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Warum bei Astrazeneca eine dritte Dosis


fällig ist
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Mittwoch, 04. August 2021

mRNA-Booster gegen Delta Warum


bei Astrazeneca eine dritte Dosis
fällig ist
Während bei den mRNA-Vakzinen von Biontech und
Moderna nur Risikogruppen eine Auffrischung
empfohlen wird, gilt dies für die Vektor-Impfstoffe von
Astrazeneca und Johnson&Johnson grundsätzlich.
Warum ist das so? Müssen sich Impflinge Sorgen
machen?

Im Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz war es


fast nur eine Randnotiz, aber sehr bemerkenswert: "Auch
allen, die mit den Impfstoffen von Astrazeneca oder
Johnson&Johnson mindestens einmal geimpft worden
sind, soll ab September eine weitere Impfung mit einem
mRNA-Impfstoff angeboten werden", so Bayerns
Gesundheitsminister Klaus Holetschek, der amtierende
GMK-Vorsitzende. Das heißt, es sollen grundsätzlich alle
Vektor-Impflinge eine Auffrischung erhalten. Bei
Biontech und Moderna sind dafür vorerst nur die
vulnerablen Gruppen vorgesehen.

Dies erweckt den Eindruck, dass die Vektor-Vakzine von


Astrazeneca und Johnson&Johnson in Deutschland
abgeschrieben wurden und künftig nur noch die mRNA-
Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zum
Einsatz kommen sollen. Aber ist das gerechtfertigt, sind
die Vektor-Wirkstoffe tatsächlich so viel schlechter?

Hin und Her bei Astrazeneca


Nicht unbedingt, denn bei der Entscheidung der
Gesundheitsminister spielen vermutlich mehrere
Faktoren eine Rolle. Bei Astrazeneca empfahl die
Ständige Impfkommission (STIKO) schon Anfang April
nur noch den Einsatz bei über 60-Jährigen. Der Grund
war ein höheres Risiko für sehr selten auftretende
Sinusvenen-Thrombosen. Jüngere sollen sich nur nach
einer individuellen ärztlichen Risikoanalyse und Beratung
impfen lassen.

Im Juli folgte die Empfehlung einer Zweitimpfung mit


einem mRNA-Impfstoff auch für über 60-Jährige. Der
Grund war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ein erhöhtes
Thrombose-Risiko, sondern die rasche Ausbreitung der
hochansteckenden Delta-Variante des Coronavirus.
Neue Studienergebnisse zeigten, dass die
Immunantwort nach einem sogenannten heterologen
Impfschema deutlich besser sei als die Immunantwort
nach einer zweifachen Impfung ausschließlich mit
Astrazeneca, so die STIKO.

Kombination viel wirksamer


Zuletzt hat dies vor wenigen Tagen eine gemeinsame
Studie der Technischen Universität München, des
Helmholtz Zentrums München, des Universi‐
tätsklinikums Erlangen und des Universitätsklinikums
Köln bestätigt. Die Forscher untersuchten das Blut von
rund 500 Probanden, die neun Wochen nach ihrer ersten
Impfung mit Astrazenecas Vektor-Impfstoff eine zweite
Impfung mit dem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer
bekommen hatten.

"Die neutralisierende Antikörperantwort war bei diesen


Probandinnen und Probanden sehr viel stärker
ausgeprägt als bei Menschen, die zweimal das Vakzin
von Astrazeneca bekamen", teilt das
Universitätsklinikum Erlangen mit. "Die Immunreaktion
auf die Kreuzimpfung zeigte sich als mindestens
genauso gut wie die Antikörperantwort nach zwei
Impfungen mit dem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer."

Eine Studie im Auftrag der britischen


Gesundheitsbehörde hat kürzlich die Wirksamkeit der
Impfstoffe von Astrazeneca und Biontech/Pfizer gegen
die Delta-Variante untersucht. Hier zeigte sich das
mRNA-Vakzin nach zwei Dosen mit einem Schutz von 88
Prozent gegen eine symptomatische Erkrankung dem
Vektor-Impfstoff klar überlegen, der nur auf 67 Prozent
kam.

