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9 Biographische Zeittafel 1

Martin Luther
Leben, Schriften und Theologie

Biographische Zeittafel

1483
10. November: Martin Luder (die Schreibweise »Lu-
ther« wird von ihm selbst erst 1517 festgelegt) wird
als zweiter Sohn des Bergmanns Hans Luder [Abb. 2]
und seiner Frau Margarete Luder (wahrscheinlich geb.
Lindemann aus Neustadt/Saale, oder geb. Ziegler)
[Abb. 3] in Eisleben, Sachsen [Abb. 1 und Abb. 4],
geboren. Die Eltern sind kurz vorher aus ihrer Heimat
Thüringen nach Eisleben gezogen. Der Vater stammt
aus einer in Möhra am Westrand des Thüringer Wal-
des ansässigen Bauernfamilie (Luder oder Lüder =
Lothar) und hat sich dem Kupferbergbau in der Graf-
schaft Mansfeld zugewandt.
11. November: Martin Luther wird in der Pfarrkirche
St. Peter und Paul [Abb. 5] in Eisleben durch Pfarrer
Bartholomäus Rennebecher getauft.

1484
Die Familie Luther siedelt nach Mansfeld [Abb. 6]
über, wo Hans Luder sich langsam im Bergbau zu be-
scheidenem Wohlstand hocharbeitet. Die Familie ist
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arm und die 9 Kinder müssen knapp gehalten werden.


Später wird der Vater Teilhaber an einem Hütten-
werk.
Im Hause herrscht eine normale mittelalterliche Fröm-
migkeit, ebenso frei von Kritik an der Kirche wie von
besonderer Wärme. Luthers Mutter ist stark abergläu-
bisch.

1488
Frühjahr: Martin Luther wird auf die nahe der Geor-
genkirche gelegene Stadtschule von Mansfeld ge-
schickt. Der erst 4 1/2jährige lernt dort Lesen, Rech-
nen, Schreiben und das erste Latein.

1491
12. März: Luther tritt in die Lateinschule in Mansfeld
ein.

1497
Frühjahr: Luther besucht die Lateinschule in Magde-
burg bei den »Brüdern vom gemeinsamen Leben«
(vom Volk »Nullbrüder« genannt), einer Klosterge-
meinschaft von Laien und Klerikern, die sich vor
allem dem Schul- und Erziehungswesen widmen. Die
spätmittelalterliche Erweckungsfrömmigkeit, die sie
vertreten, bleibt ihm als gute Erfahrung mit der katho-
lischen Glaubenswelt in Erinnerung.
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September: Luther erlebt den Tag des Schutzpatrons


von Stadt und Dom mit und sieht erstmals eine große
Kirchenprozession.
Wahrscheinlich aus wirtschaftlichen Gründen holt ihn
der Vater zurück nach Mansfeld und schickt ihn dar-
aufhin zur Ausbildung nach Eisenach.

1498–1501
Luther besucht die Pfarrschule St. Georg in Eisenach,
Thüringen. Er verdient sich seinen Lebensunterhalt
unter anderem durch Singen in Kirchen und vor Haus-
türen.
Er erhält Zutritt zu den frommen, den Franziskanern
nahestehenden Patrizierhäusern von Heinrich Schalbe
und Kunz Cotta [Abb. 7] und findet in dem Stiftsvi-
kar Johannes Braun, der einen musikalisch-poetischen
Jugendkreis um sich sammelt, einen väterlichen
Freund. Durch regelmäßige Besuche bei seinen auf
dem Land lebenden bäuerlichen Verwandten in
Möhra wird er mit den sozialen Gegensätzen der Zeit
konfrontiert.

1501
April/ Mai: Luther wird an der 1392 gegründeten,
städtischen Universität Erfurt immatrikuliert [Abb. 8
und Abb. 9]. Das artistische Studium vermittelt ihm
die sichere Beherrschung der Grammatik, Rhetorik
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und der aristotelischen Logik, ein gründliches natur-


philosophisches Wissen und die genaue Kenntnis der
Ethik und Metaphysik des Aristoteles. Während ihn
seine Lehrer zur Kritik an Aristoteles und den Versu-
chen Thomas von Aquins, diesen mit der kirchlichen
Lehre zu harmonisieren, erziehen, behält Luther stets
eine hohe Wertschätzung einzelner Auffassungen des
Aristoteles, besonders seiner Logik und seiner politi-
schen Ethik.

1502
29. September: Luther wird Baccalaureus artium. Er
legt die Prüfung zum frühestmöglichen Zeitpunkt ab
und besteht sie als Dreißigster von Siebenundfünfzig.

1503
Er studiert Philosophie in Erfurt [Abb. 10 und Abb.
11].
Ostern: Auf einer Reise nach Mansfeld verletzt sich
Luther lebensgefährlich durch den eigenen Stoßdegen
an der Schlagader.

1505
7. Januar: Martin Luther wird Magister Artium (Ab-
schluß der philosophischen Ausbildung) [Abb. 12].
Sommersemester: Auf väterlichen Wunsch wendet
sich Luther dem Rechtsstudium zu. Gleichzeitig hält
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er Vorlesungen an der Artistenfakultät.


2. Juli: Nach einem Besuch in Mansfeld gerät er auf
der Rückreise, bei Stotternheim in der Nähe von Er-
furt, in ein schweres Gewitter. Er ruft in seiner Not
die heilige Anna, die Patronin der Bergleute, an und
legt das Gelübde ab, ins Kloster zu gehen. Sündenan-
fechtung und Sorge um das Seelenheil haben den
sonst als fröhlich und musikliebend geschilderten Stu-
denten möglicherweise schon länger heimlich gequält,
so daß er sich jetzt im Bewußtsein, plötzlich vor Got-
tes Richterstuhl treten zu müssen, zu der entsagungs-
reichen Lebensform im Kloster berufen fühlt.
17. Juli: Luther tritt in das Kloster der Augustiner-
Eremiten in Erfurt ein [Abb. 13, Abb. 14 und Abb.
15]. Der enttäuschte Vater gibt nur widerwillig die
zur Aufnahme erforderliche Zustimmung. Im Novi-
zenjahr wird Luther zur peinlichen Erfüllung der Or-
densvorschriften, zu Bettelgängen und zur eindringen-
den Selbstzergliederung in der Beichte angehalten. Er
übt sie rückhaltlos, ist aber nie lange von der Absolu-
tion beruhigt.

1506
September: Luther legt die Ordensprofeß in der Klo-
sterkirche in Erfurt ab. Durch die wunderbare Art sei-
ner Berufung und seine außergewöhnliche Strenge
wird er der Ruhm des Klosters.
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19. Dezember: Er wird in Erfurt zum Subdiakon ge-


weiht.

1507
27. Februar: Martin Luther wird in Erfurt zum Dia-
kon geweiht.
3. April: Priesterweihe durch Weihbischof Johann
Bonemilch von Laasphe im Dom zu Erfurt.
2. Mai: Luther hält seine erste Messe.
Auf die Priesterweihe folgt der Auftrag, am General-
studium des Klosters Theologie zu studieren. Er stu-
diert die Bibel und die Sentenzen des Petrus Lombar-
dus, dazu die Kommentare des englischen Franziska-
ners Wilhelm von Ockham, Gabriel Biels und des
Petrus von Ailli.
Der theologische Ockhamismus zieht ihn durch seine
ausgeprägte Offenbarungslehre und seine Betonung
der Freiheit Gottes an. Die Theologie wird hier nicht
als Wissenschaft verstanden, ihre Grundlegung in Of-
fenbarung und Schrift wird als Glaubensinhalt zur
übergeordneten Autorität. Luther bezeichnet sich
selbst in seiner Erfurter Zeit als Ockhamisten.

1508
Herbst: Luther wird nach Wittenberg versetzt [Abb.
16 und Abb. 17] und übernimmt den von Augustinern
zu besetzenden Lehrstuhl für Moralphilosophie an der
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dortigen Universität (wahrscheinlich als Aushilfs-


kraft), noch bevor er seinen ersten theologischen Grad
erreicht hat.

1509
9. März: Luther erhält den ersten theologischen Grad,
Baccalaureus biblicus, an der Universität Wittenberg.
Herbst: Bereits nach einem Semester wird er Bacca-
laureus sententiarius.
Er wird plötzlich nach Erfurt zurückberufen, um über
die Sentenzen des Petrus Lombardus zu lesen. Die
dazu wie zu einigen Augustinschriften in Luthers
Handexemplaren erhaltenen Randbemerkungen sind
seine frühesten schriftlich überlieferten theologischen
Äußerungen. Sein theologischer Weg führt über die
zunächst noch festgehaltene ockhamistische Theolo-
gie, z. B. die Willensfreiheit, hinaus immer tiefer in
Augustins Sünden- und Gnadenlehre und in die An-
eignung der Inkarnation und des Kreuzes Christi im
Glauben.

1510
November: Die Erfurter Lehrtätigkeit wird dadurch
unterbrochen, daß Luther mit einem Nürnberger Bru-
der nach Rom gesandt wird, um den Einspruch von
sieben Augustinerkonventen gegen die von Johann
von Staupitz auf Befehl des Ordensgenerals eingelei-
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tete Wiedervereinigung der Observanten mit den la-


xeren Konventualklöstern zu vertreten. In der Stadt
der unermeßlichen Ablaßgnaden sucht er durch eine
Generalbeichte, Messelesen an bestimmten Altären,
Hinaufrutschen der »heiligen Treppe« am Lateran und
andere Gnadenmittel Sündenvergebung und Fege-
feuererlaß für sich und seine Verwandten. Noch kaum
vom Zweifel befallen, aber entsetzt von der geistli-
chen Verwahrlosung der römischen Kirche unter
Papst Julius II. [Abb. 22 und Abb. 23] kehrt er zu-
rück. In der Ordensfrage leistet er dem General, der
gegen die Observanten entscheidet, den schuldigen
Gehorsam und gerät damit in Widerspruch zu seinem
renitent bleibenden Kloster.

