfangen, außer dem einen, von ihrer Natur gänzlich unab-
trennbaren tüissen, nämlich daß sie sie selbst ist.

1/ Zwar überträgt Augustinus gerade im XV. Buch den anhand der Analyse des menschlichen
Geistes entwiikelt.., Ged".,ke., des Selbstbezugs schließ[ich auch auf die göttliche Dreifaltig-
keit: ,,An haec sapientia quae Deus dicitur non se intellcgit, non se diligit? Quis hoc dixeriti
Aut quis est qui non videat ubi nulla scientia est nullo modo esse sapientiam? Aut vcro putall-
du.r, ert sapientiam quae Deus est scire alia et nescire se ipsam, vel diligere alia ncc diligere se
ipsam? Quae sive dici sive credi stukum et impium est. Ecce ergo tinitas, sapicntia scilicet ct
.rotiti, sui et dilectio sui. Sic enim et in homine invenimus trinitatem, id est mcntern ct notiti,lrll
qua se novir et ditectionem qua sc diligit." (De Trin. XV 6,10) Zumintlcst folgt ebcr
(iottcs
öreifaltigkeit nicht aus sciner Sclbstbezogcnhcit; sonst miißtc sic rricht itt systt tn:rtisclrcr
I)urchdringung tlcr ()ffcnb.rrung rrufgcwicscn wt'rtlctr, wic Augustintrs,lics irr l)t liitrit,ttt
V-VII ttrt, r,r,t.lcrtt w,irc lrlril,rsophisch .rlrlcil[r.rr"
llobert Marhas

Communication and Transcendence in


Augustine's De Trinitate

,,On the way from Plato to Descartes stands Augustine": so wrote Charles
'lhylor, in a book which has rightly become seminal.l Augustine has come to
stand at the centre of much of modern discussion of human self-transcen-
clence.2 I shall not concern myself here with the grand theme around which
these discussions have revolved, the idea of transcending humanity, or trans-
cending the realm of created nature, at any rate, not directly. I shall approach
these great questions through a less grand mode of hurnan self-transcenden-
ce, that which human beings achieve in the course of communicating with
cach other and thereby breaking through the barriers of their own selves.3 I
shall then argue that for Augustine this model of transcendence has applica-
tion wider than to inter-personal communication.
Augustine's paradigm of transcendence is the desire for understanding
meaning. Much of Book X of the De Trinitate is taken up with the argument
to show this. Paradoxically, Augustinet argument to establish this takes the
form of denying, or at any rate, appearing to deny, that anything unknown
can be loved. To desire (I use ,love' and ,desire' almost interchangeably) so-
mething, he argues that we must know at least that leind of thing, its genws.
'§fle must know the object by description, even if we
are not directly ac-
quainted with it. If we desire knowledge that we do not already possess,
what we seek is by definition unknown to us; and as that is impossible, it
would seem to follow that we are for ever condemned to remaining enclosed
within the circle of what we already know. Augustine's way of resolving this
conundrum begins with a version of the old theory of reminiscence: the aut-

C. Taylor, Sources of the self. The making of the modern identity (Cambridge, 1989), 127.
In addition to Charles Taylor's book (see n. ; especially Chapter 7; but the theme is a running
thread in his book), see M. Nussbaum, Love's hnowledge: Essays ort philosophT and literatwre
(Oxford, 1990). Her attack of Augustinian transcendentalism is concentrated in pp. 368-91. It
is the subject of the discussion - illuminating and obfuscating in about equal degrees - of D.
Dawson, Transcendence as embodiment: Augustinet domestication of gnosis, Modern theolo-
gy l0 (199a) F26. F. Kerr, Immortal longings: oersions of transcending humanity (London,
1997) discusscs thc trcirtmcnt of the subjcct by a number of modern thinkcrs, including Nus-
sluunr and 'liyk,r.
A thcrrrc .rl llr( ( ( ntr( ,,1 I(. \Uilli.rlrrs, l.arrgtt;rgc, rcelity, art.l tlcsirc in Augustinc's l)c t'krctrin:r
(llrristi.rrr.r, l,rrttr,tl r'l lttt t,tttt! ,orrl tltttlogt,.l (lrll9) l l8 50. lt is.r pltrsrrrt ro.rtknowlctlgt'
tttv ;rr,,l,,ttrr,l rlll.rt t,' rlrr', rrr.rrrcll,,rts strrrlt. l'lrr'5s1lr;c,l r..rlso torrrlr.,l,'r lrv l).rwson, (sct
[,,r)
174 Robert Markus (lommunication and tanscendence in Augustine's De Trinitate 175

hority of those on whose report and recommendation we might desire to it fully as what we assume it to be, a signwm. §7e assume ithas a meaning: in
know what we don't know, he says, would not suffice to make us desire this the language of the De doctrina Christiana, it would be a signwm ignotum.If
knowledge; unless we had some ,,slight norion of the subject impressed on we remained in our state of ignorance, we would know it only as ares, abru-
our consciousness" (breviter impressam... in animo notionem) from the start, te sound, lacking the knowledge of its full reality as signwm,which would in-
we would not be spurred to seek to get to know it.a This line of argumenr clude knowing its meaning. In the absence of the assumption that a particu-
would seem to minimise the self-transcendence involved in the process of lar res is in fact a signwm, we should have no urge ro go beyond the res and
learning and loving: whatever is to be loved, or known, must already be in we should be satisfied with the knowledge we have of it as such. In the case
some manner in our consciousness, known or loved. But Augustine is not of understanding language, the narure of the attendant circumstances suffi-
content with the classical answer of the Platonic tradition, that in some way ces to explain our restlessness, our struggle to understand: for we are in a si-
our minds already have access to the knowledge in question. tuation of frustrated communication. So what is it, Augustine asks, that we
I want to by-pass here the amply discussed rl-reme of the pressures thar desire when we enquire into the unknown meaning of a word? It is not, ob-
Neo-Platonic concepts exercised on Augustine's analysis of self-love and viously, the res - the sounding word - itself, for that we already know; nor
self-knowledge.5 what I want to consider is the nature of the dynamism that can it be the object it signifies, for that, ex hypothesi, is unknown and can
love bestows on knowing. Desiring to know what I don't already know therefore not be an object of love or desire. §flhat is interesting is rhe manner
leads me to that knowledge. Love (desire) expands the limits of knowledge. in which Augustine explains, and generalises, the grounds of our urge to un-
In God's fullness of love and of knowledge all movemenr is at rest; in us, derstand the res as meaningful:
love and knowledge provide a murually reinforcing dynamic, allowing us the ,,§7hat else is it but the knowledge and the awareness in the principles of
continuous expansion of their limits: this I call self-transcendence. Built into things (in rationibws rerwm) of the beauty of the knowledge (ltwlcbritwdo
all our ignorance is a drive for understanding and, as we shall see, this drive doctrinae) which reveals the meaning of all signs, and of the value of that
is analogous ro understanding the meaning of a sign. In this sense we conti- sklll @eritia) by which men cornmunicate with one anorher in their socie-
nually transcend, in our efforts ro know, what is akeady, in however shado- ties? Only thus can human groups avoid being worse, through inability to
wy a manner, contained in our minds. But what is already presenr in our share their thoughts by communicating, than any kind of solitariness."T
minds is not so much a trace of the ob1'ect we are seeking, as an inclination to The antecedent knowledge which prompts our urge to understand a sign is
seek meaning. the basic conviction of the value and the possibiliry to communication. The
Augustine illustrates this dynamic by investigating what is involved in co- desire at work here, to summarise Augustine's answer, is the love of disco-
ming to know the meaning, previously unknown, of a sign.6 \7e hear, Iet us vering meaning, that is to say, an antecedent general desire for understanding
say, a word whose meaning we don't know. ve know it is a word with a significance. The desire to discover the meaning of this particular unknown
meaning, not mere empty noise. lwe know the letters it is made up of, we word presupposes, in Augustine's view, not only the awareness that it has
know its sound: we know it fully as a res, as Augustine would call it in the meaning, but a more general desire which stands behind this particular desi-
De doctrina cbristiana: as a reality which becomes meaningful when it ent- re, a desire for understanding the sign-systems by which human beings com-
ers into a semantic relation. §7e believe it has a meaning, but we do not know municate and form societies. Discovery of meaning is thus a double escape
from limitation: it is an escape from enclosure within a sphere of signs which
are opaque, nlere res; and at the same time it is an escape from exclusion or
De Trin. X 1,1.
Discussed above, by Christoph Horn, Selbstbezüglichkeit des Geistes bei Plotin und Augusti- isolation from a linguistic cornmunity into the realm of shared meanings, in-
1us,
and Jean P6pin, T-e rout et les parties dans la connaissance de la mens par elle-mäme (De to understanding its language.
Trin. x3,54,6). see also the fine discussions by o. o'Donovan, Tbe problim of self-lore in st In principle, Augustine .wants to give almost unlimited scope to the urge
Augwstine (New Haven & London, 1980), especially 6v92; and G. p. o'Daly,,4 ugistine,s pht-
losophy of mind (London, 1987) 2og. For a iurvey, p. Agaösse, 'Not. .o-pl6-entaire, in 8,4 to understand and to communicate. Vhat he says about understanding for-
16,603-5. eign languages is very revealing in this connection: it would be wonderful
For a full account, cf. my paper: Signs, communication and communities in Ausustine,s I)e not to bc alicn t():1ny languagc (nullamquc flinguarnl ut alicnigena audire et
Doctrina cbristiana, in De doctrina chrisuana; A classic of wester.n cultura, t). v. H. a.-
nold & P. Bright (christianity and Judaism in Anriquitl., v.l. 9. Notrc I).rr,c, "d.
1995) 9z-t0lt;
rcprirrtcd in rny:.l4gns and nL'anings: uorltl and t(,xt rn tltt(itltt Ohristiattrty (l.ivcrpp9l, l9.Xr)
I 05 24. ' l)c litrr \ l.]
176 Robert Markus t .,,rrrrnunication and Transcendence in Augustine's De Trinitate 177

a nwllo ita awdiri);8 ideally, no sign-system should remain opaque ro us. A Spcech is thc very condition of rational association, the ,interpretcr' lrcr
whole world of meanings solicits our efforts to understand. of course, Au- minds which, without it, would remain opaque to each other; and writ-
'uccn
gustine v'as no great linguist, and he knew that our knowledge of languages r('n text is the means whereby the absent can be drawn into the group com-
is inevitably limited; in practice, we have to contain our urge to transcend li- ,rrur.ricating by means of speech. The desire for association and the desire to
mits on understanding meaning within the boundaries of what we can hope fuse into a single need for communication: ,,There could be no
to achieve. But in principle, meaning, for Augustine, is to be found where- 'rnderstand
association between men unless they could communicate (nisi collo-
ver human experience encounters things which are capable of functioning in
',rlid
(lucrentur), and unless they could thus share, as it were, their minds and their
relationships of representation or signification: what I have called a semanric rlroughts (sibi mentes suds et cogitationes quasi refunderent)"; for this reason,
relation. ,.rhat which is rational in us ... and is drawn into association by a kind of na-
communication is the condition for community. But human beings are rrrral bond with those with whom it shares its rationality... has imposed
not angels; the immediacy of understanding enjoyed by angels is not accessi- words, that is to say, certain meaningful sounds, upon things".13
ble to us; the human mind is compelled to proceed discursively from causes Language, though the sole means to bridge the gulf that has opened up
to effects, and does so ,,with so much difficulry and so slowly", even when l)cts/een fallen human beings, is, however, a fragile vehicle of meaning. As
burning with ardourle 1we do not enjoy the mutual rransparency we have lost Augustine remarked, ,,understanding flashes like lightning through the mind,
with Adam's fall. Direct insight into and communication between human l,ut speech is slow and sluggish, and hopelessly inadequate (locutio tarda et
minds is not possible in the fallen human condition. ,,In consequence of the Itmga est, longeque dissimilis)" .ra Communication is constantly frustrated by
sinfulness of our condition souls are permitted ro act on one another through ()pacity; signa are liable to relapse into the condition of being mere res, solid,
signification, affecting them through bodily agency, by means either of natu- without meaning, forming a wall of opacity, a barrier to communication:
ral signs, such as facial expressions or gesrures, or conventio nal @lacitis) sig-
tVords strain,
ns, such as are words."l0'§fl'e need language ro communicare our thoughts
and feelings; that is what language is for: ,,to bring forth (ad depromendwm) Crack and sometimes break, under the burden,
and to communicate (ad traiciendum) what is going in on our mind to ano- Under the tension, slip, slide, perish
ther's mind".ll our access to the minds of others is through the outward ac- Decay with imprecision, will not stay in place,
ts understood as signs of inner life: will not stay sdll"'
(T. S. Eliot, Burnt Norton)
,,Abyssus abysswm inuocat... If an abyss is depth, are we to think that the
human heart is not an abyss? §7hat could be deeper than this abyss? Men can As John Rist has observed, they are apt to ,,intrude themselves between the
speak, they can be seen by the movement of their limbs, heard in their thinker and the world of which he thinks."rs
speech; but whose thought can be penerrated, whose heart looked into? \7ho \7ords, however, are a peculiar kind of res. Their peculiarity in comparison
shall comprehend what goes on within a man, what he can do within, what with other things consists in the fact that their normal use is to mean some-
he is doing within, what he decides within, what he wants or does not wanr thing; hence the restlessness that their opacity provokes in us when we don't
within?"r2 know their rneaning. Other things may,but are not normally or obviously,
1',art of a semantic relationship; we are not instinctively disposed to ask ,what
8 DeTrit.Xl,2;Ihaveadoptedthereadingalienigena,inpreferencetoalienigenamofsomeof
cloes it mean?', and we are not frustrated by their silence and opacity. Augu-
the MSS.
e De Gen. ad litt.IY 32,49. stine does not, however, accept that the difference between words and other
ta De rnus' vI 11,41. c[. De Gen. c. Man. rr 2,5. It will be
restored in the risen body: patebunt tl-rings is radical. §?e live, as Rowan Williams has written, ,,in a world in
et_iam cogitationes nostrde inuicent nobis (De ciu. Deixxlr29.6). cf. c. p. Mayer,'Die Zei- which everything is potentially signwm, potentially speech, where the bound-
chen in der geistigen Entuicklung und in der Tbeologie des jungen Augastinus (t)assiciacum,
24,1. vürzburg, 1969),355, with further references. cf. also §7. Beieiwaltes, Zu Arrgustins ,rrics of meaning that seem to delineate the clear outlines of a res that is un-
M etaphysik der sprache, Augst 2 (1971) 179-195, at 1 85 on word as communicarisr.,, *ith .e , controversially what it is arc constantly being brokcn."l6 The whole world of
ferences in n. 17; A. Louth, Augustine on language, Literature and theology 3 (r9g9) I5l-g;
156-7 and, especially, U. Duchroq ,,Signum" u.rl ,,superbia" bcim jtr,.gc. Augusti. t' l)c onl- II 12,35.
(386-390), REAugT (1961) 369-72. tt l)t' tat. rud- 2,3.
tt De doctr. christ. ll 2,3. ' .f. ltist, Atgustint._Antitttt l'ltttrrrl,t 11,11t117111 lti.rrrrlrritlgc,199.1) jl
1) [in. in Pr. I ].
"' Willi.rrrrs, (.ts irr rr. 1,.rlr,vr') I ll
.1 I,
178 Robert Markus ( lrrrnmunication and Transcendence in Augustine's De Trinitate 179

