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3793 Von den Schleichern und Winkelpredigern (1532) 1

Martin Luther

Von den Schleichern und


Winkelpredigern
(1532)

[WA 30, 3, 518–527]

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Ich habe vernommen,1 mein lieber Herr und Freund,


wie bei euch und um euch die Wiedertäufer gern her-
einschleichen und die unsern mit ihrem Gift be-
schmutzen wollen. Weil der Teufel nicht gern abläßt,
und viele flugs alles vergessen, wozu sie ermahnt
sind, bedarf es wohl einer täglichen Erinnerung, die
uns unablässig ermahnt, solchen Schleichern zu weh-
ren, auf daß wir das Unsere tun.
Erstens sind sie damit gut und leicht zu ergreifen,
wenn man sie nach ihrer Berufung fragt: wer sie ge-
heißen habe herzuschleichen oder zu kommen, und im
Winkel so zu predigen. Da können sie keine Antwort
geben, noch ihren Befehl anzeigen. Und ich sage für-
wahr: wenn solche Schleicher sonst kein Fleckchen2
an sich hätten und nichts als Heilige wären, so kann
doch dies einzige Stück (daß sie ohne Befehl und un-
aufgefordert geschlichen kommen) sie mit Gewalt als
Teufelsboten und -lehrer überführen. Denn der heilige
Geist schleicht nicht, sondern fliegt öffentlich vom
Himmel herab. Die Schlangen schleichen, aber die
Tauben fliegen; darum ist solch Schleichen der rechte
Gang des Teufels, das ist sicher.3
Ich habe sagen hören, wie sich die Schleicher unter
den Arbeitern in der Ernte befinden,4 und auf dem
Felde während der Arbeit predigen, ebenso auch zu
den Köhlern und einzelnen Leuten in den Wäldern,
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und allenthalben ihren Samen säen und Gift ausbla-


sen, und die Menschen von ihren Pfarrkirchen abwen-
den. Da siehe doch den rechten Teufelstritt und Griff,
wie er das Licht scheut, und im Finstern sein Wesen
treibt.5 Wer ist so unverständig, der hier nicht merken
könnte, daß es rechte Teufelsboten sind? Wären sie
von Gott und rechtschaffen, so würden sie zu allererst
(den Weg) zum Pfarrer finden, und mit demselben
verhandeln, ihre Berufung anzeigen und erzählen, was
sie glaubten, und (fragen), ob ihnen derselbe zulassen
wolle, öffentlich zu predigen. Würde (es ihnen) der
Pfarrer alsdann nicht zulassen, so wären sie vor Gott
entschuldigt, und könnten alsdann den Staub von
ihren Füßen abschütteln usw.6 Denn der Pfarrer hat ja
die Kanzel, Taufe, Abendmahl7 inne und alle Seelsor-
ge ist ihm befohlen. Aber nun wollen sie den Pfarrer
heimlich hinausbeißen, mit allem, was ihm aufgetra-
gen ist,8 und doch nicht ihren heimlichen Auftrag an-
zeigen. Das sind rechte Diebe und Mörder der Seelen,
Lästerer und Feinde Christi und seiner Kirche.
Hier ist nun wahrlich kein anderer Rat, als daß
beide Ämter, das geistliche und das weltliche, mit
allem Fleiß das Ihre tun.9 Das geistliche muß wahr-
lich das Volk stets und mit Fleiß unterrichten, diese
obengenannten Stücke einprägen, daß sie keinen
Schleicher zulassen, und ihn gewiß als Teufelsboten
erkennen, und sie fragen lehren:Woher kommst du?
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Wer hat dich gesandt? Wer hat dir befohlen, mir zu


predigen? Wo hast du Siegel und Briefe, daß du von
Menschen gesandt seiest? Wo sind deine Wunderzei-
chen, daß dich Gott gesandt hat? Warum gehst du
nicht zu unserem Pfarrer? Warum schleichst du so
heimlich zu mir und kriechst in die Winkel? Warum
trittst du nicht öffentlich auf? Bist du ein Kind des
Lichts, warum scheust du das Licht?
Mit solchen Fragen, meine ich, sollte man ihnen
leicht wehren; denn sie können ihre Berufung nicht
beweisen. Und wenn wir das Volk zu einem solchen
Verständnis der Berufung bringen könnten, so wäre
solchen Schleichern wohl zu steuern. Ebenso, daß
man sie (die Gemeinde) auch stets unterrichte und
vermahne, solche Schleicher dem Pfarrer anzusagen,
welches sie auch schuldig sind zu tun, wo sie Christen
sein und selig werden wollen. Denn wo sie es nicht
tun, da helfen sie dem Teufelsboten und Schleicher,
dem Pfarrer, ja Gott selbst, sein Predigtamt, Taufe,
Abendmahl und Seelsorge, dazu die Pfarrkinder heim-
lich zu stehlen und so die Pfarre, die Gott geordnet
hat, zu verwüsten und zunichte zu machen. Wenn sie
solche Vermahnung hörten und wüßten, was die (or-
dentliche) Berufung für eine Bedeutung hätte,10 wür-
den etliche fromme Herzen solche Winkelprediger
und Meuchler wohl dem Pfarrer anzeigen. Denn wie
gesagt, mit der (ordentlichen) Berufung, wenn man
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darauf dringt, kann man dem Teufel wohl bange ma-


