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Review

Reviewed Work(s): Die Völkerschaften auf den Reliefs von Persepolis. Historische Studien
über den sogenannten Tributzug an der Apadanatreppe, (Teheraner Forschungen. 2) by
Gerold Walser
Review by: P. Calmeyer
Source: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Vol. 123, No. 1 (1973),
pp. 174-179
Published by: Harrassowitz Verlag
Stable URL: https://www.jstor.org/stable/43372358
Accessed: 05-08-2021 08:39 UTC

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Khotanenses . Kopenhagen 1938, allgemein zugänglich s


der Anusväras vervollständigt worden, und in KT I2 4.5
scheidung zwischen r und rr geachtet. Die 'Addition',
Vorwort die Rede ist, entdeckt der Suchende am Ende
149) unter der Überschrift 'Supplement'. Die Texte M
che laut Saka Documents . Text Volume . London 1968
erscheinen sollen, scheinen zu fehlen. Für die Beschäft
ist es wiederum sehr hinderlich, daß in den Reprint kei
eingebaut wurden, was ohne ernstliche technische Sch
gewesen wäre. Für Bd. II sei auf die ZDMG 121 (1971),
Konkordanz verwiesen.
Helmut Humbach, Mainz

Gerold Walser: Die Völkerschaften auf den Reliefs von Persepolis. Histo-
rische Studien Über den sogenannten Tributzug an der Apadanatreppe .
Berlin: Mann 1966. 100 S., 7 Textabb., 88 Photo-Taf., 2 Falttaf.. (Tehe-
raner Forschungen. 2.) DM 80. - .
Im Vorwort seines Buches erklärt G. Walser, weshalb weder E. Herz-
felds noch J. P. Junges Kommentare zum Tribut-Fries der Apadana-
Treppe jemals erschienen sind. Hierauf, und auf die ungenügenden Photo-
graphien der (überdies vergriffenen) Publikation1, muß auch der Rezensent
verweisen, um zu erklären, wie hochwillkommen allen an der Geschichte und
Kunst der Achaimenidenzeit Interessierten Walsers Buch sein muß. Aller-
dings bedarf es dieses Vorworts nicht, um das Werk zu „rechtfertigen", w
der Autor bescheiden meint : das tut allein schon die Qualität der Aufnahmen
(meist vom Autor : p. 108) und ihrer Wiedergabe ; einige Aufnahmen enthal
am unteren Rande der Reliefs Unschärfen, die nicht weggeschnitten zu ha
um der Übersichtlichkeit und Ehrlichkeit willen ein heute seltenes Verdienst
der Herausgeber genannt werden muß.
Der Text enthält zur Hauptsache einen laufenden Kommentar zu diesem
in den Photographien vorgelegten Denkmal (Kapitel V = p. 68 - 102),
dessen Zusammenfassung (p. 20 - 26; 102 f.), ferner als Vorbereitimg dessen
die ausführliche Behandlung der geschriebenen Satrapieenlisten (Kap. III
p. 27 - 50) und reliefierten Völker-Tabellen (Kap. IV p. 51 - 67). Es handelt
sich also um weit mehr als um die im Untertitel angekündigten „Historischen
Studien" : es handelt sich um die lange entbehrte übersichtliche Grundlage,
auf der alle weiteren Forschungen zu den achaimenidischen Völkerdarstel-
lungen (und ebenso zu denen der Assyrer) aufzubauen haben.
Zu solchen Forschungen wird noch viel Anlaß sein, besonders zu Kontro-
versen um die Identifizierimg einiger Delegationen. Hier wird gewiß der
Vergleich mit assyrischen Reliefs weiter führen, wie es ein Beispiel zeigen
mag: die VI. Delegation (Taf. 13.45 - 47) wird als die der Syrer oder Lyder
erklärt; G.Walser neigt zur ersten Deutung (p. 77); eine Entscheidung
bringen die entsprechenden Trachtelemente, allerdings in der Stilisierung des
9. Jahrhunderts, auf dem Thronsockel Salmanassars III. aus Nimrud2. Der

1 E. F. Schmidt: Persepolis I. Chicago 1953. (Oriental Institute Publi-


cations [OIP]. 68.)
2 M. E. L. Mallowan: Nimrud and Its Remains. London 1966, Vol. 2,
S. 148f. fig. a (rechts) S. 146.

