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Einheit 1 Teil A: Verflechtung von Staat und Wirtschaft

Wirtschaftskreislauf

Wirtschaftliche Konzepte moderner Staaten

Marktwirtschaft – gut oder schlecht?

Teil B: Wirtschaftskaleidoskop

Wirtschaft und Politik

Abschied vom Rekordwachstum

Kapitalistische Jäger und Sammler

Opernhäuser fördern das Wirtschaftswachstum

Teil C: Übungen zur Struktur und zum Wortschatz

Schwerpunkt: Passiv und Passiversatz

Wirtschaftsdeutsch 9
Einheit 1 Teil A: Wirtschaftskreislauf

Einheit 1

 A Verflechtung von Staat und Wirtschaft


Wirtschaftskreislauf

Aufgabe 1: Lesen Sie den Text!

Der Wirtschaftskreislauf
Der Staat spielt im gesamten Wirtschaftskreislauf eine entscheidende Rolle.
Folgende öffentliche Güter und Dienste stellt er zur Verfügung:
. Gebäude, z. B. Straßen, Brücken, Museen
. Öffentliche Dienste, z. B. Schulen, Universitäten, Gesundheitseinrichtungen
. Gewährung der öffentlichen Sicherheit
. Landesverteidigung
. Schaffung gesetzlicher Strukturen
. Umverteilung von Einkommen
Woher nimmt der Staat das Geld?
1 Haushalte (im Sinne von Wirtschaftseinheiten) haben, legen sie dieses bei einer Bank an. Die 11
sowie Unternehmen haben Steuern zu entrich- Banken wiederum stellen den Unternehmen
ten. Damit bezahlt der Staat nicht nur öffentliche Kredite zur Verfügung, damit diese in ihre
Güter und Dienstleistungen, sondern er subven- Betriebe investieren, z. B. in Maschinen und
5 tioniert auch Unternehmen (z. B. in Deutschland Computertechnologie. Die Unternehmen sind 15
unterstützt er die Erzeugung landwirtschaft- oft gezwungen, bestimmte Güter aus dem
licher Produkte). Die Unternehmen beschäfti- Ausland zu importieren. Andere Güter werden
gen Arbeitskräfte, die ein Einkommen erhal- jedoch exportiert. Der Wirtschaftskreislauf lässt
ten, mit dem die Haushalte Konsumgüter und sich vereinfacht folgendermaßen darstellen. 19
10 Dienstleistungen kaufen. Sofern sie Geld übrig

Staat
Steuern Steuern

öffentl. Subventionen
Dienste,
Haushalte Güter Unternehmen Ausland
Export
und
Import
Ersparnisse Kredite

Banken

Abb. 1 Wirtschaftskreislauf (vereinfacht)

20 Die rechnerische Darstellung der wirtschaft- den Daten werden hinsichtlich der künftigen
lichen Aktivitäten nennt man gesamtwirt- Wirtschaftspolitik Schlussfolgerungen gezogen.
schaftliche Rechnung. Die gesamtwirtschaft- Die Regierung leitet daraus Maßnahmen ab, um
liche Rechnung zeigt, ob sich die Wirtschaft die Wirtschaftsentwicklung zu fördern.
gut oder schlecht entwickelt und wie sie im S. Jahr 30
25 Vergleich zu anderen Ländern dasteht. Aus

10 Wirtschaftsdeutsch
Einheit 1 Teil A: Wirtschaftliche Konzepte moderner Staaten

Fachlexik:
Güter: Mittel oder Leistungen, die der Bedürfnisbefriedigung dienen
Konsumgüter: Dinge, die von Haushalten gekauft werden, nicht von Unternehmen
Öffentliche Güter: Güter und Dienste, die vom Staat bezahlt werden, und allen Bürgern
zur Verfügung stehen.
Haushalt: Wirtschaftseinheit, die Güter und Dienstleistungen nachfragt
Subvention: Leistung aus öffentlichen Mitteln an Unternehmen, die nur teilweise eine
Gegenleistung zu erbringen haben; Sie soll der Förderung der Wirtschaft dienen.
Investition: Verwendung finanzieller Mittel, um den Gewinn eines Unternehmens zu steigern
(u. a. Immobilien, Maschinen, Firmenautos)
Kredit: Ein Kreditgeber (z. B. Bank) verleiht Geld, der Kreditnehmer verpflichtet sich das Geld
später, meist mit Zinsen zurückzuzahlen.

Aufgabe 2: Beantworten Sie die folgenden Fragen!

1) Welche Dienste stellt der Staat zur Verfügung?


2) Wie funktioniert der Wirtschaftskreislauf ?
a. Wer zahlt dem Staat Steuern?
b. Welche Ausgaben hat der Staat?
c. Was machen die Haushalte mit dem übrigen Geld?
d. Was machen die Banken?
e. Welche Rolle spielt das Ausland?

 A Verflechtung von Staat und Wirtschaft


Wirtschaftliche Konzepte moderner Staaten

Aufgabe 1: Lesen Sie den Text!

Wirtschaftliche Konzepte moderner Staaten


Die Wirtschaft moderner Staaten ist durch zwei grundsätzlich verschiedene Haltungen geprägt.
. Der Staat soll eingreifen und die Märkte regulieren.
. Der Staat soll nicht eingreifen, sondern die Märkte sich selbst überlassen.

Der Staat soll eingreifen soll die Wirtschaft belebt werden, auch wenn
der Staat sich dadurch verschuldet.
1 Der Staat ist bestrebt, Schwankungen der Wirt-
schaft, die sich vor allem in der Arbeitslosigkeit
Der Staat soll nicht eingreifen
niederschlagen, zu begrenzen. Daher betreibt
er eine sogenannte antizyklische Stabilisie- Vertreter dieser Richtung lehnen eine staatliche
5 rungspolitik. Das heißt, er versucht dem Zyklus Steuerung der Wirtschaft ab. Stattdessen set- 20

von starker und schwacher Wirtschaftskraft ent- zen sie auf die ungestörte Selbstregulierungs-
gegen zu wirken. Dieses Modell geht auf Key- kraft der Märkte, indem negative Auswirkungen
nes zurück, der eine staatliche Einflussnahme der Märkte durch das Marktgeschehen selber
zur Stabilisierung der Wirtschaftsentwicklung korrigiert werden. Das Modell der Marktwirt-
10 für notwendig hielt. Vertreter dieser Richtung schaft geht auf den Engländer Adam Smith 25

befürworten eine staatliche Finanzpolitik, die (1723-1790) zurück. Er war der Meinung, alle
die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistung- Marktteilnehmer wollen mit möglichst geringem
en vergrößert. Das kann beispielsweise durch Aufwand einen maximalen Gewinn erreichen.
die Vergabe zahlreicher Bauaufträge oder über Unternehmer beabsichtigen, durch die Produk-
15 Steuersenkungen geschehen. Auf diese Weise tion von Gütern einen höchstmöglichen Profit 30

