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Kritische Theorie

Geschichte
Programm
o Geschichte:
 Beil: Stifung  Frankfurter Institut für Sozialforschung
 Leiter: Grünberg
 Horkheimer übernimmt Leitung: Kritische Theorie gewinnt an
Aufmerksamkeit
 Start: Ende 1920er als interdisziplinäres Projekt bis 1933
 Ausland
 Horkheimer 1936: „Kritische Theorie“
 Abgrenzung vom Marxismus & Geisteswissenschaftlicher Pädagogik
 allgemeine Kritik an der Gesellschaft, Kritik an der politischen
Ökonomie, Kritik an der Psychologie, Kritik an der Kulturtheorie
 Wieder zurück nach Deutschland
 Blütezeit: späte 1960er
 Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns
 neuere Kritische Theorie oder komplett neue Theorie?
 schaut gesellschaftliche Prozesse auf Basis des kommunikativen
Handelns an (Arbeit, Interaktion & Sprache)
 Handlungstheorie, Systemtheorie, Sozialisations- &
Entwicklungstheorie
o Interdisziplinär
 Sozialpsychologie
 Kulturtheorie
 Philosophie
 Wissenschaftstheorie
 Politische Theorie
o Anfangs orientiert am Marxismus (Theorie der Gesellschaft)
o Psychoanalyse (Theorie der menschlichen Psyche)
o Ziel: Entwicklung von Entwürfen einer gerechten, freien und
selbstbestimmten Organisation einer Gesellschaft
 Autonomer Mensch
 Konformer, Identifizierender Mensch

Grundinteresse: Stellt uns selbst in Frage in unserer Situation/Rolle in einer Gesellschaft in


der heutigen Zeit
 fragt nach den Hintergründen der Gesellschaft
 Bewusstheit & Reflexion
 Gesellschaft als struktureller Zusammenhang mit Widersprüchen
 Gesellschaft konstruktiv & vernünftig voranbringen (Widersprüche aufdecken)
 radikale Skepsis (Pessimismus gegenüber der Welt?)
 „Kulturpessimistisch?“
 durch Nationalsozialismus (Vernichtungspotenzial  Selbstbeherrschung)
 negative Revolutionstheorie
 Gegenargument: Potenzial als Freiheit
 Ich als Studentin: Bologna-Universität, Massenuniversität
 Was läuft gut, Was kann man optimieren?

Positivismusstreit (Adorno & Popper):


 Kritische Theorie (Adorno) & empirische Theorie (Popper)
 Argumente Adorno:
o Wissenschaft betrachtet sich selbst zu wenig
o Kausalanalytisches Denken ist zu einfach für Gesellschaft (Ursache-Wirkung)
o Empirische Erziehungswissenschaft zu technologisch (Abhängigkeit des
Menschen)
o Bildung ist machbar und entwickelt sich nicht aus Menschen heraus
o Streben nach Naturbeherrschung wird zu Menschbeherrschung

Kritische Erziehungswissenschaft
Kritische Theorie hat Einfluss auf Erziehungswissenschaft
 Vertreter nicht identisch (Klafki)
 Weiterentwicklung der GW

Grundannahmen & Konzepte


Grundinteresse: Gerechtigkeit, Freiheit & Selbstbestimmtheit
 Können in einem Spannungsfeld stehen  Lösungen finden
 Konsequenzen für Bildungssystem: Wir müssen alle an der Weiterentwicklung der
Gesellschaft mitarbeiten & die Interessen fördern/repräsentieren