chen. Ein Pfarrer kann sich ja rühmen, daß er das Pre-
digtamt, Taufe, Abendmahl, Seelsorge öffentlich und
mit Recht innehat, und sie ihm befohlen seien, bei
dem man auch solches suchen und erwarten soll. Aber
die fremden Schleicher und Meuchler können sich
dessen nicht rühmen und müssen bekennen, daß sie
fremd herkommen, und in ein fremdes Amt eingreifen
und einfallen. Das kann ja nicht der heilige Geist sein,
sondern muß der leidige Teufel sein.
Das weltliche Amt muß auch darauf achten. Denn
weil solche Schleicher des Teufels Boten sind, lauter
Gift und Lügen zu predigen, der Teufel aber nicht al-
lein ein Lügner ist, sondern auch ein Mörder (Joh. 8,
44), so kann es nicht fehlen, daß er gedenkt, durch
solche seine Boten auch Aufruhr und Mord zu stiften,
(wenn er sich auch gleich eine Zeitlang dessen entäu-
ßert und sich friedlich stellt,) und so beide, geistliches
und weltliches Regiment, Gott zuwider umzustoßen.
Er kann nicht anders tun, denn seine Art ist lügen und
morden. Deshalb können die Seinen, von ihm beses-
sen, ihrer selbst nicht mächtig sein, müssen fahren,
wie er sie treibt.
So sollten nun billig Amtleute, Richter und was zu
regieren hat, wissen und gewiß sein, daß sie solche
Schleicher für verdächtig halten müssen, nicht allein
falscher Lehre, sondern auch Mordes und Aufruhres
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halber, weil sie wissen, daß solche Leute vom Teufel


geritten werden. Sie sollten auch durch ihre Diener die
Untertanen versammeln lassen, ihnen solches anzuzei-
gen und sie vor solchen Buben zu verwarnen, und
aufs Ernstlichste, bei großer Strafe gebieten, daß ein
jeglicher Untertan solche Schleicher anzeigen müsse;
wie denn die Untertanen schuldig sind zu tun, wollen
sie nicht selbst alles Mordes und Aufruhrs mitschul-
dig werden, welchen der Teufel im Sinn hat usw. (Sie
sollen) auch ebenso, wie das geistliche Amt, auf die
Berufung dringen, und den Schleicher oder seinen
Hauswirt fragen: Woher kommst du? Wer hat dich
gesandt usw. wie oben. Und den Hauswirt (sollen sie)
auch fragen: Wer hat dich geheißen, diesen Schleicher
zu beherbergen, seine Winkelpredigt zu hören?
Woher weißt du, daß er den Befehl habe, dich zu leh-
ren und du von ihm zu lernen? Warum hast du es
nicht dem Pfarrer oder uns angesagt? Warum verläßt
du deine Kirrche, da du getauft, gelehrt, unterrichtet
bist und wohin du durch Gottes Ordnung gehörst, und
kriechst in den Winkel? Warum richtest du ein Neues
an, heimlich und unbefohlen? Wer hat dir Vollmacht
gegeben, dieses Kirchspiel zu trennen und unter uns
Spaltungen11 anzurichten? Wer hat dir befohlen, dei-
nen Pfarrer zu verachten, hinterrücks zu verurteilen,
zu verdammen, ehe er verhört oder verklagt ist?
Woher bist du solch Richter über deinen Pfarrer, ja
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auch über dich selbst geworden?


