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Empirische Erziehungswissenschaft

 steht diametral gegenüber Geisteswissenschaft


 aber auch aus Naturwissenschaft heraus

Begriff
Griech „empeiria“ = Orientierung an der Erfahrung durch die Sinne
 eher ein Programm (kein Vertreter, unterschiedliche Sichtweisen)

Aspekte (Empirische Erziehungswissenschaft unterstrichen)


1. Unterscheidung zwischen metasprachlichen und objektsprachlichen Aussagen
 Metasprachlich: Aussagen über Aussagen
 Objektsprachlich: konkrete Aussagen über Forschungsobjekte
2. Unterscheidung zwischen wissenschaftlichen und normativen/präskripiven Aussagen
 Wissenschaftlich: Realität
 Normativ: Stellungnahme, Gebote & Verbote
3. Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Aussagen
 Analytisch: Aussagen auf Basis und mit Mittel der Logik
 Synthetisch: Wahrheit mithilfe empirischer Informationen

John Locke
Forderung: Vernunftgemäße Erziehung auf Basis von Erfahrung
 erfahrungswissenschaftliche Grundlage (Erfahrung gewinnen)

Erfahrungsgewinnung
 Sensation: Erfahrung durch die Sinne gewinnen
 Reflektion: Erfahrung durch Reflexion/Nachdenken gewinnen
 nur möglich mit Sensation als Grundlage
 Empirische Erkenntnisse werden gewonnen & dann reflektiert (Theorien)

Trapp
 Versuch der Pädagogik  Empirische Forschung der pädagogischen Welt

Ernst Neumann & Lei (19-20. Jhd.)


 Reformpädagogik (eng mit Geisteswissenschaftlicher Pädagogik verbunden)
 Experimentelle Pädagogik

Peter Petersen
 Jena-Plan-Schulen
 Empirische/ pädagogische Tatsachenforschung: Erziehungskontexte empirisch
untersucht
o Thematiken:
 Führungsformen: Verhalten von Lehrkräften als Führungsform
 Verhalten von Lehrern und SCHÜLERN
 Interaktionen im schulischen Kontext
 Schülerleistungen
Fischer
 Ziel: sachlich & vortheoretische Untersuchung (nicht ausgehend von einer Theorie)
 Nüchterne empirische Untersuchung (nicht normativ)  IST (nicht SOLL)

Geschichte
 Blütezeit Geisteswissenschaft nach Weimarer Republik & 2. Weltkrieg (50-60er)
dominant
 Blütezeit Empirische Erziehungswissenschaft 1960er als anglo-amerikanischer Re-
Import (verdrängt GW)
 Heinrich Roth: fordert Realistische Wende der empirischen
Erziehungswissenschaft
o Hermeneutik zu intuitiv & Annäherung an erziehungswissenschaftliche
Realität intuitiv geprägt
o Wunsch: empirischer (aber trotzdem Geisteswissenschaft auch notwendig)
o Ziel:
 Integration der Erziehungswissenschaft & deren Methoden (GW &
Empirie)
 Integration Theorie & Empirie: Theorie & Empirie näher
zusammenbringen
 Integration der Funktion von Forschung und der Funktion der
pädagogischen Realität

Arbeiten der empirischen Erziehungswissenschaft


Erkenntniswege:
 Beobachtung (Schüler, Pädagogen)
 Experiment
 Vergleich (Gruppen, Individuum)  Kontrollgruppen im Experiment

Verhältnis zwischen Theoriebildung & Untersuchung


1. Theorien werden benötigt (erfahrungswissenschaftlich orientiert!)
2. Annahmen/Hypothesen aus Theorie ableiten
3. Variablenüberprüfung
o Abhängige
o Unabhängige Variable
o Moderatorvariablen (Welcher Pädagoge, etc…)
 Sehr naturwissenschaftlich

Erkenntnistheoretische Programme
Naiver Empirismus: Über Sinne Realität erkennen? Wahrnehmung = nicht Wirklichkeit
 Mill entwickelt eigene Erkenntnistheorie:
 systematische Wahrnehmung (nicht subjektiv)  Näher an Wirklichkeit
 induktive Logik: Von der Einzelerkenntnis zur Theorie

