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HUGORIEMANNS

MUSIK
LEXIKON
ELFTE AUFLAGE
BEARBEITET VON

ALFRED EINSTEIN

1 929
MAX HESSES VERLAG / BERLIN
Alle Rechte vorbehalten
Copyright 1929 by Max l:-lesses Verlag, Berlin

Druck von Frankenstein & Wagner in Leipzig


Einband von Prof. Dr. Emil Preetorius
Aus dem Vorwort
zur ersten Auflage.

Das vorliegende Musik-Lexikon soll in erster Linie dem Musiker und Musikfreunde
kurze und bündige Aufschlüsse geben über Lebenszeit, Schicksale und Ver-
dienste von Komponisten, Virtuosen und Lehrern seiner Kunst, über die Geschichte
und den gegenwärtigen Stand der Kunst selbst sowie ihrer Theorie und der musi-
kalischen Instrumente. Nach Möglichkeit ist die relative Ausdehnung der Artikel in
Einklang gebracht worden mit der Bedeutung ihres Inhalts. In der Auswahl der
Artikel war eine gewisse Beschränkung durch Raumrücksichten geboten; der Gefahr
einer InhaItIosigkeit der Artikel wegen zu großer Anzahl derselben war nur auf diese
Weise zu begegnen. Die Gemeinfaßlichkeit ist bei der Darstellung als strenges
Gesetz im Auge behalten worden; doch glaubte der Verfasser darin nicht so weit
gehen zu dürfen, daß schließlich selbst der nur praktisch gebildete Orchestermusiker
in den theoretischen und historischen Artikeln nicht mehr fände, als er selbst weiß.
So wie das Buch ist, wird es auch dem höher gebildeten Musiker und dem Manne der
Musikwissenschaft Interesse abgewinnen und dem strebsamen Kunst jünger mancherlei
Anregung geben. Der Versuch, auch für ältere Epochen der Musikgeschichte Interesse
und Verständnis in weiteren Kreisen zu wecken, kann gewiß im Hinblick auf die eine
immer breitere Basis gewinnenden Versuche der Wiederbelebung von Werken des
16. und 17. Jahrhunderts nur Billigung finden. Die Lehre vom musikalischen Satz
(Harmonielehre, Kontrapunkt, Komposition) konnte nur in allgemeinen Umrissen
und hinsichtlich einzelner hervortretenden Spezialfragen Aufnahme finden; wer der
Kompositionslehre wirklich nähertreten will, wird sich Belehrung nicht aus einem
Lexikon holen, sondern sich an die systematischen Lehrbücher halten. Ebenso konnte
die Geschichte nur in tabellarischer Form und einigen knappen Spezialartikeln gegeben
werden. Die Aufgabe des Lexikons ist, für solche Gebiete die gute Litera tur nach-
zuweisen; dieser Gesichtspunkt wurde durchweg festgehalten, auch für die Biographien.
Auch eine möglichst vollständige Aufzählung der Werke der Komponisten wurde ver-
sucht; wenn auch hier Raumrücksichten eine ziemlich enge Schranke zogen, so wird
man doch mehr finden als in anderen Büchern gleichen Umfangs. So hofft denn dieses
neue Nachschlagebuch in mancher Beziehung eine wirkliche Lücke auszufüllen und
dadurch seine Daseinsberechtigung nachzuweisen.
Die biographischen Daten lebender Tonkünstler stützen sich zumeist auf originale,
direkt eingeholte Informationen; leider blieb jedoch auch manche Anfrage unbeant-
wortet. Von den Männern, welche zur Erlangung biographischer Notizen dem Heraus-
geber behilflich waren, seien mit besonderer Anerkennung genannt: Dr. Hans von
Bülow in Meiningen, Mathis Lussy in Paris, Wjätscheslaw Rossolow~ki
in Petersburg, Martin Röder in Mailand (später in Berlin), Fr. Florimo
in Neapel, Ad. Berwin in Rom, Richard Hol in Utrecht, Ed. Gregoir in Ant-
werpen, W. F. G. Nicolai im Haag, E.Dannreu ther in London und Dr. L.Damrosch
in Neuyork.
Hamburg, im Januar 1882.
IV Vorwort.

V orwort zur achten Auflage.


Trotz abermaliger starken Erhöhung der Auflage tritt doch schon nach kaum
vier Jahren die Notwendigkeit an mich heran, das Musik-Lexikon wieder neu durch-
zuarbeiten. Bei den rapiden Fortschritten, welche die musikalische Geschichtsforschung
zufolge des schnell anwachsenden Stabes akademisch geschulter Arbeiter macht,
wachsen aber die Schwierigkeiten einer solchen Bearbeitung immer mehr, so daß ich
Anlaß nehmen muß, gleich zu Beginn des Drucks der neuen Auflage die Bitte aus-
zusprechen, mir ergänzende Beiträge aller Art, Korrekturen von Fehlern der siebenten
Auflage, aber auch Ergebnisse eigenen Forschens, die vielleicht an entlegenen, meiner
Beachtung schwerer zugänglichen Stellen publiziert worden sind, rechtzeitig mit-
zuteilen, ehe es für die neue Auflage zu spät ist. Denn erfahrungsgemäß bemerkt
nur ein sehr kleiner Teil der BenutzeT des Buchs den Nachtrag; fast alles, was der
Nachtrag der siebenten Auflage enthält, ist von den verschiedensten Seiten als
fehlend reklamiert worden, und ich habe deshalb den dringenden Wunsch, diesmal
im Nachtrage möglichst nur das nachträglich Geschehene zu bringen (Todesfälle,
Erscheinen wichtiger neuer Werke). Meines aufrichtigen Dankes dürfen alle versichert
sein, welche zur Erreichung dieses Zieles die Hand bieten.
Wie schon in der siebenten Auflage ist auch in der achten das Format erheblich
vergrößert worden, um ohne weiteres Anschwellen und ohne allzu große Abstriche die
Beibehaltung der Einbändigkeit zu ermöglichen. Der mehrfach ausgesprochenen
Bitte der Zerlegung des Lexikons in einen sachlichen und einen biographischen Teil
gebe ich aus mannigfachen Gründen keine Folge. Gerade das bunte Gemisch von Bio-
graphien und orientierenden kleinen Abhandlungen hat sich zu sehr als nutzbringend
und anregend erwiesen, als daß ich es aufgeben könnte. Gar mancher wird beim Auf-
suchen eines biographischen Details zufällig auf einen solchen Spezialartikel aufmerk-
sam und weiß mir deshalb für die Anordnung Dank. Es würde aber eine Scheidung
sogar auf formale Schwierigkeiten stoßen und z. B. die Verweisung der kleinen histori-
schen übersichten in den nichtbiographischen Teil Unbequemlichkeiten für den Be-
nutzer bedingen. Ich bitte also herzlich, es mir nicht übelzunehmen, wenn ich dies-
bezügliche Wünsche auch von mir sehr hoch eingeschätzter Freunde und Berater nicht
berücksichtige. Das Musik-Lexikon soll ein "Handbuch" sein und bleiben.
Der neuen Auflage kommt außer der I9IO beendeten zweiten Auflage von Groves
Dictionary 01 MllSic and Mllsicians (redigiert von J. A. Fuller-Maitland) auch das I9I2
begonnene Erscheinen von Tobias Norlinds schwedischem Allmänt Musik-Lexikon
(Stockholm) zugute. Es versteht sich von selbst, daß derartige Lexika eins vom
anderen übernehmen, was ihnen aufnehmenswert erscheint. Norlinds Lexikon stützt
sich vielfach auf das meine, bringt aber ausgiebig Neues über skandinavische Musiker,
was ich als Gegenleistung mit Dank in Empfang nehme und im Auszuge berücksichtige.
Vielfach sind mir Daten meines Lexikons nach der ersten Auflage des Groveschen
Werkes als unrichtig moniert worden, die inzwischen bereits das Supplement der
ersten Auflage und die zweite Auflage des Groveschen Werkes "according Riemann"
berichtigen. Dazu möchte ich allgemein bemerken, daß in der Mehrzahl solcher
Divergenzen das abweichende Datum sich auch in einer der früheren Auflagen meines
Buches finden wird, aber auf Grund besonderer und gut verbürgter Reklamationen
geändert wurde. Leider gibt es aber auch einige ganz hoffnungslose Fälle einander
widersprechender angeblich genauen Datierungen (z. B. Clementis Geburtsdatum).
Die immer mehr gesteigerte Aktivität auf dem Gebiete der Musikwissenschaft, besonders
dem der Musikgeschichte, macht selbst bei nur fünf Jahren Abstand der neuen Auf-
lage von der vorausgehenden (7. Auflage I909) doch eine starke Vergrößerung sehr
vieler Artikel unerläßlich und die Herstellung einer Stereotypausgabe zur Unmöglich-
keit; wohlweislich ist aber eine solche von vornherein für dieses Lexikon ausgeschlossen
worden. Der mehrfach ausgesprochene Wunsch, statt neuer Auflagen Supplemente
Vorwort. V

mit den Verbesserungen und Nachträgen zu bringen, kann daher vom Verfasser nicht
berücksichtigt werden; das Buch würde damit den Charakter eines bequem benutzbaren
Nachschlage buchs verlieren.
Jede neue Auflage zwingt zu neuen Kürzungen bzw. zur Streichung entbehrlich
gewordener Artikel früherer Auflagen, um dem Buche die handliche Einbändigkeit
zu bewahren. Gar manche Bitte um Berücksichtigung in der neuen Auflage mußte
aus diesem Grunde unerfüllt bleiben. Der Verfasser bittet, darin keinen Mangel an
Wertschätzung zu erblicken; aber die Gefahr, daß ein biographisches Tonkünstler-
lexikon in ein Musiker-Adreßbuch ausartet, ist größer, als der Fernstehende ahnt!
Der vornehmste Zweck des Buches ist nach wie vor eine möglichst zuverlässige Orien-
tierung über bedeutende Leistungen auf dem Gebiet der Komposition einerseits und
der musikwissenschaftlichen Forschung andrerseits, und nur in sehr beschränktem
Maße kann daher die verdienstliche Tätigkeit der reproduzierenden Künstler (Ge-
sangs- und Instrumentalvirtuosen, Dirigenten) und der Musiklehrer gewürdigt werden.
Trotz des besten Willens und fleißiger Arbeit ist doch die vollständige Lösung
der Aufgaben eines Buches wie des Musik-Lexikons für den einzelnen eine Unmöglich-
keit, und mit herzlichem Dank bestätigt der Verfasser immer wieder die selbstlose
Bereitwilligkeit, mit welcher eine große Zahl von wohlwollenden Freunden seines
Buches Beiträge aller Art in Menge geliefert hatten, Druckfehlerkorrekturen, Er-
gänzungen biographischer Daten, Hinweise auf bedeutendere Neuerscheinungen,
Früchte eigenen Nachdenkens usw. usw. Zu ganz besonderem Danke bin ich Herrn
Dr. Alfred Heuß in Gaschwitz bei Leipzig verpflichtet, der mir bei der Druck-
legung der 8. Auflage fortgesetzt hilfreiche Hand leistete, desgleichen Herrn Dr. Alfred
Einstein in München, der bei der ersten Korrektur noch manches hochwertvolle
Detail beisteuerte, ferner Oberbaurat Franz Stieger in Wien, dessen überaus wert-
volle Sammlung von die Operngeschichte angehenden Notizen dem Lexikon wieder
reiche Ausbeute zuführte, und weiter einer Anzahl hochgeschätzter Kollegen, die syste-
matisch alles zusammengetragen hatten, was ihnen in der 7. Auflage aufgestoßen war,
so Dr. Karl Mennicke in Liegnitz, Dr. Alfred Ebert in Köln, GeorgKinsky
in Köln, Dr. Karl Weinmann in Regensburg, Hofkapellmeister Peter Raabe
in Weimar, Prof. Dr. Arnold Schering in Leipzig, Dr. Hans J oachim Moser
in Berlin, Hofstiftskaplan Otto Ursprung in München, Karl Walter in Monta-
baur, Geh. Sanitätsrat Georg Fischer in Hannover, meinem Assistenten Dr. Wili-
bald Gurlitt, den leider der Krieg mir zu früh ins Ausland entführte, Professor
K. E. Richard Müller in Dresden usw., noch gar manchen andern, den ich um Ver-
zeihung bitte, daß ich ihn nicht speziell namhaft mache. Einige Namen (Ad. Barth,
E. Euting, W. Nelle) wird man unter von ihnen beigesteuerten Artikeln gezeichnet
finden. Auch für die vorliegende 8. Auflage sind solche Verbesserungen bereits in
großer Zahl schon wieder eingegangen.
Leipzig, Ende 1915.
Prof. Dr. Hugo Riemann.
VI Vorwort.

Vorwort zur elften Auflage.


Zum ersten Male habe ich gegen Hugo Riemanns oft geäußerten Willen verstoßen,
indem ich sein Lexikon in zwei Bände geteilt und dadurch die Handlichkeit des Werkes
vielleicht verringert habe. Wer aber näher zusieht, wird bemerken, daß der größere
Umfang und damit die Notwendigkeit der Teilung des Buches durch die Sache geboten
war. So sehr ich mich bemüht habe, "historisch" gewordene Artikel, meist Lebensdaten
uns völlig entfremdeter Musiker aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, aus-
zumerzen, so ist der Stoff für alle Gebiete, die ein solches Werk behandeln muß, doch
so stark angeschwollen, daß mit dem Prinzip der Einbändigkeit nicht mehr auszukommen
war. Das Buch nähert sich mit der Teilung scheinbar den vielbändigEn LExika etwa
der Art von Grove, die sich für die Biographien der großen Meister und für bestimmte
Probleme ganze Abhandlungen leisten können. Dennoch glaube ich gerade an den
Richtlinien festgehalten zu haben, wie Riemann sie im Vorwort zur ersten Auflage
formuliert hat. Die Verteilung des Stoffes ist so gleichmäßig, als sie ohne Gefahr
der Uniformität sein kann; freilich ist die Quantität der einem Komponisten gewid-
meten Zeilenzahl nicht immer ein Maßstab für seine Qualität, zumal da ich von Rie-
manns Absicht nicht abweichen wollte, gerade bei den neueren Komponisten eine
möglichst vollständige Werkliste zu bieten. Es widerspricht lexikalischen Forderungen,
hier zu knausern: wer Information sucht, sucht genaue Information. Es versteht
sich von selbst, daß ich für die neueste Zeit meine Bearbeitung von A. Eaglefield Hull's
Dictionary 0/ Modern Music and Musicians (1926) verwertet habe, nicht ohne in (bis
auf wenige Ausnahmen) jedem Falle zu ändern und zu ergänzen. Ich bin dabei (eben-
falls bis auf wenige Ausnahmen) von allen Lebenden, die ich anging, in einem Umfang
unterstützt worden, für den ich nicht genug Dank sagen kann. Die Erweiterung des
Lexikons erstreckt Eich jedoch ziemlich gleichmäßig auf Artikel aus allen Gebieten und
allen Epochen. Es sind nicht bloß in der Gegenwart neue Fragen, deren Erörterung nicht
zu umgehen war, aufgetaucht, auch für eine Reihe von Epochen der Musikgeschichte
hat der Stoff sich bereichert und unsere Anschauung sich gewandelt. In vielen Fällen
(ich muß es sagen) sind die Änderungen Ergebnis eigener Forschung; in allen habe ich
Wert auf sorgfältigsten Literaturnachweis gelegt, sei es in Büchern oder Zeitschriften.
Nicht bloß aus Pietät, sondern aus innerster Überzeugung habe ich Riemanns
Anschauungen und Formulierungen in Fragen der Harmonik, Rhythmik und Metrik
unangetastet gelassen. Der harmonische Dualismus scheint mir keineswegs widerlegt
und ist durch physische und physiologische Tatsachen überhaupt nicht widerlegbar.
Auch Riemanns Rhythmuslehre ist zwar angegriffen, aber in ihrem Wesentlichen
nichts weniger als erschüttert worden. Die Zusätze, die die Entwicklung zur soge-
nannten "Neuen Musik" notwendig machte, sind durchweg in einer rein darstellenden,
sozusagen historischen Form gegeben.
Ich will nicht leugnen, daß ich das Werk Riemanns mir trotzdem sehr stark zu
eigen gemacht habe: ich mußte es, wenn es in seinem Sinne lebendig bleiben sollte.
Mein einziger Zweck war, so viel an rein sachlicher Information zu geben, als auf engstem
Raum zu geben möglich ist. Alle Wünsche dabei zu erfüllen, ist unmöglich. Es geht
z. B. nicht an, alle Vortragsbezeichnungen zu erklären, die in der musikalischen Literatur
vor kommen; zumal nach der Entthronung des Italienischen als musikalischer Welt-
sprache. Allein Liszts oder Debussys Wortschatz würde ein kleines Wörterbuch füllen.
Nicht jeder sucht im Lexikon dasselbe, und oft ist der Benützer und Beurteiler ein-
seitiger als der Autor und Bearbeiter. Im Urteil glaube ich mich sparsam und
"objektiv" verhalten und so ziemlich alles vermieden zu haben, was - wie heißt es
doch? - nicht "lexikographischer Stil" ist. Persönlich bedaure ich, daß unsere Zeit
uns zwingt, dies Prinzip zu wahren. Es waren schönere Zeiten, als Rousseau in seinem
Dictionnaire von der Academie Royale de Musique noch sagen durfte: de toutes les
Acadhnies du monde C'iSt assul'enunt celle qui j"az't le plus le brutto
Ich verzichte, auf die vielen kleineren Fragen einzugehen, die im Gang der Neu-
gestaltung dch aufgedrängt haben. Ich verzichte den Übergang von Fraktur zur An-
Vorwort. VII

tiqua, zu begründen; er spricht für sich selbst. Aussprechen möchte ich nur, daß ich
den orthographischen Richtlinien, die am überzeugendsten Dr. H. Möller für russische
Eigennamen aufgestellt hat, aus äußeren und inneren Gründen nicht folgen konnte.
Es ist bedauerlich, aber nicht allzu wesentlich, daß wir diese Namen nicht mit den feinsten
Nuancen wiedergeben, nachdem wir seit Jahrzehnten den Namen Patjomkin ruhig'
und ohne Störung Potemkin schreiben und sprechen. Die russischen Geburtsdaten
sind alle neuen Stils. Um einige Geduld muß ich den Benützer für diese Auflage noch
bei der Suche nach Namen wie de Fevin, le Sueur, de la Rue u. dgI. bitten. Verweise
sind meist vorhanden; aber konsequent eingeordnet sind sie noch immer nicht. Der-
artiger Inkonsequenzen wird man manchmal inne erst bei der Korrektur, die sich
diesmal über anderthalb Jahre hinzog. Dringend bitte ich, aus dem Nachtrag wenigstens
die notwendigsten Verbesserungen von Druckversehen einzutragen; ebenso dringend,
mir wirkliche Lücken und Irrtümer mitzuteilen.
Es bleibt mir übrig, die lange Reihe der freundlichen Helfer zu nennen, die mich
bei meiner Arbeit unterstützt haben. An erster Stelle steht Herr Hugo Socnik in
Danzig, dem ich nicht nur eine Fülle von Hinweisen, Anregungen und Verbesserungen
verdanke, u. a. auch die Abfassung der Artikel über die ja bereits historisch gewordenen
"modernen" Tänze, sondern der auch den größten Teil der ersten und letzten Korrektur
sorgfältig mitgelesen hat. Ihm zunächst Herr Maurice Cauchie (Paris) und Herr
Jose Subira (Madrid), die beide sämtliche Artikel "ihrer" Länder kontrolliert haben,
desgleichen Dr. A. Rimsky-Korssakow (Leningrad), dem als Vorsitzenden einer
Kommission ich eine Erneuerung und Ergänzung der russischen Artikel verdanke -
vermittelt durch den alten Freund des Lexikons, Dr. Oskar v. Riesemann. Bei der
Korrektur der zweiten Hälfte der Neuauflage habe ich mich der Hilfe - einer wahr-
haft produktiven Hilfe - von Herrn Dr. Karl Gerstberger zu erfreuen gehabt.
Die Artikel der einzelnen Nationen sind meist von Konnationalen überprüft worden:
wenn ich ihnen im folgenden meinen Dank abstatte, dann mit der Bemerkung, daß
keiner von ihnen für die endgültige Fassung von Landsleuten verantwortlich ge-
macht werden kann: Dr. K. P. Bernet Kempers (Holland), Toivo Haapanen (Finn-
land), Patrik Vretblad (Schweden), Dr. Knud J eppesen (Dänemark), Dr. Eugen
Zador (Ungarn), Prof. Dr. Josef Mantuani (Slowenien, Kroatien, Serbien), Helmuth
Arro (Estland), Prof. Dr. Adolf Chybinski (Polen), Dr. O. M. Sand vik (Norwegen),
Luiz de Freitas Branco (Portugal), Bruno Weigl (Tschechien), Dr. Philaret
Kolessa und Jos. Zaleskyi (Ukraine). Für ganze Artikelgruppen oder einzelne Ar-
tikel bin ich besonders verpflichtet Herrn Dr. Jacques Handschin (Zürich), Herrn
Dr. Egon Wellesz (Wien), Herrn Dr. Robert Lachmann (Berlin), Herrn Dr. OUo
Ursprung (München), Herrn Heinz Quint (Wien), Herrn Dr. Georg Kinsky
(Köln), Herrn Dr. Paul Mies (Köln), Herrn Dr. Willi Kahl (Köln), Herrn Prof. Dr.
Th. W. Werner (Hannover) Herrn Dr. Ludwig Landshoff (Berlin), Herrn Oberbau-
rat a. D. Franz Stieger (Ladendorf), Herrn ].-G. Prod'homme (Paris), Mr. Ernest
Closson (Brüssel), Herrn Dr. Josef Zuth (Wien), Herrn Prof. Johannes Schreyer
(Dresden), Herrn Ernst C. Krohn (Saint Louis) usw. usw.
Aus der Fülle lexikalischer Arbeiten, die zwischen der 10. und dieser Auflage er-
schienen sind, nenne ich einige mit besonderem Dank: das Kurzgifasste Tonkünstler-
lexikon (12. AufI.) von Prof. Dr. Wilhelm Al tmann, das eine Reihe sorgfältig eruierter
Daten bot, das /listorisch-Biograpkische Musiker-Lexikon der Schweiz von Ernst
Refardt, ein Erzeugnis hingebender und selbständiger Arbeit, und die dritte
Auflage von Groves Dictionary 0/ .Jlusic and Musicia1ls, vor allem für die authenti-
schen englischen Artikel, endlich das Handbuc!t der Laute und Gitarre von J osef Zu th.
Zum Schluße möchte ich nicht versäumen zu sagen, daß mir von Max Hesses
Verlag und seinem Inhaber, Prof. Dr. Hans Krill, jede denkbare Erleichterung der
Arbeit erwiesen worden ist.

Berlin W 30, am II. November 1928


Heilbronner Straße 6. Alfred Einstein.
Zur Aussprache-Bezeichnung.
seh ist das weiche sch der Italiener (gi = dsehi), Franzosen (gi = sehi) und Engländer
(ge = dsehe).
CM ist das barte gaumige ch, das von den Spaniern (früher vielfach mit x [griech.]. jetzt
fast nur noch mit j geschrieben) auch vor hellen Vokalen (i, e) so gesprcchen wird wie
im Deutschen nach dunklen, z. B. Krach.
d.B ist das weiche dß der Engländer (the =' dßi).

--
ä. ist ein dunkles, mehr wie 0 klingendes a.
aij, äij, ÖiJ fordern den französischen son mouille (verschleift).
--.. ong
äng, ang, ----. fordern die französische nasale Aussprache.
@', 00" ~ fordern schnelle Verbindung der beiden Vokale.

Abkürzungen.
Um Raum zu sparen, sind in den Angacen über die Besetzung der, Werke eine Anzahl
allgemein üblicher Abkürzungen gebraucht worden. die für alle Fälle hier angemerkt seien:
op. = opus; o. op. = ohne OpuszahL
u. a. = und anderes, oder, je nach dem Sinn, unter anderem.
s. v. w. = so viel wie.
B. = Basso, B. c. = Basso continuo, B. g. = Basso generale.
V. = Violino, VIa. = Viola (Bratsche), Vc. = Violoncello, Vne. Violone.
Fl. = Flöte(n), Ob. = Oboe(n), Pi. = Pianoforte, Kl. = Klavier.
v. = voci, vocum (Stimmen), z. B. 8 v. = a 8 voci (8 vocum).
st. = -stimmig, z. B. 8st. = 8 stimmig.
, = Fuß (8', 16') bei Orgelstimmen.
MCh. = Männerchor, FrCh. = Frauenchor.
MG. = Musikgeschichte.
Ex. = Exemplar.
Besonders seien noch genannt die Abkürzungen:
Mus. Doc. = Doktor der Musik (engl.).
Mus. Doc. Cantab. = Doktor der Musik zu Cambricige.
Mus. Doc. Duneim. = Doktor der Musik zu Durham.
Mus. Doc. Oxon. = Doktor der Musik zu Oxford.
RC.M. = Royal College of Music in London.
R.A.M. = Royal Academy of Music in London.
A. M. = Artium Magister.
F. R C. O. = Fellow of the Royal College of Organists.
O. S. B. = Ordinis Sancti Benedicti, Mitglied des Benediktinerordens.
S. J. = Societatis J esu, Mitglied des Jesuitenordens.
Allg. DMV. = Allgemeiner Deutscher Musikverein.
TKF. = Tonkünstlerfest.
GMD. = Generalmusikdirektor.
AMZtg. = Allgemeine Musikalische Zeitung. ATL. = Altes Tonkünstler-Lexikon (Gerber).
NTL. = Neues Tonkünstler-Lexikon (Gerber). IMG. = Internationale Musik-Gesell-
schaft. Monatsh. f. MG. = Monatshefte für Musikgeschichte. Zeitschr. f. MW. =
Zeitschrift für Musikwissenschaft. Archiv f. MW. = Archiv für Musikwissenschaft.
TKL. =- Tonkl~nstlerlexikon. Vierteljahrsschr. f. MW. = Vitrteljahrsschritt für :rv:usik-
wissenschaft. N. Zeitschr. f. M. = Neue Zeitschrift für IICusik DdT. =- Denkmäler
deutscher Tonkunst. DTB. = Denkmäler der Tonkunst in Bayern. DTÖ. = Denk-
mäler der Tonkunst in Österreich. BibI. = Bibliothek. K. R Musik-Ges. = Kaiser-
lich Russische Musikgesellschaft. GV. = Gesangverein. MS. = Mezzosopran.
Ms. = Manuskript. Mss. = Manuskripte. Part. = Partitur. Kl.-A. = Klavier-Aus-
zug. Instr. = Instrumente.

Alphabetische Ordnung.
Die gefärbten Vokale (Umlaute) ä, Ö, ü sind ebenso wie die wirklichen Diphthonge
oe (Boetius), ae (Traetta), ue (Duett), auch das holländische ae, oe, ui bezüglich bei der
Buchstaben streng alphabetisch behandelt; also z. B. Böhm gleich Boehm. Namen mit de,
d', della, deI, van u. dgl. sind je nach Gewöhnung mit und ohne Berücksichtigung der Vor-
silbe eingestellt (De Lange, Deswert unter D, aber d'Albert, d'Alquen unter A, van Maldere
unter l'vI, Vanderstraeten unter V usw.).
A
A (Ton-Name). In der heutigen, immer A als Marke auf einem Stimm buch ist
von c aus neue Oktavlagen unterscheidenden s. v. w. Altus (C = Cantus, T = Tenor,
Ordnung (vgl. die Tabelle Art. Linien- B = Bassus, V = Quintus [Zahl 5] oder
system ) ist der Anfangsbuchstabe des Alpha- Vagans [so d.]).
bets an die sechste Stelle gerückt (c d e f Aachen. Vgl. A. Fritz, Theater und
ga h); als diese Art der Buchstabenton- Musik in A. seit dem Beginn der preuß.
schrift (s. d.) aufkam (im 9. Jahrhundert Herrschaft 1. Teil (1902, in Bd. 24 der
oder noch früher), stand dagegen A zu An- Zeitschr. des Aachener Geschichtsvereins) ;
fang der Reihe: ABCDEFG (anfänglich dersei be, 2. Teil 1924, ibid. Bd. 26;
auch weiter bis P). Der Buchstabe H ist derselbe, Th. u. lVIusik in A. z. Z. der
in diese Reihe eigentlich nur durch eine franz. Herrschaft (ibid. Bd. 23, 1901); R.
Verwechslung gekommen (Drucktype q für Bornewasser, Gregoriushaus in A. Ein
~). Bei den romanischen Völkern hat der Beitrag zur Gesch. der Kirchenmusik im
der Solmisation (s. d.) entstammende Zu- Erzbistum C6ln (1906); Alfons Fritz, Fest-
satzname La den Buchstaben verdrängt. schrift aus Anlaß des Iooiähr. Bestehens
Vgl. Art. B, Grundskala und Schlüssel. des Städt. Gesangvereins A. (1921). S. auch
(Stimm ton.) Schon bei den alten Rheinland.
Griechen war der unserem (klein) a ent- Aaron s. Aron.
sprechende Ton derjenige, welcher beim ~Aavik (spr. ävik), Juhan, * 1884 in
Stimmen der Kithara zum Ausgangspunkt Nordlivland, absolvierte das Petersburger
genommen wurde (vgl. Riemann, Handb. Konservatorium, wurde 191 I Dirigent des
der MG. I, I, 2. Aufl., im Register unter "Wanemuine"-Sinfonieorchesters und ver-
Hormasia); die a-Saite wurde niemals um- schiedener Gesangvereine, später Direktor
gestimmt. Jetzt wird im Orchester all- des Dorpater Konservatoriums, seit 1925
gemein nach dem eingestrichenen a (al) in Reval Dirigent der "Estonia". Er
gestimmt. In Deutschland und Frankreich schrieb eine größere Anzahl Chorlieder
haben auch die Stimmgabeln, nach denen a cappella, Klavierlieder, eine Kantate
die Klaviere gestimmt werden, die Tonhöhe Heimatland für Chor und Orchester, eine
des a l (oder a 2 ), während sie in England Klaviersonate C moll.
noch vielfach c2 geben. V gl. Kammerton. Abaco, Evaristo Felice dall', * 12.
(Akkordbezeichnung.) In theoreti- Juli 1675 zu Verona, t 12. Juli 1742 zu
schen Werken (seit Gottfried Weber) München, um 1696-1701 in Modena, wurde
werden auch Buchstaben mit der Bedeutung 1704 als Kammermusiker (Cellist) am Hofe
von Akkorden gebraucht; dann bedeutet zu München angestellt, von wo ihn Kurfürst
A den A dur-Akkord, a den A moll-Akkord Max Emanuel nach der unglücklichen Wen-
usw. In der auf dem Gegensatz von Dur dung des Spanischen Erbfolgekrieges in
und Moll aufgebauten dualistischen Har- sein Refugium Brüssel nachkommen ließ.
moniebezeichnung (von Oettingen, Riemann) Dort wurde er nominell und 1714 nach Rück-
bedeutet a+ oder auch nur a den A dur- kehr des Hofes nach München definitiv
Akkord und °a den Mollakkord u nt er a zum Kammerkonzertmeister und kurfürst-
(D moll-Akkord); vermittelnde Theoretiker lichen Rat ernannt, in welcher Stellung er
(Marschner, Schreyer, Krehl) bezeichnen bis zu seinem Tode blieb. A.s Werke,
aber mit °a den A moll-Akkord. V gl. Klang- erschienen etwa zwischen 1705 u. 1725,
schlüssel. repräsentieren vielleicht am reinsten den
(Altere Tonartbezeichnung.) Der adeligen Typus der zu voller Reife gelangten
Buchstabe A mit einem beigeschriebenen italienischen Kammermusik des 17.-18.
Kreuz zur Bezeichnung der Tonart (z. B. Jahrhunderts und überragen selbst die
Sinfonia ex A#) bedeutete früher A dur; Werke Corellis an Stärke des Ausdrucks
im Gegensatz dazu bedeutete a~ oder a~ und immanenter Logik. Die einzelnen Sätze
A moll. Noch bis über die Mitte des 18. haben zum Teil eine erhebliche Ausdehnung
J ahrh. bezeichnete man die Tonarten in und zeigen den formalen Aufbau bereits
dieser Weise, also: F# = Fdur, E~ oder E~ wesentlich fortentwickelt, ohne jedoch den
= E moll, Db oder D~ = D moll, D# altklassischen Stil d'une teneur, d. h. eines
= D dur usw. -Dagegen bedeutet in älteren einheitlichen Affektgebietes, zu verlassen.
theoretischen Werken (z. B. bei Werck- Werke: ap. I: 12 Violinsonaten mit Baß;
meister) A dur den Ton a und A moll den ap. 2: 10 vierst. Kirchenkonzerte; op. 3:
Ton as (als große bzw. kleine Terz von F). je 6 Kirchen- und Kammersonaten a 3;
Riemauu, Musik-Lexikou. 11. Aufl. 1

-~
2 Abaco - Abbreviaturen.

op. 4: 12 Violinsonaten mit Baß (auch in Abblasen (von Chorälen oder andern ge- ~
einem Arrangement für Musette, Flöte und tragenen Tonsätzen) war früher der Ter-
Oboe mit Be. von Chedeville (s. d.) heraus- minus für die offiziellen Musiken der Stadt-
gegeben); op. 5: 6 stebenst. Concerti (4 pfeifer von der Plattform des Rathaus-
Violinen, Viola, Fagott oder Violoncello, turmes herab (z. B. Petzold 1670). Vgl. Plaß.
Basso continuo) ; op. 6: Violinkonzerte. Eine Abbreviaturen (Abkürzungen) sind so-
reiche Auswahl aus op. 1-4 nebst einer wohl in der Notenschrift selbst als in den
umfassenden biographischen Studie von Ad. beigefügten Vortragsbezeichnungen in großer
Sand berger enthält Jahrg. I der DTB. Zahl üblich. Die gewöhnlichsten A. der
(1900), eine zweite Auswahl Jahrg. IX, 1. Notenschrift sind: I) Die Anwendung
Zwei Triosonaten gab H. Riemann im des Wiederholungszeichens (s. Reprise, [Da]
Collegium musicum, eine dritte (G moll) Capo und [Dal] Segno) für das volle noch-
schon 1895 bei Augener heraus; drei Violin- malige Ausschreiben einer Anzahl Takte
sonaten, bearb. von J. Salmon 1921 (Ricordi). oder eines ganzen Teils; auch wird statt
Abaco, J oseph Clemens Ferdinand, Sohn dessen (besonders in handschriftlicher Musik)
von Ev. Felice dall' A., * 1709 in Brüssel, bei Wiederholung weniger Takte die Be-
trat 1729 als Violoncellist in die kurköl- zeichnung bis oder due volte ("zweimal")
nische Kapelle zu Bonn und wurde 1738 angewandt. - 2) Bei Wiederholungen des-
dort Direktor der Kammermusik und kur- selben Tons in kurzen Notenwerten die
fürstlicher Rat. Um 1765 ging er zurück Anwendung von Noten längerer Geltung
nach Verona, dem Stammsitz der Familie, mit Andeutung, in welche Notengattung sie
wo er im Juni 1805, 96jährig, starb. 29 aufgelöst werden:
Cellosonaten mit Be. (wohl autograph, im
British Museum zu London) und eine dram.
Ka n ta te sind handschriftlich erhalten.
Abbatini, An tonio Maria, Komponist (Viertel
der römischen Schule, * 1597 oder 1598 3) Der schnelle Wechsel zweier Töne, an-
u. t 1679 zu Tiferno (Citta di Castello), gezeigt durch Schreibung beider Noten mit
wurde 1626 in Rom Kapellmeister am dem vollen Gesamtwerte, aber mit Quer-
Lateran, in der Folge an deI Gesu, S. Lorenzo balken, die die Werte der Auflösung an-
in Damaso, S. Maria Maggiore und zuletzt deuten (vgl. Brillen-Bässe):
an N. D. di Loreto. A. schrieb viel kirch-
liche Werke, zum Teil für eine große Zahl
von Stimmen; in Druck erschienen 6 Bücher
Sacre canzoni (das 6. Buch 1653 2-5 v.),
~~ Itn I
(A(;hti (Sechzehnte!)
eine 16st. Messe (1627) und je eine Antiphon 4) In Orchester- oder Chorstimmen bei
für 12 Bässe und für 12 Tenöre (1677, aus Vorkommen einer größeren Anzahl von
einem 1661 in S. Maria sopra Minerva Takten Pause die Beischrift der Zahl über
aufgeführten nicht gedruckten Werke für schrägen Balken (a) anstatt der früher,
8 Chöre) und eine dramatische Kantate besonders in der taktstrichlosen Mensural-
Il pianto di Rodomonte (Orvieto 1633). musik des 15.-17. Jahrh., üblichen genauen
Handschr. erhalten sind die für die Früh- Aufzeichnung der Pausenwerte (b):
geschichte des dramma per musica wichtigen
Opern Dal male il bene (Rom 1654 mit Marco
Marazzoli, Text von Kardinal Rospigliosi
tlzPl- ~,~~~
[nachmals Papst Clemens IX.]), historisch a) 10 b)
wichtig als eine der allerersten komischen 5) Das Oktavzeichen zur Vermeidung der
Opern; vgl. H. Goldschmidt, Studien z. vielen Hilfslinien für sehr hohe oder sehr
Gesch. der Oper I), Jone (1666) und La tiefe Noten. 6) Die Bezeichnung c. 8va ....
comica dei cielo (= La Baltasara, Rom 1668). (über oder unter einzelnen Noten auch
A. unterstützte Athanasius Kircher bei Ab- bloß 8), d. h. con (coll') ottava oder con
fassung der Musurgia. Vgl. F. Coradini, ottava bassa an statt ausgeschriebener Ok-
A. M. A., Gio. Apolloni, Lodov. Cenci taven. Seltener ist 15ma (alta oder bassa)
(Arezzo 1922). für die Versetzung um 2 Oktaven. -
Abbetm.eyer, Theo, * 21. Sept. 1869, 7) In Partituren (besonders handschrift-
Rektor in Hannover, Verf. der Schriften: lichen), wenn verschiedene Instrumente das-
Rich.-Wagner-Studien (1916); Das Faust- selbe zu spielen haben, die Anweisung col
problem - heute (1921); Zur Errichtung basso ("mit dem Baß", d. h. dieselben
einer Städt. Musikbibliothek in Hannover Noten wie dieser), col violino, anstatt daß
(1912); Das Gralsreich als Streiter wider den nochmals dieselben Noten geschrieben wer-
Untergang des Abendlandes (1926); Beet- den. Ähnlich wurde früher wohl in Klavier-
hoven, Ein Hymnus (1927). sachen, wenn beide Hände dieselben Pas-
Abbey (spr. abbe), ] ohn, berühmter sagen in verschiedener Oktav lage spielen
Orgelbauer, * 22. Dez. 1785 in Whilton, sollten, nur der Part der einen Hand ausge-
t 19· ~ebr. 1859 in Versailles, ging 1826 schrieben und der der andern, nachdem durch
zu Erard nach Paris und machte sich dort wenige Noten die Entfernung der Hände von-
1830 selbständig; er führte als erster die einander festgestellt war, mit alt' unisono
pneumatische Mechanik Barkers in Frank- oder einfach unisono bezeichnet. - 8) In
reich ein. älterer Musik für die Fortsetzung einer Form
ABC - Abendroth. 3
der Akkordbrechung die Beischrift arpeggio musikus der Königin Charlotte wurde und
oder segue, simile, come sopra u. dgl.: mit Joh. Christ. Bach 1765-82 an der Spitze
der Abonnementskonzerte (Bach-A bel-Con-

~ 51 F, d P P 11 ~
segue
c~rts) stand. Mi.t Bachs Tode (1782) gingen
dIe Konzerte em. A. reiste nun wieder
einige Jahre als Virtuose ließ sich aber dann
Auch die Zeichen für die Dynamik, wieder in London nieder: Von seinen Kom-
Triller, Doppelschlag, Mordent usw. sind positionen sind zahlreiche Sinfonien in
A. der Notenschrift. Vgl. Verzierungen denen er sich dem Stile der Mannheime; an-
und Zeichen. - ~ie Abkürzungen der Vor- sc~ließt (op. I. [6 a 4], 4, 7, IO, 14, 17 [je
tragsbezeichnungen und Namen der In- ·6 a 8J, auch eme Sinfonia concertante a 12),
strumente sind an ihrer Stelle besonders KlaVIerkonzerte, Streichquartette, Trio-
aufgeführt, z. B. B. c. (Basso continuo) sonaten und Klaviersonaten auch Violin-
unter B; m. s. (manu sinistra) unter M usw. ~onatenmitobligatem Klavie;(op. 5, I3, I8),
m D~uck erschiel!-en. Eine Sinfonie A.s (mit
ABC, musikalisches, s. Buchstabenton- Kla~metten !), dIe Mozart 1764 in London
schrift. V gl. Alphabetische Gitarren-Tabu- kopIert hat, ist irrtümlich unter die Werke
latur. Mozarts g:eraten (Köchel, Verz. 18). Auch
A-b-c-dieren nennt man das Singen der A.s Klavler-Ensemblewerke schließen sich
Töne mit Aussprache ihrer Buchstaben- dem Stil der Mannheimer Schule an, sind
namen, welches in Deutschland seit J ahr- aber kräftiger und im Satz voller. Vgl. die
hunderten im Elementar-Gesangunterricht J. B. Cramers Ausgabe seiner Adagios
statt des bei den romanischen Völkern (1820) beigefügte Biographie A.s (von Bur-
gebräuchlichen Solmisierens (Solfeggierens) ney).
üblich ist. Vgl. Solmisation. Abe!, L e 0 p . Au g u s t, Sohn von Christi an
. Abde!Kadir(A bdolkadir, Abdu'lqädir), Ferd. A.,. * 1717 zu Köthen, t 25. Aug. 1794
arab. Musikschriftsteller des 14. Jahrh., ist zu LudwIgslust, vortrefflicher Violinist, auch
der Verfasser von drei erhaltenen Schriften: Komponist für sein Instrument (leichte
Der Sammler der Melodien, Die Zwecke der Etüden), Schüler von Franz Benda, wirkte
Melodien in der Komposition der Töne und in den Orchestern zu Braunschweig, Sonders-
Maße und Der Schatz der Melodien in der hausen (1758), Berlin (Kapelle des Mark-
Wissenschaft der musikalischen Zyklen. Vgl. grafen von Brandenburg - Schwedt 1766)
Kiesewetter, Die Musik der Araber (1842), und Schwerin (1769).
S. 33; s. auch Vierteljahrsschr. f. MW., U, Abel, Lud wig, * 14. Jan. 1834 zu Eckarts-
354. Vgl. Araber und Perser. berga (Thür.), t 13. Aug. 1895 zu Pasing bei
Abeille (spr. abfu]) , J. Ch. Ludwig, München, erhielt seine Ausbildung zu Wei-
* 20. Febr. 1761 zu Bayreuth, t 2. März 1838 mar und Leipzig (Ferd. David), war bis
als Konzertmeister und Hoforganist in 1866 Konzertmeister in Basel, wurde 1867
Stuttgart; war ein vortrefflicher Klavier- ~onzertmeister zu München und war lange
und Orgelspieler und fruchtbarer Komponist elI~e Hauptlehrkraft (für Violine, Partitur-
(Singspiele, eine Oper für Stuttgart Amor spIel usw.) der dortigen Kgl. Musikschule.
und Psyche, Lieder, Klaviersachen) ; auch A. veröffentlichte Violinkompositionen, auch
Mitherausgeber von Musikalische Monats- eine Violinschule.
schrift (1784) und Musikal. Potpourri (1790). Abendroth, Hermann, namhafter Diri-
Einige Lieder A.s hat A. Bopp veröffent- gent, * 19. Jan. 1883 zu Frankfurt a. M.,
licht· (Ein Liederbuch aus Schwaben, Tü- nach Absolvierung des Gymnasiums Buch-
bingen 1918). Vgl. K. Häring, Fünf händler, dann in München Schüler von Lud-
schwäbische Liederkomponisten : A., Eiden- wig Thuille und Anna Langenhan-Hirzel,
benz, Dieter, Schwegler, Christmann (Tü- 1903-04 Dirigent des Orchestervereins in
binger Dissertation 1924). München, I905-II Kapellmeister des Ver-
Abe!, Christian Ferdinand, um 1715 eins der Musikfreunde in Lübeck und 1. Ka-
bis 1737 Gambist am Hofe zu Köthen pellmeister am Stadttheater, I9II städti-
0. S. Bach schrieb wahrscheinlich für ihn scher Musikdirektor in Essen a. d. Ruhr,
seine Cello-[Gamben-]Suiten). 1915 städtischer Musikdirektor und Direktor
Abe!, Clamor Heinrich, in Westfalen des Konservatoriums zu Köln (Nachfolger
geboren, 1665 herzogl. Kammermusikus zu Fritz Steinbachs) ; 1918 Städtischer General-
Hannover, gab 1674-1677 drei Teile Kam- musikdirektor, 1919 Professor. 1922 Leiter
mersonaten (Tanzsuiten mit Präludium des Niederrhein. Musikfestes, 1922/23 auch
oder Sonatina als 1. Satz) heraus: Erstlinge Dirigent der Sinfoniekonzerte der· Berliner
musikalischer Blumen, die 1687 zusammen Staatsoper; in Köln ferner Dirig. der Con-
als 3 Opera musica neu aufgelegt wurden. zert-Gesellschaft und der Musikalischen Ge-
Abe!, Karl Friedrich, Bruder von Leop. sellschaft.
AugustA., * 1725 zu Köthen, t20.JuniI787 Abendroth, Irene, Koloratursängerin,
zu London; der letzte Gambenvirtuose und * 14. Juli 1872 zu Lemberg, Schülerin von
ein seinerzeit hochangesehener Komponist, Frau Prof. Wilczek, seit 1889 in Wien, Riga,
Schüler J oh. Seb. Bachs an der Thomas- München, wieder in Wien, und (bis 1909) in
schule zu Leipzig, 1746-1758 Mitglied der Dresden tätig. Seit 1900 mit Thom. Thaller, .
Dresdner Hofkapelle, danach auf Konzert- Edler v. Draga verheiratet, lebt sie heute in
reisen, seit 1759 in London, wo er Kammer- Weidling bei Wien.
1*
4 Aber - Abraham.

Aber, Adolf, * 28. Jan. 1893 zu Apolda, wertende Umarbeitung der Mozart-Biogra-
absolvierte 19II das Realgymnasium zu phie von Otto Jahn (2 Bde.). 1927 zeich-
\Veimar und studierte dann in Berlin nete er als Hrsg. eines Illustrierten Mu-
Musik und Musikwissenschaft (Kretzschmar, siklexikons. A. gab heraus: Jommellis Oper
Stumpf, Fleischer, Friedlaender, Wolf, Riehl Fetonte [1769] (DdT. Bd. 32/33); ausge-
und Meinecke), promovierte zum Dr. phi!. wählte Ballette von Florian Deller und
mit der Arbeit Die Pflege der Musik unter 1. 1. Rudolph (das. Bd. 43/44); Carlo Palla-
den Wettinern und wettinischen Ernestinern ; vicinos Gerusalemme liberata [1687] (das.
von den Anfängen bis zur Auflösung der Wei- Bd. 48/49), Glucks N ozze d' E rcole e d' E be
marer Hofkapelle I662 (gedr. 1921); 1913 [1747]'(DTB. 1914) und Orfeo [1762] (DTO.
wurde er Assistent Kretzschmars am. mu- 1914), und Pergolesis La serva padrona
sikhistorischen Seminar; seit Januar 1918 [Neapel 1733] (M:ünchen, Wunderhorn-Ver-
ist er Musikreferent der Leipziger Neuesten lag), Webers Freischütz, Mozarts Figaro,
Nachrichten. Von anderen Arbeiten sind Glucks I phigenie ~j~ Tauris (alle drei Eulen-
veröffentlicht: Das musikalische Studienheft burg). h;:,~,
des Wittenberger Studenten Georg Donat (um Abert, Johann Joseph, * 20. Sept. 1832
I543) (Sammelb. d. IMG. XV, 1913), Stu- zu Kochowitz in Böhmen, tLApril 1915 in
dien zu J. S. Bachs Klavierkonzerten (Bach- Stuttgart, erhielt seine musikalische Ausbil-
Jahrbuch), Beiträge zur Geschichte d. Musik dung als Chorknabe zu Gastorf und als Schü-
in Thüringen (Thür. Kalender), Handbuch ler von Hrabe und Kittl am Prager Kon-
der Musikliteratur (1922); Die Musikinstru- servatorium. 1853 wurde er als Kontra-
mente und ihre Sprache (1924), Die Musik bassist in die Stuttgarter Hofkapelle auf-
im Schauspiel, Geschichtliches und A sthe- genommen und erhielt 1867 nach Eckerts
tisches (1926), sowie zahlreiche Artikel in Weggang die Hofkapellmeisterstelle. Seit
Musikzeitschriften. Herbst 1888 lebte er im Ruhestand in
Abert, Hermann, Sohn von J. J. A., her- Stuttgart. A.s C moll-Sinfonie (1852) und
vorragender Musikforscher, * 25. März 1871 Frühlingssinfonie (C-dur, 1894), seine pro-
und t13. Aug. 1927 zu Stuttgart, war Schüler grammatische Sinfonie Kolumbus (1864), so-
seines Vaters und des Konservatoriums wie seine Opern Anna von Landskron (1858),
zu Stuttgart. Nach Absolvierung des Gym- König Enzio (1862), Astorga (1866, auch
nasiums studierte er 1890-95 klass. Phi- mit franz. Text von V. \\Tilder gedruckt),
lologie, machte 1896 das Staatsexamen Ekkehard (Berlin 1878), Die Almohaden
und promovierte 1897 in Tü bingen zum (Leipzig 1890), ferner Ouvertüren, Quartette,
Dr. phi!. Während der nächsten vier Jahre Lieder, seine Orchesterbearbeitungen Bach-
widmete er sich an der Berliner Univer- scher Fugen (G moll und G dur) usw. haben
sität dem Studium der Musikwissenschaft seinem Namen einst einen guten Klang ge-
und veröffentlichte 1899 die wertvolle macht. Seine Biographie schrieb sein Sohn
Schrift Die Lehre vom Ethos in der griech. Hermann A. (s. d.).
Musik. 1902 habilitierte er sich mit der Abgesang s. Strophe.
Studie Die ästhetischen Grundsätze der mittel- Abingdon, Henry, * um 1425, t1. Sept.
alterlichen Melodiebildung als Dozent für 1497 als Succentor an der Kathedrale zu
Musikwissenschaft an der Universität Halle Wells, ein Amt, das er seit 1447 bekleidete,
a. S. und wurde 1909 zum ordent!. Honorar- 1463 Bacc. der Musik in Cambridge, 1465
professor ernannt, 1913 auch Direktor eines Master of the Children der Kgl. Kapelle
musikwissenschaftlichen Instituts, 1918 or- (der erste in diesem Amt). Kompositionen
dent!. Professor, erhielt 1919 einen Ruf als von ihm sind nicht erhalten. Vgl. J. Pulver,
Nachfolger Wolfrums an die Universität A Biogr. Dz'ct. 0/ Old Engl. Music (1927).
Heidelberg, folgte aber 1920 einem solchen
als Nachfolger Hugo Riemanns in Leipzig; Abo. Vg!. Otto Andersson. Joh. Jos.
seit 1923 war er Nachfolger Kretzschmars Pippingsköld och mztsiklivet i/Ibo I808-27
an der Univ. Berlin. Außer mehreren ge- (Helsingfors 192 I) ; derselbe, Abo U nder-
diegenen historischen Spezialstudien in den rättelser och musihen I824-72 (Festschrift
Sammelb. der IMG., in der ZfNIW. und im Genom ett sekel, 1924).
AfMW., in den Mozarteums- Mitteilungen, Abos (Avos, d'Avossa), Name zweier
in den von ihm hrs. Gluck- und Mozart- ungefähr gleichzeitigen italierischen Opern-
Jahrbüchern schrieb er noch eine Biographie komponisten - 1) Girolamo, der 1742-58
Schumanns (1903 [1910, 1917]), Die Mu- für Neapel, Venedig, Florenz, Rom, Ancona,
sikanschauung des lVlittelalters und ihl'e Turin und \Vien 15 Opern auf Texte von
Grundlagen (Halle a. S. 19°5), Die drama- Zeno, Metastasio, Palomba, Pariati, Frugoni
tische ll,![usik am Hofe Herzog Kar! Eugens u. a. komponierte. - 2) Giuseppe, eigent-
von Württemberg (Eßlingen 19°5), Nie. lich Gius. d'Avossa, noch 1793 in Neapel
lommelli als Opernkomponist (Halle a. S. lebend, der 1757-64 für Neapel 3 kom.
1908), Geschichte der Robert-Franz- Sing- Opern auf Texte von Palomba schrieb, eine
akademie zu Halle (Halle a. S. 1908), Nie. weitere 1744 für Venedig, auch als Kirchen-
Piccinni als Buffo-Komponist (J ahrb. d. komponist (Messen) angesehen und Lehrer
Musikbib!. Peters 1913), die Biographie sei- am Konservatorium zu Neapel war.
nes Vaters Joh. Jos. Abert (1916), Goethe und Abraham, ]"1 ax s. Peters.
die Musik (1922); 1920/21 erschien seine Abraham, Otto, Ton-Psychologe, *3I.Mai
durchgreifende, als völlig neue Arbeit zu t
1872 und 24. Jan. 1926 zu Berlin, studierte
Abrahamsen - Absolute Musik.

dort Medizin und Naturwissenschaften, pro- zur A~fführung. Seine Gattin, Margarete
movierte 1894 zum Dr. med., war seit 1896 A.-WeIn, * 19. Dez. 1864, Bühnensängerin,
Assistent Stumpfs am Berliner Psycholo- wirkte in Budapest an der Kgl. Ungar. Oper
logischen Institut und verwaltete mit E. v. und an der Landesmusikakademie.
Hornbostel dessen Phonogramm archiv. Ar- Abränyi, Emil, Sohn des gleichnamigen
beiten: Wahrnehmung kürzester Töne und Dichters, * 22. Sept. 1882 in Budapest, 1907
Geräusche (mit L. J. Brühl, Zeitsehr. f. Hofkapellmeister in Hannover, 19II Kgl.
Psychologie u. Physiol., 1898), aber die Opernkapellmeister in Budapest, 1919 kurze
maximale Geschwindigkeit von Tonfolgen (mit Zeit Direktor der Budapester Nationaloper,
K. Ludolf Schäfer, 1899 das.), aber das seit 1921 Direktor des Budapester Städt.
Abklingen von Tonempfindungen (1899 das.), Theaters (Volksoper), seit 1922 Leiter des
Studien über Unterbrechungstöne (mit K. L. von ihm gegründeten Bud. Sinfonischen
Schäfer 1900-04 im Archiv f. d. ges. Orchesters; komponierte die ungarischen
Physiologie), Das absolute Tonbewußtsein Opern A Ködkirdly (Der Nebelkönig, Buda-
(Sammelb. d. IMG. !II. I, und VIII. 3), pest 19°3), Monna Vanna (Text von seinem
Studien über das Tonsystem und die Musik Vater, das. 19°7), Paoto und Francesca (das.
der Japaner (Sammelb. der IMG. IV. 2, 1912), Don Kijot~ (das. 1917) und Ave
1904), Phonographierte türkische Melodien Maria (Einakter, das. 1922).
und aber die Bedeutung des Phonographen Abranyi,Ko.rnel, * 15. Okt. r822 zu Szent
für die vergleichende Musikwissenschaft, Pho- György-Abniny, t 20. Dez. H)03 in Buda-
nographierte indische Melodien (sämtlich 1904 pest, Schüler ehopins, Kalkbrenners, Hale-
mit E. v. Hornbostel), Phonographierte vys und später J os. Fischhofs, gründete 1860
Indianermelodien aus Britisch-Columbia (mit mit Michael Mosonyi und J ulius R6szavölgyi
E. v. Hornbostel 1905 in der Festschrift die erste ungarische lVlusikzeitschrift Zenes-
für Boas), aber die H armonisierbarkeit exo- zeti Lapok, die er bis 1876 redigierte; ferner
tischer Melodien (mit E. v. Hornbostel in schrieb er eine Biographie Michael Mosonyis
Sammelb. d. IMG. VII [1906]), Formanaly- (1881), das Programmbuch zur Beethoven-
sen an siamesischen Orchesterstücken (AfMW. feier (Pest 1870), eine Harmonielehre (1874,
11. 2, 1920), Ch'ao t'ien tze = Eine chine- erweitert r88r), eine Musik-Asthetik (Die
sische Notation un(l ihre Ausführungen Eigenschaften des ungarischen Liedes und dej'
(id. I. 4, 1919). Musik, 1. Bd. r877), Allgemeine Musik-
Abrahamsen, Erik, * 9. April 1893 in geschichte (1886) und eine große Anzahl über-
Jütland, 19IO-13 Schüler von Otto MaIling setzungen von Operntexten. A. war seit
am Konservatorium zu Kopenhagen, stu- 1875 Professor an der Landesmusikakademie
dierte 19IO-17 an der Kopenhagener Univ. zu Pest.
Musikwissenschaft und 1921/22 noch bei Abranyi-Varnay, Rosa, Gattin von Emil
Peter Wagner in Freiburg (Schw.), 1914 A.jun., *IO.Jum r885 zu Budapest, studierte
bis 1924 Organist an der Lutherkirche, Gesang bei Forsten in Wien und Frau Böhme-
18-21 Leiter der Musikabteilung der Kgl. Köhler in Leipzig; wirkte als Opernsängerin
Bibliothek zu Kopenhagen, seit 1924 Do- in Graz, Köln und Hannover, und ist heute
zent an der Kopenhagener Universität für Ges.-Prof. an der M.hochschule in Budapest.
Musikwissenschaft und -geschichte, 1926 Absolute Musik (d. h. Musik an sich.
ord. Professor. Er schrieb: Liturgisk lVIusik ohne Beziehung zu andcrn Künsten oder zu
iden danske Kirke efter reformationen (1919), irgcndwelchen außer ihr liegenden Vor-
Elements romans et allemands dans le Chant stellungsobjekten) im Gegensatz zur malen-
gregorien et la Chanson populaire en Dane- den oder darstellenden oder Programm-Musik,
mark (Diss., Freiburg i. d. Schw. 1<}23; eine d.h. zu der Musik, die etwas Bestimmtes
Arbeit, die den von H. Laub [so d.] zuerst ausdrücken soll (vgl. Tonmalerei). Die
nachgewiesenen Beziehungen zwischen Musik tritt, wenn sie zur Symbolik, d. h.
mittelalterl. dänischen Volksmelodien und zur absieh tlichen Erweckung bestimmter
dem gregor. Gesang weiter nachgeht); Den Ideenassoziationen oder zur stilisierten Nach-
musikatske Komposition (1927). ahmung von Geräuschen oder auch von Ein-
• Abrahamson, Werner Hans Friedrich, drücken auf dem Gebiete anderer Sinne
* IO. April 1744 zu Schleswig, t 22. Sept. greift, aus ihrem eigensten Gebiet heraus
1812 zu Kopenhagen, Artilleriehauptmann und in das der Poesie oder darstellenden
und Lehrer an der Kriegsschule, gab mit Kunst über. 'Venn die Poesie durch kon-
Rahbek und Nyerup eine Sammlung alter ventionelle Formeln (die Worte) Vorstellun-
dänischer Gesänge heraus (Danske V iser fra gen in der Phantasie weckt und verkettet,
Middelalderen, 1812-'14, 5 Hefte). und wenn die darstellende Kunst in der
Abränyi, Emil sen., * I. Jan. 1851, Nachbildung der sichtbaren Formen der
t 20. Mai I920, hervorragender Dichter, Erscheinungswelt ihr Wesen hat, so ist da-
gleichzeitig der erfolgreichste Opernlibret- gegen die Musik selbst unmittelbarer Aus-
tist Ungarns und Verfasser der Textbücher druck der Empfindung und setzt sich ohne
zu Toldy (Michalovich), Ninon (Stojanovits) Vermittlung des Verstandes beim Spieler und
usw., ferner zu den Bühnenwerken seines Hörer wieder in Empfindung um. Die auf
Sohnes Emil A. jun. In seiner übertragung Erweckung bestimmter Begleitvorstellungen
gelangen noch heute die wichtigsten fremden (Assoziationen) ausgehende darstellende
Opern, wie Tristan, Carmen, Hänset und Musik begibt sich eines Teiles dieser un-
Gretel, Verkaufte Braut usw. in Budapest mittelbaren Wirkungen, um dagegen kom-
6 Absolutes Ohr - Accompagnato.

plexivere mittelbare einzutauschen; ob sie nigend, schneller werdend, allmählich (nicht


dabei gewinnt oder verliert, ist strittig. mit einem Male) schneller. Vgl. Vortrags-
Vgl. Asthetik. bezeichnungen.
Absolutes Ohr (absolutes Gehör, ab- Accent s. Akzent.
soluter Tonsinn) heißt die gesteigerte
Empfindlichkeit für absolute Tonhöhe, Accentus ist in der Lehre vom Gregoriani-
welche das sofortige Erkennen der Höhen- schen Gesange (s. d.) der Gegensatz von
lage des Einzeltones ermöglicht. Das a. O. Concentus, nämlich der mehr nur rezitierende
ist keineswegs allen guten Musikern eigen (psalmodierende) eintönige Kollekten-, Epi-
(Schumann und Wagner sollen es nicht be- storal-, Evangelien- und Lektionston. Der
sessen haben), aber bei Orchestermusikern, A. hält für lange Silbenfolgen eine mittlere
wohl infolge des steten Einstimmens der Tonlage (Cursus, Repercussa, Dominante)
Instrumente, sehr häufig zu finden. An und fest und zeichnet nur die Interpunktionen
für sich ist es durchaus kein Sympton stär- des Textes durch Hebungen (Komma) oder
kerer musikalischer Begabung und kann so- Senkungen (Punkt) des Tonfalls aus. Der A.
gar der theoretischen Bildung starke Hinder- ist nur eine Stilisierung des Sprechvortrags,
nisse in den Weg stellen, z. B. das Trampo- und zwar in noch höherem Grade als das
nieren sehr erschweren. Da die absolute Ton- um 1600 aufkommende dramatische Rezita-
höhe nur eine von vielen Eigenschaften der tiv. Neben der Inte:-punktion sind f~r deni L
Töne ist und die relative Tonhöhe für das A. auch dIe sprachlIchen Akzente fur dIe \ .
künstlerische musikalische Gestalten eine Tongebung maßgebend. Irrig ist die An-'
viel höhere Bedeutung erlangt, so tut man nahrne, daß der A. älter sei als wirklicher
gut, das a. O. nicht zu überschätzen. Doch Gesang.
fehlt ausgesprochener musikalischer Be- Acciaccatura (ital., spr. attscha-, Zusam-
gabung das a. O. nur selten. Vgl. übrigens menschlag), eine veraltete Verzierung beim
Tongedächtnis und Transponieren. Vgl. Orgel- und Klavierspiel, die im gleichzeitigen
O. Abraham, Das absolute Tonbewußtsein Anschlage der sofort wieder losgelassenen
(Sammelb. d. 1. M. G. III I und VIII 3), Fel. kleinen Untersekunde mit einem Akkord-
Aue r ba eh, Das absulute Tonbewußtsein tone bestand. Der französische Name dieser
(das. VIII [1907]) und H. Riemann, Ton- Verzierung ist Pince etouffe (erstickter Mor-
höhenbewußtsein und Intervallsinn (Zeitsehr. dent). Die A. gehörte zu den beliebten Zu-
d. IMG. XIII 8, gegen Geza Revesz); taten der Organisten und Cembalisten und
J. K 0 bel t, Das Dauergedächtnis für abso- wurde nur selten vorgeschrieben, einstimmig
lute Tonhöhen (AfMW. 1920). durch eine kleine Note mit durchstrichenem
Abt, Alfred, Sohn von Franz A., *25.Mai Hals (a), im Akkord durch einen schrägen
18 55 zu Braunschweig, t 29. April 1888 in Strich (b):
Genf, war Theaterkapellmeister zu Rudol-
stadt, Kiel, Rostock usw.
Abt, Franz, * 22. Dez. 1819 zu Eilen-
burg, t 31. März 1885 in Wiesbaden, be-
suchte die Thomasschule in Leipzig und (Ausführung) (Ausführung)
wandte sich vom Studium der Theologie
der Musik zu. 1841 wurde er Hofmusik- Letzteres Zeichen wird aber seit dem 18.J ahr-
direktor zu Bernburg, ging noch im sel- hundert auch für Arpeggio (s. d.) angewandt.
ben Jahre als Dirigent der Allgemeinen Der Name A. wird heute auch gleichbedeu-
Musikgesellschaft nach Zürich, wo er auch dend mit A ppoggiatura, speziell für den
Musikdirektor am Aktien-Theater wurde, kurzen Vorschlag gebraucht.
folgte aber 1852 einem Ruf als Hofkapell- Accompagnamento,Accompagnement s.
meister nach Braunschweig, wo er bis zu Akkompagnement.
seiner Pensionierung 1882 blieb. 1891 wurde Accompagnato (ital., spr. -panja-), be-
ihm dort ein Denkmal errichtet. Die letzten gleitet, das mit ausgearbeiteter Begleitung
Jahre lebte er zu Wiesbaden. Abts Lieder versehene Rezitativ der älteren Oper im
und Männerquartette stehen der Faktur Gegensatz zum Seccorezitativ, das nur
nach durchaus nicht hoch, zeigen aber viel- einen bezifferten Baß hat. Die ersten Opern
fach eine fließende melodische Erfindung kennen überhaupt keine andere Art der Be-
und waren sehr beliebt. Einzelne sind Volks- gleitung des Sologesangs als die durch den
lieder geworden (Wenn die Schwalben heim- Generalbaß angedeutete, und das erste Bei-
wärts ziehn, Gute Nacht, du mein herziges spiel des A. im 4. Akt von Monteverdis Or/eo
Kind usw.); unter den Chorliedern sind (1607) steht zunächst ganz vereinzelt da.
einige von höherer Schönheit (Die stille Erst mehr als dreißig Jahre später führen
Wasserrose). Vgl. F. A. (Zürich 1886, die Venezianer (Cavalli) das A. (ausgehaltene
74. Neujahrsstück der Allg. M. G. [Pfarrer Streicherharmonien) für Ombra-Szenen
Weber]; B. Rost, Vom Meister des volks- (Geistererscheinungen) ein; das Vorbild war
tümI. deutschen Liedes F. A. (1924). auch hier vermutlich Monteverdis welt-
Abzug s. Artikulation. liches Oratorium Il Combattimento di Tan-
a cappella (ita!.), im Kapellstil, d. h. für credi e Clorinda (1624). Nur Heinrich Schütz
Singstimmen allein, ohne jede Instrumental- läßt bereits 1623 (in der Auferstehungs-
begleitung (vgl. aber Kapelle). Historie) den Evangelisten mit ausgehal-
Accelerando (ita!., spr. attsch-), beschleu- tenen Streicher-Akkorden rezitieren. Noch
Accord - Adagio. 7
zu Ende des 17. Jahrhunderts ist aber das einer Taktnote. Der alte Name des Achtels
(ausgearbeitete) A. selten. Angesichts der ist Fusa, eine alte, aber noch im 17. Jahr-
Variabilität der Besetzung des Fundaments
und der praktischen Ausführung des Basso hundert häufige Gestalt ~, neben dem
continuo muß freilich in Frage gestellt wer-
den, ob nicht das Akkompagnement der als ~ geschriebenen Viertel (scherzweise
Ombraszenen und auch das bei Schütz nur [altertümelnd] noch bei Couperin). Die
die Vorschrift der Beschränkung auf den Achtelpause hat die Gestalt." alt ""1;
Streichklang bedeutet. Später, wo das daneben bestand im 15. bis 17. Jahrhundert
trockene Cembalo als alleiniger Träger der die dem Achtel mit weißem Notenkopf ent-
Begleitung des Seccorezitativs selbstver- sprechende F.
ständlich ist (nach der Mitte des 17. Jahr- *
AchttHik, J osef, Prof., 7. April 1881 zu
hunderts), ist dagegen bestimmt das A. als Bauerwitz O/S., in einem holländischen In-
eine Bereicherung zu definieren. V gI. Akkom- ternat erzogen, 1901-06 Schüler des Kons.
pagnement. in Köln (Wüllner, Steinbach, Klauwell,
Accord (franz., itaI. Accordo, engI. Chord), Kleffel, Baußnern); hierauf Direktor der
Akkord (s. d.) Philh. Gesellschaft in Wiltz (Luxemburg),
Accord parfait (itaI. A ccordo perletto, engl. Km. an den Stadttheatern in Köln, Glogau
Common chord) s. v. w. konsonanter Drei- und Leipzig; jetzt in Leipzig als Chordirigent,
klang (Dur- oder Mollakkord). VgI. Scorda- Musiklehrer, Musikschriftsteller und musik-
tura. theoretischer Forscher. Schrieb: Weih-
Accrescendo (itaI., spr. -kresch-), s. cre- nachtsmärchen Peterchens M ondjahrt (Leip-
scendo. zig 1912); Buch: Der Naturklang als Wurzel
Achenbach, Max, s. Alvary. alter Harmonien - eine ästhetische Musik-
Achron, Joseph, Komp. und Geiger, theorie (1922). ~.IC 1~2 g-
* 1. Mai 1886 zu Losdseje (Gouv. Suwalki), Acht-Fuß (S',) s. Fußton.
in Warschau erzogen, wo er bei Michalo- Acireale (spr. atschi-). VgI. Z. M usmeci,
witsch und dann bei Lotto Geigenunterricht Dei culto delta musica in A. (2. AufI. 19II).
erhielt; 1899-1904 Schüler L. Auers am Ackte, Alno, Opernsopran, * 23. April
Petersburger Kons., dann (1904-07) kon- 1876 in Helsingfors, Schülerin des Pariser
zertierender Künstler, mit dem Sitz in Konservatoriums, betrat 1897 als Mar-
Berlin. 1907-10 machte A. hauptsächlich garethe die Bühne der -Großen Oper, der
autodidaktische Kompositionsstudien, war sie bis 1904 angehörte, vielfach auf in-
1913-16 Leiter der V.- und Kammermusik- ternationalen Gastspielreisen hauptsächlich
klasse der Musikschule der ehemaligen Kais. in den Rollen der Margarethe, Salome,
Russ. Musikgesellschaft in Charkow, 1916 Nedda. 1901 verheiratet mit dem Senator
bis 18 in der russ. Armee; 1921 Leiter der Heikki Renvall, 1909 mit dem Verkehrs-
kurzlebigen Meisterklasse f. V. und Kammer- minister B. J alander in Helsingfors. Schrieb:
musik des Künstlerbundes in Petersburg; Minnen och jantasier (Stockh. 1917); Er-
1922-24 meist in Berlin, seit 1925 in New innerungen I. (deutsch u. finnisch, 1925).
York. Mit Gnjessin, Krein, Milner u. a. strebt Acuta (Scharf), eine gemischte Stimme
A. eine hebräisch-nationale Kunstmusik an. der Orgel, die in der Regel eine Terz hat
Schrieb: Orch.-und Chorwerke; Chromatisches und kleiner als Mixtur ist, d. h. mit höheren
Streichquartett, op. 26; 2 Sonaten I. Kl. u. V.; Tönen anfängt (drei- bis fünffach zu 1 3/ S
Stücke f. V. u. KI. oder Orch. (2 Suiten op. 2I und I Fuß).
und 22); 4 Tableaux Fantastiques = 3. Suite Adagio (spr. adädscho), eine der ältesten
op. 23; Suite Bizarre op. 4I; Suite I. Bläser- Tempobezeichnungen, die schon zu Anfang
ensemble op. 64; Violinkonzert op. 60; Stim- des 17. Jahrh. aufkommt; a. bedeutet im
mungen oP.32 und 36; Stücke für Vc. und Italienischen "bequem, behaglich", hat aber
KI. oder Orch.; Sinf. Variationen j. Kl. op. für die Musik im Laufe der Zeit die Be-
39; Lieder op. 52-55; Bühnenmusiken; im deutung von langsam, ja sehr langsam
ganzen über 60 opera und 50 Bearbei- (doch nicht so langsam wie largo) erhalten,
tungen. - Buch: Grundlagen der V iolin- und besonders in Deutschland, während in
Bogentechnik (Auszug erschienen im M.wiss. Italien in folge des Wortsinnes auch heute
Sammelbuch des russ. Staatsverlags). noch A. mehr dem gleichkommt, was wir
Achscharumow, Demetrius Wladimiro- unter Andante verstehen. In der alt-
witsch, * 20. Sept. 1864 in Odessa, t wäh- klassischen Musik, z. B. bei Händel, be-
rend der Revolutionsperiode, in Odessa Vio- deutet A. eine Verlangsamung von Largo.
lins~üler von Kraßnokutzki, von Leop. Die Bezeichnung A. kommt sowohl inner-
Auer in Petersburg und J. Dont in Wien, halb eines Tonstücks für wenige Noten wie
wo er auch Kompositionsschüler von Rob. auch zu Anfang eines Satzes als Tempo-
Fuchs war, reiste seit 1890 als Violinvirtuos bestimmung' für dessen ganze Dauer vor,
und war seit 1898 in Poltawa Dirigent der so daß man jetzt gewöhnlich unter einem
Sinfoniekonzerte sowie Leiter einer 1899 A. auch einen ganzen Satz einer Sonate,
begründeten Abteilung der Kais. Russ. Sinfonie oder eines Quartetts usw. versteht.
Musikgesellschaft. Gewöhnlich ist das A. der zweite Satz,
Achtel ()' oder in Gruppen mit gemein- doch sind Ausnahmen nicht selten (9. Sin-
fonie von Beethoven und seither öfter);
samen Querstrichen: !i), der achte Teil man nennt einen solchen Satz auch dann
••

• j
8 Adaiewsky - Adam de la Halle.

ein A., wenn er einen bewegtern Teil (an- Loniumeau glänzend durchschlug. 1844
dante, Piu mosso u. dgl.) enthält. Der wurde er Mitglied drs Instituts. Ein Kon-
Superlativ addgissimo, "äußerst langsam", flikt mit dem Direktor der Komischen Oper
ist selten. Die Diminutivform Adagietto bewog 1846 A. selbst Opernunternehmer zu
bedeutet: ziemlich langsam, d. h. nicht so werden (TMatre national, 1847); die Re-
langsam wie a. ; als überschrift kennzeichnet volution von 1848 ruinierte seine Finanzen,
sie gewöhnlich ein langsames Sätzchen vori und nun wandte er sich wieder ausschließlich
kurzer Dauer (kleines A.). Vgl. Tempo. der Komposition zu. Nach dem Tode seines
*
Adaiewsky, Ella (von Schultz), IO. Febr. Vaters (1848) wurde er Kompositionspro-
1846 zu Petersburg, t 29. Juli 1926 in Bonn, fessor am Konservatorium. Von seinen 53
erst Klavierschülerin von Adolf Henselt, nach Bühnenwerken seien noch hervorgehoben
mehrjährigen Konzerttouren noch 1862-66 die Opern: Au fidele berger, La rose de
von Rubinstein, Zaremba, Dreyschock und Peronne, Le roi d'Yvetot, Giralda, La poupee
Faminzin am Petersburger Konservatorium, de Nuremberg, Le toreador (1849, in neuer
ging 1882 nach Italien, wo sie Volkslieder Bearbeitung von F. Rumpel, Berlin, Kom.
sammelte (Tanzlieder der Resianer), lebte Op. 19II, gedruckt 1913), Si i'etais roi
längere Zeit in Venedig, seit 1909 bei N eu- (in der Bearbeitung von Paul Wolff noch
wied am Rhein. Ihr theoretisches und heute auf der deutschen Bühne lebendig),
kompositorisches Interesse galt der antiken sowie die Ballette: Giselle, Le Corsaire usw.
Musik und dem Folklore. In der RMI. Wenn auch keins von Adams Werken als
schrieb sie: La Beneuse Populaire (I, 1894; klassisch bezeichnet werden l,ann, so sichern
H, 1895; IV, 1897); Les Chants de I'Eglise doch die rhythmische Grazie und der melo-
Grecque Orientale (VIII, 1901); A nciennes dische Reichtum zum mindesten einem
M elodies el Chansons populaires d' 1 laZie Teile von ihnen noch einige Fortdauer.
(XVI, XVIII); Du Chanl populaire de la Seine Neuinstrumentierung von Gretrys
Boheme (XVI); Quelques chants tatares Richard Cceur de Lion (1841) fand Wagners
(XXVIII). Musikalische Werke: A-cap- Mißbilligung (Blechharmonie). Gesammelte
pella-Chöre für die russische Kirche; eine Aufsätze A.s erschienen als Souvenirs d'un
1 aktige Oper, Lieder, Duette; Sonate Grec- musicien (1. Bd. 1857 [1871] mit Auto-
que für Klavier und Klarinette, komponiert biographie, 2. Bd. [Derniers souvenirs
1880, gedruckt 1913; Schönheitszauber - usw.] 1859 [1871]). Vgl. auch Halevy,
Serenade für Klavier im Asklepiadeischen N otice sur la vie et les ouvrages de A. A.
Metrum (1913); 24 Präludien für Gesang (Paris 1859) und A. Pougin, A. A. (1877).
und Klavier (1912); Horaz. Ode für Mezzo- Adam, französischer (?) Komponist der
sopran und Bariton mit Klavier (1915); ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, von
Griechischer Chortanz und H 'VJnne an die dem einige Chansons in dem Oxforder Cod.
Muse I<altiope für Alt-Solo und FrCh. (1915); Can. 213 enthalten sind (abgedruckt bei
die 4aktige russische Volks oper Die Morgen- Stainer, Dufay and his Contemporaries).
röte der Freiheit (1881), Klavierstücke, Adam, J ean, Bratschist, um 1756-82
vokale Kammermusik u. a. Ballettkomponist am Hofe zu Dresden,
Adalid y Gurrea, Marcel deI, span. t 14· Sept. 1784, gab heraus: Recueil d'airs
Komponist, *26. Aug. 1826 zu Coruila (Ga- ci danser, executes sur le tMdtre de Dresde
lizien), t I6.0kt. 1881 auf seinem Landsitz (Kl.-A. 1756), schrieb auch Oboekonzerte,
zu GDngora (Galizien), Schüler von Moscheies Klavierkonzerte, 6 Streichquartette und
in London und kurze Zeit von Chopin in Sinfonien (eine in Breitkopfs Raccolta).
Paris, veröffentlichte drei Sammlungen ga- Adam, Louis (Johann Ludwig), * 3. Dez.
lizischer Volkslieder, sowie Klavierstücke 1758 zu Müttersholtz (Elsaß), einer deutschen
eigener Komposition (Enfantillages). Eine Familie entstammend, t 8. (nicht I!.) April
nach dem lJrteil Pe drells an Schönheiten 1848 in Paris; Vater von Adolphe A., ein
reiche Oper Inese e Bianca (ital. Text von vorzüglicher Musiker, der Bach und Händel
Lanzieres de Themines) hinterließ er im gründlich studierte, 1797-1842 Professor
Manuskript. des Klavierspiels am Pariser Konservato-
Adam, Adolphe Charles, Sohn von rium, Lehrer von Kalkbrenner, Herold u. a.;
Louis A., gefeierter Opernkomponist, * 24. Verfasser einer angesehenen Methode des
Juli 1803 und t 3. Mai 1856 zu Paris; sollte Klavierspiels (1802; deutsch von C. Czerny
eigentlich Gelehrter werden, zeigte aber dazu 1826; voraus ging eine mit Lachnith her-
wenig Neigung und Ausdauer. 1817 wurde er ausgegebene l'vJethode ou principe general de
ins Konservatorium aufgenommen, arbeitete doigter p. le Pf. 1798), auch hat er Klavier-
aber nachlässig und flüchtig, bis Boieldieu sonaten, Variationen usw. veröffentlicht.
ihn in seine Kompositionsklasse nahm, da Adam de la Halle (HaIe), mit dem Bei-
er sein Talent für Melodie entdeckte. 1825 namen te Bossu d'Arras (der Buckelige
erhielt er den 2. Rompreis. Nachdem er sich von A rras), * um 1220 zu Arras, t 1287 in
durch allerhand Klavierstücke, Transkrip- Neapel; genialer Dichter und Komponist
tionen, Lieder usw. bekanntgemacht, brachte (Trouvere), dessen Werke uns erhalten und
er 1829 seine erste einaktige Oper: Pierre et 1872 von Coussemaker mit (nicht einwand-
Catherine in der Opera comique zur Auf~ freier) übertragung in moderne Notierung
führung; der Erfolg ermutigte ihn, so daß herausgegeben wurden (CEuvres comptetes
schnell eine Reihe von 13 weitern Werken du trouvere A. de la H. eh.). Das wichtigste
folgte, bis er 1836 mit dem Postillon von ist das Jeu de Robin et de N[ar2:on, eine Art
Adam de St. Victor - Adelburg. 9
komischer Oper (Liederspiel [natürlich nur Beethovens Egmont-Musik. Vgl. F. La ten-
einfache Melodien ohne jede Begleitung], dorf, Liedes- und Liebesgrüße von Antonie
wahrscheinlich mit Benutzung volkstüm- A. [aus Körners Nachlaß, 1885], R. Mu-
licher Lieder; mit Klavierbegleitung [!] siol, Tl!. Körner und seine Beziehungen
von J.-B.-Th. Weckerlin herausgegeben, zur Musik (1893); H. Zimmer, Th.
zwei Lieder auch von W. Tappert [1874]; Körners Braut. Ein Lebens- und Charakter-
eine kurze Bearbeitung von R. Fiege bild (1910).
wurde 1884 im Berliner Tonkünstlerverein Adamonti, s. Adamberger.
aufgeführt, eine freie Einrichtung von J. Adamowski, J osef, poln. Violoncellist,
Tiersot r896 in Paris und Arras). A. schrieb * 4. Juli 1862 in Warschau, Schüler des
noch mehrere ] eux (] eu d' Adam, ] eu du Warschauer und Moskauer Konservato-
pelerin u. a.) und viele Chansons und im riums, seit 1889 in Amerika (Boston) als
Organalstil komponierte dreistimmige Ron- Cellist, Lehrer u. Mitglied des A.-Quartetts
deattx und M otets. Die Chansons und] eux sind u. A.-Trios wirkend; verheiratet mit der
mit Choralnote notiert, die Rondeaux und Pianistin Ant. Szumowska.
Motets mensural. Ein ~eudruck der 16 Ron- Adamowski, Tymoteusz, Bruder von
deaux findet sich bei Fr. Gennrich, Ron- Josef A., poln. Violinist, * 24. März 1858
deaux, Virelais und Balladen (1,1921). Vgl. in Warschau, Schüler von Massart in Paris,
L. Bahlsen, A. de la H.s Dramen (1885); seit 1879 in Amerika (Boston) als Violinist,
Henry Gu y, Essay sur la vie et les ceuvres Lehrer, Dirigent u. Mitglied des A.-Quartetts
littBra~'res d'A. de la H. (1899); J. Tiersot, U. A.-Trios wirkend.
Sur le Jeu de Robin et Marion (1899); A. Adamus, Henryk, poln. Violoncellist u.
Guesnon, Une edition allemande des chan- Komp., * 19. Febr. 1880, Schüler des War-
sons d'A. de laR. (Paris 1900) und E. Lang- schauer Kons., dann von Krehl und Klengel
lo i s, Le jeu de Robin et de M arion (Paris 1896 in Leipzig. Erst Solist im Warschauer
mit Faksimile und Kommentar) und Le 1'eu Philh. u.Opern-Orchester, wurde er Direktor
de la feuillee (19II); F. Helfenbein, Die der M.gesellschaft zu Kalisch, endlich Leiter
Sprache des Trouvere A. de la H. (1911). de50pernchors zuWarschau.Werke: 2 Opern.
AdamdeSt.Victor,Dichterkomponist von beide in Warschau aufgef.: Sumienie (Das
;3equenzen im 12. Jahrhundert zu Paris, der Gewissen, 1918); Rey w Babinie (kom.
die Form der Sequenzen derjenigen der Oper, die zum Helden den ersten poln.
Hymnen anglich (lauter gleichgebaute Stro- Dichter hat, 1922); 2 sinf. Dichtungen;
phen). Die neue Form machte die Se- Feierliche Ouvertüre; einige kürzere Instru-
quenzen populär und führte zu massen- mentalstücke.
hafter Vermehrung ihrer Zahl, weshalb das Addison (spr. äddis'n), J ohn, engl. Kom-
Tridentiner Konzil 1568 gegen sie einschritt. ponist, * ca. 1755 und t 30. Jan. 1844
Vgl. Aubry und Misset, Les proses d'A. in London, führte ein bewegtes Leben als
de St. V. (Paris 1900). Violoncellist und Kapellmeister ( in Dublin),
Adam von Fulda (wahrscheinlichBenedik- Manufakturist in der Baumwollenbranche
tinermönch), einer der bedeutendsten deut- (Manchester), Musikalienhändler (mit Mi-
schen Komponisten der zweiten Hälfte des chael Kelly in London) und schließlich als
15. Jahrhunderts, auch Verfasser eines Komponist, Kontrabaßspieler und Gesang-
wertvollen, von Gerbert im 3. Bande der lehrer. Seine Frau (MißWillems) war eine
Scriptores (s.d.) abgedruckten musik-theore- geschätzte Opernsängerin. Addisons Sing-
tischen Traktats (1490), lebte um 1490 an spiele waren ihrer Zeit (1805 -18) beliebt;
einem süddeutschen Fürstenhofe, wahr- er schrieb auch eine Gesanglehre : Singing
scheinlich dem des Bischofs von Passau, Practically Treated in aSeries of Instructions
sowie in der Benediktinerabtei Vornbach; (1836). 6 Triosonaten A.s op. I erschienen
auch in Würzburg und Augsburg sind bereits 1772.
Spuren seines Aufenthaltes nachweisbar. Addison (spr. äddis'n) Robert Brydges,
Gediegene, in der Mehrzahl Hymnen- oder Komponist * 1854 zu Dorchester (Oxford),
Antiphonenmelodien kon tra pu nktierende Schüler Macfarrens an der Kgl. Musikakade-
Kompositionen Adams in Handschriften mie, r 882 Lehrer für Harmonie und Kompo-
der Berliner und Leipziger Bibliothek (vgI. sition an derselben Anstalt, 1892 Lehrer für
Kirchenmusikalisches Jahrbuch 1897 [H. Kunstgesang am Trinity-College of Music
Riemann] und 1002 [Wo Niemann ]). (als solcher sehr erfolgreich), geschätzter
Adamberger, Val e n tin, gefeierter Te- Liederkomponist, schrieb auch Orchester-
norist, *6. Juli 1743 zu München, t 24. Aug. werke (Sinfonie, Konzertallegro für Or-
1804 in Wien, Schüler von Valesi, feierte chester), Klavierstücke, Violinstücke, Kinder-
in Italien Triumphe als Adamonti, trat lieder und kirchliche Sachen.
auch in London auf und wurde 1780 an die Adelburg, August, Ritter von, Vio-
Wien er Hofoper engagiert, 1789 auch Hof- linist, * I. Nov. 1830 zu Konstantinopel,
kapellsänger. Mozart schrieb für ihn den t (geisteskrank) 20. Okt. 1873 in Wien;
Belmonte in der Entführung und einige war für die diplomatische Laufbahn be-
Konzertarien. Seine Tochter Antonie stimmt, wurde aber schon 1850-54 Schüler
(Schauspielerin) war mit Theod. Körner Mayseders, der ihn zum hervorragenden
verlobt und heiratete später den Archäo- Violinvirtuosen ausbildete. In den 60er
logen v. Arneth. Sie sang 1810 die Klär- Jahren erregte A. durch die Größe seines
chenlieder bei der Erstaufführung von Tons Aufsehen. Er komponierte wertvolle
10 Adernollo - Adler.

Etüden, Sonaten und Konzerte für Violine, er schrieb (Umfang, Methode und Ziel de'f
Streichquartette usw., sowie drei Opern: Musikwissenschaft), wurde 1885 a. o. Pro-
Zriny (r868 in Budapest), T1laltenstein upd fessor der Musikwissenschaft an dcr deut-
Martinuzzi, auch veröffentlichte er eme schen Universität zu Prag, war als Nach-
Kritik von Liszts Schrift über die lVlusik folger Ed. Hanslicks 1898 bis 1927 Prof.
der Zigeuner (1859). der Musikwissenschaft an der Wien er Uni-
Ademollo, Alessandro, verdienter ita- versität und begründete als solcher ein
lienischer Forscher zur Operngeschichte, Musikhistorisches Institut. Bei der Inter-
* 1826 zu Florenz, i" 22. Juni 1891 zu Rom, nationalen Ausstellung für Musik und
schrieb: I primi fasti della musica italiana Theater zu Wien 1892 führte Adler den
a Parigi [1645 -1662] (Mailand 1884); Vorsitz des Komitees der historischen Ab-
I primi fasti det teatro di via della Pergola teilung und verfaßte den Fachkatalog.
a Firenz'e [1657-1661] (Mailand 1885); 1892-93 gab er eine Auswahl der musi-
I teatri di Roma net secoto decimo settimo kalischen Werke der Kaiser Ferdinand III.,
(Rom 1888); Le cantanti itatiane cetebri Leopold I. und Josef I. heraus (2 Bde.)
det secoto XVII 1°: Vittoria Tesi, M argherita und leitete die Herausgabe der Denkmäler
Saticota (Nt/ova Antotogia vol. 22-23, der Tonkunst in Osterreich (s. d.), deren
I889); r Basile alla corte di Mantova Redaktion und historische Einleitungen er
[1603-1628] (Giornale Ligustico XI, Genua zum Teil selbst besorgte. Die Bände der
1885); La bell' Adriana a Milano [r6II] DTO, die A. herausgab, sind im einzelnen
(Mailand 1885); La Leonora di Milton e di folgende: M. A. Cesti, Il pomo d'oro (III, 2
Clemente IX (Mailand 1885 [La Leonora u. IV, 2); G. Muffat, Componimenti per
ist die Tochter der Adriana Basile]); La it cembalo (III, 3); Froberger, Orgel- und
bell' A driana ed altre virtuose det suo tempo Klavierwerke I, II und III (IV, I, VI, 2
alla corte di Mantova (Citta di Castello 1888). und X, 2); H. Biber, Violinsonaten 1681
Adiaphon (adiaphonon, griech. das Un- (V, 2); Trienter Codices I und II (VII und
verstimmbare) , I) ein 1820 von dem Uhr- XI, I, zusammen mit O. Koller); J. J. Fux,
macher Schuster in vVien erfundenes, der Instrumentalwerke I (IX, 2); O. Benevoli,
Harmonika ähnliches Tasteninstrument. - Festmesse und Hymnus (X, I); Trienter
2) das Gabelklavier, von Fischer und Codices III (XIX, I; zusammen mit O.
Fritzsch in Leipzig erfunden, 1882 paten- Koller, Loew und Schegar); A. Draghi,
tiert, mit abgestimmten Stimmgabeln statt Kirchenwerke (XXIII, I); Biber, Schmel-
der Saiten. VgI. Celesta, auch Clagget. zer und Kerll, Messen (XXV, I); G.
Adler, Agnes Charlotte Dagmar, * 19. Muffat, I2 Toccaten und 72 VersetZ
Febr. 1865 zu Kopenhagen, Tochter des (XXIX, 2); Straus, Biber, Kerll, drei
Cellisten Carl Hansen und Schwester von Requiem (XXX, I). Seit 1913 gibt er
Emil Robert Hansen, ausgezeichnete dä- Studien zur il1usikwissenschaft als Bei-
nische Pianistin, Schülerin von Edmund hefte derösterreichischenDenkmälerheraus,
Neupert und des KgI. Konservatoriums die 'wertvolle Beiträge von ihm enthalten.
(Edward Helsted, J. P. E. Hartmann, Gade), Außerdem schrieb er: Studie zur Geschichte
1892 Gattin des Kaufmanns Siegfried A., der Harmonie (Habilitationsschrift, in den
seit 1900 Lehrerin für Klavier und En- Sitzungsber. d. Wien er kaiserI. Akad. der
semblespiel am Kopenhagener Konserva- Wissensch., phil.-hist. KI. 188I); Die W ie-
torium. derholung und Nachahmung in der M ehr-
Adler, Guido, bedeutender Musikfor- stimmigkeit (Vierteljahrsschrift f. MW. II,
scher, Führer der Wiener musikwissenschaft- 271 ff. I886); Ein Satz eines unbekannten
lichen Schule, * 1. Nov. 1855 zu Eiben- Beethovenschen Klavierkonzerts (das. IV,
schütz (Mähren) als Sohn eines Arztes, 45I H.); Die musikalischen Autographen
nach dessen frühem Tode (1856) die Mutter und revidierten Abschriften B eethovens im
nach Iglau übersiedelte, absolvierte 1874 zu Besitze von A. Artaria (Wien I890); Richard
Wien das akademische Gymnasium, dessen Wagner (Vorlesungen I904, 2. Auf} I922;
Schülerchor er zeitweilig dirigierte, und auch französisch in übersetzung von L.
zugleich das Konservatorium, an dem er Laloy), loset Haydn (Festrede I909), aber
Schüler von Bruckner (mit Mottl und Hugo Textunterlegung in den TrienterCodices (I909
Wolf Begründer des Akademischen vVagner- in der Riemann-Festschrift), Der Stil in der
vereins) und Dessoff war, bezog die Uni- Musik (1. Bd. 19I2); Gustav Mahler (I9I4
versität, promovierte 1878 zum Dr. juris, in Bettelheims Biogr. Jahrbuch, I916 auch
1880 zum Dr. phil. (Dissertation: Die separat); Methode der Musikgeschichte (I909);
historischen Grundklassen der christlichen Handbuch der 111usikgeschichte (1924, mit
abendländischen Musik bis I6oo, abgedruckt einer Reihe von Mitarbeitern).
in der Allg. M. Z. 1880, Nr. 44-47) und Adler, Vincent, Pianist und Komponist,
habilitierte sich 1882, an der Wiener Uni- * 3.April I826 zu Raab(Ungarn), t4.Januar
versität als Privatdozent für Musikwissen- 1871 in Genf, Schüler seines Schwagers
schaft. 1882 ging er als Delegierter zum Franz Erkel in Budapest, ging zur Fort-
internationalen liturgischen Kongreß nach setzung seiner Studien nach Wien, machte
Arezzo, über den er ausführlich berichtete. dann von Paris aus, wo er sich mit Wagner,
1884 begründete er mit Chrysander und Bülow, Ernst, Lalo u. a. befreundete, zahl-
Spitta die Vierteljahrsschrift für Musik- reiche Konzertreisen und ließ sich schließlich
wissenschaft (s. d.), deren Eröffnungsaufsatz in Genf nieder, wo er sechs Jahre Lehrer
Adlgasser - Aeoline. 11
am Konservatorium war. Als Komponist tat auf uns gekommen, wohl aber weisen die
trat er mit wertvollen Klavier-Etüden und ältesten Felsengräber Abbildungen musi-
brillanten Salonstücken auf. Sein Sohn kalischer Instrumente auf, die aufs höchste
Georg, * 22. Nov. 1863 zu Paris, Schüler überraschen müssen. Wir finden da neben
des Vaters sowie B. Roths, Raffs und Bü- Instrumenten, die der griechischen Kithara
lows, war Lehrer am Raff-Konservatorium ähnlich, aber in ägyptischer Weise verziert
in Frankfurt a. M. sind, harfenartige Instrumente von primi-
Adlgasser (Adelgasser), An ton Caj etan, tivster bis zu höchst kunstvoller Konstruk-
* 3. April 1728 zu Innzell bei' Traunstein tion und geschmackvoller Arbeit; die Harfen
(Bayern), t 21. Dez. 1777 in Salzburg (an sind sehr groß (über Manneshöhe) und haben
der Orgel, Schlagfluß), Schüler von J. E. eine große Anzahl Saiten. Harfen solchen
Eberlin, war seit 1751 erster Domorganist Baus sind aber im Altertum, soviel bekannt,
in Salzburg. Seine kirchlichen Komposi- bei keinem andern Volke als den Israeliten
tionen waren sehr geschätzt. Der junge im Gebrauch gewesen, welche sie höchst-
Mozart, Michael Haydn und A. komponier- wahrscheinlich in Ä. kennenlernten. Fast
ten jeder einen Akt des Schuldramas Die noch frappanter ist das Vorkommen lauten-
Schuldigkeit des ersten Gebots (1767). artiger Instrumente auf diesen Abbildungen,
ad libitum (lat. "nach Belieben"), I) als Instrumente mit langen Hälsen (Griffbrett)
Vortragsbezeichnung s. v. w. frei im Tempo, und rundem oder geschweiftem Schallkörper
scheinbar ohne Takt (Gegensatz: a battuta). mit Schallöchern oder ohne solche; solche
- 2) Als Charakteristik von Instrumenten Instrumente, auf denen man Töne verschie-
als Teilen eines Emsemble s. v. w. nicht un- dener Höhe durch Verkürzung der Saiten er-
bedingt nötig, evtl. entbehrlich (Gegensatz: zielt, wurden den Griechen jedenfalls durch
"obligat"). Viele Sinfonien der Zeit um die Ägypter bekannt (Nabla, Pandura), blie-
1750 haben zwei Hörner ad lib., desgleichen ben aber fast unbeachtet und treten erst bei
die Erstlinge der Klavier-Ensemblemusik den Persern, resp. den Arabern nach der
(Filtz, Schobert, Edelmann, Eichner usw.) Eroberung Persiens als Favoritinstrumente
eine Violine oder Violine und Cello ad lib. hervor (7. J ahrh.). Der altägyptische Name
Vgl. den Themat. Katalog der Mannheimer der Harfe ist by"n't, in mißverstandener spä-
Kammermusik i. d. DTB. Bd. XV und XVI terer Form Tebuni, der der Laute ist un-
(H. Riemann). bekannt. Die Blasinstrumente der Ägypter
Adlung (Adelung), Jakob, * 14. Jan. waren hauptsächlich gerade Flöten (Mam
1699 in Bindersleben bei Erfurt, t 5. Juli oder Mem), auch Doppelflöten, gerade Trom-
1762 in Erfurt; studierte in Erfurt und Jena peten, außerdem hatten sie zahlreiche
Philologie und Theologie, trieb aber daneben Schlag- und Klapperinstrumente; das viel-
ernstliche musikalische Studien, so daß er genannte Sistrum war kein Musikinstru-
1727 als städtischer Organist und 1741 als ment, sondern wurde beim Kultus ange-
Gymnasialprofessor zu Erfurt angestellt wandt, um die Aufmerksamkeit auf die
wurde und als geschätzter Musiklehrer heilige Handlung zu lenken. VgI. G. Villo-
wirkte. A. hat drei für die Musikgeschichte teau, Description de l'Egypte (deutsch von
wertvolle Werke geschrieben: Anleitung zu Michaelis 1821); Kiesewetter, Die Musik
der musikalischen Gelahrtheit (1758 mit Vor- derneuern Griechen usw., S ...p ff.; Ambros,
rede von Joh. Ernst Bach; 2. Auf I. 1783, Geschichte der Musik, Bd. I, S. 137 ff. und
besorgt von J oh. Ad. H iller); Musica me- Curt Sachs i. d. Kretzschmar-Festschrift
chanica organoedi (1768) und Musikalisches (1918); derselbe, Die Tonkunst der alten
Siebengestirn (1768, letztere beiden von L. Agypter (AfMW. II, I; 1920); derselbe,
Al brech t herausgegeben). A.s Autobio- Die Musikinstrumente des alten Agyptens
graphie s. in Marpurgs Krit. Briefen II, 451. (hrsg. v. d. Staatsmuseen), Berlin 1920;
Adriaensen (H adriani u s), Eman uel, * der seI b e, Altägyptische Musikinstrumente
zu Antwerpen, gab dort bei Phalese zwei (hrsg. v. d: Vorderasiatischen Gesellschaft),
Werke in Lautentabulatur heraus: Pratum Berlin 1920 (Vortrag). Nach Sachs kannte
musicum (zum Teil für 2-4 Lauten, 1584 das Alte Reich an Instrumenten nur Harfe,
[1600]) und Novum pratum musicum (1592). Längsflöte, Doppel-Klarinette, Klappern;
Adriano di Bologna s. Banchieri. das Mittlere Reich brachte dazu Trommeln
Adufe (arab.), Schellentrommel, Tam- und Sistren. Das Neue Reich erhielt aus
burin. Asien Doppeloboen, Trompeten, Winkel-
Ägidius de Murino, Musiktheoretiker um harfen, Leiern, Lauten, Rahmentrommeln;
1400, dessen Traktat über die Mensural- der asiatische Einfluß veränderte den stillen
musik (bei Coussemaker Script., Bd. 3) und urtümlichen, sakralen Charakter der
wichtige Notizen über die formale Anlage Musik des Alten Reichs zu dem orgiastischen,
der. älteren Liedkompositionen enthält. sinnlichen des Neuen. Namen: Saiteninstru-
Ägypten,das Land einer uralten, weit über mente bin, Blasinstrumente ma. Bei den
die altgriechische Blüteperiode zurückrei- christlichen Ägyptern, den Kopten (s.
chenden Kultur, scheint auch auf dem Ge- Koptische Musik) entstand ums Jahr 1000
biete der musikalischen Kunst schon weit eine reiche volkstümliche Poesie, die zum
vorgeschritten gewesen zu sein, als Europa großen Teil von der religiösen abhängig war
noch im Zustande völliger Barbarei war. und eine letzte Blüte der Musik zur Folge
Zwar ist weder irgendein überrest ägyp- hatte.
tischer Musik noch ein theoretischer Trak- Aeoline,Aeolodion, Aeolodikon, Kla v-
-