Denn solche Untugend und viel mehr begeht ein
jeglicher, der sich an die Schleicher hängt, und soll
dafür billig zur Rechenschaft gezogen werden. Und
ich habe gute Hoffnung: wenn die Obrigkeit hierin
fleißig wäre, sollte es großen Nutzen schaffen, und
würden sich viele fromme Leute hüten und solche
Buben verjagen helfen, wenn sie wüßten, daß es mit
den Schleichern solche große Gefahr hätte, und so
viel an dem Berufen oder Befehl gelegen sei. Sonst,
wo man nicht auf der Berufung oder dem Befehl fest-
stände und darauf drängte, würde zuletzt keine Kirche
nirgendwo bleiben. Denn gleich wie die Schleicher
unter uns kommen und unsere Kirche zertrennen und
verwüsten wollen, so würden hernach auch andere
Schleicher in ihre Kirchen kommen und zertrennen
und verwüsten, und fortan würde des Schleichens und
Trennens, eins über das andere, nimmermehr ein
Ende, oder müßte bald nichts mehr von einer Kirche
auf Erden bleiben. Das wollte und sucht auch der
Teufel durch solche Rottengeister und Schleicher.
Darum heißts also: Entweder beweiset die Beru-
fung und den Befehl zu predigen, oder kurzum still
geschwiegen und das Predigen verboten. Denn es
heißt ein Amt, ja ein Predigtamt. Ein Amt aber kann
niemand haben, außer und ohne Befehl und Berufung.
Darum sagt auch Christus im Gleichnis Luk. 19, 11
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ff.,12 daß der Hausherr seinen Knechten die Pfunde


nicht gab, damit sie damit handeln sollten, sondern er
berief sie zuvor und befahl ihnen damit zu handeln. Er
rief seinen Knechten, sagt der Text, und hieß sie mit
seinem Gelde handeln. Eine solche Berufung und Be-
fehl soll der Schleicher auch bringen oder soll des
Herrn Geld in Frieden lassen, oder er wird als ein
Dieb und Schalk erfunden werden. Ebenso gingen
auch die Arbeiter nicht (eher) in des Hausherrn Wein-
berg, Matth. 20, 1 ff., als bis sie der Hausherr dingte
und sie gehen hieß, sondern sie standen vor dem Be-
fehl und vor der Berufung müßig, selbst den ganzen
Tag.
Ebenso sagt Gott, Jer. 23, 21, auch von solchen
Schleichern: Sie laufen, und ich habe sie nicht ge-
sandt, sie predigen, und ich habe ihnen nichts befoh-
len. Es kostet noch große Mühe und Arbeit, daß die
recht predigen und bei der rechten Lehre bleiben, die
von Gott selbst oder durch Menschen an Gottes Stelle
eine bestimmte Berufung und Befehl haben. Was
sollts dann sein, ohne Gottes Befehl, ja gegen Gottes
Befehl und Verbot, aus lauter Treiben und Hetzen des
Teufels predigen? Da kann ja keine andere Predigt ge-
schehen als aus Eingeben des bösen Geistes, und (sie)
muß nichts als Teufelslehre sein, sie gleiße, wie sie
wolle.
Wer hatte eine größere und sichere Berufung als
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Aaron, der erste Hohepriester? Dennoch fiel er in die


Abgötterei und ließ die Juden das goldene Kalb ma-
chen, 2. Mos. 32, 1 ff. Und das ganze levitische Prie-
stertum fiel zum größten Teil ganz in Abgötterei, und
verfolgten dazu Gottes Wort und alle rechten Prophe-
ten. Ebenso war ja König Salomo auch herrlich genug
berufen und bestätigt. Dennoch fiel er in seinem Alter
und richtete viel Abgötterei an, 1. Kön. 11, 4. Haben
die Bischöfe und Päpste nicht eine herrliche Berufung
und Befehl? Sitzen sie nicht auf der Apostel Stuhl und
an Christi Statt? Dennoch sind sie allesamt des Evan-
geliums ärgste Feinde; geschweige, daß sie recht leh-
ren und den rechten Gottesdienst erhalten sollten.
Kann nun der Teufel die Lehrer, die Gott selbst be-
rufen, geordnet und geweiht hat, betrügen, daß sie
falsch lehren und die Wahrheit verfolgen, wie sollte er
denn durch die Lehrer, die er selbst, ohne und gegen
Gottes Befehl, treibt und geweiht hat, etwas Gutes,
und nicht vielmehr lauter teuflische Lügen lehren? Ich
habs oft gesagt und sage es noch: ich wollt nicht der
Welt Gut nehmen für mein Doktorat. Denn ich müßte
wahrlich in der großen, schweren Sache, die auf mir
liegt, zuletzt verzagen und verzweifeln, wenn ich sie
als ein Schleicher ohne Berufung und Befehl angefan-
gen hätte.13 Aber nun muß Gott und alle Welt mit
bezeugen, daß ichs in meinem Doktoramt und Pre-
digtamt öffentlich angefangen und bis daher mit Got-
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tes Gnade und Hilfe geführt habe.