res is potentially a system of meanings. Things can fvnction as signs, pointing rhc divine Vord has enriched Augustine's understanding of human language.
towards their maker; but we do not necessarily, indeed we do not readily, per- 'l'hc distinction between the
,outer word' from the inner verbum is grafted on
ceive them as such. §Thereas unknown words provoke us to rrying to disco- r o the old definition of the word as signwm:le

ver their meaning and ignorance leaves us restless, other things do not neces- ,,The word heard sounding outside is the sign of the word which is lumi-
sarily have this effect on us: we do not assume that they have a meaning, and rrous within, which is more appropriately called a ,word'. For what is bro-
that our encounter with them is a frustrated part of what is in fact a process of Lrght forth by the mouth of the body is the utterance of the word (uox oerbi);
communication. To see them as meaningful, we need to supply the context in .rnd, though this, too, is called a ,rr'r'ord', it is so only on account of that which
which they become parts of, an element in, a semantic relation. Thus in a fa- it is being used to manifest externally... That [inner] word is neither brought
mous passage of Book X of the Confessions Augustine evokes vividly the forth in sound, nor thought in the likeness of any sound, and does not be-
process of subjecting created things to our questioning.lT §7hen they are com- long to a language; it precedes all the signs whereby it is signified and is be-
pelled to speak to us they speak of their Maker. But it is only when they are sotten of the knowledge (scientia) which remains in the mind, when that
put to the question, almost as if by torture, and only by those who know how knowledge is expressed (dicitur) as it is."
to compare their voice with the truth within rhemselves, that they speak. This new distinction between the inner and the outer word allows Augu-
Things, even more than human words, are apt to remain opaque to us, mea- stine to articulate how knowledge of the self is reached, expressed and com-
ningless, res farling to become signa. In order to embark on a quest for mea- rnunicated through language. The inner word is the condition of conceptua-
ning, we need to have built into our approach to things a cerrain resrlessness lisation or symbolisation, rather than a non- or pre-linguistic entity
which refuses to treat our experience of them as closed. Unless we treat our subsequently embodied in the audible or written word; it is in fact the re-
knowledge as a kind of half-knowledge, concealing an incompleteness or a flection of the linguistic character of remembering.2o It is by its means that
sense of a mystery, the things we know will not only not speak to us, but we the latent contents of the mind become accessible to our consciousness.
should not even suspect that they have the porential for doing so. Things will Augustine attributes to the n'ten'toria all that we can potentially know, that
lie about inertly all around us; they remain mere brute res, dumb and mea- is to say what is not actually thought about but can be brought into our con-
ningless, confining us within a closed world. Revelation of meaning depends sciousness. Memoria, however, contains not only things once known or ex-
on our keeping our experience open-textured, preserving within it that struc- perienced and remembered, half-remembered, or forgotten: ,,There is that
ture of restlessness among the world of creatures which was, for Augustine, more remote depth of our memory (abstrwsior profwnditas nostrae //terno-
fundamental to our human posture. In the De Trinitate, however, Augustine riae) where we found this [thing we know] even when we originally thought
does not use the vocabulary of res and signa. Vhat he says about language of it, and where an innermost word is begotten, one which is not a word of
and communication is said in terms of the word (verbwm).I need not labour any language...; of understanding manifested in thought which was already
the point that this is obviously linked with his inrerest here in the second Per- in the memoria, though in a latent manner...".2l In that inner aerbwm know-
son of the Trinity. But in pursuing the analogy of the verbum Augustine is ledge of the self is actualised, recovered in understanding from the remoter
both building on the theory of signs as he had worked it out in the De doc-
trina Cbristiana,ts and elaborating it further. Reflection on the incarnation of te De Trin. XV 11,20. The inner oerbum is perhaps what in the De dialeaica 5 is called a dicibt-
/e, a ,,meaning" or ,,concept". I resist the temptation to relate Augustinet usage with Saussu-
rian terminology. See the comments of B. DarrellJackson, The theory of signs in St. Augusti-
t7 Conf. X 6,9. Echoed in Enarr. in Ps. 144,'13-14; Sermo 8,1;241,2,2.I have discussed this in ne's De Doctrina Cbritiana, REAug 15 (1969) 949, repr. in Awgustine . A collection of critical
my:
Signs and meanings (see above, n.6) 26-29. essays, ed. R. A. Markus (New York, 1972) 92-147 , at 106, and, especially, O'Daly, Augustine's
18 E. g. De Trin.Xlll in Sermo 288,3: ,,...a word, if it has no meaning (rationem
1,4, paralleled Pbilosopby of Mind (London, 1987) 114: this verbum ,,functions as the actualization of the me-
signi.ficantem), is not a word. But any utterance, though it be a mere noise sounding without mory's latent contents in acts of deliberate thinking: it is at oncc articulated, formed and signi-
any meaning (irrationabiliter Peßtrepdt), like the sound not of speech but of a cry, can still be ficant, a vehicle of communicable meaning". Cf. Ibid., 141-2.1have not bccn able to consult
called an utterance though it cannot be called a word... It is a mere crude (inforntis) sound, H. Ruef, Augustin über Semiotik und Spracbe. Sprachtheoretische Analysen zu Augustins
which gcnerates or induces a vibration in the car without conveying a mcaning to thc undcr, Schrtft,De Dialectica' mit cinar deut schen Ü bersetzung (Bcrnc 1 98 I ).
standing. A ,word', however, unless it means something, that is to say unless it corrvcys -.onrc- r0 Sec hclow Krcuzcr' I)ic Slrr.rchli. hkcit .lcr L.rinncrunH. Ülre rlcHtlrHct /uit at'rl)unr irttintunt
J.
thing to the ear and something elsc to the mincl, is not saicl ro bc rr worrl...". Cl. I)c t*t<trin,t in Btrch XV r,'rr ll, lirttrt.rt,..
Christiana il 1,1: a sign is a,,thing which, in,tltlition r() wh.rr it is Pcrssiyl.ll ro br.by (ht.st.rr )t [)L, litn. XV ]1,.10: ,,.. rll.r ist.rlr.trrrsi,,r prt,frrrrrlit.rs rroslr.lt nrt'rrrori.r,. ttlri lrr,, (tr.lrr prnrunr
scs (practct'slr('(1(ttt qilin in{tril stnsilrus).rlso hrings srrrnt'tlrirrg clsc to rrirrl (t)t tt,t,tt,tttt) crrrrrcogil.rrcrrru\r.n\(r*rr',,,tfil'rrirrrr irrtittrttttt\'(rl)lun,,1rr,,,lrrrrllirrrlirrlirr.rcrit,t.lnr(lu.lnr..
ttt'trt)". irrtclligcrrti.r (llr.r( rr rr, nr,,rr.r r.rr lrr,r.tt,.,,1 l.rtr'lr.rt "
180 Robert Markus ( lommunication and Transcendence in Augustin e's De Trinitate 1 8 I

depths of memory. In those remoter depths lie the areas of our own selves This is why understanding language is Augustine's paradigm of transcen-
which, in consequence of the impoverishment of our nature by sin,22 have tlcnce. The restlessness which drives us from the meaningless res to seek
become inaccessible to us:23 rrreaning in the signwm is akin to the openness of human desire, which can
,,How is it, then, that somehow we are withdrawn from and denied access find its final resting place only in God. To quote Rowan Williams again in
to ourselves (swbtrahimwr negatnurqwe nobis)? and that we are again brought conclusion: ,,The §f'ord incarnate and crucified represents the absence and
back and returned to ourselves (proferimwr reddimwrqwe nobis)? as if we we- cleferral that is basic to signum as such, and represents also, crucially, the fact
re other people, and elsewhere, when we seek and cannot find what we de- that absence and deferral are the means whereby God engages our desire so
posited in our memory; and as if we were unable to reach ourselves when we that it is freed from its own will towards finishing, towards presence and
have, so to speak, misplaced ourselves, and could reach ourselves only when possession."2s
we find [what we had forgotten]? For where do we search, if not within our-
selves? and what do we search for, if not our selves, as if we were not in our
selves and had withdrawn somewhere else from our selves?"
Augustine confesses himself baffled by these questions. My memoria, this
great and awesomely mysterious power is my mind, ,,this is my self".2a The
depth of the self and its accessibility to memoria remain elusive; the bound-
aries of our awareness, actual or potential, are narrower than the boundaries
of the self. Augustine had much difficulty in defining the exact nature of the
self-knowledge the mind could not help having and the self-knowledge
which it had laboriously to pursue.25 But he knew that his identity spilled
beyond the boundaries of his consciousness (notitia). As he said in his Coz-
fessions,,,I cannot comprehend all that I am; the mind is not large enough to
comprehend itself"'26 and so ,,I have become a question to myself."27
The loss of man's primordial wholeness involves multiple fissures: first, the
rupture of his community with God, second, rupture with the society of his
fellows and, finally, the fissure within himself. This last embraces, on the one
hand, for instance in sexuality, the escape of part of the self from the rational
control of the will; on the other, the escape of the ,more remote depths' of
the mind from consciousness. In all three areas in which fallen men are alie-
nated * from themselves, from their fellows and from God - the fractures are
bridged, in some measure, by means of the word. It is our normal means of
transcendence: of liberation from enclosure within our private worlds, an
opening into rneaning and to the public world of a linguistic community; of
escape from a closed world of brute objects into a world seen and treated as
creatures of their Maker; of access to our selves beyond the narrow beam of
our limited consciousness.

22 .... quid est hoc aliud quam nostra natura, nec qualis fuit, sed qualis nunc est?" (De an. et eius
orig. IY 7,10)
23 Ibid.IV 7,10. The passage is discussed by O'Daly, Augustine's philosophy of mind, 149-50.
2a Conf.x 17,26.
25 On this problcm, thc note by P. Agaösse, (above, n. 5).
)6 Conf. X 8,15.
): (:(nl. X ll,4o- "' (Scr' .tlr,,vt, rr. I) I lli
.lohann Kreuzer

?i. Sprachlichkeit der E,rinnerung.