Wirtschaftsdeutsch 11
Einheit 1 Teil A: Marktwirtschaft – gut oder schlecht?

zu erzielen, und die Haushalte wollen durch staatlicher Regulierung. Die Regierungen neh- 40
den Konsum von Gütern ihren Wohlstand er- men Eingriffe vor, um Dinge wie z. B. Mindest-
höhen. Das würde auf freien Märkten zu einem löhne, Arbeitsschutz oder Auflagen zum Schutz
starken Wettbewerb führen, der letztlich zum der Umwelt zu verbessern. Dazu wäre ein sich
35 Wohlstand für alle führt. Das Motto heißt: Wenn selbst überlassener Markt nicht in der Lage.
es uns – den Unternehmen – gut geht, geht Wie viel staatliche Kontrolle über wirtschaftliche 45
es allen gut.Beide Richtungen vertreten extre- Aktivitäten ausgeübt wird, ist von Land zu Land
me Auffassungen. Die meisten Staaten haben verschieden.
heute eine Mischung aus Marktwirtschaft und S. Jahr

Lexik:
Eingriffe vornehmen, die Steuer
Fachlexik:
Markt: Der Markt ist heute dort, wo Anbieter und Käufer zusammen treffen.
Ein Markt muss nicht ein geografischer Ort sein, wie z. B. der Wochenmarkt, auf dem man
z. B. Obst und Gemüse kaufen kann, sondern viele Märkte existieren nur im virtuellen Raum
(Cyberspace).
Marktwirtschaft: Die wirtschaftliche Aktivität erfolgt fast völlig auf dem Marktgeschehen.
Der Staat sorgt dennoch für einen geordneten Ablauf des Geschehens.

Aufgabe 2: Sprechen Sie über die folgenden Punkte!

1) Nennen Sie die beiden Konzepte hinsichtlich der Wirtschaft moderner Staaten!
2) Was besagt das Modell von Keynes?
3) Was sagen die Vertreter der anderen Richtung?
4) Auf wen geht das Konzept der staatlichen Regulierung zurück?
5) Was haben heute die meisten Staaten?

 A Verflechtung von Staat und Wirtschaft


Marktwirtschaft – gut oder schlecht?

Aufgabe 1: Lesen Sie den Text!

Marktwirtschaft – gut oder schlecht?


Vorteile der Marktwirtschaft
Die Marktwirtschaft bietet eine Reihe von Vorteilen: 1

• Güter mit hoher Nachfrage werden auch in gewünschter Menge


produziert, Güter mit geringer Nachfrage weniger. Da Unternehmer
so viel wie möglich verdienen wollen, sind sie sehr flexibel und
finden schnell heraus, welche Dinge begehrt sind. 5

• Wettbewerb zwischen den Unternehmen. Der Unternehmer ist


gezwungen, effektiv zu arbeiten, um den Preis möglichst niedrig zu
halten. Kann er seine Konkurrenten unterbieten, kaufen viele
Kunden seine Produkte.
• Unternehmen sind an technischen Verbesserungen interessiert, um 10
konkurrenzfähig zu sein.

12 Wirtschaftsdeutsch
Einheit 1 Teil A: Marktwirtschaft – gut oder schlecht?

Nachteile der Marktwirtschaft Soziale Marktwirtschaft


Das klingt nun alles sehr gut. Doch gibt es Um mehr soziale Gerechtigkeit herzustel- 30

auch gravierende Probleme: len, greift der Staat gezielt in wirtschaft-


liche Prozesse ein. Beispielsweise bietet er
15 • Märkte produzieren alles, wofür Kunden zu
bei Massenentlassungen Umschulungen
zahlen bereit sind. Unabhängig davon, ob die
der Arbeitskräfte an, oder er schafft durch
Güter den Menschen schaden, (z. B. fett-
Subventionen Arbeitsplätze. In Deutschland 35
reiche Nahrungsmittel) oder die Umwelt
erhalten die Arbeitnehmer bei geringem
nachteilig beeinflussen (z. B. Verschmutzung
Einkommen oder Arbeitslosigkeit finanzielle
20 von Gewässern).
Unterstützung. Hier spricht man von sozialer
• Märkte fragen nicht nach Moral und
Marktwirtschaft.
Gerechtigkeit (z. B. Kinderarbeit, sehr
Dennoch finden viele Menschen häufig keine 40
schlechte Arbeitsbedingungen für Men-
Arbeit oder müssen schlecht bezahlte Jobs an-
schen in armen Ländern).
nehmen. Langzeitarbeitslose, alleinerziehende
25 • Marktwirtschaft ermöglicht, dass einige
Mütter und Väter, Minijobber, Alte, Behinderte
Menschen ungeheuer reich werden, andere
gehören in den meisten Gesellschaften der un-
trotz hoher Arbeitsbelastung sehr arm
tersten Einkommensschicht an. 45
bleiben.
S. Jahr

Lexik:
begehrt sein, gezwungen sein, die Umschulung, unterbieten

Aufgabe 2: Beantworten Sie die folgenden Fragen!

1) Welche Vorteile kennzeichnen die Marktwirtschaft?


a. Wie viel wird produziert?
b. Wozu sind Unternehmen gezwungen?
c. Woran sind Unternehmen interessiert?
2) Welche Nachteile hat die Marktwirtschaft?
a. Was interessiert Unternehmen nicht?
b. Wonach fragen Unternehmen nicht?
c. Welche negativen Folgen hat die Marktwirtschaft?
3) Was bedeutet soziale Marktwirtschaft?

