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Inlingua Sprachschule Bonn – Deutsch als Fremdsprache

Textinterpretation

Noch ‘ne Folge?

Was Binge-Watching mit deinem Gehirn macht

Von Camares Amonat – WELT.de/ 10.01.18

Binge-Watching (Komaglotzen) ist heutzutage etwas ganz Normales geworden. Gerade im


Winter ist so ein ganzer Tag auf dem Sofa mit der neuen Lieblingsserie schon etwas
Schönes. Allerdings hat das Folgen für dein Gedächtnis.

n den letzten fünf Minuten passiert mal wieder das meiste, eine Verfolgungsjagd beginnt
und wir wissen nicht, ob unser Serienliebling überlebt. Also müssen wir noch eine Folge
schauen und noch eine und plötzlich ist die Staffel fertig, die Uhrzeit weit über
Mitternacht.
Wird die neue Staffel der Lieblingsserie veröffentlicht, gehört das anschließende Binge-
Watching fast schon zum guten Ton. Das ist bekanntermaßen nicht gerade gut für unseren
Schlaf, aber wir tun es natürlich trotzdem. Forscher der University of Melbourne haben jetzt
aber herausgefunden, dass Binge-Watching etwas mit deinem Gehirn anstellt. Genauer: Es
schadet deinem Gedächtnis.
Im Rahmen der Studie schauten die Teilnehmer die gleiche Serie, aber jeweils in
unterschiedlichen Zeitabständen. Zwar konnten sich die Binge-Watcher 24 Stunden nach der
letzten Folge besser erinnern als die wöchentlichen Rezipienten.

Nach 140 Tagen sah die Sache allerdings anders aus. Dann konnten sich die wöchentlichen
Probeschauer deutlich besser an die Handlung erinnern als die Binge-Watcher.

Wenn wir eine Serie an einem Stück gucken, werden wir uns also nach einer Weile nicht
mehr besonders gut an den Inhalt erinnern können. Traurig oder?
Woran liegt das?

Edgar Erdfelder, Leiter des Lehrstuhls für kognitive Psychologie der Universität
Mannheim, erklärt uns, dass das mit dem normalen Lernprozess des Menschen zu tun hat. Der
Mensch lernt besser, wenn er verteilt lernt. Zu viel Masse auf einmal ist nicht förderlich. Martin
Brandt, ebenfalls vom Lehrstuhl für kognitive Psychologie der Universität Mannheim,
vergleicht es mit Vokabellernen.

„Wenn wir 5 Stunden Zeit haben um Vokabeln zu lernen, sollten wir diese
5 Stunden auf 5 Tage verteilen, anstatt sie an einem Tag zu lernen. Langfristig
bleibt damit mehr hängen.“
Martin Brandt, vom Lehrstuhl für kognitive Psychologie der Universität Mannheim

So können wir es uns auch mit dem Serienschauen vorstellen. Außerdem meint Brandt,
dass bei Binge-Watchern der aktive Abrufeffekt ausbleibt. Also: Die, die sich die Folgen in
gewissen Abständen anschauen, müssen sich jedes Mal wieder aktiv an vorherige Folgen
erinnern. Ansonsten würden sie die Folge nicht richtig verstehen. Hat man die Folge aber
unmittelbar vorher gesehen, fällt dieser aktive Abrufeffekt aus. Daher arbeitet das Gehirn bei
den Binge-Watchern weniger, sagt Brandt.

Aber damit nicht genug.

„Binge-Watching hält uns davon ab, andere relevante Informationen zu

verarbeiten und wird daher auch langfristig Nachteile in Bezug auf die kognitive
Leistungsfähigkeit nach sich ziehen.“
Edgar Erdfelder, Leiter des Lehrstuhls für kognitive Psychologie der Universität Mannheim

Hierbei sind laut Erdfelder besonders Menschen in Ausbildungsphasen betroffen.


Das gilt vor allem dann, wenn durch Binge-Watching der normale Tag-Nacht-Zyklus
durcheinandergebracht wird. Schlaf spielt bei der Gedächtnisfunktion eine wichtige Rolle und
wenig Schlaf reduziert folglich die Gedächtnisleistung. Ist es dann schon für alle Binge-
Watcher zu spät?
Zum Glück nein, denn:

„Unser Gedächtnis ist evolutionär so wichtig, dass es sich von ein bisschen
Binge-Watching nicht kleinkriegen lässt.“
Martin Brandt

Da haben wir noch mal Glück gehabt. Trotzdem sollten wir unserem Gedächtnis zuliebe
eine Serie nicht an einem Stück schauen. Zusätzlich werden wir mehr davon haben, wenn wir
uns an den Serieninhalt erinnern können und uns auch noch Monate später über diesen
unterhalten können.

Übungen zum Text

1. Wirst du jetzt weniger Bingewatchen?


Auf jeden Fall.
Ich werde es versuchen.
Nein, bestimmt nicht.
Was ist das für eine komische Frage?

2. Hast du schonmal eine Folge nach der anderen geschaut, dass du plötzlich weit über
Mitternacht warst?

3. Was bedeutet in anderen Worten der Abschnitt „Wird die neue Staffel der Lieblingsserie
veröffentlicht, gehört das anschließende Binge-Watching fast zum guten Ton“

4. „Binge-Watching stellt etwas mit deinem Gehirn an“. Was bedeutet das Verb ‚anstellen‘
hier?

5. „Zwar konnten sich die Binge-Watcher 24 Stunden nach der letzten Folge besser erinnern
als die wöchentlichen Rezipienten“. Was bedeutet das?

6. Wie erklärst du den Fortverlauf der Meme ‚Just one more episode‘?
7. Schaust du gewöhnlich die Folgen deiner Lieblingsserien am Stück oder teilst du sie lieber
zeitlich auf?

8. Was sagen Forscher zu Binge-Watching im Vergleich mit dem normalen Lernprozess?

9. Was verstehst du unter ‚Abrufeffekt‘?

10. Warum ist Bing-Watching nicht gesund für Menschen on Ausbildungsphasen?

11. „Unser Gedächtnis ist evolutionär so wichtig, dass es sich von ein bisschen Binge-Watching
nicht kleinkriegen lässt.“. Welches Wort kann in diesem Zusammenhang NICHT durch
kleinkrigen ersetzen werden?

zerschlagen entkräften zermürben ermutigen

12. Korrigiere die nicht grammatisch stimmenden Sätze

a) Er hängt den ganze Tag vor die Glotze

b) Man sollte unser Gedächtnis zuliebe nicht eine Serie nach der anderen schauen

c) Auf jeden Fall werde ich ab heute auf das Binge-Wathcing verzichten

d) Leute, die in Ausbildungsphasen sind, sind am meisten von Binge-Watching betroffen

e) Schlaf spielt bei die Gedächtnisfunktion ein wichtiges Rolle und wenig Schlaf reduziert
folglich der Gedächtnisleistung

f) Kannst du dir noch an der letzten Folge der Netflix-Serie erinnern?


Aufsatz

Bist ein Serienfan? Schaust du öfter Serien auf Netflix? Was sind deine Lieblingsserien?
Schreibe einen Text über eine oder mehrere deiner Lieblingsserien. Benutze die Zeilen um den
Inhalt deine Lieblingsserie(n) zu beschreiben, wie viele Folgen du am Tag schaust und ob du
sie anderen weiterempfehlen würdest

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