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A rc h äo lo g i e . Ku n s t .

G e s c h i c h t e 3/ 2 0 2 1
WUB
Nr. 101, 26. Jg., 3. Quartal 2021 / Johannes der Täufer / EUR 11,30 / Österreich, Luxemburg: EUR 11,80 / SFR 19,- / E 14597 / ISSN 1431-2379 / ISBN 978-3-948219-48-2

Johannes
der Täufer
Radikaler Prophet am Jordan
EURO 11,30

Forschung Archäologie Städte der


Neues zum Inschrift aus Bibel
rätselhaften den Anfängen Hebron, Stadt
Land Edom des Alphabets Abrahams
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Johannes der Täufer

Inhalt
30

Titel- 40 52
Thema

Christian Schramm Barbara Leicht


Wegbereiter wider Willen Zwei Frauen – zwei Welten
Was die vier Evangelien über den Täufer erzählen. . . . . . . 8 Ein Blick auf Elisabet und Salome. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46

Helmut Röhrbein-Viehoff Ulvi Karagedik


Wo hat Johannes gelebt? Ein besonders sanftmütiger Prophet
Eine Spurensuche (nicht nur) im Heiligen Land . . . . . . . . 16 Johannes in der Überlieferung des Islam. . . . . . . . . . . . . . 48

Heinz Blatz Rita Burrichter


Machtvoller Rufer Vorläufer, nicht Randfigur
Johannes als radikaler Prophet?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Eine Umschau in der christlichen Bildgeschichte. . . . . . . 52

Markus Öhler
Das Markenzeichen des Johannes
Die Taufe des Johannes im Kontext seiner Zeit. . . . . . . . . 30

Konrad Huber
„Er muss wachsen, ich aber geringer werden“
Zum Verhältnis von Johannes dem Täufer und Jesus . . . . 36

Manuel Vogel
Gab es eine Täuferbewegung nach dem Tod
des Johannes? Titel: Johannes der Täufer, Deesis der Hagia Sophia, Istanbul.
Der Meister und sein Schülerkreis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 © public domain

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Editorial

Seine Botschaft klingt bedrohlich. Er spricht


vom Zorngericht Gottes, dem niemand entkom-
men könne, und davon, dass die Axt schon an die
Wurzeln der Bäume gelegt sei. Dieser Rufer scheint
heute aus der Zeit gefallen – ein alttestamentlicher
Prophet, der in der Epoche des Neuen Testaments
das Kommen Gottes ankündigt und dabei vor allem
2 68
als Vorläufer Jesu verstanden wird.
Doch wer ist der Täufer eigentlich als eigenständige
Persönlichkeit? Was lässt sich auch historisch über
diesen faszinierenden Mann sagen? Die Suche nach
ihm führt zu manchen Erinnerungsorten im Heili-
gen Land. Und sie zeigt einen Propheten des 1. Jh. nC,
geprägt von der schwierigen politischen Situation
im Land und der apokalyptischen Strömung seiner
Zeit. Dies spiegelt sich in seiner Botschaft ebenso
Aus
65 wie in der zeitgleichen Botschaft Jesu. Mit Johannes,
der Welt
seinem Wirken und seinen Anhängern wird auch
der Bibel
das Umfeld sichtbar, in dem sich Jesus bewegte.
Der Geburtstag des Täufers wird – entsprechend der
Überlieferung des Lukasevangliums – sechs Mona-
te vor der Geburt Jesu gefeiert. Seit Jahrhunderten
Das Neueste aus der Welt der Bibel
verbinden sich in Europa mit dem Gedenktag des
• Anfänge des Alphabets: Inschrift aus dem 15. Jh. vC . . . 2
• Rätsel um zwei Hälften einer Öllampe. . . . . . . . . . . . . . . 3 Johannes am 24. Juni viele Gebräuche, wie Feuerrä-
• Wie wurden Aquädukte instand gehalten? . . . . . . . . . . . 3 der und Johannisfeuer. Ursprünglich entstanden sie
• Pilgerkreuze in der Grabeskirche neu untersucht . . . . . 4 wohl zur Feier der zeitgleichen Sommersonnenwen-
• Die verlorene Stadt des Amenhotep . . . . . . . . . . . . . . . . 4 de und feiern das Leben spendende Licht. Christlich
• Wanderer finden seltenen Skarabäus . . . . . . . . . . . . . . . . 5
wird dieses Licht auf Jesus, den Messias, bezogen.
• Neue Analyse der Reliquien des Philippus und
Und so, wie die Geburt Jesu zu einem Zeitpunkt ge-
Jakobus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
feiert wird, an dem die Tage kalendarisch wieder län-
Büchertipps . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 ger werden, zur Wintersonnenwende, so verbinden
sich mit dem Geburtstag des Johannes die wieder
Panorama kürzer werdenden Tage. Die kirchliche Tradition
• Kirche aus dem 5. Jh. im Gola-Tal ausgegraben. . . . . . . 60
hat darin ein Symbol für das Selbstverständnis des
• Hintergründe zum Brief von 321 nach Köln . . . . . . . . . 62
Täufers gesehen, wie es im Johannesevangelium
• Das Mosaik im „Haus des Aion“ und seine Botschaft. . 64
• Wo steht die Forschung zu den Edomitern? . . . . . . . . . 65 ausgedrückt wird. Mit Blick auf Jesus sagt Johannes
dort von sich: „Er muss wachsen, ich aber geringer
Die großen Städte der Bibel werden“ (Joh 3,30).
Hebron – Die Stadt Abrahams . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Wir holen in dieser Ausgabe von „Welt und Umwelt
der Bibel“ Johannes aus dem Hintergrund hervor
Die Bibel in berühmten Gemälden
und zeigen Ihnen diesen machtvollen Propheten,
Giambattista Tiepolo: Die Unbefleckte Empfängnis . . . . 72
eingebunden in seine Zeit und Umwelt.
Ausstellungen und Veranstaltungen. . . . . . . . . . . . 76 Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen

Vorschau und Impressum. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78


Ihre Barbara Leicht
Redaktion Welt und Umwelt der Bibel

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Das Neueste aus der Welt der Bibel

Inschrift aus dem 15. Jh. vC erforscht

An den Anfängen des

oben © DYKT Mohigan - Tel Lachiish, CC BY 2.0, commons.wikimedia.org, Gefäß © Hanay, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org
Alphabets
Lachisch Wo liegt der Ursprung der le von rechts nach links
alphabetischen Schrift und wie hat sie ist: ʿayin (‫ע‬, basierend
sich verbreitet? Zur Antwort auf diese auf der ägyptischen Hieroglyphe
Frage kann vielleicht ein neuer Fund „Auge“, ähnelt einer Iris ohne Pupille), bet Die Scherbe in Originalgröße (40 x
35 mm). Die Buchstaben stehen auf
beitragen. Erste Lautzeichen, entwickelt (‫ב‬, ägyptische Hieroglyphe „Haus“ , recht-
der Innenseite, außen ein geometri-
aus der ägyptischen Hieroglyphenschrift, eckige Form mit einer offenen Ecke), da-
sches Muster.
kann man im Sinai im 19. Jh. vC festma- let (‫ד‬, Hieroglyphe „Tür“). Das ergibt ebed,
chen. Weitere ägyptische Belege folgen. es könnte damit „Diener“ bedeuten, auch Fazit: Das Forschungsteam bezeichnet
In Palästina kannte man bislang sichere Teil eines Personennamens sein, „Diener die Entdeckung als das „fehlende Glied“
Belege für ein Alphabet aus dem 14./13. des Gottes NN“. in der Geschichte der frühen alphabeti-
Jh. vC – und vermutete, dass die Alpha- Die zweite Zeile könnte lauten: nun (‫)נ‬, pe schen Schrift in der südlichen Levante,
betschrift mit der ägyptischen Herrschaft (‫)פ‬, tav (‫)ת‬, also nophet, hebr. „Honig“ oder dem Schriftsystem, auf das die meisten,
dieser Zeit nach Norden wanderte. Jetzt „Nektar“. Es könnte aber auch ein Verb wenn nicht sogar alle, alphabetischen
ist eine Inschrift per Radiokarbon-Unter- oder einen Namen bezeichnen. Denn die Schriften zurückgehen. Es brauchte kei-
suchung auf das 15. Jh. vC datiert worden. Leserichtung ist laut Forschungsteam ne ägyptische Herrschaft ab dem 14. Jh.
Sie stammt von Tel Lachisch und weist nicht mit Sicherheit geklärt. vC, sondern einfach den Kontakt und die
eindeutig Buchstaben auf! Form und Interaktion zwischen Levante und Ägyp-
Material folgend, ordnet ein Team von ten um 1500, um die Alphabetschrift zu
der Österreichischen Akademie der Wis- entwickeln: Teamwork! W (wub)
senschaften laut einer Studie in Antiquity
(April 2021) sie dem Typ „Cypriote White So ähnlich muss das Gefäß ausgesehen
Slip II milk bowl“ zu. Die Scherbe wurde haben, von dem die Scherbe stammt:
bei Ausgrabungen im Jahr 2018 gefunden. Exemplar einer aus Zypern importierten
Der Lesevorschlag des Forschungsteams „Milchschale” mit Ausguss, 14./13. Jh. vC,
für die drei Buchstaben der oberen Zei- Israel National Maritime Museum.

2 welt und umwelt der bibel 3/2021


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Rätsel zwischen Jerusalem und Budapest

Gehören zwei Hälften einer


Öllampe zusammen?
Jerusalem/Budapest Nur kurz nach der Bekannt-
gabe, dass in der Davidstadt in Jerusalem eine bronzene
Halblampe gefunden wurde, meldete sich der ungarische
Archäologe Dr. Gábor Lassányi, dass er möglicherweise das
Gegenstück der seltenen Lampe mit dem theatermaskenar-
tigen Gesicht hat. Es wurde 2012 bei Ausgrabungen in Buda-
pest – dem alten römischen Aquincum – gefunden. Laut Israel Antiquities Authority
(IAA) stammt die Jerusalemer Hälfte aus dem 1./2. Jh. nC und wurde auf einer Straße
entdeckt, die von jüdischen Pilgern auf dem Weg zum Tempel benutzt wurde. Es
sei klar gewesen, dass die Lampe irgendwo in Europa gefertigt worden sei. Nach
Lassányi gibt es weltweit nur wenige dieser sehr speziellen Halblampen und es
liege nahe, dass beide Hälften in derselben Werkstatt entstanden seien oder eben
tatsächlich ein Paar gebildet haben. Lassányi und Ari Levi (IAA) konnten über die
Entfernung bereits feststellen, dass die Lampenhälften die gleichen Maße haben.
Außerdem hat die ungarische Leuchte eine Verbindungsnut. Das Jerusalemer Stück
hat einen Fortsatz, den man vermutlich genau in die Nut schieben könnte. Mögli- Bronzene Öllampe, links der Fund aus der
cherweise kommen die beiden Hälften schnell zusammen: In Jerusalem will man ein Davidstadt in Jerusalem Mai 2021, rechts
Modell aus dem 3D-Drucker nach Budapest schicken. W (wub/City of David Foundation) ein Fund aus Budapest 2012.

Antike Ingenieurskunst

Wie wurden Hunderte Kilometer von Aquädukten


instand gehalten?
Istanbul/Mainz Regenrinnen verstopfen bisweilen und man
muss sie vom Unrat befreien – doch wie wurden kilometerlange
Öllampe © Ágnes Bakos/Bence Tihanyi; Koby Harati/City of David, Aquädukt © Jim Crow

Aquädukte in der Antike eigentlich gereinigt? Wissenschaftle-


rinnen und Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität
Mainz haben den längsten Aquädukt der damaligen Zeit, die 426
Kilometer lange Valens-Wasserleitung von Konstantinopel, un-
tersucht und neue Hinweise auf die Instandhaltung gefunden.
Die Kalkablagerungen bildeten nur eine dünne Schicht, die auf
27 Jahre Nutzung weisen würden – doch der Aquädukt war über
700 Jahre in Betrieb! Ein Abschnitt im zentralen Teil der Anla-
ge liefert vermutlich eine Erklärung: Hier verläuft die Wasser-
leitung zweigleisig mit einem Kanal über dem anderen – auch
über zweistöckige Brücken. Zwischen den Brücken verliefen die
Kanäle übereinander entlang der Hügel. Wahrscheinlich wurde
dieses System für die Reinigungs- und Wartungsarbeiten errich-
tet, so Dr. Gül Sürmelihindi (Arbeitsgruppe Geoarchäologie). Die
Großstadt musste ja ununterbrochen mit Wasser versorgt wer-
den und so konnte man einen Kanal zur aufwändigen Wartung Die zweistöckige Kurşunlugerme-Brücke des Aquädukts
trockenlegen: „Wir sprechen von hartem Kalkstein, er musste von Konstantinopel: Ursprünglich gab es nur den oberen aus
mit eisernen Werkzeugen, meist Hammer und Meißel, entfernt dem 4. Jh., aber im 5. Jh. wurde ein zweiter dazugebaut.
werden.“ Eine kostspielige, aber praktische Lösung. W Dieser neue Aquädukt hatte ein sanfteres Gefälle als der
(wub/Johannes Gutenberg Universität) ältere, und beide treffen sich etwa 50 km flussabwärts.

3
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welt und umwelt der bibel 3/2021
Neue Untersuchung in der Grabeskirche Mittelalterliches
Judentum
Kreuze der Pilger nur von wenigen
Händen eingraviert Konsequent
koscher
Erinnerungen an Pilger der Ver- Oxford Eine Abfallgrube aus
gangenheit in der Helenakapelle.
dem 12./13. Jh. im Gebiet des al-
ten jüdischen Viertels Oxfords er-
laubt einen Einblick in das Leben
der mittelalterlichen jüdischen
Gemeinde. Wo üblicherweise in
Abfallgruben Kuh, Schaf, Ziege
und Schwein zu finden sind, wa-
ren es hier große Mengen von
Hühner- und Gänseknochen.
Nichts unter den gefundenen Es-
Blick in die Helena­ sensresten stammte von Schwei-
kapelle, Grabeskirche. nen, Schalentieren oder anderen
nicht koscheren Lebensmitteln
(Archaeological and Anthropologi-
Jerusalem Als während der Corona-Zeit Schlagwerkzeugs –, dass man annehmen cal Sciences 2021). In den Scher-
die Touristenströme in der Grabeskirche kann, dass nur wenige Künstler die Kreuze ben von Keramik-Kochgefäßen
versiegten, ergab sich die Möglichkeit, Tau- eingraviert haben! Eine Theorie dazu: Pilger konnten organische Rückstände
sende von Hand eingravierte Pilgerkreuze bezahlten dafür, dass jemand „ihr“ Kreuz an- analysiert werden. Auch hier: kei-
im Treppenabgang und in der armenischen brachte. Es seien laut IAA nicht einfach Graf- ne Hinweise auf nicht koschere
Helenakapelle mit High-Tech-Fotografie zu fiti (als Zeichen des „Ich war hier“), sondern Fette oder darauf, dass Milch und
untersuchen. Das erstaunliche Ergebnis der die Kreuze würden vielmehr einen fürbitten- Fleisch zusammen gekocht wur-

Helenakapelle © Liz Sullivan, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org, unten © Egypt Ministry of Tourism & Antiquities
Israel Antiquities Authority und des Hadassah den Charakter spiegeln – man bezahlte Geld den. Ein Hinweis auf einen starken
Academic College Jerusalem: Sie ähneln sich dafür, dass das eigene Kreuz so nah am hei- Identitätsmarker der immer wie-
alle so sehr – in der Tiefe und im Ansatz des ligsten Ort war. W (wub) der bedrohten Gemeinde? W (wub)

Ausnahmefund in Ägypten

Die verlorene Stadt des Amenhotep


Luxor Archäologen in Ägypten haben Spuren der Stadt So’oud Atun („Auf-
stieg des Aton“) südlich von Luxor ausgegraben. Sie wurde von Amenhotep III.
gegründet (1391–1353 vC). Seine Königs-Kartusche findet sich überall in der
Stadt – auf Weingläsern, Ringen, Skarabäen, Töpferwaren und auf Lehmziegeln.
Antike Papyri berichten, dass die Stadt der Standort von drei königlichen Paläs-
ten des Amenhotep III. war wie auch sein Verwaltungszentrum.
Das Team, das die erste Entdeckung im September 2020 machte, war eigentlich
auf der Suche nach dem Totentempel des Tutanchamun, den es in der Gegend
vermutete. Doch die unter dem Sand verborgenen Ruinen stellten sich als Reste
einer ganzen Stadt heraus. Sie stießen auf komplette Straßenzüge, gesäumt
von Häusern mit Alltagsgegenständen, einige mit bis zu 3 Meter hoch erhalte-
nen Mauern.
Seit Herbst 2020 wurden mehrere Abschnitte der Stadt ausgegraben, darunter
ein Wohnviertel, eine Bäckerei und eine Produktionsstätte für Lehmziegel. Laut
ägyptischer Antikenbehörde erhofft man sich mehr Informationen über das All-
Die Stadt „Aufstieg des Aton“, erstaunlich gut tagsleben der Ägypter dieser Zeit und darüber, warum der Sohn Amenhoteps
erhalten und ein bedeutender Fund. III., der berühmte Echnaton, seine Verwaltung von So‘oud Atun nach Amarna
verlegte. W (wub/egypttoday)

4 welt und umwelt der bibel 3/2021


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Das neuste aus der Welt der Bibel

Ägyptischer Einfluss

Wanderer finden seltenen Skarabäus Lichtblick


in Mossul
Negev Auf ihrer ersten Wanderung im Negev ZITAT
nach dem Lockdown in Israel fanden einige
junge Leute aus Jerusalem einen ägyptischen
Skarabäus aus dem 9./8. Jh. vC. Auch wenn man
Tausende von Amuletten gefunden hat, ist die-
ser tatsächlich selten: er zeigt auf der Rückseite
ein Trankopfergefäß, flankiert von zwei Kobras. „Das eigentliche Ziel von
Das Motiv wurde nur einmal im Libanon und
einmal in Ägypten gefunden. Die Finder wur-
Museen ist es, die Menschen
den bereits in die National zu erziehen, Kultur unter
Stolze Finder, schöner Treasures collection eingeladen,
Fund: Skarabäus aus um den Skarabäus dort zu be- ihren jungen Menschen zu
dem 9./8. Jh. vC. suchen. W (wub/IAA)
verbreiten, sie zu bilden und
ihr Interesse an Geschichte,

Reliquien des Jakobus und des Philippus Wissenschaft, Kunst und an-
deren Bereichen zu wecken;
Neue Analysen datieren Knochen
wie Cicero sinngemäß sagt:
ins 3. Jh. Wer die Geschichte nicht
Philippusreliquie: Proben
Skarabäus © Yevgeny Ostrovsky, Israel Antiquities Authority, Knochen © Kaare Lund Rasmussen/Simone Schiavone (CC BY 4.0)

kennt, wird für immer ein


für die Analysen werden vom
Fußfragment entnommen. Kind bleiben.“
Rom In der Basilika der Heiligen
Apostel in Rom, Santi Apostoli, wer- So Zaid Ghazi Saadallah, Archäo-
den seit ihrer Gründung im 6. Jh. Re- loge, Direktor des 2017 vom IS
liquien von Philippus und Jakobus, zerstörten Museums von Mossul in
Sohn des Alphäus, verehrt: Fragmen- The Art Newspaper (April 2021).
te des Schienbeins und des Fußes Das Gebäude wird jetzt neu aufge-
baut. Das Credo des IS verbot jede
des hl. Philippus und des Oberschen-
bildliche Darstellung, jedes nicht-
kels des hl. Jakobus. Die Gebeine, die
islamische Artefakt und jeden Hin-
ursprünglich unter dem Altar aufbe- weis auf vorangegangene Zivilisati-
wahrt wurden, wurden um 1400 in onen. Assyrische Flügelskulpturen
eine Steintruhe übertragen und dann, aus dem Jahr 2500 vC, Statuen und
im 18. Jh., in den Hauptaltar inte- Keilschriften wurden mit Pressluft-
griert. Während Renovierungsarbei- hammern zerstört, eine Bibliothek
ten wurden sie nun physikalisch-chemischen Analysen unterzogen. Sie belegen mit 25.000 Büchern und Manu-
die Behandlung mit Bienenwachs und Ölen (vgl. Heritage Science 2021). skripten verbrannt, vieles auf dem
Die 14C-Analyse datiert die Knochen, die dem hl. Jakobus zugeschrieben werden, Schwarzmarkt verkauft.
auf 214–340. Sie stammen der Analyse zufolge von einem Europäer – können Der Wiederaufbau wird koordiniert
von Spezialisten der Smithsonian
also dem historischen Apostel nicht zugeordnet werden. Bei den Philippus-Re-
Institution, des Louvre, der irakischen
liquien gelang die Datierung nicht genau; Begleitfunde deuten aber ebenfalls
Behörde für Antiquitäten und Kultur-
auf einen Ursprung in der Zeit der frühen Kirche hin. Das Autorenteam erläu- erbe und der Aliph Foundation, im
tert, wie Reliquien „gefunden“ wurden, als am Ende des 4. Jh. Heiligenverehrung Rahmen der UNESCO-Initiative Re-
und Reliquientranslationen immer wichtiger wurden: „Wenn die frühen kirchli- vive the Spirit of Mosul. Die meisten
chen Autoritäten auf der Suche nach dem Leichnam eines Apostels waren, der der zerbrochenen Artefakte befinden
ein paar Hundert Jahre früher gelebt hatte, suchten sie in antiken Grabstätten, sich noch in einem Lager und warten
in denen möglicherweise die Leichen heiliger Männer beigesetzt worden wa- auf ihre Restaurierung.
ren.“ W (wub/E.V.)

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welt und umwelt der bibel 3/2021 5
Johannes der Täufer
Radikaler Prophet am Jordan

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Sein Leben ist dramatisch. Es beginnt mit der durch einen Engel angekündigten Geburt. Dann
folgen eine Zeit der Askese in der Judäischen Wüste, leidenschaftliche Aufrufe zur Umkehr und
die Tauftätigkeit am Jordan. Und es endet mit der Inhaftierung und schließlich mit der Hinrichtung
durch den herrschenden Regenten Herodes Antipas. Die Predigt des Johannes ähnelt in man-
chem der Verkündigung dessen, der ihm nachfolgt: Jesus von Nazaret. So haben sich die frühen
Christen gefragt: Wer ist dieser Täufer? Nur der Vorläufer Jesu? Der wiedergekehrte Elija, auf
den alle warteten? Johannes bleibt bis heute ein wortgewaltiger Prophet mit einem ganz eigenen
Selbstbewusstsein und Sendungsauftrag.

© Google Art Project

Johannesaltar. Rogier van der


Weyden, um 1455, Gemälde-
galerie, Berlin.

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Was die vier Evangelien über den Täufer erzählen
– und was davon historisch plausibel ist

Wegbereiter wider Willen


Charismatischer, wortgewaltiger Bußprediger in der Wüste – in dieser Charakte-
risierung des Täufers sind sich die neutestamentlichen Quellen einig. Und doch
finden sich in den Darstellungen der Evangelien auch Unterschiede. Und die Texte
des Flavius Josephus zeigen weitere Aspekte. Von Christian Schramm

A
m 24.6., kurz nach der Sommersonn- nen Riss. Zugleich wird beim Vergleich der vier
wende, wird sein Gedenktag gefeiert: der Evangelien deutlich, dass sich das Johannesbild Dr. Christian Schramm
Tag Johannes’ des Täufers – oft mit Jo- im Laufe der Zeit gewandelt hat – sprich: Johan- lehrt Neues Testament als
hannisfeuern. Das ist vermutlich auch das Erste, nes wird verkleidet, Schritt für Schritt heiliger Privatdozent an der Uni-
was viele spontan mit Johannes assoziieren – ne- gemacht. Was die Rückfrage provoziert: Was versität Bonn und wirkt
als biblischer Fortbildner
ben der beinamengebenden Tauftätigkeit: Er ist ist denn historisch verifizierbar?
im Bistum Hildesheim.
ein Heiliger der (katholischen) Kirche aus einer Die folgende neutestamentliche Spurensu-
Dabei inspiriert ihn die (li-
fernen Vergangenheit. Vielleicht kommt noch che verfolgt ein klares Ziel: Johannes soll von terarische) Begegnung mit
sein gewaltsames Ende in den Sinn, mit der tan- seinem Heiligenschein befreit werden, wodurch dem Täufer ebenso wie
zenden Frau (Salome) und dem abgeschlagenen eine außerordentlich spannende und kantige sie ihn herausfordert und
Kopf – dies hat in Musik, Literatur und bildender Wüstenpersönlichkeit (wieder-)entdeckt wer- manchmal auch anstrengt
Kunst reichlich nachgewirkt. Auch der Isenhei- den kann – ohne die Jesus von Nazaret nicht zu – nicht ohne Grund ist
mer Altar von Matthias Grünewald (15./16. Jh.) dem geworden wäre, den wir kennen. seine Tochter nach dem
als ein Hauptwerk der deutschen Malerei mag Täufer benannt.
vereinzelt in der Erinnerung aufblitzen – hier Das Quellenmaterial im Überblick
weist der Täufer mit einem fast unnatürlich lang Zugleich ist eines direkt einzugestehen: Ohne
ausgestreckten Zeigefinger auf Jesus am Kreuz die christliche Rezeption der Täufergestalt gäbe
hin. Die zugehörige lateinische Inschrift ist pro- es weder einen Heiligen namens Johannes noch
grammatisch. Sie lautet übersetzt: „Er muss wäre der Täufer in Erinnerung geblieben. Das
wachsen, ich aber kleiner/geringer werden“ (Joh Nach- und Weiterleben des Täufers in christli-
3,30). chen Quellen, seine christliche Vereinnahmung,
macht ihn überhaupt erst zu dem, was er ist. Das
Hinterfragbar und hinterfragwürdig zeigt die Quellenlage eindrücklich.
Damit wäre der Hauptstrang aus Tradition,
Rezeptionsgeschichte und Volksfrömmigkeit
rund um Johannes den Täufer pointiert zusam- Die Evangelien sind nicht an einer
mengefasst. Und damit könnten wir den Täufer historisch-biografischen Darstellung
wieder zurück in seine Heiligenschublade stel-
len – wenn da nicht eine kleine Irritation bliebe von Johannes interessiert
beim prüfenden Blick in die Quellen. Alle, die
sich die Mühe machen, Johannes biblisch nach- Zwar begegnet uns Johannes auch im Ge-
zuspüren, werden zwar Einzelteile des skiz- schichtswerk des Flavius Josephus (Ant 18,116–
zierten Heiligenbildes durchaus wiederfinden, 119), wo der jüdische Historiker den ge-
doch das Gesamtbild bekommt mehr als nur ei- waltsamen Tod des Johannes in eine kausale

8 welt und umwelt der bibel 3/2021


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Es ist wohl die bekannteste Dar-
stellung des Täufers: Auf dem
Isenheimer Altar wird Johannes,
obwohl eigentlich zum Zeitpunkt der
Kreuzigung schon tot, mit langem
ausgestrecktem Zeigefinger darge-
stellt. Er weist auf Jesus hin, so, wie
er es zu Lebzeiten getan hatte. Mat-
thias Grünewald, 1512-16, Museum
Unterlinden, Colmar.

Textüberlieferungen zu Johannes in den Evangelien


Kindheitsgeschichte des Johannes: weitere (literarische) Berührungen Messiasfrage des Täufers und
Lk 1,5-25.39-45.57-80 von Johannes und Jesus: anschließendes Zeugnis Jesu über
Joh 1,35-51; 3,23-36; 4,1-3; 5,32-36; Johannes:
Erwähnung im Johannes-Prolog:
10,40-42 Mt 11,2-19/Lk 7,18-35
Joh 1,6-8.15
(vgl. Lk 16,16)
kleinere Erwähnungen, oft in
Auftreten des Johannes in der Wüste
Einleitungspassagen: gewaltsamer Tod des Täufers:
inkl. Verkündigung:
Mt 4,12/Mk 1,14; Mt 9,14/Mk 2,18/ Mt 14,1-12/Mk 6,14-29
Mt 3,1-12/Mk 1,2-8/Lk 3,1-18/
Lk 5,33; Mt 16,14/Mk 8,28/Lk 9,19; (vgl. Lk 3,19f; 9,7-9)
Joh 1,19-28
© public domain

Lk 11,1; Mt 21,23-27/Mk 11,27-33/


Wiederkehr des Elija:
Taufe Jesu: Lk 20,1-8; Mt 21,32
Mt 17,10-13/Mk 9,11-13.
Mt 3,13-17/Mk 1,9-11/Lk 3,21f
(indirekt: Joh 1,29–34)

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welt und umwelt der bibel 3/2021 9
War Johannes ein
Essener?
Immer wieder wird spekuliert, ob Johannes der
Täufer zur Gemeinschaft der Essener gehörte.
Vieles scheint darauf hinzudeuten, denn es
findet sich eine Reihe von Gemeinsamkeiten
zwischen den Essenern und Johannes: Sie
verbindet der priesterliche Hintergrund bzw. die
priesterliche Herkunft, der Rückzug in die Wüste
und die Distanz zum Jerusalemer Tempelkult.
Vor allem aber teilten sie die gleiche Überzeu-
gung: Sie erwarteten das Kommen Gottes und
das Endgericht. Um vor Gott zu bestehen, galt es
umzukehren und sich radikal zu erneuern. Dabei
bezogen sich die Essener wie Johannes auf den
Propheten Jesaja: „In der Wüste bahnt den Weg
des Herrn, ebnet in der Steppe eine Straße für
unseren Gott!“ (Jes 40,3).
Gleichzeitig gibt es Unterschiede zwischen den
Essenern und Johannes dem Täufer. Der größte
liegt im „Markenzeichen“ des Täufers: Er vollzog
eine einmalige Bußtaufe als Zeichen der inneren
Umkehr, die Essener dagegen praktizierten
regelmäßige rituelle Waschungen. Die Ver-
kündigung des Johannes zeigt eine besondere
Dringlichkeit, denn er erwartete ein unmittelbar
bevorstehendes apokalyptisches Ende – und dies
predigte er öffentlich. Die Essener dagegen zo-
gen sich als Kultgemeinde mit strengen Regeln
in die Abgeschiedenheit zurück und planten eine
neue Führungselite für „die Zeit danach“.