12 Aeolisch - AEVIA.

äoline, I) s. v. w. Harmonium (s. d.). - suchung der Klangerscheinungen und Ge-


2) Orgelstimmen ähnlicher Konstruktion, hörsempfindungen (Akustik und Physiologie
d. h. Zungenstimmen ohne Aufsätze oder des Hörens). Die musikalische Ä. ist ein
mit ganz kleinen Aufsätzen, die daher einen Teil der allgemeinen Ä. oder Kunstphilo-
sehr zarten Klang haben und besonders für sophie und hat zur Aufgabe die Ergründung
Echowerke zur Anwendung kommen (meist des spezifischen vVesens der musika-
mit Jalousieschweller). Die ersten Versuche lischen Kunstwirkungen, d. h. sie hat
der Einführung freischwingender Zungen in zu untersuchen, - I) worin die elemen tare
der Orgel machten der Orgelbauer Kirsnik Gewalt der Melodik, Dynamik und Agogik
in Petersburg (um 1780), sowie Abt Vogler über unsere Seele besteht (Musik als Au s-
in seinem Orchestrion (1791). Heute wird die druck, als Mitteilung, als Wille), -
Ae. häufiger als Labialstimme gebaut. 2) das M u sika lisch- Schöne zu definieren,
Aeolisch s. Kirchentöne und Griechische d. h. die Gesetze der Ordnung und Einheit-
Musik. lichkeit aufzuweisen, durch welche die
Aeolklavier s. Anemochord. Musik Gestaltung, Form annimmt (Harmo-
Aeolsharfe (Windharfe, Wetterharfe, nik und Rhythmik), deren Verhältnisse
Geisterharfe) ist ein langer schmaler Re- der Geist anschauend genießt (Musik als
sonanzkasten mit oder ohne Schalloch, über Vorstellung) und - 3) die Fähigkeit der
den eine (beliebig große) Anzahl im Einklang Musik zu würdigen, bestimmte Assozia-
gestimmter Darmsaiten gespannt ist; die tio n e n zu wecken und, sei es allein oder
Saiten müssen von verschiedener Dicke unterstützt durch andere Künste, zu cha-
sein, so daß für jede ein anderer Spannungs- rakterisieren, illustrieren, darzustel-
grad zur Erreichung derselben Tonhöhe er- len, d. h. die Empfindungsvorgänge aus der
f.orderlich ist, doch darf keine sehr stark ge- Seele des Komponisten bzw. des Hörers oder
spannt sein. Strafft ein Luftzug die Saiten, Spielers in die eines vorgestellten Subjekts
so fangen sie an zu tönen, und zwar machen zu verlegen (Musik als vorgestellter
sie infolge des verschiedenen Spannungs- Wille). Vgl. hierüber Riemann, Kate-
grades verschiedenartige Partialschwingun- chismus der Musikästhetik und Die Ele-
gen, doch natürlich immer nur Töne gebend, mente der musikalischen A esthetik (1900,
die der Obertonreihe des gemeinschaftlichen französ. von Humbert 1906, ital. 1914), so-
Grundtones angehören. Der Klang ist von wie Charles Lalo, Esquisse d'une esthetique
märchenhafter, zauberischer Wirkung, da musicale scientifique (Paris 1908). Grund-
je nach der Stärke des Windes die Akkorde legendes Material einer musikalischen Ästhe-
vom zartesten Pianissimo zum ranschenden tik in dem hier skizzierten Sinne lieferten vor
Forte anschwellen und wieder verhallen. allen J. J. Engel, J. G. Herder, Schopen-
Die A. ist alt; als Erfinder bzw. Verbesserer hauer, Herbart, Lotze, Fechner, vVundt, Th.
werden genannt der heil. Dunstan (ro. Jahr- Lipps, J. Volkelt, Konrad Lange, M. Dessoir,
hundert), Athanasius Kireher (17. Jahrh.), auch Hansliek, G.Engel, Heimholtz, Stumpf,
Pope (1792) und H. Chr. Koch (ca. 1800). Hostinsky, Hausegger, H. Siebeck, Walla-
Vgl.Dalberg, Die Aeolsharje (1801); G. schek, H. Ehrlich, Arthur Seidl, M. Stei-
Fr. Lichtenberg, Vermischte Schriften, nitzer, Paul Moos, Hugo Goldschmidt, Fr.
6. Bd. (Göttingen 1845) und J. G. Kast- Marschner, K. Grunsky, Ben. Croce (Este-
ner, L'harpe d'Eole (1856). lica come scienza dell' espressione e linguistica
Aequal (lat. aequalis "gleich "), s. v. w. acht- generale, teoria e storia, 4. Aufl. Bari 1912),
füßig (s. Fußton), d. h. von "normaler" Ton- Max D eri, Versuch einer psychologischen
höhe, eine Bezeichnung für Orgelstimmen, !{unstlehre (Stuttgart 1912, aus Zeitsehr. f.
die auf Taste groß C den Ton groß C geben; Ästhetik u. allg. Kunstwissenschaft); E.
z. B. Aequalprinzipal. VgI. auch Gleiche Meumann, Einführung in die Asthetik der
Stimmen (Voces aequales). über Beetho- Gegenwal't (2. Aufl. Leipzig 1912), E. Clos-
vens Aequale für 4 Posaunen vgI. Beethoven. son u. a. (vgl. die Biographien). Vgl. auch
Aerophon s. Harmonium. Tonpsychologie.
Aerophor oder Tonbinde-A pparat, ein Äthiopische Kirchenmusik. Obwohl von
von dem Schweriner Hofmusiker Sam uels der Ä. K. nur spärliche Reste in HSS. vor-
konstruierter Hilfsapparat, der vermittels liegen, darf man vom 7. Jahrhundert an
eines mit dem Fuße regierten kleinen Blase- eine Blüte des Hymnengesangs in Äthio-
balgs und eines neben dem Mundstück eines pien annehmen; Zeugnisse finden sich im
Blasinstruments in den lVIund geführten Liederbuch der Ä. Kirche, dem Deggud und
Schlauches ermöglicht, den Ton in beliebiger in den Marienliedem Wedddse Marjtim (Lob-
Dauer auszuhalten, da der A. die Lücken füllt, preisung Marias). Die Gesangbücher ent-
welche sonst das Atmen bedingt. Der Apparat halten in sch"warzen und roten Zeichen über
ist patentiert (D. R. P., 1912) und hat den dem Text, also in einer Art Nel1menschrift,
Beifall der Bläser, Komponisten (R. Strauß, Anweisungen für den Vortrag. Als Vater
Alpensinfonie) und Dirigenten gefunden. der Ä. K. gilt der heilige J äred, der die drei
Aesthetik, mus i kali s c h e , ist die spe- Musikmodi, geez, ~zelund~räräy erfunden ha-
kulative Theorie der Musik im Gegensatz ben soll. Vgl. Egon Wellesz, Studien
sowohl zu der für die Praxis berechneten zurA. H. Oriens Christianus, edd. A. Baum-
Musiktheorie im engem Sinne (Harmonie- stark, 1920).
lehre, Kontrapunkt, Kompositionslehre), als AEVIA oder Aevia, aeuia ist in den No-
auch zu der naturwissenschaftlichen Unter- tierungen des Gregorianischen Gesangs Ab-
Afanassiew -=- Agazzari. 13
kürzung des Wortes Alleluja (mit Aus- die Handharfe, das Xylophon in seiner pri-
lassung der Konsonanten). mitivsten Form bewahrt. VgI. J. Tiersot,
Manassiew,Nikolai Jakowlewitsch, Vio- La musique cl M adagascar (M€mestrel 1902);
linist und Komponist, * 1821 in Tobolsk, dersei be, La musique dans le continent afri-
t 3· Juni 1898 in Petersburg, erhielt seine cain (ib. 1903); derselbe, La musique au
musikalische Ausbildung von seinem Vater. Dahomey (ib. 1903); M. Hartmann, Lieder
A. schrieb Streichquartette (darunter das der libyschen Wüste (Leipzig 1900); B.An-
1860 preisgekrönte Die Wolga und ein ckermann, Die afrikanischen Musikin-
hebräisches in Cis moll), Quintette, ein Oktett, strumente (1903); E. M. v. Hornbostel,
Lieder, Klavierstücke, Stücke für Violine, Phonographierte t~tnesische Melodien (Sam-
eins für die Viola d'amour, die preisgekrönte melb. der IMG. 1906); derselbe, Wanyam-
Kantate Das Gastmahl Peters des Großen wesi-Gesänge (Anthropos IV, 19°9); derselbe,
(Text von Puschkin) und mehrere Opern Phonographierte Melodien aus Madagaskar
(Amalat Bek). Auch gab er eine Sammlung und I ndonesien (19°9); dersei be, Ruanda-
großrussischer Volkslieder heraus. Sinfo- Gesänge, in: Czekanowski, Wiss. Ergebnisse
nien und Oratorien blieben Manuskript. der Dtsch. Zentral-Afrika-Exped. 1907/8
Affektenlehre, einflußreiche musikästhe- VI/I, 1917; J. C. E. Falls, Beduinen-Lieder
tische Theorie des 18. Jahrhunderts, die die der libyschen Wüste (Kairo 19°9); Bela
Wirkung der Musik mit der Nachahmung Bart6k, Die Volksmusik der Araber von
und in der Erregung von Affekten begrün- Biskra und Umgebung (Zeitsehr. f. MW. II,
dete und auf dieser Begründung musika- 1920); Rob. Lachmann, Die Musz'k in
lisches Urteil und Kompositionslehre auf- den tunisischen Städten (AfMW. V, 2; 1923);
baute. VgI. H. Kretzschmar, Peters- Jahr- G. Pesenti, Canti e ritmi arabici, somalici e
buch 19II und 1912; H. A bert, Wort und Ton suaheli (1910); W. Heini tz, aber die 1\IIusik
im IS. Jahrhundert (AfMW. V, I); H. Gold- der Somali (Zeitsehr. f. MW. II, 1920); der-
schmidt, Die Musikästhetik des IS. Jahr- selbe, Musikinstrumente und Phonogramme
hunderts (1915), dazu Schering, Zeitsehr. f. des Ost-l\llbamlandes in Fr. und M. P. Thor-
MW. 1,298; auch Margarethe Kramer, Bei- becke: Im Hochland von Mittelkamerun (Ab-
träge zu einer Gesch. des Attektbegriffes in der handlungen des Hamburger Kolonialinst. 41,
Musik von I550-I700 (Diss. Halle 1924). 1919); derselbe, Analyse eines abessinischen
Mferni, U go, * I. Januar 1871 zu Florenz, Harfenliedes (Festschrift Meinhof, 1927); J.
in Florenz, Frankfurt a. M. und Leipzig ge- Rouanet, La musique arabe en Algerie (Soc.
bildet, in Annaberg tätig, dann als Dir. am int. Mus. 1905/06); M.-Th. de Lens, Sur le
Verein der Musikfreunde in Lübeck, wo er chant des moueddin et sur les chants chez les
mit seiner Frau, der engI. Geigerin Mary femmes cl l\lleknes (Rev. de musicologie Nov.
Bramner (* 2. Mai 1872) Kammermusik- 1924). VgI. Ägypten, Äthiopische Kirchen-
konzerte veranstaltete, 1901 in Bad Harz- musik. über die sogen. Negro Folk Songs
burg, 1905 Nachf. Lüstners als Dir. der Kur- vgI. Amerika.
kapelle in Wiesbaden, kehrte 1914 nach XMzelius, Arvid August, * 6. Mai 1785
Italien zurück und lebt jetzt in Florenz. zu Hornborga (Westgotland), t 25. Sept.
Schrieb: Oper Potemkin an der Donau (Anna- 1871 als Pfarrer zu Enköping in Schweden,
berg 1897); Klavierstücke, Lieder. gabmitE. G. Geijer eine Sammlungschwe-
Affetto (ital.), Gemütsbewegung; con a., discher Vollrslieder mit Melodien heraus:
. affettuoso, gemütvoll, mit viel Ausdruck
(und freiem Vortrag). In Buonamentes
Svenska folkvisor (1814-17, Neuausgabe von
R.Bergström und L. Höij er 1880) und mit
Sonaten vom Jahre 1636 kommt der Aus- Erik Drake Afsked af Svenska Folksharpan
druck ,affetti' als Vortragsbezeichnung vor, (1848), ferner Traditioner af Svenska Folks-
wahrscheinlich im Sinne von tremolo. B. Ma- dansar (1814-15). Vgl. A. J. Arvids9Jl,
rini nennt sein op. I (1617), in welchem zu- Svenska Fornsanger (1834-42, 3 Bde.). ,..
erst das t,'emolo vorgeschrieben ist, Affetti *
Agazzari,Agostino, 2. Dezember 1578
musicali. und t 10. April 1640 zu Siena, um 1608
Mfrettando (ital.), beschleunigend, s. v. Kapellmeister des deutschen Kollegs zu
w. stringendo; affrettato, beschleunigt, s. v. Rom, wo er 1606 durch die in wenigen Tagen
w. piu mosso. fertiggestellte Komposition des Dramma pa-
Mrika. Die afrikanische Musik benutzt storale Eumelio für das Seminario Romano
als Tonleiter hauptsächlich noch die penta- Aufsehen gemacht hatte (eine der allerersten
tonische Scala, die allerdings durch Inter- Opern überhaupt), doch später wieder. in
valle kleinster Größe getrübt ist - vermut- Siena, ist besonders angesehen wegen seiner
lich machen sich hier Einflüsse des arabischen kirchlichen Kompositionen: 4 Bücher Sac-
Tonsystems geltend. Das meist heterophone rae cantiones 2-8 v. (1602-06, wiederholt
Musizieren der Afrikaner ist vor allem aufgelegt), 6 Vesperpsalmen 3 v. und I Kom-
rhythmisch aufs feinste belebt, dieses pletorium 4 v. (1609), 8 st. Psalmen und
Raffinement in der Bearbeitung von Trom- Magnificat (16II), Sertum roseurn 1-4 v.
meln u. a. Lärminstrumenten hat im Togo- (1611), Celeste aurora 3-5 v. (1620), Dialo-
gebiet sogar zur Ausbildung einer Trommel- gici concentus 6-8 v. (1613), Eucharisticum
sprache geführt. Im ganzen hat Musik in A. melos (1625), Sacrae laudes (r603), Litaniae
noch die uralte Bedeutung des Magischen, B.M.V. 4-8 v. (r639), gab auch I Buch 6 st.
Kultischen; auch das Instrumentarium hat und je 2 Bücher 5 st. und 3 st. Madrigale
noch die altesten Typen, den Musikbogen, heraus. A. ist einer der ersten, welche über
Age1aos von Tegea - Agostini.

die Ausführung der Generalbaßbezifferung Agoge ist der griechische Ausdruck: für
Anweisungen gaben (Det suonare sopra il die Nüancierung des Tempo (rhythmIsche
basso con tutti stromenti et uso taro net con- A.). Vgl. Agogik., , .
serto, Siena 1608, auch in seinen Sacrae can- Agogik, durch H. Riemanns Mus2kahsche
tiones lib. 2 1608 u. m.); auch schrieb er La Dynamik und Agogik (1884) eingeführter
musica ecclesiastica (1638). Terminus für die durch einen lebendigen
Agelaos von Tegea war nach Pausanias' Ausdruck (s. d.) bedingten kleinen Modifi-
Bericht im musikalischen Agon der Pythi- kationen des Tempo (auch Rubato [5. d.],
schen Spiele 554 v. Chr. (8. Pythiade) der Tempo rubato genannt). Im allgemeinen geht
erste Sieger als Virtuose auf der Kithara die Agogik parallel mit der Dynamik, d. h.
{)hne Gesang (Kitharista). ein geringes Treiben (mit crescendo) eignet
Agende (lat. agenda, was getan werden soll) den Auftakten, die Schwerpunktsnoten wer-
heißen die Vorschriften für Reihenfolge und den etwas gedehnt, und weibliche Endungen
spezielle Gestaltung der gottesdienstlichen lenken mit abnehmender Dehnung zur Nor-
Handlungen besonders der evangelischen malgeltung zurück (diminuendo); das gilt
Kirche, wie sie für die katholische Kirche besonders im kleinsten Kreise, während im
das Rituale bestimmt. Näheres s. in den großen oftmals die agogische Stauung,
bezügl. Schriften von Lilieneron, Kretzsch- die gewaltsame Hemmung des Ansturms die
mar (1894), Rietschei, Anton, Smend, Wirkung der Steigerung erhöhen muß. Vgl.
Spitta u. a. Dynamik und Ausdruck.
Agghazy, Carolus, * 30. Oktober 1855 in Agogischer Akzent, in der Phrasierungs-
Budapest, Schüler von Anton Bruckner, bezeichnung die durch A über der Note ge-
Rob. Volkmann und Liszt, konzertierte forderte kleine Verlängerung des N oten-
1882-88 als Pianist, war sodann Lehrer am wertes, besonders über der ersten Note
Sternschen und Kullakschen Konservato- weiblicher Endungen.
rium zu Berlin und Professor am Nationalkon- Agon (gricch.), s. v. w. Wettkampf; der
servatorium zu Budapest. A. trat als Kom- musikalische A. (im Gesang zur Kithara
ponist mit ungarisch gefärbten Klavier- und [kitharodischer A.] oder zum Aulos [aulo-
Kammermusikwerken hervor, auch mit einer discher A.] oder im virtuosen Solo- Kithara-
Oper Maritta und der Kantate Rrik6czy. spiel [kitharistischer A.] oder Solo-Aulos-
[d']Agincourt (spr. daschängkür), Fran- spiel [auletischer A.]) war ein wesentlicher
~ois, * zu Rouen, 1714 Organist der Kgl. Bestandteil der Festspiele des alten Griechen-
Kapelle zu Paris, t 18. J uni 1758 zu Paris, land, besonders der Pythischen Spiele. V gl.
gab heraus Pieces de Clavecin (1733). Griechische Musik.
Agitato (ital., spr. adsch-), aufgeregt. Agostini, Lodovico, * 1534 und t 20.
Agnelli (spr. anjelli), Salvatore, * 1817 Sept. 1590 zu Ferrara, apostolischer Proto-
zu Palermo, t 1874, Schüler von Furno, Zin- notar und Kaplan am Hofe Alfonsos II. von
garelli und Donizetti in Neapel, schrieb zu- Este, hat Madrigale [4 Bücher 6 st., 3 Bücher
erst für italienische Theater (Neapel und 5 st., 2 Bücher 4 st.], Messen, Motetten,
Palermo), ging aber 1846 nach Marseille, wo Vespern usw. geschrieben, gediegen und fein
er die Opern: La ] acquerie (1849), Leonore gearbeitete Werke, die teils zu Venedig
,de MMicis (1855) und Les deux avares (1860) (Gardano), teils zu Ancona (Landrini) ge-
und mehrere Ballette zur Aufführung druckt wurden.
brachte; außerdem schrieb er ein Miserere, Agostini,Mezio, * 12. Aug. 1875 zu Fano,
Stabat Mater, eine Kantate (Apotheose Na- erhielt 1885-93 seine Ausbildung durch
poleons I., 1856 durch drei Orchester im seinen Vater, Mario Vitali (Klavier) und
Tuileriengarten ausgeführt). Pedrotti und Vanbianchi am Rossini-Lvze-
[d'] Agnesi [-Pinottini] (spr. danj-), Maria um zu Pesaro, führte 1894-1900 als The-
T her e s i a , vorzügliche Kla vierspielerin, ater-Kapellmeister an italienischen und aus-
* 1724 zu Mailand, turn 1780, komponierte wärtigen Bühnen ein bewegtes Wanderleben
viele Klavierwerke und 5 Opern (Sojonisbe, und wurde 1900 von Mascagni als erster Har-
Ciro in A rmenia, N itocri, I nsubria consolata monieprofessor an das Liceo Rossini zu
und Il re pastore). Vgl. Agniez. Pesaro berufen, 1909 aber als Nachfolger
Agniez (sPc. angnie), Louis Ferdinand Wolf-Ferraris Direktor und erster Kompo-
Leopold, gen. Luigi Agnesi, * 17. Juli sitionslehrer am Liceo (seit 1926 Conserva-
1833 zu Erpent (Narnur), t 2. Februar 1875 torio) Benedetto Marcello zu Venedig.
in London; vortrefflicher' Sänger (Baß), Schrieb: 2 Streichquartette, I Sinfonie, 4
Schüler des Brüsseler Konservatoriums, war Orchestersuiten, Klavierkonzert, 2 Klavier-
Kapellmeister an der Katharinenkirche und trios (F dur op. I7, in Paris preisgekrönt
Dirigent mehrerer Vereine zu Brüssel, gab 19°4, und D dur op. I9), Sonate f. V. u. Kl.
nach dem Mißerfolg seiner Oper H armold le oP.46, Sonate f. Vcell. und Kl. op. 48; Kla-
Normand (r858) die Komponistenlaufbahn vierstücke, Lieder, die Kantate A Rossini
auf ,studierte bei Duprez in Paris Gesang und mehrere Opern: Il cavaliere del sogno,
und lebte dann in verschiedenen Engage- 1897 Fano preisgekrönt; Alcibiade 19°2;
ments und auf Kunstreisen, die letzten Jahre A merica 19°4; Ombra 19°7 ; A nello deZ
in London als namhafter Händel-Sänger. Als Sogno, 3 akt. (1927/28).
Komponist hat er sich nur noch in Liedern, Agostini, Paolo, * ca. 1583 zu Vallerano,
Motetten usw. betätigt. t im September 1629 in Rom, Schüler und
Agnus Dei (lat., Lamm Gottes), s. Messe. Schwiegersohn von Bern. Nanini, Kapell-
Agostini - Agricola. 15
meister ar. verschiedenen Kirchen Roms, schönes Lied s. in Riemanns Handb. d.
zuletzt (I627) an der Peterskirche, vorzüg- MG. II, I S. 192.
licher Kontrapunktist, der eine große An- Agricola, Georg Ludwig, * 25. Okt.
zahl kirchlicher Kompositionen geschrieben 1643 zu Großfurra bei Sondershausen, 1670
hat (bis zu 48 Stimmen), die zum Teil noch Kapellmeister in Gotha, t 22. Febr. 1676
handschriftlich in römischen Bibliotheken in Gotha; gab zu Mühlhausen 5 st. Kammer-
aufbewahrt werden. Gedruckt wurden Sal- sonaten für Streichinstrumente (Musika-
mi della Madonna (Magnificats und Anti- lische Nebenstunden 1670), sowie Bußlieder
phonen, I6I9) und 5 Bücher Messen (1627). und Madrigale heraus.
Agostini, Pier Simone, *1650( ?) zu Rom, Agricola, J ohann, * um 1570 zu Nürn-
war herzoglicher Kapellmeister zu Parma; berg, t um I605, Professor am Augustiner-
Komponist der Opern Tolomeo (Venedig gymnasium in Erfurt, Komponist von Mo-
1658? [WotquenneJ), Ippolita (Mailand I670 tetten, Cantiones usw., die 1601-II heraus-
mit L. Busca und P. A. Ziani), La costanza kamen.
di Eosmonda (Genua 1670), L'Adalinda Agricola, Joh. Friedrich, * 4. Januar
(= Gl'inganni innocenti, Ariccia 1673), Il 1720 zu Dobitschen bei Altenburg, t nach
ratto delle Sabine, Venedig 1680) und Flori- Forkels Angabe 12. November, nach L.
dea (mit Fr. de' Rossi und L. Busca, Vene- Schneider aber 1. Dezember und nach dem
dig I687). Auch hat er weltliche Kantaten, Nekrolog der Voss. Ztg. 6. Dezember I774
sowie Oratorien und Motetten geschrieben. in Berlin; in Leipzig Schüler J. S. Bachs,
Agrell, Johann Joachim, * 1. Februar 1741 in Berlin Schüler von Quantz, 1751
I70I zu Löth (Ostgotland), t 19. Januar Hofkomponist, 1759NachfolgerK.H. Grauns
I765 zu Nürnberg; war 1723-46 Hofmusi- als Dirigent der königlichen Kapelle. Er
kus (Violinist) in Kassel, von wo aus er sich schrieb Opern und andere Werke, die jedoch
auch als Klaviervirtuose einen Namen bis auf weniges (Psalm 21 und 25, Berlin
machte, und seit 1746 Kapellmeister zu I759; einige Oden in Sammlungen 1753 bis
Nürnberg. Eine Reihe tüchtiger Klavier- 1770; eine Sonate in Winters Musikal.
kompositionen (Konzerte, Sonaten und Sin- Mancherley) ungedruckt blieben, polemi-
fonien) erschienen im Druck. Die Sonaten sierte gegen Marpurg unter dem Pseudonym
A.s nehmen formell eine MittelsteIlung o li brio, übersetzte Tosis Gesangschule (A n-
zwischen Suite und Sonate ein. Vgl. K. leitung zur Singkunst I757) und war Mit-
Valentin, J. J. A. (Svenskl"Musiktidning arbeiter an Adlungs Musica mechanica
I9 II ). . organoedi und Sulzers Theorie der schönen
Agrements (franz., spr. -mang), Verzie- Künste. Handschriftlich erhalten sind seine
rungen (s. d.). Schul übungen im einfachen und doppelten
Agrenew (Slavjanski),Demetrius Alex- Kontrapunkt. Seine Gattin Benedetta
androwitsch, Sänger und Dirigent der be- Emilia, geb. Molteni, (* I722 zu Modena,
kannten Sängerkapelle, * 1838, t im Juli Schülerin Hasses, t 1780 in Berlin), war
1908 in Rustschuk, studierte in Italien und eine hochangesehene Sängerin und längere
in Paris, organisierte unter dem Namen Zeit Mitglied der Berliner italienischen Oper.
Slavjanski einen Chor, mit dem er Nord- Vgl. Herrn. Wucherpfennig, J. Fr. A.
amerika, Rußland und auch Westeuropa be- (Berliner Diss. 1922, ungedruckt).
reiste und Volkslieder (hauptsächlich russi- Agricola, Martin, eigentlich Martin Sore,
sche in eigenem Arrangement) zur Auffüh- * 6. Januar 1486 zu Schwiebus als Sohn
rung brachte. Die künstlerische Bedeutung eines Bauern, weshalb er sich später A.
der Arbeiten A.s wurde schon I870 von nannte, t IO. Juni 1556 zu Magdeburg, einer
Tschaikowsky in Frage gestellt, der nach- der wichtigsten Musikschriftsteller des ·16.
wies, daß A. den Charakter der russischen Jahrhunderts, besonders neben Seb. Vir-
Volksgesänge antastete. dung eine der Hauptguellen für die instru-
Agricöla, Alexander (eigentlich Acker- mentale Praxis seiner Zeit, nach seiner eige-
mann), oft kurzweg Alexander genannt, nen Aussage selbstwachsen musicus, trat in
einer der hervorragendsten deutschen Kom- seinen Wanderjahren dem Kreise Luthers
ponisten des 15.Jahrhunderts, war längere näher, schloß Freundschaft mit Georg Rhaw
Zeit (bis 1474) Kapellmeister zu Mailand, und ließ sich I519/20 in Magdeburg nieder,
dann zu Mantua und seit I491 Kaplan und wo er nach der Grundung der Schule (1524)
Kapellsänger am Hofe Philipps I. des wahrscheinlich bei deren Erweiterung 1527
Schönen von Burgund, in dessen Gefolge er das Kantorat übernahm und bis an sein
I505 nach Spanien ging, wo er wahrschein- Lebensende behielt, da die Bürgermeister-
lich zu Valladolid 1506 im Alter von 60 Jah- familie, um ihn an die Stadt zu fesseln, ihm
ren starb (danach wäre er 1446 geboren). A. freie Kost und Wohnung gewährte. Sein
stand als Komponist in hohem Ansehen, so Nachfolger wurde J oachim Bonus. Seine
daß Petrucci in seinen drei ältesten Samm- Werke sind Eyn kurtz.deudsche Musica 1528
lungen (von 1501-03) 31 Lieder und Mo- (2. Auflage als Musica choralis deudsch I533),
tetten und I504 einen Band Messen von ihm Musica instrumentalis deudsch in Knittel-
druckte (M issae A lexandri A gricolae: Le versen (1528, 1530, 1532, I542, 1545 [Neu-
serviteur,· Je ne demande, Malheur me bat, ausgabe der 1. und 4. Fassung in Bd. 20 der
Primi toni, Secundi tom). Einige weitere Publikationen Eitners], eine überarbeitung
Messen, Magnificats, Motetten und Chan- von VirdungsMusica getutscht (mit denselben
sons sind handschriftlich erhalten. Ein Abbildungen), Musica jiguralis deudsch 1533
16 Agricola - Ahle.

mit einem selbständigen Anhang Von den )(Aguado y Garcia (spr. aguäo), Dionisio,
Proporcionibus, auf Gafori fußend, aber mit berühmter Gitarrevirtuose, * 8. April 1784
wertvollen Zusätzen und Beispielen durch- und t 29. Dezember 1849 zu Madrid; gab
setzt; Rudimenta musiees 1539, Seholia in 1825 eine Methode des Gitarrespiels heraus,
musicam plan am Wenceslai Philomathis 1540, die drei spanische und eine französische
Ein Sangbüchlein aller Sonntags-Evangelia Ausgabe (1827) erlebte, sowie verschiedene
(Magdeburg 1541), Quaestiones vulgariores in Kompositionen für Instrument (Studien,
musicam 1543. A. war der erste Theoretiker, Rondos usw.). Ausgewählte Werke, hrsg.
der sich der Sprache Luthers bediente, wurde von H. Tempel, erschienen 1926 bei Schott.
aber leider von Wittenberg aus (!) veranlaßt, Aguilar (Epr. agilär), Emanuel Abraham,
sie wieder aufzugeben. Kompositionen von * 23. August 1824 zu Clapham (London),
ihm enthalten die H ymni aliquot sacri des t 18. Februar 1904 zu London, spanischu
Georg T h Ymus 1552, sowie die nach seinem Abkunft, trat 1848 als Pianist mit Erfolg im
Tode herausgegebenen 1Vl eZodiae scholasticae Gewandhause in Leipzig auf und lebte so-
(1557, 1567, 1578, 1584; Neudruck von dann als angesehener Lehrer in London. Als
A. Prüfer 1890), eine Sammlung von Hym- Komponist machte ,er sich bekannt u. a.
nen und Motetten, und die Duo libri musices durch 2 Opern, 3 Kantaten, 3 Sinfonien, 2
1561 (ca. 50 höchst eigenartige Instrumen- Ouvertüren und eine Reihe Kammermusik-
talsätze z. T. über protestantische Choräle). werke (je ein Klavier-Septett, -Sextett und
Einige handschriftliche Motetten sind inLüne- -Quartett, 2 Streichquartette usw.).
burg, Rostock, Zwickau und Leipzig (Tho- Aguirre, J u I i ci n, Pianist und Komponist,
masschule) erhalten. Proben s. bei B. En- * 1869 und t im Oktober 1924 zu Buenos
gelke, Geschichte der Musik im Dom zu Aires, studierte am Madrider Konservato-
JI[ agdeburg (Magdeburg lC)14). rium unter Karl Beck (K1.) und Emilio
Agricola, Wolfgang , Christoph, Ma- Arrieta (Harm.), wurde nach seiner Rück-
gister zu Neustadt a. d. Saale (Franken), gab kehr nach Argentinien Sekretär und Lehrer
1647 zu Würz burg heraus: Fasciculus musi- am Konservatorium von Buenos Aires. Seine
calis (8 Messen) und 1648 Fasciculus varia- ersten Kl.-Stücke (Barcarola, 1 ditio, Rapso-
rum cantionum (2-8 st. Motetten). Ein geist- dia espafiola) zeigen spanischen Einfluß;
liches deutsches Liederbuch Musikalisches seine späteren Werke zwei Stile: Aires criol-
Waldvöglein ist nur in einer Ausgabe von los, A ires populares, Tristes argentinos und
1700 bekannt. A ires naeionales sind rein argentinisch, wäh-
Agthe, Wilhelm Johann Al brech t, Sohn rend Loin, Romanza, 5 111 azurkas und Las
von K. Chr. A., * 14. April 1790 zu Ballen- Intimas den Einfluß der französischen Schule
'r
stedt, 8. Oktober 1873 in Berlin, 18IO Mit- verraten. Er veröffentlichte ferner: Sonate
glied des Gewandhausorchesters und Musik- f. V. und KI.; Ballade und Nocturne f. V.:
lehrer in Leipzig, 1823 Musiklehrer zu Dres- Sonate f. Vc. und KI.
den, 1826 zu Posen (wo Theodor Kullak sein Agujari, Lu c r e z i a, phänomenale Sänge-
Schüler war), durch die politischen Unruhen rin, * 1743 zu Ferrara, t 18. Mai 1783 zu
1830 nach Breslau verscheucht, 1832 in Ber- Parma, bekannt unter dem Namen La Ba-
lin, wo er bis 1845 ein eigenes Musikinstitut stardella. Außer Italien (Florenz, Mailand
leitete. A. hat eine Anzahl Klavierkom- usw.) versetzte sie auch 1775 London in
positionen gediegener Richtung herausge- Ekstase; 178o zog sie sich von der Bühne
geben. zurück und vermählte sich mit dem Kapell-
Agthe, Friedrich Wilhelm, * 1796 zu meister Colla zu Parma. Der Umfang ihrer
Sangerhausen, t (seit 1828 geistig gestört) Stimme nach der Höhe war fast unglaublich;
19. August 1830 zu Sonnenstein bei Pirna, sie trillerte noch auf dem dreigestrichenen
Schüler von Aug. Eberh. Müller und Aug. f und sang das viergestrichene c. V gl. Mo-
Riemann in Weimar und Th. Weinlig in zarts Brief vom 24. März 1770 sowie J ahn-
Dresden, war 1822-28 Kantor an der Abert, Mozart I, 183.
Kreuzschule. (V gl. Vierteljahrsschrift f. Ahle, J oh. Georg, Sohn und Schüler
MW. X, S. 390 [Held]). von J. R. A., * 165 I (getauft 12. Juni) und
Agthe, Kar! Christian, * 16. Januar t 2. Dezember 1706 in Mühlhausen a. d.
1762 zu Hettstedt (Mansfeld), t 27. Novbr. Unstrut; wurde seines Vaters Nachfolger als
1797 als fürstl. Hoforganist zu Ballenstedt; Organist, avancierte auch später zum Stadt-
war bereits mit 14 Jahren 1776-82 Musik- rat und erhielt vom Kaiser Leopold 1. die
direktor der Hündelbergerschen Truppe in Dichterkrone (po eta laureatus). Eine Art
Reval, die dort 4 Singspiele und I Ballett Kompositionslehre in 4 Teilen ist das Nlusi-
von ihm aufführte (ein fünftes Singspiel 1779 kalische Frühlings-, Sommer-, H erbst- und
in Petersburg), und wurde 1782 Hoforganist Wintergespräeh (1695-1701). Auch die von
in Ballenstedt, wo er außer den älteren noch ihm besorgte 4. Auflage von seines Vaters
ein sechstes Singspiel zur Aufführung brach te Anleitung zur Singekunst (17°4) enthält wert-
(vgl. H.A.Reichards Gothaisches Taschen- wolle theoretische Ausführungen. Seine
buch f. d. Schaubühne 1778). Auch gab er praktischen vVerke eröffnen die Geistlichen
zwei Hefte Lieder (1782, 1784) und 6 Kla- Andachten (167 I ). Dem Vor bilde von Mi-
viersonaten (davon eine zu 4 Händen) her- chael Prätorius folgte er mit dem Zyklus
aus. A. war einer der allerersten Kompo- Unstruhtische Terpsychore (Tanzstücke), Un-
nisten von Goethes Erwin und Elmire (1776). struhtische lvI ayenlust (4 Teile: Klio 1676,
Agthe, Rosa, s. v. Milde. Kalliope 1677, Erato 1677, Euterpe 1678;
Ahle - Aich. 17
historisch-theoretische Betrachtungen nebst (Mezzosopran), starb schon 10. Mai 1865 in
einigen Kompositionen), Unstruhtische Mel- Berlin als Sängerin an der Kgl. Oper.
pomene (Bet-, Buß- und Sterbelieder usw. [De] Ahna, Heinrich Karl Hermann,
1678), Unstruhtische Polyhymnia (Lob- und * 22. Juni 1835 zu Wien, t I. November
Danklieder 1678), Unstr. Thalia (4st.Geigen- 1892 in Berlin, Schüler von Mayseder in
spiele 1679), Unstr. Urania(Lenz-undLiebes- Wien, so dann am Prager Konservatorium
lieder 1679). Dazu kommen noch ein Un- von M. Mildner weitergebildet, trat schon
struhtischer Apollo (Fest-, Lob-, Dank- und im Alter von 12 Jahren zu Wien, London
Freudenlieder 1681), Instrumentalisehe Früh- usw. als Violinvirtuose auf, wurde 1849 vom
lingsmusik (1675/76) und Anmutige zehn Herzog von Koburg-Gotha zum Kammervir-
vierstimm. Violdigamben-Spiele (168 I). Theo- tuosen ernannt, ließ aber trotz guten Er-
retischen Inhalts ist noch Unstruthia (Musi- folgs wieder von der Musik und trat I. Ok-
kalische Gartenlust 1687). Leider scheinen tober 1851 als Kadett in die österreichische
viele seiner Werke ganz verloren zu sein. Armee, wurde 1853 Leutnant und machte
Ahle, Joh. Rudolph, * 24. Dezbr. 1625 den italienischen Feldzug 1859 mit. Nach
und t 9. Juli 1673 zu Mühlhausen i. Th., dem Friedenschluß erwachte die Liebe zum
1646 Kantor in St. Andreas in Erfurt, 1654 Künstlerberuf aufs neue, er nahm seinen Ab-
Organist an St. Blasien zu Mühlhausen, da- schied, machte Kunstreisen durch Deutsch-
neben 1656 Ratsmitglied und 1673 sogar land und Holland und ließ sich 1862 in
Bürgermeister. Seine Hauptwerke sind: Berlin nieder, zunächst als Mitglied der Kgl.
Geistliche Dialoge (mehrst. Gesänge, 1648); Kapelle. 1868 wurde er Konzertmeister und
3-5 st. Kammersonaten Das dreijacheZehen, 1869 Lehrer an der Kgl. Hochschule für
(1654 [verloren?]); Geistliche Arien 1-5 st. Musik. A. war nicht allein ein guter Vir-
mit instr. Ritornellen, 5 Teile zu - je 10, tuose, sondern auch ein vortrefflicher Kam-
(1660-69); Chormusik 5 -8 st. Motetten mermusikspieler (mit dem J oachim- Quar-
mitB.c.(1668), Geistl.Chorstücke(1664, 5-8 tett).
v.), Geistliche . .. Andachten (zum Teil mit Ahner, Bruno, * 7. August 1866 zu Dres-
Ritornellen, 4 Teile 1662, 1664, 1668 und den, Schüler des dortigen Konservatoriums
[nachgelassen] 1673), Thüringischer Lust- (Rappoldi,Wüllner),Violinvirtuos; 1884Kon-
garten (3 Teile, 1657-65, geistliche Konzerte zertmeister in Frankfurt a. M., 1885 unter
mit 3-20 Vokal- und Instr.-Stimmen) nebst Mottl in Karlsruhe, 1893 in Schwerin, 1901
Nebengang (1663) und Musikalische Früh- unter Richter an der Wiener Hofoper, seit
lingslust 1-3 st. mit B. c., (1666), auch zwei 1902 an der Münchner Hofoper, zeitweilig
theoretische Werke: Compendium pro tenellis auch Führer eines Streichquartetts.
(1648; 2. Aufl. 1673 als: Brevis et perspicua Aibl, Josef, Musikverlag zu München,
introductio in artem musicam 3. und 4. Aufl. gegründet 1824, Inhaber von 1836-84
1690 und 1704 als: Teutsche kurtze und deut- Eduard Spitzweg (Freund H. von Bü-
liche Anleitung usw.) und De progressionibus lows) , dann dessen Söhne Eugen undOtto
consonantiarum (0. J .). Eine Auswahl seiner Spitzweg. Im Jahre 1888 wurden von
Gesangskompositionen gab Joh. Wolf in diesen sämtliche Verlagsrechte der Firma
denDdT. heraus (5. Bd. mit einem vollst. Falter & Sohn und im Jahre 1892 ebenso
Verzeichnis der Werke A.s.). Vgl. auch die der Firma Alfred Läuterer über-
Joh. Wolf, J. R. A. (Sammelb. der IMG. nommen. 1904 ging der Verlag an die
I, 3 [1902]). 64 Orgelstücke (Choralbearbei- Universal-Edition in Wien über.
tungen, Tokkaten, Präludien und Fugen) Aiblinger, J oh. Kaspar, * 23. Febr. 1779
von A. besaß handschriftlich E. von Werra. zu Wasserburg am Inn, t 6. Mai 1867 in
München; machte musikalische Studien zu
Ählström (spr. öl-), Olof, * 14. Aug. 1756, München und 1802 bei Sim. Mayr zu Ber-
t I!. Aug. 1835 als Organist an der Jakobs- gamo, lebte 1803-18II zu Vicenza, dann in
kirche zu Stockholm, veröffentlichte Klavier- Mailand als zweiter Kapellmeister des Vize-
sonaten und Violinsonaten sowie die Sam- königs, kehrte 1819 aus Italien zurück und
melwerke Musikaliskt Tidsjördrij und Skal- wurde bald darauf Maestro der italienischen
La destylken, die auch Lieder von A. selbst ent- Oper und 1826 Kapellmeister in München.
halten. Die Klavierbegleitung der Lieder 1833 war er wieder in Bergamo. Seine
C. M. Bellmans stammt von A. Kirchenkompositionen sind wertvoll(Messen,
Ahlström, Jakob Niklas, * 5. Juni 1805 Litaneien, Requiems, Psalmen, Offertorien,
zu Wisby in Schweden, t 14. Mai 1857 Marienlieder [Texte von Görres] usw.).
zu Stockholm, Komponist von Opern (Al- Weniger Glück hatte er mit der Oper
tred . der Gr?ße, Abu Hassan), Schauspiel- Rodrigo und Ximene (München 1821), dcr
musIken,' LIedern usw., auch Herausgeber Farsa La burla jortunata (I due prigionieri,
eines Musikal. Taschenbuches und einer Venedig 18II), und den Balletten La
schwedischen Volksliedersammlung (mit P. spada de Kennet, Bianca und I Titan i
C. Boman). (Mailand 1818-1819). Vgl. P. Hötzl,
Ahlström, Johann, Alfred, *I.Januar Zum Gedächtnis A.s (1867) und G. Görres ,
1833 und t 26. März 1910 in Stockholm ; Willkommen, ff8sungen dem Kapellmeister
Männergesangskomponist. K. A. von seinen Freunden (1843).
[De] Ahna, Eleonore, Schwester von XAich, Arnt von, Buchdrucker in Köln,
H. de A., * 8. Januar 1838 zu Wien, Schü- derI519 (?) ein vierstimmiges Liederbuch
lerin von E. Mantius, vortreffliche Sängerin mit 75 Stücken herausgab, alle anonym.
Riemann, MUBik·Lexikon. 11. Auf!. 2
18 Aichinger - Akademie.

Aichinger, Gregor, * 1564 zu Regens- hinterlassen und schrieb Connaissances pre-


H J~.tU" burg, t 21~ 1628 als D?mchorvlkar liminaires de l'harmonie (1813, 2. Auf!. 1839),
und Kanonikus an St. Gertrud III Augsburg, Sphere harnwnique (1827), Abecedaire mu-
157 8 Student in Ingolstad.t, trat als. Organist sical (1831, 11. Auf!. 1866).
an St. Ulrich und Afra III den Dlenst von Air (franz. und eng!., spr. Kr), Arie, Lied,
Jakob Fugger in Augsburg und machte ?Ielodie; .1. de danse. Tanzstück. In
15 84- 8 7 Studienreisen nach Italien (nach Suiten, ·Partiten, franz. Ouvertüren ist Air
Venedig zu G. Gabrieli und nach Rom). (.1. allegro, .1. andante, .1. presto usw).
Er ist einer der formreichsten und durch- häufig als überschrift von Sätzen, die
gebildetsten Meister der süddeutschen Schule keinem der Tanztypen entsprechen, aber
der zweiten Hälfte des 16. Jaluhunderts ; auch durchaus nicht gesangsmäßig angelegt,
der wenn er auch keine monodische jVIusik sondern rein instrumental erfunden sind.
ges~hrieben hat, dennoch von den Problemen Aird (spr. erd), James, :YIusikverleger in
der Ausdrucksmusik" bereits erfaßt war. Glasgow, t 1795, gab u. a. seit 1778 ein
A.s Hauptwerke sind: drei Bücher Sac~ae Sammelwerk heraus Selection 0/ Scotch,
cantiones (1. 1590 [4-IO v.J zu V~nedlg, English, Irish and joreignAirs (Heft 1-4);
II. 1595 [4-6 v.] zu VenedIg [dann 4 s t. zwei weitere Hefte brachte nach A.s Tode
Ricercari], III. 1597 [5-8 v.] zu Nürnberg), sein Geschäftsnachfolger J ohn M'Fadyen).
Cantiones ecclesiasticae 3-4 v. c. B. g. Heft I enthält zuerst das Yankee Doodlc.
(1607, mit deutscher Erklärung d.er General- Airs de differents auteurs, große Samm-
baßbezifferung [abgedruckt bel Metten- lung 2 st. Lieder französischer Autoren,
lei ter, Musikgeschichte der Oberpjalz S. 30]), welche die Finna Ballard von 1658 bis 1694
Cantiones 2-5 v. c. B. g. (1609), Fasct- in 38 Teilen herausgab.
culus sacr. harm. 4 v. (1606, mit 3 Ricercari), Airs.serieux et aboire. Recueil d', Titel
Lacrumae D. Virginis et Johannis 5-6 v. einer von der Firma Ballard in Paris, be-
(1604 u. ö.), Tricinia Mariana (1598), ginnend 1662 bis weit ins 18. Jahrhundert
Divinae laudes 3 v. (2 TeIle 1602[1609], hinein herausgegebenen großen Sammlung
1608), Sacrae Dei laudes (1609 2 Teile, ernster und heiterer Gesänge für 1-3
I. 2-8 v., II. 2-5 v. mit 5 Kanzonen), Stimmen mit Generalbaß von den ver-
Quercus Dodonea 3-4 v. (1619). Od~ria schiedensten französischen Autoren. V gl.
lectissima 4 et 3 v. (1601 [16II]), Ojjtctum Chansons.
angeli custodis 4 v. (1617), Ojticium pro Ajofrin s. Cancionero musical.
dejunctis 5 v. (1615), Missae 5 v. (1606), XAkademie hieß ein Platz im alten Athen,
drei 4-6st. Messen (1616), Magnijicat 5 v. auf welchem Platon seine Schüler versam-
(1603), Virginalia (Laudes V. M. 5 v. r607), melte und ihnen Vorträge hielt; der Name
Vulnera Christi 4 et 3 v. (1606-07), Sacra ging dann auf Platons Schule über und
officia 4 v. (1603), Teutsche Gesenglein 3v. wurde 1470 von einer am Hofe Lorenzos
(1609, 21 Kirchenlieder), Ghirlanda di ca~~ von Medici zu Florenz sich bildenden Ge-
zonette spirituali 3 v. (1603), Flores mustc! lehrten- und Dilettantengesellschaft neu
ad mensam 55. convivii 5 v. (1626, mit 2st. aufgegriffen, die sich Platonische .1. nannte.
Symphoniae) usw. Eine Auswahl der Werke Seitdem entstanden in Menge Gelehrten- und
A.s brachten die DTB. X. I (Kroyer, Künstlergesellschaften, die den Namen A.
mit ausführlicher Biographie und Verzeich- annahmen (.1 ccademia Pontaniana zu N ea-
nis der Werke). pel, A. della Crusca [1582], .1. degl' Elevati
Aigner,Engelbert, * 23. Febr. 1798 und [1607 ;VI. da Gagliano] und .1. dei Filarmonici
tI85I in Wien, Schüler.desAbtStadler, übe:-- in Florenz, A. dei Gelati [1588], .1. dei Con-
nahm seines Vaters EIsenhandlung, gab sIe cordi [16151, dei Filomusi [1622], A. dei Fila-
aber 1835 vorübergehend wieder ab und war schisi [I633] und.1. dei Filarmonici [1675] in
bis 1837 Ballettdirigent der Hofoper. 1842 Bologna, degli.1 rcadi in Rom, degli Occulti in
zog er sich ins Privatleben zurück. A. war Padua, degl' Erranti in Brescia, degl' Eccitati
als Kirchenkomponist geschätzt (Messen in Bergamo, degli Olimpici in Venedig, dei
[eine 4St. kanonische a cappella], Requiems, Filarmonici in Verona, dei Filomeli und
:\lotetten), schrieb aber auch Opern, Ope- Armonici intronati in Siena, degl' Intrepidi,
retten, Ballette und Kantaten. della M orte und dello Spirito Santo in
Aimo s. Haym. Ferrara usw.). Vg!. Rolland, Hist. dlt
Aimon(spr. among), Pamphile ~eopold l'opera S. 63ff. Die Mehrzahl dieser Aka-
Franyois, Komponist ,und Schnftsteller, demien waren zugleich Vereine für regel-
* 4. Sept. 1779 zu L Isle bel AVlgnon, mäßige 1Iusikaufführungen und stehen als
t 4· Febr. 1866 in Paris, . Schüler. s~ines solche in Parallele mit den Collegia musica;
Vaters, des Cellisten EsprIt A., d~nglerte daher ist in Italien accademia (spr.-demia)
bereits 1796 das Theaterorchester m Mar- noch heute s. v. w. Konzert. - Unsere
seille, ging 1817 nach Paris, wurde 1821 heutigen Akademien sind wissenschaftliche
Dirigent des Gymnase dramattque und Staatsinstitutionen, so die Akademien zu
1822 Kapellmeister des Thedtre Franfats, Paris und zu Beriin und Wien. Die Pa-
zog sich aber später zurück und WIdmete riser A. (Institut de France) zerfällt in
sich der Lehrtätigkeit. Mit seiner Bear- die .1 cademie jranfaise (A. fiir französische
beitung von Duni's La Fee Urgele (1821) Sprache und Literatur), die A. des inscrip-
hatte er großen Erfolg. A. hat za~llrei~he lions et belles-letlres (für Geschichte, Ar-
Kammermusikwerke und mehrere Smfomen chäologie und klassisehe Literatur), die:
Akademie - Akklamationen. 19
A: des sciences (für Naturwissenschaften), den in der Musik und öl/entliehen Musika-
dle A. des beaux-arts (A. der Künste) und lischen Akademien (Berlin 1752). V gl. auch
die A. des sciences morales et. politiques Grade (akademische).
(Rechte, Volkswirtschaft usw.). Die A. des Akathistos, Name einer der berühmtesten
beaux-arts ist reich dotiert und hat all- byzantinischen Hymnen zu Ehren der
jährlich eine Anzahl ansehnlicher Preise Mutter Gottes für die dreifache Befreiung
zu vergeben; die Musikwissenschaft ver- Konstantinopels von den Barbaren. Man
dankt den Preisaufgaben dieser A. manche schrieb diese Hymne dem Georg Pisides,
Förderung. Die Berliner A. der Künste Chartophylax der Hagia Sophia unter
ist eine staatliche Institution, zu deren Heraklios, und dem Patriarchen Sergios zu
Dependenzen die Akademischen Meister- (6IO-638), und sie soll 626 komponiert
schulen, die Hochschule für Musik und und zum erstenmal gesungen worden sein.
das Institut für Kirchenmusik gehören Ihr Thema ist das Mysterium der Ver-
(vgl. Konservatorium). Auch die Kgl. A. kündigung und der Inkarnation; den Namen
zu Brüssel hat eine Abteilung für die A. führt sie von dem Umstand, daß sie
Künste. In Boston besteht seit 1780 eine "nich t sitzend", also stehend gesungen
A. der Künste und Wissenschaften. Eine wurde. Der A. enthält 24 Strophen in
A. der Kunstwissenschaften besteht seit alphabetisch-akrostichischer Reihenfolge. In
1921 in Moska u; ihr Zweck ist das Studium der Liturgie wurde er für den Samstag der
der Künste vom soziologischen, psycho- 5. Fastenwoche bestimmt, der von ihm
logischen und philosophischen Standpunkt den Namen 2:.dßßa'lO" '[ou &"aifiu'(;ou VP"OiJ er-
aus. Die musikalische Sektion, erst unter hielt. V gl. Ollicio deU' 1 nno A catisto (Rom
Vorsitz von L. Sabanejeff (s. d.), jetzt 1903), ferner die Sammlungen von Pitra,
von G. Conus, besteht aus 12 Mitgliedern Christ und Paranikas, sowie Nilles,
und zerfällt in zwei Abteilungen, für Theorie Kalendarium Manuale 11.
und Geschichte der Musik. Bisher veröf- a Kempis s. Kempis.
fentlichte die Akademie ein Sammelwerk Äkerberg (spr.öker-), Erik Carl Emanuel,
Die Kunst, in dem sich auch wertvolle mu- * 19. Jan. 1860 in Stockholm, Kantor der
sikalische Beiträge befinden; ferner eine Deutschen Kirche (1889-92), Organist der
3 bändige Sammlung musikgeschichtlicher Synagoge(1890), 1895-1924 Musiklehrer am
Materialien. Der Akademie angegliedert ist Norrnralm-Gymnasium, sowie Dirigent der
die Assoziation lür zeitgenössische Musik. Philharmonischen Gesellschaft (1900-°3),
- Im weiteren Sinne versteht man jetzt des Bellmans-Chores (1889) u. a. Chorverei-
unter Akademien höhere Bildungsanstalten nigungen in Stockholm, komponierte größere
aller Art, besonders die Universitäten, dann Chorwerke (Pn'nsessan och Svennen, Törn-
aber auch Hochschulen für einzelne Fächer. rosas saga, Flygande H olländaren, Foran
Unter die Akademien dieser Art gehören Sydens Kloster, Der Barde, Skogsräet u. a.),
auch die Konservatorien (s. d.), von Orchester- und Kammermusikwerke, Kla-
denen indes nur wenige den Namen A. vierstücke und Lieder, auch eine Oper
führen (Royal Academy 01 Music in London, Turandot (19°7, nicht aufgeführt). Er
Kullaks Neue A. der Tonkunst in Berlin schrieb Das Musikleben in Par Bricole
[1885-90J, das Akademische Institut für (19 13).
Kirchenmusik zu Breslau, die A. der Ton- Akimenko, Feodor Stepanowitsch, *
kunst in München,. die A. für Musik und 20. Febr. 1876 zu Charkow, Schüler von
darstellende Kunst in Wien usw.). - Auch Balakirew (1886-95) in der Petersburger
Konzertgesellschaften (Singakademien!) und Hofsängerkapelle und von Rimsky-Kor-
Opernunternehmungen haben den Namen ssakow (bis 1900) am Petersburger Konser-.
A.angenommen. So war die A cademy 0/ vatorium, war einige Zeit Lehrer an der
Ancient Music (1710-1792) in London eine Hofsängerkapelle, lebte 1903-06 im Aus-
Konzertgesellschaft zur Pflege alter Musik, lande (Frankreich), dann in Moskau und
die A cademie (nationale, imperiale, royale, war seit 1915 Professor am Petersburger
je nach dem jeweiligen Regierungssystem) Konservatorium, wo er, nach einer Pariser
de musique zu Paris ist nichts andres als die Episode, noch heute wirkt. A. trat als
seit 1669 best.ehende Große Oper, von der Komponist hervor mit Orchestersachen
seinerzeit (1784) mit einer Operngesang- (Lyrisches Poem, Konzertouvertüre), Kam-
schule die Keime <les jetzigen Pariser mermusik (Streichtrio, Cellosonate, Violin-
Konservatoriums gelegt wurden, und die sonate), Klaviersachen, Liedern und Chören
Academy 0/ Music zu Neuyork ist sogar (über 60 Werke).
nur das Opernhaus, das überwiegend Akklamationen (griech. f:TCl(JJWJlT)UI, oder
Konzertzwecken dient. In München führen 7l(!OUrpW"T)Ulq) , ursprünglich Zurufe einer
noch heute die Abonnementskonzerte des Menge, die begrüßt oder beglückwünscht;
Staatstheater-Orchesters im Odeon den Na- ein Brauch, der, schon in vorchristlicher
men Musikalische A. Bekannt ist die auch Zeit üblich, von der Kirche aufgenommen
unter Händel blühende Italienische Oper wurde, wie z. B. Allelujah, Amen, Dominus
zu London unter dem Namen Academy. vobiscum, kyrie eleison.
Vgl. Cäcilia und Lyceum. Vgl. Al. Canob- Eine bestimmte Art der A. waren die
bio, Breve trattato ... sopra. le Academie Zurufe, die im Zirkus von den Blauen und
(Venedig 1571), J. C. C. Olrichs, Histo- Grünen dem byzantinischen Kaiser galten,
rische Nachricht von den akademischen Wür- und dann ins Hofzeremoniell übergingen.
2*
20 Akkompagnement - Akustik.

Da sie meist mit den Worten "Lange Zeit bringen (wenn auch evtl. in transponierter
lebe der Kaiser" üblich waren, werden sie Tonlage, die zu Anfang des 17. Jahrhunderts
auch Polychronion genannt. Später öfter durch alla quarta alta angedeutet ist).
werden diese A.. deren Musik vielfach Vgl. Instrumentalmusik.
erhalten ist, auch zur Begrüßung der Akkordion s. v. w. Ziehharmonika (s. d.).
Metropoliten und anderer hoher geistlicher Akkordpassage, s. v. w. Arpeggio, figu-
Würdenträger der griechischen Kirche kom- rierter Akkord, d. h. ein schneller Gang
poniert. Diese Sitte hat sich auf dem durch die Töne eines Akkords, im Gegensatz
Balkan und in Rußland bis zur Gegenwart zu den sich stufenweise fortbewegenden
erhalten. Vgl. H. 1. W. Tillyard, The Tonleiterpassagen .
A cclamations 0/ Emperors in: Byz. Ritual. Akoluthia, Name für die Anordnung des
Annual 0/ the Brit. School 0/ Athens, griechischen Gottesdienstes, entspricht dem
Nr.I8. abendländischen cursus und officium.
Akkompagnement (A ccompagnement, Akt (ital. Atto, span. Auto), s. v. w. Hand-
franz., spr. akongpanj'mang, ital. Accom- lung, gewöhnliche Benennung der Haupt-
pagnamento, "Begleitung") heißt in Stücken teile dramatischer Werke (Dramen, Opern,
für Soloinstrumente, oder Gesang der nicht Ballette, auch wohl Oratorien, für welche
solistische Instrumentalpart, bei Konzert- aber der Ausdruck Teil gebräuchlicher ist.)
stücken der Orchesterpart, bei Liedern mit Die einzelnen Akte des Bühnenwerkes wer-
Klavier der Klavierpart usw. Akkom- den durch Fallen des Vorhangs und eine
pagnieren, begleiten; Akkompagnateur längere Unterbrechung (Pause) voneinander
Akkompagnist), Spieler des Akkom- geschieden. Oftmals teilen sich die Akte noch
pagnements, besonders der Klavierspieler, in Bilder, d. h. Hauptszenen mit Dekora-
der einen Sänger oder Instrumentalsolisten tionswechsei, die durch kürzere Pausen und
begleitet. Im Generalbaßzeitalter (17. Fallen des Zwischenvorhanges geschieden
bis 18. Jahrhundert) hatte der Cembalist sind. Die Zahl der Akte variiert nur zwischen
oder Organist aus der bezifferten (oder auch I und 5, die der Bilder ist natürlich meist
nicht bezifferten) Baßstimme von Ensemble- größer. Vgl. Auto.
werken aller Art ein vollständiges A. zu l(Akustik (griech.), I) dem Wortsinne nach
entwickeln, was natürlich eine gründliche die Wissenschaft des Hörbaren, d. h. die
Schulung und große Schlagfertigkeit erfor- Lehre von der Natur des Schalles, den Be-
derte. Als um 1760 Joh. Schobert die dingungen seiner Fortpflanzung,sowie schließ-
Violinsonaten und Trios mit obligatem lich seiner Wahrnehmung durch das Ohr.
Klavier in Aufnahme brachte, bezeichnete Man unterscheidet physikalische A. und
er im Gegenteil die Streichinstrumente als physiologische A., welch letztere speziell die
akkompagnierende (oder ad libitum), um Lehre von den Schallempfindungen be-
die führende Rolle des Klaviers hervorzu- handelt. Die musikalische A. hat es nur
heben, was viele sofort nachahmten (z. B. mit einem Teile der Untersuchungen der A.
anfänglich auch Mozart). Eine besondere zu tun, nämlich mit denjenigen Arten des
Gattung bilden aber solche Werke mit Schalles, welche als musikalisch brauchbare
"akkompagnierenden" Streichinstrumenten Töne (Klänge) von den unmusikalischen Ge-
nicht, sondern sind der Anfang der wirk- räuschen unterschieden werden. Solche
lichen Klavier-Ensemblemusik. Vgl.H.Rie- Klänge geben I) Saiten, sowohl gestrichene
manns Einleitung zu der Mannheimer als gezupfte oder mit Hämmerchen ange-
Kammermusik (DTB. XV und XVI). schlagene; 2) Blasinstrumente (zu denen
Akkord (ital. accordo, engl. chord, v. lat. auch die menschliche Stimme gehört);
chorda, Saite), I) der Zusammenklang meh- 3) elastische Stäbe (Stimmgabeln, Stahl-
rerer Töne verschiedener Höhe; mit der Er- harmonika, Strohfiedel, chinesisches King);
klärung des Sinnes der verschiedenen mög- 4) gekrümmte Metallscheiben (Becken, Tam-
lichen Akkorde beschäftigt sich die Harmo- tam, Glocken); 5) gespannte Membranen,
nielehre (s. d.). Vgl. Durakkord, Moll- d. h. Häute (Pauken, Trommeln). Der musi-
akkord, Konsonanz, Dissonanz. - 2) franz. kalische Klang ist seiner physischen Be-
accord, Stimmungsweise (abweichende), s. schaffenheit nach ein regelmäßiger schneller
Scordatura. Accord a l'ouvert hieß ein A., Wechsel von Verdichtung und Verdünnung
der auf den älteren saitenreichen Streich- elastischer Körper (Schwingungen); von der
instrumenten, wie z. B. der Gambe, durch Geschwindigkeit der Folge, also der Zeit-
lauter leere Saiten hervorgebracht wurde. dauer (Periode) der Schwingungen hängt
- 3) Im 15.-17. Jahrhundert s. v. w. ein die Höhe, von der Größe (Amplitude) der
Chor von Instrumenten derselben Familie, Abweichungen aus der Gleichgewichtslage
aber von verschiedener Größe, auch ein die Stärke des Klanges ab. Die Schwin-
Stimmwerk genannt, z. B. ein Quartett von gungen des tonerregenden elastischen Kör-
Flöten oder Krummhörnern oder Posaunen pers teilen sich der umgebenden Luft mit
usw. Die meisten Instrumente wurden da- (oder vorher festen Körpern, die mit ihm in
mals in drei oder vier verschiedenen Dimen- Verbindung stehen; s. Resonanzboden), und
sionen und Tonlagen gebaut, so daß es mög- pflanzen sich in der Luft mit einer Ge-
lich war, ein- und mehrstimmige eigentlich schwindigkeit von 340 m in der Sekunde bei
für vier Singstimmen a cappella geschriebene einer Temperatur von 16° Celsius fort. Ge-
Tonstücke durch ein Ensemble von Instru- wöhnlich nimmt man indes für akustische
menten gleicher Gattung zur Ausführung zu Demonstrationen die Schallgeschwindigkeit
Akzent.

zu 1056 Fuß in der Sekunde an, welche Zahl Hervorhebung der auf den Taktanfang, die
für die Bestimmung der Tonhöhe als Fuß- Taktmitte oder die Einsatzzeit eines Takt-
ton (s. d.) einfache Zahlen ergibt. Die Zäh- teiles fallenden Schwerpunkte der Phrasen,
lung der Schwingungen ist heute mitHilfe Motive und Unterteilungsmotive (gramma-
der Sirene (s. d.) in Cagniards de la Tour tischer oder metrischer, regulärer Akzent).
verbesserter Konstruktion ein leichtes. Be- 2 ) Extraverstärkungen, welche den selbst-
sonders interessante Objekte der akustischen verständlichen Verlauf derdynamischenEnt-
Untersuchungen sind die Phänomene der wicklung (vgI. Ausdruck, D'ynamik und Mo-
Obertöne, desMittönens, der Kom bina- tive) stören, evtI. sogar vollständig auf den
tionstöne und der Schwebungen (vgI. die Kopf stellen, und welche der Komponist
betr. Artikel). Eine eigentliche Wissenschaft daher gewöhnlich durch besondere Zeichen
der A. existiert erst seit Anfang des 18.J ahrh., fordert (sf,',.). Ein besonders häufiger
wo Sauveur (s. d.) diesen Namen für seine und wichtiger A. ist der Anfangsakzent,
neuen Lehren aufstellte (vgI. Vierteljahrs- die Hervorhebung der ersten Note einer
schr. f. MW. 1892, S. 533ft). Zur Einfüh- Phrase oder eines Motivs; er dient in her-
rung in die Probleme der Akustik sei auf vorstechender Weise der Klarlegung des
H. Riemanns Handbuch der Musikwissen- thematischen Aufbaues, doch wirkt seine
schaft (Akustik) (3. AufI. 1921) und Grund- fortgesetzte Anwendung, wo die Zeichnung
riß der Musikwissenschaft (3. Aufl. 19I8) hin- ohnehin klar ist, aufdringlich. Gewisse
gewiesen, für eingehendere Studien auf rhythmische Bildungen, besonders die syn-
Heimholtz' Lehre von den Tonempfindun- kopischen Antizipationen von Tönen,
gen (5. Aufl. I896); FI. Fr. Chladni, Die A. deren volle harmonische Wirkung erst auf
(I802); Fr. Zamminer, Die Musik und die dem nachfolgenden guten Taktteil zur Gel-
musikalischen Instrumente (Gießen I 8 55) ; tung kommt, verlangen Akzentuation
J. ZeHner, Vorträge über A. (1892, 2 Bde.); (rhythmischer A.); desgleichen müssen
P. Blaserna, Die Theorie des Schalles in komplizierte Harmonien, auffällige Disso-
Beziehung zur Musik (I876); C. Stumpf, nanzen, Modulationsnoten u. s. t her-
Tonpsychologie (Bd. I-2, 1883, I890); C. vorgehoben werden (harmonischer A.).
Stumpf, Beiträge z. A. u. Musikwissen- Endlich sind auch oft die Spitzen der Melo-
schaft (seit 1898, bisher 8 Hefte) ; J. Tyndall, die, wo sie nicht ohnehin durch ihre Stel-
Der Schall (deutsch von Heimholtz und Wie- lung im Takt mit den Höhepunkten der dy-
demann, 3. AufI. 1897); A. Jonquiere, namischen Entwicklung zusammenfallen,
Grundriß der Musikalischen A. (I898); verstärkt zu geben (melodischer A.). Eine
R. Klimpert, Lehrbuch der A. (1904-07, Art negativen Akzents ist nach voraus-
4 Bde., der 4. Band über A. in Konzert- und gehendem crescendo die Ersetzung des Höhe-
Hörsälen); H. Starke, PhysikatischeMusik- punkts der Tonstärke durch ein plötzliches
lehre (1908); Ludwig Riemann, Popu- piano, ein Mittel, dessen bereits von J oh.
läre Darstellung der A. in Beziehung zur Stamitz gefundene faszinierende Wirkungen
Musik (I896); F. Auerbach, Artikel A. in besonders Beethoven zur Geltung gebracht
Winkelmanns Handbuch der Physik II, mit hat (sog. Beethovensches piano). - 3) Eine
weiteren Literaturnachweisen ; d e rs e I b e, früher durch besondere Zeichen geforderte,
Die Grundlagen der Musik (I9II); K. L. heute veraltete, unserm Vorschlag ent-
Schäfer, Musikalische A. (SammI.GÖschen, sprechende Verzierung, durch welche der
2. AufI. I9I9); Wood, The Physical Basis Note, vor welcher das Zeichen des Akzents
of Music (Cambridge 1913). Franz Aigner, stand, ihre Ober- und Untersekunde, wie sie
Unterwasserschatltechnik (submarine A.) in die Tonleiter enthält, vorausgeschickt wurde:
Theorie u. Praxis (1922). VgI. Tonpsycho-
f*H isr
a) b)

1ft 1<[ 1-- r IJ$;;


logie. -2) A. eines Saales, einer Kirche, gute,
schlechte A. (Bildung "stehender" Wellen,
Reflexions- [Echo-] Erscheinungen, zu starke
Dämpfung u. a.). Leider ist es noch nicht Doch herrscht bei den Autoren keine überein-
gelungen, untrügliche Prinzipien für eine stimmung im Gebrauch der Zeichen für den
gute A. zu finden, und besonders die Kon- A., vielmehr werden sie bald so, bald so ver-
struktion großer Räume stößt immer wieder standen, und die Benennungen A., Chute,
auf unerwartete akustische übelstände. V gI. Port de voix als gleichbedeutend gebraucht.
A. Eichhorn, Der akustische Maßstab tür Die älteren Klavierwerken beigegebene Table
Projekt bearbeitungen großer Innenräume des agrements (Erklärung der Verzierungen)
(1899); Sturmhöfel, Die A. des Bau- ist deshalb nichts weniger als überflüssig.
meisters (2. AufI. I898); Orth, Die A. großer VgI. auch Aspiration. - 4) Der Umstand,
Räume (1872); Lachez, Acoustique et opti- daß die erhaltenen Reste antiker grie-
que des salles de reunions (2. AufI. 1879); chischer Musik Silben, welche durch den
Fanaro, L'acustica applicata (1882); Joh. A ccentus acutus als hochtönige charakteri-
Biehle, Theorie des Kirchenbaues vom Stand- siert sind (6~vrovol), durch Ausbiegung der
punkte des Kirchenmusikers (Wittenberg Melodie nach oben auszeichnen, legte den
1913); derselbe, Raum und Ton (Beitr. Gedanken nahe, daß die Neumen (s. d.) au~
zur handschr. Riemann-Festschrift 1919), so- den Akzenten hervorgegangen seien. In den
. wie Biehles weitere Schriften; Eugen M ic hel, ältesten. bekannten Formen der byzan-
Hörsamkeit großer Räume (I921). tinischen Notenschrift (10. Jahrhundert)
Akzent (Accent, lat. Accentus). 1) Die finden wir aber die sprachlichenAkzente neben
22 Akzentuierende Dichtung - Alban.

den bestimmt steigende und fallende Inter- Soli und Orchester Attollite portas. Seineprak-
valle fordernden Notenzeichen mit der Be- tische Tätigkeit eröffnete er als Dirigent
deutung stärkeren Gewich ts (betonte, gute der Vereine Societa Guido Monaco in Livor-
Zeiten), und die Abhängigkeit der Melodie- no (1908) und Augusteo in Rom (I9IO) und
führung von den Akzenten ist nicht mehr wirkte I907-lI als Lehrer an dem von
erweisbar. Vgl. Byzantinische Musik. über Mascagni geleiteten Konservatorium in Rom, "

Akzent-Tonschriften vgl. J ohannes Wolf, dann als Lehrer für Musikgeschichte und "

Handbuch der Notationskunde I, 61 ff. Ästhetik am Liceo di S. Cecilia. Er ist Kri-


Akzentuierende Dichtung nennt man die tiker am Lavoro d' Italia und der Rassegna
Silben wägende, nicht lange und kurze, son- italiana in Rom. Schriften: Studi su la
dern schwere (akzentuierte) und leichte (ak- storia deli' oratorio musicale in I talia (Turin
zentlose) Silben unterscheidende Versbil- 1908); Le Laudi spirituali ital. nei secoli
dung, welche, wie es scheint, der hebräischen XVI et XVII, e il loro rapporto coi cantt: pro-
Sprache ursprünglich eigen, durch die Bibel- fani (RMI. 19°9); I nuovi orizzonti delta
übersetzungen in den ersten Jahrhunderten tecnica musicale (id. I9lI); L'Armonia mo-
des Christentums Eingang in die bis dahin dernissima: te tonaNta neutre e l' arte di stu-
skandierende (Silben messende) grie- pore (id. I9lI); Linguaggio materno e uma-
chischePoesie und weiter auch in die la tei- nita musicale ("Harmonia", Rom 1914);
nische fand (die aber vielleicht vor dem Illibro d'oro del musicista, 3. Aufl.,Rom 1923,
griechentümelnden augusteischen Zeitalter ediz. musicali Palestrina; Educazione musi-
selbst schon akzentuierend gewesen ist), und cale dei popolo e sua organizzazione nelta
weiterhin in die Dichtung der romanischen scuola e nella vita cittadina (Turiner Kongreß
Völker. Die germanischen Dichter haben 1921, veröffentlicht im Kongreßbericht).
wohl niemals skandiert. Da sowohl das grie- Musikwerke: lvJirra, Oper in 2 Akten und
chische Altertum als das ganze Mittelalter einem Intermedium, nach Vittorio Alfieri,
die Rhythmik in den Gesängen nicht be- Rom, Costanzi 1920; Albe, 6 Gesänge; M elo-
zeichnete (vgI. Griechische Musik, Byzanti- die Pascoliane (18 Gesänge, in mehrere Fol-
nische Musik, Gregorianischer Gesang, Cho- gen gegliedert: Creature, Marine, Canti di
ralrhythmus, Troubadoure, Minnesänger, neve e di primavera, Brividi, Meteore); Canti
Meistersinger), so ist natürlich eine richtige di Maggio, 6 Gesänge; La Citta Fiorita,
Erkenntnis der leitenden Prinzipien der 5 impronte (Stigmata) f. Kl., 2 Canzoni ita-
Versbildung die Vorbedingung für die Re- liane f. Str., Harfe, Cel. und Pauken; 4 Can-
konstruktion der Rhythmik der antiken und zoni italiane f. Str., Harfe und Bläser; 4 Lau-
mittelalterlichen Melodien. Noch immer ist di italiane f. Str., 3 Flöten und Blechbl.;
der Streit über diese Fragen ein ziemlich 6 Canzoni italiane f. Streichquartett; Canto
lebhafter (vgl. die Literatur zu den oben ge- det!' amore, Il tramonto f. 4 st. Männerchor;
nannten Artikeln). 2 "Canti" f. Orchester; "Fiori" (4 "Farben-
Akzidentalen (Akzidentien), s. v. w. studien ") f. Orchester; Requiem pro de-
Versetzungszeichen (s. d.). Vgl. Musica functo rege f. 4 St. usw.
ficta. Alard (spr. alär), Delphin, Violinist,
Alabjew (Aljabjew), Alexander Alexan- * t
8. März 1815 zu Bayonne, 22. Febr. 1888
drowitsch, * 15. Aug. 1787, t 6. März 1851, in Paris, Schüler des Pariser Konservato-
schrieb (zum Teil mit Werstowski, Wielhorski riums (Habeneck) und 1843-75 an dieser
und Maurer) Musik zu Liederspielen von Anstalt Violinprofessor als Nachfolger Bail-
Chmelnitzki (Der Dorfphilosoph u. a.), sowie lots, 1858 erster Solist der kaiserlichen Ka-
mehrere Opern (Die Mondnacht oder Die pelle, einer der berühmtesten Geiger Frank-
Hausgeister und Der Gefangene im Kauka- reichs und ein vorzüglicher Lehrer (Sarasate
sus ), die seinerzeit enormen Beifall fanden. war sein Schüler). A. hat eine große Anzahl
Von den III Liedern und Romanzen A.s von Violinkompositionen (Phantasien über
(Neuausgabe von P. Jürgenson in Moskau) Opern- und Originalthemen, Konzerte, Etü-
sind einige (Die Nachtigall) noch populär; den, Duos für Klavier und Violine usw.), so-
sie verraten den Einfluß Schuberts und ent- wie eine ausgezeichnete, ins Spanische, Ita-
halten für ihre Zeit überraschende harmo- lienische und Deutsche übersetzte Violin-
nische Kühnheiten. Vgl. G. Timofejew, schule und eine Anthologie Die klassischen
A. A. (1912, russisch). Meistel' des Violinspiels (enthaltend Sonaten
Alala, spanische (galicianische) Volks- u. a. von Corelli, Leclair, Gavinies, Chabran,
weise mit lang ausgehaltenem Schlußton. Barbella, Manfredi, Locatelli, N ardini, Por-
VgI. F. Pedrells Cancionero Mus. Pop. pora, Pngnani, Joh. Stamitz, Tartini usw.)
Esp. Band II. herausgegeben.
*
X Alaleona, Domenico, 16. Nov. 1881 Alba, Alonso de, span. Komponist des
in Montegiorgio (Piceno), widmete sich seit 15. Jahrhunderts, s. Cancionero musical.
seiner frühesten Kindheit der Musik und Alban, Ma tthias (Albanus), vorzüglicher
erhielt seine erste Ausbildung von Musikern Geigenbauer, Schüler von Jak. Steiner, im *
seiner Vaterstadt, dirigierte 1901 die Stadt- (getauft 28.) März 1621 zu St. Nikolaus
kapelle, machte dann weitere Studien am in Kaltem (überetsch), t 7. Februar 1712
Liceo di S. Cecilia in Rom (Cesare De Sanctis in Bozen. Instrumente von ihm aus den
[Komposition], Alessandro Bustini[Klavier] , Jahren 1702-09 werden fast den Amati
Remigio Renzi lTheorie]). Bei der Schluß- gleichgestellt. Auch seine Söhne Michael
prüfung 1906 dirigierte er sein Chorwerk mit (1677-173° in Graz [GraeciiJ) und J oseph
Albanesi - Albert. 23
(1680-17-22 in Bozen) waren angesehene (The Magic Opal, London 1893, Enrico
Geigenbauer. Um 1750 arbeitete auch ein Clijjord, I894, Trilogie King Arthur [Merlin,
J oseph An ton Al ban in Bozen. Lancelot, Ginevra] I897-I906, Pepita Ji-
AlbaJlesi, Carlo, Sohn von Luigi A., menez [Karlsruhe 1905], San Antonio de
* 22. Okt. 1856 zu Neapel, t 21. Sept. 1926 la Florida usw.). Er war der erste, der -
in London, Klavierschüler seines Vaters, ohne unmittelbar auf spanische Volks-
in der Komp. Schüler von Sabino FaIconi; musik zurückzugreifen - sich an spanischer,
früh in der Öffentlichkeit, 1878 in Paris, insbesondere andalusischer Rhythmik derart
seit 1882 dauernd in London, wo er 1893 inspirierte, daß er als Begründer der national-
Lehrer an der RAM. wurde. Ritter der spanischen Kunstmusik gelten muß. Seine
ital. Krone. Werke: Orchesterstücke ; Streich- Hauptbedeutung beruht auf seinen Klavier-
quartett, KI.-Trio; 6 Kl.-Sonaten, I2 Pre- stücken : Chants d' Espagne (5 Stücke);
ludi, insgesamt ca. 50 opera verschiedenster Espaiia (6 Albumblätter) ; Suite espaiiola
Art. (8 Stücke); Pt'ezas characterist2'cas( 12 Stücke);
Albanesi, Luigi, Pianist und Komponist, S eis Danzas Espaiiolas; Suite A ncienne ;
* 3. März 1821 zu Rom, t 4. Dez. 1897 in Deuxieme Suite Ancienne; Yvonne en visite;
Neapel, schrieb Messen, Motetten, Orato- Iberia-Suite (I2 nouvelles impressions, in
rien (7 Worte am Kreuz) und viele in Italien 4 Heften); La Vega; Albaicin. Hinter-
geschätzte Klaviersachen. lassene Werke, beendigt von Deodat de
Albani, Emma (Lajeunesse, Bühnen- Severac und Enriq ue Granados: Azulejos;
name A.), berühmte dramatische Sopran- Navarra. Vgl. Condesa de Castella.,
sängerin, * I. Nov. 1852 zu Chambly bei Suite Iberia und Henri Collet, A. et Gra-
Montrt'al, sang zuerst öffentlich in der Kirche nados (1925).
zu Albany (Neuyork), bildete sich weiter Albeniz (spr. -niill), Pedro, spanischer
unter Duprez in Paris und Lamperti, und Mönch, * 1755 in Biscaya, t 1821 zu San
debütierte 1870 zu Messina in der N acht- Sebastian, war Kapellmeister der Kathe-
wandlel'in, sang dann einige Zeit an der Per- drale zu San Sebastian, wo er 1800 eine
gola zu Florenz, 1872 zuerst in der Italie- Musiklehre herausgab, die von den Spaniern
nischen Oper zu London (Covent Garden), sehr geschätzt wurde. Eine große Anzahl
wo sie nun bis auf Gastspiele in Paris, Peters- Messen. Motetten, Villancicos usw. machten
burg, Amerika usw. dauernd eine Haupt- ihn auch als Tonsetzer in seiner Heimat
zugkraft blieb, seit 1878 vermählt mit dem berühmt.
Pächter des Covent Garden-Theaters, Er- [d'}Albergati, Pirro Capacelli, Conte,
nest Gye. Frau A. war auch als Oratorien- * 20. Sept. 1663 zu Carrati, t 22. Juni 1735
sängerin geschätzt (Solistin vieler Musikfeste in Bologna, schrieb Oratorien (Il convito
Englands) und dazu eine gute Klavierspiele- di Baldassaro, S. Eujemia, S. Catarinll;,
rin. 1906 verließ sie die Bühne, 191 I den S. Eustachio), Kirchenmusik (Messa e
Konzertsaal. I9II gab sie in London heraus: Salmi concertati I687, M otetti ed antijone
E. A., 40 Years oj Song (Memoiren). delta B. V. a voce sola c. istr. I69I, Cantate
Albeniz(spr.-nitß).[ A. y Basan ta]Pedro, spirituali I-3 v. c. istr. I702, Cantate ed
Altmeister des modernen Pianofortespiels in oratori spirit. I7I4, Hinno ed Antijone I7I5,
Spanien, * 14. April 1795 zu Logroiio (Mio- lVI otetti Gon il responsorio di S. A ntonio
ja), t 12. April 1855 in Madrid; Schüler I7I7, Corona de preghi di Maria I7I7,
seines Vaters und von H. Herz und Chr. Messa, Litanie, Tantum ergo a 4 I72I),
Kalkbrenner in Paris, wurde 1830 Klavier- auch Instrumentalwerke (Pletro armoniGo
professor an dem neugegründeten KgI. I687, 2 V. e B. c.; Balletti, Correnti, S ara-
Konservatorium zu Madrid, 1834 Hoforga- 'bande e Gighe a V. e Vne, V. 2 0 ad lib. I685),
nist und Musiklehrer der Infantinnen, über- sowie XII Cantate da camera a VOGe sola
häuft mit Ehren aller Art. Eine große Zahl co I. B. c. (1687) und Cantate morali a VOGe
Klavierkompositionen (Variationen, Rondos, sola (1685).
Phantasien, Etüden usw.) erschienen im Albert, Prinz von Sachsen-Koburg-
Druck, auch eine am Konservatorium zu Gotha, * 26. Aug. 1819, seit 1840 Gemahl
Madrid eingeführte Klavierschule (1840). t
der Königin Viktoria von England, 14. Dez.
Albeniz (spr. -niill), Jsaac, bedeutender 1861; war ein eifriger Pfleger und Beschützer
Pianist und Komponist, * 29. Mai 1860 zu der Musik und hat selbst viele Gesangs-
t
Camprod6n (Prov. Gerona), 16. JuniI909 zu werke (Messen, eine Oper Hedwig von
Cambo(Pyrenäen), war als 6 jähriger Wunder- Linden [London 1840], Lieder usw.) kom-
knabe Schüler von Marmontel in Paris, poniert. Vg!. Th. Martin, The Lije oj
machte dann nach längeren Konzerttouren in Albert usw. (deutsch von E. Lehmann
Amerika und Europa geregelte Studien am 1876-81, 5 Bde.).
Brüsseler Konservatorium (Louis Brassin, Albert, Heinrich, * 8. Juli 1604 zu
Dupont, Gevaert), um dann aufs neue das Lobenstein in Reuß, t 6. Okt. 1651 zu
wandernde Virtuosenleben fortzusetzen. A. Königsberg in Pr., absolvierte das Gym-
war kg!. span. Hofpianist. Als Komponist nasium in Gera, ging 1622 zu seinem Vetter
trat er zuerst mit Klaviersachen auf, die er Heinrich Schütz (s. d.) nach Dresden,
in seinen Konzerten vortrug, weiter mit mußte aber auf Wunsch seiner Eltern die
Liedern, einem Oratorium Christus, Klavier- bei Schütz begonnenen Musikstudien ab-
suiten Iberia und Catalonia, in der Folge brechen und in Leipzig Jura studieren.
aber besonders mit Zarzuelas und Opern 1626 ging er nach Königsberg in Pr., reiste
24 Albert - Alberti.

mit einer holländischen Gesandtschaft nach von monumentaler Kraft, Größe und Vir-
Warschau, wurde von den Schweden ge- tuosität in der ersten Reihe, hat aber den
fangen genommen und kehrte erst 1628 Schwerpunkt seiner Tätigkeit seit langem
nach mancherlei Leiden nach Königsberg in die Komposition, vor allem die Opern-
zurück. 1630 erhielt er die OrganistensteIle komposition verlegt; als die charakte-
am Dom und nahm nun unter Stobäus die ristischsten und erfolgreichsten Werke seien
Musikstudien wieder auf. A. war nicht erwähn t: das graziöse Spieloperehen Die
nur ein vortrefflicher Musiker, sondern auch Abreise; Tiefland - das etwa den italienischen
Poet, und die Mehrzahl seiner Liedertexte Verismus ins Deutsche transponiert und
rührt von ihm her (viele von Simon Dach, durch seine schlagende melodische Erfindung
seinem Zeitgenossen und Freunde). Seine wirkt, und Die toten Augen, in denen der
Arien (8 Teile 1638-50 ldie ersten 7 Teile gleiche Stil sich bereits etwas vergröbert.
mehrfach aufgelegt bzw . nachgedruckt], Er schrieb: Klavierkonzerte H moll op. 2
in Neuausgabe von Ed. Bernoulli als und E dur op. 12, Cellokonzert C dur op. 20,
Bd. 12-13 der DdT. mit Vorwort von Ouvertüren Esther op. 8 und Hyperion, Sin-
Hermann Kretzschmar), sind teils ein- fonie F durop. 4, Orchestersnitein 5 Sätzenop.
stimmige, teils mehrstimmige Gesänge, 33A schenputtel (1924), Klaviersuiteop. I, Kla-
Lieder und Choräle. Außerdem veröffent- viersonate Fis moll op. 10, Klavierstücke
lichte er Kürbshütte (1645), eine aus 12 op. 32, Streichquartette A moll op. 7 und
Terzetten bestehende Kantate. Ein Sing- Es dur op. Ir, Lieder (4 Gesänge für Sopran
spiel Prussiarchus (Sorbuisa) vom Jahre mit Orchester op. 24), das 6st. Chorwerk Der
1645 zur 100jährigen Jubelfeier der Uni- Mensch und das Leben op. 14. Die Liste seiner
versität Königsberg ist nicht erhalten, von Opern lautet: Der Rubin (Karlsruhe 1893),
einem zweiten Cleomedes auch nur einige Ghismonda (Dresden 1895), Gernot (Mannheim
Arien und Gesänge (Text von Simon Dach). 1897), Die Abreise (Frankfurt a. M. 1898),
- A.s herkömmliche Charakterisierung als Kain (Berlin 1900), Der Improvisator (Berlin
"Schöpfer des neuen deutschen Liedes" 1900), Tiefland (Prag 19°3, sein weitaus
trifft nicht den Kern der Sache. Er sucht erfolgreichstes Werk), Flauto solo (Prag
vor allem die italienische Monodie mit 1905), Tragaldabas (Der geborgte Ehemann,
Generalbaß auf deutschen Boden zu ver- Hamburg 1907), Izeyl (Hamburg 19°9),
pflanzen, wobei sein Ideal das "durch- Die verschenkte Frau (Wien 1912), Liebes-
komponierte" Lied war, das reiches Ein- ketten (Dresden 1912), Musik zu Roda Rodas
gehen auf Wortmalerei gestattete. In den Lustspiel Die Sklavin von Rhodos (München
späteren Heften seiner Arien mußte er sich 1912), Die toten Augen (Dresden 1916),
aus Gründen des äußeren Erfolgs wieder Der Stier von Olivera (Leipzig 1918, Text
dem mehrstimmigen Satz zuwenden. Obwohl von R. Batka nach Lilienfeins Drama),
A. also kein eigentlicher Liedkomponist war Revolutionshochzeit (Leipzig 1919), Scirocco
und auch nicht sein wollte, nimmt die deut- (Darmstadt 1921) Mareike von Nymwegen
sche Liedbewegung mit den Namen Voigt- (Hamburg 1923), De1' Golem (Frankfurt
länder, Adam Krieger, Dedekind, Hammer- 1926). Hervorzuheben sind auch d'Alberts
schmid, J. W. Franck zweifellos von ihm Kadenzen zu Beethovens G dur- Konzert,
ihren Ausgang; sie kommt nur in dem seine Klavierbearbeitungen Bachscher Orgel-
hundertjährigen Kampf mit der vorneh- werke (Passacaglia) und seine Ausgabe des
meren Arie nicht zur vollen Geltung. Wohltemperierten Klaviers (1906-°7) und
Albert, Heinrich, * 16. Juli 1870 zu der Inventionen, auch ist oder war er an der
Würzburg, 1883-88 Schüler der dortigen Redaktion der Gesamtausgabe der Werke
Musikschule (Schwendemann, Ritter, Mayer- Liszts beteiligt. 1892-95 war er mit Teresa
Olbersleben), 1888-95 als Violinist im Carrefio (s. d.), 1895 -19II mit der Sängerin
Theater- und Konzertorchester zu Duisburg, Hermine Finck (s. d.) und 19II-1912
Göteborg, Würzburg, Majorenhof (Rußland), mit Ida Theumann verheiratet.
Regensbllrg, Pyrmont, Kissingen, St. Gallen,
Ragaz und Interlaken tätig, 1895- 1900 im )( Alberti, Domenico, * ca. 1717 in
Münchener Kaimorchester. Seitdem wirkt Venedig, t ca. 1740, ein begabter Musik-
er als eminenter Spieler der Gitarre solistisch freund, Sänger und Klavierspieler, trat
und pädagogisch in München (1909 Kammer- auch mit Erfolg mit eigenen Kompositionen
virtuos). A. gab heraus: eine kleine Lauten- auf (Opern, Motetten) und steht mit seinen
schule, Mandolinenschule, eine vierteilige 8 Klaviersonaten (London, J. Walsh) als
Gitarreschule, sowie eine Menge Lied- und Mitbegründer des hyperhomophonen Kla-
Kammermusik mit Gitarre. vierstils da (vgl. Albertische Bässe).
[d'] Albert spr. dälb-är), Eugen, * 10. damerDas Werk erschien 1761 in einem Amster-
April 1864 zu Glasgow als Sohn des Tanz- Nachdruck unter dem Namen seines
komponisten Charles d'A. (* 25. Febr. 1809 Schülers Gius. J ozzi. 21 einsätzige Sonate
zu Nienstetten bei Altona, t 26. Mai 1886 d'intavolatura (zum Teil identisch mit den
zu London), begann seine 'Studien unter gedruckten) sind als Ms. im British Museum
Ernst Pauer in London und setzte sie in erhalten.
Wien unter Hans Richter und besonders Alberti, Giuseppe Matteo, * 1685 zu
in Weimar unter Liszt fort. In Weimar Bologna, angesehener Instrumentalkompo-
war er 1895 kurze Zeit Opernkapellmeister. nist: Concerti a V. di concerto, 2 V. VIa.
Als Pianist stand d' A. einst als ein Spieler V c. e B. c. op. I 1713 (in Bologna, Amster-
Alberti - Albrecht. 25
dam und London gedruckt !), 4st. Sinfonie armonici per camera a V. e B. c., op. 6.
op. 2 und Violinsonaten op. 3, 1720. J. S. Bach schrieb drei Fugen (in A dur,
Alberti, J oh. Friedrich, * II. Jan. 1642 F moll und H moll) über Themen von A.
zu Tönning (Schleswig), t 14. Juni 1710 Albinus, Caeioni us R ufus, römischer
zu Merseburg; studierte Theologie, dann Schriftsteller über Musik, der von Cassiodor
unter W. Fabricius in Leipzig und Vinc. und Boetius (5.-6. Jahrhundert n. Chr.)
Albrici in Dresden Musik, wurde Dom- zitiert wird, dessen Compendium de musica
organist zu Merseburg, mußte aber 1698 aber nicht erhalten ist.
infolge eines Schlagflusses sein Amt nieder- Albinus, Flaccus, s. Alcuinus.
legen. A. genoß als Komponist von Kirchen- Alböni, Marietta, berühmte Altistin,
sachen und gelehrten Kontrapunkten großes * 10. März 1823 zu Cesena (Romagna)
Ansehen. (sie selbst behauptet, am 6. März 1826
Albertini, Michael, genannt Momo- in Cittä. di Castello geboren zu sein),
letto, berühmter Kastrat zu Anfang des t 23. Juni 1894 in Ville d'Avray bei Paris,
18. Jahrhunderts am Kasseler Hofe, wo Schülerin der Mme. Bertolotti und Rossinis
auch seine Schwester Giovanna Mar- zu Bologna, debütierte 1843 zu Mailand als
tinelli, genannt La Romanina, als Orsini in Lucrezia Borgia von Donizetti,
erste Sängerin glänzte. versetzte 1847 London und Paris in Ekstase,
Albertische Bässe heißen im Klavierstil machte 1853 einen Triumphzug durch Nord-
nach Domenico Alberti (s. d.) fort- und Südamerika und vermählte sich am
gesetzte gleichartige Akkordbrechungen für 21. Juli 1855 mit einem Grafen Pepoli, trat
die linke Hand als Begleitung einer von aber bis zu dessen Tode (1866) noch bis-
der rechten Hand gespielten Melodie, wie weilen öffentlich auf. 1877 ging sie eine zweite
sie besonders durch viele Sätze Mozartscher Ehe mit einem französischen Offizier Zieger
?9naten jedermann bekannt sind. ein. VgL E. Aclocque, M. A. (1848),
XAlbicastro, Henrico (eigentlich Wei- und A. Pougin, M. A. (3. Auflage 19 12,
ßenburg, daher auf den Titeln seiner zwei Aufsätze). .
Werke als D. H. W. abgekürzt), Schweizer Albrecht, Herzog von Preußen (1525),
von Geburt, machte den spanischen Erb- * 16. Mai 1490, t 20. März 1568 zu Tapiau,
folgekrieg (1701-14) mit und gab in Amster- der Begründer der Universität Königsberg
dam bei Et. Roger eine stattliche Reihe (1544), legte auch den Grund für die Ent-
Kammermusikwerke heraus (Triosonaten wicklung der Musik am preußischen Hofe
op. I, 4, 8, Violinsonaten mit Continuo op. (die Brüder Kugelmann). VgL die Arbeiten
2, 3, 5 und Concerti a 4 op. 7. Eine Violin- von Alb. Maver-Reinach über die Königs-
sonate in A moll von A. hat G. Beckmann berger Kapelle.
1921 herausgegeben. VgL Karl Nef in: Albrecht, Eugen Maria, Sohn von
Schweizer. Musikzeitung, 14. Nov. I925. *
Karl A., 16. Juli 1842 und -r 9. Febr. 1894
Albini, Eugenio, itaL Violoncellist, * 26. in Petersburg, war 1857-60 Schüler des
April 1880 zu Saludecio bei Rimini, Schüler Leipziger Konservatoriums (Hauptmann,
von Francesco Serato am Liceo Mus. zu Brendel, David, Dreyschock), trat 1860 als
Bologna, das er 1901 mit Auszeichnung Violinist ins Orchester der italienischen Oper
verließ; dann - nach einigen Jahren zu Petersburg ein und erregte Aufmerk-
Orchesterpraxis - von H ugo Becker in samkeit als Solist und Kammermusik-
Frankfurt a. M. Nach ausgedehnten Kon- spieler. 1871 wurde er zum Musikinspektor
zertreisen ließ er sich in Rom nieder, wo aller Kaiserlichen Orchester in Petersburg
er alte und moderne Kammermusik pflegt. ernannt, 1884 ins Ausland gesandt, um
Er ist auch ein ausgezeichneter Gamben- die Einrichtung ausländischer Orchester zu
spieler. Schrieb: Violoncell-Stücke und studieren (vgL seine Broschüre Die Ver-
Bearbeitungen, ferner: Beethoven e le sue gangenheit und Gegenwart des Orchesters,
cinque sonate per violoncello (Turin 1923). russisch 1886). 1892 wurde ei Bibliothekar
Albini, Felix, * 10. Dez. 1869 zu Zupanje der Kaiserlichen Theater. A. gründete
(Slawonien), in Graz ausgebildet, Direktor 1872 mit Hildebrant und Gille den Peters-
des Landestheaters zu Agram, Komponist burger Kammermusikverein und war 1881
der Oper Maricon (Agram 1901) und der bis 86 Vorsitzender der Philharmonischen
Operetten Der Nabob (Wien 1905), Madame Gesellschaft. Er veröffentlichte eine Reihe
Troubadour (Agram 1907), Baron Trenck pädagogischer Schriften und Sammelwerke.
(= Der Pandur, Leipzig 1908), Die kleine Aufsehen erregte seine scharf kritische
Baronesse (Wien 1909, I a.) und Die Barfuß- Broschüre Das Petersburger Konservatorium
tänzerin (Leipzig 1909); auch von Balletten, (russisch, 1891). Weit verbreitet ist seine
Chören und Liedern. unter Mitarbeiterschaft von Wessei zu-
*
Albinöni, Tommaso, 1674 und t 1745 sammengestellte Sammlung russischer Sol-
in Venedig, schrieb 1694-1740 (meist daten-, Kosaken- und Matrosenlieder.
für Venedig) 5(Opern, auch geschätzte Albrecht, J oh. Lorenz ("Magister A."),
Kantaten und wertvolle Instrurnentalwerke: * 8. Jan. 1732 zu Görmar bei Mühlhausen
Concer# a 5, V. concertato, 2 V., Via., Vc. in Thür., t 1773 in Mühlhausen; studie.rte
e B. c. op. 5 und op. 9; 6-7st. Sinfonie zu Leipzig Philologie, aber daneben ernsthch
op. 2, Triosonaten op. I, Balletti a 3 (2 V. Musik, so daß er 1758 zugleich als Gymnasial-
V c. B. c.) 0P.3 (1704) und op. 8, Sonate da lehrer und Organist der Obermarktskirc4e
chiesa a V. e B. c. op. 4 und T rattenimenti (St. Marien) zu Mühlhausen angestellt
26 Albrecht - Alcarotti.

wurde. Am bekanntesten ist A. als Heraus- Chor und Orch. op. I2; Fieberphantasien für
geber von J. Adlungs Musica mechanica Klar., eng!. Horn, Kb. und Kl. op. I3; zwei
organoedi und 1\1[usikalisches Siebengestirn; kleine Fugen für KI. op. I9; Musikdramen
doch hat er eine Reihe selbständiger Arbeiten Jeliena op. IO, Neros Ende op. I7; Rama
geliefert: Gründliche Einleitung in die A n- und Sita op. 20.
jangslehren der Tonkunst (1761); Abhandlung Albrechtsberger, Joh. Georg, * 3. Febr.
über die Frage: ob die Musik beim Gottes- 1736 zu Klosterneu burg, t 7. März 1809 zu
dienst der Christen zu dulden ist oder nicht Wien, geschätzter Theorielehrer und Kom-
(1764); Versuch einer Abhandlung von den ponist (1794 Lehrer Beethovens), wurde,
Ursachen des Hasses, welchen einige NI en- nachdem er mehrere andere Am ter in kleinen
sehen gegen die Musik blicken lassen (1765), Städten verwaltet, Regens chori am Karme-
ferner einige Aufsätze in Marpurgs Kritischen literkloster zu Wien, 1772 Hoforganist und
Beiträgen usw. A. war Schiedsrichter in 1792 Kapellmeister am Stephansdom. Von
dem theoretischen Streit zwischen Marpurg seinen Kompositionen ist nur ein kleiner
und Sorge (anonym: Gedanken eines thürin- Teil im Druck erschienen: Entr'actes zu
gischen Tonkünstlers usw.). V gI. auch Heinrich IV., eine Menge Orgelpräludien und
Steffani. -Fugen, Klavierfugen, 18 Streichquartette,
Albrecht, Kar!, * 8. Sept. 1807 in Posen, 6 Quartettfugen, 1 Streichquintett, 3 Doppel-
t 8. März 1863 in Gatschina, erhielt seine quartette, 1 Klavierquartett, 6 Streichtrios
musikalische Ausbildung von J. J. Schnabel (V., VIa., Vc.). Manuskript blieben: 26
in Breslau, war seit 1825 am Stadttheater Messen, 6 Oratorien, 4 große Sinfonien, 42
zu Breslau als erster Geiger angestellt, Streichquartette, 38 Quintette, 28 Streich-
1835 Korrepetitor in Düsse!dorf, darauf trios, viele Hymnen, Offertorien, Gradu-
Dirigent einer wandernden Operntruppe, alien usw. Am bekanntesten sind seine theo-
wurde 1838 nach Petersburg berufen, an- retischen Werke: Gründliche Anweisung zur
fänglich als Kapellmeister des dramatischen Komposition (1790 und 1818, französich 1814,
Theaters, darauf als Dirigent der deutschen auch englisch von Sabina Novello); Kurz-
und endlich (1840) der russischen Oper. gejaßte Methode, den Generalbaß zu erlernen
1842 leitete er die Uraufführung der Oper (1792); Klavierschule für A njänger (1808) und
Ruslan und Ludmilla von Glinka. 1845 einige kleinere Abhandlungen. Eine Ge-
wurde er Dirigent der Philharmonischen samtausgabe seiner theoretischen Werke
Konzerte, 18 So Gesanglehrer an der Waisen- (mit einem Werkverzeichnis) besorgte J. v.
anstalt zu Gatschina. Von seinen Kom- Seyfried (0. J., 2. AufI. 1837, englisch von
positionen wurden bekannt eine Messe, das Sab. Novello 1855; eine englische Bearbei-
Ballett Der Berggeist, drei Streichquartette tung mit Anmerkungen Chorons gab A.
usw. Merrick heraus [1835,2. AufI. 1844]). Eine
Albrecht, Konstantin Karl, Sohn von Auswahl seiner Instrumentalwerke (2 Sin-
Karl A., * 4. Okt. 1836 in Elberfeld, t 26. fonien, 1 Quintett, 4 Quartette, Präludien
Juni 1893 in Moskau, trat 1854 als Cellist und Fugen) brachte Bd. XVI 2 der DTÖ.
ins Orchester des Moskauer kais. Theaters (0. Kapp). Vgl. A. Weißenbäck, J. G.
ein, war 1860 Beistand Nik. Rubinsteins bei A. als Kirchenkomponist (Adlers Studien
der Gründung des Moskauer Konservato- zur MW. Bd.14, 1927); R. Oppel, A. als
riums, 1866-89 Inspektor und Lehrer für Bindeglied zwischen Bach und Beethoven
Solfege und Chorgesang. Außer einigen Lehr- (N. Ztschr. für Mus. 78, S. 316 ff.).
büchern schrieb A. eine Untersuchung über
die Ausführung der Tempi in den Kammer- Albrici (spr. itschi), Vincenzo, * 26.
musikwerken klassischer Autoren, ferner eine Juni 1631 zu Rom, t 8. Aug. 1696 zu Prag,
Menge Lieder, Klavierstücke und Chöre. kam 1650 im Gefolge der Königin Christine
Eine Geschichte der russischen Musik blieb von Schweden nach Stralsund, trat 1654 in
unbeendet. Dresden in die kurfürstliche Kapelle und zog
Albrecht, Max Richard, * 14. März 1890 seinen Bruder Bartolomeo dahin (als Hof-
in Chemnitz, dort Schüler erst von Eugen organist), war auch kurze Zeit (1662) in
Richter, dann des Leipziger Konservatori- pfalz gräflichen Diensten in Neuburg. 1663
ums (v. Bose, Sitt, Rich. Hofmann, Reger), bis 1666 waren beide Brüder in London als
19II-13 Kapellmeister-Volontär am Chem- Kapellkomponisten angestellt. 1666 erfolgte
nitzer Stadttheater, 1914/15 erster Kapell- seine Berufung als Hofkapellmeister nach
meister am Stadttheater zu Neiße, dann Dresden, wo er mit mehrjähriger Unter-
wieder Kapellmeister am Neuen Stadttheater brechung (1672-76) bis 1680 blieb. Er
seiner Vaterstadt; seit 1916 lebt er seinem wirkte nun 1681/82 als Organist an der
Schaffen in Dresden. Er gehört zu den Thomaskirche zu Leipzig und ging dann als
frühen Vertretern einer sehr modernen Rich- Kirchenkapellmeister nach Prag. Von seinen
tung in Deutschland. Werke: Lieder und einst hochgeschätzten Werken (kirchliche
Gesänge op. 2, 6, 7 (mit Orch.), B (mit Orch.), Vokalkompositionen, Kammersonaten usw.)
I I (mit Orch.), I4 (mit Orch.), I5 (mit Orch.), sind in Dresden, Wien, Upsala, Darmstadt
I6 (mit Kammerorch.); Chöre op. I, 3, I9; usw. eine ziemlich große Zahl erhalten.
Kantate M aratflon für Chor und Orch. op. 4; Alcarotti, G iov. Fr a nc e sco, gab 2 Bücher
zwei sinfonische Dichtungen 0p.5 und 9, 5- und 6 st. Madrigale heraus (1567 und
Musik zu Goethes Faust op. IB, Heroische 1569), sowie ein Buch 5 st. Lamentationen
Ballade für Bariton, Frauenterzett, gern. (157 0 ).
Alcock - Alexandre. 27

. Alcock, John, * II. April 1715 zu Lon- 1783 in Paris, Akustiker, bekannt durch die
don, t 23. Febr. 1806 zu Lichfield, Schüler Schrift Elements de musique theorique et pra-
des blinden Organisten Stanley, wurde be- tique, suivant les principes de M. Rameau
reits 1735 Organist an zwei Londoner Kir- (1752, wiederholt aufgelegt; deutsch von
chen, ging später nach Plymouth, Reading Marpurg, 1757; leider hatA. die bedeutend-
und schließlich als Organist der Kathedrale sten Ideen Rameaus nicht verstanden). In
nach Lichfield. 1761 erlangte er zu Oxford den Memoiren der Pariser und Berliner Aka-
den Doktorgrad. A. gab außer eigenen Ser- demie sind akustische Abhandlungen von A.
vices (1753), Anthems (1771), 7 st. Instru- gedruckt; auch enthalten seine 1\11 etanges de
mentalkonzerten (1750) und weltlichen Ge- litterature et de philosophie (1767-73) eine
sängen (Harmonia festi 1791 u. a.), Liedern Abhandlung Sur la liberte de la musique, seine
. und Klaviersachen usw., mehrere Samm- CEuvres et correspondances inedites (1887 her-
lungen von Kirchenmusik (H armon-y of ausgegeben von Ch. Henry), ein Fragment
Sion 1752, Ha.rmony 01 ]erusalem 1801) her- sur l'opera und Reflexions sur la tMorie de
aus, verfaßte auch eine Novelle: Das Leben la musique. Lamberts Geschichte der Re-
der Miß Fanny Brown. Sein gleichnamiger gierung Ludwigs XIV. (1761) enthält eine
Sohn, t 30. März 1791, war ebenfalls Orga- Abhandlung A.s über die Musik unter der
nist und Komponist. Regierung Ludwigs XIV. A. hatte wie die
*
Alcuinus (Albinus), Flaccus, 753 zu übrigen Pariser Akademiker kein Verständ-
York, um 801 Abt zu Tours, t 19. Mai 804, nis und Interesse für die Instrumentalmusik.
Verfasser des in Gerberts Scriptores I aufge- Vgl. seine Eloges (1779). Vgl. Maurice Mul-
nommenen musiktheoretischen Fragments, ler, Essai sur la Philosophie de ].d'A.
welches die älteste abendländische Kunde (Paris 1926).
von den 8 Kirchentönen enthält. Alenew, Eugen Feodorowitsch, Kom-
*
Alderighi, Dante, 7. Juli 1898 in Ta- ponist, * 17. Nov. 1864 in Wyborg, wo er
ranto, je zwei Jahre Schüler Sgambatis und noch lebt, Schüler von Czerny und Blumen-
des Leipziger Konservatoriums (Teichmüller, feld (KI.), Ljadow und Sokolow (Kornp.) ;
Krehl); seit 1914 noch bei Setaccioli und veröffentlichte gegen 60 Lieder, KI.-, V.-
Consolo in Rom; Pianist und Komponist. und V c.-Stücke.
Werke: Klavierkonzert; Streichquartett; Alessandrescu, Alfred, rum. Dirigent
2 Sonaten für V. und KI.; 2 KI.-Suiten; und Komponist, * 14. Aug. 1893 zu Buka-
I I Präludien für KI.; Cantico dei Sole di San rest, bis 1912 Schüler im Klavierspiel und
·Prancesco für Ges. und KI.; Bearbeitungen in der Komposition (Alfonso Castaldi) am
von Madrigalen des Monteverdi für KI.; Bukarester Konservatorium und von V.
Chöre; Lieder u. a. d'Indy an der Schola Cantorum, dann von
Aldomar s. Cancionero musical. Paul Vidal am Konservatorium in Paris;
Aldovrandini s. Aldrovandini. 1916 mit dem Enescu-Preisausgezeichnet;
Aldrich (spr. äldritsch), Henry, 1647* seit 1921 erster Dirigent an der Bukarester
zu Westminster, t 14. Dez. 17IO in Oxford als Oper; seit 1926 auch Dirigent des Bukarester
Dekan der Christuskirche ; gelehrter Theolog Philharm. Orchesters; zugleich Hofpianist
und Historiker, aber auch Architekt und und Kritiker an L' Independance Roumaine.
Musiker. A. sammelte eine überaus reich- Werke: Dramat. Ouvertüre Dido (19II);
haltige Musikbibliothek, die er der Christ- Herbstdämmerung für Streicher; Rum.
Church in Oxford vermachte (abgesehen vom Fantasie für Orchester (1913); sinf. Dichtung
British Museum heute die bedeutendste Aktäon (aufg. Paris bei Colonne 1920;)
Musikbibliothek Englands). Kompositionen Sonate für V. und K 1. ; S treichq uartett ; Lieder.
von ihm sind in verschiedenen Sammelwerken *
Alessandri, Felice, 24. Nov. 1747 zu
zu finden (Boyce, Arnold, Page); seine Cat- Rom, t 15. Aug. 1798 zu Casinalbo, in Ne-
'Ches werden noch heute gesungen. apel ausgebildet, war zuerst Kapellmeister
Aldrich (spr. äldritsch), Richard, 31. * zu Turin, führte dann ein bewegtes Leben in
Juli 1863 zu Providence Schüler von J. KPaine Paris, London, Petersburg und in verschie-
in Boston, angesehener Musikkritiker in Neu- denen italienischen Städten und war 1789
york (1891-1902 an der Tribune, seitdem bis 1792 zweiter Kapellmeister der Berliner
an den New York Times), übersetzte Lilli kgl. Oper (neben Joh. Fr. Reichardt). Seine
Lehmanns Gesangskunst und verfaßte Führer Werke, 32 1764-94 aufgeführte Opern, I
durch Wagners Parsifal und Nibelungen. Ballett und I Oratorium, auch 6 Triosonaten
Zusammen mit Krehbiel verfaßte er die (2V., B. c.), 6 Klavierkonzerte und 6 Sinfo-
amer. Artikel für Grove's Dictionary. nien a 8 (op. 6) hatten überall nur ephemere
Aldrovandini (oder Aldovrandini), Erfolge. Vgl. Valdrighi, F. A. (1896).
Giuseppe Antonio Vincenzo, * um Alessandro Romano s. Merlo.
1665 zu Bologna, 1702 Vorsitzender der Alexander Friedrich, Landgraf von
Accademia Filarmonica, t 8. Febr. 17°7, Hessen s. Hessen.
brachte (1696-17II) 15 Opern und 6 Ora- Alexandre (spr.-angdr'), Jacob, 1804, *
torien heraus, auch geistliche Gesänge mit t II. JmV 1876 zu Paris, betrieb seit 1829
Violinen, sowie Kammerkonzerte und Kam- als einer der ersten den Bau von Harmo-
mersonaten a tre (op. 4 und 5). niums (A ccordeons, Metodiums), die unter
Alectorius s. Galliculus. dem Namen Ioo-Franken-Orgel (Orgue de
[d']Alembert (spr. dalangbär), J ean le cent francs) sehr in Aufnahme kamen, erwarb
Rond, * 16. Nov. 1717 und t 29. Oktober die Patente, welche 1841 und 1845 Alexandre
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28 Alexandrow - Alfieri.