Uberlegungen z:um verbum intimwm
in Buch XV von De Trinitate

Augustins Lehre vom verbwm intimwm - formuliert in erster Linie in Buch


XV von De Trinitate - kann als eine Doktrin verstanden werden, die in der
Tradition und in den Grenzen von Aristoteles' Sprachauffassung die Ansicht
der Sprache als eines bloßen Instruments der Verlautbarung verschärft. Eine
intelligible Innenwelt wird von der äußeren Erscheinung der Sprache unter-
schieden, eine logische Bedeutungsschicht ihrer sinnlichen Erscheinungsform
entgegengesetzt. Die Lehre vom ,,inneren '§ü'ortes" wäre so als eine zuge-
spitzte Variante dessen zu verstehen, daß es patbemdta psyches sind, die als
Bedeutungen den Zeichen der Sprache zu Grunde liegen.r So verstanden hat
oder hätte die Doktrin des ,,inneren \Wortes" mit der Frage nach der Sprach-
lichkeit der Erinnerung wenig zu tun.
Man kann Augustins Reflexion des rlerbwm intimwm aber auch vor dem
Hintergrund stoischen Sprachdenkens und in der Tradition der Rhetorik be-
trachten.2 Dann lassen sich seine Überlegungen zum ,,inneren §üort" als
Antwortversuch auf die Frage verstehen, was wir verstehen, wenn wir ver-
stehen. Dies ist die Frage nach der Verbindung zwischen den Zeichen, die
bedeuten, und der Bedeutung, die in diesem Bedeuten der \üörter verstan-
den wird. Der Bedeutungsfunktion gegebener Zeichen und des Gebens von
Zeichen, mit dem Erinnern in Formen der Außerung überserzt erscheint,
entspricht eine spiegelbildlich erinnernde Verstehensfunktion. Die Frage
nach dem beiden,Funktionen' wechselseitig zugehörigen Übersetzungsvor-

Zu dieser Doktrin einer von aller Erscheinung in sinnlichen Zeichen gereinigten Logizität ci-
nes ,inneren §üortes', die Aristoteles (De intetpr.I) repetiert, hat der Augustin-Lcser \Wittgen-
stein zu Recht bemerkt: ,Jener philosophische Begriff der Bedeutung ist (...) die Vorstellung
eincr primitiveren Sprache als der unsern." (Philosophische Untersucbungez, in: lVerkausgabe,
Frankfurt/M. 1984, Bd. 1,238) Es ist dies keine falsche Sicht von Sprache, sondern eine mir
gleichsam regionaler Gültigkeit, in der sie zum Gebrauch abgerichtet erscheint. Mit der Kritik,
die an Augustin geübt wird, dürfte Wittgenstein vor allem Locke meinen (vgl. dessen Essay on
H u man U nd erstan din g III,2, -8; 3, 1 ; N,5, I -5).
1

Zum Sprachdenkcn der Stoa vgl. J. Pinborg, Das Sprachdenken der Stoa und Augustins Dia-
lclrtifr, in: Classica ct Mediaevalia23 (1962), 148-177; K. Hülscr, Stoa, in: Klassileer der Spracb-
pLilosophit, hg. v. T. Borschc, Münchcn 1996,49-62 'l'. Borschc, Zcichcnthcoric im Ülrerg:ng
vorr rlcrr Stoikcnr zu Atrgustin, in: Allg. Zcitscbrili lirr I'hihtsophit )/1991,41 5.2; tlcrs.: Art.
,,l.t lrlr»r" in: .f . l{itto/K. (iriirrtlo, Ilr:t. \\r'r)rttrltuth d. l'ltih,:oll,rr' (irrr l,,lgcrrrlt,rr: I IVI)lr),
ll.rs,.l l')/l ll., llri.5, l9l.i0, ll9 .1 ll Vgl..rrrrlr r.lrrl., Arr. ,,N.rrrr,.",ll,l. (,, l,)s.l
Iu4
.Johann Kreuzer Uberlegungen zum verburn intimum in Buch XV von De Trinitate 185
gang ist dic nach ,Jem acrbum intimurn, um
clie es im folgenden ars Refrexi_
on der Sprachlichkeit der Erinnerung gehen blemlos und eindeutig funktioniert, da die intramental gespeicherten extra-
soll.l mentalen Dinge die ,Bedeutung' der Zeichenwären. Sprache wird auf ein In-
Sie stellt sich nicht, wenn man b.i d.. Doktrin
des ,,inneren \Wortes.. (wie strument des Denkens reduziert, das der Innenwelt reiner Logik zur verfü-
das Augustin nicht nur geregenrlich in De Trinitate,ril
,*ir.rr.n einem in- gung steht.
neren und vorsprachlichen (gewissermaßen
.ei.r i.rteiligibl.") und einem Es ist nun gerade Augustin, der ein solches problemloses Funktionieren
äußeren (sozusagen nur noch verlautenden)
Aspekt d., s;;;;i,; unrerschei- von sprache in Zweifel gesetzt hat: in De Magistro. zwar ist das strategische
det,- und zwardergestalt, daß diese beiden Aspekte
,r...,g
^ s;echen ,"i..,
t..rrrr"n Beweisziel dieses Dialogs die Destruktion jeden Eigenwertes der (Zelchen
und sich auch chronologisch unterscheidcr., rießer,.
de zuerst ,im Herzen' gesprochen. Gefor,.rt werde
v";;ii:; wer- der) sprache.6 Aber die Bedeutung von De Magistri erschöpft sich nicht in
das Denken von den dieser reduktionistischen sicht der sprache. vielmehr entdeckt Augustin
,Dingen', die sich vor und unabhängig von alrer sprache,*irr.Ju"nen.
Die mag sein contre ccur -, daß die ,Zeichen'der Sprache nicht einfach sp.rch-
-
zeichen der sprache seien broße ie"ichen i.,*..rdig
g.bila.r; ,.§f.orre des freie ,Bedeurungen' transportieren.z §7as ist BeJingung der Möglichkeit der
Herzens' und Zeichen der extramentalen
,sachen', die sich dem Denken Akte des verstehens: wenn man sich nicht mit dem Beicheid zulrieden gibt,
sprachfrei einprägten.a
Diese Auffassung denkt das es sei ein inwendiges ,,orakel", auf das alles verstehen der Zeichenzurück-
,innere rwort'
ars sprachlose Sphäre einer
^ zuführen sei, wie es am schluß von De Magistro heißt?s Diese Rede Augu-
,Sprache vor der Sprache., die wir sprechend. ,orrrrg"r, ,r;;;;;i
wiederge_ stins vom orakel gilt es, als offenlegung einer Frage und nicht als de..., ü.-
ben'5 so versranden führt die Theoiie des
,,inneren §(/orres.. aus der virk- antwortung zu lesen.
lichkeit der sprache hinaus. sie denkt, daß das
,verstehen. uo,,-i.r.h",, p.o- An die Frage, was verstehen heißt, wenn die zeichender sprache nicht ein-
fach sprachextern dingfest zu machende Bedeutu.rg..r ,.r.rporrieren, knüp-
t s" t'*"-"ltn, reflektiertc Augustin mit dem aerbum intimumclen prozeß
des Zeichenverste- fen die Überlegungen zum ,,inneren sflort" an. Es geht .r- d* prinzip des
hcns als einen prozeß d", s.nnYose i" a",r, si,rn", #" c.s. p"i.." diesen
(vgt' c's' Pcirce' coll pa?ers,hg. r. Begrift verwentret hat verstehens in der sprache, von dem Augusrin sagt, dal3 es *rhrzu.reh*en
c. H".tsho.r"l-p. vr."','ö"-ää;.rfi;::.:,r31-3s, Bd.
Vgl. hierzu H. pape, Erfahrung und wirktichtie;;,;;;;;T;;;l),ß','o,,,nWu,r,*. leicht, zu erklären aber unmöglich ist: sentire
?;§rrtn, facile est explicare impossibile
esl.e '§?as ist es, was in der sprache
a zum,,anrequam" vgl.: ,,(...) i,telregere verbum
non solum antequam sonet, verum etiam ante_
- in ihrem konkret-sinnlichen (Äugustin
quam sonorum eius imagines cogitatione volvantur''
Mountain/F' Gloric' TurnÄout r96ä, 485); zu ,r"; ,1o, riiriirr"ä ;;,;;, hg. v. v.J. t' D"
;;" den,res. geformten Denkcn: ,,Formara "b"^t.hneten Dinge" seien ,,höher einzuschätzen als die Zeichen.., dlrch ,,\7örter lerne
qurppe cogrtatio ab ea re quarn scimus verbum csr qr,od
in.".aiJi.i-ul, fr,,ää'1nu"1 t;rgr.. Tf .uI \üörter, ja nur den Klang und das Gcräusch der \[örter", ,,durch die Erkenntlis cler
rWörter
alicuius" (ebd.,486). Solcle.,erba."ra;r.""it Dinge" komme ,,die Erkenntnis der zustande, durch das Fiören der.Wörrer lerne man
XY 12,22:,,Haec omnia (...) percepra scir animus"t,Ji.,.,h"..u_. ;;;;;i";;,"chtrei. vgl. nicht einmal vö1e1" (vgl. De magistro 9,25;1r,36,in: De magistro-über den Lebrer, Lat./Dr..,
h"",".;',-;;;;r;;;;;;.i".':"ndita tcnec.
Ex quibus gignitur (...) verbum o,,.r- ,orr-, übers. u. hg-.Y.8'Mojsisch, Stuttgart 1998,76,98-100). Zumiadikalen Sprachre4uktio.ris-ur,
omnem cogitationem
"-,-r,.
eninr esr verbum similrimum rei notae. (...), q,rn.t ".rr. rhg,,".'Jl,q,,r,;ä,, soni. Tunc der daraus folgt, wird Augustins Diagnose, daß wir Zeichenjeweils versiehen müssen, wcil
sie
re vera ("')' verbum sir verum, id est de noris "rir".b.r- verum de keine BedeurunBstransportautomaten sind, mit dem Koniept sprachfreier Erkenntnis
rebus exorrum- (ebd.,49i/g4).Die Zeichcn ([it_ cler
tcrae) der Sprache ,,signa sunt vocum. cum ipsae
voccs.(...) signa sunt rerum.. (ebd.).
Ideen gleichgesetzt (wie es Augustin in der quaestio De ideis (vgl.^die q.46,1/2io De tlioersis
' Zu recht stellt H.G. Gadamcr fesr: ,,v.rs rori d".
fu, \ü/oit sein, a* ir""rirt*präch quaestionibus LXY-YIII nahelegt),-vgl. B. lvtojsisch, Nachwortiu: De'moiitro,aao, 143
ff.
Denkens blcibt und keine Lautgesta'gewinnt) ";n crcs
1 jo;",sprache a* v"Ä"ii"i"
yn{ ders., Augustin, in Klassiker der Spracbphilosophie, aaO,63_76.
che für sich. §flas soll .. ,[so fJ. keine Spra_ / vgl. T. Borsche, was etuds ist. Fragen nacb'der wihrhex der Bed.ewtung bei platon, Augusti-
si.,. h"t.r.,,-",rg"ri.hts der unaufhebbarkeit unserer
sprachgebundenheit von einem,inneren "ir"n vr.-'., nus, Nikolaws o. Kwes und Nietzsche, München 1990; ders., llacht und öbn*orht
rr.""rr"rr, a". gt";.träl-,-r"ä1.."ir"r, v"r- d,i, wZrter,
nunftsprache gesproche, wtrd?" (wabrbri, in: Kodikas/Code' Ars semeiotica 8 (1985); aucl-r in: Spracbpbilosophie in Antihe und Mittelal-
,ri.rtri»oae, Tübingen rr972,3gg)- Freirich isr
es nicht erst Nikolaus v. Kues, der die
,,christlich" i.h.e vom Virbum.. dem spätantik-neu_ qe1, hg. v B. Mojsisch, Amsterdam 1986. - Die skepsis gcgenüber'denoocabula humanainDe
plaronischen Emanarionssystem enrgeRcnges",ri
,"J ai. , v"ir."j,,";""a". ,"h"1", _"n..rrli_ Magßtro nötigt zur Reflexion des Verstehens und damii zur Konzeption des
,,inneren \üorrs..,
che Geist" (gerade in der §prache) ätirt,ät, vgl' verf.: ,,Et ecce esr ante no' . 7.ur Kritik der sprache bei Augustinus, i.:'r. Borsche,
als ,,Abfall von der wahren Einheit.. J.
gedeutet hat (vgl. "i"rr, "lL;"
Gadamer,,ebd., +tt;. arg,rr,in. n.it.*io., Kreuzer, H. Pape, G. vohlfärt, Zeichen und Zeit. Schriften der Aca1dmie dw Midi1, München
des zterbum intimwntläßt sich
verstehen, daß er mit ihr r-richt mchr nur so 1993.
a"l"*r-, r."s,, *as Zeichen bedeuten, sonr1crn danach, N Ygl.DeMagistro14,46:,,responderetsecretumilludoraculum"
was es heißt' Zeichen zu versrehen. Daß
das Th"oi.- vo, rvort..
,,inneren ,rrs A.rwort (aao,l2o,vgl.ebcl., 135).
die Frage nach der Bedingung der Maglicikeii aur
a.r-v.,.,.t von Zeichcn gclcs.r wcr«.lcrr " -Ego ad aurem dixi ut audiretis, ad cor vesrrum quis dixir ut intellegeretis? Slne dubio aiiquis
kann' sollen die {olgen<ie n"üui.r"g";g;rr.is;r. "rrs ct ad cor.vestrum aliquid dixit. ut non soium srrepitus iste verboäm percureret aurenl
A;f*hrr«reich
ist ,,Ji..r",, iu.,,r,,,,",,hr,,g ve-
die Antwort. die Gatla,re. auf die"F'r*"gc, str;rm, sed etiam in cor vestrum aliquid descendereiveritatis (...). (N)escio quid incorporaliter
-";';" a"r rr;r"rsarc A-spckt trcr Hcrrrrcrr<.trlik r,c.rc
h", *"ß"f'""har-,'kurzunrlbürdig:;.'r";r.;;,;i;;.iu.., ct spiritaliter facit in nobisDeus, quod nec sonus est quod aurem percutiat, ,r". .,,1,,.
1u*t..f.()r.rrrrirr, riittfur,r,ttll ,t,rrt q,,i u.,,-
lthilrxtphischt I It,ntrtrttulik,ll,rr,,r.rr.r,lr I991, lXt lis diccmatur (-'); tamen aliquid cst quod sentirc faciie crt, inrp,rssihilc cst... (/2 /o
It,tnnis livdngelium Trdctdtus +0,S, hß. v. R. "*pli.rr.c
rVillcrrs,'lirr,h.rrr t,lf,t, ttiy
185 Johann Kreuzer Überlegungen zum oerbum intimum in Buch XV von De Trinitate 18/

