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Angst vor falschen Freunden

Karl Barth hat zwar gegenüber dem Realsozialismus eine ambivalente Haltung
eingenommen, seine Theologie aber hat christlichen Regimegegnern in der DDR den
Rücken gestärkt. Das geht aus einem Büchlein des ostdeutschen Theologen Wolf Krötke
hervor.
Otto Kallscheuer
01.01.2014

Müssen grosse Theologen auch zugleich bedeutende politische Analytiker sein? –


Wohl kaum. Es ist unter modernen, weltanschaulich pluralistischen und werte-
«polytheistischen» Bedingungen ohnehin schwierig genug, den unbedingten
Ruf des einen, des wahren Gottes überhaupt zu vernehmen. Ein durchaus
politisch verfasstes Krisenbewusstsein «zwischen den Zeiten» verlieh nach dem
Ersten Weltkrieg Karl Barths Theologie vom Worte Gottes ihre neue, radikale
Sprache, wie sie in der zweiten Römerbrief-Auslegung Gestalt annahm (1922).
Dass der junge Schweizer Pfarrer Sozialist war (und auch als Professor bleiben
sollte), pointierte seine Krisenerfahrung. Freilich ist Barths Lehre deshalb noch
keine «politische Theologie».
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