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10PS/TG - FLÜSSIGKEITEN UND GASE P.

Rendulić 2009 AUFTRIEB 23

5 AUFTRIEB
5.1 Auftrieb in Flüssigkeiten
Aus dem Alltag wissen wir, dass schwere Gegenstände im Wasser leichter zu heben sind,
als außerhalb des Wassers.

Mithilfe des folgenden Versuchs kann diese


Tatsache leicht überprüft werden.
Wir bestimmen die Gewichtskraft eines
Körpers zuerst in Luft. Wir stellen fest, dass
der Körper in der Flüssigkeit angeblich
leichter ist. Da die Masse des Körpers sich
während des Versuchs nicht verändert hat,
FG = FGF = kann sich die Gewichtskraft des Körpers auch
2,1N 1,3N nicht verändert haben. Der Kraftmesser zeigt
eine geringere Kraft an, weil unter Wasser r
eine zusätzliche Kraft, die Auftriebskraft FA
von unten nach oben auf den Körper wirkt.
Sie beträgt:
FA = FG − FGF = 2,1N − 1,3N = 0,8N

Auf in Flüssigkeiten eingetauchte Körper wirkt eine der


Gewichtskraft entgegen gerichtete Kraft, genannt Auftriebskraft.

5.1.1 Versuche
Es soll untersucht werden, wovon der Betrag dieser Auftriebskraft abhängt.

Hängt die Auftriebskraft vom Volumen eines Körpers ab?

Zwei Körper mit unterschiedlichem Volumen und gleicher Masse hängen an einer
Balkenwaage, die sich im Gleichgewicht befindet. Wenn man die Körper unter Wasser
taucht kommt die Waage aus dem Gleichgewicht. Auf den Körper mit dem größeren
Volumen wirkt eine größere Auftriebskraft.
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Je größer das Volumen eines Körpers ist, desto größer ist die
Auftriebskraft, die auf ihn wirkt.

Hängt die Auftriebskraft von der Masse eines Körpers ab?

1,7N 0,46N 1,5N 0,26N

FA=0,2N FA=0,2N
Wir bestimmen die Auftriebskraft, die 2 Körper unterschiedlicher Masse und gleichen
Volumens in Wasser verspüren. In beiden Fällen beträgt die Auftriebskraft 0,2 N.

Die Auftriebskraft hängt nicht von der Masse eines Körpers ab.
Körper gleichen Volumens verspüren die gleiche Auftriebskraft.

Hängt die Auftriebskraft von der Dichte der Flüssigkeit ab?

2,1N 2,1N 1,3N 1,5N

FA=0,8N FA=0,6N
Wir bestimmen die Auftriebskraft, die der gleiche Körper in Wasser und dem weniger
dichten Spiritus verspürt. Wir stellen fest, dass die Auftriebskraft in Wasser größer ist.

Je größer die Dichte einer Flüssigkeit ist, desto größer ist die
Auftriebskraft die auf den eingetauchten Körper wirkt.
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5.1.2 Archimedisches Prinzip


Versuch

0,78N
0,23N 0,78N

Wir bestimmen die Gewichtskraft Der Vollzylinder wird an den Das übergelaufene Wasser wird
des Versuchskörpers. Dieser Hohlzylinder gehängt und in jetzt in den Hohlzylinder
besteht aus einem roten Wasser getaucht, das sich in gegossen, welchen es exakt
Vollzylinder aus Kunststoff, der einem Überlaufbecher befindet. auffüllt. Dies war zu erwarten, da
exakt in einen transparenten Das vom Vollzylinder verdrängte das verdrängte Wasservolumen
Hohlzylinder aus Kunststoff passt. Wasser wird in einem Becher dem Volumen des Vollzylinders
Die Gewichtskraft beträgt FG = aufgefangen. Der Kraftmesser entspricht. Wir stellen auch fest,
0,78 N. zeigt jetzt eine geringere Kraft an, dass der Kraftmesser wieder
weil auf den Vollzylinder eine exakt 0,78 N anzeigt.
Auftriebskraft wirkt. Sie beträgt FA Dementsprechend hat das
= 0,78 N – 0,23 N = 0,55 N. verdrängte Wasser ein Gewicht
von 0,55 N, was vom Betrag her
der Auftriebskraft entspricht.