Wirtschaftsdeutsch 13
Einheit 1 Teil B: Wirtschaft und Politik

 B Wirtschaftskaleidoskop
Wirtschaft und Politik

Einstimmung: Was verbinden Sie mit dem Begriff „Made in Germany“?

download
HV_01 Aufgabe1: Hören Sie den Text „Made in Germany“ – eine Erfolgsgeschichte!

a) Machen Sie sich Notizen zu den Textteilen!

Teil I: Bedeutung des Labels „Made in Germany“


ein zentraler Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft
1. Die Marke ist: a) ___________________________________________________________
b) entscheidendes Differenzierungsmerkmal _________________________
2. Worauf sollte man keine Energie verschwenden? __________________________________
Teil II: Woher kommt die Marke?
1. Bekannt seit dem Jahr _______________________________________________________
2. Als ______________________ vor minderwertigen deutschen Produkten
3. Die Marke steht für: ________________________________________________________
Teil III: Die Weltmarke weiterdenken
1. Wessen Verdienst ist das? ____________________________________________________
2. Wer hat damit nichts zu tun? _________________________________________________
3. Was wird sichtbar gemacht? __________________________________________________

b) Netzwerk Hören Sie den Text noch einmal und ergänzen Sie das Netzwerk

Marke Made in Germany

wichtig woher ist

Unternehmen 1887 Erfolgsfaktor


wollen auf Regierung

Folge Ursache Ursache

keine Schutz vor deutsche Produkte:


des Markennamens Waren ,
höchste technische Standards
Einschränkung Ergebnis Verdienst

viele dt. Großkonzerne Made in Germany: deutsche Wirtschaft


Herstellung nicht europäische
Zukunft

Einbezug
weiterhin dt. Qualitätsdenken

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Einheit 1 Teil B: Abschied vom Rekordwachstum

Aufgabe 2: Sprechen Sie anhand des Netzwerks zum Text!


Verdeutlichen Sie die Relationen zwischen den Aussagen durch Relatoren.

Relatoren zum Netzwerk

Die Relatoren zwischen den Aussagen sind durch folgende sprachliche Ausdrücke zu belegen:

Folge: so dass ... • deshalb • demzufolge • folglich • darum • dadurch • das führt zu (+D.) •
aus diesem Grund • das hat zur Folge, dass ... • daraus ergibt sich
Ursache: weil • da • aufgrund (+G.) • infolge (+G.) • angesichts (+G.) •
die Ursache liegt darin, dass ... • ... ist auf (+A.) zurückzuführen
Ergebnis: das Ergebnis war • zu dem Ergebnis führen/kommen, dass ... • es zeigte sich, dass ...
Einschränkung: obwohl • obgleich • wenn auch • wenngleich • aber • trotzdem • dennoch

Aufgabe 3: Formulieren Sie die Wortgruppen des Netzwerks aus und schreiben Sie
einen zusammenhängenden Text!

B Wirtschaftskaleidoskop
 Abschied vom Rekordwachstum

Einstimmung: Überlegen Sie, ob die Wirtschaft immer wachsen sollte.

Aufgabe 1: Lesen Sie den Text!


Abschied vom Rekordwachstum


Die Wirtschaft wächst immer langsamer – und zwar seit Jahrzehnten.
Die Forscher suchen die Gründe dafür.

1. Die Wirtschaft wächst nur noch deutlich wird. „Wie kommt es, dass die
langsam Zentralbanken die Wirtschaft so lange so un- 20
glaublich unterstützt haben und das Wachstum
1 Das starke Wachstum der fünfziger Jahre ist
trotzdem so gering ist?“, fragte zum Beispiel der
in den Industrieländern heute praktisch un-
ehemalige Vizepräsident der amerikanischen
erreicht. Schlimmer noch: Seit den fünfziger
Zentralbank, Donald Kohn.
Jahren wächst die Wirtschaft kontinuierlich
5 langsamer – in Deutschland ebenso wie in den
2. Ursachen für das geringe 25
anderen Industriestaaten. Beispiel USA: Lagen
Wirtschaftswachstum
die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts
(BIP) in den fünfziger Jahren teils über 10 Sind die Menschen schlicht gesättigt und kau-
Prozent, haben sie heute schon seit zwölf Jahren fen nicht mehr zusätzliche Dinge ein, weil sie
10 die 5 Prozent nicht mehr erreicht. In Deutsch- schon genug haben? Gegen diese These spre-
land ist die durchschnittliche Wachstumsrate chen die Schlangen vor Apple-Stores und der 30

von 8,2 Prozent pro Jahr in den Fünfzigern auf Bedarf aus den Entwicklungsländern, die große
gerade mal 1,1 Prozent pro Jahr in den vergan- Mengen aus den Industriestaaten importieren.
genen zehn Jahren gesunken. Weitgehend unwidersprochen ist dagegen die
15 Ökonomen beginnen sich zu sorgen, denn Erklärung von Ökonomen wie Tyler Cowen an
schrumpfendes Wachstum kostet nicht der George Mason University nahe Washington. 35

nur Wohlstand, sondern schadet Staat und Er sagt: Der Wirtschaft sind schlicht die Ideen
Gesellschaft weit mehr, als im ersten Moment ausgegangen. Es gibt nicht viele Neuerungen

Wirtschaftsdeutsch 15
Einheit 1 Teil B: Abschied vom Rekordwachstum

wie das iPhone. Andere, wie das Internet, hätten untersucht hat - und selbst in den besten
zwar den Verbrauchern viel gebracht, aber weni- Zeiten der industriellen Revolution selten
40 ge Stellen geschaffen. Wachstumsraten von mehr als 2 Prozent fand.
„Ich finde 1,2 Prozent Wachstum in den ver-
3. Akzeptanz eines geringen gangenen zehn Jahren okay“ sagt Caspari. Eine 60
Wirtschaftswachstums? ähnliche Einschätzung hat Kai Carstensen am
Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung: „2,5 bis
Viele Wachstumsexperten drehen die Geschichte
3,5 Prozent Wachstum sind zu viel erwartet“,
aber um: Nicht die Wachstumsraten der ver-
sagt er. Diese Einstellung teilen allerdings nicht
45 gangenen Jahre seien niedrig, argumentiert
alle Politiker, Notenbanker und Bürger. Sie hän- 65
zum Beispiel der Wirtschaftstheoretiker Volker
gen den alten Wachstumsraten nach.
Caspari von der Technischen Universität
Solche Probleme ließen sich lösen, indem die
Darmstadt. Sondern das Wachstum der fünf-
Deutschen ihre Wachstumserwartungen senken.
ziger bis siebziger Jahre sei besonders kräftig
Es gibt eine Szene von Wachstumskritikern, die
50 gewesen. Damals hatten die Industrieländer
ganz auf Wachstum verzichten wollen. Aber das 70
die Zerstörungen aus dem Zweiten Weltkrieg
ist nur eine Minderheit, viele wollen lieber das
aufzuholen - eine außergewöhnliche Situation.
Wachstum früherer Jahrzehnte zurück.
Caspari verweist auf Schätzungen des briti-
(Patrick Braun, FAZ, Nr. 282, 3.12.2012, S. 12)
schen Wirtschaftshistorikers Angus Maddison,
55 der die Wachstumsraten früherer Jahrhunderte