Es geben wohl etliche vor, Paulus habe 1. Kor. 14
einem jeglichen Freiheit gegeben, in der Gemeinde zu
predigen, auch wider den ordentlichen Prediger zu
bellen, da er 1. Kor. 14, 30 sagt: »Wenn aber eine Of-
fenbarung geschieht einem anderen, der da sitzt, so
schweige der erste«. Daher meinen die Schleicher: in
welche Kirche sie kommen, da haben sie Vollmacht
und Recht, die Prediger zu verurteilen und anders zu
predigen. Aber das ist weit, weit gefehlt. Die Schlei-
cher sehen den Text nicht recht an, und nehmen draus,
ja mengen14 drein, was sie wollen. Paulus redet an
der Stelle von den Propheten, die da lehren sollen,
und nicht vom Pöbel, der da zuhört. Propheten aber
sind Lehrer, die das Predigtamt in der Kirche haben.
Warum sollte einer sonst ein Prophet heißen? So laß
den Schleicher nun vorher beweisen, daß er ein Pro-
phet oder Lehrer in der Kirche sei, in die er kommt,
und wer ihm daselbst solch Amt befohlen habe. Als-
dann soll man ihn nach des Paulus Lehre hören. Wo
ers nicht beweist, so laß ihn zum Teufel weglaufen,
der ihn gesandt und geheißen hat, ein fremdes Pre-
digtamt in einer Kirche zu rauben, in das er auch nicht
als ein Zuhörer oder Schüler gehört, geschweige denn
als ein Prophet und Meister.
Welch ein feines Beispiel sollte mir das werden,
wenn ein Pfarrherr predigte, und ein jeglicher Voll-
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macht hätte, ihm in die Rede zu fallen, und sich mit


ihm zu streiten? Weiter: sollte den beiden abermals
ein anderer in die Rede fallen und den zweiten auch
schweigen heißen, danach etwa eine volle Bieramsel
aus einem Wirtshaus15 daher laufen und diesen allen
dreien in die Rede fallen und den dritten auch schwei-
gen heißen, und wollten zuletzt auch die Weiber solch
Recht haben als »die Sitzerin« und die Männer
schweigen heißen, danach immer ein Weib das ande-
re – oh welch eine schöne Kirchweih, Wirtshaus und
Jahrmarkt sollt da werden! Auf welchem Schweineko-
ben sollts nicht feiner zugehen als in solcher Kirche!
Da sollt der Teufel Prediger sein an meiner Stelle.
Aber die blinden Schleicher bedenken das nicht, mei-
nen gleich, sie seien allein »die Sitzer«, und sehen
nicht, daß ein jeglicher unter den andern ebensowohl
solches Recht haben müßte und sie auch schweigen
heißen könnte. Die wissen selbst nicht, was sie sagen,
was sitzen oder reden, was Prophet oder Laie an die-
ser Stelle des Paulus bedeute.
Es lese, wer da will, das ganze Kapitel, so wird er
deutlich finden, daß Paulus daselbst vom Weissagen,
Lehren und Predigen in der Gemeinde oder Kirche
redet und nicht der Gemeinde zu predigen befiehlt,
sondern mit den Predigern, die in der Gemeinde oder
Versammlung predigen, verhandelt. Sonst dürfte er
den Weibern das Predigen nicht verbieten, die auch
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ein Stück der christlichen Gemeinde sind. Und wie es


der Text ergibt, so wirds ein solche Weise gewesen
sein, daß in der Kirche die Propheten als die ordentli-
chen Pfarrer und Prediger unter der Menge gesessen
und einer oder zwei den Text gesungen oder gelesen
haben, wie noch zu unseren Zeiten an den hohen Fe-
sten in etlichen Kirchen zwei das Evangelium mitein-
ander zu singen pflegten.
Über solchen Text hat dann einer unter den Prophe-
ten, an dem es gewesen ist, geredet und ihn ausgelegt.
Wenn der zu Ende geredet hat, hat ein anderer dann
etwas dazu setzen können, um es zu bestätigen oder
besser zu erklären, gleichwie es Jakobus Apg. 15, 13
ff. auf des Petrus Rede auch tat, und dieselbe bestätig-
te und erklärte. So tat auch Paulus in den Synagogen,
insbesondere zu Antiochien in Pisidien, wo Lukas
Apg. 13, 14 f. erzählt, daß nach der Lesung des Ge-
setzes die Obersten der Schule Paulus auch haben
reden lassen. Da stand Paulus auf und redete, jedoch
als ein gesandter Apostel über das, wozu er vom
Schulherrn aufgefordert wurde, und tat es nicht als ein
Schleicher. So ist wohl klar,16 daß das »Sitzen« al-
lein die berufenen Propheten oder Prediger angehe.
Welcher unter denen hat reden sollen, ist aufgestan-
den, oder ist sitzen geblieben, je nachdem die Sache
wichtig gewesen ist.
Gleich als wenn ein Fürst mit seinen Räten zu Rat
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sitzt, oder ein Bürgermeister mit seinen Ratsgenossen,