© By Mujaddara, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53456572


(Chr. Schramm/B. Leicht)

Der Rückzug in die Verbindung mit einer militärischen Niederlage Darstellung von Johannes interessiert. Johan-
Wüste ist kein Allein- von Herodes Antipas bringt. Doch hätte diese nes wird nicht als eigenständige Persönlichkeit
stellungsmerkmal des knappe Erwähnung mit hoher Wahrschein- gewürdigt, sondern er interessiert nur in Bezug
Johannes oder der lichkeit keine größere Aufmerksamkeit nach auf Jesus und wird ganz klar in Abhängigkeit
Essener. Die Wüste galt sich gezogen. Zu viele teils charismatische, teils von diesem profiliert.
als Ort der Gottesbe-
skurrile Einzelpersönlichkeiten nennt Josephus
gegnung. So ist auch
von Jesus eine Zeit in
im Vorübergehen. Sie alle verschwinden wieder Johannes als prophetisch-charismati-
der Wüste überliefert. von der weltgeschichtlichen Bühne, ohne einen scher Wüstling, der zur Umkehr ruft
Judäische Wüste. dauerhaft bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Über Herkunft und Geburt des Täufers weiß
Dass dies im Falle von Johannes dem Täufer einzig das Lukasevangelium etwas zu berichten.
anders gelaufen ist, liegt daran, dass er in christ- Inwieweit hier einzelne Details historisch ver-
lichen Quellen eine bedeutsame Rolle spielt. lässlich sind (z. B. Herkunft aus einer Priester-
Neben vereinzelten Erwähnungen in der Apos– familie, Alkoholverzicht, Verwandtschaft mit
telgeschichte sind es v. a. die vier Evangelien, Jesus), ist umstritten – aber manches erscheint
auf deren Zeugnis sich unsere (Re-)Konstrukti- plausibel. Zumindest wäre dies ein stimmiger
onen von Johannes als Persönlichkeit vom An- Hintergrund dafür, wie sein Auftreten geschil-
fang des 1. Jh. nC stützen. dert wird: Übereinstimmend präsentieren ihn
Der Überblick macht deutlich: Die Evangeli- die Quellen als charismatischen, wortgewalti-
en sind nicht an einer historisch-biografischen gen Bußprediger in der Wüste am Jordan, der

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Was die vier Evangelien über den Täufer erzählen …

angesichts des nahen Endes zur Umkehr aufruft sind. Auch ist kaum zu sagen, wie viele sich von
und diese Umkehr für die Willigen mit einem Johannes taufen ließen. Auf jeden Fall scheint
einmaligen Tauf-, d. h. Untertauchakt im Was- er eine faszinierende und eindrückliche Per-
ser rituell besiegelt. Eine religiöse Erziehung sönlichkeit gewesen zu sein; und einige haben
und Ausbildung wäre hierfür eine geeignete sich wohl auch bleibend um ihn geschart – die
Basis (Schriftstudium; rituelle Waschungen), Quellen sprechen von Schülerkreisen, die sei-
wobei Botschaft und Praxis des Täufers einen nen Tod überdauern (Apg 19).
tief gehenden Bruch mit seiner priesterlichen
Herkunft bedeuten würden: Seine Wassertaufe
ersetzt quasi den täglichen Opferkult im Tem-
Botschaft und Praxis des Täufers würden
pel als sühnendes und mit Gott versöhnendes einen tief gehenden Bruch mit seiner
Ritual.
Die Botschaft des Täufers ist durch und durch
priesterlichen Herkunft bedeuten
endzeitlich-apokalyptisch gefärbt – der Tag des
Herrn als Gerichtstag steht unmittelbar vor Dass Johannes gewaltsam zu Tode kommt
der Tür, die Axt liegt bereits an der Wurzel des und dass Herodes Antipas dafür verantwort-
Baums. Angesichts dieser Naherwartung er- lich zu machen ist, darin sind sich synoptische
klärt sich die Dringlichkeit seines Aufrufs zur Evangelien und Josephus einig (bei markanten
Umkehr. Unterschieden im Detail). Dies belegt einmal
mehr die Bekanntheit und auch Popularität
Da schimmert kräftig Elija durch des Täufers, der von den politisch Mächtigen
Das Äußere von Johannes wird von den Evange- als potenziell gefährlicher Unruhestifter ein-
lien sehr elija-like geschildert (Kamelhaarman- gestuft wird. Auch mit Blick auf sein Ende ist
tel, lederner Gürtel, 2 Kön 1,8), was natürlich Johannes sozusagen ein Vorläufer Jesu. Zudem
eine schriftgelehrte Stilisierung ist. Allerdings
passt sein Erscheinungsbild durchaus in den
Wüstenkontext – Purpurmäntel sind hier nicht
zu erwarten.
Nicht nur das Äußere des Täufers zeichnen
Flavius Josephus über
die Evangelien nach dem Vorbild des Elija, Jo- QUELLEN den Tod des Johannes
hannes wird auch mehrfach implizit und ex- TEXT
plizit mit Elija parallelisiert oder gleichgesetzt.
Ob das dem Selbstverständnis des Täufers
„Manche Juden waren übrigens der Ansicht, der Untergang der Streit-
entspricht, ist schwierig zu sagen. Ganz ausge-
macht des Herodes sei nur dem Zorne Gottes zuzuschreiben, der für
schlossen erscheint es nicht, mit einem bedeu-
die Tötung Johannes’ des Täufers die gerechte Strafe gefordert habe.
tenden „Aber“ im Vergleich zu den Evangeli-
Den Letzteren nämlich hatte Herodes hinrichten lassen, obwohl er ein
en: Mit seiner Botschaft vom nahen Gericht
edler Mann war, der die Juden anhielt, nach Vollkommenheit zu streben,
Gottes und seinem Umkehr- und Bußaufruf
indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit gegeneinander und Frömmigkeit
spielt der Täufer durchaus eine Rolle, wie sie
gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen. Dann werde, verkün-
dem wiederkommenden Elija in Mal 3,23f zu-
digte er, die Taufe Gott angenehm sein, weil sie dieselbe nur zur Hei-
gesprochen wird. Allerdings geht dieser Elija
ligung des Leibes, nicht aber zur Sühne für ihre Sünden anwendeten;
Gott selbst voraus, nach ihm kommt unmit-
die Seele nämlich sei dann ja schon vorher durch ein gerechtes Leben
telbar der Tag des Herrn. In dieser Konzeption
entsündigt. Da nun infolge der wunderbaren Anziehungskraft solcher
ist keine weitere messianische Gestalt vorgese-
Reden eine gewaltige Menschenmenge zu Johannes strömte, fürchtete
hen. Das konzipieren die Evangelien im eige-
Herodes, das Ansehen des Mannes, dessen Rat allgemein befolgt zu
nen Interesse anders: Hier geht der Täufer – als
werden schien, möchte das Volk zum Aufruhr treiben, und hielt es daher
Elija – Jesus – als dem kommenden Messias –
für besser, ihn rechtzeitig aus dem Wege zu räumen, als beim Eintritt
voran.
einer Wendung der Dinge in Gefahr zu geraten und dann, wenn es zu
spät sei, Reue empfinden zu müssen. Auf diesen Verdacht hin ließ also
Aufmerksamkeit zu erregen, kann töd-
Herodes den Johannes in Ketten legen, nach der Festung Machaerus
lich sein
bringen, die ich oben erwähnte, und dort hinrichten. Sein Tod aber war,
Das Auftreten des Täufers erregt offensichtlich
wie gesagt, nach der Überzeugung der Juden die Ursache, weshalb des
Aufmerksamkeit und stößt auf Resonanz. Auch
Herodes Heer aufgerieben worden war, da Gott in seinem Zorn diese
Josephus spricht davon, dass die Menschen
Strafe über den Tetrarchen verhängt habe.“ (Ant. 18,116-119)
scharenweise zu Johannes pilgern – wobei ver-
mutlich viel Neugier und Schaulust im Spiel

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passt das klare und freimütige Anprangern von wie kurz danach Jesus: unvermittelt, ohne Vor-
moralischen Missständen und Fehltritten nicht geschichte, ohne Vorstellung. Nichts verlautet
nur zum biblischen Prophetenbild, sondern zu Geburt und Kindheit. Nach einer Zitatkom-
fügt sich auch in das bislang skizzierte Bild vom bination (Mk 1,2f ) tritt der Täufer direkt auf
Täufer stimmig ein. – profiliert als Bußtäufer. Seine Predigt an sich
kommt kaum zur Sprache. Er wandelt in den
Der Lehrer, der zum (Konkurrenz-) Fußstapfen des Elija (auch vom Erscheinungs-
Problem wurde? bild her) und dient als Wegbereiter – hier aber
Dass sich Jesus und Johannes leibhaftig begeg- eben für Jesus. Johannes verweist auf den nach
net sind, das hält die Mehrheit der Forschung ihm Kommenden, den Stärkeren.
für ausgemacht (zur etwas anders akzentuier- Die Taufe Jesu durch Johannes erfolgt ohne
ten Version des Lukasevangeliums s. u.). Von Kommentierung oder besondere literarische
daher zählt die Taufe Jesu durch Johannes in der Einbettung – irgendwie scheinen beide kei-
historischen Jesusforschung zum Ankerpunkt ne weitergehende Notiz voneinander zu neh-
aller Darstellungen. Ob Jesus von Johannes ge- men. Die Offenbarung als Gottessohn durch
hört und ihn gezielt aufgesucht hat oder ob er die himmlische Stimme trägt im Markusevan-
eher zufällig auf dem Weg Richtung Jerusalem gelium stark den Charakter eines intimen Be-
am Jordan vorbeigekommen ist, ist m. E. unent- ziehungsgeschehens zwischen Gott und Jesus
scheidbar. Auf jeden Fall scheint Jesus von Jo- („Du bist …“) – es wirkt so, als wären nur wir als
hannes und dessen Predigt beeindruckt. Er lässt Lesende stille Zeug*innen davon. Weitere Er-
sich von Johannes im Jordan untertauchen. Und zählfiguren reagieren auf jeden Fall nicht darauf.
Dann weiß das Markusevangelium nur noch
vom Tod des Täufers zu erzählen, wobei dies
damit motiviert wird, dass u. a. die Meinung
Auf jeden Fall scheint Jesus von Johan- kursiert, Jesus wäre der wiederauferstandene
nes und dessen Predigt beeindruckt Täufer. Hier nimmt das Markusevangelium eine
deutliche Abgrenzung vor und stellt klar, dass
Johannes die Elija-Rolle spielt – als Vorläufer
von Jesus. Ein christlicher Heiliger ist geboren.
es spricht auch einiges dafür, dass Jesus als Schü-
ler einige Zeit bei Johannes geblieben ist. Der Umkehrprediger, der nicht würdig
Zentrale Aspekte der Botschaft Jesu ähneln ist …
der des Johannes – mit charakteristischen ei- Das Matthäusevangelium arbeitet weiter an
genen Akzentsetzungen und Verschiebungen. einer im christlichen Sinne korrekten Verhält-
Beispielsweise ähneln sie sich in Radikalität und nisbestimmung von Johannes und Jesus. Eine
Naherwartung; Johannes aber verkündet in der stärkere Entfaltung der Bußpredigt des Täufers
Wüste das unmittelbar bevorstehende Gericht, (Mt 3,7-10: Quellenmaterial aus der Logien-
eher mit asketischem Touch – Jesus hingegen quelle Q) lässt ihn als Bußprediger mit starker
verkündet im blühenden Kulturland das bereits Naherwartung deutlich werden.
angebrochene bzw. anbrechende Reich Gottes Zugleich problematisiert das Matthäusevan-
und ist nach Mt 11,19 als „Fresser und Säufer“ gelium die Taufe Jesu dahingehend, ob für Jesus
verschrien. Auch die Frage, inwiefern Johan- eine „Umkehrtaufe“ (zur Vergebung der Sün-
nes als (theologischer) Lehrer für Jesus fungiert, den) überhaupt angebracht ist. Hier wird der
ist in den Details umstritten – mir scheint es Täufer stark Jesus untergeordnet bzw. er tut dies
grundsätzlich plausibel. Nicht zuletzt deswe- selbst („ich müsste von dir getauft werden“).
gen, weil die Evangelien ein ausgesprochenes Schlussendlich tauft er Jesus doch. Das Offen-
Bemühen an den Tag legen, die Beziehungskon- barungsgeschehen wird hier eher öffentlich in-
alle © Sailko - Eigenes Werk, CC BY 3.0

stellation wieder geradezurücken und das Leh- szeniert („Dieser ist mein geliebter Sohn“).
rer-Schüler-Verhältnis geradezu umzukehren, Eine weitere Zusatztradition gegenüber Mk
sodass Jesus zum Lehrer des Johannes wird. Da- – ebenfalls aus der Logienquelle Q – profiliert
bei weist jedes Evangelium eine eigene Schwer- einerseits Jesus klar als den kommenden und
punktsetzung auf. erwarteten Messias. Bezeichnenderweise ist es
Johannes, der Boten mit einer entsprechenden
Vorläufer und Wegbereiter Frage zu Jesus schickt: „Bist du der, der kommen
Im ältesten Evangelium wird Johannes ge- soll?“ Dieser verweist auf sein Heil bringendes
nauso auf die Bühne des Geschehens geworfen Wirken. Andererseits werten die Aussagen Jesu

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Stein für Stein: Das Die ganze Lebensgeschichte des Johannes bildet das Kuppel-
Leben des Johannes mosaik des Baptisteriums San Giovanni in Florenz ab:
1. Der Engel kündet Zacharias die Geburt an, 2. Geburt und
Namensgebung des Kindes, 3. Johannes zieht in die Wüste,
4. Predigt des Johannes, 5. Johannes tauft das Volk zur Umkehr,
6. Johannes weist auf Jesus hin, 7. Jesus wird von Johannes im
Jordan getauft.

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Was die vier Evangelien über den Täufer erzählen …

Und auch das drama- über den Täufer diesen massiv auf bzw. unter- Damit reiht sich der Täufer stärker ein in eine
tische Lebensende des streichen seine Bedeutung. Hier wird eine hohe Schar von Heiligen, die auf Jesus ausgerichtet
Johannes findet sich Wertschätzung zum Ausdruck gebracht, wobei sind.
im Kuppelmosaik: 8. die Rangordnung stets eindeutig bleibt.
Johannes vor Herodes, Im Vergleich mit Mk ist der Täufer bei Mt Der hinweisende Zeuge, der sich
9. im Gefängnis, 10.
ein Stück heiliger geworden, sowohl in seiner überflüssig machen möchte
der gefangene Jo-
eigenen Profilierung als prophetisch-charis- Ganz ausdrücklich wird dieser Akzent im Jo-
hannes schickt seine
Jünger, um Jesus zu matischer Prediger als auch in seiner Zu- und hannesevangelium ins Wort gebracht. Hier
fragen, ob er derjenige Unterordnung unter Jesus als Christus und wird Johannes als der Zeuge inszeniert, dessen
sei, der kommen soll, Gottessohn. vorrangige (oder auch einzige) Funktion im
11. Jesus gibt Antwort, Zeugnisgeben für Jesus besteht. So heißt es im
12. Tanz der Salome, Verwoben – und doch Platz 2 Prolog: „Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt;
13. Hinrichtung des Dieser Trend setzt sich im Lukasevangelium sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um
Täufers, 14. Präsen- fort. Lukas präsentiert eine ausführliche Vor- Zeugnis abzulegen für das Licht.“ Die Taufe wird
tation des Kopfes, und Kindheitsgeschichte von Johannes – und nicht mehr erzählt, sondern nur darauf zurück-
15. Grablegung des inszeniert hier bereits die Verbindung und Zu- verwiesen. Und das Zeugnis des Johannes, sein
Täufers durch seine
ordnung Johannes–Jesus literarisch. Die Kind- Hinweisen auf Jesus führt dazu, dass seine eige-
Jünger.
heit Jesu und Johannes’ durchdringen sich; nen Schüler gewissermaßen zu Jesus überlau-
beide werden in der Art einer Synkrisis, eines fen. Das stellt aber kein Problem im Sinne von
Vergleichs, vorgestellt. Dabei fällt eine perma- Konkurrenz dar, ganz im Gegenteil: Darin liegt
nente Hervorhebung Jesu auf, u. a.: Johannes im Tiefsten die Bestimmung des Täufers, wie
hat priesterliche Wurzeln – Jesus königliche. ihm in Joh 3,30 in den Mund gelegt wird: „Er
Johannes ist von Mutterleib an mit dem Geist muss wachsen, ich aber geringer werden.“ Mehr-
Gottes erfüllt – Jesus ist vom Geist gezeugt. fach widerspricht der Täufer zudem ausdrück-
Johannes wird wundersam von einer (zu) al- lich Heilshoffnungen, die mit seiner Person ver-
ten Mutter geboren – Jesus von einer Jungfrau. bunden werden.
Schlussendlich sticht im parallelen Aufbau Jetzt sind wir gewissermaßen beim Johannes
noch ein textliches Plus zugunsten von Jesus des Isenheimer Altares angelangt. Hier über-
hervor: Nur von Jesus wird die Beschneidung deckt der Goldglanz des Heiligenscheines nun
inkl. der prophetischen Begleitmusik erzählt; vollständig das eigenständige prophetische Pro-
fil des Täufers.

Zentrale Aspekte der Botschaft Entstauben lohnt!


Was durch die überblickartige neutestamentli-
Jesu ähneln der des Johannes – che Spurensuche deutlich geworden sein dürf-
mit charakteristischen eigenen te: Es lohnt sich, Johannes intensiv nachzuge-
hen – und am Goldlack zu kratzen. Denn unter
Akzentsetzungen den Traditionsschichten kommt eine ebenso
faszinierende wie kantige Persönlichkeit zum
ebenso findet sich nur von Jesus eine weitere Vorschein. Bei dieser ist bereits Jesus in die
Jugenderzählung (der 12-Jährige im Tempel). Schule gegangen – und auch für uns ist dies
Als Leser*innen merken wir sofort: Jesus ist be- empfehlenswert. W
deutsamer als Johannes!
Das setzt sich fort: Geschickt nimmt Lukas
die Verhaftung des Täufers in Lk 3,19f vorweg –
und erzählt dies unmittelbar vor der Taufe Jesu. Literaturtipps / Zum Weiterlesen
Dadurch ist der Täufer bei der Taufe – literarisch • Bibel heute 43,1 (2007), Nr. 169: „Johannes der
alle © Sailko - Eigenes Werk, CC BY 3.0

– quasi abwesend: Jetzt steht der betende Jesus Täufer“.


im Mittelpunkt. • Christfried Böttrich, Art. Johannes der Täufer, in:
Unterm Strich: Auch wenn im Lukasevan- WiBiLex 2013 (https://www.bibelwissenschaft.
gelium rein quantitativ mehr über Johannes de/stichwort/51874/).
erzählt wird, tritt dieser doch noch stärker hin- • Ulrich Müller, Johannes der Täufer. Jüdischer
ter Jesus zurück. Und gerade in den Kindheits- Prediger und Wegbereiter (Biblische Gestalten
geschichten (Lk 1f ) werden Johannes mehrere 6), Leipzig 2002.
geisterfüllte Persönlichkeiten an die Seite ge-
stellt, die Jesus in seiner Bedeutung würdigen.

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welt und umwelt der bibel 3/2021 15
Eine Spurensuche (nicht nur) im Heiligen Land

Wo hat Johannes gelebt?


Die Taufstelle am Jordan, der Heimatort – Touristen und Pilgerinnen finden eine
Reihe von Orten im Heiligen Land, die sich auf Johannes den Täufer und seine Tä-
tigkeit beziehen. Es sind Erinnerungsorte, deren Historizität nicht immer belegbar
ist. Von Helmut Röhrbein-Viehoff

Ein Karem - der Geburtsort Weg durch die unzerstörte Landschaft des Ju-
Am westlichen Stadtrand von Jerusalem liegen däischen Berglandes hinab nach Ein Karem/Ain Helmut Röhrbein-Viehoff
der Herzl-Berg und die Holocaust-Gedenkstät- Karim. Der Name bedeutet „Quelle des Wein- war Diözesanleiter des
te Yad Vashem. Wenn man diese gewichtigen bergs“. Dieses bezaubernde Dorf gruppiert sich Katholischen Bibelwerks
und bedrückenden Orte besucht hat, tut es gut, um die Quelle, welche dem Ort seinen Namen im Erzbistum Hamburg
1995 - 2019 und hat ei-
nicht sofort zum nächsten Besichtigungster- gab – in christlicher Tradition als Marienquelle
nige Jahre das Pilgerhaus
min weiterzueilen, sondern das Gesehene und benannt.
Tabgha geleitet.
Erfahrene erst mal wirken zu lassen. Da bietet Ein Karem wird schon im Alten Testament
sich eine kurze Wanderung an: auf einem alten erwähnt – dort allerdings Bet Kerem = „Haus
des Weinbergs“ genannt: in Neh 3,14 und Jer
6,1, wo der Prophet angesichts der Kriegsgefahr

© https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ein_Karem,_Church_of_St._John_the_Baptist_(5792689530).jpg
aus dem Norden drängt: „Flieht, ihr Leute von
Benjamin, hinaus aus Jerusalem! Stoßt in Tekoa
ins Widderhorn und richtet über Bet-Kerem ein
Zeichen auf!“
Der Ort wird archäologisch nachweisbar
schon 4.000 Jahre lang bewohnt. Seit dem
4. Jh. gilt Ein Karem als Geburtsort Johannes’

Seit dem 4. Jh. gilt Ein Karem als


Geburtsort des Täufers
des Täufers. Historisch lässt sich dies nicht ve-
rifizieren; doch war diese Überlieferung Anlass
für einen Besuch von Kalif Omar ibn al-Khattab
im 7. Jh., der hierherkam, um den „Propheten
Johannes“ (arabisch: Nabi Yáhya), der auch im
Koran erwähnt wird, zu verehren.
Ein Karem wuchs im späten 19. Jh. beträcht-
lich; im Jahr 1945 fasste es 3.180 Einwohner,
davon 2.510 Muslime und 670 Christen. Nach
dem Massaker von Deir Yassin, das nur 2,5 Ki-
lometer entfernt lag, verübt am 8./9. April 1948
von den zionistischen Untergrund-Organisa- t Geburtsgrotte
tionen Lechi und Irgun, flohen viele der arabi- Johannes des Täufers.

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schen Einwohner aus Ein Karem; die meisten von Die Kirche erstreckt sich über zwei Stockwerke. Blick auf Ein Karem
ihnen kamen im Flüchtlingslager Aida (bei Bet In der unteren Kapelle sind die Wände mit Ge- im „Bergland von
Jala) unter. Heute werden die arabischen Häuser mälden im Nazarener-Stil dekoriert, die biblische Judäa“, – ­heute
überwiegend von israelischen Juden bewohnt; Szenen zeigen: den Priester Zacharias im Tempel innerhalb der
Stadtgrenzen von
dazwischen gibt es mehrere beliebte Restaurants von Jerusalem (Lk 1,5-21) und die Begegnung
Jerusalem gelegen.
und Cafés, Künstler-Ateliers – sowie Kirchen und der beiden schwangeren Frauen Maria und Elisa-
Klöster verschiedener christlicher Konfessionen. bet (Lk 1,39-45.56) sowie den Kindermord im
Unten im Dorf erreicht man als erste Station benachbarten Betlehem (Mt 2,16-18). Die obere
die Franziskaner-Kirche St.Johannes. Im Inne- Kirche ist allein Maria gewidmet.
ren empfängt die Besucher dank ihrer Wände,
die mit blauen Fayencen bedeckt sind, ein mys-
unten © Von Mujaddara, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53344837

tisches Licht und Halbdunkel. Die Kirche wurde


im Jahr 1674 auf den Resten einer byzantinischen
Kirche erbaut. Links vom Altarraum öffnet sich
oben © https://commons.wikimedia.org/wiki/File:EIN_KAREM_CHURCH_OF_THE_VISITATION

eine Höhle, die als Geburtsort des Täufers verehrt


wird. Die Mauern des Vorhofs sind geschmückt
mit Kacheln, auf denen das „Benedictus“ (Lk 1,
68-79) in 24 Sprachen zu lesen ist.
Am gegenüberliegenden Hang, beim Aufstieg
zur Hadassa-Klinik, liegt eine zweite Kirche in
Obhut der Franziskaner, welche das Grundstück
bereits 1679 gekauft haben. Diese „Kirche der
Heimsuchung“ (lateinisch: Visitatio) erinnert an
den Besuch Mariens bei ihrer Verwandten (Cou-
sine oder Tante?). Im Vorhof findet sich auf Majo-
lika-Platten an den Wänden in 47 Sprachen das
Magnificat, das Loblied, das der Evangelist Lukas
Maria in den Mund legt: „Meine Seele preist die
Größe des Herrn...“ (Lk 1,46-55); es wird in jeder
Vesper gebetet oder gesungen.
Die schöne Kirche erhebt sich auf Ruinen aus
herodianischer und byzantinischer Zeit. Auf der
Fassade zeigt ein Mosaik Maria auf einem Esel rei-
tend – auf ihrem Weg von Nazaret ins „Bergland St. John Baharim,
von Judäa“ (Lk 1,39). in Ein Karem.

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welt und umwelt der bibel 3/2021 17
El-Maghtas – Taufstelle Jesu (?)
„El-Maghtas“ heißt auf arabisch „die Taufstelle“.
Aber wo genau hat Johannes der Täufer getauft?
Zwei Stätten am Jordan konkurrieren um den
Vorzug, als Taufstelle Jesu zu gelten: die eine am
Westufer, die andere direkt gegenüber auf dem
Ostufer.
Im Markus-Evangelium, dem ältesten der vier
Evangelien, finden sich dazu keine genauen Anga-
ben; es heißt dort nur: „Johannes der Täufer trat
in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der
Umkehr zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa
und alle Einwohner Jerusalems (…) ließen sich
im Jordan von ihm taufen“ (Mk 1,4f ). Und etwas
später: „... da kam Jesus von Nazaret in Galiläa und
ließ sich von Johannes im Jordan taufen“ (Mk 1,9).
Das Matthäus-Evangelium präzisiert ein klein
wenig: „Johannes der Täufer (…) verkündete in
der Wüste von Judäa: Kehrt um! (…)“ (Mt 3.1).
Das Lukas-Evangelium sagt wiederum nur sehr
unbestimmt von Johannes: „Er zog in die Gegend
am Jordan und verkündete dort überall die Taufe
der Umkehr zur Vergebung der Sünden“ (Lk 3,3). te aus byzantinischer Zeit besichtigen. Für diese Blick auf
Also: „in der Wüste“ und „am Jordan“ – das Lokalisierung am Ostufer spricht das vierte Evan- El-Maghtas, – die
passt zu El-Maghtas. Von Jerusalem kommend, gelium; da heißt es nämlich: „Dies geschah in Beta- Taufstelle am
fährt man heutzutage südlich/östlich um Jericho nien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte“ (Joh Jordan – von isra-
herum und dann (seit 2011) auf einer Piste pro- 1,28). Dem entspricht eine zweite kurze Notiz im elischer Seite aus
blemlos ins militärische Sperrgebiet hinein bis Johannes-Evangelium – kurz bevor die Passion Jesu gesehen.
zum griechisch-orthodoxen Johannes-Kloster beginnt: „Dann ging Jesus wieder weg (aus Jerusa-
(arabisch: Deir Mar Hanna – auch Qasr el-Jahud lem) auf die andere Seite des Jordan, an den Ort, wo
= „Jüdische Festung“ genannt). Daneben stehen Johannes zuerst getauft hatte; und dort blieb er“
weitere Kirchen und Kapellen der Franziskaner, (Joh 10,40). Hier ist völlig klar: Wenn Jesus sich
der Syrer und der Kopten. dem Zugriff der religiösen Autoritäten des Tempels
Schon in den ersten christlichen Jahrhunderten entzieht, dann „geht er über den Jordan“…
zogen Gläubige an diese Stelle, um sich im Jordan Dem entspricht, dass die ältere christliche
taufen zu lassen. Das erscheint heutzutage nicht Täufer-Tradition wohl auf dem Ostufer zu finden
sehr attraktiv, da der Fluss zu einem dreckigen ist. Denn nach der berühmten Karte von Madaba,
Rinnsal verkommen ist, in das u. a. die Abwässer einem Fußbodenmosaik aus dem 6. Jh., könnte
der weiter flussaufwärts gelegenen Städte Tiberias dieser Platz identisch sein mit Bethabara im Wadi
und Bet Schean geleitet werden. Der See Genne- Al-Kharrar am Ostufer des Jordan. Das hat sich
saret entlässt normalerweise kaum Wasser in den Jordanien zielstrebig zunutze gemacht: infolge
Jordan, da er 10 % des Trinkwasserbedarfs Israels des israelisch-jordanischen Friedensvertrags von
liefert, und die östlichen Zuflüsse wie der Jarmuk
und der Jabbok werden auf jordanischer Seite auf-
gefangen und dienen zur Bewässerung der ausge-
dehnten Gemüsekulturen entlang des Ostufers.
Für die Lokalisierung am Ostufer spricht
Dennoch wagen es auch heute immer wieder das vierte Evangelium
christliche Gruppen – meist evangelikaler Prä-
gung – zur Taufe oder Tauferneuerung ins Was-
ser zu steigen. Vom Parkplatz aus muss man dazu 1994 begannen 1997 die archäologischen Ausgra-
Stufen ca. 30 Meter hinuntersteigen, bis man die bungen, und bereits im März 2000 konnte Papst
trübe Brühe erreicht. Johannes Paul II. im Zuge seiner Heilig-Land-
Reise die Pilgerstätte einweihen. Seit 2002 ist
© Britta Carsten

Auf der gegenüberliegenden Seite erkennt man


weitere Kirchen und Klöster. Käme man von jor- die Stätte allgemein zugänglich und wurde 2015
danischer Seite hierher an den Jordan, könnte man in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes auf-
auch die freigelegten Reste der Wallfahrtsstät- genommen – während man auf der „Westbank“,

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Auf den Spuren des Täufers

dem von Israel besetzten Ufer, bis vor etwa zehn die Römerstraße von Sichem/ Neápolis über Tu-
Jahren noch eine Sondergenehmigung brauchte, bas hinab in die Ebene von Bet Schean/Skytópolis
um in den ufernahen militärischen Sperrbezirk genommen haben, wo er im Jordangraben auf die
zu gelangen. Offensichtlich hat die ökonomische in Joh 3,23 genannte Stätte Änon gestoßen ist.
Konkurrenz im Tourismus-Gewerbe hier Wun- Heute wird gerne noch ein ganz anderer Ort als
der gewirkt … Taufstelle gewählt: Yardenit am Ausgang des Jor-
Es gibt jedoch noch einen dritten Täufer-Ort, dan aus dem See Gennesaret, zwischen den Kib-
der im Neuen Testament genannt wird: „Darauf buzim Kinneret und Deganya. Besonders bei Bap-
kam Jesus mit seinen Jüngern nach Judäa. Dort tisten, die ja die Erwachsenen-Taufe praktizieren,
hielt er sich mit ihnen auf und taufte. Aber auch und anderen „wiedergeborenen“ Christen ist die-
Johannes taufte damals, und zwar in Änon bei se Stätte beliebt; häufig sieht man dort Menschen
Salim, weil dort viel Wasser war; und die Leute in langen weißen Gewändern ins Wasser steigen.
kamen und ließen sich taufen“ (Joh 3,22f ).
Abgesehen davon, dass nur an dieser Stelle von
einer Taufpraxis Jesu berichtet wird (was im Blick Die biblischen Quellen lassen sich aus-
auf die christliche Taufe möglicherweise dogmati-
sche Schwierigkeiten macht …), stellt sich die Fra-
gleichen, wenn man sich Johannes als
ge, wo dieses Änon bei Salim zu suchen ist. Wanderprediger vorstellt
Der Ort wird schon von Eusebius von Cäsarea,
dem „Vater der Kirchengeschichte“, († 339), in
seinem Onomástikon (= Namenslexikon) aufge- Dieser Ort ist zwar sehr bequem zu erreichen,
führt und im nordöstlichen Samarien, 12 Kilo- aber sicher unhistorisch; er passt weder zur bib-
meter südlich von Bet Schean (Skytópolis) lokali- lischen Geografie noch zur antiken Tradition. Er
siert. Heute ist dort praktisch nichts mehr davon wurde erst 1981 vom israelischen Tourismus-
zu sehen. Der Ort hat zwar „viel Wasser“, liegt Ministerium eingerichtet als Alternative zu El-
jedoch weder „in der Wüste von Judäa“ (Mt 3,1) Maghtas, das seit der israelischen Eroberung der
noch „jenseits des Jordan“ (Joh 1,28), sondern am Westbank 1967 nicht mehr zugänglich war. Au-
Westufer. Die Madaba-Karte zeigt ihn weiter süd- ßerdem haben diesen Jordan-Ausfluss erst die Die moderne
lich bei Jericho. Engländer graben lassen; zuvor verließ der Jordan Taufstelle Yardenit
Nun sind die johannäischen Angaben – Betani- den See ca. 500 Meter weiter oberhalb nordwest- am Ausfluss des
en jenseits des Jordan (1,28) und Änon bei Salim lich von Tel Bet Yerah = „Haus des Mond(gottes)“; Jordan aus dem
(3,23) – so konkret und zugleich so schwierig, arabisch: Chirbet Kerak = „Burgruine“. See Gennesaret.
dass sie vermutlich historisch sind. Warum sollte
der Evangelist sie sich ausdenken?
Die biblischen Quellen lassen sich ausgleichen,
wenn man sich Johannes den Täufer als Wander-
prediger vorstellt, der zwar anfänglich und haupt-
© https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Golan_Taufstelle_im_Jordan_-_Jardenit

sächlich in Betanien, in der Wüste von Judäa, aber


(später) auch andernorts taufte – z. B. in Änon bei
Salim. Letzteres könnte ausgelöst worden sein
durch die Konkurrenz vonseiten Jesu bzw. dessen
Jünger, die in Joh 4,1 durchscheint: „Jesus erfuhr,
dass die Pharisäer gehört hatten, er gewinne und
taufe mehr Jünger als Johannes – allerdings taufte
nicht Jesus selbst, sondern seine Jünger –; daraufhin
verließ er Judäa und ging wieder nach Galiläa.“
Interessant ist dazu der Pilgerbericht des galli-
schen Bischofs Arkulf aus dem 7. Jh. Er erwähnt
(II,22) eine „kleine Wüstenquelle (solitudinis fonti-
culum), aus welcher nach der Überlieferung der hei-
lige Johannes der Täufer trank“, und zwar auf sei-
ner Reiseroute zwischen dem Jakobsbrunnen bei
Sichem (II,21) und Heptápegon/Tabgha, dem Ort
der Brotvermehrung am See Gennesaret (II,24). Da
Arkulf Samaria/Sebáste überhaupt nicht erwähnt,
wird er nicht dort gewesen sein; vielmehr muss er

19
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welt und umwelt der bibel 3/2021
Machärus - wo Johannes starb der Name der Salome erwähnt – allerdings ohne Die Festung von
Der Ort kommt in der Bibel nicht vor, wohl aber Zusammenhang mit Johannes dem Täufer. Als Machärus (arab.
bei dem antiken jüdischen Historiker Flavius Grund von dessen Verhaftung und Hinrichtung Mkawir). Hier soll
Josephus in seinem Werk Bellum judaicum = nennt Josephus nicht des Herodes Eheangelegen- Johannes hinge-
„Der jüdische Krieg“ wie auch in den Antiquitates heiten (vgl. Mk 6,18f par), sondern die Furcht des richtet worden sein
- die Evangelien
judaicae = „Jüdische Altertümer“. Tetrarchen, „das Ansehen des Mannes, dessen Rat
jedoch nennen den
Josephus berichtet, dass der Hasmonäer Alexan- allgemein befolgt zu werden schien, möchte das
Ort nicht. Und so
der Jannäus auf diesem Bergkegel eine Grenzbefes- Volk zum Aufruhr treiben; er hielt es daher für bes- hat sich auch keine
tigung gegen die Nabatäer errichtete, die durch den ser, ihn rechtzeitig aus dem Weg zu räumen“. Das christliche Pilger-
Römer Aulus Gabinius im Krieg mit Aristobul II. geschah wahrscheinlich im Jahre 28/29 nC – und tradition entwickelt.
zerstört wurde. Herodes der Große setzte die Ru- nach Aussage der Evangelien am Geburtstag des
ine wieder instand – als äußerste einer Kette von Herodes Antipas; dessen genaues Datum bis heu-
Fluchtburgen, mit denen der paranoide Herrscher te unbekannt ist.
für den Fall der Fälle vorsorgen wollte. (Bellum ju-
daicum 7, 71-177)
Die herodianische Festung wurde 66 nC im
jüdisch-römischen Krieg von den aufständischen
Zeloten besetzt, von der römischen X. Legion Machärus – in der Beschreibung
belagert und im Jahre 72 schließlich erobert und
zerstört (vgl. Bellum judaicum 7,163-209). Heute
des Flavius Josephus:
lassen nur Reste von Grundmauern die Weitläu-
figkeit der Anlage erahnen.
„Die natürliche Befestigung wird durch einen felsigen Hügel ge-
bildet, der zu beträchtlicher Höhe ansteigt und schon deshalb sich
Die christliche Tradition verortet auf Machärus
schwer einnehmen lässt; auch hat die Natur selbst dafür gesorgt,
den Tod Johannes’ des Täufers. Das Markus-Evan-
dass er so gut wie gar nicht zugänglich ist. Er ist nämlich auf allen
gelium erzählt davon recht ausführlich (Mk 6,17-
Seiten von unabsehbar tiefen Schluchten umgeben, die man nicht
29), aber auch die Parallele Mt 14,3-12; in Lk 9,9a
einmal leicht durchqueren, geschweige denn mit Erde ausfüllen
wird ganz kurz darauf angespielt – allerdings ohne
kann. Hat doch der westliche Taleinschnitt, der bis zum Asphaltsee
Machärus zu erwähnen.
(= Totes Meer) reicht, eine Längenausdehnung von 60 Stadien,
Das tut jedoch wiederum Flavius Josephus
und dazu wird gerade nach dieser Seite hin Machaerus von der
in den „Jüdischen Altertümern“: „Herodes ließ
höchsten Bergkuppe überragt. Die Schluchten im Norden und
den Johannes in Ketten legen, nach der Festung
Süden stehen zwar an Größe der erstgenannten nach, machen aber
Machaerus bringen (…) und dort hinrichten“ (An-
gleichfalls einen Angriff auf die Festung unmöglich; und was den
tiquitates 18,5,4 bzw. 18,119). Gemeint ist nun
östlichen Einschnitt betrifft, so schließt er bei einer Tiefe von nicht
Herodes Antipas, einer der (überlebenden) Söh-
weniger als hundert Ellen sich sogleich wieder mit einem Machae-
© hikinginjordan

ne Herodes’ des Großen, seit 4 vC „Vierfürst“


rus gegenüberliegenden Höhenzug.“ (7, 6, 1; andere Zählung: 7,165-
(Tetrarch) über Galiläa und Peräa; zu letzterem
170; Übers. Heinrich Clementz, Wiesbaden 1997, 12. Aufl., 639)
Territorium gehört auch Machärus. In den Anti-
quitates wird – anders als in den Evangelien – auch

20 welt und umwelt der bibel 3/2021


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.