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durch Beischrift gesicherte Qalparunda von Hattina od


Ebene) und seine Leute tragen weiche, nach hintenkippe
offene Stolen über langen Hemden und Schnabelschuh
dings fehlt außer vielleicht bei Qalparunda und seinem
Gebilde unter dem Ohr ohne Autopsie nicht zu deuten
Trachten kennzeichnen Qalparundas, Omris (p. 17 Abb
oben) und Sues Leute auf dem „Schwarzen Obelisken",
Westsyrien und Palästina - ebenso der Tribut, der wes
und Schmuck bestand.
Auch für die Deutung der Reliefs im Ganzen ist der genaue Vergleich mit
Assyrischem unerläßlich, und es mag dem Rezensenten erlaubt sein, be
diesem Aspekt ausführlicher zu werden, der ihm der einzige bisher unzurei-
chend behandelte zu sein scheint. Der Vergleich mit Unterworfenen, an den
Thron Pharaos Gefesselten (p. 51 Abb. 4) ist typologisch ebenso unbefriedi-
gend wie thematisch: diese Unglücklichen stützen nichts und ebenso wenig
beruht die Herrschaft Pharaos auf ihnen.
In der Tat: „den Throndarstellungen von Persepolis näher verwandt"
(p. 51 Anm. 1 erwähnt) sind assyrische Möbel; eine Übersicht über die The-
men ihrer Stützfiguren läßt mit aller Schärfe erkennen, was an der achai-
menidischen Konzeption neu ist, und was übernommen. Eine jüngst er-
schienene Behandlung neuassyrischer Möbel3 erleichtert den Vergleich; aller-
dings müssen wir die Möbel thematisch, nicht typologisch4 ordnen :
I. Göttermöbel :
a) Zeit Sanheribs oder älter : Beschreibung von Thron und Bett Marduks
in Babylon6 (Göttinnen, z.T. mit Wasser);
b) Zeit Sanheribs: Göttinnen auf den Felsreliefs von Maltai6 (Könige mit
Skorpion-Genien abwechselnd, über Mischwesen und 1 Mensch, über
Löwe) ;
c) spätbabylonisch oder älter : Abdruck eines Thrones in Cella des Ea in
Babylon, Esangila7 (Gottheit im Rahmen als Rückenlehne über Gott-
heiten mit wassersprudelndem Gefäß als Eckstützen ; wohl ein Mūšhūš
zugehörig) ;

3 H. Kyrieleis : Throne und Klinen. Berlin 1969. (Jahrbuch des Deut-


schen archäologischen Instituts. Erg.-H. 24.), S. 6 ff. ; zu den Stützfiguren
bes. S. 68 ff.
4 Die typologischen Unterschiede (Kyrieleis S. 69 f.) waren in der assy-
risch -baby Ionischen Welt offenbar ohne Bedeutung, da 1. Karyatiden-Typ
und Atlanten-Typ am selben Möbel vorkommen (vgl. unten Ib), 2. Karya-
tiden sowohl wirklich tragende Funktion an Ecken gaben als auch in Rahmen
stehen (an einem Möbel: oben Ic; in einem „set": líc).
5 Gadd-Figulla apud Barnett in: Iraq 12 (1950), S. 40f.
6 Thtjreau-Dangin in: RA 21 (1924), S. 193f. Taf. 1; W.Bachmann:
Felsreliefs in Assyrien. Leipzig 1927. (Wissenschaftliche Veröffentlichungen
der Deutschen Orient-Gesellschaft [WVDOG]. 52.), S. 52 Taf. 26.28.29;
Barnett in: Iraq 12 (1950), S.Abb. 16; B. Hrouda: Die Kulturgeschichte
des assyrischen Flachbildes . Bonn 1965, Taf. 15,2; 40,1; H. Kyrieleis3 21
Taf. 5,1.
7 F. Wetzel - E. Schmidt - A. Mallwitz: Das Babylon der Spätzeit .
Berlin 1957. (WVDOG. 62.) , S. 34f. Taf. 35f. - Von Barnett in: Iraq 12
(1950), S. 41 und Kyrieleis3 21.70 fälschlich als Thron des Marduk be-
zeichnet.