Aufgabe 2: Beantworten Sie die Fragen zum Text!

1) Wie ist das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern seit den 50er Jahren?
2) Wie sehen die Zahlen für Amerika und für Deutschland aus?
3) Warum machen sich die Ökonomen Sorgen?
4) Was wird als Ursache diskutiert?
5) Was spricht gegen diese These?
6) Welche andere Erklärung für die Ursachen gibt es?
7) Was sagen weitere Wachstumsexperten?
8) Wie waren die Wachstumsraten früherer Jahre?
9) Was sei zu viel erwartet?
10) Wer teilt diese Einstellung nicht?
11) Was wollen einige Kritiker des Wachstums?
12) Was wollen die meisten Menschen?

Aufgabe 3: Erörtern Sie in einem Dialog, ob die Wirtschaft nur wenig wachsen sollte.

Sollte die Wirtschaft nur wenig wachsen?


Die Menschen sollten
insgesamt weniger kaufen,
denn sie haben schon genug.

Nun. Diese Meinung


teile ich nicht. ...

Menschen-weniger kaufen
genug haben Meinung nicht teilen:
Schlangen vor Computer-Läden, Import
der Entwicklungsländer
vielleicht: wenig neue Ideen
und neue Produkte

16 Wirtschaftsdeutsch
Einheit 1 Teil B: Abschied vom Rekordwachstum

widersprechen: Computer-Technologie
hoher Verkauf, Internet
berücksichtigen: Internet
wenig Arbeitsplätze
Überzeugung: heute Wachstumsraten-
nicht zu niedrig, dagegen 50er Jahre-sehr
hoch, Zerstörung 2.Weltkrieg
Wie frühere Jahrhunderte?
ca. 2 %, zu hohe Erwartung 2,5-3,5 %
Das ist in Ordnung
bezweifeln: viele Politiker
Banker, Bürger – anders
Wachstumskritiker sogar:
völliger Verzicht auf Wachstum
unrealistisch, meisten Leute:
Wachstum früherer Jahrzehnte

Aufgabe 4: Formulieren Sie die Wortgruppen aus und schreiben Sie einen zusammen-
hängenden Text!

Verwenden Sie folgende sprachliche Mittel der Stellungnahme:

Widersprechen:
Ich bezweifle, dass ...
Ich wende mich dagegen, dass ...
Ich wende mich gegen die Behauptung, dass ...
Ich bestreite/weise zurück, dass ...

Eigene Meinung:
Ich meine/denke/glaube/nehme an, dass ...
Ich bin der Meinung/Ansicht/Auffassung/
Überzeugung, dass ...
Begründen: Meiner Meinung/Ansicht/Auffassung/
Die Ursache liegt darin, dass ... Überzeugung nach ...
Eine mögliche Ursache ist ... Meiner Meinung nach sollte man/muss man ...
... ist auf ... zurückzuführen Ich bin von der Notwendigkeit überzeugt, dass ...
Ich möchte darauf hinweisen, dass ...

Schlussfolgern:
Einwenden: Das hat zur Folge, dass ...
Man muss auch berücksichtigen, dass ... Daraus ergibt sich ...
Das ist nur richtig, wenn ... Hieraus ergeben sich folgende Konsequenzen: ...
Es ist zu prüfen/zu berücksichtigen/in Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass ...
Betracht zu ziehen, dass ...
zwar ..., aber ...
wenn auch ..., so doch ...
einerseits ..., andererseits ...

Wirtschaftsdeutsch 17
Einheit 1 Teil B: Kapitalistische Jäger und Sammler

 B Wirtschaftskaleidoskop
Kapitalistische Jäger und Sammler

Einstimmung: Was wissen Sie über Jäger-und-Sammler-Gesellschaften?

Aufgabe 1: Lesen Sie den Text!

Kapitalistische Jäger und Sammler


1 Unsere moderne Industriegesellschaft ist durch einen Überfluss an Gütern jeglicher Art gekenn-
zeichnet. Typisch ist: wir kaufen Dinge, werfen sie weg, kaufen neue. Unsere Gesellschaft ist eine
Konsumgesellschaft, auch wenn der Besitz und der Reichtum unterschiedlich verteilt sind.
Werfen wir einen Blick auf Gemeinschaften einer sehr frühen Kulturstufe, auf ursprünglich le-
5 bende Völker. Es sind die so genannten Jäger und Sammler. In einigen Rückzugsgebieten, meist
unzugänglichen Gegenden, kann man auch heute noch solche Gesellschaften finden.