Martin (l'vIartin de Provins) für eine Turandol Puccinis hat er auf Wunsch der
neue Art der Harmonium-Mechanik genom- Familie und des Verlags die abschließende
men hatte und assoziierte sich mit seinem Szene hinzugefügt. Er ist einer der geach-
Sohne Edouard (* 1824, t 9. März 1888). tetsten und technisch reifsten Musiker des
Martin selbst war stiller Teilhaber des Ge- heutigen Italien; sein Opernideal liegt in
schäfts bis 1855, später lag er mit der Firma der möglichsten Unabhängigkeit der Ge-
im Prozeß. 1858 gründete A. eine Muster- sangslinie von Begleitung und Harmonie.
werkstatt zu Ivry und beteiligte sich an Werke außer den erwähnten: Suite roman-
Spekulationen, die 1868 das Haus zum Fal- lica fürOrch. (19°9); SinfonieE-dur(1909jIO);
lissement brachten. J. A. schrieb eine Me- Streichquartett D-dur (1914/18); Tre poemz
thode pour I'Accordeon (1839, auch englisch) di Tagore für Ges. und Kl.; Sei Liriche für
und eine N otice sur les Orgues M elodium Ges. und Kl.; 2. Streichquartett in C moll;
d'A lexandre et fils inventeurs (1844 und 1848). Sonate D moll für KI. und V.; Sonate in G
Die Frau von Edouard A., Charlotte geb. für V c. und Kl. -Opern: n Principe Zilah,
Dreyfus, war als Virtuosin auf dem Har- 4 akt., Text von Illica und da Claretie
monium berühmt. 1874 brachte die Firma (Genua 1909); L'ombra di Don Giovanni,
A. eine neue Spezialität von Harmoniums 3 akt., Text von Ettore Moschino (Mail.
unter dem Namen Alexandre-Orgel in Scala 1914) und sein Hauptwerk:Sakuntala,
Handel, eine Verbesserung der sog. Ameri- Legende in 3 Akten auf eigenen Text
kanischen Orgel (s.d.), mit stärkeren Zungen (Bologna 1921, Neapel, Mail. Scala, Buenos
und doppelten Windkanälen; die Firma A. Aires, Düsseldorf, Antwerpen usw.); j\l[ a-
selbst hatte vorher mit den durch Ein- donna Imperia (Turin, 5. Mai 1927). Vgl.
saugen angeblasenen Harmoniums nur G. M. Gatti, F. A. in: Musicisti moderni
wenige Versuche gemacht. d'Italia e di fuori (Bol. 1920) und in Musical
Alexandrow, Anatol Nikolajewitsch, Times (London, März 1921); Gajanus, A rtisti
russischer Komponist und Pianist, * 25.Mai contemporanei, F.A. (in Emporium, Bergamo,
1888 zu Moskau, Sohn eines Universitäts- März 1919); G. Cesari, La leggenda di Sacun-
Professors in Tomsk, Schüler von K. Klind- tala di F. A. (R. mus. it. XXVIII, 1921).
worth, Shilajew, S. 1. Tanejew und Wassi- Alfarabi, oder EI Farabi (Alphara-
lenko (Theorie) und Igumnow (Kl.) am Mos- bius), auch kurzweg Farabi genannt nach
kau er Konservatorium, in das er 1910 eintrat seinem Geburtsort Farab, dem heutigen
und das er 1916 verließ. 1923 wurde er Otrarim Lande jenseits des Oxus, berühmter
Lehrer (Prof.) am MoskauerKonservatorium. arabischer Musiktheoretiker, * um 900 n.Chr.
Seine Musik verrät den Einfluß von Medtner und t um 950. Sein eigentlicher Name ist
und Skrjabin; Erfindungskraft, technisches Abu Naßr Mohammed Ben Tarchan.
Können, poetisches Empfinden stellen ihn A. war ein gründlicher Kenner des grie-
mit Mjaskowski und Feinberg in die erste chischen Tonsystems und bestrebt, es bei
Reihe der zeitgenössischen russischen Kom- seinen Landsleuten einzuführen, doch ohne
ponisten. Werke: Klassische Suite für Orch. Erfolg; allerdings hatten diese kaum nötig,
op. 32; Ouvertüre auf 2 russ. Volks themen ; bei den Griechen in die Schule zu gehen (vgl.
Streichquartett G-dur op. 7; 6 Klaviersonaten Araber und Perser). Vgl. Kosegartens
op. 4, I2, I8, I9, 22, 26; Preludes für Kl. Analyse seines Doppelwerks über Musik in
op. I, IO; andere Stücke für Kl. op. 3, 4, der Zeitschrift für die Kunde des Morgen-
6,9, I6a, 2I; Lieder op. 2, 5, 8, II, I3, I4, landes, Bd.5 (1844), und M. Soriano-
I5, 20, 23, 24, 25, 3I; Bühnenmusik zu Fuertes Musica Arabo-Espanola (1853).
Maeterlincks Ariane cl Barbebleue op. I6 Alferaki,Achill N ikolaj ewitsch,Kom-
für das Moskauer Kammertheater. *
ponist, 3. Juli 1846 in Charkow. Von seinen
Alfano, Franco, * 8. März 1877 zu Werken sind über wo Lieder, Chöre und
Posillipo (Neapel), Schüler erst des Cons. Klaviersachen herausgegeben.
di S. Pietro a Maiella zu Neapel (De N ardis Alfieri, Abbate Pietro, Kamaldulenser-
und Serrao), dann des Leipziger Konser- mönch, später Gesangsprofessor am eng-
vatoriums (Jadassohn, Sitt). Von Berlin lischen Kolleg zu Rom, * 29. Juni 1801 und
aus (1896) machte er eine Reise als Klavier- t 12.J uni 1863 in Rom, schrieb eine Anweisung
virtuose nach Polen (mit eigenen Wer- für die mehrstimmige Begleitung der kirch-
ken), kehrte nach Leipzig zurück, wo er lichen Gesänge ( A ccompagnamento colt' organa
(nach F ogazzaro) den Z weiakter j\l[ iranda usw. 1840), Ratschläge zur Wiederherstellung
(1896) und den Zweiakter An den Quellen des Gregorianischen Gesanges (Ristabilmento
von Enschir (Text von Illica, Breslau 1898) deI canto usw. 1843), ein Lehrbuch des Gregoria-
schrieb; 1900 wendete er sich nach Paris und nischen Gesangs (Saggio storüo usw. 1855),
lieferte den Folies-Bergeres einige Ballett- dazu noch einen Prodromo sulla restaura-
pantomimen (Napoli 19°1, Lorenza 1901). zione usw. 1857, historische Notizen über die
Seinen ersten großen Erfolg errang er mit der Congregazione de' maestri e pro/essori di
4-akt. Oper Resurrezione (nach Tolstois Ro- musica di Roma (1845), biographische Ab-
man von Cesare Hanau; Turin 19°4, dann handlungen überBern. Bittoni und Jommelli
Scala [Mailand] usw .,Brüsselund Be<rlin, auch (1845) und redigierte die Sammelwerke Ex-
Paris [Opera-Comique]). Erst Kompositi- cerpta ex celebrioribus de musica viris (1840,
onslehrer und Direktor am Liceo mus. von Palestrina, Vittoria, Allegri), Raccolia di
Bologna, ist er seit 1923 Direktor des Liceo Motetti (Palestrina, Vittoria, F. Anerio 1841)
mus. G. Verdi in Turin. Der unvollendeten und Raccolla di musica sacra (die erste Sam-
Alfonso della Viola - Alkan. 29
me1ausgabe der Werke Palestrinas, 7 starke stand erhoben wurde. A. war dem Könige
Bände, 1841 bis 1846). Allegris Miserere gab bei der Abfassung von Opernlibretti be-
er 1840 unter dem Pseudonym Aless. Gemi- hilflich. 1749 ging er aus Gesundsheitsrück-
niani heraus. Auch übersetzte er Catels sichten nach Italien zurück; Friedrich d. Gr.
Harmonielehre ins Italienische (1840) und ließ ihm in Pisa ein Denkmal errichten.
schrieb viele Aufsätze für die Mailänder A. schrieb unter anderem: Saggio sopra
Gazzetta musicale. l'opera in musz'ca (1750, mehrfach aufgelegt
Alfonso della Viola, um 1539-67 am und ins Französische, Englische und Deut-
Hofe zu Ferrara, gab 2 Bücher 4st. Madri- sche übersetzt). Vgl. Micheiessi, Memorie
gale heraus (1539-40), und schrieb Musik- intorno alla vita ed agli scritti eIe., Venedig
einlagen zu Dramen, die am Hofe zu Ferrara 1770, französisch als: iVIemoires concernant
zur Aufführung gelangten (eine monodische la vie etc., Berlin 1772; F. Förster,
Probe bei Solerti, Albori 1). Friedrichs II. Briefwechsel ... mit dem
XAlfonso el Sabio (der Weise), König Graten A. (1847); M. Siccardi, L'A.
von Kastilien, * 1252, t 1284, zugleich critico 8 scrittore di belle arti (Asti 18II)
Dichter und Musiker, der unter dem Titel und E. Wellesz, Sammelb. der IM<;;. XV
Cantigas zu Ehren der Heiligen Jungfrau (19 1 4). Vgl. A1carotti. ~"'!':."b-·
einige hinreißende Weisen erfand. V gl. Ali6, Francisco, 16~'fI'Musiker
Cantigas. des katalonischen Kreises, t 1908, dessen
Alfven, H u go, schwedischer Komponist Auftreten den Beginn der modernen spa-
und Dirigent, * I. Mai 1872 in Stockholm, nischen Renaissance in der Musik be-
1887-91 Schüler des dortigen Konserva- zeichnet. Er veröffentlichte eine Sammlung
toriums, dann 1891-97 von Lars Zetter- katalonischer Volksweisen, die er harmo-
qvist (V.) und Johan Lindegren (Theorie); nisierte (Canyons populars Cata.lanas) und
studierte hierauf noch in Deutschland, eine Sammlung eigener Lieder (Sis melodies).
Frankreich, Belgien (Cesar Thomson, 1898); Vgl. Lluis Millet Pel nostre Ideal (1917).
Opernkapellmeister unter Kutzschbach in XAliprandi, Bernardo, aus Mailand ge-
Dresden, Kompositions-Lehrer am Stock- bürtig, 1732 Violoncellist der Münchener
holm er Konservatorium 1903/04; seit I910 Hofkapelle, 1737 Kammerkomponist und
Universitäts-Musikdirektor in Upsala, wo 1750 Konzertmeister, 1780 pensioniert,
er den sehr bekannten Studenten-Chor scheint als Komponist nur mit einigen
LfA.. Orphei dräng/r dirigiert, mit dem er in Opern (Apollo tra le Muse in Parnasso
Deutschland, Dänemark, Rußland, N or- I737, Mitridate I738, Semiramide I740)
wegen, Frankreich, Finnland konzertierte. und einem Stabat mater (Sopran und Alt
Dirigent auf den Musikfesten in Dortmund mit lustr., 1749) hervorgetreten zu sein.
19I2, Stnttgart 19I3, Gothenburg I9I5, Sein gleichnamiger Sohn war bereits 1762
Kopenhagen 19I8/19, Helsingfors 192I, ebenfalls Cellist im Münchener Hoforchester
Upsala I9II, Dr. h. c. von Upsala 19I7. und gab einige Cello sachen heraus.
A. gehört zn den führenden schöpferischen Aliquottöne, s. v. w. Obertöne (s. d.).
Musikern Schwedens; sein Schaffen liegt )( Alkan (spr. alkang), Charles Henri
auf der Linie einer Neuromantik von Valentin (Morhange, genannt A.), * 30.
starkem Natur- und Formgefühl. Werke: Nov. I813 und t ?9. März I888 zu Paris,
1. Sinfonie F moll oP.7; 11. Sinfonie D wurde mit 6 Jahren Schüler des Pariser
dur op. II; Midsommarvaka, Rhapsodie Konservatoriums, erhielt schon nach andert-
ap. I9 (Kop. 1908); sinfonische Dichtung halb Jahren den ersten Solfegepreis und
En Skärgärdssägen op. 20 (Stockh. 1921); als Zehnjähriger den ersten Klavierpreis
II!. Sinfonie E dur op. 23 (id. 1913); Upsala (Schüler von Zimmermann). 1831 kon-
Rhapsodie op. 24 (id. I907); Festspiel für kurrierte er um den Römerpreis und erhielt
Theater op. 25 (id. I908); Drapa, sinfonische eine Ehrenerwähnung. Seit dieser Zeit
Dichtung op. 27; Ballettpantomime Den widmete er sich der Komposition und dem
bergtagna ap. 37; IV. Sinfonie C moll op. 39 Unterricht, von Zeit zu Zeit als Pianist
(Wien 1922); Die Glocken für Bariton und in den Konservatoriumskonzerten und an-
Orchester op. I3; Sten Sture für Bariton, derweit auftretend. A. hat eine Reihe origi-
Männer-Chor und Orchester ap. 30; Bal- naler und großzügiger Pianofortewerke von
tische Ausstellungs-Kantate op. 33 (19I4); großer technischer Schwierigkeit veröffent-
Ode auf Gustavus Wasa für Soli, ge- licht: Präludien, Etüden, Märsche, ein Kon-
mischten Chor und Orgel op. 40; En bat zert, eine Sonate usw., von denen nament-
met blommor für Bariton und Orchester; lich erwähnt seien: :E:tudes-Caprices op. I2,
Mimodrama Bergakungen (Stockholm 1923). I3, I6; Konzertetüde Le Preux, op. I7; Trois
Kammermusik: Sonate für V. und Kl. Grandes Etudes op. I5; Douze Etudes oP.35;
Cmoll ap. I; Romanze für V. und Kl. op. 3; Douze Grandes Etudes ap. 39; Nocturne
Elegie für Horn und Kl. ap. 5; Kl.-Stücke; OP.22; Saltarelle op. 23; Marelle tunebre
Lieder. of' 26; M arche triomphale op. 27; Bourree
Algarotti, Francesco [Graf], * 11. Dez. d Auvergne oP.29; Klaviertrio ap. 30;25 Pre-
1712 zu Venedig, t 3. Mai 1764 in Pisa;
ein Mann von vielseItiger Bildung und Welt-
ludes op. 3I; Recueil d' I mpramptus op. 32;
Grande Sonate op. 33; Werke für Pedal-
kenntnis, wurde von Friedrich d. Gr. 1740 Klavier ap. 64, 66, 69, 72. - Auch sein
nach Berlin gezogen, wo er neun Jahre BruderNapoleon Morhange A., 2. Febr.*
als Kammerherr blieb und in den Grafen- 1826 zu Paris, war ein tüchtiger Pianist
30 Allabreve-Takt - Allemande.

und hat einzelne Pianofortesachen heraus- Sonate op. I4 1 von Beethoven), während
gegeben. andere vollständig Andante-Charakter haben
Allabreve-Takt (auch alla cappella ge- (das der A dur-Sinfonie).
nannt) ist der 2/2-Takt, bei dem nicht die Allegri, Gregorio, * 1582 und t 17.
Viertel, sondern die Halben geschlagen Febr. 1652 zu Rom, 1591-96 Chorknabe
(gezählt) werden; er wird gefordert mittels unter G. Bernardino Nanino in S. Luigi
Durchstreichen des B-Taktzeichens: moder dei francesi, wo er noch von 1601 -04 als
Tenorist an Festtagen tätig war, nach
durch eine 2 (Diminrttio, Proportio drtpla) , Adami auch Schüler von Gio. Maria Nanino,
im 14.-17. Jahrhundert auch durch Durch- seit 1629 päpstlicher Kapellsänger, ist am
streichen des vollen Kreises CD oder durch bekanntesten durch sein neunstimmiges
eine 3 (Proportio tripla). Durch das alla lviiserere, das lange Zeit zu den Vorzugs-
Breve rückten die Geltungsbestimmungen stücken der Karwoche in der Sixtinischen
der vier Prolationen 8 (3. 3), 0 (3. 2), Kapelle gehörte und nicht kopiert werden "',
C (2.3) und C (2.2) von den Werten der durfte (zuerst I77I von Burney heraus-
Brevis und Semibrevis auf diejenigen der gegeben, seitdem öfter), eine übrigens sehr
Longa und Brevis. Heute, wo Brevis und einfache fauxbourdon artige Komposition.
Longa nicht mehr in Gebrauch sind und An Druckwerken sind von A. bekannt:
Dreiteiligkeit (Perfektion) für keine Noten- 2 Bücher Concertini 2-4 v. (I618-I9),
gattung mehr vorgeschrieben werden kann, 2 Bücher Motetten 2-6 v. (I62I) und
ist das $ das alleinige überbleibsel des eine 4st. Sonate für Streichinstrumente;
Allabreve, bedeutet aber, da es ein Zählen handschriftlich eine Menge Kirchengesänge
nach Breves nicht mehr gibt, ja nicht in Rom in den Archiven von Santa Maria
einmal mehr ein Zählen nach Ganzen, nur in Vallicella und der päpstlichen Kapelle
mehr die Beschleunigung der Bewegung, (Messen, Lamentationen, Motetten, Magni-
das Zählen nach Halben statt nach Vierteln. ficats, Improperien, Tedeum). , Eine gr?ße
In der übergangszeit (1600-1730) findet Zahl seiner Werke befinden SIch spartIert
man nicht selten unsere gemeinen Takt- in der Bibliothek Santini (jetzt in Münster;
vorzeichnungen 3/ 4 , 6/ 4 , 3/ 2 , "3/ s, 6/ S mit Bei- vgL Bibliotheken). VgL A. Cametti,
fügung eines B oder m, das für die über- Riv. mus. ital. XXII (I9I5), S. 59?f.
Allegro (italienisch, abgekürzt A llo), eme
tragung eigentlich bedeutungslos ist und der ältesten Tempobezeichnungen, bedeutet
nur bestimmt, daß keine Perfektions- im Italienischen "heiter", "lustig", hat
regeln mehr gelten. V gL diesbezüglich den aber im Lauf der Zeit die Bedeutung von
Artikel Tripla in Brossards Lexikon. In "schnell" erhalten, so daß es heute in
Suiten, Sonaten aus der Zeit Bachs ist die Zusammensetzungen allgemein gebraucht
überschrift Allabreve nicht selten für im wird, die gegenüber der italienischen Wort-
ältern Stile ("nach Art der Kirchensonaten") bedeutung pleonastisch oder auch geradezu
geschriebene lebhafte Sätze im geraden Takt sinnlos erscheinen, z. B. A. giojoso ("lustig-
mit vielen Bindungen, Sequenzen usw. heiter"), . A. irato ("lustig-zornig"). Der
Joh. Pezeld (1686) gebraucht den Ausdruck alte "Wortsinn existiert wenigstens für uns
A llabreven als Gattungstitel. V gl. Brevis Deutsche nicht mehr. Wie man von einem
und Taktvorzeichnung. Adagio als einem langsamen Satze ganz
Allacci (spr. alhitschi, Alla tius), Leone, allgemein spricht, so hat auch das Wort A.
,~ 1586 auf Chios von griechischen Eltern, die allgemeine Bedeutung eines schnell be-
t 19· J an. 1669 zu Rom, kam als Knabe wegten Satzes erhalten, und man nennt
nach Kalabrien, später nach Rom, wo er daher z. B. einen ersten Sinfonie satz ein
nach fleißigen Studien Lehrer am griechi- A., auch wenn er vielleicht mit Vivace oder
schen Kolleg und 1661 Bibliothekar der Con jrtoco überschrieben ist. Der Super-
vatikanischen Bibliothek wurde. Das für lativ allegrissimo ist selten; er steht in der
die Musikgeschichte wichtige Werk dieses Bedeutung etwa mit presto gleich. Im 17.
gelehrten Archäologen, seine Drammatrtrgia Jahrhundert ist es noch allgemein gebräuch-
(1666), ist der erste Versuch eines Ver- lich, schnelle Sätze mit kürzeren Noten-
zeichnisses aller in Italien aufgeführten werten zu notieren, so daß die Tempo-
Dramen und Opern. Eine bis 1755 fort- bezeichnungen noch ziemlich entbehrlich
geführte Neuausgabe veranstaltete G. B. sind. Seit Bachs Zeit aber ist es Brauch
Pasquali (1755). geworden, den ästhetischen Eindruck zu
Allargando (italienisch), s. v. w. breiter verstärken durch Vermeidung kleiner Werte
(langsamer) werdend, besonders da sta!t im Allegro und Presto (vgI. Tempo). Es
ritardando (rallentando) gebraucht, wo dIe versteht sich, daß man arge Mißgriffe
Tonstärke wachsen soll (agogische Stau- machen kann, wenn man diese älteren Werke
ung). mit Anwendung unserer heutigen Bedeutung
Allegramente (italienisch), s. v. w. der Bestimmungen interpretiert und etwa
Allegro moderato. die Achtel eines Adagio viel langsamer
Allegretto (italienisch, abgekürtzt Alltto, nimmt als die Viertel eines Allegro.
Diminutiv von Allegro), gemäßigt lebhaft, Alleluia s. Halleluja.
Tempobezeichnung von sehr schwankender Allemande (französisch, spr. allmangd,
Bedeutung; es gibt Allegretti, die dem englisch Almain [spr. almen], Allmayne,
Allegro sehr nahe stehen (z. B, in der G dur- "deutscher Tanz"), etwa seit 1550 (z. B.
Allen - Allison. 31
in Attaingnants Troisieme livre de danceries, land), Organist der Allerheiligenkirche zu
I556) der Name der in Deutschland ent- Kensington, später Opern direktor, lebte seit
wickelten neuenForm des Reigens, im Gegen- 1890 in Brisbane. A. schrieb Opern, Kan-
satz zu der altväterisch gewordenen Pavane taten, Lieder, Klaviersachen.
(s. d.). Die Allemanden vor und um 1600
sind wirkliche Tänze zum Tanzen, von *
Allen (spr. äll'n), Hugh Percy, 23. Dez.
schlichter volksmäßiger Rhythmik in ge- 1869 zu Reading (London), Organist und
Chordirigent, bekleidete seit seinem elften
radem Takt, und haben noch nicht eine
Jahre Organistenposten in London, Chi-
obligatorische Form des Auftaktes, als
chester, Cambridge, Ely, war 1901-20
welche sich wo Jahre später der Anfang
mit einem Achtel oder Sechzehntel vor dem Dirigent des Bach-Choir in London, 1901-I8
Organist am New College in Oxford (1898'
Taktstrich herausbildete. Man vgI.:
Musik-Dir.), 1918 Dozent in Oxford, seit
','. Allemande von 1571 (Phalese). 1918 Dir. des R. ColI. of Music in London.
Er ist einer der bedeutendsten Organi-
satoren der Musikverhältnisse und einer
der geachtetsten upd einflußreichsten Mu-
siker in England.
Allentando (italienisch), s. Rallen-
tando.
Allgemeine deutsche Bibliothek, von
Chr. Fr. Nicolai 1765-92 in 107 Bänden
herausgegebene und 1793-1800 ohne Nico-
lais Mitwirkung, dann aber wieder bis 1805
von ihm weitergeführte Zeitschrift, welche
auch zahlreiche, die Musik angehende Auf-
sätze und Besprechungen enthält.
Allgemeine Deutsche Biographie, von
Zu Bachs Zeit ist die Allemande mindestens der Kgl. Historischen Kommission in Mün-
ebenso weit von der schlichten Faktur chen unter Redaktion' von Rochus von
wirklicher Tänze abgekommen wie zu Liliencron und Wegeie in alphabetischer
Scheins Zeit die Pavane. Man vgI.: Ordnung herausgegebene Sammlung der
Biographien hervorragender Deu tschen ( 1875
Fr. Couperin, Allemande La Tenebreuse. bis 1900 45 Bände; seitdem eine Reihe
Nachtragsbände). Sie enthält über zahl-
reiche Tonkünstler wertvolle Spezialarbeiten
verschiedenster Autoren.
Allgemeiner deutscher Musikverein,
s. Vereine.
Allilin, Heinrich Max, * 31. Aug. 1851
und t 15. Nov. 1910 zu Halle a.S., wurde 1876
Archidiakonus zu Weißenfels, 1885 Pfarrer
und Kreisschulinspektor zu Athenstedt bei
Halberstadt und folgte dann der Berufung
als Pfarrer in seine Vaterstadt. A. be-
arbeitete Töpfers Lehrbuch der Orgelbau-
kunst in 2. Auflage (Theorie und Praxis
des Orge/baues, I888) , schrieb noch Die
Hausinstrumente Klavier und Harmonium
~. (1892), Die Pflege des musikalischen Teils
des Gottesdienstes (1906), einen Wegweiser
Die heute in Schwaben und der Schweiz durch die Harmonium-Musik (1894) und
übliche lebhafte A. im 3/ ,-Takt (!) hat mit zahlreiche Aufsätze für Paul de ~its Zeit-
schrift für Instrumentenbau. Auch hat er
den älteren Allemanden nichts zu tun, steht
vielmehr dem Schnell walzer sehr nahe (die unter dem Pseudonym Fritz Anders
mehrere Romane veröffentlicht.
Deutschen, Allemanden oder Alla Tedesca in
Haydns Es dur-Trio, bei Beethoven u. a. Allin, Arthur Ivan, *
3. Dez. 1847
sind solche Schnellwalzer). VgI. Balletto. zu Kopenhagen (schwedischer Abkunft),
Allen (spr. äll'n), Edward (Heron-A.) Schüler von W. Tofte, A. Ree und F.
*17. Dez. 1861 zu St. John'sWood (London), Rasmussen, 1889-1915 Domorganist zu
schrieb: De fidiculis bibliographia (englisch, Aarhus, schrieb Orchesterwerke (Sinfonie,
12 Teile, 189°-93) und VioHn Making as 2 Konzertouvertüren), Klavierlieder, Kla-
it was and is (1884 lI894]). vierstücke.
Allen (spr. äll'n), George Benjamin, Allison (spr. ällis'n), Horton Claridge,
*
Komponist und Sänger, 21. April 1822 in Organist und Pianist, * 25. Juli 1846 in
London, t30. Nov. 1897 in Brisbane (Queens- London, Schüler der Royal Academy of
32 Alliteration - Alphabetische Gitarren~Tabulatur.

Music und 1862-65 des Leipziger Konser- verein. Er schrieb: Sinfonie C moll (Oslo
vatoriums, 1877 Mus. Dr. (Dublin), Musik- 1898); Sinf. Variationen op. 8 (Leipzig,
lehrer zu Manchester, trat als Komponist Kopenhagen, Oslo); Klavierkonzert D dur
mit einem Klavierkonzert, Etüden, Orgel- (Kopenhagen, Oslo); Suite für V. und
stücken sowie geistlichen Vokalwerken an Klavier; Männer-Chor; Klavier-Stücke; Lie-
die Offentlichkeit. der (darunter das bekannte Sidste reis
Alliteration s. Stabreim. = Letzter Tag).
Alme, Wald e m a r , norwegischer Pianist, Alois, Ladislaus, * 1860 in Prag,
* IO. Jan. 1890 zu Oslo, Klavier- und Orgel- t 1917 in Petersburg (?), 1873 -79 Schüler
schüler an Lindeman's Konservatorium des Pariser Konservatoriums, seit 1898 Solo-
daselbst, trat 1908 vor das Publikum in Violoncellist des Kaiserlichen Hoforchesters
Oslo, studierte dann noch in Berlin Theorie und Professor am Konservatorium (Violon-
bei Tobias und Schrattenholz und Klavier cell- und Ensembleklasse) zu Petersburg,
bei Barth, war 1916/17 Lehrer am Klind- hat eine ganze Reihe von Kompositionen
worth-Scharwenka-Konservatorium und1919 für sein Instrument veröffentlicht, darunter
bis 1921 erster Lehrer am Musikinstitut in zwei Konzerte, ein Trio, auch Lieder und
Helsingfors. Er hat in Deutschland, Klavierstücke.
Frankreich, Finnland und Skandinavien Alonso (de Alba) s. Cancionero musical.
konzertiert und lebt als Organist und
Pädagoge in Oslo. Alpaerts, Flor, be1gischer Komponist
Almeida, Francisco Antonio d', und Dirigent, * 12. Sept. 1876 zu Antwerpen,
Begründer der portugiesischen Oper mit wo er am Konservatorium unter Jan Blockx
der dreiaktigen Oper La Pazienza di Socrate und H. Tilborghs studierte und 1902 als
(Lissabon 1733), schrieb bis 1752 noch fol- Lehrer für Solfege in den Lehrkörper ein-
gende Opern: La Finta Pazza, Le Virtu trat; jetzt ist er Lehrer für Kp. und Fuge.
Trionfanti, La Spinalba und L' I ppolito, auch Seit 19I9 ist er Leiter der Sinfonie-Konzerte
Kirchenmusik. der Zoologischen Gesellschaft; ist ferner der
Urheber des Peter Benoü-Fonds, der all-
Almenräder, Karl, * 3. Okt. 1786 zu jährlich im Juli oder August Musikfeste
Ronsdorf bei Düsse1dorf, t 14. Sept. 1843
in Biebrich, autodidaktischer Fagottvirtuose, mit Werken Peter Benoit's, des Gründers der
18IO Lehrer des Fagottspiels an der Musik- flämischen Schule, veranstaltet. Als Gast-
schule zu Köln, 1812 Fagottist im Theater- dirigent und Propagandist der flämischen
orchester zu Frankfurt a. M., 1815-16 Komponisten ist er in Brüssel (Concerts
Militärkapellmeister, ließ sich dann in Mainz Ysaye), Paris (Cone. Pasdeloup), Ostende,
nieder (befreundet mit Gottfried Weber). Prag, im Haag, in Rotterdam, Utrecht,
1820-22 betrieb er in Köln eine Fabrik Marseille hervorgetreten. Werke: Oper:
von Blasinstrumenten, trat aber dann in Shylock (Antwerpen 1912); für Orchester:
die nassauische Hofkapelle zu Biebrich, die sinfonischen Dichtungen Poeme symph.
nebenbei die Anfertigung der Fagotte in für Flöte und Orchester; Psyche; Pallieter;
der Schottsehen Instrumentenfabrik zu Renouveau; Cyrus; Symphonie du Prin-
Mainz überwachend. A. hat das Fagott temps ; Nocturne (A vondstemming) für Or-
verbessert und darüber eine Broschüre ge- chester; Salome' s Tan,; für kleines Orchester;
schrieben; auch hat er eine Fagottschule, V laamsche Idylle; B oschspeling; A an Z ee
Konzerte, Phantasien usw. für Fagott mit für gemischten Chor; Szenenmusiken zu
Streichinstrumenten sowie einige Gesang- Hauptmann's Versunkener Glocke und zu
sachen komponiert, darunter die s. Z. Sophokles' Ödipus auf Kolonos; 3 Kantaten,
populäre Ballade Des Hauses letzte Stunde. darunter: H et Schoones Vaderland für Kin-
Almerie (Anagramm von Lemaire), dereh. und Orchester, 19I2; 3 Fantasien für
nannte Jean Lemaire eine von ihm kon- Klavier; Klavier- Stücke; Lieder, Kinder-
struierte Lautenart. Vgl. M. de Marolles, lieder (4 Sammlungen); Solfeggien (5 Hefte).
Memoires (1755) III, 206. Alphabet, musikalisches s. Buchstaben-
Almorox s. Cancionero musical. tonschrift.
Almquist, Ludvig, * 28. Nov. 1793 Alphabetische Gitarren-Tabulatur, eine
zu Stockholm, t 26. Sept. 1866 in Bremen, durch die Buchstaben A-Z und ein paar
Dichter und auch Komponist eigener Lieder, Hilfszeichen (+, 2, 9, R) Akkordgriffe
machte s. Z. Aufsehen durch seine freien über alle fünf Saiten der Gitarre andeutende
Phantasien am Klavier, gab auch eine Notierungsweise des Akkompagnements in
Anzahl Phantasien heraus (nach Norlinds zahlreichen monodischen Werken der 1.
Musiklexikon haben aber Södermanns Fan- Hälfte des 17. Jahrhunderts; einen Schlüssel
taisies a la A. nichts mit ihm zu tun). dieser Zeichen s. in Riemanns Handbuch
Alnaes, Eyvind, * 29. April 1872 zu der MG. II, 2 S.360, sowie bei Joh. Wolf,
Fredriksstad (Nonvegen), Schüler von Iver Handbuch derNotationskunde II. Die a.G.-T.
Holter in Oslo und 1892-95 von Reinecke ist wohl als aus der Improvisationspraxis der
am Leipziger Konservatorium. Erst (1895 Laute und der ähnlich bezogenen Gambe
bis 1907) Organist in Drammen, lebt er herausgewachsen anzusehen, welche bereits
sei tr 907 in 0 slo als Organist und Chorvereins- im 16. Jahrhundert die allmähliche Ent-
dirigent ( Handwerker - Gesangverein), seit stehung der Harmoniebegriffe belegt und
1916 Organist und Kantor an der Erlöser- direkt zum Generalbaß überführt. Vgl.
kirche, seit 1920 Leiter von Holter's Chor- Ortiz.
Alphorn - Altchristliche Musik. 33
Alphorn (Alpenhorn), ein primitives, reicht von klein a, beim tiefen A. von /
uraltes, als Holztrompete anzusprechendes, (ausnahmsweise von e, d) bis e", f" (bei
nur über die Naturskala verfügendes Blas- umfangreichen Stimmen aber höher). -
instrument, dessen sich die Hirten in den Historisch und satztechnisch ist die Alt-
Alpen bedienen; die gerade, 5 -6 Fuß lange, stimme die erst im 15. Jahrhundert beim
meist konische Röhre ist aus Holzdauben übergange von der normalen Dreistimmig-
zusammengefügt und ihr ein aus hartem keit zur normalen Vierstimmigkeit hinzu-
Holz gefertigtes Kesselmundstück - das kommende. Die ersten Versuche der Mehr-
manchmal auch fehlt - aufgesetzt. Vgl. stimmigkeit im 9.-II. Jahrhundert (Orga-
Szadrowsky, Die Musik und die ton- num, Diaphonie) improvisierten zu den kirch-
erzeugenden Instrumente der Alpenbewohner lichen Melodien eine in wechselnden Abstän-
(Jb. des Schweizer. Alpenclubs IV, 275 f.). den sie begleitende zweite Stimme, die zuerst
[d']Alquen (spr. -ken), Peter Cornelius gewöhnlich tiefer lag als die Hauptstimme
Johann, * 1795 zu Arnsberg (Westfalen), (der Tenor); erst der französische Dechant
t27.Nov.1863 zu Mülheim a.Rh.; stu- des 12. Jahrhunderts legte die Gegenstimme
dierte in Berlin Medizin und unter Klein und durchweg höher (Discantus), der wohl ebenso
Zelter Musik, wand te sich aber als praktischer alte englische Fauxbourdon (s. d.) brachte
Arzt zu Mülheim überwiegend der Kompo·· sogar zwei über dem Tenor sich bewegende
sition zu und wurde durch seine Lieder Gegenstimmen. Dagegen stützte die Floren-
populär. - Sein jüngerer Bruder, Friedrich tiner Ars nova des 14. Jahrhunderts die frei
A. E., * 1810, t 18. Juni 1887 in London, erfundene Oberstimme (Cantus) durch einen
war für die junstische Laufbahn bestimmt die Harmonie fundamentierenden Baß, und
(Dr. jur.), bildete sich jedoch unter Hubert die Kunst der Epoche der Rondeaux und
Ries zum Violinvirtuosen aus, ließ sich 1827 Balladen um 1400 (bis zu Binchois und Du-
in Brüssel als Musiklehrer nieder und siedelte fay) fügte als dritte Stimme den Contra-
1830 nach London über, wo er verschiedene tenor hinzu, der den Satz füllend und ergän-
Violin- und Klavierkompositionen ver- zend bald über bald unter dem Tenor sich
öffentlichte und als Musiklehrer geschätzt bewegte und beim Übergange zur Vierstim-
war. migkeit (durch Dufay) sich in den Contra-
Alsfeld. Vgl. Dotter, Das Collegium tenor altus (Alt, Haute-contre) und Contra-
nzusicum zu Als/eid (Mitteilungen des Ge- tenor bassus (Baß, Basse-contre) spaltete. Da
schichts- und Altertumsvereins der Stadt A., aber in dieser älteren Literatur (bis zur Zeit
Nr. II). Ockeghems)gewöhnlich nur eineStimme, und
Alsleben, Julius, * 24. März 1832 und auch diese oft nur teilweise zum Singen be-
t 8. Dez. 1894 zu Berlin, studierte in Berlin stimmt ist, so sind die Umfänge dieser Stim-
Orientalia, promovierte in Kiel, widmete men nicht denen der Singstimmen ent-
sich dann aber gänzlich der Musik als Schüler sprechend, welche wir heute mit diesem
von Leuchtenberg, Zech und S. Dehn. A. Namen belegen. Erst die Durchführung des
lebte als Klavierlehrer in Berlin, wurde 1865 a-cappella-Stils gegen Ende des 15. Jahr-
Vorsitzender des Berliner Tonkünstler- hunderts stellte diese Beziehung her, nur
vereins, 1879 Mitbegründer und Vorsitzender blieb die Altstimme noch lange für eine
des Musiklehrervereins. 1872 erhielt er den Männerstimme berechnet (Tenorlage) und
Professortitel. A. redigierte seit 1874 einige nur der Diskant wurde durch Knaben ge-
Jahre die Harmonie und veröffentlichte: sungen. Vielfach sind aber auch die Sopran-
Abriß der Geschichte der Musik (zwölf Vor- stimmen von falsettierenden Männern (Alti
lesungen, 1862), Kleines Tonkünstlerlexikon naturali) oder aber Kastraten gesungen
(1864), aber die Entwickelung des Klavier- worden; in England ist für das Singen von
spiels (1870) und Licht- und Wendepunkte in Glees (s. d.) das Falsettieren der hohen
der Entwicklung der Musik (1880). Stimme noch heute gebräuchlich. - 2) Alt-
Alstedt, J oh. Heinr., * 1588 zu Bellers- ins trumen te heißen Instrumente, deren
bach bei Herborn (Nassau), Professor der Tonlage eine Quart oder Quint unter Nor-
Theologie und Philologie zu Herborn, t 8. No- malinstrumenten sich befindet (Altviola,
vember 1638 zu Weißenburg in Siebenbürgen, Altklarinette usw.); A. bei der Familie der
handelt in seiner Enzyklopädie der gesamten Hörner, Trompeten, Posaunen die, deren
Wissenschaften (16ro) vielfach von der Mu- zweiter Naturton klein / oder es ist.
sik, gab auch ein Elementale mathematicum Altamira, Vizconde de, s. Cancionero
(16II) heraus, von dem ein Teil das Ele- musical.
mentale musicum ist, welChes separat ins *
Altani, Hyppolit, 27. Mai 1846, Schü-
Englische übersetzt wurde (1664 durch J. ler des Petersburger Konservatoriums (Nik.
Birkensha) ; endlich beschäftigt sich auch Zaremba und Anton Rubinstein), war seit
der achte Teil seines Methodus admirando- 1866 als Kapellmeister an verschiedenen
nem mathematicorum (1613) mit der Musik. Provinzbühnen tätig und 1882-1906 erster
Alt, I) Altstimme (ital. Contr'alto [AltoJ, Dirigent der kaiserlichen Oper (großes The-
franz. H aute-contre, bei lateinischer Bezeich- ater) zu Moskau.
nung der Stimmen Altus, Vox alta oder Con- Altchristliche Musik. Daß die Wurzeln
tratenor), die tiefere der beiden Arten der der a. M. im Orient zu suchen sind, ist seit
Frauen- und Knabenstimmen, welche den langer Zeit bekannt. Die neuesten Unter-
Schwerpunkt im Brustregister hat. Der suchungen, die sich auf vergleichende Litur-
)J"ormaJumfang der wirklichen Altstimme gieforschung stützen, ergeben aber, daß die
RIemann, Muslk·Lexlkon. 11. Auf!. 3
34 Altena - Altes.

herrschende Theorie, der a. Gesang habe sich A. (* 1688, t 1761) Hoftrompeter war.
aus dem jüdischen Tempelgesang einerseits, t 14. Mai 1801 zu Bitterfeld, Schüler von
der altgriechischen Musik anderseits ent- Römhild in Merseburg und Altnikol in Naum-
wickelt, ungenau ist. Aus der Tatsache der burg, lebte während des Siebenjährigen
griechischen Amtssprache in Syrien und Krieges im Auslande und wurde 1767 Orga-
Palästina darf man nicht schließen, daß die- nist in Landsberg bei Halle und 1769 in
jenigen, die sich ihrer bedienten, wirklich Bitterfeld, wo er arm und verkommen starb.
Griechen gewesen seien. Aber auch der jü- A. schrieb: Versuch einer Anleitung ZU1'
dische Einschlag darf nicht als rein semi- heroisch-musikalischen Trompeter- und Pau-
tischer angesehen werden. Die Juden hatten ker-Kunst (1795), auch gab er Klavierkompo-
unter der babylonischen Herrschaft vieles sitionen heraus. VgI. Sammelb. der IlVIG.
aus dem Kult dieses Volks übernommen; VII, S. II9 ff. (Arno Werner).
vor allem aber waren die babylonischen Altenburg, Michael, *27.Mai 1584 zu
Hymnen von großem Einfluß auf die hebrä- Alach bei Erfurt als Sohn eines wohlhaben-
ische Hymnendichtung, die Psalmen. Der den Schmieds, t 12. Febl'. 1640 in Erfurt
a. Gesang ist also ein Produkt der synkre- als Diakonus an der Andreaskirche, geschätz-
tistischen Bewegung, wie die gesamte Kultur ter Kirchenkomponist (J esajas 53 [Passion]
dieser Zeit. Seine erste große Entfaltung 6 V. 1608, Gaudium Christianum [mit Instl'.]
erlebt er in Syrien, Kleinasien und Ägypten. 12-16 v. 1617, NlusikahschM' ScMld und
Von Syrien aus verbreitet er sich nach Arme- Schirm [Psalm 55] 6 'U. 1618, Cantiones de
nien und Georgien einerseits, nach Persien adventu 5-8 v. 1620, Kirchen- und Haus-
andrerseits. In einer späteren Zeit ist dann gesänge auf alle Festtage, 4 Teile 1620-21
mit dem N estorianismus, dessen kunst.- [5 -9 v.], Intraden 6 v. [für Geigen, Lauten
schöpferische Kraft besonders in der Hym- und Orgel mit Choral] 1620, 1Vlusikalische
nendichtung und Musik hervorgehoben wird, Weihnachts- und N eujahrsziM'de 4-9 v.
eine Welle christlicher Kunst von Persien 1621, Hochzeitsgesänge U. a.). über A.s
über Ostturkestan nach China gekommen. Lebensschicksale s. Monatsheite f. MG. Xl
- Syrien und Kleinasien waren auch für 185 (Motschmann), Ei tners Quellenlexi-
die Verbreitung des a. Kirchengesangs nach kon undL. :.\1einecke, M. A. (19°3, Disser-
dem Abendlande wichtig. Hier sind es tation). -
folgende \;Yege, auf denen er Eingang fand. Alteration, in der l\fensuralnotierung (s.d.)
über Byzanz nach dem Balkan und Ruß- des 13.-17. Jahrhunderts die Verdoppelung
land; über Ravenna nach Italien (wie die des zweiten von zwei gleichen N otemverten
Tatsache beweist,daß der Wechselgesang aus (zwei Breves, Semibreves, NIinimae), welche
Antiochia nach lVIailand drang); über Mar- dann statthatte, wenn bei dreiteiliger Men-
seille nach Südfrankreich und der Schweiz; sur der nächst größeren Notengattung die
über die spanische und irische Küste nach beiden (nicht durch einen Punkt voneinander
dem Innern dieser Länder. Diese Tatsache geschiedenen) Noten entweder zwischen zwei
spielt bei der Bestimmung, wie sich die ein- solchen größern (z.B.zweiB reves zwischen zwei
zelnen Neumenschriften genetisch zuein- Longae) stehen, oder aber durch ein Punctlan
ander verhalten, eine wichtige Rolle und divisionis von folgenden oder vorausgehenden
wird auch bei der Vergleichung der Entwick- gleichen oder kleineren abgetrennt sind. So
lungsstadien der gregorianischen Gesänge muß bei vorgeschriebenem 0 (Tempus per-
von Bedeutung sein. - Die a. Gesänge sind jectum) die Folge ~ I) 0 ~ verstanden
keine Kunstschöpfungen, sondern Volks- werden als (auf die Hälfte verkürzt):
lieder; daher sind die nationalen Einschläge
bei den syrischen, koptischen, armenischen
usw. Gesängen sehr stark. Das älteste da-
J2 o· IJ 0 10 •

tierbare Stück a. M. ist der neuerdings auf- Alterierte Akkorde sind nach der Termi-
gefundene Hymnus von Oxyrhynchos, etwa nologie der älteren Harmonielehre (General-
vom Ende des ,). Jahrhunderts; in ihm baß) eigentlich alle durch ein #
oder j, (x,
mischen sich bereits die hellenischen Ele- ~j" ~) der Vorzeichnung widersprechenden
mente mit orientalischen. über diesen Akkorde; in H. Riemanns Harmonielehre
Hymnus vgI. H. Abert (ZfMW. IV); O. nur diejenigen, welche die Prim, Quint oder
Ursprung, BuH. de la Soc. Uno mus.IIl, Terz der Harmonie. in deren Sinne der
1923, erweitert in Theologie und Glaube, Akkord aufgefaßt wird, chromatisch ver-
Paderborn 1926. Vgl. Egon Wellesz, ändern (5', 5', I', I', 3' [3'], 1', J', II!',
Au/gaben und Probleme auf dem Gebiete der [IlP] , V" V').
byzantischen und orientalischen Kirchenmusik Alternativo (ital.), oder Alternative-
(19 2 3). men t (franz.) abwechselnd, ist die früher üb-
Altena (\Vestf.) Vgl. Festbuch zur 50 iähr. liche Bezeichnung für zweiteilige Tanzstücke,
jubel/eier . .. lVfGV Arion, Altena (1921). - deren beide Teile nach Belieben mehrmals
Festbuch zur 75 jähr. jubelfeier . . . MGV. wechselnd gespielt werden (111 enuetto a.);
Liedertafel Altena i. W. (1921). auch wird wohl in solchen der zweite Teil
Altenburg. Vgl. Festschrift zur 50jähr. mit A. überschrieben.
j ubeljeier des A .er 1\11 ännergesang- Vereins Altes (spr. altäß), J oseph Henri, * 18.
I863-I9I3 (19 1 3). Jan.1826 zu R<:lUen, t 8. Juli 1899 zu St.
Altenburg, Joh. Ernst, * 1736 zu Dye bei Blois, Flötenvirtuose, Mitglied des
Weißenfels, 'xo sein Vater J ohann Kaspar Orchesters der Großen Oper und 1868 Nach-
Althorn - Alypios. 35
folger von Dorns als Flötenprofessor am Alto (ital.), I) Altstimme (Contr'alto),
Konservatorium, auch Komponist für Flöte. s. Alt. 2) Altviole, Bratsche, s. Viola.
~ Sein Bruder Ernest Eugene, * 18. )(Altona. Vgl. Mützenbecher , Zur Ge-
März I830 zu Paris, Violinist, war 1880-87 -s?:kichte des musikalischen Dilettantenvereins
zweiter Kapellmeister der Großen Oper. in A. (1919); Paul Th. Hoffmann, Die
Althorn s. Bügelhorn. Entwicklung des A .er Stadttheaters, Fest-
Altklarinette (Bassethorn), Alto boc schrift zum 50 jährigen Bestehen (1926).
(Englischhorn), Altposaune usw. s. Klari- Altschlüssel, der c'-Schlüssel auf der Mit-
nette, Oboe, Posaune usw. tellinie, früher überhaupt für die Altstimme
*
Altmann, Wilhelm, 4. April 1862 zu gebraucht, heute nur noch für die Bratsche
und Alt-Posaune allgemein üblich. Ange-
Adelnau, Violinschüler von Otto Lüstner in
Breslau, studierte in Marburg und Berlin sichts der Tendenz zur Abschaffung alle,'
Geschichte (Dr.phil.) und trat 1886 in d@n anderen Schlüssel als des Violin- und Baß-
Bibliotheksdienst (bis 1889 in Breslau, dann schlüssels sei betont, daß jedenfalls der A.
in Greifswald). Seit 1900 war er Oberbi- Anspruch hat auf dauernde Beibehaltung
bliothekar an der Preuß. Staatsbibliothek, und allgemeine Verwendung wegen seine:;-
1905 Professor und stand seit I9I6 an der zentralen Lage zwischen Violin- und Baß-
Spitze der Deutschen Musz'ksammlung, zu schlüssel, Vgl. die Tabelle unter Linien-
deren Begründung er mit der Firma Breit- system.
kopf & Härtel die Anregung gegeben hat Aluminophon s. Xylophon.
(vgI. Zentralblatt für Bibliothekwesen I906, Alvarez, Fermin Maria, beliebter span.
sowie iVIusikhandel und Musikptlege 1906),
und war seit dem Tode Alb. Kopfermanns
*
Liederkomponist, zu Saragossa, t 1898 zu
Barcelona, veröffentlichte ca. 100 Gesangs-
(I9I4) bis Ende I927 Direktor der Musik- werke mit Klavier und zum Teil auch mit
abteilung derPreuß. Staatsbibliothek. Neben- andern Instrumenten, auch einige Klavier-
bei war A. seit 1888 als Musikreferent und werke.
Mitarbeiter an Musikzeitungen tätig, be- Alvary, Max, * 3. Mai 1856 zu Düsset-
sonders auch für die Halbmonatsschrift Die dorf, t 7. Nov. I898 zu Großtabarz i. Thür.,
Musik. In Greifswald dirigierte er fünf Jahre Sohn des berühmten Malers Andreas Ach e n-
ein Dilettantenorchester, war auch als Mu- bach (A. war sein Bühnenname), besuchte
siklehrer tätig. A. schrieb: Chronik des Ber- das Jesuitengymnasium zu Paris und wählte
liner Philharmonischen Orchesters [1882 bis den Beruf des Opernsängers (Tenor) gegen
I.90I] (1902), H. von Herzogenberg (I903), seines Vaters Willen, war Schüler von Jul.
Öffentliche Musikbibliotheken; ein frommer Stockhausen und sang nacheinander an den
Wunsch (I903), Rich. Wagners Briefe nach Bühnen zu Weimar, München, Neuyork,
Zeitfolge und Inhalt (19°5, Verzeichnis von Hamburg und Mannheim.
3143 Briefen mit kurzen lnhaltsangaben), Alwin, Karl, * 15. April I891 zu Königs-
Brahms' Briefwechsel I I I., mit Reinthaler, berg i. Pr., wo er das Gymnasium absolvierte,
Bruch, Rudorff, B. Scholz u. a. 1907 [I912], studierte in Berlin Literatur, Philosophie
Wagners Briefwechsel mit seinen Verlegern und Musik (Humperdinck, Hugo Kaun).
(19II, 2 Bde.), ein Kammermusik-Literatur- Durch Carl Muck kam er als Korrepetitor
Verzeichnis (seit 1841 erschienener Kammer- an die Berliner Hofoper, assistierte I9I2 bei
musikwerke, 19IO [4. AufI. 1928]), einen den Bayreuther Festspielen, wurde 1913 in
Max-Reger-Katalog (1917 [1927]), einen Or- Halle zweiter, 19I4 in Posen erster Kapell-
chester-Literatur-Katalog (1919 [1926]), einen meister, 1915-17 am Düsseldorfer, 1917-20
Wilhelm-Berger-Katalog (1920), Rt'ch. fVagner am Hamburger Stadttheater. Seit September
und A. Niemann (1924); Handbuch tür 1920 wirkt er mit seiner Frau, Elisabeth
Streichquartettspieler (1928), eine N eubearbei- Schumann (Sopran), an der Wien er Staats-
tung von P. Franks Tonkünstler-Lexikon oper, ist auch an der Musik-Akademie tätig
(13. AufI. 1926), gab ferner Wagners Mein ( I 924 Professor) , machte auch Gastspielreisen
Leben (1923) und ausgewählte Briefe Wag- nach England und Spanien (1924 und 1925).
ners (1925) heraus, Otto Nicolais Briefe an Er schrieb: zahlreiche Lieder (zum Teil ge-
seinen Vater (1925); Webers Schriften, Aus- druckt), einen sinfonischen Walzer und eine
wahl (1927), besorgte auch eine Reihe von Sinfonie E dur.
Kammermusik- und Partiturausgaben. Alypios, griech. Musikschriftsteller um
Altnikol, J oh. Christoph, Schüler und 360 n. Chr., dessen Einleitung in die IVIusik
Schwiegersohn von J. S. Bach (vermählt zuerst von Meursius (Aristoxenos, Niko-
20. Jan. 1749 mit Elisabeth JulianeFriederike machos, A. usw., 16r6 [ohne die Noten]) und
*
Bach), I7I9 (getauft 1. Jan. 1720) zu Berna Ath. Kireher (i. s. Musurgia 1650) und so-
in Schlesien, Sohn eines Musikers; kurze Zeit dann (mit den Notentabellen) von Meibom
Organist in Nieder-Wiesa bei Greiffenberg, (Antiquae musicae auctores septem, 1652) ab-
I748 Organist zu Naumburg, wo er im Juli gedruckt wurde. Eine kritische Neuausgabe
1759 starb, war seinerzeit als Komponist an- s. in K. v. J ans Scriptores (1895). Der Trak-
gesehen; doch erschien nichts im Druck, und tat enthält sämtliche r5 Transpositions-
nur wenig ist handschriftlich erhalten: eine skalen der Griechen in der Vokal- und In-
Klaviersonate und eine Kirchenkantate in strumentalnotierung diatonisch und chro-
der Preuß. Staatsbibliothek, ein Kyrie, eine matisch und 9 derselben auch enharmonisch,
-weitere Kantate und eine Motette. und wir haben daher die vollständige Kenn t-
3*
36 Amadt - Ama tu;;.

nis der griechischen Notenschrift hauptsäch- an dessen Stelle RudoH Hindemith) ange-
lieh A. zu danken. V gl. AfMW. VI, 4. hören.
Amade (Amadee), Ladislaw, Baron Amat, Doctor Juan Carlos, span. Arzt
von, * 12. März 1703 zu Kaschau (Ungarn), und Musiker des 16. Jahrhunderts, * zu
t 22. Dez. 1764 in Felbar als Hofkammerrat ; :Ylonistrol (Barcelona), Verfasser des ersten
war ein beliebter nationaler Dichter und Traktats über die Gitarre: Guitarra espaiiola
Komponist von Volksweisen, die von Baron y Vandola en dos maneras de Guitarra Castel-
Thaddäus von A. 1836 herausgegeben lana y Cathalana de ein co ordenes, Barcelona
wurden. Letzterer, * im (getauft 11.) Jan.L fIs/6, mehrmals neu aufgelegt.
17 82 zu Preßburg, t 17· Mai 1845 in Wien, Ämateur (franz., spr. -törl. s. v. w. Dilet-
war ein vorzüglicher Klavierspieler und kon- tant Kunstliebhaber. '
kurrierte als Improv~~ator am Klavier mit A~ti, die hochberühmte Geigenbauer-
J. 1
N. Hummel.
L' Er
ilzahlt
· · zu den Magnaten, d F amI'1'le zu Cremona 1m
. I 6 . un d 17. J a h r h un-
we ehe ISZt au~b den heßen. 18 3 1 wur e dert, deren Instrumente jetzt für wahrhafte
er zum ~ofmu:lkgrafen ernannt. . Kleinodien gelten. Der älteste A., welcher
Ama~o,Rlcc~rdo, h.ede~ tenderMuslk- die aus den alten Violen (vgl. Lyra 2) hervor-
verle~er m .ven~dlg, .a:nfangh?h (15 8 3-8?) gegangene Violine baute, war Andrea (* ca.
a~sozllert mit Glac. V lncen tl, dann allem 153 0 , t nach dem 10. April 16II), der neben
bIS 161 S· Violinen auch noch Violen in verschiedenen
Amalia, Name dreier fürstlicher Künst- Größen baute. Sein jüngerer Bruder und
lerinnen: 1) Anna A., Prinzessin von Sozius, :i\icola, fertigte hauptsächlich aus-
Preußen, Schwester Friedrichs d. Gr., gezeichnete Baßviolen in den Jahren 1568
*9.Nov.1723, t30.März 1787; kompo- bislS86. AntonioA.(*1555,tI638),der
nierte eine Reihe vortrefflicher Choräle, auch älteste Sohn des Andrea, baute in der Zeit
(vor Graun) Ramlers Tod Jesu (ein Chor von 1589-1627 überwiegend Violinen, deren
und Choral daraus in Kirnbergers Kunst Größe aber damals noch sehr schwankend
des reinen Satzes). Die an Werken der ersten war; er war einige Zeit assoziiert mit seinem
Hälfte des 18. Jahrhunderts (auch Auto- jüngeren Bruder Girolamo 1. (* 1556,
graphen) so reiche Bibliothek des Joachims- t 2. Nov. 1630), der ihm indes an Geschick-
thalsehen Gymnasiums in Berlin geht in lichkeit nachstand und dessen Violinen alle
ihrem Hauptbestand auf den Besitz der etwas groß sind. Der bedeutendste A. ist
Prinzessin Amalie zurück; seit 1914 ist sie Girolamos Sohn Nicola (* 3. Dez. 1596,
als Leihgabe ein Bestandteil der Musik- t lZ. April 1684), der Lehrer von Andrea
abteilung der Preuß. Staatsbibliothek. Vgl. Guarneri und Antonio Stradivari. Ein
Hohenzollern- Jahrbuch 1910 (Curt Sachs). Francesco Alessandro A. (* 25. Febr.
X - 2) Anna A., Herzogin von Sachsen- 1590) war der Sohn von Girolamo 1. Der
Weimar, die Mutter des Großherzogs Karl Nachfolger von Nicola A. war dessen Sohn
August, * 24. Okt. 1739, t 10. April 18°7; Girolamo II. (* 26. Febr. 1649, t 21. Febr.
komponierte Goethes Singspiel Erwin und 1740), der letzte Vertreter der Familie, der
Elmire (1776, Neuausgabe von :\1ax Fried- indes weit hinter seinem Vater zurückstand.
laender 1921). Ein Divertimento für Vielleicht auch zu derselben Familie gehörig
Klavier, Klarinette, VIa., Vc. (Weimar, ge- ist Giuseppe A., der zu Anfang des 17.
stochen), zeigte Liepmannssohn in Kat. zoz Jahrhunderts zu Bologna Violinen und Bässe
an. Vgl. F. Bornhak, A. A. (187z) und Vlr. baute, die einen schönen hellen Ton haben
Bode, A., Herzogin von Weimar (1907/8, sollen. Der Vorzug der Amati-Geigen ist
3 Bde.). - 3) Marie A. Friederike, Prin- weniger Größe als Weichheit und Rundung
zessin von Sachsen, Schwester des Königs des Tones. Vgl. Giov. de Piccolellis,
Johann von Sachsen, * 10. Aug. 1794 und Liutai antichi e moderni I885; Nachtrag:
t 18. Sept. 1870 zu Dresden, als Lustspiel- Genealogia degli Amati e dei Guarneri 1886,
dichterin bekannt unter demNamenA malie ein an neuen AufsehNssen reiches Werk;
Heiter, komponierte auch Kirchensachen s. auch die Besprechung durch E. Vogel
und 13 am sächs. Hofe aufgeführte Opern in der Vierteljahrssehr. f. MW. 1888,
(Una donna, Le tre cinture, sowie 2 Possen: S. 518ff., auch w...L. v. Lü tgendorff,
Die Sieges/ahne, Der Kanonenschuß u. a.). Die Geigen- und Lautenmachel', 11. Band.
Vgl. Fürstena u, Die musikalischen Beschäf- V gl. Streichinstrumente.
tigungen der Prinzessin A. (1874). Amato, Pasq uale, italienischer Bari-
Amar, Licco, * 4. Dez. 1891 in Budapest, tonist,. * 21. März 1878 in N eaj?el, erst
d~rt Schüler der Nat. Ak. (Emil Bare) und Techmker, dann (18.96-99) ~chuler des
~eIt 191 I der Berlmer Hochschu~e (Marteau); dortigen Kons~rv:a.tonums, debut~erte 1900
m Marteaus Quartett Secundanus; seIt 1915 am Teatro Belhm m Neapel, erst m Itahen,
Konzertmeister am Philharmonischen Or- dann in Europa als Gast tätig. 1908 kam
chester in Berlin, seit 1920 am Mannheimer er z. e. M. ans Metrop. Op. House, sang
Nationaltheater, jetzt als freier Künstler zwei Winter in London und sechs in Buenos
in Frankfurt a. M. 1923 gründete er eine Aires.
Quartettvereinigung,die für die Propaganda Amatus, Vincentius (Amato), Doktor
Neuer Musik das bedeutendste und vollen- der Theologie und Kapellmeister der Kathe-
detste .organ ist und der Walter Caspar, drale zu Palermo, * 6. Jan. 1629 zu Ciminna
PaulHmdemith und:VlauritsFrank(rgz4-z7 (Sizilien), t z9. Juli 1670 in Palermo; kom-
Amberg - Ambrosianischer Gesang. 37
ponierte Kirchenmusik und eine Oper rer des Kronprinzen Rudolf war und eine
L'Isauro (1664). Professur am Konservatorium erhielt. Als
Amberg, Herman, *
22. Dez. 1834 in Komponist war A. nicht unbedeutend, hat
Kopenhagen, t 1902, 1868 Domorganist in größere Kirchenmusiken (eine Messe, ein
Viborg, schrieb 24 Orgelpräludien, Lieder Stabat Mater usw.), Klaviersachen im
u. a. Stile Schumanns, auch eine böhmische
Ambitus (lateinisch), s. v. w. Umfang: Nationaloper: Bfetislav a jitka, Ouvertüren,
man spricht vom A. einer Melodie (d. h. Lieder u.·· a. geschrieben; doch liegt der
der Entfernung des höchsten vorkommenden Schwerpunkt seiner Bedeutung in seiner
Tons vom tiefsten), ferner vom normalen schriftstellerischen Tätigkeit. Zu erwähnen
A. eines Kirchentons usw. sind noch seine Kulturhistorischen Bilder
Ambo (lateinisch), hieß in den ältern aus dem Musikleben der Gegenwart (I860,
christlichen Kirchen eine am Gitter des 2. AufI. 1865), Bunte Blätter, Skizzen und
Presbyteriums angebrachte kleine Lese- Studien (2 Bände I872 und 1874, 2. AufI.
kanzel, an oder auf deren Stufen (in gradibus herausgegeben von Emil Vogel I896),
ambonis) das darum so genannte Graduale Zur Lehre vom Quintenverbot (1859), Das
(Responsorium graduale [gradale]) gesungen Konservatorium in Prag (1858; auch als
wurde. Einleitung der Denkschrift von J. Bran-
Ambraser Liederbuch, s. Liederbücher. berger I9II neu gedruckt), Kleine Schriften
Ambros, August Wilhelm, Musik- aus dem Nachlaß (1. Band Aus Italien,
historiker,* I7. Nov. I8I6 zu Mauth bei 2. Band Musikalische Aufsätze, 3. Band
Prag, t 28. Juni I876 in Wien, Neffe von Studien zur bildenden Kunst. Biographi-
R. G. Kiesewetter (s. d.); studierte Rechts- sches, I88o) und Abriß der Musikgeschichte
wissenschaft, aber daneben Musik, trat zwar (Vorlesungen für Kronprinz Rudolf, Halle,
in den Staatsdienst, in welchem er 1850 Hendel). VgI. Hanslick, Aus meinem
als Staatsanwalt beim Prager Landgericht Leben.
angestellt wurde, war aber gleichzeitig als Ambrosch, J oseph Kar!, Opernsänger
musikalischer Kritiker tätig und trat auch (Tenor), * I759 zu Krumau (Böhmen),
mit Kompositionen an die Offentlichkeit. t 8. Sept. I822 in Berlin, Schüler von Koze-
Sein Ruf als Musikschriftsteller datiert seit luch, sang an verschiedenen Bühnen, wurde
der Herausgabe seiner Schrift Die Grenzen I79I am Berliner Nationaltheater angestellt
der Poesie und Musik (I856, 2. Aufl. I872, und sang auch nach seiner Pensionierung
gegen Hanslieks Vom Musikalisch-Schönen), 18II noch bis 1817 in der Berliner Sing-
die ihn unter andern mit Liszt zusammen- akademie mit. A. selbst war als Lieder-
führte. Auch war er unter dem Namen komponist beliebt und gab mit J. M.
Flamin Mitarbeiter der Neuen Zeitschrift Böheim heraus Freymäurerlieder mit Me-
für Musik. Sein durch Lebendigkeit des lodien (I793 Teil I-2; der dritte Teil I795
Stils und der Anschauung hervorragendes, von Böheim allein).
vielfach auf echter Quellenarbeit beruhendes Ambrose, Paul, * I1. Okt. I868 zu
Hauptwerk ist eine vierbändige Geschichte Hamilton (Ont.), ausgebildet in Amerika
der Musik (Leipig 1862-78), die leider nur von A. R. Parsons, B. O. Klein und Dudley
bis in den Anfang des I7. Jahrhunderts Buck, 1886-90 Organist in New York City,
reicht und deren 4. Band schon teilweise seitdem Inspektor für den Musikunterricht
noch unfertig hinterlassenes Material brachte in New Jersey, Komponist zahlreicher
(eine durch selbständige Fortsetzungen be- weltlicher und kirchlicher Gesänge, Chor-
reicherte Neubearbeitung dieses Bandes von lieder, Duette und Klaviersachen.
Hugo Leichtentritt erschien I909). Der Ambrosianischer Gesang, der kirchliche
1. Band erschien in 2. Auflage, verballhornt Gesang, wie ihn der heil. Ambrosius (s. d.),
durch B. von Sokolovsky I887, der 2. Band Bischof von Mailand, in den Kirchen seiner
I89I, überarbeitet von Heinrich Reimann. Diözese einführte. Ambrosius verpflanzte
~; Von besonderem Werte ist der 3. Band, der den Halleluja- und Antiphonengesang aus
die Epoche der Niederländer behandelt dem Orient nach Italien; auch wird er als
(3. Auflage rev. von O. Kade). Einen der Urheber des Responsorialgesangs an-
fünften Band (Beispielsammlung zum 3. gesehen; da er aber auch den Hymnen-
Bande) gab O. Kade mit Benutzung von gesang nicht nur nach Italien brachte,
Ambros' hinterlassenen Materialien 1882 sondern selbst viele Hymnen verfaßt hat,
heraus (2. Auflage I9II), ein Namen- und und da nach unzweideutigen Zeugnissen des
Sachregister ~. Bäumker I882. ZU den heil. Augustinus die Jubilationen gerade so
umfassenden Studienreisen, welche die Aus- den Kern des Ambrosianischen Gesangs bil-
arbeitung dieses Werkes erforderte, wurden deten wie nachher den des Gregorianischen,
A. nicht nur Urlaub in seinem Amt, sondern so ist allem Anscheine nach der Gregoria-
von der Wiener Akademie auch Geldmittel nische Gesang nichts eigentlich vom A. G.
bewilligt. 1869 wurde er zum außer- Verschiedenes, sondern nur eine umfassende
ordentlichen Professor der Musik an der und für die gesamte katholische Christenheit
Universität zu Prag ernannt; daneben war zur Nonn gemachte Revision des Kirchen-
er Direktionsmitgliedund Lehrer der Musik- gesangs gewesen. Doch scheint die Mailän-
geschichte am Prager Konservatorium. I872 der Liturgie einzelne abweichende Gebräu-
wurde er nach Wien berufen. wo er neben che. auch einzelne anderweit nicht übliche
einer Anstellung im ]ustizministerium Leh- Gesänge beibehalten zu haben, auf welche
38 Ambrosianischer Lobgesang - Amerika.

sich Bemerkungen mittelalterlicher Schrift- Amediale Musik, von Bodo Wolf (s. d.)
steller beziehen mögen, wenn sie vom Am- angewandte Bezeichnung für ein Stilprinzip
brosianischen Gesange sprechen. VgI. Vier- der Neuen Musik, das den Dreiklang prinzi-
teljahrsschrift für MW. VII, S. 121. Die piell vermeidet (Negierung der Terz), den-
phototypische Reproduktion eines im 12. noch aber durch Fixierung von Tonika und
Jahrhundert geschriebenen l'vIissale A mbro- Dominan t sich auch von der Quartenakkord ik
siamtm (im British Museum) nebst übertra- unterscheidet. W. hat dies Prinzip in seinen
gung und Kommentar als V. Teil der Pa- opera 30 und 3I durchgeführt.
leographie musicale (s. d.) gibt heute für Ameln, Konrad, * 6. Juli 1899 zu Neuß
eingehende Studien über den A. G. reiches a. H.h., in Kassel erzogen, studierte seit 1919
Material. Noch muß aber die Frage als in Göttingen Pädagogik, Kunstgeschichte,
offen gelten, inwieweit diese Mailänder Archäologie und Musikwissenschaft (Ludwig)
Liturgie eigentlich ambrosianisch, d. h. und seit 1921 in Freiburg i. Br. (Gurlitt),
wirklich wie die gelasianische und leoninische promovierte 1924 mit der (ungedruckten)
vorgregorianisch oder aber wie die galli- Arbeit Beitl'äge z. Gesch. der Melodien ,,1 nns-
kanische und mozarabische spätere Um- bl'uck, ich muß dich lassen" und: "Ach,
bildung ist. VgI. W. C. Bishop, The Gott, vom Himmel, sieh darein". Seit 1925
lvIozarabic and A mbrosian Rites : FOUl' leitet er die Zeitschrift des Finkensteiner
Essays in Comparative Liturgiology (London Bundes Die Singgemeinde, seit 1926 ist er
1924). VgI. auch die Arbeiten über Am- Fachreferent für Musik bei den Städt.
brosius von G. Dreves (Freiburg 1893) Bücherhallen und der Deutschen Zentral-
und Dom Mocquereau (Mailand 1897). stelle für volkstümliches Büchereiwesen in
Ambrosianischer Lobgesang (Hymnus Leipzig; auch vielfach als Leiter musika-
A mbrosianus) wird der herrliche Gesang Te lischer Arbeitsgemeinschaften und Heraus-
deum laudamus genannt (vgI. Tedeum); geber (Faksimile-Ausgabe des Locheimer
doch ist die Urheberschaft des heil. Am- Liederbuchs, Lechners Passion u. a.) tätig.
brosius durchaus nicht verbürgt, vielmehr Amener bei Petzeid (1669), Kradentllaller
wahrscheinlich. daß dieser ihn von der (1675), J. K. Ferd. Fischer, Biber u. a. der
griechischen Kirche herübergenommen und ~ame einer Art Courante oder Gaillarde.
nur den Text übersetzt hat (die letzten Vielleicht ist A. einer der späteren Namen
Zeilen verraten textlich und musikalisch der veralteten Basse dance (5. d.). VgI. den
einen späteren Ursprung). VgI. Riemann, Amener von Aless. Poglietti:
Handbuch der MG. 1. 2, S. 42-46. fr
Ambrosius, der heilige, * 333 zu Trier,
.;. 4. April 397 in Mailand, wo er seit 374 ~~I'f~i r j. ~ Ir 9p E Ir !zr ~ t
Bischof war; hat um die Entwicklung des b Des es
abendländischen Kirchengesangs große Ver-
dienste, sofern er den Gesang der Antiphonen,
Responsorien und Hymnen, wie er in der
~~Ij!~~ r' ar
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:11:usw.
morgenländischen Kirche sich ausgebildet
hatte, in Italien einführte (vgI. Ambro- Amerbach s. Ammerbach.
sianischer Gesang). Die ihm vielfach zu- American Guild ofOrganists, eine li)96
geschriebene Bezeichnung der Stufen der ins Leben getretene zunftmäßige Organi-
Skala durch die sieben ersten Buchstaben sation der Organisten der Vereinigten Staa-
des lateinischen Alphabets gehört erst ins ten, welche Exa!1lina abhält und Diplome aus-
10. Jahrhundert (s. Buchstab,mtonschrift). stellt, und zwar in zwei Stufen, einer niederen
A. hat selbst eine große Anzahl von Hymnen ( A ssociates) und einer höheren (Fellows).
verfaßt. VgI. Biraghi, Inni sinceri et Die Examina (zweimal jährlich) unterstehen
carmi di S. A mbrogio (:\1ailand 1862) ; der Oberaufsicht des Bischofs von Neuyork.
Dreves, Aur. Ambrosius (1893), A. Steier, X Amerika. VgL Henry C. Lahee, Annals
Untersuchungen über die Echtheit der A m- 01 J\iusic in A., a chronological Record 01
brosianischen Hymnen (1903, Dissertation); signilicant musical Events Irom I640 to the
R. Wirtz, Der heilige Ambrosius und seine pl'esent Day (Boston 1923); M. Goldstein,
Zeit (Trier 1924). Die ölfentliche Musikpflege in den Ver-
Ambrosius, Hermann, * 25. Juli 1897 el:nigten Staaten von Nordamerika (1880);
in Hamburg, kam früh nach Leipzig, wo A. T. Davison, lVfusic Education in A.
er den Unterricht von Hans Griesch bis (1926); G. C. Seilhamer, History of the
Kriegsbeginn genoß; 1918 Schüler von AJncrican Theatle I749-I797, 4 Bände
Alfred Szendrei, 1921-24 Meisterschüler (Neuyork 18C)6); Louis C. Elson, The
Hans Pfitzners, daneben Student der Musik- History 01 American Music (1904 [1915,
wissenschaft. Seit Januar 1924 ist er 1925]); F. C. Bennett, History 01 Music
Korrep. an der Leipziger Oper, seit 1925 and Art in llhnois (Philadelphia 1904);
akustisch-technischer Mitarbeiter am Leip- Ernst C. Krohn, A Century 01 lliissouri
ziger Rundfunk, seit 1926 Lehrer für MUSl:C (St. Louis 1924); O. \Vegelin, ll-ficah
Theorie am Konservatorium. Eine große Haw1lins and the Saw Mit!. A Sketch 01 the
Reihe von Klavierwerken, Kammermusik first slfccesslul A nterican Opel'a and its
jeder Art, vier Sinfonien, ein Klavier- und Author (IC)I7); O. G. Sonn eck, Francis
ein Violinkonzert, Chorwerke und Lieder, H opkinson, the lirst A mel'ican Puet-Composer
über 60 opera, liegen von ihm vor. (1737-179I) and ]ames Lyon ... two Studies
Amerikanische Orgeln - Ammon. 39
in Earl)' American ll!Jusic (1905); derselbe, Amfiparnasso. V gl. Orazio Vecchi.
Early Concert-li/e in A. [1731-1800] (1907); Amft, Georg, * 25. Jan. 1873 zu Ober-
derselbe, Early Opera in America, Sammelb. hannsdorf bei Glatz (Schlesien), Schüler des
der IMG. 1904/5; unter dem Titel Early Kgl. Instituts für Kirchenmusik in Berlin
American Operas auch in Sonneck's Miscel- (Radecke, Löschhorn), 1910-19 Seminar-
'aneous Studies 1921; K. Hackett, The musiklehrer in Bromberg, seit 1919 in
Beginning 0/ Grand Opera in Chicago 1850 Habelschwerdt, 1913 Kgl. Musikdirektor.
bis 1859 (1913); anonym: The Harvard Schrieb: Chorlieder; Lieder; Klavierstücke ;
j'\llusical Association I837-I9I2 (Boston 3 Messen op. I4, I6 und I7; je 5 Pange
1912); O. G. Th. Sonneck, A Survey 0/ lingua für Männerchor op. I2 und gemischten
Music in A. (1918); H. E. Krehbiel, More Chor op. I3; drei Hefte Schlesische Volks-
Chapters 0/ Opera; ... the Lyric Drama in lieder op. 5, 8 und IO; zwei Hefte Volks-
Ncw York /rom I908 to I9I8 (1919); R. lieder der Grafschaft Glatz; N eu es Lieder-
Walters, TheBethlehemBach Choir (Boston buch für katholische Schulen op. 6 (2. Aufl.
1918); M. A. Howe, Music Publishers in 1918); Bilder aus den Be'rgen, 6 Tonstücke
New York City be/ore I850 (1917); R. für Streichorchester op. 20 (ms.); Hrsg.:
Hughes, American Composers (Boston Deutscher Männerchor (7 Bände); Klavier-
1914); F.J.Metcalf, American Write1'S konzert A moll von Ph. E. Bach; Berühmte
and Compilers 0/ Sacred Music (1925). \Verke alter Meister für Orgel u. a.
Süd-Amerika: Vgl. E. Fischer, Patago- Amids, Anna Lucia de, *ca.1740 in
nische Musik (Anthropos III, 1908); Leh- Neapel, ausgezeichnete Sopranistin, von
mann-Nitsche, Patagonische Gesänge und Mozart geschätzt und oft in seinen Briefen
Musikbogen (ibid.); Marguerite Bcclard erwähnt; sie debütierte (unter Joh. Chr.
d'Harcourt, Metodies populaires indiennes Bach) 1763 in London, verheiratete sich
(Equateur, Perou, Bolivie) , 1924 (Ricordi)'; 1771 in Neapel, sang aber noch bis 1789.
R. et M. d'Harcourt, La Musique des Ihr Todesjahr ist unbekannt. Nach Gerber
Incas el ses survivances (1925); G. A. Ta- (ATL.) war die Tesi ihre Lehrerin.
la mon, Die zeitgenösssische argentinische Amiens, Vgl. P. Niquet, Les anciennes
Musik (1919). Vgl. die einzelnen Städte- societes musicales d'A. (1904); G. Durand,
Artikel. über Negermusik vgl. Dorothy Musiciens amienois du temps passe (1925).
Scarborough, On the Trail 0/ Negro- Amiot (spr. amj6) S. ]., Jesuitenpater
Folk-songs (Cambridge, Mass. 1926); H. W. und Missionar in China, * 1718 zu Toulon,
Odum und Guy B. Johnson, The Negro hat ein chinesisches musiktheoretisches Werk
and his Songs (1925); dieselben,N egro worka- (von Li-Koang-Ti) ins Französische über-
day Songs (1926); W. C. Blades ,Negro Poems, setzt, das mit Anmerkungen des Abbe
Melodies ... (1922); W. A. Fisher, Seventy Roussier in den j'\llbnoires concernant
Negro Spirituals (London 1926); über Indi- l'histoire ... des Chinois als sechster Band
anermusikdie Schriften vonA.C. Fletch e r(s. abgedruckt wurde (auch separat 1779).
d.)u.Fr.Densmore:ChippewaMusic(Bureau ~Ammerbach (Amerbach), Elias Niko-
of American Ethnology, Washington, D. C. laus, * zirka 1530 zu Naumburg, seit 1560
1910); Teton Sioux Music (id. 1918); Nor- Organist an der Thomaskirche zu Leipzig,
thern Ute Music (id. 1922); auch Sarah E. t 27· Jan. 1597 da selbst, gab zwei Orgel-
Olden, Shoshone Folk Lore (Milwaukee tabulaturbücher heraus (mit Anweisungen
1923); eine Bibliographie der Literatur über für den Fingersatz, Erklärungen der Ver-
amerikanische primitive Musik in: J. Matt- zierungen usw.) : Orgel- oder I nstrument-
feld, The Folk Music 0/ the Western Hemi- tabulatur (Leipzig 157I, 2. Aufl. Nürnberg
sphere (1925); vgl. dazu auch Sammelbände 1583) und Ein neu künstlich Tabulaturbuch
für vergleichende Musikwiss. usw. (1575). Vgl. Sammelb. d. JMG.
Amerikanische Orgeln, Harmoniums, XI. 1 (R. Wustmann).
welche nicht durch komprimierte aus- Ammermann, Wilhelm, Pianist und
strömende, sondern durch verdünnte ein- Begleiter, * 19. März 1869 zu Hamburg,
gesogene Luft die Zungen zum Ansprechen 1884-89 Schüler des dortigen Konservato-
bringen, daher nicht so grell klingen und riums (Riemann) und 1890-92 der Mün-
auch sonst noch kleine Abweichungen auf- chener Akademie. Konzertierte vor allem
weisen. Die Erfindung der a.n O.n (1835) als Kammermusikspieler und wirkte als
stammt von einem Arbeiter in der Harmo- Lehrer am v. Bernuthschen Konservatorium,
niumfabrik von J acob Alexandre (s.d.) in 1908-16 als Mitleiter des Vogtschen Kon-
Paris, welcher nach Amerika auswanderte; servatoriums in Hamburg. Er schrieb:
doch kamen sie in ihrer jetzigen Gestalt erst Lieder und Balladen; Gesangssuite Karneval
seit 1860 durch die Firma "fason & Ham- für Vokalquartett und Klavier (ms.).
Jin zu Boston allgemeiner in Aufnahme. Ammon, Blasius, aus Tirol gebürtig,
Amerus, (oder Aumerus), Musiktheo- t im Juni I590 in Wien, Diskant!st der Hof-
retiker englischer Nationalität, dessen 1271 kapelle des Erzherzogs Ferdmand, auf
in Italien im Hause des Kardinals Ottoboni dessen Kosten in Venedig ausgebildet,
abgefaßter Traktat Practica artis musicae in später Franziskanermönch in Wien. 5 st.
einer Abschrift in dem Bamberger Motett- Introitus erschienen 1582 zu \Vien, 4st.
Codex MS.lat. II5 (Ed.IV. 6) erhalten ist. Messen daselbst 1588, 4-6st. Motetten 1590
Vgl. die Dissertation über A. von Jos. Kro- in München (ein Teil der Auflage verkündet
molicki (Berlin 1909). den inzwischen erfolgten Tod A.s). Nach
: , ~" GI- rJ.L( J
\..,'>' :.';' .".{,.[>L \
I

40 Amner Anapäst.

seinem Tode erschienen noch in München Amsterdam. VgI. die Publikationer;


4st. Messen (im Patroeinium musiees 1591), des Vereins für [N oord] N ederlands Muziek-
4-6st. Motetten (1593) und ein zweiter geschiedenis; D. F. Scheurleer, Het Mu-
Band (4st.) Introitus (1601), herausgegeben ziekleven te Amslerdam in de I7. Eeul1,'
von seinem Bruder Stephan Amon (sie.). (1904 [19II]); Max Seifert, }. P. Sweelink
Handschriftlich in der Münchener Bibliothek und seine direkten Schüler (Dissertation,
eine Anzahl Motetten, teilweise in Orgel- 1891 in der Vierteljahrsschrift für MW.):
tabulatur. Eine Monographie über Fr. S. Bottenheim, Het Concertgebouw le A.
Blasius Amon ca. I56o-I590, ein Beitr. I888-I913 (1913) .
z. Geseh. d. Kirchenmusik in Oste1'r. schrieb Ana, Francesco d' s. Frottola.
Fr. Caecilianus Huigens O. F. M. (Wien er Anacker, Aug. Ferdinand, * I7.0kt.
Dissert. 1914, ungedr.). Vgl. Amon. 1790 und t 21. Aug. 1854 zu Freiberg in
Amner, J ohn, Organist und Chormeister Sachsen; in Leipzig geschult, 18zz Kantor
der Kathedrale zu Ely 16IO-4I, 1613 und Seminarmusiklehrer in Freiberg, wo er
Baccalaureus der Musik in Oxford, war ein auch eine Singakademie gründete und 1827
guter Kirchenkomponist (1615 erschienen: Dirigent des Bergmusikkorps wurde. Rob,
Sacred hymns,3-6st.). - Sein Sohn Ralph, V 0lkmann und Franz Brendel waren Schüler
t 3· März 1664 zu Windsor, war 1623-62 von A. Von seinen Kompositionen sind zu
Baß sänger in der königlichen Vokalkapelle nennen: die Kantaten Bergmannsgruß, Le-
zu Windsor. • bens Blume und Lebens Unbesland, Klavier-
Amoenitatum musicalium hortulus, stücke, Lieder und Chorlieder, ein Choral-
eine Sammlung von 4st. Tanzstücken und
Kanzonen (von Antegnati, Peurl, Haßler,
Schein, Staden, Er. \Vidmann u. v. a.),
mannstreue (Dresden). r
buch und 7 Ge~;änge zu Dörings Berg-

. Anakrusis (griechisch, französisch ana-


die 1622 ohne Dr. u. O. erschien. Eine
Auswahl der darin enthaltenen polnischen erouse), s. v. w. Auftakt (s. d.).
Tänze gab A. Chybiriski heraus (1911 in Analyse, griech. av,üvUl<;, Auflösung
der polnischen Musikalischen Vierteljahrs- (eines Zusammengesetzten in seine Ele-
schrift). mente). - I) Die technisch-ästhetische
Amon, J oh.Andreas, * 1763 zu Bamberg, A. von Musikwerken ist die Untersuchung
t 29· März 1825 in Wallerstein (Bayern); ihres formalen Aufbaues nach ihrer Gliede-
als Hornbläser Schüler von Giov. Punto rung in Themen, Phrasen und Motive und
(Stich), der ihn mit nach Paris nahm und deren Verkettung und Um bildung, Feststel-
von Sacchini in der Komposition unter- lung des Periodenbaues, der Modulationsord-
richten ließ. Nach längern Konzertreisen nung usw. der Inbegriff wirklicher musika-
mit Punto blieb er 1789 als städtischer lischen Formenlehre, alw dasselbe, was man
Musikdirektor (und Yerleger) zu Heilbronn auch Phrasierung nennt. Mit Recht wird
und wurde 1817 Kapellmeister des Fürsten der A. heute im Musikunterricht immer mehr
von Ottingen-\Vallerstein. Von seinen Kom- Raum gewährt. V gl. Grabner. Kurze Auf-
positionen sind gedruckt (über IOO Opus- weisungen der Hauptthemen der Werke,
zahlen) Sonaten für verschiedene Instru- wie sie seit längerer Zeit Konzertpro-
mente, Trios, Quartette, Quintette, auch grammen beigegeben werden (auch in den
Konzerte, eine Sinfonie, Lieder usw. ; Manu- Führern durch den Konzertsaal, Konzert-
skript blieben zwei Messen, ein Requiem führern, Opernführern usw.), leisten dem
und zwei Singspiele. V gl. Ammon. Dilettanten zwa r vortrefflicheDienste .können
Amorbach. Vgl. C. Valentin, Theater aber eine wirkliche Analyse natürlich nicht
und Musik anz Fiirstl. Leiningischen Hofe ersetzen. Analytische übungen sind die ur,-
(1921 ). entbehrlicheErgänzung und praktischeN utz-
Amphion anglicus Sammlung 1-4st. barmachung aller theoretischen Erörterun-
englischer weltlicher Gesänge mit Instru- gen über Harmonik, Rhythmik und Formen-
menten, herausgegeben von Pearson (Lon- lehre. Natürlich hat die analytische Fest-
don 1700 [enthält: Barret, Blow, Clarke, stellung der letzten kleinen Motive nur den
Croft] ). Zweck, deren Synthese zu größeren Bil-
Amplitude (französisch, spr. angplitüd) dungen (Perioden, Themen) verständlich zu
der Schwingungen ist die Größe der machen; eine korrekte Synthese ist aber ohne
Abweichungen yon der Ruhelage des schwin- vorhergehende Analyse nicht möglich. -
genden Körpers; die A. der Schwingungen 2) A. von Zusammenklängen durch
ist abhängig von der Größe der bewegenden das Ohr, auch die Unterscheidung der in
Kraft und bestimmt ihrerseits die Ton- dem einzelnen Tone (Klange) unserer Musik-
stärke, während die Periode (Zeitdauer) instrumente enthaltenen Partialtöne (vgi.
der Schwingungen yon den Dimensionen Klang). Zugleich erklingende Töne ver-
des schwingenden Körpers abhängt und schmelzen fürs Ohr nicht so wie fürs Auge
ihrerseits die Tonhöhe bestimmt. Die Mischungen verschiedener Farben zu einer
Schläge eines Pendels behalten stets die- neuen Qualität, sondern werden gesondert
selben Zeitabstände, solange das Pendel nebeneinander aufgefaßt. Mit diesen Ver-
nicht verkürzt oder verlängert wird; ein schmelzungs- und TI n terscheidungsproblemen
stärkerer Anstoß macht nur die einzelnen beschäftigt sich speziell die sogenannte Ton-
Ausbiegungen weiter (n'rgrößert die Ampli- psychologie (s. d.).
tude). Anapäst s. Rhythmik.
~
_ fn>fl"

Anche - Andersen. 41
Anche (spr. angsch) heißt im Franzö- Anders (Freiherr Wolff von Gudenberg),
sischen die Zunge der Zungenpfeifen der Erich, * 29. Aug. 1883 zu Teutschental bei
Orgel; leu:>: a anches, Zungenstimmen. Auch Halle a. S., Schüler des Leipziger Konser-
das Rohrblättchen der Klarinette heißt a .. vatoriums (Reger, Krehl, Pembaur, Rich.
und Instrumente. welche wie die Oboe und Hofmann, Nikisch, Sitt) , daneben der Uni-
das Fagott Doppelzungen haben, heißen versität (Riemann, Prüfer, Schering, Wundt,
instruments a a. double. Lamprecht), erst Kapellmeister an den
Anchieta, Juan de, * um 1450 und Stadttheatern zu Barmen und Heidelberg,
t 30. Juli 1523 zu Azpeitia (Guipuzcoa), in Berlin Musikreferent am Börsenkurier, den
komponierte eine Messe, der als Tenor ein Musikpädagogischen Blättern u. a., leitete
volkstümliches Lied auf die Judenverfol- das Seminar am Bendasehen Konservato-
gungen 1432 (Ea iudios) zugrunde liegt. A. rium und widmete sich besonders der Kom-
war Hofkapellmeister des Infanten Don position. 1916 siedelte er nach München
Juan. Vgl. auch Cancionero musical. über, I9I9 nach Köln, I920-22 Lektor der
Ancient Concerts s. Concerts of Ancient Musik an der Universität Bonn, I922 Lehrer
~ lWusic. der Komposition am Klindworth- Schar-
Ancora (spr. angk6ra, ital., noch einmal), wenka-Konservatorium; 1924 Pressechef des
s. v. w. da capo. Deutschen Opernhauses Charlottenburg,
Ancot (spr.angko), Jean, *6. Juni 1799 dann Direktor des Grotrian-Steinweg-Saales
zu Brügge, t 5. Juli I829 in Boulogne, Berlin, I927 Leiter der Gemeinnützigen Ver-
Schüler seines gleichnamigen Vaters (1779 einigung zur Pflege deutscher Kunst u. a.
bis I848, Schüler von Kreutzer und Baillot, Er schrieb: Lieder op. I, 3, 5, 7, 8 (Orchester-
Komponist von Violinkonzerten usw.), am gesänge), IO, II, und I2 (Kinderlieder), I3,
Pariser Konservatorium. Schüler Pradhers I5 a und b (Kinderlieder), I9, 20 (Kinoler-
(Klavier) und Bertons (Komposition), 1823 lieder), 2I, 22, 24, 27, 28, 30, 32, 33, 38 (mit
bis 1825 in London, Professor am Athenäum Orch.), 39, 49, 50, 5I (mit Kammerorch.);
und Pianist der Herzogin von Keilt, machte Klavierstücke op. 2,6, I4, 23 (2-und 4händ.);
dann Konzertreisen in Belgien und ließ sich Ges. für FrCh. a cappella op. 4 und 43; für
in Boulogne nieder. Seine Fruchtbarkeit als gern. Ch. op. 9; Terzette für FrCh. mit Kl.
Komponist war erstaunlich (225 Werke mit oder Orch. op.26; Duette mit Kl. oP.29;
noch nicht 30 Jahren; für Klavier: Sonaten, Kammersuite für Streichquartett oP.35;
ein Konzert, viele Variationenwerke, Etü- Wandlungen, Var. und Fughette für Streich-
den, Fugen, vierhändige Phantasien usw., quartett 0P.36; Streichtrio Es dur oP.40;
ferner Violinkonzerte, Gesangsszenen mit Suite für V.solo oP.45; Streichquartett
Orchester, Ouvertüren usw.). C dur 0P.47; Divertimento F dur für 2 V.
Ancot, Louis, Bruder von Jean A., op. 48; Lyrische Suite für groß. Orch. op. 3I;
* 3. Juni I803 und t 1836 in Brügge, ging Die Auferstehung, eine Kantate für Soli,
nach längeren Reisen auf dem Kontinent Chor und Orch. op. 34; Der Beter für Sprech-
gleichfalls nach London und wurde Pianist stimme und Streichorch. op. 37 ; Nänie H e-
des Henogs von Sussex, lebte dann einige lot'sens und der Nonnen am Grabe A bälards
Zeit zu Boulogne und Tours als Musiklehrer für Altsolo, FrCh. und Orch. op. 4I; Oster-
und zuletzt in seiner Vaterstadt. hymnus für Ten.Solo, gern. Chor, Knabeneh.,
~Andalusien. Vgl. J. Ribera, La musica Orch. und Org. op. 42; In Einsamkeiten für
andaluza medieval (Fase. 1; Madrid 1923). Sopr. und Streicher oP.44; Rhapsodie für
Andamento (ital., Gang), wie Diverti- Sprechstimme und 4 Streicher op. 52; end-
mento Name der Zwischenspiele der Fuge lich dieBühnenwerke: Venezia op. I6(Frank-
(s. d.). furtI917);Anselmo op.I7;Mandragola op.I8;
Andante (ital.), eine der ältesten Tempo- Tod und Leben op. 25 (Szene für Musik, Han-
bestimmungen, bedeutet im Italienischen nover I920); Sternenritt ins 1'vIärchenland
gehend (d. h. in mäßiger Bewegung, ziemlich (Weihnachtsspiel) oP.46; Der Sänger von
langsam) und nicht schlechthin langsam; Piu H amadan (Jugendwerk) und Musik zu König
a. oder un poco a. heißt daher schneller und Lear (München 1917).
nicht langsamer; meno a. ist weniger bewegt. Anders, Fri tz, s. Allihn.
d. h. langsamer. Die Diminutivform A n- Anders, Gottfried Engelbert, * 1795
dantino dürfte sich wohl zumeist auf die zu Bonn, t 22. Sept. 1866 in Paris, war lange
kurze Dauer eines Stückes oder auf Kleinglie- Zeit Archivar und Kustos der musikalischen
drigkeit des Aufbaues beziehen (vgl. Ada- Abteilung der Kaiserlichen Bibliothek zu
gietto). Unter einem A. versteht man heute, Paris. Er schrieb Monographien über Paga-
ähnlich wie unter Adagio, einen langsamen nini (1831) und Beethoven (1839) und einen
Satz einer Sinfonie. Sonate usw. Beitrag zur Geschichte der Violine (in der
Andantino s. Andante. Cäcitr:a I832). Seine bedeutende Privat-
Ander, Aloys, berühmter Opernsänger bibliothek erwarb Asantschewski (s. d.).
(lyrischer Tenor), * 13. Okt. 1817 zu Liebo- Andersen, Anton Jörgen, *lo.0kt.
titz in Böhmen, t II. Dez. 1864 zu Bad War- I845 zu Christiansand (Nonvegen), t 9. Sept.
tenberg; war von 1845 bis zum Ausbruch der 1926 in Stockholm, ausgezeichneter Cellist;
Geistesstörung, welche seine letzten Lebens- Cellist im Theaterorchester zu Oslo I864,
jahre umnachtete, ein hochangesehenes Mit- zu Trondheim 1865 und seit Okt. I871
glied der Wiener Rofoper und von R. Wag- am Kgl. Theater zu Stockholm, I880 erster
ner als erster Tristan ins Auge gefaßt. Cellist (seit I. Juli 1905 im Ruhestand), I876
Andersen - Anderton.