Wenn man den Versuch mit einer anderen Flüssigkeit durchführt kommt man zum
gleichen Ergebnis.

Die Auftriebskraft entspricht dem Gewicht der verdrängten


Flüssigkeit. (Archimedisches Prinzip)

5.1.3 Hydrostatischer Druck als Verursacher der Auftriebskraft


Zur einfachen Veranschaulichung wird ein Würfel betrachtet, der in eine Flüssigkeit taucht.

Der Schweredruck ist in gleicher Der Schweredruck nimmt mit


Der Schweredruck wirkt allseitig
Tiefe gleich groß. steigender Tiefe zu.

Die Kräfte auf die Seitenflächen Die Kraft auf die Bodenfläche ist
Auf alle 6 Seiten des Würfels
sind gleich und heben einander größer als die Kraft auf die
wirken Kräfte.
auf. Deckfläche.

Schlussfolgerung: Die Auftriebskraft entsteht, weil der hydrostatische Druck mit der Tiefe
zunimmt. Dadurch ist die Kraft, die auf die Unterseite eines Körpers wirkt größer, als die
Kraft, die auf seine Oberseite wirkt.
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5.1.4 Formel zum Berechnen der Auftriebskraft


r
Der Betrag der Auftriebskraft FA ergibt sich durch
FA = Funten − Foben ,
r
wobei Funten die Kraft ist, die auf die Bodenfläche
r
Flüssigkeit wirkt und Foben die Kraft ist, die auf die Deckfläche
hoben wirkt. Die Kräfte werden berechnet durch
Foben F = p ⋅ A,
A wobei p der Schweredruck in der jeweiligen Tiefe ist
hunten und A der Fläche der Stirnseiten des Würfels
entspricht. Dementsprechend kann man schreiben
h FA = punten ⋅ A − poben ⋅ A
A
FA = ( ρ ⋅ g ⋅ hunten − ρ ⋅ g ⋅ hoben ) ⋅ A ,
wobei ρ die Dichte der Flüssigkeit ist. Durch eine
Funten Vereinfachung findet man:
FA = ρ ⋅ g ⋅ (hunten − hoben ) ⋅ A = ρ ⋅ g ⋅ h
{ ⋅ A = ρ ⋅ g ⋅V
1424 43 4 V
h

Der Betrag der Auftriebskraft kann daher nach der folgenden Formel berechnet werden:

FA = ρFL ⋅ g ⋅ VKörper

mit ρFL: Dichte der Flüssigkeit

VKörper: Volumen des eingetauchten Körpers

ANMERKUNG: Das Volumen des eingetauchten Körpers entspricht dem Volumen der
verdrängeten Flüssigkeit (Archimedisches Prinzip):

VKörper = VFL

Dementsprechend entspricht die Auftriebskraft dem Gewicht der verdrängten Flüssigkeit.


Es gilt:

FA = ρFL ⋅ g ⋅ VFL = mFL ⋅ g

In der Tat entpricht das Produkt Dichte mal Volumen der Masse der verdrängten
Flüssigkeit mFL.
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5.1.5 Sinken, Schweben, Steigen, Schwimmen


Ob ein Körper in eine Flüssigkeit eingetauchte Körper sinkt, schwebt, rsteigt oder
schwimmt, hängt vom Verhältnis zwischen dem Betrag der Gewichtskraft FG und dem
r
Betrag der Auftriebskraft FA ab.

Sinken Schweben Steigen Schwimmen


Ein Stein sinkt im Ein Fisch schwebt im Ein Ball steigt aus der Ein Schiff schwimmt auf
Wasser nach unten. Wasser. Tiefe nach oben. dem Wasser

FA

FA FA FA
FG

FG FG FG

FG > FA FG = FA FA > FG FG = FA

ρKörper > ρFlüss. ρ Körper = ρFlüss. ρKörper < ρFlüss. ρ Körper < ρ Flüss.