spricht yon sentire) Erscheinen ganz gewöhnlich wahrzunehmen ist, durch phie nicht eigen. Dies aber gerade deshalb, weil es seit Augustins Übcrlcgtr,,
Sprache zu erläutern aber unmöglich erscheint? Für diese Bewußtseinslei- gen zur,Trinität' - deren Mitte die Verbumspekulation des ,,inneren rü7ortes"
stung gilt mutatis mutandis, was Augustin gleichsam leitmotivisch im Zusam- bildetl6 - gerade in seinem Zentrum vom Denken der Sprache, und zwar als
menhang der Frage nach der Zeitin den Confessiones festhält: ,,§fir sprechen eines schöpferischen Prinzips geprägt ist.17
und hören und werden verstanden und verstehen. Ganz offenkundig ist das
und ganz gewöhnlich, und dasselbe ist doch wieder allzu verborgen und neu
ist sein Finden."10 lVas gilt es als Sprachlichkeit der Erinnerung, die in jedem
Verstehensakt ganz gewöhnlich fungiert, immer von neuem zu finden? I
Die folgenden Überlegungen beginnen in Teil 1 mit der These, daß Augu-
stin mit dem verbwm intimwm (bzw. cordis bzw. oerbi) die Sprachlichkeit des Augustin formuliert sein Theorem vom ,,inneren §7ort" am Ende der trinita-
Erinnerungsvermögens denkt.11 In Teil 2 wird dem die Doktrin von der rischen Selbstauslegung des menschlichen Bewußtseins in Buch XV von De
Außer- oder Vorsprachlichkeit des inneren '§üorts gegenübergestellt. Via ne- Trinitate. Er formuliert es im Zusammenhang der Explikation des ,,Denkens
gationis wird verdeutlicht, daß sich die Wirklichkeit des Erinnerungsvermö- des Denkens". Das Beweisziel ist, in den Akten des Bewußtseins ,Spuren' zu
gens weder vor noch außerhalb der Sprache erfüllt, sondern in ihr (Teil 3). In finden, auf Grund derer es gerechtfertigt erscheint, sie als Entsprechung des
der Sprache zeigt sich die ,,abgründigere Tiefe der Erinnerung", die abstrwsi- schöpferisch gedachten qrerburn dei zu denken.l8
or profunditas memoriae.l2 Das wird deutlich am Zusammenhang zwischen Bewußtsein beruht auf der Zusammengehörigkeit von ,,Erinnerung, Ein-
Sprache und Schweigen. Daß Augustin mit dem ,,inneren \7ort" die Sprach- sicht und '§üille". Die innere Form des Aktes ihrer Zusammengehörigkeit
lichkeit der Erinnerung reflektiert, wird abschließend in Teil 4 anhand eini- denkt Augustin als ,,inneres \trort". Er findet - bei aller Differenz, die es fest-
ger Thesen zusammengefaßt. zuhalten gilt - eine Ahnlichkeit zwischen diesem inneren §flort und dem rter-
Eine Bemerkung sei vorangeschickt: Augustin hat den ,,logos" von Joh. bwm dei. Diese'§üechselseitigkeit von Erinnerung und Sprache ist das Bild und
1,1 mit ,,verbum" übersetzt, weil dieses eine operativa potentia im Gegensatz der ,spiegel' jener,einfachen Natur Gottes', die wir im §7ort schöpferisch den-
zur ratio, die unschöpferisch sei, bezeichne.ls Das steht im Zusammenhang ken.le Die Sprachgebundenheit des Erinnerungsvermögens ist, anders gesagt,
seiner Transformation der Reflexion von Platons Idee und des lektdn der
Stoiker in das Theorem vom inneren Wort.la Das oerbum intimwm bildet die Böhme im Gefolge von Augustinus ,,ex corde dicimus") bezcugen (...). In dieser scheinbar pa-
Grenzlinie (bzw' den Übergang) zwischen dem, was wir als göttlichen Ur- radoxen Konstellation (die schon in dem Begriff ,,Logos-Mystik" sich ausspricht, sofern das in
ihr thematisch gemeinte Unaussprechliche doch eben der Logos als §Tesensursprung alles
sprung der Sprache denken, und dem, was wir als ihre kreatürliche Erschei- Sprechens ist) verbirgt sich der christlich-abendländische Ursprung einer Transzendentalphi-
nung, als die raumzeitlich bestimmte Gestalt der vocabwla bwmana wahr- losophie der Sprache" (K.O. Apel, Die Idee der Sprache in der Tradition des Humanismus oon
nehmen.l5 Seit der Transformation von Platons Idee in das Theorem vom Dante bis Vlco, Bonn 31980,79, vgl. auch ebd., ff t;. Vgl. auch Th. Kobusch, Sein und. Spracbe.
Historiscbe Grundlegung einer Ontologie der Spracbe, Leiden 1987, 366-69.
inneren §(ort ist dem mittelalterlichen Denken eine separate Sprachphiloso- 1', Die
,,theologische Relevanz des Sprachproblems im mittelalterlichen Denken" weist auf das
,,Problem der Einheit von Denken und Sprechen immer wieder zurück(...). Daß das §flort ein
Prozeß ist, in dem sich die Einheit des Gemeintcn zum vollendeten Ausdruck bringt - wie das
r0 ,,Dicimus haec et audimus haec et intellegimur et intellegimus. Manifestissima et usitatissima in der Verbumspekulation gedacht wird -, bedeutet gegenüber der platonischen Dialektik des
sunt, et eade m rursus nimis latent et nova est inventio eorum." (Confessiones XI 22,28, hg. v. L. Einen und Vielen etwas Neues." (H.G. Gadamer, Wahrheit und Method.e, aaO, 410)
Verheijen, Turnhout 1981, 208) r7 Diese von Augustin über Meister Eckhart und Böhme reichende taditionslinie einer Philo-
II
Ausführlicher erläutert findet sich diese These im Zusammenhang von Augustins Denken der sophie de r Sprache werdenden Logosmetaphysik setzt sich über J.G. Hamann - vgl. nur ,,Des
Erinnerung und seiner Analyse unserer Zeiterfahrung in: Yerf., Pulcbritudo. Vom Erhennen Ritters von Rosencreuz letzte Villensmeynung über den göttlichen und menschlichen Ur-
Gottes bei Augwstin,Mlünchen 1995, insbes. 241-275. sprung der Sprache", ,,Metakritik über den Purismum der Vernunft" und ,,Aesthetica in nuce"
'2 ,,Sed illa est abstrusior profunditas nostrae memoriae ubi (...) gignitur intimum verbum" (De (in: J.G. Hamann, Scbriften zur Sprache, hg. v. J. Simon, Frankfurt/M. 1967) - bis ins 20. Jahr-
Trin., XY,2l,4O, aaO, 5 1 8). hundert hinein fort, vgl. §ü. Benjamin, Metaphysisch-geschichtsphilosophische Studien (ins-
rr Vgl. De dioersts qwaestionibus LXXXIII, q.63. bes. Über Sprache überhaupt und über die Sprache des Mcnschen), in: Ges. Schriften II,hg.v.
ra Vgl. T. Borsche, Einleitung zu: Klassileer der Sprachphilosophie,Minchen 1,996,9. R. Tiedemann u. H. Schwcppcnhäuset Frankfurt/M. 1977).
r5 ,,Ita enim verbum nostrum vox quodam corporis fit (...) sicut verbum dei caro lE Vgl. l)e Trin.XY il,2O; 14,24. Vgl.
lactum cst" (Dc J. Brachtcrxlorf, I)it' .\'truktur dts mcnscblichcn ()cistcs
Trin.XY,11,20, aaO,487). Die christliche Logosmetaphysik begründet dic abcndl'inrlischc'I'ra- nach Augustinus..lclbtttlltri,'n tnl lirkorntttis ()titt's in l)t trinit,rtt',1Irrr[rtrrg 2000.
tlitiondes Denkens dcr Sprachc. ,,Indem aber Gott selbst nirch dcm Prolog clcs lohrurrrcscv.rn- l" Zrrr,sclriipft.rist'lrcrrN,rrur()ottts'vgl. l)r'li.itt. XVl,l:,,tlcus,rr.rltrr.rsr'ilicctn()r)(r(.rt.l,s((l
gcliunrs zuglcich rl;rs Wort, dcr I.ogos ist, rnufl siclr scinc ,,(lcburt in dcr Scclc" rl,rt lr .rLr, lr irrr irt.rtrrx"(.r.r(),.ll,O);zrrr,,..rrul,lcrn.rlur.r"\'1,,1.XV5,/(cl,tl..'l(r'));zttrrt,l)r'rtlicrt,lcsl)r'ttltctts'
Akt rlcs ,,((ic)wortcrrs"(...) rtrs tlcr Scclc hzw. rlcs Ilcrzcns Al,grLrrrtl (sr, l'ltklr.rrt urr(l \l).rl( l ,rlr,lcrrrIlirrtcrl,,rrrrr,l ,l,r tll,,rl,1'urr1,,rurrrrli','rl,t,trt uttnuton v1il.'t.lt,:,,rr,f it.ttrcrr,f it.tlttt '
188 Johann Kreuzer Überlegungen ztm oerbum intimwm in Buch XV von De Trinitatc