wo einer auftritt und seine Rede hält, und danach ein
anderer drauf, und sie zuletzt einträchtig dem folgen,
der den besten Rat gegeben hat, und so einer dem an-
dern beraten hilft, und es fein ehrlich zugeht: so sind
die Propheten gleichsam der Kirchenrat gewesen, die
Schrift zu lehren und die Gemeinde zu regieren und
versorgen. Sollte man nun leiden, daß ein fremder
Landläufer daherschleichen oder ein Bürger unberufen
sich in den Rat drängen wollte, den Bürgermeister zu
tadeln oder zu meistern? Da würde nichts Gutes
draus; man müßte ihn bei dem Kopfe nehmen und
dem Stockmeister17 anbefehlen, der würde ihn wohl
lehren, wo er sitzen soll, und ihm den verdienten Sitz
anweisen.18
Viel weniger ists zu leiden, daß in einen geistlichen
Rat, das ist ins Predigtamt oder der Propheten Sitz,
ein fremder Schleicher sich eindränge, oder ein Laie
sich unberufen des Predigens in seiner Pfarrkirche un-
terfange. Es soll den Propheten befohlen sein und
bleiben, die sollen der Lehre warten, und einer nach
dem andern lehren und einander immer treulich hel-
fen, so daß es ehrbar und ordentlich zugehe, sagt Pau-
lus. Wie kanns aber ehrbar und ordentlich zugehen,
wo ein jeglicher dem andern ins Amt greift, das ihm
nicht befohlen ist, und ein jeglicher Laie in der Kirche
aufstehen und predigen will?
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Mich wundert aber, dieweil sie im Geist so gelehrt


sind, warum sie nicht die Beispiele hervorziehen, da
auch Weiber geweissagt und damit die Männer, Land
und Leute regiert haben: wie Debora (Richt. 4, 1 ff.),
die den König Jabin und Sisera schlug, und Israel re-
gierte, und die Prophetin zu Abel, welche zu Davids
Zeiten war (2. Sam. 20, 13 ff.), und die Prophetin
Hulda zur Zeit Josias (2. Kön. 22, 14 ff.) und lange
vorher Sara, welche ihren Herrn und Mann Abraham
lehrte, daß er Ismael mit der Mutter Hagar ausstoßen
sollte, und Gott hieß Abraham, er sollte ihr gehor-
chen, (1. Mos. 21, 9 ff.) und dergleichen mehr, wie
z.B. die Witwe Hanna Luk. 2, 36 ff. und die Jungfrau
Maria, Luk. 1, 46 ff. usw. Hier könnten sie sich
schmücken, und auch wohl den Weibern in der Kirche
zu predigen Vollmacht geben. Nun wie vielmehr
könnten die Männer diesen Beispielen nach (dann)
predigen, wo und wann sie wollten.
Nun, wir lassen das jetzt anstehen, was solche
Weiber im Alten Testament für ein Recht zu lehren
und zu regieren gehabt haben. Sie habens freilich
nicht als die Schleicher, unberufen, noch aus eigener
Meinung und Wagemut getan, sonst hätte Gott ihr
Amt und Werk nicht mit Wundern und großen Taten
bestätigt. Aber im Neuen Testament ordnet der heilige
Geist durch Paulus an, daß die Weiber in der Kirche
oder Gemeinde schweigen sollen und sagt: Es sei des
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Herrn Gebot, 1. Kor. 14, 34, und (das obwohl) er


doch wohl wußte, daß Joel (3,2) zuvor verkündigt
hatte, Gott wolle seinen Geist auch auf seine Mägde
ausgießen, und er außerdem die vier Töchter des Phil-
ippus hatte weissagen sehen (Apg. 21, 9). Aber in der
Gemeinde oder Kirche, wo das Predigtamt ist, sollen
sie schweigen und nicht predigen. Sonst können sie
wohl mit beten, singen, loben und Amen sprechen,
und daheim lesen, und sich untereinander lehren, ver-
mahnen, trösten, auch die Schrift auslegen, so gut sie
es immer können.19
In Summa: Paulus will den Frevel und Mutwillen
nicht leiden, daß einer in ein fremdes Amt eingreife;
sondern ein jeglicher soll auf seinen Befehl und seine
Berufung achthaben und sie wahrnehmen, damit er
eines andern Berufung ungehindert und in Frieden
lasse. Sonst mag er klug sein, lehren, singen, lesen,
deuten, wo er Recht und Fug dazu hat, bis ers genug
und satt habe. Will Gott außer und über solche Ord-
nung der Ämter und Berufung hinaus etwas Besonde-
res machen und einen über die Propheten erwecken,
das wird er mit Zeichen und Taten beweisen, wie er
die Eselin reden und den Propheten Baal, ihren Herrn,
tadeln ließ, 4. Mose 22, 21 ff. Wo er das nicht tut, da
sollen wirs halten und bei den geordneten Ämtern und
Befehl bleiben lassen. Lehren sie nicht recht; was
geht dich das an? Brauchst du doch nicht Rechen-
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schaft dafür zu geben.20