Ob ein Körper sinkt, schwebt, steigt oder schwimmt hängt von seiner Dichte (ρKörper) und
von der Dichte der Flüssigkeit (ρFlüss.) ab.

5.1.6 Beispiele aus Natur und Technik

Durch Aufnahme oder Abnahme von Gas ändert der Das U-Boot hat stets das gleiche Volumen und
Fisch die Größe seiner Schwimmblase und damit erfährt somit immer die gleiche Auftriebskraft. Zum
sein Volumen und seine Dichte (bei gleicher Masse). Abtauchen muss die Gewichtskraft des Bootes
So passt er sich dem Druck in unterschiedlichen erhöht werden. Dies wird erreicht, indem man
Wassertiefen an, kann sinken, schweben oder Wasser in die zunächst mit Luft gefüllten
steigen. Ballasttanks einströmen lässt. Zum Auftauchen wird
das Wasser in den Ballasttanks durch Pressluft
wieder entfernt. Dadurch nimmt die Gewichtskraft
des Bootes wieder ab, die Auftriebskraft ist wieder
größer als die Gewichtskraft und das Boot kann
steigen.
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5.1.7 Das Aräometer *


Ein Aräometer ist ein Gerät, das dazu dient, die Dichte einer Flüssigkeit zu
bestimmen. Dabei handelt es sich (siehe Abb. 1) um einen Schwimmer, der
je nachdem, wie groß die Dichte einer Flüssigkeit ist, mehr oder weniger tief
in diese Flüssigkeit eintaucht. An einer angebrachten Skala kann dann die
Dichte der Flüssifkeit abgelesen werden.
Es soll untersucht werden, wie ein zylinderförmiges Aräometer ohne Skala
genutzt werden kann, um die Dichte einer unbekannten Flüssigkeit zu
bestimmen, unter der Bedingung, dass auch eine Flüssigkeit mit bekannter
Dichte als Referenz vorhanden ist.

Wir betrachten 2
Flüssigkeiten mit den
Dichten ρ1 und ρ2, wobei wir
für den gezeigten Fall davon
ausgehen, dass ρ 2 > ρ1 .
ρ1 ρ2
FA In beiden Fällen ist die
FA Gewichtskraft des Aräo–
h1 h2 meters gleich groß. Dadurch
FG erfährt das Aräometer in
beiden Fällen r die gleiche
FG
Auftriebskraft FA . In der Tat
Flüssigkeit 1 Flüssigkeit 2 gilt FA = FG wenn ein Körper
schwimmt.
Wir wenden daher das Archimedische Prinzip für beide Fälle an:
Fall1: FG = ρ1 ⋅ g ⋅ V1
Fall1: FG = ρ2 ⋅ g ⋅ V2
Daher können wir schreiben:
ρ1 ⋅ g ⋅ V1 = ρ2 ⋅ g ⋅ V2
⇔ ρ1 ⋅ V1 = ρ2 ⋅ V2
V1 und V2 entsprechen hier jeweils dem Volumen der verdrängten
Flüssigkeit. Dieses Volumen entspricht dem Volumen des Aräometers, das in
die Flüssigkeit eingetaucht ist. Da wir davon ausgehen, dass das Aräometer
eine Zylinderform hat, entspricht dieses Volumen dem Produkt aus
Basisfläche A und Höhe der jeweiligen Höhe h (je nach Fall h1 oder h2). Wir
können daher schreiben:
ρ1 ⋅ A ⋅ h1 = ρ2 ⋅ A ⋅ h2
⇔ ρ1 ⋅ h1 = ρ2 ⋅ h2
Um die Dichte der Flüssigkeit 2 zu bestimmen können wir daher schreiben:
h1
ρ2 = ρ1 ⋅
h2
Wenn die Flüssigkeit 1 Wasser ist, so gilt für die andere (siehe Praktikum):
hH 2O
ρ = ρH 2O ⋅
Abb. 1 h
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5.2 Auftrieb in Gasen


Ähnlich wie in Flüssigkeiten, verspüren auch sich in Gase befindende Körper eine nach
oben gerichtete Auftriebskraft.