Grundannahmen:
 Hervorbringen von Vernunft in Spannungsverhältnissen
o Bewusstes erkennen der gesellschaftlichen Verhältnisse und Arbeiten daran
o Vernunft: Herrschende Verhältnisse vs. Utopische Ideen
o Kritische Selbstbewusstheit = Vernunft
o Ich bin Teil des analysierten Prozesses (Ich muss mich auch selbst analysieren)
o Harmonisierendes Denken über Wirklichkeit birgt Ideologieverdacht
 immer kritisch überprüfen (radikale Skepsis)
 Konzept & Instrument der Dialektik
o Zentrale Methode der Arbeit
o Grundfigur des gesamten Denkens der kritischen Theorie
o Verschiedene Auffassungen
 Kritische Theorie:
 Platon: „Kunst der Gesprächsführung“ – Frage & Antwort
 Danner: Streitgespräch, bei dem Widersprüche festgestellt werden
und bei dem auf Versöhnbarkeit gesetzt wird
 Radikale Skepsis
 Zweifacher Optimismus: Man kommt auf Einigung & Einigung
bringt voran
 Aristoteles: Abwägen von für und wider
 Kant: Logik des Scheins (nicht alle Widersprüche sind lösbar)
 Fichter: Synthetisches Verfahren der Dialektik (These-Antithese-
Synthese)
 Erziehung = führen vs. wachsen lassen (These & Antithese)
 Erziehung als Aufforderung zur Selbsttätigkeit (Synthese)
 Gedanken aus These & Antithese aufnehmen/diskutieren
und daraus Lösung auf höherer Ebene entwickeln
 Hegel: spekulative Dialektik = Spekulation über die Wirklichkeit
 differenzierter Blick auf die Wirklichkeit auf Basis der Vernunft
 Schleiermacher: Dialektik als Kommunikationstheorie
 Adorno: Negative Dialektik = Auseinanderweisen von Begriff &
Sache (Begriffe sind nicht identisch mit der Sache selbst bzw.
treffen diese nicht immer)
 Emanzipation gegenüber den Verhältnissen in denen wir leben
1. des einzelnen Menschen
2. der Gattung des Menschen
 Emanzipation gegen eine bloße Reproduktion der Verhältnisse
 Ziel: Bewusstheit & Vernunft erzeugen
o Bildung & Erziehung = Grundaufgaben
 Emanzipation steht im Vordergrund (Mündigkeit als Zweck von Erziehung
& Bildung)
 Wechselseitiger Prozess: Individuum  Gesellschaft  Individuum
 Begrenztheit der Bildungs- & Erziehungsmöglichkeiten des Einzelnen
 Bewusst wahrnehmen
 Utopie entwickeln / Begrenztheit überwinden
 Konzept des Diskurses
o Wie kann Kommunikation in einer zunehmend herrschaftsfreien Gesellschaft
stattfinden?
o Diskursethik: versteht Diskurs als eine ideale herrschaftsfreie Sprechsituation
 idealistisch
 Diskurstheorie: bestimmt Grundlagen, wie Diskurse herrschaftsfrei
stattfinden können
 normativer Aspekt: rationale Verständigung
 regulativer Aspekt: Wie kann das gelingen? Wie kann das reguliert
werden?
 Bewusstmachen der Herrschaftsstrukturen in einem Diskurs & diese
herausnehmen
 Ziel: Alle können mit Gründen in einem Diskurs zustimmen
 Eingebundenheit von Theorie & Praxis
o Kritische Theorie lehnt mit Konzept der Dialektik Dualität von Theorie & Praxis
ab
o Spannungsverhältnis Theorie & Praxis  beides gleichrangig
 Wissenschaftler betrachtet Praxis als eingebunden in
Klasseninteressen & untersucht skeptisch gesellschaftliche Strukturen
 Wissenschaftler ist interessiert an vernünftigen Zuständen
 Analyse der dynamischen Struktur der Gesellschaft
 Wissenschaftler sieht sich selbst als Aufklärungsinstrument (sich &
andere aufklären)
 Subversion
o Teil der Gesellschaft, der subversiv tätig wird, indem er sich als kritisch
versteht
 Pädagogisches Handeln
2. Seiten: Erziehung als eine Funktion von Gesellschaft (Formen & Ziele)
 Bewusstmachen, inwiefern Gesellschaft Erziehung prägt
 Erziehung kann auch die Gesellschaft verändern

 Aufgaben der kritischen Theorie:


o Herrschaftsinteressen in der Gesellschaft aufdecken
o Rechtfertigungslehre aufdecken
o Ideologien aufdecken
o falsche Bewusstheit aufdecken
o Machtverhältnisse kritisch analysieren
 im Rahmen der Wissenschaft