1511
April: Johann von Staupitz, Generalvikar der Sächsi-
schen Reformkongregation der Augustiner-Eremiten
[Abb. 24], holt Luther zurück nach Wittenberg, wo er
ihn – nicht zuletzt, um ihm durch große Aufgaben
gegen seine Anfechtungen zu helfen – zum Kloster-
prediger macht und zum Erwerb der Doktorwürde
veranlaßt. Als Mönch ohne Eigentum hat Luther al-
lerdings nicht die Mittel für eine Promotion.

1512
5. Mai: In Köln findet das Ordenskapitel der Augusti-
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ner-Eremiten statt: Wenzeslaus Link wird Prior, Mar-


tin Luther Subprior von Wittenberg und gleichzeitig
Studienleiter des Wittenberger Generalstudiums der
Augustiner-Eremiten.
Juni: Luther wird eine heizbare Stube in einem turm-
ähnlichen Anbau des Klosters angewiesen. Auch als
er später mit seiner Familie das Kloster bewohnt, be-
hält er diesen Raum als Arbeitszimmer bei [Abb. 21,
Abb. 146 und Abb. 147].
Luther wird in den Senat der theologischen Fakultät
der Universität Wittenberg aufgenommen und dafür
vorgesehen, die bisher von Staupitz bekleidete Lectu-
ra in biblia (Bibelprofessur) zu übernehmen. Staupitz
ist in dieser Situation der wichtigste Mentor für den in
Glaubens- und Selbstzweifeln befangenen Luther.
19. Oktober: Promotion Martin Luthers zum Doktor
der Theologie an der Universität Wittenberg. Sein
Prüfer ist Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt. Der
sächsische Kurfürst Friedrich der Weise bezahlt Lu-
ther die für die Promotion erforderlichen 50 Gulden.
21. Oktober: Luther tritt die Bibelprofessur an und
behält sie auf Geheiß Friedrichs des Weisen auf Le-
benszeit.

1513
August: Luther beginnt seine Lehrtätigkeit an der Bi-
belprofessur mit der Vorlesung über die Psalmen (bis
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Oktober 1515).
6. Oktober: Martin Luther wird vom Ordensgeneral
Aegidio von Viterbo zum Lektor am Wittenberger
Generalstudium der Augustiner-Eremiten ernannt.
Er predigt im Augustinerkloster und in der Stadtpfarr-
kirche in Wittenberg [Abb. 145].

1514
März: Luther tritt in Briefwechsel mit dem Humani-
sten Georg Burckhardt, genannt Spalatin [Abb. 78],
der zu einem jahrelangen engen geistigen Austausch
führt.
Die reformatorische Wende Luthers bahnt sich an. In
das theologische Ringen dieser Jahre gehört die von
Luther mehrfach, vor allem in der Vorrede zu seinen
»Opera latina« (1545), geschilderte Entdeckung des
wahren Sinns der iustitia Dei (als Gabe, nicht als
durch Lohn oder Strafe wirksame Eigenschaft Gottes)
gegenüber der zwiespältigen Auffassung in der scho-
lastischen Exegese und Dogmatik, wo Gottes Gnade
durch kirchliche Mittel wie Ablaß, Wallfahrten und
Messen errungen werden muß. Luthers neue Erkennt-
nis, daß die Gnade Gottes jedem gelte, der sie gläubig
aufnimmt, macht in der Konsequenz Heilige und Für-
sprecher bedeutungslos und beraubt Priester und Kir-
che ihrer Macht. Diese Auffassung läßt sich bereits in
den frühen Vorlesungen, spätestens in der Vorlesung
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über Röm 1, 17 (1515) nachweisen, wenn nicht schon


im Psalmenkolleg (1514). Umstritten ist, ob die im
Arbeitszimmer im Wittenberger Klosterturm errun-
gene Erkenntnis (von Luther in Selbstzeugnissen als
»Turmerlebnis« bezeichnet) ein einmaliges Durch-
bruchserlebnis darstellt oder ein längeres Ringen um
eine zentrale Frage der Schrift, die das Verständnis
der Rechtfertigung aus Gnaden voraussetzt, an der
Luther aber immer wieder zweifelt.

1515
31. März: Papst Leo X. erläßt die Ablaßbulle »Sacro-
sancti salvatoris et redemptoris nostri«, ein beispiel-
haftes Dokument der engen Verquickung von seelsor-
gerischen und wirtschaftlich-finanziellen Anliegen im
Ablaßwesen. Der Ablaß [Abb. 27], zur Finanzierung
des Neubaus der Peterskirche ausgeschrieben, soll
acht Jahre lang in den Bistümern Mainz, Magdeburg
und Brandenburg verkündet werden und dem Erzbi-
schof von Mainz (Albrecht von Brandenburg) [Abb.
25, Abb. 26] die Möglichkeit geben, seine Schulden
beim Bankhaus Fugger zu tilgen, die er gemacht hat,
um seine Ernennungsgebühren an Rom zahlen zu
können. Vor allem an diesem Ablaß entzündet sich
wenig später die Kritik Luthers.
29. April: Auf dem Kongregationskapitel der Augu-
stiner-Eremiten in Gotha wird Martin Luther zum Di-
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striktsvikar von Meißen und Thüringen bestellt.


Diese umfangreiche Tätigkeit als Distriktsvikar, der
Zulauf der Studenten und der Sieg seiner augustini-
schen Theologie in der Fakultät (1516/17) geben ihm
wachsende Sicherheit.
November?:Luther beginnt seine Vorlesungen über
den Römerbrief (bis Sommer 1516). In diesen Vorle-
sungen wird die scharfe Kritik an den Zuständen in
der katholischen der Kirche eindeutig.

1516
Spalatin wird in die sächsische kurfürstliche Kanzlei
berufen. Dort ist er zuständig für Kirchen- und Uni-
versitätsangelegenheiten. Als Geheimsekretär und
geistlicher Berater Friedrichs des Weisen vermittelt er
in Zukunft zwischen Luther und dem Kurfürsten.
Luther unterbreitet erste Reformvorschläge: Vermin-
derung der Zahl kirchlicher Feiertage, Reform des
Kirchenrechts, Wegfall von pompösen Kulthandlun-
gen, Reduzierung der Anzahl der Wallfahrten. Dahin-
ter steht die Ansicht, gottgefälliges Handeln zeige
sich im täglichen Leben und in frohem Schaffen bes-
ser als im zurückgezogenen Gebet und Zeremonien-
kult. Zeitweise nähert sich Luther der Auffassung der
Humanisten an und setzt sich intensiv vor allem mit
den Schriften des Erasmus von Rotterdam auseinan-
der [Abb. 58 und Abb. 59], doch für ihn steht nicht
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der Mensch und dessen Wille im Mittelpunkt, son-


dern die Bezogenheit des Menschen auf Gott und
seine Gnade. Viele seiner Erfahrungen werden durch
Tauler, dessen Schriften er im gleichen Jahr kennen-
lernt, bestätigt. An Taulers Schriften beeindruckt ihn
auch das ausdrucksstarke Deutsch, eine der Anregun-
gen, später selbst auf Deutsch zu schreiben.
31. Oktober: Zum ersten Mal kritisiert Luther die
Kirche öffentlich in einer Predigt zum Ablaß.
4. Dezember: Luther gibt die »Deutsch Theologia«
heraus, ein anonymes mystisches Traktat eines
Deutschherren aus Sachsenhausen (um 1400), das er
1518 nochmals nach besserem Text veröffentlicht.
27. Oktober: Luther beginnt mit der Vorlesung über
den Galaterbrief (bis März 1517).