Auf den Spuren des Täufers

Samaria/Sebastíye – Basilika, die Ende des 4. Jh. wiederum einen rö-


der Kopf des Täufers mischen Jupiter-Tempel ersetzte, in die heutige
Und wo ist nun, nach seiner Enthauptung – der Moschee umgewandelt (Bild siehe S. 48). Am
Kopf des Täufers verblieben? Nach syrischen 6. Mai 2001 betete Papst Johannes Paul II. dort am
Legenden begruben die Apostel Andreas und Jo- Schrein des Täufers, den Christen wie Muslime
hannes den Leichnam in Samaria/Sebáste; dieses gleichermaßen verehren.
Grab wird von Kirchenvater Hieronymus bestä- Auch die Kirche San Silvestre in Capite in Rom
tigt. und die Kathedrale von Amiens beanspruchen,
Samaria, die ehemalige Hauptstadt des Nord- das Haupt des Heiligen zu besitzen. Der Überlie-
reiches Israel, wurde unter Herodes d. Gr. zu einer ferung zufolge brachte der Domherr Wallon de
prunkvollen Stadt ausgebaut, welcher er zu Ehren Sarton 1204 die Kopfreliquie als Kriegsbeute vom
des römischen Kaisers den Namen Sebáste (Au- Vierten Kreuzzug aus Konstantinopel mit und
gusta) gab. Die eindrucksvollen Ausgrabungen, übergab sie dem Bischof in Amiens.
die verschiedene Zeitschichten übereinander frei- Bei der Ausgrabung einer Kirche „Sveti Ivan“
gelegt haben, liegen auf einer sanften Bergkuppe in der bulgarischen Kleinstadt Sozopol haben
12 Kilometer nördlich von Nablus – neben dem Archäologen im Jahre 2010 in einer Kiste unter
heutigen palästinensischen Dorf Sebastíye. dem Altar Knochen eines Mannes gefunden, der
Dort – außerhalb der römischen Stadtmau- im frühen ersten Jahrhundert lebte und aus dem
ern – stehen die Reste der Johanneskirche (1931 Nahen Osten stammte. Wahrscheinlich gelangten
ausgegraben), im 4. Jh. von den Byzantinern über diese Reliquien im 5. oder 6. Jh., als die Kirche ge-
römischen Gräbern erbaut. Die Kreuzfahrer er- baut wurde, über Konstantinopel nach Bulgarien.
richteten zwischen 1150 und 1160 auf deren Ob diese Knochen tatsächlich von Johannes dem
Ruinen eine dreischiffige Kathedrale im burgun- Täufer stammen, kann natürlich niemand wissen. Umfassungsmauern
der ehemaligen
dischen Stil, von der heute nur noch die Umfas- Johannes-Reliquien werden auch im koptischen
St. Johanneskirche,
sungsmauern existieren. Bereits im Jahr 1225 Kloster Abu Makar (Makários-Kloster im Wadi el-
heute Moschee.
berichtet ein muslimischer Chronist von einer Natrun in der Sketischen Wüste) in Ägypten und Neben dem Täufer
Moschee am Johannesgrab. Der Chor der ehema- in der „Camera Santa“ der Kathedrale von Oviédo wird hier auch der
ligen Kirche ist seit dem 14. Jh. von acht Kuppeln in Asturien (Spanien) verehrt. Propheten Elischa
überwölbt und dient seit 1892 als Moschee des Wären alle Fragmente echt, die dem Täufer zu- und Obadja gedacht
„Sidi Yahya“. geschrieben werden, dann hätte der Heilige wohl und der Eltern des
In der Mitte des offenen Kirchenschiffes erhebt sechs Köpfe und zwölf Hände gehabt … W Johannes.
sich ein Kuppelbau über einer Krypta. 20 Stufen
führen hinab in die römische Grabanlage. Die
Nischen ordnet die christliche wie islamische
© By Mujaddara, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53551609

Tradition dem Propheten Elischa, dem Täufer


Johannes, dem Propheten Obadja sowie den El-
tern des Täufers, Zacharias und Elisabet, zu. Die
mittlere obere Nische soll das Haupt des Täufers
verwahrt haben; darüber berichten der heilige
Hieronymus (Epitaphium s. Paulae, epistula 108
ad Eustochium, Kap. 13) im Jahre 404 und noch
der Pilgerbericht des Johannes Foca aus dem Jah-
re 1117.

Aber auch die Städte Konstantinopel – das heu-


tige Istanbul – und Damaskus behaupteten, das
Haupt des Täufers zu bewahren. Im Topkapi-Pa-
last wird ein goldenes Armreliquiar ausgestellt,
das die Knochen des rechten Unterarms Johannes’
des Täufers enthalten soll; die Reliquie wurde von
Mehmet II. bei der Eroberung Konstantinopels
1453 erbeutet. Ebenso wird ein Stück des Schä-
dels von Johannes gezeigt.
In der syrischen Hauptstadt ist es die berühm-
te Umayyaden-Moschee; zwischen 708 und 715
hat der Kalif al-Walid I (668–715) die christliche

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welt und umwelt der bibel 3/2021 21
Johannes als radikaler Prophet?

Machtvoller Rufer
Die biblischen Schriften zeichnen Johannes mithilfe alttestamentlicher Motive
und Vorbilder als radikalen Propheten, der machtvoll in seine Welt hineinruft und
seine Aufgabe auch darin sieht, politische Herrschaftskritik zu üben.
Von Heinz Blatz

S
timme eines Rufenden in der Wüste: Berei- hinrichten. So könnte ein knapper, vorläufiger
tet den Weg des Herrn, macht gerade seine Steckbrief lauten. Eine Biografie lässt sich mit Dr. Heinz Blatz ist
Pfade“ (Mk 1,3) – wohl bekannt klingen dem wenigen Quellenmaterial nicht schreiben. Lehrstuhlvertreter für
diese Worte in unseren Ohren. Im Anschluss – Im Wesentlichen sind die Quellen dafür Markus Neues Testament an der
gleich zu Beginn der Jesus­erzählung – lesen wir (Mk 1,2-8 parr; 6,17-29 parr), die Spruchquel- Theologischen Fakultät
Paderborn. Zu seinen
von Johannes dem Täufer, und dies nicht nur le Q (Q 3,7-9.16f; 7,18f.22f.24-28.33f; 16,16)
Forschungsschwerpunk-
im Markusevangelium: Jedes der vier neutes- und der jüdische Schriftsteller und Historiker
ten zählen u. a. das
tamentlichen Evangelien erzählt von Johannes Flavius Josephus (Jos., Ant 18,116-119); Wei- Markusevangelium und
dem Täufer, womit seine enge Verbindung zu Je- teres findet sich in allerdings späteren Werken die Umwelt des Neuen
sus aufgezeigt wird. Das Markusevangelium so- (bspw. mandäische Schriften). Aufgrund die- Testaments.
wie die Spruchquelle Q, die diesbezüglich ältes- ser Quellenlage sieht man den „historischen
ten Quellen, stellen sogar an ihren Anfang nicht Täufer“ somit v. a. durch eine christliche Brille.
Jesus, sondern präsentieren zunächst Johannes Interessant ist dabei, wie der Täufer dargestellt
den Täufer. wird – den wenigen Informationen werden tief-
Man trifft ihn in der Wüste an (griechisch ere- gehende Bilder zur Seite gestellt.
mos: Wüste/Ödnis). Er tauft in der Gegend jen-
seits des Jordan und verkündigt die Umkehr zur Johannes – Prophet im Licht des Alten
Vergebung der Sünden sowie ein Feuergericht Testaments
(Mk 1,4-8/Q 3,7-9.16-17). Bei den geografi- Folgt man Lk 1,5, ist Johannes priesterlicher
schen Angaben Wüste und Jordan ist an Peräa zu Herkunft und lebt in jungen Jahren in den Ber-
denken; neben Galiläa ist dies der zweite, östlich gen Judas (Lk 1,39); nach Lk 1,23 ist sein Vater
des Jordan gelegene Teil des Herrschaftsgebiets Zacharias Priester am Jerusalemer Tempel. Man
von Herodes Antipas. Er ist dünn besiedelt, we- begegnet Johannes aber nicht im Tempel, son-
nig fruchtbar (Jos., Bell 3,44f.) und hat kleinere dern in der Wüste. Für die damaligen Lesen-
Zuflüsse in den Jordan, in denen eine Tauftä-
tigkeit wohl möglich war. Mit einem Gewand
aus Kamelhaar und einem ledernen Gürtel um
seine Hüfte ist Johannes bekleidet und ernährt
Man sieht den „historischen Täufer“ vor
sich von Heuschrecken und wildem Honig (Mk allem durch eine christliche Brille
1,6). Er hat großen Zulauf aus der Bevölkerung
– wirkmächtig und kraftvoll werden seine Bot-
schaft und sein Wirken geschildert (Mt 3,1-12; den ist der Begriff „Wüste“ auch theologisch
Mk 1,2-8; Lk 3,1-18). Zieht man Lk 3,1 mit he- besetzt – als Exodus aus Ägypten ins gelobte
ran, dann wirkt der Täufer ab ca. 28 nC bis ca. Land, als Ort des Neuanfangs, der besonderen
30 bzw. 36 nC (Mk 6,17-29/Jos., Ant 18,116- Gottes­nähe, der Um- und Hinkehr zu Gott. Die
119). Schließlich lässt Herodes Antipas ihn Botschaft des Johannes von der Umkehr und

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Schon die äußere Darstellung des
Täufers mit dem Gewand aus Kamel-
haaren und dem Gürtel erinnert an den
alttestamentlichen Propheten Elija.
Russische Ikone. 17. Jh.

der Feuertaufe an die Kinder Israels – mit star-


ken prophetischen, apokalyptischen Bildern
– lässt alttestamentlich an Gerichtsdrohungen
(Mal 3,19; Jes 26,11; Ps 79,5 u. ö.) sowie an
das Zorngericht denken (Jes 13,3.6: hier aber
über die Völker!). Kritik an den herrschenden
Umständen und am Establishment ist in der
Regel fester Bestandteil prophetischer Bot-
schaft (1 Kön 18: Kritik Elijas an der Götzen-
verehrung). Den Lesenden wird Johannes im
Lichte alttestamentlicher Propheten wie Jesaja,
Jeremia, Amos oder Hosea gezeigt, die ebenso
als Mahner und Rufer vor dem Volk auftreten
und sich mit den Mächtigen anlegen – und bei
denen es oftmals, wie auch bei Johannes, zu ei-
nem gewaltsamen Ende kommt. Neben der Kri-
tik kommt es Propheten gerade in Krisenzeiten
ebenfalls zu, in scheinbar ausweglosen Situati-
onen Hoffnung zu geben, Mut zu machen (Jer
29,11) und zur Umkehr aufzurufen (Jes 1,10-
17; Am 5,21-24; Joel 2,12f; Jer 17,10).

Ebenfalls charakterisieren
ihn die asketischen Ess-
gewohnheiten sowie die
Kleidung als Propheten

In diesen Horizont wird Johannes gestellt.


So bringt bereits die Zitatenkombination in Mk
1,2f einen Neuanfang sowie ein nahendes Ge-
richt mit ein: Mk 1,3 nimmt Jes 40,3 auf (He-
rausführung aus der babylonischen Gefangen-
schaft) und in Mk 1,2 findet sich ein Mischzitat
(Mal 3,1; Ex 23,20), das einen Boten als Weg-
bereiter des Gerichts ankündigt. Damit wird
der Täufer in Mk 1,2.6 in Bezug zu Elija gestellt,
denn jener ist der Bote, der dem Kommen Got-
tes unmittelbar vorausgeht (Mal 3,1.23f ). So
können die Lesenden im Gerichtsboten Johan-
nes auch den wiederkehrenden Elija, Elija redi-
vivus, sehen (s. a. Mk 6,15). Ebenfalls charakte-
risieren ihn die asketischen Essgewohnheiten
(s. a. Q 7,33f; Mk 2,18) sowie die Kleidung
als alttestamentlichen Propheten; nach Sach
© agk-images

13,4 ist der „härene Mantel“ ein prophetisches


Kennzeichen und nach 2 Kön 1,8 wird Elija da-
ran erkannt, dass er „einen ledernen Gürtel um

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welt und umwelt der bibel 3/2021 23
Der Prophet Elija trat während der Regierungs-
Elija - zeit der Könige Ahab (ca. 871-852 vC) und
ein Prophet, der wiederkommt Ahasja (851-850 vC) im zweiten Viertel des 9. Jh.
vC im Nordreich Israel auf. Sein Name bedeutet
„Mein Gott ist JHWH“. Die Elija-Erzählungen fin-
den sich in 1 Kön 17–19; 1 Kön 21; 2 Kön 1–2.
Wesentlich für die weitere Wirkungsgeschichte
des Elija ist, dass er nach biblischer Überlieferung
nicht gestorben ist, sondern von Gott in einem
Feuerwagen in den Himmel aufgenommen wor-
den sei. Dieses Lebensende wird zum Ausgangs-
punkt der Vorstellung, dass Elija vor dem Ende der
Welt, vor dem endgültigen Kommen Gottes zum
Gericht, zurück auf die Erde kommen wird. Er wird
zum Vorboten Gottes, ehe dieser am Ende der Zeit
wiederkehrt: „Bevor aber der Tag des Herrn kommt,
der große und furchtbare Tag, seht, da sende ich zu
euch den Propheten Elija“ (Mal 3,23).
Aus dem leidenschaftlichen Propheten, der auch
zur Gewalt neigen kann, wird der Versöhner
Israels mit Gott. Seine Aufgabe ist es, vor dem
Gericht Gottes die Generationenkonflikte in
Israel zu überwinden und so Israel vor dem Bann
Gottes zu bewahren (Mal 3,24). Nach der Septua-
ginta​ist zusätzlich eine allgemeine Versöhnung
unter den Menschen seine Aufgabe.
Nach dem Sirachbuch übernimmt Elija eine
weitere Aufgabe vor dem Endgericht (Sir 48,10):
Die in der Bibel geschilderte Himmelfahrt des Propheten Elija Der Prophet wird den Zorn Gottes beschwichti-
führte dazu, dass sich die Vorstellung bildete, Elija würde wieder gen, die Generationen miteinander versöhnen
zurück auf die Erde kommen. Das wurde auf Johannes den Täufer und – das ist an dieser Stelle neu – die Stämme
oder sogar auf Jesus übertragen. Juan de Valdés, 17. Jh., Iglesia aus der Diaspora wieder versammeln.
del Carmen del Córdoba. (Barbara Leicht)

die Lenden trug“. Das Propheten-Attribut wird mit einem Machtwort den Fluss Jordan zu teilen
Johannes im Neuen Testament noch öfter zuge- und somit den Einzug ins gelobte Land zu wie-
schrieben – als Volksmeinung oder im Munde derholen (Jos., Ant 20,97-99; s. a. Apg 5,36).
Jesu (z. B. Mk 6,14f; 9,13; 11,32; Q 7,24-27). Sein Schicksal ähnelt dem des Täufers: Auf-
enthalt am Jordan, Gefangennahme, Enthaup-
Weitere Propheten im 1. Jh. nC tung und Sendung des Kopfs nach Jerusalem.
Bedeutend für das Verständnis der Propheten Weiterhin schreibt Josephus bspw. von einem
ist jeweils der konkrete soziokulturelle Kon- Ägypter (Jos., Ant 20,167-172; Bell 2,261-
text. Blickt man daher für Johannes nach Paläs- 263; s. Apg 21,38), der mit 30.000 Anhängern
tina in das 1. Jh. nC, begegnet man einer Viel- aus der Wüste auf den Ölberg zieht und ansagt,
zahl prophetisch auftretender Personen. Jene die Mauern Jerusalems einstürzen zu lassen und
präsentieren sich bspw. als mosegleiche End- es zurückzuerobern – in Entsprechung der Er-
zeitpropheten (Dtn 18,18: alttestamentliche oberung Jerichos (Jos 6). Solche Ankündigun-
© public domain

Prophetenverheißung), gehen ebenfalls in die gen alttestamentlicher Wüstenwunder werden


Wüste und sagen das Eingreifen Gottes bzw. als Zeichen des Endes und als Befreiungsbot-
prophetische Wunderzeichen der Befreiung an. schaften gedeutet, womit diese sich auch als
So kündigt z. B. Theudas an (um 44/45 nC), politisch subversiv gegen Rom und dessen

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Johannes als radikaler Prophet?

Herrschaftssystem erweisen. Aus seinem pries- stätigung durch Rom. Sein Herrschaftsstil sucht
terlichen und romfreundlichen Blickwinkel her- einen gewissen Ausgleich herbeizuführen: Die
aus konnotiert Josephus jedoch solche Anführer Wahrung zentraler jüdischer Toravorschriften
negativ als ­Pseudo-​Propheten bzw. goetes (Schar- (Alleinverehrung JHWHs, Bilderverbot etc.), aber
latane/Betrüger/böse Zauberer) und wertet diese ebenso eine weitere Öffnung zur hellenistischen
Bewegungen als politische Aufstände gegen die Kultur mit der Anerkennung Roms (Städtegrün-
bestehende Ordnung. dungen zu Ehren der domus Augusta, Baupro-
jekte in Sepphoris und Tiberias etc.; s. a. Jos., Ant
Darstellung des Täufers bei Josephus 18,27f.36-38; Bell 2,168). Dies scheint lange Zeit
In diese Reihe wird Johannes der Täufer von Jose- zu gelingen – erst in der letzten Herrschaftsphase
phus jedoch nicht eingeordnet. Von ihm werden treten größere Konflikte auf: Nach der Verstoßung
keine derartigen Wundererzählungen angeführt seiner nabatäischen Ehefrau flammen außenpoli-
(ebenso wenig im Neuen Testament, siehe Joh tisch wieder Grenzstreitigkeiten an der Ostgren-
10,41). Josephus weiß ebenfalls um die Tauftätig- ze mit seinem ehemaligen Schwiegervater König
keit des Johannes und führt als Beiname baptistes/
Täufer an. Im Allgemeinen steht Josephus Reini-
gungs- und Fastenriten wohl nicht ablehnend ge-
genüber, denn er schreibt, dass er in jungen Jahren Der Täufer stellt eine zentrale Funktion
ein eifriger Schüler des Bannus war, der „in der des Jerusalemer Tempels infrage
Wüste lebte, Kleider von Baumrinde trug, wild
wachsende Kräuter aß und zur Reinigung sich öf-
ter am Tage wie in der Nacht mit kaltem Wasser Aretas IV. auf; innenpolitisch wird die zweite Ehe
wusch“ (Jos., Vita 11). Differierend zum Neuen des Antipas mit seiner Schwägerin Herodias kri-
Testament wird die Taufe des Johannes allerdings tisiert, da diese – bei einer verschärften Toraaus-
von Josephus explizit nicht als Taufe zur Entsüh- legung - als Verstoß gegen Toragebote angesehen
nung, sondern als Sinnbild einer Neuausrichtung wird (Lev 18,12f.16; 20,21) – namentlich von
des Lebens dargestellt (s. Jos., Ant 18,117). Dies Johannes dem Täufer. Nach Josephus erfolgt die
dürfte auch der priesterlichen Herkunft des Jose- Hinrichtung des Täufers aus politischem Kalkül,
phus geschuldet sein, denn der Täufer bietet „Sün- denn dessen implizite Kritik am Tempel sowie
denvergebung ohne finanzielle Gegenleistung“, explizite Kritik am Herrscherverhalten werden
ohne Opfertier an und stellt somit eine zentrale von Antipas als Gefährdung der eigenen Macht-
Funktion des Jerusalemer Tempels und dessen stellung sowie der pax Romana eingestuft. Die
Personals infrage. Seiner primär römisch soziali- spätere militärische Niederlage des Antipas gegen
sierten Leserschaft präsentiert Josephus den Täu- König Aretas IV. wird von einigen Juden dann als
fer vielmehr als „guten Menschen“, als jüdischen gerechte Strafe Gottes für die Hinrichtung des
Tugend- und Weisheitslehrer nach Art griechi- Täufers angesehen (Jos., Ant 18,116.119).
scher Philosophen, der Gerechtigkeit unterei-
nander und Frömmigkeit gegenüber Gott lehrt Hinrichtung des Täufers bei Markus
(s. Jos., Ant 18,117). Apokalyptische Aspekte der Von der Verhaftung und Hinrichtung des Täufers
Täuferbotschaft, wie man sie in den Evangelien liest man auch in Mk 6,17-29, wobei dies hier in
antrifft, passen nicht in den Erwartungshorizont einen direkten Zusammenhang mit dessen Ehe-
seiner Lesenden und werden von Josephus daher kritik gestellt wird. Dies muss allerdings nicht
wohl nicht eingebracht. Ein apokalyptisches End- im Widerspruch zur Darstellung bei Josephus
gericht impliziert nämlich auch die Entmachtung gelesen werden. Schon allgemein kommt einer
der Herrschenden, womit solche Botschaften aus Kritik an der herrschaftlichen Heiratspolitik poli-
römischer Perspektive als Aufstachelung zum tische Brisanz zu. Konkret kann die Kritik an der
Aufstand verstanden werden. Josephus führt nicht zweiten Ehe auch als Herrscherkritik an Antipas
diese endzeitlichen Erwartungen, sondern nur aufgrund der Eheauflösung mit der nabatäischen
den großen Zulauf und Einfluss des Johannes beim Königstochter (Jos., Ant 18,110) und somit als
Volk an (Jos., Ant 18,118f.; s. a. Mt 14,5); Antipas Parteinahme für die Nabatäer gedeutet werden;
sieht darin die Gefahr eines Aufstandes und lässt zudem agiert der Täufer lokal in der Nähe zum Na-
den Täufer verhaften und später töten. batäerreich, welches östlich an Peräa grenzt. Nach
Der Tetrarch (Vierfürst) Herodes Antipas ist ein Mk 6,17f prangert der Täufer die zweite, in seinen
Sohn Herodes des Großen aus dessen vierter Ehe Augen nach jüdischem Gesetz nicht erlaubte Ehe
mit Malthake und herrscht 4 vC bis 39 nC über des Herodes mit Herodias an, die zuvor mit dem
Galiläa und Peräa – als Klientelfürst nach der Be- Halbbruder des Antipas verheiratet war – wohl

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welt und umwelt der bibel 3/2021 25
Die Ruinen der prachtvollen Herodes-Festung von Machärus
sind heute noch auf dem Berggipfel zu sehen.

oben © Von hikinginjordan, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=57651216, unten © akg-images/British Library


In der Überlieferung geht der letzte Anlass für die Hinrichtung
des Johannes von der Tochter der Herodias aus, die bei einem
Festmahl vor Herodes tanzt. Benozzo Gozzoli, 1461/62. Na-
tional Gallery of Art, Washington.

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Johannes als radikaler Prophet?

mit Herodes Boethos und nicht mit Philippus (so basileus/König (Mk 6,14.22.25.26.27) tituliert,
Mk 6,17). Die Ehekritik des Täufers gefährdet den aber dieser machtvolle Titel steht ihm nicht zu
Status als Herrscherin und bewirkt daher nach (vgl. Lk 9,7; Mt 14,1; Jos., Bell 2,94). Zudem erin-
Mk 6,19 den Groll der Herodias, die zielstrebig nern der Wortlaut des Eides sowie das Umfeld an
einen gesellschaftlich-politischen Aufstieg und das Esterbuch: König Artaxerxes, ein Weltherr-
Machtzugewinn verfolgt. In der Darstellung des scher, gibt Ester bei einem königlichen Gastmahl
Josephus ist Herodias die treibende Kraft bei der einen Blanko-Scheck – wie auch Herodes. Die
Auflösung ihrer eigenen ersten Ehe sowie der ers- Königsposse zeigt sich so noch stärker ironisiert,
ten Ehe des Antipas. Auch fördert sie bspw. die da Antipas als römischer Klientelfürst nicht die
Bemühungen des Herodes um die Königswürde Macht hat, sein Reich aufzuteilen. Er erweist sich
(Jos., Ant 18,240-256), wobei dieses Machtstre- in seinem Handeln nicht als guter König und guter
ben schließlich im Jahr 39 nC zur Absetzung und Hirte. Das wird im Markusevangelium zusätzlich
Verbannung des Antipas führt. durch die Platzierung der Perikope betont: Auf
Ein aktives Machtstreben zeigt sich auch in das Mahl des Herodes folgt nämlich als Gegenbild
der markinischen Erzählung vom Gastmahl des
Herodes, an dessen Ende der Kopf des Täufers
auf einer tinax/Fleischplatte liegt. Der Tod des Der Täufer bleibt seinem Standpunkt
Täufers wird in Mk 6,17-29 in das Setting eines
herrschaftlichen Gastmahls eingebettet: die Ge- und der Kritik an dem Verhalten der
burtstagsfeier des Machthabers mit den Eliten Mächtigen treu
seines Landes (Verwaltung, Militär, Aristokratie)
– wohl in einem Palast, an einem herrschaftlichen
Ort, bei einem schwelgerischen Festmahl. Dies bzw. Kontrast die Speisung der 5.000 – ein gelin-
fügt sich in das Bild der Herodes-Dynastie, die für gendes Mahl, das nicht in den Tod, sondern zur
ihre ausschweifenden Feiern bekannt ist (Persius, Sättigung, zum Leben führt und Jesus aktiv agie-
Sat 5,180); zudem führt eine gegnerische jüdi- rend als wahren Hirten und somit wahren König
sche Gesandtschaft in Rom als einen Beschwerde- präsentiert. Antipas wird hingegen negativ und
punkt die Verdorbenheit der herodianischen Frau- schwach gezeichnet – auch im Kontrast zum wil-
en und Töchter bei ausartenden Orgien an (Jos., lensstarken Propheten. Der Täufer bleibt seinem
Ant 17,304-309; Bell 1,511). Ausgangspunkt der Standpunkt und der Kritik an dem Verhalten der
Enthauptung des Täufers bei der hellenistischen Mächtigen treu und geht in der Folge aufgrund
Mahlfeier ist der Tanz der Herodias-Tochter vor seiner Lehre (Mk 6,18) sogar in den Tod. Deutlich
den „angeheiterten“ Männern. Die Tochter bleibt ist sowohl bei Josephus als auch bei Markus zu
© Von Kozma János, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7036524

in Mk 6,22 namenlos – nach Jos., Ant 18,136 han- sehen, dass der Täufer mit den Mächtigen in Kon-
delt es sich um Salome. Sexuelle Untertöne legt flikt gerät. Gerade bei Markus wird der Täufer po-
der Text nicht nahe, ob sich allerdings die nicht sitiv und kontrastierend zum Bild der Herrschen-
nüchterne Tischgesellschaft und der Herrscher den gezeigt, womit die Darstellungen auch einen
durch einen sittsamen Tanz begeistern lassen, ist herrschaftskritischen Impetus mit einbringen.
schwerlich anzunehmen. In der ausufernden Wir-
kungsgeschichte der Perikope findet sich mehr- Johannes – machtvoller Rufer
heitlich ein sexualisiertes, erotisch aufgeladenes Werfen wir nochmals einen Blick zurück an den
Bild von Salome als verführerische Femme fatale. Anfang des Markusevangeliums – lassen sich auch
Kopflos lässt sich Antipas durch den Tanz zu hier bereits herrschaftskritische Hinweise ausma-
einem folgenreichen Versprechen hinreißen. In chen? Mit Mk 1,4 betritt der Täufer als Verkün-
der Folge nutzt die Mutter der Tanzenden dies, diger die markinische Bühne. Im Griechischen
um ihr in Mk 6,19 angeführtes Tötungsbegeh- findet sich für „verkünden“ die Vokabel kerusso
ren zu erfüllen und sich den Kopf des Täufers zu (Mk 1,4.7) – ein terminus technicus für die Tätig-
wünschen. Zwar charakterisiert Herodes selbst keit eines kaiserlichen Herolds, der normalerwei-
den Täufer als „gerecht und heilig“ (im Nachhi- se lautstark Nachrichten rund um den Kaiser und
nein spricht er in Mk 6,16 sogar öffentlich von dessen Politik verkündet. Für eine römisch sozia-
der Auferweckung des Täufers), lässt diesen aber lisierte Leserschaft wird hier ein dezidiert politi-
trotzdem töten. Er spricht gegen besseres Wissen scher Hintergrund aktiviert – gerade da bereits in
ein ungerechtes Todesurteil, um sein unbedacht Mk 1,1 mit hyios theou/Sohn eines Gottes (Titel
gegebenes Versprechen zu halten und sein Presti- des Kaisers seit Augustus) und euangelia/Evan-
ge zu wahren. Dabei wird dieser in der Erzählung gelien (kaiserliche Geburtstage, Herrschaftsan-
– beinahe schon penetrant – insgesamt fünfmal als tritte etc.) zwei Termini angeführt werden, die

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Seine Kritik an den in einem römisch-sozialisierten Umfeld auch Machtsystem verstehbar. Der Täufer kündigt
Herrschenden, ganz in in einen herrschaftlichen Kontext verweisen. einen Herrschaftswechsel an und ruft zur meta-
der Tradition alttesta- Dazu passend kann die Täuferverkündigung noia/Umkehr, zu einem radikalen Umdenken
mentlicher Propheten, vom Kommen eines Stärkeren nach ihm gele- auf – ein Umdenken, das von Grund auf erfolgt.
führte zur Hinrichtung
sen werden; der Täufer ist nicht würdig, sich zu Auch politisch ist die Täuferpredigt vom nahen
des Täufers. Das Ge-
bücken und diesem die Riemen der Sandalen zu apokalyptischen Endgericht relevant, da mit
mälde von Caravaggio
zeigt – inspiriert von lösen (Mk 1,7). Für das Ausziehen der Sandalen diesem auch die Entmachtung der Herrschen-
der Legenda aurea haben wohlhabende römische Haushalte so- den impliziert ist. Bei Markus wird diese nicht
– die Anwesenheit gar einen eigenen Sklaven (s. a. Plutarch, Pomp weiter ausgeführt, in der Spruchquelle Q liest
von zwei Frauen bei 73,7). Zudem sind die „Riemen der Sandalen“ man jedoch harsche Worte (Q 3,7-9.16f ): Es
der Hinrichtung, wohl als Statuskennzeichnung lesbar. Hier kommen kommt das Zorngericht mit der Feuertaufe des
Salome und Herodias. einer römisch sozialisierten Leserschaft Sanda- Stärkeren, wobei die Abrahamskindschaft zur
Um 1608, St. John’s len in den Sinn, die durch lange Riemen bis zur Errettung der Kinder Israels beim Gericht (4 Esr
Co-Cathedral, Malta. Schienbeinmitte gebunden werden, woran man 3,15) allein nicht mehr helfen wird. Kompro-
misslos fordert der Täufer ein sofortiges radika-
les Umdenken. Oftmals „überlesen“ wird hier-
Der prophetische Ruf des Täufers ist auch bei jedoch neben der harten Gerichtsprophetie
der Hoffnungsschimmer des Umkehrrufs und
als Kritik an den Herrschenden und an der Taufe – denn ein Umdenken und ein Frucht-
dem politischen Machtsystem verstehbar bringen ermöglichen einen Neuanfang und die
Rettung.
Aus den Texten kann man einen Täufer he-
gerade Kaiser und Senatoren erkennt. Bei der rauslesen, der wohl mit einem enormen prophe-
markinischen Darstellung kann somit ein römi- tischen Selbstbewusstsein auftritt: Er fordert
© public domain

scher Machtkontext herausgelesen werden; der als letzter Prophet zu einem radikalen Umden-
prophetische Ruf des Täufers zu einer Taufe der ken auf. Nach ihm kommt zeitnah der Stärkere,
Umkehr (Mk 1,4) ist auch als Kritik an den Herr- wobei hier an eine richterliche Gestalt im End-
schenden und an dem bestehenden politischen gericht zu denken ist – evtl. auch an Gott selbst.

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Salome präsentiert Herodes
und ihrer Mutter den Kopf des
Täufers während eines Fest-
mahls. Lucas Cranach d. Ä.,
1531. Wadsworth Atheneum
in Hartford, Connecticut.

Das auffällige Erscheinungsbild des Täufers,


seine Lebensweise wie auch seine Worte und
Taten zeichnen ihn mit einer Reihe verschiede-
Theudas –
ner Facetten gerade auch als machtvoll rufen- ein Prophet wie Johannes?
den Propheten. Die Täuferbotschaft zeigt sich
im Neuen Testament ethisch (bspw. Lk 3,10-
14: Forderung nach sozialer Gerechtigkeit)
und besonders apokalyptisch (Q 3,7-9.16f ) Theudas (um 44/45 nC) bezeichnet sich selbst als Propheten – von
ausgerichtet. In christlicher Perspektive ist der Josephus wird er jedoch als goes (Scharlatan/Betrüger) tituliert
Täufer „mehr als ein Prophet“ (Q 7,26), er wird (Jos., Ant 97-99; s. a. Apg 5,36). Theudas und seine Anhängerschaft
als Wegbereiter und Vorläufer Jesu (Mk 1,2f.7f ziehen mit all ihrer Habe an den Fluss Jordan (ein „Exodus“ aus
parr) bzw. als Zeuge Jesu (Joh 1,29-34.36; den bisherigen Lebensverhältnissen!). Dort will Theudas mit einem
3,27-31) dargestellt, auch wenn der histori- Machtwort eine Jordanspaltung vollbringen und so in zeichenhaf-
sche Johannes und seine Jünger dies wohl nicht ter Übereinstimmung mit den Taten von Mose/Josua wirken.
so gesehen haben (Mk 2,18; Apg 18,24f; 19,3: Die Ankündigung solcher Zeichen wird als endzeitliche Heilszusage
Hinweis auf Täuferschüler). verstanden, wobei dadurch das Eingreifen Gottes und somit die Be-
Zwar liest man die Informationen zum Täu- freiung von der römischen Fremdherrschaft herbeigeführt werden
fer in den Schriften mit den jeweils spezifischen soll. Religiöse und politische Hoffnungen vermischen sich hierbei.
„Brillen“ der Schreibenden, doch wird er deut- Aus römischer Perspektive wird dies daher als Missachtung oder
lich erkennbar als Mann des Wortes (Gerichts- sogar als Umsturzversuch der Herrschaft gedeutet. Der Prokurator
prophetie/ethische Botschaft) und auch der Cuspius Fadus entsendet deshalb umgehend eine Reiterabteilung
Tat (Tauftätigkeit) gezeigt. Für die neue Zeit (eine ala: ~500 Mann), die mit Theudas und seiner Anhängerschaft
erscheint Johannes der Täufer als standhafter, kurzen Prozess macht und ein Blutbad anrichtet. Zudem wird als
gewaltfreier, aber machtvoller Rufer, der ein Abschreckung und Warnung an andere jüdische Gruppierungen
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radikales Umdenken, ein Überdenken der Per- Theudas enthauptet und sein Kopf nach Jerusalem gebracht.
spektive und der Haltung, eine Änderung der (Heinz Blatz)
Grundeinstellung und somit das Gehen neuer
Wege von seinem Gegenüber einfordert. W

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welt und umwelt der bibel 3/2021 29
Die Taufe des Johannes im Kontext seiner Zeit

Das Markenzeichen des


Johannes
Die Taufe zur Umkehr gehört zum wesentlichen Kern der Botschaft des Johannes.
Sie ist allerdings keineswegs einzigartig, sondern reiht sich ein in andere Reini-
gungsriten seiner Zeit. Von Markus Öhler

A
llen Zeugnissen über Johannes, die aus darbringen zu dürfen (IG II2 1366). Der Prota-
der antiken Literatur überliefert sind, ist gonist Lucius erzählt in dem Roman Metamor- Prof. Dr. Markus Öhler
gemeinsam, dass sie diesen Mann stets phosen des Apuleius (2. Hälfte 2. Jh. nC), dass leitet das Institut für Neu-
als „Täufer“ (baptistēs) bzw. als „Taufenden“ er vor der Einweihung in die Mysterien der Isis testamentliche Wissen-
(baptizōn) bezeichnen. Die Taufe war sein signa- zuerst ein normales Bad nehmen musste, dann schaft an der Evangelisch-
Theologischen Fakultät
ture move, also jene Handlung, an der man ihn aber auch von dem Priester ringsum mit Wasser
der Universität Wien.
offenbar von anderen religiösen Gestalten un- besprengt wurde (11,23).
Seine Forschungsschwer-
terschied. Das Wort „taufen“, das etymologisch punkte sind u. a. Sozial-
von „tauchen“ herkommt, nimmt die Bedeu- Waschungen im antiken Judentum geschichte des frühen
tung des Griechischen baptizō sehr gut auf: Der Für die Taufe des Johannes waren alttesta- Christentums und antike
Täufer tauchte eine Person in Wasser vollständig mentliche Traditionen und die gelebte Praxis Religionsgeschichte.
unter. Als Ritual hatte dieses Untertauchen eine jüdischer Religiosität bestimmend. Selbst der
symbolische Funktion. Es diente nicht zur Rei- Stoiker Epiktet erwähnt das Eintauchen als ty-
nigung von Schmutz, sondern zur vollständigen pisch jüdischen Brauch (diss. 2,21). Reinheit
Reinigung des Menschen an Körper und Seele. und Unreinheit galten im alten Israel und anti-
ken Judentum als Qualitäten, die über die Kult-
Waschungen in griechischen und fähigkeit entschieden. Hatte sich ein Mensch
römischen Kulten
Religiöse Waschungen mit Wasser waren in
der Antike selbstverständlich und sie sind es
bis heute z. B. im Judentum oder Hinduismus. Reinigung des Lucius vor
Die Vorstellung, dass Reinheit zur Begegnung
mit einer Gottheit nötig ist, teilt die antike der Einweihung in die
QUELLEN
Welt insgesamt. In griechischen und römischen
Kulten spielten Waschungen daher eine wich-
TEXT Mysterien der Göttin Isis:
tige Rolle. Dementsprechend legten Regeln
fest, dass Reinigungsbäder vor dem Betreten
„Und schon verlangte es die Zeit, wie der Priester sagte, dass er mich,
von Heiligtümern zu erfolgen hätten. Damit
umgeben von der Schar der Frommen, zum nächsten Bad führt, und
konnten Verunreinigungen, die mit Tod oder
nachdem ich zunächst ein gewöhnliches Bad genommen hatte, betet
Sexualität zusammenhingen, beseitigt wer-
er um der Götter Gnade und reinigt mich dann völlig, mich ringsum mit
den. In einer Ordnung eines Heiligtums für
Wasser besprengend.“ (Apuleius, Metamorphosen 11,23, Übers. Helm)
Men Tyrannos (Laurion, 2./3. Jh. nC) wurde
z. B. festgelegt, dass man sich „von Kopf bis
Fuß“ waschen müsse, um im Heiligtum Opfer

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Johannes tauft Jesus durch bestimmte Handlungen (z. B. Essen Tauchbades und sein Gebrauch wurde später
am Jordan (allerdings verbotener Speisen, Berührung von Toten) durch die Rabbinen in Mischna und Talmud
hat der Künstler den oder körperliche Phänomene (z. B. Krankheit, festgehalten (Traktat Mikwaot). Die zahlreichen
Jordan mit Bildmotiven Samenfluss, Menstruation) verunreinigt, war Funde von Mikwen in Israel, u. a. in Jerusalem,
vom Rhein verbunden). ein Reinigungsritual vorgeschrieben. Bei man- Massada, Sepphoris und Qumran, zeigen, wie
Im Hintergrund ist die
chen, wie etwa bei Aussatz oder dem Austritt verbreitet diese Praxis war. Sowohl die Texte
Predigt des Täufers zu
von Körperflüssigkeiten, enthielt dies auch ein von Qumran als auch die späteren rabbinischen
sehen. Joachim Patinir,
1510/1520. Kunst- Bad (Lev 14-15). Diese Bestimmungen galten Vorschriften, die bis heute gelten, zeigen fol-
historisches Museum für Priester grundsätzlich beim Betreten des gende Eigenheiten: Tauchbäder wurden immer
Wien. Heiligtums (Lev 16,24; vgl. Ex 30,18-21). Au- wieder durchgeführt. Man tauchte sich selbst
ßerdem wurden auch Kleidung, Häuser oder unter, entweder im privaten Rahmen oder im
andere Gegenstände mittels eines Waschritu- Zusammenhang mit einer Synagoge.
als gereinigt, sodass die Verunreinigung nicht Das Bad hatte die Funktion, die kultische
mehr übertragbar war. Reinheit – den eigentlichen Zustand des Men-
In Palästina wurden dementsprechend zahl- schen – wiederherzustellen. Dies wird auch an
reiche Bäder gefunden, in denen diese Reinigun- den archäologischen Zeugnissen erkennbar: Die
© public domain

gen stattfanden, wenngleich selbstverständlich Stufen, die in das Wasser führen, sind häufig ge-
auch natürliche Gewässer dafür genutzt wur- teilt. Auf einer Seite geht man verunreinigt in
den. Die ältesten dieser Mikwen stammen aus das Becken, auf der anderen steigt man gereinigt
dem 1. Jh. vC. Die Ausgestaltung eines solchen heraus.