die Spur des schöpferisch gedachten Logos in uns. Ebenso wie konkrete Spra- crtönenden Sprache berühren, wenn §,ir uns sprechend und hörcnd zr, ,.',
che die äußere Entsprechung einer im göttlichen logos gründenden prinzipiel, ist der Gegenstand, der mit dem ,,inneren'§üort" thcrrr,r
.stehen versuchen,
len Sprachlichkeit meint, stellt das aerbwm intimurn die innere Entsprechung tisch ist.
dieser prinzipiellen Sprachlichkeit dar.20 Beim ,,inneren 1ü7ort" geht es um die
Zusammengehörigkeit von Sprechen und Hören, von Außerung und Erinne-
rung. Das Neue in Augustins Denken der Sprache ist, daß er Sprache nicht nur
aus der Sprecher-, sondern auch von der Hörersituation her denkt.21 ,Hören' II
ist auf die konkrete Erscheinungsweise von Sprache gerichtet - und auf Spra-
che als sinnliche Zeitlogik. Es ist deshalb kein Züall, daß Augustin die Art, Augustins Doktrin vom aerbum TJerum de re vera, die Stellen, an denen er
wie wir Zeit erfahren am Vortrag eines Liedes demonstriert.22 Auch hier geht sich zu ihm quasi definitorisch äußert, stehen der (gleichfalls von Augustin
es um die Analyse von Bewußtseinsleistungen in ihrer sinnlichen Erscheinung. festgehaltenen) Einsicht, daß in der Sprache sich Sprechen und Hören, Erin-
In der Zusammengehörigkeit von Sprechen und Hören vollzieht sich Sprache, nerung und AulSerung berühren, entgegen.2a Wo Augustin doktrinal über
durch diese Zusammengehörigkeit wird sie sinnvoll. das verbwm intimwm spricht, ist nicht zu leugnen, daß er an eine ,Sprache vor
Das ,,innere §flort" soll im folgenden als die Denkfigur dieser Zusammen- der Sprache' zu denken scheint. Vor allem Sprechen werde zuerst im Herzen
gehörigkeit interpretiert werden. Es ist der zu einem eigenen Gegenstand der gesprochen. ,,Dieses wahre §7ort sagen wir ohne Zunge irgendeines Volkes
Reflexion gemachte Akt des Versrehens, in dem sich Sprechen und Hören innen, wenn wir das, was wir wissen, sagen."2s lJnter Berufung auf Mattb.
kreuzen. In Buch X von De Trinitate spricht Augustin von der ,,Nützlich- 15,11 unterscheidet Augustin den ,,Mund des Körpers" vom ,,Mund des
keit der Sprache, in der die menschliche Gemeinschaft kornmunizierr, um Herzens". Dessen Sprechen, das ,Sprechen im Herzen' sei vor aller Sprache
nicht der Einsamkeit, die darin bestünde, Gedanken nicht austauschen zu ,geformtes Denken'. Geformt werde das Denken von ,Dingen', die wir vor
können, anheimgegeben zu sein". Sprechend übersetzen wir unser Erinnern aller Sprache, ohne alle Sprache, ,wissen'. Das Sprechen des Herzens sei von
und kommen zugleich, uns unseres Erinnerns entsinnend, auf es zurück. keiner Art der existierenden Sprachen. Es drücke sich nicht in Sprache aus.
Diese ,,schöne und nützliche Form" der Sprache erkennr die Seele, weiß und Es ,bediene' sich - wenn es nötig ist - cler Sprache (bzw. eines Tons oder ei-
liebt sie.23 Die Reflexion dieser ,Zierde' des Sich-Verstehens, die wir in der nes §flinks oder körperlicher Zeichen) als eines ,Transportmittels'. Die Zer-
chen der Sprache seien Zeichen der inwendig gebildeten'W'orte des Herzens
(ebd., 483); zur,Ahnlichkeit' ll,2O:.Est et haec in ista similitudine verbi nostri similitudo ver-
und Zeichen der ,Sache', die sich dem Denken sprachfrei eingebildet hat. Die
bi dei" (ebd., 489);20,J9: ,,per quod velut speculum (...), si possent, cernerent trinitatem deum Realia, die sich dern Denken direkt eingebildet haben, seien in der ,Schatz-
in nostra memoria, intellegentia, voluntate" (ebd.,517). Zu diesem Ternar von ,,memoria, in- kammer des Gedächtnisses' enthalten. Aus dem Gedächtnis .werde, vor allem
tellegentia, voluntas" als im Bewußtsein zu findende ,,evidentior trinitas" vgl.3,5 (ebd.,466).
20 Noch bei Kant kehrt in der Reflexion der Frage, worin das Sprechen, vor allem Ton und jedem ,Denken des Tons', das oerbumverum
ästhetische Urteil gründer, das
Theorem wieder, das Erinnern einen Akt des Entsprechens bedeutet, insofern ,,die allgemeine
Mitteilbarkeit der Empfindung (...), das empirische (...) Kriterium der Abstammung eines so
durch Beispiele bewährten Geschmacks von dem tief verborgenen allen Menschen gemein- ergo speciem decoram et utilem cernit anima et novit et amat, eamque in se perfici studet
schaftlichen Grunde der Einheliigkeit in der Beurteilung der Formen, unter denen ihnen Ge- quantum potest quisquis vocum significantium quaecumque ignorat inquirit; (...) Species (...)
genstände gegeben werden", isr (Kritik der tlrteikhraft, § 17, B 53, hg. v. \ü. rVeischedel, tangit animum (...) in qua elucet decus consociandorum animorum in vocibus notis audiendis
Frankfurt/M. 1,968, 313). atque reddendis" (De Trin. X 1,2, aaO, 313/14).
2r ,,Augustine's theory of the'word' approaches language from the side o{ the speaker, unlike the 2a Betrachtet man als Lehre vom ,inneren Vort' die Entgegensetzung zwischen ,innerer'(vor-
sign-theories o{ the de magistro and the de doarina cbristiana. (...) The reason for Augusrine's sprachiicher) und ,äußerer'(verlautender) Sprache, so gilt, daß Augustin an ,Intersubjektivität,
having two theories o{ language, one for the zterbutn oocis, approaching it from the hearer's si- Sprache und Geschichte' als Bedingung der Möglichkeit unserer Denkakte nicht gedacht hat
de, and one for the aerbum mentis, approaching it from the speaker's and thinker's side, is to (vgl. K. Flasch, Angustitt. Einfübrung in sein Denleen, Stuttgart 1980, 352). Aber diesc Schei-
be sought in his bifurcation of the two verba. (...) For as the speaker can also hear the product dung von ,innerer' und ,äußerer' Sprache wird ,,dem Sprechen (...) nicht gerecht." (R. Herzog,
o[ his own expressive activity, no spccial theory is required to account for what the listener Non in sua voce. Augustins Gespräch mit Gott, in: Poetik und Hermeneutih 11, hg. v.
does." (R.A. Markus, St. Augustine on Signs, in: Pbronesis 2 (1957),19). K. Stierle/R. lVarning, München 1.984,217)
22 Ygl. Confessiones Xl 28,38.
- Zu Augustins l)emonstration der impliziten Bewußtscinslci- r5 ,,(...) verbum verunr sine ullius gentis linguir intus dicimus quando quod novirnus dicimus."
stungen, die beim Vortrag eines Liedes als Erfahrung von Zeit bemerkt wcrden, vgl. Vcrf., Zcit (De'frin. XV 21,4 l..n(),5ltl) Zur [)oktrin, in dcrn clic ,,Theologie des innercn V<rrtes" allem
als ,,distentio animi", in: Pulcbritudo, uO,192-204. ,,(lcschclrcnstlr.rr.rk(t r rltr Spr;rchc" errtgcgcrtgcstcllt wirrl, vgl. A. Scltintllcr, \\ktrt und Analo-
2r ,,(U)tilitas in ea peritia qua intcr sc hurnan:r socictas scnsir Lr()lnll)unicrt nt.sihi lrorrrirrsnr t,r. uir n Auyu:ltrt,.litrtrt,ttrlr'lttt, 'l'ribirrgcrr l9(,5, llft Il.; .rlrrrli. lr IJ. l)rrclrrow, .\pratlrutrstiindnis
ttts tlt'ttritrrcs sittt tlrtrrvis solittrtlinc si cogitrtiorrcs su,rs corrl,,rlu,'nrlo norr rrris,t..rrrt (...). I l.rrrt urtl l,tl,ltt, l,ct //,,r,,t, l rrl,rrrl'r'rr l')(rrr, l'l,z
190 Johann Kreuzer Überlegungen zum aerbum intimum in Buch XV von De Trinitate t9t
de re oera gebildet. Es habe seinen Ausgang von dem sprachfrei vor aller erklingt. Aber sind die lVorte nur gleichgültige äußerliche Zeichen inwendig
Sprache ,gewußten Ding'. Dieses aerbum verbm, das keiner Sprache an- stummer Sachen? Hat das, was,draußen'erklingt, wirklich nichts zu tun mit
gehöre, sei das tü7ort, ,,das wir inwendig sprechen und nichts von sich, son- dem, was ,drinnen' bedeutet?
dern alles von dem'§Tissen hat, von dem es stammt". Es sei das '§?ort einer Augustin stellt fest, daß das äußerlich erklingende lü/ort das innere ,,den
Sache, das wir, sehen wir diese Sache, ,innen' sprechen.26 Sinnen manifestiert".30 Ist die räumliche,Außen-Innen'-Metaphorik nicht
Das ,,lautlose'§V'ort, das wir innen sprechen": treibt das die Paradoxie nicht ungeeignet sosrohl für den essentiell zeithaften Vorgang dieser Manisfestati-
auf die Spitze? Verhält es sich so, daß die Erinnerung, der Vergleich sei er- on wie für den als Sprache sich vollziehenden Akt der Transsubstantiation,
laubt, einem Tonband gleicht, das eine gewisse Zeit vor allem Sprechen und in dem die inneren'§ü'örter in erklingende Rede übersetzt werden, um ver-
ohne Sprache etwas aufnimmt, und daß dann - wenn, um im Bild zu bleiben, steh- und erinnerbar zu werden? Ich denke nicht, daß ein Gespräch darin be-
auf den Knopf ,\Wiedergabe' gedrückt wird - dieses Aufgenommene mecha- steht, daß die ,Zeichen draußen' mit den ,Sachen drinnen' verglichen werden
nisch wiedergegeben wird? Ich denke mcht.27 - und zwar in einem zeitlichen Nacheinander. Die Bedeutung - bzw. genau-
'Wie
sprechen wir ,innen', wenn wir eine ,res' inwendig sehen? Dieses in- er: das Bedeuten - der'§ü'örter als das in der Erinnerung sich gebärende, in
wendige Sprechen kann kein ,lautes' sein, keines, das ,draußen' erklingt. In der Erinnerung ,enthaltene' innere lVort führt aus der Sprache nicht hinaus.
dieser Hinsicht knüpft Augustin mit dem ,,inneren §7ort" in der Sache an Das wortlose Verstehen der Bedeutung der 'Wörter gibt es nicht ohne die
Platons Einsicht an, daß das Denken ein lautloses Gespräch der Seele mit '§üörter. Es erscheint oder
,leuchtet' in ihnen.lr In diesem Sinne gibt es das
sich selbst ist.28 ,,Das '§ü'ort, das draußen erklingt, ist Zeichen des '§7ortes, das innere W'ort: als Reflexion sich in Zeichen übersetzenden bz'sr. transsubstan-
innen leuchtet."2e Dieses inwendig leuchtende (und nach Augustin mit tiierenden Erinnerns, das nur in Formen sinnlicher Außerung zu geschehen
'§üort
größerem Recht ,§7ort' genannte) ist lautlos - und in dem Sinne wort- vermag und die Sprachlichkeit der Erinnerung zeigt.
los, d.h. keiner Sprache angehörig, wird Sprache mit den äußerlich verlau-
tenden Tönen gleichgesetzt, reduziert man die'§ü'orte auf das, was draußen

"' Vgl. De Trin.XY


-l0,18:
,,(...) duo quaedam hominis ora (sunt), unum corporis, alterius cor-
III
dis" (aaO, 484). Ztm,antequam' des ,,verbum cordis" vgl. XV 10,19, aaO, 485; zur vor-
sprachlichen Formung des Denkens durch die ,res': ,,Formata quippe cogitatio ab ea re quam Augustins Analyse des ,terbwm intimum läßt sich, entgegen seiner Doktrin,
scimus vcrbum est quod in corde dicimus, quod (non) linguae alicuius" (ebd., a86). DreZer-
als Reflexion der Sprachlichkeit der Erinnerung deuten. Es gibt Erinnern
chen der Sprache seien Zeichen der Laute und diese wiederum Zeichen der Dinge, die sich ,di-
rckt' dem Herzen eingeprägt hätten (vgl. ebd.). Solche,verba cordis'würden in der als Schatz- nicht ohne die Formen, in denen es geäußert erscheint. Erst in der Sprache
kammer, d.h. als Raum von Gedächtnisgehalten vorgestellten Erinnerung vor aller Sprache erhält es sich. Bei der Reflexion der memoria principalis geht es um das Prin-
und in einem gleichsam direkten Sachverstehen vom Geist festgehalten: ,,Haec omnia (...) p".-
zip des Verstehens in der Sprache.
cepta scit animus humanus, thesauro memoriae condita tenet. Ex quibus gignitur (...) verbum
ante omnum sonum, ante omnem cogitationem soni. Tunc enim est verbum simillimum rei In dieser Hinsicht läßt sich Augustins Lehre vom ,,inneren §7ort" als In-
notae (...), quod est verbum linguae nullius, verbum verum de re vera, nihil de suo habens sed dex folgender Sachverhalte interpretieren. '§7as wir äußern, ist 1) nicht
totum de illa scientia de qua nascitur (...), id est de notis rebus exortum" (XY 12,22, ebd., deckungsgleich mit dem, was verlautend erklingt oder buchstäblich feststeht.
493/94). Vgl. auch XY 14,24: ,,Verbum autem nostrum, illud qwod non babet sonum neque co-
gitationem soni, sed eius rei quam videndo intus dicimus (Hervorhebung, JK), et ideo nullius Sprache ist keine (deckungsgleiche) Abbildung (etwa mathematisch) festste-
linguae est" (ebd., a97).
27 So verstanden wäre das ,innere §7ort' das Unding (nihil negativum; vgl. Kant, Kritik. der reinen
Vernunft, B 348) einer,Sprache'vor (oder ohne oder außer) der Sprache. Expressis verbis aber r0 ,,Ita enim verbum nostrum vox quodam modo corporis fit assumendo eam in qua manifeste-
hat das ,innere'§7ort' keinen eigenen Laut. lVenn es keinen eigenen Laut hat, kann cs nur in tur sensibus hominum sicrtt oerbum dei caro factum est assumendo eam in qua assumendo
der verlautenden Sprache, in der ,,konkreten, geschichtlichen Sprache" artikuliert werden (vgl. eam in qua ct ipsum manifestaretur sensibus hominum." (Ebd., 487)
V. Beierwaltes, Zu Augustins Metaphysik der Sprache, in: Augustinian Stwdies 2 (1971), rr J.G. Hamann, der auf Augustin rekurriert (vgl. Aesthetica in nwce, Anm. 54,55), hält fest:
184/85). \Wäre es nicht in der sinnlichen Gestalt der gewöhnlichen Sprache da, so müßte es als ,,Wörter haben also ein ästbetisches rnd logiscbes Vermögen. Als sichtliche und lautbare Ge-
eine aparte ,Sprachc' neben oder vor der Sprache gedacht werden. Es gäbe dann auf der einen gcnständc gehören sic mit ihren Elementen ztr Sinnlichleeit und Anschauung, aber nach dem
Seite eine ,Sprache', die wir sprechen, und auf der anderen Scite ctwas davon schlcchtcrdings Gcist ihrer Einsetzwng wd Bedeutung, zrrr, Verstand und Begriffen. Folglich sind 'Vörtcr so-
Getrenntes: das Verstehen. Dies wäre eine künstlichc Trcnnung. wohl rcine trnd empirische Anschauungen, als auch reine und empirische Begriffc: empirich,
)B Ztm Hintergrunr{ vgl. Plilton, Sopbistcs 263d,'l'htdttcro s ltlgc- 190r. wcil [')nrpfindung des Gesichts und Gehörs durch sie bewirkt; rein, tn so fcrn ihrc I3etleutung
l') ,,(...) vcrhrrrr tlurrtl foris sorr.rt srgrrttrtr t'sl vt'rlri «1tt,,,1 irtttt. llr(cl cui nt.tgit vcrlri,,,ttrp,'ttt tt,, rlirrclr rrichts, w;rs zu jcncn Ernpfindungcn gchärt, bcstirnrnt wird." (l'lttdl'ritiL'iiltrr ltu I'u
rttt rt." (/)r' I'rin. XY I 1,20, ,r.r( ), 'lti{,) r trrrttrnr rlo Vrntrnl t,,r.r( ), 22(,)
192 Johann Kreuzer Überlegungen ztm aerburn intimum in Buch XV von De Trinitate t93