1517
Erste Bibelübersetzung Luthers: »Die sieben Buß-
psalmen«.
April: Der neue Ablaß von Papst Leo X. wird in
Brandenburg angeboten und lockt die von der Pest
heimgesuchten Bürger von Wittenberg über die Gren-
ze.
Frühjahr: Die Vorlesung über den Hebräerbrief be-
ginnt (bis 1518).
4. September: Anläßlich der Promotion von Franz
Günther zum Baccalaureus biblicus findet eine Dis-
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putation über die scholastische Theologie an der Uni-


versität Wittenberg statt.
Mit der Herausbildung seiner neuen Theologie löst
sich Luther mehr und mehr von der Scholastik. Die
Abkehr von der Ockhamschen Gnadenlehre ist der
Anfang. Luther beginnt Aristoteles, die höchste Auto-
rität der scholastischen Theologie, massiv anzugrei-
fen.
31. Oktober: 95 Thesen zum Ablaß werden von Mar-
tin Luther an Freunde, Kollegen und Vorgesetzte ge-
schickt [Abb. 30]. Der berühmt gewordene »Thesen-
anschlag« an der Wittenberger Schloßkirche [Abb.
18], von Philipp Melanchthon überliefert, kann nicht
nachgewiesen werden. Ursprünglicher Zweck der
Thesen ist es, Grundlage für einen gelehrten Disput
zu sein. Kurz vorher hat Luther eine Instruktions-
schrift für Ablaßhändler des päpstlichen Ablaßkom-
missars Erzbischof Albrecht von Mainz gelesen, die
ihn empört. Am Morgen des 31. Oktober schickt er
auch einen Brief an den Mainzer Erzbischof, in dem
er ihn um Zurechtweisung der Ablaßhändler bittet und
die 95 Thesen anfügt. Albrecht leitet sie direkt an den
Papst weiter, um Luthers Irrlehre im Keim zu erstik-
ken, und versucht Friedrich den Weisen zum Vorge-
hen gegen Luther zu bewegen, jedoch erfolglos. Der
Bischof von Brandenburg, Luthers Vorgesetzter, bil-
ligt sowohl die Thesen als auch die Anfang 1518
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dazu verfaßten »Resolutiones«, die ihm Luther zur


Prüfung vorlegt.
Dezember: Luther bekommt Gegenthesen des be-
rühmten Ablaßpredigers und -händlers Johannes Tet-
zel [Abb. 28] in die Hand, die dieser von dem Frank-
furter Professor Konrad Wimpina hat ausarbeiten las-
sen. Er möchte durch eine Disputation antworten und
macht deshalb seine 95 Thesen gelehrten Freunden
zugänglich, die sie weiterleiten und Drucke in Nürn-
berg, Leipzig und Basel veranlassen. Es kommt aber
zunächst zu keiner Disputation, auch die Bischöfe, an
die Luther die Thesen wahrscheinlich noch geschickt
hat, reagieren nicht. Der ursprüngliche Text, mit dem
sich Luther an die Bischöfe gewandt hat, ist vermut-
lich mit dem der überlieferten Plakatdrucke identisch.

1518
5. Januar: Die ersten gedruckten Exemplare von Lu-
thers Thesen erscheinen in der Öffentlichkeit. Luther
betont gegenüber seinem Freund Christoph Scheurl,
daß der Druck für ihn überraschend kommt, und be-
kundet sein Mißfallen über die durch die Drucke ge-
förderte Verbreitung der Thesen unter den Laien. Die
Thesen breiten sich jedoch in Windeseile im Land
aus, wie die vielen Neudrucke in ganz Deutschland
bezeugen. Dies hat bei der Bevölkerung wachsendes
Mißtrauen gegen den Ablaß zur Folge und gibt den
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eigentlichen Anstoß zur Reformation.


20. Januar: Der Ablaßhändler Tetzel stellt auf einer
Versammlung der sächsischen Dominikanermönche
seine 106 Gegenthesen vor und läßt sie weiter ver-
breiten. In Wittenberg ist er damit erfolglos. Die Do-
minikaner, deren einflußreichster Vertreter, Kardinal
Cajetan, Ordensgeneral am päpstlichen Hof ist, äu-
ßern gegenüber Luther den Vorwurf der Ketzerei. Lu-
thers Kritik am Ablaß ist die erste, die theologisch be-
gründet ist und somit das ideologische System der
Kirche in Frage stellt.
März: Auf Tetzels 106 Thesen antwortet Luther nicht
mit einer Disputation, sondern mit dem »Sermon von
Ablaß und Gnade«, den er in der Volkssprache
deutsch verfasst und der gedruckt in Nürnberg er-
scheint [Abb. 33].
25. April: Die Thesen Luthers werden auf der Kapi-
telversammlung der Augustiner-Eremiten in Heidel-
berg [Abb. 31] unter Vorsitz von Johann von Staupitz
disputiert. Die Disputation verläuft sachlich, und Lu-
ther gewinnt neue Anhänger, unter anderem den Do-
minikaner Martin Bucer.
Mai: Luthers Predigt über den Bann veranlaßt die
Dominikaner, Thesen darüber anzufertigen, die sie an
den Dominikaner-Kardinal Cajetan (eigentlich: Tho-
mas de Vio von Gaeta) schicken, um ihren Vorwurf
der Ketzerei zu erhärten.
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30. Mai: Luther schreibt einen Widmungsbrief an


Papst Leo X., der zusammen mit den »Resolutiones
disputationum de Indulgetiarum virtute« von Staupitz
nach Rom weitergeleitet wird.
7. August: Luther erhält eine Vorladung nach Rom,
wo er sich innerhalb von sechzig Tagen zu einem
Verhör einfinden soll. Friedrich der Weise, Kurfürst
von Sachsen, der als Gegner Habsburgs inzwischen
der von päpstlicher Seite bevorzugte Nachfolger für
Kaiser Maximilian [Abb. 43] ist, wird aufgefordert,
Luther auszuliefern. Ohne sich festzulegen, nutzt
Friedrich seine Position, um für Luther eine »väterli-
che« statt »richterliche« Befragung auf dem Reichstag
zu Augsburg durchzusetzen. Die Motivation des Kur-
fürsten ist nie theologischer, sondern immer realpoli-
tischer Art. Friedrich der Weise interessiert sich nicht
für Luthers neue Lehre und pflegt keinerlei persönli-
chen Kontakt zu ihm [Abb. 73, Abb. 74 und Abb.
32]. Der Kontakt zu Luther besteht über Friedrichs
Sekretär Spalatin.
12.–14. Oktober: Luther wird in Augsburg [Abb. 34]
durch Kardinal Cajetan verhört [Abb. 36, Abb. 37
und Abb. 38]. Darin wird er unter Androhung des
Banns mehrfach zum Widerruf seiner Aussagen, ins-
besondere der 58. These, aufgefordert. Luther erklärt
sich erneut zur Disputation seiner Thesen und zum
Schiedsspruch des Papstes bereit. Durch Cajetan läßt
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
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er eine schriftliche Rechtfertigung nach Rom schik-


ken.
20. Oktober: Als sich die Lage immer mehr zuspitzt
und er vor willkürlicher Verhaftung nicht mehr sicher
sein kann, verläßt Luther heimlich die Stadt und reist
zurück nach Wittenberg. Von dort aus appelliert er
über den Papst hinweg an ein allgemeines Konzil, das
den Streit entscheiden soll.
Vorlesung über die Genesis.
Die zweite Vorlesung über die Psalmen beginnt (bis
1521).

1519
4./5. Januar: Zwischen dem päpstlichen Kammer-
herrn Karl von Miltitz und Luther findet eine Unterre-
dung in Altenburg statt. Karl von Miltitz, der direkt
von Cajetan geschickt ist, hatte ursprünglich den Auf-
trag, die Gesinnung des Kurfürsten gegenüber Luther
zu erforschen. Miltitz gewinnt Luther in Altenburg
die Zustimmung ab, daß beide Seiten sich in der
Streitsache nicht mehr öffentlich äußern werden (so-
genanntes Schweigeabkommen). Er verspricht, beim
Papst eine Prüfung von Luthers Meinungen durch
einen gelehrten Bischof durchzusetzen. Luther erklärt
sich nochmals bereit zu widerrufen, falls er des Irr-
tums überführt würde. Miltitz handelt ohne Voll-
machten, erreicht aber ein Abkommen, in dem Luther
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später die letzte Gelegenheit sieht, den Streit friedlich


beizulegen. Luther hält sich zunächst an das verein-
barte Schweigen.
Juni/ Juli: In Leipzig findet eine Disputation zwi-
schen Johannes Eck, Luther und Andreas Karlstadt
statt. Der Ingolstädter Professor Johannes Eck (ei-
gentlich: Johann Mayr) [Abb. 40] hatte in Reaktion
auf den »Sermon von Ablaß und Gnade« die Schrift
»Obelisci« verfaßt, höhnische Randglossen zu den 95
Thesen Luthers. Karlstadt (eigentlich: Andreas Bo-
denstein) [Abb. 53], ein Befürworter der Thesen,
hatte daraufhin mit 406 Thesen Eck angegriffen, der
ihn nun zu einem Streitgespräch herausfordert. Da
Ecks Position hauptsächlich ein Angriff auf Luther
ist, erklärt dieser sich bereit, öffentlich mit Eck zu
disputieren und bricht damit das Schweigeabkommen.
24. Juni: Luther reist nach Leipzig. Zunächst dispu-
tiert Karlstadt alleine gegen Eck.
28. Juni: Karl, der Enkel Maximilians, wird zum
deutschen König und römischen Kaiser gewählt,
nachdem Kurfürst Friedrich auf die Kandidatur ver-
zichtet hat [Abb. 44 und Abb. 72].
29. Juni: Luther predigt im Disputationssaal vor gro-
ßem Publikum: »Ein Sermon geprediget zu Leipzig«
[Abb. 42]
4.–15. Juli: Luther beginnt in Leipzig selbst zu dis-
putieren [Abb. 41]. Durch seine pro-hussitischen Äu-
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
28 Biographische Zeittafel 20

ßerungen unter dem Druck Ecks und seine Infragestel-


lung der Unfehlbarkeit des Konzils zieht Luther in
diesem Streitgespräch erstmals öffentlich die gesamte
kirchliche Macht in Zweifel. In der Folgezeit bereitet
sich Luther darauf vor, die in Leipzig vertretenen
Auffassungen wissenschaftlich zu begründen. Eck be-
trachtet sich als Sieger der Disputation, Luther hat je-
doch viele Verbündete aus kirchlichen Kreisen ge-
wonnen, zunehmend auch Sympathisanten aus Ritter-
kreisen (Ulrich von Hutten).
30. August: Sätze Luthers werden durch die theologi-
sche Fakultät der Universität Köln als angerufene
Entscheidungsinstanz verurteilt.
3./4. Oktober: Martin Luther, Philipp Melanchthon,
Andreas Karlstadt und Nikolaus von Amsdorf sind
Teilnehmer an einer Disputation über den Franziska-
nerorden und die Wundmale des heiligen Franziskus
im Franziskanerkloster zu Wittenberg.
7. November: Bestimmte Aussagen Luthers werden
durch die theologische Fakultät der Universität
Löwen als angerufene Entscheidungsinstanz ver-
dammt.
November: »Ein Sermon von dem Wucher« [Abb.
39].