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welt und umwelt der bibel 3/2021 31
Rekonstruktions-
zeichnung.

oben: © Von Bahnfrend - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84308849x; unten © Nir Alon/Alamy Live News
Ritualbad in Qumran und Rekonstruktion (oben).

Im Juli 2015 wurde


nahe Ein Karem, dem
Ort, der als Geburtsort
Johannes’ des Täu-
fers verehrt wird, eine
2000 Jahre alte Mikwe
unter dem Boden eines
Hauses entdeckt.

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Der Täufer Johannes – Johannes der Täufer

Reinigungsbäder in Qumran vor Gott bestehen. Opferhandlungen und das


In der sogenannten Sektenregel von Qumran Hoffen auf Gottes Erbarmen reichten nach Mei-
wurde für denjenigen, der der Gemeinschaft nung des Johannes dafür nicht aus. Eine ähnliche
beitreten will, festgelegt, dass er „zur Tora des Aussage findet sich übrigens Ende des 1. Jh. nC
Mose umkehren müsse“. Erst dann dürfe er „ins in einer jüdischen Überarbeitung des 4. Buches
Wasser kommen“ (1QS 5,8-14). Er „wird gerei- der Sybille. Darin wird gefordert, den ganzen
nigt von allen seinen Verschuldungen … sich zu Leib in ewig fließendem Wasser zu reinigen, um
heiligen durch Wasser seiner Reinheit“ (1QS 3,6- Vergebung zu bitten sowie Sühne zu leisten und
12). Umkehr, Sühne und Tauchbad ermögli- so dem Gericht zu entgehen (Sib 4,162-170).
chen, in die Gemeinschaft einzutreten und Gott
anzubeten. Das Reinigungsbad bleibt daher Zeichen der Umkehr
auch den Mitgliedern der Gemeinschaft vorbe- Zum anderen hatte die Taufe des Johannes auch
halten (1QS 2,25-3,6). Auch die Essener, die eine initiatorische Funktion. Der oder die Ge-
Josephus darstellt, kannten solche Tauchbäder taufte trat damit in eine neue Lebensphase ein,
als eine der Voraussetzungen für die Aufnahme die zugleich auch eine Wiederherstellung der
in die Gemeinschaft (Jüdischer Krieg 3,138). ursprünglichen Gottesbeziehung war. „Johan-
Diese Rituale waren auch fortwährend Teil ih- nes predigte die Taufe der metanoia zur Verge-
rer kultischen Versammlungen (3,129). bung der Sünden“, fasst der Evangelist Markus
zusammen (Mk 1,4). Bei Matthäus heißt es noch
Reinigung angesichts des Gerichts deutlicher, dass die Taufe „zur metanoia“ füh-
Johannes gestaltete die bekannte Form der Wa- ren sollte (Mt 3,11). Der Terminus metanoia,
schungen zu einer eschatologischen Zeichen- der dann auch in frühchristlicher Verkündigung
handlung um: Das Reinigungsbad vollzogen eine Rolle spielt, meint hier „Umkehr“, die
Menschen nicht mehr selbst, sondern er, Jo- „Veränderung des Sinnes“ (meta-noia). Auch
hannes, der von Gott gesandte Prophet, tauchte die Qumrangemeinschaft legte Wert darauf,
die Umkehrwilligen öffentlich im Jordan unter. dass mit der Waschung die Einhaltung der Tora
Als der letzte Warner vor dem Anbruch des Ge- verpflichtend war. Für Johannes geschah dies
richtstages Gottes gewährte er die einzige Mög- in pointierter Weise vor dem Horizont des na-
lichkeit zur Rettung. hen Gerichts. Der Täufer forderte daher auch
Die Taufe sollte den Menschen von den „Frucht, die der Umkehr würdig ist“ (Mt 3,8 par.
Sünden reinigen, die ihn für die unmittelbar Lk 3,8). Deshalb ist, auch wenn dies in den Tex-
bevorstehende Begegnung mit Gott ungeeig- ten nicht ausdrücklich gesagt wird, davon aus-
net machen würden. Sie stand aufgrund ihres zugehen, dass das Untertauchen im Jordan ein
endzeitlichen Charakters damit allerdings in einmaliges Ereignis war, im Unterschied zu den
einer gewissen Spannung zum Opferritus am wiederholten Waschungen im zeitgenössischen
Jerusalemer Tempel. Das meinte freilich kei- Judentum. Wer einmal getauft worden war,
ne grundsätzliche Ablehnung von Opfern. Es konnte nicht noch einmal kommen, denn sonst
entsprach vielmehr einer Haltung, die für Pro- wäre seine Umkehr keine Umkehr gewesen.
pheten typisch ist: Sie wirkten immer schon
außerhalb der etablierten Strukturen, weil diese Josephus über die Johannestaufe
Bei dem jüdischen Historiker Josephus findet
sich eine eigenständige Beschreibung der Taufe,
Für die Taufe des Johannes waren alttes- verfasst um 93/94 nC (Antiquitates 18,117):
tamentliche Traditionen und die gelebte „Diesen [sc. Johannes] nämlich tötete Herodes,
obwohl er ein guter Mann war und die Juden
Praxis jüdischer Religiosität bestimmend dazu aufforderte, wenn sie Tugend übten und
Gerechtigkeit gegeneinander und Frömmigkeit
gegenüber Gott, zur Taufe zu kommen. Dann
nicht erreichen konnten, was nach Meinung der werde ihm [sc. Gott] die Taufe angenehm sein,
Gesandten Gottes unbedingt nötig war. Im Fall wenn sie diese nicht als Abbitte für ihre Sünden
von Johannes sah er allein in der Waschung im anwenden, sondern zur Heiligung des Körpers;
Jordan, die er durchführte, die Rettung vor dem denn die Seele sei nämlich schon zuvor durch die
kommenden Gericht. Eine andere Möglichkeit, Gerechtigkeit gereinigt worden.“
der „Taufe mit Feuer“ (Mt 3,11 par. Lk 3,16) zu Für Josephus geschieht die Reinigung nicht
entkommen, sah er nicht. Nur wer sich diesem durch das Ritual des Tauchbades, vielmehr fun-
von ihm vollzogenen Ritual unterzog, konnte giert dieses als Zeichen der schon zuvor geüb-

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welt und umwelt der bibel 3/2021 33
ten Gerechtigkeit. Auch wenn Josephus den
inneren Umkehrprozess in den Vordergrund
rückt, ist hier ebenfalls die ethisch-religiöse
Neuorientierung mit dem Tauchbad verbun-
den. In dieser Beschreibung des Johannes fehlt
allerdings der Aspekt des nahen Gerichts, der
in den Evangelien stark betont wird. Der Grund
für diese Art der Darstellung liegt darin, dass Jo-
sephus einem nichtjüdischen Publikum Johan-
nes als eine Art Lehrer tugendhaften Verhaltens
präsentieren wollte. Die Taufe spielte daher
nur eine zeichenhafte Rolle. Doch wie aus den
Evangelien wird auch aus Josephus deutlich:
Die Taufe des Johannes war mit der Forderung
der Umkehr verbunden. Sie war keine magische
Handlung, die automatisch vor dem Gericht
retten sollte.

Wasserbecken an der Taufstelle Jesu. Die Taufe Jesu


Der Umstand, dass sich Jesus von Nazaret von
Johannes taufen ließ, gehört zu den wenigen
Elementen der Biografie Jesu, die zu Recht in
der Regel für historisch zutreffend gehalten
werden. Jesus wurde damit einerseits mit einer
bedeutenden Gestalt seiner Zeit verbunden,
Wasserrituale der Mandäer doch zeigen die Evangelien andererseits, dass
das Verhältnis zwischen Johannes und Jesus
für die christlichen Autoren ein theologisches
In der antiken Religionsgeschichte waren es die Mandäer, bei denen
Problem darstellte. Das hat unter anderem da-
die Verehrung des Täufers und die Praxis der Waschungen eine
breitere Entfaltung fanden. Zu dieser Gemeinschaft gehören gegen-
wärtig etwa 60.000 Menschen, vor allem im südmesopotamischen
Raum. In ihr spielen Wasserrituale eine wichtige Rolle, was sich u. a. Wer einmal getauft
an der arabischen Fremdbezeichnung „Sabier“ (Täufer) zeigt. Sie worden war, konnte nicht
selbst nennen sich „Nazoräer“, da sie sich an Enthaltungsvorschriften
des Alten Testaments halten (vgl. Num 6). Waschungen finden bei noch einmal kommen,
den Mandäern in Becken statt, die „Jordan“ genannt werden. Sie ze- sonst wäre seine Umkehr
lebrieren sie wöchentlich sowie an Feiertagen, bei Hochzeiten oder
Priesterweihen, aber auch im Fall von Verunreinigungen. Mandäer keine Umkehr gewesen
erwarten von den Waschungen Reinigung, Vergebung der Sünden,
vor allem aber die Verbindung mit der Welt des Lichts: „Lasst den
mit zu tun, dass die Taufe, die Johannes durch-
Jordan frei fließen und tauft euch. Tauft eure Seelen mit der lebendi-
führte, mit Umkehr und Vergebung der Sünden
gen Taufe, die ich euch aus den Lichtwelten gebracht habe, mit der
zusammenhing. Sollte denn Jesus, der Christus
alle Vollkommenen und Gläubigen getauft sind“ (GR I,123). Bei ihrem
und Gottessohn, eine solche Taufe nötig gehabt
Ritual tauchen sich die Gläubigen selbst unter, werden aber auch
haben? Das Markusevangelium legt dies nahe.
durch Priester mit Wasser besprengt. Häufig wird angenommen, dass
Im Matthäusevangelium wird es aber im Grun-
sich die mandäische Religion aus antiken jüdischen Traditionen bzw.
de schon verneint (Mt 3,13-15). Das Lukas­
Täufertraditionen entwickelte. Dafür sprechen u. a. die Bedeutung
evangelium erzählt die Taufszene gar nicht
des Jordan und die prominente Rolle von Johannes, wie sie z. B. im
mehr, sondern konstatiert nur die Tatsache der
„Johannesbuch“ der Mandäer erkennbar wird. Dagegen wird auf die
Taufe (Lk 3,21). Im Evangelium nach Johannes
eindeutige geografische Verankerung in Mesopotamien verwiesen.
© Andrea Krogmann/KNA

erfährt man schließlich gar nicht mehr, dass Je-


Denkbar wäre daher, dass sich diese Religion aus iranischer Kultur
sus getauft worden war.
mit Einflüssen des babylonischen Judentums entwickelte und die
Johannestraditionen erst durch den Kontakt mit dem spätantiken
Jesu Taufen und die christliche Taufe
Christentum hinzukamen. (Markus Öhler)
Im Johannesevangelium findet sich die Bemer-
kung, wonach Jesus selbst getauft hätte (Joh

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Der Täufer Johannes – Johannes der Täufer

3,22-27). Diese Aussage ist so ungewöhnlich, Das Proselytentauchbad


dass sie noch im selben Buch korrigiert wird Die Möglichkeit, sich als Nicht-Jude dem Juden- Lesetipps
(Joh 4,2): Nicht Jesus selbst, sondern seine Jün- tum anzuschließen, hatte im antiken Judentum • Markus Öhler (Hg.),
ger hätten getauft. In der Tat ist wenig wahr- eine lange Tradition. Männliche Konvertiten, Taufe, Themen der
scheinlich, dass Jesus das Ritual des Johannes die „Proselyten“ (Hinzugekommene) genannt Theologie 5, Tübingen
übernommen hat. Abgesehen davon, dass die werden, mussten sich beschneiden lassen. Zu 2012.
anderen Evangelien davon nichts wissen, hät- Konvertitinnen finden sich keinerlei Angaben • David Hellholm (Hg.),
te eine entsprechende Praxis Jesu perfekt als zu einem spezifischen Ritual. Daher wird oft Ablution, Initiation, and
Begründung der christlichen Taufe fungieren angenommen, dass für Frauen das erst in spä- Baptism, BZNW 176,1-3,
können. Als die Christusgläubigen aber selbst terer Literatur belegte Tauchbad üblich war. Berlin/New York 2011.
zu taufen begannen, wurde nie auf das Beispiel Erst der Talmud erwähnt ein solches zusätzlich • Everett Ferguson,
Jesu verwiesen. Auch der Taufbefehl, den Mat- zur Beschneidung, wenngleich es dort noch Baptism in the Early
thäus am Ende seines Evangeliums formuliert umstritten ist, wie nötig es ist (bYev 46a). Die Church, Grand Rapids
(Mt 28,19), weiß nichts davon, dass hier eine Besonderheit des Tauchbades von Konvertiten 2009.
vorösterliche Praxis weitergeführt werden sollte. und Konvertitinnen im Vergleich zu den übli-
Die frühchristliche Taufe war vielmehr das chen Waschungen im Judentum ist lediglich
Ergebnis eines Ritualtransfers, bei dem man- die Einmaligkeit. Von der Johannestaufe un-
che Elemente übernommen oder weggelassen terscheidet es sich u. a. dadurch, dass es keinen
wurden, andere neu hinzukamen. Das geschah Täufer gibt. Zudem ist es nicht ausdrücklich mit
wahrscheinlich schon in den ersten Wochen Sündenvergebung verbunden. Außerdem rich-
nach Ostern, da die Taufe von allen Formen des tete Johannes seine Aufforderung an Juden und
frühen Christentums geteilt wurde. Wie bei Jo- Jüdinnen, während das Proselytentauchbad
hannes taufte man sich nicht selbst und tat dies ausschließlich für Menschen aus den Völkern
nur ein einziges Mal. Die Taufe war ein öffentli- vorgesehen ist. Der Mangel an vorrabbinischen
ches Geschehen gegenüber Gott und den Men- Belegen für das Proselytentauchbad lässt daher
schen. Sie diente wie bei Johannes „zur Verge- darauf schließen, dass es sich erst in späterer Othodoxes Taufritual
bung der Sünden“ (Apg 2,38; vgl. Röm 6,1-11). Zeit als eigenständiger Ritus entwickelte, der in Qasr el Yahud. Die
Der Gerichtsaspekt trat in den Hintergrund, be- mehr und mehr Bedeutung gewann. Mögli- Taufstelle ist bis heute
tont wurde die Verbindung mit der Geistesgabe, cherweise trug dazu auch die hohe Wertung der vor allem für Erwach-
vor allem in der Apostelgeschichte (vgl. auch christlichen Taufe bei. W senentaufen beliebt.
1 Joh 2,20.27). Zentral wurde das Element der
Zugehörigkeit: Der „auf den Namen Jesu“ Ge-
taufte gehört Christus, er ist sein Eigentum. Da-
her spielte in der christlichen Taufe auch die Per-
son des Taufenden keine Rolle mehr (vgl. 1 Kor
1,13-17). Und: Der Getaufte wurde Teil einer
Gemeinschaft, die u. a. dadurch gekennzeichnet
war, dass alle dasselbe Ritual durchlebt hatten.
„In einem Geist sind wir alle zu einem Körper ge-
tauft worden“, schrieb Paulus (1 Kor 12,13).
Die Etablierung einer Gemeinschaft von Ge-
tauften war nicht das Ziel der Johannestaufe,
denn der Täufer erwartete das unmittelbare Ge-
richt. Der Umstand, dass es lange nach seinem
Tod noch „Jünger des Johannes“ gab, ergab sich
aus der besonderen Rolle, die ihm im Wirken
Gottes zugesprochen wurde. Abgesehen von
Jesus, der nach Lk 7,28 Johannes als den größ-
ten Propheten betrachtete, sind hier Apollos
und die Johannesjünger aus der Apostelge-
schichte zu nennen (Apg 18,25; 19,1-7). Die
Überlegung, dass das Johannesevangelium auch
Täuferanhänger ansprechen wollte, hat viel für
© zefart/123rf

sich: Gerade in diesem Evangelium werden so-


wohl Hochschätzung des Johannes wie Überle-
genheit Jesu besonders betont.

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Jesus und Johannes der Täufer. Deesis-Mosaik
in der Hagia Sophia, Istanbul, 14. Jh.

Zum Verhältnis von Johannes dem Täufer und Jesus

„Er muss wachsen,


ich aber geringer werden“
War Jesus ein Schüler des Johannes? Oder hat er eine ganz andere Botschaft
als der Täufer verkündigt? Die Evangelien erzählen von sehr unterschiedlichen
Beziehungen zwischen den beiden Männern. Was ist spätere Interpretation und
was vielleicht historischer Fakt? Von Konrad Huber

36 welt und umwelt der bibel 3/2021


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I
n der christlichen Tradition gilt Johannes der Wüstenprediger so charakteristische Zeichen-
Täufer wie selbstverständlich als jene pro- handlung der Wassertaufe hervorrufen. Die
phetische Gestalt, die das Auftreten Jesu an- älteste Überlieferung der Tauferzählung im
gekündigt und vorbereitet hat und diesen Jesus Markus­evangelium deutet das vielleicht noch
von Nazaret als den endzeitlichen Messias iden- an, wenn sie erzählerisch die visionären Ereig-
tifiziert und bezeugt hat. Die Rolle als Vorläufer, nisse und die Himmelsstimme allein auf Jesu
Wegbereiter und gottgesandter Zeuge Jesu ist Wahrnehmung hin konzentriert. Sie lässt dabei
freilich nur der Endpunkt einer in den neutesta- völlig offen, ob Johannes irgendetwas von all
mentlichen Schriften fassbaren „Deutungskarri- dem Besonderen dieser einen Taufe unter den
ere“ des Johannes. Die Frage nach dem tatsächli- vielen anderen, geschweige denn die Identifi-
chen Verhältnis der beiden zueinander gestaltet zierung Jesu als geliebtem Sohn Gottes durch
sich demgegenüber weit komplexer. die Himmelsstimme mitbekommen hat (Mk
Jesus selbst war offenbar von der außeror- 1,9-11; vgl. auch Lk 3,21-22). Was das Mat-
dentlichen Bedeutung des Täufers und seiner thäusevangelium erweiternd ausführt – ein klä-
Umkehrbewegung überzeugt. Vor seinem eige- rendes Gespräch zwischen Täufer und Täufling
nen öffentlichen Wirken unterzieht er sich der (Mt 3,13-17) –, und vollends dann die Darstel-
Taufe durch Johannes und mehrfach äußert er
sich ausgesprochen positiv über ihn. In seinem
späteren Jüngerkreis finden sich Menschen aus In seiner Verkündigung
dem unmittelbaren Umfeld des Täufers, und in
seiner Verkündigung knüpft Jesus nicht uner-
knüpft Jesus nicht uner-
heblich an die Botschaft des Johannes an. Kon- heblich an die Botschaft
tinuität gegenüber der Täuferbewegung liegt
auch in bestimmten Vollzügen der nachösterli-
des Johannes an
chen Jesusgemeinschaft vor, allem voran in der
christlichen Taufe selbst, und untermauert die lung im Johannesevangelium (Joh 1,6-8.15.19-
Überzeugung, dass Johannes der Täufer letzt- 36; 3,26-36) liest sich demgegenüber als Reak-
lich unaufgebbar an den Anfängen des Chris- tion auf das spätestens für die frühchristliche
tentums steht. Doch eben in dem, was sich als Überlieferung als anstößig empfundene Fak-
historischer Kern zusammenfassend beschrei- tum, dass sich der als Christus und Gottessohn
ben lässt, liegt auch die permanente Herausfor- Verkündete dem Täufer Johannes unterstellt
derung einer angemessenen Verhältnisbestim- und einer Taufe zur Vergebung von Sünden (Mk
mung begründet, wie sie insbesondere in den 1,4) unterzogen hat.
Evangelien ihren Niederschlag findet. Aber musste Johannes diesen Jesus nicht oh-
nehin gekannt und bei der Begegnung am Jor-
Hat der Täufer Jesus gekannt? dan erkannt haben? Immerhin weiß doch das
Was für Jesus unbestritten ist – die Kenntnis Lukasevangelium davon zu berichten, dass die
und die Wertschätzung des Täufers –, bleibt beiden Mütter, Elisabet und Maria, verwandt
umgekehrt offen. Selbst ob Johannes der Täufer waren (Lk 1,36). Der Hinweis auf eine famili-
Jesus überhaupt gekannt und ihn bewusst als äre Verbindung zwischen Johannes und Jesus
Person wahrgenommen hat, ist alles andere als – ob eng oder eher weitläufig, wird nicht präzi-
gesichert und eher fraglich. Zwar vermitteln die siert – bleibt in den Quellen allerdings auf diese
Evangelien vordergründig ein anderes Bild, bei beiläufige Notiz beschränkt. Vielleicht liegt ihr
genauerer Betrachtung verdankt sich das aller- tatsächlich frühe mündliche Überlieferung und
meiste von dem, was verwertbar ist, aber dem historische Kenntnis zugrunde, viel eher aber
christologisch motivierten Darstellungsziel der ist sie der insgesamt für die lukanische Kind-
Prof. Dr. Konrad Huber jeweiligen Texte. heitsgeschichte typischen Tendenz des Evan-
ist Professor für Neu- Eine einmalige persönliche Begegnung der gelisten zur erzählerischen Ausgestaltung zu
es Testament an der beiden gilt als sicher: ihr Zusammentreffen am verdanken.
Katholisch-Theologischen
Jordan im Zuge der Taufe Jesu. Für Jesu Selbst-
Fakultät der Johannes
Gutenberg Universität
verständnis und Sendung stellt seine Taufe Hat Johannes Jesus angekündigt?
Mainz. Forschungsschwer- durch Johannes ein einschneidendes Ereignis Noch umstrittener ist die Frage, wen Johannes
© public domain

punkte: Offenbarung des dar. Für den Täufer freilich reiht sie sich zu- der Täufer als den nach ihm kommenden „Stär-
Johannes; Markusevange- nächst wohl einfach ein in eine breite Welle des keren“ angekündigt und erwartet hat (Mk 1,7-
lium; Erzähltextanalyse; enthusiastischen Zuspruchs, die seine aufrüt- 8 par; Joh 1,26-27). Mit Hilfe gezielter kom-
apokryphe Evangelien. telnde Botschaft und die für den exzentrischen positorischer Einbettung dieser Ankündigung

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welt und umwelt der bibel 3/2021 37
lassen die Evangelien keinen Zweifel an ihrer War Johannes der Lehrer Jesu?
Überzeugung, Johannes habe sich als der Vor- Die Tatsache, dass Jesus zu Johannes an den
läufer Jesu verstanden. Und schon im Verlauf Jordan gekommen ist und sich hat taufen las-
seines Wirkens wird Jesus in der Öffentlich- sen, bringt sein tiefes Einverständnis mit den
keit nicht ohne Grund öfters als Nachfolger des Inhalten der entschiedenen Umkehrbewegung
Täufers und als der von den Toten auferweckte des Täufers zum Ausdruck. Und die Begegnung
Johannes wahrgenommen (Mk 6,14-16; 8,28). mit dem eindrücklichen Wüstenprediger blieb
Das hinter der Botschaft und dem Auftreten mit Sicherheit auch prägend für ihn. An keiner
des Johannes erkennbare Selbstbild eines, ja des Stelle, auch nicht in Joh 3,26, geben die Quellen
entscheidenden Endzeitpropheten nach dem aber ausreichend klar zu erkennen, dass Jesus im
Vorbild des wiederkommenden Propheten Elija Anschluss an seine Taufe – wann immer diese
(Mal 3,1-3.23-24) ebenso wie das leitspruchar- biografisch zu verorten sein mag – bei Johannes
tig eingespielte Schriftwort Jes 40,3 („Eine geblieben und für eine Zeit lang sein Schüler
Dass Jesus und Jo- Stimme ruft, in der Wüste bahnt den Weg des oder gar sein Mitarbeiter gewesen sei.
hannes miteinander HERRN“) lassen am ehesten allerdings an Gott Inhaltliche Nähen in der Verkündigung und
verwandt gewesen selbst und an Gottes endzeitliches Kommen im Wirken Jesu gerade mit Blick auf zentrale
seien, überliefert nur zum Gericht denken. Johannes hat keine wie Themen könnten freilich diesen Eindruck na-
das Lukasevangelium. auch immer geartete messianische Mittlerge- helegen. Auch für Jesus ist die Dringlichkeit der
Auf Gemälden wird stalt im Blick, sondern JHWH selbst, als dessen Sinnesänderung, der Ruf zur Umkehr, Kern-
häufig schon der kleine
Vorläufer und Wegbereiter der Täufer entspre- bestand seiner ermahnenden Unterweisung
Johannes in ein Fell
chend auftritt. Mit Blick auf Christus ist dies für (z. B. Mk 1,15 par). Auch für ihn reicht eine rein
gekleidet. Domenico
Beccafumi, Madonna die frühen Christen zunächst ein Problem. Es äußerliche Berufung auf Abrahamskindschaft
mit Kind und Johannes wird überlieferungsgeschichtlich gelöst, indem und Zugehörigkeit zu Gottes erwähltem Volk
dem Täufer. Gemälde- die von Johannes angekündigte Gestalt mit Je- keineswegs aus (z. B. Mt 8,11-12 par). Auch
galerie Berlin. sus identifiziert wird. Das trägt zu einer weit tie- bei Jesus findet sich, verbunden mit der Über-
fer gehenden Deutungsspitze bei: Nirgendwo zeugung von Gottes ungebrochenem Heilswil-
anders als im Auftreten und Wirken len, wiederholt und in drastischen Bildern der
Jesu von Nazaret – so lässt sich Verweis auf das endzeitliche Gericht (z. B. Mt
im Rückgriff auf das Täufer- 11,21-24 par). Selbst wenn man aus den freilich
wort auch schlussfolgern widersprüchlichen Aussagen von Joh 3,22.26
– ereignet sich anfang- und Joh 4,1-2 schließt, dass Jesus als ehemali-
haft das von Johan- ger Taufassistent zu Anfang seines eigenstän-
nes eigentlich ange- digen Wirkens den Ritus der Taufe auch selbst
kündigte Kommen vollzogen habe, sollte man insgesamt aber die
Gottes. Unterschiede und die von Johannes dem Täufer
Wenn also nicht abweichenden Akzentsetzungen im Auftreten
unmittelbar Bote und in der Botschaft Jesu von Nazaret nicht au-
und Wegbereiter ßer Acht lassen.
in einem heilsge- Ist Johannes der asketische Wüstenprediger,
schichtlichen Sinn, zu dem die Menschen von überallher hinströ-
so steht Johannes men, so tritt Jesus als Wanderprediger vor-
dennoch am Anfang nehmlich in Dörfern und Städten auf, geht von
des Jesusgeschehens sich aus auf die Menschen und insbesondere
und wird bis zum ge- die vermeintlich Verlorenen und Sünder zu
waltsamen Tod (Mk 1,14; und wird nicht zuletzt auch für sein freimüti- © José Luiz Bernardes Ribeiro / CC BY-SA 4.0

6,14-29) zum maßgeblichen ges Mahlhalten bekannt und als „Fresser und
Vorgänger Jesu. Die in der Logien- Weinsäufer“ beschimpft (Lk 7,33-34 par). Liegt
quelle überlieferte, über die Johannes- für den Täufer bei dem auch erkennbaren Blick
jünger an Jesus herangetragene Anfrage des auf das kommende Heil (z. B. Lk 1,17.77) der
Täufers, ob Jesus der ist, „der kommen soll“ Fokus auf dem unmittelbar bevorstehenden
(Lk 7,18-19 par), mag vielleicht ein tastendes Zorngericht Gottes, dem nur mit entsprechend
Erahnen einer darüber hinausgehenden Ver- radikaler Umkehr zu entkommen ist, geht es
bindung beim Täufer selbst erinnern, ist viel- Jesus um den entschiedenen Primat der Heils-
leicht aber auch als ein erster Versuch der Aus- zusage, um die Frohbotschaft der bereits jetzt
richtung seiner Person und seines Wirkens auf definitiv angebrochenen Königsherrschaft
Jesus zu begreifen. Gottes im Sinne eines Geschenks, das sich in

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Zum Verhältnis von Johannes dem Täufer und Jesus

der Haltung der Sinnesänderung eröffnet und Vergleichbare Strategien zur Verhältnis-
be- und ergriffen werden kann. Die Perspekti- bestimmung, die letztlich allesamt auf eine
ve der Endzeitansage erhält im Vergleich mit Unterordnung des Johannes unter Jesus hin-
Johannes gerade in diesem entscheidenden auslaufen, lassen sich auch sonst in den Evan-
Punkt eine dramatische Wende (vgl. z. B. Lk gelien auf literarischer und auf theologischer
13,6-9 mit Mt 3,10). Ebene beobachten. Der Täufer wird dabei ex-
Zwischen Johannes und Jesus einen unüber- plizit in der Rolle des Vorläufers Jesu gezeich-
brückbaren Gegensatz zu konstruieren – Froh- net und als prophetischer Bote vorgestellt, der
botschaft hier und Drohbotschaft dort –, würde direkt auf das Kommen Jesu, des „Stärkeren“,
allerdings deutlich zu weit gehen. Gar von Kon-
kurrenz und einem Bruch zwischen ihnen zu
sprechen, trägt zu viel an ungesicherten Voran-
nahmen und Mutmaßungen in die Quellen und An keiner Stelle geben die Quellen
in das persönliche Verhältnis der beiden „End- ausreichend klar zu erkennen, dass
zeitpropheten“ ein. Von einem wie auch immer
gearteten Lehrer-Schüler-Verhältnis auszuge- Jesus bei Johannes geblieben und sein
hen, kann trotz Anzeichen der Kontinuität im Schüler oder gar sein Mitarbeiter
Letzten wohl nur eine Hypothese bleiben.
gewesen sei
Wie wird Johannes zum Zeugen für
Jesus?
Johannes den Täufer als eigenständige Gestalt verweist. Entsprechende Schriftbezüge (Mk
mit einem ausgesprochen hohen prophetischen 1,2-3; Mt 11,10 etc.) und die Betonung der
Selbstverständnis wahrzunehmen und ihn als Elija-Typologie (Mk 9,11-13 par; Mt 11,14; Lk
entscheidende und unverzichtbare Größe der 1,17 etc.) bringen das ebenso zum Ausdruck
eigenen Anfänge anzuerkennen, birgt für die wie das erzählerische Stilmittel der überbie-
frühchristliche Überlieferung durchaus span- tenden Parallelisierung in der lukanischen
nungsreiche Aspekte und zieht Strategien nach Kindheitsgeschichte (Lk 1-2), die freudige An-
sich, um die Täuferfigur aus ihrer Sicht ange- erkennung der Überordnung Jesu schon vom Literaturhinweise
messen in die nachösterlich geprägte Jesustra- Mutterschoß an (Lk 1,41) oder die im Rah- • Knut Backhaus, Jesus
dition zu integrieren. men der matthäischen Taufszene dem Täufer und Johannes der Täu-
Jesu ureigene Einschätzung des Johannes in den Mund gelegte Beteuerung der eigenen fer, in: Jens Schröter/
trägt das ihrige dazu bei. In eindrücklichen Unterlegenheit und der Notwendigkeit, doch Christine Jacobi (Hg.),
Worten äußert Jesus nämlich die Überzeugung, eigentlich umgekehrt selbst mit der von Jesus Jesus Handbuch, Tü-
Johannes sei nicht einfach ein Prophet, sondern gebrachten Geisttaufe getauft zu werden (Mt bingen 2017, 245-252.
„mehr als ein Prophet“ und „unter den von ei- 3,14-15). • Josef Ernst, Johannes
ner Frau Geborenen“ gäbe es „keinen Größeren Am Höhepunkt dieser Entwicklung steht die der Täufer – der Lehrer
als Johannes“ (Lk 7,24-28). Lässt sich ange- Präsentation Johannes’ des Täufers im Johan- Jesu? (Biblische Bücher
sichts dieser uneingeschränkt wertschätzenden nesevangelium in der Gestalt des von Gott ge- 2), Freiburg i. Br. 1994.
Überzeugung, die wohl nicht überliefert wäre, sandten, exemplarischen Zeugen, der Zeugnis • Ulrich B.Müller, Jo-
würde sie nicht tatsächlich von Jesus stammen, ablegt für das Licht, für das Lamm Gottes, für hannes der Täufer und
das Verhältnis zwischen Johannes und Jesus den präexistenten Christus und Gottessohn: Jesus von Nazaret. Ein
überhaupt noch mit dem Christusglauben der Jesus von Nazaret (Joh 1,6-8.15.19-26). Sein Vergleich, in: Ulrich
nachösterlichen Jesusanhänger in Einklang Zeugnis soll zum Glauben an diesen Jesus füh- B. Müller, Christolo-
bringen? Der Umgang mit diesem Jesuswort ren und zur Nachfolge der ersten Jünger moti- gie und Apokalyptik.
in der weiteren Tradition in Form von kontex- vieren. Mit der bildhaften Selbstbezeichnung Ausgewählte Aufsätze
tueller Einbettung und gezielten Erweiterun- des Täufers als „Freund des Bräutigams“, der an (Arbeiten zur Bibel und
gen zeigt Wege, das latente Dilemma zu lösen: der Seite des „Bräutigams“, an der Seite Jesu, ihrer Geschichte 12),
Mit einem Verweis auf die Schrift, konkret auf steht und dessen Stimme voll Freude hört, lie- Leipzig 2003, 42-58.
Mal 3,1, wird in Lk 7,27 die Rolle des Täufers fert Joh 3,29 einen weiteren Hinweis auf diese • Ludger Schenke, Jesus
relativiert und auf die Funktion des Boten und grundlegende Zuordnung. Das daran anschlie- und Johannes der Täu-
Wegbereiters zugeschnitten und unter Verweis ßende Wort Johannes’ des Täufers erfährt so in fer, in: Ludger Schenke
auf das Reich Gottes wird in Lk 7,28 eine neue, der ganz und gar christologisch ausgerichteten u. a., Jesus von Nazaret
ganz andere Perspektive als maßgebliche Rang- Evangelienüberlieferung selbst seine volle Be- – Spuren und Konturen,
ordnung ergänzend eingetragen: „der Kleinste stätigung: „Er muss wachsen, ich aber geringer Stuttgart 2004, 84-105.
im Reich Gottes ist größer als er“. werden“ (Joh 3,30)! W