Wie ist ihre Wirtschaftsform? gleichende Verteilung gilt nicht nur für Fleisch,
sondern für alle Nahrungsarten.
Die Frauen sammeln Wurzeln, Früchte,
Ethnologen konnten immer wieder feststellen,
Insekten und andere Kleintiere, die Männer ge-
dass die Menschen in der Mehrzahl viel Zeit
10 hen auf Jagd, bisweilen werden Gärten angelegt.
füreinander haben. Im Durchschnitt wird nur 45
Das Besondere dieser Gesellschaften ist, dass
20 Stunden pro Woche gearbeitet. Die Menschen
alles Leben, insbesondere die Versorgung mit
verbringen ihre Zeit mit Plaudern, Lachen,
Gütern nicht auf den Einzelnen ausgerichtet Tanzen und sie spielen mit ihren Kindern.
ist. Vielmehr gilt das Prinzip, die Versorgung Eine Person, die versuchen wollte, sich Vorrechte
15 und das Überleben der ganzen Gruppe (d. h. über die natürlichen Ressourcen (Boden, Tiere, 50
der Menschen, die zusammenleben) zu sichern. Pflanzen) zu verschaffen, müsste scheitern. Sie
Man weiß heute, dass die meisten dieser Jäger- würde entweder umgebracht, verlassen oder
und Sammler-Gesellschaften in politischer wie mindestens ausgegrenzt werden.
ökonomischer Hinsicht weitgehend egalitär wa- Nach diesen Prinzipien lebte bis in die 1980er
20 ren. In diesen Gemeinschaften ist man bestrebt, Jahre auch das Volk, das als „!Kung“ bezeich- 55
jegliche Ansätze von Ungleichheit und Macht net wird. Die !Kung sind die alt eingesessenen
zu verhindern. Das bedeutet, ein Besitzdenken Bewohner der Wüste Kalahari in Südwestafrika.
wird nicht zugelassen. Mitte der 1980er Jahre änderte sich das Leben
grundlegend. Denn nun ging man nicht mehr
Wie wird das erreicht? auf Jagd, jede Familie lebte zurückgezogen für 60

25 Solidarität ist oberstes Gebot. Das Wild wird sich allein. Man stellte die Hütte so auf, dass die
unmittelbar nach der Jagd zerlegt und zum Nachbarn nicht mehr ins Innere sehen konnten.
Verzehr unter allen Gruppenmitgliedern, selbst Niemand sollte sehen, wo die Kiste mit dem
diejenigen, die keinen Erfolg hatten, aufgeteilt. Eigentum aufbewahrt wurde, und vorsichtshal-
Oder aber die Verteilung der Jagdbeute wird ber hatte man Schlösser an den Kisten ange- 65

30 nicht vom erfolgreichen Jäger vorgenommen, bracht.


sondern andere Personen teilen das Fleisch. In
vielen Kulturen ist es der Besitzer des Pfeils, mit Was war passiert?
dem das Tier getötet wurde. Der Jagderfolg wird Es war der Einzug der Marktwirtschaft. Vorbei
nicht dem Geschick des Jägers, sondern den war es mit der Gleichverteilung des Besitzes
35 Pfeilspitzen zugeschrieben. Diese werden daher und der Solidarität. Durch den Handel, den die 70
oft getauscht. Außerdem bleibt der überdurch- Regierung von Botswana mit den !Kung trieb,
schnittlich erfolgreiche Jäger oft wochenlang zu waren die Menschen zu Geld gekommen. Mit
Hause, um keinen Anlass zu Neid zu geben. Er diesem Geld konnte man Dinge kaufen und
übt Selbstbeschränkung, denn er möchte das so- man fand am bescheidenen Besitz Gefallen.
40 ziale Gleichgewicht nicht gefährden. Eine aus- Doch was man als Einzelner erworben hatte, 75

18 Wirtschaftsdeutsch
Einheit 1 Teil B: Opernhäuser fördern das Wirtschaftswachstum

musste nun gehütet werden. Der Kapitalismus vertrieben. Viele arbeiten heute als Dienstboten
war bei ihnen angekommen! auf Farmen oder als billige Landarbeiter bei den
Für die !Kung wurde das Leben nun sehr hart. reichen Landbesitzern.
Da man Diamanten unter dem Wüstensand S. Jahr
80 vermutete, wurden die !Kung von ihrem Land

Lexik:
egalitär, der Pfeil, scheitern

Aufgabe 2: Beantworten Sie mündlich die Fragen zum Text!

1) Wie nennt man die frühesten menschlichen Gesellschaften?


2) Was machen die Frauen und was machen die Männer?
3) Was ist das Besondere dieser Gesellschaften?
4) Worum geht es letztlich?
5) Was versucht man zu verhindern?
6) Was ist oberstes Gebot?
7) Welche Solidaritätsprinzipien nennt der Text?
8) Warum bleibt der erfolgreiche Jäger zu Hause?
9) Wie verbringen die Menschen die meiste Zeit?
10) Was würde mit demjenigen passieren, der versuchen würde, sich Vorteile zu verschaffen?
11) Wo lebt das Volk der !Kung?
12) Wie änderte sich ihr Leben Mitte der 1980er Jahre?
13) Was sollten die Nachbarn nicht sehen?
14) Warum hatte sich ihr Leben geändert?
15) Was hatte die Änderung der Lebensumstände zur Folge?
16) Was war bei ihnen angekommen?
17) Warum wurde das Leben der !Kung seitdem sehr hart?
18) Wie leben sie heute?

Aufgabe 3: Diskutieren Sie die Vorteile und Nachteile des Lebens in Jäger und Sammler-
Gesellschaften gegenüber modernen Industriegesellschaften. Verwenden Sie
die auf Seite 17 angegebenen sprachlichen Mittel der Stellungnahme.

Aufgabe 4: Diskutieren Sie schriftlich die Vor- und Nachteile der beiden Gesellschaftsformen.

 B Wirtschaftskaleidoskop
Opernhäuser fördern das Wirtschaftswachstum

Einstimmung: Was haben Theaterstandorte mit dem Wirtschaftswachstum der Region zu tun?

Aufgabe 1: Hören Sie das Interview mit Oliver Falck, Ökonom beim Ifo-Institut München, zum download
HV_01
Thema „Opernhäuser fördern das Wirtschaftswachstum“ und machen Sie sich Notizen!

Aufgabe 2: Was versteht man unter der Henne-Ei-Frage?

Wirtschaftsdeutsch 19
Einheit 1 Teil C: Passiv und Passiversatz

Aufgabe 3: Geben Sie den Inhalt des Interviews in dialogischer Form wieder!

Wie viel Geld wird


in Deutschland für
Kultur ausgegeben?

Wie viel Geld/Deutschland/


für Kultur?
25 €/Einwohner
Welchen Vorteil –
Kultureinrichtungen
in Region – Zuzug vieler Hochgebildeter

Warum – dieses Ziel?