Lehrer für Cello- und Kontrabaß am Kgl. nischen Orchester zu Os10. Schrieb: 2 Opern ;
Konservatorium zu Stockholm (seit Ende 2 Operetten; 3 Sinfonien; 2 V.-Konzerte;
I9II im Ruhestand). 1912 Kgl. Professor, Bühnenmusik zu O. Sinding's Drama Iraka.;
1882 Mitglied der Kgl. Akademie. A. schrieb Ouvertüren zu Ibsen's H edda. Gablei' und
drei Sinfonien (H-moll [1884], Es dur und Baumeister Solness (1894); Orch.-Fantasien
D dur [1891]); ein Adagio für 3 Celli, 2 Hör- Aus Nm'wegens Berg und Tal, Die Najaden
ner und Kontrabaß, Konzertstück für 5 Celli und Konzertstück für Klarinette; Orch.-
und 3 Kontrabässe, Sinfonie für 14 Celli und Suiten Das Leben und Die H euschreeken;
3 Kontrabässe (in Stockholm privatim und 2 Oriental. Rhapsodien fürOrch.; Lieder u.a.
in Stuttgart [1913] öffentlich aufgeführt), Anderson, Lucy, geborene Philpot,
Sonate für Cello und Klavier (1876 gedruckt, Klavierspielerin, * im Dez. 1790 zu Bath,
preisgekrönt), Männerehöre und Lieder mit t 24. Dez. 1878 zu London, vermählt (1820)
Klavier. Ms. ist eine 4. Sinfonie H ardanger mit dem Violinisten George Frederick
für großes Orchester, mit Rezitation (Text A. lVIrs. Anderson war die erste Dame. die
yon H. Wergeland). in den Konzerten der Philharmonischen Ge-
Andersen, Hildur, norw. Pianistin, sellschaft als Pianistin auftrat.
* 25. Mai 1864 in Oslo, Schülerin von Andersson, Ellen, * 17. Okt. 1884 zu
Jadassohn, Weidenbach und Reinecke in Kopenhagen, dort Schülerin von G. Ma tthi-
Leipzig und von Leschetizky in Wien. Als son-Hansen und Bondesen am Konserva-
glänzende Interpretin besonders von klass. torium, weiter von J edliczka und Rüfer
und Kammermusik (als Mitglied von Gustav am. Sternsehen Konservatorium und Breit-
Lange's Kammermusik-Ensem ble), wie durch haupt und Martin Krause in Berlin, trat als
Vorträge über Musik und Musiker, hat sie Komponistin mit Klaviervariationen hervor.
bedeutenden Einfluß auf das l\fusikleben
ihrer Vaterstadt. Andersson, Otto, *27.:YIärz 1879 in
Andersen, J ohan Frits Em., * 14. Wardö (Aaland), Schüler von Wegelius am
Febr. 1829 und t 19IO zu Kopenhagen, ge- Konservatorium zu Helsingfors, 1915 mag.
suchter Lehrer in Klavierspiel, Theorie und phil., Komponist: finnischer Lieder, Chor-
Gesang und Komponist vieler nordischer dirigent und Schriftsteller über nordische
Klaviertranskriptionen, -phantasien, volks- Musik. 1925 habilitierte er sich als Dozent
tümlicher Lieder und anderer Vokalsachen. für nordische Musikforschung an der Uni-
Andersen, Kar! J oachim, * 29. April versität Helsingfors. Schriften: Studien über
J 847 (Sohn des Flötisten Christian J oachim die Musikgesch. Finnlands (I11.liemska 111 usik-
A.) und t 7.Mai 1909 in Kopenhagen, 1869 strävanden 19°7; Musik und J\1usikel' 1917;
bis 1877 Mitglied der Kgl. Kapelle zu Kopen- M ar/in Wegelius 01918; J. J. Pippingsköld
hagen, 1878-80 an der Petersburger Italie- oeh musiklivet i. Abo I8oS-IS28 (1922);
nischen Oper, dann in Berlin Mitglied des Strakharpan (1923).
Bilse-Orchesters bis zu dessen Sezession, Andersson, Richard, Pianist und Kom-
Mitbegründer lind ro Jahre erster Flötist ponist, * 22. Sept. 1851 und t 25. Mai 1918
und stellvertretender Dirigent des Berliner in Stockholm, ausgebildet am Stockholmer
Philharmonischen Orchesters (in dieser Zeit Konservatorium (van Boom, H. Berend)
einmal 4 Monate im Kgl. Opernorchester). und in Berlin (Klara Schumann, Barth,
Ein Zungenleiden zwang 1892 A., dem Kiel), begründete 1885 in Stockholm eine zu
Flötenspiel zu entsagen. Er ging 1894 nach großem Ansehen gelangende eigene Musik-
Kopenhagen zurück, wo er das Palais- schule, war aber 1904-06 auch Lehrer am
orchester ins Leben rief und eine Orchester- Konservatorium. ImDruck mehrere Klavier-
schule begründete. 1909 erhielt er den Pro- sachen (Schwedische Tänze und Klavier-
fessortitel. Seine zahlreichen Flötenkompo- sonaten, Skizzen usw.) und Lieder. Vgl. Sven
sitionen mit und ohne Orchester sind ge- Lizell, R. A. (Stockholm 1918, schwedisch).
schätzt (Etüdenwerke, Phantasien, Ballade Anderton, Howard Orsmond, eng!.
und Tanz der Sylphen mit Orchester, viele Komponist und Schriftsteller, * 20. April
Stücke mit Klavier). 1861 in Clapton, London, Zögling der RAl\1.
Andersen, Sophus, dän. Liederkompo- unter Bannister, Macfarren und Prout, 1908,
nist, Sohn von Johan Frits A., * 8. Dez. mit Bantock, am Midland Inst. Birmingham
1859, t 19· Sept. 1923, Musikkritiker der angestellt, 1923 Bibliothekar der Londoner
Zeitung Koebenhavn. Eins seiner Haupt- Hauptstelle der Brit. Federation of Musical
stücke ist das Orchester-Melodram Histo- Competition Festivals. Bücher: Baldur,
1'i6n om e11. lvIoder (Geschichte einer 1VJutter, Song 0/ AI/red, Early English 1I1usic, Gran-
Text nach Hans Chr. Andersen VOll Stucken- ville Bal1tock, On Desert lslands; Musik:
berg). The Song 0/ fhe Nlorning Stars für FrCh. und
Andersen Wingar, Alfred, norw. Kom- Oreh., A Song 0/ Lite, Chor-Ode mit Orch.,
ponist und Dirigent, * 15. Okt. 1869 zu Oslo, Shakespeare's Sonette 98 und 99 für Ten.
Schüler von Alfred Paulsen, J oh. Haarklou, und Orch., für Orch.: Vorspiel und Trauer-
Jules Massenet und Andre Gedalge (Paris); marsch zu Baldur, English Sin/onietta, Früh-
Violinistim Thea terorchesterinOslol 89°-99, lings-Idyll für k!. Orch., Virgi!: Kammer-
Era tschist im Orchester des N ationalthea ters musik: 2 Kl.-Quintette (ms.), Keats' Ode
]901-05; 19II-18 Dirigent der zur Zeit an den H el'bst für FrCh.; Lieder; Chorlieder ;
städtisch unterstützten Volkssinfonie-Kon- 12 Kinderchöre: }iusik zu den Troerinnen
zerte, 1921 bis 1922 Bratschist imPhilharmo- des Euripides (Murray's t'bersetzung) und
Anding - Andre. 43
den Trachinierinnen des Sophokles (Griech. strauß (17i6, darin das Rheinweinlied Be-
Text). kränzt mit Laub von M. Claudius), Lieder
Anding, Johann Michael, *25.Aug. und Gesänge (4 Teile 1779-80), Lieder,
1810 zu Queienfeld bei Meiningen, t 9. Aug. Arien und Duette (4 Teile 1780/81), Neue
1879 als Herzogl. Musikdirektor in Hildburg- Sammlung (2 Teile 1783/84), mit denen er
hausen, seit 1843 Musiklehrer am Seminar zu den Hauptvertretern der massenhaften
zu Hildburghausen. Im Druck erschienen Liedproduktion der 2. Hälfte des 18. Jahr-
Schulliederbücher, Chorgesänge und Orgel- hunderts gehört. Vg!. Otto Pretzsch,
sachen, sowie ein V ie1'stimmiges Choralbuch J. A. und seine Stellung in der Berliner
(1868) und Handbüchlein jür Orgelspieler Liedel'schule (Leipzig. Diss. 1924).
(3. Aufl. 18 72). Andre. J ohann An to n, dritter Sohn von
Andolfi, Otello, ita!. Violoncellist und Johalln A., * 6. Okt. 1775 zu Offenbach,
*
Kritiker, 20. Febr. 1887 in Tivoli, Schüler t6. April 1842; 1793-96 Schülcr von J. G.
von Magrini in Mailand, als Orchesterspieler, Vollweiler(Vater) in Mannheim, besuchte die
im Streichquartett (mit seinen Brüdern Universität zu Jena, machte ausgedehnte
Argeo, Uberto und Goffredo) und als Solist Reisen und übernahm beim Tode seines
(zusammen mit seiner Gattin, Manolita de Vaters das Verlagsgeschäft, erwarb von
Anduaga-A.) tätig; Mitarbeiter der röm. Mozarts Witwe den Manuskriptnachlaß des
Zeitschrift Musica seit ihrer Gründung, Meisters und machte mit einem Schlage die
früher Vizesekretä::- und Bibliothekar an S. Firma zu einer der bedeutendsten der Welt.
Cecilia und Leiter der Agenzia Concertistica Die Technik des Notendrucks nahm einen
Italiana, jetzt Kapellmeister am Supercine- neuen Aufschwung durch Anwendung der
ma in Rom. Schrieb: Dichtungen, über- Lithographie, welche Franz Gleißner in
setzung von Wagners 0 bei' die Ouvertüre; A.s Firma in großem Maßstabe durchführte.
Lieder, Klaviersrucke. Stücke für V cello.; Als Komponist war Anton A. kaum minder
T ransskri ptionen. produktiv als sein Vater, doch mehr auf dem
Andrade, Antonio d', portugiesischer Gebiete der Kirchenmusik (Messcn, Mo-
Opernsänger (Tenor), * 13. April 1854 zu tetten) und der Instrumentalmusik (Sinfo-
Lissabon, Schüler von Miraglia, debütierte nien, Quartette, Klaviersonaten rauch in-
1882 in Varese in Donizettis La Favorita, struktive Sonatinen op. 45]). Als tüchtiger
erschien bis 1887 auf den ersten Bühnen auch in der älteren Musik bewanderter
Italiens, sang auch in \Vien, Moskau, Theoretiker zeigt er sich in seinem Lelw-
London, lebt in Lissabon. buch der Tonkunst (nicht beenclet, Teil 1-2
Andrade, Francisco d', gefeierter Opern- 1832-40: Harmonielehre, Kontrapunkt, Ka-
und Konzertsänger (Bariton), Bruder von non und Fuge, 1874-78 gekürzt von H.
Antonio d' A., * Ir. Jan. 1859 zu Lissabon, Henkel neu herausgegeben). Auch schrieb
t 8. Febr. 1921 in Berlin, Schüler von er noch: Themat. Verzeichnis sämtl. Kompo-
Miraglia und Ronconi, debütierte 1882 in sitionen von W. A. Mozart (1805, 2. Auf!.
San Remo in VerdisAida und machte sich 1828), Beiträge zur Geschichte des Requiems
seither in ganz Europa schnell einen Namen; von W. A. Mozart (1829), Themat. Verzeich-
berühmt war namentlich sein blendenderDoa nis W. A. M ozartschel' Manuskripte, chronol.
Giovanni. A. wohnte in B3rlin. geordnet von I764-84 (1833) und Themat.
Andre, Jean Baptiste, * 7. März 1823 Vel'zeichnis derjenigen Originalhandschl'iften
und t 9. Dez. 1882 zu Frankfurt a. M., von W. A. M ozart, welche Hofrat Andre . ..
Pianist, Schüler von Aloys Schmitt, Taubert besitzt (1841). Seine Söhne sind die vier
(Klavier), Keßler und Dehn (Theorie), her- folgenden (1-4): I) Karl August, * 15.
zoglich bernburgischer Kapellmeister, lebte Juni 1806, t 15. Febr. 1887, Inhaber der
längere Jahre in Berlin; er hat Klavier- Frankfurter Filiale und Pianofortefabrik
und Gesangskompositionen veröffentlicht. (schrieb: Der Klavierbau und seine Ge-
Andre, J ohann, der B2gründer (1784) schichte 1855). - 2) Juli u s, * 4. Juni 1808,
des .:\'111sikvedags A. in Offenbach, * 28. März t 17· April J880 in Frankfurt a. M., tüch-
1741 und t 18. Juni 1799 in Offenbach; tiger O::-ganist und Klavierspieler, Schüler
sollte die Seidlmfabrik seines Vaters üb::r- von Aloys Schmitt (der wieder seines Vaters
nehmen, schlug jedoch die musikalische Schüler war), auch Komponist guter Orgel-
Laufbahn ein und brachte Anfang 1773 die sachen. - 3) JohannAugust, *2.MärzI817,
Operette Der TöPfer (eigene Dichtung) mit t 29· -Okt. 1887, Inhaber des Offenbacher
Erfolg in Hanau zur Aufführung. 1777-84 Verlagsgeschäfts. Die Erben der wieder ver-
war er Kap~llmeister der D5bbelinschen einigten Firmen Joh. Andre in Offenbach
Truppe zu B2rlin. 1784 ging er nach Offen- und Frankfurt wurden die beiden Söhne
bach zurück, wo er schon einige Jahre früher August A.s - 4) Karl, * 24. Aug. 1853 und
eine Notenstecherei eingerichtet hatte, die t 29. Juni 1914 in Koblenz, und Adolf,
er nun zu einem b3d::utend::n Verlagsgeschäft * 10. April 1855, t 10. Sept. 1'910.
erweiterte (bereits 1797 erschien die Verlags- Andre, J ose, argentinischer Komponist
nummer 1000). Wichtiger als seine Sing- und Kritiker, * 17. J an. 1881 zu Buenos
spiele (Das tatarische Gesetz I779, Die Ent- Aires, am dortigen Konservatorium Schüler
führung aus dem Serail 178I, Erwin und von Alb. Williams und Julian Aguirre, 1911
Etmire 1782 u. a.) sind seine Lieder: Scherz- bis 1914 an der Pariser Schola Cantorum
hafte L1:eder von Herrn Weiße 1774 . Bürgers von d' Jndy, Alb. Roussel, L. Saint-Requier
Leonore (sie! 1775), Nlusika!ischer B!umen- und A. Gastoue. 1915 nach Buenos Aires
44 Andreae - Andreoli.

zurückgekehrt, gründete er die Soc. Nat. Organistin und Komponistin, Schülerin von
de Mus. zur Förderung argentinischer Kom- W. Söhrling, L. Nonnan und Gade, 1861
ponisten, und leitete sie 9 Jahre. Seit 1924 Organistin in Stockholm, seit 1867 Dom-
ist er Professor für Komposition und Solfege organistin zu Gotenburg. Der schwedische
am Nationalkonservatorium in BuenosAires; Kunstverein gab von ihren Werken heraus
vielfach kritisch tätig, schreibt er heute für ein Klavierquintett E moll (1865), das
La Nacion. 'Werke: zahlreiche Gesänge Chorwerk Snojrid und ein Klaviertrio G moll
(M ensajes liricos); Klavierstücke ; Sonatine 1884); eine Orgelsinfonie (Nr. II) wurde
(1918), Trois pieces (1919), Klavierquintett; 1894 in Brüssel preisgekrönt, eine schwe-
Lied für Orchester u. a. dische Messe 1908 in Stockholm mit Erfolg
Andreae, J ohann Valentin, s. Heuß. aufgeführt. Außerdem wurden bekannt
Andreae, Volkmar, * 5. Juli I879 in die Oper Fritiojs Saga, eine Sinfonie, ein
Bern, wo er das Gymnasium absolvierte und Streichquartett, eine weitere Orgelsinfonie
in der Musik Schüler von Karl Munzinger (Nr. I), 2 Violinromanzen, Klaviersachen,
war, 1897-19°0 am Kölner Konservatori- Lieder u. a.
um (\Vüllner, Franke, Kleffel, Staub), ward Andree, Fredrika. s. Stenhammar.
1900 Solorepetitor der Münchener Hofoper, Andrefui, Giovanni Battista, * 1578
nach einjähriger Studienpause I902-04 Diri- zu Florenz, Sohn des Schauspielers und
gent des Stadtsängervereins in vVinterthur Sängers Francesco A. und der Sängerin
und daneben seit 1902 bis jetzt Dirigent des Isabella Canali, die 1603 am Hofe HeinrichE
Gemischten Chors in Zürich, wo er von 1904 IV. in Paris in der Truppe der Gelosi
bis 1921 noch die Leitung des lVlännerchors Triumphe feierte, wurde 1613 von Maria
innehatte (Nachfolger Attenhofers) und 1906 de' Medici mit der Truppe der Fedeli nach
Nachfolger Hegars als Leiter der Sinfonie- Paris berufen, mit ihm seine Gattin, die
konzerte der Tonhallegesellschaft wurde. als La Florinda berühmte Sängerin Vir-
I9I4 wurde er durch übernahme des Stu- ginia Ramponi, die 1608 in Mantua durch
dentengesangvereins Zürich, den er bis 1916 ihr Einspringen für die plötzlich verstorbene
leitete, Universitätsmusikdirektor (Dr. phil. Romanina (Caterina Martinelli) in Monte-
hon. c.), erlangte die Venia legendi als Privat- verdis A rianna berühmt wurde. Beide
dozent an der Züricher Universität und wurden in Paris so geschätzt, daß sie bis
wurde zugleich auch Direktor des Konser- zur Zeit des Orjeo von L. Rossi (1647)
vatoriums. 1920-25 war er Präsident des mehrmals wiederkommen mußten. A. ist
Schweizerischen Tonkünstlervereins (seit- der Dichter und teilweise auch Komponist
dem dessen Ehrenpräsident) , ist auch der Azione sacra Maddalena (Venedig 1617.
vielfach als gefeierter Gastdirigent tätig. mit Monteverdi. M. Effrem und SaI. Rossi
A. dirigierte das Deutsche Tonkünstlerfest [Le musiche di alcuni excellentissimi music1:
in Zürich I910 und die erste Aufführung composte per la lvI addalena di G. B. A ndreini,
der Matthäuspassion von Bach sowie der Venedig, Gardano 1617; Ex. in Bologna
Beethovenschen lVl issa sol. auf italienischem und Breslau ]). Von A.s sonstigen Bühnen-
Boden (19I2 bzw. 1917 inMailand). Komposi- dichtungen gehören auch La Centaura und
tionen: Klaviertriosop. I undI4, Violinsonate La Florinda zu den Anfängen der Oper
ap.4, Streichquartett op. 9, Streichtrio op. 29, (Paris 1622 bzw. 1647). VgI. H. Prunieres,
Streichquartett E moll 0P.33, kleine Suite L'Opera Italien en France avant Lulli [I9131,
für Orchester op. 27, Notturno und Scherzo S. XXXVff.
für Orchester op. 30, Sinfonie C-dur op. 3I, *
Andrejew, Wassili \Vassiljewitsch, 1862
Rhapsodie f. V. und Orch. op. 32, Chorwerke im Twerschen Gouvernement, t Ende 1918
mit Soli und Orchester: Das Göttliche op. 2 oder Anf. 1919; hervorragender Balalaika-
und Charons Nachen op. 3, Sinjonische (s. d.) Virtuose und Begründer des ersten
Phantasie op. 7 (für Tenorsolo, Chortenor, Großrussischen Bafala1:ka-Orchesters, mit dem
Orchester und Orgel), Männerehöre op. 5, er Europa bereiste; schrieb und übertrug
8, II, I3, I7, 2I, 28 (Alagentalied für Männer- für sein Instrument und sein Orcheste':
chor und Orchester), Klavierlieder op. 6, zahlreiche Kompositionen, hat auch den
IO, I2, I5, I6, I8, Klavierstücke op. 20. A.s Bau der Balalaika sehr vervollkommnet.
Oper nach Heines Ratclifj kam 1914 auf dem Andreoli, Carlo, Bruder von Guglielmo
Tonkünstlerfest des Allg. D. MV.s zu Duis- A., * 8. Jan. 1840 zu Mirandola, turn 1910,
burg, auch in Leipzig und Zürich, zur Auf- ausgezeichneter Klavierspieler, und seit 1875
führung, eine zweite, Abenteuer des Casanova Lehrer seines Instruments am Mailänder
1924 in Dresden. Konservatorium, dessen Schüler (Angeleri)
Andreas von Kreta, der älteste Kanon- er war.
dichter (vgI. Kanon 2) der griechischen Andreoli, Guglielmo, :;. 22. April 1835
Kirche (650-720). Es ist sehr wahrschein- zu Modena, t I3. März I860 in Nizza:
lich, daß die ältesten Fassungen der in Hand- Schüler seines Vaters (Evangelista A.,
schriften bis zurück ins 9. oder doch 10. * 1810, t 16. Juni I875, Organist) und An-
Jahrhundert erhaltenen Melodien (Hirmen) geleris in Mailand, Pianist, dessen sauberes
seiner Kanons von ihm selbst herrühren. und ausdrucksvolles Spiel gerühmt wurde,
VgI. H. Riemann, Die byzant1·nische Noten- machte 1856-59 Konzertreisen durch Eu-
schrift usw. (1909). ropa und ist Verfasser eines vortrefflichen
Andree, Elf r i d a (Schwester von Fredrika iVlanuale d'armortia (1878 mit Codazzi,
Stenhammar), * 19. Febr. I841 zu \Visby. mit einem ausführlichen bibliographischen
Andreoli - Anenaika. 45
Anhange). Von seinen Kompositionen ist in Paris und endlich bis zu seinem Tode
ein Preludio e Minuetto op. I2 für Klavier- als Kapellmeister an der Notre Dame-
quartett zu nennen. Kirche zu Barcelona. Seine bedeutendsten
Andreoli, Guglielmo, italienischer Pia- Kompositionen sind das Jüngste Gericht
nist und Komponist, * 9. Jan. 1862 zu (Oratorium), ein Requiem für Ferdinand VII.
Mirandola (Modena) ; aus Musikerfamilie und ein Stabat Mater. In Eslavas Lira
stammend; bis 1883 Schüler des Mailänder sacro-hispana sind zwei Motetten von A.
Konservatoriums; 1878-86 Bratschist, Be- gedruckt. A. schrieb einen Tratado teorico-
gleiter und Dirigent bei den von seinem practico de armonia (2. Auflage Barcelona
Bruder Carlo A. begründeten Volkskonzerten 1848, auch französisch Paris 1848).
die das Mailänder Musikleben mächtig be- Andries, Jean, * 25. April 1798 und
einflußt haben, daneben drei Jahre Brat- t 21. Jan. 1872 zu Gent; 1835 Professor der
schist im Campanari-Streichquartett; seit Violin- und Ensembleklassen des Konser-
1891 Lehrer für Harm. am Mailänder Kon- va toriums zu Gent, 185 I Nachfolger Mengals
servatorium, seit 1900Leiter der Klavierklas- als Direktor, daneben bis 1855 Soloviolinist
sen. Erlebt jetztin Modena. Schrieb: Ouver- am Theater, seit 1856 Ehrendirektor des
türen G moll und A moll; Streichquartett Konservatoriums. A. hat einige historische
A dur; Fantasia Sinfonica; Requiem e Dies Arbeiten veröffentlicht: Apervu historique
irae; Quattro Danze für kleines Orchester; de taus Zes instruments de musique actuelle-
Klavierstücke, 25 Preludi (Pieeola scuola ment en usage; Precis de l' histoire de Za
delle GUave); Manuale d'Armonia. Vgl. Gio. musique depuis les temps les plus recutes etc.
Tebaldini Una famiglia di musicisti; Gli A. (1862); Instruments avent. La flute (1866);
(in: Arte pianistica, ~apoli, Okt. 1918). Remarques sur Zes cloches et carillons (1868).
Andreozzi, Gaetano (genannt J ommel- Andriessen, P elagie, * 20. Juni 1863 zu
lino), * 1763 zu Neapel, t 21. Dez. 1826 Wien, Schülerin des dortigen Konservato-
inParis; Schüler J ommellis, schrieb 45 Opern riums und der Frau Dreyschock in Berlin,
1781-1816 für die Theater Italiens, auch sang zuerstinMünchen(Theater am Gärtner-
für Petersburg und Madrid, sowie drei Ora- platz), Berlin (Friedrich- Wilhelmstädter
torien, ließ sich nach vielen Wanderungen Theater und Königliche Oper), an Neumanns
als Musiklehrer in Neapel nieder, verarmte wanderndem Wagner-Theater, 1884-189°
aber schließlich und ging nach Paris, um am Leipziger Stadttheater und so dann in
die Unterstützung der Herzogin von Berry, Teil-Engagements zu Köln und Wien, weiter-
seiner frühern Schülerin, anzurufen. 1782 hin bis 1907 zu Frankfurt. Frau Andriessen
veröffentlichte er 6 Streichquartette im hat sich mehrmals verheiratet und damit
Stil Haydns. - Seine Frau Anna A., ihren Namen gewechselt (Sthamer-Andrie-
* 1772 zu Florenz, 1801-1802 zu Dresden ssen, Andriessen-Ende, Greef-Andriessen).
als Primadonna engagiert, verunglückte 1802 Andriessen, Willern, holländischer Pia-
auf einer Fahrt von Pillnitz nach Dresden. nist und Komponist, * 25. Okt. 1887 zu Haar-
Andres, Pater Juan, S. J., spanischer lern; Schüler des Amsterdamer Konservato-
Literaturhistoriker, * 1740 zu Planes (Ali- riums (dePauw, Klavier; B.Zweers, Theorie),
cante), t 13. Febr. 1817 zu Rom, machte 1908 preisgekrönt; 1910-18 Klavierlehrer
seine gelehrten Studien zu Madrid und am Konservatorium im Haag, dann an der
Gandia, ging wegen der Ausweisung der Rotterdamer Musikschule. Schrieb: Messe
Jesuiten nach Italien und fand in Mantua für Soli, Chor und Orchester; Klavierkonzert.
ein Asyl im Hause des Grafen Bianchi. D moll; zahlreiche Lieder.
1796 wurde er Bibliothekar des Herzogs von Cd'] Andrieu s. Dandrieu.
Parma, war dann während Murats König- Anemochord ( Animocorde, s. v. w. pneu-
tum in Neapel (18°7-14) dessen Bibliothe- matisches Saiteninstrurnen t), ein geistreicher
kar und verbrachte die letzten Jahre im Versuch des Pianofortefabrikanten J. J.
Ordenshause der Jesuiten zu Rom. Von Schnell zu Paris (1789), mittels künstlich
seinen zahlreichen Werken gehen die Musik (durch Bälge) erzeugten Windes den Effekt.
an: Dell'origine, progressi e stato attuale d'ogni der Aolsharfe auf einem pianoforteartigen
letteratura (Parma 1782-1798,6Bände,mehr- Instrument für eine kunstgemäße Musik
fach aufgelegt, auch 1805 französisch und 1806 zu verwenden. V gl. Allgemeine M usika-
deutsch); Cartas sobre Za musica de los A rabes Zische Zeitung 1798, S. 39 ff. Die Idee wurde
(Venedig 1787) und Cartas familiares (Madrid später von Kalkbrenner und auch von.
1786-93). A. trat für eine Vertiefung des Henri Herz wieder aufgenommen, welch
Gehaltes der Operndichtung im Sinne der letzterer sein 1851 konstruiertes derartiges.
Erneuerung der antiken Tragödie ein. Instrument Piano eolien(Aolklavier) nannte.
Andrevi, Francesco, * 16. Nov. 1786 Anenaika, Name altüberkommener, heute
zu Sanahuya bei Lerida (Katalonien) von noch üblicher Melodie-Formeln des russischen
italienischen Eltern, t 23. Nov. 1853 zu Bar- Kirchengesangs auf die Silben a-ne-ne, oder·
celona; war Priester, bekleidete Kap ell- ne-ne-na. Höchstwahrscheinlich sind sie
meisterstellen an den Kathedralen von identisch mit den von den abendländischen
Barcelona, Valencia, Sevilla usw. und Schriftstellern über die Kirchentöne im
wurde schließlich Kapellmeister der König- 9.-10. Jahrhundert überlieferten Memorier--
lichen Kapelle. Während des Karlisten- formeln (vgl. Riemann, Handbuch der
krieges flüchtete er nach Bordeaux, wo er YlG. I. 2, S. 57ft) Noeane etc. bez. den
auch eine Anstellung fand, lebte 1845-49 byzantinischen Aanes eie. und gehen schließ-··
46 Anerio - [d']Angeli.

lieh auf die antike griechische Solmisation Oratoriums (s. d.) ist sein Teatro armonico
mit Tl! Ta TT] HO zurück (vgI. O. v. Riese- spirituale (S-8st. geistliche Madrigale, bib-
mann , Die N oiationen des altrussischen lische Dialoge U3W., 1619). A. bearbeitet~
Kirchengesanges [1907] und Sammelb. der Palestrinas 6 st. NI issa papae M arcelli für
IMG. XIV. 2 [RiemannJ). 4 Stimmen (mit den Messen f ste confe~so1'
Anerio, Felice, einer der hervorragend- und Sine nomine von Palestrina und emer
sten römischen Komponisten der Epoche lvI issa delta battaglia von A. zuerst 1619
Palestrina, * 1560 und t 26./27. Sept. 1614 [1605 ?J), in 'welcher Form sie viele Auflagen
zu Rom, Sohn von Maurizio A. (Musiker erlebte. Seine außerdem nachweisbaren
an S. Luigi dei Francesi, t 28. J an. 1593). Kirchenkompositionen sind: I Buch 4-6st.
1568-74 Sängerknabe und Schüler G. 1\1. Messen (1614, daraus Missa pro defunctis
Naninos an S. Maria Maggiore, 1575 Sopra- (um Sequentia et Respons. Libera me auch
nist der Cappella Giulia unter Palestrina, ccinzeln), 3 Bücher Motetten (f. I-3 v. mit
1579-80 Altist an S. Luigi dei Francesi B. c. I609, H. 2-·6 v. mit B. c. I6II, Hf.
(unter Suriano), wurde 1585 Lehrer am ebenso nebst Litaneien 1613), 5 Bücher
Collegio degli Inglesi (vgI. Alb. Cametti. Sacrae cantiones [Sacri concentus] 2-6 v.
N ovi contributi alle biografie di M aurizio mitB. c. (1613-I8), 7 -8st. Litaneien und
e Felice Anerio [Rivista music. XXII. Antiphonen (16II), Responsoria de nati
I 1915] und L. Torri das. 1914. S. 493ft), ;;itate Domini. V wite exultemus •. , Te-
und 3. April 1594 der Nachfolger Palestrinas deum 3-8 v. (1614), Ghirlanda di sac,'e
als Komponist der päpstlichen Kapelle (den rose 5 v. (1619). 3-4st. Vesperpsalmen
Kapellmeisterposten erhielt Ruggiero Giova- und 4st. Cantica BJH'". (1620). Dazu vieles
nelli). A. ist mit Fr. Suriano an der Redak- einzelne in Sammelwerken. VgI. Haberl,
tion der sogenannten Editio lvI edicaea des KMJahrb. 1886.
Graduale von 1614 beteiligt gewesen (vgI. Anfossi, Giovanni, * 6. Jan. 1864 zu
Palestrina). Mehrere Kompositionen Ane- Ancona, Nachkomme von Pasquale A.,
rios haben lange für solche von Palestrina Schüler von Simonetti, Martucci, Serrao
gegolten (A doramus te Christe und ein dre~­ und Platania in Neapel am Konservatorium;
chöriges Stab at Mater). In Druck eXl- gründete, nach Konzertreisen in Italien
stieren von A. zwei Bücher Sacri hymni 1896 inMailand eine Klavierschule Seuola A.
et cantica (f. 8 v. 1596, H. 5-8 V. 1602). 'Werke: Klavierstücke; 2 Ouvertüren (1881,
I Buch 4st. Responsoria (1606), I Buch I 888); sinfonische Dichtung Rebellio (1883);
Madrigali spirituali 5 v. (1585), ein Buch \Verke für Chor ·~.lIld Orchester u. a.
Madrigale zu 3 St. (1598), 2 Bücher zu Anfossi. Pasquale. * 2). April I727 zu
5 St. (1587 [2. Aufl.] und 1585) und 6 St. Taggia bei Neapel, t im Februar 1797 zu
(1590), I Buch 4st. Kanzonetten (1586): Rom; Schüler Piccinnis, schrieb seine erste
auch gab er eine Sammlung Gioje, madri- Oper La donna fedele 1758 für N ea peL
gali a 5 v. di diversi heraus (1589). Vieles errang mit L'incognita perseguitata 1773 zu
von ihm findet sich in Sammelwerken der Rom seinen ersten großen Erfolg und ver-
Zeit; Messen und Motetten usw. sind in drängte sogar zei h'leilig Piccinni in der Gunst
größerer Zahl handschriftlich erhalten. V gI. des Publikums. Er schrieb 1758-94 im
Haberl, KM. Jahrb.1903. ganzen 76 Opern. In Paris hatte er kein
Anerio. Giovanni Francesco, der Glück (1780). Nachdem er zwei Jahre in
jüngere Bruder von Felice A., * zirka 1567 London die Italienische Oper dirigiert (178 I
und t nicht vorEnde 1621 zu Rom, 1575-79 bis 1783), dann zu Frag. Dresden und BerEn
Chorknabe an der Peterskirche unter Pale- Opern zur Aufführung gebracht hatte, ging
strina, gegen 1609 am Hofe Sigismunds IU. er nach Italien zurück, übernahm 1791 die
von Polen angestellt. 1610 Kapellmeister Kapellmeisterstelle am Lateran, und widmete
am Dom zu Verona, 16II Präfekt am sich zuletzt hauptsächlich der kirchlichen
Jesuitenkolleg in Rom, 1613-20 Kapell- Komposition (12 Oratorien, :2 Kantaten,
meister an der Jesuitenkirche S. Maria ai Messen, Psalmen usw.).
Monti zuRom, 1616 (49Jahre alt) zum Priester Angeleri (spr. ändsehe-), Antonio, * 25.
geweiht. Sein erstes Werk, ein Buch 5 st. Ma- Dez. 1801 zu Pieve deI Cairo (Lomellina),
drigale, erschien 1599 zu Venedig; doch ist t S. Febl. 1880 zu Mailand, hochgeschätzter
ein nicht datierter Band 4st. Gagliarden in Klavierlchrer, gab eine vortreffliche Klavier-
Klavier- und Lautentabulatur vielleicht noch schule heraus (l! pianoforte 1873).
älter. Auch eine 3st. Weihnachtsmusik Dia- Angelet (spr. angseh'Hi), Charles Fran-
logo pastorale al presepio in Klavier- und 't0is, * 18. Nov. 1797 zu Gent, t 20. Dez.
Lautentabulatur (nach Baini von Verovio ge- 18.12 zu Brüssel; Pianist (1829 kg!. niederL
stochp.n) ist ohne Datum. Ein zweites Buch Hofpianist), als solcher Schüler Zimmer-
Madrigale erschien 1608 (5-6v.), ein Buch manns am Pariser Konservatorium, studierte
1-2 st. Madrigale (Recreazione armonica) noch in Brüssel unter FHis Komposition.
I61 I, je ein Buch 1-4st. Madrigale (Diporti Er schrieb: Klaviersachen(Phantasien, Vari-
1'nusicali) 16I7 und (f lieti scherzi) 1621, ein ationen usw.), auch ein Trio und eine preis-
Buch 1-4st. Motetten, Madrigale, Kanzo- gekrönte Sinfonie.
netten, Dialoge und Arien (Se/va armonica) [d']Angeli (spr. dändsclte-), Andrea, *9.
16I7, ein Buch 1-3 st. Arien, Kanzonetten Nov. 1868 zu Padua. besuchte dort die
und Madrigale (La bellaClori armonica) 1619. städtische Musikschule' und die Universität,
Von Wichtigkeit für die Frühgeschichte des promovierte zum Dr. phil. mit einer Arbeit
f
... ~,

Angelica - Anonym. 47
über die Griechische Musik (gedruckt in der Brudieu (1921), Catflleg dels Manuscrits
Rivista di jilologia classica) und ist neben Musicals de Ja Coltecci6 Pedrelt (1921), Jo-
seiner Tätigkeit als Lehrer der italienischen hannis Pujol (t I626) Opera omnia, I. Bd.
Literatur am Gymnasium zu Calegari als 1925; Johannes Cabanilles (t I7I2), sämtl.
Musikschriftsteller und Librettist tätig, auch Werke für Orgel (1926). Er beschäftigt sich
mit Erfolg als Komponist hervorgetreten zur Zeit mit den Cantigas de Alfonso el Sabio
(Oper L'innocent~ [NoJi Ligure I8961, Ra- (1221-84), mit Troubadourmelodien, und
man zen Serate d inverno, Messen, Stabat bereitet vor: Katalanische Urkunden zur Ge-
Mater, Kammermusikwerke). schichte der mittelalterlichen Musik, sowieL 4Dl
Angelica, 1) Vox a., Engelsstimme, eine La TrJiti6 Musical a Catalunya.
gewöhnlich im 4-Fuß-Ton stehende Orgel- Anhält. Vgl. A. Seidl, Ascania. Zehn
stimme, wie Vox humana (8') auf verschie- _J.lJI.hre in A. (1913).
dene Weise konstruiert, meist als frei-""""-Animuccia (spr. -muttscha), Giovanni,
schwingende Zungenstimme mit kurzen * um die 'Wende des 15. zum 16. Jahrhundert,
Aufsätzen; - 2) eine Lautenart (in Ma- t im März 1571 zu Rom; ein richtiger Vor-
hillons Katalog abgebildet und beschrieben), läufer Palestrinas, nicht nur im Amt (er
ein Versuch, die Behandlung der Laute durch war Kapellmeister an St. Peter in der Zeit
dia tonische Anordnung der Saiten (statt von Palestrinas Entlassung aus diesem
in Quarten und Terzen) zu erleichtern. Amte 1555 bis zur Wiederübernahme 1571),
Vgl. lVIattheson, Neu eröffnetes Orche~ter sondern auch in der Art; denn A. erstrebte
S. 277 f. ebenso wie Palestrina die Reinigung des
Angelini s. Buonporli. Kirchenstils vom instrumentenmäßigen Pas-
Angerer, Gottfried, * 3. Febr. 1851 zu sagenwesen. Als Mitbegründer des Orato-
Waldsee (Württemberg), t 19. Aug. 1909 in riums (vgl. d.) wird A. genannt wegen seiner
Zürich, Schüler des Stuttgarter und Frank- für Filippo Neris Oratorio komponierten
furter (Dr. Hochsehen) Konservatoriums, Laudi spirituali (2 Bücher, gedruckt 1563
DirigentvonMännergesangvereineninFrank- und 1570); diese haben aber noch wenig mit
furt a. M., Mannheim und Zürich, zuletzt den entwickelteren Formen des Oratoriums
Dirigent der Harmonie und des Vereins Enge, zu tun, sind vielmehr einfache, hymnenartige
Professor an der Kantonsschule in Zürich Lobgesänge. Die andern erhaltenen Werke
(Ober- und Untergymnasium), sowie Direk- A.s sind I Buch 4-6 st. Madrigale (1547),
tor der Musik-Akademie in Zürich, Kompo- 2 Bücher 5 st. Madrigale (1554 [2. Aufl.],
nist von Balladen für Männerchor (Der letzte 155 I), und I Buch 3 st. Madrigale (1565),
Skalde, Sigurds Brautjahrt, Königsjelden, I Buch 4 st. Messen (1567), I Buch 4 st.
Des Geigers Heimkehr, Germanenzug, Der Magnificat (1568). Torchis Arte musicale
Gottesdienst des Waldes, Gotentreue, Der in Italia Bd. I enthält 2 Sätze der Messe
Königsbote usw.), Legende Sonnenblick für Conditor alme und ein 5 st. Madrigal. -
FrCh., Schulleben für Kinder-Ch. u. a. Sein Bruder Paolo, gleichfalls ein gediege-
Angers (Stadt). Vgl. Bordier. ner Komponist, war 1550-52 Kap~llmeister
Anglaise (spr. anggl'iis', englischer Tanz), am Lateran und starb 1563. Von seinen
der alte Name des auch Franc;aise genannten Werken ist nur wenig in Sammelwerken er-
Tanzes; s. Contredanse. Doch hat man auch halten.
andere englische Tänze Anglaisen genannt Anjou. Vgl. P. Petrucci, La musique
lBallads, Hornpipes usw.). en A. au XVe siecle (Angers 1904).
j( [d']Anglebert (spr. danglöbiir), J ean Annecy. Vgl. L. Depollier, 50 ans de
"Henri,*umI628,timAltervon63Jahren musique . . . La sodete chorale d'A. 1857
1691 zu Paris, Schüler von Chambonnieres, bis 1907 (1907); L. Pfister, !'Harmonie
Hofklavecinist Ludwigs XIV., gab 1689 chorale d'A. 1872-1922 (1922).
Pieres de clavessin heraus (Neuausgabe in Annibale Padovano, bedeuter,der Orga-
Farrencs Tiesor XIX, 1871), darunter nist, * 1527 zu Padua (daher Patavinus
22 Variationen über die Folies d'Espagne oder Padovano), tEnde März 1575 in
(vgl. Folia), mit genauen Vorschriften für Graz, war 1552 Organist der zweiten Orgel
die Ausführung der Verzierungen. Sein der Markuskirche zu Venedig, seit 1566
Nachfolger als Hofklavecinist wurde sein Organist am Hofe des Erzherzogs Karl zu
Sohn Jean Bapt. Henri d'A., * 5. Sept. Graz (in einem Status der Kapelle im Kgl.
1661 zu Paris; auch ein jüngerer Sohn Allg. Reichsarchiv in München heißt er
Jean Henri war Klavecinist und starb 1567 obrister Musicus). Seit 1570 führt er
80 jährig am 9. März 1747 zu Paris. den Titel Kapellmeister. Von seinen Kom-
Angles, Higini, span. Musikforscher, positionen sind je I Buch 5 st. Messen (1573),
* 1. Jan. 1888 zu Maspujols in Katalonien, 5- und 6 st. Motetten (1567), 5 st. Madrigale
studierte 1900-13 Philosophie und Theo- (1564), sowie I Buch 4 st. Ricercari in Stim-
logie in Tarragona, war dann in Barcelona men (1556) und I Buch Toccate e Ricercari
Schüler von V. M. Gibert (Kp., Fuge, Orgel) in Partitur (1604) erhalten; außerdem vieles
und Felipe Pe drell (M.wiss.) '. seit 1918 in Sammelwerken. Zwei seiner Orgel-Ri-
Leiter der Musikabteilung der Bibi. de Cata- cercari in Neudruck in Torehis Arte musi-
htnya in Barcelona, 1923/24 noch Schüler cale in Italia Bd. III.
von W. Gurlitt in Freiburg und Fr. Ludwig Anonym (griech. namenlos) nennt man
in Göttingen. Ergab mit Pe drell heraus: 'Werke, deren Verfasser nicht bekannt ist.
EIs Madrigals i la j\1issa de Dijunts d' En Im übertragenen Sinne heißt daher der Ver-
48 Anrooy - Anschlag.

fasser eines solchen \Verkes ein Anonymus. und spricht von einem gaunzigen A. usw.
Die Gerbertsche und Coussemakersche Sam- V gl. Gesangskunst.
lung mittelalterlicher Musikschriftsteller ent- Ansatzrohr nennt man beim mensch-
halten eine größere Anzahl solcher Anonymi, lichen Gesangsorgan den den Ton der Stimm-
welche mit der Nummer zitiert zu werden bänder verstärkenden Hohlraum vom Kehl-
pflegen, die ihnen in der betr. Sammlung ge- kopf bis zu den Lippen und den Nasenflügeln,
geben ist, z. B. der Anon. 4 Couss. I, d. h. dessen Gestaltung auch für denselben Vokal
der Verfasser des vierten anonymen Trak- (z. B. für das reine A) sehr verschieden sein
tats im 1. Bande der Scriptores Coussema- kann, je nachdem die weichen Teile des Gau-
kers. Wird einem Schriftsteller ein ihm mens usw. sich stellen. Der Sänger weiß,
herkömmlicherweise zugeschriebenes Werk daß er den Ton vorn an den Zähnen bilden
von der historischen Kritik aberkannt, so kann, aber auch ganz hinten am Gaumen,
wird dieses damit nicht anonym, sondern daß ersteres einen flachen, letzteres einen
trägt den unrechtmäßigen Namen mit dem gequetschten Ton gibt (den sogenannten
Zusatze Pseudo (=unecht) weiter, so z. B. Gaumenton), und daß die besten Töne die
die pseudo-aristotelischen Probleme über die sind, welche er mitten im Munde fühlt;
2'vlusik, von denen erwiesen ist, daß sie nicht daß es seine großen Schwierigkeiten hat,
von Aristoteles stammen. V gl. Pseudonym. einem U, einem hellen E usw. diese Art der
Resonanz zu geben, und daß zugunsten der
Anrooy, Peter van, holl. Dirigent und
*
Komponist, 13. Okt. I8Wzu Zalt-Bommel,
Rundung und Fülle des Tons häufig dem
Vokal etwas von seiner strengen Charak-
Schüler von Joh. Wagenaar (Theorie) u.
teristik abgezogen >yerden muß. (U wird
G. Veerman (V.) in Utrecht, dann 1899
nach 0 hin, Enach Ö, I nach 0 hin gefärbt).
von vVillem Kes (früher Dirigent des Con-
Das sind Fingerzeige, die der Sänger sofort
certgebouw-Orchesters in Amsterdam) in
begreift, und die ihm mehr nützen, als alle
Moskau, bei dem er sich auf der Geige und
gelehrten Abhandlungen über die Tätigkeit
im Dirigieren vervollkommnete, und wo er
der Stimmbänder. Die menschliche Stimme
bei Tanejew Komposition studierte. 1901/02
ist eine Zungenpfeife; die Orgelbauer aber
Geiger im Scottish Orchester zu Glasgow
und im Tonhallen-Orchester Zürich; 190Z wissen. daß die Klangfarbe, Klangfülle usw.
zweiter D rigen t am L yr. Theater Amsterdam ; weit weniger von der Gestalt der Zunge und
der Windstärke als von der Form des Au f-
1905 Dirigent des Sinf.-Orchesters zu Gro-
satzes (s. d.) abhängen.
ningen, 1910 zu Arnhem; 1917 des Resi-
dentie-Orchesters im Haag, des zweitbesten Ansbach. Vgl. R. Oppel, Jakob Mei-
Orchesters in Holland. 1914 Dr. hon. c. der land I542-77, Beitr. z. MG. d, Ansb. Hofes
Universität Groningen. Sein bekanntestes (19II); ders. Beiträge zur Gesch. der Ans-
Vlerk ist seine Rhapsodie für Orch. Piet bacher-Königsherger Hofkapelle unter Riccius
Hein. Werke: Andante für Bläser (1895); (Sammelb. d. IMG. 19IO). über die Musik
In trod. und Scherzo für Orch. (1896); 2 am markgräflichen Hofe zu A. schrieben:
Cu rt Sach s, Die Ansbacher Hofkapelle
Ouvertüren (1897); Klavierquintett (1898);
2 Kantaten für Kinderchor (1898 und 1899): 1672-86 (Sammelb. der Intern. MG. 1909),
H. Mersmann, Beiträge zur Ansbacher
a) Zonneklaartje (Sonnenscheinehen), b) In
het Woud (Im Walde); Holl. Rhapsodie Musikgeschichte bis I703 (Boxbergs Oper
Piet Hein für Orch. (1901); Ballade für V. Sardanapalus [1916, Dissertation]). Vgl.
auch Bayreuth.
und Orch. (1902); Musik zu Das kalte Herz
nach Wilhelm Hauff. Anschlag, I) beliebte Verzierung, die
Voraus schickung der oberen und unteren
Ansatz, I) bei Blasinstrumenten die Nachbarnote von der Hauptnote:
Stellung der Lippen beim Anblasen. Der A. und
ist bei der Flöte ein ganz anderer als bei
den Blechblasinstrumenten, wo die Lippen-
ränder zugleich die Stelle von Zungen ver-
treten und daher der A. ein sehr veränderter
~ er 11 flr 11

- z) Bei Tasteninstrumenten (Klavier,


sein muß, je nachdem hohe oder tiefe Töne Orgel) das mehr oder minder präzise Funk-
hervorgebracht werden sollen. Der Bläser tionieren der Mechanik. Man sagt: Das I n-
sagt, er habe keinen A., wenn er nicht völlig strument hat einen schweren oder leichtim
Herr seiner Lippen, d. h. aufgeregt, matt A., d. h. eine schwere oder leichte Spielart,
usw. ist. - 2) Beim Gesang die Art und es erfordert viel oder wenig Kraftaufwand.
vVeise, wie der eine Phrase beginnende Ton Wird eine tief klingende Saite (auch Stimm-
hervorgebracht wird, wobei man unter- gabel) mit einem harten Körper kurz ange-
scheidet: a) den A. mit Glottisschluß, bei schlagen, so kommen zu dem schwachen
dem die Öffnung der Glottis (Stimmritze) Grundtone überwiegend scharfe Obertöne
dem Tone einen eigentümlichen Guttural- zum Vorschein. Dagegen wird der Grundton
laut (Knack), das hebräische Aleph, vor- lauter und die Obertöne schwächer bei etwas
ausschickt, und b) den hauchartigen A., verlangsamtem Anschlag mit einem weiche-
bei dem schwacher Hauch (spiritus lenis) ren Gegenstande (Filzbelag des Hammers,
vorausgeht. Man nennt auch wohl die vgl. Belederung). Die kurzen Saiten hoher
Stellung der gesamten bei der Tonbildung Töne sprechen aber kräftiger an bei kurzem
und Resonanz beteiligten Kehlkopf-, Gau- Anschlage mit einem harten Körper. Hier
men- und Mundteile A. (vgl. Ansatzrohr) wirkt längere Berührung beim Anschlag
Anschlagende Verzierungen - Ansorge. 49

selbst schon dämpfend auf den Grundton. mehrere Jahre Opernkapellmeister unter
Diese physikalischen Erscheinungen geben Ullmann zu Neuyork und unternahm 1864
nicht nur einen Wink für den Bau der In- selbst eine deutsche Opernsaison. Er ver-
strumente. sie erklären auch die wechselnde öffentlichte nur kleinere Klaviersachen.
Klangwirkung bei verschiedenem Anschlag. Anseaume (spr. angßäm) Louis, t im
- 3) A. eines Klavierspielers : weicher, kräf- Juli 1784 zu Paris, inder Zeit der Anfänge
tiger oder ein harter, eckiger, schwächlicher des französischen Singspiels Hausmeister,
A. als Urteil über die Spielmanier eines Subdirektor und Souffleur der Opera comi-
Virtuosen. - 4) Die Theorie der zweck- que bzw. Comedie italienne, ist der Dichter
mäßigsten Gestaltung der A.s-Bewegungen bzw. Bearbeiter (nach italienischer Vorlage)
beim Klavierspiel (s. d.) ist eins der wich- von 29 zwischen 1753 und 1774 aufgeführten
tigsten Kapitel aller Klavierschulwerke und Opern, darunter der viel komponierten Sing-
kann hier nicht umfassend dargestellt spieltexte : Bertholde ci la ville, Le Chinois
werden. poli en France, Le monde renverse, Les amants
Anschlagende Verzierungen vgl. Arti- trompes, La fausse aventuriere, Le peintre
kulation und Verzierungen. amoureux de san modele, Le docteur Sangrado,
Anschlagsarten beim Klavierspiel : ge- Le medecin de l'amour, Cendrillon, L'ivrogne
bundener, gestoßener Vortrag (Legato, Stac- corrige und Les epreuves de I' amour. Sein
cato usw.) s. Artikulation. Thedtre erschien 1766 in 3 Bänden.
Anschluß-Motive heißen Motive, welche XAnsermet, Ernest, * 11. Nov. 1883 in
nach einer Schlußwirkung (sie bestätigend Vevey, in der Musik von Bellmann undPlum-
oder verändernd) angehängt sind und das hof in Vevey gebildet, 1906-10 erst Lehrer
Gewicht des Schlußwertes durch solche Be- der Mathematik und Arithmetik in Lau-
ziehung auf denselben überbieten, ohne doch sanne, daneben Schüler von A. Denereaz in
die Taktordnung oder den Periodenbau zu Lausanne, 1905/06 von A. Gedalge inParis,
stören. A. sind sozusagen reicher entwickelte Otto Barblan und E. Bloch in Genf; nach
weibliche Endungen (s. d.); wenn Cle- einer Studienreise in Deutschland (1910/11)
menti statt der Endung (*): IQ12-14 Leiter der Kursaal-Konzerte in

~2J!' Dir p I I [
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Montreux, dessen Dirigent, Francisco de La-
cerda, ihn dem Dirigentenberuf zuführte,
und Nachfolger Stavenhagens als Dirigent
der Abonnement-Konzerte (1915-18); vor

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allem aber Gründer (1918) des Orchesters de
das A.-M. la Suisse-Romande in Genf. Er ist einer der
A.-M. I regsten und fähigsten Pioniere moderner
Musik, namentlich der russischen und ins-
schreibt, so hebt er damit die Sch!ußwirkung besondere der von Strawinsky. Seit 1915
nicht auf, verstärkt aber die weibl'che Halb- war er auch musikalischer Leiter von Serge
schlußbildung T -D durch die Entwicklung de Diaghilews Russ. Ballett, mit dem er
des zweiten Motivs, das von der Tonika zur Paris, London, Italien, Spanien und Nord-
Dominante übertritt, sozusagen aus der und Süd-Amerika bereiste. Auch als Schrift-
Schlußwirkung herausstrebt, ohne sie doch steller ist er tätig. Kompositionen: Lieder
vernichten zu können. A.-M.e unterscheiden mit Kl. und Orch.; Klavierstücke ; sinf.
sich im Vortrag von weiblichen Endungen Dicht. Feuilles au Printemps.
durch selbständige dynamische Ausstattung Ansorge, Conrad, * 15. Okt. 1862
(crescendo-stringendo nach ihren Schwer- zu Buchwald bei Liebau (Schlesien).
punkten hin), sind aber von weiterbildenden, nach Absolvierung des Gymnasiums zu
neue Anfänge bedeutenden Motiven dadurch Landeshut Schüler des Leipziger Konser-
unterschieden, daß ihr Tempo durch ihre vatoriums (1880-82) und Liszts (1885/86)
Anhängung an eine Schlußwirkung gehemm t in Weimar und Rom, ließ sich, nach Kon-
ist. Die Riemannsche Phrasierungsbezeich- zertreisen in Amerika (1887 ff.) 1893 in
nung macht A.-M. kenntlich durch nach Weimar und 1895 in Berlin nieder. 1898
rückwärts überlaufende Bögen. bis 1903 unterrichtete er am Klindworth-
Anschütz, J oh. Andreas, *
19. März Scharwenka- Konservatorium. Seit 1920
1772 und t 26. Dez. 1856 zu Koblenz als hat er die Leitung der Meisterklasse für
Staatsprokurator; Enkel und Schüler des Klavier an der deutschen Akademie für
Hoforganisten und kurfürstlichen KapelJ- Musik und darstellende Kunst in Prag inne.
direktors A. zu Trier, errichtete 1808 zu Ko- 1918 Kgl. Professor. A. nimmt unter den
blenz einen Musikverein mit Instrumental- Klavierspielern der Gegenwart durch die
und Gesangschule, der eine staatliche Sub- geistige Durchdringung der Werke, nament-
vention erhielt. A. war ein exzellenter K!a- lich Beethovens, Schuberts, Schumanns und
vierspieler und hat auchgu te Kompositionen, Liszts, eine hervorragende Stelle ein. Als
besonders für Klavier, veröffentlicht. Komponist gehört er zu den ersten, die
Anschütz, Karl, Sohn von Joh. And. A., - vor allem in der Lyrik - um intimeren
* 1815 zu Koblenz, t 30. Dez. 1870 zu Neu- neuen Ausdruck sich bemüht haben: Lieder,
york, Schüler Fr. Schneiders in Dessau, 3 Klaviersonaten, Ballade, Traumbilder für
übernahm 1844 das von seinem Vater be- Klavier, Sonate für V cell. und Klavier
gründete Musikinstitut, ging aber 1848 nach D moll op. 24, 2 Streichquartette op. I3
England und 1857 nach Amerika, war As dur und op. 20 A dur, ein Streichsextett,
Riemann, Musik·Lexikon. 11. Auf!. 4
50 Ansorge - Anthem.

Klavierkonzert op. 28, auch Orchestersachen hundert. der Vater Bartolomeo und dessen
und ein Req~tiem für MCh. und Orchester Söhne: . Giovan Francesco (auch Er-
[Text nicht der liturgische J. bauer \'on Klavieren [Arpicordi], Giov. J a-
*
Ansorge, Max, Organist, I. Okt. 1862 copo (Orgel im Dom zu Mailand 1553) und
zu Striegau (Schlesien), wo sein Vater Kan- Gio\'. Battista. Eine dritte Generation
tor war, besuchte 1884-87 die Kgl. Hoch- vertritt des letzteren Sohn Graziadio.
schule für Musik in Berlin (Herzogenberg, eine vierte dessen Sohn, der Komponist
Bargiel, Petersenn, Haupt), erhielt seine *
Costanzo A., 1557,1584-1619 Organist
erste Anstellung 1887 als Kantor und Orga- am Dom zu Brescia. Von seinen Werken
nist der Jakobikirche zu Stralsund, wo er sind erhalten 2 Bücher 6-8 st. Messen (1578,
den seinen Namen tragenden Gesangverein 1587), ein Buch 8 st. Psalmen (1592), je
zur Blüte brachte, wurde 1891 als 2. Orga- ein Buch 5 st. und 4 st. Sacrae can/iones
nist an St. Bernhardin nach Breslau be- (1575, 1581), I Buch 4 st. Madrigale (157 1 )
rufen und rückte dort 1896 zum Kantor und I Buch Ricercari L' A ntegnata mit einer
und Organisten der Lutherkirche, 1908 zum Einleitung L'arte organica (op. I6, 1608, mit
Kantor und Oberorganisten an St. Bernhar- Anleitung zum Registrieren und Verzeichnis
din auf. 1908-20 war er Konzertorganist der von der Familie A. gebauten ISS Or-
des Breslauer Orchestervereins und der geln). Der Verlagskatalog von Vincenti vom
Singakademie. 1900 wurde er zum Kgl. Jahre 1619 zählt 4 Bücher 4 st. Instrumen-
31usikdirektor, 1919 zum Professor ernannt. talkanzonen von A. auf, die verschollen zu
Als Komponist trat er mit einer Reihe von sein scheinen; doch sind 15 Canzoni jrancesi
Liedern, Motetten und Chorliedern (auch in Orgeltabulatur in vVoltz' Sammlung von
2 für 8 Stimmen und 5 für 4 Frauenstimmen) 1617 erhalten und 2 in Stimmen in der
hervor. Sammlung von Rauerij 1608 (vgi. Canzoni
Ansprache, ansprechen, sind Aus- pel' sonar). Drei Orgel-Ricercari von A. sind
drücke, die sich auf das prompte Erklingen in Torchis Arte mus. in Italia III abge-
des Tons beziehen, den man auf einem In- druckt. V gl. Damiano :vI u 0 n i, Gli A ntegnati
strument hervorzubringen sucht. Ein Ton (~Iailand 1883).
spricht nicht an, wenn er gar nicht erscheint XAntheil, George, Pianist und futuristi-
(z. B. auf dem Klavier oder der Orgel, wenn scher Komponist, * 8. Juli 1901 zu Tren-
an der Mechanik etwas in Unordnung ist), ton (Ne\v Jersey) von amerikanisch-pol-
oder umschlägt (bei Blasinstrumenten), oder nischen Eltern, Schüler erst von Edward
störende Geräusche mit sich führt (bei der Müller, Uselma Clarke Schmidt und Con-
Singstimme); bei Streichinstrumenten, wenn stantine v. Sternberg, 1914 dann noch von
die Saite nicht rein ist; bei der Orgel, wenn Ernest Bloch. Als Komponist kommt er her
entweichender \Vind ein Summen oder von Strawinsky und der Negermusik; eine
Sausen hervorruft usw. Unter präziser A. Spezialität seines Klavierspiels ist die Ver-.
versteht man bei der Orgel, daß die Mecha- wendung der Faust und des Unterarms,
nik so exakt wirkt, daß dem Niederdrücken 1923 hat er auch Europa als Virtuose be-
der Taste das sofortige Erklingen des Tones reist. Unter seinen \Verken befinden sich
en tsprich t. Klavierstücke. zwei Sonaten und Konzert
Antalffy-Zsiross (spr. sehirosch) ,D e s i der für Kl.; ein B~llet M echanique für 16 Flügel,
von, * 24. Juli 1885 zu Nagy-Becskerek 8 Xylophone, 2 Pauken und sonstiges Schlag-
(Ungarn), Schüler von H. Kößler in Buda- zeug; eine Oper nach James Joyce's Roman
pest, Kar! Straube und Reger in Leipzig und Ulysses.
Enrico Bossi in Mailand, Orgelprofessor an Anthem (engl.) (spr. ~nßem), in England
der Landes-Musikakademie in Budapest. der Name kirchlicher motetten- oder kan-
Seit 1921 lebt er in Amerika und ist seit taten artiger Gesänge auf biblische Texte
1923 Professor an der· Eastman-Universität (Psalmen, Sprüche), welche in der Liturgie
in Rochester ; auch als Dirigen t und Orgelvir- der anglikanischen Kirche vorgeschriebene
tuose. Er schrieb vor allem feinsinnige Kla- Teile sind (nach der dritten Kollekte). Das
vier- und Orgelstücke ; erwähnt seien: 4 Wort A. wird abgeleitet von Antihymne oder
Stücke für Org. (F esta Bucolica), Violin- Antiphona, müßte also einen vVechselgesang
stücke, Lieder, 8 st. Ung. Rhapsodie für bezeichnen: doch sind die älteren A.s (Tye,
gern. Ch.; Ung. Suite f. Orch. op. I7; Spiel- Tallis, Byrd, Gibbons) durchaus im imi-
oper Ein Faschingsabenteuer (BudapestI92I). tierenden NIotettenstil gehalten. Erst nach
Antcliffe (spr. äntclif), Rerbert, engi. der Mitte des 17. Jahrhunderts fand durch
Musikschriftsteller, * 30. Juli 1875 zu Shef- Pelham Rumfrey, Jolm Blow, lVI. vV;ise, Jer.
field,Mitarbeiter an zahlreichenZeitschriften. Clarke. Pu reell usw. in das A. der monodische
Schrieb die Bücher : LivingMusic(I9I 3); Short Stil A~fnahme, so daß es die Form der Kan-
Shtdies on Nature of jVlusic; The Successful ta t e annahm. Zu hoher Bedeutung ge-
Music Teacher(I9I3)und TlzeAmateurSinger; langte das A. durch die Kompositionen
How 10 enioy music(I92I); kurze Biographien Purcells und Rändels. Man unterscheidet
vonBrahms undSchu bert: TheChorus-lVJ asteI' ; jull anthems, jull anthems witl! verses und
übers. von Lenormands Etude surl'harJnonie vel'se anthems; das fut! anthem ist voll chor-
moderne (1912). Arrang. holl. Volkslieder mit mäßig gesetzt, verses heißen Sätze für Solo-
engl. Text für 2 St. mit KI. stimmen (Solo, Duett, Terzett, Quartett).
Antegnati (spr. -enjä-), berühmte Orgel- mit B. c. oder obligaten Instrumenten; doch
bauerfamilie zu Brescia im 15.-16. Jahr- ist auch für das fu1l anthem die Mitwirkung
Anthologie des Maitres religieux primitifs - Antolisei. 51
der Instrumente nicht ausgeschlossen. Von von ansprechenden Klaviersachen, auch
der deutschen Kirchen-Kantate der Zeit Liedern, und eines Allegl'o symphonique
Bachs unterschied sich das A. durch die aus- oP·7·
schließliche Beschränkung des Textes auf XAntiquis, Andreas (de Mondona,
Bibelworte und den gänzlichen Ausschluß Andreas Antiquus, Antiquo, Antigo), lVlusik-
madrigalischer Dichtung. Vgl. Myles B. drucker zu Rom, ein sehr betriebsamer Kon-
Foster, Anthems and Anthem Composers kurrent Petruccis, auch selbst Komponist.
(London, Novello) und Musical Antiquary Petrucci druckte in den Sammelwerken von·
19II (The Chapet Royal A.-Book oj I635 1504-08 FrottolevonA., auch ist er in seinen
[Verzeichnis der Texte und der Kompo- eigenen Kanzonensammlungen von 1510
nisten ]). und 1517 vertreten. A. gab u. a. einen
Anthologie des Mahres religieux pri- Band Messen der bedeutendsten Meister
tnitifs s.Bordes undChanteurs de St.Gervais. (Josquin, Brumel, Pipelare usw.) als Chor-
Anthologie fran~aise ou Chansons choi- buch in Folio (grobe Holztypen) heraus:
sies depuis le I3e siecle, von ]. Monnet Liber XV missarum (1516, Neudruck in
herausgegebene Liedersammlung (Paris 1765, H. Experts 111aftres musiciens, Band 8-9).
4 Bde., Texte und Melodien, mit historischer
EinleitungvonMeusnier de Querlen;der Antiquis, Giovanni de, Kapellmeister
4. Band hat den Titel Chansons ioyeuses). der Nikolauskirche zu Bari (Neapel) in der
Anthologie, tnusikalische s. Boßler. zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, gab
Anthropoglossa (griech. Menschenzunge) , eine Sammlung Villanelle alla N apoletana
s. v. w. Vox hunlana (s. d.) von Komponisten aus Bari heraus (1574,
2 Bücher), welche auch solche von A.
Anthropophonik (griech.), die Lehre von
der Natur der menschlichen Stimme. Vgl. selbst enthält; desgleichen eine Sammlung
K. L. Merkel. Canzonette 2 v. (1584). Vierstimmige Ma-
Antienne (franz., spr. angtjiin), Anti- drigale von A. erschienen 1584.
phonie (s. Antiphona). Antizipation (lateinisch A nticipatio, "Vor-
Antient Concerts s. Concerts oj A ncient ausnahme") nennt man in der Harmonie-
M usic. V gI. Bates. lehre die Vorausandeutung einer Harmonie,
Antier (spr. angtje), Maria, berühmte den verfrühten Eintritt von Tönen, die dem
. *
dramatische Sängerin, ca. 1687 in Lyon, auf die nächste schwere Zeit folgenden
J.!' t } Dez. 1747 in Paris, Schülerin von Marthe Akkorde angehören, und die zu der Har-
Le Lf,Rochois, feierte seit 1712 an der Pariser monie, während deren sie eintreten, meist
dissonieren, aber korrekterweise gar nicht
Großen Oper Triumphe in Opern Lullys,
Camberts und Rameaus. auf sie bezogen, sondern als vorausgenom-
Antiphon,an tiphonisch(gegenklingend) men, "antizipiert" verstanden werden, z. B.
hieß im späteren Altertum (zuerst in den

r - - l'"t~
I

Ilrf ~ b~
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~H
pseudoaristotelischen Problemen) das Inter-
vall der Oktave, das einzige, welches die 11.
Griechen als Zusammenklang ausübten. Vgl.
Paraphonie.
Antiphona (A n ti pho n, franz. A ntienne, Natürlich sind solche A .en akzentuiert zu
engl. Antiphon), eigen tlich ein Wechselgesang bringen.
zwischen zwei Chören (Halbchören), und Antoine, Georges, belgischer Kompo-
zwar, entsprechend dem Wortsinne (vgI. * t
nist, 28. April 1892 zu Lüttich, 15. Nov.
Antiphon) wahrscheinlich eines (natürlich 1918 zu Brügge; Sohn eines Chor dirigenten
unisonen) Chors von Männerstimmen und an der Kathedrale zu Lüttich, Schüler des
eines von Knabenstimmen, einer der ältesten dortigen Konservatoriums, begann um 19IO
Bestandteile des kirchlichen Ritualgesangs, zu komponieren, machte 1914-18 den
den Ambrosius von Mailand (4. ]ahrh.) be- Krieg mit, an dessen Krankheitsfolgen er
reits von der syrischen Kirche übernahm, starb; ein über das gewöhnliche Maß be-
in welcher er (besonders in Antiochia) schon gabter Musiker, auch schriftstellerisch be-
um 300 bestand. Im Laufe der Zeit ist die fähigt, wie seine Beiträge zu den an der
Unterscheidung chorischer Wechselgesänge belgischen Front veröffentlichten Cahiers
und solistischer Gesänge mit Chor-Respons beweisen. Schrieb: Sonate für Violine und
(Responsorien) mehr und mehr geschwunden. KlavierL op. 3 (1912-15); Klavier-Konzert
Antiphonarium, Antiphonarius, Anti- op. 5 (1914); Klavierquartett op. 6 (Ij)16);
phonale, die Zusammenstellung der anti- Sinfonische Dichtung Veiltee d' t.?,mes
phonen Gesänge der Messe (Introitus Ojjer- op. 9 (1918); ein Dutzend Lieder und einige
torum und Communio). Neben demA. M issa- unbeendigte Werke.
rum unterschied man noch A. Ojjicii, das Antoine, Pa u I, s. Closson.
die antiphonen Gesänge außerhalb der Messe Antolisei, Raffaele, italienischer Kom-
(im Stundenoffizium) enthielt. Die solisti- ponist und Organist, * 21. Aug. 1872 zu
schen Responsorialgesänge, Hallelujah und Anagni, Schüler seines Vaters Gaetano,
Traktus enthielt das Responsoriate (Gradale, studierte Kirchenmusik an der Pontif.
Graduale). All diese Namen sind späterhin Scuola superiore di musica und an S. Ce-
mißbräuchlich vermengt worden. cilia in Rom; Dir. der Schola Cantorum und
X Antipow, Konstan tin Athanasiewitsch, Organist am ColI. Salesiano dei Sacro Cuore
russischer Komponist, * 1859, Komponist in Rom; Komponist von Kirchenchören
4*
52 Anton - Anzoletti.

und musikalischen Schuldramen, auch Leiter für Violine mit Be. (op. 5, I686) und
der Zeitschrift Il nuovo Frescobaldi. Er 2 Büchern Tanzstücke für Violine und
schrieb die Broschüre: Ossel'vazioni enorme Baß (op. I, I670 und op. 3, I67I).
pratiche per la esecuzione delta polifonia Antonio degli organi s. Squarcialupi.
dassica (1923). Antoniotto, Giorgio, Komponist und
*
Anton, Karl, 2. Juni 1887 zu \Vorms Theoretiker um 1740 in Mailand, von dem
a. Rh., studierte in Heidelberg, Greifswald, Le Cene in Amsterdam 12 Sonaten op. I
Halle Musik (hauptsächlich Gesang) und (I-V für Cello und Baß, VI-XII für
Theologie und promovierte zum Dr. phiI. 2 Celli oder Gamben) druckte. Ein theo-
mit der späterhin in enveiterter Form als retisches Werk L'a1'te armoniea erschien
Buch erschienenen Arbeit Beiträge zur Bio- 1760 in englischer übersetzung bei Johnson
graphie Karl Loewes mit besonderer Berück- in London.
sichtigung seiner Oratorien und Ideen zu Antonius de Arena, * in der Provence
einer volkstümlichen A !tsgestaltung der pro- (P1'ovenealis), 1519 Student in Avignon,
testantischen Kirchenmusik (1912). Noch im t 1544, ist der Verfasser eines der ältesten
gleichen Jahre bestand A. die theologische Werke über die Tanzformen Friantes, Bassas
Staatsprüfung in Karlsruhe und trat in den dansas, Branlos (Avignon 1536 [167°,1758]),
Kirchendienst ein, bis 1917 Stadtvikar in das von Arbeau (s. d.) zitiert wird.
\V einheim und Baden-Baden, dann als Pfarrer Antonius de Civitate, italienischer Kom-
in \Vallstadt-Mannheim. Seit 1919 liest er ponist der I. Hälfte des 15. Jahrhunderts,
an der Hochschule für Musik in Mannheim von dem einige geistliche und weltliche Ton-
A ngewandte Musikgeschichte. Bücher: A nge- sätze in den Codd. Florenz Pane. 26, Bologna
wandte Liturgik (1919); (im Verein mitDr. 37 und 2216 und Oxford Can. 2I3 erhalten
Arper) Aus tiefer Not, liturgisches Hilfsbuch sind (ein Gloria 3 v. in J. Wolfs Gesch. d.
(I919); Luther und dz'e Musik (1918). Mensuralnotation II Nr. 72).
Anton, Konrad Gottlob, 1745, seit * XAntonolini, Ferdinando, Komponist
177 5 Professor der orientalischen Sprachen und Kapellmeister, trat 1796 ~ls pi:igent
zu Wittenberg, t 4. Juli I8I4 in Dresden; in den Dienst der Petersburger ltahemschen
schrieb über die Metrik der Hebräer und Oper. Schrieb allein und unter Mitarbeiter-
versuchte, ihre Akzente als musikalische schaft von Cavos eine Reihe von Opern
Noten (mehrstimmig!) zu deuten; Schriften, für die russische Bühne.
die für die Musikgeschichte nur den Wert Antony, Franz J oseph, * I. Febr. 1790
von Kuriositäten haben (vgI. Michael Beck). und t 7. Jan. 1837 zu Münster (Westfalen),
*
Anton, F. Max, 2. Aug. 1877 in Born- seit 1819 Chordirektor am Dom und seit
stedt bei Eisleben, Schüler von Tietz (Gotha), 1832 als Nachfolger seines Vaters auch
Stavenhagen (München) und Kwast (Frank- Domorganist, hat außer kirchlichen Kom-
furt), Lehrer am Konservatorium zu M.- positionen und einem Schulgesangbuch (1822)
Gladbach und Dirigent des Singvereins in ein A rehäologiseh-liturgisehes Lehrbuch des
}{heydt, in Detmold Abteilungsdirektor am Gregorianischen Kirchengesangs (1829), eine
Konservatorium, Städtischer Musikdir. in Geschichtliche Darstellung der Entstehung und
Osnabrück, seit 1922 als Nachfolger von Vervollkommnung der Orgel (1832) und meh-
Gruters Generalmusikdir. in Bonn. A. rere praktische liturgische Bücher heraus-
komponierte Lieder, F,'esken, Tänze u. a. gegeben.
für Klavier, 3 sinfonische Oden für Orchester Antwerpen. VgI. E. Gregoir, Notüe
op. 8, ein Klavierkonzert; Humoreske op. II, historique sur les Societes et Ecoles de musique
Trutzmusik op. I3 und 3 Stücke für großes d' A nvers (1869) und weitere Schrift~n des-
Orchester op. I6; Musik für Horn; Violin- selben Autors über belgische MUSlk und
konzert, eine Oper: Die Getreuen. Schrift: Musiker, sowie auch die Spezialarbeiten
Versuch einer Kunstanschauung (1922). von L. Burbure (s. d.) und E. van der
Antonellus de Caserta, italienischer Straeten, La Alusique aux Pays-Bas
Komponist des 14.-15. Jahrhunderts, von (1867-88). S. auch J. B. Coninck. VgI.
dem eine Anzahl französischer Chansons in auch L. Theunissens, La musique ci, Anvers
den Codd. Paris 6771 (Reina) und Bologna aux XIVe, XVe et XVle südes (A. 1906);
568 erhalten sind. F. Donnet, Les doches d'Anvers (1899); A.
Antonii, Pietro degli, *ca. 1645 in de Gers [A. Gersdorff], L'historique cmnplet
Bologna, t ca. 1720, Kirchenkapellmeister du theatre royal d'Anvers I834-I9I4 (2. Auf-
in Bologna (um 1680 an S. Maria Maggiore, lage 1914).
1686 an Santo Stefano, 1697 an S. Giovanni), Antwort (Comes) in der Fuge, s. Fuge.
1676 und 1718 Vorsitzender der Akademien Aöden (griechisch), Sänger der Helden-
dei Filaschisi und dei Filarmonici, ver- sagen zur Zeit Homers; vgI. Rhapsoden.
öffentlichte 2 Bücher Messen für 2 Soprane AnzolettiMarco, * 4. JuniI866 zu Trient,
mit Be. (op. 2 I670, op. 8 I697), I Buch Schüler des Konservatoriums in Mailand.
Motetten für Solostimmen mit Streichinstr. begann in Rom die Virtuosenlaufbahn, die
(op. 7, I696), I Buch Kammerkantaten er um 1890 aufgab um sich ganz der Kom-
(op. 6, I690); auch schrieb er 3 Oratorien position und Schriftstellerei zu widmen,
(1666, 1673, 1686) und 3 Opern (1671, seit 1890 Lehrer am Cons. G. Verdi in Mai-
1679, 1682). Als Instrumentalkomponist land. Schrieb: 24 Variationen über ein
betätigte er sich mit Sonate e vet'setti (Orgel- Thema von Brahms für Violine und Klavier
zwischenspiele, op. 9, 1692), Kirchensonaten (1893) ; Sonate C moll für Violine und Klavier
Apel - Appunn. 53
(1894); Violinstücke; Grande studio di bischen Begeisterung welche die Gesetze
Concerto für Violine und Klavier (1908)' durchbricht. '
I2 Studi per la viola (1919); ungedruckt~ ~potome (&noiOfl~) hieß bei den alten
Sonaten Dmoll und F dur für Violine und Gnechen der chromatische Halbton' der
.Klavier (1901 und 1913); Concerto für diaton~sche Halbton hieß Limma [J.:iufla]
-1- Violinen (1905/09); Violinkonzert in (a-b Llmma, b-h A.). Während aber ~ach
I Satz. (1904/14); K~aviertr.io (1912/14); den .heuti.gen akustischen Bestimmungen
2 Streichquartette; smf. Dicht. Vospite der dmtomsche Halbton (15: 16) größer ist
della Terra u. v. a.; die Opern: La fine di als der chromatische (24:25, resp. 128:135),
J1 ozart(Mailand, ~. Lirico 1898); Serbia 1898; berechneten die Alten das Limma als
Le gare 19°2; Fazda 1912/15; Belfegor 1920. "R~st" der "Quarte" (3:4) nach Abzug
Bücher: W. A. Mozart (1899); Domenico Ci- zweier Ganztöne, beide als 8: 9 bestimmt
marosa, cenni biografici (1901); L'insegna- = (-1 : [~y = ;t~) und die A. als Rest des
mento del violino in I talia (19°9); M ozart, scene Ganztons (8:9) nach Abzug der Limma
della vita intima (1906); Giuseppe Tartini, (243: 256) als 2~~~, so daß für sie derchro-
studio critico biografico (1917).
Apel, J oh. August, * 17. Sept. 1771 matische HalSton der größere war. Vgl.
die Tabelle unter Tonbestimmung.
und t 9. Aug. 1816 zu Leipzig, Doktor der
Rechte und Ratsmitglied in Leipzig, wandte Appassionato (italienisch), "Ieidenschaft-
sich gegen Gottfried Hermanns Elementa lieh", mit starkem Ausdruck.
doctrinae metricae mit Artikeln in der Appel, Karl, * 14. März 1812 und t 9.
Allg. Musikal. Zeitung 18°7-08 und schrieb Dez. 1895 in Dessau, Schüler Fr. Schneiders,
selbs~ eine umfängliche Metrik (1814-16, bis 1880 Hofkonzertmeister, hat sich durch
2 Bande, 2. Auflage 1834). In seinem Männergesangsquartette (besonders humo-
Gespensterbuche (1810-14, mit Fr. Laun) ristische) und instruktive Violinsachen be-
entdeckte C. M. v. Weber den Stoff des kannt gemacht.
Freischütz. Appenzeller (Appenzelders), Bene-
XAl?eU, Joh. David von, * 23. Febr. 1754 d i c tu s, wahrscheinlich einer schweizerischen
und T1833 zu Kassel als Geheimer Kammerrat Familie entstammend, aber in den Nieder-
und Theaterintendant, Komponist (Messen, landen geboren (zu Audenarde), Schüler
Ope~n, Kantaten und Instrumentalmusik), von Josquin des Pres (in Conde), auf dessen
schneb (anonym) Galerie der vorzüglichsten Tod er den vier stimmigen Klagegesang
Tonkünstler und merkwürdigen Musikdilet- Musae Jovis ter maximi komponierte (er-
tanten inK assel( I 806)und ü bersetztePiccinnis halten in einem 1542 datierten MS. zu
Roland ins Deutsche (1802). Cambrai, das 15 mit Benedictus gezeichnete
Apiarius, Mathias, süddeutscher bzw. Kompositionen enthält, die wahrscheinlich
Schweizer Musikdrucker des 16. Jahr- alle von ihm sind [6 nachweislich]), war
hunderts, 1534-37 assoziiert mit Peter um 1535-1551 MaUre des enfants de chceur
Schöffer d. j. in Straßburg, dann, vom der Kapelle der Maria von Ungarn, Statt-
Rat der Stadt berufen, in Bern bis zu halterin der Niederlande in Brüssel. Barclay
seinem 1553 erfolgten Tode, worauf sein Squire hat I913 (Sammelb. der IMG.
Sohn Samuel A. bis 1581 als Geschäfts- XIII 264ff. Who was Benedictus', ) erstmalig
nachfolger nachweisbar ist. Persönliche einen Antwerpener Druck mit Werken von
Verdienste um die Technik des Musiknoten- A. (De profundis [mit französischem Text]
drucks sind A. wohl nicht zuzuschreiben, und 22 Chansons) aufgewiesen, aus dem sich
da Peter Schöffer d. j. lange vor der die Autorschaft für 6 der Benedictus-Kom-
Assoziierung mit ihm seinen herrlichen, mit positionen des MS. von Cambrai ergibt.
Petrucci wetteifernden Typendruck hervor- Durch Squire's Nachweise ist die Bedeutung
bringt (1512), und A. in Bern vom Doppel- A.s erheblich gewachsen und Benedikt
druck zum einfachen Druck der Art Attain- Ducis (s. Bened.Herzog), dessen Biographie
gnants übergeht. Vgl. Ad. Thürlings' Friedrich Spitta in der Monatsschrift für
Studie über A. in der Vierteljahrsschrift Gottesdienst und kirchliche Kunst, Januar
für MW. VIIr. 389ff. (1892, auch separat). 1912, erstmalig geklärt hat, nicht mehr als
Apollon (Apollo), der griechische Licht- Schüler J osquins anzusehen. Der Klage-
gott, der die Laute der Natur weckt und gesang A.s auf J osquins Tod ist neugedruckt
die Bewegungen der Planeten, die Har- in der G.-A. von Josquins Werken, Lief. I
monie der Sphären ordnet, daher auch (19 21 ).
Gott der Dichtkunst und Musik, in dessen Applikatur s. v. w. Fingersatz.-
Gefolge sich die Musen befinden (Musa- Appoggiatura (italienisch, spr. äpödd-
getes). Zu Ehren des A. wurden zu Delphi seha-), s. v. w. Vorschlag. Vgl. Acciaccatura.
al~e vier Jahre die Pythischen Spiele ge- Appunn, Anton, * 20. Juni 1839 und
feIert, bei denen die musikalischen Wett- t 13· Jan. 1900 in Hanau, Sohn von Georg
kämpfe die erste Stelle einnahmen. Wenn A., Schüler des Leipziger Konservatoriums,
Fr. Nietzsehe auf kunstästhetischem Ge- setzte die akustischen Versuche seines
biete das Apollinische in der Kunst zum Vaters fort (insbesondere Schwingungs-
Dionysischen in Gegensatz stellt, so ist zahlen-Bestimmungen sehr hoher Töne auf
A. der Vertreter des Prinzips der formalen optischem Wege), konstruierte feine aku-
Bestimmtheit und strengen Logik, Dionysos stische Apparate, ersann ein neues Glocken-
dagegen der des Prinzips der dithyram- profil (rechteckiger Metallstab in Kreis-
Appunn - Araber und Perser.

form ab Tonerzeuger, darüber eine halb- Essays, 2 Bände (Boston 1899); About
kugelige Haube als Tonverstärker). Er Music and Nlusicians (Boston 1898); Über-
schrieb: Ein natüJ'liches HarmonieS1'stem setzungen: H eetor Berlioz-Selections from his
(1893), A kustisclz e Tl ersuche ii ber TVahr- Letters and Writings (1879); Herausgeber
nehmung tieje1' Töne (1889), Schwingungs- (mit J. D. Champlin) einer nützlichen
zahlenbestimmung bei sehr hohen Tönen 3 bändigen Cyclopedia of Music and Musi-
(Annalen der Physik und Chemie, Band 64, cians (1888-90).
1898 und Band 67, 1899). Apulien. Vgl. V. Raeli, Maest'ri COIII-
Appunn, Georg Aug. Ign., * 1. Sept. 1816 positori pugliesi (Tricase 1926).
und t I4. ]an. 1888 in Hanau, Schüler von Aquila (Stadt). Vgl. A. Bertolotti,
Ant. Andre und Schnvder yon \Vartensee Atti e me1110rie ... per le provo Nlodenesi e
in der Theorie, Suppus und Al. Scbmitt Pa1'11unsi [16. Jahrhundert] (1883).
j 111 Klavierspiel, Rind: im Orgelspiel und
Mangold im Cellospiel, ein vielseitig gebil-
Araber und Perser. Nach Kiese-
wetters Monographie (1842) hatten die
deter Musiker, der fast alle Instrumente Araber vor dem Islam keine nennenswerte
spielte und bis etwa 1860 erfolgreich als musikalische Kultur; nach der Eroberung
Lehrer der Theorie, des Instrumentenspiels Persiens (7. Jahrhundert) ging die alte per-
und des Gesangs in Hanau und Frankfurt sische Kultur auf die Eroberer über. Der
a. M. wirkte. Seit dieser Zeit beschäftigte äl teste ara bische :VI usikschriftsteller ist C h a-
er sich ausschließlich mit akustischen Unter- lil (t 776 n. Chr.), der ein Buch der Rhyth-
'suchungen und Konstruktion feiner alm- men (Metrik) und ein Buch der Töne ver-
stischer Apparate, Harmoniums mit 36- faßte. Im 10. Jahrhundert versuchte
ünd 53stuiiger Skala reiner Stimmung Alfar a bi (s. d.) vergeblich, die griechische
(s. Tonbestimmung) usw., wodurch er mit Theorie einzubürgern. Persische Schrift-
maßgebenden Gelehrten, wie H. HeImholtz, steller über Musik treten erst im J4. Jahr-
A. v. Oettingen, G. Engel usw. in nähere hundert auf, nachdem Persien aus der
Beziehung trat und rühmliehst bekannt Türkenherrschaft (II.-14. Jahrhundert)
wurde. Schrieb: Über die Heimholtzsehe unter die Herrschaft der i'lJongolen gekom-
Lehre von den Tonempfindungen (1863). men war, unter welcher (besonders unter
Aprile, Gi u s e p pe, berühmter Altist und Tamerlan) Künste und vVissenschaften wie-
Gesanglehrer, * 29. Oktober 1738 zu Bi- der aufblühten. Das älteste erhaltene theore-
sceglie, '1' 1814 zu 'l\Iartina (Apulien), sang tische \Verk von Safieddin, mit dem Titel
seit 1763 in Stuttgart, J\lailand, Florenz, Scharafeddin Harun, stammt aus dem
N eape! und lebte dann als Gesanglehrer in 13. Jahrhundert. Hervorragende Vertreter
Neapel. A. war Schüler von Girol. Abos derTheorie sind ferner: Mahmud Schirasi
und Lehrer von Cimarosa. Seine noch
heute beliebte Gesangschule mit Solfeggien
(t 13 15), i'lIahmud el Amul (t 1349) und
Abdolkadir Ben Isa (in persischer Spra-
erschien zuerst 179J in London bei Broderip: che). Das :\Iusiksystem dieser Schrift-
The 1\IJ odern Italian ;VI ethod 0/ Singing, with steller ist das während der arabischen Herr-
]6 So/jegges. schaft in Persien entstandene, zweifellos
Apt (Stadt). Vgl. A. Gastoue, lnven- altarabische Elemente enthaltende, gegen
taire des manuscrits liturgiques conserves welches schon Alfarabi ankämpfte (vgl.
dans I' eglise d' A pt und Les aneiens ehants Messei). Die Grundlage dieses Systems
titurgiques des eglises d' A pt el du Comtal ist die Teilung der Oktave in 17 Teile
(0. ].). (Dritteltöne); nehmen wir den Ton I als
Apthorp (spr. äpBorp), William Foster. c an, so sind die übrigen (nach Abdolkadirs
':' 24. Okt. 1848 (I849?) zu Boston (:\Iass.),
Monochord): 2 des, 3 eses, 4 d, 5 es, 6 fes,
"i" 19· Febr. 1913 in Ve ..-ey (Schweiz); 1850
his 1860 wurde er in Dresden. Berlin und 7 e, 8 j, 9 ges, 10 as, 11 g, I2 as, 13 heses,
14 a, J:; b, 16 ces, 17 deses, J8 c (v gl. die
lZom erzogen, 1869 an der Harvard Uni- Tabelle unter "Tonbestimmung"). Da die
versität graduiert, seit r863 studierte er Ö. Unterquinte fast absolut genau der reinen
JG., Hann. und Kp. bei Paine und setzte Oberterz entspricht, so können \\'ir die
den Kl.-Unterricht bei B. }. Lang fort. Skala auch schreiben als (nach den unter
1872-73 war er Lehrer für Kl. und Harm. "Quinttöne" erklärten Prinzipien): c, cis,
am ~at. Coll. oi M. in Bostoll, 1874-86
am N e\V England Cons.; 1872 wurde er d, d, dis, e. e, j, fis, g, g, gis, a, a, b, lt, c-:C;
von Howells, dem Herausgeber von The und sehen dann~daß eine große Zahl so
A t/an/ie i\lonthly, als i\I usikkritiker engagiert gut wie absolut reiner Terzen sich ergibt,
und schrieb später auch für Sunday Courier nämlich: ce, d fis, e gis, f a, g h. a cis, b d,
und Traveller, 1888-1903 für Evening h dis, also -die Harmonierj- B dur, G moll,
Transcript als einflußreichster :\fusik- und F dur, D moll, C dur, A moll, G dur, E moll,
Theaterkritiker in Boston. Außerdem lehrte D dur, H moll, A dur, Fis moll, E dur,
er am College of Music der Universität, Cis moll, H dur, Gis moll reiner, als sie
am Lowell Institute in Boston und am unserem 12 stufigen temperierten System zur
Peabody Inst. in Baltimore. Seine letzten Verfügung stehen. Da die i'lfesseltheorie be-
zehn Lebensjahre verbrachte er in der rei ts die Terz als Konsonanz 4: 5 d e fi nie r t ,
Schweiz. Bücher: 1I1usicians and Music- so ist das natürlich kein Zufall. Angesichts
Lovers (1894); The Ope1'a, Past and Present dieses Ergebnisses dürfen \\"ir vielleicht an-
(1901); By the H'ay: a Collection 0/ Sho?,t nehmen, daß die zwölf Haupttonarten
Araber und Perser - Arbeau. 55
(Makamat), welche die Theoretiker auf- brary; JVlusic and 1\1usical Instruments 01
stellen. von einzelnen Melodien abstrahierte the Arab; A. Z. Idelsohn, Die 1VIaquamen
Theoreme sind; die praktische Musik er- der arabischen iVfusik (Sammelb: der Intern.
findet ja nicht Tonleitern, sondern Melodien. MG. XV, I [1913]). Die Darstellung
Die 12 Makamat sind: Usehak = c, d, Idelsohn bezieht sich auf die jetzige ara-
e, j, g, a, b, c; Newa = c, d, es, I, g, as, bische Musik, die kaum noch Berührungs-
b, c; Busclik = c, des, es, j, ges, as, b, c; p;.!nkte mit der älteren hat.
Rast= c, d, e, j, g, a, b, c; Irak= c, d, ~Aragonien. VgI. ]. J. Jimenez, Can-
e, I, g, gis, a, h, c; Iszfahan = c, d, e, T, cionero Aragones. Canciones rie Jota antiguas
-g; as-;-b,C; Zfrefkend = c, d, es, 7, fis, Y populares en Al·ag6n (Saragossa 19 2 5).
~- ~I j - Araja,. Francesco, N
1
-g2S, -a, ~l, c; usurg = c, d ,e,
B··..
~
, 2S, g,- a, kompomst, *. 1700 in
italienischer
eape,I t ca.Opern-
17 6 7
h, c; Sengule = c, d, e, j, lis, a, b, c; in Bologna, brachte 17 29 seine erste Oper
Rehawi=c,des,e,j,ges,as,b,c;Husseini Lo matremmonejo pe mennetta in Neapel
= c, des, es, j, ges--; as, b, c (vgI. Buselik); heraus, 173 8 folgte in F:loren,e Berenice,
Hidschas = c, des, es, ges, as, b, c. Noch und A. erlangte bald Ruf und ging 1735
im 14. Jahrhundert wurde das abendlän- mit einer italienischen Operntruppe nach
dische Tonsystem der sieben Stammtöne Petersburg. Dort brachte er 1751 die erste
und fünf Zwischentöne in Persien bekannt auf russischen Text komponierte Oper Der
und faßte dort festen Fuß, besonders in barmherzige Titus (28. Dezember 1751), der
der praktischen Musikübung, während die 1755 eine zweite Kephalos und Prokris
Theoretiker noch an der Messeltheorie fest- folgte. 1759 ging er nach Italien zurück.
hielten bis in die neueste Zeit. Die Gesamtzahl seiner Opern ist 22. Von
Das vornehmste Musikinstrument der einer neuen Reise nach Rußland (1761)
Araber war schon zur Zeit des Alfarabi die trieb ihn die Ermordung Peters III. schnell
La u te (s. d.). Die Araber überkamen die zurück. A. schrieb auch ein Weihnachts-
Laute von den Persern. und zwar nach dem oratorium.
Bericht arabischer Schriftsteller noch vor AranazyVides, Pedro, spanischer Kom-
der Period~ des Islam. Eine Abart der ponist, * gegen die Mitte des 18. Jahrhun-
Laute war das Tanbur (mit längerem derts zu Tudela (Navarra), KM. an der
Hals, kleinerem Resonanzkasten und nur Kathedrale zu Cuenca von 1780 bis zu
drei im Einklang gestimmten Saiten). Die seinem 1821 erfolgten Tode. Er schrieb
persischen Schriftsteller des 14. J al1fhunderts 8 st. Messen, deren Stil Cheru bini bewunderte;
erwähnen außerdem noch an Saiteninstru- ferner "tonadillas", ferner eine Abhandlung
menten die unsrer Zither ähnlichen: Kan u n über Kp. und Komposition (ms.): Zwei
(offenbar vom griechischen Monochord [Ka- Stücke von A. bei Eslava, Lira sacro-
non] abstammend), Tschenk und Nushet, hispana. VgI. M. Soriano Fuertes,
sowie die Streichinstrumente Keman- Hist. de la 1\IIftsica Espaiiola, Band III.
tsche und Re ba b (Rubeb), von denen nach Aranda, deI Sessa d', italienischer Ma-
der Annahme vieler die abendländischen drigalkomponist, dessen einzige bekannte
Streichinstrumente (s. d.) abstammen (?). Sammlung 4st. Madrigale (1571) sich großer
Die Blasinstrumente zerfielen in zwei Beliebtheit erfreute (Neuauflage 1583,16°5,
Hauptarten : N ey (Schnabelflöte) und Ar- 1619).
ganum (Organum? Sackpfeife). VgI. Aranda, Matheus de, portugiesischer
",}ndres, Cartas sobre la musica de los Musiker, 1544 Professor der Musik an der
Arabes (1787), R. G. Kiesewetter, Die -Universität Coimbra, schrieb: Tratado de
Musik der Araber nach Originalquellen canto llano y contrapuncto por 1',1[ atheo de
dargestellt (1842), Kosegarten, Ali Ispa- A., maestro de la capilla de la Se de Lixboa
hanensis liber cantilenarum (Greifswald 1840), ~ (1533).
Soriano Fuertes, Musica arabe-espaiiola....,-::-- Araujo (Arauxo, spr. ara-uchh6), Fran-
(1854), Salvador Daniel, La musique arabe cisco Correa d', einer der bedeutendsten
(1863), Alcxander Christianowitsch, Es- portug. Instrumentalkomponisten, Domini-
quisse historique de la musique arabe (1863), kaner, Organist an San Salvador zu Sevllla;
Ca u ssin de Perceval, N otices anecdoti- t1 3. J an.1663 alsBischofvon Segovia, schrieb:
ques sur les principaux musiciens arabes Libro de T ientos y Discursos 4e musica pr,!ctica
des trois premiers siecles de l' I slamisme ... intitulado Facultad orgrfnica (Alcala 1626,
(Journal asiatique 1873, auch separat), Orgelschule mit 70 Tons~tzen in Tabulatur)
V. Advielle, La musique chez les Persans und Casos morales de musica (Ms.).
(0. ].), J. P. N. Land, Tonschrijtenver- Arbeau (spr. arb6), Toinot (Anagramm
suche und Jl1elodieproben aus dem muh am- für Jean Tabourot, Offizial zu Langres
medanischen Mittelalter (Vierteljahrsschrift gegen Ende des 16. Jahrhunderts); gab
für MW. II [18861), Dechevrens, Etudes heraus: OrcJzesographie etc. (1588 und 1596,
de science musicale 11, Appendix IV (La Neuausgabe von L. Fonta, Paris 1888,
musique arabe, I898), P. Colangettes, deutsch im Auszug von Czerwinski 1878,
Etude sur la mus. arabe (Journal asiatique englisch von C. W, Beaumont 1925),
1904-06), Jules Rouanet, La musique worin das Tanzen, Fechten, Trommeln,
arabe (Lavignac's Encyclop. de la Musique, Pfeifen usw. in Form eines Dialogs mittels
Band V, 1922), H. G. Farmer, Arabic einer Art Tabulatur gelehrt wird. Das
Musical Manuscripts in the Bodleia12 Li- vVerk ist eine wichtige Quelle für die Ge-
56 [d']Arblay - Arditi.

schichte der Tänze. S. Choreographie und Chanson A.s (1554 gedruckt) entdeckt n1
Basse dance. Vgl. Fr. Blume, Stud. z. haben.
V arges eh. der Orchestersuite (1925). [d']Archambeau (spr. arschangb6), J ean
[d']Arblay, Frances s. Burney. Michel, belgischer Komponist, * 3. März
1823 zu Herve, t im August 1899 zu Verviers,
ArMs, Enrique Fernandez, spanischer mit 15 Jahren Musiklehrer am dortigen
Violinist und Dirigent, * 25. Dez. 1863 zu Gymnasium, später Organist zu Petit
:VIadrid, Schüler von Monasterio in Madrid, Rechain, hat Messen, Litaneien, Motetten,
Vieuxtemps in Brüssel und ]oachim in Romanzen und Salonstücke geschrieben.
Berlin, war kurze Zeit Konzertmeister der Archangelski,Alexander Andrejewitsch,
Philharmonie zu Berlin, dann Violinlehrer
am Hamburger Konservatorium, auch zeit- * 23. Okt. 1846 im russischen Gouvernement
Pensa, t 1925 in Prag, war seit seinem 16.
weilig am Madrider Konservatorium, seit Jahre Dirigent von Kirchenchören. 1880
1891 aber am Londoner R. College of organisierte er einen eigenen Chor, mit dem
l\'Iusic. Seit 1904 ist er Leiter des Orquesta er ausgedehnteKonzertreisen unternahm. Als
Sinf6nica in Yladrid und Violinlehrer am Komponist betätigte sichA.auf dem Gebiete
R. Cons. de Musica, auch Konzertmeister kirchlicher Musik; er veröffentlichte zwei
des Orch. der Königlichen Kapelle. A. ist Messen, eine Totenmesse usw. Wichtig ist
nicht nur ein ausgezeichneter Geiger ernster die von A. zuerst gewagte Ersetzung der
Richtung und Dirigent, sondern auch ein Knabenstimmen durch Frauenstimmen im
respektabler Komponist (T rois Pieces ori- russischen Kirchengesange, die viele Nach-
ginales dans le genre espagnol für Klaviertrio, ahmung gefunden hat.
Violinstücke, Mus. Komödie EI centro de Archer (spr. artscher), Frederick, vor-
la tierra [Madrid 1895], Orch.-Bearb. der
Iberia-Suite von Albeniz, Lieder u. a.). trefflicher englischer Organist, * 16. Juni
Auch gab er Werke von Vieuxtemps neu 1838 zu Oxford, t 22. Okt. 1901 zu Pitts-
burg, ausgebildet zu London und Leipzig,
heraus. war zuerst Dirigent, wurde 1881 Organist
Arbuthnot (spr. arb6ßnot), lohn, eng- zu Brooklyn (Neuyork) und übernahm dann
lischer Mediziner, Leibarzt der Königin eine gleiche Stellung in Pittsburg. A. gab
Anna (1709), t 27. Febr. 1735; nahm bei Orgelkompositionen und Schriften über
den Zerwürfnissen Händels mit seinen Orgel heraus, redigierte auch eine Musik-
Opernmitgliedern lebhaft für Händel Partei zeitung The Key Note.
und gab interessante Details über Perso- Archi ... (spr. -ki) und Arci ... (spr. -tschi)
nalien in seinen M iscellaneous Works (175 I). als Zusatz zu Namen älterer Instrumente
Auch war A. selbst Komponist (Anthems). deutet auf eine besondere Größe des Ton-
Arcadelt, ] a k 0 b (auch geschrieben: umfangs und der Bauart, z. B. Arciorgano,
Jachet Arkadelt, Archadet, Harca- das von Vicentino um 1560 konstruierte
delt, Arcadet, Arcadente), wahrschein- Klavierinstrument mit 3 I Stufen in der
lich niederländischer Abkunft, * um 1514, Oktave, das für alle Töne der drei antiken
t nach 1557 in Paris, taucht nach kurzem Tongeschlechter (diatonisch, chromatisch
Aufenthalt in Florenz zunächst als Mitglied und enharmonisch) besondere Tasten hatte;
der Cappella Julia in Rom auf (1539), ist Archiliuto, die große Baßlaute (vgI.Theorbe),
dann mit Unterbrechung (Reise nach Frank- Archiviola di Lira s. v. w. Lirone, Accordo
reich) päpstlicher Kapellsänger (1540-49, usw.
1544 zum Abtkämmerling ernannt) und Archiv für Musikwissenschaft, Viertel-
folgt um 1555 dem Herzog von Guise nach jahrsschrift, herausgegeben vom Fürst!.
Paris, wo wir ihn mit dem Titel eines Regius Institut für musikwissenschaftliche
musicus 1557 finden. Arcadelts unsterb- Forschung zu Bückeburg seit I. Okt.
licher Ruhm sind seine Madrigale, deren 1918 durch dessen Direktor Prof. Dr. Karl
erstes Buch bis 1654 einunddreißig Ausgaben August Rau (t) unter Redaktion von Max
erlebte. Nachweisbar sind: 5 Bücher 4st. Seiffert, J ohannes Wolf und Max
Madrigale (1539 [1-4], 1544), ein Buch Schneider (Druck und Verlag von Breit-
3 st. Madrigale (1542), ein Buch 3 - 5 st. kopf & Härtei, vom 2. Jahrgang ab von
Messen (1557), ein Buch 4st. Messen (1545). Siegel-Kistner in Leipzig). Das AfMW. ist
Viele Madrigale, Chansons, Motetten usw. gedacht als deutscher Ersatz der 1914 ein-
finden sich in den Sammel werken der Zeit, gegangenen Sammelbände der Internationalen
wenige weitere Werke handschriftlich. In MG.
Neuausgaben erschienen einige Tonsätze in Arco (italienisch), Bogen; colt' arco (ab-
Maldeghems Tresor, in Band 23 von gekürzt are., c. are.), "mit dem Bogen",
Eitners Publikationen, das 4st. parlando- für die Streichinstrumente nach voraus-
lHadrigal Il eiel ehe rado in Riemanns gegangenem pizzicato die Vorschrift, daß
Handbuch d. MG. IJ1. 402ff., Il bianeo wieder gestrichen werden soll.
e dolce eigno 4 v. bei Moßkwa u. a. Das Arditi, Luigi, * 22. Juli 1822 zu Cre-
bekannte Ave Maria, das unter A.s Namen scentino (Vercelli), tI. :Mai 1903 zu Hove
geht, stammt, nach eigenem Bekenntnis des bei Brighton, Schüler des Konservatoriums
"Schöpfers" (vgl. Trib. de St. Gervais 1923, in Mailand, Violinist, war Kapellmeister
S~pt./Okt.), von P. C. Ph. Dietsch (1808 zu Vercelli, Mailand, Turin, ging dann in
bIS 1865). Im Gegensatz dazu glaubt gleicher Eigenschaft nach Havana, Neuyork,
Andre Pirro die Quelle des Stückes in einer Konstantinopel, Petersburg und London,
Arditi - Arie. 57
wo er mehrere Jahre die Italienische Oper G dur und op. 3sa A moll [für Violine,
dirigierte und seitdem als Musiklehrer und Bratsche und zweiCelli]); ein Klavierkonzert
Komponist lebte. A. ist besonders bekannt F dur (OP.2); eine Phantasie für Klavier
geworden durch eine Reihe gesungener und Orchester (über Themen des russischen
Tänze, von denen der 'Walzer Il bacio ("Der Volks sängers Rjabinin, oP.48); Violinkonzert
Kuß") die Runde um die Welt gemacht hat. A moll oP.S4; 3 Suiten für zwei Klaviere
Auch hat er drei Opern sowie einige Instru- (op. IS, 23, 33); 6 vierhändige Klavierstücke
mentalstücke (Klavierphantasien, Scherzo (op. 34); ca. 90 2 h. Klavierstücke (darunter
für zwei Violinen usw.) geschrieben und op. 28: Essais sur des rythmes oublies, oP.36:
Lebenserinnerungen unter dem Titel Remini- 24 Charakterstücke usw.); ca. 40 Lieder
scences herausgegeben (1896). (ap.6, IO, I7, 2I, 27, 38, 44, 49); Chöre
Arditi, Micheie, Marchese, * 29. Sept. (ap. I4, 3I, 39); Duette (op. 29,45); Stücke
1745 zu Presicca (Neapel), t 23. April 1838; für Orchester (Intermezzo op. I3), Violine
gelehrter Archäolog und Komponist, 1807 ( ap. 37), Cello ( op. I 2 ), sowie kirchliche
Direktor des bourbonischen Museums, 1817 Kompositionen. Auch verfaßte er eine
Oberinspektor der Ausgrabungen im König- Harmonielehre (2. AufI. 1900, deutsch von
reich Neapel, schrieb eine Oper: Olimpiade, P. J u 0 n) und ein Handbuch der F ormen-
sowie zahlreiche Kantaten, Arien und In- lehre (2 Teile, 4. Auf I. 1914).
strumentalwerke. Aretinus s. Guido (von Arezzo).
Arend, Max, * 2. Juli 1873 zu Deutz Arezzo. VgI.F. Coradini, L'Archivia mu-
a. Rh., bildete sich 1889-93 an den Konser- sicale deI Duomo di A. nel secolo X V I. (1922) ;
vatorien zu Köln und Wiesbaden (H. Rie- derselbe, A. M. Abbatini, Giov. Apolloni,
mann) zum Musiker aus, bezog aber 1899 Lodov. Cenci (1922). VgI. auch Cesti.
noch als stud. jur. die Universität Leipzig, Argentina (Südamerika). VgI. Juan Al-
promovierte da zum Dr. jur. und trat va r e z , Origenes de la musica A rgentina
1903 in Staatsdienst. Seit 1907 Rechts- (Rosario de Santa Fe 1908); Gast6n O. Tala-
anwalt in Dresden, seit 1918 in Köln. m 6 n, Die zeitgenössische arg . Musik (deutsch
Als Musiker trat er mit kritischen und in Z tsch. des deutschen W issensch. Vereins zur
ästhetischen Arbeiten (Zur Kunst Glucks, Kultur und Landeskunde Argentiniens 1918).
gesammelte Aufsätze 1914) und einer Gluck- Argine (spr. ardschi-), Constantino
Monographie (1921) hervor, gab Glucks dall', * 12. Mai 1842 zu Parma, tLMärz
Pilger von Mekka (1910) und Zauberbaum 1877 in Mailand, war ein in Italien beliebter
(19II) heraus und machte eifrig Propaganda Ballettkomponist und brachte auch Opern,
für die Wiederbelebung von Glucks Musik darunter einen Bat'biere auf Paesiellos und
durch Begründung einer Gluckgesellschaft Rossinis Text (Bologna 1868) zur Aufführung.
und weiterhin (1913) einer Gluckgemeinde. Aria (itaI.), Arie (s. d.), Vgl. Air.
Arens, Franz Xaver, * 28. Okt. 1856 Aribo scholasticus, um 1078 in Freising,
zu Neef in Preußen, von wo seine Eltern befreundet mit Wilhelm von Hirschau, hat
1867 nach Amerika auswanderten, Schüler einen sehr wertvollen musiktheoretischen
von Singenberger in Milwaukee und der Traktat verfaßt, welcher die Schriften Gui-
Münchener KgI. Musikschule, 1885-88 dos von' Arezzo kommentiert. Abgedruckt
Leiter des Gesangvereins und Philharmo- bei Gerbert, Script. II.
nischen Orchesters in Cleveland, seit 1896 Arie (ital. Aria, franz. Air) ist eigentlich
Gesanglehrer in Neuyork, wo er 1900 Volks- dasselbe wie Lied. Der Name A. tritt in
sinfoniekonzerte ins Leben rief; ist auch als Deutschland an Stelle des viel älteren Lied
Komponist mit Chören, Liedern, einem mit dem Bekanntwerden der von den Ita-
Streichquartett, Orchester- und Orgelwerken lienern (Caccini, Peri) um 1600 aufgebrach-
hervorgetreten. ten, für nur eine Singstimme mit Begleitung
X Arensky, An ton Stepanowi tsch, * II. komponierten Lieder, so in den Arien von
Aug. 1861 zu Nowgorod, t 25. Febr. 1906 Heinrich Albert seit 1638, im Gegensatz zu
zu Terioki (Finnland) an einem Lungen- den für mehrere Singstimmen erfundenen
leiden, besuchte 1879-82 das Petersburger Liedern des 16. Jahrhunderts, also ausge-
Konservatorium (Johannsen, Rimsky-Kors- sprochenermaßen für die Gesänge im neuen
sakow) und wurde 1883 Kompositionslehrer monodischen Stile, offenbar auch zunächst
am Moskauer Konservatorium; 1895 siedelte mit dessen Tendenz einer stärkeren Differen-
er nach Petersburg über als Dirigent der zierung gegen die tanzliedartige schlichte
Hofsängerkapelle. A.s Richt~om­ rhythmische Faktur der Melodiebildung, ein
ponist steht der Tschaikowskys näher als Unterschied, der aber bald, fallen gelassen
der der radikalen jungrussischen Schule. wird. In derOperfaßte die neue ArtdesLiedes
,Seine Kompositionen sind die Opern Der erst im zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts
Traum auf der Wolga (Moskau 1892), Ra- Boden, vorher ist sie eigentlich ein Eindring-
phael (Moskau 1894), Nal und Damajanti ling gegen den Willen der Theoretiker des
(1899); Musik zu A. Puschkins Dichtung neuen Stils. Erst nachdem die in der Kantate
Die Fontäne von Bachtschissarai (Chor, Soli vorbereitete schärfere Unterscheidung mehr
und Orchester); ein Ballett Nuit d' Egypte nur deklamierender (rezitativischer) und
(Petersburg 1900); 2 Sinfonien (op. 4 H moll liedartig aufgebauter Teile auch in der Oper
und op. 22 A dur); 2 Trios (op. 32 D moll zur bestimmten Gegenüberstellung von Re-
und oP.73 F moll); ein Klavierquintett zitativ und Arie geführt hat (um die Mitte
(op. SI D dur); 2 Streichquartette (op. I I des 17. Jahrhunderts), erlangt das Wort
58 Arie - Arioso.