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Der Meister und sein Schülerkreis

Gab es eine Täuferbewegung


nach dem Tod des Johannes?
Was ist aus dem Jüngerkreis des Johannes geworden? Wer Antworten auf diese
Frage sucht, wird vor allem in den Texten des Neuen Testaments fündig. Von
Manuel Vogel

D
ie in der Überschrift dieses Beitrages und Varianten unterschiedlichster Gruppen im
gestellte Frage ist eindeutig zu bejahen, breiten Spektrum des antiken Judentums. Der
denn was für Jesus gilt, gilt analog auch Täufer und die frühe Jesusbewegung standen
für seinen Lehrer: Mit dem gewaltsamen Ende also religionsgeschichtlich betrachtet in einem
des Johannes ist die Bewegung, die er angesto- breiten Strom religiöser Lebensäußerungen
ßen hatte, keineswegs an ihr Ende gekommen. und Gruppenbildungen, die in Waschungen Prof. Dr. Manuel Vogel
Dabei sollten wir nicht gegen die Schriften des und Wasserriten ihren alltäglichen und sakra- ist Professor für Neues
Neuen Testaments den Vorwurf erheben, sie len Ausdruck fanden. Täuferkreise und Jesusge- Testament an der Theo-
hätten hier eine falsche Spur gelegt, so als woll- meinden waren nicht die Einzigen, die religiös logischen Fakultät der
Universität Jena.
ten sie uns glauben machen, die Anhänger des motivierte Wasserriten praktizierten.
Seine Forschungsschwer-
Täufers hätten sich nach der Hinrichtung ihres (2) Auch für die nachneutestamentliche Zeit
punkte sind u. a. Antike
Meisters in alle Winde zerstreut und seien ver- ist bis in die Spätantike hinein mit nicht weni- Religionsgeschichte,
schreckt auseinandergestoben. Wenn wir das gen Gruppen zu rechnen, die über so etwas wie Hellenistisches Judentum
so sehen, dann verdankt sich das allein unseren eine „Tauftheologie“ verfügten. Dies nötigt uns und Flavius Josephus.
Lesegewohnheiten und Vorannahmen, die sich im Blick auf die Frage, ob die (meist sehr mage-
in vielen Jahrhunderten im Langzeitgedächtnis ren) Textzeugnisse antiker und spätantiker Täu-
des Christentums angereichert haben. Exegese fergruppen in direkter historischer Kontinuität
ist das Unternehmen, sich dieser Vorannahmen zur Bewegung Johannes’ des Täufers stehen, zu
wenigstens versuchsweise zu entledigen und die großer Zurückhaltung. Meist lässt sich ein sol-
Texte neu zu lesen. cher Zusammenhang zwar nicht widerlegen,
aber eben auch nicht zufriedenstellend erwei-
Das religionsgeschichtliche Umfeld sen.
Zu Beginn ist dreierlei vorauszuschicken: (1)
Wasser spielt als Medium wie auch als Meta-
pher für Reinigung und Reinsein im Judentum Wenn wir nach Spuren von Anhängern
schon in vorchristlicher Zeit eine wichtige Rol- des Täufers suchen, bieten die neutes-
le. In mannigfachen Abschattungen und moti-
vischen Kombinationen waren Waschungen tamentlichen Texte reichhaltigen Stoff
des Körpers aus (wie wir heute sagen würden)
hygienischen Gründen und Wasserriten, die (3) Die antiken und spätantiken Strömungen,
eine Erneuerung der Gottesbeziehung rituell Gruppen und Bewegungen haben es im Kom-
zum Ausdruck bringen sollten, Teil jüdischer binieren unterschiedlichster religiöser Sinnele-
Lebensgestaltung. Beide Aspekte, hygienische mente zu einer wahren Meisterschaft gebracht.
Waschungen und symbolische Tauchbäder, Die religionsgeschichtliche Analyse findet oft
begegnen in der christlichen Frühzeit immer in ein und demselben Text oder Textkorpus Jü-
schon miteinander in zahlreichen Nuancen disches, Christliches, Gnostisches, Zoroastri-

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welt und umwelt der bibel 3/2021
sches, Griechisches, Orientalisches, Iranisches nicht gesagt sein, dass es sich nicht lohnt, solche Immer wieder kommt
und dergleichen mehr. Das Zurückverfolgen Fragen zu stellen. Aber die Frage nach dem Fort- es zum Kontakt zwi-
späterer Täufergruppen auf einen möglichen bestehen der Täuferbewegung ist damit über- schen Johannes und
Ursprung bei Johannes wird damit nochmals fordert, auch deshalb, weil im Laufe der Jahr- seinen Jüngern und
dem Jüngerkreis Jesu.
schwieriger, denn es ist ja möglich, dass solche zehnte und Jahrhunderte damit zu rechnen ist,
Kirche Johannes des
Gruppen im Laufe von Generationen so reich- dass Johannes mehr und mehr zur literarischen
Täufers am Jordan (Al-
© CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=439213

haltig religionsgeschichtlich heterogenes Tradi- Figur geworden ist, seine Erwähnung also je Maghtas).
tionsgut in ihre Gottesverehrung und Weltauf- länger, desto weniger den Schluss auf Anhänger
fassung integriert haben, dass ihr historischer des Täufers in der Entstehungszeit des jeweili-
Ursprung kaum mehr zu erkennen ist. Das gilt gen Textes zulässt.
auch für Texte, in denen Taufgruppen gegen
andere Gruppen polemisieren oder in denen Täuferjünger im Neuen Testament
umgekehrt Gruppen wegen ihrer Taufpraxis Wir sind aber, um für unser Thema fündig zu
abgelehnt und bekämpft werden. Hier ist näm- werden, nicht auf apokryphe Quellen angewie-
lich oft gar nicht genau zu sagen, wer eigentlich sen. Wenn wir nach Spuren von Anhängern des
aus welchen Gründen wogegen und gegen wen Täufers suchen, d. h. nach Kreisen seiner Schü-
polemisiert: Gnostische Taufsekten gegen die ler über seinen Tod hinaus, bieten bereits die
sich formierende Mehrheitskirche? Jüdische neutestamentlichen Texte reichhaltigen Stoff.
Gruppen gegen christliche? „Judenchristli- Dabei lesen wir auch die neutestamentlichen
che“ Kreise gegen rituell indifferente „Heiden- Texte nicht im Maßstab 1:1 wie eine historische
christen“? Eine rein geistige Auffassung von Dokumentation, aber auch nicht als bloßes lite-
Erlösung gegen eine ritualistische Aufwertung rarisches Spiel. Vielmehr sind die Extreme „his-
von Leiblichkeit? Religiöser Ernst gegen einen torischer Bericht“ und „literarische Fiktion“ für
wohlfeilen sakramentalen Betrieb? Damit soll die frühen Texte im Sinne eines reflektierten

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welt und umwelt der bibel 3/2021 41
Grobdaten

Begriffs von Erinnerung aufzulösen: Das His- sondern eigentlich gar nicht zu erwarten, denn Blick auf die St.
torische wird erinnert, weil und insoweit es in erfahrungsgemäß standen und stehen Grup- Johanneskirche an der
der Gegenwart etwas zum Klingen bringt. Tra- pen, die viel miteinander gemeinsam haben, Taufstelle am Jordan.
dition wird im Medium der Erinnerung aktuali- soziologisch gesprochen unter einem erhöhten
siert im Blick auf Gegenwärtiges, das nach einer Distinktionsdruck. Für die eigene Gruppen-​
Deutung mithilfe von Tradition verlangt. Die identität, die sich stets nicht nur durch Zu-
Tradition wird dabei genauso von der Gegen- sammenhalt nach innen, sondern auch durch
wart überblendet, wie umgekehrt die Gegen- Abgrenzung nach außen definiert, muss zum
wart im Licht der Vergangenheit erscheint. Eine eigenen Vorteil auf qualitative Unterschiede
scharfe Trennung zwischen historischem Kern zur Nachbargruppe verwiesen werden, um die
und späterer Zutat erübrigt sich dann meistens eigene Gruppenidentität zu stabilisieren. Die
zugunsten einer gegenseitigen Transparenz von frühen Jesusgemeinden hätten so gesehen allen
Gegenwart und Vergangenheit in der erinner- Grund gehabt, koexistierende Täuferkreise di-
ten Tradition. rekt anzugreifen und abzuwerten.
Für die Täuferjünger aus den Evangelien und Dass es solche Kreise in den Jahrzehnten der
der Apostelgeschichte heißt das: Sie sind inte- Abfassung der Evangelien und der Apostelge-
ressant nicht nur als Begleitende des Johannes schichte gegeben hat und dass frühchristlich
in den Erdentagen Jesu, sondern auch und vor augenscheinlich ein großes Interesse an einer
allem als eine Gruppe, die die frühen Jesusge- wertschätzenden und friedlichen Koexistenz
meinden noch lange nach Ostern beschäftigt bestand, legt die lukanische Erzählung von der
hat, bündig gesagt als eine Bewegung parallel zur Begegnung des Paulus mit den sogenannten
frühen Jesusbewegung. Die Evangelien erzählen „Täuferjüngern von Ephesus“ in Apg 19,1-7
von ihnen und ihrem Meister, weil sie damit nahe. Paulus fragt sie nach dem Geistempfang
auch ein Gespräch führen mit Täufergruppen in zum Zeitpunkt, da sie „gläubig geworden“
den Jahren und Jahrzehnten ihrer Entstehungs- sind. Es stellt sich heraus, dass sie bisher nichts
zeit, und das heißt (ein spätdatiertes Johannes- wussten vom heiligen Geist und auch nicht
© vvoennyy / 123rf

evangelium eingerechnet) bis zum Beginn des von der Taufe auf den Namen Jesu. Überaus
2. Jh. Was nun an diesem Gespräch auffällt, ist bemerkenswert ist nun, dass der Verfasser der
dies, dass es ausgesucht freundlich geführt wur- Apostelgeschichte gleichwohl davon spricht,
de. Das ist nicht nur nicht selbstverständlich, dass diese Leute „gläubig geworden“ sind, d. h.

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Der Meister und seine Schüler

er lässt ihren Glauben gelten, obwohl sie bisher Jüngerinnen und Jünger?
nur die Johannestaufe kennen. Lukas betreibt Dass übrigens unter diesen Menschen auch
hier eine gezielte Weichzeichnung zwischen Frauen waren, ist kaum anders denkbar. Die
Täuferkreisen und Jesusgemeinden. Er will er- Täuferbewegung war (wie die frühe Jesusbewe-
reichen, dass diese Täufergruppen als Gläubige gung) selbstredend auch weiblich. Eine andere
anerkannt werden, obwohl ihnen nach seiner Frage ist, ob sich auch Frauen der Johannestaufe
eigenen Auffassung Entscheidendes fehlt. Dass unterzogen haben. Hier darf Mk 1,15 als inklu-
dieses Fehlende gleich im Anschluss nachge- sive Formulierung gelesen werden: „Das gan-
tragen wird (Taufe auf Jesus und Geistempfang ze judäische Land und die gesamte Jerusalemer
durch Handauflegung) ist unbenommen, aber
der Ton ist nicht drohend, sondern einladend.
Wir wissen aus der Apostelgeschichte, dass Lu- Lukas betreibt eine gezielte Weichzeich-
kas auch ganz andere Töne anschlagen konnte, nung zwischen Täuferkreisen und Jesus-
etwa bei Simon (8,9-24) oder den Söhnen des
Skeuas (19,13-16). gemeinde
Jesus und Johannes: Gefährten in der Stadtbevölkerung“ seien zu Johannes an den
Verfolgung Jordan gekommen. Also: Ja, Johannes hat auch
Die in Apg 19,1-7 erzählte Begegnung zwi- Frauen getauft.
schen Paulus und den Johannesjüngern steht Aber hat es auch Frauen im Gefolge des irdi-
für einen ausgeprägten frühchristlichen Res- schen Täufers gegeben? Möglicherweise hilft
pekt gegenüber zeitgenössischen Täufergrup- ein Analogieschluss: Im Umfeld Jesu finden wir
pen. Wie könnte dieser Respekt zu erklären wiederholt Frauen, etwa die in Mk 15,41 na-
sein? Eine Antwort lautet: Jesus und der Täufer mentlich Genannten, „die ihm nachgefolgt wa-
waren Gefährten in der Verfolgung, bis hin zu ren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hat-
ihrem gewaltsamen Tod. Die Verfasser der sy- ten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf
noptischen Evangelien erzählen vom gewaltsa- nach Jerusalem gegangen waren“. Auch scheint
men Ende des Täufers, weil sie ihn als Märtyrer es sich so zu verhalten, dass die aus ihren sozi-
anerkennen und weil sie innerhalb der frühen alen Bezügen feierlich herausgerufenen engs-
Jesusbewegung sein Ansehen als Prophet stär- ten Vertrauten Jesu durchaus Kontakt zu ihrem
ken wollen, der sich in der Konfrontation mit familiären Umfeld hielten und im überschau-
den Mächtigen als wahrer Prophet erwiesen bar großen Galiläa nicht einfach „aus der Welt
hat. Der Respekt vor dem Meister zog den Re- waren“. Anders ist schwerlich zu erklären, dass
spekt gegenüber den Schülern nach sich. Viel- wir in Mk 2,29-31 die Brüder Petrus und An-
leicht hat es sich umgekehrt auch so verhalten: dreas in ihrem eigenen Haus antreffen und dort
In Täuferkreisen hatte man von Jesus eine hohe der Schwiegermutter des Petrus begegnen, von
Meinung, weil auch er sich den Mächtigen nicht der es ebenfalls heißt, sie habe Jesus und sei-
gebeugt hatte und ihnen zum Opfer gefallen nen Begleitern „gedient“. Es gab anscheinend
war. Ob man an ihn „glaubte“ wie dessen eigene
Nachfolger, das war eine andere Frage, aber of-
fenbar eine, die man entscheiden konnte, ohne
die Fronten wechseln oder sich überhaupt zwi- Hinweise auf Johannesjünger
schen verhärteten Fronten bewegen zu müssen.
Der Lehrer Johannes und sein Schüler Jesus wa- • Die Jünger des Johannes fasten wie die Phariäser, doch nicht
ren Gefährten in der Verfolgung, auch wenn der die Jünger Jesu: Mk 2,18-20; Mt 9,14-15; Lk 5,33-35
Schüler alsbald eigene Wege gegangen ist. Und • Der gefangene Johannes schickt seine Jünger zu Jesus: Lk 7,18-
wenn der gewaltsame Tod des Täufers gewis- 23; Mt 11,2-6
sermaßen das Siegel auf sein Prophetenamt und • Johannes lehrt seinen Jüngerkreis beten: Lk 11,1
der Beweis für die Vertrauenswürdigkeit seiner • Die Johannesjünger legen den hingerichteten Täufer in ein
Botschaft war, ist es auch nicht verwunderlich, Grab: Mk 6,29; Mt 14,12
dass sich die Anhänger des Täufers nach seinem • Zwei Jünger des Johannes werden Jünger Jesu: Joh 1,35-37
Tod nicht zerstreut haben. Die kurze Notiz von • Streit zwischen den Johannesjüngern und einem Juden über die
der Bestattung des Johannes durch seine Schü- Taufe: Joh 3,25
ler in Mk 6,29 ist sprechend, denn wo ein Grab • Hinweise auf die „Johannestaufe“ auch nach dem Tod des Täu-
ist, da gibt es ein ehrendes Gedenken und Men- fers in Ephesus: Apg 18,24-28; 19,1-7 .
schen, die dieses Gedenken pflegen.

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welt und umwelt der bibel 3/2021 43
unterschiedliche Formen und Gestaltungen an Jesus glauben. ohne aufzuhören, ein Anhänger Predigt Johannes‘ des
der Jesusnachfolge von einem Kreis ständiger des Täufers zu sein. Die in Mk 6 gelegte merk- Täufers. Pieter Brueghel
Begleiter bis hin zu Sympathisantinnen und würdige Spur wäre dann neben Apg 19,1-7 ein der Ältere, 1615, Alte
Sympathisanten, die sporadisch unterstützend zweites Indiz für eine frühchristliche Religions- Pinakothek München.
tätig waren, ein breites Spektrum mit einem diplomatie, die sich von nahestehenden Grup-
namhaften Anteil an Frauen. Dass dieses Mo- pen nicht distanzierte, sondern im Gegenteil
dell auch auf das Wirken des irdischen Täufers darauf bedacht war, dass die Verbindung nicht
anwendbar ist, kann nicht bewiesen werden, abreißt und die Übergänge fließend bleiben.
aber es gibt hierfür doch eine hinreichend große
Wahrscheinlichkeit. Johannes und der „Stärkere nach ihm“
Kaum zu bestreiten ist, dass die Vorläuferrolle,
„Johannes, den ich habe enthaupten die die Evangelien Johannes zuschreiben, für
lassen, der ist auferweckt worden“ Johannes selbst gar nicht infrage gestellt wurde.
Sind Jesus und Johannes ein und dieselbe Per- Wenn wir von Johannes als einer historischen
son? Die Frage klingt abstrus, ist es aber nicht. Figur etwas mit hinreichender Wahrscheinlich-
Denn im Umfeld des Täufers gab es Leute, die keit wissen können, dann dies, dass er mit ei-
genau das geglaubt haben. Mk 6,14 notiert, un- nem nach ihm Kommenden gerechnet hat, dass
ter den Leuten habe das Gerücht die Runde ge- er tatsächlich Wegbereiter für etwas Größeres
macht, Jesus sei in Wahrheit der von den Toten war, auf das er die Menschen lediglich vorberei-
auferweckte Täufer. Bemerkenswert ist, dass tete. Und wenn die Forschung nicht klar sagen
Herodes Antipas diese Meinung ausdrücklich
bekräftigt (6,16), d. h. der Markusevangelist er-
zählt sie gleich zweimal, und noch bemerkens- Gegen den Täufer oder seine Anhänger
werter ist, dass er sie unwidersprochen lässt. wird im Neuen Testament nirgends offen
Er bestätigt sie zwar nicht, stellt sie aber auch
nicht als Unsinn dar. Hatte er möglicherwei- oder verdeckt polemisiert
se ein Interesse daran, dass Leute Jesus für den
auferweckten Täufer hielten? Dass sie glaubten: kann, mit wem Johannes genau rechnete – mit
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Jesus lebt das Leben des Täufers weiter? Es gibt Gott selbst? Mit dem Menschensohn als end-
gute Gründe, anzunehmen, dass der Verfasser zeitlichem Richter? –, dann ja möglicherweise
des Markusevangeliums hieran tatsächlich in- deshalb, weil er selbst dies auch nicht genau
teressiert war. Wer nämlich so dachte, konnte wusste. Die den neutestamentlichen Texten

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Der Meister und seine Schüler

stereotyp vorgeworfene „Vereinnahmung“ des neutestamentlichen Evangelien noch steigern,


Johannes als Vorläufer Jesu bezieht sich jeden- etwa in der Vita Ioannis Baptista, die aus dem
falls nicht auf seine Vorläuferrolle, sondern auf koptischen Christentum gegen Ende des 4. Jh.
sein Verhältnis zu Jesus. Und man kann doch stammt. In Ausgestaltung der lukanischen Par-
schwerlich bestreiten, dass der Gang der Din- allelisierung der Kindheitsgeschichten Jesu und
ge für die unmittelbar Beteiligten eine gewisse des Täufers (Lk 1-2) muss nun auch der Knabe
Plausibilität in Richtung Jesus haben musste: Johannes vor Herodes dem Großen fliehen (6).
Johannes wird eingekerkert und hingerichtet, Als seine Mutter Elisabeth stirbt, trauern Jesus Syzygienspekulation
und Jesus tritt in aufsehenerregender Weise in und seine Mutter Maria sieben Tage lang zusam- Nach der gnostischen
die Fußstapfen des Johannes und überbietet ihn men mit Johannes (14). Maria hat Mitleid mit Jo- Lehre der Valentinianer
durch Wunder und Exorzismen. hannes, weil er nun allein in der Wüste zurück- sind Syzygien Paare von
Wichtig ist hier v. a. die Szene in Mt 11,2-6 bleiben muss, wohin er mit Elisabeth geflohen zueinandergehörenden,
als ein Stück erinnerter Tradition: Die Johan- war. Jesus versichert Maria, dass er Johannes mit komplementären Wesen,
männlich-weiblich oder
nesjünger der Erzählung – ihr Meister ist bereits Hilfe von Engeln schützen wird „denn ich liebe
das Wesen und sein
abwesend und kann nur noch durch seine Schü- ihn mehr als die ganz Welt“ (15). Elisabeth wird
Schatten.
ler kommunizieren – sind transparent für die von Jesus seliggepriesen, „denn sie war mit mei-
Täufergruppen aus der Zeit des Matthäusevan- nem Geliebten schwanger“ (16). Und von Johan-
geliums: „Bist du es, der da kommen soll?“ (Mt nes heißt es: „[E]r fastete viel in der Erwartung
11,3). Wahrscheinlich gab es hier christlich viel der Erlösung Israels“ (17). Israel wird, prophezeit
weniger zu „vereinnahmen“, als die Forschung Johannes, wegen der Untaten des korrupten He-
üblicherweise annimmt. So ist etwa die Auffas- rodes Antipas zerstreut werden (23). Von jüdi-
sung von Johannes als dem leidenden Elija (Mk schem Unglauben oder Christusmord verlautet
9,13) keine christliche Überzeugung, sondern also nichts. An die Stelle christlicher Judenfeind-
bereits eine täuferische. Wie Joh 1,21 erkennen schaft tritt Elitenkritik. Ist es Zufall, dass in die-
lässt, haben die Anhänger des Johannes in ih- ser Schrift, die den Täufer so in Ehren hält, kein
rem Meister den in Mal 3,23 verheißenen end- Wort gegen Israel bzw. „die Juden“ laut wird?
zeitlichen Elija gesehen. Wollten sie dies nach Heftige Polemik gegen Johannes den Täufer
seinem gewaltsamen Tod nicht zurücknehmen, findet sich dagegen in den älteren Schichten des
ergab sich die Idee von einem leidenden Elija Klemensromans, die um die Wende zum 3. Jh.
praktisch von selbst und nicht erst als christli- entstanden sein dürften. Hier erscheint Johan-
che Denknotwendigkeit, dem leidenden Mes- nes im Rahmen gnostischer Syzygienspekulati-
sias einen leidenden Vorläufer-Elija beizuge- on als „böser Zwilling“ Jesu in einer Reihe von
sellen. Die Dinge passten möglicherweise ohne paarweise auftretenden Propheten und Irrleh-
Gewalt viel besser zusammen als gemeinhin rern. Die Johannestaufe wird nun zur Unheils- Lesetipps
angenommen. taufe, auf die überdies alle wichtigen jüdischen • Jürgen Wehnert, Tauf-
Insgesamt gilt: Gegen den Täufer oder seine Richtungen (Sadduzäer, Pharisäer, Schriftge- vorstellungen in den
Anhänger wird im Neuen Testament nirgends lehrte, Samaritaner) zurückgeführt werden. Die Pseudoklementinen, in:
offen oder verdeckt polemisiert. Dass zwischen Kreise, die hinter diesen Stoffen zu vermuten David Hellholm et al.
dem Täufer und Jesus einmal eine regelrechte sind, hatten ihrerseits eine ausgeprägte Tauf- (Hg.), Ablution, Initia-
Religionsgrenze verlaufen würde, nämlich die- theologie. Das Bild bleibt undeutlich: Einiges tion, and Baptism, Bd.
jenige zwischen Judentum und Christentum, klingt nach konservativer jüdischer (und zu- II (BZNW 176/II), Berlin
lag in neutestamentlicher Zeit ohnehin jenseits gleich jesusgläubiger) Torafrömmigkeit, etwa 2011, 1071-1114.
des Vorstellbaren. Und für uns Heutige gilt: wenn Mose in der Reihe der „guten Zwillinge“ • Vita Iohannis Baptista:
Johannes und Jesus halten miteinander diese erscheint. Aber in der breiten Ablehnung des Ju- Text ist zugänglich bei
Grenze offen. dentums in allen seinen Richtungen mit Johan- Maria Josua/Friede-
nes als ihrem Exponenten machen sich bereits mann Eißler, B V.5.7.
Täufergruppen in Quellen des starke gnostische Anteile bemerkbar. Deutlich Der Auszug aus dem
3. und 4. Jh. wird jedenfalls, dass an der Ablehnung des Jo- Leben des Johannes
Abschließend werfen wir noch einen kurzen hannes die Bereitschaft (von wem auch immer), des Täufers, in: Chris-
Blick in Quellen aus späterer Zeit und betreten sich mit dem Judentum zu überwerfen, förm- toph Markschies/Jens
damit, wie eingangs skizziert, ein religionsge- lich ablesbar ist. Ist aber der Täufer in dieser Wei- Schröter (Hg.), Antike
schichtlich recht unübersichtliches Terrain. Erst se Gradmesser für eine wachsende Distanz zum christliche Apokryphen
hier finden wir Texte, die den Täufer massiv an- Judentum, ist die Freundlichkeit, die ihm in den in deutscher Überset-
feinden und seine Taufe kritisieren. Daneben Evangelien des Neuen Testaments widerfährt, zung, Bd. I.2, Tübingen
stehen aber auch Quellen, die die sympathische Erweis für ein ungebrochen jüdisches Selbstver- 2012, 1013-1029.
Zeichnung des Johannes im Vergleich mit den ständnis in der frühen Jesusbewegung. W

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Ein Blick auf Elisabet und Salome

Zwei Frauen - zwei Welten

D
ie meisten Darstellungen zeigen Johan- den, die nach Überlieferung der Evangelien ihre Links: Schützend legt
nes im Kreis von Männern – doch unter Macht auch missbrauchen – und daher in den Fo- Elisabet die Hand auf
denjenigen, die zu ihm an den Jordan kus der johanneischen Predigt geraten. die Schulter ihres Soh-
nes Johannes, während
strömten, waren sicher auch Frauen. Und auch zu Die Evangelien überliefern von dieser Frau kei-
sich dieser dem kleinen
seinem Jüngerkreis haben wohl Frauen gezählt nen Namen und nennen sie nur „die Tochter der
Jesus zuneigt. Pedro
(vgl. Artikel M. Vogel S. 43). Zwei Frauen aus dem Herodias“ (Mt 14,6; Mk 6,22). Zu ihrem Namen Sa- Atanasio Bocanegra,
Leben des Täufers sind besser überliefert. Sie lome kommt sie durch eine Notiz in den „Jüdischen Ende 17. Jh., Museo
stehen am Anfang und am Ende seines Lebens Altertümern“ des Flavius Josephus, der die Tochter del Prado, Madrid.
und könnten gegensätzlicher kaum sein. Es sind der Herodias namentlich erwähnt.
seine Mutter Elisabet und Salome aus dem Herr- Wenn dies zutrifft, lässt sich Salome historisch Rechts: Verführerisch
scherhaus des Herodes, die den Tod des Täufers fassen. Vermutlich lebte sie von ca. 10 nC bis 64 gekleidet zeigt Salome
herbeiführen sollte. Beide Frauen symbolisieren nC und war die Tochter des Herodes Boethos und den Kopf des Täu-
zugleich die beiden Welten, in denen sich der der Herodias. Ihre Mutter heiratete in zweiter Ehe fers. Gustave Moreau,
Prophet bewegte. den Halbbruder ihres Mannes, Herodes Antipas. 1885-1890, Privat-
sammlung.
Salome selbst war wie ihre Mutter zweimal ver-
Die Frau aus den Töchtern Aarons heiratet, zunächst mit dem Tetrarchen Philippus
Wie Johannes wird auch seine Mutter Elisabet († 34 nC), einem Sohn Herodes‘ des Großen. Nach
ganz in der Tradition des Alten Testaments ge- dessen Tod heiratete sie Aristobul, einen Bruder
zeichnet. Nicht nur ihr Mann kommt aus einem ihrer Mutter (Ant. 18,136f.), der später König von
Priestergeschlecht, auch von ihr heißt es, dass sie Kleinarmenien wurde. Ab 64 nC verschwinden
– wörtlich – „von den Töchtern Aarons“ abstamme ihre historischen Spuren.
(Lk 1,5), einem Priestergeschlecht. Als kinderlose Umso mehr hat sie die Fantasie angeregt. Im
ältere Frau, die erst durch das Eingreifen Gottes Verlauf der Rezeptionsgeschichte werden die
schwanger wird und dann einen bedeutenden unterschiedlichsten Motive für den Wunsch der
Sohn für das Volk Israel zur Welt bringt, steht Eli- Salome nach dem Haupt des Täufers – und da-
sabet in einer Reihe mit Sara (Gen 17) und Hanna, mit verschiedenste Gründe für die Hinrichtung
der Mutter Samuels (1 Sam 1). des Johannes – genannt: Nach den Evangelien
ist die prophetische Kritik des Johannes Schuld
Die Frau in der Welt der Mächtigen daran, dass Herodias seinen Tod wünscht, nach
Während Elisabet in die Überlieferung des Volkes Flavius Josephus fürchtet Herodes einen Aufstand
Israel eingebunden ist und bewusst als Tochter aufgrund der Predigt des Täufers (Ant. 18,109-
beide © public domain

ihres Volkes und des Glaubens an den einen Gott 119). In neuerer Zeit erscheint Salome als Frau,
geschildert wird, symbolisiert die Frau, die für den die den Tod des Täufers will, weil er ihre Liebe
Tod des Johannes verantwortlich gemacht wird zurückwies. Dazu passt, dass die Darstellung der
oder die Hinrichtung zumindest auslöst, die Ge- Salome in der darstellenden Kunst immer stärker
genwelt: Sie stammt aus der Welt der Herrschen- sexualisiert wird. W (Barbara Leicht)

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Büchertipps

Jüdischer Prophet die neutestamentliche Wissenschaft 53). Matthias Apel, Der Anfang in der Wüste –
und Wegbereiter De Gruyter 1989. 426 S. , Täufer, Taufe und Versuchung Jesu.
Jesu ISBN 978-3-11-011707-3, EUR 169,95. Eine traditionsgeschichtliche Untersu-
Umfassende Dar- chung zu den Überlieferungen vom An-
stellung des Täufers fang des Evangeliums. (SBB 72). Verlag
und der biblischen Der Tod Johannes’ Katholisches Bibelwerk 2013. 318 S.,
Grundlagen. Ein Buch, des Täufers ISBN 978-3-460-00721-5, EUR 48,- .
das nicht nur breit Der Theologe Michael
informiert, sondern auch gut zu lesen ist. Hartmann untersucht
Es nimmt auch die jahrhundertelange den Tod des Täufers
Wirkungsgeschichte dieser biblischen aus den unterschied- Zum Weiterlesen:
Person in den Blick, die sich nicht nur lichsten Perspektiven.
in der christlichen Heiligenverehrung, Für alle, die sich aus-
führlicher mit den Umständen rund um Herodes. Grausam
sondern auch in Kunst und Literatur
die Hinrichtung des Johannes beschäfti- und genial.
zeigt. Leider nur noch antiquarisch
gen wollen. (Welt und Umwelt
erhältlich.
Michael Hartmann, Der Tod Johan- der Bibel 4/2013).
Ulrich Müller: Johannes der Täufer.
nes’ des Täufers. Eine exegetische und Katholisches
Jüdischer Prophet und Wegbereiter Jesu.
rezeptionsgeschichtliche Studie auf dem Bibelwerk e. V.
(Biblische Gestalten, Bd. 6). Evangelische
Hintergrund narrativer, intertextueller 2013. ISBN 978-3-
Verlagsanstalt 2002. 232 S.,
und kulturanthropologischer Zugänge. 944766-41-6,
ISBN 978-3-374-01993-9.
(SBB 45). Verlag Katholisches Bibelwerk EUR 9,80.
2001. 399 S.,
Bibel heute: ISBN 978-3-460-00451-1, EUR 45,90.
Elija – Prophet aus
Johannes der
Leidenschaft.
Täufer
Die Essener, Qum- (Bibel heute
Gut verständlich
ran, Johannes der 4/2017).
steht hier die bibli-
Täufer und Jesus Katholisches
sche Überlieferung
Auf der Grundlage von Bibelwerk e. V.
im Vordergrund. Was
Handschriftenfunden 2017. 35 S., ISBN
erzählen die ver-
erläutert H. Stegemann 978-3-944766-
schiedenen Evangelien? Dabei werden
die Vorstellungen der 37-9, EUR 7,90.
historische Hintergründe ebenso in den
Blick genommen wie die Einbindung ins Essener und fragt, ob
Alte Testament. Johannes der Täufer
Johannes der Täufer (Bibel heute 169). ihr Anhänger war und was sich darüber
Katholisches Bibelwerk e. V. 2007. 31 S. , aussagen lässt.
EUR 2,–. Restmenge, Lieferung solange Hartmut Stegemann, Die Essener,
Vorrat reicht. Bestellung nur über bibel- Qumran, Johannes der Täufer und Jesus.
info@bibelwerk.de Herder 2007. 384 S.,
ISBN 978-3-451-05881-3, EUR 12,90.