Förderung Wirtschaftswachstum

Was – weiterhin attraktiv

schöne Natur, Berge, Meer


Welchen Unterschied:
Opernhäuser, Museen
einerseits, Natur andererseits
nur Kultureinrichtungen machbar,
Beeinflussung Politik
Dennoch: nur 1 Faktor
wirtschaftlicher Entwicklung

C Übungen zur Struktur und zum Wortschatz


Schwerpunkt: Passiv und Passiversatz

Übung 1: Ergänzen Sie die Passivformen. Verwenden Sie die Wörter aus dem Kasten.

beschäftigen – stellen – unterstützen – exportieren – bezahlen –


anlegen – subventionieren – kaufen – investieren

werden
Von Steuern _____________ (1) nicht nur öffentliche Güter und Dienstleistungen _____________(2),

sondern auch Unternehmen _____________(3). In Deutschland _____________(4) z. B. die Erzeu-


gung landwirtschaftlicher Produkte _____________(5). In Unternehmen _____________(6) Arbeits-
kräfte _____________(7), die ein Einkommen erhalten, mit dem von Haushalten Konsumgüter und
Dienstleistungen _____________(8) _____________(9). Sofern sie Geld übrig haben, _____________(10)
dieses bei einer Bank _____________(11).Von den Banken wiederum _____________(12) den Unternehmen
Kredite zur Verfügung _____________(13), damit in die Betriebe _____________(14) _____________(15),
z. B. in Maschinen. Die Unternehmen sind oft gezwungen, bestimmte Güter aus dem Ausland zu impor-
tieren. Andere Güter _____________(16) jedoch _____________(17).
20 Wirtschaftsdeutsch
Einheit 1 Teil C: Passiv und Passiversatz

Übung 2: Sagen Sie die Sätze anders. Gebrauchen Sie eine Passivform.

Beispiel: In Europa erreicht man das starke Wachstum der fünfziger Jahre heutzutage kaum mehr.
In Europa wird das starke Wachstum der fünfziger Jahre heutzutage kaum mehr erreicht.

1) Auch in Nordamerika erzielte man in den 50ern Wachstumsraten über 10 %.


2) In den letzten Jahrzehnten verzeichnete man in Deutschland immer geringere Gewinne.
3) Laut einiger Ökonomen konsumieren die Menschen heutzutage einfach weniger als früher.
4) In den Nachkriegsjahren hat man viel mehr Haushaltsgeräte und Nahrungsmittel gekauft.
5) Anderen Wissenschaftlern zufolge entwickelte die Wirtschaft seit Langem keine wirklichen
Neuerungen.
6) Viele Verbraucher nutzen zwar solche Produkte wie das Internet, aber diese schaffen nur wenige
Stellen.
7) In manchen Fachkreisen sieht man das Wachstumsproblem anders.
8) Der britische Wirtschaftshistoriker Maddison hat die Wachstumsraten früherer Jahrhunderte
untersucht.
9) Nach seinen Untersuchungen hat man selbst in den besten Zeiten der industriellen Revolution
selten Wachstumsraten von über 2 % verzeichnet.
10) Die Einschätzung von Kai Carstensen am Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung – 2,5 bis 3,5 %
seien zu viel erwartet – teilen die meisten Politiker, Notenbanker und Bürger nur ungern.

Übung 3: Sagen Sie die Sätze im Passiv mit „sollen“.

Wirtschaftliche Konzepte moderner Staaten


a) Vom Staat soll eingegriffen werden
Beispiel: Der Staat will die Schwankungen der Wirtschaft begrenzen.
Die Schwankungen der Wirtschaft sollen begrenzt werden.

1) Der Staat will eine sogenannte antizyklische Stabilisierungspolitik betreiben.


2) Man will dem Zyklus von starker und schwacher Wirtschaftskraft entgegenwirken.
3) Man will durch Einflussnahme die Wirtschaftsentwicklung stabilisieren.
4) Die Regierung will die staatliche Finanzpolitik stärken.
5) Man will die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen vergrößern.
6) Die Regierung will die Stabilisierung durch die Vergabe zahlreicher Bauaufträge erreichen.
7) Als zusätzliches Instrument will man die Steuern senken.
8) Auf diese Weise will die Regierung die Wirtschaft des Landes beleben.

b) Vom Staat soll nicht eingegriffen werden


Beispiel: Man will nicht, dass der Staat die Wirtschaft steuert.
Die Wirtschaft soll nicht vom Staat gesteuert werden.

1) Man will nicht, dass Banken die Märkte regulieren.


2) Man will, dass negative Auswirkungen der Märkte durch das Marktgeschehen selbst korrigiert
werden.
3) Man will, dass alle Marktteilnehmer einen maximalen Gewinn erreichen.
4) Dabei will man, dass der Aufwand möglichst gering gehalten wird.
5) Man will, dass durch die Produktion von Gütern ein höchstmöglicher Profit erzielt wird.
6) Man will, dass der Wohlstand durch den Konsum von Gütern erhöht wird.

Wirtschaftsdeutsch 21
Einheit 1 Teil C: Passiv und Passiversatz

Übung 4: Welches Modalverb passt Ihrer Meinung nach?


In welchem Zusammenhang würden Sie welches Verb gebrauchen?

Vorteile und Nachteile der Marktwirtschaft


1) Güter mit hoher Nachfrage _____________ in gewünschter Menge produziert werden.
2) Auf die Veränderungen auf dem Markt _____________ sehr flexibel reagiert werden.
3) Von Unternehmern _____________ effektiv gearbeitet werden, um den Preis möglichst niedrig
zu halten.
4) Es _____________ stets technische Verbesserungen vorgenommen werden, um konkurrenzfähig
zu sein.
5) In der Marktwirtschaft _____________ auch schädliche Produkte hergestellt werden, z. B. fettreiche
Nahrungsmittel.
6) Es _____________ keine Rücksicht auf Moral und Gerechtigkeit genommen werden.
7) Im Prinzip _____________ alles produziert werden, wofür die Kunden bereit sind zu zahlen.

Übung 5: Ratschläge und Tipps mit „sollte-„:


Formulieren Sie die Postulate in vollständigen Sätzen im Passiv!

Beispiel: Mehr Gerechtigkeit herstellen!


Es sollte mehr Gerechtigkeit hergestellt werden. / Mehr Gerechtigkeit sollte hergestellt werden.

1) Staat: Gezielt in wirtschaftliche Prozesse eingreifen!


