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Unsere Gruppe hat sich für die Prüfung das Thema „Bildung“ ausgesucht.

Ein Teilaspekt davon


hat mich besonders interessiert und heute möchte ich Ihnen daher meine Präsentation "Ist das
Streitschlichtungsmodell auch in der ukrainischen Schule möglich? " vorstellen.
Zuerst definiere ich das Wort „Streitschlichtung“ und erkläre, um welches Modell es geht. Dann
informiere ich darüber, welche Probleme mit der Einführung des Streitschlichtungsmodells in
ukrainischen Schulen entstehen könnten. Danach folgen Gründe, warum es möglich und nützlich
ist, Expertenmeinungen und Fazit.
An vielen Schulen in Deutschland gibt es sie inzwischen: Streitschlichter. Streitschlichtung wird
auch Mediation genannt, was Vermittlung bedeutet und ein Verfahren zur Konfliktlösung ist.  .
Als Streitschlichter in der Schule fungieren weder Lehrkräfte noch Eltern. Ausgebildete
Schülerinnen und Schüler in Deutschland helfen sich gegenseitig, wenn es zu Problemen
kommt. Mit Streitschlichterprogrammen sollen Konflikte unter den Schülerinnen und Schülern
konstruktiv gelöst werden. Ein Streitschlichterprogramm beruht auf Freiwilligkeit. Es ist
erwiesen: Gleichaltrige haben Vorbild- und Modellcharakter. Sie verstehen die Probleme und
Konflikte ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler meist besser als Erwachsene. Und es ist für die
streitenden Parteien leichter, sich einem Gleichaltrigen gegenüber zu öffnen. Die Schülerinnen
und Schüler kommunizieren also mit den Streitschlichtern auf Augenhöhe, was häufig allein
schon ausreicht, um eine Situation zu deeskalieren.
Ich habe mir die Frage gestellt, ob das Streitschlichtungsmodell auch in der ukrainischen Schule
möglich ist.
Um tiefer in die Thematik einzudringen und fachliche Sichtweisen zu erfahren, nehme ich
regelmäßig an Mediatorenkursen und Foren teil. In Mykolaiw hat im März 2019 das Training
„Schulmediation und Dialog“ stattgefunden und ich habe einige Experten aus Deutschland zu
diesem Thema befragt. Trainerin für gewaltfreie Kommunikation, Dr.med. Irmtraud Kauschat
(Darmstadt ), mit der ich mich nicht nur dort, sondern auch später per E-Mail, unterhalten habe,
ist sicher, dass sich so ein System überall lohnt, wo viele Menschen miteinander zu tun haben.
An Schulen gehören die Streitigkeiten zum Alltag, da hier so viele Kinder aus unterschiedlichen
sozialen und auch kulturellen Milieus jeden Tag in Kontakt kommen. Bei Konflikten ist ein
Streitschlichter der erste Ansprechpartner. Die Expertin ist auch der Meinung, dass das
Streitschlichtungsmodell erfolgreich ist, weil die Schüler selbst Verantwortung übernehmen
lernen und damit ihr Selbstbewusstsein wächst. Frau Kauschat glaubt außerdem, dass wenn sich
dieses Modell in Deutschland bewährt hat, dann wäre es sinnvoll, es auch in der Ukraine
auszuprobieren.
Es ist aber nicht klar, wer die Einführung dieses Modells in der Ukraine finanzieren könnte.
Um eine Schulmediation an einer Schule durchzuführen, müssen vorher einige Schüler zu
Streitschlichtern ausgebildet werden. Bevor Schüler zu Streitschlichtern werden und bevor sie
tätig werden, müssen zumindest einige Lehrer einen Kurs in Schulmediation absolviert haben. In
der Ukraine gibt es zurzeit sehr wenige Kurse für Mediatoren und diese werden meistens von
verschiedenen internationalen Organisationen durchgeführt und bezahlt. Aber das reicht nicht,
um viele Mediatoren auszubilden, man braucht sowieso die Unterstützung des ukrainischen
Staates.
Schulpsychologin und Mediatorin aus Kiew Kateryna Ignatenko,die ich in Cherson während
eines Forums (Community Mediation Forum) kennengelernt habe, ist der Meinung, dass man
beim Einsetzen eines solchen Systems an ukrainischen Schulen vielleicht damit rechnen muss,
dass es nicht gleich so ernst genommen wird. Die Expertin kann sich vorstellen, dass Schüler,
Lehrer und Eltern in der ersten Zeit nicht an die Wirksamkeit dieses Systems glauben werden,
denn sie sind gewohnt, solche Probleme selber zu lösen (oft sehr emotional geladen) und ein
großer Teil der Eltern wird erst einmal mehr oder weniger passiv beobachten, wie es sich
entwickelt, um sich eine Meinung davon zu bilden. Nach den ersten positiven Ergebnissen wird
dieses System bestimmt immer mehr Anhänger bekommen. Frau Ignatenko betont, dass man
das Streitschlichtungssystem in der Ukraine einführen sollte, weil es Schülerinnen und Schüler
ermöglicht, zu verantwortlichen Bürgern heranzuwachsen und Selbstvertrauen zu entwickeln.
Zu diesem Fazit bin ich auch gekommen, als ich mich auf den Vortrag für das
Internationale Mediatorenforum 2019 vorbereitet habe. Dabei konnte ich nicht nur Experten
befragen, sondern auch einige Schüler aus den Pilotschulen kennenlernen, wo dieses Projekt
erfolgreich durchgeführt wird. Erste Ergebnisse zeigen, es gibt immer weniger Mobbing und
Gewalt an diesen Schulen. Trotz ein paar Schwierigkeiten und aus vielfältigen Gründen, die ich
oben erwähnt habe, bin ich der Meinung, dass Streitschlichtung in der ukrainischen Schule
möglich und nützlich ist.