hender '§fissensgegenstände.r2 2) Das Verstehen eines Satzes erschöpft sich §(orin grün-
das alles geworden ist', das so ,den Yater zeigt, so wie er ist"'.14
nicht im Festhalten von aus dem Satzgefüge isolierten Vörtern. Der Sinn ei- det der schöpferische Aspekt unserer zeitlichen und im Vonibergehen vor-
nes Satzes der Sprache ist nicht das Buchstäbliche festgelegter, ohne Rede gebrachten Sprache, die ihre Analogie erklärt zu dem, was wir als schöpferi-
isolierter Bedeutungen, die sich auswendig lernen ließen. Der Sinn eines Sat- sches Gotteswort denken bzw. erinnert haben? Augustin antwortet mit dem
zes ist ein Sinnzusammenhang, der sich in der Zeit erstreckt.ll 3) Der Sinn Zeichencharakter der \(orte. Die zeitlich ertönenden und verhallenden \Wör-
eines Satzes ist das Verstehen des ,,inneren \(ortes", das im äußerlich erklin- ter ,zeigen' sich selbst - sie zeigen sich als Zeichen: sie zeigen auf sich selbst
genden erscheint und mit diesem nicht identisch ist. Deshalb gibt es kein be- als zeigende. Sie teilen nicht etwas mit, sondern (paradox zugespitzt) sich. Sie
deutungsidentisches Verstehen. 4) Das äußerlich erklingende §(ort ist nur zeigen nicbt auf außersprachliche ,sachen' oder vorsprachliche ,innere §(or-
\ /egen des (die ,Zeichen' der Sprache als Notbehelf gebrauchenden und be- te'. Die Bedeutung artikulierter Rede ist nicht das draußen Erklingende oder
dürfenden) inneren'§üortes da. Dieses innere lVort läßt sich selbst ,nichr sa- der festgeschriebene Buchstabe, sondern das, was im Erklingen gehört, und
gen'. Es läßt sich nicht austauschen wie eine Formel. Es will im äußerlich er- das, was als geschriebener Buchstabe gedeutet wird.
klingenden Ton bzw. dem buchstäblich Geschriebenen vernommen sein. 5) Das Verstehen eines '§flortes wie eines Satzes ist das Verstehen dessen, was
Das Verstehen eines Gebildes von 1Wörtern (bzw. der in ihm gegebenen Zei- er ,anzeigt' . Dieses Anzeigen geschieht in den verlautenden §flörtern und in
chen) ist eine Übersetzvng, die das vernehmende Subjekt aus dem, was es ihrem zeitlichen Vorübergehen. Die §ü'örter zeigen an, daß sie etwas anzei-
hört, in sein Erinnern vornimmt, ebenso wie das sich äußernde Subjekt sein gen. Die §7örter teilen nicht etwas) sondern sich mit. \(örter verstehen be-
Erinnern in die erklingenden'Wörter übersetzt hat. Dabei ist diese lJnter- deutet deshalb zu verstehen, nicbt was sie mitteilen (das ,etwas', das mit ihrer
scheidung zwischen,Vernehmenden' und,Sich-Außerndem' eine heuristi- Bedeutung gleichgesetzt wird), sondern dafl sre mitteilen. Das ,Daß' dieser
sche Fiktion: Das vernehmende Subjekt kennt sich selbst als sprechendes Mitteilungsfunktion thematisiert Augustin mit dem ,,inneren \(ort" als dem
und umgekehrt. In der Sprache sind wir Sprechende und Hörende zugleich. ,,§flort des §7ortes".
6) Erst in der Sprache ist das, was in der Erinnerung ist, wirklich da. Sprache Das ,Daß' dieser Mitteilungsfunktion ist kein Gegenstand der Sprache,
und ihre §7örter sind kein Abbild des Erinnerten. Das Verstehen dessen, was sondern ihre innere Bestimmung . Das perbwm ,uerbi verlautet nicht. Es ist in
mit den \ü/örtern verlautet, impliziert, daß man konzediert (und im ganz ge- den verlautenden \(örtern da. ,,Wie nämlich das tüort etv/as anzeigt, so zeigt
wöhnlichen Sprechen ohne Überlegung vollzieht), daß der Sinn eines (gesag- es auch sich selbst an. Das §üort zeigt aber nur dadurch sich selbst an, daß es
ten) \Tortes (das ,innere'§7ort') das ist, was in dem, was als artikulierte Sin- anzeigt, daß es etwas anzeigt."35 Verbwm se indicare indicet: diese ,Funkti-
neinheit erklingt oder geschrieben ist, mitgeteilt werden soll. Mit dem on',nicht ein sprachjenseitiges ,'§üort' thematisiert Augustin mit dem verbwm
,inneren
tVort' konzedieren wir Verstehen- und Verstandenwerdenwollen als intimum.
Prinzip von Sprache. 7) Das innere §7ort wird nicht in Sprache übersetzr, Die §üörter zeigenkeine Bedeutung, sondern ihr Bedeuten an. Ihre Auße-
wcil es das Prinzip dieses Überserzens selbsr. rung regt zu Erinnerungsarbeit an. Das Verstehen eines'§üortes setzt die Be-
Eine solche Sicht der Sprache, in der sie nicht als ein Mittel des Austauschs reitschaft zum Verstehen des im Satzgefüge ,indizierenden' §flortes voraus.
von (sprachfrei gegebenen) Informationen aufgefaßt wird, sondern als Medi- Das Verstehen eines §ilortes bzw. der verlautbarten '§ü'örter ist die Bereit-
um, in dem Verstehen- und Verstandenwerdenwollen ausgetragen werden, schaft, d.h. der §7ille, zum Verstehen desjenigen, was im \Wort verstanden
findet sich bei Augustin, wenn er vom Verstehen von Sprache spricht. In die- sein und sich mitteilen will. Das ist der sachliche Gehalt der bekannten De-
sem Zusammenhang bringt er ,unser Wort' - bei allem Unterschied - mit finition: ,,Ein rVort ist folglich die mit Liebe verbundene Kenntnis."36 Da-
dem schöpferischen verbwrn dei zusammen. ,,\(enn nämlich das rü/ort, das
Ja ,,Si enim hoc verbum quod nos proferimus temporale et transitorium er se ;psum ostendit et il-
wir zeitlich und von Vorübergehendem vorbringen, sowohl sich selbst als lud de quo loquimur, quanto magis oerbum per qwod facta sunt omnia, quod ita ostendit pa-
auch das zeigt, von dem wir sprechen, wieviel mehr dann ,das §7ort, durch trem sicuti est" (De Trin. YII 3,4; aaO, 251).
rs ,,Sicut enim verbum indicat aliquid, indicat etiam se ipsum, sed non se verbum indicat nisi si
aliquid indicare indicet" (De Trin. VIII 8,12; ebd.,287). Die Skepsis, die Augustin in De Ma-
7n den Confessiones hält Augustin fest, daß die Gesetze der Arithmetik und Gcometrie der grsrro gegenüber den Zeichen der Sprache mit der Frage,,was Zeichen bedeuten', radikalisiert
Sprache nicht bedürfen (vgl. Conf.X,l2,19) hat, vollbringt sich in De Trinitate in der und mit der Explikation der Erkenntnis, ,da{}' die
tl '§7o Augustin Sprache kein Demonstrationsobjckt der Notwendigkcit (sprachfrcicr) giittlir:hcr \üTiirtcr als Zeichen bedeuten. Flin Vort wird verstanden, wird es els scin Bccleutcn irnzeigend
Offenbarung ist, geht cr über die statischc Trornung von ,inncrcr trnd ;iullcrcr'Spr.rchc hirr vcrstrtndcn. l'lin Vort z-u vcrstchcn bcclcutct insofcrn zu vcrstclrcn, rricht w,rs, sotttlcrtt tl,rll ts
aus. I)cr Sinnzus:rnrnrcrrh;rng cincr Ilcdc, ilrr irrnt'rcr Sirrn, witl iru Voriihclgchcn rlo .rtrllcrli, lr lrctlt'u tct.
t'rtiittctttlt rt Tciclrcn vt'r sl.rrrlcrr (vgl. Arrrrr. I I, ,l l, .l.l). "' ,,Vt'tfrtutt cst igittrr (...) tttrrr,rrrrorc rrolrti.r." (l)r'lirtt. IX lO,l5:.1,.1., t0/1
194 Johann Kreuzer Überlegungen atm oerburn intimum in Buch XV von De Trinitate 195