1520
Mai: Auf Empfehlung Luthers tritt Thomas Müntzer
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[Abb. 101] eine Stelle als Prediger in der Marienkir-


che in Zwickau an. Im Lauf des Jahres kommt er mehr
und mehr in Berührung mit den sozialen Nöten der
Handwerker und beginnt sich in seinen religiösen
Auffassungen von Luther zu lösen.
8. Juni: Luther veröffentlicht den »Sermon von den
guten Werken«.
15. Juni: Papst Leo X. [Abb. 54] erläßt die Bannan-
drohungsbulle »Exsurge Domine«, die von einer
Kommission aus Eck, Cajetan und anderen aufgesetzt
worden ist [Abb. 55].
Juni: Zacharias Ferreri, päpstlicher Nuntius in Polen,
mahnt Luther in einem Brief zur Umkehr.
Von Rom reisen Hieronymus Aleander und Johannes
Eck als päpstliche Gesandte an, um die Bannandro-
hungsbulle überall zu veröffentlichen. Sie stoßen je-
doch auf Ablehnung und Widerstand in der deutschen
Bevölkerung.
August: Luther veröffentlicht »An den christlichen
Adel deutscher Nation von des christlichen Standes
Besserung« [Abb. 46]. Die Schrift stellt ein konkretes
gesellschaftliches Reformprojekt vor, das aus dem
theologischen Konzept entwickelt wurde. Luther ent-
wirft hier das Bild eines Staatswesens, das sich von
der Vormundschaft Roms befreit hat. Er fordert die
Verweltlichung der geistlichen Herrschaftsgebiete.
Die Reformen in der Kirche sollen in einem großen
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nationalen und von Rom unabhängigen Konzil ver-


handelt werden. Ein solches Konzil soll in Zukunft
auch die höchste Entscheidungsinstanz – anstelle des
Papstes – sein. Ferner formuliert er sein Arbeitsethos,
nach dem nur der Arbeitende auch Reichtümer haben
soll. Die auf deutsch verfaßte Schrift ist ein großer
Erfolg, da sie die Interessen aller Schichten trifft.
6. Oktober: »Von der babylonischen Gefangenschaft
der Kirche« erscheint [Abb. 48]. Hier formuliert Lu-
ther sein Anliegen vom theologischen Standpunkt
aus. Er kritisiert Lehre und Praxis der Kirche, läßt nur
drei von den sieben Sakramenten gelten und behan-
delt das Abendmahl. Die Schrift ist auf lateinisch ver-
faßt und richtet sich an die Gelehrtenwelt.
12. Oktober: Miltitz drängt Luther dazu, ein Send-
schreiben an Papst Leo X. zu richten, um zu betonen,
daß er nie den Papst persönlich angegriffen habe, son-
dern die Auseinandersetzung mit Johannes Eck ent-
scheidend gewesen sei. Damit soll die Zurückziehung
der Bannandrohungsbulle erwirkt werden.
23. Oktober: Karl V. wird zum deutschen Kaiser ge-
krönt.
Als Zugeständnis an Rom erläßt Karl V. ein Edikt,
das die Verbrennung lutherischer Schriften in seinen
burgundischen Erblanden erlaubt. In der Folge wer-
den Lutherschriften in Löwen, Lüttich, Köln und
Mainz verbrannt. Es kommt aber auch zu Gegenver-
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
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brennungen römisch geprägter Schriften und Lehrbü-


cher.
November: »Von der Freiheit eines Christenmen-
schen« [Abb. 47].
Mit seinen drei Reformschriften wird Luther zum gei-
stigen Führer sowohl einer reichsständischen Opposi-
tion gegen Rom als auch einer reformatorischen
Volksbewegung, mit jeweils sehr gegensätzlichen
Zielen.
10. Dezember: Martin Luther verbrennt zusammen
mit vielen Anhängern vor dem Elstertor in Wittenberg
die Bannandrohungsbulle, das »Corpus juris canoni-
ci« und andere Schriften [Abb. 56].

1521
3. Januar: Papst Leo X. verhängt durch die Bulle
»Decet Romanum Pontificem« den Kirchenbann, d.h.
die Exkommunikation, über Martin Luther.
Ab Januar: Der Reichstag zu Worms wird vorberei-
tet. Kaiser Karl V. setzt Luther als Trumpf für seine
eigenen Machtinteressen gegenüber Rom ein.
28. Januar: Kaiser Karl V. eröffnet feierlich den
Reichstag zu Worms [Abb. 61, und Abb. 62].
Je besser die Verständigung mit Rom im Verlauf des
Reichstags wird, desto mehr ist er bereit, Luther als
Ketzer auszuliefern. Die Reichsstände beantragen
eine Anhörung Luthers, um weiteren Unruhen im
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
32 Biographische Zeittafel 24

Land vorzubeugen.
17./18. April: Luther erscheint auf dem Reichstag
[Abb. 63 und Abb. 65]. Er soll sich zuerst als Autor
der aufgehäuften Schriften bekennen und wird dann
erneut zum Widerruf aufgefordert. Nach einer eintägi-
gen Bedenkzeit [Abb. 64] lehnt Luther abermals ab,
es sei denn, er werde durch Vernunftgründe widerlegt.
Daraufhin bricht der Kaiser die Verhandlung ab und
erklärt am folgenden Tag, daß er sich nun ganz dem
Kampf gegen die Ketzerei widmen werde.
20. April: Die Stände plädieren für ein nochmaliges
Verhör Luthers. Der Kaiser billigt ihnen dafür eine
dreitägige Frist zu.
22.–24. April: Die Reichsstände bilden eine Kommis-
sion zur Verhandlung mit Luther. Dieser will sich je-
doch nicht durch Argumente, sondern nur aus der
Schrift heraus angreifen und gegebenenfalls widerle-
gen lassen.
26. April: Luther reist aus Worms ab. Sein Ansehen
beim Volk ist nach dem Reichstag auf seinem Höhe-
punkt. Bezüglich der Ziele der Reformen haben sich
nun drei politisch-religiöse Gruppen gebildet: Die
Bürgerlich-Gemäßigten, die Bürgerlich-Radikalen
und die Bäuerlich-Plebejischen.
3. Mai: Luther wird mit seiner widerstrebenden Zu-
stimmung als »Junker Jörg« auf die Wartburg ent-
führt. Dies ist zum einen eine vom sächsischen Kur-
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
33 Biographische Zeittafel 25

fürsten erlassene Schutzmaßnahme, zum anderen eine


Möglichkeit, die Erregung im Volk zu dämpfen. Viele
halten ihn zunächst für tot, und selbst der Kurfürst
kennt seinen genauen Aufenthaltsort nicht. Luther
bleibt bis 1. März 1522 auf der Wartburg [Abb. 82,
Abb. 67].
8. Mai Das »Wormser Edikt«, das die Reichsacht
über Luther verhängt, wird von Aleander im kaiserli-
chen Auftrag ausgearbeitet und zunächst zurückgehal-
ten.
25. Mai: Der Reichstag wird offiziell beendet.
26. Mai: Das Wormser Edikt wird durch Beschluß
der nur noch zum Teil anwesenden Reichsstände ge-
billigt und vom Kaiser unterzeichnet [Abb. 66]. Es
erklärt Luther zu einem Ketzer und gebietet, daß unter
Androhung von Acht niemand ihm Beistand leisten
dürfe, sondern jeder ihn gefangenzunehmen und aus-
zuliefern habe. Es verbietet außerdem den Druck,
Verkauf und Besitz von Luthers Schriften und die
Verbreitung seiner Lehre und ordnet die Vernichtung
aller Lutherdrucke an. Die Wirksamkeit des Wormser
Edikts bleibt jedoch sehr beschränkt. Kaiser Karl ver-
läßt Deutschland und kehrt erst 1530 zurück, und die
Mehrheit der Stände betrachtet die Luthersache im
Vergleich zu anderen Reichsangelegenheiten als nicht
vorrangig. So kann sich die Reformation auch weiter-
hin ausbreiten. Andreas Karlstadt übernimmt nun die
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
34 Biographische Zeittafel 26

Führung der Reformationsbewegung in der Stadt Wit-


tenberg.
Auf der Wartburg beginnt Luther die große Bibel-
übersetzung [Abb. 77]. Zu dieser Zeit existieren be-
reits 14 deutsche Bibelübersetzungen aus der Vulgata
(einer lateinischen Übersetzung des hl. Hieronymus
aus dem 4. Jahrhundert). Luther greift im Gegensatz
zu seinen Vorgängern auf die griechischen und he-
bräischen Originaltexte zurück.
3./4. Dezember: Luther besucht als Junker Jörg heim-
lich Wittenberg und hält sich im Haus von Nikolaus
von Amsdorf auf. Lucas Cranach d. Ä. porträtiert ihn
bei dieser Gelegenheit [Abb. 68 und Abb. 69].