Darum führt auch Paulus das Wort »Gemeinde« in
diesem Kapitel oft an, damit er einen sicheren Unter-
schied zwischen den Propheten und dem Volk macht:
die Propheten reden, die Gemeinde hört zu. Denn so
sagt er 1. Kor. 14, 4: »Wer aber weissagt, der erbaut
die Gemeinde«. Und abermals Vers 12: »Trachtet da-
nach, daß ihr sie (die geistlichen Gaben) reichlich
habet, auf daß ihr die Gemeinde erbaut«. Wer sind
nun hier die, welche die Gemeinde erbauen sollen?
Sind es nicht die Propheten, und (wie er sie nennt),
die, welche mit Zungen reden, das heißt, den Text
lesen oder singen, während die Gemeinde zuhört; und
die Propheten sollen den Text auslegen, zur Erbauung
der Gemeinde? Dies ist ja klar genug, daß er hier der
Gemeinde das Hören und die Erbauung befiehlt, und
nicht die Lehre noch das Predigtamt. Danach macht er
noch einen klareren Unterschied, und nennt die Ge-
meinde »Laien«, und sagt Vers 16f.: »Wenn du lob-
preist im Geist, wie soll der, der dabeisteht und be-
greift es nicht, das Amen sagen auf deine Danksa-
gung, da er doch nicht weiß, was du sagst? Du dank-
sagest wohl fein; aber der andere wird nicht davon er-
baut«. Da ist abermals ein Unterschied zwischen Pre-
diger und Laien festgestellt. Aber was ist notwendig,
weiter davon zu reden? Der Text steht da, und auch
die Vernunft ergibt, daß in kein fremdes Amt zu grei-
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fen sei.
Denn so sagt Paulus Vers 29: »Propheten aber laßt
reden, zwei oder drei, und die andern laßt richten«
usw. Solches ist ja nicht anders als von Weissagenden
gesagt, deren einer oder zwei reden sollen, und die an-
dern sollen richten. Was heißt hier: »andere«? Solls
heißen: die Menge? Mitnichten; sondern es soll hei-
ßen: die andern Propheten oder Weissager, die in der
Kirche predigen und die Gemeinde bessern helfen sol-
len, die sollen richten und zusehen helfen, daß recht
gepredigt werde. Und wenn sichs begäbe, daß einer
unter den Propheten oder Predigern das Beste träfe, so
soll der erste sich weisen lassen und sagen: Ja, du
hast Recht, ich habs nicht so gut verstanden. Gleich-
wie es bei Tisch oder in andern Sachen geschieht, daß
einer dem andern (auch in weltlichen Sachen) Recht
gibt, so soll auch einer dem andern in dieser Sache
viel mehr weichen.
Hieraus ersieht man, wie fein und fleißig die
Schleicher des Paulus Worte angesehen haben, mit
welchen sie sich in allen Kirchen als »Sitzer« zu be-
weisen vermeinen, das ist: alle Prediger der ganzen
Christenheit antasten, verurteilen und lästern, und
sich selbst berufen und zu Richtern machen über
fremde Kanzeln. Das sind rechte Diebe und Mörder,
welche in fremde Ämter mit Frevel und Gewalt ein-
greifen; dagegen lehrt 1. Petr. 4, 15: »Niemand aber
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unter euch leide als ein Mörder oder Dieb oder Übel-
täter oder der in ein fremdes Amt greift«.
Obwohl nun solche Weise ungebräuchlich gewor-
den ist, daß die Propheten oder Prediger so in der Kir-
che sitzen und abwechselnd reden (wie Paulus hier
sagt), so ist doch ein kleines Anzeichen21 und eine
geringe Spur davon geblieben, nämlich, daß man im
Chor abwechselnd singt und eine Schriftlesung nach
der andern tut, und dann zusammen eine Antiphon,
Hymnus oder Responsorium singt. Und wenn ein Pre-
diger des andern Lesung übersetzte und ein anderer
legte sie aus oder predigte davon, so wäre es eben die
rechte Weise in der Kirche zu lehren, die Paulus
nennt. Denn da sang oder las einer mit Zungen, der
andere weissagte oder verdeutschte es, der dritte legte
es aus, der andere wiederum bestätigte oder verbesser-
te es mit Sprüchen und Beispielen, wie Jakobus Apg.
15, 13 ff. tat und Paulus Apg. 13, 14 f. Und das wäre
ja besser, als daß man allein die bloße Lektion in la-
teinischer, unbekannter Sprache liest oder singt; ob-
wohl Paulus solch Zungenreden bei sich selbst nicht
verdammt, aber in der Kirche ohne Auslegung nicht
lobt noch befiehlt.
Ob aber solche Weise jetzt wiederum aufzurichten
und die Kanzeln22 abzuschaffen seien, dazu will ich
nicht raten, sondern es abwehren helfen. Denn die
Menschen sind jetzt zu wild und zu fürwitzig. Es
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möchte zwischen Pfarrer, Prediger und Kaplan ein