Zentrale Leistungen
Bildung zum Zweck der Befreiung kritischer Vernunft

Klafki: Bildung befähigt zur


 Selbstbestimmung
 Mitbestimmung
 Solidaritätsfähigkeit
 Bildung für Alle!
 Bildung soll am Medium des Allgemeinen erfolgen (Bewusstsein von zentralen
Schlüsselproblemen soll in der Gesellschaft in der Gegenwart & Zukunft vorangebracht
werden)
 Vielseitige Bildung (alle Entwicklungsbereiche des Menschen –
Moral/Kritik/Empathie/Kognition)

Mollenhauer: Erziehung
Vgl. Habermas: Diskurstheorie (Erziehung als Kommunikations- & Interaktionsprozess)
 Erzieher muss sich über seinen gesellschaftlichen Auftrag bewusst werden
 Bewusstheit der sozialen Reproduktion von Gesellschaft
 Es entsteht Sinn
 Ziel: Erwerb von Fähigkeiten zum herrschaftsfreien Diskurs

Interaktion & Identität


 Wir übernehmen Rollen (Pädagoge/Schüler)
 komplementär: kommen zusammen & wirken aufeinander (Interaktion)
 Identitätskonzept: Wie reguliere ich kompetent Rollen in sozialen Bezügen?
 Aspekte der Rollenrealisierung/Fähigkeiten:
o Rollendistanz: Distanz zur eigenen Rolle herstellen/ kritisch wahrnehmen
o Empathie: Empathie für andere Personen/Rollen gewinnen
o Ambiguitätstoleranz: Spannungen innerhalb meiner Rolle (intra) bzw. Rollen
(inter) ertragen können
o Identitätsdarstellung: Eigene Identität über die Rolle darstellen/realisieren
können
Wissenschaftskritik
 Kritische Theorie: Auf sich selbst als Wissenschaftler kritisch schauen
 Jeder Erkenntnis liegt ein Interesse zugrunde (Was sind die Interessen? Wie können
sie die Erkenntnisse beeinflussen?)
 Lob,…
 Drittmittelfinanzierte Forschung bestimmt Interessen & Ergebnisse & Darstellung
der Ergebnisse? (Kann ich Aufträgen neutral gerecht werden?)
 Positive Psychologie: Sind die Befunde positiv verzerrt in der Darstellung?

Methoden
Empirische Forschung
 Theoriebildung
 Qualitative & Quantitative Arbeit

Hermeneutische Forschung

Kritische Reflexion
 eigene Methoden & Befunde kritisch betrachten
 Breite des Spektrums der Methoden

Ideologiekritik
 Ideologien entlarven, die vernünftige Verhältnisse verstellen

Handlungs-/ Aktionsforschung
 Wissenschaftler ist Teil des Ganzen & der Gesellschaft
 Nie trennbar
 Forscher geht direkt in das Feld und entwirft eingreifende Praxis
 Innovationsforschung & teilnehmende Forschung
 Ich forsche und spiele die Erkenntnisse zurück in das System & gebe
Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Systems

Kritiken
o Geisteswissenschaftliche Pädagogik: zu wenig gesellschaftskritisch
o Allgemeine Kritik an der Gesellschaft:
o Kritik an der politischen Ökonomie: Mehrwertschöpfung & Mensch in Räderwerk
o Kritik an der Psychologie
o Kritik an der Kulturtheorie: Massenkultur
o Kritik an der Empirie: Neopositivismus

Kritik an der kritischen Theorie


 Stellt klassische erziehungswissenschaftliche Begriffe wie Erziehung & Bildung in den
Hintergrund zugunsten eher klassischer sozialwissenschaftlicher Begriffe (Identität,
Interaktion, Kommunikation, Sozialisation)
 Diskursmodell geeignet für klassische Erziehungs- & Bildungskontexte
 Herrschaft wichtig & sinnvoll
 Zynisch, wenn jemand zu herrschaftsfreien Diskursen befähigt wird, wenn er diese
nicht realisieren kann, weil er in unterdrückenden Bedingungen lebt
 Kritische Theorie: „Bewusstheit ist schon ein Schritt der Befreiung“
 Handlungsforschung: Forscher mit Doppelrolle (neutral und Teil des Feldes)
 Wo bleibt bei reiner Kritik das Konstruktive?

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