1522
6. Januar: Im Laufe des Ordenskapitels der Augusti-
ner-Eremiten in Wittenberg wird das Wittenberger
Kloster aufgelöst.
24. Januar: Die »Ordnung des gemeinen Kastens«
[Abb. 92] wird erlassen. Das Geld der Meßopfer soll
für soziale Zwecke genutzt werden.
Einige Vertreter der sogenannten »Wiedertäufer«
kommen aus Zwickau nach Wittenberg. Sie verkün-
den, theologische Bildung sei unnütz und schädlich,
wichtig aber die innere Erleuchtung, die Gott offenba-
re. Durch ihren Einfluß macht sich eine allgemeine
Ablehnung der Gelehrtheit breit. Unterstützt durch
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
35 Biographische Zeittafel 27

Professor Karlstadt kommt es zum Bildersturm, und


die Universität leert sich. Karlstadt selbst zieht auf
das Land und beginnt, Ackerbau zu betreiben.
In Zürich beginnt die Reformation durch Huldrych
Zwingli [Abb. 124].
Ende Februar: »Über die Mönchsgelübde«.
Um den 24. Februar: Luther kündigt dem sächsi-
schen Kurfürsten brieflich seine Rückkehr nach Wit-
tenberg an, welche dieser aus Angst vor weiteren Un-
ruhen zu verhindern versucht.
6. März: Luther kehrt unerkannt nach Wittenberg zu-
rück. Die Radikalität, die sich durch die Lehren der
Wiedertäufer und durch reformatorische Volksbestre-
bungen in die von ihm angestrebten Reformen ge-
mischt hat, beunruhigt ihn.
9.–16. März: Luther hält die acht Invocavitpredigten
(Fastenpredigten) in Wittenberg. Darin spricht er das
Recht auf Verwirklichung von Reformen allein den
fürstlichen und städtischen Obrigkeiten zu.
Ende März: Die Schrift »Eine treue Ermahnung an
alle Christen, sich zu hüten vor Aufruhr und Empö-
rung« soll unter anderem klarstellen, daß Luther kei-
nen Aufruhr dulden will und die reformatorische
Volksbewegung von Grund auf ablehnt. Nach und
nach bringt er die Führung wieder an sich. Die Wie-
dertäufer müssen schließlich die Stadt verlassen.
September: Die deutsche Übersetzung des Neuen Te-
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
36 Biographische Zeittafel 28

staments (»September-Testament«) wird veröffent-


licht [Abb. 79].
Dezember: Eine zweite Auflage der Bibel ist erforder-
lich. Das »Dezembertestament« erscheint [Abb. 80].
»Vom Mißbrauch der Messe«.

1523
3. Januar: Der neue Papst Hadrian VI. [Abb. 84] legt
auf dem Reichstag zu Nürnberg ein Schuldbekenntnis
ab. Er ist reformwillig und sieht die Mißstände in der
Kirche, betrachtet aber Luther als Ketzer, der von
Gott als Strafe für die früher begangenen Sünden der
Geistlichkeit gesandt wurde. Die katholischen Stände
fordern die Vollstreckung des Wormser Edikts, setzen
sich aber bei den Reichsständen nicht durch. Luther
genießt weiterhin den Schutz Friedrichs des Weisen.
In »Von weltlicher Obrigkeit« [Abb. 85] stellt Luther
seine Lehre von den zwei getrennten Reichen auf: Im
geistlichen Reich herrsche nur Gott durch das Wort,
im weltlichen nur die Obrigkeit, die im Auftrag Got-
tes handelt. Damit wird sowohl der Kirche jeglicher
Herrschaftsanspruch als auch dem Einzelnen das
Recht zu aktivem Widerstand gegen die Obrigkeit ab-
gesprochen.
1. Juli: In Brüssel werden die ersten Märtyrer der Re-
formation verbrannt. Dieses Ereignis gibt Luther den
Anstoß für das »Neu Lied von den zween Märterern
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
37 Biographische Zeittafel 29

Christi«.
14. September: Papst Hadrian VI. stirbt. Nachfolger
ist Papst Clemens VII. [Abb. 93]

1524
Luther nimmt seine Vorlesungen in Wittenberg wie-
der auf.
Das in »An die Ratsherrn aller Städte deutsches Lan-
des, daß sie christliche Schulen aufrichten und halten
sollen« [Abb. 97] formulierte Reformprogramm für
das Bildungs- und Schulwesen soll das Bildungsmo-
nopol der Kirche brechen und fördert die Emanzipati-
on des Bürgertums.
Juni: In der Gegend von Stühlingen in Süddeutsch-
land lehnen sich die ersten Bauern gegen die Grafen
von Lupfen und von Fürstenberg auf. Sie verfassen
62 Beschwerdeartikel und bewaffnen sich. Damit be-
ginnt der Bauernkrieg, der sich bald auf das ganze
Land ausdehnt.
13. Juli: Thomas Müntzer hält auf dem Schloß in All-
stedt die berühmt gewordenen »Fürstenpredigt«, in
der er die Landesherren, angesprochen als die »christ-
liche Obrigkeit«, zum Aufstand gegen die »gottlose
Obrigkeit« zu gewinnen versucht und das Wider-
standsrecht des Volkes gegen eine gottlose Ordnung
ausspricht.
Luthers Antwort auf die »Fürstenpredigt« ist »Ein
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
38 Biographische Zeittafel 30

Brief an die Fürsten zu Sachsen von dem aufrühreri-


schen Geist«, worin er zum Kampf gegen Müntzer
aufruft [Abb. 102]. Müntzer flieht nach Mühlhausen
in Thüringen. Auch von dort vertrieben, gelangt er
nach Süddeutschland, wo er in den beginnenden Bau-
ernaufständen seine Idee der Volksreformation ver-
wirklicht sieht.

1525
Februar: Thomas Müntzer kommt als Prediger zu-
rück nach Mühlhausen. Er läßt durch einen neu einge-
setzten Rat in den elf »Mühlhäuser Artikeln« sein re-
volutionäres Programm formulieren.
Die Bauern fassen ihre Forderungen in 12 Artikeln
zusammen [Abb. 104]. Luther antwortet in »Ermah-
nung zum Frieden auf die zwölf Artikel der Bauern-
schaft in Schwaben« [Abb. 105] nur auf drei Artikel.
Die Leibeigenschaft und die Abgabe des Zehnten will
er erhalten.
Ende April:Luther reist in die von Müntzer beeinfluß-
ten Gebiete und predigt gegen ihn, jedoch mit gerin-
gem Erfolg. Müntzers Ausdehnung der Reformation
auf das »weltliche Reich« geht weit über Luthers Pro-
gramm hinaus. Dieser erhält bis zuletzt die strenge
Trennung zwischen dem geistlichen Reich der Gnade
und Barmherzigkeit und dem weltlichen Reich des
Zorns aufrecht.
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
39 Biographische Zeittafel 31

5. Mai: Kurfürst Friedrich der Weise stirbt. Sein


Nachfolger ist Johann, später »der Beständige« ge-
nannt [Abb. 112].
Mit der Schrift »Wider die räuberischen und mörderi-
schen Rotten der Bauern« wendet sich Luther noch-
mals in schärferem Ton gegen die Bauern und legiti-
miert alle Grausamkeiten, mit denen die Fürsten
gegen sie vorgehen.
15. Mai: Mit der Entscheidungsschlacht von Franken-
hausen enden die Bauernkriege. Müntzer wird gefan-
gengenommen und gefoltert.
27. Mai: Thomas Müntzer wird in Mühlhausen ent-
hauptet.
13. Juni: Martin Luther heiratet Katharina von Bora
[Abb. 110 und Abb. 115], eine aus dem Zisterzienser-
kloster Nimbschen bei Grimma entlaufene Nonne, die
mit 10 anderen Nonnen im Frühjahr 1523 nach Wit-
tenberg gekommen ist. Die Heirat löst nicht nur bei
Luthers Feinden, sondern auch bei seinen Freunden
Entrüstung aus.

1526
Jahresanfang: Die »Deutsche Messe und Ordnung
des Gottesdienstes« erscheint [Abb. 108]. Sie enthält
Anregungen für Wochengottesdienste und ein Formu-
lar für den Sonntagsgottesdienst, den Luther als öf-
fentliche Veranstaltung auch für Nochnichtglaubende
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
40 Biographische Zeittafel 32

und für die Jugend in Anlehnung an die Messe ausge-


staltet.
7. Juni: Luthers erster Sohn, Hans Luther, wird gebo-
ren.
25. Juni–27. August: Reichstag zu Speyer. Nach den
Bauernkriegen sind die lutherisch-katholischen Ge-
gensätze wieder aufgebrochen. Zwei Bündnisse ste-
hen sich gegenüber, eines aus katholischen Fürsten,
u.a. Herzog Georg von Sachsen und Albrecht von
Mainz, die die lutherische Ketzerei endgültig ausrot-
ten wollen, und ein Gegenbündnis der evangelisch ge-
sinnten Fürsten und Städte (Kursachsen, Hessen,
Braunschweig, Mansfeld, Anhalt und Herzogtum
Preußen), die reformatorische Forderungen stellen
wollen. Nach langen Verhandlungen und Kompromis-
sen greift der Kaiser ein und will das Wormser Edikt
durchsetzen. Die Entscheidung wird schließlich bis zu
einem Konzil aufgeschoben, das später angesetzt wer-
den soll. Die Stände erhalten bis dahin provisorisch
die Entscheidungsgewalt über die Religionsausübung
innerhalb ihrer Territorien. Die evangelischen Stände
beginnen daraufhin mit der Entwicklung der Landes-
kirchen. Die Richtlinien dafür werden von Melan-
chthon und Johannes Bugenhagen formuliert: »Unter-
richt der Visitatoren an die Pfarrherrn im Kurfürsten-
tum Sachsen«.

Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther


41 Biographische Zeittafel 33

1527
Juni: Der Kurfürst von Sachsen unterzeichnet die
»Instruction und befelch dorauf die visitatores abge-
fertigt sein«, die Vollmacht für die Visitatoren, nicht-
lutherische Pfarrer zu entfernen.
6./7. Juli: Luther erkrankt lebensgefährlich. Atemnot,
Herzleiden und Brustbeschwerden kündigen sich zum
ersten Mal an.
Sowohl in den evangelischen als auch in den katholi-
schen Ständen werden die jeweils Andersgläubigen
verfolgt und des Landes verwiesen. Gleichzeitig
schreitet die Säkularisation in den evangelischen Ge-
bieten voran. Die Einrichtung der Landeskirchen hat
langfristig zur Folge, daß die von Luther ursprünglich
beabsichtigte Gemeindehoheit auf die Landesherren
übergeht, die damit ihren politischen Einfluß stärken.
Die Täuferbewegung breitet sich über ganz Deutsch-
land aus. Da sie sich teilweise den sozialpolitischen
Forderungen der Bauernbewegung anschließt, be-
fürchtet die Obrigkeit neue Aufstände und Unruhen.
Über Jahre hinweg werden die Täufer daher sowohl
von katholischen wie evangelischen Landesherren
verfolgt und getötet. Auch Luther spricht sich für ihre
Verfolgung aus, da sie sich gegen die von ihm für
notwendig erachtete weltliche Obrigkeit wenden.
10. Dezember: Luthers Tochter Elisabeth wird gebo-
ren.
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
42 Biographische Zeittafel 34

1528
Otto von Pack, Sekretär Herzog Georgs, verbreitet
das Gerücht von einem Komplott der katholischen
Kurfürsten gegen die reformierten Länder.
8. Mai: Hessen und Kursachsen schließen ein Bünd-
nis gegen die vermeintliche antilutherische Verschwö-
rung. Es kommt beinahe zum Krieg, die Lüge wird je-
doch rechtzeitig entlarvt.
3. August: Elisabeth Luther stirbt [Abb. 116].
Martin Luther nimmt selbst an Visitationen im Kur-
fürstentum Sachsen teil und ist entsetzt über die Zu-
stände in den Gemeinden.

1529
26. Februar bis 12. April: In Speyer findet der
Reichstag statt. Das Hauptthema ist die Zurücknahme
der Beschlüsse vom Speyerer Reichstag von 1526.
Kaiser Karl V. fordert wieder die Durchführung des
Wormser Ediktes und wird von der katholischen
Mehrheit unterstützt. Einige evangelische Fürstentü-
mer und Städte widersetzen sich dem Beschluß. In
einer vorgelegten Protestschrift erinnern sie daran,
daß der Beschluß von Speyer 1526 nur durch Ein-
stimmigkeit aufgehoben werden könne. Durch diesen
Protest wird der Name Protestanten für die Lutheri-
schen geprägt.
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
43 Biographische Zeittafel 35

Auf diesem Reichstag wird auch die Verfolgung und


Tötung der Täufer offiziell beschlossen.
April: »Der Große Katechismus« [Abb. 120].
Mai: »Der Kleine Katechismus« [Abb. 119]. Beide
Katechismen sollen die Grundlage für die Tätigkeit
der Pfarrer und Gemeinden werden.
4. Mai: Luthers zweite Tochter, Magdalena Luther,
wird geboren.
1.–4. Oktober: Huldrych Zwingli, Johann Oekolam-
pad, Martin Bucer, Luther, Melanchthon und andere
führen Religionsgespräche in Marburg [Abb. 123].
Landgraf Philipp von Hessen [Abb. 122] hat die Ver-
treter der Schweiz, der oberdeutschen Städte, und die
Wittenberger zu diesem Gespräch zusammengerufen.
Er möchte die Widersprüche der verschiedenen Glau-
benslehren klären und die Zwistigkeiten schlichten,
damit die Evangelischen durch ein Bündnis eine star-
ke Macht gegen die Katholischen bilden. Die Eini-
gung kommt aber nicht zustande und Landgraf Phi-
lipps Bündnisplan scheitert. Auf Wunsch des Land-
grafen arbeitet Luther abschließend die sogenannten
»Marburger Artikel« aus, die in fünfzehn Punkten das
Gemeinsame und das Trennende der Gesprächsteil-
nehmer darstellen.

1530
16. April bis 13. Oktober: Luther reist auf die Veste
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
44 Biographische Zeittafel 36

Coburg [Abb. 131 und Abb. 132]. Da er immer noch


vogelfrei ist, wagt er es nicht, die Grenzen Kursach-
sens zu verlassen, dessen südlichster Punkt Coburg
ist, will aber möglichst nahe an dem in Augsburg
stattfindenden Reichstag sein. Martin Bucer [Abb.
127], der die Reformation in Straßburg eingeführt
hat, wo sich Einflüsse aus Wittenberg mit Zwinglis
Ideen vermischen, besucht Luther auf der Veste und
legt ihm eine Abendmahlserklärung vor, die beide
Parteien einander annähern soll. Luther reagiert posi-
tiv.
Die Ausgangslage der Protestanten für den Augsbur-
ger Reichstag ist ungünstig: Kaiser Karl V. hat sich
mit Papst Clemens VII. verständigt, sich zum weltli-
chen Schirmherren der Kirche erklärt und ist am 24.
Februar 1530 feierlich zum römischen Kaiser gekrönt
worden. Die Protestanten sind untereinander uneinig
und in der Minderheit.
20. Juni: Der Reichstag zu Augsburg wird eröffnet.
25. Juni: Die Augsburgische Konfession (»Confessio
Augustana«) wird übergeben. Dieser Bekenntnisarti-
kel der Evangelischen ist verfaßt von Philipp Melan-
chthon, der im Gegensatz zu Luther eher diplomatisch
formuliert. Die oberdeutschen Städte Memmingen,
Straßburg, Konstanz und Lindau schließen sich nicht
der »Confessio Augustana« an, sondern überreichen
dem Kaiser die sogenannte »Confessio Tetrapolita-
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
45 Biographische Zeittafel 37

na«, das Vierstädtebekenntnis. Auch Zwingli schickt


eine Schrift, in der er seinen Glauben rechtfertigt, die
»Fidei Ratio« (Rechenschaft des Glaubens).
29. Juni: Martin Luthers Vater, Hans Luther, stirbt.
3. August: »Confessio Augustana« und »Confessio
Tetrapolitana« werden mit der »Confutatio« (Zurück-
weisung) beantwortet, verfaßt von Johannes Eck, Jo-
hann Cochläus und Johannes Fabri. Sie wird von Karl
V. als ausreichende Widerlegung der Protestanten an-
erkannt. Zwinglis »Fidei Ratio« wird von katholi-
scher Seite mit einer Schmähschrift abgetan. Die pro-
testantischen Stände und der Kaiser fordern ein Kon-
zil, das entscheiden soll, bis dahin sollen die Prote-
stanten zum alten Glauben zurückkehren. Der Kon-
flikt wird nicht gelöst, sondern endet mit einer Frist
für die Evangelischen bis zum 15. April 1531, in der
sie entscheiden sollen, ob sie sich bis zu einem Kon-
zil den Forderungen des Kaisers unterwerfen wollen.
19. November: Der Reichstag endet. Nachdem die
evangelischen Stände bereits abgereist sind, verab-
schieden die katholischen Stände den Reichstagsbe-
schluß, der die Erneuerung des Wormser Edikts ver-
kündet.
Nach dem Augsburger Reichstag beginnt vom habs-
burgischen Spanien aus die Gegenreformation. Sie
wird jedoch zunächst nicht zur Massenbewegung.
22. Dezember: Kurfürst Johann von Sachsen lädt die
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
46 Biographische Zeittafel 38

Vertreter der protestantischen Stände in die thüringi-


sche Stadt Schmalkalden [Abb. 142] ein, um sie alle
zu einem Bündnis gegen den Kaiser zusammenzu-
schließen. Obwohl Luther prinzipiell den Fürsten ge-
genüber dem Kaiser, den er als höhere Obrigkeit ver-
steht, so wenig ein Widerstandsrecht zuerkennt wie
einst den Bauern gegen sie, verteidigt er in diesem
Fall das Recht auf Widerstand gegen die Papisten und
sendet ein Gutachten, das besagt, daß man das Recht
auf bewaffneten Widerstand habe, wenn der Kaiser
die Verfassung bräche.