durch wird das ,innere'§7ort' zur Spur der Trinität, d.h. des schöpferisch ge- len."re Die Selbstbeziehung der memoria interior ist keine leere Tautologie.
dachten'§7'ortes, in uns. Diese mit Liebe verbundene Kenntnis vollzieht sich Sie enthält viehnehr Differenz in sich. Die Form dieser Differenz in sich
mit und durch die Wörter - nicht vor der Sprache, sondern in der Zeitlogik schließenden Selbstbeziehung denkt Augustin als das innere bzw. mit dem
sinnlich artikulierter Sprache: im Gespräch. ,,Niemand ist desinteressiert dar- inneren §flort. Dieses ist allein logisch ,vor' der verlautbarten Sprache, nicht
an, wenn er ein unbekanntes \[ort hört, zu wissen, was es ist. Solange er da- chronologisch. Es wäre ein Selbstwiderspruch, die innere Erinnerung des
nach fragt, (...) scheint es, daß er noch eine unbekannte Sache liebt, aber das Geistes chronologisch vor den verlautbarten \ü/örtern anzunehmen. 1ü7äre
ist nicht so. Jene Form berührt den Geist, der sie kennt und denkt. In ihr das innere \Wort chronologisch vor dem Akt zeitlicher Außerung, wäre es
leuchtet der Schmuck der gemeinschaftlich verbundenen Geister auf, die in von den sinnlich erscheinenden \Wörtern nicht unterschieden. Die Reflexion
gekannten Stimmen einander hören und einander erwidern. Diese Form ent- des oerbum intimuru richtet sich auf keine \7örter vor der Sprache, sondern
zündet den, der im Fleiß nach dem fragt, was er nicht kennt, aber die Form erscheint wortlos in ihr.
kennt und liebt, zu der jenes (Unbekannte) gehört."37 Sprache repräsentiert Mit dem inneren lWort reflektiert Augustin, daß Erinnern ein Akt der
die Geschichte innerer \Wörter. Jeder Satz der Sprache verwirklicht und ak- Selbstbeziehung in der Beziehung auf Anderes und nicht die Tautologie
tualisiert diese Form ,gemeinschaftlich verbundener Geister', d.h. die Ge- bloßer Inwendigkeit (und sei es die logische reiner Bedeutungen) ist. Bei der
schichte einer Verstehensgemeinschaft. Mit dem inneren §ü'ort wird sie re- äußeren Sinneswahrnehmung ist die ,Aufbewahrung' in der Erinnerung
flektiert. chronologisch früher als das \ü(iedererinnern. Bei dem Sich-auf-sich-selbst-
Die Reflexion über das innere Wort ergibt, daß (der'§Tunsch zum) Verste- Beziehen des Geistes ist das ,,aber nicht so".40 Das ,innere §fl'ort' vollzieht
hen als das Prinzip von Sprache in der Erinnerung ist: wortlos nur in dem sich mit dem und im Verlauten der rVörter: wortlos (das innere §(ort hat kei-
Sinn, daß es selbst nicht als ein äußerlicher Laut erklingt. Das innere \flort ist nen eigenen Laut) mit den ertönenden Wörtern zugleich. Das Verstehen ei-
eine Bezeichnung für das lautlose Sich-auf-sich-selbst-Beziehen des Den- nes Satzes der Sprache ist deshalb dem Verstehen ästhetisch gegliederter Zeit-
kens, das zugleich mit den '§forten in der Sprache geschieht. ,,Und dadurch logik affin. Veil das ,innere lü/ort' im ,äußeren' zeitlos mit vorübergeht,
entsteht, wenn der Geist im Denken zu sich selbst hingewendet wird, eine gleicht das Verstehen eines Satzes der Sprache (und damit des inneren'§7or-
Dreiheit, in der auch schon das §7ort eingesehen werden kann."38 Die Inten- tes in ihm) dem Verstehen eines musikalischen Gebildes. Dessen Rhythmus
tionalität der Erinnerung, das Sich-auf-sich-selbst-Beziehen und Sich-auf- und die Schönheit seiner Melodie wird im äußerlichen Erklingen der Töne
sich-selbst-Beziehenwollen des Geistes hat kein \Wort, als könnte es eigens ,,ohne Zeit in einem gewissen verborgenen und hohen Srillschweigen er-
benannt werden. Deshalb bedarf es des §Tortes (bzw. der'§7örter). Das Ge- faßt".al Das innere §flort bedarf - wie die Melodie der Töne und der Rhyth-
spräch der Seele mit sich vollzieht sich stillschweigend und nur im Verlauten mus der Pausen - der erklingenden rVörter, weil es selbst ohne Laut ist. Es
der '§7örter. Aber es vollzieht sich nicht in vor- oder außersprachlicher
Autarkie. Das stillschweigende Selbstgespräch der Erinnerung ist sprachför- re ,,Nam si nos referamus ad interiorem mentis memoriam qua sui meminit (...), videbitur qui-
mig. ,,'§7enn wir uns auf die innere Erinnerung des Geistes beziehen, durch dem imago illius trinitatis et ad solam memoriam pertinere. Sed quia ibi verbum esse sine co-
die er sich selbst erinnert, (...) so scheint es, daß das Bild jener Trinität allein gitatione non potest (cogitamus enim omne quod dicimus etiam illo interiore verbo quod ad
zur Erinnerung gehört. Aber weil in ihr ein tü7ort ohne Denken nicht sein nullius gentis pertinet linguam), in tribus potius illis imago ista cognoscitur, memoria scilicet,
intellegentia, volunrate." (De Trin. XIV 7,10; ebd., 434/35) - Diese relationale Zusammen-
kann (wir denken nämlich alles, was wir sagen, auch mit jenem inneren gehörigkeit von ,,memoria, intellegentia und voluntas" transportiert im übrigen bis zu Kants
\Wort, das zu keiner Sprache eines Volkes gehört), wird in jenen dreien viel- Zeit das Wort ,,Gemüt': ,,gemut (...) intellectus, memoria et voluntas simul sumpta mens dici-
mehr dieses Bild erkannt, in der Erinnerung närnlich, der Einsicht, dem Vil- tur (...) und was von mens, gilt auch von gemüt" (}. u. §ü. Grimm, Der4tscbes Wörterbuch,ND
München 1984, Bd. 5,3296).
a0 ,,Cognitione vero facta (...) posita in memoria (...) quis non videat priorem esse tempore in me-
moria retentionem quam in recordarione visionem et huius utriusque tertia voluntace iunctio-
,,(N)emo (...) desidiosus est huius notitiae qui non cum audierit incognitum verbum velit nos- nem? Porro autem in mente non sic est" (De Trin. XIY 10,13, ebd., 440/41).
se, quid illud sit. Quod dum quaerit utique in studio discendi est et videtur amare rem incog- {r ,,Aut si alicuius artificiosi et musici soni per moras temporis transeuntis numerositas compre-
nitam, quod non ita est. Species namque ille tangit animum quam novit et c()gitat in qua e lucet hendatur sine tempore stans in quodam secreto altoque silentio' (De Trin. XII 14,23, ebd.,
d.ecus consociand.orum animorum in oocibus notis audiendis atque reddend.is (Hcrvorhcbung, 377). Der Augustin-Leser Vittgenstein hat das wiederholt: ,,Das Verstehen eines Satzes der
JK), eaque accendit studio quacrcntcm quidem quod ignorrrt, scd notam formam quo id pcrti- Spr,rche ist dem Verstehen eines Themas in der Musik viel verwandter, als man ctwa glaubt.
ncat intue ntem et anrirntcrn." (Dc l'rin. X 1,2; cbd,3l4) Ich meine es aber so: daß das Verstehen des sprachlichen Siltzes niht'r. als m,rn.lcrrkt,,l,'rrr
,,Ac pt.r Iroc.lrr,rntlt, e<l st'i1rs.rnr (rncrrs) cogit.rtionc t'orrv<'rtitttr Iit trirrit.rs itt rltr;t i.utt «l vt'r licgt, was man gcwiihrrliclr Vcrstchcn tlcs nrusikalischcrr'['htrrrr'rs ncnrrt" ([.. §üittgcn:tcirr, 1'lrr
l,urrr 1,,,rsit irrrcllcgi." (l)r lirtt. XIV l0,l ls clrtl.,'l'll) l,,t'phistbL' I lnlo:tr ltnrtr!tz. :ia( ), 440).
196 -fohann Kreuzer Überlegungen zumzerbwm intimum in Buch XV von De Trinitate 197

'§ü'ort,
,leuchtet' und manifestiert sich nur in dem das draußen ,erscheint'. lautendem (geformtem) Vort gegeben ist. Beim verburn d.ei dagegen {allen
Das Ganze einer Rede - und damit ihr Sinn, der mit dem inneren'§7ort re- die innere und äußere Form zusammen. Das verbwrn dei denkt Augustin als
flektiert erscheint - vollzieht sich durch tönende Zeichen in der Sukzession dieses ewige Zusammenfallen der,inneren und äußeren Form'des \Wortes.aa
der Zeit. Es wäre, so Augustin, ,,absurd", wollte man dieses sukzessive Vorü- Bei unserem Sprechen hingegen sind wir dazu genötigt, nicht nur den Laut-
bergehen zeitlich tönender Zetchen nicht: denn gerade dann könnte das in- klang der'§ü'örter, sondern gerade auch das zu verstehen, was in ihnen ohne
nere'§ü'ort nicht vernommen werden.a2 Das ,innere §flort bedarf der draußen Laut verlautet und ,,woher die Worte leben".as Das innere Gespräch voll-
ertönenden und verhallenden Sprache. Es will in dem, was gesagt, was zieht sich lautlos in der Sprache. Dre aolwbilis motio des oerbwm intimum,
'§üörtern
geäußert wird, verstanden und erinnert werden. Ebenso wie Sprache erschei- des aerbam nerun'L erfolgt ,zwischen' den - nicht als ein '§7ort, das
nende Virklichkeit der Erinnerung ist, kehrt sie in diese wieder zurück. noch zu sagen wäre, sondern als das, woraus und weswegen die §ü'örter ver-
Augustin umschreibt diese Struktur bildhaft. ,,Aber was ist es, was §flort lauten, als der zu verstehende Sinn, der in den §(örtern verlauret.
sein kann, und deshalb schon des Namens des §Tortes würdig ist? §7as ist, Auf solche Gesprächs- und Verstehenssituationen ist Augustin in den
frage ich, dieses Formbare und noch nicht Geformte, wenn nicht etwas in Confessiones eingegangen. Diese sprachlichen Rekonstruktionen gelingender
unserem Geist, das wir dahin und dorthin in einer Art kreisender Bewegung Gesprächs- und Verstehensvollzüge sagen m.E. mehr über das ,innere §7ort'
werfen (zur Sprache bringen, im Munde führen, JK), wenn von uns jetzt das, als die Doktrin, die es als sprachlose logische Innenwelt dem ,Geräusch des
dann jenes gedacht wird, so wie es gefunden wurde und sich darbot? Und Mundes' entgegensetzt.
dann geschieht ein wahres '§V'ort, wenn dasjenige, von dem ich sagte, daß wir Das berühmteste Beispiel ist das Gespräch in Ostia. Augustin rekonstru-
es in einer kreisenden Bewegung hin und her werfen, zu dem, was wir wis- iert aus der Erinnerung, wovon im Gespräch die Rede war und was als Ver-
sen, gelangt und von ihm her, dessen gänzliche Ahnlichkeit annehmend, ge- stehen gelang - ,,wenn auch nicht mit diesen'§7orten".46 W'as sich im Ge-
formt wird, so daß auf die gleiche '§üeise, wie eine Sache gewußt wird, sie spräch mitgeteilt hat, hängt nicht von den §(orten ab, mit denen das
auch gedacht wird, d.h. ohne Laute, ohne das Denken des Lautes, der in der Gespräch geführt wurde. Es teilte sich in den §Torten mit. Es ist die oolubi-
Tat irgendeiner Sprache/Zunge bedarf, im Herzen gesprochen wird (...;?"+l lis ruotio des ,,inneren \[ortes", die sich wortlos mitteilte. Sie teilt sich weder
'§7as
im Herzen gesprochen wird, ist ohne Laut, d.h. mit den ertönenden und außerhalb des Gesprächs noch in einer Sprache vor der Sprache mir, sondern
verklingenden W'örter der Sprache zugleich. Augustin unterscheidet unser in ihr. In der Sprache wird das, was die'§üorte leben und verstehen läßt, erin-
Sprechen vom göttlichen aerbum dadurch, daß bei unserem '§(ort (unseren nert. Nicht ohne die §flörter der Sprache wurde dies lWortlose ,,berührr".
§flörtern) eine Unschärferelation zwischen innerem (formbarem) und ver- Das innere \üort läßt sich nicht eigens sagen. Es läßt sich erinnern. In den
'§ü'örtern, die
,draußen erklingen', wird das innere'§7ort, das ,drinnen leuch-
tet', erinnert. In der forli erklingenden Rede erfüllt sich der Übersetzungs-
42
Ygl. Conf.IV 10,15: ,,Ecce sic peragitur et sermo noster per signa sonantia. Non enim erit to- vorgang wechselseitigen Sich-Entsinnens, der mit dem verbum intimwm ei-
tus sermo, si unum verbum non decedat, cum sonuerit partes suas, ut succedat aliud." (AaO,
48); ll,l7:,,Nam et quod loquimur, per eundem sensum carnis audis et non vis utique stare gens reflektiert wird. In der Sprache entsinnen wir uns unseres Erinnerns:
syllabas, sed transvolare, ut aliae veniant et totum audias. Ita semper omnia, quibus unum ali- ,,wenn auch nicht mit den gleichen §7orten". Das Vorübergehen der \(örter,
quid constat - et non sunt omnia simul ea, quibus constat - plus delectant omnia quam singu-
la, si possint sentiri omnia. Sed longe his melior qui fecit omnia, et ipse est deus nostet et non
discedit, quia nec succeditur ei." (Ebd., a9) Vgl. auch De libero arbitrio lll 1.5,42:.Quaprop- aa .Ac (...) quis non videat quanta hic sit dissimilitudo ab illo dei verbo quod in forma dei sic est
ter omnia temporalia quae in hoc rerum ordine ita locata sunt ut nisi deficient non possint ut non ante fuerit formabile postque formatum (...), sed sit forma simplex et simpliciter ae-
praeteritis ittura succedere, ut tota temporum in suo genere pulchritudo peragatut absurdissitne qualis ei de quo est et cui mirabiliter coaeterna est?" (De Trin. XY 15,25, ebd.,499/5OO)
d.icimus non debere deficere (Hervorhebung, JK). (...) Cuius sermonis quod ad sonum eius at- a5 .Vernimm mit Ohren, Herr, die Stimme meines Flehens. (...) Nicht, was in meinen §?orten
tinet si quis unam particulam diligat nec eam velit ceteris deficiendo locum dare, quibus dece- tönt, sondern woher meine \üorte leben. Die übrigen Töne nämlich, die ohne Seele sind, kön-
dentibus et succedentibus totus sermo ille contexitur, mirabilis dcmcntiac iudicabitur." (Zit. nen Geräusch genannt werden, nicht aber die Stimmen. Die Stimme ist dem Beseelten, Leben-
nach: Augustinus, Theologiscbe Frühscbriften, hg. v. \(. Thimme, Zirich/Sttttgart 1,962,300) digen eigen": ,,Percipe auribus, Domine, ztocem deprecationis meae, (...) non quod sonat in ver-
4l
,,Sed quid est quod potest esse verbum et ideo iam dignum est verbi nominis? Quid est, in- bis meis, sed unde vivunt verba mea. Ceteri enim strepitus sine anima, soni dici possunr, voces
quam, hoc formabile nondumque formatum nisi quiddam mentis nostrae quod hac atque hac non possunt: vox proprie animatorum est, vivorum est (...)" (Enarratio in Ps.139,lO,hg. v.
volubili quadam motione iactamus cum a nobis nunc hoc, nunc illud sicut inventum fuerit vcl B.E. Dekkers{. Fraipont, Turnhout 1956, 20lS).
occurerit cogitatur? Et tunc fit verum verbum quando illud quod nos dixi volubili motionc a(' ,,Et dum loquimur (...) attingimus (aeternam sapientiam) modicc toto ictu corrlis (...). I)icc-
iactare ad id quod scimus pervenit atque unde formatur eius omnimodam sirnilitutlincrn c.r1ri b,rnrrrs t'rg,, (...). I)icebam talia, etsi non isto modo et his vcrbis (...)" (C:onl. IX,10,24 2(,, ra(),
('ns r.tl (lr.r(|nr()(l(r rcs quacquc scitur sit cti.rrrr t.lgit,ttrr, iJ cst sirrc vo.t, sir:t'.,,ßit.rtiorrt'v,,.is 147/4rl\. 7rr ,licscnr Gcspräch vgl. Vcrf., I)as Gcsprrich irr ()sria, iy l,trltl,ritrdrt,.r;lt),
r;rrrrclrrrrft'ctorlicttittslirrgtt;tt'r'stsit'irtcortlcdit'rrtttr." (l)t'li'ttt. XV 15,25;.r.r(),4')9) l\\ )/\
198 Johann Kreuzer Überlegungen ztm aerbum intimum in Buch XV von De Trinitate 1,99