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d) achaimenidisch oder (wohl) älter : Kunukku aus Per


(3 Gottheiten mit wassersprudelndem Gefäß stützen
II. Königsmöbel :
a) Tiglath-Pileser III. in Til Basip9 (Höflinge oder Beam
lehne zweier Throne) ;
b) Sargon II. in Khorsabad, Façaden10 (der König empf
Würdenträger und andere Assyrer( !), die einen von
Genien an den Ecken getragenen hohen Tisch, einen
gestützten kleinen Tisch und einen Thron (nebst Fu
dessen Rücklehne einen pflanzenhaltenden Genius enthält, dessen
Armlehne 4 Könige in assyrischer Tracht tragen).
c) Sargon II. in Khorsabad, Façade N, Südecke11 (ähnlich b. Der König
empfängt Thronwagen, Thron, Tisch, Streitwagen, weitere Möbel und
Gefäße. Die Armlehnen des Thrones und Thronwagens12 trugen hier
anscheinend Genien, nach dem Gewand zu urteilen. Allerdings trägt
anscheinend auch einmal ein König, auf einem Streitwagen abge-
bildet, ein ähnliches Gewand13.

8 E. F. Schmidt: Persepolis II. Chicago 1967. (OIP. 68.), S. 63 f. Fig. 7


No. PT4 709 Pl. 26:4; Kyrieleis3 70 Anm. 312. - Opfertisch wohl, weil
rechts deutlich ein konisches Gebilde (Symbol?) und der Fuß eines Menschen
(Beter? Priester?) auszumachen sind.
9 F. Thureau-Dangin - M. Dun and : Til Bar sip . Paris 1936. (Biblio-
thèque archéologique et historique. 23.), pl. XLIX. LH; A. Parrot: Assur .
München 1961, Abb. 112.113; B. Hrouda6 Taf. 14,3.4; Kyrieleis3 10 ff.
Taf. 5,1.
10 Court VIII, SW.-Wand: G. Loud: Khorsabad I. Chicago 1936. (OIP.
38.), S. 30 ff. Fig. 34ff.; Kyrieleis3 14 Taf. 4,1 p. 21.69. - Von P.-É. Botta
- E. Flandin : Monument de Ninive . Paris 1849 - 50, pl. 7 nicht ganz richtig
rekonstruiert. - Wir dürfen annehmen, daß es sich um Möbel für Sargon
handelt, da sie auf seine Figur zu und außerdem in Richtung auf das Haupt-
portal seines großen Thronraums getragen werden: es besteht keinerlei An-
laß, etwa eine Feier für Götter anzunehmen. Es handelt sich offenbar um
assyrische Möbel und Gefäße, nur von Assyrern gebracht (entgegen Kyrie-
leis3 21). - In seinen Inschriften beschreibt Sargon den Bau seiner Stadt
ausführlich, und zwar 1. die Tempel, 2. die Materialien, 3. die Tore, 4. die auf
Reliefs dargestellten Gefangenen, 5. die Opfer an die Götter, 6. ein Einweih-
hungsfest mit den Würdenträgern Assyriens und die Gaben, die diese dazu
mitbringen (Geräte, Rohmaterial, Tiere, darunter auch fremde). Demgegen-
über zeigen die erhaltenen Reliefs: a) Türhütende Mischwesen und Genien
aller Art, b) Kämpfe, c) Gefangene, d) Tributbringende Unterworfene, von
Assyrern angeführt, e) Gabenbringende Assyrer, f) (eine) Jagd, g) (zwei)
Symposien. Der Vergleich legt nahe, die Reliefs zu e, vielleicht auch die zu d,
mit der Einweihungsfeier zu verbinden, deren Beschreibung Sargon so wich-
tig war: H. Winckler: Die Keilschrifttexte S argons. 1. Leipzig 1889, S. 70 ff.
(Annalen); S. 88ff. (Annalen Saal XIV); S. 128ff. (Prunkinschrift).
11 P. E. Botta - E. Flandin10 I pl. 9 - 23.
12 Heute ist die Stelle ergänzt : Encyclopédie Photographique de VArt (Ed.
TEL Paris) 1 (1935), S. 316.
18 Botta-Flandin11 pl. 56: nicht des Königswagen!