1531
27. Februar: Das Verteidigungsbündnis wird endgül-
tig abgeschlossen. Dazu gehören die meisten Mitglie-
der des Torgauisch-Magdeburger Bündnisses von
1526 (Kursachsen, Hessen, Braunschweig-Lüneburg,
Braunschweig-Grubenhagen, Anhalt, Mansfeld, Bre-
men und Magdeburg).
Ende März: Auch die oberdeutschen evangelischen
Reichsstädte unter Straßburgs Führung (Straßburg,
Memmingen, Lindau, Konstanz, Ulm, Reutlingen,
Isny und Biberach, ohne Nürnberg und dessen Ge-
folgsstädte) schließen sich dem Bündnis an.
Führer des Bündnisses sind Johann von Sachsen und
Landgraf Philipp von Hessen. Die Mitglieder dieses
»Schmalkaldischen Bundes« verpflichten sich zu ge-
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
47 Biographische Zeittafel 39

genseitigem militärischen Beistand für den Fall, daß


ein Mitglied wegen Kirchenenteignungen vor das
Reichskammergericht kommt. Durch den Anschluß
der oberdeutschen Städte an den Schmalkaldischen
Bund und die Ablehnung von Bucers Abendmahlser-
klärung durch die Schweizer Reformatoren gewinnt
die Wittenberger Reformation auch in Süddeutsch-
land an Einfluß.
30. Juni: Luthers Mutter, Margarethe Luther, stirbt.
11. Oktober: In einer Schlacht bei Kappel zwischen
den Zürichern und den katholischen Fünforten unter-
liegen die Reformierten. Huldreych Zwingli wird im
Gefecht getötet.
3. November: Der zweite Sohn Luthers, Martin Lu-
ther, wird geboren.

1532
23. Juli: Die Existenz des Schmalkaldischen Bundes
nötigt dem von den vorstoßenden Türken bedrängten
Kaiser den ersten offiziellen Waffenstillstand in der
Religionsfrage, den Nürnberger »Anstand«, ab. Den
protestantischen Ständen wird Friede zugesichert,
wenn sie helfen, die Türken zu bekämpfen.
3. August Durch kaiserliches Edikt wird der »Nürn-
berger Religionsfrieden« verkündet. Er legt fest, daß
bis zu einem Konzil der Friede in Glaubensdingen ge-
wahrt wird und alle Kammergerichtsprozesse gegen
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
48 Biographische Zeittafel 40

die protestantischen Stände eingestellt werden.


Zwischen Kaiser Karl V. und Papst Clemens VII. be-
ginnen Konzilsverhandlungen.
16. August: Kurfürst Johann von Sachsen, genannt
»der Beständige«, stirbt nach einem Schlaganfall.
21. August: Der neue Kurfürst Johann Friedrich
kommt nach Wittenberg und bemüht sich sehr um Lu-
ther. Luther ist anfangs skeptisch, obwohl er dem
neuen Landesherren schon seit dessen Jugend beson-
ders verbunden ist. Er fürchtet, daß Johann Friedrich
weder die Weisheit seines Onkels Friedrich noch den
tiefen Glauben seines Vaters Johann besitze, läßt sich
jedoch schnell vom Gegenteil überzeugen [Abb. 139].

1533
28. Januar: Der dritte Sohn, Paul Luther, wird gebo-
ren.
3. Juni: Päpstliche und kaiserliche Gesandte über-
bringen Kurfürst Johann Friedrich die Einladung zu
einem Konzil. Luther rät dazu, die Artikel zunächst
anzunehmen, um dem Papst und dem Kaiser keinen
Anlaß zu geben, den Wittenbergern mangelnde Ko-
operation vorzuwerfen.

1534
9. Februar: Die Wiedertäufer bringen in Münster die
Macht an sich. Ihr Prophet Jan Matthys führt eine
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
49 Biographische Zeittafel 41

neue religiöse und soziale Ordnung ein.


März: Papst Clemens VII. verschiebt das angekün-
digte Konzil auf bessere und ruhigere Zeiten.
Luther beendet die Bibelübersetzung. Die erste Ge-
samtausgabe der Bibel, »Biblia, das ist die ganze
Heilige Schrift Deutsch«, erscheint in sechs Abteilun-
gen.
September?: Als fünfter Teil der Vollbibel erscheinen
die »Apocrypha«.
25. September?: Philipp von Hessen bittet Luther,
den Vergleich in der Abendmahlsfrage mit den Ober-
deutschen zu fördern. Als Grundlage für neue Ver-
handlungen soll Bucers Konkordienformel dienen.
Luther erklärt sich verhandlungsbereit und Melan-
chthon reist für ihn nach Kassel, um dort Bucer zu
treffen.
8. Dezember: Der durch Kleists Novelle bekannte
Berliner Bürger Hans Kohlhase hat sich in seinem
langwierigen Rechtsstreit auch an Luther gewandt.
Dieser antwortet ihm, obwohl ihm unzweifelhaft Un-
recht geschehen sei, dürfe er die Rache nicht selbst in
die Hand nehmen: »könnt Ihr das Recht nicht erlan-
gen, so ist kein ander Rat da, denn Unrecht leiden«.
17. Dezember: Luthers Tochter Margarethe wird ge-
boren.
27. Dezember: Bucer und Melanchthon einigen sich
auf die Konkordienformel.
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
50 Biographische Zeittafel 42

1535
Januar: Melanchthon bringt die Formel mit nach
Wittenberg. Luther hat gegen die Formel selbst nichts
einzuwenden, hält den Bruch jedoch für so tiefgrei-
fend, daß beide Seiten sich ihrer Überzeugung noch-
mals versichern müßten. Bucer und Melanchthon ver-
gewissern sich daraufhin der Unterstützung ihrer
Freunde und Anhänger.
3. Juni: Beginn der letzten Vorlesung über die Gene-
sis (bis 1545).
November: Gespräch zwischen dem päpstlichen Nun-
tius Paul Vergerius und Martin Luther im kurfürstli-
chen Schloß zu Wittenberg. Vergerius ist von dem
neugewählten Papst Paul III. geschickt, um mit allen
deutschen Fürsten über die Teilnahme an einem ge-
planten allgemeinen Konzil zu verhandeln. Während
er auf den abwesenden sächsischen Kurfürsten wartet,
lädt er Luther zum Essen ein, der in Begleitung von
Bugenhagen erscheint. Luther bezweifelt die ernsthaf-
te Absicht dieses Konzils. Obwohl Vergerius nach
Rom berichtet, Luther sei besessen, hinterläßt dieser
doch einen so großen Eindruck bei ihm, daß er später
konvertiert.

1536
Februar: Die Zwingli-Anhänger aus der Schweiz er-
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
51 Biographische Zeittafel 43

arbeiten eine sogenannte helvetische Konfession und


wollen an keinen weiteren Verhandlungen über die
Abendmahlslehre teilnehmen.
27. Februar: Luther traut in Torgau Herzog Philipp
von Pommern und Maria Herzogin von Sachsen.
21. Mai: Eine Delegation der oberdeutschen Städte
unter der Führung Bucers erscheint in Wittenberg, um
erneut eine gemeinsame Abendmahlsformel zu finden.
Sie verbringen mit Melanchthon und Cruciger den
Abend bei Luther.
23. Mai: Nach langen Verhandlungen über die wahre
Gegenwart des Leibes Christi in Brot und Wein stim-
men Luther und die sächsischen Theologen dem Frie-
den mit den Oberdeutschen zu.
26. Mai: Die von Melanchthon schriftlich ausgearbei-
tete »Formula Concordiae« wird von allen in Witten-
berg versammelten Theologen einstimmig angenom-
men.
2. Juni: Papst Paul III. schreibt in einer Bulle ein
Konzil in Mantua für das folgende Jahr aus. Luther
sieht in dieser Bulle bereits eine Verdammung der Re-
formatoren.

1537
Februar: Die Mitglieder des Schmalkaldischen
Bunds wollen ein von weltlicher Macht einberufenes
Konzil. Auf einem Konvent in Schmalkalden, zu dem
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
52 Biographische Zeittafel 44

auch Luther anreist, beschließen sie das Fernbleiben


der protestantischen Stände vom Konzil. Die Ableh-
nung an den Papst wird damit begründet, daß sich das
Konzil unter dem Vorsitz des Papstes aus den Bi-
schöfen zusammensetze, die gleichzeitig Partei seien.
Die Mitglieder werden von Luther unterstützt, der
während des Aufenthalts in Schmalkalden schwer er-
krankt. Melanchthon verliest für ihn die »Schmalkal-
dischen Artikel«, die Luther im Auftrag des Kurfür-
sten Johann Friedrich verfaßt hat. Diese werden von
allen anwesenden Theologen unterschrieben [Abb.
143 und Abb. 144].
26. Februar: Luther tritt auf seinen eigenen Wunsch
wegen seiner schmerzhaften Krankheit die Heimreise
an. Unterwegs verschlimmert sich sein Zustand, so
daß er beichtet und sein erstes Testament aufsetzt.
14. März: Luther kehrt zurück nach Wittenberg und
erholt sich langsam.
24. März: Er nimmt sein Predigtamt wieder auf
1. Juli: Luther wendet sich in einer Predigt gegen Jo-
hann Agricola und die sogenannten »Antinomisten«,
die das Gesetz, d.h. den Dekalog, als eine vorchristli-
che Zuchtordnung ganz aus der christlichen Kirche
verbannen und die zur Buße rufende Predigt des
Evangeliums in den Vordergrund stellen wollen. Für
Luther sind Gesetz und Evangelium in der Bußpredigt
keine Gegensätze.
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
53 Biographische Zeittafel 45

Mitte November: Luther erwirkt die Beschlagnah-


mung der ersten Druckbogen von Agricolas »Summa-
rien über die Evangelien« wegen ihrer antinomischen,
d.h. gesetzesfeindlichen Tendenz.