Teufel sich einmengen, daß einer über den andern sein
wollte, und (daß sie) sich so vor dem Volk zanken
und beißen und ein jeglicher der Beste sein wollte.
Darum ists besser, die Kanzel zu behalten; denn da
geht es doch, wie Paulus hier lehrt, ehrbar zu. Und es
ist genug, daß in einer Pfarre die Prediger einen Tag
um den andern, und wo sie wollen, an einem Ort um
den andern predigen, und einer am Nachmittage oder
am Vormittage auslege, was der andere früh oder in
der Messe gesungen und gelesen hat; wie es denn hin
und wieder mit dem Evangelium und der Epistel ge-
schieht. Denn Paulus dringt nicht so sehr darauf, daß
man eben nur solche Weise halten müsse, sondern
darauf dringt er, daß es ordentlich und ehrbar zugehen
solle, und gibt dafür solche Weise zum Beispiel. Weil
nun unsere Weise mit dem Predigen bei unserm tollen
Volke ordentlicher ist als jene, sollen wir sie behalten.
Zur Apostelzeit ist solche Weise der »sitzenden
Propheten« gut zu behalten gewesen, denn es ist eine
alte, täglich geübte, unter einem aus dem Levitischen
Priestertum wohlerzogenen Volk von Mose her gehal-
tene Gewohnheit gewesen, welche jetzt unter solchen
wilden, ungezogenen, frechen Menschen nicht gut
wäre in Übung zu bringen.
Das sei von dem Spruch des Paulus gesagt. Und in
Summa: die Schleicher und Winkelprediger sind des
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Teufels Apostel, über die Paulus allenthalben klagt,


wie sie durch die Häuser laufen und dieselben verkeh-
ren, lehren immer, und wissen doch nicht, was sie
sagen oder was sie setzen, 2. Tim. 3, 6 f. Darum sei
das geistliche Amt gewarnt und vermahnt, sei gewarnt
und vermahnt das weltliche Amt, sei gewarnt alles,
was Christ und untertan sein soll, daß man sich vor
ihnen hüte und sie nicht höre. Oder wer sie leidet und
hört, der wisse, daß er den leidigen Teufel leibhaftig
selbst hört, nicht anders, als wie er aus einem beses-
senen Menschen redet. Ich habe das Meine getan und
bei der Auslegung des zweiundachtzigsten Psalms
auch davon geredet; ich bin entschuldigt.23 Eines jeg-
lichen Blut, der gutem treuen Rat nicht folgt, sei auf
seinem Kopf. Ich befehle hiermit, mein lieber Herr
und Freund, euch und die euren in Gottes Gnade und
Barmherzigkeit. Dem sei Lob und Dank, Ehre und
Preis in Ewigkeit, in Christus Jesus, unserm Herrn
und Heilande, Amen.

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Editorische Bemerkung

Die vorige Schrift hatte das Recht der Gemeinde und


des einzelnen Christen auf die Beurteilung der Lehre
und die Verleihung des Predigtamtes festgestellt:
Jeder Christ ist nach dem allgemeinen Priestertum
nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, zu
lehren und zu predigen. Das gilt aber, hatte Luther
einschränkend hinzugefügt, nur für den Fall, daß er an
einem Ort ist, wo es keine rechte Gemeinde gibt. In
der Gemeinde selbst soll er auf eine ordnungsgemäße
Berufung warten, eben weil alle Christen mit ihm
gleichen Rechtes und gleicher Würde sind. Nur für
den Fall falscher Lehre ist er nach 1. Kor. 14 berech-
tigt, von sich aus in das Lehramt einzutreten. Die vor-
liegende Schrift gibt nun die Ergänzung. Hatte trotz
aller Einschränkungen in der von 1523 der Nachdruck
auf dem ersten Gedankengang gelegen, so war es jetzt
nötig, den zweiten stärker zu betonen. Denn von 1528
ab hatten sich die Wiedertäufer im Gebiet des Kurfür-
stentums Sachsen immer erneut bemerkbar gemacht.
Justus Menius, der Superintendent von Eisenach, war
ihnen mehrfach literarisch entgegengetreten (vgl.
Band 4 S. 11ff., 14ff. die Vorreden Luthers zu seinen
diesbezüglichen Schriften). Unterstützt wurde er
dabei von Eberhard von der Thann, dem Amtmann
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auf der Wartburg, dem Luther diese Schrift gewidmet