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d) Sanherib vor Lakhiš, auf Relief aus Niniveh14 (3


artigen Genien stützen Thron, Sitzfläche und Arm
e) Sanherib im Lager, auf Relief aus Niniveh16;
III. Zweck unbekannt:
a) wohl 2. Hälfte 8. Jh. : Elfenbeinfigur „aus Ziwiyah"16 (der Tracht nach
ein Genius (vgl. oben Anm. 12) als Stützfigur, vielleicht einer Rücken-
lehne, in einem Rahmen) ;
b) Zeit Sargons II., aus Khorsabad. Zusammenhang unbekannt17 (Relief-
fragment mit Thron über einem Pferd, ähnlich den gezogenen Thron-
wagen, jedoch mit Kegeln an den Füßen. Armlehne von Königen
gestützt) ;
c) Zeit Sargons II. oder später: Bronzefigur aus Toprakkale18 (Höfling
mit Wedel, war Eckfigur eines Möbels) ;
d) Zeit Sargons oder später : Elfenbeinfiguren aus Toprakkale19 (nackte
Frau, bekleideter Mann, beide rundplastisch, und à jour gearbeitete
Adlergenien. Von einem Möbel?);
e) 8. oder 7. Jh.?: Bronzefiguren aus Toprakkale20 (rundplastische
Mischwesen und Götter auf Löwen, von einem Möbel?) ;
f ) spätbabylonisch oder früher : Relieffragment21 aus Babylon (stützende
Götter unter Rahmen, der zu einem Möbel gehört haben kann).
Die Übersicht läßt einige Schlüsse für die Stützfiguren der babylonischen,
assyrischen und urartäischen Kunstprovinzen21 zu : die Figuren sind nicht mit
bestimmten Möbel-Typen (z.B. Throne oder Tischchen) und ebensowenig
mit Möbelteilen (z.B. Armlehnen) fest verbunden; nicht der Zweck also,
sondern die Inhaber der Möbel bestimmen die Ikonographie : Götter werden
von niederen Göttern gestützt, von Mischwesen (die wir von Palastportalen
als mächtige göttliche, Opfer empfangende Wesen kennen) und von Königen;
Könige lassen sich von menschengestaltigen Genien (ebenfalls in den Palästen

14 A. H. Layard : Discoveries in the Ruins of Nineveh and Babylon . London


1853, S. 150 Abb.; Kyrieleis3 10 Nr. 14 (weitere Lit.) Taf. 5,2.
15 Paterson : Assyrian Sculpture. Palace of Sinacherib. The Hague 1912,
Pl. 85 ; B. Hrouda6 Taf. 14,2 ; 47,3 ; weitere Lit. Kyrieleis3 10 Nr. 15. - Zur
seltsamen Form des Möbels: ebenda 14 f. Anm. 31.
1Ä R. Ghirshman: Perse . Paris 1963, S. 100 fig. 133 p. 102.424.
17 A. H. Layard : Nineveh and Its Remains . London 1849, S. 301 Abb.
rechts; Kyrieleis3 10 Nr. 11.
18 Barnett in: Iraq 12 (1950), S. 31 Pl. XX. Stand jedoch nicht frei:
G. R. Meyer in: Forschungen und Berichte 8 (1967), S. 7ff. Taf. l.fř. - Re-
konstruktion zusammen mit Elementen von IHe) als Götter-Thron : M. Riem-
schneider: Das Reich am Ararat. Hamburg 1965, S. 102 Abb. 17 p. 101.
19 Barnett in: Iraq 12 (1950), S. 31 pl. XIV 1 - 3. - Wegen des anderen
Maßstabes gewiß nicht vom selben Thron wie IIIc (so Kyrieleis3 71 Nr. 9).
20 Barnett in: Iraq 12 (1950) Pl. Vff. Fig. 22; Kyrieleis3 71 f. -
Anders: Riemenschneider18 101 ff. Der von ihr betonte Unterschied im
Maßstab entsteht jedoch nur durch das Hinzuziehen der Figur IIIc.
21 H. Kyrieleis behandelt die assyrische Provinz, zieht Babylonisches
gelegentlich hinzu und erklärt die urartäischen Möbel als hauptsächlich
nordsyrisch geprägt. Letzteres überzeugt für die „Architektur" der Möbel;
ikonographisch jedoch sind nur die weiblichen Elfenbeinfiguren Syrischem
vergleichbar - vielleicht syrischer Import.
12 ZDMG 123/1