Arie allmählich den Sinn, den wir ihm heute tornells in älteren Arien vgl. Ritornell. V gL
zu geben gewohnt sind, wenn \\"ir Arie und auch Arioso und Rezitatiy.
Lied unterscheiden, nämlich den eines Ariel, s. \,Verker.
größeren, weiter ausgeführten, vor allem *
[d'JArienzo, Nicob, 23. Dez. 1842 und
nicht mehrere Strophen mit derselben :\1elo- t 25· April 1913 zu Neapel, Schüler von V.
die gebenden Gesangsstücks. Es ist wohl Fioravanti und Sav. :\Iercadante, 1872 1Iu-
zu beachten, daß die eigentliche Arie im siklehrer am R. A Zbergo dei poueri zu Neapel,
älteren Sinne ihre Struktur durchaus durch 1877 Kontrapunkt- und Kompositionslehrer
den liedmäßigen Text (in kurzzeiligen ge- am dortigen Rgl. Konservatorium, 1879
reimten Versen) erhält, dessen Strophenform Direktor der Anstalt, 1904 Lehrer für Musik-
für sie vorbildlich und grundlegend ist, daß geschichte, brachte 1860 seine erste komische
aber in der Folge die Arie in Kantate und Oper La jidanzata deZ perntcclziere in Neapel
Oper den Text durch gehäufte \Vortwieder- zur Aufführung; ihr folgten I due l1W1'iti
holungen enveitert und ihre Struktur vom 1866, Le rose 1866, Il caccia/ore delle A lPi
Strophen bau unabhängig macht; mit an- 1869, Il c1l0eo 1873, La jigha deZ diavolo
deren \\Torten, sich der rein instrumentalen (seriöse Oper, 1879), La jiera 1887 und in
Form nähert. Am deutlichsten ist das früh lIailand I viaggi 1875. .:\icht aufgeführt
erkennbar an den arien artigen Sologesängen sind die seriösen Opern Lesbo di Rod1:0 und
der kirchlichen Kantate und des englischen Capitan Fracassa. Außerdem schrieb A.
Anthem, deren der Bibel entnommene Prosa- 2 Quartette, I Quintett, I Nonett, 2 Cello-
texte überhaupt keine Verse und Strophen konzerte, 2 Violinkonzerte, eine kanonische
haben, daher die musikalische Form nicht KlaYiersonate u. a. Rlaviersachen, ein 5 st.
vorbilden können. So wurde es schließlich Miserere a cappella, ein 6 st. Staba tlVIater mit
möglich, daß zwischen Arie und Lied sich Orgel und Streichorchester, C1'isto sulla
geradezu ein Gegensatz herausbildete und croce für Soli, Chor und Orchester, 2 Sinfo-
der Name Arie nur mehr für Gesangsstücke nien, Stücke für Orchester, Chöre mit Or-
in Gebrauch blieb. die sich vom einfachen chester auf Texte aus Tassos Bef1'eitem
Vortrage des Text.es weit entfernen, wäh- J erusale'm, Gesangsstücke im Kammerstil
rend für schlichtere Bildungen neue ~amen u. a. Theoretische Schriften A.s sind: Il
wie Arietta oder Kavatine, Couplet und sistema tetmcordale nella musica moderna
Chanson gebraucht werden. Dieser Gegen- (1878) und Scuola di composüione musicale
satz zwischen Arie und Lied entwickelte sich (1899): historische Studien: U n predecessore
schnell nach dem Auftreten der dreiteiligen di Al. Scarlatti (über Gesualdo di Venosa,
Da-Capo-Arie, die bereits von dem I6S3 1891), Deli' opera comica dalle origini a G. B.
verstorbenen Luigi Rossi ausgebaut wurde Pergolesi (1887, deutsch ,"on F. Lugschei-
und gegen Ende des 17. Jahrhunderts all- der 1(02), Ilmelod'ramma dalle origini al sec.
mählich allgemein die Oberherrschaft ge- XVIII (1<)00), Salvatore Rosa musicisla
winnt (bei Legrenzi, Steffani, Al. Scarlatti). (Riv. musicale 1894), La 11l1lsica in N apoli
Je mehr sie dann zur Bravour-Arie für die (I900), Die moderne Oper (in der Deutschen
Gesangsvirtuosen (Kastraten und Prima- Thalia, Wien 1902). Zu A.s Schülern zählen
donnen) sich auswuchs, desto weiter ent- Leoncavallo. de Nardis. van \Vesterhout. L.
fernte sie sich vom Liede. Der Text hat Filiasi, La Rotella, Sa~asta, V gL A. della
schließlich für die Arie nur noch die Bedeu- Corte, Un lnaestro: N.d'A. (R. mus. it. 1913).
tung, daß seine \Vorte den Stimmungs- Ariette, s. v. w. kleine Arie (5. d.).
charakter bestimmen. oder eine tonmale- Arion, der sagenumwobene Sänger des
rische Anregung geb'en; aber selbst diese griech. Altertums, lebte um 600 v. Chr.
Unterschiede gehen schließlich in dem Arioso (ital,) heißt ein kurzes melodisches
überall gleichen Verzierungsunwesen unter. Sätzchen inmitten oder am Schluß eines
So hatte sich um die Mitte des I;). J ahr- Rezitativs. Das A. unterscheidet sich von
hunderts die Arie als besondere Form der Arie dadurch. daß es keine thematische
überlebt, und seit Gluck setzen die Re- Gliederung hat, d. h. es ist nur ein Anlauf
formbestrebungen ein, \':elche wieder stär- zu einer Arie. ein lvrischer 1Ioment. - In
kere Abhängigkeit vom Text im Detail der älteren ~Iusik 'bis einschließlich Seb.
fordern und so die Arie wieder dem Liede Bach versteht man aber unter A. die in dem
oder aber (Wagner) dem deklamierenden alteren ausdrucksvoll deklamierenden Stile
Stile der ersten i\Iusikdramatiker (der Zeit komponierten Gesänge, aus welchen heraus
um 1600) näherbringen. - sich erst um die :\Iitte des 17. Jahrhunderts
Die Arie aus der Oper bzw. demmusi- Arie und Rezi ta tiv durch Differenzierung ent-
kahschen D1'ama ganz zu verbannen, ist von wickelten, Gesänge, in denen die rein musi-
Gegnern der Stiloper mehrfach gefordert kalische Formgebung, wie sie dem Tanz-
worden, aber immer mit dem gleichen Er- liede von jeher eigen ist und in der Arie (5.
gebnis, daß nämlich die rein musikalische d.) wieder zur Geltung kommt, vermieden
Gestaltung doch ihre Rechte fordert. Die wird. Die ersten Opern haben für Solo-
ästhetische Bedeutung der A. im musika- gesänge überhaupt nur diesen Stil, der auch
lischen Drama ist ein Verweilen der Handlung in die kirchliche Komposition (z. B. bei
zugunsten der breiteren Entfaltung eines Schütz) übergeht und sich da länger hält als
lvrischen 1Ioments; ein vernünftiger Grund. in der Oper. Das eigentliche Rezitativ dringt
dieses zu vermeiden, ist schlechterdings ja erst seit 1700 auch in die 'Kirchenmusik
nicht beizubringen. rber die Rolle des Ri- ein (vgl. Neumeister).
,---------------------------------------------

Ariosti -- Arithmetische T/cilung. 59


Ariosti, Attilio, * 5. Nov. 1666 zu Bo- die Musik (1897), Gerhard Tischer, Die
logna, "' um 1740, wahrscheinlich in Spanien, aristotelischen Musikp1'obleme (Berlin 1903,
trat 1688 in den Orden der Serviten von Dissertation). Siehe auch Th. Twining,
Santa Maria (als Frate Ottavio), schloß Aristotle's Treatise on Poetrv . . . 1Vith two
sich als Opernkompohist anfänglich eng an Dissertations on Poetical U11d lVlusical Imita-
die Manier Lullys an, ging aber später zu tion (London 1789, deutsch von J. G.
der Alessandro Scarlattis über. 1693 schrieb Buhle 1798). - z) Pseudonym des Ver-
er ein Passionsoratorium, 16qS ein Diverti- fassers einer Schrift über die Mensuralmusik
mento und trat nun mit Dispens seines im 12.-13. Jahrhundert (abgedruckt bei
Ordens erst in mantuanische Dienste, dann Coussemaker Script., Bd. I, früher irrtüm-
in die des Großherzogs von Toscana. 1697 lich dem Beda Venerabilis [7. Jahrhundert!1
bis 17°3 war er Hofkomponist der Königin zugeschrieben). Vgl. Beda.
Sophie Charlotte in Berlin. Von Berlin Aristoxenos, Schüler des Aristoteles, der
ging er zunächst mit hoher Pension in Stel- bedeutendste der griech. Musikschriftsteller,
lung am Hofe des Herzogs von Anjou, er- * um 354 v. Chr. zu Tarent. Von seinen (an-
langte die Gunst des Kaisers Joseph, dessen geblich 452) Schriften sind nur 2 Bücher der
Generalagent für Italien er wurde, mußte Elemente der Harmonik und Fragmente der
aber nach des Kaisers Tode das Patent zu- Elemente der Rhythmik erhalten. Alte Aus-
rückgeben (Brief Leibniz' vom 31. Jan. gaben von Gogavinus (1562), Meibom
1714 an die Kurfürstin Sophie von Hanno- (1652), neue von P.l\Iarquard (1868) und
ver). 1712 kehrte er in sein Kloster zurück, Rud. Westphal mit Fr. Saran (1. Bd.
reiste 1715/16 in Süddeutschland, nach 1883 Kommentar, 2. Bd. 1893 Text). Vgl.
Paris und Landon, wo er mit Buononcini auch H.S.l\1aCl·an, TheHarmonics 0/ A.
Triumphe feierte, bis Händels leuchtendes (Oxford 190z), L. Laloy, Al'istoxene de
Gestirn sie beide verdunkelte. 1728 ver- Tarente, d' A l'istote et 1a musique de l' anti-
öffentlichte er Kantaten auf Subskription, quitt (1904), derselbe, A. de T. e la mus i-
um seine Verhältnisse aufzubessern, und que de l'antiquite (1924); C. F. Abdy Willi-
ging nach Bologna zurück. Außer etwa 25 ams, The Al'istoxenian Theory o/lYlusical
Opern, deren Favorit-Arien Walsh in Lon- Rhythm (Cambridge 19II); G. Urbain, Le
don druckte, schrieb A. auch Oratorien Tombea·u d' A . - Essai sul' 1n nntsique
(5. Radegonda 1694), eine Passion (1709), (Paris 1924). Vgl. auch Williams' Auf-
viele Kantaten, Dil:ertimenti da camera für satz im Musical Antiquary 19I1. A. er-
Violine und B. c. (169S) und Lezioni per kannte bereits deutlich. daß das Anhören
Viola d'amore (1728). VgI. Alfr. Ebert, eines Musikstückes ein ~i\nsammeln und Auf-
A . A. in B erlin (19°5, Bonner Dissert.); bauen in der Erinnerung ist (Harm. 39)
L. Frati, Attilio Ottavio A. (R. m. it. 32,4, und daß die Phantasie beim Fortschreiten
1 9 26 ). von einem Tone zu einem andern der Skala
Aristfdes Quintilianus, lVIusikschrift- die übersprungene Strecke durchläuft und
steller des 1.-2. Jahrh. n. Chr., dessen somit stufenweise Tonhöhenveränderungen
wichtiges 'Werk: De musica libri VII bei als stetige wertet (Harm. 8-9),ohne zu über-
Meibom (Antiquae musicae a'uctores septem, sehen, daß die Ersetzung der stetigen Ton-
1652) abgedruckt ist und in neuer Ausgabe höhenveränderung durch die abgestufte in
von H. Albert J ahn 1882 erschien. Auch die harmonischen Beziehungen der Töne
hat H. Dei ters eine neue Textausgabe hohe neue 'Werte bringt. Tatsächlich legt
druckfertig hinterlassen. V gI. Ch. Ern. bereits A. das solide Fundament einer echt
Ruelle, Le musicographe A. Q. (Sammelb. wissenschaftlichen Musikästhetik.
d. IMG. XI, S. 313 ft) und G. Seydel, Arithmetische Teilung (der Saite), die
51'mbolae ad doctrinae Graecorum harmo- dem arabisch-persischen Messel (s. d.) zu-
niae his!oriam (Leipzig 19°7, Dissert.). grunde liegende Teilung in eine Anzahl
Aristoteles, I) der große Philosoph, gleicher Teile zur Aufweisung der konso-
Schüler Platons, lebte 384-322 v. Chr. nanten Intervalle, welche die Bestandteile
Seine Schriften enthalten zwar nur weniges des Mollakkords ergibt:
über Musik, dies wenige ist aber von aller- C Es G c g Cf'
größter Wichtigkeit für die Erforschung der b

altgriechischen Musik. Eine Zusammen-


3/ ]1
stellung der auf Musik bezüglichen Aus- /6 Ir,
sprüche s. in Karl von J ans Musici scrip- Daher ist bei Zarlino Divisione aritmetica
tores graeci (1895) S.3-35. Die unter des und Salinas' Divisio al'ithmetica s. v. w.
A. Namen erhaltenen Probleme über die Mollakkord. Der Gegensatz der a. n T. ist
Musik (Problemata Sect. XIX) sind nach die bei den altgriechischen Theoretikern ge-
neueren Untersuchungen alexandrinischen bräuchliche harmonische Teilung, die
Ursprungs und etwa im 1. oder 2. J ahr- Teilung der Saite bei 1/ 2,1/3' 1/ 4, 1/s, 1/ 6,
hundert n. Chr. geschriehen. Neue Ausgaben welche auf die Verhältnisse des Dur-
dieses hochbedeutsamen, in Frage und Ant- a k kor d s führt ( Divz·sione armonica, Divisz·o
wort abgefaßten Katechismus veranstal- harmonica) :
teten K. v. Jan (Scrip!. S. 37-1II) und
F. A. Gevaert mit J. C. Vollgraff (18991 C c g c' e' g'
1901, 2 Teile). VgI. dazu C. Stumpf, I 1/ 2 '/3 1/ 4 '/ 5 '/6
Die pseudo-aristotelisclzen Probleme über Die Kombination dieser einander gegensätz-
60 Ark - Armenische Kirchenmusik.

lichen, aber durchaus analogen mathema- Schüler des Stuttgarter Konservatoriums,


tischen Betrachtungen führte 1558 Zarlino spez. Faißts, dessen Schwiegersohn er 1874
zur dualen Fundamentierung der Harmo- wurde, folgte bereits 1869 seinem Vater,
nielehre. Vgl. Dualismus, harmonischer. dem Organisten der Petrikirche (und Diri-
Ark, Ka r I va n, Pianist und vorzüglicher genten des Bachvereins) zu Hamburg, Ge-
Klavierpädagoge, * 1842, t 1902 zu Peters- org A. (* 17. März 1818 zu Harburg, t 3-
burg, Schüler von Leschetizky, seit der Mai 1869 zu Hamburg) im Amt und war
Gründung des Petersburger Konservato- daneben als Lehrer für Orgel- und Klavier-
riums Lehrer dieser Anstalt, rückte 1878 spiel am Hamburger Konservatorium sowie
beim Fortgange Leschetizkys in seine Stelle als Musikreferent tätig. Georg A. (Vater>
als Professor ein. Er veröffentlichte u. a. schrieb: Verteidigung der Hamburger Bach-
eine Schule der Klaviertechnik, die sehr be- gesellschaft gegen die Angriffe des H el'rn
kannt wurde. Karl P. Grädener (Hamburg 1856).
Arkwright (engl., spr. ark'reit), Godfrey Armbrust, Vva I te r, Organist und Diri-
Edward Pellew, * 10. April 1864, zu Eton gent, * 17. Okt. 1882 zu Hamburg, Sohn von
und Oxford gebildet, ist der Herausgeber des Carl F. A., dessen Schüler er war; danach
großen Sammelwerks The English Edition noch von W. Böhmer und Paul Homeyer
(25 Bde. 1889-19°2, enthaltend Masken- (Leipzig); Kapellmeisterschüler von Carl
spiele, Airs, Balletts, Madrigale, Motetten Schroeder in Sondershausen, seit 1903 Or-
und Anthems von Campion, Arne, Boyce, ganist und Kantor der Heiligengeistkirche
Tye, Ferrabosco, Weelkes, R. "Vhite, Kirbye, zu Hamburg; 1905 -08 konzertierender
Pilkington, Milton, Blow, Pu reell usw.), Orchesterleiter ; 1908 Begründer des, ,Brahms-
sowie von Purcells Cäcilien-Ode und der Ode Konservatoriums Hamburg"; 1920 zweiter
für den Geburtstag der Königin Maria (i. d. Kapellmeister des Dresdener Philharm. Or-
Ausg. der Purcell- Gesellschaft 1899 und 1902). chesters. Seit 1922 ist er erster Kapell-
Auch redigierte er 1909-13 eine gediegene meister des Städt. Orchesters, seit 1924
musikwissenschaftliehe Monatsschrit Tlze Städt. :Ylusikdirektor in Eisenach. A. ist
Musical A ntz'quary (Oxford), für die er u. a. einer der frühesten Interpreten der Werke
eineArtikelserie über die englische Hofmusik Regers gewesen, auch der von Carl Hoyer
beisteuerte (List oftheKing'sMusicians) und und S. Karg-EIert.
gab 1915 den Katalog der Musikalien der Armbruster, Carl, Dirigent und Pianist,
Christ- Church zu Oxford heraus. Seine * 13. Juli 1846 zu Andernach am Rhein,
Schwester iVlarian Ursula, *25. Jan. 1863 Schüler von Hompesch in Köln, trat früh
zu Norwich, t 23. März 1922 zu London, gra- als Klavierlehrer auf und ließ sich 1863 in
duiert zu Durham (Baccal. und Mag. art.), London nieder. Als begeisterter Verehrer
war Komponistin von Orchester- und Kam- R. Wagners verschaffte er sich bald eine
mermusik, auch eines Requiem und von angesehene Stellung unter den Londoner
Kinderoperetten. Vertretern des musikalischen Fortschritts,
X Arlberg, Georg E~raim Frits, 21. * wirkte 1882 und 1884 als zweiter Dirigent
März 1830 zu Leksand in Dalekarlien (Schwe- mit bei den von Hans Richter geleiteten
den), t 21. Febr. 1896 zu Oslo, ursprünglich Wagner-Aufführungen in London, war z.u-
Verwaltungsbeamter, ging zur Musik über erst (1881) Kapellmeister am Hoftheater,
und wurde ein gefeierter Bühnensänger (Ba- dann am Haymarket-Theater, leitete 1892
riton), 1858-74 am Kgl. Operntheater zu die Tristan-Aufführungen im Coventgar-
Stockholm, 1874-77 zu Oslo, sodann auf den-Theater, war sodann Kapellmeister am
Gastspielreisen (Moskau, Neapel, Paris, Lon- Drury Lane-Theater und veranstaltete Vor-
don), seit 1884 Gesanglehrer in Kopenhagen, trags-Zyklen über moderne Komponisten in
schrieb Eine natürliche und vernünftige Ton- englischen und amerikanischen Städten.
bildungslehre (deutsch von Axel Sandberg A. war 1884-94 bei den Bayreuther Fest-
1896), übersetzte Operntexte ins Schwedische spielen als Bühnendirigent tätig, war auch
und trat als Liederkomponist mit Erfolg 1901-13 musikalischer Beirat des London
hervor. Sein Sohn Hjalmar, * 30. Okt. County Council. Er gab Lieder von Liszt,
1869 zu Stockholm, lebte längere Jahre als Balladen von Loewe und kleine Sachen von
Konzertsänger und Gesanglehrer (Bariton) "Vagner (Wagner-LYl'ics, 4 Hefte) heraus .
in Berlin, seit 1914 am Konservatorium zu Armee- und Präsentiermärsche, alt-
Leipzig. preußische, aus dem Musikarchiv der Kgl.
Arlom, "V i lf red, austral. Pianist, Or- Hausbibliothek in Berlin, erschienen seit
ganist und Komponist, * 1. Mai 1887 in 1893, neu instrumentiert von C. Frese
Newcastle-on-Tyne; Schüler von Frederick (Musikdirigent im einstigen Garde-Füsilier-
Dawson (Kl.), C. Hylton Stewart (Org.) und Regiment). Vgl. Th. A. Kalkbrenner ,
der Universität Adelaide ; ging 1914 nach Die Kgl. preuß. Armeemäl'sche (1896) und
Sydney und ist seit 1924 Lehrer für Org. G. Roß berg, Verzeichnis sämtl. Kgl. preuß.
an N. S. W. State Cons.; seit 1921 auch Armeemärsche (1898), sowie die bezügl.
:Mitglied der austral. Prüfungskommission Schriften von Georg Thouret (5. d.).
für Musik. Schrieb: Lieder; Anthems; Armenische Kirchenmusik. Armenien
Klavierstücke. ist bereits im 3. Jahrhundert von Syrien
Armbrust, Carl F., vortrefflicher Orgel- aus christianisiert worden. Doch erfolgte
yirtuos, * 30. :März 1849 zu Hamburg, t 12. unter dem Katholikat Sahak des Großen
Juli 1896 zu Hannover auf der Ferienreise; eine Loslösung vom syrischen Einfluß und
Armer la def - Armstrong. 61

.eine Verbindung mit Byzanz. Bei einer zur Musik über und war Gesangsschüler von
historischen Erforschung der A. K. (z. Z. A. !ffert in Köln und Frl. Mary David und
noch unmöglich, da die armen. Neumen, die L. C. Törsleff in Leipzig. Nach kurzer Tätig-
stark mit den byzantinischen verwandt keit als Konzertsänger widmete er sich dem
sind, sich der Entzifferung entziehen) wird Gesanglehrfach, seit 1904 in Berlin, seit 1925
diese Doppelbeziehung zu berücksichtigen Herausgeber der monatlichen Fachzeitschrift
sein. Den Hauptbestandteil der A. K. ma- Der Stimmwart. SeineMethode basiert auf dem
-ehen die Hymnen aus; das kanonisierte sogen.Stauprinzip.Schriften:DieLehrsätzeder
Hymnar enthält II66 Hymnen. Die erste automatischen Stimmbildung (1900); Stimm-
Blütezeit der Hymnendichtung fällt ins 7. krise und Stimmheilung (1901); Gesammelte
Jahrhundert, die Hauptblüte, entsprechend Aufsätze über Stimmbildung (1903); Das
der byzant. Kanondichtung ins 12., und zwar Stauprinzip (19°5); Konservatorium und
nicht im eigentlichen Armenien, sondern im Gesangsunterricht (19°7); Müller-Brunow,
neuarmenischen Reich unter den Rubeniden eine Kritik der Stimmbildung (19°7); Das
in Kilikien; diese Blüte reicht bis ins letzte Stauprinzip (1908); Die Stimmkrise (1912);
Viertel des 14. Jahrhunderts. Wie in Byzanz Von der Urkraft der Stimme (1921); Die
erfolgt unter der Türkenherrschaft ein Nie- Lieder von Richard Wetz (I9II); Der Mode-
dergang der A. K.; die komplizierte N eu- gesangslehrer (1925).
menschriftwird unverständlich, so daß auch Armingaud (spr. armänggo), Jules,
hier zu Beginn des 19. Jahrhunderts Re- vorzüglicher Violinist, * 3. Mai 1820 zu Ba-
formbestrebungen einsetzen, und Baba Ham- t
yonne, 27. Febr. 1900 zu Paris, ausgebildet
partsum (t 18 39) eine neue Notenschrift in seiner Vaterstadt, wollte 1839 sich auf
einführt, die aus den Neumenzeichen ge- dem Pariser Konservatorium vervollkomm-
bildet wurde. Zwischen den Hymnen der nen, wurde aber als bereits zu weit entwickelt
einzelnen armenischen Kirchen bestehen nicht mehr aufgenommen. Seit dieser Zeit
große Unterschiede; so differieren die Aus- war er im Orchester der Großen Oper tätig
gaben der Meßgesänge von Etschmiadzin, und bildete mit Leon Jacquard, E. Lalo
San Lazzaro, Wien, Konstantinopel und und Mas ein Streichquartett, das sich vor-
Kalkutta völlig. Die hauptsächlichsten züglichen Ruf erwarb und später, durch
Ausgaben der Meßgesänge und Lehrbücher einige Bläser verstärkt, den Namen SocieU
sind: M. Ekmalean, Gesänge der h. Messe classique annahm. A. hat auch Violinkom-
der a. Kirche in Etschmiadzin (arm., Leipzig positionen veröffentlicht.
1896); Emi Abgar, Melodies of theHoly Armitt (spr. armit), Mary Louisa,
Apostolic Church of Armenia; arm. und engl. * 24. Sept. 1851 zu Salford, veröffentlichte
(Kalkutta 1897); Aidinean, Gesänge der musikhistorische Studien in Quarterly Maga-
h. Messe, arm. (Wien 1877); Pietro Bian- zine, Musical Times, Musical Standard
chini Les chants liturgiques de l'eglise arm., u. a. Zeitschriften.
arm., ital., franz. (Venedig 1877); Aristakes Armonipiano, ein von W. Hlawatsch
Hissarlean, Geschichte der arm. Notation (s. d.) verbesserter Mechanismus der ita-
und Biographien der arm. Sänger I768-I909, lien ischen Fabrikanten Ricordi und Finzi,
arm. (Konst. 1914); Nicolas Taschdjan welcher ermöglicht, den Klavierton nach
Lehrbuch der Kirchennotation, Wagharscha- Belieben zu verlängern vermittels die
pat 1874; Arschak Brdiantz, Lehrbuch der Saiten in ständiger Vibration erhaltender
arm. Kil'chennotation (Wagharschapat 1890, besonderer Hämmerchen neben den den
arm.); P. Aubry, Artikelserie in d. Tri- eigentlichen Anschlag bewirkenden. Da~
bune de St. Gervais über seine arm. Reise A. wird durch drei Pedale (außer den zwel
1901-03. Vgl. auch F. Macler, La Musique gewöhnlichen), ein Fuß- und zwei Knie-
en Armenie (1917), und E. Wellesz, Die pedale regiert.
armenische Messe und ihre Musik (Peters- Armsheimer, Iwan Iwanowitsch, Kom-
Jahrbuch 1920). ponist, * 19. März 1860 in Petersburg, am
Armer la clef (franz., spr. arme la kle), Petersburger Konservatorium Schüler von
die Vorzeichen zum Schlüssel setzen; ar- Czerny, ]ohannsen und Rimsky-Korssakow,
mure (spr. -ur); s. v. w. Vorzeichnung. veröffentlichte zwei Kantaten, eine Reihe
Armes (spr. ärms), Philip, * 29. März von Chor- und Orchesterwerken, eine Suite
(15. Aug.?) 1836 zu Norwich, t 10. Febr. für Flöte und Klavier, gegen IS0 Lieder,
1908 zu Durharn, war nacheinander Orga- Stücke für Violine und Cello, ferner die
nist zu Milton (1855), London, Chichester, Opern Sous la feuiltee (französischer Tex!,
Durham; Oxforder und Durhamer lVIus. einaktig), Jaegerliv (dänischer Text, drcl-
Dr., Professor der Musik zu Durham 1890, aktig), Der Oberförster (deutscher Text,
Mitglied der Oxforder Musikprüfungskom- zweiaktig), die Ballette Die arme Braut,
mission 1894. Schrieb die Oratorien Heze- In der neuen Welt und Rast der Kavallerie.
kiah 1877, Johannes der EvangeUst 1881, Auch verfaßte er eine Instrumentations-
St. Barnabas 1891 und viele kleinere Kir- lehre in 10 Teilen.
chenkompositionen. f .;fi\rmstrong, William Dawson, * II.
Armin, George (eigentlich Georg Herr- Febr.I868 zu Alton (Ill.), Schüler von Cl.
mann), Gesangspädagoge, * 10. Nov. 1871 Eddy u. a., Organist und Musiklehrer in
zu Braunschweig als Sohn des Kgl. Musik- St. Louis und Alton, seit 1908 Direktor einer
dirigenten Otto H., stud. Hochbau am Poly- eigenen Musikschule in Alton, Komponist
technikum zu Braunschweig, ging aber 1892 von Operetten und 2 Opern {The Spectre
-t-- {3(f1~~ t ~~~ ~ ':) (l...~
6:2 A.rnaud - Arnold.

BridegrooJn [St. Louis 1899], Claudia), auch Arnheim, Amalie, '" 29. Dez. 1863 und
einer Balettsuite für Orchester. einer Ouver- t 26. ~'Iai 1917 zu Berlin, Gesangschülerin
türe, von Liedern und kleiner'er \Verke für von Professor Anna Schultzen v. Asten und
Orgel und Violine. Schrieb: The Romantic :\ladame Viardot-Garcia, studierte Musik-
TVorld 01 Music (New York 1922). VgI. W. F. wissenschaft in Berlin (Kretzschmar, Fried-
,Norton, W.D.A. (New York 1916). laender, Fleischer, 'VoH), schrieb größere
XArnaud (spr. am6), Abbe Fran<;:ois, *27. musikwissenschaftlicheAufsätze in den Sam-
Juli 1721 zu Aubignan bei Carpentras, melbänden der IMG. Zur Geschichte des
'! 2.pez. 1784 zu Paris; kam 1752 nach einstimmigen weltlichen K uns/liedes in Frank-
Pans, wurde 1765 Abt von Grandchamps, 1'eich im I7. j ahl'hundert; Aus dem Bremer
später Vorleser und Bibliothekar des Grafen lWusikleben im I7. jahrhundert usw., in der
von Provence und Mitglied der Akademie, Liliencron-Festschrift T homas SeUe als
~-\. war ein eifriger Parteigänger Glucks; Schulkantor, Die ,1Wusicomastix' des Elias
seine bezüglichen Essays sind zu finden in H erlicius (Ztsch. f. Gesch. d. Erziehung u. d.
LeblondsllIemoil'es pour servil' cl l'histoire Unt. VI, 2, I916) und eine Anzahl von klei-
ele la revolution operee dans la musique par NI. neren Aufsätzen und Besprechungen in ver-
le chevalier Gluck (1781); vgI. auch s~ine Va- schiedenen ;Vlusikzeitschriften.
rietes litteraires (1768-69, mitAbbeSuard, Arnold, Frank Thomas, eng I. i\Iusik-
2. Auf I. 1804). Seine CEuvres completes er- forscher, * 6. Sept. 186I zu Rugby, Zögling
O'chienen in 3 Bänden 1808 zu Paris. V gI. des Trinity College zu Cambridge, hat einige
E. de Bricqueville, F. A. (1883). wertvolle Beiträge in den ~'1usical Tlmes
Arndt von Aich, s. Aich. (Nlixed rhythms in Bach, I920; Viadana's
Arne (spr. im), Michael, Sohn von use 01 the ligurc 6, I922); in den Proceedings
Thomas A. A., * 1741 und t I4. Jan. 1786 01 theMus. Assoe. (A C01'elli jnrgery, 1921); und
zu London, brachte mehrere Opern mit Er- in der 4. Auf I. von Grove's M.-L. (Artikel
folg zur Auffüh:'ung, verfiel aber ca. 1770 Thorough-Bass) veröffentlicht. Ein umfang-
auf die Idee. den Stein der Weisen finden reiches Buch The Art 01 Accompaniment
zu wollen, ui1d erbaute sich in Chelsea ein Ironi a Thorough-Bass, as practised in the
Laboratorium. Nachdem er dadurch seine I7 th. and I8 th. centuries ist noch Ms.
Finanzen ruiniert. kehrte er zur i\Iusik zu- Arnold, Friedrich Wilhelm, * IO.
rück und schrieb' 1778-83 noch eine An- :\Iärz 18IO zu Sontheim bei Heilbronn, 13 t
zahl kleinerer Stücke für die Londoner Febr. 1864 als Musikalienhändler in Elber-
Theater. feld; gab IO Hefte Volkslieder heraus, ferner
Arne (sp. ;im), Thomas Augustine, das Lochheimer (Loc1zame1') Lüderbuch und
* 12. März 17IO und t). März 1778 zu Konrad Paumanns A 1'S 01'ganisandi (beide
London; Komponist der Melodie des Rule in Chrysanders jahrbüchern, auch als Sonder-
Britannia (vgI. Volkshymnen). Seine Gattin Neudruck 1926), Klavierstücke, Arrange-
CeciliaA., Tochter des Organisten Young, ments der Sinfonien Beethovens für Klavier
war eine berühmte Opernsängerin, Schüle- und Violine usw.
rin von Geminiani. A. hat ca. 30 Opern und Arnold, Georg, geb. zu Feldsberg (Nie-
!VI usiken zu Shakespeareschen und anderen derösterr.), zuerst Organist zu Innsbruck,
Dramen, zwei Oratorien (Abel, judith), Kan- später in Bamberg bischöflicher Hoforganist,
taten, Lieder (auch viele in Sammlungen), gab 165 I -72 mehrere Bücher :Messen, Psal-
Glees, Catches, Klaviersonaten, 8 Sinfonien men, Motetten, lVIarienlieder usw. für Sing-
a 8 (1740), 7 Triosonaten (1750), Orgelkon- stimmen mit Instrumenten heraus, auch
zerte usw. geschrieben. Die Universität Ox- I Bueh Canzoni, A j·iae et Sonata e 1 -4 V iolis
ford graduierte ihn zum llIus. Dr. Vgl. W. cum B. g. op. 3 (1659).
H. Cummings, Dr. A. and Rule Britannia Arnold, George Benjamin, Kompo-
(1912) und Grattan Flood, Dr. Ar11e's Visits nist und Organist, * 22. Dez. 1832 zu Pet-
to Dublin (Mus. Antiquary Juli I9IO). ~ worth (Sussex), t 31. Jan. 1902 zu Win-
[d']Arneiro (spr. ne1-), Jose Augusto Fer- chester, bildete sich durch Privatunterricht
reira: Veiga, Vicomte, * 22. Nov. 1838 zu (Seb. Wesley), wurde 1855 Bakkalaureus,
Macao in China, '! im Juli 1903 in San Remo, 1861 NJus. Dr. (Oxford), bekleidete zuerst
einer edlen portugiesischen Familie entstam- Organistenposten am St. Columban College
mend (die 1'1u tter war schwedischer Abkunft), (1R52), St. Mary's zu Torquay (1856) und
studierte Jura zu Coimbra, so dann seit 1859 am New College zu Oxford (1860) und war
Harmonie unter :\1anoel J oaquim Botelho, von 1865 bis zu seinem Tode Organist der
Kontrapunkt und Fuge unter Vicente Schira Kathedrale zu Winchester. Von seinen
und Klavier unter Antonio J ose Soares. Kompositionen wurden bekannt 2 Oratorien
1886 wurde am Theater San Carlos in Lissa- (Ahab 1864), mehrere Kantaten (Senacherib),
bon von ihm ein Ballett Gina aufgeführt. Motetten, Anthems, Sen'ices und 2 Klavier-
Sein Hauptwerk ist ein Tedeum, das 1871 sonaten.
zuerst in der Paulskirche zu Lissabon und Arnold, Ignaz Ernst Ferdinand,
später in Paris zur Aufführung kam. 1876 * 4. April 1774 zu Erfurt, Advokat daselbst,
brachte das Carlos-Theater zu Lissabon von t 13. Okt. 1812; veröffentlichte (1803 fL)
ihm eine Oper Elisi1' diGiovinezza, die 1885 kurze BiograpHen von Mozart, H aydn,
als La derelitta in neuer Fassung zur Auf- Cherubini, Cimarosa, Paesiello, Dittersdorf,
führung gelangte; seine letzte Oper ist: Don Zumsteeg, ViTinter und Himmel, die 1816
Bibas. gesammelt in 2 Bänden neu erschienen als
Arnold - Arnoldson. 63
Galerie del' berühmtesten Tonkünstler des I8. tätig. 1863-70 lebte er in Leipzig, war Mit-
und I9. jalwhunderts. Außerdem schrieb er: arbeiter der Neuen ZeitscMift für Musik,
Der angehende 1\IIusikdirektor, oder die Kunst, auch gab er 1867-68 eine Neue allgemeine
ein Orchester Z1t bilden usw. (1806). Z eilschrift für Theater und M ust'k heraus.
Amold, Johann Gottfried, Cellist, I 870wurde er als Professor des Kontrapunkts
* 15. Febr. 1773 zu Niedernhall beiOhringen, ans Moskauer Konservatorium berufen, hat
t 26. Juli 1806 zu Frankfurt a. iVI., Schüler die Stelle jedoch nie angetreten, lebte aber
Max vVillmanns und B. Rombergs, machte 1870-94 in Moskau als Leiter einer eigenen
Konzertreisen in der Schweiz und Deutsch- ::\1usikschule. A. reiste viel, um JVlaterial
land und wurde 1797 als erster Cellist am für seine Forschungen über den russischen
Theater zu Frankfurt a.:\1. angestellt. Seine Kirchengesang zu sammeln. 1888 dozierte
Cellokonzerte (auch für Bra tsche eingerich tet) A. an der Moskauer Universität Musik-
erschienen bei Andre in Offenbach , eins in geschichte, I889 hielt er in Leipzig Vorträge
F-dur in Neuausgabe von Kar! Schröder über russische Musik. Von 1894 bis zu sei-
bei Forberg. nem Tode wirkte er in Petersburg als Ge-
Arnold, Karl, * 6. März 1794 zu Neu- ;:anglehrer. Er schrieb noch: Beh'ach-
kirchen bei Mergentheim, t II. Nov. 1873 zu lungen über die Kunst der Darstellung im
Oslo, Sohn von J ohann Gottfried A., wurde Musikdrama (Leipz.1867); Fr. Liszts Ora-
nach dessen Tode in Offenbach erzogen, wo torium Die Legende von deI' Heil. Elisabeth
Alois Schmitt, Vollweiler und Joh. Ant. (1868) und 24 auserlesene Operncharaktere
Andre seine Lehrer in der Musik wurden. (1867, nurzLieferungen erschienen); Die alten
Nach einem bewegten Leben als Pianist Kirchenmodi, historisch und akustisch ent~
ließ er sich 1818 zuerst in Petersburg nieder, wickelt (Leipzig 1878), Musikwissenschaft,
wo er die Sängerin Henriette Kisting 1. Teil, H armonielehl'e (russisch, Moskau
heiratete, ging 1824 nach Berlin, 1835 nach 1875), Theorie des altrussischen K irchen- und
;\Iiinster und 1847 nach Oslo als Dirigent Volksgesanges (rus~isch, Moskau), Die H ar-
der Philh. Gesellschaft und seit 1857 Orga- monisierung altrussisclzer Kirchengesänge
nist der Dreifaltigkeitskirche. Seine Kom- (russisch, Moskau 1886), Entwürfe ein-er
positionen sind Kammermusikwerke, Kla- l'ationalen musikalischen Grammatik, aber
viersachen (Sextett, Sonaten, Phantasien, die Theol'ie der musikalischen Klänge auf
Variationen), eine Oper: Irene [Berlin 1832] Grundlage akustischer Prinzipien und Theo-
usw. - Sein Sohn Karl, * 1824 zu Peters- rie der Stimmbildung (2 Teile, Petersburg
burg, t 1867, Schüler von Max Bohrer, war 1898), alle drei russisch, Anwendung der alt-
Cellist der königlichen Kapelle in Stock- griechischen und byzantinischen Theorien auf
holm. den russischen Neumengesang, Zusammen-
Arnold, Samuel, * 10. Aug. 1740 zu fassung der Grundregeln zur H armanisierung
London, t 22. Okt. 1802; ward in der könig- der N eumen.gesänge, Die harmonischen Prin-
lichen Vokalkapelle unter Gates und Nares zipien der Kirchengesänge (russisch). 1892
erzogen und brachte bereits 1765 im Co- erschienen zu Moskau drei Bände 111[ enwiren
ventgarden-Theater eine Oper The Maid of A.s.
theMill mit Erfolg zur Aufführung. Jn der Amold von Bruck (Brouck), nach älterer
Folge bis 1802 schrieb er noch 61 Bühnen- Vermutung ein Deuts'cher aus der Schweiz,
werke und 5 Oratorien. 1783 wurde er Orga- wahrscheinlich aber aus Bruck an der Mur
nist und Komponist der königlichen Kapelle, oder Leitha, bereits im Jahre 1534 oberster
1789 Direktor der Academy ofAncientMusic, Kapellmeister Ferdinands 1. in Wien, t1554,
1793 Organist der Westminsterabtei; 1773 einer der bedeutendsten Komponisten des
erwarb er sich den Doktorgrad zu Oxford. 16. J ahrh., von dem uns viele deutsche welt-
Vielleicht das verdienstlichste seiner Werke liche und geistliche mehrstimmige Lieder,
ist die Herausgabe der Cathedral 11Iusic Motetten, Hymnen u. a. in Sammelwerken
(s. d.). Seine Ausgabe von Händels Werken des 16. J ahrh. erhalten sind (s. Eitners
(I786 H., 36 Bde.) ist leider nicht frei von Bibliographie). Sonderausgaben seiner Werke
Fehlern. Er schrieb auch eine Flötenschule sind nicht nachweisbar. 1536 wurde eine
(New Instructions for theGermanFlute [1787 J). Denkmünze auf ihn geprägt. In Neudruck
Amold, Yourij von, * 13. Nov. 18II einiges bei Ambros, .MG. 5. Bd., Eitner,
zu Petersburg, wo sein Vater Staatsrat war, Publikationen Band 2;Win tedeid, Evang.
t 20. Juli 1898 zu Karakasch bei Simfero- KG. usw.
pol (Krim), studierte in Dorpat Staats- Arnoldson, Oskar, * 4. Juli 1839 in
wissenschaften, trat 1831 in die russische Stockholm, 1" 8. Juli 1881 in Karlsbad, her-
Armee und machte den polnischen Feldzug vorragender lyrischer Tenor (Ernani, Fra
mit, quittierte indes 1838 den Militärdienst Diavolo, Lohengrin, Faust u. a.) der Kgl.
und widmete sich ganz der Musik (Schüler Oper in Stockholm (1858-81).
von Fuchs [Harmonie] und J. Gunke [Kon- XArnoldson, Sigrid, * 20. März 1861 in
trapunkt]). 1839 wurde seine Kantate Swät- Stockholm, Opernsängerin (hoher Sopran), L' n
lana von der Philharmonischen Gesellschaft Tochter von Osiar A., Schülerin von ...
preisgekrönt. A. schrieb eine Operette, eine Strakosch und Desiree Artöt, debütierte
große Oper Die letzten Tage von Pompeji 1886 zu Moskau und wurde schnell eine
und die Ouvertüren Baris Godunow und europäische Berühmtheit durch erfolgreiche
Die Nacht vor dem Iwan Kupala (johannis- Gastrollen (Rosine, Dinorah, Sonnambula,
nacht). Seit 1840 war A. auch als Kritiker Mignon, Traviata) an den bedeutendsten
64 Arnould - AlTas.

Bühnen. Vermählt mit Alfred Fischhof, eine Bezeichnung, die andeutet, daß die Töne
ihrem Impresario, einem Neffen vonJosef eines Akkords nicht gleichzeitig, sondern,
und Bruder von Robert Fischhof. 1910 wie auf der Harfe, nacheinander gebracht
wurde sie zum Mitglied der Stockholmer werden sollen (harpeggiert, gebrochen).
Akademie ernannt. Seit 1922 ist sie Das A. wird entweder durch Wortvorschrift
Gesangspädagogin in Wien. (abgekürzt arp.) oder durch eine geschlän-
X Arnould (spr. -uld), Madeleine Sophie, gelte Linie oder einen Bogen vorm Akkord,
ausgezeichnete Sopranistin, die erste Iphi- auch wohl mit einem schrägen Strich durch
genie Glucks (Paris 1774), * 14. Febr. 1744 den Akkord oder den Notenhals, häufig
und t 18. Okt. 1802 in Paris, wurde mit auch durch Andeutung der Brechungsform
Unterstützung der Madame de Pompadour mit kleinen (Vorschlags-) Noten verlangt.
von Madame Fel ausgebildet, debütierte Beim Durchstreichen des Akkordes deutet
bereits 1757 unter Gosscc und sang bis 1778. die Richtung des Strichs die Richtung der
Das Fiasko von Glucks Alceste (Paris 1776) B r e c h u n g an. Akkorde in halben oder
soll sie verschuldet haben (vgl. Forkel, ganzen Noten in älterer .Musik (sowohl für
Bibl. H, 366). Sie war bekannt durch Klavier als auch für Streichinstrumente
ihren Witz, der oft bis zu kaustischer [über drei oder vier Saiten hinundher-
Schärfe ging. Vgl. E. und J. de Goncourt, gehend] werden gewöhnlich zweimal (ein-
S. A. (1877) und R. Douglas: S. A. mal hinauf und einmal herunter) oder auch
Arnulfvon St. Gillen (15. Jahrhundert) noch öfter gebrochen (vgl. Abbreviaturen 8);
ist der Verfasser eines bei Gerbert (S cript. Vorschläge innerhalb zu arpeggierender
II I) abgedruckten Traktats: De diflerentiis Akkorde treten in das Arpeggio ein. Eine
ef generibus cantorum. besondere Art der Ausführung erfordern die
.Aroea y Ortega, Je sn s, spanischer Kom- gegeneinander gerichteten Brechungen von
ponist und Musikforscher, * Okt. 1877 zu Akkorden beider Hände bei Schlüssen in
Algete (Madrid), Schüler des Madrider Kon- älterer Klaviermusik, z. B. bei Rameau
servatoriums in Klavierspiel und Kompo- (zuerst rechte Hand abwärts, dann linke
sition, Vorsitzender der spanischen Asocia- Hand aufwärts in mäßiger Bewegung).
ci6n de Directores de Orquesta, ebenso be- Arpeggione (spr. ärpedsehOne), Gitarre
kannt als Komponist von kleinen populären d'amour, ein 1823 von G. Staufer in
Stücken und Singspielen wie verdient als Wien erbautes, der Gitarre ähnliches Streich-
Erforscher der spanischen Musikgeschichte. instrument, für das Franz Schubert eine
Bücher: C ancionel'o musical Y poPtico del Sonate geschrieben und Vinc. Schuster
siglo XVII (übert!.'agung de~ Gesangbuches eine Schule herausgegeben hat. Die sechs
von Claudio de la Sablonara, enthaltend Saiten waren nach Art der Gitarre gestimmt
1\1 usik und biographische N otizen über die in EA dghe'.
spanischen Dichter des goldenen Zeitalters,
wie Juan Blas de Castro, Mateo Romero, *
XArpi, Oskar, 8. Febr. 1824 zu Börstil
EI Maestro Capitan und Machado e~ Portu- (Roslagen), t 25. Sept. 1890 zu Upsala, Ge-
.fucs: veröffentlicht I9I8 im Boletm de la sanglehrer und 1852-71 Dirigent des Allg .
R. Acad. Esp.); Resena hist61'ica de la schwedischen Studentengesangvereins, mit
Tonada, Neuausgabe von Werken des 16. welchem er sensationelle Erfolge auf Konzert-
bis 18. Jahrhunderts (R. Velasco, Madrid). reisen erzielte (1867 auf der Pariser Welt-
Bühnenmusik zu dem Drama des Antonio ausstellung). Vgl. Edquist, Uppsala-Stu-
J. de Linares Alma Remota (Madrid, Teatro denternes Sanger (1874).
Esp.); A rrabales Castellanos, Orchester- Arpieordo, eine Abart des Clavicembalo,
Suite. s. Klavier.
Aron (Aaron), Pietro, bedeutender Mu- Arrangement (französisch, spr. arangseh'-
siktheoretiker, * um 1490 zu Florenz, t 1545 mang), s. v. w. Bearbeitung eines Tonstücks
in Venedig; Kanonikus in Rimini, später für andere Instrumente, als der Komponist
(1536) Mönch vom Orden der Kreuzträger, es geschrieben; z. B. ist der Klavierauszug
erst in Bergamo, dann in Padua, zuletzt eines Orchesterwerks ein A.; desgleichen
in Venedig, gab heraus: Libl'i III de insti- werden vierhändige Klavierwerke zweihän-
tutione harmonica (1516, interprete J o. Ant. dig "arrangiert" oder umgekehrt; auch
Flaminio); Il Toscanello in musica (1523, Klavierwerke, die für Orchester umgesetzt
1525, 1529, 1539 und 15(2), Trattato delta (instrumentiert) werden, hcißen Arrange-
natUJ'a et cognitione di tutti gZi tuoni di canto ments. Das Gegenteil von A. ist "Original-
figurato (1525); Lucidario in mwica di komposition". Klavierarrangements von
alcune opiniom: antiche e moderne (1545) Orchester- oder Orgelwerken erfordern, wenn
und Compendiolo di mo1ti dubbi segreti et sie der Wirkung des Originals nahe kommen
sentenze intorno al canto fenno et figurato sollen (was wenigstens die neuere Zeit gern
(ohne Jahr). A. i~t der erste Theoretiker, anstrebt), sehr erhebliche Komplikationen
welcher die sukzessive Stimmenkomposition der Technik. V gl. die vortrefflichen Be-
(vgl. Kontrapunkt) für veraltet erklärte. merkungen darüber in Busonis Ausgabe
Vgl. A. Catelani, P. A. (1851). des Wohltemperierten Klaviers; s. auch die
Arpa (italienisch), Harfe; A rpanetta, Spitz- Bearbeitungen Bachscher Orgelwerke von
harfe. Liszt, Tausig, d'Albert, Reger. VgI. Grunsky.
Arpeggio (italienisch, spr. -1\ddseho) oder Arras. Vgl. A. de Cardevacque, La
,al'peggz'aio, eigentlich "nach Harfenart" , musique a A. I88S (Extraif des Mem. de
...--------------------------------

Arrau - Ars antiqua. 65


"Ac., d'A. vol. XVI). Vgl. auch Adam de la Puente la Reina (Navarra), t II, Febe- 18.94
Halle. , zu Madrid, 1839-46 Schüler des Konser-
*
Arrau (spr.ä-ü), Claudio, 6. Febr. 1904 vatoriums in Mailand, wo er sich als Juan
zu Chillan (Chile), studierte nach dem ersten Arrieta mit seiner Oper Ildegonda veralr
Unterricht durch Prof. Paoli daselbst bei schiedete, brachte nach seiner Rückkehr in
Martin Krause in Berlin, gewann den Ibach- die Heimat in Madrid zunächst diese Oper
preis und erregte seit frühen Jahren als und bald eine zweite, La Conquista de
glänzender Pianist Aufsehen; 1927 gewann Granada, zur Aufführung, schrieb aber in
er in Genf den Grand Prix International der Folge nur noch (über 50) Zarzuelas
des Pianistes. (darunter Marina, La guerra santa, EI
Arregui _Garay, Vi c e n t e , spanischer grumete, Llamada y tropa) und mehrere
Komponist, * 3. Juli 1871 und t 2. Dez. 1925 Kantaten. 1857 wurde er als Kompositions-
zu ~,Madrid, Schüler des dortigen Konser- lehrer am Madrider Konservatorium an-
vatoriums, Preisträger für Kl. und Kompos., gestellt, 1868 Direktor der Anstalt, 1875
1899 von der Acad. de Bellas Artes mit als Nachfolger Eslavas Rat im Unterrichts-
einem Stipendium begabt zur Erweiterung ministerium.
seiner Studien in Paris und Rom.
seinen letzten Jahren Musikkritiker der
In * t
Arrigöni, Carlo, zu Florenz, um 1743
wohl daselbst (er war großherzoglicher
Zeitung EI Debate in Madrid. Schrieb: Kammerkomponist), gab 1732 in London
Streichquartett; Klavier-Sonate (1916 z. e. IO Cantate da camera mit Be. heraus, auch
M. in der Soc. Nac. de Musica gespielt); für o. J.6 weitere Kantaten mit Instrumenten,
Orchester: Melodia religiosa (Febr. 1917); und dirigierte mit Gius. Sammartini
Oraci6n y Escena de los A ngeles aus d. 1732-33 die Londoner Donnerstagskonzerte
Orat. San Francisco; Historia de una Madre, in Heckfords Hall. Er schrieb zwei Opern:
sirif. Dicht. nach Andersens Märchen 1910, Fernando (London 1734), Sirbace (Florenz
seitdem viel gespielt; Sinjonia vasca (1922); 1739) und 3 Oratorien.
Kantate EI Lobo Ciego (Opernhaus Madrid
1916); 4st. Motette, Messe für 3 St. und Arrigoni, Giovanni Giacomo, 1637
Org.; drei Singspiele für Kinder, Chao, Organist der Wiener Hofkapelle, einer der
Tatin und La Sombra de Mariani. Opern: ersten, wenn nicht der erste Komponist
Yolanda, einaktig, nach Henry Hertz, von vokalen Kammerkonzerten (Concerti
19I1 prämiiert, 1923 in Madrid aufgeführt; di camera 2-9 v., Venedig 1635, darin auch
La Maya, zweiaktig; La Madona, 2 akt.; vier 2- bis 9st. Sonaten): sein op. 9 sind
EI Cuento de Barba Azul (Blaubart), drei- 3 st. Psalmen mit Instrumenten und ein
aktig. 5st. Magnificat mit 2 Violinen und Baß.
Arresti, Giulio Cesare, * um I630, 1657 schrieb er für Wien die dreiaktige
t gegen 1695, Organist und 1685 Kapelle Oper Gli amori d'Alessandro Magno e di
meister an S. Petronio zu Bologna, mehr- Rossane.
mals Vorsitzender der A ccademia filar- Arroyo, J 0 ao Marcellino, der bekannteste
monica, geriet mit seinem Lehrer M. Cazzati portugiesische Opernkomponist; * 1861 zu
in eine -literarisch-theoretische Fehde (1659 Oporto, 1885 Professor der Rechtswissen-
A.: Dialoga tra un maestro et un discepolo schaft an der Universität Coimbra, 1890
desideroso d' approjitare nel contrapunto, 1663 Unterrichtsminister, später Minister des
Cazzati: Risposta alle oppositioni usw., Auswärtigen Amtes, studierte Klavier und
1664 A.: Gal'e musicali usw.). Werke: Komposition in Oporto, begründete und
op. I - 2 Messen und Psalmen usw. zu 8 dirigierte eine Chorgesellschaft zu Coimbra.
und 3 St. (1663), op. 4 XII Triosonaten 1907 fand im San Carlos-Theater zu Lissabon
(2 V., Vc., Be. I66S), op. 7 Orgelsätze über die erste Aufführung seiner dreiaktigen Oper
Hymnen (0. J.). A. ist auch Herausgeber Amor de Perdifäo, unter Leitung von Luig
des Sammelwerkes Sonate da Organo di Mancinelli, mit durchschlagendem Erfolg
varii autori. statt, 1909 erschien sie in Hamburg unter
Arriaga y Balzola, Juan Cris6stomo dem Titel Liebe und Verderben. Im Druck
Jacobo Antonio de, spanischer Kom- erschienen außer Amor de Perdifäo eine
t
ponist, * 27. Jan. 1806 zu Bilbao, Anfang zweite Oper: Leonor Telles, 4 symphonische
Suiten für großes Orchester, Klaviersachen
Februar 1826, früh entwickelter, aber schon
mit 20 Jahren gestorbener Geiger und Kom- und Lieder. A.s Opernwerk Amor de Per-
ponist, Schüler seines Vaters und des difäo gilt, dank seiner modernen Technik,
Pariser Konservatoriums (Guerin, Baillot welche Wagnersehe Einflüsse (Tristan) in
und FHis 1821-24). Von seinen Kompo- die portugiesische Oper einführt, als ein
sitionen (u. a. eine Ouvertüre, eine Messe, Markstein in .der Musikgeschichte Portugals.
ein Stabat Mater, Kantaten, Romanzen Ars antiqua (die "alte Kunst") nennt man
usw.) wurden nur 3 Streichquartette (1824) den Pariser Organalstil (Konduktenstil, s. d.)
gedruckt; neuerdings auch das Finale seiner des 12.~13. Jahrhunderts im Gegensatz zu
biblischen Szene Agar. Die Hauptstadt von der neuen Kunst( Ars nova) der französischen
Biscaya, Bilbao, benannte ihr größtes Komponisten des 14. Jahrhunderts (Machaut,
Theater nach ihm. de Vitry) und der Florentiner Madrigalisten
Arrieta y Corera, Pascual Juan Emilio, derselben Zeit. Vgl. Florenz in der Musik-,
spanischer Komponist, * 21. Okt. 1823 zu geschichte.
Riemann. Musik·Lexikon. 11. Aufl. 5
66 Ars nova - Arteaga.

Ars nova s. A~s antiqua. traten 1766 aus und wandten sich als Cu:g-
ArsiS (griechisch), s. v. w. Hebung, gini Artaria nach Wien, wo sie 1770 die
Gegensatz von Thesis (Senkung). Diese Kunsthandlung Artaria &: Comp., zum
Ausdrücke unterscheiden bei den Griechen König v. Dänemark unter den TuchlaubB!l
die schweren (akzentuierten) und leichten in Wien mit k. k. Privileg eröffneten (seIt
(akzentlosen) Taktteile derart, daß der 1775 30m Michaelerplatz). 1776 wird die
schwere als Thesis bezeichnet wurde und Mainzer mit der Wiener Firma vereinigt
der leichte als A. (Hebung und Senkung als A rtaria &: Camp. Wien und M ainz
des Fußes beim Tanzen.) Die mittel- (seit 1789 30m Kohlmarkt - jetzt Nr. 9 -
alterlichen lateinischen Grammatiker ver- zum englischen Gruß). 1793 übernahm
tauschten die Bedeutung und faßten A. Dominik A. (Sohn des Giovanni) die Mainzer
als Hebung der Stimme (betont), Thesis Handlung, verlegte sie nach Mannheim
als Senkung (unbetont). In letzterem (1819 mit der Buchhandlung Math. Fon-
Sinne werden die Ausdrücke noch heute taine als A rtaria &: F ontaine vereinigt, als
in der Metrik gebraucht, während in der Sortiment bis 1853, als Verlagsbuchhandlung
Musiklehre die alte Bedeutung wieder zur bis 1867). 1793 traten in die Wiener
Geltung kommt als Niederschlag (Thesis) Firma Tranquillo Mollo und Giovanni
und Aufheben (A.) des Taktstockes oder Ca ppi ein. Tranquillo Mollo trat 1796
der Hand. Also (' betont, schwer, . un- aus (1798 als Tranquillo M oUo & Camp. a.m
betont, leicht): . Hof). 1801 trennten sich die drei Kom-
2 .,, , pagnons der Firma A rtaria &: Camj). ;

antike Metrik .
4 I
Th.
GI
I
A.
r
Th.
i
A.
Carlo A. behielt die alte Firma am Kohl-
markt, Domenico assoziierte sich mit Tranq.
Mollo, Giovanni Cappi eröffnete 1802 eine
mittelalterliche} ~ ·t .: A. Tb. A. Th. Kunsthandlung 30m Michaelerplatz. 1802
und heutige 1 e ra.:
heutige Musik Th. A. Th. A. kaufen Domenico A. und Tranq. Mollo das
Geschäft Artaria &: Camp. 1804 tritt Tr.
[L'JArt de se perfectionner dans le Mollo aus und Domenico A. führt allein die
Violon, herausgegeben von Michel Corrette Firma Artaria &: Comp.; nimmt 18 0 5
(s. d.), Fortsetzung von dessen Ecole d'Or- Peter Cappi (Neffe d. Giov. Cappi). al.s
phee (1738), wertvolle Sammlung älterer Teilhaber auf und 1807 auch Carl BoldrlTll.
Violinmusik mit Stücken von Abaco, Albi- 1816 tritt Peter Cappi aus (selbständig ;~J~
noni, Bircken[stock 1, Castrucci, Chinzer, Petpr Cap/)i). 1824 tritt auch Carl Boldnm
Conti, Corelli, Degiardino, Facco, Gemi- aus. 1833 wird August A. (Sohn .des
niani, Händel, Kennis, Laurenti, Locatelli, Domenico) Teilh:lber. 5. Juli 1.842 shrbt
Maurini, Meck, Nozemann, Ottani, Rosetti, Domenico A., und August A. wml Allem-
Saccia, Somis, Tartini, Tessarini, Tzarth, besitzer. 1881 treten Carl August A. (Sohn
Valentini, Veracini, Vivaldi, Zani, Zuccari. des August A.), 1890 Dominik A. (Sohn
Vgl. Andr. Moser, Gesch. d. Violinspiels. des August A.) in die Firma ein. 14. Dez.
[L']Art du violon ou Collection choisie 1893 stirbt August A.; seine Söhne C. August
dans les Sonates des (;coles italienne, jranyoise (t 1919) und Dominik A. werden Besitzer
et allemande, höchst wertvolle, von J. B. der Firma. - Ma thias A. (Sohn des
Cartier 1798 (1801) bei Decombe in Paris Dominik A. aus Mannheim) übernimmt 181.8
herausgegebene Sammlung klassischer Vio- die Daniel Sprengersche (früher MaI-
linm usik (Sonaten von Au bert, J. S. Bach, sche) Kunsthandlung als D. Sprenger,
Barbella, Blasius, Bonporti, Branche, Ca- 1822 als M athias Artaria. Nach seinem Tode
pron, Cartier, Castrucci, Chabran, Corelli, 1835 wird die Firma in M. A rtarias seel.
W. Cramer, Cupis, Dauvergne, Degiardino, W ittwe, dann in M. A rtarias W ittwe &: Camp.,
Demachi, Ferrari, Friz, Gavinies, Gemi- lY[ ath. A rtarias W t"ttwe et A sperl, endhch
niani, Guerini, Guignon, Guillemain, Kennis, 1853 in P eter A sperl geändert, welche
Leblanc, Lec1air, Locatelli, Lolli, Manfredi, später in der Firma Trenschensky auf-
Mascitti, Miroglio, Mondonville, Nardini, ging. Vgl. G. Adler, H. Botstiber, E.
Navoigille, Noferi, Fr. Pagin, des Planes, Prieger. . .
Pugnani, Robineau, Roxer, S. Raffaele, [L'JArte musicale in ItaUa, eme 1m
Senaille, Spadina, Stad, J oh. Stamitz, Verlage von Ricordi in Mailand erschei~en?e
Tarade, Telemann, Travenol, Traversa, Tre- Ausgabe von Denkmälern ältere:: ltahe~
mais, Triemer, Tzarth, Vachon, Valentini, Vi- nischerTonkunst, redigiert von L Uigl Tor ChI
valdi, Zimmermann. DasTitelblattdesWerkes (seit 1900). Von der auf 34 Bände ver-
zeigt u. a. das einzige bis jetzt gefundene anschlagten Sammlung erschienen jedoch
Bild von Johann Stamitz (Medaillon). leider nur 7 Bände: I, II, IV und V Vokal-
Artaria (spr. ia), Kunst- und Musikalien- musik aus dem 14.-17. Jahrhundert;
handlung zu Wien. Um 1750 wanderten die Band III Kompositionen für Orgel oder
dreiBruderCesare, Domenico und GiovanniA. Cembalo aus dem 16.-18. Jahrhundert;
aus Blevio 30m Cornersee aus und trieben Band VI dramatische Musik (Peris Euridice,
den Kunsthandel als reisende Kaufleute. Monteverdis Tancredi e Clorinda und Balla
1765 gründete Giovanni A. mit seinen delle ingrate); Band VII Instrumental- En-
Neffen Carlo (Sohn des Cesare ) und Francesco semblemusik (B. Marini [8], Fontana, Falco-
(Sohn des Domenico) die Firma G1·0V. Artaria nieri [8J, Uccellini [8], G. B. Vitali[ 18}uS\1' .).
et Comp. in Mainz. Die bei den Neffen Arteaga,Esteban (Stefano), span. Jesuit,
Arthur .......; Artikulation. 67
* 1747 zu Madrid, aus Arag6nstammend, t30. In solchen Fällen erweckt die nur die Arti-
Okt. 1799in Paris; ~ing nach Unterdrückung kulation anzeigende gewöhnliche Bogen-
des Ordens in Spani.en nach Italien und lebte bezeichnung den Schein einer vollständig
mehrere Jahre im Hause des Kardinals gegenteiligen Motivbildung : "
Albergati zu Bologna im engen Verkehr
mit Padre Martini, der ihn zur Abfassung b)
seiner berühinten Geschichte der Oper in
Italien veranlaßte. A. begab sich später
nach Rom, wo er sich mit dem spanischen ~ JJ 1(1 t IfJ J Ifrt J IJ·
Gesandten Azara befreundete; diesem folgte
er dann nach Paris. Sein bekanntes Haupt- Das Beispiel zeigt, wie notwendig eine strenge
werk führt den Titel Le rivolw:ioni deI Scheidung der ,Begriffe Artikulation und
teatro musicale Italiano (1783, völlig um- Phrasierung ist. Denn das Nichtverstehen
gearbeitet' 1785, 3 Bände, deutsch von der Motive zerstört nicht nur die Art des
Forkel 1789, 2 Bände, ein kurzer fran- Aufbaues der Melodie, sondern bestimmt auch
zösischer Auszug von Rouvron, London ganz andere Modalitä ten der praktischen Aus-
1802). Sowohl in diesem Werke als in den führung; an die Stelle des Schwungs von
Invßstlgaciones filos6ticas sobre la Belleza der abgestoßenen Auftaktnote hinüber in
ideal considerada como objeto de todas las die ausgehaltene Schlußnote (a) tritt das
artes (Madrid 1789) tritt A. wie sein Ordens- scharfe Absinken von der langen Note in
bruder Andres (s. d.) mit Wärme und die kurze. über die GrundfrageLl der A.
glänzender Dialektik für die Vereinigung vgl. Herm. Keller, Die musikal. A., ins-
der energischen Künste im musikalischen besondere bei }. S. Bach (StuttgartI926).
Drama ein. Ein Werk über antike Rhyth- Da die seit dem 17. Jahrhundert aufge-
mik (Ms.) scheint verloren. Vgl. Jos€ M. kommenen Bögen einseitig durch die Tech-
Esperanza y Sola, Discurso de recepci6n nik der Bogenführung der, Streichinstru-
en laR. Ac. ode Bellas Artes, Madrid 1891; mente bestimmt sind, so lassen sie nur in
auch Calzabigi. wenigen Fällen die Sinngliederung (Phrasie-
Arthur, Alfred, * 8. Okt. 1844 zu Pitts- rung) erkennen. Das ist der Grund, warum
burg (Pa.), Schüler von Julius Eichberg die Phrasierungsausgaben für Klavier zu
in Boston, seit 1871 in Cleveland als Gesang- starken Abänderungen der Bezeichnung
lehrer , Vereinsdirigent und Direktor einer greifen müssen, um falsche Auffassungen der
Musikschule, brachte 1876-79 3 Opern zur Thematik zu verhüten. Die Streichinstru-
Aufführung, schrieb auch Lieder und Kla- mente artikulieren in erster Linie durch
vierstiicke und verfaßte Gesangsunterrichts- Wechsel des Bogenstrichs, beim Staccato
werke (Progressive Voice Studies, 79 Studies durch Wechsel von Note zu Note, ohne daß
tor A Uo or Bass, 7oLessons in Voice Training, der Bogen die Saite verläßt; über die
Studies in A rticulation, Exercises in Vocal SChwierigeren Arten der Ausführung des
T echm'que). Staccat~ vgt den Artikel Staccato. Die
Artikulation, in der Sprache die Unter- Blasinstrumente artikulieren durch Un-
scheidung der einzelnen Laute, in der Musik terbrechung des Atemstromes, bei schneller
die innigere oder losere Aneinander- Tonfolge mit Zuhilfenahme' von Zungen-
fügung der Einzeltöne, das Binden stößen. Eine ausführlichere Behandlung er-
(Legato) oder Stoßen (Staccato) und ihre fordert die Artikulation des Klavierspiels
Abarten, irreführenderweise von manchen durch sehr stark verschiedene Arten der
auch "Phrasierung" genannt. Denn eben- Anschlagsbewegungen, welche sich keines-
sowenig wie in der Sprache den Vokal wegs auf die Finger beschränken, sondern die
scharf abgrenzende und eine Klanglücke freie Beweglichkeit der Arme erfordern! Am
verursachende Konsonantenfolgen Wort- beschränktesten sind die Bewegungen beim
grenzen bedingen, entscheidet im musika- Legato, am ausgiebigsten beim Bravour-
lischen Vortrag das Binden und Stoßen Staccato. Das Legato verbindet die Töne
über die Zusammengehörigkeit von Tönen genau miteinander, so daß, während die
zur engeren Einheit von Motiven; sonst zweite Taste niedergedrückt wird, die erste
würde ja eine durchaus staccato durchge- sich hebt; das Staccato trennt sie scharf,
führte Melodie überhaupt nur aus Einzel- d. h. die erste Taste wird losgelassen, ehe
tönen bestehen und für sie von Motiven, die zweite berührt wird. Unterarten sind:
Phrasen ,nicht gesprochen werden können. das Legatissimo,bei welchem die Töne noch
Jede Staccato-Variation eines Themas be- nach dem Anschlag folgender ausgehalten
weist aber das Gegenteil. Für kleinste, nur werden, sofern sie sich harmonisch mit die-
aus zwei Tönen bestehende Motive ist aber sen vertragen; das Non legato, für lang-
sogar das kurze Abstoßen des ersten (Auf- same Tonfolgen als Portato, bei dem die
takt-) Tones und das volle Aushalten der Töne möglichst lange gehalten werden und
Schwerpunktsnote etwas ganz Gewöhnliches, doch gerade noch von den folgenden er-
zum Beispiel: kennbar abgetrennt (Notierungsart :-:-:-:,
a) d. h. Verbindung der Staccatopunkte und
~ r--...---:J.---:J des Legatobogens oder auch ~~~.:., Verbin-
4' Ir r l IJ.
I' I '
.~ #.l Ir ~ l Ir dung von Tenutostrichen und Staccato-
punkten), für schnelle Tonfolgen als Leg-
giero (leichtperlend, mit elastisch zurück-
5*
68 Artöt - Artsybuschew.

springenden Fingern, besonders im piano) servatorium, r849 erster Hornist der Privat-
und M ezzolegato (mezzo staccato = mIt kapelle des Königs von Belgien, I873 pen-
ep.ergisch vorschnellenden, sozusagen jeden sioniert, hat eine Anzahl Kompositionen
Einzelton neu artikulierenden. Fingern [bril- für Horn veröffentlicht (Phantasien, Etüden.
lante, con bravura ]). Das eigen tliche 5 tac- Quartette für 4 chromatische Hörner oder
e ato im Klavierspiel erfordert durchaus die Cornets a piston).
Bewegung des Oberarms und schnellt leicht Artöt (spr. artö), Marguerite J osephine
die Hand bei völlig freiem Handgelenk; für Desiree Montagney, Tochter von Desire
schnelle Griff-Folgen (Oktaven, Akkorde) *
A., 2I. Juli 1835 zu Paris auf einer Reise
kommt dazu noch die Ausnutzung des Riko- ihrer Eltern, t 3. April 1907 in Wien.
schettierens der Hand im Handgelenk. Eine Schülerin der Viardot-Garcia 1855.,-57, trat
besondere Anschlagsart erfordern die aus zuerst 1857 in Konzerten zu Brüssel auf und
zwei und zwei mit Legatobogen versehenen wurde auf Empfehlung Meyerbeers 1858 an
Tönen bestehenden Gänge: der Großen Oper zu Paris engagiert, gastierte
an französischen, belgischen und .hoWin-
dischen Bühnen und ging dann nach I ta-
lien, um sich im italienischen Gesange zu
vervollkommnen. Ihre Triumphe erreichten
In solchen Fällen müssen bei jedem zweiten den Höhepunkt, als sie um 1859 mit de"
Tone Hand und Arm leicht angehoben wer- Lorinischen italienischen Operngesellschaft
den, so daß der zweite (leichtere Ton) wäh- in Berlin auftauchte; sie sang 1866 in Ruß-
rend der Aufwärtsbewegung angeschlagen land, zwischendurch auch in London, Kopen-
wird (Abzug). Vgl. auch Attacca-Ansatz. hagen usw. Ende 1868 war sie die Verlobte
Anschlagende, d. h. einen Notenwert be- vonP.Tschaikowsky, verheiratete sich aber
ginnende Verzierungen (Pralltriller, Mor- 1869 mit dem spanischenBaritonistenMariano
dent, Anschlag und anschlagender Doppel- de Padilla y Ramos(* 1842 zu Murcia, Schü-
schlag) werden viel leichter und runder her- ler Mabellinis in Florenz, t 2I. Nov. 1906
ausgebracht, wenn ihnen ein leichtes An- in der Heilanstalt zu Auteuil bei Paris), der
heben des Arms vorausgeht. V gl. die kla- fortan ihre Erfolge teilte. Die Stimme der
vierpädagogischen Werke von H. Riemann, A., ein voller Mezzosopran von leidenschaft-
sowie ferner Franz Marschner, Entwurf lichem Ausdruck, gewann durch konse-
einer Neugestaltung des Anschlags (1888), quentes Studium eine bedeutende Höhe, so
Marie Jaell, Le toucher (r899, deutsch als daß sie für die größten dramatischen So-
Der Anschlag 1901), Tob. Matthay, The pranpartien ausreichte. 1884 nahmen Frau
Art of Touch (1903), TonyBandmann, Die A. und Padilla Wohnung in Berlin, siedelten
Gewichtstechnik des Klavierspiels (1907), EI. aber 1889 nach P"ris über.
Ca 1a n d, Die Ausnutzung der Iüaftquellen Artöt -(spr. artö), Ma urice Mon tagney
beim Klavierspiel (1905), R. M. Breitha u pt, genannt A., * 3. Febr. I7i2 zu Gray (Haute-
Die natürliche Klaviertechnik (I905), F. A. Saöne), t 8. Jan. 1829, Musikmeister eines
Steinhausen, aber die Physiologischen französischen Regiments in der Revolu-
Fehler und die Umgestaltung der Klavier- tionszeit, kam später als erster Hornist an
technik (1905), Martha Lamm-N a tannsen, das Monnaie-Theater zu Brüssel, wo er auch
Die Entwicklung der pianistischen A n- Kapellmeister am Beguinenkloster wurde.
schlagskunst (Berlin 1916). Die physiolo- A. war zugleich ein vortrefflicher Gitarre-
gischen Anschlagstheoretiker überschätzen und Violinspieler sowie Gesanglehrer.
zweifellos die Bedeutung der physischen Artöt de Padilla, Lo la, * 5. Okt. 1880
Kraftleistungen für ein künstlerisches Kla- in Sevres bei Paris, Tochter des Kammer-
vierspiel und lenken. über Gebühr das Inter- sängers Mariano de Padilla und der
esse vom Ästhetischen auf das Mechanische. Desiree Artöt, deren Schülerin sie aus-
Artöt (spr. artö), Alexandre Joseph schließlich 'war; debütierte im Mai 19°4-
Montagney A., Bruder vonJ.DesireM.A .. an der Opera Comique zu Paris, trat
t
* 25. Jan. 1815 zu Brüssel, 20. Juli 1845 in am 11. Febr. 1905 zum ersten Male in
Ville d'Avray beiParis; Schüler seinesVaters, Deutschland am Berliner Opernhaus als
dann von Snel in Brüssel und 1824-31 von Mignon auf; wurde, nach Gastspielreisen in
Rudolf Kreutzer und August Kreutzer am Skandinavien und Polen, im Dez. 1905 Mit-
Pariser Konservatorium, machte ausge- glied der Berliner Komischen Oper, an dei'
dehnte Konzertreisen als Violinvirtuose sie die Mimi in Leoncavallos Boheme kre-
durch Europa und Amerika (1843)' A. ver- ierte (11. Dez.), und bis 1908 blieb. NaCll
öffentlichte ein Konzert (A moll), Phanta- weiteren einjährigen Gastspielreisen wurde
sien, Variationenwerke usw. für Violine; sie (29. Aug. 1909) Mitglied der Berliner Oper,
Streichquartette, ein Klavierquintett und der sie bis 1927 angehörte, als Sängerin
anderes blieben Manuskript. von feinstem Kunstgeschmack und 'eindrin-
Artöt (spr. artö), J ean Desire Mon ta- gender Darstellungsgabe. 1913 Kgl. Pl'euß.
gney, Sohn vonMauriceM. A., * 23. Sept. Kammersängerin. Hauptrollen: Zerline,.
[803 zu Paris, t 25. März 1887 zu St. Josse Cherubino, Gräfin(Figaro), Marie (Verkauf{e.
ten Noode, Schüler seines Vaters und dessen Braut), Lotte (Hferther ), Margarethe, .Oskar
Nachfolger am Theater zu Brüssel, erster (Masllenball) u. a.
Hornist des Guidenregiments (Leibgarde), Artsybuschew, Nikolas 'l-Vassilie
r843 ProfesSDr des Horns am Brüsseler Kon- wi tsch. russischer Komponist, * 'i .MärZI858
Artusi - Ashton. 69
zu Zarskoje - Selo, studierte erst Jura in Jena; Schüler seines Vaters (herzogl.
und war Rechtsanwalt, dann Komposition Kapellmeister in Wolfenbüttel, später Städt.
bei Solowiew und Rimsky-Korssakow. Er Musikdirektor zuAltstettin), Theiles inMerse-
hat Klavierübertragungen von Werken R.- burg und Schmelzers in Wien, war erster
Korssakows,Mussorgskys, Borodins gemacht Violinist zu Zeitz (1677-81), Merseburg
und Romanzen und Klavierstücke von ge- (1683-90), herzogI. Musikdirektor in Zeitz
Jälliger, aber eklektischer Melodik kompo- (1695-1713) und herzogl. Kapellmeister zu
niert. 1908 Präsident des Verwaltungsaus- Merseburg (1713-19) und lebte zuletzt mit
schusses der K. Russ. MG., Sektion Peters- kleiner Pension zu Jena. Gab heraus: Gas/-
burg; Nachfolger R-Korssakows als Präsi- und H ochzeitsjreude, bestehend in Sonaten,
dent des von Belajew gegründeten Aus- Präludien, Allemanden, Couranten, Balletteiz,
schusses zur Förderung russ. Komponisten Arien, Sarabanden mit 3, 4 und 5 Stimmen,
und Künstler. lq20 ließ er sich als Geschäfts- nebst dem Basso continuo (1673, erhalten?").
leiter des Verlags Belajew in Paris nieder. Ascher, Leo, Operettenkomponist, * 17.
Artusi, Giovanni Maria, * ca. 1540, Aug. 1880 in Wien, Dr. jur. Bekannteste
seit Febr. 1562 ord. Kanonikus von San Sal- Werke: Der Soldat der Marie (1916) und
vatore zu Bologna, t 18. Aug. 1613, gab Hoheit tanzt Walzer.
heraus: L'Arte dei contrapunto (1586-89, Ascoli (Stadt). Vg!. G. C. Carboni,
2 Teile; 2. Auf!. 1598); L'Artusi, ovvero delle M emorie intorno i letterati egli artisti . . .
imperjettioni della moderna musica (1600-03, d'Ascoli (1830); anonym, Brevi cenni sulla
2 Teile), sowie einige kleinere Schriften und jormazione e sullo sviluppo delta societa
I Buch 4 st. Kanzonetten (1598). A. war jilarmonica di Ascoli Piceno 1874-97 (1898).
ein vortrefflich geschulter Kontrapunktiker, Ashdo'WJ1(spr. iischdaun), Edwin Ltd~,
wußte aber mit den Neuerungen eines Monte- eng!. Verleger. Der Gründer der Firma war
verdi oder gar Gesualdo di Venosa, ja selbst ChristianRudolph WesseI, *1797 zu Bremen,
eines N. Vicentino, Cipriano de Rore, A. der 1825 nach London kam und mit der
Gabrieli usw. nichts anzu fangen, eine jener re- Veröffentlichung dort unbekannter auslän-
aktionären Erscheinungen, wie sie in Zeiten discherWerke, wieChopin undHeller, begann.
der Gärung und Entwicklung neuer Rich- Das Geschäft wurde später von Edwin A.
tungen in der Kunst nicht selten sind. Vg!. und Henry J. Parry, beide vorher Ange-
Emil Vogel, Vierteljahrsschr. f. MW. IH, stellte Wesseis, erworben. Die Veröffent-
325-339(Polemik zwischen Artusi und Mon- lichung der Klavierstücke von Sydney
teverdi) und G. Gaspari, Atti e memorie Smith und Brinley Richards brachte der
( 18 76 ). Firma Ruf und Geld. Nach Parrys Rück-
Artz, Carl Maria, * 10. Juni 1887 zu tritt widmete sich Edwin A. der Ausgabe
Düsseldorf, Schüler erst des dortigen Kon- klassischer ·Werke, wobei er sich die Dienste
servatoriums (Buths-Neitzel), dann F. Drae- von Walter Macfarren und Sterndale Ben-
sekes in Dresden (Komposition) und Jos. nett als Herausgeber sicherte. Heute wird
Pembaurs in Leipzig (Klavier), seit 1913 die Firma von zwei Enkeln A.s geleitet und
durch Konzerte mit dem ·Berliner Philh. führt in großem Umfang moderne päd-
Orchester als fortschrittlich gesinnter Diri- agogische Werke.
gent tätig, 1919-21 Leiter des Orchester- Ashley (spr. aschli) J ohn, * um 1740,
vereins in Stavanger (Norw.); seit 1925 t 2. März 1805 in London, war 1784 bei der
Dirigent in Malta. Er schrieb: Lieder, Kla- Händel-Gedächtnisfeier Hilfsdirigent neben
vierstücke, ein Streichquartett, eine sinf. Bates und übernahm 1795 die Leitung der
Dichtung op. 26 (A m toten Maar), heitere von Händel gegründeten und von J. Chr.
Variationen für Orch. und eine Oper. Smith und Samuel Arnold fortgeführten
Asantschewsky, Michael Pawlowitsch Oratorienaufführungen der Fastenzeit, die
von, russischer Komponist, * 1839 und u. a. zuerst Mozarts Requiem und Haydns
t 24· J an. 1881 zu Moskau, erhielt eine mili- Jahreszeiten brachten. Sein Bruder J an e
tärische Erziehung, trat jedoch zum Zivil- war der erste Spieler des Kontrafagotts bei
dienst über, den er 1861 quittierte, um zu- der Händelfeier 1784. Seine vier Söhne
nächst in Leipzig unter Hauptmann und waren vortreffliche Musiker: Charles (ge-
Richter Komposition und dann bei Liszt in t
nannt General A.) * 1770, 21. Aug. 1818,
Rom Klavierspiel zu studieren. 1860-7° Violinist (Schüler vonBarthel<'~mon und Giar-
lebte er in Paris und war 1871-76 als t
dini); John James, * 1772, 5. Jan. 181 5,
Nachfolger Zarembas Direktor des Peters- Organist und Klavierspieler, auch angesehe-
burger Konservatoriums, dem er seine ner Gesanglehrer; Charles Jane, * 1773,
sehr bedeutende Bibliothek vermachte. t 29· Aug. 1843, Cellist (MitbegTÜnder des
A. hat nicht wenig zur Hebung der offi- Glee-Club und der Philharmonischen Ge-
ziellen Bedeutung der Konservatorien in sellschaft) und Richard, * 1775, t 18}6,
Rußland beigetragen. Als Komponist war Violaspieler. ,
A. nicht fruchtbar, zeichnete sich aber durch Ashton (spr. äscht'n), Algernon Bennet
Geschmack rind Sauberkeit der Faktur aus. Langton, * 9. Dez. 1859 zu Durharn in
Er veröffentlichte Lieder, Klavierstücke, England als Sohn eines Domsängers, kam
2 Trios, 2 Quartette, Psalm 12 und eine nach des Vaters Tode 1863 nach Leipzig
Konzertouvertüre. Vgl. G. E. Anders. (1875-79 Schüler des Konservatoriums)
Aschenbrenner, Christian Heinrich, und Frankfurt a. M. (1880-81 bei Raff) und
t
* 29. Dez. 1654 zu Altstettin, 13. Dez. 1732 ließ sich dann in London nieder, wo er 25
70 Ashton - Asola.

Jahre (1885-1910) Lehrer des Klavierspiels für vergl. MW. I, 1922); Die Musik auf den
am Royal College of Music war und seit 1913 nordwestl. Salomo-I1:lseln (in: R. Th u rn-
in gleicher Stellung am London College of wald, Ethnogr. Forsch. 1912); Phonogr.
Music und Trinity College of Music wirkt. Melodien aus Madagaskar und Indonesien
A. zog, als einer der englischen Kompo- (Forschungsreise S. M. S. "Planet" 1906/7,
nisten Schumann-Brahms'scher Richtung, V. 19°9); Notizen über Kirgisische Musik-
besonders auf dem Gebiete der Kammer- instrumente und Melodien (in: Karu·tz.
musik mit Klavier die Aufmerksamkeit auf Unter Kirliisen und Turkmenen, 19II);
sich: 5 Violinsonaten (D dur, E dur, C moll, C. Sachs, Die Musikinstrumente Birmas
A dur), 5 Cellosonaten (F dur, G dU1', A molt, und Assams im Kgl. ethnogr. Museum zu
B dur und H moll), Bratschensonate A moll, München (1917); R. Lach, Die Musili der
• 3 Klaviertrios (E dur, A dur, H molt), 2 Kla- turktatarischen, finnisch-ugrischen und Kau-
vierquartette (Fis moll, C moll), 2 Klavier- kasusvölker (1920); J. H. H. Evans, Studies
quintette (C dur, E moll) und (ohne Kla- in Religion, Follilore and Custom in Bri#sh
vier) I Bläserquintett (F moll) und 2 Streich- North Borneo andtheMalay Peninsula (1923) ;
quartette. (B dur, D dur); dazu kommen L. Henslowe, TheFolklore of Borneo(192S);
für Klavier allein: 2 Sonaten (Es moll, G J. Kunst und C. J.A. Kunst- v. Wely,
dur), Suite op. 50 für 2 Klaviere, Toccata Studien over J avaansche en andere I ndo-
dgl., ferner englische, schottische und irische nesische muziek: I. De Toonkunst van Baü
Tänze zu 4 Händen (auch für Orchester be- (1925); Dom J. J eannin, Le chant liturgique
arbeitet und mit großem Erfolg aufgeführt) syrien (1913); vgl. auch die Literaturangaben
und viele Stücke für Klavier. zu 2 Händen, in Lavignac's Encyclopedie sowie Idelsohn.
auch Orchesterstücke, Chorlieder und über Asioli, Bonifazio, * 30. Aug. 1769 und
200 Lieder, aber auch eine Reihe Orchester- t 18. Mai 1832 zu Correggio, entwickelte
werke: 5 Sinfonien (F moll, G dur, A moll, sich unglaublich früh zum Komponisten,
Bdur, C moll), 3 Ouvertüren (Macbeth. studierte noch unter Morigi zu Parma und
Julius Cäsar und Konzertouvertüre F dur), wurde Kapellmeister in Correggio. 1787-9()
eine Suite (A dur), ein Marsch, ein Klavier- lebte er in Turin, begleitete dann die Mar-
konzert, ein Violinkonzert und 10hanna chesa Gherardini nach Venedig und ließ
Seims für Männerchor. Soli und Orchester. sich 1799 in Mailand nieder. 1801 ernannte
Seine neueren Werke 'sind: Trio für Klar., ihn der Vizekönig von Italien zum Kapell-
Va; und Fag.; Trio für Kl., Horn und Va,; meister und 1808 zum Zensor (Studien-
Klavierquartett Nr.3; Kl.-Quintett Nr.3; direktor) des neu gegründeten Konserva-
Septett für Kl., Streich- und Blasinstru- toriums. 1813 zog er sich in seine Vaterstadt
mente; Streichoktett; Nonett für Streicher zurück. A. hat Messen, Motetten, Kantaten,
und Bläser. A. gab 1905 und 1908 2 Bände Quintette, Duette und Nokturnen für
kleiner Essays in Briefform für Zeitschriften Singstimmen, Sonaten für Cembalo und
heraus als Truth, Wit and Wisdom (525 und Pianoforte; Capricen, 7 Opern, ein Orato-
656 Briefe). , rium (Jakob) usw., sowie eine Anzahl päd-
Ashton (spr. äscht'n), Hugh (Aston, Au- agogischer und theoretischer Werke ge-
sten, Aystoun), 15°5 in Cambridge Magister schrieben, nämlich: Principi elementari di
artium, t im Dez. 1522, Komponist der äl- musica (Allgemeine Musiklehre 1809; mehr-
testen erhaltenen Virginalstücke .(Hornpipe fach aufgelegt, auch französisch 1819, por-
und [zwE;ifelhaft ob von ihm] Lady Carey's tugiesisch 1831, deutsch 1823, holländisch
Dampe in MS. Royal ApP.58 zu London, 1826); L' allievo al cembalo (Klavierschule),
gedtuckt in Stafford Smiths Musica an- 3 Th. 1819; Primi elementi per il canto (I8<)(),
tiqua); auch einige kirchliche Tonsätze von Gesangschule) ; Elementi per ilcontrabasso
A; (je eine 5 st. und 6 st. Messe, ein Tedeum (1823); Trattato d' armonia e d' accompagna-
5 fI., und 6 Motetten) sind erhalten. Vgl. mento (1813, Generalbaßschule) ; Dialoghi
J.Pulver, A Biogr. Dict. ot Old Engl. sul trattato d' armonia (Frage- und Antwort-
Music (1927). , buch zur Harmonielehre, 1814); Osservazioni
Ashwell (spr. äsch-), Thomas, englischer sul temperamento proprio degli stromenti sta-
Komponist der I. Hälfte des 16. Jahrhunderts bili etc. (1816) und Disinganno sulle osser-
(bereits 1530 in Wynkyn de ''''orde's Song- vazioni etc.; endlich Il maestro di composi-
Book vertreten), von welchem handschrift- zione (anschließend an die Generalbaß.schule,
lich die 6 st. Messen Ihesu Christe und Ave 1836). Vgl. O. S. A:ncarani, Sopra akune
Maria in Oxford, Teile einer dritten Messe parole di Carlo Batta intorno al metodo mus i-
inCambridge und Teile einesStabatMaterund cale di B. A. (1836), A. Coli, B. A. (Mai-
Te matrem im British Museum erhalten sind. land, 1834) und A. Amadei, Intarno allo
Asien. V gl. vor allem die Artikel Arme- stile delta maderna musica di chiesa (1841).
nische, Arabische, Chinesische (und japa- Asola (Asula), Giovanni Ma tteo,
nische) und Indische (und javanische) Musik; fruchtbarer Kirchenkomponist, * zu Vero-
Im übrigen: C. Stumpf, Mongolische Ge- na, t I. Okt.1609 in Venedig. Außer einer
sänge. (Viertelj. f. MW. III, 1887), aber großen Anzahl von 4-8 st. Messen, Mo-
das Tonsystem und die Musik der Siame- tetten, Psalmen, Hymnen, Kompletorien,
s.en (Sammelb. für vetgl. MW. 1,1922); Lauden usw. sind 2 Bücher 3 st. (Le vergini
J. Knosp, aber annamitische Musik 1571) und je I Buch 2 st. (1584) und 6 st.
(Sammelb. d. IMG. 1906/07); E .. M.v.Horn- (1605) Madrigale erhalten. Vgl. Fr. Caffi,
bostel, aber die Musik derKubu (Sammelb. Delta vita e delle opere di G. M. A. (r862).
Asperges me - Atanassoff. TI
Asperges Me. Antiphon bei der feierlichen torien und die Oratorien Sauls Tod und
Austeilung des Weihwassers an Sonntagen David und Saul in Druck (auch eine Sinfonie
vor dem Hochamt (durch den Priester in- B dur bei Schlesinger). A. war mit Schubert
toniert) mit Psalm Miserere und Vers Gloria befreundet.
Patri. Letzterer fällt aus am Passions- und Assoclation Musical s. Vereine.
Palmsonntag. In der österlichen Zeit wird Assonanz s. Stabreim.
statt des Asperges die Antiphon Vidi aquam Astaritta, Gennaro, italienischer Opern-
mit Confitemini gesungen. komponist, * zu Neapel, schrieb 1765--93
Aspestrand, Sigwardt, norw. Kompo- 36 Opern (18 für Venedig, die übrigen für
nist, * 13. Nov. 1856 zu Fredrikshald, Vio- Neapel, Turin, Rom, Livorno, Reggio d'Emi-
linschüler von Dalback und Böhm in Oslo, lia, Ferrara, Preßburg und Petersburg, die
seit 1881 Zögling des Leipziger Konser- erste L'orfana insidiata 1765 für Neapel),
vatoriums, später der Berliner Hochschule von denen Circe e Ulisse (Preßburg 1787
(Joachim). Eine Verletzung an der Hand im gräflichen Erdödyschen Theater) allge-
zwang ihn, das Geigenspiel aufzugeben, wor- mein beliebt wurde.
auf er Komposition studierte; während Aston, Hugh, s. Ashton.
eines mehrjährigen Aufenthalts in Deutsch- X Astorga, Emanuele d' (Emanuele Gio-
land komponierte er mehrere Opern auf achino Cesare, Baron Rinco'n d' Astorga),
eigenen Text; hat auch Kammermusik ge- * 20. März 1680 zu Augusta auf Sizilien,
schrieben. Er lebt jetzt in Oslo. Sein Stil t 1757 in Lissabon oder Madrid (?) (hand-
neigt stark zum klassischen und roman- sehr. Notiz Santinis auf einem Manuskript
tischen Ausdruck und trägt oft volkstüm- A.'s in Münster Il barone d'A. muori in Ma-
liche und nationale Prägung. Opern: Sjö- drid I' anno I757), entstammte einer spani-
mandsbruden (Gotha, Coburg, Oslo); Freyas schen Adelsfamilie; das Baronat haftete an
Alter; Der Recke von Lyrskovheid; Die der Besitzung Ogliastro bei Augusta und
Wette; Im Goethezimmer; Le Baiser au Por- war bereits seinem Großvater verliehen;
teur; Robin Hood; die komische Oper Per- sein Vater, Baron Francesco Rincon d'A-
vonte. storga, starb 1712 in Palermo. A. war ein
Aspiration (franz.), einer der älteren musikalisch hochgebildeter Dilettant, be-
Namen der auch Akzen t (s. d.) genannten freundet mit Ant. Caldara (Taufpate einer
Verzierung eines Tones mit der Ober- oder Tochter Caldaras 1712 in Wien). Sein ein-
Untersekunde (Vorschlag). ziges Bühnenwerk, das Pastorale Dafni
Asplmayr, Franz, * ca. 1721, Hofmu- wurde 1709 in Genua und Barcelona (auch
siker und Ballettkomponist der italienischen 1716 in Parma und 1726 in Breslau) aufge-
Oper zu Wien, t 29. Mai 1786 daselbst, führt. Bei dem Aufstande 1708 in Palermo
brachte in Wien eine Anzahl Singspiele war A. Offizier der Munizipalgarde, 1712
(Die Kinder der Natur 1780, Der Sturm 1782) und 1714 ist er in Wien, 1713 in Znaim,
und Ballett-Divertissements zur Auffüh- 1714-15 in London nachweisbar, 1717-:-18
rung, komponierte Rousseaus pygmalion als Senator in Palermo. Dann ging er nach
neu (1772, vgl. Edgar Isteis Monographie), Spanien in königliche Dienste, gab 1726
ist aber wichtiger als einer der ersten in Lissabon ein Heft (12) Kantaten heraus
Wiener Komponisten, welche den neuen und verkaufte 1744 sein sizilisches Baronat.
Stil auf dem Gebiete der Orchester- und Sein berühmtestes Werk ist das 1707 ge-
Kammermusik pflegten. In Druck er- schriebene Stabat Mater für 4 Singstimmen
schienen (in Paris ca. 1765) 6 Serenate op. I, mit Streichorchester und B.c. (zuerst ·auf-
6 Quatuors concertants (2 V. VIa. Vc.) op. 2, geführt Oxford 1752; Neuausgabe von
6 Trios op. 5 (2 V. Vc. Be.) und 6 Quatuors Rob. Franz), doch genossen auch seine in
op. 6 (2 V. VIa. Vc.). Das Trio op. 5 I und großer Zahl verbreiteten Kantaten, die sich
das Quartett op. 6 II erschienen mit Aus- durch Gedrängtheit und zugleich Süßigkeit
arbeitung des Continuo in Riemanns Colle- der Melodik, durch kontrapunktisch leben-
gium musicum. dige Baßführung auszeichnen, allgemeine
Assafiew, vgl. Glebow. Beliebtheit ( Palpitar, herausgeg. von H. Rie-
Assai(ital., viel, sehr), eine Tempo-oderVor- mann). A.s romanhafte frühere Biographie
tragsbezeichnungverstärkend, z. B. allegro a., ist durch Hans Volkmann (Em. d'A., I.
recht schnell. Bd. Leipzig 19II; 2. Bd. 1919) dokumenta-
Assisi. Vgl. E. Cellini, L'Archivio mu- risch widerlegt und ersetzt.
sicale dei S. Convento in A. (1897). Astorga, J ean Oliver, Komponist, von
Aßmayer, Ignaz, * 11. Febr. 1790 zu dem in mehreren Ausgaben um 1767-69 in
Salzburg, t 31. Aug. 1862 in Wien; Schüler London erschienen: op. I, 6 Triosonaten für
von A. Brunmayr und M. Haydn, 1808 2 Violinen mit B. continuo, und op. 2, 12
Organist der Peterskirche in Salzburg, italienische Lieder und Duette mit Klavier.
wandte sich 1815 nach Wien, wo er bei Eybler *
Atanassoff, Ge6rgi, 1872 in Philipopel
sich noch weiter fortbildete, 1824 Kapell- (Südbulgarien), 1886 in Bukarest (Ru-
meister am Schottenstift, 1825 Hoforganist, mänien) Schüler des dortigen Konserva-
1838 überzähliger Vizehofkapellmeister und toriums (Theorie, Komposition, Posaune und
1846 Weigls Nachfolger als zweiter Hof- Klavier) sowie des Liceo Rossini in Pesaro
kapellmeister. Von seinen vielen Kirchen- (Italien) als Kontrapunkt- und Komposi-
kompositionen (u. a. 15 Messen) erschienen tionsschüler von Pietro Mascagni. Aus-
nur eine Messe, einige Gradualien und Offer- gezeichneter Dirigent und Komponist, lebt
72 Atem - Atrio.

in Bulgarien. Schrieb 1910 die Oper men inmitten eines Wortes oder zwischen
Borisslav, 1917 die Oper Gergana, 1923 die Artikel und Substantiv usw. Vgl. Gesangs-
Oper Die verwüstete Mühle, 1925 Zweta, ~~giene.
1926 Kossara; außerdem noch einige Ope- )\Athenäus (A thenaios) aus Naukratis
retten. m Agypten, griechisch<:r Grammatiker m
Atem, die beim Atmen zur Verwendung Rom im 2. bis 3. Jahrh. nach Chr., dessen
gelangende Luft. Sie strömt in die elasti- Werk Deipnosophistai (15 Bücher, fast voll-
schen Lungen ein durch den atmosphäri- ständig erhalten) unschätzbare Aufschlüsse
schen Druck in folge Erweiterung des Brust- über die griechische Musik enthält. V gl.
raumes durch Hebung und Dehnung der die Amgaben von G. H. Schäfer (1796 fL)
Rippen und durch Senken des Zwerchfelles. und Kaibel (Leipzig 1887 bis 1890) sowie
Die Ausatmung erfolgt in der umgekehrten die Studien über A. von A. Bapp (1885}
Weise. Das Atmen ist in erster Linie not- und F. Rudolph (Philologus, VI. SuppL).
wendig zur Unterhaltung des Lebens, um Atherton (spr. äßert'n), Percy Lee, 25.*
Blut und Körpergewebe mit dem nötigen Sept. 1871 zu Roxbury (Mass.), 1893-95
Sauerstoff der Luft zu versorgen und dafür Schüler der Münchener Kgl. Musikschule
die im Körper entstandene Kohlensäure ab- (Rheinberger), von O. Boise in Berlin, Sgam-
rzugeben, und wird für diesen Zweck in erster bat i in Rom und Widor in Paris, lebt als
Linie reflektorisch (automatisch) geregelt Komponist in Boston (2 heitere Opern, 2
(oberflächlichere oder tiefe, langsame oder Violinsonaten, Suiten für Klavier und Vio-
schnellere Atmung). In zweiter Linie dient line und Klavier und Flöte, Lieder, Chöre,
die beim Ausatmen entströmende Luft dazu. Orchester- und , Klavierstücke ).
den Stimmapparat des Kehlkopfes in Schwin~ Atkins (spr. ätkins), Sir Ivor AlgernoJ:l,
gungen zu versetzen und dadurch den Klang Organist der Worcester Cath., England ; * 29.
der Stimme für Sprache und Gesang zu er- Nov. 186<) zu Cardiff, Hilfsorganist unter Dr.
zeugen, wie Orgelpfeifen durch einen Blase- Sinclair zu Truro u. Hereford; Festdirig. der
balg angeblasen werden. Auch für diese Three Choirs zu Worcester 1899, 1902, 1905,
Zwecke erfolgt für gewöhnlich die Atmung 1908, 19II, 1920, 1923; Mus. Doc. zu Ox-
scheinbar automatisch; richtiger aber ist es, ford 1920, 1921 geadelt. Er hat, zusammen
daß sie sich durch übung von frühester mit S. Edward Elgar, Bachs Matthäus-
Kindheit an den jeweiligen Bedürfnissen Passion u. Bachs Weimarer Orgelbüchlein
anpaßt. Das Atmen ist besonders für die bei Novello hrsg. Schrieb: Hymn of Fait!:
Stimmbildung in hohem Grade dem be- (Text von Elgar); Magnijicat u. Nunc Dimit-
wußten Willen unterworfen. Es werden tis-Sätze f. Chor u. Orch.; gern. Chöre; Lie-
aber oft von angehenden Sängern Atem- der u. a.). Vgl. Worcester.
übungen ausgeführt, die ganz unzweckmäßig, Atonalität, Satzstil neuer Musik, der die
ja schädlich sind (ausschließliche Zwerch- Rücksicht auf irgendeine harmonisch fun-
fellatmung, Festhalten des Brustkorbes, dierte Leiter oder Tonika negiert; wenn er
Flankenatmen u. a. m.). Eine natürliche auch unter dem gegenwärtig gebräuchlichen
tiefste Ein- und Ausatmung unter Vermei- System natürlich keine andere Skala ver-
dung der Tätigkeit von Muskelgruppen, wenden kann als die zwölfstufige tempe-
die mit der Atembewegung nichts zu tun rierte. Ihren ersten entschiedenen Ausdruck
haben (Schulternheben u. a.) ist neben all- hat diese Zersetzung oder Negierung der
gemeiner Körperkräftigung die vorteilhaf- Tonalität in Schönbergs drei Klavierstücken
teste übung. Beim Singen richtet sich die op. I I gefunden. Schön berg behandelt das
Tiefe des Einatmens nach dem jeweiligen Problem der A. auch theoretisch in seiner
Bedarf an Luft (lange oder kurze Phrase, Harmonielehre, Wien 1911, Un.-Ed., 3. Aufl.
forte oder piano, Sinn des Satzbaues, tiefe 1922; er ist zur Atonalität freilich mehr
oder hohe Tonlage, schweres oder leichtes durch freien Kontrapunkt, oft durch Poly-
Ansprechen der Stimmbänder). Vor allem tonalität, gelangt. Die konsequente A., wie
darf keine wilde (für die Lautbildung ver- sie z. B. Josef M. Hauer (s. d.) u. J. Goly-
lorengehende) Luft entweichen. Entspre- scheff (s. d.) angestrebt und auch erreicht
chende Einübung ist Sache des Unterrichts haben, arbeitet mit vollkommener Selbstän-
und ist ebenso für Redner und für Bläser von digkeit und Beziehungslosigkeit der 12 Halb-
Instrumenten wichtig. Während sonst die töne des temperierten Systems -die mensch-
Atmung ausschließlich durch die Nase stntt- liche Stimme oder die Streichinstrumente
finden soll und die Zeit für Ein- und Aus- sind als Organe der atonalen Musik eigent-
atmung annähernd gleich lang ist, erfolgt lich nicht brauchbar. Die atonale "Melodie"
für den Gesang die Einatmung sehr kurz, ist also grundsätzlich ein rein mechanisches
die Luft strömt durch Nase und Mund ein, Produkt - die Zahl der Kombinationen be-
die Ausatmung erfolgt wesentlich langsamer trägt 479 001 600 - und stellt eine Contra-
[Ad. Barth]. - Wann geatmet werden soll, dictio in adjecto, eine Absurdität dar, da
ist in der Hauptsache vom Komponisten es dem auffassenden Geist unmöglich ist,
vorgeschrieben; der Bläser darf eine gebun- keine Beziehung zwischen den einzelnen
dene Phrase nicht unterbrechen, der Sänger Tönen herzustellen. V gl. J os. M. Ha u er,
hat außerdem noch auf den Text Rücksicht Deutung des Melos (Wien 1923); HerhErt
zu nehmen und möglichst nur zu atmen, wo Eimert, Atonale Musik/ehre (1924); vgl.
beim Sprechen kleine Pausen gemacht wer- auch Anton Bauer.
den. Besonders ist zu warnen vor dem At- Atrio, Hermanus de,s.Hermannus deA.
Attacca - Attrop. 73
Attacca (ital., falle ein) ist eine besonders Gesangvereine Zürich, Studentengesangver-
bei Tempowechsel oder am Ende eines gan- ein und A ußersiehl ebenfalls zum Dirigenten
zen Satzes, dem noch ein anderer folgt, häu- wählten. 1867 siedelte er nach Zürich über
fige Bestimmung, welche vorschreibt, das und dirigierte von dort aus auch noch Ver-
folgende Plötzlich einzuführen, so daß die eine in Winterthur, Neumünster usw. 1879
eingeschaltete Pause nur eine sehr kurze wurde er auch Organist und Musikdirektor
sein darf. der Augustiner-Kirche zu Zürich und schon
Attacca-Ansatz ist beim Klavierspiel die früher Musiklehrer an der Mädchenschule, in
für stark akzentuierte Einsätze erforderliche der Folge auch Lehrer für Gesangsmethodik
plötzliche Strammung der Muskulatur der an der Zürcher Musikschule, deren Mitdirek-
Arme und der Hände, eine schnelle Kraft- tor (mit Fr. Hegar) er 1879 wurde. Die Uni-
und Druckentwicklung aus unmittelbarer versität Zürich ernannte ihn zum Dr. phi!.
Nähe der Klaviatur, durch welche die häß- h. c. A. gab Sammlungen von Männerchören
liche Wirkung des paukenden, klatschenden heraus (Liederbuch jür M-Gs. 1882, Der deut-
Anschlags aus größerer Entfernung ver- sche Michel f. MCh., Bariton u. Org.), schrieb
mieden wird. auch vieles für gemischten Chor (Lieder für
Attaingnant, Pierre (A ttaignan t, A t- Schule undHaus) und Frauenchor (für FrCh.,
teignan t, spr. atänjang, latinisiert At- Soli und Klavier: Beim Rattenfänger im
tingens), der erste Pariser Musikdrucker, Zauberberg, Es war einmal, Prinzessin Wun-
der Mensuralmusik mit beweglichen Typen derhold, Das Kind der Wüste, Rütlifahrt),
druckte (einfacher Druck: Noten und auch Kinderlieder, Klavierlieder, Messen,
Teile des Liniensystems vereinigt in einer Klavierstücke und leichte Violinetüden. Vgl.
Type; vgl. die Druckprobe in H. Riemanns A. Glück, K. A. (0. J. [1888]) und Ernst
Notenschrift und Notendruck); die Typen Isler, K. A. (103. Neujahrsstück der Zür-
A.'s stammten aus der WerkMatt von Pierre cher Allg. MG. [1915]).
Haultin (s. d.), welcher 1525 seine ersten *
Atterberg, Kurt M., 12. Dez. 1887 zu
Punzen anfertigte. A. druckte von 1528 bis Göteborg, studierte zuerst auf der Techni-
1549. Das ältestederMusiksammelwerkeA.'s, schen Hochschule, darauf (1910-11) am
das auf uns gelangt ist, sind die Chansons Konservatorium in Stockholm (A. Hallen),
nouvelles Mt musique a quatre parties . . . machte dann als Staatsstipendiat die erste
(4. aprilis I527 anle Pascha, d. h. 4. April Studienreise nach Deutschland (1911), wurde
1528); vgl. M. Cauchie, Les deux plus anciens nach seiner Rückkehr nach Schweden als
recueils de chansons polyphoniques imprimes Ingenieur am Patent-Amt angestellt, unter-
en France (Rev. de Musicologie 1924). nahm 1913 die zweite Studienreise nach
1553 firmiert La veujve de P. A ttaingnant. Deutschland (Berliner Techn. Hochschule,
Attaingnants Drucke bringen überwiegend Max Schillings in Stuttgart), um sich dann
Werke von französischen Komponisten der Dirigentenlaufbahn zuzuwenden. Seit
(vgl. Chansons) und sind gerade dadurch be- 1925 ist A. Vorsitzender des Vereins schwe-
sonders wichtig, aber leider sehr selten ge- discher Tonsetzer. Als Komponist steht A.
worden; den größten Bestand besitzt neben in der ersten Reihe der modernen schwe-
der Pariser Nationalbibliothek die Mün- dischen Sinfoniker. Werke: Sinfonien Nr. I
chener Staatsbibliothek. Die Trenle et une H moll oP.3, Nr. 2 F dur op. 6, NI. 3
chanson musicales vom I. Nov. 1529 gab V ästkustbilder (Meeressymphonie) op. IO,
H. Expert 1897 heraus (Bd. 5 der MaUres Nr.4 (Sinfonia Pie cola auf schwedische
musiciens de la Renaissance jranyaise). Volksmotive) op. I4, Nr.5 (Funebre) op.
Von den sieben Klavier- oder Orgel-Tabu- 20, Violinkonzert oP.7, Violoncellkonzert
laturbüchern von 1530-1531 sind die vier Op.2I, Hornkonzert op.28, Chorkantaten:
mit weltlichem Inhalt (4 Bde. und Kom- Requiem op. 8, Järnbäraland op. I6, Der
mentar [5. Bd.]) durch E. Bernoulli in Skalde (Sdngen) oP.25, Opern: Herwarth,
photographischem Faksimile publiziert wor- der Harjner op. I2, Das Wogenroß (Bäcka-
den (München 1914); von den drei mit hästen) op. 24, Pantomimballette Der
geistlichem Inhalt gab Y. Rokseth zwei Schweinehirt op. 9, Die törichten Jung-
heraus (Deux livres d' orgue . . . . , Paris, frauen op. I7, sechs Suiten für kleines
1925 [Bd. I der Publications de la Societe Orchester NI. 1 und 2 ohne Opuszahl, Nr. 3
jranyaise de musicologie]). für Violine, Bratsche und Streichorchester
Attenhofer, Karl, * 5. Mai 1827 zu Wet- oder Klavier op. I9 Nr. I, Nr.4 Turandot-
tingen bei Baden i. d. Schweiz als Sohn eines Suite op. I9 NI. 2, Nr. 5 Barocco op. 23,
Wirtes, t 22. Mai 1914 in Zürich, Schüler von Nr. 6 Orientalische Legende op. 30, Streich-
Dan. Elster (Seminarmusiklehrer zu Baden) quartett op. II, Suite für Streichquartett
und Kurz in Neuenburg, besuchte 1857-58 op. 29, Sonate für ViolonceIl und Piano
das Leipziger Konservatorium als Schüler op. 27, Musik zu Shakespeares Sturm op. I8,
von Richter, Papperitz (Theorie), R. Drey- Rhapsodie für Piano und Orchester op. I,
schock, E. Röntgen (Violine) und K. Schlei- Sinfonische Dichtung für Baryton und Or-
nitz (Gesang) und wurde 1859 als Gesnng- chester op. 5, Rondeau retrospectif für Or-
und Musiklehrer zu Muri (Aargau) angestellt. chester op. 26, Ouvertüren für Orchester
1863 wurde er Dirigent eines Männergesang- oP.4 und I3.
vereins in Rapperswyl, mit dem er auf dem Attrup, Carl, dänischer Komponist und
eidgenössischen Musikfest 1866 Aufsehen Organist, * 4. März 1848 und t 5. Okt. 1892
machte, so daß ihn die Zürcher Männer- zu Kopenhagen, Schüler von Gade und 1869
Attwood - Auber.

&ein Nachfolger als Orgellehrer am Konser- stück als Gebet in der Stummen konserviert
vatorium zu Kopenhagen, 1871 Organist der ist, folgte die Oper; Le sejour militaire (TM-
Friedrichskirche, 1874 Organist der Erlöser- ätre Feydeau 1813), die aber wie auch Le
kirche und Orgellehrer am Blindeninstitut. testament(Les billets doux 1819) nur geringen
A. veröffentlichte wertvolle instruktiveOrgel- Erfolg hatte. Die erste Anerkennung rang
stücke, eine Orge]schule, auch Lieder. . er 1820 der Kritik ab mit La bergere chdte-
Attwood (spr. ättwudd), Thomas, '" 23. laine und drang nun mehr und mehr durch,
Nov. 1765 zu London, t 24. März 1838 auf zunächst 1821 mit Ermna (La promesse im-
seinem Landsitz Cheyne Walk bei Chelsea; prudente) und mit einer Reihe kom. Opern auf
Kapellknabe der königlichen Vokalkapelle Texte Scribes: Leicester (1822); La neige
unter Nares und Ayrton, studierte 1783-8:~ (Le nouvet Eginhard, 1823); Vendome en
zu Neapel unter Filippo Cinque und Gae- Espagne (zusammen mit Herold, 1823); Les
tano Latilla, darauf bis 1787 in Wien unter trois genres (mit BOieldieu, 1824); Le con-
Mozart. 1795 wurde er Organist der Pauls- cert a la wur (1824); Uocadie (1824); Le
kirche und 1796 Komponist der Kgl. Vokal- mac;on (Maurer und Schlosser, 1825). Mit
kapelle, 1821 Organist der Privatkapelle letzterer Oper tat A. den ersten Wurf von
König Georgs IV. zu Brighton und 1836 Or- bleibender Bedeutung; sie machte ihn zu
ganist der Kgl. Vokalkapelle. Anfänglich einem der Hauptvertreter der komischen
widmete sich A. überwiegend der Oper, spä- Oper, in dem sich das echt Französische:
ter mehr der Kirchenmusik. Er schrieb 19 Grazie, Liebenswürdigkeit, Leichtigkeit ver-
Opern, viele Anthems, Services und andere körpert, wie außer ihm nur inBoieldieu. Ein-
Gesänge, auch Klaviersonaten usw. Men- mal (in La neige) hatte A. sich an Rossini an-
deissohn widmete A. die 3 Orgelfugen op. 37. gelehnt und die Koloratur kultiviert; im
über seine Studien bei Mozart vgl. C. B. Maurer ist davon nichts mehr zu spüren .
Oldman in der Scheurleer-Festschrift(192 5). Nach zwei geringeren Werken: Le timide
Aubade (spr. öbäd'), vom provenc;alischen und Fiorella (beide 1826), folgte nach ein-
alba, dem heutigen aube (Tagesgrauen) = jähriger Pause A.'s erste große Oper, die
Tagelied, bei den Troubadours und ihn auf den Gipfel des Ruhmes brachte, La
Minnesängern Gesänge, welche die Trennung muette de Portici (1828), das erste jener drei
der Liebenden beim Tagesanbruch zum Werke, welche in schneller Aufeinanderfolge
Vorwurf haben (vgl. die Tagelieder in P. einen vollständigen Umschwung in den
Runges Die Sangesweisen der Kolmarer Spielplan der Großen Oper brachten (die
Handschrift, 1896, das Witzlavs in der Jena- beiden andern sind: Rossinis Tell 1829 und
er Handschrift usw.), also das Gegenteil von Meyerbeers Robert der Teufel 1831). Der
Serenade. Wie der Name der letztern, so ist Meister der komischen Oper entfaltet hier
auch der der A. auf Instrumentalmusiken eine Großartigkeit der Anlage, dramatischen
(M argensländchen ) übergegangen (Lalo Schwung, Feuer, Leidenschaft, die man
schrieb eine A. für Streich- und Blasinstru- nicht in ihm gesucht hatte und die ihm in
mente, Bizet für Gesang mit Klavier, St. der Tat auch weniger zu Gebote standen.
Heller und Schulhoff für Klavier). V gl. Die Handlung dieser Oper steht in inniger
Georg Schläger, Studien über das Tage- Beziehung zu der gärenden Stimmung der
lied (1895), W. de Gruyter, Das deutsche Zeit ihrer Entstehung; sie gewann sogar ei.ne
Tagelied (1887, Dissertation). geschichtliche Bedeutung dadurch, daß 1830
Auber (spr.obär), Daniel Franc;ois ihre Aufführung in Brüssel das Signal :[ür
Esprit, * 29. Jan. 1782 zu Caen (Norman- den Aufstand gab, der mit der Trennung
die), der Heimat seiner Eltern, welche aber Belgiens und Hollands endete. Der Stum-
~n Par~ ansässig waren, t 12./13. Mai 187 I men folgte zunächst La /iancee (Die Braut,
lil Pans während des Kommune-Aufstandes. 1829), ein bürgerliches Genrestück wie Jl2au-
A's. Vater, Offizier am Hofe Ludwigs XVI.. rer und Schlosser, und 1830 das elegantere
malte, sang und spielte Violine und betrieb Fra Diavolo, Aubers populärste Oper. Es
nach der Revolution einen Handel mit folgten; Le dieu et la Bayadere (1830;
Kunstgegenständen (Kupferstichen usw.); gleich der Stummen mit einer stummen, aber
der Großvater war pdntre du roi (Hofmaler). tanzenden Hauptperson); La Marquise de
Schon mit 11 Jahren schrieb der Knabe Ro- Brinviltiers (1831, mit acht andern Kompo-
manzen, die in den Salons des Direktoriums nisten zusammen); Le phittre (Der Liebes-
beliebt wurden. Der Vater bestimmte ihn trank, 1831); Le serment (Der Schwur oder
für den Kaufmannsstand und schickte ihn Die Falschmünzer, 1832); Gustave III (Der
nach England; allein A. kam wieder (1804). Maskenball, 1833); Lestocq (1834); Le chevai
mehr Musiker als zuvor. 1806 ließ er sich als de bronze (Das eherne Pferd, 1835; zum
Mitglied in die Gesellschaft der Kinder großen Ballett erweitert 1857); Acteon, Le,
Apotlons aufnehmen, der auch sein Vater chaperons btancs, L' ambassadrice (1836) :
angehörte; er wird damals schon als Com- Le domino noir (1837); Le lac des Fees
positeur bezeichnet. Das Feld der dramati- (1839); Zanetta (1840); Die Krondz:amanteJ~
schen Komposition betrat er mit ]ulie (18II, (1841); Le duc d'Otonne (1842); Des Teufels
privatim auf Schloß Chimay) und ]ean de Anteil (1843); La Sirene (1844); La bMca-
Couvin (1812 das.). Cherubini, der der Vor- rolle (1845); Haydee (1847). Die letzten
stellung beiwohnte, veranlaßte A. zu ernst- Werke Aubers fallen allmählich ab und zei-
haften Kompositionsstudien unter seiner Lei- gen Spuren des zunehmenden Alters ihres
tung. Einer Messe, von welcher ein Bruch- Schöpfers; L'en/ant prodigue (1850); Ze"-
Auberlen - Aubry. 75
line (Das Orangenkörbchen, 185 I); M arca gedruckt); Märchenspiel La F oret bleue
Spada (1852, zum großen Ballett erweitert (1907; Genf 1913; Paris 1924); Klavier-
1857); Jenny Bell (1855); Manon Lescaut quintett (unvollendet); Sonate für Violine
([856); Magenta (1859); Die Cirkassierin und Klavier(1927) ; Introduktion und Allegro
(1861); La jiancee du roi de Garbe (1864); für Flöte und Klavier (1922); Orchester-
Der erste Glückstag (1868); Reves d'amour werke Habanera (1919) und Dryade (1924);
(1869) und einige Gelegenheitskantaten. In Caprice für Violine und Orchester (aufgeführt
den letzten Tagen seines Lebens hat er meh- 1925); Gesänge, darunter die Zyklen Six
rere nicht veröffentlichte Streichquartette Poemes arabes (1907) und Crepuscules d'au-
geschrieben. 4 Cellokonzerte von A. er- tomne (1910). Vgl. L. Vuillemin, L. A. et
schienen unter dem Namen seines Freundes son ceuvre (1921); R. Bernard, L. A. (Rev.
Hurel de Lamare (s. d.). A. wurde 1829 Mus. Febr. 1927).
als Nachfolger GDssecs Mitglied des Insti- Aubert (spr. öbär), Pierre Franc;ois
tuts~ 1842 Direktor des Konservatoriums ;Na- Oli vier, * 1763 zu Amiens, t ca. 1830, durch
poleon II!. ernannte ihn 1857 zum kaiser- 25 Jahre Mitglied des Orchesters der Komi-
lichen Hofkapellmeister. Vgl. A. Dele helle, schen Oper in Paris, war ein vortrefflicher
A. (1861 i. d. Correspondance litteraire), B. Cellist und Lehrer seines Instruments (zwei
J ouvin, D. F.A. Sa vie et ses ceuvres (1864), Cello-Schulen, Solostücke, auch eine Histoire
E. de Mirecourt, A. (Paris 1867), A. Pou- abregee de la musique ancienne et moderne
gin, A. (1873), Ad. Kohut, Auber (1895) 182 7).
und Ch. Malherbe, A. (1911 in Les Musi- Aubery du Boulley (spr. öbäri dü bülä).
ciensceleb,'es), auchR.Wagner, Ges. Sehr. IX. Prudent Louis, * 9. Dez. 1796 und t im
Auberlen, Samuel Gottlob, * 23. No- Februar 1870 zu Verneuil (Eure); Schüler
vember 1758 zu Fellbach bei Stuttgart, von Monsigny, Mehul und Cherubini am
t 6. Juni 1817 zu Ulm, Violinschüler von Pariser Konservatorium (bis 1815). Unter
Heinr. Ritter, reiste als Violinist, war dann seinen etwas flachen Kompositionen (156
Akzessist im Stuttgarter Hoftheaterorche- Werke) befinden sich Kammermusikwerke
ster, 1791 Musikdirektor in Zofingen, weiter (für Klavier, Violine, Flöte, Bratsche usw.),
in Winterthur, 1807 in Schaffhausen Kathe- in denen Gitarre mitwirkt. Er schrieb:
dral-Organist und Musikdirektor in Ulm. A. Grammaire musicale (1830, Allgemeine Musik-
gab Lieder heraus (1784), eine Schulchor- lehre) , Des associations musicales en France
gesang schule (18 17), Gellerts Geistliche Oden (1839) und La Societe Philharmonique de
und Lieder mit 4 st. Chorälen und eine Selbst- l'Eure (1859). Vgl. J. de l'Avre, A. du B.
biographie A.s Leben, Meinungen und Schick- ( 1896).
sale(1824). Vgl. D. Stuart, S.G.A. (Tübinger Aubry (spr. öbri), Pierre, * 14. Febr.
Diss. 1924, ungedr.). 1874 zu Paris, t 31. Aug. 1910 zu Dieppe
Aubert (spr. öbär), Jacques, * 1678, (beim Florettieren erstochen), verdienter
t zu Belleville bei Paris 19. Mai 1753, Violi- musikalischer Paläograph, besonders au;f
nist im Orchester der Großen Oper und der dem Gebiete der mittelalterlichen geistlichen
Cor:certs spiri tu eis , 1748 deren Konzert- und weltlichen Musik, Professor der orien-
meister und Surintendant des Herzogs von talischen Sprachen, hielt musikhistorische
Bourbon, schrieb 5 BücherViolinsonaten mit Vorträge an der musikalischen Abteilung
Baß (1719), auch Sonaten für die 5 saitige der Ecole des hautes etudes sociales zu Paris.
Viola (Quinton) ap.4, Violinduette op. I5, Seine Publikationen sind: Huit chants
sowie Stücke für Viellen, Musetten usw. hBroiques de l'ancienne France (1896), Me-
(Cancert de Simphanies [6 Hefte] und Le langes de musicologie critique (I. La Musi-
petit concert), 1716-35 für die Theater cologie medt'evale 1900; 2. Les proses d' Adam
der Foire St. Germain und der Foire de Saint Victor, 1900 mit AbM Misset
St. Laurent die Musik zu vielen Komödien 3. Lais et Discorts jranyais du XIII e siecle,
und für die Große Oper 1713-1746 sechs 1900 mit Alfred J eanroy und Louis Bran-
Ballette. V gl. M ercure musical 13. Mai 1906 din; 4. Les plus anciens monuments de la
(L. de la Laurencie). Je eineViolinsonate musique jranyaise, 19°3, mit 24 Photo-
von Jacques und Louis A. erschienen in Neu- typien); Essais de musicologie comparee
ausgabe von Debroux (Ecale du violan au (I. Le rythme tonique dans la poesie litur-
XVlIe et XVIIIe siecle, Paris, Senart). gique et dans le chant des eglises chretiennes
Aubert (spr. öbär), Louis, Sohn von au mayen-age, 19°3, 2. Esquisse d'une
Jacques A., * 15. Mai 1720 zu Paris, t nach bibliographie de la chanson populaire en
1779, war 1755 bis 1771 Konzertmeister der Eurape, 1905); La musique et les musiciens
Großen Oper (Sinfonien, Violinsonaten). d'eglise en Normandie au XIlIe siecle
Aubert (spr. öbär), Lou is Franc;oisMarie, d' apres le Journal des visites pastorales
*I9.Febr.1877 zuParame; Schüler des Pariser d'Odon Rigaud (1906); Estampies et Danses
Konservatoriums (Diemer, Lavignac, Vidal royales (Les plus anciens textes de musique
und vor allen G. Faure), feinsinniger fran- instrumentale au moyen-age, 1907); Recher-
zösischer Komponist impressionistischer N ei- ehes sur les "Tenors" jranyais dans les motets
gung. Er schrieb: Suite breve für Or- du Xille siecle (1907); Recherehes sur les
chester ap.6 (1900); Fantaisie für Klavier "Tenors" latins dans tes moteis du X I I I e
und Orchester H moll op. 8 (1899); drama- siecle (mit A. Gastoue 1907); Les caracteres
tisches Werk La Legende du sang (zwei de danse (Histoire d'un divertissement pen-
Stücke: HaUne .und lnvocation a Odin dant la premiere moitie du XVllie siecle,
76 Audenarde - Auer.