1538
Januar: Luther entzieht Johann Agricola die Erlaub-
nis, an der Wittenberger Universität zu lehren.
Ab März: Der Schweizer Reformator Heinrich Bullin-
ger schreibt Martin Luther. Es entwickelt sich ein
Briefwechsel in der beiderseitigen Hoffnung auf eine
baldige Einigung zwischen den Anhängern der Augs-
burger und denen der helvetischen Konfession. Luther
hofft dabei vor allem auf Martin Bucer und Wolfgang
Capito.
13. September: In einer langen Disputation aufgrund
einer Thesenreihe wendet sich Luther erneut gegen die
Antinomer, speziell gegen Agricola, den er abschlie-
ßend zum öffentlichen Widerruf auffordert. Agricola
wünscht, Luther möge diesen Widerruf selbst formu-
lieren. Luther tut dies in Form des offenen Briefes
»Wider die Antinomer«, allerdings weit schärfer als
erwartet.

1539
Anfang Januar: Luther veröffentlicht die scharfe
Streitschrift »Wider den Bischof zu Magdeburg, Al-
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brecht Kardinal«.
Ende Februar: »Eine Vermahnung an alle Pfarr-
herrn«.
14. März: Luther vollendet seine Schrift »Von den
Konzilien und Kirchen«, mit der er sich lange be-
schäftigt hat.
19. April: Der »Frankfurter Anstand« wird zwischen
König Ferdinand und dem Schmalkaldischen Bund
besiegelt. Er bestätigt den Nürnberger Religionsfrie-
den, ähnlich wie dieser setzt er die Reichskammerpro-
zesse aus und bewilligt allen der Augsburger Konfes-
sion Zugehörigen Frieden für 15 Monate. Damit er-
kennen die Katholischen erstmals die Augsburger
Konfession als Grundlage des Protestantismus an.
Die protestantischen Stände versprechen im Gegen-
zug dem Kaiser Hilfe gegen die Türken.
25. Juni bis 28. Juli 1540: Religionsgespräche in Ha-
genau.
17. Juli: Luther beginnt mit Freunden an der Revision
des Bibeltextes zu arbeiten. Bis 1541 wird der gesam-
te Text des Alten Testaments durchgegangen und wis-
senschaftlich überprüft.
15. Oktober: Luthers ältester Sohn Hans wird im
Alter von vierzehn Jahren Baccalaureus.
November: Auf Wunsch seiner Frau bestellt Luther
eine aus Sandstein gehauene Tür, die als »Katharinen-
pforte« [Abb. 148] noch heute am Lutherhaus [Abb.
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21] in Wittenberg zu sehen ist. Sie hat zu beiden Sei-


ten einen Sitz mit steinernem Baldachin darüber,
rechts ist Luthers Wappen [Abb. 150], links sein
Bildnis [Abb. 149] angebracht. Über dem spätgoti-
schen Türbogen steht die Jahreszahl 1540.
10. Dezember: Luther und Melanchthon geben dem
Landgrafen Philipp von Hessen in dessen Eheangele-
genheit einen verhängnisvollen Beichtrat: Luther er-
laubt ihm, die Hofdame Margarete von der Saale als
zweite Ehefrau zu nehmen. Da die Sache nicht geheim
bleibt, muß der Landgraf zur Umgehung einer Strafe
Zugeständnisse an den Kaiser machen und schwächt
so die protestantische Position in den folgenden Reli-
gionsgesprächen.

1540
März: In Schmalkalden findet ein Konvent der prote-
stantischen Stände statt, um das Verhalten bei künfti-
gen Ausgleichsverhandlungen mit den Katholiken ge-
genseitig abzustimmen. Aus Wittenberg nehmen Me-
lanchthon [Abb. 134 und Abb. 137], Cruciger [Abb.
126], Justus Jonas [Abb. 125] und Bugenhagen [Abb.
90] teil. Luther unterstützt durch Briefe und hält sich
bereit, im Notfall hinzureisen.
10. Juni: Luther bittet den Kurfürsten Johann Fried-
rich, den zum Hagenauer Religionsgespräch reisenden
Gesandten strikten Befehl zu geben, von den zuletzt
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in Schmalkalden getroffenen Vereinbarungen keines-


falls abzuweichen.
20. Juni: Auf die Bitte Kurfürst Johann Friedrichs
reist Luther nach Weimar. Melanchthon ist so krank,
daß er nicht nach Hagenau reisen kann, deshalb will
der Kurfürst Luther in der Nähe haben.
Juni/ Juli: Vertreter und Theologen der katholischen
und protestantischen Reichsstände verhandeln ergeb-
nislos miteinander. Luther beurteilt das Religionsge-
spräch als nutzlos. In Weimar pflegt er den kranken
Melanchthon, der vor allem wegen des folgenreichen
Beichtrates an Landgraf Philipp zusammengebrochen
ist.
25. November bis 18. Januar 1541: Bei den Reli-
gionsgesprächen in Worms wird weiter verhandelt,
diese werden aber durch ein Schreiben des Kaisers
beendet, das die Fortführung auf den in Regensburg
ausgeschriebenen Reichstag verlegt.

1541
März: »Wider Hans Worst« (gegen Herzog Heinrich
von Braunschweig-Wolfenbüttel gerichtet) [Abb.
153]. Diese und die folgenden Altersschriften gegen
die Juden und gegen das Papsttum sind in scharfer,
haßerfüllter Polemik verfaßt, die Luthers späten Stil
kennzeichnet.
22. April bis 22.Mai: Auf den Religionsgesprächen
Digitale Bibliothek Band 63: Martin Luther
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des Reichstags in Regensburg wird ein gemeinsamer


Reformationsentwurf erarbeitet. Luther nimmt von
Wittenberg aus brieflich Stellung zu den einzelnen
Formeln. Die hier erreichte Übereinstimmung zwi-
schen Katholiken und Protestanten ist größer als bei
den früheren Einigungsbemühungen. Sie läßt sich je-
doch nicht in den strittigen Artikeln über Messe, Prie-
stertum und Kirche erzielen.

1542
6. Januar: Luther macht sein Testament. Er umgeht
darin alle juristischen Formeln. Statt wie üblich die
Kinder, erbt alles seine Frau Käthe. Als Zeugen unter-
schreiben Melanchthon, Cruciger und Bugenhagen.
Trotz der juristischen Anfechtbarkeit bestätigt der
Kurfürst das Testament nach Luthers Tod.
20. Januar: Luther weiht Nikolaus von Amsdorf im
Dom zu Naumburg zum Bischof. Der kanonisch ge-
wählte Julius von Pflug wird von Johann Friedrich
von Sachsen aus machtpolitischen Interessen an der
Amtsergreifung gehindert.
20. September: Luthers Tochter Margarethe stirbt.
27. Oktober: Luther setzt sich für die Freigabe einer
beschlagnahmten Neuübersetzung des Koran durch
Theodor Bibliander ein. Das Buch solle gedruckt wer-
den, um den christlichen Lesern und den Türken zu
zeigen, was für ein schändliches Buch voller Lügen es
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sei. Der Koran erscheint im Jahr darauf mit einer Vor-


rede Luthers.

1543
4. Januar: »Von den Juden und ihren Lügen«. Luther
verdammt die Juden uneingeschränkt und ruft zu ihrer
Verfolgung auf.
Juni: Luther fühlt sich überlastet und ermüdet von
Briefen, Büchern und Vorlesungen.
Dezember: Luther ist wieder zufrieden mit seiner Ge-
sundheit und der Bewältigung der vielen Aufgaben.

1544
19. November: Durch eine päpstliche Bulle wird für
den 15. März 1545 ein Konzil nach Trient ausge-
schrieben. Das Konzil wird von Luther nicht ernst ge-
nommen und scheitert zunächst an mangelnder Betei-
ligung.

1545
16. Januar: Luthers alter Freund Spalatin, mit dem er
bis zuletzt in brieflichem Austausch stand, stirbt.
17. Januar: Luther leidet zunehmend an seiner Ar-
beitsüberlastung. Er ersehnt seine Todesstunde, da er
keinen anderen Weg sieht, von der Arbeit und dem
Schreiben zu ruhen [Abb. 158].
25. März: »Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel
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gestiftet« [Abb. 155].


10. November: Luther feiert seinen letzten Geburtstag
im Kreis seiner Freunde. 17. November: Luther be-
schließt seine Vorlesung über die Genesis, die letzte
Vorlesung seines Lebens, mit den Worten: »Ich kann
nit mehr, ich bin schwach, orate Deum pro me, daß er
mir ein gutes, seliges Stündlin verleihe«.
13. Dezember: Unter geringer Beteiligung und in Ab-
wesenheit der Protestanten wird in Trient das Konzil
eröffnet, das mit Unterbrechungen bis 1563 tagt. Lu-
ther hatte den Protestanten zur Verweigerung der
Teilnahme geraten, da sie seiner Meinung nach nur
aus Tücke eingeladen worden sind.
Die Gesamtausgabe der lateinischen Schriften Luthers
erscheint.

1546
23. Januar: Luther reist nach Eisleben, um einen
Erbschaftsstreit der Mansfelder Grafen zu schlichten.
18. Februar: Luther stirbt im Haus der Familie
Drachstedt neben der Andreaskirche in Eisleben
[Abb. 160, Abb. 161 und Abb. 162].
20. Februar: Luthers Sarg wird feierlich nach Halle
geführt. In der Liebfrauenkirche, wo er über Nacht
steht, wird eine Totenmaske abgenommen [Abb.
163].
22. Februar: Der Leichenzug trifft in Wittenberg ein
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und Luther wird in der Schloßkirche beigesetzt [Abb.


164 und Abb. 166].

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