2) Bei Massenentlastungen Umschulungen der Arbeitskräfte anbieten!
3) Durch Subventionen Arbeitsplätze schaffen!
4) Regierung: Arbeitslosen finanzielle Unterstützung gewährleisten!
5) Staat: Für sozialen Ausgleich sorgen!
6) Rolle des Staates: Arbeitnehmer bei geringem Einkommen finanziell unterstützen!
7) Wirtschaft: Mehr Jobs schaffen!
8) Unternehmen: neue Arbeitsmodelle für alleinerziehende Mütter und Väter schaffen!

Übung 6: Aktivformen, Passivformen und Passiversatzformen

Verb „können“
Aktiv Man kann das Problem lösen, ...
Passiv Das Problem kann gelöst werden, ... ... indem die Wirtschaft Neuer-

Das Problem ist zu lösen, ... ungen auf den Markt bringt, die
Passiversatz Das Problem lässt sich lösen, ... auch Arbeitsplätze schaffen.
Das Problem ist lösbar, ...

a) Drücken Sie den Sachverhalt mit den vorgegebenen Formen aus!


Beispiel: Das Wachstum der 50er Jahre kann heutzutage praktisch nicht mehr erreicht werden.
(lassen sich + Inf. / sein + -bar)
Das Wachstum der 50er Jahre lässt sich heutzutage praktisch nicht mehr erreichen.
Das Wachstum der 50er Jahre ist heutzutage praktisch nicht mehr erreichbar.

1) Solche Probleme ließen sich lösen, indem die Deutschen ihre Wachstumserwartungen senken.
(sein + -bar / sein + zu + Inf.)

22 Wirtschaftsdeutsch
Einheit 1 Teil C: Passiv und Passiversatz

2) Selbst in den besten Zeiten konnte man selten Wachstumsraten von über 2% verzeichnen.
(Passiv / lassen sich + Inf.)
3) Was kann nicht erwartet werden? (sein + zu + Inf. / lassen + Inf.)
4) Auf Wachstum kann im Allgemeinen nicht verzichtet werden. (Aktiv / sein + zu + Inf.)
5) Die Maßnahmen sind aus den Daten der gesamtwirtschaftlichen Rechnung ableitbar.
(lassen sich + Inf. / Aktiv)
6) Aus den Daten kann man hinsichtlich der künftigen Wirtschaftspolitik Schlussfolgerungen ziehen.
(Passiv / lassen sich + Inf.)
7) Wachstumsraten sind in vielen Fällen nur schwer vorhersehbar. (sein + zu + Inf. / lassen + Inf.)

b) Bilden Sie Sätze mit Passiversatz und einer passenden Konjunktion!


Beispiel: ein maximaler Gewinn – erreichen – die Produktion weitestgehend automatisieren
Ein maximaler Gewinn lässt sich nur dadurch erreichen, dass die Produktion weitestgehend
automatisiert wird.

1) ein höchstmöglicher Profit – erzielen – Sozialleistungen kürzen


2) die Wirtschaftsentwicklung – regulieren – der Staat senkt Steuern und stabilisiert die Entwicklung
3) Schwankungen der Wirtschaft – begrenzen – der Staat betreibt eine antizyklische Stabilisierungs-
politik
4) finanzielle Mittel – als Investition verwenden – den Gewinn eines Unternehmens steigern
5) die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen – vergrößern – der Staat vergibt zahlreiche
Bauaufträge
6) die Wirtschaft – beleben – staatliche Maßnahmen ergreifen

c) Bilden Sie jeweils zwei weitere Formen!


Verb „müssen“
Aktiv Unternehmen müssen Steuern zahlen.
Passiv Steuern müssen gezahlt werden.
Passiversatz Unternehmen haben Steuern zu zahlen.
Steuern sind zu zahlen.
Es gilt, Steuern zu zahlen.

Beispiel: Das Unternehmen muss bestimmte Rohstoffe aus Zentralafrika importieren. (Aktiv)
Bestimmte Rohstoffe müssen aus Zentralafrika importiert werden. (Passiv)
Es gilt, bestimmte Rohstoffe aus Zentralafrika zu importieren. (Passiversatz)

1) Auch Haushalte im Sinne von Wirtschaftseinheiten haben Steuern an den Staat zu entrichten.
2) Bei allen Maßnahmen ist die Förderung der Volkswirtschaft zu berücksichtigen.
3) Der Staat hat für einen geordneten Ablauf des Geschehens zu sorgen.
4) Die Mindestlöhne müssen durch die Politik festgelegt werden.
5) Es gilt, mehr soziale Gerechtigkeit herzustellen.

Wirtschaftsdeutsch 23
Einheit 1 Teil C: Passiv und Passiversatz

d) Bilden Sie Passiversatzformen mit „es gilt“.


Beginnen Sie die Sätze mit den vorgegebenen Ausdrücken.

Beispiel: erstens - bei Massenentlastungen die Umschulungen der Arbeitskräfte anbieten


Erstens gilt es (Es gilt erstens), bei Massenentlastungen die Umschulungen der Arbeitskräfte
anzubieten.

1) zweitens - durch Subventionen neue Arbeitsplätze schaffen


2) des Weiteren - finanzielle Unterstützung für sozial Schwache gewährleisten
3) außerdem - Langzeitarbeitslose durch Förderprogramme in den ersten Arbeitsmarkt integrieren
4) darüber hinaus - bessere Wiedereinstiegschancen für Alleinerziehende schaffen
5) als oberstes Ziel - soziale Gerechtigkeit herstellen

Übung 7: Ergänzen sie die fehlenden Präpositionen!