I905); Au Turkestan (Noies su-j' quelques von M. P. A., *


11. April 1842 zu Lyon,
habitudes musicales ckez les Tadiites et chez t 17· Aug. 1901 zu Tierceville (Seine et Oise),
les Sartes, 1905); Le Roman de Fauvel (1907, studierte am Niedermeyerschen Kirchen-
Faksimileausgabe der Pariser Handschrift musikinstitut und kam mit dem Vater 1861
f. franc;. I46 mit Index der Musikeinlagen nach Marseille, wo er Kapellmeister der
und Erläuterungen von A.) und Cent Josephskirche wurde. Seit 1877 lebte A. in
motets du XlIIe siecle (1908, 3 Bände; Paris ausschließlich der Operettenkomposi-
phot. Faksimile und übertragung des Cod. tion. Er hat 38 Opern und sehr graziöse Ope-
Bamberg Ed. IV. 6 und etudes et commen- retten und eine Pantomime mit Erfolg in
laires, eine sehr bedeutsame Publikation), Marseille und Paris zur Aufführung gebracht
Troubadours et Trouveres (1909 in Alcans (Le Grand Mogol ;877, La Mascotte 1880,
J1! aftres de la musique), Refrains et rondeau x Gillette de N arbonne, Lcs no ces d'Olivette,
du XIIle siecle (1909 in der Riemann- Oncle Celestin 1891, Miss H elyett, La duchesse
Festschrift). Eine Faksimile-Ausgabe des de Ferrare 1895 usw.), auch eine Messe,
Chansonnier de I' Arsenal (mit übertragung ein Oratorium usw.
und Kommentar) hatte zu erscheinen be- Audran (spr. 6drang), Marius Pierre,
gonnen, als A. starb. Dazu kommen noch *
Sänger, 26. Sept. 1816 zu Aix en Provence,
eine ganze Reihe zum Teil anregender Auf- t 9· Jan. 1887 zu Marseille, dort Schüler von
sätze im Courrier musical 19°3-19°8 (auch E. Arnaud, dann am Konservatorium in
separat) mit Faksimilierungen geistlicher Paris, wo er indes, als seinen Eltern die Mittel
und weltlicher mittelalterlicher Gesänge: ausgingen, keine Freistelle erhielt (Cherubini
Une Estampida de Rambaut de Vaqueiras und Leborne meinten, er habe kein Talent),
(19°3); Un coin pittoresque de la vie artistique so daß sein alter Lehrer Arnaud ihn zu
au XIIle siecle (1904); La chanson de Bele Ende ausbilden mußte. Sieben Jahre später
Aelis (1904 mit R. Meyer und J. Bedier); war A., der unterdessen bereits in Marseille,
IV poesies de Marcabru (1904); La ryth- Brüssel, Bordeaux und Lyon mit Erfolg
mique musicale des troubadours et des aufgetreten war, erster Tenor an der Ko-
tro-uveres (1907) u. v. a. Auch schrieb A. mischen Oper zu Paris, Solist der Konser-
die Einleitung zu einer kleinen Sammlung vatoriumskonzerte und Mitglied der Jury
von (10) Chants populaires armeniens (1912, des Konservatoriums. Von 1852 ab führte
gesammelt von G. Boyadjan, mit Klavier- er ein unruhiges Leben, gastierend und
begleitung von A. Serieyx, französischer Kunstreisen machend, bis er sich 1861 in
Text adaptiert von A. Tschobanjan). Marseille niederließ, wo er 1863 Direktor
Eine N otice necrologt'que mit Verzeichnis der und Gesangsprofessor des Konservatoriums
Werke A.s wurde 19II gedruckt (nicht im wurde. A. hat auch eine Anzahl gefälliger
Handel). A. hat durch seine Arbeiten viele Lieder geschrieben.
mittelalterliche Melodienotierungen erst- *
Auer, Leopold [von], 7. Juni 1845 zu
malig bekanntgemacht. Seine Art, sie zu Veszprem in Ungarn, am Budapester Kon-
lesen und zu übertragen (nach den Prin- servatorium Schüler von Ridley Kohne,
zipien der Frankonischen Mensuraltheorie), sodann am Wiener Konservatorium 1857
war freilich irrtümlich (vgl. Choralnote). bis 1858 von J. Dont, endlich zu Hannover
Die seit 1907 von ihm an gewandte Deutung von J. J oachim, er hielt seine erste Anstel-
im Sinne der vorfrankonischen Theorie der lung 1863 als Konzertmeister in Düssel-
Modi (vgl. W. Niemanns gründliche dorf, ging 1866 in gleicher Eigenschaft nach
Dissertation) hat J.-B. Beck in Straßburg Hamburg und war seit 1868 zu Petersburg
mit Erfolg als sein geistiges Eigentum Soloviolinist des Kaisers und Violinprofessor
reklamiert; wahrscheinlich irren aber beide, am Konservatorium. 1887-92 leitete er
wenn sie dabei an wirkliche Mensur denken, die Konzerte der kaiserlichen russischen
und es handelt sich vielmehr nur um durch Musikgesellschaft. 1895 wurde er in den
die Motets (s. d.) angeregte Versuche der erblichen Adelsstand erhoben und 1903
Durchführung dreisilbiger (daktylischer, ana- zum Staatsrat ernannt. Seit 19II lebte
pästischer) Versbildung neben der vorher er bei Dresden, ging 1914 nach Petersburg
allein herrschenden zweisilbigen (jambischen zurück, 1917 nach Oslo; im Februar 1918
und trochäischen) in der Vulgärpoesie (vgl. ging er nach Neuyork. Er schrieb: Violz"n
H. Riemann, Handbuch der MG. 12, S. Playing asI Teach it (1921); My LongLije
192ff.). Von solchen wohl nur die Noten- in Music (1923); Violin Master Works and
form der Longa und Brevis für die Unter- their Interpretation (Boston 1925).
scheidung schwerer und leichter Zeiten ver- *
Auer, Max, 6. Mai 1880 zu Vöcklabruck
wendenden Notierungen der zweiten Hälfte (Ob.-Osterr.), absolvierte die Lehrerbildungs-
des 13. Jahrhunderts Rückschlüsse auf die anstalt III Salzburg, war 1900-1915 Volks-
rhythmische Beschaffenheit der solche Unter- schullehrer und -machte 1912 in Wien nach
scheidungen nicht kennenden Melodienotie- autodidaktischer Ausbildung die Staats-
rungen der provenzalischen Trou badours zu prüfung für Musik. 1912 Prof. h. c.; Musik-
machen, fehlt die Berechtigung. pädagoge, Musikschriftsteller - vor allem
Audenarde(spr. ödnard), (Stadt). Vgl.E. Brucknerforschl"r, undChordirektor in seiner
Van der Straeten, Coup d' ceil sur la Geburtsstadt. Werke: Anton Bruckner,
musique actuelle a A. (185 I) und Recherches 1906/7 entstanden (Wien 1923); A. Bruckner
sur la must-quea A. avant le I9" siede (1856). als Kirckenmusiker, 1912 (Regensburg 1927);
Audran (spr. 6drang), Edmond, Sohn A. Bruckner. Gesammelte Briefe_ Neue
Aufführungspraxis - Auftakt. 77
Folge (Regensburg) ; Vollendung der von veraltete und gänzlich zwecklose Zeichen-
Anton Göllerich begonnenen Biographie häufungen. An deren Stelle hat Emil Ergo
A. Bruckner Band II (2 Halbbände 1927), ebenso wie an Stelle der Doppelkreuze die
UI und IV (in Vorbereitung); Studien und folgenden neuen Zeichen vorgeschlagen:
Aufsätze in Zeitschriften. f# (Doppelkreuz), ~ (Doppel- Be) mit
Aufführungspraxis. - Vgl. Interpreta- den entsprechenden Widerrufungen lP
tion. und ~ ; diese Zeichen verbürgen volle
Auflösung nennt man die durch die Deutlichkeit der Absichten und vermeiden
spannende Wirkung einer Dissonanzbildung Zeichenhäufung ; z. B.:
bedingte Fortschreitung einer oder mehrerer
Stimmen. Je nach der Natur der D issonanz- ~~ eis eisis eis e
bildung wird entweder eine A. bei blei-
bender Harmonie oder aber die Fort-
schreitung zu einer neuen Harmonie er- oder
iJ V dir br Fr
wartet, ersteres bei sogenannten Vorhalten, ~ I,~ as. ases as a
wo statt eines Akkordtones ein demselben j~" .. ~ .. I~ .. IIIL::=
benachbarter Ton eingestellt ist (kleine
oder große Ober- ,oder Untersekunde, meist Dagegen sind manche Komponisten und
aus der vorausgehenden Harmonie herüber H~rausgeber allzu sparsam mit Versetzungs-
gehalten), dessen nachträglicher Wegtritt zeichen, wenn sie in stark modulierenden
daher als A. der Dissonanz erwartet wird. Partien mit etwa vorgezeichneten Been
z. B.: ' und Kreuzen rechnen, die ganz außer dem
Bereich der gerade herrschenden Tonart
l~egen. Zur Vermeidung von Zweifeln emp-
hehlt es sich, Zeichen, die nur als Lesehilfe
im Takt hinzugefügt oder wiederholt werden
durch Einklammerung zu kennzeichnen:
D T S T
Aufsätze heißen in der Orgel die Schall,·
Dagegen drängen chromatisch veränderte becher der Zungenpfeifen, welche entweder
Akkordtöne (alterierte Töne) zur Fort- aus Holz und dann umgekehrt pyramidal
schreitung in eine neue Harmonie. der oder aus Metall (Orgelmetall, auch Zink)
als Prim, Terz oder Quinte der Tori an- ~nd dan~ trichterförmig oder zylindrisch
g~hört, zu Welchem der alterierte Ton leitet: sl~d. DIe A. sind zur Erzeugung der
Teine der Zungenpfeifen nicht nötig, wie
man am Harmonium sieht, geben ihnen
~ ~ IJ ~ ; b:i ~ , aber eine Kraft und Fülle, welche ohne sie

iYi- ' , 1# Il r " I~


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nicht erreichbar wäre. Je mehr sich die
A. nach oben erweitern, desto glänzender
und durchdringender, je mehr sie sich ver-
engen, desto dunkler und ruhiger wird der
Klang. übrigens ist die Höhe der A. nicht
Auf der Erfüllung solcher Erwartungen be- ohne Einfluß auf die Tonhöhe ; ein zylind-
ruht die Selbstverständlichkeit musika- rischer Aufsatz von mehr als der halben
lischer Entwicklungen, auf ihrer Nicht- Länge einer den Ton der Zunge gebenden
erfüllung das überraschende von. Anders- offenen Labialpfeife vertieft den Zungenton
wendungen. In der neueren Musik werden erheblich, die ganze Länge vertieft ihn
vielfach Zusammenklänge, dü~ nach der sogar um eine Oktave usw. Es scheint,
Dreiklangslehre als dissonant gelten, wie ~aß in sol~hen Fällen auch die Metallzunge
konsonante Akkorde behandelt. Hieraus Ihre Schwmgungen denen der Luftsäule des
ergeben sich neue Gesetzmäßigkeiten, die A~fsatzes angleicht und ähnli,ch funktioniert
bis zur völligen Aufhebung des Auflösungs c Wie membranöse Zungen. Vgl. Blasinstru-
bedürfnisses führen können. Anstelle der mente.
Nichtauflösung wird dann gerade die Auf- Aufschnaiter, Benedikt Anton, seit
lösung mit ihrer Einführung von Kon- Georg Muffats Tode 1704 Kapellmeister der
sonanzen zum besonderen Ausdrucksmittel Kathedrale zu Passau, wo er 1742 starb,
und unterliegt Beschränkungen in ihrer An- gab heraus: Cymbalum Davidis (4st. Vesper-
w~ndl:lng,. ähnlich wie im rei~en Dreiklangs- psa~men mit Instrumenten 1729), Aquila
stil.dIe NIchtauflösung der DIssonanz. clangens (4st. Offertorien mit Instr,umenten
Auflösungszeichen, auch Quadrat ge- 1719), Concors discordia (Sonaten a 5:2 V.,
nannt, (~), ;hebt die Geltung eines Kreuzes 2 Vle. und Vne. 1695) und Dutcis tidium
(~) oder Be (~), Doppelkreuzes (x) oder harmonia (Kirchenkonzerte für 2 V.d1,
Doppel-Be (~~) auf und stellt den Stammton concerto, 2 V. di ripieno, VIa., V/ne. und
I wieder her. Soll nach einem versetzten B. c.1703).
Tone ein anderer versetzter ders.elben Stufe Aufschnitt s. Labialpfeifen.'
eintreten, so genügt durchaus das diesen Auftakt heißt jeder mit einem, folgenden
deutlich fordernde neue Zeichen, .und schwereren zur engeren Einheit des Motivs,
es', bedarf nicht 'außerd~m noch ~ines ~" zuS<trp.mengehörige Zeitwert, insbesondere
das das alte aufhebt. DIe ~~, ~psllld, also at,l()h jeder ein Tonstück beginnende Wert,
78 Augener - Aulin.

der nicht auf den Niederschlag des Taktes dieser Umwandlung gab die Firma u. a.
iällt (vgl. Dirigieren), z. B.: die Ausgaben und Schriften Riemanns und
die Erstlingswerke Max Regers an B.
Schotts Söhne in Mainz ab. 1913 ging
die Firma an B. Schott über, doch wurde
Schott durch den Krieg als Eigentümf'r
das vor dem ersten Taktstrich stehende wieder beseitigt.
Achtel. Unsere Notenschrift macht durch Augmentation, 1) die Verlängerung des
den Taktstrich und durch die Lücken Themas (Verdoppelung der Notenwerte,
zwischen den durch gemeinsame Balken doppelt so langsam) in der Fuge und andem
verbundenen Achteln usw. die relativ schwe- kontrapunktischen Bildungen. Vg!. Ver-
ren Werte leicht erkennbar, weckt aber kürzung. - 2) In der Mensuralmusik das
dadurch leider den Schein der engeren Gegenteil der Diminution (s. d.), d. h.
Zusammengehörigkeit der zwischen zwei in der Regel nur die Wiederherstellung der
Taktstrichen stehenden oder durch einen gewöhnlichen Notengeltung. Vgl. Pro-
Balken verbundenen Noten: portion.
a) Augsburg (Stadt). Vg!. O. Mair,

'Öfii Jj? Im 7H Im
A. Gumpelzhaimer, Beiir. zur MG. Augs-
burgs im I6. und I7. Jahrhundert (1908).
V gl. auch die eine fast vollständige Musik-
L...:......-:=J I I L--..J t I L--. geschichte A.s bietenden Einleitungen von
Es kann nichts Verkehrteres geben, als fort- DTB. VI (Sandberger), IX2 (Seiffert),
gesetzt von einer schweren Note bis vor die Xl (Kroyer), X2 (Mair); ferner F. A.Witz,
nächste schwere Motive zu rechnen (a) und Versuch einer Gesch. der theatral. V orstcl-
eine beginnende leichte sozusagen für sich lungen in A. (1876); A. Greiner, Die A.e?'
allein, als vorausgegeben zu betrachten oder Singschule in ihrem inneren und äußeren
wohl gar mit der Schlußnote zu verrechnen. Aufbau (1924).
Die Auftaktigkeit der Motive ist nicht nur Augustinus, Aurelius (Sanet A.), Kir-
eine mögliche Form, sondern der eigentliche chenvater, * 13. Nov. 354 zu Tagaste in
Ausgang, die Urform alles musikalischen Numidien, t 28. Aug. 430 als Bischof von
Lebens. Der Satz, daß alle Figuration Hippo (jetzt Bone in Algerien). Die Werke
zunächst, im Prinzip, neue Auftaktwerte des heil. A. enthalten sehr wichtige Zeugnisse
bringt, istzuerst 1806 von J. J .de Momigny über den Stand der Musik in der ältesten
(s. d.) aufgestellt worden und erst nach christlichen Kirche, besonders über den
langer Pause aufs neue von H. Riemann sogenannten Ambrosianischen Gesang. A.
in seiner Musikalischen Dynamik und Agogik wurde 387 durch Ambrosius selbst getauft
(1884), wo der allmähliche Verfall der und befreundete sich mit ihm aufs innigste.
rhythmischen Theorie nachgewiesen ist. Er hat auch ein Werk De Musica libri VI
über die Bedeutung an die schweren Zeit- geschrieben, das aber nur von der Metrik
werte angehängter leichter Zeihverte vgl. handelt (Ausg. mit Anm. Paris 1836). In
"Weibliche Endung" und "Anschlußmotiv". seiner Psalmenerklärung benutzte A. ältere
über nicht als einfacher A. zum folgenden Quellen. Das 10. Buch cap. 33 der CO'/1.-
.i\Iotiv, sondern in höherem Sinne zu einem jessiones berichtet über die Tätigkeit des
folgenden Thema gehörende überleitungen Athanasius von Alexandrien für den Vortrag
vg!. " Generalauftakt". der Psalmen und enthält musikästhetische
Augener &Co., bedeutendeLondonerVer- Ausführungen. Vgl. Karl Schmidt, De
iagsfirma, gegründet 1853 von Ge 0 r g e musicis scriptoribus Romanis (1899); J ean
Augener (t 25 Aug. 1915), zuerst als Hure, Saint Augustin musicien (1924).
Agentur deutscher Firmen (besonders C. F. Aulen, J ohannes, gediegener Kom-
Peters), bald aber selbständig (A ugener' s ponist des 15. Jahrhunderts, wahrscheinlich
Edition seit 1867), die sich schnell zu ein Deutscher, von dem eine dreistimmige
großem Umfang entwickelte und sich auch Messe in den Codd. Z. 2I der Berliner Kgl.
in größerem Maßstabe auf theoretische Bibliothek und 1494 der Leipziger Univer-
IN erke ausdehnte (Prouts neunbändige Kom- sitäts-Bibliothek und gedruckt eine Motette
positionslehre, Riemanns Vereinfachte Har- beiPetrucci 1505 erhalten sind. Vgl.Kirchen-
monielehre u. a.). Die Firma errichtete musikahsches Jahrbuch 1897 (H. Riemann).
1878 eigene Stecherei und Druckerei, letztere AuIin, Tor, Violinist, * 10. Sept. 1866
unter Leitung von George A.s Sohn Wil- und t I. März 1914 in Stockholm, Schüler
liam. Der Verlag brachte von Ernst Pauer von Emil Sauret und Philipp Scharwenka
revidierte Klassikerausgaben, auch Rie- in Berlin, 1889-1902 Konzertmeister der
mannsche Phrasierungsausgaben. Auch gibt Kgl. Oper in Stockholm, Stifter (1902) und
die Firma seit 187 I die MusikzeitungM onthly Dirigent des Stoekholmer Konzertvereins
Musical Record heraus (Mitarbeiter E. und seit 1909 Dirigent des Gothenburger Sin-
Prout, Fr. Niecks, E. Pauer, Dr. Shedlock, fonieorchesters. 1887 gründete er das auch in·
Dr.A.Eaglefield-Hull u.a.). Der kombinierte Rußland und Deutschland geschätzte
Verlag A. & Co. und Cocks & Co. wurde 1904 "Streichquartett AuIin" (Mitglieder 1912:
in eine Genossenschaft mit beschränkterHaft- A., G. Molander, R. Claesson und S. Blom-
pflicht umgewandelt (A. limited). 1910 zog quist; dazu als Pianist W. Stenhammar). A.
der Gründer, George A., sich zurück. Bei erfreute sich auch als Virtuose eines bedeu-
Aulin - Ausdruck. 79
tenden Rufes. Als Komponist trat er mit 3 ten Gruppe der "Sechs" an; er ist jetzt Mu-
Violinkonzerten, einer Orchestersuite Meister sikkritiker der Nouvelles Litteraires. Er
Gluj OP.22, einer Sonate für V. und Kl. schrieb: Ballette: Les Noces de Gamache; Les
D moll op. I2 und kleineren Violinsachen Fdcheux; Les Peticans; Les Matelots Paris
hervor (Kleine Suite, Idyllen, Stücke op. I5, 1925, Gaite); La Pastorale (1926, Russisches
I6, IB, 2I). Ballett); komische Oper, einaktig: La Reine
AuIin, Valborg, schwedische Kompo- de CQJur. Für Orchester: Fox Trott; Noc-
*
nistin, Schwester von Tor A., 9. Jan. 1860 tu-rne; Suite; für Klavier: drei Pastorales;
zu Gäfle, studierte 1877-82 am Stock- Gesänge: Les Joues en jeu; Alphabet-Recueil
holm er Kgl. Konservatorium, dann, 1885 de Chansons pour enjants.
bis 1887, bei Gade und Godard. Sie ist Aurresku, spanischer Tanz aus der bas-
Pianistin und lebt in Orebro. Schrieb: kischen Provinz; das baskische Wort A.
2 Streichquartette, Klaviersonate, Klavier- bedeutet "rechte Hand". Der Tanz heißt
stücke, Lieder, Chorwerke, Orchestersuite. auch eskudanza oder baile real und besteht
[de l']Au1naye (spr. dö lönä), Fran~ois aus 8 Teilen, zu denen der zortzico, der
*
Henri Stanislaus, 7. Juli 1739 zu Ma- jandango und ein Final-Galopp gehören. Vgl.
drid von französischen Eltern, t 1830 in F. Gascue, EI A. en Guipuzcoa a jines dei'
Chaillot bei Paris; kam früh nach Versailles siglo XVIII.
und wurde bei Gründung des Pariser Muse- Ausdruck (ital. Espressione, franz. Ex-
ums als dessen Sekretär angestellt. Die Revo- pression) nennt man die feinere Nuancierung;
lution brachte ihn um seine Stellung, und im Vortrage musikalischer Kunstwerke, wel-
er starb im Armenhause. A. schrieb De la che die Notenschrift nicht im einzelnen aus-
saltation thedtrale (über den Ursprung der zudrücken vermag, d. h. alle die kleinen
Pantomime, 1790) und 1\iUmoire sur un Verlangsamungen und Beschleunigungen, so-
nouveau systeme de notation musicale (1785). wie die dynamischen Schattierungen, Ak-
Vgi.. J. Wolf, Hb. d. Notationskunde II zentuationen und verschiedenartigen Ton-
(19 19 ). färbungen durch die Art des Anschlags
Aulos, altgriechisches Blasinstrument, (Klavier), Strichs (Violine usw.), Ansatzes
war nach unanfechtbaren Ergebnissen neu- (Blasinstrumente, Singstimme) usw., welche
erer Forschungen (besonders A. Howard, in ihrer Gesamtheit als ausdrucksvoller
The Aulos or Tibia, I893) nicht eine Flöte, Vortrag bezeichnet werden. Wollte der
sondern eine Schalmei mit doppeltem Komponist alle die kleinen Akzente mit
Rohrblatt, aber zufolge des zylindrisch ge- A > si usw. bezeichnen, die beim kunstgerech-
formten Rohres quintierend wie die Klari- ten Vortrag eines Werkes unerläßlich sind, so'
nette, hatte auch bereits wie diese das würde er die Notenschrift überladen ; zugleich,
überblaseloch ((JVl!lY~). Der Spieler des würde aber auch der ausführende Künstler
Instruments hieß A uletes, daher A uHitik, durch die Lektüre der vielen Zeichen über
s. v. w. Kunst des Aulosspiels; dagegen be- Gebühr belastet und in der freien Entfal-
deutet Aulodie den Gesang mit Aulos- tung lebendigen Vortrages behindert werden ..
begleitung. Der A. wurde in verschiedenen Beim Zusammenspiel vieler, im Orchester"
Größen gebaut (in der Lage der Männer- ist es zwar nicht wohl möglich, der Subjek-
stimmen und der der Frauenstimmen). tivität viel Spielraum zu lassen; das Espres-
Der agonistische (d. h. für Virtuosen- S2'VO muß sich daher auf solistische Stellen
vorträge berechnete) A. hatte etwa die Ton- einzelner Instrumente beschränken, wäh--
lage der Klarinette (tiefster Ton klein d rend das Tutti sich an die vorgeschrie-
oder e). Die Abbildungen zeigen stets benen Zeichen resp. die des Dirigenten
den A. paarweise in den Händen der Spieler, zu halten hat; im Tutti ist der eigentliche
den einen mit vielen Löchern und Klappen vortragende Künstler der DirigE'nt. Es
wohl fürs Mitspielen der Gesangsmelodie, ist nicht leicht, für den A. bestimmte
den andern, einfacheren, für Pausen füllende Regeln zu geben, aber es ist immerhin mög-
Zwischentöne. Diese Frage ist noch nicht lich; sonst würden nicht alle guten Künstler
ganz geklärt. Vgl. C. Sachs, Reallexikon dieselben Abweichungen von der starren
der Musikinstrumente. Vgl. Launeddas. Gleichförmigkeit der Ausführung der Notie-
Aurelianus Reomensis, kirchlicher Mu- rung machen. Versuche, zu allgemeinen Ge-
sikschriftsteller des 9. Jahrhunderts, dessen sichtspunkten zu gelangen, sind erst in neu-
bei Gerbert Scrip tores I S. 27 ff. abgedruckte erer Zeit von verschiedenen Theoretikern
Musica die ältesten abendländischen Mit- gemacht worden. Das beste in früherer Zeit
teilungen über die melodische Eigenart Geleistete ist der von J. A. Peter Sc h u I z.
der 8 Kirchentöne enthält (auch wichtige geschriebene Artikel Vortrag in Sulzers The-
Bemerkungen über den Einfluß der rhyth- orie der schönen Künste (1772), auch Chr. Fr..
mischen Beschaffenheit des Textes auf die D. Schubart hat sich in der Vorrede zu.
Struktur der Melodie). Vgl. Riemann, seinen Musikal. Rhapsodien 1786 über den:
Handbuch der MG. 12 S. 56f. A. geäußert. Nur geringe Ausbeute geben.
Auriac s. d'Auriac. Avison 1752 und Schilling 1843. Von
Auric (spr. örik), Georges, französischer neueren Arbeiten sind zu nennen Ad. Kul-
Impressionist, * 15. Febr. 1899 zu Lodeve laks Asthetik des Klavierspiels (1861), Mathis.
(Herault), Schüler des Pariser Konservato- L ussys Traite de l'expression musicale (1873,
riums (G. Caussade) sowie V. d'Indys in der deutsch von Voigt 1886) und L'anacrouse'
Schola Cantorum. A. gehörte der sogenann- dans la musique moderne (1903), Otto Kla u-
80 Ausgleichung - Aussprache.

weHs Der Vortrag in der Musik (r883). durch akzentloses Spiel mildern woller.
H. Riemanns Musikalische Dynamik und hieße sie vertuschen, die Aufmerksamkeit
Agogik (r884) und System der musikalischen von ihr ablenken; die "Wirkung wäre ein nich t
Rhythmik und Metrik (r903), A. J. Chri- genügendes Auffassen dieser Schärfe, ein
s tia nis Das Verständnis im Klavierspiet Nichtverstehen, eine Unklarheit, von ähnlich
(1886), KarlFuchs' Die Zukunft des musi- schlechter Wirkung wie der Querstand (s. d.).
kalischen Vortrags (r884) und Die Freiheit Doch kann natürlich der Komponist mit
des musikalischen Vortrags (1885), Franz K ul- künstlerischem Voll bewußtsein die gegen-
laks Der Vortrag zu Ende des I9. Jahrhun- teilige Vortragsweise verlangen, er kann im
derts (r897), K. Anton, Beiträge zur Ge- Diminuendo die abenteuerlichsten Modula-
schicht<! und Psychologie des Vortrags (I9r9); tionen machen, kann die schärfsten Disso-
R. Cahn- Speyer, Handbuch des Dirigie- nanzen im Pianissimo bringen usw.; der er-
rens (19I9), W. Heinitz, Musikal. A.-Stu- zielte Eindruck wird dann der des Fremd-
dien an Phonogrammen (ZfMW. JuniIJuli artigen, Sonderbaren, Märchenhaften, Un-
1927). Die große Abweichung dieser Arbeiten heimlichen usw. sein, eben zufolge der ab-
in ihren Ergebnissen beweist, wie viel hier sichtlich vermiedenen vollen Klarheit. Abe,'
noch zu tun ist. Nur einiges Allgemeine kann auch hier muß das Abnorme, die Abweichung
man als erwiesen erachten. Was zunächst vom schlichten Vortrage, vom Komponisten
die kleinen Tempoveränderungen an- besonders verlangt werden. In der N euen
langt, so ist zu bemerken, daß die Beschleu- Musik ist die Dissonanz, sofern sie nicht in
nigung eine Steigerung, die Verlangsamung der melodischen Linie auftritt, sondern nur
deren Gegenteil bedeutet, daß daher in der färbender Bestandteil der Harmonik ist,
Regel ein geringes Treiben, Drängen am nicht besonders hervorzuheben.
Platze sein wird, wo die musikalische Ent- Ausgleichun~ der Register der Sing-
wicklung noch eine ansteigende, zunehmende stimme s. RegIster.
ist, ein Verweilen dagegen, wo sie ihr Ziel Ausgleichungsbalg(Konk u ssions balg),
erreicht hat (längere weibliche Endungen in der Orgel ein nahe am Windkasten auf
gehen dann von der stärksten Dehnung all- eine Öffnung des Kanals gelegter kleiner
mählich wieder zurück). Die Veränderungen Balg, dessen Oberplatte durch eine Feder
dürfen natürlich in der einzelnen musikali- halb aufgezogen erhalten wird, der aber bei
schen Phrase nur sehr klein sein, können aber jeder plötzlichen Verdichtung oder Verdün-
für ein länger ausgesponnenes Thema schon nung der Luft (durch Unvorsichtigkeit des
bedeutender werden und erreichen für ganze Kalkanten oder übermäßigen Wind verbrauch
Sätze oft eine Ausdehnung, welche die Noten- bei vollen Akkorden) entweder durch Auf-
schrift durch stringendo oder ritardando an- nehmen überflüssiger Luft oder durch Aus-
zeigt. Das Anwachsen der Tonstärke ist gehen der in ihm enthaltenen die Gleich-
gleichfalls eine Steigerung, das Abnehmen ein mäßigkeit der Windstärke regelt.
Nachlassen; die naturgemäße Dynamik der Auslösung (franz. echappement), die Vor-
Phrase ist das Crescendo bis zu ihrem Schwer- richtung in der Mechanik des Pianoforte,
punkte und das Diminuendo von diesem welche bewirkt, daß die Hämmerchen sofort
nach dem Ende hin. Der dynamisch-ago- nach der Berührung der Saiten in ihre frü-
gische Ausdruck eines Motivs ist allgemein here Lage zurückfallen. S. Klavier.
zu charakterisieren durch: Aussprache des Textes beim Ge-
Auftakt: Endung: sange. In neuerer Zeit wird auf eine deut-
-==== I abnehmende
=====- D e h
stlingendo nun g
hche A. besonderes Gewicht gelegt, da in
der modernen Richtung der Vokalkomposi-
Gewöhnlich geht die melodische Bewegung tion vom Liede bis zur Oper das Singen des
damit derart Hand in Hand, daß die sich Textes mehr ein gesteigertes Sprechen, in
steigernde Phrase zugleich melodisch stei- der Regel mit nur einem Tone auf jede Silbe,
gend, die abnehmende fallend ist. Die Ab- ist; in dem bel canto der italienischen Oper,
weichungen von diesen allgemeinsten Regeln wo der vokalreichere Text mehr nur den
wird der Komponist meist anzeigen, z. B. Gesang trägt, tritt die deutliche Aussprache
ein Diminuendo bei steigender Melodie oder zurück gegenüber der Schönheit der Ton-
beim Stringendo, desgleichen ein Ritardando bildung. Es muß zugegeben werden, daß
bei steigender Melodie und Crescendo. Ferner die verschiedenen Vokale zu folge ihrer na-
gilt als Regel, daß das Besondere, d. h. im türlichen Resonanz (beim Sprechen) leicht
einfachen melodischen, rhythmischen, har- zu einer Verschiedenheit des Ansatzes der
monischen Verlaufe Auffallende hel'vor- Töne Ursache gehen, welche sich ohne Be-
gehoben (akzentuiert) wird, zunächst in einträchtigung der Reinheit mancher Vo-
harmonischer Beziehung das Auftreten von kale nicht völlig vermeiden läßt (s. Ansatz);
Akkorden, die der Tonart sehr fremd sind, es ist daher im Interesse eines schönen, aus-
oder die Einführung von Vorhalten vor geglichenen Gesanges naheliegend, dem i, e,
Akkordtönen (durchgehende Dissonanzen ä auf der einen und dem u, 0 auf der andern
machen dagegen im allgemeinen auf Akzent Seite etwas von ihrer Schärfe, resp. Dumpf-
keinen Anspruch). Die Modulation in eine heit zu benehmen. Das läßt sich erreichen,
andere Tonart wird in der Regel crescendo ohne daß die gesamte Vokalisation in einem
geschehen; auf die Akkorde oder Töne, wel- mittlern ö-artigen Laute untergeht und der
che sie bewirken, muß die Aufmerksamkeit ganze Gesang einen instrumentalen Charak-
.hingelenkt werden. Eine scharfe Dissonanz ter annimmt. Besondere Schwierigkeiten ver-'
Austin - Auswahl vorzüglicher Musikwerke. 81
ursacht dem Sänger die A. der Konsonanten mit 37 Jahren, erhielt eInIgen Unterricht
1 und r, zumal vor a, da bei ersterem die von F. Davenport, ist aber praktisch Auto-
stark gekrümmte Zunge leicht in ihrer Stel- didakt. Seine Variationen für Streichorche-
lung verharrt und die Resonanz beeinträch- ster op. 35 Vicar 01 Bray wurden 1910 ff. in
tigt und bei letz term Neigung vorhanden Queen's Hall aufgeführt; seine Hymn 01
ist, dem a Resonanz dicht am Gaumen zu Apollo für Chor und Orchester oP.39 1918
geben; beides ist durch gewissenhafte übung von der Leeds Choral Union; die Stella M ary
leicht zu vermeiden, wenn man nur darauf Dances op.58 1918 in Queen's Hall; seine
achtet, daß die A. des Konsonanten schnell Ode on a Grecian Urn (Keats) oP.47 1922.
und scharf erfolgt, danach aber jeder Rest Seine Werke tragen sehr moderne Prägung.
desselben in der Mundstellung beseitigt Außerdem: mehrere (I 4) Sonatinen über.
wird. Auch kann das Gaumen-r durch das engl. Volkslieder für Kinder op. 38; ein um-
Zungen-r ersetzt werden. Von Anfängern fangreicher Zyklus von Orgelwerken, ange-
i.m Gesange wird vielfach darin gefehlt, daß regt durch Bunyan's Pilgrim' s Progress. op.
sie zu früh vom Vokal auf den nachfolgenden 4I (in 12 Teilen); eine große Masse klavier-
Konsonanten übergehen, so daß eine Lücke, päd. Musik; Kammermusik; Lieder; im
ein Absetzen, eine Verkürzung des Zeit- ganzen bis I927 70 opera. Buch: The Fairy-
werts entsteht; noch ärger ist es, wenn bei land 01 Music (I922). Er ist auch als ly-
W, v, f, 1, m, n, r, s ein etwaiger Rest des rischer Dichter hervorgetreten: Songs Irom
Notenwertes mit der für den Konsonanten the Ravel.
erforderlichen Mundstellung gesungen wird, Austin(spr.astin),Frederic, engl.Bariton,
d. h. die Wirkung eines ww-w, vv-v, Opernsänger und Komponist, Bruder von
if-f, 11-1, mm-m, nn-n, rr-r, ss-s ent- *
Ernest A., 30. März I872 zu London; Ge-
steht. Auch beim Gesang der Doppelvokale sangsschüler von Charles Lunn; in der Kom-
(Diphthonge) wird von Ungeschulten oder position Schüler hauptsächlich seines Onkels,
Anfängern vielfach gefehlt. Man kann nicht Dr. W. H. Hunt. Seit I904 ist er einer der
iii, iiü; eü, sondern nur ai, aü, öi, was falsch, gesuchtesten Sänger bei den englischen Mu-
oder iii (aj), iiu (aw), öi (oj) singen, was sikfesten; erster Baritonist an Covent Gar-
richtig ist. über die verschiedenartige mög- den;. bei Beecham, an His Majesty's und
liche Resonanz der Vokale im Hohlraum des an andern Bühnen; bei Denhof's Wagner-Auf-
Mundes vgl. Ansatz. Die Frage, ob inner- führungen; auch in Deutschland, Holland
halb der Worte die Konsonanten, welche und Dänemark. I924 wurde er als künstle-
Ton erhalten können (Halbvokale: j, r, 1, rischer Direktor der British Nat. Opera
m, n, w, v), auf den Ton des vorausgehenden Co. angestellt. Von ihm stammt eine er-
oder nachfolgenden Vokals zu singen sind, folgreiche Neubearbeitung von Pepuschs
rist dahin zu entscheiden, daß die korrekte Beggar' s Opera (London I 920). Später schrieb
Silbenteilung nach dem Sinn maßgebend ist, er auch eine neue musikalische Version der
d. h. daß zusammengesetzte Worte in ihre Fortsetzung der Bettler-Oper, Potly. Seine
Elemente' zerlegt werden, z. B. ver-lassen andern Bühnenwerke sind: Musik zu The
(r auf den Ton von e, I auf den Ton von a zu Knigltt 01 the Burning Pestle (I92I); The
singen, ebenso An-laß, ver-jüngt, All- Insect Play (I922) und zu Congreve's Way
macht usw.); auch wo tonlose oder tonlich 01 the W orld (I924). Außerdem: Orch.: Rhap-
indifferente Konsonanten (b, p, d, t, g, k, sody Spring (ms.), London 19°7; Sinf. Dicht.
f, z, ch, s, sch, h) neben den tönenden auf- Isabella (ms., Liverpoo1I9I2); Sinfonie Edur
treten, ist diese Unterscheidung von Be- (London I9I3); Palsgaard, dän. Skizzen (ms.,
deutung, z. B. halb-laut (nicht haI-blaut London I9I6); 3 Ges. mit Orch. Songs 01
oderha-Iblaut). Wo der Sinn nicht gebietet, Unrest (Birmingham 19I3); 3 Ges. Love's Pil-
die Worte zu zerreißen, ist dagegen das grimage mit Kl. und Streichquartett und
Singen sämtlicher tönenden. Zwischenkonso- Songs in a Farmhouse für Soli, Streichquart.
nanten auf den folgenden Ton das Verständ- und Kl.; Kl.-Stücke; 3 Tänze aus The In-
nis fördernd, z. B. a-rme, ha-,-lbe; 11, mm, sect Play.
nn, rr sind ganz deutlich als Doppelkonso- Australien. Vgl. R. Musiol, aber die
nanten auszusprechen, indem der erste auf Musik bei den Eingeborenen A.s (Neue Berl.
den vorausgehenden, der zweite auf den Musikztg. I872); K. Hagen, über die Mu:
folgenden Ton gesungen wird: hal-Ien, sik einiger Naturvölker - Australier, M ela-
har-ren, zusam-men, Min-ne. Der ita- nesier, Potynesier (I892); E. M. v. Horn-
lienische Gesang fordert sehr häufig die bostel, Notiz über die Musik der Bewohner
schnelle Folge mehrerer Vokale nachein- Süd-Neumecklenburgs (Sammelb. für Vergl.
ander, sogar auf sehr kurze Tongebung in MW. I, I922); derselbe, Die Musik aul
Fällen, wo der Dichter dieselben verschleift den nordwest!. Salomo-I nseln (in: Thurnwald,
gemeint und als eine Silbe gezählt hat und Ethnogr. Forschungen . .. I9I2).
der Komponist ihm darin folgt (z. B. il Auswahl vorzüglicher Musikwerke in
mio:::;amore); dergleichen dem deutschen Ge- gebundener Schreibart von Meistern
sange gänzlich fremde Dinge setzen freilich alter und neuer Zeit. Zur Förderung des
eine gründliche Schulung durch Vokalisen höheren Studiums der Musik, unter Aufsicht
voraus. der musikalischen Sektion der Kgl. Akade-
Austin(spr.astin), Ernest, engl.Kompo- mie der Künste in Berlin. herausgegeben
nist,Bruder von Frederic A., * 3I.Dez.1874zU (Berlin I825-4I, I6 [mit den Supplementen
London; erst Kaufmann, wurde Musiker erst 2o]Lieferungen,48 [60] Mustertonsätze von
Riemann, Musik·Lexikon. 11. Auf!. 6
82 Ausweichung - Averkamp.

Meistern des 17.-19. Jahrhunderts [von Violinspielers, ging 1739 nach Paris, wo er
Frescobaldi und Heinrich Schütz bis Reis- vom Violinisten der großen Oper schließlich
siger], meist vokale und instrumentale Fu- zum Oberintendanten emporstieg. A. schrieb
gen und Kanons, im übrigen imitierend ge- 1752'-71 eine Reihe Tragedies lyriques (Enee
setzte Messenteile und Motetten). Vertreten etLaviniel758, Hercule mourant 1761, Polv-
sind u. a. Schütz, Keiser, Steffani (Kam- xene 1763), Ballettopern (Les amours Je'
merduett), Perti, Lotti, Caldara, Leo, Fux, Tempe, Les fetes d' Euterpe), auch zwei ein-
Händel, Astorga, Pergolesi, Marcello, Tele- aktige Intermedien (Les traqueurs [30. Juli
mann, Pachelbel, Graun, Hasse, Durante, 1753, Text von Vadc] und La caquette trampee
Feo, J. Christoph Bach, J. S. Bach, Friede- [13. Nov. 1753, Text von FavartJ), welche
• mann Bach, Ph. Em. Bach, Marpurg, Kirn- zu den ersten französischen komischen Opern
berger, Jommelli, Albrechtsberger, Mozart, zählen; auch 6 Sonates en Trio op. I (1739)
Mich. und Jos. Haydn, Clementi, Naumann, und weitere 6 op. 4 (1751), Soloviolinsonaten
Reichardt, Salieri, Homilius, Fasch, Zelter, mit B. ap. 2 (1739) und Concer!s de sym-
Gaßmann, Fr. Schneider, B. Klein, Rungen- phonies a 4 parties ap.3 (1751). Vgl. Du
hagen, Spohr, Harrer, Henning, Horsley, Roure de Paulin La vie el fes muvres d'A.
M. G. Fischer, Kelz, Fesca und als einziger d'A. (19II) und L. de la Laurencie, Deux
des 16. Jahrhunderts Palestrina (Tu es Pe- imitate urs franyais des bauttons : Blavet et
trus 6 v.). d'A. (L'annee musicale 1912). A. schrieb
Ausweichung s. Modulation. auch seit 1763 Motets für die Concerts spiri-
Auteri-Manzocchi, Salvatore, *25.De- tuels und wurde 1776 vom König zum Com-
t
zember 1845 in Palermo, 22. Febr. 1924 in positeur de I' A cademie Roy. de lvI usique er-
Parma; gelangte erst mit 23 Jahren zum nannt (für Bearbeitung älterer Opern). V gl.
Studium der Musik bei Platania in Palermo L' annte musicale 19II, S. 60f. (Sain t-Foix).
und Mabellini in Florenz, war erst in Triest, Ave [Maria], der Gruß des Engels Ga-
dann in Parma ansässig, wo er 1891-1910 briel bei der Verkündigung Mariä; als weite-
Gesangslehrer, zeitweilig auch Vize direktor rer Text folgt der Gruß der Elisabeth und
am Konservatorium war. Viele seiner Ro- eine Bitte an die Jungfrau.
manzen sind dank ihrem melodischen Reich- Ave Regina Coelorum s. Marien-Anti-
tum und ihrer Ursprünglichkeit populär ge- phonen.
worden. Opern: M arcellina (unaufgeführt);
Dalores (Florenz 1875, sein erfolgreichstes Avenarius, Thomas, aus Eilenburg (Pro-
vinz Sachsen), Organist zu Hildesheim, gab
Werk); Il negriero (Barcelona 1878); SIella heraus Amarasische Gesänglein (1614), Con-
(Piacenza I 880), mit der die Reihe seiner Miß-
erfolge beginnt; Il Conte di Gleichen (Mai-
vtvtum musüale (1630, fünfsätzige Tanz-
suiten, bestehend aus Pavane, Gaillarde,
land, Dal Verme 1887); Graziella (id., Tea- Courante, Intrada, Balletto) und Vil'ida~
tro Lirico 1894); Severo Torelli (Bologna,
rium musicum (1638.)
T. Duse 1903).
Authentische Töne s. Kirchentöne. Aventlnus, Johannes, eigentlich Joh.
Auto (span., Akt), heißt in Spanien jede Turmair , nannte sich A. nach seiner Vater-
öffentliche oder gerichtliche Handlung (z. B. stadt Abensberg (Bayern), * 4. Juli 1477,
A. da Fe, s. v. w. actus fidei [Glaubensge- t 9. Jan. 1534; verfaßte die Annales Boy"a-
richt]), insbesondere aber dramatische Dar- rum, welche, was Musik anlangt, nur mit
stellungen aus der biblischen Geschichte, Vorsicht zu benutzen sind. Nicht verfaßt,
Mysterien (A utos sacramentales), bei denen sondern nur herausgegeben von A. sind die
auch Musik zur Anwendung kam. Die hervor- jl1 usicae rudimenta admodum bl'evia etc.
ragendsten spanischen Dichter (J. delI' En- (1516, von Nikolaus Faber).
cina, Lope de Vega, Calderon) haben solche Averkamp, Anton, * 18. Febr. 1861 in
Autos geschrieben. 1765 wurden sie durch \Villige Langerak, Schüler von Dan. de
königl. Befehl verboten. Lange (Amsterdam), Fr. Kiel (Berlin), Rhein-
Autograph (griech. selbst geschrieben) heißt berger, Ad. Schirnon und Hans Hasse1beck
ein Schriftstück von der eignen Hand des (München) und zuletzt von Messchaert in
Verfassers. Für die Herausgabe eines Musik- Amsterdam, Direktor einer eigenen Gesang-
werks ist die Erhaltung des A.s b2sonders schule in Amsterdam, seit 1919 Direktor der
bedeutsam, wenn der Autor die Drucklegung Musikschule der Maatschappij tot Bevorde-
nicht selbst überwacht hat; in diesem Falle ring der Toonkunst in Utrecht, 1890-19[8
aber ist der authentische Text natürlich der Dirigent eines von ihm gegründeten a cap-
Druck, streng genommen der Korrekturab- pella-Chors, mit dem er ältere Musik zum
zug des Autors. Bei der einzigartigen Be- Vortrag brachte und vielfach, auch im Aus-
deutung des A.s ist es 7.U begrüßen, daß der lande, konzertierte. Er schrieb: Sinf. Dicht.
Musikliebhaber A. van Hoboken 1927 bei der Elaine und Lancelot op.7; Chorwerke mit
Wiener Staats bibliothek ein Archiv für Pho- Orch. Decora Lux, Die versunkene Burg; a
togr. mus . lvI eisterhandschriften begründet hat, capp. A dslant angelorum chon' und Te deum;
das die wichtigsten erhaltenen A.e von Wer- Sonate für V. und Kl. op. 2 D dur; Lieder;
ken der Klassiker in sich vereinigen soll. eine unaufgeführte Oper DeH eidebloem; eine
Vgl. Kopie. einsätzige Sinfonie F dur. Buch: Uit miin
[ d']Auvergne (spr. dow[rnj), Antoine, pr,;ctiy"k. Wenken en raadgevingen bij het
* 3. Okt. 17 13 zu Clermond- Ferrand. onderwijs en de studü van den solozang, (Gro-
trI. Febr. 1797 zu Lyon, Sohn eines ningen 1916).
Avignon - Azzajolo. 83
Avignon. Vgl. A. Gastoue, La Musique donn, Th. Farmer, Theoph. Hawney, J. Jen-
a A. (iQOO); J. G. Prod'homme, La So- kins und W. L[awes] enthält.
ciete Sainte-Ceeile d'A. au XVIII. siecle Ayrton (spr. ert'n), Edmund, * 1734 zu
(Samm'elb. d. IMG. VI, 1905). Ripon, t 22. Mai 1808 zu London; langjäh-
'Avison (spr. awiss'n), Charles, * 1710 riger Chormeister des Knabenchors der kö-
und t 9. Mai 1770 zu Newcastle-upon-Tyne, niglichen Vokalkapelle in London, hat einige
Schüler :von Fr. Geminiani, 1736 Organist Kirchenmusiken (zwei Morgel1- und Abend-
in seiner Vaterstadt, veröffentlichte einen services, Anthems) geschrieben.
Traktat über den musikalischen Ausdruck: Ayrton (spr. ert'n), William, Sohn von
AnEssay on Musical Expression (1752, 3. um- Edmund A., * 24. Febr. 1777 zu London,
gearbeitete Auflage 1775, deutsch 1775; t 8. März 1858; zeitweilig Vorstandsmitglied
nicht bedeutend), der durch W. Hayes 1753 der Philharmonischen Gesellschaft, mehr-
scharf angegriffen wurde, woraNf A. repli- fach Operndirigent am königlichen Theater
zi~rte,sowie 26 Concerti a 7 (4 V., VIa., Vc. und als solcher sehr verdient um die Auf-
Be. 1755), 12 Klavierkonzerte mit Streich- führung Mozartscher Opern, gab 1823-33
quartett (1766) und 18 Quatuors für Kla- (mit Clowes) die wichtige Musikzeitung
vier mit 2 V. und Vc. (1756-64). A. gab Harmonicon heraus (monatlich), schrieb
1757 mit J. Garth die Psalmen von Mar- 1818 über Logiers System und redigierte zwei
cello mit englischem Text heraus (mit einer Sammelwerke praktischer Musik: K night' s
Biographie Marcellos). Avisons Erfindung Musical Library (1834-37,8 Bde. nebst Mo-
ist ärmlich; aber er ist einer der ersten, nats-Supplementen und Biographien) und
welche die von Fr. Geminiani aufgebrachte Sacred Minstrelsy (2 Bde. I835),.
detaillierte dynamische Vortragsbezeichnung
Azevedo,Alexis Jakob, *18. März 1813
mit> (rinforzando) annahmen.
zu Bordeaux, t 2r. Dez. 1875 in Paris; mu-
Avossa, Giuseppe d'. Vgl. Abos. sikalischer Mitarbeiter verschiedener Pari-
Awraamow, Arsseni Michailowitsch, ser Zeitungen (Siede, France musicale, Presse,
russ. Musikschriftsteller, Schüler des Mos- 1859-70 0pinion nationale), auch mehrmals
kauer Konservatoriums (Tanejew), seit 1923 Unternehmer einer eigenen Musikzeitung
Mitglied des Musikwiss. Instituts in Moskau. (1846 La critique musicale, 1874 Les doubles
Seit 1912 tritt er für die Einführung des croclzes), war ein leidenschaftlicher Verehrer
48~stufigen tem perierten Universal tonsys- Rossinis und schrieb Rossini, sa vie et ses
tems ein und lieferte (in: Musikalischer Z eit- aJuvres 1865, auch eine Biographie Fe!. Da-
genosse, Melos u. a.) 'einige wertvolle Bei- vids (1868) und trat für die von Cheve an-
träge zu akustischen Fragen. gestrebte Reform der Notenschrift (Ziffern-
system) mit mehreren Broschüren ein.
Axman, Emil, mährischer Komponist, Azione sacra· s. v. w. Oratorium.
* 3. Juni 1887 zu Ratay, Mähren; Schüler
u. a. von V. Novak; promovierte an der Pra- Azkue, Resurrecci6n Maria de, span.
ger Universität auf dem Gebiete der Musik- Komponist, Philologe und führender Musik-
wissenschaft, und ist seit 1913 Musikarchivar forscher der baskischen Gruppe, Direktor
am Prager Volksmuseum. Studie: Mähren der Academie de la Lengua Vasca (Akademie
in der tschech. Musik des I9. jahrhunderts. für Baskische Sprache), Bilbao. Schrieb:
Chorwerke, darunter die Kantate Meine Vizca1'tz'k Bizkaira, 3 akt. zarzuela; Pasa de
jl4utter für Soli" Chor und Orch.; Gesangs- chimbos, 2 akt. zarzuela; Eguzkia nora, desgI.;
Zyklen: Z Vojny (Aus dem Kriege), Duha Colonia inglesa, 3 akt. kom. Oper; Sasi-
, (Regenbogen). 2 sinf. Dicht.: Smutky a na- escola, I akt. zarzuela; Aitaren bildur, desgI.;
LJ dele (Trauer und Hoften); jastlo. 3 Kl.-So- Ortzuri, 3 akt. Oper; Urlo, desgl. - Folk-
na'ten, Sonate für V. und Kl. ; Sonate für V c. lore: La musica popular vascongada; Musz'ca
und Kl.; 2 Streichquartette; Kl.-Trio; eineSin- popular vasca; Cancionero popular vasco (bis-
fonietta, Suite für Orchester; zwei Sinfonien. her I I Bände; Barcelona). Kirchenmusik:
Ayr s. Arie. j esusen Biotzaren ila, Meditationen; Cdn-
Ayres andDialogues, I) Sei e c t A . and D., ticos religidsos; Cdnticos a Nuestra Seiiora;
2 Teile (London 1652, vermehrte Auflage Coro y tres estrofas en honor de San lose.
1653, 1659, 1669), berühmte Sammlung Azopardi (Azzopardi), Francesco, Ka-
1-3 st. englischer Gesänge zur Laute, The- pellmeister in Malta um die Mitte des 18.
orbe oder Baß viola (Komponisten: H. La- Jahrhunderts, Komponist von Kirchenmusik
wes, W. Webb, J. Wilson, Chr. Colman, N. und Verfasser von Il musico pratico (1760;
Laniere, W. Smegergill, Ed. Colman, Jer. franz. von Framery 1786, Neuausgabe von
Savile). - 2) New A.andD., eine ähnliche, Choron 1824). Vgl. P. Pullicino: Notizia
1678 in London gedruckte Sammlung, die biogr. di F. A. (1876).
aber außer Gesängen zu 1-3 Stimmen mit Azzajolo (Azzajuolo), Filippo, * zu Bo-
Violine von H. Lawes, W. Lawes, J. Blow, logna, gab 1557 -69 drei Bücher sehr volks-
W. Webb, H. PureeIl, Js. Blackwell, Abr. tümlicher und frischer 4 st. Villote aUa Pado-
Coatts, Ed. Coleman, J. Hart, Porter, Staf- vana nebst einigen N eapolitane, Madrigalen
ford, W. Turner, B. Wallington, Seignior und Bergamasken unter dem Ziertitel Villote
Williarri, Michael Wise und W. G.( ?), auch dei fiore bei Antonio Gardano in Venedig
Instruinentalstücke (lessons for violsor vio- heraus. Vgl.Fr. Vatielli, Canzonieri musi-
tins) von J. Banister, Th. Lowe, Th. Bee- cati del I500 (Riv. mus. it. 1921).
6*
84 B - Bach.

B
B, der zweite Ton der ursprünglichen dam bei Roger). Von ihm selbst erschienen
Grundskala ABC D E F G. Seit der Okta- nur Sonaten für Violine (Oboe) mit B.c.;
venteilung bei C (s. Buchstabentonschrift) Ms. blieb~l1 Concerli grossi für 2 V. und
ist B aus seiner Stellung in der Grund- V c. mit Streichorchester. '
skala durch H verdrängt und Name des er- Babylonische Musik. Eine Tontafel aus
niedrigten .H geworden, welches seit dem Assur am mittleren Tigris vom Beginn des
16. Jahrhundert durchBenutzung der: Druck- ersten Jahrtausends v. Chr. enthält ein Ge-
type h für das ~ in die Grundskala kam. In dicht in sumerischer Sprache mit vermut-
Holland und England hat aber das B heute lichen Tonzeichen, die auf Begleitung des
noch die Bedeutung des Ganztones über A, Hymnus mit einer 22 saitigen Harfe und
also unseres H (so daß z. B. Schuberts H auf eine über die Pentatonik bereits ins
moll-Sinfonie englisch als B minor und Beet- Diatonische, ja sogar Chromatische hinein-
hovens B dur-Sinfonie als B flat major be- schreitende Melodik deuten. V gl. Curt S ach s,
zeichnet wird), während wir in Deutschland Die Entzifferung einer babylonischen N oten-
den HaI bton über A seitdem B nennen. Ver- schrift. Vorbericht (Sitzungsber. der Preuß.
suche. das B statt H in der Grundskala wie- Ak. d. Wiss. Phil.- hist. Kl. 1924 XVIII);
der herzustellen, sind erfolglos geblieben derselbe, Ein babylonischer Hymnus (AfMW.
(vgl. J. G. Schwanenberg, Gründliche Ab- VII,I; 1925).
handlung über die Unnütz- und Unschicklich- Bacchius Sene:>: (Bakchcios 0 YS(lwv), grie-
keit des H im musikalischen Alphabet, 1797; chischer Musikschriftsteller im 4. (?) J ahrh;
auch Ferdinand Hiller hat einen Vers)1ch ge- n. Chr., von welchem ein musikalischer Kate-
macht). - Die Doppelgestalt des B als run- chismus in Dialogform auf uns gekommen
des, weiches: p rotundum, molle oder eckiges, ist, die Isagoge musicae artis, zuerst 1623
hartes: b oder ~ quadratum, durum, welche
herausgegeben von Mersenne und gleich-
zeitig in lateinischer übersetzung mit Kom-
bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht (Odo mentar von Fr. Morellus, weiter von Mei-
von Clugny), bildet den Ausgangspunkt der born (1652) und K. v. J an (1890-91, revid.
Entwicklung sämtlicher Versetzungszei- Text griechisch und deutsch mit Analyse im
c h e n (R. d.) und schließlich auch der Bezeich- Programm des Straßburger Lyceums und
nungen Dur Und Moll (s. d.). Doch exi- [nur gr. Text] 1895 in den Scriptores); fran-
stiert bis ins 18. Jahrhundert jede Stufe der zösische übersetzungen gaben Mersenne
Grundskala nur in z\vei durch p und ~ (~) (1627 im 1. Buch der Harmonie universelle)
unterschiedenen Formen und ist p ebenso und Ruelle (1896). Der nicht dialogische
Auflösungszeichen nach ~ (~) wie ~ (~) ~uf­ von Fr. Be1lermann 1841 und 1847 in
lösungszeichen nach p (fP nach f# ist Illcht französischer übersetzung von A. J. H.
fes, sondern f, e ~ nach ep ist nicht eis, Vincent in Notices el e:>:traits irrtümlich
sondern e usw.). Den heutigen Gebrauch unter des B. Namen herausgegebene Traktat
der Zeichen (auch x und pp) hat erst J. G. hat einen Zeitgenossen des B. namens Dio-
Walthers Lexikon (1732) festgestellt. über °
ny s i s zum Verfasser.
die Namen der B-Stufe als p fa oder ~mi s. Baccusi, Ippolito, * um 1545 zu Man-
Solmisation. Seit Abschaffung der Solmisa- tua, wo er 1587 Domkapellmeister war,
tion hat bei den romanischen Völkern die später (1594) Domkapellmeister zu Verona,
B-Stufe'den Namen si (sip = b, si~ = h, si# = t 1609, gab heraus: 5 Bücher Messen zu 4-9
his). St. (157°-96), mehrere Bücher Psalmen und
B., Abkürzung für Basso, c. B. = col Motetten zu 5 -8 St. und 7 Bücher Madri-
Basso, C.-B. oder CB = Contrabasso, B. C.= gale (5-8 st.: 1570, 1572, 1579, 1587; 3 st.:
Basso continuo. In England ist B. auch 1594, 1605). Einzelne Stücke finden sich
Abkürzung für Baccalaureus (Bachelor): auch in Sammelwerken (Phaleses Paradiso
Mus. B. = Musicae Baccalaureus (M. B. da- musicale [1596], Pevernages Harmonia cele-
gegen = M edicinae Bacc.). ste, Waelrants Symphonia angelica, Philipps'
Babbi, Christoph, * 1748 zu Cesena, Melodia Olympica und im Trionjo di Dori).
1775-78 Orche6terdirigent am städt. Thea- Bacfarc s. Greff.
ter zu Bologna, kam 1780 als kurfürstlicher Bach, Name der thüring. Familie, in wel-
Konzertmeister nach Dresden, wo er 1814 cher wie in keiner zweiten musikalische
starb; komponierte Violinkonzerte, Sinfo- Künstlerschaft im 17. und T8. Jahrhundert
nien, Quartette usw. erblich war und VOll Kindheit an sorgfällig
Babell (Babel), William, * um 1690, gepflegt wurde. Wenn sich mehrere Mitglie-
t 23. Sept. 1723 zu London, Schüler von der dieser Familie zusammenfanden, so
Pepusch, Organist an All Hallows, auch wurde in der ernsthaftesten vVeise musiziert;
tüchtiger Violinist, einer der ersten Heraus- man tauschte Meinungen über neue Kompo-
geber von Klavierbearbeitungen beliebter sitionen aus, improvisierte, kurz förderte
Nummern aus Opern Händels u. a. (Suits sich gegenseitig so im Wissen und Können,
of the most celebrated Lessons eie. I7IZ, The daß die Bache ein ausgezeichnetes Ansehen
Lady' sEntertainment[TheB anquet of M usick], im Lande genossen und daher ein starkes
Arien, Duette, 4 Teile 17IO-25), auch Trios Kontingent an Kantoren und Organisten
aus französischen Opern (2 Teile, Amster- für die thüringischen Städte stellten. So
Bach. 85
finden wir in Erfurt, Eisenach, Arnstadt, Principles 0/ Singing und Raphael, M ozart
Gotha, Mühlhausen Organisten namens B., and the Renaissance. Auch übersetzte er die
und noch zu Ende des IS. Jahrhunderts hie- Texte der Brahmsschen Volkslieder ins Eng-
ßen in Erfurt die Stadtpfeifer die Bache, ob- lische und gab Loewes Balladen bei Lienau
gleich kein einziger B. mehr darunter war. heraus. -
Die Familie ist, wie Ph. Spitta in seiner Bio- Bach, August Wilhelm, * 4. Okt. 1796
graphie Joh. Seb. Bachs nachgewiesen hat, zu Berlin, t 15. April 1869; Sohn des Sekre-
eine alte thüringische und nicht, wie man tärs beim Lotterieamt und Organisten der
früher annahm, eine ungarische. Der um Trinitatiskirche, Gottfried B., war zuerst
1590 aus Ungarn nach -Wechmar bei Gotha Organist an Berliner Kirchen, 1822 Lehrer
eingewanderte Bäcker Vei t B. stammte am Königlichen Institut für Kirchenmusik,
nämlich ursprünglich aus diesem Dorfe. Veit 1832 dessen Direktor als Nachfolger Zelters,
B. war nur Musikliebhaber (er spielte die Mitglied der Akademie und wurde 1858 zum
Laute); sein Sohn Hans B. (der Urgroß- Professor ernannt. Er gab kirchliche Kom-
vater J. S. Bachs) war dagegen schon Mu- positionen (Oratorium Boni/acius [1836],
siker von Profession und wurde zu Gotha Psalm IOO [1840]), auch Klavierstücke und
durch einen Nikolaus B. ausgebildet. Die Lieder heraus und verfaßte ein Choralbuch
B. waren also, wie es scheint, schon damals und Der praktische Organist. B. war Mendels-
im ]'vI etier. Von Hans Bachs Söhnen ist sohns Lehrer im Orgelspiel.
J oh-ann B. der Stammvater der "Erfurter *Bach, Carl Philipp Emanuel (der
Hans Bach
gest. 1626
Johann Il. Hei~-ch:--::H-.-,.--------:C:::b-n,--s-to-phR
jn ErfuJt in Erfurt in Weimar
(, 604-73) (,6'5-92) (,6'3- 6,)
- L .-----.,-L___ ~ -L
Joh. Aegi- '. Job. 2. Joh. Ambroslu,
dius B. in Christoph B. Michael B. B. in
Erfurt in Eisenach in Gehren EiseDach
(,645-'7'7) ( 16 42- 17°3) (1648-94)- (,645-95)
~
I
3. Joh. Hern-
- L -Marla
Nikolaus H.
L ,-~
4. johann (Anna JOh.
hard B. (,669-'753) Barbara B. Sebast_ B. Magdalena Christoph B.
in Eist"nach
(,676- J 749)
~
I
---r----
(,684-'720) (,685-'750)
'--I
, 5. Fr-:-'ie-:d-e---:6:-.-:-K:-a-:rl"'P:::h"'i"'I.-~h.
,",ülk.n)

8~. Joh.
in Oh,d'uf
(167 '1'7 2 ')

~
10. JOII.
Ern:-.t H. mann B. Emanuel H. Gottfried Chrisloph ChrislIan B. in Ohldruf

---
in ~isenach ('7'0-84) ('7'4-88) Bernhard B. Friedrich B. (1735-82) (1700-43)
(17 22-77) ('7'5-39) (173 -95)
2
I
1I. Vlilhelm
Fric:drich
Ernst Il.
('759-,845)
Bachel',Heinrich, Organist zu Arnstadt der Berliner oder Hamburger B.), der zweite der
Vater von Joh. Christoph und Joh. Michael überlebenden Söhne J. S. Bachs, * 8. März
B., und Christoph B., Organist und Stadt- 1714 zu Weimar, t 14. Dez.I788..,in Ham-
musikus zu Weimar, J. S. Bachs Großvater. burg. Sein Lebenslauf ist einfach genug.
In den 60 er Jahren des 17. Jahrhunderts Er ging nach Frankfurt a. 0., um Jura zu
waren die B. sozusagen feste Inhaber der studieren, gründete aber statt dessen dort
MusikersteIlen zu Weimar, Erfurt und Eise- einen Gesangverein; 1738 siedelte er nach
nac{l. So zog z. B. ein SohnChristoph Bachs, Berlin über und wurde 1740 Kammercem-
AmbrosiusB. (der Vater J. S. Bachs), 1667 balist Friedrichs des Gr. Der siebenjährige
nach Erfurt, um die Stelle seines Vetters Krieg machte den musikalischen Liebhabe-
J ohann Christian (1640-82) einzunehmen, reien des Königs ein Ende, und B. bat daher
und als er 167 I seine Stelle mit einer besseren 1767 um seinen Abschied, um zu Hamburg in
in Eisenach vertauschte, wurde wieder ein Telemanns Stelle als Kirchenmusikdirektor
Vetter, Agidius B., 1645-1717, sein Nach- einzurücken. Dort starb er, hochangesehen,
folger. Der oben stehende Auszug aus dem an einem Brustleiden. Das Verzeichnis sei-
Stammbaum der Bache mag die folgenden nes musikalischen Nachlasses erschien 1790
Biographien der wichtigsten Repräsentanten in Hamburg im Druck. Ph. E. B. schrieb
der Familie (*) übersichtlicher machen. ein noch für die heutige Zeit grundlegendes
Bach, Albert Bernhard, Sänger und Buch: Versuch über die wahre Ar!, das Kla-
Gesanglehrer, * 24. März 1844 zu Gyula (Be- vier zu spielen (1753-62, 2 Teile, gekürzter
krsin Ungarn), tI9.Nov.I912 inEdinburgh, Neudruck von Walter Niemann 1906, 3.
zum Opernsänger gebildet in Wien und in Aufl. 1921, vgl. auch G. Schillings ver-
Italien, sang an den Bühnen zu Mailand und wässerte Bearbeitung 1857), zugleich eine
Budapest (bis 1885) und lebte zuletzt als Hauptquelle für die Erklärung der Spiel-
Gesanglehrer inEdinburgh. Schrieb:Musical manieren im 18. J ahrhundert.Eine Kurze und
Education andV ocaICu!ture, TheA rto/ Singing, systematischeA nleitung zum Generalbaß, deren
Loewe and Schuber!, The Art-BaUad, The Ms. Fetis besaß, mag wohl identisch mit der
86 Bach.

1780gedruckten von J ohann lVIich.B., Kan- referent derA rbeiter-Z eitungin \Vien, gründete
tor zu Tonna, sein (der Druck mit Verzeichnis 1906 Arbeiter-Sinfoniekonzerte, aus denen
von dessen zahlreichen Kompositionen~. Als später die Freie Volksbühne, jetzt die Kunst-
Komponist istB. der Hauptvertreter de~ "ga- stelle der Bildungszentrale hervorgegangen
lanten" Stils in Deutschland ; er hat vor allem ist. B. ist auch Obmann des Vereins für
auf dem Gebiet der KlaviersonateSatztech- volkstümliche Musikpflege in Wien. 1918
nik und Ausdruck ganz außerordentlich ge- bis I922 war er, im Verein mit J. Bittner,
fördert; sein Klavichord wird ihm, ähnlich wie Herausgeber des lVi erker. Außer Zeitungs-
später Chopin,:zum Universalinstrument; die aufsätzen veröffentlichte er: Die WieneI'
Sonatenform zum Gefäß für subjektivsten, Volksoper(I9II), Tausend! (Jubiläumsgabe
zwischen freiem und gebundenerem Stil der Sozialdem. Kunststelle 1923); gab auch
wechselnd en, an Pointen u nd überrasch ungen die Denkschrift zu den M eister-A uf/iihrungen
reichsten Inhalt. Er ist der eigentliche musi- Wiener Musik (1920) heraus.
kalische Repräsentant des Zeitalters der Em- Bach, Eduard, * 13. Okt. 1873 in Mün-
pfindsamkeit. Die Zahl der Kompositionen chen, bezog nach absolviertem Gymnasium
Ph. E. B.s ist sehr groß, besonders für Kla- die dortige Universität zu philosophischen
vier (210 Solostücke, 52 Konzerte, viele So- und juristischen Studien, um sich dann ganz
naten usw.); auf dem Gebiet der Kirchenmu- dem Studium der Musik an der Kgl. Aka-
sik war er zwar weniger bedeutend, doch sehr demie der Tonkunst zu widmen, an der er
fruchtbar (22 Passionen, viele Kantaten, 2 seit 1897 als Lehrer für Klavierspiel (1905
Oratorien usw.). Seine Liedkompositionen Kgl. Professor) und gediegener Pianist (1897
(Gellerts Geist!. Oden u. Lieder 1758, Oden mit Hofpianist) wirkt.
Melodien 1762, I2 geist!. Oden uHdLiederr764, *
Bach, Fritz, 3. Juni 1881' in Paris, erst
C. L. Sturms Geist!. Gesänge 1780-81, Neue Theologe, studierte seit 1905 Harmonielehre
Liedermelodien 1789 und viele verstreute) und Kontrapunkt bei J. BischQff in Lausanne,
waren zu ihrer Zeit hoch angesehen und zum Komposition bei V. d'Indy in Paris und
Teil mehrfach aufgelegt und sind sehr viel
Orgel bei A. Guilmant und Vierne. 1913-27
weniger trocken und zopfig als die Mehrzahl war B. Musiklehrer und Organist in Nyon,
der Blüten des Liederfrühlings der Berliner jetzt Lehrer am ,Cons. de ~ibaupierre in
Schule. V gl. Berlinische Oden und Lieder. H. Lausanne und Montreux. Er schrieb: Sin-
v. Bülow hat 6 Klaviersonaten C. Ph. E. fonie C moll; Kl. - Quintett A moll (Frei-
Bachs, H. Schenker eine Auswahl von 9 So- burg in d. Schw. 1916); Streichquartett;
naten u. a. Stücken, E. C al a n d ein weiteres Kl. - Quartett E moll; Poeme '(5 Sätze)
Album neu herausgegeben, Expedit Baum- für Kl. und Streicher; 2 Kantaten für
gart sowie C. Krebs (Urtextausgabe) die MCh.; Chöre; Lieder; Orgelstücke ; Musik
ganze Sonatensammlung für Kenner und Lieb- zu N. Celleriers Legende de St. Christophe,
haber; R. Steglich die Preußischen Sonaten 90. Psalm für Gem.Ch. und Orch. u. a.
von 1742 (1927 ff.). Drei Sinfonien gab 1860
Fr. Espagne in Partitur und Stimmen bei *Bach, Johann Bernhard, 23. Nov. *
Peters heraus, H. Riemann eine Auswahl 1676 in Erfurt, t II. Juni 1749 in Eisenach,
Klavierkonzerte,-Sonaten usw. bei Steingrä- ein Enkel von J. S. Bachs Großoheim J 0-
ber, 2 der prächtigen Streichquartette vom hann B., war Organist in Erfurt, Magdeburg
Jahre 1773 (G dur und F dm) bei Beyer & und 1703 in Eisenach, wo er auch zugleich
Söhne inLangensalza und das große G dur- Trio herzog!. Kammermusikus wurde. In der
für 2 Violinen und Baß im Collegium musicum Preuß. Staats-Bibliothek sind von ihm 40r-
(eineAusgabevonAlbertFu chs erschien vor- chestersuiten sowie einige Klavierstücke und
her beiMaxBrockhaus). Diekurzen und leich- Choralkantaten erhalten. Eine der Orche-
ten Klavierstücke gab O. Vrieslander mit stersuiten (G moll) gab A. Fareanu 1920
Analysen heraus (Univ.-Ed.), desgl. eine An- bei Breitkopf & Härtel in Leipzig heraus.
zahl Lieder und Gesänge (München 1922); 25 X*Bach, J ohann Christian (der 1\1lai-
geistliche Lieder hat J. Dittberner (1918) länder oder englische B.), der jüngste Sohn
herausgegeben. Ein thematisches Verzeichnis J.S.Bachs, * 1735 (getauft 7. Sept.) zu
seiner WerkeverfaßteA. VV'otq uenne(I905). Leipzig, tI. Jan. 1782 in London; war gleich
Vgl. C. H. Bitter, C. Piz. E. B. und W. Fr. Friedemann und C. Ph.Emanuel hochbegabt,
BachundderenBn~der(2 Bde.,I868) ;Flueler, neigte aber einer leichteren Schreibweise zu
Die norddeutsche Sinfonie ZHr Zeit Friedrichs und wurde daher einerderwichtigstenFörderer
des Großen usw. (Berlin 1910, Dissertation); des modernen Stils. Nachdes Vaters Tod wurde
Rud. Steglieh, C. PI!. E. Bach und der Dres- er von Ph. Emanuel B. ausgebildet, ging 17 54
dner K reuzllant01' G. A. H omilius im k! usi,q- nachMailand als Ha uska pellmeister des Conte
leben ihrer Zeit (Bach- Jahrb. 1915); O. Vries- Agostino Litta, der ihm Urlaub und Mittel
lander, C. PIt. Em. B. (München 1923). • zu Kontrapunktstudien unter Padre Mar-
Bach, David Josef, * 13. Aug. 1874 zu tini in Bologna gewährte. B. blieb mit Mar-
Wien, studierte an der Wiener Universität tini dauernd in Verbindung. J 760 wurde er
vergleichende Sprachwissenschaft, Kunst- (unter übertritt zur katholischen Konfes-
geschichte und Naturwissenschaft (Mach), sion) Domorganist zu Mailand. Durch die
promovierte 1897 mit einer Arbeit über Erfolge seiner Opern Artaserse (Turin I761),
Hume und ging später noch nach Berlin (C. C atone in Utica(N eapel 1761 u. Mailand 1762)
Stumpf) und Leipzig (Wundt). Zuerst als und A lessandro nelle I ndie (Neapel 1762) und
Schriftsteller tätig, wurde er 1904 Musik- Einlagen in andere Opern, aber auch durch
Bach. 87
.Kirchenkompositionen(Messen, Requiem, Te- Christian mit durchaus ungerechtfertigter
deum und Motetten) hatte er sich bereits einen Geringschätzung.
Namen gemacht, stand auch schon in Be- *Bach, Johann Christoph, Sohn Hein-
ziehungen zu Pariser Verlegern, als er 1762 *
rich Bachs, also Oheim J. S. Bachs, 8. Dez.
sich nach London wandte. Dort faßte er gleich 1642 zu Arnstadt, von 1655 bis zu seinem
mit seiner ersten neuen Oper ariane (1763) Tode 31. März 1703 Organist in Eisenach,
festen Fuß, wurde Musikmeister der Köni- ist der hervorragendste der älteren B., be-
gin und stand besonders durch die von ihm sonders auf dem Gebiete der Vokalkompo-
mit Karl Fr. A bel als Konzertmeister gelei- sition ; erhalten sind von ihm die biblische
teten Subskriptionskonzerte (seit 1764) bald Historie Es erhob sich ein Streit (Offenb.
im Mittelpunkte des Londoner Musiklebens. Joh. 12, 7-12), sowie einige Motetten, auch
Diese Bach-Abel-Konzerte (seit 1775 44 Choralvorspiele und eine Sarabande mit
in Hanover-Square-Room) waren für Lon- 12 Variationen für Klavier. Eine seiner
don ebenso tonangebend wie für Paris die Fugen Es dur ist irrtümlich unter die Werke
Concerts spirituels. J. Christian B. war kei- J. S. Bachs aufgenommen (Ausg. der Bach-
neswegs inder Hauptsache Opernkompo- Ges. Bd. 36, Nr. 12). Vgl. Sammelb. der
nist, vielmehr auch in ausgedehntem Maße Intern. MG. Ir. 254 (Rich. Buchmayer).
Instrumentalkomponist. Sein Wert, im Hin- *Bach, J ohann Christoph Friedrich
blick auf die freilich ganz anders geartete (der Bückeburger B.), der vierte der musika-
Kunst seines Vaters früher unverdient herab- lischen Söhne J. S. Bachs, * 21. Juni 1732
gesetzt, erscheint heute in immer hellerem zu Leipzig, studierte wie C. Ph. Ern. Bach
Licht: er ist in der Süßigkeit (nicht Weich- zuerst Jura, wurde aber schließlich Musiker
lichkeit), Grazie, Feinheit des Stils der ei- und war von 1750 ab Kammermusiker, von
gentliche Vorgänger und das einflußreichste 1756 ab gräflich lippeseher Kapellmeister zu
Vorbild Mozarts. Das durch lVIozart von Bückeburg, wo er26. Jan. 1795 starb. Er war
ihm übernommene singende Allegro geht ebenfalls ein fleißiger Komponist (kirchliche
freilich bis auf Pergolesi zurück, und wenn und weltliche Kantaten, 3 Oratorien auf Texte
Burney betont, daß B. zuerst planmäßig Herders: Die Kindheit ]esu 1773, Die Auf-
die Kontrastierung in die Themen seiner erweckung des Lazarus 1773 [beide in der
Instrumentalwerke eingeführt habe (Gen. Preuß. Staats-Bibliothek erhalten, Neudruck
Hist. IV, 483), so übersieht er, daß dieser vonG. SchünemanninDdTBd. 56]undDer
Kranz doch zweifellos den Italienern und Fremdling auf Golgatha [1776, verloren 1,
Stamitz gebührt. Die Zahl der Werke Bachs 6 hübsche Quartette für Flöte und Streich-
ist sehr groß. Außer I I italienischen Opern instrumente, Kantate Pygmalion, eine vier-
und einer französischen (Amadis de Gaules, händige [!] Klaviersonate, eine zweihän-
Paris 1779), den Stücken mit denen er sich dige im Musik. Vielerley [so d.], Varia-
an italienischen und auch englischen Pastic- tionen für Klavier usw.), doch nicht von der
cios beteiligte, und vielen Arien, Kantaten, Bedeutung Ph. Emanuels, Friedemanns und
Chören usw., auch Kanzonetten und 2 Ora- Joh. Christians. Eine Kantate Die Ameri-
torien, schrieb er eine kaum übersehbare kanerin (herausgegeb. 1920 von G. A. Wal-
Menge Instrumentalwerke aller Art: Sinfo- ter) ist als sein Werk bezeugt durch einen
nien, auch konzertante und eine für zwei Brief an den Dichter Gerstenberg (in der
Drehester, viele Klavierkonzerte (B. spielte Preuß. Staatsbibl.). Eine Biographie B.s
zuerst 1768 im Konzert auf einem Piano- von E. Horstig in Schlichtegrolls Nekrolog
forte), auch Konzerte für Orchesterinstru- auf d. J. 1795 (1. S. 268-84). VgI. vor allem
mente, Quintette, Quartette, Trios mit und Bach- JahrbuchI914(G. Schünemann). B.s
ohne Klavier, Klavier-Violinsonaten, I Kla- Werke werden durch das Bückeburger In-
viersextett und viele Klaviersolosachen, stitut für musikwissenschaftliehe Forschung
welche außerordentlich zur Popularisierung herausgegeben; bis jetzt (1927) erschienen
der Klavierkomposition beigetragen haben. Bd. I (Motetten), V (Klaviersonaten) und
VgI. die wertvolle Studie von Max S chw arz, VII (Kammermusik).
]. ehr. B. (Intern. MG. Sammelb. Ir. 3 *Bach, Johann Ernst, der einzige Sohn
[1901]), H. P. Schökel, ]. eh. B. und die von J. S. Bachs Vetter Joh. Bernhard B.,
Instrumentalmusik seiner Zeit (Wolfenbüttel * Sept. 1722 (oder 2. Febr. 1723) und t 28.
1926); Fritz Tutenberg, Die Sinfonik }. Jan. 1777 zu Eisenach, studierte Jura 'und
ehr. B.s (Kieler Diss. 1921:), G. de Saint- war in Eisenach zuerst Advokat, wurde 1748
Foix, Apropos de ].- ehr. B. (Rev. de mu- aber Adjunkt seines Vaters als Organist und
sicologie 1926); sowie H. Abert, ]. ehr. 1766 sachsen-weimarischer Kapellmeister.
B.s ital. Opern und ihr Einfluß auf Mo- Er gab 1749 eine Sammlung auserlesener
zart (ZfMW. I, 6 [1909]), ferner L. Lands- Fabeln mit 1Vlelodeyen (Neudruck in DdT
hoffs ausgezeichnete Neuausgabe einer An- Bd. 42 [Kretzschmar ]), sowie 1770 2 Hefte
zahl seiner Arien (1928) und Klavierso- Sonaten für Klavier und Violine heraus; auch
naten (1926, C .. F. Peters). Drei seiner Quar- schrieb er die Vorrede zu Adlungs Anleitung
tette f. FI., V., Va. und Vc. aus op. 8 (N. I, Z. mus. Gelahrtheit (1758). Manuskript blieben
3, 5) gaben 1927 A. Küster und M. Glöder
heraus; A. Küster außerdem 2 Sonaten für
I Motetten, Psalmen und Kantaten.
"'Bach, J ohann Gottfried Bernhard,
.
KI., FI. oder V., und eine 4 h. Sonate Sohn von J. S. Bach, * 11. Mai 1715 zu Wei-
f. Kl. (Hann. 1927). C. H. Bitters Werk mar, t 27. Mai 1739 zu Jena, war wie Friede-
über die Söhne Bachs (1868) behandelt Joh. mann musikalisch reich beanlagt, aber der

~~
88 Bach.

Sammlung zu ernster Arbeit unfähig, hatte an der Neuen Kirche zu Arnstadt annahm.
nur zweimal kurze Zeit Organisten stellen in Wie er von Lüneburg aus 1700 und 1703
:Mühlhausen 1735 -36 und Sangerhausen noch Ausflüge nach Celle gemacht hatte,
1737 -38 inne und starb 24 jährig. V gI. um Kompositionen Lullys von der Hofka-
Zeitsehr. d. IGM. III, 351 ff. pelle zu hören, so unternahm er 1705 bis 1706
*Bach,J ohannMichael,Bruder vonJoh. zu Dietrich Buxtehude, dem berühmten
*
Christoph B., 9. August 1648 zu Arnstadt, Orgelmeister, die bekannte Fußreise nach
seit 1673 Organist in Gehren beiArnstadt, wo Lübeck, welche ihn in Konflikt mit
el' 1694 starb. Seine jüngste Tochter, Maria seiner vorgesetzten Behörde brachte, da
Barbara, wurde J. S. Bachs erste Frau, die er seinen Urlaub weit überschritt; doch
:Mutter W. Friedemanns und C. Ph. Emanuel kam es nicht zum Bruch, da man den
Bachs. J ohann Michael war auf instrumen- genialen Jüngling gern halten wollte.
talem Gebiet bedeutender als sein Bruder; 1706 wurde durch den Tod von Joh. Georg
leider sind von ihm nur wenige Choral vor- Ahle die Organistenstelle zu St. Blasii
spiele auf uns gekommen, die eine hohe Mei- in Mühlhausen frei; B. rückte 1707 in sie
nung von seinem Können erwecken. SeineVo- ein, verheiratet mit seiner Base Maria
kalwerke zeugen, soweit nach den wenigen er- Barbara, Tochter Joh. Michael Bachs in
haltenenMotetten zu urteilen ist,zwar auch von Gehren. Obgleich die musikalischen Ver-
bedeutender technischer Fertigkeit, stehen hältnisse Mühlhausens nicht unerfreulich,
aber hinter denen seinesBruders zurück. jedenfalls größer als die von Arnstadt
*
*Bach, J ohann Sebastian, 21. März waren, blieb B. doch nur ein Jahr und ging
1685 zu Eisenach, t 28. Juli 1750 in Leipzig; 1708 als Hoforganist und Kammermusikus
einer der größten Meister aller Zeiten, in des regierenden Herzogs nach Weimar, wo
dessen Werken das musikalische Empfinden er 1714 zum Hofkonzertmeister ernannt
und Können einer Epoche sich gleichsam wurde. Hier war sein Neffe Bernhard
übergipfelt, und der noch eine besondere sein Schüler (* 24. Nov. 1700 und t 12.
Bedeutung, eine beispiellose Größe dadurch J uni 1743 als Organist zu Ohrdruf), der
gewinnt, daß die Stilgattungen zweier ver- wahrscheinlich das als Klavierbüchlein
schiedener Zeitalter zugleich in ihm zu des Andreas Bach bekannte übungsbuch
hoher Blüte gelangt sind, so daß er zwischen (mit Kompositionen von J. S. B., G. Böhm,
beiden wie ein gewaltiger Markstein steht, J. K. F. Fischer u. a.) schrieb (vgI. Spitta,
in beide riesengroß hineinragend. Denn Band 1. 397). Doch ging B. schon 1717 nach
B. gehört mit gleichem Rechte der hinter Köthen als Kapellmeister und Kammer-
ihm liegenden Periode der polyphonen musikdirektor des Fürsten Leopold von
Musik, des kontrapunktischen, imitato- Anhalt; hier hatte er weder eine Orgel zu
rischen Stils, wie der Periode der harmo- traktieren, noch einen Chor zu leiten, war
nisch bestimmten Musik an. Seine Lebenszeit vielmehr gänzlich auf Orchester- und Kam-
fällt in ein Zeitalter des übergangs, d. h. mermusik angewiesen, schrieb auch deshalb
in eine Zeit, wo der alte imitatorische Stil dort überwiegend Kammermusik. Seine
sich noch nicht ausgelebt hatte, der neue höchste Schaffenskraft entfaltete er aber
aber noch in den ersten Stadien seiner Ent- erst in Leipzig, wohin er 1723 als Kantor
wicklung stand und das Gepräge des Un- an der Thomasschule und Universitäts-
fertigen trug. Das Genie Bachs vereinigte Musikdirektor kam, als Nachfolger von
und verschmolz die Eigentümlichkeiten J ohann Kuhnau. In dieser Stellung, die
beider Stilgattungen in einer Weise, die ihm seit 1736 durch mancherlei Streitig-
als eine Idealform, ein Kanon der Musik keiten mit dem Rektor J. Aug. Ernesti
für alle Zeiten vorbildlich bleiben wird. und dem Rat verleidet ward, starb er nach
Bachs äußerer Lebensgang war schlicht. 27 jähriger Amtstätigkeit, die letzten drei
Sein Vater war der Stadtmusikus Am- Jahre seines Lebens von einem die Sehkraft
brosius B. (* 22. Febr. 1645, t 28. Jan. allmählich vernichtenden Augenleiden ge-
1695), seine Mutter Elisabeth, geb. Läm- quält, schließlich ganz erblindet. B. war
merhirt, stammte aus Erfurt. Mit neun zweimal verheiratet; mit Maria Barbara
Jahren verlor er die Mutter, mit zehn den (t1720), die ihm 7 Kinder geboren hatte (Ka-
Vater und wurde nun seinem Bruder J 0- tharina Dorothea [* 27. Dez. 1708J, Wilh.
hann Christoph B. (* 16. Juni 1671, Friedemann, C. PhiI. Emanuel und J oh.
t 22. Febr; 1721), Organisten in Ohrdruf, Göttfr. Bernhard blieben von ihnen am Le-
zur Erziehung übergeben. Der Bruder, ben), und seit 1721 mit Anna Magdalena,
ein Schüler Pachelbels, wurde jetzt sein Tochter des Kammermusikus Wülken zu
Lehrer. 1700 erhielt B. eine Freistelle auf Weißenfels, welche ihm 7 Töchter und
der Michaelisschule zu Lüneburg, wo Georg 6 Söhne gebar und ihn überlebte. B. hinter-
Böhm (s. d.) ohne Zweifel mächtig auf ihn ließ 5 Sohne und 4 Töchter; alle übrigen
einwirkte, und von wo aus er mehrmals zu Kinder waren vor ihm gestorben.
Fuß Ausflüge nach Hamburg machte, um Die Zahl der Werke J. S. Bachs ist eine
die berühmten Organisten Reinken und sehr große. In erster Reihe sind seine
Lübeck zu hören. Seine erste Anstellung Kirchenkan ta ten zu nennen, deren er
erhielt er 1703 als Violinist in der Privat- fünf vollständige Jahrgänge (für alle Sonn-
kapelle des Prinzen J ohann Ernst von und Festtage) geschrieben hat, von denen
Sachsen zu Weimar, blieb hier indes nur aber nur zweihundert erhalten sind. Der
wenige Monate, da er die Organistenstelle übersicht halber sei hier das Verzeichnis
Bach. 89
der Kirchenkantaten-Anfänge eingeschoben, wie der Regen und Schnee, Nr. 18; Gott der
mit Angabe der Numerierungder Ausgabe Herr ist Sonn' und Schild, Nr. 79; Gott fähret
der Bach-Gesellschaft: Ach Gott, vom Him- auf mit jauchzen , Nr. 43; Gott ist mein
mel sieh darein, Nr. 2; A eh Gott, wie manches König, Nr. 71; Gott ist unsre Zuversicht, Nr.
Herzeleid (Sonntag nach Neujahr), Nr. 58; 199; Gott, man lobet dich in der Stille, Nt.
Ach Gott, wie manches Herzeleid (2. Sonntag 120; Gott soll allein mein Herze haben, Nr.
nach Epiphanias), Nr.3; Ach Herr, mich .169; Gott, wie dein Name, so ist auch dein
armen Sünder, Nr. 135; Ach, ich sehe, jetzt, Ruhm, Nr. 171; Gottes Zeit ist die allerbeste
da ich zur Hochzeit gehe, Nr. 162; Ach, lieben Zeit (Actus tragicus), Nr. I06; Gottlob, nun
Chr.isten, seid getrost, Nr. II4; A eh wie flüch- geht das jahr zu Ende, Nr. 28; Halt im Ge-
tig, ach wie nichtig, Nr·.26; Allein zu dir, dächtnis j esum Christ, N r. 67; Herr Christ,
Herr jesu Christ, Nr.33; Alles nur nach der einge Gottessohn, N r. 96; Herr, deine
Gottes Willen, Nr. 72; Also hat Gott die Welt Augen sehen nach dem Glauben, Nr.I02;
geliebt, N r. 68; Am Abend aber desselbigen Herr, gehe nicht ins Gericht, Nr.I05; Herr
Sabbats, N r. 42; A rgre dich, 0 Seele, nicht, Gott, Beherrscher aller Dinge, Nr. 196; Herr
Nr. 186; Auf Christi Himmelfahrt allein, Nr. Gott, dich loben alle· wir, Nr. 130; Herr Gott,
128; Auf, mein Herz, des Herren Tag, Nr. dich loben wir, N r. 16; Herr j esu Christ,
145; Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir, du höchstes Gut, N r. II 3; Herr j esu Christ,
N r. 131; Aus tiefer Not schrei ich zu dir, wahr Mensch und Gott, Nr. 127; Herr, wie
Nr. 38; Barmherziges Herze der ewigen Liebe, du willst, so schicks mit mir, N r. 73; Herz
Nr. 185; Bereitet die Wege, bereitet die Bahn, und Mund und Tat und Leben, Nr. 147;
Nr. 132 (wohl 1715 entstanden); Bisher habt Himmelskönig, sei willkommen, Nr. 182;
ihr nichts gebeten in meinem Namen, Nr. 87; HöchsterwünschtesFreudenfest, NI'. 194; Ich
Bleib bei uns, denn es will Abend werden, armer Mensch, ich Sündenknecht, Nr. 55;
Nr. 6; Brich dem Hungrigen dein Brot, Nr. Ich bin ein guter Hirt, Nr. 85; Ich bin ver-
39; Bringet dem Herrn Ehre seines Namens, gnügt mit meinem Glücke, Nr. 84; Ich elender
Nr. 148; Christ lag in Todesbanden, Nr. 4; Mensch, wer wird mich erlösen, Nr. 148;
Christ, unser Herr, zum Jordan kam, Nr. 7; Ich freue mich in dir, Nr. 133; Ich geh und
Christen, ätzet diesen Tag, Nr. 63; Christum suche mit Verlangen, Nr. 49; Ich glaube,
wir sollen loben schon, Nr. 121; Christus, der lieber Herr, N r. I09; I eh hab in Gottes Herz
ist mein Leben, Nr. 95; Darzu ist erschienen und Sinn, Nr.92; Ich habe genug, Nr.82;
der Sohn Gottes, Nr. 40; Das ist je gewißlich Ich habe meine Zuversicht, Nr.I88; Ich
wahr, Nr. 141; Das neu{{eborne Kindelein, hatte viel Bekümmernis, Nr. 21; Ich lasse
Nr. 122; Dem Gerechten muß das Licht, Nr. dich nicht, du segnest mich denn, Nr. 157;
197; Denn du wirst meine Seele, Nr. 15 I eh liebe den Höchsten von ganzem Gemüte,
(eins der frühesten Jugendwerke [1704 ?J); Nr.I74; Ich ruf zu dir, Herr.jesu Christ,
Der Friede sei mit dir, Nr.I58; Der Herr Nr. 177; I eh steh mit einem Fuß im Grabe,
denket an uns, Nr. 198; Der Herr ist mein Nr. 156 (1729 oder 30 entstanden); Ich
getreuer Hi1,t, Nr. II2; Der. Himmel lacht, weiß, daß mein Erlöser lebt, Nr. 160; Ich
die Erde jubilieret, Nr.3I; Die Elenden will den Kreuzstab gerne tragen, Nr. 56; Ihr,
sollen essen, Nr. 75; Die Himmel erzählen die ihr euch von Christo nennet, Nr. 164;
die Ehre Gottes, Nr. 76; Du Friedefürst, Herr Ihr Menschen, rühmet Gottes Liebe, Nr. 167;
jesu Christ, Nr. II6; Du Hirte Israel, höre, Ihr Tore zu Zion, Nr.I93 (unvollständig);
Nr. 104; Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben, Ihr werdet weinen und heulen, Nr. 103; In
Nr. 77; Du wahrer Gott und ])avids Sohn, allen meinen Taten, Nr.97; jauchzet Gott
Nr.23 (1722 oder 23 entstanden); Ehre sei in allen Landen, Nr. 51; jesu, der du meine
Gott in der Höhe, NI'. 194 (unvollständig); Seele, Nr. 78; j esu, nun sei gepreiset, Nr. 41;
Ein feste Burg ist unser Gott, Nr. 80; Ein Jesus nahm zu sich die Zwölfe, Nr.22 (1722
Herz, das seinen jesum lebend weiß, Nr. 134; bis 1723 entstanden, Bachs Probestück in
Ein ungefärbt Gemüte, Nr. 24; Er rufet seinen Leipzig); j esus schläft, was soll ich haften,
Schafen mit Namen, Nr. 175; Erforsche mich, Nr. 81; Komm, du süße Todesstunde, Nr.
Gott, und erfahre mein Herz, Nr.I36; Er- 161; Leichtgesinnte Flattergeister, Nr. 181;
freut euch, ihr Herzen, Nr. 66; Erfreute Zeit Lübster Gott, wann werd ich sterben, Nr. 8;
im neuen Bunde, Nr. 83; Erhalt uns, Herr, Liebster Immanuel, Herzog der Frommen,
bei deinem Wort, Nr. 126; Erhöhtes Fleisch Nr. 123; Liebster jesu, mein Verlangen, Nr.
und Blut, Nr. 173; Erschallet, ihr Lieder, 32; Lobe den Herren, den mächtigen König
Nr. 172; Erwünschtes Freudenlicht, Nr. 184; der Ehren, Nr. 137; Lobe den Herrn, meine
Es erhub sich ein Streit, Nr. 19; Es ist das Seele (Neujahr), Nr. 143; Lobe den Herrn,
Heil uns kommen her, Nr.9; Es ist dir meine Seele (12. Sonntag nach Trin.), Nr. 69;
gesagt, Mensch, Nr. 45; Es ist ein trotzig Mache dich, mein Geist, bereit, Nr. II5; Man
und verzagt Ding, Nr. 176; Es ist euch gut, singet mit Freuden vom Sieg, Nr. 149; Mein
daß ich hingehe, Nr. I08; Es ist nichts Ge- Gott, wie lang', ach lange, Nr.I55; Mein
sundes an meinem Leibe, Nr. 25; Es reifet Herze schwimmt im Blut (Ausg. der Neuen
euch ein schrecklich Ende, N r. 90; Es wartet Bach-Ges. XIII, 2); Mein liebster j esus ist
alles auf dich, Nr.I87; Falsche Welt, dir verloren, Nr.I54; Meine See!' erhebt den
trau ich nicht, Nr.52; Freue dich, erlöste Herren, Nr. 10; Meine Seele rühmt und preist,
Schar, Nr.30; Geist und Seele wird ver- Nr. 189; Meine Seufzer, meine Tränen, Nr.
wirret, Nr. 35; Gelobet sei der Herr, Nr. 129; 13; Meinen jesum lass' ich nicht, Nr. 124;
Gelobet seist du, jesu Christ, Nr. 91; Gleich 1\IIitFried' und Freud' jahr. ich dahin, Nr.I25;
90 Bach.