Interpretation –
Geschichte – Der Anfang in
Wirkungsge- der Wüste –
schichte Täufer, Taufe
Der Neutestamentler und Versuchung Hinweis
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welt und umwelt der bibel 3/2021 47
Johannes in der Überlieferung des Islam

Ein besonders
sanftmütiger Prophet
Johannes der Täufer, arabisch Yaḥyā, wird auch in der islamischen Überlieferung
als bedeutender Prophet gezeichnet. Besonders sein Schriftverständnis und sein
gottesfürchtiger Lebenswandel sind dabei im Blick. Von Ulvi Karagedik

D
ie Geschichte von Johannes dem Täufer dem Gebet, das mit der Geburt des Johannes
(arabisch Yaḥyā), die stilistisch zu einer Erfüllung fand, hin: Die von Zacharias in die- Dr. Ulvi Karagedik ist
der lebhaftesten islamischen Propheten- sem Moment besonders wahrgenommene All- Akademischer Mitar-
erzählungen gehört, beginnt im Koran mit der macht und Barmherzigkeit Gottes ermutigten beiter des Instituts für
Erzählung über dessen Vater Zacharias und ist ihn, sich mit seinem eigenen Anliegen an Gott Islamische Theologie
und Religionspädagogik
mit dieser eng verwoben. Über seinen Vater und zu wenden. Mit der Bezeichnung von dessen
an der Pädagogischen
seine Mutter Elisabet (in islamischen Quellen Erhörung als „Geschenk“ nimmt beispielswei-
Hochschule Karlsruhe.
Ischā/Ischbā) entstammt der Prophet Johannes se der Exeget al-Ālūsī (gest. 1854) Bezug auf die Seine Forschungs-
einer bedeutenden Propheten- und Priesterfami- – angesichts der Hochbetagtheit seiner Eltern – schwerpunkte sind u.a.
lie. Darüber hinaus bezeichnet der Koran Yaḥyā wundersame Schöpfung Yaḥyās. Hierzu heißt Ḥadīṯwissenschaft (Pro-
als Erben der Sippschaft Jakobs (19:6) und reiht es: „Zacharias! Wir verkünden dir einen Jungen phetenüberlieferungen),
ihn somit in die Genealogie der bedeutenden is- mit Namen Yaḥyā, wie wir vor ihm noch keinen Sīraforschung (Propheten-
raelitischen Propheten ein. Doch stehen im Ko- genannt haben. Zacharias sagte: ,Herr! Wie soll biografie), Koranexegese,
ran nicht Details zu Yaḥyās Lebensgeschichte im ich (noch) einen Jungen bekommen, wo mei- Islam und Religionsfrei-
Vordergrund, sondern vielmehr seine Geburt so- ne Frau unfruchtbar war und ich (meinerseits) heit sowie zeitgenössi-
wie seine Persönlichkeit. In drei Koranpassagen steinalt geworden bin?‘ Allah sagte: ,So (ist es, sche Problematiken der
Muslime in Europa.
(3:37-42, 19:1-11 und 21:89-90) wird themati- wie dir verkündet wurde). Dein Herr sagt: Es fällt
siert, wie der greise Prophet Zacharias mit einem mir leicht (dies zu bewerkstelligen), wo ich dich
Kinderwunsch zu Gott betet und dieser Bitte doch vorher geschaffen habe, während du (bis
Gehör geschenkt wird. dahin) nichts warst‘“ (Koran 19:7-9).
Diese Verse bilden den Kern der koranischen
Die wunderbare Geburt Moral hinter der Johanneserzählung. Es ist die
Zacharias, der mit der Betreuung der Jungfrau
Maria, der Tochter seiner Schwägerin Hanna,
beauftragt war – daher können im Hinblick Johannes ist aus islamischer Perspektive
auf Obhut und Erziehung die Jungfrau Maria ein besonders sanftmütiger Gesandter
und der Prophet Johannes als Geschwister be-
zeichnet werden –, wurde Zeuge, wie Maria
auf dem Tempelberg durch ein Speisewunder Fähigkeit Gottes, aus dem Nichts zu schöpfen.
exotische Köstlichkeiten zuteilwurden (Koran Das macht den Wundercharakter der Entste-
3:37). „Da betete Zacharias zu seinem Herrn. Er hung des Menschen aus. Sie unterstreichen
sagte: ,Herr! Schenk mir von dir eine gute Nach- zudem die Auserwähltheit und die Außerge-
kommenschaft! Du hörst es, wenn man (zu dir) wöhnlichkeit des Johannes nicht nur als Pro-
betet‘“ (Koran 3:38). Bekannte Koranexegeten phet, sondern auch was seinen Namen betrifft:
wie ar-Rāzī (gest. 1209) weisen auf den Zusam- Yaḥyā bedeutet im Arabischen „Leben“ oder „er
menhang zwischen dem Speisewunder und soll leben“, wodurch auf der Erzählebene zwei-

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Die ehemalige Johan- fellos eine Korrelation zur wundersamen Ge- fähigkeit, Zuneigung von uns und Lauterkeit. Er
neskirche in Samaria burt suggeriert wird. war gottesfürchtig und pietätvoll gegen seine El-
beherbergt der Über- Wie die Evangelisten Matthäus, Lukas und tern, nicht gewalttätig und widerspenstig“ (Ko-
lieferung nach das Grab
Markus weist der Koran ausdrücklich auf die ran 19:12-14). Diese Zeilen geben weitere Aus-
des Yaḥyā (= Johannes
Prophetie Yaḥyās hin: „Da riefen ihm, während kunft über die Mission sowie die Persönlichkeit
der Täufer). Teile der
Kirche werden heute als er im Tempel stand und das Gebet verrichtete, die Yaḥyās, der sich strikt an die Schrift (Tora) hielt
Moschee genutzt. Engel zu: ,Allah verkündet dir Johannes. Er wird und diese schon von klein auf verständig aus-
an ein (gewisses) Wort von Allah glauben und ein legte (Koran 19:12). Aufgrund dieser Charak-
Herr sein, ein Asket und ein Prophet, einer von den tereigenschaften ist Johannes aus islamischer
Rechtschaffenen‘“ (Koran 3:39). Diese Passage Perspektive nicht als radikaler Prophet zu be-
ist auch deswegen bedeutend, da sie Aufschluss zeichnen, wenn darunter verstanden wird, dass
über die Eigenschaften, die Botschaft sowie die er versucht hätte, seine Botschaft „brachial“
Rolle des Johannes gibt. Mit Verweis auf die Ety- durchzusetzen, sondern als besonders sanftmü-
mologie des arabischen Worts für Asket wurde tiger Gesandter. So überlieferte auch der vom
dieser als ein zölibatär lebender Prophet aufge- Judentum zum Islam konvertierte Koranexeget
fasst, dem es bestimmt war, an das Wort Got- Ka‘b al-Aḥbār (gest. 655), dass Yaḥyā von schö-
tes zu glauben und es zu bestätigen. Mit Wort nem Antlitz gewesen und sehr sanftmütig auf-
Gottes ist bedeutenden Koranexegeten, wie getreten sei. Sein frommer und gottesfürchtiger
beispielsweise Ibn ‘Abbās oder aṭ-Ṭabarī, zufol- Lebensstil kommt auch in einschlägigen Pro-
ge der Prophet Jesus gemeint. Das evangelikale phetenaussprüchen zum Ausdruck: „Es gibt kei-
Zeugnis des Johannes über den „Logos“ (Joh nen unter den Kindern Adams, der nicht sündigt
1,15) kann somit ganz im koranischen Sinne oder an Sünden denkt, außer Johannes, den Sohn
aufgefasst werden, denn Yaḥyā bezeugt und be- des Zacharias, und es geziemt Niemandem zu be-
stätigt die Prophetie Jesu. Interessant ist in die- haupten, dass ich besser bin als Jona Ben Amittai“
sem Kontext, dass auch die Sure Maria (Sure 19) (Ibn Hanbal: Musnad, Hadith Nr. 2294).
mit der Verkündung des Johannes beginnt, also Auch wenn in der islamischen Theologie
© Todd Bolen/bibleplaces.com

der Beginn der Jesusgeschichte im Zusammen- mehrheitlich das Prinzip der Sündenfreiheit
hang mit der Johannesverkündung steht. aller Propheten vertreten wird, wirft jene Aus-
sage die Frage auf, welchen Stellung Johannes
„Nicht gewalttätig und widerspenstig“ unter den Propheten einnimmt. Tatsächlich
Im Koran heißt es darüber hinaus: „Johannes! zeichnet der Koran einige Propheten anderen
Halte die Schrift fest (in deinem Besitz)! Und wir gegenüber aus (2:253) und nennt neben dem
gaben ihm (schon) als (kleinem) Knaben Urteils- islamischen Propheten vier weitere Gesandte

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welt und umwelt der bibel 3/2021 49
(33:7), mit denen Gott einen besonders wichti- jenen eines anderen Propheten – namentlich sei- In der Ummayyaden-
gen Bund einging: Noach, Abraham, Moses und nes Cousins Jesus – überschneiden und beide in moschee von Damaskus
Jesus. In der islamischen Theologie wird über gemeinsamer Sache auftreten. Das kennt man im wird eine Schädelreli-
die Differenzierung zwischen reinen Verkün- Islam auch von Mose und Aaron, von Jakob und quie als Haupt des Täu-
dungspropheten und Schriftpropheten hinaus Josef oder von Abraham und Ismael. Auch sie fers verehrt. Es wurde
von mehreren Stufen von Propheten ausgegan- gelten allesamt als bedeutende Propheten. bereits hier aufbewahrt,
als das Gebäude noch
gen. Aufrufe, zwischen den Propheten keinen Das Auftreten zweier Propheten im selben
als christliche Basilika
Unterschied zu machen (Koran 2:136; 2:285; geografischen Raum lässt auf besonders schwie-
diente.
3:84), sind daher entweder der prophetischen rige Zeiten für Prophetie und eine außerordent-
Demut geschuldet oder dahingehend zu ver- lich wichtige Mission schließen. Einem Hadith
stehen, dass die Gläubigen keinem Gesandten zufolge predigte Johannes auf dem Tempelberg
gegenüber es an Achtung fehlen lassen und alle seine Botschaft, mit der er dem Volke Israels
Prophetien kraft ihrer Qualität als göttliche Of- fünf Gebote verkündete: den Eingottglauben
fenbarung gleichermaßen akzeptieren sollen.
Daher pflegen Muslime bei der Nennung des
Namens eines jeden Propheten den Segensgruß Yaḥyās Leben und Tätigkeit stehen in den
„Friede sei mit ihm“ zu sprechen. islamischen Quellen nicht im Vordergrund
„Heil sei ihm am Tag, da er wieder zum
Leben auferweckt wird“ und das Verbot der Vielgötterei, das (rituelle)
Der Koran würdigt Johannes dergestalt, dass er Gebet, das Fasten, das Spenden sowie das Ge-
ihn namentlich erwähnt und ihm eine ganz be- bot, Gottes zu gedenken und ihn zu lobpreisen
sondere Lobpreisung zuteilwerden lässt: „Heil sei (at-Tirmiḏī: Amṯāl, Hadith Nr. 2863 & 3102).
© public domain

über ihm am Tag, da er geboren wurde, am Tag, da Diese Gebote decken sich mit den fünf Säulen
er stirbt, und am Tag, da er (wieder) zum Leben des Islam. Doch in der genannten Überlieferung
auferweckt wird!“ (19:33). Als weiteres Merkmal ist es Jesus, der Yaḥyā ermahnt, die Gebote zu
des Johannes gilt, dass seine Lebzeiten sich mit verkünden. So enthalten auch die Evangelien

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Johannes in der Überlieferung des Islam

links: Innenansicht Aufrufe des Johannes, zu beten und zu fasten zählung des Markus- und Matthäusevangeli-
des Schreines, der das (Mk 2, 18-20;9, 14-15; Lk 5,33-35; Lk 11,1). ums, wonach der tyrannische Herrscher Hero-
Haupt des Täufers be- Während im Christentum das Augenmerk des Antipas Yaḥyā nach dem Verführungstanz
inhalten soll. Umayya- auf der Täufertätigkeit des Johannes liegt, spielt seiner Großnichte Salome, dem Willen ihrer
den-Moschee.
diese in den islamischen Sekundärquellen kaum Mutter Herodias entsprechend, köpfen ließ.
eine Rolle, auch wenn muslimische Historio- Man geht davon aus, dass sich sein Haupt in der
Schrein © ©https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Damascus_Shrine_of_Yahya_bin_Zakariyya_(John_the_Baptist)_8024.jpg,

rechts: Arabische
Kalligrafie des Täufer- grafen wie al-Bīrūnī oder aṣ-Ṣābūnī vereinzelt Ummayyadenmoschee von Damaskus befindet.
namens Johannes = davon berichten. Mit Blick auf die Wirkungsdimension der
Yahya. Das bedeutet Dabei ist jene Praxis dem Islam keineswegs islamischen Johannesrezeption seien abschlie-
übersetzt „Leben“. fremd: Im Islam dient die Ganzkörperwaschung ßend drei Punkte hervorgehoben: Yaḥyā als
oder die Gebetswaschung nicht bloß der Kör- bedeutender israelitischer Prophet, Yaḥyā als
perreinigung, sondern vor allem der spirituel- Prophet mit einer eigenen Gemeinde, die ihn
len Läuterung. Die Waschungen können daher überdauerte (Sabäer), und Yaḥyā als Bestätiger
als eine Art wiederkehrende Taufpraxis verstan- und Garant der Prophetie Jesu (und damit ein
den werden, welche dem Gläubigen zur Gebets- bedeutender Wegbereiter des Christentums). W
reinheit und der Vergebung seiner Sünden ver-
helfen (Muslim, Hadith Nr. 244; 44; 475).
Wie anfangs erwähnt, stehen Yaḥyās Leben
und Tätigkeit in den islamischen Quellen nicht
im Vordergrund. Diesbezüglich greifen die mus- Lesetipps
limischen Exegeten vor allem auf – Isrā‘īlīyāt ge- • Andrew Rippin: Yaḥyā b. Zakariyyāʾ. In: Encyc-
nannte – Überlieferungen jüdisch-christlichen lopaedia of Islam, Second Edition, Edited by: P.
Ursprungs zurück. In diesen ist etwa davon die Bearman/Th. Bianquis/C. E. Bosworth/E. van
Rede, dass Johannes noch klein war, als sein Donzel/W. P. Heinrichs. Leiden 2012.
Kalligraphie © ©Sukun Calligraphy/Shutterstock

Vater Zacharias ermordet wurde; dass er sechs • Brannon M. Wheeler/Scott B. Noegel: A–Z of
Monate oder drei Jahre älter als Jesus war; dass er Prophets in Islam and Judaism. Lanham, Mary-
sich bereits als kleines Kind seiner Bestimmung land 2010.
als Prophet bewusst war und ab seinem achten • Shahada Sharelle Abdul Haqq/Frank Giesenberg/
Lebensjahr im Gotteshaus am Tempelberg dien- Sevval Misirlioglu: Prophetengeschichten aus
te; dass er am Ufer des Jordan wirkte, der Bot- dem Weisen Koran. Berlin 2020.
schaft Jesu folgte und zu dessen vordersten Jün- • Stefan Jakob Wimmer/Stephan Leimgruber: Von
gern zählte. Kurze Zeit später, im Alter von ca. Adam bis Muhammad – Bibel und Koran im Ver-
32 Jahren, soll Yaḥyā der Tod ereilt haben. gleich. Stuttgart 2005.
In der Darstellung dessen, wie es dazu kam,
folgen islamische Exegeten gemeinhin der Er-

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welt und umwelt der bibel 3/2021 51
Eine Umschau in der christlichen Bildgeschichte

Vorläufer, nicht Randfigur


Überraschend viele Motive aus dem Leben des Täufers haben sich in der Kunst eta-
bliert - vom kleinen Johannes, der mit dem ebenso kleinen Jesus spielt, über die
Taufe am Jordan bis zur Präsentation des Täuferkopfes nach seiner Hinrichtung.
Von Rita Burrichter

Prof. Dr. Rita Burrichter


lehrt Praktische Theo-
logie am Institut für
Katholische Theologie
der Universität Paderborn.
Ihre Forschungsschwer-
punkte: Bildtheologie und
Bilddidaktik; ästhetisches
Lernen im Religionsun-
terricht; Religion in der
Popkultur.

© public domain

Abb. 1: Johannes
Angelos. Russische
Ikone, 1620, Tretjakov-
Galerie, Moskau.

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welt und umwelt der bibel 3/2021
D
ie bildliche Darstellung Johannes’ des
Täufers gehört schon seit dem 3. Jahr-
hundert zum christlichen Bildpro-
gramm. Dabei greift man ikonografisch auf den
antiken Typus des asketischen Philosophen
zurück und variiert gemäß den neutestamentli-
chen Erzählungen von der Taufe Jesu im Jordan
und vom Aufenthalt des Johannes in der Wüste
dessen Bekleidung gelegentlich durch eine ge-
schürzte Tunika oder ein Tierfell. Sowohl in der
östlichen wie auch in der westlichen Bildtraditi-
on ist der Täufer seither und durchgehend bis in
die Barockzeit prominent vertreten. In den sze-
nisch-narrativen Darstellungen dominieren die
Vorgeschichte und das erste Auftreten Jesu so-
wie die Erzählung vom Martyrium des Johannes,
die durch apokryphe Motive noch erweitert und
künstlerisch charakteristisch ausgedeutet wer-
den. (So wird im slawischen Josephus vom „haa-
rigen wilden Mann“ gesprochen). In der Darstel-
lung der Einzelgestalt entfalten einige Motive in
der bildenden Kunst ein überraschendes ikono-
grafisches Eigenleben: kulturgeschichtlich inter-
essant und theologisch durchaus produktiv!

Gottes Beauftragter
Die Rede vom „Vorläufer“ legt nahe, dass die
Hauptperson noch kommt. Das ist auch zwei-
fellos Intention der Evangelien, die den Täufer
und seine Verkündigung zwar in seiner Bedeu-
tung für Auftreten und Lehre Jesu würdigen,
aber die Emanzipation Jesu bzw. der christli-
chen Gemeinde vom Täuferkreis und die Vor-
rangstellung der christlichen Botschaft deutlich
betonen. Umso spannender sind ikonografische drücklich zeigt er auf den Gekreuzigten; sein Abb. 2: Matthias
Verweise, die Johannes als „eigenständigen“ ausgestreckter Finger korrespondiert mit der Grünewald, Isenhei-
Beauftragten Gottes herausstellen. So begeg- Ausrichtung des Lamms zu seinen Füßen. Es mer Altar, Ausschnitt
net er vor allem in der ostkirchlichen Tradition trägt den Kreuzstab und aus seiner Seite fließt Kreuzigungstafel,
vielfach als geflügelte Gestalt. Der „Angelos“ das Blut in den eucharistischen Kelch. Der von 1512-1516, Museum
Unterlinden, Colmar.
(griech. Bote) des Markusevangeliums wird Gott beauftragte Prophet kommentiert in der
damit als „Engel“ visuell ganz unmittelbar den lateinischen Inschrift „Jener muss wachsen, ich
Himmelswesen zugerechnet und in der größt- aber muss kleiner werden“ das Kreuzigungsge-
möglichen Gottesnähe verortet. In der hier schehen als göttliches Erlösungswerk. Das Zei-
vorgestellten Ikone (Abb. 1) wird ihm darüber gen des Zeugen ist nicht einfach Hinweis, son-
hinaus als Attribut eine Schale zugeordnet, die dern Verkündigungshandeln.
nicht einfach nur biblisch-literarisch als Taufge-
fäß zu identifizieren ist, sondern theologisch- Kindheitsgeschichte als
lehrhaft als eucharistisches Gefäß, in dem das Kindergeschichten
Christuskind präsentiert wird. Die zahlreichen Darstellungen Johannes’ des
Ganz ähnlich ist auch die Darstellung des Täufers als Kind oder Jüngling haben ohne
Isenheimer Altars (Abb. 2) zu verstehen, die Jo- Zweifel mit der prominenten Stellung in der
hannes unter dem Kreuz zeigt. Dabei erscheint lukanischen Kindheitsgeschichte zu tun – aber
© public domain

er nicht wie die Gottesmutter, der Lieblingsjün- nicht nur. Der englische Maler Joshua Reynolds
ger und Maria aus Magdala auf der anderen Bild- positioniert sich im Horizont eines rhetori-
seite als schmerzerfüllt Trauernder, sondern schen Kunstverständnisses, das als Aufgabe von
als durch die Schrift autorisierter Zeuge. Nach- Bildern ansieht, zu belehren, zu erfreuen und zu

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Abb. 4: Werkstatt des
Joos van Cleve, Jesus
und Johannes, um
1540.

Abb. 3: Joshua Reynolds, Johannes als Rufer


in der Wüste, 1776, Wallace Collection London.

bewegen. In seinen zahlreichen Kinderbildnis-


sen, seien es repräsentative Porträts, seien es
mythologische oder biblische Historienbilder,
geht es nicht um die realistische Darstellung

oben © public domain, unten © Heritage-Images / The Print Collector / akg-images


von Kindern und Kindheit, sondern vorgestellt
werden kindliche Figuren als Trägerinnen von
zumeist geschlechtsspezifischen und standes-
konformen Eigenschaften, Haltungen und An-
sprüchen. Das kann zu anrührend-paradoxen
Posen führen wie dem „Rufer in der Wüste“
(Abb. 3), der wirkt, als werde er im Spiel vom
Ernst der Rolle schier überwältigt.
In spätmittelalterlichen Bildwerken begeg-
net das Motiv der Kinder Jesus und Johannes
regelmäßig in Darstellungen der erweiterten
Heiligen Familie. Oft führt Johannes dem Got-
tessohn ein Lamm zu, überreicht ihm ein Kreuz
oder kniet vor ihm. Im Bild aus der Werkstatt
des niederländischen Malers Joos van Cleve
(Abb. 4), das ein Vorbild bei Leonardo da Vinci
hat, werden die beiden als nackte Kleinkinder
küssend und in inniger Umarmung gezeigt. Jo-
hannes rechts drängt sich geradezu stürmisch

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Abb. 5: Silke Rehberg, Der Prophet in der
Wüste tauft Jesus, in: Meine Schulbibel. Ein
Buch für Sieben- bis Zwölfjährige, Stuttgart
u. a.2003, 90.
links © Verlag Butzon & Bercker/Cornelsen Verlag/Verlag Katholisches Bibelwerk/Silke Rehberg, rechts © public domain

Abb. 6: Antependium (Detail), Straßburg um


1410; Wolle, Leinen, Seide; Museum für Ange-
wandte Kunst Frankfurt/Main, Inv. Nr. 6810.

an das aufrecht sitzende Christuskind, das die die Illustratorin der aktuellen katholischen
Umarmung aber erwidert. Auf Attribute wie Schulbibel, nimmt das Prophetenmotiv auf,
den Kreuzstab, den die Vorlage noch zeigt, wird formuliert es aber gemäß den durch Filme und
hier verzichtet. Auf der rechten Seite entüllt der Comics geprägten Seherfahrungen heutiger
geraffte Vorhang die geradezu intime Szene als Kinder und Jugendlicher in Anlehnung an Bild-
Offenbarungsgeschehen. vorstellungen indischer Yogis oder asiatischer
Schamanen. Eine solche visuelle Anspielung ist
Verheißung und Erfüllung nachgerade eine ikonografische Hilfestellung
Die Evangelien geben verschiedentlich Aus- für wenig bibelkundige Betrachterinnen und
kunft zu Lebensweise, Ernährung und Beklei- Betrachter: Der spirituelle Kontext wird erkannt
dung des Johannes und zeichnen damit einen und Johannes als „Gottesmann“ markiert. Zu-
Typus, der an den alttestamentlichen Prophe- gleich unterläuft eine derartige ikonografische
ten Elija erinnert. Aufgerufen wird damit das Bezugnahme aber auch exklusivistische christ-
Schema von Verheißung und Erfüllung, das in liche Deutungen und stellt – gleichsam in einer
der Rede vom Alten und Neuen Bund gerade interreligiösen und interkulturellen Weitung
auch in der bildenden Kunst oft zu problema- – den universellen Heilswillen Gottes in den
tischen Entgegensetzungen von Judentum und Vordergrund.
Christentum führt, nämlich immer dann, wenn Kommunikativ und als bereits vorgeburtliche
der Anschluss als Überbietung verstanden und personale Beziehung wird das Verhältnis von
inszeniert wird. Die Johannesfigur hat durch die Verheißung und Erfüllung im mittelalterlichen
genannten orts- und kleidungsbezogenen An- Altarvorhang (Abb. 6) geschildert. Es begegnen
spielungen in der christlichen Bildgeschichte sich Maria, mit offenem Haar und vollem Ge-
vielfachen Anteil daran. Silke Rehberg (Abb. 5), sicht als junge und unverheiratete Frau gekenn-

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Abb. 7: Klosterkirche gegnung auf Augenhöhe.
von Daphni, Taufe Zum Ausdruck kommt so
Jesu, Mosaik, 11. Jh.
etwas wie eine „differen-
zierende Verbundenheit“.
Die frühchristlich-byzanti-
nische Kunst visualisiert diese
Verbundenheit von Johannes
und Jesus nicht zuletzt durch physi-
ognomische Ähnlichkeit. Das Mosaik
(Abb. 7) zeigt in bemerkenswerter Blö-
ße den nackten Jesus mit dem spätestens
seit dem 6. Jh. vereinheitlichten Antlitz
des Christus Pantokrator. Dessen markante
Züge – ein schmales Gesicht, die symmetri-
sche Ausgewogenheit von Augen, Nase und
Mund, das in der Mitte gescheitelte halblange,
braune Haar und der Vollbart – werden auf den
Täufer übertragen und charakteristisch an-
verwandelt. Der wild in der Wüste lebende
Asket erscheint struppiger und ruppiger als
der noble Herrscher Christus, teilt aber mit ihm
die Sendung zu Umkehrpredigt und Heilsver-
kündung.
zeichnet, und Elisabet, etwas hagerer und mit Erst auf den zweiten Blick erschließt sich der
Gebende und Schleier als ältere und verheirate- ausdrücklich als Johannes der Täufer ausgewie-
te Frau dargestellt. Die Frauen gehen aktiv auf- sene androgyne Jüngling von Leonardo da Vinci
einander zu: Die Bewegung der Gewänder sig- (Abb. 8). Im geheimnisvollen Hell-Dunkel des
nalisiert eine Schrittbewegung, Elisabet erhebt Bildes ist die Bekleidung der Figur mit einem
den Arm zur Umarmung, der Maria sich mit Leopardenfell zu erkennen, ein Hinweis auf
dem leicht angehobenen Umhang öffnet. Wie den griechischen Gott Dionysos. Der Gott des
Weins, der Ekstase und des sich immer wieder
erneuernden Lebens wird in hellenistischen
Der wild in der Wüste lebende Asket er- Bildwerken oft androgyn vorgestellt. Dionysos
und Christus werden in der christlichen Ikono-
scheint struppiger und ruppiger als der grafhie gelegentlich in typologischen Anspie-
noble Herrscher Christus lungen, die sich auf ihren gewaltsamen Tod und
ihre göttlich bewirkte Auferweckung beziehen,
miteinander verbunden (z.B. weinumkränzte
in einer vormodernen Ultraschallaufnahme Kreuzdarstellungen). Nun übernimmt Leonar-
© public domain

werden die ungeborenen Kinder gezeigt. Jesus do ganz unmittelbar die dionysischen Attribute
in sitzender Haltung mit lehrhaft oder segnend für seinen mädchenhaften, lächelnden Vorläu-
erhobener Hand, Johannes knieend und anbe- fer Christi, der aber von sich selbst weg nach
tend – eine klare Rollenverteilung, dennoch Be- oben zeigt.

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welt und umwelt der bibel 3/2021
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Abb. 8: Johannes / Dionysos,


Leonardo da Vinci 1513/16,
Louvre, Paris.

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welt und umwelt der bibel 3/2021 57
Abb. 9: Nicolas Poussin, Seine eigene Geschichte fer angleichen. Subtil, aber ganz unmittelbar
Johannes tauft das Volk, Mit der Taufe beginnt das öffentliche Auftre- konfrontiert das Bild so mit der „Wirkung“ der
um 1630/35, Louvre, ten Jesu, wird seine Sendung beglaubigt. Wa- Umkehrpredigt des Johannes.
Paris.
schungen als Bestandteil religiöser Reinigung Die Geschichte seiner Gefangennahme und
sind religionsgeschichtlich vielfach belegt und seines Martyriums wird vielfach in zusammen-
gerade auch im jüdischen Kontext verankert. gezogenen Szenen in unterschiedlichen Kombi-
Das Ritual des Johannes am Jordan, nämlich im nationen gezeigt. Höhepunkt ist dabei die Forde-
fließenden Wasser vollständig untergetaucht rung der Tochter der Herodias – die mit der bei
zu werden, erscheint demgegenüber als inno- Flavius Josephus genannten Salome identifiziert
vative Ausdruckshandlung. Das Auftauchen wird – nach dem Kopf des Täufers auf einer Scha-
aus dem ambivalenten, Leben spendenden wie le. Das grausige Motiv wird gern kontrastiert
Leben ganz unmittelbar gefährdenden Element mit der Eleganz und Üppigkeit des Festmahls.
markiert einen echten Neuanfang. Der französi- Im Vordergrund stehen dann nicht selten ne-
© akg-images / Erich Lessing

sche Maler Nicolas Poussin (Abb. 9) gestaltet die gativ konnotiert die beiden Frauengestalten,
Szene ganz körperlich als Entledigung, als sich deren Rachsucht, Grausamkeit und moralische
Freimachen, durchaus ambivalent zu verstehen Bedenkenlosigkeit spätestens seit der Barockzeit
aber auch als Entblößung. Im Vordergrund steht durch eine erotisch aufgeladene Bildsprache zum
nicht das Wasser, sondern die Entkleidung, mit Ausdruck gebracht wird. Über die damit ver-
der sich die um die Taufe Bittenden dem selbst bundenen misogynen Klischees wäre auch mit
nurmehr mit einem Tierfell bekleideten Täu- Blick auf das Gemälde von Lovis Corinth (Abb.

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Eine Umschau in der christlichen Bildgeschichte

Abb. 10: Lovis


Corinth, Salome II,
1900, Museum der
bildenden Künste,
Leipzig.

Abb. 11: Michelangelo da


Caravaggio, Salome mit
dem Haupt Johannes des
Täufers, 1607, National
Gallery, London

10) vieles zu sagen. Darüber hinaus greift hier


der Orientalismus der Salonmalerei des ausge-
henden 19. Jahrhunderts in abstoßender Weise.
Die stereotypen Elemente werden innerbildlich
jedoch durch die Protagonisten der Szene selbst
gebrochen. Von der grell beleuchteten entblöß-
ten Brust wandert der Blick einerseits nach unten
zu den anrührend realistisch gezeigten Füßen
des Getöteten, andererseits zum Pfauenfächer,
der von einer ernst blickenden Frau wie das Fla-
bellum (Fächer aus Pfauenfedern) einer feierli-
chen Prozession gehalten wird. Bildzeichen, die
zwischen Parodie und Nobilitierung changieren.
Ähnlich ambivalent erscheint die Szene nach
der Hinrichtung, die Caravaggio (Abb. 11) in
beide © public domain

einem starken Licht-Schatten-Kontrast vor-


führt. Der Henker weist den lebendig wirken-
den, geradezu „sprechenden“ Kopf vor, Salome
erscheint wenig triumphierend, die Dienerin
betroffen und nachdenklich. W

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Aus der Welt der Bibel: Panorama • Die großen Städte der Bibel •

Treten Sie ein!


Als Frau benutzen Sie bitte den Eingang vorne rechts, als Mann den dahin-
ter. Sie gelangen in zwei abgetrennte Räume – charakteristisch für Kirchen
des syrischen Ritus in Ihrer Region nahe dem nordsyrischen Kalksteinmassiv.
Lauschen Sie während der Liturgie dem Prediger und den Worten der Bibel,
die von der halbkreisförmigen Bema, dem Podest zwischen dem
Frauen- und Männerbereich, verkündet werden. Die Männer betrachten unter
ihren Füßen ein Mosaik mit Allegorien der Frühlingsmonate, von grasenden
und springenden Tieren.
Diese Kirche (21 x 9,5 m) aus dem 5. Jh. wurde im kleinen Gola-Tal in der
Nähe des Dorfes Göktasch im Südosten der Türkei, nahe der Grenze zu
Nordsyrien, ausgegraben. In einer Notgrabung im Frühjahr 2021 konn-
ten Archäologen des Mardin-Museums unter der Leitung von Volkan
Bağlıyıcı sie freilegen. Plünderer hatten bereits bis auf das Mosaik mit
seiner figürlichen Verzierung hinuntergegraben.
Im 5. Jh. nahmen die Streitigkeiten um die göttliche und menschliche
Bild © Picture Alliance

Natur Jesu Christi rasant an Fahrt auf. Die Region Gola lag an der Gren-
ze zwischen der altsyrischen Liturgie und der chalzedonensischen. Wozu
die Gemeinde sich zählte, wird aber wohl ein Rätsel bleiben ... (wub/MdB)

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Die Bibel in berühmten Gemälden • Ausstellungen und Veranstaltungen

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welt und umwelt der bibel 3/2021 61
Hintergründe zum Brief von 321

1700 Jahre jüdische Geschichte


in Deutschland – oder länger
2021 ist ein Festjahr. Anlass ist, dass seit 1700 Jahren, also ab dem Jahr 321, jüdisches
Leben im Gebiet des heutigen Deutschland nachweisbar ist. Das Festjahr macht mit vielen
Veranstaltungen und Ausstellungen jüdisches Leben als selbstverständlichen Teil der ge-
meinsamen Geschichte sichtbar. Das Jahresdatum 321 ist verbunden mit einem Brief, in
dem ein Stadtrat und Köln erwähnt werden. Was genau steckt eigentlich dahinter?