Solidarität gilt ________(1) oberstes Gebot. Das Wild wird unmittelbar ________(2) der Jagd zerlegt und
________(3) Verzehr ________(4) allen Gruppenmitgliedern, selbst diejenigen, die keinen Erfolg hatten,
aufgeteilt. Oder aber die Verteilung der Jagdbeute wird nicht________(5) dem erfolgreichen Jäger vor-
genommen, sondern andere Personen teilen das Fleisch. ________(6) vielen Kulturen ist es der Besitzer
des Pfeils, ________(7) dem das Tier getötet wurde. Der Jagderfolg wird nicht dem Geschick des Jägers,
sondern den Pfeilspitzen zugeschrieben. Diese werden daher oft getauscht. Außerdem bleibt der über-
durchschnittlich erfolgreiche Jäger oft wochenlang ________(8) Hause, um keinen Anlass ________(9)
Neid zu geben. Er übt Selbstbeschränkung, denn er möchte das soziale Gleichgewicht nicht gefährden.
Eine ausgleichende Verteilung gilt nicht nur ________(10) Fleisch, sondern ________(11) alle Nahrungs-
arten. Ethnologen konnten immer wieder feststellen, dass die Menschen ________(12) der Mehrzahl
viel Zeit füreinander haben. ________(13) Durchschnitt wird nur 20 Stunden pro Woche gearbeitet. Die
Menschen verbringen ihre Zeit ________(14) Plaudern, Lachen, Tanzen und sie spielen ________(15) ih-
ren Kindern. Eine Person, die versuchen wollte, sich Vorrechte ________(16) die natürlichen Ressourcen
(Boden, Tiere, Pflanzen) zu verschaffen, müsste scheitern. Sie würde entweder umgebracht, verlassen
oder mindestens ausgegrenzt werden.

Übung 8: Bilden Sie aus dem zweiten Satz einen Relativsatz.

Beispiel: Unsere moderne Industriegesellschaft ist eine Konsumgesellschaft. Sie ist durch einen
Überfluss an Gütern jeglicher Art gekennzeichnet.
Unsere moderne Industriegesellschaft ist eine Konsumgesellschaft, die durch einen Überfluss an
Gütern jeglicher Art gekennzeichnet ist.

1) Werfen wir einen Blick auf Gemeinschaften einer sehr frühen Kulturstufe. Man kann sie in einigen
Rückzugsgebieten, meist unzugänglichen Gegenden, auch heute noch finden.
2) Das Besondere dieser Gesellschaften ist, dass alles Leben, insbesondere die Versorgung mit Gütern
nicht auf den Einzelnen ausgerichtet ist. In solchen Gesellschaften sammeln die Frauen Wurzeln,
Früchte, Insekten und andere Kleintiere, und die Männer gehen auf die Jagd.
3) Die meisten dieser Jäger- und Sammler-Gesellschaften waren in politischer wie ökonomischer Hin-
sicht weitgehend egalitär. In diesen Gesellschaften ist man bestrebt, jegliche Ansätze von Ungleichheit
und Macht zu verhindern.
4) Ein Besitzdenken wird in solcher Kultur nicht zugelassen. Dort ist Solidarität oberstes Gebot.
5) Die Verteilung der Jagdbeute wird nicht vom stärksten bzw. ältesten Jäger vorgenommen, sondern
oft von dem Besitzer des Pfeils, weil der Jagderfolg den Pfeilspitzen zugeschrieben wird. Mit diesem
Pfeil wurde das Tier erlegt.

24 Wirtschaftsdeutsch
Einheit 1 Teil C: Passiv und Passiversatz

6) Der überdurchschnittlich erfolgreiche Jäger bleibt oft wochenlang zu Hause und übt Selbstbeschränk-
ung, um keinen Anlass zu Neid zu geben. Er möchte das soziale Gleichgewicht nicht gefährden.
7) Die Menschen verbringen ihre Zeit mit Plaudern, Lachen, Tanzen, sie spielen mit ihren Kindern
und haben in der Mehrzahl viel Zeit füreinander. Sie arbeiten im Durchschnitt nur 20 Stunden pro
Woche.

Übung 9: Nominalisieren Sie die verbalen Phrasen

Beispiel: mit Gütern versorgen die Versorgung mit Gütern


_______________________________________

1) auf den Einzelnen ausrichten _______________________________________


2) die Beute verteilen _______________________________________
3) das Wachstum schrumpft _______________________________________
4) der Wirtschaftshistoriker Maddison schätzt _____________________________________
5) Politiker werden kritisiert _______________________________________
6) der Konsum steigt an _______________________________________
7) das soziale Gleichgewicht gefährden _______________________________________
8) vom Staat kontrolliert werden _______________________________________
9) das Geschehen läuft geordnet ab _______________________________________

Übung 10: Wählen Sie das korrekte Verb!


1) Unternehmen haben / sehen die Pflicht, Steuern zu entrichten.
2) Banken stehen / stellen den Unternehmen diverse Kredite zur Verfügung.
3) Viele Unternehmer sind der Meinung, dass Sie unter dem Einfluss des Staates stehen / liegen.
4) Der Einfluss der Staatspolitik auf die Wirtschaft steht / ist nicht in Frage.
5) Der direkte Einfluss der Politiker wird in der breiten Öffentlichkeit in Zweifel gebracht / gezogen.
6) Viele Politiker werden namentlich mit bestimmten Wirtschaftsfirmen in Verbindung gezogen /
gebracht.

Übung 11: Lesen Sie den Text und setzen Sie ihn ins Perfekt!

Nach diesen Prinzipien lebte bis in die 1980er Jahre auch das Volk der „!Kung“ in der Wüste Kalahari in
Südwestafrika. Mitte der 1980er Jahre änderte sich das Leben grundlegend. Denn nun ging man nicht
mehr auf Jagd, jede Familie lebte zurückgezogen für sich allein. Man stellte die Hütte so auf, dass die
Nachbarn nicht mehr ins Innere sehen konnten. Niemand sollte sehen, wo die Kiste mit dem Eigentum
aufbewahrt wurde und vorsichtshalber brachte man Schlösser an den Kisten an.

Übung 12: Wählen Sie das korrekte Verb und erklären Sie den Satz mit anderen Worten!

1) Wann kam / trat das Gesetz in Kraft?


2) Die neue Chefin genießt / hat bei der gesamten Belegschaft hohe Achtung.
3) Vor dem Urlaub möchte ich dieses Projekt zu Ende setzen / bringen.
4) Es ist / steht außer Frage, dass alle gleichzeitig Urlaub nehmen.
5) Die neue Abteilungsleiterin hat die Verhandlungen mit Fa. Mayer sehr geschickt gemacht / geführt.
6) Die Ausbilderin leistet / gibt ihren Auszubildenden jederzeit Hilfe.

weitere Übungen: www.booksbaum.de/zusatzmaterialien

Wirtschaftsdeutsch 25