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die Portale schützende, neben den Mischwesen zweitr


König eng verbundene Wesen), von Königen und vo
Gefangene oder eindeutig besiegte Wesen kommen
am Thron ist freiwillig, wie gewiß im Falle der König
oder die Unterstützung wird sogar nur erhofft, er
kaum den Genien und assyrischen Königen (der Vor
dienen.
Endlich ist an den Königsthronen noch eine gewisse historische Ent-
wicklung zu beobachten: vertraut Tiglath-Pileser III. sich noch lebenden
Menschen an (ebenso wohl noch ein späterer König von Urartu: IIIc), so
treten seit Sargon II. Genien und Könige an deren Stelle, später nur noch
Genien. - Daß gerade der Usurpator Sargon assyrische Könige heranzieht,
mag mit der Wahl seines Namens zusammenhängen22. Die eigenartige Tracht
von einer Stützfiguren-Gruppe (Ile Anm. 12) könnte Könige der Vergangen-
heit anzeigen.
Mit allen diesen Vergleichen ist nun bisher nur etwas zur Herkunft der
Stützfiguren ausgesagt. Davon getrennt müßte jenes abstrakte Möbel
behandelt werden, das, von diesen Figuren gestützt, dem Feuerkult und den
Thronszenen der Achaimeniden als Plattform diente - dieses Möbel ist ja
keineswegs ein Thron, sondern eine Axt Kosmos. Hier ist unser Material
jedoch noch spärlich. Gewiß hat H. Kybieleis recht, die Deutung auf ein
Bett abzulehnen23 und ein möbelartig gebautes Thronpodest des 2. Jahr-
tausends zu vergleichen24; ebenso dürften hethitische Vorstellungen von
Mischwesen, die die Flügelsonne in mehreren Rängen stützen, in die Ahnen-
reihe gehören. Die bisher am nächsten verwandte Darstellung, eine neuela-
mische Opferhandlung auf gestütztem Podest in Malamir, ist noch nicht
publiziert26.
Mögen nun in den Stützfiguren und in dem Plattform-Möbel verschiedene
altorientalische Vorbilder fortwirken, so ist ihnen allen gegenüber das Neue
der achaimenidischen Gestaltung doch sehr deutlich: ebenso wie in ihren
Titeln fassen die Achaimeniden ihr Reich als ein Gebilde aus Völkern oder
Stämmen auf. Das ist neuer Inhalt in alter Form - an den Thronen ebenso
wie in den Titeln, die die alte räumliche Gesamtherrschaft der Altorientalen
anklingen lassen26.
Endlich gibt es auch für die Tributreliefs eine erstaunlich enge neu-
assyrische Parallele. Mit Recht verweist der Autor (p. 11 - 19; bes. 18f.)

22 Nicht befriedigend löst eine andere Annahme diese Schwierigkeit : Sargon


habe durch 2 bis 4 Königsfiguren, immer unter der Armlehne (IIb; IIIc;
vielleicht Ile) anzeigen wollen, daß nur er, der König, hier sitzen solle. - Das
ergäbe 3 neue Schwierigkeiten: diese Sitte müßte ganz scharf derjenigen
vorher (IIa: Höflinge an dieser Stelle) und nachher (Ild.e: Genien) wider-
sprochen haben, ebenso dem Gebrauch bei Götterthronen (Ib) ; die beliebige,
nicht symmetrische Vervielfältigung der Königsfigur ist sonst nicht belegt;
die seltsam gekleidete bogenschießende Königsfigur13 zeigte nicht an, daß der
König den so geschmückten Wagen benützte.
23 Kybieleis3 38 Anm. 128.
24 Kybieleis3 38 Anm. 127.
25 Vgl. L. Vanden Bebghe in: Iranica Antiqua 3 (1963), pl. XIV unten:
rechts unterer Reliefrand.
26 Z. B. H. H. Schaedeb : Das persische Weltreich in: ders. : Der Mensch in
Orient und Okzident . München 1960, S. 52 f.