Dritte Astrazeneca-Dosis Option für


ärmere Länder
Zwingend nötig scheint es aber nicht zu sein, bei bereits
zweifach mit dem Astrazeneca-Mittel geimpften
Menschen die Auffrischung mit einem mRNA-Vakzin
durchzuführen. Die am Impfstoff beteiligte Oxford-
Universität hat die Wirkung einer dritten Astrazeneca-
Dosis untersucht und die Ergebnisse in einem Preprint
veröffentlicht.

"Eine dritte Dosis, die mehr als sechs Monate nach der
zweiten Dosis verabreicht wird, führt zu einem
erheblichen Anstieg der Antikörper und bewirkt eine
starke Verstärkung der Immunantwort gegen SARS-
CoV-2, einschließlich der Varianten", teilte die Universität
vor einer Woche mit.

Für Deutschland, das mehr als genug mRNA-Impfstoff


zur Verfügung hat, mag das keine Rolle spielen, aber für
viele andere Länder der Welt, die sich nur den
günstigeren Vektor-Impfstoff leisten können. "Financial
Times" zufolge kosteten die Vakzine von Biontech/Pfizer
und Moderna in der EU bisher schon 15,50 und 19 Euro
pro Dosis. Offenbar wegen der erhöhten Nachfrage
sollen die Preise jetzt sogar auf 19,50 und 21,50 Euro
gestiegen sein. Eine Dosis des Astrazeneca-Impfstoffs
kostet laut "Biospace" dagegen nur 1,80 Euro.

Offene Fragen bei Johnson&Johnson


Ein Spezialfall ist der Vektor-Wirkstoff von
Johnson&Johnson. Denn er ist das einzige zugelassene
Vakzin, bei dem nur eine Dosis verabreicht wird.
Nachdem lange Daten zur Wirksamkeit des Impfstoffs
gegen die Delta-Variante gefehlt hatten, gibt es jetzt
erste Studien dazu - allerdings auf dünner Datenbasis
und mit widersprüchlichen Resultaten.

Der Hersteller teilte am 1. Juli mit, sein Wirkstoff


erzeuge auch gegen die hochansteckende Mutante eine
starke Immunantwort. Der zugrunde liegenden Vorab-
Studie nach ist die Bildung von Antikörpern nur 1,6 Mal
geringer als beim Wildtyp des Virus. Allerdings wurde
dafür nur das Blut von acht Studienteilnehmern der Stufe
3 analysiert.

Eine weitere am 19. Juli als Preprint veröffentlichte


Studie der New Yorker NYU Grossman School of
Medicine kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Für
sie analysierten die Wissenschaftler 17 Blutproben von
Probanden, die mit einem mRNA-Vakzin von
Biontech/Pfizer oder Moderna geimpft wurden, und zehn
Proben von Personen, die den Wirkstoff von
Johnson&Johnson erhalten hatten. Demnach war die
Antikörper-Bildung beim Vektor-Impfstoff 6,4 Mal
geringer, bei den mRNA-Vakzinen war der Titer nur um
das 3,3-fache reduziert.

Die Daten sagten nichts über die volle Natur des


Immunschutzes durch die Impfung aus, sagte ein
Johnson&Johnson-Sprecher "Bloomberg". Außerdem
berücksichtige die Studie keine lang anhaltenden
Reaktionen der durch den Impfstoff stimulierten
Immunzellen.

Der Einwand ist berechtigt. Aber auch die New Yorker


Verfasser der Studie schreiben den Impfstoff von
Johnson&Johnson keineswegs ab. Sie weisen darauf
hin, dass man die Immunisierung durch das Vakzin
neben einer heterologen Impfung auch durch eine zweite
Dosis des Vektor-Mittels auffrischen könnte.