Neopositivismus (Krumm): Protokollieren der Wahrnehmung zur Theoriebildung


 Alltagssätzen
 Protokollsätzen (eigene Wissenschaftssprache)
 Verifikation: Suche nach Belegen für eine Theorie, um sie zu bestätigen

Kritischer Rationalismus (Popper):


 Allgemeine Sätze können nicht positiv bewiesen werden
 Kann immer irgendwann falsifiziert werden
 Falsifikation: Ziel muss es sein, eine Theorie zu widerlegen
 Wenn falsifiziert:
o Neue Theorie aufstellen
o Theorie an Falsifizierungsbefunde anpassen
 Stetiger kognitiver Problemlöseprozess: Problem  Theorie  Überprüfung 
Problem (infiniter Prozess)
 Empirischer Gehalt einer Theorie:
o Gute Theorie bietet viele Anhaltspunkte, um sie zu überprüfen
(Operationalisierung)
 aber bietet damit auch Angriffspunkte, um sie zu wiederlegen
 Raffinierter Falsifikationismus
o Immunisierung der ständig falsifizierten Theorie (Aufrechterhalten)
o Anpassen der Theorie durch Zusatzannahmen (Aufrechterhalten)

Zentrale Verortung
Brezinka:

 EW: Kern = Wirklichkeit der Pädagogik rational/nüchtern untersuchen


 Historiografie: Geschichte der Pädagogik (auch EW, wenn Tatsachen rekonstruiert
werden sollen)
 Philosophie der Erziehung: (normativ)
o Erkenntnistheorie: Instrumente, Verfahrensweisen der Erkenntnisse
(nicht der Kern von EW, sondern wird nur genutzt)
o Moralphilosophie: Was macht gutes pädagogisches Handeln aus?
(Bedeutung für Praxis)
 Praktische Pädagogik: Handlungsanleitung für die Praxis
 gewinnt diese aus EW
 Praxis: basiert auf empirischen Erkenntnissen

Deskription: nüchtern/sachlich/Empirie
Präskription: normativ/Philosophie

Forschungsmethoden
Quantitativ
Forschungsprogramm: orientiert an Systemen von Hypothesen & an definierten Variablen
 diesen werden dann Instrumente der Datenerhebung zugeordnet
 Möglichst genau
 Allgemeinere Strukturen identifizieren (Generalisierung)
 Theorie- & Hypothesenorientiert
 Im Kern: Deduktives Vorgehen (Aus Theorie Hypothese generieren)
 Aber auch: Induktives Vorgehen (Aus Einzelbefunden generalisieren)

Qualitativ
Forschungsprogramm: Interesse für sozialen Bezügen in natürlichen Kontexten
 Lebensnähe der Erkenntnisse
 Anschaulichkeit der Erkenntnisse
 Induktiv
 Zugang = Deutend & Sinnverstehend
 Nähe zur GW

Verbindung: beides kann zum anderen modifiziert werden

Zentrale Leistungen
 Herausarbeitung nicht-präskriptiver Forschung
o Inklusion: normativ
 nüchtern herausarbeiten
 Theorien mit empirischem Gehalt
 Differenzierte empirische Erkenntnisse über pädagogische Gegenstände
 Evidenzbasierung
o Empirische Belegbarkeit der Wirkung von pädagogischen Maßnahmen
(Trainings- & Förderprogramme)
o Kritik: Sind pädagogische Maßnahmen evaluierbar? Lassen sich die Wirkungen
von Erziehung messbar machen?

Kritik
Auseinandersetzungen mit Vertretern der GW Pädagogik und der Kritischen Theorie
 Viele deskriptive Befunde, kaum erklärende Befunde
 Theoriedefizit: Zu stark auf Praxis bezogen (Befunde zu wenig theoretisch)
 Rituellen Perfektionierung der Methodik  Inhalte/Ziele gehen verloren
 Gefahr der Immunisierung der Theorien
 Technisiert: Wirkung von Maßnahmen (Was macht Programm mit den Probanden?)

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