5.2.1 Versuch zum Nachweis der Auftriebskraft


Eine Kugel aus Styropor und ein Wägestück aus Metall sind links und rechts an einer
Hebelstange befestigt. Da die Hebelarme gleich groß sind, kann man in einer ersten
Näherung annehmen, dass beide Körper gleich schwer sind (Abb. 2).
Wenn man die Apparatur jedoch unter eine abgeschlossenen Glocke stellt, und die Luft
aus dieser evakuiert, so stellt man fest, dass der Hebel zur Seite der Kugel kippt (Abb. 3).
Daraus schließt man, dass die Kugel doch schwerer als das Wägestück ist.

Abb. 2 Abb. 3

Erklärung:

FAuftrieb1 FAuftrieb2

FG2

FG2
FG1
FG1

Wenn sich die Apparatur in Luft befindet, so wirken an den beiden Körpern nicht nur ihre
jeweils nach unten gerichteten Gewichtskräfte, sondern auch nach oben gerichtete
Auftriebskräfte. Da das Volumen der Styroporkugel jedoch deutlich größer ist, als das des
Wägestücks, ist die Auftriebskraft bei der Kugel deutlich größer als beim Wägestück. Eine
Analyse der an der Hebelstange wirkenden Kräfte (insgesamt also 4 Stück) zeigt daher,
dass die Gewichtskraft der Kugel in der Tat größer ist, als die des Wägestücks.
Durch Herauspumpen der Luft verschwinden die Auftriebskräfte, sodass die größere
Gewichtskraft der Styroporkugel auch sichtbar wird.
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5.2.2 Beispiele aus der Technik

Heißluftballon und Zeppelin (Luftschiff) sind mit leichten Gasen (geringe Dichte, heiße Luft, bzw. Helium)
befüllt. Dadurch erreicht man, dass die Auftriebskraft größer wird als die Gewichtskraft, womit der Ballon und
der Zeppelin steigen kann.

5.3 Aufgaben

5.3.1 Leere Getränkeflasche


Berechne die Kraft, die man aufbringen muss, um eine leere, verschlossene 2-Liter-
Getränkeflasche aus Kunststoff unter Wasser zu drücken!

5.3.2 Steigen, Schweben, Sinken


Ein Körper, den man unter Wasser taucht und dann loslässt, kann entweder steigen oder
sinken. Welchen Zusammenhang gibt es in beiden Fällen zwischen der Gewichtskraft des
Körpers und der an ihm wirkenden Auftriebskraft?

5.3.3 Stück Kunststoff


Steigt oder sinkt das folgende Stück Kunststoff in Wasser? Die Masse des Stücks beträgt
135 g. Sein Volumen beträgt 85 ml.

5.3.4 Eisberg
Bestimme, wie viel Prozent des Gesamtvolumens eines Eisbergs sich über Wasser
befindet!

5.3.5 Badeplattform
Eine Badeplattform aus Holz hat die Maße 4 m x 3 m x 35 cm. Sie hat eine Masse von 1,5
Tonnen und schwimmt im Meer.

a. Um wie viel ragt die Plattform aus dem Wasser heraus?


b. Wie viele Personen von 80 kg Masse können auf der Plattform Platz nehmen, ohne
dass diese unter geht?

5.3.6 Luftballon
Ein Luftballon wird mit 4 Liter Helium unter Normaldruck befüllt. Die Hülle des Ballons hat
eine Masse von 5 g.

a. Untersuche, ob der Ballon steigen wird!


b. Bestimme die maximale Nutzlast, die der Ballon gerade noch tragen kann!

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