Nach dir, Herr, verlanget mich, ~r. ISO; W ohZ dem, der sich auf seinen Gott, NI'.
Nimm von 'Uns, Herr, du t,'euer Gott, Nr. 101; 139. Von fünf Passionsmusiken sind nur
Nimn!, was dein ist, und gehe Mn, Nr. 144; zwei erhalten, nämlich die Matthäuspassion
Nun danket alle Gott, Nr. 192 (unvollständig); und die Johannispassion (die Unechtheit
Nun ist das Heil und die Kraft, Nr.50; einer dritten [nach St. Lukas] ist unzweifel-
Nun komm der Heiden Heiland (früheres haft). Diesen beiden größten Werken schließt
Werk), Nr. 61 (1714 entstanden); Nun sich die H moll-Messe an, die nebst vier
komm der Heiden Heiland (späteres Werk), unvollständigen das einzige erhaltene Doku-
Nr.62; Nur jedem das Seine, Nr. 163; ment einer größeren Zahl von B. wahr-
o ewiges Feuer, 0 Ursprung der Lt"ebe (Trau- scheinlich für die Drcsdener katholische
ungskantate), Nr. 195; 0 ewiges Feuer, 0 Hofkirche geschriebener Messen ist. Auch
Ursprung der Liebe (Pfingstkantate), Nr. 34; das große 5 st. 11([agnificat ist eins der hen'or-
o Ewigkeit, du Donnerwort (1. Sonntag ragendsten Werke Bachs. Den Passionen
nach Trin.), Nr. 20; 0 Ewigkeit, du Donner- nahestehende Werke sind das Weihnachts-
wort (24. Sonntag nach Trin.), Nr. 60; oratorium sowie das Himmelfahrts- und
o heilges Geist- und Wasserbad, N r. 165; Osteroratorium. Die Kantaten Bachs stehen
Preise, Jerusalem, den Herrn, Nr. II9; auf dem Boden der Formgebung, welche
Schau, lieber Gott, wie meine Feind' Nr. 153; seit 1700 durch Erdmann Neumeisters
Schauet doch und sehet, ob irgend ein Schmerz "madrigalische" Um dichtungen von Bibel-
sei, Nr. 46; Schlage doch, gewünschte Stunde, worten und älteren Kirchenliedern für die
Nr.53 (wahrscheinlich unecht); Schmücke dich, Komposition als Rezitative und Arien an-
o liebe Seele, Nr. ISO; Schwingt freudig euch gebahnt wurde; doch verzichtet nur ein Teil
empor, Nr. 36; Sehet, welch eine Liebe, Nr. 64; von ihnen auf die durch die Meister des
Sehet, wir gehn hinauf gen J erusalem, Nr. 159; 17. Jahrhunderts so eindrucksvoll entwik-
Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, ~ r. II7; kelte polyphone Behandlung von Chorälen
Selig ist der 1'([ann, Nr. 57; Sie werden aus oder Bibelsprüchen in der Verbindung von
Saba alle kommen, Nr. 6S; Sie werden euch Chor, Orchester und Orgel. Aber auch wo
in den Bann tun (früheres 'Werk), Nr.44; Bach, dem Zuge der Zeit nachgebend, in
Sie werden euch in den Bann tun (späteres der Art der weltlichen Kantate und der
Werk), Nr. 183; Siehe, ich will viel Fischer Oper, nur Rezitative und Arien wechseln
aussenden, N r. 88; Siehe zu, daß deine Gottes- läßt. erhebt ihn der Reichtum seiner melo-
furcht nicht Heuchelei sei, N r. 179; Singe! dischen Erfindung und die Vertiefung des
dem Herrn ein nettes Lied, Nr. 190 (um'oll- Ausdrucksgehalts weit über die Zeitgenossen;
ständig); Süßer Trost, mein J esus kommt, nur er hat es verstanden, der Gefahr, welche
Nt. 151; Tritt auf dt'e GlaubensbaJm, Nr. 152 die opernmäßige Anlage der Kirchenmusik
(1714 oder 1715 entstanden); Tue Rechnung! bedingt, mit Erfolg zu begegnen. Kaum
NI'. 168; Uns ist ein Kind geboren, Nr. 142; minder groß als in seinen kirchlichen (und
Unse1' Mund sei voll Lachens, Nr. IIO; Ver- weltlichen) Vokalwerken (über zwanzig
gnügte Ruh, beliebte Seelenlust, NI'. 170; weltliche Kantaten von ihm sind erhalten)
Wachet auf, ruft uns die Stimme, N r. 140; ist Bach in seinen Instrumentalkompo-
Wachet! betet! betet! wachet!, Nr.70; Wahr- si tionen, besonders für Orgel, Klavier,
lich, wahrlich, ich sage euch, N r. S6; W är' sowie Klavier mit anderen Instrumenten:
Gott nicht mit uns diese Zeit, Nr.14 (1735 Präludien und Fugen, Phantasien, Sonaten,
entstanden) ; Warum betrübst du dich, mein Tokka ten,Parti ten, Suiten, Konzerten, V aria-
Herz, N r. 138 ; Was frag ich nach der WeU. tionen, Choralvorspielen usw. vVie als Vokal-
N r. 94; Was Gott tut, das ist wohlgetan komponist so als Instrumentalkomponist ist
(15. Sonntag nach Trin.), Nr. 99; Was Gott B. der Erbe Jahrhunderte alten Kunstgutes,
tut, das ist wohlgetan (15. Sonntag nach als Vollender alles zusammenfassend und in
Trin.), Nr. IOO; Was Gott tut, das ist wohl- reinster Erkenntnis allerharmonischen Funk-
getan (21. Sonntag nach Trin.), Nr. 98; Was tionen läuternd, was anForm im großen und
mein Gott will, das gescheh' allzeit, N r. 1 11 ; kleinen die Periode der Polyphonie hervorge-
Was soll ich aus dir machen, Ephraim, Nr. 89; bracht ha tte; vor allem in der Fugenform ist B.
Was willst du dich betrüben, Nr. I07; Weinen, ein letzter und höchster Gipfel. Besonders
Klagen, Sorgen, Zagen, Nr. 12; vVer da glaubet seien hervorgehoben: Das Wohltemperierte
und getauft wird, Nr. 37; Wer Dank opfert, der Klavier (48 Präludien und 48 Fugen, in
p1'eiset mich, Nr.I7; Wer mich liebet, der jedem der beiden Teile je ein Präludium
wird mein Wort halten (früheres \Vcrk), Nr. und eine Fuge in jeder Dur- und Molltonart,
59; Wer mich liebet, der wird mein Wort das unvergängliche Denkmal des nun erst-
halten (späteres Werk), Nr.74; Wer nur malig in seinem ganzen Umfange dargelegten
den lieben Gott läßt walten, N r. 93; We,' sich Systems der an die Stelle der Kirchentöne
selbst erhöhet, der soll erniedriget werden, getretenen modernen Tonarten) und die
Nr. 47; Wer weiß, wie nahe mir mein Ende, Kunst der Fuge (15 Fugen und 4 Kanons
Nr. 27; Widerstehe doch der Sünde, Nr.54; über ein und dasselbe Thema). Vgl. die
Wie schön leuchtet der ld argenstern, N r. I; ausführlichen Analysen beider Werke in
Wir danken dir, Gott, wir danken dir, Nr. 29; H. Riemanns Katechismus der Fugen-
Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich komposition (1890-94, 3 Teile, 4. Auflage
Gottes eingehen, Nr. 146; Wo gehest du hin?, 1920) sowie K. Debrois van Bruycks
Nr.I66; Wo Gott, der Herr nicht bei uns Technische und ästhetische Analyse des W ohl-
hält, Nr. 178; Wo soll ich fliehen hin P, Nr. 5; temperierten Klaviers (2.Auflage 1889) und
Bach. 91
Fr. Iliffe, The 48 Preludes und Fugues usw. [wertvolle Programmbücher von A. Heuß],
(1896). Die Orgelwerke Bachs bilden bis Hamburg 1921, Stuttgart 1924, Essen 1925,
heute. den Gipfelpunkt der Orgelmusiküber- München 1927); gibt seit 1904 ein Bach-
haupt, die nach ihm schnell absank und erst Jahrbuch heraus (redigiert von Arnold
in neuester Zeit (Max Reger) wieder an Schering) und macht Bachsche Werke in
Bach anknüpfte. Für Violine allein schrieb praktischen Neuausgaben zugänglich (Breit-
.B. 3 Partiten und 3 Sonaten, Werke, die kopf & Härtel). Neben diesen größeren Fe-
ihresgleichen nicht haben; allein schon die sten veranstaltete sie vier kleine Bachfeste
große Ciacona der D moll-Partita genügt, (drei in Eisenach 19II, 1913, 1917, eins in
um einen Begriff von Bachs immensem Köthen 1925); besonders zu erwähnen sind
Können und unerschöpflicher Phantasie zu die Leipziger Bachfeste, vonK. Straube mit
geben. Von jetzt nicht mehr üblichen In- dem Leipziger Bach-Verein veranstaltet
strumenten hatB. die Garn b e mit 3 Sonaten, (1908, 19II, 1914, 1920 [zugleich 8.
.die Laute mit 3 Partiten (Neuausg. der Deutsches Bachfest], 1927). Bach - Ver-
Lautenkompositionen durch Dag. Bruger) eine zur Pflege Bachscher Musik bestehen
und die von ihm selbst konstruierte Viola bzw. bestanden in Deutschland, England,
pom posa (Violoncello piccolo [s. d.]) Paris, Amerika in großer Zahl. Ein erstes
mit einer Suite bedacht. Nur ein kleiner Teil unschein bares Den k m al B.s ließ Mendels-
der v'i.'erke Bachs erschien bei seinen Leb- sohn zu Leipzig in der Nähe der Thomas-
zeiten im Druck (KZavierübung, Das musi- kirche an der Promenade aufstellen; eine
kalische Opfer, die Goldbergsehen Variationen, Bachbüste erinnert in Köthen an seine dor-
Choräle us\\'.); den von B. selbst begonnenen tige Anstellung; ein erstes Standbild aus Erz
Stich der Kunst dfr Fuge gab C. Phi!. Ern. wurde 28. Sept. 1884 in seiner Geburtsstadt
Bach 1752 heraus. Erst Jahrzehnte nach Eisenach enthüllt; die 1895 von Karl Seff-
seinem Tod begann man, Bachs Werken ner auf den angeblich aufgefundenen Schä-
wieder 5rößere Beachtung zu schenken und del Bachs (vgI. VV. His, Anatomische F orschun-
einzelnes zu drucken bzw. wieder zn drucken. gen über J olt. Seb. B.s Gebeine U'nd Antlitz,
Forkel wies als erster auf Bachs nationale und 1896) modellierte charaktervolle Büste
übernationale Bedeutung hin; Mendelssohn fand ihre Aufstellung in der Musikbibliothek
hat dann durch die mit Ed. Devrient 1829 in Peters zu Leipzig; am 17. Mai 1908 wurde
Berlin veranstaltete Aufführung der Mat- ein von Seffner modelliertes Bronze-Stand-
thäuspassion durch die Singakademie den bild auf dem Platz hinter der Thomaskirche
stärksten Anstoß zur Wiederbelebung B.s zu Leipzig enthüllt; auch in der Walhalla
gegeben. 1837 nahm die Firma Peters eine hat eine Bachbüste von Fritz B ehn 1916
Gesamtausgabe der Instrumentalwerke Bachs Aufstellung gefunden.
in Angriff; später dehnte sie diese auch auf Die Lebensgeschichte J. S. Bachs ist mehr-
die Vokalwerke aus. Eine monumentale fach geschrieben worden, zuerst von Phi!.
kritische Gesamtausgabe ist die 1851 Emanuel B. und J. Fr. Agricola in Mizlers
bis 1900 erschienene der von den beiden Musikalischer Bibliothek, Bd. IV, I (1754),
HärteI, K. F. Becker, M. Hauptmann, Otto J. A. Hiller (1784), dann von Forkel (Ober
Jahn und Rob. Schumann in Leipzig be- J. S. Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke,
gründeten Bach- Gesellschaft (46 Jahr- 1802, 2. Auf I. 1855, Neuausgabe durch J.
gänge in 59 Bänden, die Redaktion größten- Müller-Blattau 1925; engI. von Wesley
teils von W. Rust besorgt). Eine Ausgabe 1820), Hilgenfeldt (1850), Bitter (J. S.
der Kantaten für den praktischen Gebrauch B., 1865, 2 Bde., 2. Aufl.l881, 4 Bdc.), H.
(Klavierauszüge, Stimmen) im Verlage von Barth (J. S. B., 1902). Eine eingehende,
Breitkopf & H ärtel besorgten B. Tod t, E. des Meisters würdige Biographie ist die von
Naumann, G. Schreck, Max Schneider Ph. Spi tta veröffentlichte (J. S. B., 1873
undOtto Schröder. Erwähnt seien auch noch bis 1880, 2 Bde., 3. Auf I. 1921 ;engI. vonClara
die Bearbeitungen Bachscher Werke durch Bell undJ.A. Fnller-Maitland 1899). Da-
Robert Franz (5. d.), die freilich vor der zu kommen W. Carte, Etude sur J. S. B.
heutigen, auf geschichtlicher und sachlicher (2. Auf I. 1898); A. Pirro,L'orguedeJ. S. Bach
Erkenntnis beruhenden Aufführungspraxis (1895, englisch von GoodrichI903), L'estJzeti-
nicht mehr bestehen können. Die Zahl der gue de J. S. Bach (1907), und B ach (Biogra-
Einzelausgaben ist Legion; von denen der phie 1906, deutsch von B. Engelke 19IO);
Klavierwerke seien die von Hans Bischoff Alb.Schweitzer ,j. s. Bach Ze musicien poete
(Steingräber) und F. Busoni (B. & H.), von (1905, erweitert deutsch 1908 ff., auch engI.
denen der Orgelwerke die von Straube (nur 1923); H. H. Parry, J. S. Bach (1909 engI.);
.der 1. Bd. bisher) hervorgehoben. 1900 Julien Tiersot, Bach (1912 in Musiciens
(Gründungstag 27. Jan.) trat in Leipzig cetebres); Ch. Sanford Terry, Bachs Chorals,
unter der geistigen Aegide von Herrn. 3 Bde. (1915, 1917, 1921); J. S. Bach's Ori-
Kretzschmar eine NeueBachgesellschaft ginal Hymn-Tunes jor CongregationaZ Use
ins Leben. Sie kaufte Bachs Geburtshaus (1922); Bachs Mass in B minor; A Bach
.in Eisenach und legte darin ein Bach- Hymnbook oj XVI Centul'y MeZodies (1923);
Museum an, veranstaltet mit wechselndem J. S. Bachs Cantata Texts, Sacred and Secular
Ort Große und Kleine Bachfeste (Berlin (1926); W. G. Whittaker, Fugitive Notes
1901 lmd 1926, Leipzig 1904, 1920 und on Church Cantatas and Motets oj J. S. B.
1923, Eisenach 19°7, Chemnitz 1908, Duis- (1923); Harvey Grace, The Organ Works 0/
:burgI910, Breslau 1912 und 1922~ Wien 1914 B. (1922); M.Ko belt,]. S. B.sgroßesMagni c
92 Bach.

fikat (1903, Dissert.); Ph. Wolfrum, J. S. *Bach, Wilhelm Friedemann (der Hal-
B. (2 Bde. 1906,1910); K. Hasse, J. S. B. lesche B.), der älteste Sohn J. Seb. B.s, * 22.
(I925); F. J öde, Die Kunst Bachs (1926); Nov. I710 zu Weimar, t 1. Juli I784 in Ber-
A. Heuß, J.S. B.s Matthäuspassion (19°9); lin; war außergewöhnlich begabt und der
Leonhard 'vVolff, J. S. Bachs Ki1'chenllantaten besondere Liebling seines Vaters (ein Zeug-
(1914); Herm. Kretzschmar, Bach-Kolleg nis dessen das für ihn angelegte Klavür-
(1922) ;Wilh.Werker, Bachstudien(I :Studien büchldn, Neuausg. von Herm. Keller, J927),
uber die Symmetrie im Bau dar Fugen und die schlug aber insofern aus der Art, als er sich
.motivischeZusammengehöriglleit der Präludien einem ungebundenen, vagabundierenden
und Fugen des Wohlt. Klaviers, 1922; II: Lebenswandel ergab, der ihn selten zu ge-
Die Matthäus-Passion, 1923); Fuller-Mait- sammelter Arbeit konunen ließ. Er ,v ar I733
land, Tlte Toccatas of Bach (Sammelb. d. his 1747 Organist an der Sophienkirche zu
IMG. XIV, S. 578 H.); Joh. Schreyer, Bei- Dresden, so dann bis 1764 an der Marien-
träge zur Bachllritill (2 Hefte 1912/13); R. kirche zu Halle a. S. Seit er dies Amt
Wustmann, J. S. B.s Kantatentexte (1913); seiner Extravaganzen wegen aufgeben
J. Mayrhofer, Bachstudien (1. Bd. 19°1, mußte, lebte er, ohne eine neue Stel-
über die Orgelwerke); Ernst Kurth, Grund- lung anzunehmen, bald hier, bald dort
lagen des linearen Kontrapunllts; Einführung (Leipzig, Berlin, Braunschweig, Göttingen
in Stil und Technik von Bachs melodischer usw.) und starb, ein verkommenes Genie in
Polyphonie (1917); Woldemar Voigt, Die des 'vVortes wahrem Sinne, 74 jährig in Ber-
Kirchenkantaten J. S. Bachs (Führer beim lin. Der Stil Friedemanns ist ein durchaus
Selbststudium), herausgegeben vom Würt- individueller, oft durch Züge innigen Aus-
tem bergischen BacJn-erein 1918 ;Friedr. H a s- drucks überraschend. Eine größere An-
hagen, J. S. Bach als Sänger und j 11lusiller zahl seiner Werke liegt handschriftlich
des Evangeliums und der luth. Reformation auf der Berliner Bibliothek; eine Aus-
(2.-4. Auf!. 1925). wahl (Konzerte, Sonaten, Phantasien, eine
Bach, Leonhard Em il, * 11. März 1849 Suite usw. für Klavier) gab H. Rie-
zu Posen, t 15. Febl'. 1902 in London, Pia- mann bei Steingräber heraus, eine Trioso-
nist, Schüler Kullaks (Klavier), Wüersts und nate B dur im Collegium musicum, Werke,
Kiels (Theorie) in Berlin, war längere Zeit die der Beachtung im höchsten Maße wert
Lehrer an Kullaks Akademie, seit 1882 Leh- sind. Eine Phantasie und Fuge für Orgel gab
rer an der Guildhall-Musikschule zu London. A. Stradal für Klavier heraus, zugleich
B. schrieb die Opern: Irmengarda (London mit dem ihm zugeschriebenen Orge1konzert
1892), The Lady 0/ Langj01'd (daselbst 1894), in D moll, das jedoch eine Bearbeitung eines
Des Königs Garde (Köln 1895) und die ko- Vivaldischen Violinkonzerts durch Seb.
mische Oper Das Taballsllollegium (nach- Bach ist (vgI. Bach- Jahrbuch I9I I, S. 23
gelassen). [Max Schneider]); eine prachtvolle Sinfo-
nie (Ouvertüre zu einer Geburtstagskantate)
*Bach, Nikolaus, Sohn von Joh. Chri- in D moll Erich Prieger (1910); ein Heilig
stoph B., * 10. Okt. 1669, t 4. Nov. 1753, für Ch. und Orch. A. Schering (I922). Eine
war seit 1719 Organist der Stadtkirche und Sonate für 2 Klaviere steht im 43. Jahrgange
zugleich der Kollegienkirche zu Jena, ein der Ausgabe der Bachgesellschaft als Werk
vorzüglicher Kenner des Instrumenten- seines Vaters (bei Rieter-Biedermann unter
baues. Von seinen Kompositionen sind er- Friedemanns Namen gedruckt, ,-,on J. Brahms
halten eine meisterliche Messe in E moll anonym herausgegeben). Die 1758 inderLeip-
(Neuausg. von A. Fareanu und V. Junk ziger Zeitung auf Subskription angezeigte
1920) und ein komisches Singspiel Der Jena- Abhandlung vom harmonischen D1'eyklang
ische Wein- und Bier-Rufer (Neuausg. von ist wohl nicht zum Druck gekommen. Leider
Fri~ Stein 1921). scheint es, daß durch Fricdemanns Schuld
Bach, Otto, * 9. Febr. 1833 zu Wien, wo ein Teil der '''erke seines Vaters verloren ge-
sein Vater Advokat war, t 3. Juli 1893 zu gangen ist; denn von den nach dessen Tode
Unterwaltersdorf bei Wien, Schüler Sech- unter die beiden ältesten Söhne verteilten
ters in Wien, Marx' zu Berlin und Haupt- Manuskripten sind, soweit bis jetzt bekannt,
manns zu Leipzig, wirkte zuerst als Opern- nur die Ph. Emanuel zugefallenen erhalten.
kapellmeister an verschiedenen deutschen A. E. Brachvogels Roman Fr. B. (vielfach
Bühnen und wurde 1868 artistischer Direk- neu gedruckt) hat keinen eigentlich biographi-
tor des Mozarteums und Domkapellmeister schen Wert; C.H. BittersWerk über die
zu Salzburg , I880 Kapellmeister an der Söhne Seb. Bachs wird Friedernann nicht
Votivkirche zu 'vVien. I864 heiratete er H. gerecht. VgI. Martin Falck (gefallen 28. Okt.
MarschnersWitwe Therese(geb.Janda). Von I9I4 beiBecelaere), W.F.B. (1913, Leipziger
seinen Kompositionen sind hervorzuheben Dissertation, mit thematischem Katalog der
die Opern: Die Liebesprobe (Der Löwe von erhaltenen '''erke).
Salamanlla, I867), Leonore (I874), Die Argo- *Bach, Wilhelm Friedrich Ernst, En-
nauten, M edea, Sardanapal, Musik zu Heb- kel und letzter männlicher Nachkomme J.
bels Nibelungen, ein Requiem, 4 Sinfonien, S. Bachs, Sohn des Büclleburger B., * 27. Mai
die Ballade für Chor und Orchester Der Blu- I759 zu Bückeburg, t 25. Dez. 1845 in Ber-
men Rache, die Ouvertüre EleMra, Kammer- lin; Schüler seines Vaters und seines Oheims
musikwerke, Chorlieder, Messen, Tedeum J oh. Christian, zu dem er sich nach London
usw., von denen vieles im Druck erschienen ist. begab, war ein vorzüglicher Klavier- und
Bach-Abel-Concerts --,- Bachmann. 93

Orgelspieler und zunächstin London ein sehr *


Bachelet (spr. baschlä), A lf rti d, 26. Febr.
gesuchter Lehrer, ging nach des Oheims 1864 in Paris; einer der bemerkenswertesten
Tode nach Paris, wo er konzertierte, und Opern komponisten der modernen französi-
ließ sich dann in l\iinden nieder. 1789 sie- sehen Schule, der aber erst spät Anerkennung
delte er nach Berlin über, wo er als Cembalist errungen hat, und zwar einzig mit einem ly"
der Königin mit dem Titel Kapellmeister an- rischen Drama Quand la cloche sonnera(Paris,
gestellt wurde; später war er Cembalist der Op. Com., 1922). Nach glänzenden Studien
Königin Luise und Musiklehrer der könig- am Kons. erhielt er 1890 den Rompreis und
lichen Prinzen, erhielt aber nach dem Tode blieb dann 25 Jahre lang vollständig -
der Königin seine Pensionierung und lebte außer im Freundeskreis - im Verborgenen;
seitdem zurückgezogen. Nur wenige Kom- nur gelegentlich gelangte ein Lied, eine ly-
positionen von ihm sind gedruckt (Gesang- rische Szene oder eine sinfonische Dichtung
und Klaviersachen). aus seiner Feder in den Konzertsaal. 1914
Bach-Abel-Concerts (in London 1764 führte die Große Oper sein dreiaktiges ly-
bis 1782) s. Joh. Chr. Bach und K. Fr. Abel. rischesDrama Scemo (Text von CharlesMere)
Bach-Klavier, s. Maendler. auf. Während des Krieges brachte er als
Bach-Society, eine 1849-70 in London Dirigent der Oper mit Erfolg ein Ballett
tätige Gesellschaft zur Förderung der Bach- (Text von H. Prunieres), in das er orche-
forschung und zur Pflege Bachscher Musik, strierte Tänze aus dem 18. Jahrhundert ein-
begründet von St. Bennett, R. Barnett, Hop- gearbeitet hatte: La Fete ehez la PouplinUre;
kins, Hullah, Henry Smart, George Smart, er orchestrierte auch die Rezitative und
Potter, Steggall u. a. ( 18 54 Matthäuspassion Tänze von Castor et Pollux von Rameau.
unter Barnett, 1860 H moll-Messe, 1861 Seit 19 19 ist er als Nachfolger von Ropartz
Weihnachtsoratorium usw.). Bei der Auf- Direktor des Konservatoriums von Nancy.
lösung 1870 vermachte die Gesellschaft ihre Andere Werke: L'amour des Ondines, sinfon.
Bibliothek der Royal Academy of Music. Dichtung für Tenor, FrCh. und Orch.; ] oie;
Le Songe de la Sulamite, lyr. Szene; Orchester-
Bache (spr. betsch ) , Constance, Schwe- gesänge; NoN für 2 Frauenstimmen; Ballade
ster von F.E. und W. Bache, * 11. März 1846
zu Edgbaston, t 28. Juni 1903 zu Montreux, für V. und Orch.; Oper: Fiona, 4 akt. ( 18 94
zum Teil in den Concerts Lamoureux ge-
war eine hochgeschätzte Ü bersetzerin aus spielt).
dem Deutschen ins Englische. Sie schrieb: Bachmann, An ton, Hofmusikus und In-
Brother Musicians, Reminiscences 01 Edward
and Walter B. (19 01 ) und übersetzte u. a. strumentenmacher zu Berlin,
* 17 16, t 8.
März 1800. Sein Sohn und Geschäftserbe
den ersten Band der Briefe Bülows (The Kar! Ludwig, * 1743, t 18 09, war ein
Early Correspondence 18 96 ) und Briefe Liszts guter Bratschist und als solcher Mitglied der
(Letters 18 94). Königlichen Kapelle. Dessen Gattin Char-
Bache (spr. Mtsch), Francis Edward, lotte Karoline Wilhelmine, geborene
t
* 14· Sept. 18 33 und 24· Aug. 18 58 zu Bir- Stöwe, * 2. Nov. 1757 zu Berlin, 19. Aug. t
m~ng~am; Violinschüler V?~ A. M~llon in 18 17, war eine tüchtige Sängerin und ver-
B1rmlllgham, dann Kompos1tlOnsschuler von dientes Mitglied der Singakademie unter
Bennett, 1853-55 Schüler von Hauptmann Fasch.
und I:'laidy am Leipziger Konseryatori~m, ~achmann, Georg Christian, berühm-
war elll sehr talentvoller Kom~omst"le1der ter Klarinettenvirtuose, * 7. Jan. 1804 zu
abe~ br~stkrank, lebte 1,855/$6 l,n Alg1ef1;nd Paderborn, t 18. Aug. 1842 zu Brüssel, wo
It~hen, 1m Sommer, I 8 56111 Le1pz1gynd W1en, er Solo- Klarinettist der Königl. Kapelle
se1t Sommer 1857 III England. Ellle Anzahl und Professor am Konservatorium war und
Klavierstücke, Lieder, ein viel gespieltes viele bedeutende Schüler bildete. Daneben
Trio, Violinromanzen sind gedruckt, ein Kla- war B. selbst als renommierter Fabrikant
v~erkonze;;rt, ein Kon,zer~stück;, eine Ou::er- von Klarinetten tätig.
ture, zwe1 OJ;>ern (Whzch z~ Whzeh ,18 5 I, Rube- *
Bachmann, Gottlo b, 28. März 1763 zu
zahl 1853) sllld Manusknpt geblieben. Bornitz bei Zeitz, t 10. April 1840 in Zeitz,
Bache (spr. biitsch),Walter, Brudervon seit 1791 Organist an der dortigen Nikolai-
Fr. E. B., * 19. Juni 1842 zu Birmingham, kirche, Komponist von Singspielen rOrpheus
t26. März 1888 in Landon, zuerst Schüler von und Euridiee, Don Sylvio von Rosa/ba), Lie-
Stimpson inBirmingham, 1858-61 amLeip- dem und Balladen (Schillers Bürgschaft und
ziger Konservatorium von Plaidy, Moscheies, Gruppe aus dem Tartarus, Bürgers Lenardo
Hauptmann und Richter, gleichzeitig mit und Blandine usw.), sowie zahlreichen Kam-
seinen Landsleuten Sullivan, Dannreuther, mermusikwerken (Klavierquintett op. II2,
C. Rosa, Fr. Taylor usw. Nach kurzem Auf- Streichquartette op. 4,5,22), Klaviersonaten
enthalt in Mailand und Florenz ging er 1862 (eine zu vier Händen) und Orgelstücken.
nach Rom und studierte drei Jahre unter Schrieb eine Allgemeine Musikschule (1833).
Liszt, befreundet mit G. Sgambati. 1865 Bachmann, Walter, * I. Juni 1874 zu
kehrte er nach England zurück und lebte Dresden, erhielt noch während der Schulzeit
seitdem als Dirigent und Musiklehrer in Lon- (1880-82) Unterricht bei Sigism. Blumner
don. B. war ein warmer Verehrer Liszts (Klavier), Franz Wüllner (Theorie), Krantz
und hat persönlich als Pianist und Dirigent (Klavier) und studierte nach Absolvierung
zahlreiche seiner Werke in London bekannt des Gymnasiums 1892-94 am Dresdener
gemacht. Konservatorium bei Krantz, Di:aeseke und
94 Bachner - Badeff.

Rappoldi. Im Jahre 1894 als Lehrer des op. 20, auch :Vlchöre, darunter das Chor-
Hochschulorchesters dieser Anstalt ange- werk Foran Sydens Kloster usw.).
stellt, 1896 Gewinner des Mendelssohn- Backer-Gröndahl, Frithjof, * 5. Okt.
Staatsstipendiums für ausübende Tonkünst- 1885 zu Oslo, Sohn und Schüler von Agathe
ler, lebt er als feinsinniger Konzertpianist B.-G., studierte noch auf der Berliner Kgl.
in seiner Vaterstadt. Hochschule für Musik (Rudorff, A. W. Bach)
Bachner, Louis, Gesangspädagoge, * 17. und bei E. von Dohnanyi, Komposition bei
April 1882 in Neuyork, erst als Konzert- Rob. Kahn und PhiI. Scharwenka, und lebte
pianist in Amerika und Europa tätig; seit als Pianist und Komponist (meist Klavier-
1901 studierte er jedoch in Paris und Berlin sachen) in Oslo, lebt jetzt aber in London.
Gesang und wirkt seit 19IO als Gesangslehrer Backer-Lunde, Johan, * 6. Juli 1874 zu
in Berlin, seit 192I Professor an der Staatl. Le Havre von norwegischen Eltern, Schüler
Hochschule für Musik. Zu seinen Schülern von Agathe Backer-Gröndahl und IverHolter
zählen u. a. Heinrich Schlusnus, Sigrid One- in Oslo und von Busoni und Heinr. Urban
gin, Charles Dalmores, Karin Branzell, Rich. in Berlin. Konzertierte in Skandinavien,
Schubert, Rudolph Laubenthal. England und Deutschland als geschickter
Pianist und komponierte Klaviersachen,
Bachofen, J oh. Kaspar, schweiz. Kom- über 200 Lieder, auch Orchesterwerke: 3
*
ponist, 1697 und t 24. Juni 1755 in Zürich; Sinfonien und 16 Orchesterstücke.
Organist und später Kantor am Münster,
beliebter Komponist überwiegend kirch- Backhaus, \Vilhelm, Pianist, * 26. März
licher Gesänge: ll1usikalisches Halleluja (I- 1884 in Leipzig, 1891-99 Schüler von Alois
Reckendorf daselbst (privatim und seit 1894
bis 3 st. geistI. Lieder 1727, 8. AufI. 1767),
Irdisches Vergnügen in Gott (nach Brockes, am Konservatorium) sowie 1899 von Eugen
d'Albert in Frankfurt a. M., machte sich
Melodien mit Baß 1740), Musikalische Er-
getzungen (Arien konzertweis 2 st. ohne und seit 1900 durch Konzertreis~n bekannt, fun-
gierte 1905 als Klavierlehrer am Royal Col-
mit Instr. 1755), Psalmen (Melodien mit
lege of Music zu Manchester (unter Brodsky),
Generalbaß, 2. Auf I. 1759), eine Passion (1759, erhielt in demselben Jahre den Rubinstein-
Text von Brockes) usw" auch ein instruk-
tives Musikalisches Notenbüchlein. preis und lebt seitdem, als Spieler von größter
technischer überlegenheit, nur der Konzert-
Bachrich, Siegmund, * 23, Jan. 1841 zu tätigkeit. Im Sommer 1907 und 1908 hielt
Zsambokreth (Ungarn), t 16. Juli 1913 in er Ferien- Meisterkurse für Klavierspiel am
Wien, am Wiener Konservatorium 1851-57 Sondershäuser Konservatorium.
Violinschüler Böhms, zog, nachdem er kurze Backofen, J oh. G. Heinrich, * 1768
Zeit als Kapellmeister einer kleinen Bühne zu Durlach, t 1839 in Darmstadt, vielseitiger
in Wien fungiert, 1866 nach Paris, wo er Virtuose auf der Klarinette, Harfe, Flöte
sich als Dirigent in untergeordneter Stellung, und dem Bassetthorn; machte seit 1789 auf
Journalist, ja Apotheker kümmerlich durch- Kunstreisen Aufsehen, war 1802 Kammer-
schlug; 1869 kehrte er nach \Vien zurück musikus zu Gotha, seit 18II zu Darmstadt.
und trat als Bratschist in das Hellmesberger- B. gab Trios, Quintette usw. für Harfe mit
sche Quartett ein, dem er 12 Jahre ange- andern Instrumenten, Klarinettenkonzerte
hörte. B. war bis Anfang 1899 Professor am u.a., eine Harfenschule und eine Methode des
Wiener Konservatorium und Solobratschist Bassetthorn- und Klarinettenspiels heraus.
des philharmonischen und Hofopernorche- Bacon (spr. bek'n), Richard Mackenzie,
sters, auch :i\Iitglied des Quartetts Rose. Er
komponierte Kammermusikwerke, Violin-
* 1. Mai 1776 zu NOl'wich, t 27. Nov. 1844 zu
Cossey bei Norwich; war Herausgeber des
stücke, Lieder und die komischen Opern Quarterly l11usical 111agazine and Review (1818
Muzzedin (1883) und Heini von Steier (1884), bis 1829) sowie der Elements 01 Vocal Science
die beifällige Aufnahme fanden. Bereits (1824). Auch hat er die alle drei Jahre statt-
1866 waren diesen zwei Operetten in Wien findenden Musikfeste zu Norwich ins Leben
vorausgegangen; eine dritte Der Fuchsmajor gerufen.
folgte 1889. Auch ein Ballett seiner Kompo- Bacon (spr. bek'n), Roger, der berühmte
sition Sakuntala wurde aufgeführt. In seinem Franziskanermönch, Naturforscher und Phi-
Nachlasse fand sich als Manuskript Aus ver- losoph (Doctor mirabilis), * 1214 zu Ilchester
klungenen Zeiten, Erinnerungen eines alten (Somerset), t II. Juni 1294 zu Oxford,
Musikers (erschienen Wien 1914). schrieb auch einen Traktat De valore musi-
Backer-Gröndahl, Agathe Ursula, nor- ces, der in sein Opus majus (Ausg. Leipzig
wegische Pianistin und Komponistin, * I. De- 1733) aufgenommen ist. Vgl. Herrn. Mül-
zember 1847 zu Holmestrand, t 16. Juni 1907 ler, Zur 114usikaulfassung des I3. ] ahrh.
zu Ormoen bei Oslo (zuletzt taub), Schü- (AfMW. IV, 4; 1922).
lerin von O. Winter-Hjelm und H. Kjerulf, Badajoz, span. Komponist des 15./16.
1866 von Th. Kullak in Berlin, 1867 von J ahrh., s. Cancionero musical.
Bülow in Florenz, 1875 vermählt mit dem B!ldarczewska (spr. bongdartschefska)!
Gesanglehrer Olavus Andreas Gröndahl Thekla, * 1838 und t 1862 zu Warschau ;
in 0s10 (* 4. Nov. 1847 zu Oslo, Nachfolger bekannt durch seichte Klavier-Salonstücke
von J. D. Behrens als Leiter großer Männer- (La priere d'une vierge).
chöre und gemischter Chöre [Gröndahls Kor Badeff, At a n a s, bulg. Kirchenkomponist,
1878-1906], komponierte Lieder, Klavier- * 1863 (?) in Prilep (Mazedonien), t Aug.
stücke, Etüden op. II, 47, 57, 58, Suite 1908 in Sofia, ging nach Absolvierung des
Baden - Bätz. 95
Gymnasiums in Sofia nach Rußland (Odessa, verÖff. I536 eine "Arte de tanger". Vgl.
Moskau), um Musik zu studieren, und war in Barbieri, Cancianero Musical.
Petersburg Kompos.-Schüler von N. A.Rims- Baena, L 0 P e d e, span. Dichter-Komponist
ky-Korssakow. Er schrieb wertvolle, empfun- d\;l.s 15. Jahrhunderts, s. Cancianera musical.
dene Messen, Hymnen u. a. Bär, Lothar, * 6. Aug. 1901 in Boden-
Baden. Vgl. E. Stitzenberger, Grund- bach (Böhmen), in Dresden ausgebildet;
linien einer Geschichte der Tonkunst im Lande nach zweijähriger Vorschulung ein Jahr bei
B. (1883); L. Schiedermair, Die Oper an Km. Kurt Striegler, 2 Jahre am Kons. bei
den badischen Höjen des I7. und I8. Jahr- Ernst Paul und Otto· Schmid, endlich noch
hunderts (Sammelb. d. IMG. XV); auch H. 3 Jahre Privatschüler von Paul Büttner. Er
Rott, Kunst und Künstler am Baden-Dur- lebt in Kötschenbroda als Komponist.
lachischen Haje (1917); Wilh. Weitzel, Die Schrieb: Lieder Chöre, Kl.- u. Orgelstücke,
kirchenmusikalischen Verhältnisse in B. und Kammermusik, auch musikdramatische
Hohenzollern (Karlsr. 1927). Werke.
Bader, Karl Adam, berühmter Opern- Bärenreiter-Verlag, 1923 als Organ der
sänger (Tenor), * 10. Jan. 1789 zu Bamberg, sog. Finkensteiner Bewegung gegründet, die
t 14· April 1870 in Berlin; wurde 1807 Nach- sich die Pflege des echten deutschen Volks-
folger seines Vaters als Domorganist zu liedes zur Aufgabe gemacht hatte; das erste
Bamberg und ging 181 I auf Anraten E. T. A. Verlagswerk waren die von Walther Hensel
Hoffmanns (s. d.) zur Bühne, wirkte nun mit herausgegebenen Finkensteiner Blätter. Im
steigendem' Erfolg zu München, Bremen, Verfolg dieser der musikalischen J ugend-
Hamburg und Braunschweig und wurde end- bewegung parallel laufenden Tendenz hat
lich 1820 als erster Tenorist der Berliner Kgl. der B.-V. eine große Reihe auch musikwissen-
Oper engagiert, deren Zierde er durch 20 schaftlich wertvoller Pu blika tionen (alte
Jahre war. 1845 hörte er auf zu singen, führte Lied- und Chormusik, Orgelmusik, mittel-
nun aber noch bis 1849 die Regie der Oper alterl. Musik u. a.) zu Tage.gefördert. I927
und war danach noch längere Zeit als Musik- hat sich der Verlag auch Aug. Halms Werke
direktor der katholischen Hedwigskirche angegliedert; von seinem ursprünglichen
tätig. Besonders berühmt war B. als Ver- Sitz in Augsburg ist er 1927 nach Kassel
treter der Spontinischen Heldentenor-Par- übergesiedelt. Leiter: Karl V ötterle.
tien.
Badia, Carlo Agostino, * 1672 zu Vene- Bärmann, Heinrich J oseph, * 14. febr.
dig, t 23. Sept. 1738 zu Wien, wurde bereits 1784 zu Potsdam, t Ir. Juni 1847 in Mün-
chen; von 18°4-06 Hoboist in einem Ber-
am I. J uliI 696 als kaiserlicher Hofkom positeur liner Garderegiment, später Hofmusikus zu
in Wien angestellt, welches Amt damit erst
München, seit 1809 vielfach als gefeierter
geschaffen wurde, schrieb 27 Opern und Se- Klarinettenvirtuose auf Konzertreisen. B.
renaden und 2r Oratorien, sowie Kantaten
war befreundet mit 'Weber, Meyerbeer und
:für eine Singstimme mit Klavier (12 als Tri-
IVlendelssohn (der für ihn und seinen Sohn
buti armanici gedruckt, 38 weitere zu 1-3
St. sind handschriftlich erhalten). Karl sein ap. II3 und II4 schrieb). Seine
Kompositionen für Klarinette (38 Werke)
. Badia, Luigi, * 1819 zu Teramo (Neapel), stehen noch jetzt bei den Klarinettisten in.
t 30. Okt. 1899 in Mailand, komponierte 4 Ansehen. .
Openi, auch gefällige Lieder.
BadiaIi, Cesare, berühmter Bühnensän- Bärmann, Kar!, Sohn von H. J.B., *24.
t
ger (Bassist), *ca. 18ro und 17. Nov. 1865 Okt. 18II und t 24. Mai 1885 ~u München,
begleitete den Vater auf seinen späteren
zu Imola, debütierte 1827 zu Triest und sang Kunstreisen und wurde sein Nachfolger als
in der Folge an den bedeutenderen Theatern
erster Klarinettist der Hofkapelle. Auch er
Italiens, 1832-38 in Madrid und Lissabon, hat Kompositionen für Klarinette und eine
wurde 1842 Kaiserl. Kammersänger in Wien
Klarinettenschule geschrieben.
und feierte 1859 in London Triumphe. Als
Komponist trat er mit Liedern 'auf. . Bärmann, Karl, Sohn von Karl B., Pia-
Badinage, Badinerie (franz,): Tändelei, nist, * 9. Juli 1839 zu München, t 17. Jan.
in Suiten und Sonaten des 18. Jahrh. über- 1913 zu Newton (Boston). Schüler von
schrift scherzoartiger Sätze. Wohlmuth und Liszt, in der Theorie von
Bächi, JUlie, s. Fährmann. Franz Lachner. War seit 1881 angesehen
Bäck, Knut, schwed. Komponist und als Lehrer in Boston.
Pianist, * 22. April I868 in Stockholm ; stu- Bärte (auch Flügel) heißen bei den
dierte dort und in Berlin, lebt in Gothen- Labialpfeifen der Orgel die behufs besserer
burg; I912 Mitglied der schwed. Kgl. Akad. Ansprache besonders der eng mensurierten
in Stockholm. Schrieb Klavierstücke und Pfeifen entweder zu beiden Seiten des Auf-
LIeder. schnitts (Mundes) oder direkt unter dem-
Baeker, Ernst, * 15. Dez. 1866 in Ber- selben 'oder an beiden Stellen zugleich an-
lin, war zuerst Kaufmann, studierte dann gebrachten kleinen Vorsprünge (Q u erb ä r t e,
unter Kullak, born, Becker und Urban Mu- Seitenbärte).
sik und trat mit Erfolg als Komponist von Bätz, Karl, * 17. März 1851 zu Sömmerda
lyrischen, besonders instruktiven Klavier- (Thüringen), t 1902 zu Berlin, lebte 187I -86
sachenauf. Lebte in Posen ; seit 1923 in Stolp. als Sprachlehrer und Journalist in Amerika,
Baena, Gon~alo de, portug. Gitarrist später in Berlin, wo er 1890 die Musikinstru-
und Komponist des begleiteten Vokalstils, menteJz-Zeitung begründete. B. schrieb meh-
96 Bäuerl - Bagier.

rere Broschüren. über Instrumentenbau und Niederländische geistliche Lieder nebst ihren
Die Musikinstrumente der Indianer (1876). Singweisen aus Handschriften des I5. j ahr-
Bäuerl, s. Peurl. hunderts (1888, in Bd. IV der Vierteljahrs-
Bäuerle, Hermann, * 24. Okt. 1869 zu schrift f. MW.) und Ein deutsches geistliches
Ebersberg (Württemberg) als Sohn eines Liederbuch mit Melodien aus dem I5. jahrh.
Lehrers, studierte 1890 in Tübingen Theolo- (1895). B. war Mitarbeiter der Al/g. deut-
gie (1895 Priester) und unter Emil Kauff- schen Biographie.
mann Musik, besuchte noch 1898 die Kir- Bagadurow, W. A., * 1878 in Nischnij
chenmusikschule zu Regensburg (Haberl), Nowgorod; absolvierte 1901 die Universität
wurde 1899 Fürstl. Thurn und Taxisscher zu Petersburg (physikalisch mathematische
Hüfkaplan und 1901 daneben Lehrer für Fakultät); seine musikalische Ausbildung er-
Harmonie und Kontrapunkt an der Regens- hielt er bei den Professoren Georg Conus
burger Kirchenmusikschule. 1906 promo- und B. J aworsky in Moskau; seine gesang-
vierte er in Leipzig zum Dr. phil. (Diss.: Die liche bei Nikolaus Müller, dem bekannten
7 Bußpsalmen Lassos). 1906 wurde er zum Sänger des Scala-Thea ters in Mailand. B. ist
Ehrendomherrn von Palestrina und zum z. Z. Prof. des Gesanges am Konservatorium
päpstlichen Geheimen Kammerherrn (1Vlon- u. für vokalische Methodologie und Präsident
signore) ernannt. 1908 wurde er seiner Stelle der methodologischen Sektion am Staats-
als Hofkaplan enthoben und Pfarrer in institut für Musikwissenschaft zu Moskau.
Reutlingendorf in Württemberg; seit 1917 Schrieb: 4akt.Oper Eros und Psyche (Zutaws-
war er Musikdirektor und. Organist an der ki 1915); verschiedene Romanzen; 3 akt. Oper
Heiligkreuzkirche . in Schwäbisch-Gmünd; Das Adelsnest (Dvorjanskoie gniesdo, nachTur-
1921 gründete er eine höhere Musikschule geniew, 1919); Zar Maximilian und sein un-
(1922: Konservatorium) in Ulm (Württ.). gehorsamer Sohn Adolph; eine volkstümliche
B. komponierte zahlreiche kirchliche Ge- einakt. Buffonade (gemeinsam mit Prof.
sänge im a cappella-Stil, schrieb: PaJestrina Iwanow Boretzky, 1924). Theoretische Ab-
muß populärer werden (1903), ein Repetito- handlungen: Analyse der musikalischen
rium der Harmonielehre (1902) und redigiert Form der VI. Sinfonie von P. Tschaikowsky;
seit 1903 eine Bibliothek altklassischer Kir- Lehrbuch der vokalischen Methodologie (vom
chenmusik in moderner Notation (Palestri- X. jahrh. bis Garcia); Harmonielehre I. das
na, I. Bd. zehn 4st. Messen [1903], 2. Bd. Moskauer Kons. (mitProLIwanow Boretzky).
52 Motetten [19041, 3. Bd. 2. Serie 4st. *
Bagge, Seimar, 30. Juni 1823 zu. Ka-
Messen [1905], 4. Bd. 10 5 st. Messen [1906], burg, t 17. Juli 1896 zu Basel, 1837 Schüler
Stabat Mater 8 st. und Pater noster 8 st. [Bd. des Prager Konservatoriums (Dionys We-
VII, Heft 1-2]; Lasso, Septem Psalmi ber), später noch von S. Sechter in W~en,
poenitentiales [1906]; Vittoria, 4st. Ma- wurde 185 I Kompositionslehrer am Kon-
tetten und sechs 4st. Messen [1904-07]; servatorium zu Wien, 1854 Organist in Gum-
J. J. Fux, Missa canonica und Missa qua- pendorf bei Wien, gab 1855 die Stellung am
dragesimalis). Ferner schrieb er: Liturgie Konservatorium auf und polemisierte in der
(Theorie des katholischen Kultus, 1908) und Monatsschrift für Theater und Musik sowie
Der Vatikanische Choral in Reformnotation 1860 in der Deutschen Musikzeitung gegen
(1907), eine Gesanglehre für Oberstimmen die Organisation 'des Instituts. Noch längere
(1918) und eine Mus. Grammatik (1919) und Zeit blieb er nun Musikkritiker und Redak-
gab Einzelausgaben des Vatik. Chorals in teur, indem er 1863 die Redaktion der seit
seiner Reform-Notierung (die den modernen 1848 eingegangenen Breitkopf & HärteI-
Chören einige Erleichterungen bringt) heraus. schen Allgemeinen· Musikalischen Zeitung
Bäumker, Wilhelm, * 25. Okt. 1842 zu übernahm und sie auch noch zwei Jahre wei-
Elberfeld, t 3· März 1905 zu Rurich (Rbz. terführte, als sie 1866 in den Verlag von Rie-
Aachen), studierte zu Münster und Bonn ter-Biedermann überging (vgl. Zeitschriften).
Theologie und Philologie, wurde 1867 zum Seit 1868 war B. Direktor der Allgemeinen
Priester geweiht, 1868 Vikar zu Alfter, 1869 Musikschule zu Basel (Dr. h. c. der Basler
Kaplan zu Niederkrüchten, 1880 auch Schul- Universität). Außer seinen redaktionellen
inspektor, 1892 Pfarrer zu Rurich. B. war und kritischen Arbeiten veröffentlichte er
in seinen Mußestunden eifriger Musikfor- Kammermusikwerke, eine Sinfonie, Lieder,
scher; 1889 wurde er von der Universität schrieb: Gedanken und Ansichten über Musik
Breslau für: seine musikhistorischen Arbeiten (1860), Lehrbuch der Tonkunst (1873), R.
mit dem Titel eines Dr. theol. hon. c. aus- Schumann und seine Faustszenen (1879), C.
gezeichnet. B.s Hauptwerk ist Das katholische M. von Weber (1884), Die geschichtliche Ent-
deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen wicklung der Sonate (1880) und Die Sinfonie
von den frühesten Zeiten bis gegen Ende des in ihrer historischen Entwicklung (1884). Vgl.
I7. jahrhunderts (4 Bde., I. Bd. [in I. AufI. G.Eglinger, S.B. (Jahresbericht der Basler
von Karl Meister 1862, in 2. AufI. von B.] Musikschule, 1897).
1886; 2. Bd. 1883; 3. Bd. 1891; der nach- Baggesen, Jens, s.Cramer.
gelassene 4. Bd. wurde erst 191 I von J. Go- Bagier, Guido, geb. 20. Juni 1888 zu
tzen herausgegeben). Außerdem schrieb er: Berlin, nach erlangtem Reifezeugnis in Dres-
Palestrina, ein Beitrag usw. (1871), Orlandus den Schüler am Konservatorium und der
de Lassus, ein historisches Bildnis (1878), Universität zu Leipzig, studierte bei Max
Zur GescMchte der Tonkunst in Deutschland Reger Theorie und Komposition, bei Hugo
(1881), Der Totentanz, eine Studie (1881), Riemann Musikwissenschaften, promovierte
Baglioni - Baillot. 97
1910 über das Thema Herbart und die Musik Miserere, Messen, Motetten) ist handschrift-
zum Dr. phil. Nach kurzer Tätigkeit am lich erhalten.
Leipziger Stadttheater wurde er Leiter der BaU, Jean Antoine de, Dichter und
Gesellschaft der Musikfreunde am Rhein und Musiker, * im Februar 1532 zu Venedig, t19.
in Westfalen, zugleich Kritiker an denDüssel- Sept. 1589 als Kgl. Kammersekretär in Pa-
dorfer Nachrichten. Seit 1918 war er Her- ris; ist in der Geschichte der französischen
ausgeber der kurzlebigen Kunstzeitschrift Poesie bemerkenswert durch den Versuch,
Feuer, die namentlich für zeitgenössische nach antikem Muster quantitierende Vers-
Kunst eintrat, übersiedelte 1920 nach Wies- bildung (Vers mesurf>s) einzuführen. Der_
baden, unter Beibehaltung der Dozentur Versuch mißlang zwar, hat jedoch musika-
für Musikwissenschaften an der staatlichen lische Erscheinungen entsprechender Form
Kunstakademie zu Düsseldorf. 1922 ließ er hervorgerufen, welche mit ähnlichen älteren
sich in Berlin nieder. Kompositionen (Lieder Versuchen in Italien und Deutschland in
nach eigenen Textp.n, Orchestergesänge Ely- Parallele stehen. V gl. Odenkomposition. B.
sium nach R. A. Schroeder, Kammermusik, war selbst Komponist; doch sind seine Kom-
Klavierwerke, phantastisches Intermezzo für positionen (je ein Tabulaturwerk für Laute
großes Orchester, Musik zu Hermann von und Gitarre, XII Chansons.spirituelles a 4 v.
BöttichersLiebe Gottes, UraufführungDüssel- 1562 und 2 Bücher weltl. Chansons zu 4 St.,
dorf 1919) blieben Manuskript. EinWerküber 1578 und 1580) verschollen. Dagegen sind
Max Regel' erschien 1923. uns aber mehrstimmige Kompositionen
Baglioni (spr. baljöni), Silvestro, italie- BaifscherDichtungen von Jacques Mauduit
nischer Physiologe und Musikwissenschaftler; (Chansonnettes mesurees 1586), Claudin le
* 30. Dez. 1876 zu Belmonte Piceno, o. Prof. an Jeune (Le printemps 1603; Pseaumes en
der U niversitä t Rom, Dir. des Physiologischen vers mezurez 16015 [beide posthum]) und
Instituts, hat sich mit Vorliebe phonetischen Eustache du Caurroy (lYleslanges 1610
Studien zugewandt. Auf Grund seiner phy- [posthum]) erhalten. Da die Herausgeberin
sio-psychologischen und ethnologischen Stu- (le Jeunes Schwester Cecile) ausdrücklich
dien über Musik, Sprache und Gehör glaubt von der intention de Messieurs de Baif ct
B., daß eine Vervollkommnung unseres Ton- le ] Mine spricht, so ist wohl anzunehmer,
systems durch die zunächst mittels Schulung daß beide Werke bei Lebzeiten BaUs und
und Einübung des Ohres und Gesanges all- unter seiner Mitwirkung entstanden sind.
mählich stattfindende Einführung einer Skala B. begründete in seinem Hause eine Aca:Umie
von Vierteltönen möglich sei, was er durch de poesie et musique, die 1570 vom Könige be-
ein von ihm konstruiertes Harmonium zu stä tigt wurde. Balfs Bestre bungen um Reform
demonstrieren sucht. Schriften: I jonda- der französischen Orthographie (phonetisch)
menti jisiopsicologici dell' estetica musicale sind in den Druckwerken nur beschränkt zum
(Riv. di psicol. appl. VI, 1910); Contributi Ausdruck geiangt. Vgl. Ronsard.
alla conoscenza della musica naturale (Atti Bailey-Apfelbeck (spr. biili), Marie Lou-
della Soc. rom. di antropologia 191O/II); ise, * 24. Okt. 1876 zu Nashville, Tenn., als
Luigi Vecchiotti musicista jilosojo marchi- Tochter eines irischen Arztes und einer aus
giano I804-63 (Picenum 1913); Influenza dem kunstsinnigen altpolnischen Adelsge-
dei suoni sull' altezza vocale dei linguaggio schlecht der Fürsten Galitzin stammenden
(Riv. di Antrop. XIX. 1914 und Arch. ital. Mutter, kam mit 12 Jahren nach Europa
di otol. XXV); Un nuovo tonometro (id.); Va- zurück, studierte (1890-96) bei Reinecke in
riazione dei registro vocale nelle diverse ore Leipzig, 1896-1900 bei Leschetizky und
det giorno (id.); Udito e voce (Rom 1925). Malwine Bree in Wien un~ gilt, in Amerika
Bagnati, Cayetano, argentinischel' Pia- und Europa seit 1900 gefeiert, als eine der
nist und Komponist, * 1840 zu Tropea hervorragendsten Wiener Pianistinnen. Sie
(Italien), t 1904 zu BuenosAires; studierte als lebt als Gattin eines österreichischen Offi-
Achtjähriger in Neapel, Schüler von Fi- ziers in St. Pölten bei Wien.
schetti und Ketten, trat mit neun Jahren Baillot (spr. bajo), Pierre Marie Fran-
vor die Offentlichkeit, vollendete sein Stu- yois de Sales, * 1. Okt. 1771 zu Passy bei
_dium an S. Pietro di Majella, wurde mit 19 Paris, t 15. Sept. 1842 zu Paris; hervor-
Jahren Musikdirektor der Kapelle des Bi- ragender Violinvirtuose, Schüler eines ge-
schofs von Tropea, kam dann mit Melani wissen Polidori zu Passy, 1780 von Sainte-
nach Buenos Aires. 1890 begründete er das Marie in Paris, 1783 in Rom von Pollani,
Kons. von Almagro, das bald ein namhaftes einem Schüler Nardinis, kam 1791 wieder
Institut wurde. Schrieb: Klaviersoli, -Trios, nach Paris und spielte vor Viotti, der ihm
-Quartette und auch Orchestermusik. eine Stelle als erster Violinist am Theatre
Bagpipe (engl., spr. bäggpeip'), s. Musette. Feydeau verschaffte. Er vertauschte sie
Bahr-Mildenburg, Anna; s. Mildenburg. aber bald darauf mit einer Hilfsaktuarstelle
Baj, Tommaso, * um 1650 zu Creval- im Finanzministerium, sich durch Auftreten
cuore bei Bologna, t 22. Dez. 1714 zu Rom, in Konzerten immer mehr bekannt machend,
war Tenorsänger in der päpstlichen Kapelle, und wurde 1795 Lehrer des Violinspiels am
seit 1713 Kapellmeister. B. ist besonders neu organisierten Konservatorium. Nun stu-
bekannt durch sein in das Karwochenreper- dierte er noch unter Catel, Reicha und Che-
toire der Sixtinischen Kapelle aufgenom- rubini Theorie. Erst 1802 unternahm er
menes fünfstimmiges Miserere. Eine Anzahl seine erste Kunstreise, und zwar nach Ruß-
anderer Kompositionen Bajs (achtstimmige land, weiter durch Frankreich, die Nieder--
Riemann, Muaik·Lexikon. 11. AufL 7
98 Baillot - Baker.

lande, England und Italien. 1821 wurde er Barnis ist die Biographie und Charakteristik
erster Violinist der Pariser großen Oper, Palestrinas: lWemorie storico-critiche della vita
1825 Sologeiger der Kgl. Kapelle. 1814 e delle apere di Giovanni Pierluigi da Pa-
veranstaltete er die ersten öffentlir.hen lestrina usw. (1828), die von Kandler ins
Quartettaufführungen in Paris. Sein Deutsche übersetzt wurde (gekürzt, mit An-
Hauptwerk ist seine Violinschule (L'art du merkungen von Kiesewetter , 1834). Au-
violon, 1834), die lange für unübertroffen galt; ßerdem hat er einen Essay über antike
in Gemeinschaft mit Rode und Kreutzer gab Rhythmik (Saggio sopra l'identita de' ritmi
er heraus: lWethode de violon, das offizielle musicale e poetico 1820, herausgegeben von
Schulwerk des Pariser Konservatoriums, das Saint-Luc 1825) und eine scharfe Kritik
wiederholt aufgelegt, nachgedruckt und in über eine preisgekrönte vierchörige Motette
fremde Sprachen übersetzt wurde; ferner von Santucci u. a. geschrieben. Otto Nicolai
redigierte er die lWethode de violoncelle des war in Rom längere Zeit Schüler Barnis. V g1.
Konservatoriums (Verfasser: Levasseur, Ca- F.X.Haber!, B.(Kirchenmus. Jahrb.1894).
tel und Baudiot). Auch schrieb er Notice sur Bainton (spr. beint'n), Edgar Leslie,
Gretry (1814), Notice sur Viotti (1825) und englischer Komponist, * 14. Febr. 1880 zu
andere kleine Sachen. Seine zumeist vir- London; K1.- Freischüler bei Franklin Taylor
tuosen Kompositionen sind: 9 Violinkon- am R.C.M.1896; Wilson-Komp.-Preis 1899;
zerte, 30 Variationenwerke, eine Symphonie Komp.- Schüler von vValford Davies, Sir Ch.
cancertante für 2 Violinen mit Orchester, 24 Stanford, Ch. Wood. 1912 wurde er Dir. des
Präludien in allen Tonarten, Kaprizen, Konservatoriums zu N ewcastle-on-Tyne und
Notturnos usw. für Violine, 3 Streichquar- leitete das Newcastle Philh.Orchester; 1914
tette, 15 Trios für 2 Violinen und Baß usw. bis 1918 in Ruhleben interniert. 1918 leitete
Baillot, (spr. bajo) RenePaul, Sohn von er zwei Konzerte mit englischer Musik mit
Fraw;ois B., * 23. Okt. 1813 und t 28. März Mengelbergs Orchester in Amsterdam und
1889 zu Paris, war 1848-1886 Professor des im Haag. Als Komponist verfolgt er na-
Ensemblespiels am Pariser Konservatorium; tionale Tendenzen, nach dem Vorbild von
Haines, (spr. beins) William, * 26. März Vaughan Williams und Holst. Schrieb:
1899 zu Horbury bei Wakefield, Yorkshire, t Sinf. Dichtungen: Pompilia (London 1903)
6. Nov. 1922 zu York; frühreif, Autodidakt; und Paracelsus (Queen's Hall 1921); 3 Stücke
zog sich im Felde eine unheilbare Lungen- für Orchester (Hercford Festival 1921); Sin-
krankheit zu, komponierte hauptsächlich in fonie B dur (Bournemouth 19°3); Ouv.
den Monaten seiner scheinbaren Rekonvales- Prometheus (Newcastle Fest. 1909); Celtic
zenz. Zwei überraschende Klavierwerke, Sketches (London 1912); Streichquartett
Paradise Gardens und 7 Preludes zogen zuerst A dur (id.1912); The Blessed Damozel für
die Aufmerksamkeit auf ihn. Schrieb: Sin- S. und T.-Soli, Chor und Orchester; Smfonie
fonie C moll; 2 Tondichtungen für Or- Be/are Sunrise für Altsolo, Chor und Or-
chester: From the Island 0/ the Fay und chester; Sunset atSea für Chor und Orchester;
Littte Imps; Klaviersonate Fis moll (ms.); The Vindictive Stail'case für Chor und Or-
viele Lieder, Cellostücke und eine Menge chester; A Song 0/ Freedom and J oy für Cbor
Kammermusik; darunter ein Streichquar- und Orchester; Konzertfantasie für Klavier
tett E moll; eine N ovelette für Streichquar- und Orchester (Carnegie-Preis 1921); Minia-
tett Peler and Wendy; ein Klaviertrio D moll; Iure Suite für 2 Klaviere; Klavierstücke;
eine Sonate für Violine und Klavier G dur. Lieder usw. Ms. : Sonate für Va. und Kl.
Veröffentlichte Klavierstücke : Tides; M ile- (1922); Eclogue für Orchester (1923); The
slones; Silverpoints; Poems; Coloured Leaves. Tower für Chor und Orchester(1923); Oper in
Balni, [Abate] Giuseppe, * 21. Okt. I Akt The Crier by Night; Chorlieder.
1775 und t 21. Mai 1844 zu Rom; zuerst Bairstow, (spr. berstoh) Ed ward
Schüler seines Oheims Lorenzo B. (Kapell- Cu th bert,englischerOrganist, * 22.Aug.1874
meister an der Zwölfapostelkirche zu Rom), zu H uddersfield, 1893 -96 Schüler von Sir F.
eines gediegenen .Musikers aus der römi- Bridge und1 896---99 seinAssistent ; 1899-19 06
schen Schule, der noch an den Traditionen Organist an der Pfarrkirche zu Wigan, 1906
des Palestrina-Stils festhielt, später Schüler bis 1913 an der zu Leeds; seit 1913 am
und Freund des Kapellmeisters an St. Peter Münster zu York; Dirigent der Leeds Philh.
G. Jannaconi, der 1802 seine Anstellung Soc., der Bradford Fest. Choral Soc. und
als Sänger in der päpstlichen Kapelle be- der York Mus. Soc.; 1900 Mus. Doc. Dur-
wirkte. 1818 wurde B. durch einstimmigen ham. B. ist einer der besten englischen
Beschluß seiner Kollegen Camerlengo der Kirchenorganisten und Chorleiter. Er schrieb:
päpstlichen Kapelle und bis zu seinem Tode Anthems; gemischte Chöre, Orgelstücke ,
alljährlich wieder bestätigt. B. ist eine Lieder und Gesänge.
merkwürdige Erscheinung im 19. Jahrhun- Bake, Otto, * 13. Jan. 1862 und t 28.
dert; er ging vollständig auf in der Musik März 1921 in Berlin, Schüler der dortigen
des 16. Jahrhunderts, und seine Komposi- Kg1. Hochschule für Musik und dann noch
tionen müs~n daher von diesem Gesichts- Xaver Scharwenkas, geschätzter pianisti-
punkte aus beurteilt werden; sein lost. scher Begleiter (Marcella Sembrich, Adelina
Miserere wurde 1821 in das Karwochenreper- Patti, Raimund von Zur Mühlen u. a.) inBerlm.
toire der Sixtina aufgenommen (alljährlich Baker (spr. bek'r), Theodore, * 3. Juni
wechselnd mit den Misereres von Allegri 1851 zu Neuyork, war anfänglich für den
und Baj). Das literarische Hauptwerk kaufmännischen Beruf bestimmt, wandte
Bakfark - Balatka. 99
sich aber 1874 unter Oskar Paul in Leipzig Boheme und IOOO Jahre (später Russia be-
der Musik zu, besuchte auch die Universität titelt), letztere zur 1000- Jahr-Feier Rußlands
seit 1878 und promovierte zum Dr. phil. 1862; 2 Sinfonien (C dur, beendet 1897,
mit der Dissertation Ober die Musik der D moll 1909), eine spanische, eine tschechi-
nordamerikanischen Wilden (1882). Bis 1890 sche und eine russische Ouvertüre, eine
lebte B. in Deutschland; seit 1892 ist er Chopin-Suite tür Orchester, ein Klavier-
literarischer Berater des Verlags G. Schirmer konzert Es dur. Von seinen zahlreichen
in N euyork, wo er als Herausgeber und über- Transscriptionen und originalen Klavier-
setzer tätig ist. Bücher : Dictionary of Musical stücken wurde besonders die orientalische
Terms 1895,18. Auflage 1918; Pronouncing Phantasie Islamey berühmt, zwei Serien
Pocket Manual of Mus. Terms 1905; Bio- Lieder erschienen 1857 und 1896. Eine
graphical Dictionary of Musicians 1900, hervorragende Bedeutung kommt der Samm-
3. Auflage 1919; The Musician's Calendar lung russischer Volkslieder zu, die B. 1866
and Birthday-Book 1915-17. übersetzungen herausgab und die durch ihre künstlerischen
von Büchern von O. Paul, L. Bußler, J. C. Vorzüge einen mächtigen Anstoß zur Erfor-
Lobe, A. Kullak, S. Jadassohn, C. F. Weitz- schung des russischen Volksgesangs gegeben
mann, F. Kullak, M. Bree, G. B. Lamperti, hat. B. gab 1908 eine Auswahl der Klavier-
M. Loewengard, F. Busoni, E. F. Richter, V. werke Tausigs heraus. Den Briefwechsel
d'Indy, P. Bona, O. Klauwell und vielerArtikel B.s mit Tschaikowsky gab S. Ljapunow
in der Zeitschrift The Musical Quarterly. heraus (1912, russisch). Vgl. Brie/wechsel
Bakfark, s. Greff. B.s mit V. V.Stassow, Petersburg 1917;
Bakkalaureus (auch Baccalarius, franzö- Briefwechsel B.s mit N. A. Rimsky-Korssa-
sisch Bachelier, englisch Bachelor), ein früher kow (redigiert von S. M. Ljapunow,
auf allen Universitäten üblicher, jetzt nur Mus. Zeitgenosse, 1915-17); B. Grodski,
noch von englischen, französischen und eini- M.A.B. (s. a.); S.M.Ljapunow, M.A.
gen deutschen Universitäten verliehener aka- B. (Petersburg, Jahrb. d. Kais. Theater,
demischer Grad, der niedriger ist als der des 19II); N. A. Rimsky-Korssakow, Chro-
Magister und in der Regel diesem vorauszu- nik meines mus. Lebens (1927); A. Strel-
gehenhat.V gl. Grade, akademische, der Musik. nikow, M. A. B. (Peter'iburg 1922); ~. G.
Balakirew, Mily Alexejewitsch, * 2. Jan. Timofej ew, B. in Prag (Petersburg, Zeit-
1837 zu Nishnij Nowgorod, t 28. Mai 1910 in genöss. Welt, 19II); N. K. Tschernow,
Petersburg, studierte anfänglich zu Kasan M. A. B. (Mus. Annalen, Petersburg 1925);
Naturwissenschaften, dann auf Anregung A. A. N. Rimsky-Korssakow, Zwei Bala-
v. UlibischewsMusik. 1855 trat erin Peters- kirews (ibidem).
burg mit großem Erfolg als Pianist auf und Balalaika, volkstümliches russisches Sai-
erregte mit seinen ersten Kompositionen teninstrument, dessen zum erstenmal wäh-
(Orchesterfantasie über russische Themen rend der Regierungszeit Peters des Großen
und Klavierparaphrase über das Terzett aus Erwähnung geschieht. Die Abstammung
Das Leben tür den Zaren) die begeisterte Be- der B. wird von der älteren Domra (s. d.)
wunderung Glinkas, der ihn als seinen Nach- hergeleitet. Ihre Bestandteile sind: 1) der
folger bezeichnete. B.s Haus wurde bald meist dreieckig, seltener oval geformte
der Sammelpunkt der jungrussischen Kom- Rumpf, in dessen oberer Decke sich einige
ponisten Cui, Mussorgsky, Rimsky-Korssa- kleine Schallöcher befinden, 2) ein langer
kow, Borodin. Diese alle vier, gleich B. Hals mit Bünden mit einer leichten Ein-
Autodidakten, entwickelten ihre musikali- buchtung beim Wirbelkasten, 3) die Saiten
schen Anschauungen unter dem Einfluß (Darmsaiten oder auch Stahlsaiten), früher
Glinkas und Dargomyshskis einerseits, zwei, jetzt meist drei, von denen zwei auf
Schumanns, Berlioz' und Liszts andrerseits, denselben Ton, die dritte in der Oberquart
und schufen so ein neues Kunstideal, das gestimm t sind. Der Ton wird durch Schlagen
für das musikalische Schaffen der ganzen der Saiten mit einer Schlagfeder hervor-
sogenannten "neurussischen Schule" vor- gebracht. Die B. wird in sechs Größen
bildlich wurde. Als Haupt und erster Reprä- gebaut, die in der Grundstimmung von
sentant dieser musikreformatorischen Bewe- einander abweichen und zu orchesterartigem
gung in den Grenzen Rußlands muß B. Zusammenspiel verwendet werden. Vgl.
bezeichnet werden, der seinen jüngeren Fa m i n t z in, Die Domra und verwandte
Kollegen an Können und Erfahrung weit 1\1Hsikinstrumente(Petersburg 1891, russisch) ;
überlegen war. 1862 gründete er mit Lo- auch Petuchow, Versuch eines systemati-
makin unter dem Protektorat des Groß- schen J( atalogs der I'I1.strumentensammlung des
fürsten- Thronfolgers die "Musik-Freischule", Petersburger Konservatoriums (russisch); N.
deren Konzerte er mit einer Unterbrechung Stie ber, W. W. A ndrejew, der Wiederherstel-
(1874-81) bis zu seinem Tode leitete. 1867 ler der B. (1398, russisch). S. a. Andrejew.
bis 1869 leitete er auch die Sinfonie-Konzerte Balancement (französisch, spr. balangß-
der K. R. Musikgesellschaft und war 1883 mang), s. v. w. Bebung (s. d.) auf dem
bis 1895 Direktor der Hofsängerkapelle. Klavichord.
Seiner Initiative ist die Errichtung des Balatka, Hans, Dirigent und Cellist,
Chopin-Denkmals zu Zelazowa Wola zu * 5. März 1827 zu HoffnungsthaI beiOlmütz,
danken. Seine Hauptwerke sind: für Or- t 17. April r899 zu Chicago, Schiiler von
chester die Musik zu König Lear (1858-61), Sechter und Proch in \Vien, ging r849 nach
die sinfonischen Dichtungen Tamam, En Amerika und gründete zu Milwaukee einen
7*
100 Balbastre - Balfe.

Musikverein, der schnell aufblühte und noch Winterthur und ist seit 1889 Musiklehrer der
besteht, wurde 1869 als Dirigent der Phil- Kantonschule und Dirigent in St. Gallen
harmonischen Gesellschaft nach Chicago be- (1913 Professor). 1926 trat B. von seinem
rufen, wo er sich schließlich niederließ, Lehramt zurück und lebt seitdem als Pensio-
nachdem er durch den großen Brand zu- nist in St. Gallen. B. ist geschätzt als Kom-
nächst wieder nach Milwaukee und dann ponist von Männerchören (mit Orchester).
vorübergehend nach St. Louis geführt wor- Baldwin, lohn, 1598 Sänger der Lon-
den war. B. war besonders als Männer- doner Chapel Royal, t 28. Aug. 1615, selbst
gesangvereinsdirigent (Sängerfest Chicago Komponist von Motetten, ist bekannt als
1881) sehr angesehen, hat aber überhaupt Schreiber zweier wertvoller Sammlungen
große Verdienste um die Entwicklung der von Werken englischer Komponisten, näm-
Musikpflege in Amerika. lichLady Neville's Virginal-Book (gez. 159I,
Balbastre Claude, * 8. Dez. 1729 zu vgl. Virginal-Musik) und einer im Bucking-
Dijon, t 9' . April 1799 zu Paris, 1750 harn-Palast (jetzt Brit. Mus.) aufbewahrten
Schüler Rameaus, debütierte 1755 im Con- Motettensammlung (Stücke von B. ].
cer! spirituel als Orgelvirtuose mit einer Bedingham, ]. Birchley, Cooper, Taverner,
eigenen Komposition und wurde 1756 als ]. Byrd, E. Bevin, Tallis, Tye, ]. Wood, ].
Organist an St. Roche angestellt, 1760 Thorne, Dygon, Golder, Giles usw.).
Organist an Notre Dame, 1776 auch Hof- Baldwin, Ralph Lyman, * 27. März
organist des Bruders des Königs (Organiste I872 in Easthampton (Mass.), Schüler von
de lvI onsieur). Seine Orgelvorträge während G. W. Chadwick, St. Emery, H. Heindl und
des Gottesdienstes machten so großes Auf- L. C.Elson, Organist in Easthampton, Nort-
sehen, daß der Erzbischof sie zweimal unter- hampton und seit 1904 inHartford, seit 1900
sagte (es handelte sich 1762 um seine V ari~­ auch Leiter des Institute 0/ li1usic Pedagogy
tionen über die Noels und 1776 um sem zu Northampton (Mass.), einer Sommer-
Te deum). Seine Orgelkunst war insofern schule ; seit 1907 Leiter des Choral Club in
einseitig, als er das Pedal nicht zu behandeln Hartford, seit 1923 des lvlendelssohn Glee
verstand. Im Druck erschienen von ihm Club in New York; seit I904 Direktor der
die Noel-Variationen (4 Suiten), ein Buch Public S chool M usic zu Hartford ; Organist,
Pieces de clavecin und als op. 3 ein Quartett Chordirigent und erfolgreicher Pädagoge,
für Klavier, 2 V. und Baß mit 2 Hörnern auch Komponist von Männerchören, geist-
ad libitum. lichen Werken, Orgelsona te G mol! OP.IO u. a.,
Balbi, Lodovico (L. Balbus), Kirchen- auch publizistisch tätig.
komponist, t Ende 1604 zu Venedig, 1570 Baldwin, Samuel Atkinson, * 25. ]an.
Sänger an der Markuskirche, 1578 Kapell- I862 zu Lake City (Minn.), in Dresden gebil-
meister der Franziskanerkirche in Venedig, det (Merkei, Nicode, Wüllner), angesehener
1585-91 Kapellmeister an der Antonius- Organist erst in Chicago (1885 -89), St. Pa ul
kirche zu Padua, zuletzt wieder im Franzis- und Minneapolis (1889-93), seit 189S in
kanerkloster zu Venedig, gab mit ] oh. Ga- Neuyork, seit 1907 Lehrer am Coll. of the
brieli und Orazio Vecchi 1591 bei Gardano City of N ew York, an dem er Sonntag- und
das Graduale und Antiphonar heraus. Von Mittwochnachmittag-Orgelkonzerte einführ-
seinen Kompositionen sind erhalten: 5 st. te. Komponist von geistlichen Gesangswer-
Messen (1580,1595), Messe [4] et motetti [4] ken (Psalm 18 mit Orchester) und von Kam-
con il Tedeum 8 v. (1605), Motetten (5 st . mermusik- und Orchesterwerken.
1576, 4st. 1578 und 1-8st. Ecclesiastici con- Balfe, (spr. beH) Michael William, *
centus mit Instr. 1606), Completorium 12 v. 15. Mai 1808 zu Dublin, t 20. Okt. I870 zu
(1609), und Madrigale (4St. 1570, 5st . 1 589 Rowney Abbey (Hertfordshire), ging schon
[Musiwle esercitio, 5st. Bearbeitungen der mit I7 Jahren (1825) mit einem reichen
Sopranmelodien bekannter Stücke ande~er Gönner nach Italien und studierte unter
Meister, wie Arcadelt, Berchem, MarenzlO, Vincenzo Federici zu Rom Kontrapunkt,
Rore u. a.] und 6st. Capricci (1586). . sowie nachher zu Mailand unter Filippo
Balbi, Melchiorre, Cavaliere, * 4. ]um Galli Gesang. Sein erster größerer Kompo-
1796 zu Venedig, t 2I. Juni 1879 in Padua, sitionsversuch war das Ballett La Perouse
Theoretiker und Komponist, Schüler von für Mailand (1826). 1828 trat er unter
Antonio Calegari (t 1828), dessen Sistema Rossini als Baritonist in der Italienischen
armonico er mit Anmerkungen herausgab Oper zu Paris auf, nachdem er noch
(1829); schrieb außerdem eine Grammatica kurze Zeit unter Bordogni studiert, sang
ragionata delta musica consid. sotto I' aspetto bis 1835 an italienischen Bühnen, brachte
di lingua (1845) und Nuova scuola basata sul zu Palermo, Pavia und Mailand eigene
sistema semitonato equabile (1. Teil, 1872; italienische Opern zur Aufführung und
also ein "Chromatiker"). B. war 1818-53 verheiratete sich 1832 mit der ungarischen
Konzertmeister der beiden Stadttheater von Sängerin Lina Rosen (t 8. Juni I888 zu
Padua und seitdem Kapellmeister an der London). Nach England zurückgekehrt,
Basilika S. Antonio. Er brachte auch 1820 feierte er doppelte Triumphe als Komponist
bis 25 drei Opern heraus. und Sänger. Schnell folgten einander die
Baldamus, Gustav, * 15. Nov. 1862 in Opern: Die Belagerung von Rochelle (The
Braunschweig, Schüler von ] ean Bott in Siege 0/ Rochelte), Das Mädchen von Artais,
Hannover und des Leipziger Konservato- Catharina Grey, Jeanne d'Arc, Falstaff und
riums, war zuerst Lehrer und Dirigent in Keolanthe, in welch letzterer auch seine
Balg - Ballade. 101
Gattin auftrat. Falstaff wurde in Her Maje- BaliusyViIa, J aime, catalanischer Kom-
sty's Theatre aufgeführt, die übrigen im ponist, t 1826 in Madrid, hervorgegangen
Drurylanetheater bis auf die letzte, welche aus der Escolania von Monserrat, Kapell-
B. als selbständiger Opernunternehmer im meister an der Kathedrale zu Gerona und
Lyzeum brachte; das Unternehmen hatte dann zu Cordoba, schließlich am Kloster der
keinen Erfolg und B. ging daher bald nach Incarnation zu Madrid. Er schrieb eine
Paris, wo er in der Opera comique Le puits große Menge Kirchenmusik, von der eine
d'amour (1843) und Die vier Haimonskinder 4St. Hymne Deus tuorum militum noch heute
(1844) mit großem Erfolg herausbrachte. berühmt ist.
1843 folgte in London (Drurylane) Das Zi- BaIlabene, Gregorio, * um 1730 und
geunermädchen (The Bohemian Girl), seine t in Rom gegen 1800, um 1755 in Macerata
berühmteste Oper, die über viele Bühnen nachweisbar, dann in Rom; einer der spä-
ging, 1844Das Mädchen vom M arkusplatz, I 844 testen Vertreter des a cappella-Stils, schrieb:
Die Zauberin und 1845 für die Pariser Große eine 48 stimmige kurze Messe, ein vierchö-
Oper Der Stern von Sevilla und weiterhin riges Magnificat, vierstimmIge Compieta mit
noch mehrere andere Opern mit abwechseln- Orgel.
dem Erfolg. 1846 besuchte er Wien, T849 Ballabile (ital. tanzmäßig), in Opern Be-
Berlin, 1852-56 Petersburg und Triest, zeichnung kleiner Tanz-Episoden.
Opern zur Aufführung bringend und Geld Ballade (ital. Ballata, span. Baylada,
einheimsend. Seit 1864 lebte B. auf seinem franz. Virelai oder Chanson Balladee, engl.
Landgut Rowney Abbey. Außer den Ballad), ursprünglich so viel wie Tanzlied
Opern hat er auch Kantaten, Balladen usw. (v. ital. baUo, Tanz). Aus zweifellos viel ein-
geschrieben. B.s Vorzüge waren eine außer- facheren volksmäßigen Formen mit kurzen
ordentliche Leichtigkeit der Konzeption und Refrains, die vom Chor gesungen wurden,
natürliche Anlage für eine ansprechende Me- entwickelten sich wahrscheinlich allmählich
lodik, seine Mängel das Fehlen aller Selbst- in der Zeit der Troubadours und Trouveres
kritik und ernsthafter Sammlung zu gedie- (12.-13. Jahrh.) kunstvollere Gestaltungen
gener Arbeit. Von seiner gesangpädagogi- des Tanzliedes, zunächst mit improvisierter
.schen Tätigkeit zeugen seine Indispensable (nicht notierter) Instrumentalbegleitung .
Studies for a Sopran Voice (1852) und eine Im 14. und 15. Jahrhundert ist die Ballade
Method 0/ Singing (1855). Seine Tochter (Virelai) neben dem Rondeau und demjeni-
Viktoria, eine geschätzte Sängerin, Schü- gen was die Franzosen B. nennen (s. u.), eine
lerin Garcias, * 1. Sept. 1837 zu Paris, drbü- beliebte Form des von Instrumenten beglei-
tierte 1857 in der italienischen Oper im Ly- teten Kunstliedes, ganz besonders in Frank-
ceum; sie starb 22. J an. 187 I in Madrid. reich und Spanien. Bei weitem die Mehrzahl
Biographien B.s schrieben Ch. Lamb Ken- der Tonsätze des um 1500 gesammelten Can-
ney (1875) und W. A. Barrett (1882). cionero musical (s. d.) sind Balladen, und
Balg heißt eigentlich eine Tierhaut, und zwar eine Gattung, diewir auch schon bei den
zwar eine nicht am Bauch aufgeschlitzte, Florentiner Meistern des 14. Jahrhunderts
sondern möglichst intakt abgestreifte, die und dann, in einer Miniaturform, in der
sich daher mit wenig Nachhilfe als Schlauch Frottola (s. d.) wiederfinden. Den Anfang
oder Windbehälter benutzen läßt. Die pri- bildet ein textlich undmusikalischzurunver-
mitivste Gestalt des Balges in letzterer Be- änderten Wiederholung als Chorrespons ge-
deutung treffen wir beim Dudelsack, dem eigneter Refrain (Ripresa); ihm folgt der
Vorahnen der Orgel, deren Wind behälter da- aus zwei nach gleicher Melodie zu singenden
her auch jetzt noch trotz ihrer ganz veränder- Hälften bestehende Zwischenteil, die sog.
ten Konstruktion Bälge heißen. Der B. des Piedi (in der Notierung ein mit Repetitions-
gewöhnlichen Dudelsacks wird von dem zeichen versehener Teil mit doppeltem Text),
Spieler des Instruments voll Wind geblasen; worauf zunächst (mit Zurückkommen auf
dagegen sind auch schon die einfachsten den Reim der Ripresa) der erste Musikteil
Bälge der eigentlichen Orgeln etwa wie un- mit neuem Text als sog. Volta wiederkehrt
sere Schmiedebälge konstruiert, d. h. Pump- und mit dem ersten Text als Chorrefrain
werke. Je nach ihrer Form und der Art des wiederholt wird. Die kürzesten Balladen
Aufziehens unterscheidet man Fal ten bälge sind damit zu Ende; längere bringen nach
und Kastenbälge (Zylinderbälge), Quer- jedem Vortrag der Ripresa immer neue
bälge (Diagonalbälge) und Parallelbälge Piedi (neuen Text mit neuen Reimen, aber
(Horizontalbälge) und je nach dem verschie- immer mit derselben Musik); also ist das
denen Zweck Schöpfbälge und Magazin- Schema (* mit neuem Text):
bälge. Ein Diagonalbalg mit nur einer Falte
heißt' Spann balg. ~ 11 : B : 11 A * Aripr. B *: 11 A ** Ari~r.
11:
Balgklavis, in der Orgel die Stange, I. Copla (Strophe) 2. Copla
durch deren Niedertreten oder Niederziehen
ein Balg aufgezogen wird. V gl. Kalkant. 11: B** : 11 A *** Ari p:. usf.
BaIi (Insel). Vgl. J. Kunst und C. J. A. 3. Copla
Kunst-v. Wely, De Toonkunst van B. (Stu-
dien over ] avaansche en andere indonesische Eine Ballade von Encina (Nr. 383 des Can-
Muziek) Bd. I, II (1925); dazuCurt Sachs, cionero) enthält 40 (!) siebenzeilige Coplas
Die Tonkunst vonB. (Bulletin de la Soc. Un- (Strophen). Anders geartet ist die Form,
ion MusicologiqueV, I; 1925). die bei den Franzosen zur Zeit von G. de
102 Ballad-Concerts - Ballett.

Machaut und Dufay B. heißt: sie kennt die giert), in welcher auf allbekannte Volksmel0-
an den Anfang gestellte Ripresa nicht, son- dien abgesungene Opernarientexte die itali-
dern setzt mit den Piedi ein (1. Teil mit Re- enische Oper der Zeit karrikierten (I728).
petitionszeichen) und weist der Schlußzeile Vgl. J. Bolte, Die Singspiele der en~lischen
(manchmal auch zwei Zeilen des zweiten Komödianten (I893); G. Sarrazin, Jolm
Teiles) die Rolle des Refrains zu, der in allen Gay's Singspiele (I898); G. Calmus, Zwei
Strophen (meist drei) gleichlautend ist; die Opernburlesken aus der Rokokozeit (I9I3);
musikalische Struktur macht wahrscheinlich, Frank Kidson, The Beggar's Opera. Its
daß diese Refrains vom Chor nicht wieder- Predecessors and Successors (London I922);
holt, sondern nur mitgesungen wurden. Charles E. P earce, Polly Peachum: the
Nähere Nachweise s. in Riemanns Hand- Story of,Polly' and, The Beggar's Opera' (Lon-
buch der MG. Ir, I, S.66-83 und 351 H. don I923); Lewis Melvill, Life and Let-
(Zugehörigkeit der Frottola zur B.). Gegen ters of Jolm Gay. I685-I732 (London I92I).
I ,00 verschwinden sowohl die Ballade als das Ballard (spr. ballar), hochbedeutendes
Rondeau zugunsten einfacherer strophischer Pariser Musikverlagshaus im I6.-I8. Jahr-
oder auch durchkomponierter Lieder, was hundert, nächst Pierre Attaingnant die älte-
vielleicht damit zusammenhängt, daß nun ste Pariser Firma auf diesem Gebiete. Ro-
an Stelle des Tanzliedes der von Instru- bert B.s verlegerische Tätigkeit schließt un-
menten gespielte Tanz tritt. mittelbar an diejenige P. Attaingnants (s.
Die neuere Ballade (seit dem 18. Jahrhun- d.) an. Ro bert B. und sein Halbbruder (von
dert) hat mit diesen alten Balladen nur wenig mütterlicher Seite), der Komponist Adrien
gemein. Bei der Hinneigung der Volkspoesie le Roy (s. d.) gründeten es I55I. Sie erhiel-
zur Form der Erzählung ist begreiflich, daß ten 1552 vom König Heinrich Ir. ein Pa-
B. in der Zeit des Aufblühens der rein subjek- tent als alleinige Hof-Musikdrucker. Robert
tiven Lyrik (Goethe) der unterscheidende B. starb vor dem 8. August I589; seine Wit-
Name volksmäßiger Lieder episch-lyrischer we Lucrece le Be folgte ihm als Teilhaberin
Haltung wurde. Die musikalische Form der A. le Roys nach. Nach dessen Tode assozi-
modernen B. ist daher zunächst durchaus ierte sie sich I599 mit ihrem Sohne Pierre
die schlicht-strophische, und erst durch B., der I606-I639 allein blieb. Dann folg-
Zumsteeg und Loewe ist ein Weg gefun- ten: Robert (II) B. bis I666, Christophe
den worden, in der Komposition auf den fort- B. bis I694 (zeitweilig assoziiert mit Lam-
schreitenden Inhalt der Dichtung einzugehen, bert Rou[]and), ].-B.-Christophe B. bis
ohne doch darum die Liedform und die thema- 1750, Christophe- ].-Fran<;ois B. bis
tische Einheitlichkeit aufzugeben. So gilt denn I763, und Pierre-Ro bert-Christophe B.
besonders seit Loewe als Charakteristikum Auf ihr Patent pochend, das dem jedesmali-
der eigentlichen Ballade, daß sie durch Wah- gen Geschäftserben erneuert wurde, hat die
rung einiger übrigens sehrfrei umgestalteter Familie von den Fortschritten der Drucker-
thematischerIdeen ein episches Element (ein kunst keine Notiz genommen und bedien-
Bleibendes im \Vechsel) in die Musik bringt, te sich noch 1750 derselben Typen wie zu
was in gewissem Sinne einen Ersatz für die Anfang, nämlich der I540 von Guillaume
Ripresen und Refrains der alten Ballade le Be (s. d.) angefertigten, deren Punzen
schafft. Vgl. Ph. Spittas Aufsatz B. (Mu- Pierre B. um 50000 Livres erworben hatte.
sikgeschichtl. Aufs. I894); auch A. B. Bach, Sie sind zwar elegant und deutlich (wenn
The Art Ballad: Loewe and Schubert (I890). auch viel schlechter als die noch älteren
Der Name B. ist jetzt hauptsächlich ge- Petruccis und Peter Schöffers), nehmen sich
bräuchlich für die Komposition von B. ge- aber in einer Zeit, wo niemand sonst mehr
nannten Dichtungen für eine Singstimme mit eckige Noten schrieb, stark veraltet aus. Die
Klavier oder Orchester, natürlich aber eben- Aufhebung der Patente I776 machte endlich
so am Platze für deren Bearbeitungen für den Vorrechten der Ballards und damit ihrer
Chor, auch für Chor, Soli und Orchester (z. Firma ein Ende.
B. bei Schumann, Hugo Wolf). Wird der Ballata, s. Ballade.
Name für Instrumentalwerke gebraucht, so Ballenstedt. Vgl. Festschrijt zum 7siähr.
erwartet man von diesen den Erzählerton, Bestehen der B.er Liedertafel (I9IO); ferner
die Darstellung von Leid und Freude in Otto Trübe, Das Hoftheater in B. Seine
märchen- oder sagenhafter Einkleidung (vgl. Geschichte von den A njängen bis zur Gegen-
z. B. Chopins oder Brahms' Klavierballaden), wart (Dessau 1925).
also mehr oder minder eine Art Programm, Ballett (fTanz. ballet, itaI. und span. Bal-
wenn auch nicht ein mit Worten genauer letto, von baUo, Tanz) nennt man heute so-
bestimmtes. Von der Romanze unterschei- wohl die in Opern eingelegten (manchmal
det sich die B. durch ein mystisches Element, zur Handlung in sehr loser Beziehung ste-
einen pessimistischen Zug (Walten über- henden) Tänze, die in der verschiedenartig-
legener Naturrnächte, Kampf gegen das Ver- sten Weise aus Pas der Solotänzer und Evo-
hängnis). Vgl. Balletto. lutionen des Corps de Ballet bestehen, als
. Ballad-Concerts s. Boosey. auch ganze Bühnenstücke, in denen nicht
XBallad-Opera (engl. Lieder-Oper), einSing- oder doch nur wenig gesprochen und gesun-
spiel, das in der Hauptsache aus Volkslie- gen, vielmehr eine Handlung nur durch Pan~
dern besteht; das berühmteste Beispiel eines tomimen und Tänze dargestellt wird. Beide
solchen war John Gay's The Beggar'sOpera Arten des Balletts haben ein beträchtliches
(Bettler-Oper, Musik von Pepusch[s. d.] arran- Alter, auch wenn wir von den ausdrucks-
Balletto - Balthasar. 103
vollen Tanzbewegungen des Chors der alt- mehrerer Tanzlieder (zusammenhängenden
griechischen Tragödie und der hochent- Textes) mit Vorausschickung einer instru-
wickelten Pantomime (s. d.) der römischen mentalen Entrata als Maskenspiel bei Hof-
Kaiserzeit absehen. Pantomimen mit Musik, festlichkeiten finden sich bereits in Monte-
meist der griechischen Mythologie entnom- verdis Scherzi I607 (vgl. Sammelb. der IMG.
mene Sujets behandelnd, mit allegorischer XIV. I [Riemann]) und Ant. Brunellis Scher-
Beziehung auf anwesende Fürstlichkeiten, zi I6I6; ihnen entsprechend sind die (text-
waren bei Vermählungsfeierlichkeiten an den losen) Tanzsuiten der deutschen Meister
Höfen in Italien un d Frankreich schon im (Peurl, Schein; vgl. Suite) angelegt. Als
15. Jahrhundert nichts Seltenes; sie unter- Name eines einzelnen Tanzstücks eder
schieden sich vom modernen großen B. prin- Suitenteils ist B. im I7. Jahrhundert ein
zipiell kaum irgendwie und gehören ebenso lebhaft bewegter Satz im Allemandentypus,
wie die englischen Masques (s. Maskenspiele) aber mit einem Mittelteil von Gaillarden oder
zu den Vorläufern der Oper. Das Ballet
,comique de la Royne, zur Vermählung vOll
Couranten-Charakter ($, $).
3/4, Vgl. Kan-
Heinrichs IH. von Frankreich ~,"R" esteIl zone.
Margarethe von Lothringen mit dem Her- Balling, Michael, * 28. Aug. I866 zu
zog von Joyeuse 15. Okt. 1581 zu Versailles Heidingsfeld a. Main (Unterfranken), t I.
aufgeführt, muß als prunkvolle Ballettoper Sept. I925 in Darmstadt, von seinem I4. bis
{auch mit Monodien) zu den Erstlingen der I8. Jahre Schüler der Würzburger Musik-
wirklichen Oper gerechnet werden (Poesie schule, namentlich Hermann Ritters, dann
von De la Chesnaye, Musik von Girard de als Bratschist in Mainz, in der Schweriner
Beaulieu und Jacques Salmon, Entwurf des Hofkapelle (I886-92) und in Bayreuth bei
Ganzen von Baltazarini, Sieur de Beau- den Festspielen tätig. Von Schwerin aus
joyeulx; Partitur gedruckt, Paris: Ballard trat er eine Reise nach Neu-Seeland an,
1582; Neuausgabe [Kl.-Ausz.] von Wecker- gründete in Nelson die erste Musikschule in
lin in den Chejs- d' ceuvre classiques de l'opera Australien und kehrte nach 2Y2 jähriger
jranyais). V gl. L. Cell er, Les origines de Weltreise zunächst nach England zurück.
"opera et le ballet de la R. (Paris 1868). 1896 trat er als Assistent in Bayreuth seine
Aber auch die eingelegten Ballette sind Laufbahn als Kapellmeister an, kam noch
alt; Tänze mit oder ohne Gesang inmitten im Herbst d. J. als Chordirektor ans Ham-
oder am Schluß von Tragödien (in Nach- burger Stadttheater, I898 als 1. Kapell-
ahmung der antiken Chortänze) kamen meister nachLübeck, dann nach Breslau und
ebenfalls bereits im 15. Jahrhundert vor. als Nachfolger Mottls nach Karlsruhe. Von
Sie entwickelten sich aber schon in den ersten I906-I4 war er daneben als Dirigent in
Zeiten der Oper zu der seltsamen Gestalt Bayreuth tätig. I9II siedelte er als Nach-
der Zwischenaktballette (I n termedien, folger Hans Richters nach Manchester über
s. d.), welche in die Handlung der Oper und blieb dort bis Kriegsausbruch; seit I919
bruchstückweise eine zu dieser in keiner- war er als Generalmusikdirektor in Darm-
lei Zusammenhang stehende zweite Hand- stadt tätig. Die bei Breitkopf & Härtel er-
lung einkeilten. Der Name balletto für eine scheinende Gesamtausgabe derW erkeRichard
vollständige Ballettoper, in der aber auch Wagners stand unter seiner Leitung.
gesungen wurde, findet sich schon 1625 *
Balmer, Luc, I898 in München als Sohn
(Dt'e Befreiung Ruggieros von der Insel der des Schweizer Malers Wilhelm B., I9I5-20
Alcina, Dichtung von Saracinelli, Musik von Schüler des Basler Konservatoriums (Huber,
Francesca Caccini). Besonderer Gunst er- Eg. Petri, Ernst Levy), I92I-22 Kompo-
freuten sich die Ballette am französischen sitionsschüler von Busoni in Berlin; seit I923
Hofe, wo nicht nur der hohe Adel, sondern Theorielehrer am Berner Konservatorium.
die Könige selbst mittanzten (Ludwig XIII. Werke: Serenade; Sinfon. Fragment; Sin-
I625, Ludwig XIV. sehr häufig); besonders fonietta; 2 StreiChquartette, Duo f. V. und
hatten sich zur Zeit Ludwigs XIV. die Bal- Vc.; Violinkonzert, Klavierkonzert, Mär-
lette der Quinault-Lullyschen Opern höch- chenspiel Die verzauberte Blume (Bern 1926);
ster Gunst zu erfreuen. Eine einschneidende Musik zu den Idyllen von Sal. Geßner, sze-
Reform durch Rückwendung zur pantomi- nisch aufgeführt Bern I924.
mischen Bedeutsamkeit erfuhr das B. durch *
Balthasar, Kar!, 9. Sept. 1868 in Zasch-
Noverre (s. d.) wie durch dessen Gegner witz als Sohn eines Kantors und Organisten,
Gasparo Angiolini; auch in der neuesten Zeit absolvierte das Gymnasium in Zeitz, stu-
hat das B., getragen von der neuen Tanz- dierte Theologie und trieb musikalische Stu-
bewegung, die Gunst der Komponisten (Stra- dien unter Rob. Franz und Otto Reubke in
winsky, Milhaud, Bart6k, Wellesz, Kfenek u. Halle, wo er zugleich als Leiter akademi-
v. a.) wieder in erhöhtem Grad gewonnen. scher Chöre und Organist wirkte. Als Pfar-
V gl. Ballade,B alletto, Tanz und Suite. V gl. H. rer - jetzt in Ammendorf bei Halle a. S. -
Prunieres, Le ballet de cour en France entfaltete er eine einflußreiche Tätigkeit
avant Benserade et Lully (Paris I9I4). durch geistliche Aufführungen, Organisten-
Balletto (ital.), so viel wie Ballett (s. d.); kurse, kirchenmusikalische Konferenzen, Her-
doch hießen im I7.-I8. Jahrhundert auch ausgabe der Zeitschr. des Ev. Kirchenmusik-
die aus Tänzen verschiedenen Charakters vereins sowie als Mitarbeiter des Orgelvor-
zusammengesetzten Kammersonaten B. (Sui- spielbuches für die Provinz Sachsen; seit
ten von Tanzstücken). Zusammenstellungen I919 ist er Leiter des kirchenmus. und theo-
104 Baltikum - Banda.

logischen Seminars, seit 1920 Dozent (Prof.) Pseudony'lIl Camillo Scaligeri delta Fratta)
für mus. Liturgik an der Universität Halle. gehört hierher. Seine Canzoni alla francese
B. veröffentlichte Lieder, Choräle und a 4 voci per sonar (1596, 1603) zählen zu den
Vorspiele und schrieb für die Fachliteratur besten Erstlingen der Sonatenkomposition.
Aufsätze besonders über Musik im Gottes- Ein anderes Sonatenwerk erschien 1612
dienst. (M oderna armonia, für Orgel allein oder
Baltikum. Vgl. Paul Th. Falck: Zur auch mit anderen Instrumenten). Außer-
Geschichte der Musik im Baltenlande (Balti- dem gab er 3st. Kanzonetten (lib. IV; Meta-
sche Monatsschrift Bd. 73, 19II), Das Kir- morfosi musicali I6oI), aber auch eine Reihe
chenlied im Baltenlande, Baltische K inder- kirchlicher Werke heraus (Concerti ecde-
lieder und Reime (ib. Bd. 74, 1912), Das siastici 1595, doppelchörig, mit einer Orgel-
deutsche Volks- und Studentenlied im Balten- stimme für den ersten Chor [Spartitura, Dis-
lande (ib. Bd. 76, 1913). - S. auch Riga, kant und Baß übereinander gedruckt mit
Reval, Dorpat. Taktstrichen; das 2Jteste derartige Bei-
*
Baltzar (Baltzer), Thomas ca. 1630 spiel]; 5st. Vesperpsalmen 1598, Ecclesia-
in Liibeck, war 1653 Kammerviolinist im stiche Sinfonie 1607, Messe e 11-1otetti concer-
Dienst der Königin Christine von Schweden tati 1620, M essa solenne a 8 voci : .. Introito,
und kam vor 1656 nach England, wo Graduale, Offel'torio usw. 1599, Salmi festivi
er als Violinspieler berühmt und Privat- 4 v. 1613, auch ein Direttorio monastico di
musiker Karls 11. wurde und im Juli 1663 canto fermo). 10 Orgelsätze von B. brachte
starb (begraben 27. Juli). B. zeichnete sich Torchi in Arte mus. in Italia Bd. III zum
aus durch Fertigkeit im doppelgriffigen Abdruck. VgI. Fr. Vatielli, Il Madrigale
Spiel, das damals sehr in Schwang kam drammatico e A. B. (in: Arte e vita musicale
(Strungk, J. J. Walther, Biber). Seine er- a Bologna, I, 1927).
haltenen Kompositionen (Senior Balshar, *
Banck, Karl, 27. Mai 1809 zu Magde-
a Germaine) sind zu finden in John Play- burg, t 28. Dez. 1889 zu Dresden, Schüler
fords Sammdwerk The Division Violin (in B. Kleins, L. Bergers und Zelters in Berlin
den Auflagen von 1685, 1688, 1°93 vier und Fr. Schneiders in Dessau , geschätzter
Stücke). Vgl. A. Moser, Gesch. des Violin- musikalischer Kritiker in Magdeburg, Berlin
spiels, S. 191 H. und Leipzig, später in Thüringen (J ena,
Bamberg. Vgl. E. von Marschalk, Die Rudolstadt usw.) und seit 1840 in Dresden.
Bamberger Hofmusik unter den letzten drei Seit 1861 mit einer Amerikanerin verhei-
Fürstbischöfen (1885); K. Schmidt, IOO ratet, hielt er sich auch einmal ein Jahr in
Jahre Bamberger Theater I808-I908 (1908). Nordamerika auf. Als Komponist trat er
Vgl. E. T. A. Hoffmann. besonders mit hübschen Liedern hervor,
Banchieri (spr.-kieri), Adriano, bedeu- schrieb auch I-(lavierstücke, Chorlieder usw.
*
tender Organist und Theoretiker, um 1565 und gab ältere \Verke (Sonaten von Scar-
zu Bologna, t 1634, Schiilervon Gius. Guami laiti und Martini, Arien von Gluck usw.)
zu Lucca, war zuerst Organist zu Imola, spä- heraus.
ter im Olivetanerkloster S. Micheie in Bosco *
Band, Erich, 10. Mai 1876 in Berlin,
bei Bologna (daher auch Adriano di Bologna studierte dort an der Kgl. Hochschule für
oder Monaco Olive/ano genannt), Begründer Musik (Klavier und Komposition) sowie an
der A ccademia de' floridi zu Bologna, der der Universität, ergriff dann die Kapell-
späteren A. de' filomusi, in der er den Namen meisterlaufbahn (Mainz, Bremen, Rostock),
Il Dissonante führte. Seine theoretischen wurde 1905 Hofkapellmeister am Kgl. Hof-
Schriften sind: Conclusioni del suono d' or- theater zu Stuttgart, auch Dirigent des Ver-
gano (1591, 1609 u.m.); L'organo suonarino eins für klassische Kirchenmusik und des
(1605, 1607 u. m.); Car/ello ovvero Regole Lehrergesangvereins ; seit 1924 Städt. GMD.
utilissime a quelli che desiderano imparare und Operndirektor in Halle. B.s veröffent-
il canto figurato (1601,1610 u.m.); Cartellina lichte Kompositionen sind: 7 Klavierstücke
deI canto fermo gregoriano (1614 u. m.); op. I, Klaviersonate OP.2, Streichquartett
Cartella musicale nel canto fir;urato fe1'1no e A dur op. 3, Lieder op. 4 und 6, 2 Klavier-
contrapunto (1614); Armoniche conclusioni stücke op. 5, Romanze für Cello und Orche-
deI suono dell' organo, canto fermo figurato ster op. 7; Friede f. gern. Chor und Orchester
e contrapunto - con le corroborationi del- op.8. Auch bearbeitete er Aubers Schwar-
l'organo suonarino (1626); La Banchierina zen Domino. Er schrieb ferner 7ur Ent-
ovuero Cartella picciola del canto figurato wicklungsgeschichte des modenlen Orchesters
(1623). Auch als Komponist ist B. nicht (Stuttgart), Operndeutsch (Kunstwartver-
unbedeutend; als Nachahmer von Striggio, lag) u. a.
Croce und vor allem von Orazio Vecchi Banda (ital., franz. Bande, engl. Band),
schrieb er eine Anzahl Madrigal-Dramen: Bande,Musikbande, war früher eine durch-
La pazzia senile (1598, Neudruck in Torehis aus nicht abschätzige Bezeichnung für ein
Arte music. in Italia Bd. IV); La prudenza Musikkorps, besondersfürBlasmusiken ; auch
giovenile (1607,' 1628 [La saviezza giovenile]); hießen z. B. die 24 Violons Ludwigs XIV.
Il Z abafone (1604); La barca di V en ezia per Grande bande (zur Unterscheidung von den
Padova (1605); Tirsi, Filii e Clori (1614) 16 petits violons), desgl. die 24 Fiddlers Karls
und Trattenimenti in villa (1630). Auch II. von England The King's private band
La nobilissima anzi asinissima compagnia usw. Im italienischen Opernorchester ist B.
delli briganti della bastina (1597, unter dem der Ausdruck für den Chor der Blechbläser
Bandler - Banister. 105
und Schlaginstrumente; auch ein etwa auf Rumpf waren 14 Hilfssaiten angebracht, auf
der Bühne aufgestelltes Orchester heißt B. jeder Seite 7.
In Italien besitzt jede einigermaßen größere Bandurria, span. Volksinstrument, von
Stadt ihre B. muniripale. In neuester Zeit gitarre ähnlicher Form, mit 12 Saiten, die mit
hat das Wort in Jazzband (s. Jazz) noch einem Schlagring (pua) gespielt werden; es ist
eine weitere Verwendung gefundf'n. gleichsam der Sopran der Gitarrenfamilie.
Bandler, Heinrich, * 19. Nov. 1870 zu Bang, Maja, * 24. April 1877 zu Tromsö,
Rumburg in Böhmen, studierte 1882-88 bei Schülerin des Leipziger Konservatoriums,
Anton Bennewitz im Frager Konservatorium, dann vonMarteau in GenfundAuer inPeters-
1893 -9 5 noch bei J osef J oachim ; war burg. Debütierte 1900 in Oslo und gründete
1892-96 Solo-Bratschist am Breslauer Or- dort die Oslo-Musikschule, wurde 1919 Leh-
chesterverein, seit 18<)6 Konzertmeister des rerin an Auers Akademie in N ew Y ork, hei-
Vereins Hamburger Musikfreunde (Philh. ratete 1922 Baron Hoehn, New York. Ver-
Konzerte), gleichzeitig Solist und Führer der öffentlichte; Violin M ethod in6Heften (1922).
nach ihm benannten Quartett-Vereinigung. Bangert, Emilius, * 19. Aug. 1883 zu
Bandmann, Tony, * 17. Mai 1848 und Kopenhagen, in der Kompos. Schüler Carl
t 3· Okt. 1907 zu Hamburg, ursprünglich Nielsens, im Orgelspiel von Eugene Gigout
Malerin, später Klavierschülerin L. Deppes in Paris. 1916 wurde er als Organist an der
und eine der ersten Vertreterinnen von dessen J esuskirche in Kopenhagen angestellt, seit
Klavierspielmethode , lebte als Klavierleh- 1919 wirkt er als Domkantor in Roskilde,
rerin in Hamburg und schrieb Die Gewichts- sei t 1925 als Lehrer für Theorie am Kgl.
technik des Klavierspiels (1907), sowie Konservatorium in Kopenhagen. 1913
Aufsätze über Klavierspiel in Fachzeit- erhielt er das Ancker-Stipendium für Kom-
schriften. ponisten. Er schrieb u. a.; eine Sinfonie
Bandrowski, Alexand er, poln. Tenorist, C dur; Streichquartett; Violinsonate A dur
* 22. April J860 zu Lubaczow, t 28. Mai op. 8 und eine weitere Violinsonate; Schau-
1913 in Krakau, erst Jurist, dann Schau- öpielmusik; Lieder.
spieler, bis er sich bei Sangiovanni und Salvi Banister (spr. bännister), Gi I b e r t, (Bane-
dem Gesangsstudium widmete, 1889-19°1 stre, Banaster ,Banastir, Banester ), englischer
an der Frankfurter Oper, Gast an allen Kom ponist des 15. Jahrhunderts, seit 1478
Opernhäusern Europas und Amerikas, na- Master 01 ihe CMldren (Singlehrer) der Chapel
mentlich in den Heldenrollen 'Wagners und Royal in London, t im August 1487, von
Meyerbeers. Er hat eine Reihe Wagner- dem wenige Motetten zu 2-5 St. hand-
seher Opern ins Polnische übersetzt und schriftlich erhalten sind. V gl. Sammelb. d.
zwei polnische Opernlibr€tti geschrieben; IMG. XV. 1 [1913] (W. H. Grattan Flood).
Sta1'a Basn (Ein altes 111 ärchen) für W. Zelen- Banister (spr. bännister), Henry Char-
ski, 1907 und Boleslaw Smialy (Boleslaw der les, * 13. Juni 1831 zu London, t 20. Nov.
Kühne) für L. Rozycki, 1909. 1897 zu Streatham, Sohn des Cellisten
Bandura, Bandora, Bandolon, Ban- J oshua B. (1803-47), Schüler Cipriani
dola samt Pandora, Pandura, Pandurina, Potters, 1853 Professor der Hannonie an
.Mandora, Mandola, Mandoer, Mandura, Man- der Kgl. Musik-Akademie, seit 1880 auch
dürchen, im Orient und Südeuropa Namen an der Guildhall-Musikschule, >ichrieb 4 Sin-
für lautenartige Instrumente. Die Bandura fonien, 5 Ouvertüren, Kammermusik, Lie-
fand im 15.-]6. Jahrhundert Eingang in der, Klaviersachen, ein Textbook 01 Music
Kleinrußland und wurde, nachdem sie die (14. Auf!.), Vorträge über musik. Analyse
Kobsa vollständig verdrängt hatte, ein sehr (1887),Musüal Artand Study (1888, 3. Aufl.
beliebtes Volksinstrument, besonders bei den 1898), Biographie G. A. Macfarrens (1892),
Kosaken der Ukraine. Heutzutage trifft H elPful Papers lor H armony Students (1895),
man die B. noch an einigen Orten Klein- The Harmonising 01 Melodies (1897), The
rußlands in den Händen blinder Musiker. Art 01 Modulatz·ng(1901). Seine hinterlassenen
Der Körper der B. ist ein ovaler Rumpf mit Vorlesungen gab Stewart Macpherson
gewölbtem Unterboden und flacher Decke, unter dem Titel Interludes heraus (1898).
in deren Mitte sich ein rundes Schalloch be- Banister (spr. bännister), J 0 h n , vor-
findet, mit kurzem Hals und 6 über das Griff- trefflicher Geiger, * 1630 zu St. Giles'-in-the-
brett laufenden Griffsaiten und 6 daneben Fields (London), t 3. Okt. 1679; ward von
über die Decke gespannten unverkürzbaren Karl 11. zu weiterer Vervollkommnung nach
Melodiesaiten der normalen Stimmung; Frankreich geschickt und dann als Kapell-

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meister des Königlichen Orchesters (King's
band) angestellt (Nachfolger Baltzers). 1666
wurde er seines Am ts enthoben, weil er gegen
,0 , die vom Könige protegierten französischen
Saiten. Hitrssaften. Geiger intrigierte, und wurde Louis Grabu
unterstellt. In der Folge veranstaltete er als
Gespielt wird die B. mit einem Plektrum, erster öffentliche Konzerte gegen En-
dem Knöchelchen. Die ältere panskaia (herr- tree (1672-79). B. schrieb eine Musik zu
schaftliche) B. war größer als die gewöhn- Davenants Circe, sowie gemeinschaftlich mit
liche, ihr Hals lief wie bei der Theorbe in Pelham Humfrey zu Shakespeares Sturm,
zwei Wirbelkästen aus, die mit Wirbeln für ferner enthält das Sammelwerk New Ayres
15 Saiten versehen waren, und auf dem and Dz'alogues Composed lor Voz'ces and Vz'ols
106 Banister -- Bantock.