das Vorübergehen der tönenden Zeichen ist für uns, wollen wir eine Rede stin von ihm als von einem vorsprachlichen rterbum spricht, das zeitlich zu-
hören und verstehen, notwendig. Eine sprachliche Außerung wird im Vor- erst innen wäre, um dann nur noch gesagt zu werden. Das innere \fort ist lo-
übergehen der tönenden Zeichen verstanden. Der Sinn des Sprechens erfüllt gisch - in der logischen Rekonstruktion dessen, was in der Sprache geschieht
sich nicht außerhalb des Sprechens. Er erfüllt sich im Verlauten der tönen- '§7ort
- von denl erklingenden unterschieden. Chronologisch aber ist es mit
den Zeichen. Er erfüllt sich wortlos im §Techselspiel von Erinnerung und dem draullen erklingenden zugleich.so Mit dem aerbum intimum oder cordis
Außerung. Nicht in einer zeitlichen Abfolge wird zuerst das, was gesagt wird die sprachliche Natur der in der Sprache sich erfüllenden und mit je-
werden soll, (als ,inneres Wort') wortlos gedacht und dann in Außerung dem Verstehen sich immer schon erfüllt habenden Natur der Erinnerung
transportiert und dann diese Außerung gehört und dann das Gehörte wort- selbst reflektiert. Der memoria principalis ist die Einsicht des Verstehens und
los verstanden. Das §flechselspiel von Erinnerung und Außerung vollzieht die Liebe zum Verstehenwollen eigen. ,Verstehen' wir, so gelingt es uns, in
sich in der Sprache nicht nacheinander, sondern in wechselseitiger Gleichzei- das verlautendeZeichen, mit dem ein,anderes Herz'sein Erinnern, Einsehen
tigkeit. Es kann (und muß) immer von neuem wiederholt werden. Das ,inne- und §flollen des Verstehens ausgedrückt hat, unser Erinnern, Einsehen und
re \[ort' wird, um als Beispiel den Beginn von Buch X der Confessiones zu Wollen des Verstehens zu übertragen. Verstehend übersetzen wir das lautlo-
nehmen, in der Sprache ,,schweigend und nicht schweigend" übersetzt. Es se r,)erbum oerum, das mit den verlautenden Zeichen gleichzeitig ist. Es läßt
schweigt - lautlos-gleichzeitig - im Getön der Sprache.aT'Wie nebenbei er- sich nicht sagen, sondern allein übersetzen.
.\V,örter')
wähnt Augustin einmal, dal3 es das conloqwi und conridere ist, das ,Zeichen- Das innere \Wort (die ,inneren ist kein Gegenstand der Sprache,
geben' durch den Mund, durch Stimme und Sprache, durch die Augen und sondern ihr Prinzip. Die memoria principalis - Erinnern als Akt des Einse-
tausend Gesten, was im Gespräch mit Freunden geschätzt wird.a8 In gelin- hen- und Verstehenwollens - bedarf der (verlautenden) Sprache. Die prinzi-
genden Verstehenssituationen wird der Akt des Verstehens nicht eigens the- pielle Sprachlichkeit der Erinnerung muß immer von neuem übersetzt und
matisiert: der Übersetzungsvorgang wechselseitigen Sich-Entsinnens ist kein dieses Übersetzen gedeutet werden. Jeder Satz der verlautenden Sprache ist
Gegenstand des Gesprächs, sondern vollzieht sich in ihm. Übe.s.tzu.rg: ein ,Satz' über den Abgrund der Erinnerung. Die sinnliche, das
In der Sprache wird Erinnern übersetzt. Der zeitlich bestimmte Fluß der innere §f'ort enthaltende Sprachgestalt ist die Virklichkeit der Erinnerung,
Rede ist die Oberfläche, die auf die in ihr sich (gleichsam in ihrer Tiefe) über- sofern diese sich als ein Sich-Entsinnen erweist. Das innere \Wort stellt die
setzende Erinnerungsarbeit wechselseitigen Sich-Entsinnens hin transparent Reflexion der Sprachförmigkeit der ,,abgründigeren Tiefe der Erinnerung"
ist. Das ,,innere Wort" erscheint so in der ,,abgründigeren Tiefe unserer Er- oder, wie Augustin einmal sagt, des ,,Verborgenen des Geistes" dar.s1 Es
innerung, wo wir das auch zum ersten Mal finden, wenn wir denken, und kann nur in der Sprache erscheinen. Es hat keinen eigenen sont!.s, es,leuchtet'
das innerste §flort gezeugt wird, das keiner Zunge/Sprache angehört, wie in den draußen erklingenden \flörtern.
'Wissen lWas Augustin mit verbum intimwnl bewußtseinstheoretisch von der Seite
vom'§ü'issen und Schau von der Schau und Einsicht, die im Denken
erscheint, von der Einsicht, die schon in der Erinnerung, aber verborgen der Erinnerung her reflektiert, zeigt sich nach der Seite seiner konkreter Er-
war."4e Das ,,innere'§üort" erklingt nicht vor dem Laut * auch wenn Augu- scheinung in der Entsprechung von Sprache und Schweigen. Sprache ist
nicht das Instrument der Verlautbarung inwendiger Offenbamngen, sondern
,,Confessio itaque mea, deus meus, in conspectu tuo tibi tacite fit et non tacite. Tacet enim stre-
Reflexion jener stillschweigenden Redekunst, als die das §flort Gottes beredt
pitu, clamat affectu." (Conf.X2,2,aaO, 155) Das innere W'ort ist ein lautloses Gesprächvor
Gott. Vgl. Conf. IX 4,8: ,,Miserere mei, domine, et exaudi (...), quae inter haec verba dixerim ist. Mit dem oerbwm aerbi re{Tektiert Augustin nicht die inwendige Offen-
(...) coram te de familiari affectu animi mei." (Ebd., 137) barung ,innerer \Wörter', sondern jenes Entsprechungsverhältnis. ,,So wie al-
,,(H)is atque huius modi signis a corde amantium et redanrantium procedentibus per os, per
linguam, per oculos et mille motus gratissimos quasi fomitibus conflare animos et ex pluribus
unum facere." (Conf. \Y 8,13, aaO, 47).Zt,Gestrkulation und Modulation', die neben dem ,,Das innere
lVort des Geistes, das keiner besonderen Sprache angehört und lautlos bleibt, er-
Artikulierten zum wirklichen Sprechen gehören, vgl. auch Conf.Ylll8,19: ,,Dixi nescio qua scheint als das eigentliche Vort (...). Dieses innere Wort ist nicht mehr Zeichen, denn es ist we-
talia (...). Plus loquebantur rnimum meum frons, genae, oculi, color, rnodws oocis qwrtm aerba der sinnlich wahrnehmbar noch konventionelI austauschbar. (...) Zum Verständnis des inneren
(Hervorhebung, JK), quae promebam." (Ebd., 125) Sprache umfaßt, will man sich ,,nicht bloß '§Tortes bedarf es keines induktiven Sprungs wie zum Verst:indnis der äußeren §/örter." (T.
nach Begriffen" mitteilen,,,Vort, Gebärde und Ton" (vgl. I. Kant, Kritik der Urteilskraft,B Borsche, Macht nnd Ohnmacht der Wörter, aaO, 151) Um im Bild zu blcibcn: Augustin be-
204/a5, aaO,422). schrcibt nrit dcm inncrcn'Wort, was sich als ,indrrktivcr Sprung' tlcs Vcrstchcns in tlcn .rußrr-
,,Secl illa est abstrusior profunditas nostrae memoriae ubi hoc etiam primum cunr crrgit.rrtrnus lich crtiirrt rrrlcrr Viirtcrn vollzicht.
invcnimus, et gignitur intimum vcrbutn, quod nullius lingu.rc sit tinrqu.lnr scicrrti,r tlt' s,'icnti,r llr tlicst'rrr ,..rl,,liturrr rnt'nlis" griintlct tlic Spraclrlrirrrriglicit tlcr ,,irrtcritrr rrrt'rrror i.r rrrt'rrtis", tlic
ct visit, .lc visiotte t t irttclltgr'rtti.t (luJ( ipl).lr( t irt togit.rti,'rrc rlt irrtcllegcrrti.r (llr.lc in n)( nr')r i.r sielr,lru, Ir,l.r. ,,rrrt, ri,,r vtrl,r1111 q111,nl.r,l rrrrllirrs gtrrlrs Pcrriut't lirrlitr.rrrr" .rrrl si,lr lr, ziclrt (vgl.
i.rrrr ltrt'nt sc,l l.rtcb.rt ( )"(l)('liitr.XY 21,40,.r,r(),5ltl) l ),' li ut \ l \1 1,')./ l o, .r.r( ), .1 l t/ l,l ).
200 Johann Kreuzer Überlegungen zum oerbwrn intimum in Buch XV von l)a 'lrintt,rtr

so die entgegenges etzten Gegensätze in den Gegensätzen die Schönheit der Sprache sind (auf sich) zeigendeZeichen. Dieses Anzeigen gcsclriclrt rr ,1, t,
Rede bewirken, so wird die Schönheit der §fleltzeit nicht durch die Bered- verlautenden'§ü'örtern selbst. Das Verstehen dieses Anzeigens lällt Spr.r.. lr..'
'§ü'örter
samkeit der §7örter, sondern durch die Beredsamkeit der Dinge in der Ent- zur Geschichte innerer werden: zur Form der Verstehensgctttcitr
gegensetzung der Gegensätze zusammengefügt."52 Diese Beredsamkeit der schaft gemeinschaftlich verbundener Geister.
Dinge ist stumm.s3 Die eloqwentia rerurn ist (ihr) beredtes Schweigen - die Mit dem,inneren §7ort' reflektiert Augustin dieses Anzeigen. Diese Refle-
,,tönende und beredte Stille der
tVahrheit", die ohne Laut ,,im Getön" der xion des inneren'§üortes ist in den verlautenden enthalten: ,,§7ie nämlich das
'§ü'orte .§7ort
immer schon schweigend gegenwärtig und mehr oder minder über- etwas anzergt, so zeigt es auch sich selbst an. Das \trort zeigt aber nur
setzt ist.54 Mit dem inneren §7ort wird dieser stillschweigende Anspruch der dadurch sich selbst an, daß es anzeigt, daß es etwas anzeigt".55 Das Verste-
Dinge, in dem sich das §?'ort Gottes schöpferisch zeigt, reflektiert. Die §7ör- hen eines lWortes in der Sprache setzt die Bereitschaft zu diesem Verstehen
ter, die draußen erklingen, entsprechen jener Sprachlichkeit, als die wir das der auf sich als Zeichen zeigenden'§ü'örter voraus. Das Verstehen eines 'Wor-
verbwm dei schöpferisch denken und als deren Entsprechung wir das per- tes bzw. der verlautbarten'Wörter bedarf der Bereitschaft zum Verstehen
bwm intimwrn in uns finden als jenes zterbwm nostruTn, das drinnen leuchtet. desjenigen, was in den'W'örtern verstanden sein will. Die ,Bereitschaft zu
Nicht eine wortlose Logik jenseits der als nichtsnutzige Vokabelmasse ge- verstehen' entspricht auf der Seite des ,Höre