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auf das altorientalische Tribut- Wesen. Die Kombinati


und Einheimischen, die dem König Möbel, Wagen und Anderes bringen,
beides auf einen repräsentativen Thronraum ausgerichtet, bietet nun ebenso
wie die Apadana in Persepolis der große Hof vor dem Thronsaal in Khorsa-
bad!27 Auch Einzelheiten stimmen überein : der Autor erwähnt (p. 68) die Ein-
führenden, die jedem Gaben-Zug voraufgehen; ebenso entsprechen assyrische
Beamte (der Provinzverwaltungen?) an der Spitze solcher Züge in Khorsabad
den Anführern der I. und XVI. Delegation in medischer Hoftracht in Perse-
polis. Die Vermutung22, daß auch in der assyrischen Parallele Gaben zu
einem großen Fest gebracht werden, wird durch diese Entsprechungen wahr-
scheinlicher ; das Gleiche gilt natürlich vom uralten Vorbild: der „Standarte"
von Ur28. Jedenfalls stellen die Tribute in Khorsabad und anderswo fried-
liche, theoretisch freiwillige Aktionen dar29.
Wieder sind auch die Unterschiede bedeutsam: es fehlt bisher auf der
assyrischen Seite ein bildlicher30 Ausdruck für die Gesamtheit der Völker-
schaften ; die neuassyrischen Tributzüge erscheinen einzeln, auf große Raum-
folgen verteilt, unterbrochen, ausgewählt; das sie regierende System ist oft
eindeutig das der zeitlichen Folge, der Annalistik.
Die Vergleiche zu beiden Bildformen - gestützte Möbel und Tributzüge -
ergaben also formal eine starke Abhängigkeit, inhaltlich zwar ähnliche Vor-
aussetzungen, besonders das Element der freiwilligen, oder doch wenigstens
theoretisch freiwilligen Leistung, vor allem aber die neuartige Verwendung
der alten Form als Ausdruck des achaimenidischen Völker-Staates.
[Korrekturzusatz: Die Rezension wurde im März 1970 abgeschlossen.
E. F. Schmidt: Persepolis III, Chicago 1970 konnte deshalb nicht mehr
berücksichtigt werden.]
P. Calme YER, München

Umakant Premanand Shah [Herausgeber]: Bhlmavikrama-Vyäyoga (of


Vyãsa Moksãditya) and Dharmoddharaņam (of Paņdita Durgésvara). Baro-
da: Oriental Institute 1966. XV, 78 S. 8o (Gaekwad's Oriental Series. 151.)

In dem angezeigten 151. Band der GOS legt U. P. Shah, der bekannte
indische Archäologe, die Erstausgaben zweier kleiner und im Charakter
ganz unterschiedlicher Sanskrit-Dramen vor. Das erste Werk ist ein Drama
des normalen Typs, entstand nach Maßgabe eines am Schluß des Textes

27 Vgl. oben Anm. 10; ähnlich vor dem kleineren Thronsaal: Anm. 11.
28 S. 16 Abb. 1; p. 11 „Unterworfene" ist aus der Darstellung nicht abzu-
lesen: die Gabenbringer haben nur zum geringenTeil,, Fremdvölker "-Charakt-
ter (Schlitzrock, Locken). Eben diesen Charakter haben die Besiegten der
anderen Seite jedoch nicht (wohl Schlitzrock, jedoch keine Locken).
29 Sie sind keinesfalls zu verwechseln mit der Darstellung von Gefangenen
(die z.T. auch grausam bestraft werden), wie es der Autor p. 68 tut. Sargon II.
trennt beide Arten von Ereignissen durchaus (vgl. oben Anm. 10).
80 Ein schriftlicher Ausdruck ist vielleicht die wiederholte Bemerkimg Sar-
gons II., er habe Gefangene von Sonnenaufgang bis S onnenunt er gang dar-
stellen lassen (vgl. Zitate oben Anm. 10). Auch hier ist die assyrische Auf-
fassung letzten Endes räumlich, ähnlich der aller altorientalischer Herrscher-
titel.

12*

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