I
n diesem Jahr wird gefeiert, dass seit dem en herrühren oder aber vom Zufall bestimmt sein.
Jahr 321 Juden auf dem Gebiet des heutigen Es gab nämlich in der Spätantike Sammlungen
Deutschland leben. Sicher ist das auch schon von Rechtstexten auch in privater Hand, die vor
länger der Fall, wie die Schriftquellen zu Juden im Gericht verwendet werden konnten, wenn man
Römischen Reich seit dem 1. Jh. und damit zeitwei- sie benötigte. Das römische Rechtssystem basier-
se und immer wieder auch in den germanischen te auf Präzedenzfällen. Möglicherweise liegt also
Provinzen nahelegen. Dazu kommen auch einige hier der Fall zugrunde, dass ein Jude nicht in den
wenige archäologische Funde, die vielleicht vor Stadtrat wollte oder umgekehrt ein Nichtjude ei-
einem jüdischen Hintergrund entstanden oder be-
nutzt sein könnten, aber nicht sein müssen (s. Abb.
rechts Mitte). Der Brief sei durch Kaiser Konstantin
Anlass, in diesem Jahr zu feiern, ist der Aus-
zug aus einem Brief, der im Codex Theodosianus
den Großen an den Stadtrat von Köln
erhalten ist. Der Codex ist eine spätantike Ge- gesandt worden, dass auch Juden in
setzessammlung, die Kaiser Theodosius im 5. Jh.
zusammenstellen ließ. Im 6. Jh. hatte man den
diese Institution berufen werden konnten
Codex abgeschrieben – und diese Kopie blieb in
der Bibliothek des Vatikan bis heute bewahrt. Der nen Juden in einer Stadt dazu verpflichten woll-
Brief ist mit dem Hinweis versehen, er sei durch te. Daraufhin hätte der Kaiser zurückgeschrieben:
Kaiser Konstantin den Großen an den Stadtrat (die Auch Juden müssen in den Stadtrat. Vielleicht hat
decurionen) von Köln gesandt worden. Inhalt des man in einer juristischen Bibliothek in Trier oder
Briefes ist, dass entgegen der bisherigen Praxis Mainz oder anderswo den Text unter Hinweis auf
auch Juden in diese Institutionen in den Städten eine Versendung des Briefes im Jahr 321 nach Köln
des Römischen Reichs berufen werden können. abgelegt. Dabei wurden vielleicht auch manche
Nur Einzelne von ihnen bleiben von dieser Rege- Adressdaten und sogar Jahreszahlen eingefügt, um
lung freigestellt. Für die Mitgliedschaft im Stadt- den Rechtstext möglichst authentisch aussehen zu
rat musste man eigene Mittel und Zeit aufwenden, lassen. Gerade solche Quellen aus privaten Archi-
daher war es in der Spätantike kein beliebtes Amt. ven bilden dann die Grundlage für die älteren, im
Das Exzerpt aus dem Brief berichtet also von Codex Theodosianus gesammelten Rechtstexte.
einem reichsweit gültigen Gesetz, das der Kaiser Sie wurden im fernen Konstantinopel gesammelt
erlassen hatte. Wieso der Brief nach Köln gesandt und kopiert und kamen aus allen Gegenden des
worden sein soll oder wieso Köln hier genannt wird, Römischen Reiches.
kann von einer vorausgegangenen Anfrage aus der Wenn der Text eine Stadtrat-Regelung für Köln
römischen Hauptstadt der Provinz Niedergermani- darstellen sollte, so ist zu fragen, ob sich daraus

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welt und umwelt der bibel 3/2021
etwas konkretes ableiten ließe zu einer kumentierten Fundkontext überliefert
– wie überall in den römischen Städten sind, handelt es sich um weiche Kriterien
der Spätantike – denkbaren jüdischen für eine mögliche dahinterstehende jü-
Gemeinde in Köln. Das ist jedoch kaum dische Präsenz. Sie können einfach auf
möglich. Der Text erwähnt ja nicht meh- Handel zurückgehen und belegen noch
rere Juden in Köln, sondern nennt die- nicht, dass im Gefolge der Warenströ-
se in Bezug auf die Möglichkeit ihrer me auch Juden nach Trier gelangt sind.
Anwesenheit in irgendeiner Stadt des Am ehesten könnte noch die Öllampe,
Römischen Reichs. Und selbst wenn kon- ebenso wie ein ähnliches Exemplar aus
krete jüdische Personen, über die sich Augsburg (s. rechts) einen Abnehmer
vielleicht nichtjüdische Mitglieder eines jüdischen Glaubens zum Ziel gehabt ha-
Stadtrats geärgert hätten, Grund für eine ben und auf einen solchen hinweisen.
oben: Peter Hadasch, Mitte: Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Archäologisches Zentraldepot. Foto: Karin Baumann; unten: Archäologische Zone Köln, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia

Anfrage aus einer römischen Provinz- Die beiden Lampen wurden im heutigen
stadt an den Kaiser gewesen wären, ist Tunesien angefertigt und gelangten als
damit nicht gesagt, dass sie noch am Ort hochwertige Handelsware in die spätan-
waren, als das Gesetz erlassen war und tiken Römerstädte Trier und Augsburg Oben: Öllampe mit Menora aus
eine Abschrift in verschiedene Provinz- mit ihrer wohlhabenden Bevölkerung. Augsburg, Spätantike, ca. 4. Jh.,
hauptstädte versandt wurde. Der Text Vielleicht schätzten auch die dortigen Originalfragment und ergänzte Kopie.
Kunstsammlungen und Museen Augs-
aus dem Codex liefert im Falle, dass man frühen Christen das ihnen ebenso ge-
burg, Archäologisches Zentraldepot.
den Bezug eng auf Juden an einem Ort läufige Motiv auf dem Lampenspiegel,
auslegen will, eben doch nur eine Mo- aber gut wahrscheinlich ist es, dass hier Mitte: Bruchstück eines Buntmetall-
mentaufnahme. jüdische Käuferinnen oder Käufer zuge- tellers mit der Aufschrift IVDAIIA aus
Die älteste Kölner Synagoge, die sich griffen hatten. Essen, Spätantike.
bisher am Kölner Rathausplatz nach- Augsburg ist schließlich auch der ein-
weisen ließ, stammt nach gesicherter zige Ort in Deutschland, der mit dem
archäologischer Datierung aus dem Apsidenbau unter der heutigen Gallus-
frühen 11. Jh. Hier entsteht gerade ein kapelle einen Befund besitzt, der mög-
neues Museum, das „MiQua“. Ab 2025 licherweise als frühe Synagoge gedient
sollen die Mauerreste von Synagoge, haben könnte. Unter den sehr klein frag-
Mikwe und jüdischem Viertel zusam- mentierten Resten von Freskenmalerei
men mit den Strukturen des römischen aus seinem Inneren konnte bisher ein
Statthalterpalastes, des Praetoriums, Motiv rekonstruiert werden. Es handelt
und dem mittelalterlichen Goldschmie- sich um die Darstellung einer alttesta-
deviertel gezeigt werden. Auch un- mentlichen Szene, des Josef vor Potiphar.
ter den archäologischen Funden aus Solange nur alttestamentliche Bilder
Köln finden sich keine Judaica aus dem bekannt sind, müssen archäologische
1. Jahrtausend, also eindeutig jüdischem Funde und Befund nicht zwingend früh-
Kult und Lebensweise zuordenbare Ob- christlich gedeutet werden – sie könnten
jekte. So erscheint die bedeutende jüdi- auch frühjüdisch sein. Unten: Blick in die Mikwe von Köln.
Das mittelalterliche Ritualbad erreichte
sche Gemeinde, die wir aus dem Hoch- Derzeit fehlen zwischen dem 5.–9. Jh.
man über eine steile Treppe.
mittelalter in Köln kennen, genau wie im Gebiet des heutigen Deutschland ar-
die Gemeinden der SchUM-Städte (Spey- chäologische und historische Nachweise
er, Worms, Mainz, nach ihren hebräischen – anders als in den benachbarten Regi-
Anfangsbuchstaben) als Neugründung in onen, etwa in Frankreich oder auf dem
der Zeit früher jüdischer Institutionali- Balkan. Davon unbenommen bleibt das
sierung der Zeit um das Jahr 1000. wichtige Ziel und Anliegen des Festjah-
Nur wenige andere Orte in Deutsch- res: jüdisches Leben sichtbar und erleb-
land bieten frühe jüdische Quellen. Aus bar zu machen, zu zeigen dass jüdische
Trier stammen einige römerzeitliche Ge- Gemeinden wichtiger integrativer Be-
wichte mit Angaben aus dem östlichen standteil der europäischen Kultur sind
Mittelmeerraum sowie speziell aus Pa- und dem erstarkenden Antisemitismus
lästina. Dazu kommen Bleiplomben mit etwas entgegenzusetzen. W
dem Bild der Menora und eine tönerne (Prof. Dr. Sebastian Ristow, Archäologe bei
Öllampe mit diesem Motiv. Bei allen MiQua, LVR-Jüdisches Museum im Archäologi-
archäologischen Funden dieser Art, vor schen Quartier Köln; mehr unter:
allem wenn sie wie in Trier ohne do- miqua.blog/tag/sebastian-ristow)

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neue Studie zum „Haus des aion“ auf zypern

Ein Mosaik als Kritik am Christentum


Ist ein luxuriöses Mosaik aus dem 4. Jh. eine heidnische Polemik gegen das Christentum? Was ein Bild
über seine Zeit verraten kann, in der christlich und heidnisch Gläubige zunehmend aneinandergeraten.

A
nalogie, Allegorie, Personifizie- Christi vor: (A) Zeus und Leda als Anti- an der Passion Christi aufgebaut.“ Der
rung, Antithese ... Diese rhetori- these zur Verkündigung, (B) Dionysos als Mosaizist hätte die Antithesen in Bilder
schen Figuren beherrschten anti- Antithese zum Jesuskind auf dem Schoß umgesetzt, um die Überlegenheit heidni-
ke Redner und Sprachkünstler. Doch auch der Maria und damit zur „Darstellung des scher Lebens- und Jenseitsvorstellungen
die bildende Kunst spielte meisterhaft mit Herrn“, (C) Sieg der Kassiopeia als Antithe- gegenüber dem christlichen Glauben he-
ihnen, wie dieses Mosaik aus dem 4. Jh. se zum Einzug in Jerusalem, (D) Dionysos rauszustellen. Er bringt die vom Philoso-
nC zeigt. Bereits 1983 wurde es von einer Triumph als Antithese zur Himmelfahrt phen Celsus im 2. Jh. nC vertretene Idee
polnischen archäologischen Mission im und (E) die Verurteilung des Marsyas als zum Ausdruck, die Geschichten von Jesus
Triclinium (eine Art Speisesaal) einer wohl- Antithese zur Verurteilung durch Pilatus. hätten heidnische Traditionen plagiiert.
habenden Residenz, bekannt als „Haus des „Die Kunst der Antithese besteht darin, Das Mosaik wird archäologisch durch
Aion“ in der antiken Stadt Nea Paphos auf Worte, die entgegengesetzte Wirklich- eine gefundene Münze auf die Zeit nach
der Insel Zypern, ausgegraben – und es ist keiten bezeichnen, parallel zu setzen“, 318 datiert, eine Zeit, in der das Christen-
Gegenstand einer neuen Studie. erklärt der Historiker. „Das Mosaik ist auf tum erstarkt und Widerstand bei den heid-
Fünf Gemälde in drei Registern illus- den Prinzipien einer rhetorischen Anti- nischen Eliten hervorruft, besonders unter
trieren Szenen aus verschiedenen my- these zur christlichen Religion, als Kritik neuplatonischen Gruppen. W (MdB/wub)
thologischen Zyklen: (A) die Begegnung
der sterblichen Leda mit dem göttlichen
Zeus als Schwan, (B) Dionysos auf dem
Schoß des Hermes, (C) Sieg der Kassio-
peia im Schönheitswettbewerb über die
Nereiden, (D) der Triumph des Dionysos
und (E) die Verurteilung des Marsyas
zum Tode durch Apollo. Die Deutung
der Motivzusammenstellung war aber
umstritten. Jetzt hat der Kunsthistoriker A B
und Spezialist für antike Mosaiken Marek
T. Olszewski (Universität Warschau) das
Bildprogramm neu interpretiert. Er sieht
einerseits die allegorische Geschichte
einer frommen Seele: von der Zeugung
über Kindheit und Erziehung, ein Leben
im heidnischen Glauben, mögliche Stra-

© W. Jerke/Polish Centre of Mediterranean Archaeology


fe bis zum Aufstieg der Seele. Die Seele
ist nach neuplatonischen Vorstellungen C
dazu berufen, die Unsterblichkeit der
Götter zu teilen.
Doch ergeben sich auch erstaunliche
Parallelen zu christlichen Darstellungen
der Verkündigung, der Anbetung der Hei-
ligen Drei Könige oder der Jungfrau mit
Kind. Das Mosik entsteht in einem Klima
antichristlicher Spannungen. Daher geht
Mosaik im „Haus
Marek T. Olszewski weiter und stellt ein
des Aion“, Nea
Spiel mit Antithesen und Anspielungen Paphos, 4. Jh. nC. D E
bezogen auf fünf große Kapitel im Leben

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welt und umwelt der bibel 3/2021
internationale KOnferenz

Wo steht die Forschung


zu den Edomitern?

Bildunterschrift
Xxxxxxxxxxx.

Edom kommt in der Bibel häufig vor – als Freund und Feind! Bei einer
internationalen Konferenz haben über 20 Wissenschaftler/innen im Juni Schroffes Gelände im Kup-
ferabbaugebiet von Timna
2021 zusammengetragen, was über Edom in den vergangenen Jahren er- im Süd-Negev. Nach einigen
forscht wurde: eine ganze Menge. Konferenzleiter PD Dr. Benedikt Hensel neuern Thesen könnte der
Ursprung der nomadischen
fasst für Welt und Umwelt der Bibel zusammen – und blickt nach vorn. Edomiter hier liegen.

D
ie Erforschung Edoms hat in den letz-
ten Jahren einen immensen Aufschwung
Edom in der Bibel
erlebt. Ausgrabungen haben neue Er-
gebnisse erbracht und nun stellt sich besonders
die Frage, wie Edom eigentlich die gesamte Ge- Edom (im Hebräischen Anklang an „das Rote“, adomi) bezeichnet
schichte der Südlevante geprägt hat und wie es in der Bibel das Bergland östlich und südlich des Toten Meeres.
zu den ägyptischen, assyrischen und babyloni- Nach Gen 36,9 ist Esau, Jakobs Bruder, Stammvater der Edomiter.
schen Großreichen stand. Die ältere Forschung Mit dem Königtum Juda kommt es nach 1 und 2 Kön immer wieder
des 20. Jh. hat Edom typischerweise auf die Epo- zu Scharmützeln, besonders um die Hafenstadt Elat am Golf von
che reduziert, in der es ein Staat war und daher Aqaba. Das Alte Testament verfolgt die Darstellung, dass Israel und
auch historisch besser greifbar war, also etwa im Juda Edom überlegen waren, schon David soll es eingenommen
8. bis 6. Jh. vC. Doch die topografischen Ausmaße haben (2 Sam 8). Unter Joram von Juda „fiel Edom von Juda ab
dieses „Königreichs Edom“ umfassten im Wesent- und setzte einen eigenen König ein“ (2 Kön 8,20), wurde aber laut
lichen nur das „Edomitische Plateau“ im heutigen 2 Kön 14 durch Amazja (um 800 vC) wieder unterworfen. Unter
Jordanien (s. Karte S. 66). Für diese Zeit sind in König Ahas (736–726 vC) geht das Gebiet der Edomiter den Ju-
diesem gut abzugrenzenden Gebiet tatsächlich däern verloren („Rezin, der König von Aram, gewann Elat für Edom
einige gut erhaltene Besiedlungsspuren nach- zurück. Er vertrieb die Judäer aus Elat und die Edomiter kamen
weisbar, die klar auf eine entsprechende monar- und blieben dort ansässig“). Die biblischen Texte halten jedenfalls
chische Organisation der Edomiter hinweisen. fest, dass Juda lange Interesse an edomitischen Gebieten und ih-
© Oren Ravid/iStockphoto.com

Inzwischen aber wird Edoms Bedeutung für ren Handelskapazitäten, z. B. im Kupferabbau, hatte. Jakobs Vor-
das Gesamtschicksal der südlichen Levante im rang über Esau spiegelt die judäische Haltung eines Vorrangs über
Altertum immer deutlicher, also in etwa das das Nachbarvolk der Edomiter. Die tatsächliche Historie hinter den
Gebiet Israel/Palästina, Jordanien, Libanon, Süd- Texten ist hoch umstritten, da sie nur aus dem biblischen Zeugnis
syrien und Sinai. Dies gilt insbesondere für das bekannt ist. Nach dem Exil werden die Edomiter beschuldigt, Juda
früh­eisenzeitliche Edom (12.–11. Jh. vC): Hier war gegen Babylon nicht beigestanden und sich judäische Gebiete ein-
Edom ein recht einflussreiches Gemeinwesen, verleibt zu haben (z. B. Ez 35f).

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welt und umwelt der bibel 3/2021
obwohl es am Rande der mitnichten nur auf das edomitische
südlichen Levante lag. Denn Plateau erstreckt. Die erwähnten
sowohl seine Kupferabbau- Bosra frühen ägyptischen Texte scheinen
aktivitäten in der Frühpha- Edom mit Edom eher eine Region westlich
se, in der es in nomadischen des Arava-Grabens im Blick zu haben,
Stämmen organisiert lebte, Edomitisches also jenes Grabenlaufs zwischen To-
als auch die späteren edo- Plateau tem Meer und Golf von Aqaba. In der
mitischen Handels- und Wirt- Tat deuten viele Funde, insbesondere die
schaftssysteme erwiesen sich als sog. „Edomitische Keramik“, darauf hin, dass
einflussreich für den gesamten öst- edomitische Kultur (vertreten durch diverse
lichen Mittelmeerraum. edomitische Nomadengruppen?) westlich des
Wie aus frühen ägyptischen Quellen (13. Grabens bis zur Mittelmeerküste aktiv war und dort
und 12. Jh. vC) bekannt ist, standen semi-pastorale wohl auch den Handel kontrollierte. Wie die edomitische
(halb Naturweide- und halb Feldwirtschaft betreibende) Grup- Präsenz auch die Nachbarkulturen, insbesondere Juda im süd-
pen, die möglicherweise schon zu einem großen Teil mit „Edomi- lichen Negev, beeinflusste, ist derzeit die Frage der Debatten.
tern“ identifiziert werden konnten, in Kontakt mit den ägyptisch
kontrollierten Kupferminen in Timna und Faynan-Punon. Die 3. Eine zweifache Nachgeschichte ab persischer Zeit: Lan-
Beziehungen waren zeitweise freundschaftlich und schlossen ge galt es in der Forschung als erwiesen, dass Edom mit seinem
Handel mit ein, wurden aber oft feindlich. Spätere neuassyrische politischen Ende durch die Eroberung der Hauptstadt Busayra/
Texte (ab dem frühen 8. Jh. vC) verweisen bei verschiedenen Ge- Bosra (wohl 552 vC) in der Bedeutungslosigkeit verschwand.
legenheiten dagegen auf willfährige edomitische Stammeskö- Man attestierte ab dem 6. Jh. vC einen Besiedlungsabbruch in
nige. den transjordanischen Kerngebieten Edoms. Biblisch – so das
In der Hebräischen Bibel wird Edom mehrfach als Nachbar, typische Urteil der Exegeten – spielte Edom fortan auch keine
gelegentlicher Bündnispartner und häufiger als Feind von Juda Rolle mehr. Der spätere sprichwörtliche „Edom-Hass“ bestimm-
und Israel erwähnt. Die Darstellung der Kontakte Edoms mit ter nachexilischer und vor allem prophetischer Traditionen wie
dem frühen israelitischen Staat in den Geschichtsbüchern der Obadja reflektierte auf „Vergehen“ und einen „Betrug“ des staat-
Hebräischen Bibel mag in ihren Details ungenau sein und ist lichen Edom. Doch die auf frühen, in den 1930er- und 1940er-
Gegenstand heftiger Debatten (insbesondere angesichts der Jahren durchgeführten Surveys basierende „Siedlungslücke“
Unwahrscheinlichkeit eines unter David errichteten Reichs, das entpuppte sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr als „For-
sich auf das Gebiet Edoms und andere benachbarte Völkerschaf- schungslücke“. Es sind mittlerweile einige Funde aus persischer
ten erstreckte). Doch selbst wenn die Texte aus einer späteren
Epoche stammen, belegen sie dennoch die Bedeutung, die die
biblischen Autoren und Redaktoren Edom beimaßen, indem sie Die biblischen Autoren maßen
erste Kontakte in die frühe monarchische und sogar vormonar-
chische Zeit zurückverlegten (vgl. etwa Gen 25-35,36; Dtn 2,23).
Edom eine große Bedeutung bei
Man kann in diesem derzeit sehr spannenden Forschungsdis-
kurs drei besondere Diskussionspunkte ausmachen: Zeit in transjordanischen Gebieten aufgetaucht. Mehr noch:
Edom hatte nicht nur hier eine Nachgeschichte, sondern auch
1. Die Ursprünge Edoms: Die Ursprünge Edoms und der Edo- cisjordanisch: die später als Provinz Idumäa bekannte Region im
miter liegen weitgehend im Dunkeln. Erstmals erwähnt wird südlichen Negev trägt den an Edom anklingenden Namen nicht
Edom in diversen ägyptischen Texten. Doch ist hier eine rein zufällig. Insbesondere das Onomastikon (die inschriftlichen Be-
geografische Bezeichnung einer bestimmten Region gemeint? lege von Eigennamen) weist hier eine Kultur aus, die neben jü-
Oder gar schon ein (wie auch immer organisiertes) „Königreich“? dischen und arabischen Elementen eben auch – mit gut einem
Die neuesten Ausgrabungen im legendären Kupferabbaugebiet Drittel der Belege – edomitische Marker trägt.
Timna (im südlichen Negev), die sich leicht mit den Kupferab- Auch Idumäa kann und sollte daher als eine (wenn auch nicht
baugebieten in Wadi Faynan (Transjordanien) in Verbindung bruchlose) Nachfolge des alten Edom gesehen werden. Neues-
bringen lassen, legen sehr stark nahe, dass es bereits in der Ei- te Ausgrabungen und Funde in den Gebieten offenbaren hier
senzeit I (grob 1200–1000 vC) einen überregional organisierten eine äußerst spannende Mischkultur und ein kultur-ethnisches
Kupferabbau und -handel gegeben haben muss. Dieser könnte, Miteinander, das unbedingt weiterer Aufbereitung harrt und aus
nach Meinung einiger Forscher, bereits mit den Edomitern in Zu- dem die Forschung auch noch sehr viel über die Entstehung des
sammenhang gebracht werden. Diese Edomiterkultur wäre aber frühen Judentums lernen kann. Meine eigenen Forschungen zum
auf diesem Wege nur indirekt nachweisbar – man spricht daher Thema können für einen überraschend großen Teil bestimmter
gerne von einem „invisible kingdom“. biblischer Traditionen zeigen, wie positiv Edom hier in das Ver-
hältnis zum frühen Judentum gesetzt wird. Zum „Warum?“ kann
2. Existenz diesseits und jenseits des Arava-Grabens und man gut debattieren (mehr dazu in B. Hensel, „Edom and Idumea
Einfluss auf Juda: Es ist heute klar, dass sich edomitische Kultur in the Persian Period“, erscheint 2022).

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Drei Wochen Bibel, Archäologie Panorama
und Spiritualität
Fazit: Die derzeitige Forschung trägt
nicht nur zur lange überfälligen histo-
Sommerakademie
rischen Kenntnis über ein südlevantini- Jerusalem
sches Gemeinwesen bei, sondern ihre
Ergebnisse werden auch für die Be- 31. Juli bis 22. August 2022
schreibung der Gesamtgeschichte der Damaskustor
Südlevante von der Eisenzeit bis in die
hellenistische Zeit von großem Wert Unsere Sommerakademie geht in die gen Pilgerhospiz Paulus-Haus nahe dem
sein; auch die daraus abzuleitenden dritte Runde! Ein Angebot für alle, die Damaskustor.
kulturgeschichtlichen Ergebnisse („in- tiefer in die Geschichte und Gegenwart
visible kingdoms“) können Licht darauf des Heiligen Landes eintauchen wollen. Die Zielgruppe: Pastorale Mitarbeitende
werfen, wie das frühe Israel in Stäm- und Religionslehrer/innen (zum Beispiel
men organisiert lebte. Das immense • Vorlesungen und Kolloquien zu bibel- in Schabbatzeit oder qualifizierter Aus-
Potenzial, das sich für die biblische und theologischen Themen, zu Landeskun- zeit) sowie biblisch interessierte Haupt-
literaturgeschichtliche Forschung er- de und biblischer Archäologie, und Ehrenamtliche in der Erwachsenen-
gibt, ist klar: Edom/Idumäa beleuchtet • Einführungen in Judentum und Islam, bildung, in Räten und Verbänden.
und gehört zu dieser Welt, in der die deren Schriftverständnis Informationen und Anmeldung: Biblische
Texte entstehen. • Gastvorträge zum politischen Alltag Reisen GmbH, Tel. +49 (0)711 61925 16,
Die internationale Edom-Tagung und zu sozialen Problemen heute E-Mail: annette.heger@biblische-reisen.de
„Multifaceted Edom. Recent Research on • Zahlreiche Tagesexkursionen zur Ver-
Southern Transjordan in the Iron Age tiefung Die Sommerakademie ist ein Angebot
from an Archaeological and Cultural-His- des Katholischen Bibelwerks e.V. (Welt
torical Perspective“ (8. bis 10. Juni 2021) Wo wohnen wir? Die Sommerakade- und Umwelt der Bibel), der Erzdiözese
war der Auftakt zu einer Reihe von Kon- mie ist in der ersten Woche zu Gast im München und Freising (Bildungs- und
ferenzen und Workshops, in der die Ta- Pilgerhaus Tabgha am See Gennesaret Exerzitienhaus St. Rupert in Traunstein
gungsorganisatoren Katharina Schmidt und dann zwei Wochen im altehrwürdi- sowie Fort- und Weiterbildung Freising).
(DEIAHL Amman), Rocío Da Riva (Uni-
versitat de Barcelona), Mohammad Al Das Studienprogramm, Kosten und alle weiteren Informationen finden
Najjar (Levantine Labs UC San Diego) Sie auf www.weltundumweltderbibel.de
und Benedikt Hensel (Universität Zü-
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rich) das „Enigma Edom“ in all seinen
Facetten zu ergründen suchen.
Weitere Konferenzen werden folgen: Studienschwerpunkt
Für 2022 ist eine Idumäa-Tagung ge- Biblische Archäologie
plant, ebenso ein Workshop, der sich
ausschließlich mit Edom in der bib- Bachelor of Arts
lischen Forschung beschäftigt (beide Im Rahmen der Jüdischen Theologie an der Universität Potsdam
organisiert B. Hensel); die Bezüge von
cis- und transjordanischem Edom wer-
den in einer späteren Tagung ergründet
– sodass sich Puzzlestück für Puzzle-
stück langsam ein Gesamtbild einstel-
len wird. W
(PD Dr. Benedikt Hensel, Lehrstuhl für Alttesta-
mentliche Wissenschaft und Frühjüdische Religi-
onsgeschichte, Universität Zürich) Seminarräume
der Biblischen
Weiter lesen und schauen: Archäologie in
• Die Konferenzwebsite: Berlin Mitte
www.edomarchaeology.com g
(mit Videos der Vorträge).
• Forschungswebsite und Forschungs- Stipendienprogramm für Studierende ab dem 1. Semester,
blog von Benedikt Hensel zu seiner auch für Teilnahme an Ausgrabungen und Exkursionen
Forschung „Judah und Transjordanien“:
Infos: www.juedischetheologie-unipotsdam.de/de/lehrstuehle/
www.transjordan.uzh.ch
biblische-archaeologie

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Große Städte der Bibel • Hebron

Die Stadt Abrahams


Hebron, nach Jerusalem die zweitgrößte Stadt in Judäa, ist Mittelpunkt der
Erzählungen um Abraham, dem gemeinsamen Stammvater der drei mono-
theistischen Religionen. Zwei faszinierende Orte verkörpern hier gemeinsame
Erinnerung: die Eichen von Mamre und die Höhle von Machpela.
Von Estelle Villeneuve

Jerusalem
ISRA

E
s ist kaum verwunder- Hebron Familiengrabstätte. Nach Sara Harâm el-Chalil, das
lich: Hebron im südli- und ihm wird das Grab auch sogenannte „Grab der
chen Judäischen Berg- seinen Sohn Isaak und seinen Patriarchen“ – mitten in
EL

land, an den Straßen zum Sinai, Enkel Jakob mit ihren Ehefrau- der Altstadt von Hebron.
nach Transjordanien und zur en Rebekka und Lea aufnehmen. Die Umfassungsmauer
Arabischen Halbinsel, war ein Tor Kurz gesagt, in der biblischen Er- stammt aus der Zeit
Herodes’ des Großen.
zwischen der jüdischen und der arabi- zählung schlägt der Patriarch in He-
schen Welt. Ein Tor, das trotz der Launen der bron Wurzeln im Land Kanaan, gründet eine
Geschichte geöffnet blieb. Die Verbindung der Re- Nachkommenschaft und hinterlässt ein Erbe, auf
ligionen wurde in einem gemeinsamen Vorfahren das künftig Erbansprüche erhoben werden.
konkret: Abraham, Stammvater und legendärer
erster Verehrer des einen Gottes. Wenn wir der Er- Zwei Gedenkstätten „des Freundes“
zählung im Buch Genesis folgen, erlebte Abraham Die wichtigste Spur dieser Tradition ist das Grab
in Hebron die intensivste Zeit seines Familienle- der Patriarchen, arab. Harâm el-Chalil, „Schrein
bens. Nachdem er Haran verlassen hatte, wo er des Freundes“, eine Hommage an die Treue des
sich mit seiner Familie niedergelassen hatte, als Patriarchen zu Gott. Dieses architektonische
sie aus Ur in Mesopotamien ausgewandert waren, Meisterwerk, das der Regierungszeit von Hero-
führten ihn seine Wanderungen im Land Kanaan des dem Großen (40–4 vC) zugeschrieben wird,
mehr als einmal nach Hebron. Hier, an einem Ort, bestand aus einem offenen Viereck, umfasst von
der „die Eichen von Mamre“ genannt wird, schlug Mauern aus behauenen Quadern mit Strebepfei-
er seine Zelte auf, nachdem er sich von seinem lern. Befand sich die Grabhöhle im Zentrum des
Neffen Lot getrennt hatte; hier wurde auch Is- Monuments, wie ein Juwel in einer Schachtel?
mael geboren, späterer Stammvater der arabi- Leider müssen wir uns mit der Vorstellung be-
schen Völker und Sohn der ägyptischen Magd gnügen, denn der einzige aus Schriften bekann-
Hagar („die Fremde“). Abrahams Frau Sara hatte
ihm seine Magd gegeben, um ihre eigene Un-
fruchtbarkeit auszugleichen. Hier sagten die drei Wichtige Daten
mysteriösen göttlichen Besucher die Geburt des
© Leonid Spektor/123rf.com

Isaak voraus, trotz Saras 90 Jahren! Und in Hebron 19. Jh. vC Innerbiblische Chronologie: Abraham kommt nach Kanaan
starb Sara im Alter von 127 Jahren, nachdem der 6.–5. Jh. vC Redaktion der Abrahamerzählungen im Buch Genesis
Stamm nomadisierend durch den Negev gezogen 39–4 vC Regierungszeit Herodes d. Gr.
war. Abraham erwarb dann vom Hetiter Efron die 4.–5. Jh. nC Das Erzelterngrab wird christlich
Höhle von Machpela mit einem Feld, „gegenüber 1187 nC Das Erzelterngrab wird muslimisch
von Mamre“ (Gen 23,17), und machte sie zu seiner

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welt und umwelt der bibel 3/2021
te Zugang zu einer unterirdischen Krypta wurde Arabisch die „Anhöhe des Freundes“, auf einem
im 13. Jh. versiegelt und ist heute nur noch durch kleinen Gipfel 3 km nördlich von Hebron. Auch
einen Schacht zu sehen – und die gegenwärtige ihr Bau wird König Herodes zugeschrieben und
politische Lage begünstigt die archäologische besteht aus einem riesigen Freilufthof, der von ei-
Erforschung kaum. Im Laufe der Jahrhunderte ner Mauer aus behauenen Steinen begrenzt wird.
wanderte das Erzelterngrab durch die Hände der Hier lokalisiert die Überlieferung die „Eichen von
verschiedenen „Kinder Abrahams“, Juden, Christen Mamre“, unter denen Abraham einen Altar für Gott
und Muslime, die es jeweils ihren kultischen und gebaut hatte (Gen 13,18), sowie den Brunnen und
liturgischen Bedürfnissen anpassten. Nachdem den Baum, unter dem er seine heiligen Besucher Die heutige Raumver-
das Reich christlich geworden war, wurde unter willkommen geheißen hatte (Gen 18,4). teilung des Heiligtums:
der Herrschaft von Eudoxia (4. Jh.) oder Justinian 1) Grabmal Isaaks
2) Rebekka
(6. Jh.) in den südlichen zwei Dritteln des herodi- Eine verkürzte Erinnerung
3) Abraham
anischen Hofes eine Kirche eingebaut, während Nach innerbiblischer Berechnung fanden die Er-
4) Sara
der nördliche Teil den Juden vorbehalten blieb. eignisse um Abraham im 19. Jh. vC statt. Als um 5) Jakob
Nach der muslimischen Eroberung Palästinas im 6) Lea
7. Jh. wurde die Kirche in eine Moschee umgewan- 7) Josef (Anbau)
8) Eingang
In den herodianischen 9) Minbar (Kanzel)
10) Höhlenzugang,
Hof wurde eine Kirche verschlossen
11) Höhlenzugang,
eingebaut Kuppel
12) Mihrab
© Mboesch - CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia

(Gebetsnische)
delt, von den Franken im 12. Jh. als Kirche res-
tauriert, bevor sie 1187 ganz dem Islam geweiht muslimisch
wurde. Eine jüdische und christliche Verehrung Isaaks Halle
wurde erst ab dem 13. Jh. außerhalb der Um- jüdisch
fassungsmauern geduldet. Der Harâm blieb aus- Abrahams Halle
schließlich muslimisch, bis die Israelis, Sieger im jüdisch
Sechstagekrieg 1967, den nördlichen Teil mit den Jakobs Halle
Gräbern von Abraham, Sara, Jakob und Lea in eine jüdisch
Synagoge umbauten. Beschneidungshalle
Eine weitere Stätte hält die Erinnerung an Moschee
Abraham lebendig: Harâm Ramat el-Chalil, auf Synagoge

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die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jh. die Überreste des Harâm Ramat el-Chalil, die Stätte der „Eichen von Mam-
Authentizität der Erzelterngeschichten infrage re“, 3 km nördlich von Hebron. Die Anlage wird König Herodes zuge-
gestellt wurde, wollten Archäologen sie vor Ort schrieben und besteht aus einem riesigen Hof unter freiem Himmel, der
überprüfen. In den Jahren 1926–1928 grub der von einer Einfriedung aus behauenen Steinen umschlossen wird. Die Bibel
Deutsche Andreas Mader mit der Bibel in der beschreibt Mamre als Abrahams Wohnstätte, an der er sich niederließ und
Hand den heiligen Bezirk von Mamre aus, dessen wo er einen Altar für den Herrn (Genesis 13,18, 18,1, 23,19) erbaute.
Baureste er Herodes zuschrieb. Er war sich sicher,
darunter Spuren eines alten judäischen Kultorts
aus dem 7.–6. Jh. vC zu entdecken. Eine griechi-
sche Inschrift mit dem Namen des edomitisch-
idumäischen Nationalgottes Kos ließ jedoch Eine Ausgrabung und
Zweifel aufkommen, ob hier ein alter Ort des
Gottes der Judäer war. Und eine vorherodianische ihr Ausgräber
Nutzung wurde durch spätere Ausgrabungen
nicht bestätigt. (Nach laufenden französischen
Forschungen ist die Gedenkstätte möglicherwei- Andreas Evaristus Mader (1881–1949), aus Franken stammender
se noch später zu datieren.) Salvatorianerpater, war Mitarbeiter der Görres-Gesellschaft in Jeru-
In der Zwischenzeit erforschte der Amerikaner salem, als er die Ausgrabungen in Ramat el-Chalil vornahm. Nur zwei
Philip C. Hammond in den 1960er-Jahren den senkrechte Quadermauern, 49 und 65 m lang, ragten aus dem Boden
Siedlungshügel Tell Rumeida, die Stätte, die mit heraus. Zu dieser Zeit schwankten die Datierungen der Gelehrten
dem antiken Hebron identifiziert wird und die das zwischen der vorbiblischen und der arabischen Zeit. Die Ausgra-
„Patriarchengrab“ überragt. Er fand Spuren einer bungen von Pater Mader ergaben drei Bauphasen, die er anhand
fast kontinuierlichen Besiedlung vom Ende des der Größe der Steine, der Bautechniken und des Vorhandenseins
3. Jahrtausends vC bis in die arabische Zeit. Kurz- von Münzen festlegte. Er identifizierte die erste als das Werk des
um, die Archäologie lieferte eine zwiespältige Herodes, das 70 nC von den Römern zerstört wurde, die zweite als
Bilanz: Einerseits bestätigte sie die Besiedlung das heidnische Heiligtum, das Kaiser Hadrian 135 nC dort errichtete,
des Ortes zur mutmaßlichen Zeit Abrahams, an- und die dritte als die Überreste der konstantinischen Basilika, die
dererseits gelang es nicht, die Erinnerung an den den biblischen Erinnerungsort markierte. Vor der Westmauer legte
© B. Simonnard

Patriarchen vor dem 1. Jh. vC zu belegen. Wann er außerdem ein primitives Pflaster und einfache Gebäudestruktu-
und warum also hat die Bibel diese Geschichten ren frei, die er durch das Studium der Keramik der Königszeit in Juda
übernommen und so prominent platziert? Nach (9.–8. Jh. vC) zuordnete.