hat. Sie hat die Form eines offenen Briefes an ihn
(und alle »anderen Amtsleute, Städte und Herren«),
der dazu aufruft, »solchen Schleichern zu wehren, auf
daß wir das Unsere tun«(der Eingang der Schrift mit
der Widmung ist hier fortgelassen). Jetzt kam es dar-
auf an, die Notwendigkeit der ordnungsgemäßen Be-
rufung zu unterstreichen, denn die Voraussetzung der
falschen Lehre – welche zu einem selbständigen Er-
greifen des Lehr- und Predigtamtes berechtigt hätte –
konnte ja nicht zugestanden werden. Wer also in der
Gemeinde lehrt, ohne von ihr berufen zu sein, ist ein
falscher Prophet und treibt das Werk des Teufels. Lu-
ther hat hier mit einer solchen Nachdrücklichkeit das
Recht des ordentlichen Amtsträgers betont, daß der
Eindruck entstehen konnte, die neue Schrift schiene
»nun seinen früheren Ausführungen über das allge-
meine Priestertum stracks zu widersprechen«(WA 30,
3, 514). Das ist jedoch so nicht richtig, sie bedeutet
vielmehr die stärkere Betonung eines von Anfang an
vorhandenen Gesichtspunktes. Man wird lediglich
sagen können, daß die Auslegung von 1. Kor. 14 in
beiden Schriften nicht miteinander in Einklang zu
bringen ist (die in der vorliegenden Schrift gibt dem
Text eine gewaltsame und nicht den Voraussetzungen
der paulinischen Zeit entsprechende Deutung).

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Anmerkungen

1 Voran geht die Widmung an von der Thann und ein


Hinweis auf die Schrift von Menius, die nachfolgen-
den Sätze leicht verkürzt.
2 Eig.: »unthettlin«.
3 Eig.: »das feilet nimer mehr«.
4 Eig.: »können finden«.
5 Eig.: »mauset«.
6 Vgl. Luk. 10, 11.
7 Eig.: »Predigstul . ... Sacrament«.
8 Eig.: »mit allem seinem befelh«.
9 Eig.: »da zu thun«.
10 Eig.: »das die meinung mit dem beruff hette«.
11 Eig.: »rotten«.
12 Luther beruft sich auf Matth. 25, es kann sich
aber nur um die Lukasparallele handeln, da sich hier
allein die ausdrückliche Beauftragung findet, auf die
es Luther hier ankommt.
13 Seit 1524 findet sich immer wieder dieser Hin-
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weis in Luthers Schriften: nicht von sich aus habe er


das Werk der Reformation angefangen, sondern ge-
zwungen. Sein Eid als Doktor der heiligen Schrift
machte das ihm zustehende Recht zur unausweichli-
chen Pflicht. Vgl. ausführlich darüber K. Holl, Lu-
thers Urteile über sich selbst, Ges. Aufsätze I, 391ff.
(dort auch dieses Wort Luthers).
14 UNSICHER! Eig.: »brewen«.
15 D.h. ein Betrunkener.
16 Eig.: »Das wol scheinet«.
17 Eig.: »meister Hansen«.
18 Eig.: »das sitzrecht mit jm spielen«.
19 Eig.: »das beste sie jmer können«.
20 Hier ist der Gegensatz zur vorigen Schrift beson-
ders deutlich, vgl. S. 48f., 50f., 53f.
21 Eig.: »fusstaplin«. Der ganze nachfolgende Ab-
schnitt ist durchaus zeitgeschichtlich bedingt. Luther
geht hier von den Gegebenheiten des Gottesdienstes
seiner Zeit aus. Aber da er das im Zusammenhang der
Überlegung tut, ob die Regeln von 1. Kor. 14 auch
für die (jeweilige) Gegenwart anwendbar seien,
bekam der Abschnitt grundsätzliche Bedeutung und
mußte stehen bleiben.
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22 Für Kanzel bei Luther immer »Predigstuel«.


23 Vgl. WA 31, 1, 189ff.

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