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Hebron

Tractatus De
QUELLEN Inventione Sanctorum
TEXT Patriarcharum
Ein mittelalterliches Manuskript aus dem 15. Jh. bewahrt den Bericht
über eine Entdeckung, die von Mönchen im Juni 1119 im Patriar-
chengrab gemacht wurde: Weil in der Kirche ein beständiger Luftzug
herrschte, untersuchten sie ein unterirdisches Stollennetz, das zu ei-
nem Raum führte, in dem sie die Gebeine Jakobs und darüber hinaus
die von Abraham und Isaak entdeckten ... Entspricht dieser Bericht
mit seinen starken hagiografischen Untertönen einer echten archäo-
Dieser Altar mit einer Inschrift aus drei grie- logischen Entdeckung? Niemand kann das bestätigen, ebenso wenig
chischen Buchstaben „KOS“– dem Namen des wie die Identität oder die Datierung der Reliquien.
edomitisch-idumäischen Nationalgottes – ist
heute verloren gegangen. Bild aus den Mamre-
Grabungsberichten von A. Mader (1954).

Ansicht des Theologen Thomas Römer, Professor


am Collège de France (Paris), wurden die Erz­
elternüberlieferungen im 6. oder 5. Jh. vC, nach
der Rückkehr aus dem Babylonischen Exil, zu ei-
ner durchgehenden Erzählung zusammengefügt.
Dies wäre dann das Werk des Jerusalemer Klerus,
der in dem Bestreben, die verstreuten Gemeinden
des alten Israel wieder zu vereinen, ein großes
Fresko der Ursprünge komponiert hätte, in dem
jeder seinen Platz finden würde. „Zu dieser Zeit“,
so Thomas Römer, „war Abraham der Volksheld
des südlichen Judäa, wo die Israeliten neben
arabischen und edomitischen Völkern lebten.
Sein Grab in Hebron war vermutlich Gegenstand
großer Verehrung und es wurden Legenden über
Altar © D. R., Laubhüttenfest © Robert Hoetink/123rf.com, Grabkapelle © Ralf Roletschek

ihn erzählt. Dass die Priester Jerusalems Abra-


ham an die Spitze der Genealogie setzten, trotz
ihrer Abneigung gegen alle lokalen Kulte, zeigt
die unumgängliche Bindung der Judäer an ihre
Ahnenfigur. Es war vielleicht auch eine Möglich-
keit für sie, das Zusammenleben mit arabischen
Nachbarn als natürliches Merkmal der jüdischen
Identität zu verteidigen – gegen die Abgrenzung,
die die deuteronomistischen Schriftgelehrten be-
fürworteten.“ W

oben: Am Laubhüttenfest im Synagogenraum


vor dem Grab der Sara im jüdischen Teil des
Erzelterngrabes.

unten: Grabbau, der den Kenotaph der


Rebecca beherbergt, im muslimischen Teil
des Heiligtums.

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Die Bibel in berühmten Gemälden • Giambattista Tiepolo

Die Unbefleckte Empfängnis


Von Régis Burnet

U
m dieses Werk zu verstehen, des kühnen Spiels der Farben und der von König Karl III. zu werden. Er ist be-
müssen wir uns den Kontext Bewegungen, die die Stoffe realisieren. rühmt für sein Können als Kolorist und
vergegenwärtigen, in dem es Aber mangelt es dieser Madonna nicht Zeichner und damit einer der größten
entstanden ist. Auf Veranlassung seines an Nüchternheit und Demut? Wenige Jah- Dekorationsmaler seiner Zeit.
Beichtvaters Joaquín de Eleta gründe- re nach Tiepolos Tod gelang es seinem al-
te König Karl III. von Spanien 1767 eine ten Rivalen Raphael Mengs (1728–1779), Die Geschichte der Darstellung
neue Kirche in Aranjuez, die dem heili- eine weitaus strengere Figur durchzuset- Lange Zeit hat die Kunst gezögert, wie
gen Pascual (Paschalis) Baylon gewidmet zen, und die anmutige Madonna Tiepolos sie das komplexe theologische Konzept
wurde, einem Mystiker aus Alcántara aus wurde aus der Kirche genommen und ins der Empfängnis Mariens ohne Sünde
dem 16. Jh., der einem Zweig des von Innere des Klosters gestellt. darstellen soll, was Unsicherheiten in
Petrus von Alcántara reformierten Fran- der Bildsprache widerspiegeln. Die erste
ziskanerordens angehörte. Der König Der Autor Art, darauf anzuspielen, war die Darstel-
beauftragte Tiepolo mit der Anfertigung Giovanni Battista Tiepolo oder Giambat- lung der Begegnung von Joachim und
einer Serie von sieben Gemälden, die die tista Tiepolo (1696–1770) ist der Typus Anna am Goldenen Tor von Jerusalem, da
Themen darstellen, die dem strengen des Hofkünstlers des 18. Jh. schlechthin: nach dem apokryphen Pseudo-Matthäus-
Orden am Herzen lagen – die Eucharis- Er arbeitete mit verschiedenen Unter- Evangelium die Mutter Gottes dort durch
tie, das Jesuskind und die Reinheit der einen Kuss auf die Lippen empfangen
Jungfrau Maria. Dieses Werk erzählt keine wurde. Ab dem 15. Jh. verbreitete sich
Geschichte, es stellt eine Idee dar: den dann das Bild der tota pulchra („über al-
Triumph der unbefleckten Jungfrau. Dieses Werk erzählt les schön“) und nahm die Litaneien von
Es ist wie eine Hieroglyphe, ein kon- keine Geschichte, Loreto auf: Maria, weiß gekleidet und mit
zeptionelles Bild. Obwohl Tiepolo von ei- verbundenen Händen, ist umgeben von
nem biblischen Text inspiriert ist, zeigt er es stellt eine Idee traditionellen Symbolen wie dem Stern
das Gegenteil von dem, was der Text sagt: dar: den Triumph des Meeres, der Zeder des Libanon ...
In Offenbarung 12 flieht die Frau, die vom Zur gleichen Zeit entstand die Bild-
Drachen bedroht wird. Alle Merkmale, die der unbefleckten sprache des Sieges über den Drachen:
das Bild ausmachen, stehen dagegen im Jungfrau Maria, ihren Sohn in den Armen haltend,
Dienst der Triumph-Darstellung, ohne et- entfernt sich von einer bedrohlichen
was Pittoreskes. Die Jungfrau steht in ei- Schlange (Rubens in Freising oder der
ner beeindruckenden vertikalen Position Gruiseppe Cesari in Madrid). Die Ikono-
und dominiert den oberen Teil der Lein- gründen und Techniken (Fresko, Lein- grafie, die schließlich triumphierte, war
wand. Mit erhobenem Kinn schaut sie die wand, Kupferstich) und war an zahlrei- eine Synthese der beiden vorherigen:
gläubigen Betrachtenden würdevoll an. chen Projekten in ganz Europa beteiligt. die Maria als Purísima des 17. und 18. Jh.
Ihre hieratische Pose mit den zum Ge- Ursprünglich aus Venedig stammend, Die Darstellung stammt aus Spanien und
bet gefalteten Händen und ihrem blauen schuf er seine ersten Werke hier und in zeigt Maria in der Tota-Pulchra-Stellung
Mantel, der nach außen fällt, schaffen ein den Nachbarstädten (Padua, Udine), ging mit dem Mond zu ihren Füßen, den Dra-
Bild von majestätischer und gelassener dann nach Würzburg, wo er in der Resi- chen zertretend. Esteban Murillo malte
Autorität. Zu ihren Füßen verstärkt eine denz des Fürstbischofs eine meisterhafte sie mehrfach und Tiepolo folgte seinem
Reihe von Objekten und Symbolen, die Allegorie der Planeten und Kontinente Vorbild. Ihre Bilder werden die großen
entschlüsselt werden müssen, die theo- schuf. Zurück in Venedig, malte er die Marienerscheinungen des 19. und 20. Jh.
logische Idee. Trotz der Vorgaben ist das Fresken im Palast Ca’ Rezzonico, dann beeinflussen: Rue du Bac, Lourdes, Pont-
Bild voller Leichtigkeit und Brillanz, dank ging er nach Spanien, um einer der Maler main, Fátima, Beauraing ... W

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Das Gemälde
Die Unbefleck-
te Empfängnis.
Giambattista Tie-
polo, 1767–1768,
Öl auf Leinwand,
170 x 115 cm.
Madrid, Prado.
© Museum Prado

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1

1. Eine eher
strenge Jungfrau

Gekleidet in ein schwe-


res, einfaches Stoffkleid,
das jedes Zeichen von
Weiblichkeit verbirgt, mit
einem Schal und ihrem
traditionellen blauen Um-
hang, ist Maria eine etwas 4 3
kalte Schönheit. Ihre Ge-
sichtszüge sind teilnahms-
los, ihre Augen sind auf
die Welt gesenkt, sie hebt
ihre Hände in einer sehr
ostentativen, betonten Ge-
betsgeste. Sie ist das Bild
einer strengen Reinheit,
selbstbewusst und etwas
herablassend, was durch
die über ihr fliegende Taube des Heiligen Geistes unterstrichen wird,
die auf die jungfräuliche Empfängnis anspielt (Lk 1,35). Die kleinen
Putten, die die Mutter Gottes begleiten und ihr Gewand und ihre At-
tribute tragen, sowie die Wolken erinnern uns daran, dass sie nun zum
himmlischen Bereich gehört und dass das, was sie darstellt, vor allem 2
eine theologische Realität ist.

2. Die Makellose und ihre Symbole


So, wie Christus Attribute hat, die mit seiner Passion verbunden sind speculum sine macula, „Spiegel ohne Makel“, oder, in Loreto,
(die arma Christi), hat auch die unbefleckte Jungfrau ihre Symbole. speculum iustitiæ, „Spiegel der Gerechtigkeit“, genannt. Die
Sie sind von ihren Litaneien abgeleitet, sich wiederholenden Reihen Palme ist schwieriger zu interpretieren. Ist es ein traditio-
von Fürbittgebeten, in denen glorreiche Titel rezitiert werden, oft nelles Zeichen des Sieges? Ist es eine Anspielung auf das
inspiriert vom Hohelied. Die bekanntesten sind mit dem Heiligtum Palmwunder, das sich den Apokryphen zufolge während der
Unserer Lieben Frau von Loreto verbunden und wurden 1587 von Papst Flucht nach Ägypten zutrug und bei dem Jesus der Palme
Sixtus V. für gültig erklärt, aber es gibt auch andere Formulierungen. versprach, sie im Paradies seines Vaters einzupflanzen?
Man kann hier eine Rose erkennen, denn Maria wird rosa mystica ge-
nannt, oder Lilien, die Reinheit symbolisieren, denn sie ist auch lilium Der historische Kontext
inter spinas, die „Lilie unter den Dornen“. Das viereckige Objekt am Die Unbefleckte Empfängnis – der Glaube, dass die Jung-
unteren Rand des Gemäldes ist ein Spiegel, denn die Jungfrau wird frau Maria frei von der Erbsünde geboren wurde – wurde
1854 von Pius IX. als Dogma der katholischen Kirche ver-
kündet. Aber schon im 12. Jh. wurden Hinweise auf diese
Vorstellung in die christliche Liturgie aufgenommen, trotz
vieler Widerstände, wie die von Bernhard von Clairvaux, Bo-
naventura und Thomas von Aquin. Ab dem 15. Jh. wurde sie
von der Sorbonne gebilligt und vom franziskanischen Papst
Sixtus IV. unterstützt, mit der Begründung, dass die jung-
fräuliche Empfängnis Christi die Unbefleckte Empfängnis
seiner Mutter von Anfang an, a primo instanti, bedeuten soll-
te – und nicht von seiner Geburt oder Menschwerdung an.
Das Motiv im Kloster von Aranjuez nahe Madrid war dem
besonderen Nachdruck geschuldet, mit dem der Franziska-
nerorden die Unbefleckte Empfängnis verteidigte, zudem
genoss das Dogma in Spanien große Popularität – beson-
ders unter seinen Monarchen einschließlich Karl III.

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Die bibel in Berühmten Gemälden

3. Die Frau der Apokalypse und die Schlange


Mehrere Details erinnern uns daran, dass die Darstellung auf dem Text der Of-
fenbarung fußt. Um das Haupt Marias herum erkennen wir die zwölf Sterne aus
Offb 1,1, die eine doppelte Bedeutung haben: Sie erinnern an die zwölf Tier-
kreiszeichen, Abbilder des Himmels, was diese Frau zu einer kosmischen Figur
macht, aber auch an die zwölf Apostel, die Maria zur Gestalt der Kirche machen.
Dieser universelle Charakter wird dadurch verstärkt, dass Maria auf einer Welt-
kugel steht, auf der sich die Kontinente als angedeutete, ja geisterhafte Schat-
ten materialisieren. Maria ist nicht nur die regina coeli, die Königin des Himmels,
sie beherrscht auch die Erde. Der Mond, ebenfalls aus Vers 1, wird hinter der
Erdkugel als silberne Sichel mit zwei nach oben weisenden Spitzen dargestellt;
dies ist eine ausdrückliche Anspielung auf das seit der Antike bekannte Attribut
der heidnischen Diana, die auch die Göttin der Jungfräulichkeit war. Das Tier,
das Maria zertritt, ist sehr interessant. Mit seiner langen Schnauze, den spitzen
Ohren und dem Horn, das aus seiner Nase sprießt, ist es eindeutig der Drache
aus dem Buch der Offenbarung. Aber nach einer Typologie, die die Offenbarung
des Johannes selbst vorschlägt, ist es auch die alte Schlange (Offb 12,9) aus der
Paradieserzählung im Buch Genesis. Die Frucht, die sie im Mund hält, bestätigt
dies: Ist es nicht die verbotene Frucht aus dem Garten Eden (Gen 2)? Nach einer
seit den Kirchenvätern bekannten Typologie ist Maria die neue Eva, der Frauen-
gestalt entgegengesetzt, die die Sünde in die Welt gebracht haben soll. Maria
ist rein und gebiert Christus, den neuen Adam, der der Herrschaft der Sünde
ein Ende setzt, die durch den Ungehorsam des ersten Adam verursacht wurde.

4. Ein kleines, leuchtendes Rätsel


Das Objekt im Hintergrund, kühn dargestellt mit
einem Pinselstrich weißer Farbe, ist ziemlich ge-
heimnisvoll: Es sieht aus wie eine Art leuchten-
der und transparenter Obelisk. Viele Kommen-
tatoren, die es mit anderen Werken vergleichen,
lesen darin eines der Attribute Marias: turris
Davidica („Turm Davids“), was uneinnehmbare
Jungfräulichkeit symbolisiert und manchmal mit
einer zweiten Metapher im Hohelied verbunden
wird, turris eburnea („Turm aus Elfenbein“), einem
Bild der Reinheit. Aber könnte diese seltsame
Form auch an einen anderen Namen für Maria er-
innern, porta (oder janua) coeli, „das Tor des Him-
mels“?

„Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Fü-
ßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburts-
wehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel und siehe, ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und
QUELLE zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel
und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen,
sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der alle Völker mit eisernem Zepter weiden wird. Und ihr
Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort
geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang.“
Offenbarung 12,1-6

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welt und umwelt der bibel 3/2021
Ausstellungen und Veranstaltungen
Magdeburg Basel
Mit Bibel und Von Harmonie und
Spaten Ekstase. Musik in den
8. September 2021 bis frühen Kulturen
9. Januar 2022 Bis 19. September 2021

In den antiken Kulturen spielt Musik eine


Ordensgründer St. Norbert, wie
er den Häretiker Tanchelm nie- zentrale Rolle. Die Ausstellung widmet sich
derzwingt, Peter Paul Rubens. der vielfältigen Verwendung von Musik.
Während der Gott Apollon mit den Klängen
Die Ausstellung beleuchtet 900 Jahre Prämonstratenser-Orden. seiner Leier die zivilisierte Ordnung vertritt,
Mit Kunstwerken vom Mittelalter bis in die Neuzeit kann man entspringen die lauten Flötentöne und Tam-
das kulturelle, geistige und wirtschaftliche Wirken des Ordens burinrhythmen der dionysischen Naturdä-
entdecken, der sich ab 1121 in Kürze über ganz Europa ausbrei- monen dem Chaos der Urnatur.

Rubens © The Phoebus Foundation; Sistrum © Ruedi Habegger, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, Tutenchamun © Semmel Concerts GmbH, Foto: A.-M. v. Sarosdy
tete und Frauen wie Männer anzog. Schwerpunkte dabei sind die
Zeit der frühen Gründer im 12. Jh., die Darstellung des Ordens- Sistrum mit Antikenmuseum Basel und Sammlung
lebens in der Gemeinschaft, in Liturgie und Verehrung – und die dem Haupt der Ludwig, St. Alban-Graben 5, 4010 Basel
Stellung des Ordens entgegen den neuzeitlichen Umbrüchen. Göttin Hathor. Tel. +41 (0)61 201 12 12
Ägypten, 9.–7. Di–So 11–17 Uhr, Do 11–22 Uhr
Kulturhistorisches Museum Magdeburg, Jh. vC. Eintritt 12/10/5 CHF,
Otto-von-Guericke Straße 68–73, 39104 Magdeburg www.antikenmuseumbasel.ch
Tel. +49 (0)391/5 40 35 30
Di–Fr 10–17 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr, Eintritt 9/7 EUR
www.mitbibelundspaten.de
neue digitale Angebote in Museen
Videos, Apps und 360° Rundgänge
mannheim Viele Museen sind glücklicherweise wieder geöffnet, aber es ent-
Tutanchamun – Sein Grab und stehen dennoch weitere digitale Angebote:

die Schätze • Virtueller Rundgang durch die Ge-
10. September 2021 bis 27. Februar 2022 schichte des Bode-Museums,
smb.museum/klartext-tour
Wegen der Corona-Pandemie eröffnet • Rundgang (Skultpurensammlung
die Ausstellung mit einem Jahr Ver- und Museum für Byzantinische Kunst),
zögerung. Die Grabentdeckung durch smb.museum/bode-museum-360
Howard Carter und der Grabschatz des • Das National Museum of Egyptian
Tutanchamun haben ihre Faszination Civilization Cairo hat auf Youtube
bis heute nicht verloren. In Mannheim eine 30-Minuten-Tour vom Neueröff-
kann man die detailgetreu nachgebil- nungstag online gestellt. Ohne Er- Jupitertempel
deten Grabbeigaben, den Sarkophag, klärungen, dafür mit Live-Museums- Baalbek: Wissen-
schaftlich fundierte
die goldenen Särge und Schreine, den Feeling.
Rekonstruktion
Schmuck sowie die Maske in ihrem • Mit der App „Baalbek Reborn: Temp-
erleben.
Gesamtzusammenhang mit 1.000 Re- les“ kann man den Jupitertempel in
pliken erleben – ein wenig Disneyland Baalbek virtuell besuchen, geführt durch gute Erklärungen in
also, dennoch erhellend! Zusammenarbeit mit dem DAI, das seit 1998 in Baalbek arbeitet.
Spannend sind die Vergleiche zwischen dem heutigen Zustand
Schöpfergott Ptah, Replik aus dem Grab des Tutanchamun. und der antiken Rekonstruktion.
• Podcast-Tipp: „Mekka und Jerusalem“, getragen von der Hoch-
Reiss-Engelhorn-Museen, Zeughaus C5, 68159 Mannheim schule für Jüdische Studien Heidelberg, widmet sich z. B. jüdi-
Tel. +49 (0)1806-570070 scher und muslimischer Esskultur, hebräischer und arabischer
Di–So 10–18 Uhr, Eintritt 17/15/8 EUR Sprache, dem Goldenen Zeitalter der jüdisch-muslimischen Be-
www.tut-ausstellung.com ziehungen oder jüdischer und muslimischer Philosophie ...

76 welt und umwelt der bibel 3/2021


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Studienveranstaltungen zu den Themen von Welt und Umwelt der Bibel

digitaler Studienabend Wels


Eine Reise zu Johannes dem Täufer Johannes der Täufer:
– in Bildern Radikaler Prophet am Jordan
Freitag, 8. Oktober 2021, 19 bis 20.30 Uhr Samstag, 23. Oktober, 9 Uhr bis
Wie wird Johannes dargestellt? Wieso auf diese Weise? Was kann Sonntag, 24 Oktober 2021, 12.30 Uhr
man erkennen und sich dadurch seiner theologischen Bedeutung Bildungshaus Schloss Puchberg
annähern ...? Nach einem Impulsreferat der Expertin In der Reihe „Bibel intensiv“.
ist Zeit für Austausch.
Referentin: Prof.in Dr. Rita Burrichter, Referenten: Dr. Franz Kogler und
Universität Paderborn, Autorin in dieser Ausgabe. Dr. Reinhard Stiksel (Bibelwerk Linz)

Moderation: Dr. Reinhold Then, Bibelpastorale Kursbeitrag: 70,– EUR


Arbeitsstelle Regensburg, und Redaktion „Welt und Anmeldung und Information:
Umwelt der Bibel“ Bildungshaus Schloss Puchberg,
Anmeldung und Information: Bitte bis zum 5. Oktober 2021 Puchberg 1, A-4600 Wels
per E-Mail an Dr.Then@bpa-regensburg.de Tel. +43 (0)7242 47537,
E-Mail: puchberg@dioezese-linz.at
Am Tag des Gesprächs erhalten Sie den Link zur ZOOM-Konferenz. www.schlosspuchberg.at

Ankündigung: Drei Wochen Bibel, Archäologie und Spiritualität


Sommerakademie Jerusalem || 31. Juli bis 22. August 2022 (mehr auf S. 67)

München – Zum Jubiläum von BESONDERE digitale Reihe


Welt und Umwelt der Bibel Jüdische Feste verstehen
Alles was Recht ist
• Sonntag, 12. September 2021, 17–18.30 Uhr
Legitimation von Gesetzgebung ROSH HA´SCHANA und JOM KIPPUR
in Religion und Gesellschaft Versöhnung und Neubeginn

Freitag, 1. Oktober, 13.00 Uhr • Dienstag 21. September 2021, 19–20.30 Uhr
(Beginn mit Sektempfang), bis SUKKOT – in Laubhütten leben, Gäste einladen
Samstag, 2. Oktober 2021, 12.30 Uhr und sich freuen

• Sonntag 21. November 2021, 17–18.30 Uhr


Als Festakt zum 25. Geburtstag von Welt und Umwelt der Bibel reflektieren
CHANUKKA – jüdisches Lichterfest in
wir über das Phänomen der Gesetzgebung durch Gott und Mensch – ein
dunkler Jahreszeit
Thema, das heute nicht nur Religionen unter Erklärungsdruck stellt ... Im
Fokus unserer Tagung stehen unter anderem das Neue Testament, die Referentin: Tamar Avraham, Jüdische Theologin,
deutsche Aufklärung sowie die Ideologie der NS-Zeit. Den Auftakt bildet Jerusalem
Prof. Dr. Jan Assmann mit einem Vortrag zu „Mose und Gottes Gesetz“.
Leitung: Dr. Christine Abart, Pastoralreferentin
Die nächste Ausgabe von Welt und Umwelt der Bibel (4/2021) hat „Die
für Bibelpastoral im Haus St. Rupert Traunstein
Zehn Gebote“ zum Thema. Die Tagung kann vorab darauf einstimmen!
Anmeldung: anmeldung@sankt-rupert.de
Teilnahmegebühr: 150,– EUR (EZ), 125,– EUR (DZ)
Veranstalter: Haus St. Rupert, Rupprechtstr. 6,
Anmeldung und Information: Katholische Akademie in Bayern,
83278 Traunstein, in Kooperation mit dem
Mandlstr. 23, 80802 München, Tel +49 (0)89 381020
Fachbereich „Dialog der Religionen“ im Erzbi-
E-Mail: info@kath-akademie-bayern.de
schöflichen Ordinariat München.
Die Veranstaltung steht unter „Corona-Vorbehalt“. Über den aktuellen Die Veranstaltung ist kostenfrei und findet online
Planungsstand, geltende Preise sowie Anmeldemodalitäten informieren via Zoom statt. Den Link zur Online-Konferenz er-
© public domain

Sie sich bitte online unter www.kath-akademie-bayern.de. halten Sie jeweils einige Tage vor der Veranstal-
tung.
Herzliche Einladung an alle Leserinnen und Leser!

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welt und umwelt der bibel 3/2021 77
Vorschau

IMPRESSUM
Heft 3/2021
Die nächste Ausgabe im November 2021:
„Welt und Umwelt der Bibel“ ist die deutsche

Die Zehn Gebote Ausgabe der französischen Zeitschrift


„Le Monde de la Bible“, Bayard Presse, Paris.
„Welt und Umwelt der Bibel“ ist interdisziplinär
und ökumenisch ausgerichtet und entsteht in
Göttliche Gerechtigkeit und enger Zusammenarbeit mit international
anerkannten Wissenschaftler/innen.
menschliches Recht
Verlag und herausgerber:
Katholisches Bibelwerk e.V.,
edition „Welt und Umwelt der Bibel“,
Postfach 15 03 65, 70076 Stuttgart,
Tel. 0711/61920-50, Fax 0711/61920-77
bibelinfo@bibelwerk.de
www.weltundumweltderbibel.de

Konto: Liga Stuttgart, BIC: GENODEF1M05


IBAN DE94 7509 0300 0006 4515 51

Redaktion: Dipl.-Theol. Dipl.-Bibl. Barbara Leicht,


Dipl.-Theol. Dipl.-Päd. Helga Kaiser
Korrektorat: Michaela Franke M.A.,
m._franke@web.de

Die ersten Gesetze im Alten Orient Anzeigenverwaltung: Ralf Heermeyer,


heermeyer@bibelwerk.de
Die Suche nach dem Sinai Erscheinungsort: Stuttgart
Zweimal Zehn Gebote in der Bibel © S. 60–61, 64, 68–75 Ba­yard Presse Int.,
Jesus, Philo, Josephus – und der Dekalog „Le Monde de la Bible“ 2019, all rights reserved;  
© sonst edition „Welt und Umwelt der Bibel“
Die 10 und die 613 Gebote im Judentum Übersetzungen:
Vom Dekalog zu den Menschenrechten? Helga Kaiser

Gestaltung: Olschewski Medien GmbH,


Stuttgart, Sabrina Kirchner, Grafikdesignerin
Druck: C. Maurer GmbH & Co. KG, Geislingen/
und so geht es weiter: Steige

• Heilige Räume – Tempel, Kirchen, Synagogen PREISE: „Welt und Umwelt der Bibel“
erscheint vierteljährlich.
• Bildung in der Bibel: Wie lernte man Schreiben, Lesen, Religion? • Einzelheft: € 11,30 zzgl. Versandkosten
• Jahresabonnement: € 40,– inkl. Versandkosten
• ermäßigtes Abonnement für
Schüler/Studierende € 32,– inkl. Versandkosten
• Abonnement mit Lieferung ins Ausland:
bestimmen sie mit, was sie lesen! € 46,– /ermäßigt € 38,– inkl. Versandkosten

MITHERAUSGEBER:
Liebe Leserinnen und Leser, Schweiz:
Bibelpastorale Arbeitsstelle des SKB,
Pfingstweidstrasse 28, CH-8005 Zürich
Wir laden Sie ein, an der Heftplanung teilzunehmen. Tel. +41 (0)44/2059960, Fax: +41 (0)44/2014307
Wir beginnen nun, die Ausgabe 2/2022 zu konzipieren: info@bibelwerk.ch
Einzelheft sFr 19,– (zzgl. Versandkosten)
Jahresabonnement sFr 70,–
ARMENIEN (inkl. Versandkosten)
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vierwöchigen Kündigungsfrist zum Jahresende
möglich.
Ihre Redaktion: Helga Kaiser, Wolfgang Baur und Barbara Leicht

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welt und umwelt der bibel 3/2021
■  VerständlicheBeiträge
■  Nah am Leben
■  Eine Oase zum Schmökern

Die Themen 2021


■ 1/21, Das Alte Testament Jetzt
lieben auch als
e-journal!
■ 2/21, Humor Jesu
■ 3/21, Jakobusbrief
■ 4/21, Friede auf Erden

Gesamtübersicht der lieferbaren Hefte und weitere Infos zur Zeitschrift unter www.bibelheute.de

■  Neues und Aktuelles aus


Forschung und Praxis
■  Beiträge international
anerkannter Bibel-
wissenschaftler/-innen
■  Ausführliche Informationen
Die Themen 2021 über weiterführende
■ 1/21, Schöpfung in der Krise Literatur zum Heftthema
■ 2/21, Heiliger Geist
Jetzt
■ 3/21, Salomo
auch als
■ 4/21, Bibelhermeneutik im Zeichen e-journal!
von Pluralisierungen

Gesamtübersicht der lieferbaren Hefte und weitere Infos zur Zeitschrift unter www.bibelundkirche.de

■  Anspruchsvoll
illustriert
■  Kulturen
und
Geschichte der
biblischen Welt
■  Reportagen,
Ausgrabungen
Die Themen 2021 und Ausstellungs-
■ 1/21, Der See Gennesaret. hinweise
Neue Forschungen in der
Heimat Jesu
■ 2/21, Die Samaritaner.
Der unbekannte Teil Israels
■ 3/21, Johannes der Täufer –
radikaler Prophet am Jordan
■ 4/21, Die Zehn Gebote

„Bibel heute“ als Mitglied beziehen: € 40,­­– • „Bibel und Kirche“ als Mitglied beziehen: € 40,­­–
„Bibel heute“ und „Bibel und Kirche“ zusammen € 60,–
(Studierende, Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit geringem Einkommen
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Unsere Backlist Gesamtübersicht der lieferbaren Hefte unter www.weltundumweltderbibel.de

■ Petrus, Paulus und die Päpste, Sonderheft 2006 ■ Der Weg in die Wüste, 2/11
■ Athen. Von Sokrates zu Paulus, 1/06 ■ Unter der Herrschaft der Perser, 3/11
■ Ostern und Pessach, 2/06 ■ Bedeutende Orte der Bibel, 4/11
■ Mose, 3/06 ■ Der Koran. Mehr als ein Buch, 1/12
■ Auf den Spuren Jesu 1: Von Galiläa nach Judäa, 4/06 ■ Teufel und Dämonen, 2/12
■ Heiliger Krieg in der Bibel? Die Makkabäer, 1/07 ■ Nordafrika. Die Epoche des Christentums, 3/12
■ Auf den Spuren Jesu 2: Jerusalem, 2/07 ■ Salomo, 4/12
■ Verborgene Evangelien: Jesus in den Apokryphen, 3/07 ■ Jesusreliquien, 1/13
■ ■

€ [A] 11,50 / sFr 19,–


Weihnachten, 4/07 Streit um Jesus: Gott und Mensch?, 2/13

Einzelheft € 9,80
■ Gott und das Geld, 1/08 ■ Propheten, 3/13
■ Maria Magdalena, 2/08 ■ Herodes. Grausam und Genial, 4/13
■ Die Anfänge Israels, 3/08 ■ Was nicht im Alten Testament steht, 1/14
■ Engel, 4/08 ■ Die Evangelisten, 2/14
■ Paulus von Tarsus, 1/09 ■ Aufbruch zu den Göttern, 3/14
■ Apokalypse, 2/09 ■ Die Ordnung der Sterne, 4/14
■ Konstantinopel, 3/09
■ Maria und die Familie Jesu, 4/09
■ Das römische Ägypten, 1/10
■ Pilatus und der Prozess Jesu, 2/10
■ Türkei. Land der frühen Christen, 3/10
■ Kindgötter und Gotteskind, 4/10
■ Die Apostel Jesu, 1/11

■ 150 Jahre Biblische Archäologie, 1/15 ■ Maria. Jüdisch, christlich, muslimisch, 4/19
■ Jesus der Heiler, 2/15 ■ Rom, 1/20
■ Christen in Äthiopien – Hüter der Bundeslade, 3/15 ■ Die Könige von Israel und Juda, 2/20
■ Wer waren die ersten Christinnen?, 4/15 ■ Diakone, Witwen und Presbyter, 3/20
■ Die Christen des Orients, 1/16 ■ Leben nach dem Tod. Von Osiris bis Jesus, 4/20
■ Die Schöpfung: Bibel kontra Naturwissenschaft, 2/16 ■ Der See Gennesaret, 1/21

Einzelheft € 11,30
€ [A] 11,80 / sFr 19,–
■ Mystik in Christentum, Judentum und Islam, 3/16 ■ Die Samaritaner, 2/21
■ Psalmen – Gebete der Menschheit, 4/16 ■ Johannes der Täufer, 3/21
■ Heiliges Mahl – Zu Tisch mit den Göttern, 1/17
■ Messias – Der Traum vom Retter, 2/17
■ Götter und Tiere, 3/17
■ Juden, Christen, Muslime: Kunst des Zusammenlebens, 4/17
■ 70 Jahre Qumran: Neue Forschungen, 1/18
■ Nächstenliebe – ein christlicher Wert?, 2/18
■ Irland – Christentum zwischen Druiden u. Mönchen, 3/18
■ Die abenteuerliche Geschichte der Bibel, 4/18
■ Das Grab Jesu, 1/19
■ Exodus – Transit in ein neues Leben, 2/19
■ Traum – Fenster zum Göttlichen, 3/19

■ Judäa und Jerusalem, 256 S., € 12,80, € [A] 13,20, sFr 16,–
■ 1001 Amulett, 224 S., € 14,80, € [A] 15,30, sFr 19,–
■ Musik in biblischer Zeit, 104 S., € 11,90, € [A] 12,30, sFr 15,–
Bücher

■ Kleider in biblischer Zeit,112 S., € 14,80, € [A] 15,30, sFr 19,–


■ Das Land der Bibel. Ein biblischer Reiseführer, 144 S.,
€ 16,80, € [A] 17,30, sFr 21,–
■ Engelwelten, 196 S., € 35,–, € [A] 36,–, sFr 45,–

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