(2-4st., 1678) zwei Instrurnen talsätze vonB., Fire-Worshij,pers (1892), die Agyptische Bal-
desgleichen J. Playfords Division Violin (2. lettsuite zu dem Drama Rameses 11. (5 akt.
Auf I. 1685) 3 Variationenreihen über Osti- Dichtung, mit Inzidenzmusik von B. 1891),
nati (Divisions upon a Ground). VgI. J. die Kantate Wulstan (für Bariton und Or-
Pulver, A Biographical Dictionary (19 27). chester, 1892) und die einaktige Oper Caed-
Banister (spr.bannister), John, *um mar (1892 im Konzert und auch in Lagos
166 3, t 1735, Sohn vonJ ohn B. und 1679 sein Olympic Theatre) zur Aufführung. 1893-96
Nachfolger als Geiger in The King' s Band; gab er eine Musikzeitung The N ew Quarterly
erster Violinist am Drurylanetheater, war 1Vlusical Review heraus und war daneben
der erste Apostel Corellis in London und Kapellmeister an Provinzialbühnen (mit G.
schrieb einige Bühnenmusiken. Edwardes' Operngesellschaft Reise um die
Banjo, ein Instrument der amerikanischen ~Welt). 1896-97 veranstaltete er in London
Neger, aus Afrika mitgebracht, wo es sich ein Orchesterkonzert und ein Kammermusik-
unter demNamenBania noch vorfindet. Das konzert mit ausschließlich englischen Kom-
B. ist eine Art Gitarre mit langem Hals und positionen neuesten Datums. 1897 wurde B.
einer Art Trommel als Schallkörper, eine städtischer Musikdirektor in N ew Brighton
über einen nach rückwärts offenen Ring ge- (Cheshire), wo er die Musikverhältnisse
spannte Haut, mit 5-9 Saiten. Die Melo- schnell in die Höhe brachte durch Begrün-
diesaite wird mit dem Daumen gespielt und dung eines Orchesters und eines Chorvereins.
liegt neben der tiefsten von den andern. Seit 1900 ist er Direktor (Principal) der
In der Jazzband spielt das B. seine besondere Musikschule des Birmingham and Midland
Rolle; es wird in mehreren Größen ver- Institute, war daneben 1902-03 Dirigent
wendet. des Festchors von vVolverhampton und ist
Bannelier (spr.-ölj6), Charles, Musik- seit 1903 auch Dirigent des Liverpooler
t
schriftsteller, * 15. März 1840 und im Ok- Orchestervereins. Im Jahre 1908 wurde er
tober 1899 zu Paris; Schüler des Pariser zum Professor der (von Richard Peyton
Konservatoriums, langjähriger Mitarbeiter begründeten) Musik-Fakultät an der Uni-
und während der letzten Jahre vor ihrem versität zu Birmingham ernannt. Auch ver-
Eingehen (Ende 1880) Chefredakteur der anstcLltete B. mehrmals Konzerte mit eng-
Revue et Gazette musicale, schrieb außer vie- lischen Kompositionen in Antwerpen. B.
len trefflichen Artikeln in dem genannten ist zurzeit einer der hervorragendsten eng-
Blatt eine französische übersetzung von lischen Komponisten: ein Meister der Farbe
Hanslieks Vom Musikalisch-Schönen (1877, in seinen Orch.-vVerken und der bedeutend-
3. AufI. 1893), übersetzte auch den Text von ste Vertreter des großen a cappella- Chor-
Bachs Matthäus-Passion und gab einen vier- werks. Werke: für Chor, Soli und Orchester:
händigen Klavierauszug von Berlioz' Sym- Omar Khayyam; The Great God Pan; The
phonie fantashque heraus. Time-Spirit; Sea-Wanderers; Christ in the
Bannister (spr. bännister),Henry Mariott, W ilderness; Song of Songs, 5 Teile; für Or-
Mag. Art. zu Oxford, * 1855, t 1919, Heraus- chester: H ebridean Symphony; Pagan SY111-
geber der 1\IIonumenti Vaticani di Paleografia phony; Processional und ] aga-N aut; The
lVlusicaleLalina(Leipzig H)I8, Otto Harrasso- Pierrot of the 111inute; Dante and B ealriee;
witz, Bd. XII der auf Befehl Papst Pius' X. H elena Variations; The W iteh of Alias; Fi-
vom Kuratorium der Vatikanischen Biblio- fine at the Fair; Overture 10 a Greell Tragedy;
thek zur Erschließung der letzten Quellen des Russian Scenes für kleines Orchester; From
Gregorianischen Gesanges erscheinenden the Far West; S eenes from Ihe Highlands für
weitschichtigen Publikation Codices Vati- Streichorchester; Sapphic Poem; Musik zu
cani Selecti Phototypice expressi [I. Teil Text, Macbeth (London 1926). UnbegI. Chorwerke:
2. Teil 141 Tafeln im größten Folio]). Villon, eine Ballade; The Lost Leader; The
Banti, Brigitta, geborene Giorgi, Sän- Twilight Tombs of AnC'ient Kings; Cavalier
gerin, * 1759 zu Crema (Lombardei), t 18. Tunes; A talanta in Calydon; Vanity 0/ Va-
Febr. 1806 in Bologna; wurde als Chan- nilies; A Pageant ofHumanLife; TheGolden
teuse in einem Caf,§: zu Paris entdeckt ]ourney to Samarkand; The Grianan of Aile-
und machte durch ihre herrliche Stimme ach; Lucifer in Starlight ; War-Song 0/ the Sa-
großes Aufsehen in Paris und London, ver- racens; 3 Sea Songs; I saiah; A rethusa usf. Ge-
mochte indes nicht, sich die fehlende musi- sänge: Sappho;Ferishtah'sFancies; Hymn 0/
kalische Bildung noch anzueignen, sondern Pan; Ghazals 0/ H a/iz; Songs 0/ A rabia,] apan,
blieb zeitlebens Natursängerin. Auf ihren Egypt, Persia, India, China, 6 Bände; 4
Reisen durch Deutschland, österreich und Pagan Chants; I3 DramatieLyries; 4Songs 0/
Italien feierte sie große Triumphe; 1799 bis A ready; T he 111 areh; Songs /rom the Chinese
1802 war sie in London als Primadonna Poets, 2 Bände; SongsfromtheChinese; Songs
engagiert. VgI. C. Lozzi, B. B. (1909). 0/ Childhood; T he Vale 0/ A rden; 3 Nocturnes:
Bantock, Granville, *7.Aug.1868 zu 3 I dyls usf. Kammermusik: Sonate F dur für
London, war für den indischen Verwaltungs- Va. und Klavier; SonateG moll für Vc. allein;
dienst bestimmt, wurde aber 1889 Schüler Hamabdil und Pibroch für Vc. und Klavier
von Fr. Corder an der Londoner Musikaka- bzw. Harfe usf. ; Klavierstücke. Oper: T he
demie, errang schon im ersten J ahTe das Seal-Woman (1925); Musik zur Elektra des
Macfarren-Stipendium (er war dessen erster Sophokles; zu L. Cranmer-Byng's Salma
Inhaber) und brachte noch als Schüler in (1926); ]udith (2 Bde.); Lalla Rookh (2 Bde.);
den Akademiekonzerten seine Ouvertüre The A rabian Nights, 4 Bde.; Scottish Scenes usf.
Banwart - Barbier. 107

Einst., zwei- bis vierstimmige Chöre, Schul- durch Rossini. Bellini und Donizetti. Seit
chöre, gern. Chöre usw. Hrsg.: IooFolk-Songs 1828 lebte er" zurückgezogen am Posillipo.
01 alt Nations; IOO Songs 01 England ; 60 Patri- Barbarino, Bartolommeo, gebürtig aus
otic Songs olallN ations; K!.-Albums von Byrd, Fabriano (Mark Ancona), daher da Fabriano
Bull, Farnaby. - Vgl. H. O. Anderton, G. (aber detto il Pesarino), war zuerst Kapell-
B. (1915). meister am Dom zu Pesaro, seit 1605 am
Banwart, Jak 0 b, * zu Sigmaringen, Dom- Dom zu Padua, wo erdann in die Dienste des
kapellmeister zu Konstanz, gab dort heraus Bischofs Giuliano della Rovere trat (vg!.
15 Messen 4-5 v. (1649-1652), 2 Bücher Sammelb. d. IMG. XIV, S. 562 ff. [Radi-
l-IIst. Motetten (1641,1661) und Teutsche ciotti]). Komponist von Motetten mit B. c.
Talelmusik von 2-4 Instrumenten (1652). (1610 [1615], 1614), 3 st. Madrigalen mit
Baptie (spr. bäpti), David, * 30. Nov. B. c. (1617), 1-2st. Kanzonetten dg!. (1616)
1822 zu Edinburgh, t 26. März 1906 zu Glas- und von vier Büchern Ist. Madrigalen mit
gow; schrieb: A Handbook 01 Musical Bio- B. c. (1606, 16°7, 1610, 1614, das 1. und 2.
graphy (1883, 2. Auf!. 1887), lHusicians 01 Buch mehrfach aufgelegt).
alt Times (1889). Sein handschriftliches Ver- Barbedette (spr. barbedett), Hippolyte
zeichnis A Descriptive Catalogue 01 upwards la Roch e lle, * 1827 zu Poitiers, t 1. Febr.
23000 Secular Part Songs ete. ist im British 1901 zu Paris, gab Klavier- und Ensemble-
Museum deponiert. B. selbst komponierte werke heraus und machte sich mit kleineren
Glees. biographischen Arbeiten über Beethoven
Baptiste, (eigentlich Baptiste Anet (1870), Chopin (1861), Weber (1862, 2. Auf!.
[spr. bätist anä]), Violinist, Schüler von Co- 1873), Schubert(1866), Mendelssohn, Stephen
reHi, t 1755 zu Luneville als Kapellmeister Heller (1877) und Gluck (1882) bekannt. B.
des ehemaligen Königs von Polen Stanis- lebte in Paris und war Mitarbeiter des
laus Leszczynski, gab 3 Bücher Violinsona- Menestrel.
ten (1724-29) und I Buch Duos für zwei BarbelJa, Emanuele, * 1704 und h773zU
Musetten heraus. Neapel, Sohn von Francesco B. (v'on dem
Baptiste (spr. bätist), Ludwig Albert gute Violinsonaten mit Baß erhalten sind),
Friedrich (Battista), * 8. Aug. 1700 zu in der Komposition Schüler von L. Leo und
Öttingen, turn 1770 in Kassel, "WO er nach Padre Martini, gab in London und Paris
langen Reisen als Violinist und Tänzer 1726 Triosonaten (2 V. und B. c.), Violinduette,
in der Hofkapelle Anstellung fand, gab 6 Sei duetti a 2 viole, Duette für Violine und
Sonaten für Flöte (Violine) mit Baß und 24 Cello und Violinsonaten mit B. c. heraus.
Menuette (2 V., 2 Hörner und Baß) heraus. die wegen ihrer Melodiosität geschätzt wur~
Bar (eng!.), Takt; bar-line, Taktstrich. den. Eine in Kompanie mit Logroscino ge-
Baralli, Don Raffaello, * 25. Juni 1862 schriebene Oper Elmira generosa wurde
zu Camigliano bei Lucca, ausgebildet am 1753 in Neapel gegeben.
dortigen Seminar, widmete sich der Forscher- Barberiis, Melchiorre de, s. Lauten-
und Lehrtätigkeit auf dem Gebiete des gre- tabulaturen (1546-49).
gorianischen Chorals, 1903 Lehrer des gregor. Barbetta, Giulio Cesare, s. Lauten-
Gesangs am Istituto musieale zu Lucca, tabu la turen (1569-16°3).
wurde 1910 Lehrer der gregor. Paläographie Barbi, Alice, gefeierte Konzertsängerin
an der Kirchenmusikschule zu Rom. 1905 (Sopran), * vor 1862 angeblich zu Modena,
machte er noch Studien unter Dom Mocque- wo ihr Vater Violinprofessor war, ging vom
reau (s. d.) in Appuldurcombe auf Wight. Violinspiel zum Gesang über, war dann
Außer zahlreichen Aufsätzen in der Rassegna Schülerin von Zamponi, Busi und Vannuc-
Gregoriana seit 1905 gab er separat die Stu- cini und trat zuerst 1882 in Mailand öffent-
dien heraus: Destiamoei (Lucca 1901), Due lich auf. 1897 verheiratete sie sich mit dem
parole sui melismi Gregoriani (das. 1901), Baron Wolff-Stomersee und ließ sich in
Dt" una proprt"eta deI canto liturgico (Berichte Petersburg nieder. Frau Barbi, einst gleich
der Luccheser Akademie 1902), Di un nuovo groß im Vortrag der klass. Arie wie des mo-
"telum imbelle sine ictu" contro il canto Grego- dernen Liedes, ist auch Dichterin (Bazzini
riano (Pisa 1902), Ab initio non luit sie komponierte Lieder auf Texte von ihr) und
(Lucca 1902, über chromatische Töne im gab eine geschätzte Ariensammlung heraus.
Choral), La zuppa nel paniere (Lucca 1903), Vg!. Gazetta musieale 1887 (G. B. Nappi).
eine ita!. übersetzung von H. M. Bannisters Barbier (spr. -bje), Fred6ric Etienne,
(s. d.) Paleogralia must"Gale Vatt"eana. * 15. Nov. 1829 in Metz, t 12. Febr. 1889 in
Barbaja, Domenico, * 1778 zu Mailand, Paris, Schüler des Organisten Darondeau in
t 16. Okt. 1841 zu Posillipo bei Neapel, stieg Bourges, wo er 1852 den ersten .Bühnen-
vom Kellner zum Zirkusdirektor und The- erfolg hatte (Le mariage de Colombine), debü-
aterunternehmer auf (S. Carlo in Neapel), tierte 1855 im Pariser TMätre lyrique mit
wurde 1821-28 vom Grafen Gallenberg nach Une nuit a Seville und brachte in der Folge
Wien gezogen als Direktor des Kärntnertor- eine große Zahl meist einaktiger Stücke her-
Theaters und desTheaters an derWien, blieb aus, immer entschiedener sich dem Genre
aber gleichzeitig Unternehmer des San Carlo- der Buffo-Operette zuwendend.
Theaters in N ea pel und des Scala-Theaters zu Barbier (spr. -bje), Jules, * 8. März 1825,
Mailand, stand also an der Spitze des ge- t 16. J an. 1901 in Paris, schrieb (vielfach in
sam ten italienischen Opernwesens während Kompanie mit M. Carre) Bühnenstücke.
der Zeit von dessen phänomenalen Erfolgen Gounod, Meyerbeer, Ambr. Thomas und
108 Barbier - Barblan.

Masse komponierten Texte von B., dessen musica religiosa (1889), Ultimos amores de
Galathee (1852, Musik von Masse) das soge- Lope de Vega Carpio (1876) und gab ein von
nannte griechische Genre in die komische ihm entdecktes Manuskript von Eximeno
Oper einführte. (Don Lazarillo Vizcardi) heraus (1872);
Barbier (spr. -bje), Rene Auguste schrieb auch die aufschlußreiche Vorrede zu
Ernest, belg. Komponist, * 12. Juli 1890 Carmena y Mill<in's Cr6nica de la Opera ita-
zu Namur, wo er an der Acad. de Mus. stu- liana en lVI adrid und zahlreiche Broschüren,
dierte, später am Konservatorium zu Lüttich darunter EI Teatro Real y el Teatro de la
(Komposition bei Sylvain Dupuis); Preis- Zarzuela, Las Castanuelas; lieferte auch die
träger für seine Kantate La Legende de Be- musikgeschichtlichen Daten für Menendez
atrice. Andere Werke: Oper: Yvette (Narnur Pelayo's H istoria de las ideas esteticas de
1912); Sonatefür Violine und Klavier; Quin- Espana. 1859 veranstaltete er Concerts
tett; Trio; Tryptichon für Klavier; Konzert spirituels in dem unterdes erbauten Zarzuela-
für das Hans-Klavier (s. d.) und Orchester; theater, richtete 1866 ständige Konzerte
Messe, 3 st. mit Orgel; L' Epopee BeIge, pa- klassischer Musik ein, aus denen sich 1867
triotische Kantate (aufgeführt in Namur); die Madrider Konzertgesellschaft entwickel-
viele Lieder. te, wurde 1868 zum Professor der Harmonie
Barbieri, CarloEmanuele di, *22.0kt. und Musikgeschichte am Konservatorium
1822 zu Genua, t 28. Sept. 1867 in Pest, und 1873 zum Mitglied der Akademie der
Schüler M ercadan tes in Neapel, Opernka pell- Künste ernannt. Neben dieser vielseitigen
meister an verschiedenen italienischen Büh- Tätigkeit schrieb er noch eine große Anzahl
nen, 1845 am Kärntnertor-Theater in \Vien, Orchesterwerke, Hymnen, Motetten, Chan-
r 847 am Königsstädtischen Theater zu Ber- sons und Artikel für musikalische, politische
lin, 1851 in Hamburg, 1853 in Rio de Janeiro, und gelehrte Zeitungen.
privatisierte 1856-62 in Wien und war dann Barbireau (spr. barbirö), Jacques, 1448
bis zu seinem Tode Kapellmeister am Natio- Kapellmeister des Knabenchores an Notre
naltheater zu Pest. B. schrieb Opern, von Dame zu Antwerpen, t daselbst 8. Aug. 1491
denen besonders Perdita, ein Wintermärchen (der Vorgänger im Amte von J.Obrecht);
(1865) über deutsche Bühnen gegangen ist, ein hoch angesehener Komponist, von dem
auch Ballette, Possen usw. aber nur wenige 'Werke im Manuskript erhal-
Barbieri, Francisco Asenjo (B. ist der ten sind (3 Messen, Motetten, Chansons).
Familienname seiner Mutter, welcher den Barbiton (B arbi tos), altgriechisches Sai-
seines Vaters Asenjo bald ganz verdrängte), teninstrument (das Lieblingsinstrument des
* 3. Aug. 1823 zu Madrid in bescheidenen Alkäos, der Sappho und des Anakreon zur
Verhältnissen, t 19· Febr. 1894 zu Madrid, Begleitung ihrer Gesänge); die Art des In-
studierte am dortigen Konservatorium Klari- struments ist strittig. Vgl. C. Sachs,
nette, Gesang und (unter Ram6n Carnicer) Reallexikon der Musikinstrumente.
Komposition, war zuerst Klarinettist in Barblan-Opienska, Lydia, schweiz. Sän-
einem Militärmusikkorps und einem kleinen gerin (Sopran) und Komponistin, * 12. April
Theaterorchester, ging dann als Chorführer 1890 zu Morges, im Ges. Schiilerin von Frau
und Souffleur einer italienischen Opern- Schulze- de Korff (Freiburg i. B.), Frau
truppe in das nördliche Spanien (Pamplona, Clericy-Du Collet (Paris) und Frau Emma
Bilbao usw.), übernahm eines Tages für Beauck (Brüssel), in der Komposition von
einen erkrankten Sänger den Basilio im Bar- K.-H. David und Hans Huber in Basel; 19II
bier und ward nun für einige Zeit Opern- Gesangslehrerin am Konservatorium in Frei-
sänger. 1847 nach Madrid zurückgekehrt, burg i. B. und an der Basler Musikschule,
wurde er Sekretär der Gesellschaft für Be- 1921-24 am Staatskonservatorium in Poz-
gründung eines Zarzuelatheaters, Musik- nan, seit 1926 Gesangslehrerin am Musik-
referent der Ilustraci6n und verschaffte sich institut de Ribaupierre in Lausanne; Mit-
Ruf als Musiklehrer, zugleich fleißig kompo- gründerin (1916) der Vereinigung Motet et
nierend. 1850 brachte er seine erste ein- lvI adrigal und des Vokalquartetts Barblan.
aktige Zarzuela Gloria y peluca heraus und Seit 1924 Gattin von H. Opienski (s. d.). Sie
wurde nun, besonders nachdem 185 I die lebt in Morges. Sie schrieb: Lieder; Varia-
dreiaktige Zarzue1a Jugar con juego gezündet tionen für Klavier; Kantate (Text von No-
hatte, schnell der Held des Tages. Beginnend valis) u. a.
mit Pan y taros 1864 wandte er sich von der Barblan, 0 tto, schweizerischer Organist
italienischen Manier ab und wurde der Be- und Komponist, * 22. März 1860 in Scanfs,
gründer einer national-spanischen populären Engadin, r878-84 Schüler des Stuttgarter
Schreibweise. B. war nicht nur der belieb- Konservatoriums (Klavier bei Schuler und
teste zarzuelero in Madrid (er schrieb 77 Alwens, Orgel und Komposition bei J.
Zarzuelas, darunter die höchst populären Faisst); 1884-85 dort selbst Lehrer-Ver-
EI hombre es debil, EI barberillo de Lavapies, treter für Klavier- und Orgelspiel ; 1885
Los diamantes de la Corona, De J etafe al lVIusiklehrer an der Kantonschule und lVlusik-
paraiso), sondern auch ein ausgezeichneter direktor zu Chur, seit 1887 Organist an
Dirigent und tüchtiger Musikgelehrter. Eine St. Pierre in Genf; Lehrer für Orgelspiel und
hochwertvolle Pu blika tion älterer spanischer Komposition am Konservatorium und seit
mehrst. Musik ist der 1890 von B. heraus- 1892 Dirigent der Societe de Chant Sacre,
gegebene Candonero musical (s. d.) de los sowie seit190I des PetitChwur und des Dom-
siglos XV Y XVI, auch schrieb er noch La chors von St. Pierre. Unter seinen, in Bachi-
Barcaruola - Barfod. 109

schem Stile geschriebenen Kompositionen Irish Bards (1786) und J ones, Musical and
erlangten vor allem seine Orgel- und Vokal- Poetical Relichs 01 the Welsh Bards (1786
werke Erfolg. Er schrieb: für Soli, Chor bis 1824); Ch. de la Borde, Essai sur
und Orchester: Post tenebras lux op. 8 les Bardes, 3vo1. (1840). Vgi. auch Eastcott.
(für die Calvin-Feier 1909); Musik zum Fest- Es ist sehr wahrscheinlich, daß die fah-
spiel anläßlich der Calvenschlachtfeier Chur renden Musikanten des Mittelalters, be-
1899; Ode patrt'otique op. 20 (zur Eröffnung sonders die bretonischen Jongleurs, über-
der schweizerischen Ausstellung in Genf reste der alten keltischen Musikkultur be-
1896); Lukaspassion op. 2S; Psalm CXVII wahrt haben, welche für die Entwicklung
und Psalm XXIII; zahlreiche andere Chöre. der mehrstimmigen Musik bedeutungsvoll
Klavier: Stücke oP.2,3,4; Orgel:op.1,S; wurden. Vgl.Riemann,HandbuchderMG.
Passacaglia op. 6; Chaconne überB. A. C. H 1. 2, sowie V. Lederer, Ursprung und Hei-
OP.10; 16; 2I; 22, Toccata oP.23; Variationen mat der mehrstimmigen Tonkunst (1906). Als
und Tripelfuge über B. A. C. H op. 24 eine Art Fortsetzung des alten Bardentums
(Schweiz. Nat.-Ausg.); op. 26 (ms.); Streich- sind die walisischen Eisteddfods (s. d.) an-
quartett D dur op. 19. zusehen.
Barcaruola (itai.), s.Barkarole. *
Bardi, Benno, 16. April 1890 zu Kö-
Barcelona. Vgi. F. Virella Casaiies, nigsberg i. Pr., bildete sich zuerst im Klavier-
La opera enB.Estudio historico; F.Pedrell, spiel aus, wandte sich aber bald der Kompo-
Catalech de la bibhoteca musical de la Dipu- sition zu, ging 1907 nach Berlin, um seine
tacio de B.; A. Elias de Molins, Diccio- musikalischen Studien zu vollenden, bezog
nario Mogralico-bibliografico de escritores dann die Universität (Kretzschmar, Riehl,
y artistas catalanes dei siglo XI X; auch Gaceta Dessoir, Max Herrmann, C. Stumpf) und
musical barcelonesa, 1860ff. und Revista promovierte mit einer Arbeit aus dem Ge-
musical catalana, 1904ff.; ferner Luis Lama- biet der Geschichte der Komischen Oper.
iia, B. Filarmonica: La evolucion mus~'cal de Praktisch tätig war er zuerst als Solorepe-
187Sa 1925(1927); ApelesMestres, Volves titor an der Krolloper, dann an der Staats-
musicals: Anecdotes y recorts (1927); Lluis oper und ging als Kapellmeister nach Saar-
Millet, Pel nostre Ideal (1917); über die brücken. 1918 begründete er den Konzert-
Oper in B. vgi. Cotarelo y Mori, Origenes verein Groß-Berlin und wirkt als Konzert-
y establecimiento de la opera en Espana (1917). dirigent und Musikschriftsteller. Werke:
Barcewicz (spr.-witsch), Stanislaus, * Lieder; Bearbeitung von Flotows Fatme
16. April 1858 zu Warschau, Schüler des (Berlin 1925); Musik zu G. Hauptmanns
Moskauer Konservatoriums (Hrimaly, Und Pippa tanzt (Berlin 1919); Agvptische
Tschaikowsky und Laub), seit 1885 Profes- Suite für kleines Orchester; Oper nach HaU~­
sor des Violinspiels am \Varschauer Konser- vy'scher Musik Bimala (Magdeburg 1927);
vatorium, 1893 Konzertmeister am Opern- Geschichte der Komischen Oper zur Zeit JiVag-
theater zu Warschall, 19I1-18 Direktor ners.
des dortigen kaiserlichen Musikinstituts, Bardi, Giovanni dei Con ti Vernio,
ausgezeichneter Violinvirtuose, auch Kom- * 1534, 1592 päpsti. Kammerherr in Rom,
ponist für Violine. t 1612, ein geIstvoller Kunstfreund in Flo-
Bardas, Willy, * 17. Febr. 1887 zu \Vien, renz, der gegen Ende des 16. Jahrhunderts
verunglückt in Neapel 29. Sept. 1924, Schüler in seinem Hause die bedeutendsten Künst-
von Hermann Grädener in Wien, Arthur ler und Gelehrten versammelte und mit
Schnabel und Max Bruch in Berlin, vortreff- Vinc. Galilei persönlich den Anstoß zu den
licher Pianist, Kammermusiker und Klavier- ersten Versuchen dramatischer Komposi-
pädagoge, 1919 Lehrer am Sternschen Kon· tion (Oper) in Nachahmung der antiken Tra-
servatorium; seine Gattin Therese B. ist gödie gegeben hat (vgi. Caccini und Peri);
eine geschätzte Lieder- und Oratoriensän- er war übrigens, wie zwei uns erhaltene 5st.
gerin (Alt). Er hinterließ: Zur Psychologie Madrigale beweisen, selbst ein geschickter
der Klaviertechnik (Berlin 1927). Tonsetzer. Sein Discorso sopra la mltsica an-
Barden hießen in vorchristlicher Zeit die tica ed il cantar bene ist in der Gesamtausgabe
Sänger (Dichter) der Kelten in England, der musikalischen Traktate Donis (1773) ab-
Schottland, Irland und Gallien, welche eine gedruckt. Vgl. G. Gasperini, Intorno aUe
besonders bevorzugte, allverehrte und durch origini dei melodramma (Rom 1902) und A.
Gesetze geschützte Kaste bildeten. In Gal- Solerti, Origini dei melodramma(1903, darin
lien und den von den Römern unterjochten auch ein wichtiger Brief von B.s Sohn
Teilen Britanniens verschwanden die B. Pietro an Doni).
bald, weil die Römer sie als die Nährer des Bardit, Bard iet, s. w. v. Bardengesang ;
Patriotismus systematisch verfolgten. In der Ausdruck ist von Klopstock in die
Irland hielt sich das Bardentum bis zur deutsche Dichtung eingeführt und wurde
Schlacht von Boyne (1690), in Schottland von Zuccalmaglio auch für die Sinfonie (!)
bis zur Aufhebung der Erbgerichtsbarkeit vorgeschlagen. Er entstammt dem Bericht
(1748). Das Instrument, mit dem die B. ihre des Tacitus über die Schlachtrufe der Ger-
Gesänge begleiteten, war die Chrotta (s. d.). manen (barditus, richtiger barritus), welcher
Germanische Barden hat es nicht gegeben zu der irrigen Annahme verleitete, daß auch
(vgi. Bardit); wohl aber hatten die Skandi- die alten Deutschen einen bevorzugten Sän-
navier einen Sängerstand (vgi. Skalden). ~tand (s. Barden) gehabt hätten.
Vgi. Walker, Hist~rical Memoirs 01 the ,- "IJarfod s. Birkedal-B.
110 Barge - Barmas.

Barge, Johann Heinrich Wilhelm, aus- Streichquartette, ein Oktett, Suiten für
gezeichneter Flötist, geb. 23. Nov. 1836 zu Klavier zu zwei und vier Händen, Charakter-
vVulfsahl bei Dannenberg (Hannover), t I6. stücke, eine Klaviersonate, Gesänge für
Juli 1925 in Hannover, Autodidakt, war Frauenchor, auch Psalmen für Chor und
vom 17.-24. Lebensjahr Flötist im han- Orchester erschienen im Druck.
noverschen Leibregiment, so dann erster Bari (Stad t). Vgl. G. Petrocci, I I2
Flötist im Hoforchester zu Detmold und maestri di musica di Terra di Bari (Rass.
wirkte 1867-95 in gleicher Eigenschaft im Pugliese II, I885); M. A. Bellucci, I
Gewandhausorchester zu Leipzig, war 1881 musicisti Baresi. V gl. auch Giov. de An-
bis 1908 auch Lehrer am Konservatorium. tiguis.
Seit seiner Pensionierung lebte er in Han- Barilli, Bruno, italienischer Komponist,
nover. B. veröffentlichte eine Flötenschule * I4. Dez. I880 zu Fano, aus Parma stam-
(Forberg), vier Hefte Orchesters tu dien für mend, wo er am Konservatorium seine ersten
Flöte (Sammlung der bedeutendsten Stellen Studien machte; dann Schüler der Akademie
aus Opern, Sinfonien usw.) und Bearbeitun- der Tonkunst in München (Gluth, Thuille
gen vieler klassischen und neueren Kompo- und vor allem Mottl); führte ein wechsel-
sitionen für Flöte und Klavier, auch gab reiches Leben als reisender Journalist (Bal-
er Flötenkonzerte Friedrichs Ir. heraus. kankrieg, Weltkrieg); war Kritiker am
Bargheer, Adolf, Bruder von Karl B., Tempo in Rom und ist es heute am
* 2r. Okt. 1840 zu Bückeburg, t w. März Corriere Italiano. Opern: M edusa, 3akt.;
Emiral (I923 preisgekrönt; Rom, Co-
1901 zu Basel (Schüler Spohrs, und zwar
sein letzter, 1857-58), suchte ebenfalls bei stanzi, März 1924); Stücke für Violine und
Joachim seine letzte Ausbildung, war, wie Klavier.
sein Bruder, zuerst zwei Jahre Hofmusikus Barini, Giorgio, italienischer Kritiker,
in Detmold, dann fünf Jahre Konzertmeister *
Historiker, Lehrer; 3. Aug. 1864 zu Turin,
in München und zuletzt (seit 1866) Konzert- Schüler von Antonio Leonardi, erst Kompo-
meister und erster Violinlehrer an der Musik- nist, dann - unbefriedigt von seinen Arbei-
schule zu Basel. ten - Kritiker und Forscher; lange Jahre
Kritiker der Tribuna und der Nuova Anto-
Bargheer, Kar! Louis, Violinist, Bruder logia, jetzt der Epoca; Lehrer der Musik-
*
von Adolf B., 3I. Dez. 1831 zu Bückeburg, geschichte an der Scuola mus. nazionale in
wo sein Vater Hofmusiker war, t 1C). Mai Rom. Schriften: Sulle relazioni tra neumi
1902 zu Hamburg, 1848 -50 Schüler Spohrs e accenti (Vortrag, Pariser Kongreß der
und als Violinist der Detmolder Hofkapelle IMG. 1914); Studien über Tristan und
noch von David (Leipzig) und J oachim Parsilal, über Liszt. In Vorbereitung:
(Hannover), war 1863 bis zur Auflösung der Ausgaben des Socrate immaginario von
Kapelle 1876 Hofkapellmeister zu Detmold Paisiello und des Impresario in angustie
und sodann bis 1889 Konzertmeister der von Cimarosa.
Philharmonischen Gesellschaft und Lehrer Bariolage (spr. -lasch'), von lat. variola-
am Konservatorium zu Hamburg, auch in gium (Abwechslung), franz. Bezeichnung für
der Folge Konzertmeister der Abonnements- die Vertauschung von Klangfarben auf der
konzerte unter H. v. Bülow. B. war ein Violine, wenn bei raschem Saitenwechsel ein
tüchtiger Komponist, hat aber wenig heraus- höherer Ton auf einer tieferen Saite gespielt
gegeben (Lieder mit obI. Violine, Kreutzers wird als es normalerweise geschieht; beson-
Etüden mit Klavierbegleitung), und schrieb ders gebräuchlich beim Wechsel von leerer
eine Analyse der 5 letzten Quartette von Saite und gegriffenem Ton (vgl. etwa das
Beethoven (1883). Präludium von Bachs Solosonate E dur).
Bargiel, Woldemar, Komponist, *3. Baritono s. Baryton.
Okt. 1828 und t 23. Febr. 1897 zu Berlin, Barkarole (itai. barcaruola von barca,
Sohn des Musiklehrers Adolf B. (t 4. Febr. Barke), s. v. w. Schifferlied, Gondoliera.
1841) und von Marianne, geb. Tromlitz, der Die bekanntesten instrumentalen Beispiele
geschiedenen ersten Gattin Fr. Wiecks, so- der B. haben Mendelssohn (Lieder ohne
mit Stiefbruder von Clara Schumann (s. d.). Worte) und Chopin, oder Offenbach in H 01/-
Zuerst von seinen Eltern unterrichtet, später manns Erzählungen geliefert.
Schüler von Hauptmann, Moscheles, Rietz Barker, Charles Spackman, * 10.
und Gade am Leipziger Konservatorium, t
Okt. 1806 zu Bath, 26. Nov. 1879 zu Maid-
war er zuerst in Berlin Privatlehrer, dann stone (England) ; berühmter Orgelbauer, zu-
Lehrer am Kölner Konservatorium, 186, erst in London, seit 1837 in Paris, wurde
Direktor der Institute der M aatschappiJ töl 1840 Direktor der vVerkstätte von Dau-
bevordering van tOO1~kunst zu Rotterclam, blaine & Callinet, 186o Begründer einer eige-
1874 Professor an der Kgl. Hochschule für nen Firma (Barker & Verschneider). Der
Musik in Berlin, 1875 Mitglie des Senats Krieg I870 trieb ihn nach England zurüclc
der Akademie der Künste und Leiter einer B. ist der Erfinder des pneuma tischen
akademischen Meisterschule für K mposi- Hebels und der elektrischen Mechanik,
tion. B. gehört als Instrumentalkomponist welche eine vollständige Umwälzung der
der Richtung Schumanns an; mehrere Ou- Spieltechnik der Orgel (s. d.) bewirkten.
vertüren (Prometheus, Zu einem Trauer- Barmas, Issay, *1C). April 1872 in
spiel op. I8, Aledea OP.22), eine Sinfonie, Odessa, Schüler des Moskauer Konservato-
Intermezzo für Orchester, 3 Klaviertrios, 4 riums (Hfimaly) und seit 1895 der Berliner
Barmen - Barnett. 111
Hochschule (Wirth, Joachim); debütierte Dänemark zurück), studierte Klavierspiel,
1899 in Berlin und konzertierte in Deutsch- Orgel und Komposition unter Ed. Helsted
land, Österreich, Rußland, Dänemark, Polen. in Kopenhagen, war 1871-87 Vorsitzender
1900 wurde er Ausbildungslehrer am Stern- der Gesellschaft zur Herausgabe dänischer
sehen Konservatorium, 1905 erster Violin- Musik, 1895 Vorsitzender des Musikvereins
lehrer (Prof.) am Klindworth-Scharwenka- zu Kopenhagen, 1891 Professor, gab ein
Konservatorium in Berlin. 1919 gründete Choralbuch heraus (1. Teil 1878, 6. AufI.
er eine Quartettvereinigung (B., Karl Knaak, 19°7, 2. Teil 1892). Als Komponist trat er
Otto Klust, Fritz Dechert). Zu seinen hervor mit Kammermusik (Klaviertrio op. I,
Schülern zählen: Andreas Weißgerber, Edith Klavierquartett D dur op. I2, Streichquintett
von Voigtlaender, W. Petereins (früher Se- G moll op. 20, Violinsonate op. 23, Klavierso-
kundarius in B.s Quartett), Fidelmann, nate op. 24). Auch hat er viele religiöse und
Fritz Schneider u. a. Schrieb: Die Lösung volkstümliche Gesänge komponiert (7 Hefte
des geigentechnischen Problems (1913); Ton- geistlicher Lieder mit Orgel, Neue geistliche
leiter-Spezialstudien; Doppelgriff-Spezialstu- Lieder op. 5) und bearbeitete 8 Hefte
dien; Neuausgaben altklassischer, klassischer älterer geistlicher Lieder (von Joh. Chr.
und neuerer Musik; Transkriptionen. Friedr. Bach, Ph. Ern. Bach und J. A.
Barmen. V gl. Festschrift zur Feier des Peter Schulz) mit Orgel und ausgewählte
25 iähr. Bestehens des Barmer Konservato- Kompositionen von Buxtehude für Kla-
riums für Musik (1908); s. auch Rheinland. vier zu vier Händen.
Barmotin (spr.-mj6tin), Semen Alexeje-
*
witsch, 1877 zu Petersburg, in der dortigen Barnett, J ohn, * 15. Juli 1802 zu Bed-
Hofkapelle Schüler Balakirews und am Kon- ford, t 17. April 1890 zu Cheltenham, Sohn
serva torium unter Rimsky-Korssakow (Kom- eines eingewanderten deutschen Juweliers,
der eigentlich Bernhard Beer hieß, erhielt
position), seit 1901 selbst Lehrer an der Hof-
frühzeitig eine gründliche musikalische Aus-
kapelle, an der Musikschule der Kaiserl.
Russ. Musikgesellschaft zu Cherson, dann bildung durch Schnyder von Wartensee in
Privatmusiklehrer in Petersburg; veröffent- Frankfurt a. M., trat bereits 1828 mit seiner
ersten Operette: Vorm Frühstück ans Ram-
lichte Klaviersachen (Sonate oP.4 u. a.);
penlicht des Lyzeums und entwickelte sich
auch eine Sonate und Suite für Violine und
schnell zu einem sehr fruchtbaren Bühnen-
Klavier, und Lieder. komponisten. Nachdem er eine Menge
Barnard, J ohn, englischer Geistlicher, kleiner Bühnenstücke geschrieben, die im
Kanonikus anderPaulskirche inLondon, gab
eine Sammlung älterer englischer Kirchen- Lyzeum, im Olympic Theatre und im
Drurylanetheater zur Aufführung kamen.
musik heraus (The First Book 0/ Selected
Church-Musick, Services and Anthems [Lon- tat er sein eIl ersten Hauptschlag 1834 mit
der romantischen Oper Die Bergnymphe,
don, Edw. Griffin 1641] zu 1-8 St. von
1837 folgte Schön Rosamund und 1838
Tallis, Byrd, Morley, O. Gibbons, Tye, J. Farinelli. 1841 ließ sich B. in Cheltenham
Bull, Farrant, Mundy, Batten, Hooper, J.
Shepheard, Parsons, Bevin, Rogers, White, als Gesanglehrer nieder. Er schrieb Systems
Giles, Ward, Weelkes, Woodson), welches
and Singing Masters (1842, über die Methode
Werk durch die Verheerungen des Bürger- \Vilhelm, gegen Hullah) und School tor the
krieges usw. so selten geworden ist, daß Voice (1844). Die Zahl der von ihm ge-
schriebenen Einzelgesänge soll gegen 4000
überhaupt erst seit 1826 ein komplettes betragen.
Exemplar bekannt ist (teils im Besitz der
Sacred H armonic Society, teils [schon länger Barnett, John Francis, Sohn des Mu-
bekannt] in der Kathedralbibliothek von sikers Jas. Alfr. B. (1' 29. April 1898) und
Hereford). Eine von J ohn Bishop herge- Neffe von John B., * 16. Okt. 1837 und
stellte vollständige Kopie (Partitur) liegt t 24· No". 1916 zu London, begabter Kom-
noch ungedruckt im British Museum. ponist und guter Pianist, Freischüler der
Barnby [Sir], Joseph, * 12. Aug. 1838 Akademie, spielte bereits 1853 unter Spohrs
zu York, t 28. Jan. 1896 zu London, Schüler Direktion Mendelssohns D moll-Konzert in.
der Royal Academy of Music, 1867 Begrün- der Neuen Philharmonischen Gesellschaft,
der eines eigenen Chorvereins, der Oratorien- war 1857-60 Schüler des Leipziger Konser-
konzerte und des Royal Albert Hall-Chor- vatoriums, trat 1860 im Gewandhauskonzert
vereins, sowie 1875 Direktor des Musikunter- zu Lfoipzig auf und spielte 1861 unter Bennett
richts am Eton College bei Windsor, 1886 im Londoner Philharmonischen Konzert
Nachfolger \V. Shakespeares als Konzert- Beethovens Es dur-Konzert. Von seinen
dirigent der Royal Academy of Music, 1892 Kompositionen sind hervorzuheben: eine Sin-·
Direktor der Guildhall-Musikschule und ge- fonie A moll (1864), Sinfonische Ouvertüre,
adelt, komponierte ein Magnificat, Orato- Ouvertüre zum Wintermärchen, Orchester-
rium Rebekah, Psalm Der Herr ist König suite Das Lied des !elzlenMinstrel (Liverpool,
(Leeds 1885), 45 Anthems, 246 Hymns, Musikfest 1874) und die Pastoralsuite The
Orgelstücke usw. Vgl. L. Engel, From Harvest Festival (Norwkh 1880), Streich-
Handel 10 Hatte (1890). quartett D moll, Streichquintett G moll, Trio,
Barnekow, Christian, *28. Juli 1837 zu C moll und andere Kammermusik, ein Ora-
St. Sauveur (franz. Pyrenäen), t 20. März torium Die Auferweckung des Laza1'1ts (Here-
1913 zu Kopenhagen, von dänischen Eltern ford, Musikfest 1873), die Kantate Der alte'
(die verwitwete Mutter ging 1839 nach Matrose (Birmingham, Musikfest 1867), Kan-
112 Barnett - Barrett.
tate Das Paradies und die Peri (Binningham 8st. Vesperpsalmen op. 2 (Psalmodia
1870, Moore's Oliginaltext), The Evc of St. c·espertina tolius anni, duplici ehoro pcr-
Agnes (London 1013, Keats). Für das Musik- breviter eoncinenda eie., Bologna 1710).
fest zu Brighton 1876 schrieb er die Kantate VgI. Sammelb. d. JMG. XIV, S. 566
Der gute Hirte, für das zu Leeds 11\80 Die Er- (Radiciotti).
bauung dlls Schiffes und 1893 The Wishin b- Bar6xyton (griechisch, wörtlich: "was tief
Bell (für Frauenstimmen), ferner: die Szene und hoch tönt"), ein 1848 von W. Fr.
für Alt The Golden Gate, ein Klavierkonzert, C erven y in Königgrä tz konstruiertes .Blech-
ein Flötenkonzert, Klaviersachen usw. Er blasinstrument von weiter Mensur mIt dem
hat Schuberts skizzierte E dur-Sinfonie von Umfang vom Kontra-D bis zum einge-
1821 vervollständigt und im zh. Kl.-A. strichenen a (ID bis all.
herausgegeben. Veröffentlicht sind von
ihm: M usicaZ Reminiscences and I mpressions Barratt (spr- biirrät), Edgar, englischer
(1906). Pianist und Kompol11st, * 1877 zu Ll11coln,
Sohn eines Musikers, John B., Mus. Bac.
Barnett, Neville George, * 3. Miirz Oxon. (1879 Organist und Chordirigent in
1854 zu London, t 26. Sept. 1895 zu Picton Paislev Abbey); studierte am Leipziger Kon-
(N eu-Südwales), Orgelschüler von J. L. Hop- servatorium Klavier bei Bruno Zwintscher
kins, war zuerst Organist einer Londoner und Rob. Teichmüller, Komposition bei
Kirche, ging dann nach Sydney (Australien), Schreck; Solist am Scottish Orch., bei dem
wo er Organist der katholischen Hauptkirche, er lange .I alue als BC'gleiter wirkte.: auch
Musikdirektor der Synagoge und Lehrer an Kammermusikspieler von Ruf, Begleiter der
der Blindenanstalt und gleichzeitig Musik- Albani und Dolores auf ausgedehnten Kon-
referent mehrerer großer Zeitungen wurde. zertreisen. Er schrieb: Klaviermusik ; Gesän-
Eine Oper Pomare wurde in Aucklancl ge- ge, meist auf schottische Texte. Eins seiner
geben, auch schrieb er eine Messe, Orgel- Klavierstücke (Coronaeh) hat besondere Ver-
stücke, Chorlieder usw. Ein theoretisches breitung erlangt.
Werk hinterließ er im Manuskript (The Barre [de mesure] (französisch), Takt-
Art Theory 0/ Harmony). strich.
Barns, Ethel, englische Komponistin, Barre, in der Technik des Ltutenspicls
* 181\0 zu London, Schiilerin der R. A. M. Bezeichnung für den Quergriff eines Fingers
(Sauret, Prout, Westlake); seit 1899 mit üher mehrere Saiten, wobei der greifende
dem Baribnisten Charles Philipps ver- Finger als künstlicher Sattel wirkt; un-
heiratet. Sie schrif:b: Trio für 2 V. und erläßlich als Grundlage fiir das Akkord-
Kl.; 2 Sonaten für V. und Kl. op. 9 A dur spiel in den höheren Lagen und für die
und op. 24 G moll; Kl.-Trio; .Adagio für Bewältigung schWIerigerer Tonarten.
Kl.-Trio F moll op. IO; Konzertstück für Barre, Antonio, 1552 Altsänger der
V. und Orchester D moll; ca. 40 Soli für Cappella Julia (an der Peterskirche) in Rom,
V.; Klavierstücke ; Lieder (sämtlich ge- angesehener Madrigalist (M adrigali 4 V.,
druckt). Ms.: 3 weitere Sonaten für V. und Rom, Dorici 1552). 1555 unternahm er
Kl.; Kl.-Trio; V.-Konzert u. a. selbst einen Musikverlag (zuerst in Rom,
Baron, Ernst Gottlieb, *17. Fehr. 1696 seit 1564 in Mailand), dessen Hauptwerke,
zu Breslau, t 1Z. April1760 in Berlin; Sammlungen von 5 st. und 4st. Madrigalen
studierte in Leipzig die Rechte und Musik, und 4st. Motetten, zahlreiche Stücke von
wurde J728 Hoflautenist zu Gotha, 1732 zu B. selbst enthalten (1 0 , Ho Libro delle Muse
Eisenach und 1734 Kammertheorbist des a 5 voci I555-57; 10 , Ho Libro delle Muse
preußischen Kronprinzen, nachmaligen Kö- a 4 voci [555-56; Liber I Missarum 4 v.
nigs Friedrich Ir. Sein (freilich den Gegen- I588). VgI. Vierteljahrsschrift f. MW. VIII
stand nichts weniger als erschöpfendes) (Peter 'Wagner); auch K. H u her, Ivo de
Hauptwerk ist: Historisch-theoretische und Vento (München 1918, Dissert.).
praktische Untersuchung des Instruments der Barre, Leonardo, * zu Limoges, Schüler
Lauten usw. (17Z7); einiges Ergänzende Willaerts, war 1537-55 päpstlicher Kapell-
brachte er noch in Marpurgs Historisch- sänger in Rom, wurde dann, weil verheiratet,
kritischen Bey trägen (2. Band 1756), schrieb ausgeschlossen und fortan Kastellan an
auch einen Abriß einer Abhandlung von der S. Lorenzo in Damaso. Madrigale und
Melodie (1756) und übersetzte musikalische Motetten sind in Sammelwerken von 1540
Abhandlungen von Yves M. Andre und bis 1550 erhalten. Antonio B. ist vielleicht
J. B. L. Gresset aus dem Französischen ein Verwandter von ihm.
(1757). Barret (spr. barre), Apollon Marie Rose,
Baroni-Giamaglia (spr. dschamalja), Fi- * 1808 zu Paris, t 8. März 1879 in London;
lippo, wie sein Bruder An tonio Gi u seppe Schüler von Vogt am Pariser Konservato-
ein Schüler von Padre Scipione Lazzarini rium, Oboist am Odeontheater und der
in Ancona, war 1679-1683 Kathedralkapell- Komischen Oper, zuletzt bis 1874 an der
meister zu Osimo und sodann lange Jahre Londoner Italienischen Oper, Verfasser einer
zu Ancona. Er schrieb zst. Gesangskanons vorzüglichen Vollständigen lV1 ethode des Oboe-
(Canoni a 2 voci, parte all'. unisono chiusi, spiels, der eine Reihe Sonaten und Etüden
et altri risoluti et alcuni alla dritta e alla für Oboe angehiingt sind.
riversa et in dil·erse forme, Opera I a, Bologna Barrett (spr. biirret). William Alexan-
1704, von Padre Martini hochgestellt) und der, * 15. Okt. 1834 zu Hackney, Middlesex
Barriere - Barth. 113
und t 17. Okt. 1891 zu London, Schüler von Vverke sind Klaviervariationen, ein Salvum
J. C',-oss, Chorvikar an der Paulskirche zu fac regem und eine Methode de musique für
London, 1871 Baccalaureus Mus. (Oxford), die Musikfreischule (1828).
1888 Organist der Freimaurerlogen, 1869 Bartay, Andreas, *1798 zu Szeplak in
bis zu seinem Tode lVIusikreferent der Mor- Ungarn, t 4· Okt. 1856 in Mainz, 1838 Direk-
ning Post und zeitweilig Redakteur des tor des ungarischen Nationaltheaters, 1848
Mon/hly }Vlusical Record, zuletzt der lVlusical konzertierend in Paris, später in Ham burg
Times, schrieb: English Glee and lVl adrigal lebend, komponierte ungarische Opern (Au-
Writers(1877), English Church Composers rel, Osel, Die Ungarn in Neapel), die Ora-
(1882 [1899 ]), Balfe: His Life and Work( 1882), torien Die Erstürmung Ofens und Das Volk
English Glees and Part-Songs (1886) und mit der Arpaden; Messen, Ballette usw.
J. Stainer ein Dictionary of Musical Terms Bartay, Ede, Sohn von Andreas B.,
(1875). Auch komponierte er ein Orato- * 6. Okt. 1825, ',31. Aug. 1901 zu Pest, war
rium: Christus vor PiZatus. Direktor des ungarischen Nationalkonser-
Barriere (spr. -rier), EtienneBernard vatoriums (Nemzeti Zenede) und der Be-
*
J oseph, Violinist, 1749 zu Valenciennes, gründer der ungarischen Musiker-Pensions-
tra t mit Erfolg im Concert spirituel und der Anstalt; Komponist (Ouvertüre Perikles;
Loge Olympique auf und gab Quatuors cancer- Sinfonie H maU). :H.S. s.~,
tants op. I und 3, Variationen für Violine Bartei, August, * 18o], und t 18;4. zu
und B. c. 0P.4 u. a. heraus. Sondershausen, Sohn des als Trompet~ an-
Barriere (spr. -rier). Jean, Violoncellist, gesehenen Hoboisten Heinrich B.', war
der 1739 ein 5. Buch Sonates de pardessus Stadtmusikus zu Sondershausen und Mit-
de viole herausgab und von dem auch glied der Hofkapelle, der auch sein Bruder
mehrere Bücher Cellosonaten in Pariser Adolf (* 1809, t 1878) angehörte, bildete
Bibliotheken erhalten sind. In Neuausgabe: viele vortreffliche Musiker aus (u. a. H.
2 Bücher für Vc. (Senart, Paris). Franken berger, Al. Mackenzie) vor allen aber
Barrington (spr. barringt'n), Daines, seine Söhne (beide Cellisten) Ernst, *1824,
* 1727 und t 14 . .März 1800 zu London; 1853 Musikdirektor zu Riga, dann in Paris,
Syndikus zu Bristol, später Richter in Petersburg, zuletzt Musikdirektor in Rem-
Wales, schrieb u. a. über Wunderkinder scheid, wo er 1868 starb, und Gün tel',
(Mozart, die Wesleys, Crotch), über die alt- * 28. Nov. 1833 zu Sondershausen, t 1. März
walisischen Instrumente Crwth (s. Chrotta) 19II zu Düsseldorf, der nach weitern Studien
und Pib-Corn (Hornpfeife), über den Gesang in Paris (Franchomme) und Berlin (S. Dehn)
der Vögel (1773). Seine Aufsätze erschienen als geschätzter Musiklehrer in Rußland,
gesammelt als Miscellanies (1781). Schottland usw. und seit 1866 in Düsseldorf
Barrios, Angel, spanischer Komponist, lebte und hübsche Lieder, Frauenchöre,
* 1862 zu Granada, erst Orchestergeiger, gab Klavier- und Cellostücke, Orchesterpolo-
dann das Violinspiel zugunsten der Gitarre näsen schrieb, auch vielfach für Musik-
auf und wurde ein bedeutender Gitarre- zeitungen feuilletonistische Beiträge lieferte.
spieler. B. vollendete seine Musikstudien Barteis, Wolfgang von, * 21. Juli 1883
bei Antonio Segura (Granada), Gedalge zu Hamburg als Sohn des Marinemalers
(Paris) und Conrado deI Campo (Madrid). Hans v. B., Schüler von A. Beer-Walbrunn
Um 1900 gründete er das einst berühmte in München und Andre Gedalge in Paris
Trio Iberia. Werke: Sinf. Dicht. Zambra en el (1904-09); lebt seit Jahren nur der Kom-
A lbaicin (aufgeführt vom Orq. Sinf. Madrid) ; position und als Kritiker in München. Dram.
Copla de Solea und Danzas gitanas für Or- Werke: Melodramen The Little Drearn, von
chester; mehrere Klavierstücke; Bühnen- John Galsworthy (Manchester, Gaiety Th.
musik zu Aben Humeya von Fr. Villaespesa 19II); Schneewittchen, Kindermärchen, von
und zu La Danza de la Cautiva von Al. Green (Manchester I9II); The Spanish
Mackinlay; eine 2aktige Zarzuela Granada Lovers, von Fernando de Rojas, in der über-
mia; 2 Opern, zusammen mit Conrado deI tragung von Garnett (London, The Little
Campo: La Romeria, 2aktig, und EI Avapies, Theatre 1</12); die Perser des Aischylos, von
3 aktig (aufgeführt in Madrid). Lion Feuchtwanger (München, Schauspiel-
Barsanti, Francesco, * um 1690 zu haus 1917); Li-I-Lan, Oper von Warden und
Lucca, kam 1714 mit Geminiani nach Eng- Welleminsky (Kassel 1918); Streichtrio Edur
land, war Flötist, später Oboist der Italie- (1924); Suite für Fl. mit Streichorchester
nischen Oper, lebte dann längere Zeit in (1924); 5 Minnesänge (1924), Zyklus von
Schottland, seit 1750 aber wieder in London altdeutschen Liedern; Die zwölf Gesänge des
als Violaspieler. B. veröffentlichte eine Li-Tai-Pe (1921); 7 Baltische Lieder (1925);
Sammlung schottischer Lieder mit Baß Violin-Konzert C moU op. I7 (1927); Männer-
(1742), 9 Sinfonien (Ouvertures a 4), 12 chorsuite op. I8; Hymnen An das Brot a
Violinkonzerte (1750), 6 Soli für Flute douce cappella OP.2I; Bratschen-Konzert ap.20.
mit B. c., 6 dgl. für Querflöte, 6 Triosonaten Barth, Adolf Franz, * 26. Nov. 1852 zu
op. 6, 6 dgl. nach Geminianis Violinsonaten Alsleben a. S. als Sohn eines Ritterguts-
und 6 Antiphonen im Palestrinastil. pächters, studierte nach Absolvierung des
Barsotti, Tommaso Gasparo Fortu- Gymnasiums zu Eisleben (1874) in Straß-
na to, * 4. April 1786 zu Florenz, t im April burg, Marburg und Bonn Medizin (appro-
1868 zu Marseille, wo er 1821-52 eine Musik- biert und promoviert 1879), ward nach
Freischule leitete. Seine veröffentlichten Studienreisen (Wien) 188r-83 Assistent an
Riemann, Musik·Lexikon. 11. Auf!. 8
114 Barth - Barthlme.

der chirurgischen Universitätsklinik in Ro- Vater, 1856-62 von L. Steinmann in Pots-


stock, 1883-85 an der Ohrenklinik in Berlin, dam und war dann in Berlin Schüler von
und praktizierte 1885 bis 1890 als Ohrenarzt Bülow (1862-64), Bronsart und kurze Zeit
in Berlin, beschäftigte sich in den letzten von Tausig. 1868 wurde er Lehrer am
Jahren u. a. auch mit akustischen Unter- Sternschen Konservatorium, I871 an der
suchungen. 1890 wurde er Leiter der Uni- König1. Hochschule in Berlin (1910 Vor-
versitätspoliklinik für Ohren-, Nasen- und steher der Klavierabteilung und als solcher
Hals-Krankheiten zu Marburg a. d. L., über- Senatsmitglied der Kg1. Akademie der
nahm 1895 die gleiche Stellung zu Breslau Künste); I921 im Ruhestand. B. war ein
und endlich 1896 die zu Leipzig. Hier vor vorzüglicher Klavierspieler, besonders ein
allem beschäftigte er sich mit Stimmbildung Ensemblespieler hohen Ranges. Das Trio:
und ausgedehnteren Atemuntersuchungen, B., de Ahna, Hausmann erfreute sich eines
besonders bei Sängern, und hielt in Gustav vorzüglichen Rufs. Als Komponist trat B.
Borchers' Kursen für Gesanglehrer und mit einer Violinsonate (D dur) hervor.
Chordirigenten Vorträge über Akustik und Barth, Richard, * 5. Juni 1850 zu Groß-
Physiologie der gesunden und kranken wanzleben (Prov. Sachsen), t 25. Dez. 1923
Stimme. Seine musikalischen Schriften sind in Marburg, bildete sich, da er sich als Kind
Zur Lehre von den Tönen und Geräuschen den Mittelfinger der linken Hand verletzt
(1887), Bestimmung der Hörschärfe (1888), hatte, zum Violinspieler mit Vertauschung
Dekrement abschwingender Stimmgabeln(1888, der Rollen der beiden Hände aus (Schüler
diese drei in der Zeitschrift für Ohrenheil- von Beck in Magdeburg und 1863-67 von
kunde), Beitrag zur Anatomie des inneren Joachim in Hannover), war zuerst Konzert-
Ohres (1889 in den Anatomischen Heften), meister in Münster, 1882 in Krefeld, sodann
Die H elmholtzsche Theorie über das Hören im Universitätsmusikdirektor in Marburg und
inneren Ohr (1892 in d. Sitzungsber. der wurde 1895 bei Bernuths Rücktritt dessen
Marburger Naturf. Ges.), Ober die Bildung Nachfolger als Dirigent der Philharmoni-
der menschlichen Stimme (1904 Leipzig, Joh. schen Konzerte (bis 1904) und der Sing-
Ambr. Barth), Klang und Tonhölze der akademie zu Hamburg, leitete auch bis 1908
Sprechstimme (1906, das.). die vereinigten Männergesangvereine Ham-
*
Barth, Christian Frederik, 1787 zu burg-Altona und übernahm 1908 die Direk-
Kassel, "117. Febr. 1861 zu Middelfart, jün- tion des Konservatoriums. Auch dirigierte
gerer Sohn von Christ. Samuel B., Nachfolger B. bis 1913 den Hamburger Lehrer-Gesang-
des Vaters als Oboist in der Hofkapelle zu verein, mit dem er erfolgreiche Konzert-
Kopenhagen, in die er schon mit T 5 J ahen reisen machte. 1904 ernannte die Univer-
eintrat, machte sich durch Kunstreisen im sität Marburg B. zum Dr. phi1. hon. c. Er
Ausland einen bedeutenden Namen als gab heraus: j. Brahms im Briefwechsel mit
Oboist, wurde 1841 pensioniert und bildete j. O. Grimm (1908) und schrieb johannes
als Lehrer, wie Wexschall auf der Geige, Brahms und seine Musik (1904). Von seinen
eine dänische Schule des Oboespiels ; er Kompositionen erschienen 3 Violinsonaten,
schrieb zwei Konzerte, eine Sonate, Rondos, ein Klaviertrio, ein Streichquartett, eine
Duette und Quartette für Oboe, auch eine Partita für Violine allein und eine Ciacona dgl.
Ouvertüre. Sein bedeutendster Schüler war BartheIemon (spr. -telemong), Fran<;ois
der Oboist der Kopenhagener Kg1. Kapelle Hippolyte, * 27. Juli 1741 zu Bordeaux,
Christian Schiemann (* 1823). "123. Juli 1808 in Dublin; hatte in London
Barth, Christian Samuel, * 1735 zu große Erfolge als Opernkomponist mit Pelo-
Glauehau (Sachsen), t 8. Juli 1809 in Kopen- pidas (1766), Le fleuve Scamandre (franzö-
hagen, Schüler von J. S. Bach an der sisch, Paris 1768), The judgment of Paris,
Thomasschule, war Oboist in den Hofor- The Enchanted Girdle, The Maid of theOaks,
chestern von Rudolstadt, Weimar, Hanno- The Election, Belphegor (1778). 1770 wurde
ver, Kassel und Kopenhagen. er Konzertmeister von Vauxhall. Nach
Barth, Friedrich Philipp Karl August, längeren Reisen in Deutschland, Italien und
* 1775 zu Kassel, t 22. Dez. 1804 in Kopen- Frankreich nahm er 1784 eine Stelle in
hagen, Nachfolger seines Vaters Christian Dublin an. B. schrieb auch ein Oratorium
S. B. als Oboist in der Hofkapelle zu Kopen- j efte (1776; von seiner Tochter mit Clementi,
hagen, veröffentlichte Sammlungen däni- Busby u. a. 1827 herausgegeben) und hat
scher und deutscher Lieder sowie ein Flöten- eine größere Zahl Instrumentalkompositi-
konzert und hinterließ Oboekonzerte, ein onen (für Violine, Orgel, Klavier) pnbliziert;
Konzert für 2 Hörner u. a. im Manuskript. l-1aydn schätzte ihn wegen seines kantablen
Barth, Hermann, * 30. April 1866 zu Spiels.
Luxemburg, Pfarrer in Ruhlsdorf und Barthlme, Anton, österreichischer Vio-
Marienwerder, schrieb j. S. Bach (1902), loncellist und Dirigent, * 12. Mai 1867 in
eine kleine Geschichte der geistlichen Musik Tepl (Böhmen), in Tepl und Pilsen erzogen,
(19°3), Fragwürdige Choralmelodien (19°4) seit 1882 am Konservatorium der Ges. der
und Ein Preisausschreiben zur Gewinnung Musikfreunde unter J osef Hellmesberger in
neuer Choralmelodien (1905). Wien Schüler von Karl Udel und Ferd.
Barth, Kar! Heinrich, * 12. Juli 1847 Hellmesberger (Vc.), Sturm und Ludwig
zu Pillau bei Königsberg i. Pr. als Sohn (Klo) und Franz Krenn (Theorie), bei seinem
eines Lehrers, t 23. Dez. 1922 in Berlin, er- Abgang mit dem 1. Preis ausgezeichnet.
hielt den ersten Musikunterricht von seinem 1894 wurde er Km. beim Inf.-Reg. Nr. 25
Bar:tholdy - Bart6k. 115
in Ungarn, dann Violoncellist im Wien er tesdienstes unter Beirat von Jul. Smen'd
Duesberg-Quartett, war 1901 ~1904 Dirigent entstandenen Liturgischen Vespern.
der populären Konzerte des Wiener Konzert- Bartok, Bela, * 25. März 1881 zu Nagy
vereins und ist seit 1912 Lehrer für Violoncell Szent Mikl6s (TorontaIer Komitat, Ungilrn
an der Akademie, für Musik und darstellende jetzt Rumänien), von seinem 12. bis 15. Jah;
Kunst, zugleich Cellist im Quartett Kollmann- Schüler von Liszl6 Erkel (Sohn von Franz
BarthIrne. Schrieb: Vom alten H ellmesberger. Erkel) in Preß bure, von 1899-19°3 der KgL
Bartholdy, Conrad J ohan, * 12. März Ung. Landes-Musikakademie in Budapest,
1853 zu Frijsenborg, t 6. Dez. 1904 zu hauptsächlich von Stephan Thomans (Kla-
Kopenhagen, Schüler von Gebauer (Theorie) vier) und Hans Koeßler (Komposition); seit
und Neupert'(Klavier), wurde 1883 Kantor 1907 Professor des Klavierspiels an dieser
an der Matthäuskirche zu Kopenhagen, wo Anstalt. \Vährend der Kommunistendiktatur
er zugleich als Gesanglehrer und' Chorver- \vurde er zusammen mit Dohnanyi und
einsdirigent wirkte, und machte sich durch Koda.!y mit der Bildung eines MusIkdirek-
kleinere Vokalwerke, eine Ouvertüre und die toriums betraut. B. steht unter den un~
im Kgl. Theater aufgeführten Opern Der garischen Modernen durch die Kraft seiner
Schweinehirt, Loreley und Dyveke bekannt. Rhythmik, durch die Logik seiner Ton-
Bartholomaeus Anglicus, Schriftsteller sprache bei aller Kühnheit, durch die Ver-
des 13. Jahrhunderts, dessen Werk De pro~ wurzelung seiner Melodik in echter Volks-
musik an erster Stelle. Dram. Werke:
prietatibus rerum (Nürnberg 1483 gedruckt),
auch einen Musiktraktat( De musica seu mo- Oper: Herzog Blaubarts Schloß op. I I (Buda-
dulatione cantus) enthält, den Hawkins in pest 1918); Der holzgeschnitzte Prinz o'b. I3
englischer übersetzung abgedruckt hat (Gen. (Frankfurt a. M. 1922); Pantomime Der wun-
Hist., Neuausg. 1. 266ff.) Vgl. Hermann derbareM an darin op. I9 (Köln 1926). -Orch.:
Müller in der Riemami-Festschri/t (1909)
Scherzo (Bruchstück einer geplanten Sinfo-
nie, ms.); Burlesque op. 2 (ms.); 1. Suite
S. 241 ff.
Bartholony, J ean, französischer Kom- oP.3; 2. Suite oP.4; Deux Portraits oP.5;
ponist, * 1880 zu Genf, Schüler von Jos.
Deux Images op. IO; Quatre Morceaux op.
Morpain, Cesar Galeotti, Strong und Mottu I2; Tanzsuite. - Kammermusik: 1. Streich-
in Paris, auch von Nadaud (Geige), Vorstand quartett op. 7; 2. Streichquartett op. I7; 2
des Genfer Konservatorinms, Kritiker des Violinsonaten. - Gesang: 4 Lieder, 5 Lie-
Monde Illustre in Paris, wo er lebt; der; Dor/szenen (1924). - Klavier: 4 Stücke;
schrieb die sinf. Dichtungen La Nuit cede Trauermarsch f. Kossuth; Rhapsodie op. I;
14 Bagatellen op. 6; 10 leichte Klavier-
au Jour und ] eux de Faunes, vielgespielte
Impressions d' Ete für Klavier, eine Sonate stücke; 2 Elegien op.8b; 2 rumänische
für Violine und Klavier C molt, Stücke für Tänze op. 8a; 3 Burlesken op. 8c; 4 Nenies;
Orgel und Violine, ist auch als Dichter und A ttegro barbaro; Suite op. I4; 3 Etüdenop. I8;
Improvisationen op. 20; Im Freien (5 Kla-
Schriftsteller (Wagner et le recul du temps)
vierstücke ) ; 9 kleine Klavierstücke , Kla-
hervorgetreten. viersonate, Klavierkonzert (1926). - Volks-
Bartlett, Homer Newton, * 28. Dez. liederbearbeitungen : a) für Klavier: 3 unga-
1845 zu Oliva (Neuyork), t 3. April 1920 rische Volkslieder; für Kinder 4 Bde.; 15
zu Hoboken, Schüler von S. B. MilJs, Braun ungarische Bauernlieder; rumän. Volkstänze
und Jacobsen, Organist an Neuyorker aus Ungarn; Rumänische Weihnachtslieder;
Kirchen, beliebter Komponist von Liedern, Sonatine über rumänische Themen; b) Sing-
Klaviersachen, auch Kammer- und Orche- stimme und Klavier: 20 ungarische Volks-
stermusik, einer Oper La Vattiere (ms.), lieder (zusammen mit Z. Kodaly) ; 8 ungarische
eines Oratoriums Samuel u. a. Volkslieder. c) für Chor : ungar. Volkslieder für
Bartmuß, Richard, * 23. Dez. 1859 in Männerchor; slowakische Volkslieder für ge-
Bitterfeld,t25 .Dez. 1910 in Dessau , 1882 bis mischten Chor; slow. Volkslieder für Män-
1885 Schüler des Kgl. Instituts für Kirchen- nerchor. d) für Frauenchor und Kammer-
musik und der Kompositionsschule der Aka- orchester: 3 Dor/szenen (slow. Volkslieder).
demie zu Berlin (Ed. Grell, K. A. Haupt, Forschungsarbeiten : Chansons populaires
Alb. Löschhorn), Organist der Hauptkirche roumaines du departement Bihar (Akade-
zu Dessau und Hoforganist, 1896 Kgl. miaRomänä, Bukarest 1913); Transylvanian
Musikdirektor, 1902 Kgl. preuß. Professor. Hungarian Folk-Songs, 150 Weisen mit engL
B. war ein tüchtiger Improvisator auf der und franz. Vorrede, veröffentlicht von B.
Orgel und schrieb: Kirchliche Festmusiken, und Kodaly (Budapest 1923, Volks-Lit.-
4 Orgelsonaten (Es dur, C mott, G dur, Verein); Volksmusik der Rumänen von M ara-
F mott), 2 Orgelkonzerte (Es dur, G moU), mure~ (Sammelb. f. vgl. MW. IV, München
2 Choralphantasien, Konzertsonate für Har- 1923); Slowakische Volkslieder, 2600 Melo-
monium und Klavier, ein Oratorium Der dien mit Vorrede und Anmerkungen in Slo-
Tag der Pfingsten (op. I4), Chorwerk Die wakisch, Französisch, Deutsch, Englisch
Apostel in Philippi (op. 50), Kantaten und (Slovenska Matica, TurCiansky-Sväty-Mar-
Motetten sowie patriotische Männerchöre, tin 1928/29); Das ungarische Volkslied. Ver-
Frauenchöre (Johannisnacht), Lieder und such einer Systematisierung der ungarischen
Melodramen. Speziell zu erwähnen sind Bauernmelodien (Berlin 1925, Ung. BibI. I, II);
die im Hinblick auf eine erstrebte musika- Der Musikdialekt der Rumänen von Hunyad
lische Neugestaltung des evangelischen Got- (ZfMW. II); Die Volksmusik der Araber von
8*
116 Bartoli - Baryton.

Biskra und Umgebung (id). Der übrige Teil Einführung in die Musik; EinfüMung in die
der von B. gesammelten Melodien, z700 un- A sthetik, 19zz (alles tschechisch).
garische, 3500 rumänische und zoo arabische, Bartz, J ohannes, * 19. Jan. 1848 in Star-
ist noch unveröffentlicht. Er hat auch, zu- gard in Pommern, 1864-67 Schüler des
sammen mit Alex. Reschofsky, eine Klavier- Leipziger Konservatoriums (Hauptmann,
schule geschrieben und viele klassische IGa- Reinecke), wurde 187z Organist an der Peter-
vierwerke zu pädagogischen Zwecken heraus- Paul-Kirche zu Moskau und Leiter verschie-
gegeben. dener Chorvereine. Von seinen Werken ge-
Bartöli, Daniello, *1608 zu Ferrara, t langten zur Aufführung: Evangelisches Re-
13. Jan. 1685 in Rom; gelehrter Jesuit, Ver- quiem, Vaterunser, die Oper Der Feldwebel,
fasser eines akustischen Werks: DeZ suono, eine Orchestersuite Rolf K rakes Tod, das
de' tremori armonici e dell' udito (1679 u. ö.). Oratorium Der Himmelsbote, ein Streich-
Bartöli, Pater Erasmo, * 1606 zu Gaeta, quartett C dur. In Druck erschienen drei
lebte, bekannt unter dem Namen Padre Klaviersonaten, eine Violinsonate op. I2, lZ
Raimo, in Neapel, trat dort in den Orato- Motetten, IZ Hefte volkstümlicher Lieder
rier-Orden und starb 14. Juli 1656 an der usw.
Pest. Seine Kompositionen (Manuskript) Barwinskyi, Wassyl, ukrainischerKom-
werden in der Bibliothek der Oratorier auf- ponist, * zoo Febr. 1888 in Tarnopol, Schüler
bewahrt (Messen, Psalmen, Motetten usw.). von Vilh. Kurz (Klavier) in Lemberg und
Bartolini, Or'in Dio, 1633 Kapellmeister J. Holfeld in Prag, 1908-1Z noch Kompo-
am Dom zu Udine, veröffentlichte Z Bücher sitionsschüler von V. Novak in Prag, auch
5 -8st. Messe concertate und I -8st. Motet- Schüler der dortigen Universität, seit 1915
ten mit B.c. (1663, 1634), auch 8st. Marien- Direktor des Lyssenko-Musikinstituts in
Litaneien, sowie je I Buch 5st. Madrigale Lemberg. Er schrieb: Klavierwerke, Lieder
(1606) und 3st. Canzonette ed Arie alla Ro- (gedr.), zwei Klaviertrios, Klaviersextett,
mana (1606). Vgl. Bertoldo. Streichquartett, Variationen und eine Sonate
Bartoseh, J osef, Blindenpädagoge, * Z2. für Vc. und Klavier; Ukrain. Rhapsodie für
Nov. 1879 zu Tepl in Deutschböhmen, stu- gr. Orchester; Kantaten und Chöre.
dierte am Wiener Konservatorium der Mu- Hary, Alfred Erwin von, * 18 Jan.1873
sikfreunde. Wirkt seit 1903 als Lehrer am in La Valetta (Malta), t 13. Sept. 19z6 in
Staat!. Blindeninstitut, neben Prof. Wag- München, studierte in Leipzig und München
ner an der Staat!. Lehrerbildungsanstalt Medizin und Naturwissenschaften, promo-
(I9II), außerdem seit I91Z als Chorregent vierte 1898 in München zum Dr. med., war
bei St. Rochus. Schrieb Aufsätze über musi- darauf Assistent an der Leipziger Universi-
kalische Erziehung der Blinden: Der M usih- täts-Irrenklinik, bildete aber nebenbei seine
unterricht an der Blindenschule (in A. MelIs vortreffliche barytonale Tenorstimme aus,
Der Blindenunterricht) , Die beruflichen Ver- war dann 190Z-1Z Heldentenor der Dres-
hältnisse der in Wien lebenden B linden, Re- dener Hofoper und 191Z-18 Mitglied
form des Musikunterrichts an Blindenanstal- der Münchener Hofoper. B. sang seit 1904
tim (Fachschrift Der Blindenfreund 19IZ), in Bayreuth (Parsifal, Siegmund, Siegfried,
Blinde Organisten, Kunsterziehung und Mu- Lohengrin, Tristan). Im Herbst 1918 zog er
si/mnterricht an Blindenanstalten. Zur Fort- sich von der Bühne zurück und widmete sich
bildung der blinden Musiker (Zeitschr. f. d. wieder ganz dem ärztlichen Beruf.
Blindenwesen Österreichs 1919). Baryphonus s. Pipegrop.
Bartoseh, Kar!, * 1. Dez. 1877 zu Brünn, Baryton (ita!. Baritono), 1) die schönste
Schüler von Otto Kitzler und 1887-95 der aller männlichen Stimmgattungen, wel-
Brünner Musikvereinsschule, war von 1896 che die Würde und Kraft der Baßstimme
bis 1907 Kapellmeister an den Theatern in mit dem Glanz der Tenorstimme vereinigt;
Brünn, Heidelberg und Mannheim, wo er je nachdem sie mehr nach der Höhe oder
dauernd blieb als Musikdirektor und Orga- nach der Tiefe ausgedehnt ist, unterscheidet
nist an der Hauptsynagoge. Als Komponist man einen Tenorbaryton undBaßbaryton.
ist B. mit Männerchören, Liedern, Orchester- Der Tenorbaryton ist vom Heldentenor
stücken, einem Männerchor mit Orchester schwer oder gar nicht zu unterscheiden,
und Orgel ( Die Jungfrau) u. a. aufgetreten. wenigstens sind viele Heldentenöre nichts
Bartos, Frantisek, tschech. Folklorist anderes als Baritonstimmen, welche nach
t
und Philologe, * 1838 und 1906 zu Mlatcov, der Höhe hin besonders ausgebildet worden
studierte in Wien und war meist in Brünn sind. Der Name B. bedeutet eigentlich tief-
angestellt. Während seiner langjährigen tönend, ist also offenbar im Hinblick auf den
Reisen in Mähren sammelte er Volkslieder höhern Tenor gewählt. Die Franzosen nen-
und veröffentlichte Sammlungen, deren Auf- nen ihn Concordant (übereinstimmend sowohl
zeichnung meist Leos Janacek (s. d.) be- mit den Tenören als den Bässen hinsichtlich
sorgte. Hauptwerk ( tschechisch) : Neue der Stimmlage [A-fist, resp. G-glJ); der
mährische Volkslieder, 188z; z. Sammlung früher übliche Name Basse taille für B. be-
1887-89; 3. Sammlung 1901. deutet heute jedoch den tiefen, wirklichen
°
Bartos, J s ef, tsch. Musikschriftsteller, Baß, den basse noble. - Die Bezeichnung Ba-
* 1887 zu Vysoke Myto, studierte und promo- ritono findet sich bei Viadana (16IZ), Präto-
vierte in Prag, wo er als Kritiker und Lehrer rius u. a. für die 3. Stimme eines Chors tiefer
lebt. Veröffentlichte: Anton Dvofdk, 1913; Stimmen (hoherBaß statt Tenor; 4. Stimme:
Zdenko Fibich, 1913; J. B. Foerster, 1923: Basso profondo). In neuerer Zeit, beginnend
Barytonans - Basevi. 117

mit Mozarts Don Giovanni, schreiben 'die und Klavier u. a. - Bücher: Trattato di
Opernkomponisten gern für B. Hauptpar- Forma Musicale; Trattato d'Armonia; Un
tien, was gewiß nicht zum kleinsten Teil Rinnovamento negli studi d' A rmonia e
seinen Grund in der Seltenheit guter und Contrappunto; lV[ etodo d' A ccompagnamento al
gebildeter Tenöre hat. Canto Gregoriano e di Composizione negli
2) ein Streichinstrument, das im 18. Qtto M odi,auch franz. und holl.; j'vJ anuale
Jahrhundert sich großer Beliebtheit erfreute di Canto Gregoriano (ital. und span.); das
(ital. Viola di Bordone oder Bardone), von Kapitel über Le rythme et l'harmonie im
der Größe desVioloncells resp. der Gambe VII. Bd. der Paleogr. Mus. der Benediktiner
und seiner Konstruktion nach das Baß- von Solesmes usw.
instrument der Viole d'amour mit 6 oder 7 Bas-dessus (franz., spr. ba-d'ßü), tiefer So-
Saiten, unter denen aber (unterm Griffbrett) pran s. v. wie Mezzosopran.
noch eine Anzahl anderer (9-24 Stahlsaiten) Basel (Stadt). Vgl. C. J. Riggenbach,
lagen, welche, wenn das Instrument gespielt Der Kirchengesang in B. (1870); K. Nef,
wurde; mittönten, auch wohl mit dem Dau- Die Musik inB. vom 9.-I9. jahrhundert
men der linken Hand gerissen wurden. Die (Sammelb. der IMG. 19°9), desselben Die
Stimmung der obern Saiten wechselte; die Stadtpfeifer und die Instrumentalmusiker in
gebräuchlichste war: LJGcead' oder[ ,H] EA B. I385-I8I4 (das. 1909); ferner Die Musik
dr;he'. Fürst Nikolaus Esterhazy, Haydns an der Universität. Basel (Festsehr. zum
Gönner, war ein großer Liebhaber dieses In- 450 jährigen Bestehen 1910); ferner: Kata-
struments, und Haydn hat daher eine große log der Musikinstrumente im Ht"st. Museum
Anzahl von Kompositionen (175) für es ge- in: Festsehr. zum 2. Kongreß der IMG., Basel
schrieben (erhalten sind 90 Divertimenti für I906; J. Richter, Katalog der Universitäts-
B. mit Va. und V c. und ein Duo im Archiv bibliothek in B. (MfM. 1892); Paul Meyer,
der Gesellsch. der Musikfreunde in ·Wien). Basels Konzertwesen im I8. und zu Anfang des
Auch mehrere andere zeitgencssische Kom- I9. jahrhunderts (Basler Jahrb. 1884 und
ponisten haben für B. geschrieben (Aloys 1890); anonym, Der Gesangverein Basel in
Tomasini [erhalten 24 Divertimenti für B., den jahren I824-I899, Festschrift (r899);
V. und V c.], J. G. Krause [9 Partien], J os. W. Merian, Gedenkschrift zum 50·jährigen
Burgkstein, Neumann, A. Lidl, Ant. Kraft, Bestehen der Allgemeinen Musikschule zu
Niemeö, F. Pah, Weigl, Eybler, Pichl usw.). B. (1917); derselbe, Basels Musz'kleben
Das Instrument wurde schon im 17. Jahr- im I9.Jahrhundert (19I7); Rud. Thommen,
hundert gebaut, z. B. von Jakob Stainer Festschrift zur Feier des IOO jährigen Be.
(1660). Vgl. Pohl, Haydn I, S. 249 H. und stehens des Basler Gesangvereins (1924); Ed.
II, S. 304ff.; G.Kinsky, Katal. Heyer II W ölfflin, Das Collegium musicum und die
und vor allem Dan. Fryklund, Viola di Konzerte in Basel, in: Basler Beiträge VII;
Bardone (Svensk tidskr. f. musikforskning E. Re fa r d t, Biographische Beiträge Zttr
IV, 4; 1922). Basler Musikgeschichte, im Basler Jahr b. 1920,
3) Ein ins Sinfonieorchester nicht aufge- 1921, 1922; ders., Die Bedeutun{? Hans Hu~
nommenes Blechblasinstrument (Bary- bers tür das Basler Musiilleben, ebenda 1924;
tonhorn), eine Tuba in B oder C, d. h. ein ders., Die Programme der von Ernst Reiter
Tenorhorn mit weiterer MenSur, dessen geleiteten Sinfoniekonzerte I839-I875, eben-
Grundton anspricht; auch Euphonium ge- da IQ26; W. Mi'lrikofer, Die Konzerte der
nannt. Im Jazz-Orchester findet es Ver- AUf.. Musikgesellschajt in Baselin den Jahren
wendung. I876-I926, BaselJ926; R.Hallauer, Denk-
4) Eine kleinere Abart des Violoncells. schrift zur Fe1'er des 75jährigen Bestandes der
Vgl. Battanchon. Basler Liedertafel I852-I927, Basel 1927;
Barytonans(z.B. bei Glarean), s. v. w.Baß. E. Refardt, Die Basler Choral-Inkunabeln,
Barytonklarinette s. Klarinette. in: Schweiz. Jahrbuch f. Musikwissenschaft
Barytonschlüssel nennt man heute den 1., Basel 1924.
früher besonders zur Andeutung gewünsch- Baselt, Fritz, * 26. Mai 1863 zu Ols
ter transponierter Tonlagen (vgl. Chiavette) (Schlesien), Schüler von L. Bußler und E.
vorkommenden F-Schlüssel auf der Mittel- Köhler, Komponist zahlreicher Männer-
ehöre, Lieder und humoristischer Szenen,
linie: ~ V gl. Schlüssel. 1894 Vereinsdirigent in Frankfurt a. M., jetzt
Inhaber eines Frankfurter Musik- und Büh-
Bas, Gi u I i 0, ital. Theoretiker, Organist, nenverlags. Aufgeführte Bühnenwerke: die
Komponist, * 21. April 1874 zu Venedig, Operetten Der Fürst von Sevilla (Nürnberg
studierte Komposition (wenige Monate, 1895) 1888), Der Sohn des Peliden, Die Muske-
bei Rheinberger an der Musikakademie zu tiere im Damenstift, Die Zirkusfee, Don AI-
München, und Orgel bei Enrico Bossi am varo; komische Opern: Albrecht Dürer, Leo-
Liceo Mus. B. Marcello in Venedig; war 1900 pold von Dessau ; Ballette: Die A ltweiber-
Vicemaestro an S. Marco, 1901-03 Maestro mühle (Frankfurt 1906), Rokoko (Frankfurt
an den Cath. von Calvi und Teano, dann 1907); Volksoper: Kyffhäuser. Auch sam-
Organist an S. Luigi de' Francesi zu Rom; melte und bearbeitete B. Volkslieder, Madri-
seit 1908 lebt er als Lehrer am Konservato- gale usw.
rium in Mailand. Werke: Messen und Basevi, A bramo ,ital.Musikschriftsteller,
kleinere Kirchenkompositionen, Orgelsonate * 29. Dez. 1818 zu Livorno, tim Nov. 1885
F dur; Orgelstücke ; Sonata breve für Violine zu Florenz; war Arzt in Florenz, versuchte
118 Basevi - Baß.

sich dann als Opernkomponist (Romilda ed gen. Man unterscheidet den tiefen (zweiten)
Ezzelino, 1840; Enrico Odoardo, 1847), be- B. und hohen (ersten) B. (Baßbaryton, s.
gründete eine Musikzeitung A rmonia, die Baryton). Der Umfang des Basses ist regu·
1859 wieder einging, rief aber in demselben lär F -I', der tiefe Baß reicht etwas weiter
Jahre Beethoven-Matineen ins Leben, die zu hinab, in einzelnen Fällen bis (Kontra-)
großem Ansehen gelangten und aus denen B und weiter, der hohe nicht so weit (bis
sich die, eine neue Ara des Florentiner Musik- [groß JA ), während in der Höhe bei beiden
lebens (die Musik Italiens unter deutschem die Grenze dieselbe ist oder höchstens
Einfluß) inaugurierende Societa deI Quartetto um I - I % Töne differiert (es' -fis'). Be-
entwickelte. Auch setzte B. alljährlich züglich der Klangfarbe unterscheidet man
einen Preis für die Komposition eines Streich- seriöse Bässe, deren Ton voll und mächtig
quartetts aus. B. war Mitarbeiter der Musik- ist, und Buffobässe, mit beweglicherem
zeitung Boccherini und schrieb: Studio sulle Organ und Darstellungsbegabung für das
opere di G. Verdi (1859), Introduzione ad un Komische (basso oder baritono brillante).
nuovo sistema d'armonia (1862, franz. von V gl. Baryton.
L. Delätre 1865) und Compendio delta storia 2) Auch die Instrumen te, welche die tief-
della musica (1866). Zuletzt trieb er philo- sten Instrumental-Parte auszuführen haben,
sophische Studien. heißen Bässe, und zwar versteht man unter
Basevi, Giacomo, s. Cervetto. B. in Deutschland jetzt meist schlechtweg
Basili, Francesco, * 3. Febr. 1767 zu den Kontrabaß (s. d.), früher aber das
Loreto, t 25. März 1850 in Rom, Sohn des Violoncello (s. d.), unter Bassi (Bässe) da-
Kirchenkapellmeisters Andrea B. (Ver- gegen Celli und Kontrabässe, unter Har-
fasser eines Lehrbuchs für Kontrapunkt und mon i e baß das Baßinstrurnen teines Har-
Generalbaß Musica universale ca. 1775 0.0.), monieorchesters (Fagott, Posaune, Baßtuba,
Schüler von J annaconi in Rom, versah zu- Helikon usw.). .
erst KapellmeistersteIlen zu Foligno, Mace- 3) Der tiefste Part einer Komposition
rata und Loreto, während eine Reihe (14) selbst (vgl. Basis), welcher als Stütze,
Opern von ihm über die Bühnen zu Mailand, Grundlage der Harmonien eine besondere
Rom, Florenz und Venedig gingen. 1827 Art der Behandlung erfordert (s. Stimmfüh-
wurde er zum Studiendirektor (Zensor) am rung). Wirkliche, den Satz fundamentie-
Königl. Konservatorium zu Mailand er- rende Baßstimmen haben bereits die Madri-
nannt und endlich 1837 als Kapellmeister gale der Florentiner Meister des 14. J ahr-
der Peterskirche nach Rom berufen. B.s hunderts (Giovanni da Cascia, J acopo da
Kompositionen sind Messen, Offertorien, Bologna, Paolo, Piero usw.). In den drei-
Magnificats, Motetten, auch ein Requiem stimmigen Sätzen der Epoche Dunstable-
(für J annaconis Leichenfeier) und ein Dufay teilten sich dagegen die als Tenor und
Oratorium: Samson (1824). Kontratenor bezeichneten beiden Unter-
Basiron (spr. -rong), Philippe (auch stimmen in die Rolle der Fundamentierung,
kurz Philippon), niederl. Komponist der bis der bald über, bald unter dem Tenor be-
Zeit um 1500, von dem nur je eine Messe und findliche Kontratenor sich in einen Contra-
eine Motette in Drucken Petruccis von 1508 tenor altus (Contra altus, franz. H au te contre
und 15°5., sowie mehrere Messen, Motetten = Alt) und einen Contratenor bassus (Contra
und Chansons handschriftlich erhalten sind. bassus, Basse contre = Baß) spaltete. In
Das Agnus seiner Messe De Franza s. in Com- dem alle Stimmen mit den gleichen Motiven
mers Collectio Bd. XII. bedenkenden durchimitierenden a cappella-
Basis (griech., Grundlage), gelegentliche Stile seit Ockeghem existiert eine eigentliche
ältere Bezeichnung der Baßstimme. Baßstimme in diesem Sinne nicht, wenn auch
Baskin, Wladimir Sergejewitsch, 1855* gewisse unabweisliche Rücksichten zur Ge-
in Wilna, t6. Febr. 1919 in Leningrad, be- winnung formaler Gestal tung sich ebenfalls da
endete die juristische Fakultät der Peters- geltend machen (Quarten- oder Quinten-
burger Universität, besuchte gleichzeitig schritte in den Kadenzen). Die ältesten Vor-
das Konservatorium (Geige, Theorie), Mu- schriften für die Führung einer wirklichen
sikschriftsteller, Musikredakteur der russ. Baßstimme gibt Guilelmus Monachus (ca.
Petersburger Zeitung, gab heraus: Monogra- 1450). Falsch ist die Annahme, daß erst nach
phien über Anton Rubins tein (Moskau 1886), Verdrängung des a cappella-Stils des 15. und
M. P. Mussorgsky, A. N. Sserofl (Moskau 16. Jahrhunderts durch die homophone
1890), P.]. Tschaikowsky (Petersburg, 1895). Setzweise der Monodisten um 1600 die
Baskische Musik, V gl. Ressurreci6n Maria Baßführung erfunden worden sei; nur hat
de Azkue, Cancionero popular vasco, bis allerdings der imitierende a cappella-Stil
1927 elf Bände, Barcelona; F. G{skue, zeitweilig die Baß~Fundamentierung zurück-
Origen de la Musica popular vascongada gedrängt. Die Neigung der Baßstimme
(Extrait de la Rev. Internat. des Etudes zur Bewegung in längeren Tönen ist aber
Basques, Tome VII, 1913). sogar bereits im 10. - I 3. Jahrhundert
Baskische Trommel (frz. Bedon de Bis- nachweisbar (Organum) und die Stellung
caye) ist das in Deutschland Tamburin (s. der Grundtöne in den Baß ist für den
d.) genannte Instrument, zugleich Hand- naturalistischen Satz der volksmäßigenTanz-
trommel und Rasselinstrument. lieder und eines erheblichen Teils der Lauten-
Baß (ital. Basso, franz. Basse), I) die musik (sogar mit Nichtachtung des Verbots
tiefste der menschlichen Stimmgattun- der Oktaven- und Quintenparallelen) selbst
bassa - Basse danse. 119

durch das 16. Jahrhundert hindurch spe- canoro 1682 [r699J, Ajjetti canori op. 61684
ziell charakteristisch. Daß naturalistische [I692J, Eco armonica delle Muse r688 [r693],
Baßführungen für improvisierte Begleitun- Amorosi sentimenti op. I4 [1693] r696, Armo-
gen früh eine Rolle gespielt haben werden, niche jantasie op. I5 1694, La Musa armonica
legen Erscheinungen wie die Bumharte des op. I6 1695, Languidezze amorose op. I9 1698,
Taghorns und Nachthorns des Mönchs von La Sirena amorosa op. I7 r699, Corona di
Salzburg (s. d.) nahe. Vgl. Generalbaß. jiari musicali ap. 29 1702, Cantate amorase
4) In Zusammensetzung mit Namen von op. 28 r70r [r702], Cantate ed arie amorase,
Instrumenten (z. B. Baßklarinette, Baßpo- ap. 3I r703, ein Buch 2-3st. Kantaten La
saune, Baßtrompete, Basse de VioZe, Basse moralita armonica ap. 41683 [1690], schrieb
de Cromorne usw.) deutet B. auf die Tonlage auch 6 Opern (Alarico, Ferrara 1685), 9
des Instruments, bei Hörnern und Posaunen Oratorien und eine Menge geistlicher Werke,
auf die in der Unteroktave der Altinstru- von denen im Druck erschienen: Messen mit
mente (vgl. die einfachen Namen). In der Instrumenten (1698, r7IO), eine Totenmesse
Orgel bedeutet der Zusatz B., daß die Stim- desgl. (1698), Concerti sacri r-4 v. op. I I
me zum Pedal gehört; z. B. Gernshornbaß (1692 [r697 J), Motetti a vace sola c. 2 V. ad
usw. lib. op. 8 (1690), op. I2 (1692 [I700J), op. I3
bassa (ital., tiej, Unter- . .. ) in Verbindung (1693 [r696]), op. 27 (1701), Antijone a voce
mit 8, 8va (ottava) bedeutet die Unter- sola c. V. e 2 Tantum ergo op. 26 (I70r), Ar-
oktave. Vgl. Abbreviaturen. monici entusiasmi di Davide op. 9 (4st. Psal-
Bassanello, Holzblasinstrument des 17. men mit Instrument 1690 [1695, 1698]),
Jahrhunderts, dem Bomhart bzw. Fagott ver- Sahni di compieta op. Ia (3st. mit Instr. 1691
wandt, mit doppeltem Rohrblatt, und mit [1745]), Salmi concertati ap.2I (3-5st. mit
gebogenem Hals (S), in drei verschiedenen Instr. r699), op. 24 (2-3st. mit Instr. 1700),
Größen gebaut (als Baß-, Tenor- und Dis- Salmi per tutto l' anno op. 30 (8st. mit Orgel
kantinstrument). Bassanelli 8 Fuß und 4 1704), Campletorii concenti ap. 25 (1701, 12
Fuß steht in älteren Orgeln als Rohrwerk. Stimmbücher), Lagrime armaniche ap. 22
Bassani (Bassano), Giovanni, 1585 (Vespro di dejonti, 4st. mit Instr. 1699), Le
Sänger und 1595 Gesanglehrer am Seminar, note lugubri op. 23 (4 st. Responsarii deZ l'uj-
1615 Konzertmeister an S. Marco zu Vene- fizio de' morti mit Instr. 1700). Ein paar
dig, bemerkenswerter Instrumentalkompo- 3st. Sonaten B.s s. in Wasielewskis Ditl
nist, von dem erhalten sind: 3st. Fantasie Violine im I7. Jahrhundert, drei weitere aus
1585, Ricercate, Passaggie e Cadentie 1585 op. 5 in Torchis Arte mus. in Italia VII, eine
(1595 für Orgel oder Klavier), Capricci Kantate (Da! crude!e Dalira) in Riema!lIl:s
musicali per sonar 1588 (4 Stb.), Motetti, Kantatenfrühling. Vgl. Francesco Pasllll,
M adrigali e Canzoni jrancese di diversi Notes sur !a vie de G. B. B. (Sammelb. d.
(1591 [1602], in Orgelbearbeitung, ad lib. IMG. VII, 1906).
mit einer Singstimme; Stücke von Cle- Bassano (Stad tin Venezien). Vgl. G. B.
mens non papa, Palestrina, Lasso, Nanino, Marangoni, I musicisti bassanesi (I89I);
Rore, Willaert, Andrea Gabrieli, Marenzio, L. Fasoli, Il teatro sociale I8II-I9II (Bol-
Giovanelli, Guarni, Stabile, Merulo, Rizzio), lettino del M useo Civico di B. VIII, 191 I).
sowie auch 2 Bücher 5 -I2st. Motetti per Basse contrainte (franz., spr. bäß kong-
Concerti ecclesiastici (1598-99, mit Bassi per
I' organo) und I Buch 4st. Kanzonetten (1587). trä~t), s. v. w. Ostinato (s. d.).
Bassani, Giovanni Battista, * um Basse-contre (franz., spr. bäß-kongtr), ~.
t
1657 zu Padua, 1. Okt. 1716 in Bergamo; v. w. tiefe Baßstimme, wie Haute-contre dle
tiefste der hohen (weiblichen) Stimmen ist
Schüler von Castrovillari in Venedig, 1677
bis 82 Organist der A ccademia della morte zu (Alt, ital. Contr'alto). Vgl. Contratenor.
Ferrara und Kapellmeister des Herzogs von Basse danse (französisch, spr. bäß'dangß'),
Mirandola, bereits 1677 auch Mitglied der gravitätischer Kunsttanz des 15.-16. Jahr-
Accademia jilarmonica zu Bologna und 1682 hunderts, zur Kategorie der gegangenen
bis r683. (in Bologna wohnend) deren Vor- Tänze (wie die Pavane) gehörig (danse par
sitzender (principe), Ende r683 Kapell- bas ou sans sauter definiert Arbeau [so d.]).
meister der Accademia della morte zu Ferrara. Ein Manuskript der Brüsseler Kgl. Biblio-
B. ist zwar schwerlich der Lehrer des einige thek (Nr. 9085), etwa aus der .Zeit um I5?0,
Jahre älteren Corelli gewesen, aber jeden- enthält 59 mit Choralnote notierte Melodien
falls ein Komponist, der dessen Schreibweise in Baßlage mit Beifügung der Tanzpas (vgl.
sehr nahesteht mit den Instrumentalwer- Choreographie) und einen einleitenden Trak-
ken : Balletti, Concerti, Gighe e Sarabande tat über die B. d. und die Tabulaturzeichen
op. I (Bologna r677 [r684, r693]), einigen (1912 in Faksimile herausgegeben von Ernest
Violinsonaten mit B.c. in der Scelta delle Closson; vgl. dazu Sammelb. d. IMG.
suonate v. J. r680, r2 Sonate da chiesa für 2 XIV. 3 [H. Riemann]). Die Attaingnant-
Violinen mit B.c. op. 5 (Bologna r683 [r688] sehen Sammlungen von 1529 und 1530 ent-
und Amsterdam bei Et. Roger), aber minde- halten Basses danses 4 V., die so angelegt
stens ebenso bedeutend als Vokalkomponist sind, daß dieselbe Notierung im langsamen
sowohl für die Kammer als für die Kirche. 4kTakt als Reigen und im geschwinden
Er veröffentlichte eine ganze Reihe Bücher 3/ 4 als Nachtanz dienen könnte. Vgl. H.
Solo-Kantaten mit Continuo: op. 2 L'armo- Riemann, Tänze des I6. Jahrhunderts a
nia delle Sirene r680 [r692], op. 3 Il cigno doubleemploi(Die Musik VI, 3 [1906]), sowie
120 Basse double - Bastianelli.

Fr. BI urne, Studien ;;. V orgesch. der Or- Prätorius u. a. als Name des Basses eines
chester-Suite (1925). Chors hoher Stimmen ("kleiner Baß") und
Basse double (französisch, spr. baß dübl) sollte von einem Tenor gesungen werden.
und double bass (englisch, spr. döbbl' bäß), VgI. Baryton.
s. v. w. Kontrabaß. Bassevi, Gi a c 0 m 0, s. Cervetto.
Basse fondamentale (französisch, spr. Baßhorn, durch fagottmäßige Knickung
fongdamangtal'), in der Theorie Rameaus des Serpents entstandenes Blasinstrument
die Folge der ideellen Grundtöne der Har- von Holz, mit Kesselmundstück an einer
monien eines Stückes. Das Streben Ra- S-Röhre und mit Blechstürze, in der Tiefe
meaus, durch die B. j. über den Generalbaß bis D, C, ja B reichend, aber von schwerer
hinaus zu klarer Einsicht in das Wesen der Ansprache und dumpfem Klange. Es ist
Harmonie (die Logik der Harmoniefolgen ) zu nur durch einige Jahrzehnte zu Anfang des
gelangen, führte schon ihn selbst und in der 19. Jahrhunderts gebaut worden (angeblich
Folge Gottfried Weber, A. v. Oettingen erfunden 1804 von Alex. Frichot in London,
und H. Ricmann auf eine gänzlich neue nach C. Sachs jedoch schon gegen 1780 von
Art der Akkordbezeichnung (s. Klang- dem an St. Pierre in LilIe als Orchester-
schlüssel und Funktionsbezeichnung). Die musiker tätigen Italiener Regi bo gebaut).
B. j. Rameaus ist also nicht eine wirkliche Der Name B. wird in den 1840er Jahren
Stimme wie der Basso continuo und Basso von den Instrumentenbauern für schwächere
seguente, sondern nur eine Art theoretischer Barytons mit Ventilen benutzt.
Kommentar ohne 'Worte; daher die selt- Bassi, Luigi, * 1753 zu Pesaro, t 13·
same Notierung desselben bei Rameau mit Sept. 1825 in Dresden; vorzüglicher Bary-
schwarzen runden Noten ohne Stiele. tonist, 1784 bis 1806 zu Prag, dann im
Bassett (Bassettl, auch BaßI), älterer Dienst des Fürsten Jos. Franz v. Lobko-
deutscher Name des Violoncells (s. L. witz in Wien lebend, 1814 wieder in Prag
Mozart, Violinschztle, S. 3). In Zusammen- (unter C. M. von Weber), sc dann (1815)
setzungen mit Namen von andern Instru- Regisseur der italienischen Oper in Dresden.
menten bedeutet B .. daß diese eine mittlere Mozart schrieb die Rolle des Don Giovanni
Tonlage (Tenorlage) haben; z. B. Bassett- für B.
horn (s. d.), Bassettpommer (s. Bomhart), Baßlaute, s. v. w. Chitarronc (s. d.).
Bassettflöte usw. Auch eine Orgelstimme Basso (italienisch), "Baß". B. continuo
dieses Namens kommt vor (B. 4', Flöten- (italienisch "ununterbrochener Baß") s. v. w.
stimme im Pedal). Generalbaß (s. d.). B. generale, s. General-
Bassetthorn (italienisch Corno di bassetto, baß. B. seguente, ein im Einklang mit der
auch Clarone, französisch Cor de basset), eine jeweilig tiefsten Singstimme gehender Orgel-
nach Kochs Lexikon erst ca. 1770 in Pass au baß. B. ostinato s. Ostinato.
erfundene, aber schon in der 1. Hälfte Basson, Bassoon s. Fagott.
des 19. Jahrhunderts wieder abgekommene Baßpommer s. Bomhart und Fagott.
Abart der Klarinette, die Altklarinette Baßschlüssel s. Schlüssel, vgI. F und die
in F, aber nach der Tiefe bis zum kleinen übersicht unter: Liniensystem.
(; (der Notierung) reichend; sein Umfang ist Baßtuba, s. Tuba.
(groß) F bis (dreigestrichen) c'" (ein e [La] Bastardella, s. Agujari.
Quinte höher notiert [im Violinschlüssel Bastiaans, J. G., * 1812 zu Wilp (Gel-
c-g'''J). Als Verbesserer des Instruments dern), t 16. Febr. 1875 in Haarlern; Schüler
w~rden Theodor LDtz in T'reßburg Ulll 1782 von Fr. Schneider in Dessau und Mendels-
sowie Anton und Johann Stadler in sohn in Leipzig, ließ sich in Amsterdam
Wien und Iwan ]\''1üller (r812) genannt. nieder, wurde hier Organist der Zuiderkerk
Das B. wurde seiner erheblichen Länge und Lehrer des Orgelspiels am Blinden-
wegen gekrümmt oder geknickt gebaut; institut, 1868 aber Organist der berühmten
gewöhnlich ist die eigentliche Schallröhre großen Orgel der St.-Bavon-Kirche zu Haar-
gerade, aber das Mundstück im flachen lern, hochgeachtet als Orgelspieler und
Winkel angesetzt und der kleine messin- Lehrer. B. hat einige Lieder und ein Choral-
gene Schalltrichter am Ende nach der buch herausgegeben. Sein Nachfolger wurde
entgegengesetzten Seite hin abgebogen. sein Sohn J ohann B., * 1854, t 7. Dez.
Mozart hat in seinem Requiem zwei Bassett- 188 S zu Haarlem.
hörner verwendet, auch im Titus Soli für B'astianelli, Gi 3. n no tto, italienischer
das Instrument geschrieben; noch Mendels- Kritiker und Komponist, * 20. Juli 1883 in
sohn schrieb zwei Konzertstücke für Klari- S. Domenico di Fiesoie, t 23. Sept. J927 in
nette und B., und Richard Strauß hat es Tunis durch Selbstmord, studierte Kom-
in der Frau ohne Schatten wieder verwandt. position bei Gino Bellio, war aber in der
Die Klangfarbe ist wie die der Baßklarinette Hauptsache Autodidakt, und unterrichtete
besonders in tieferer Lage düster, aber an einem Florentiner Privat-Institut (Euge-
weich. Die der Klarinette fehlenden Noten nia Galewska). Er schrieb für La Nazione
unter e wurden mit Baßschlüssel eine Oktave (Florenz) und den Bologneser Resto deI
zu tief notiert, (wie beim Horn der 2. und Carlino, und gründete 1914 zusammen mit
3. Naturton). In der Orgel ist B. eine sanfte Ildebrando Pizzetti eine Vierteljahrsschrift
Pedalzungenstimme zu 8 '. Dissonanza, die der jungen Generation dienen
Bassetto (italienisch, kleiner Baß, vgI. sollte und Kompositionen veröffentlichte.
Bassett), findet sich bei Viadana (16r2), Werke: 4 Sonaten für KI.; Concerto für
1

Bastide - Batka. 121

2 Kl. ; Sonate für V. und Kl.; Kl.- Quartett; der Guildhall School of M., und auch Musik-
Poema für 2 V. und Klo; Ouvertüre über den sachverständiger des London County, Coun-
Orlando furioso für Orch.; eine opera buffa eil. Opern: Bubbole I ald. (Mailand 3. J an.
La Scala und ein Ballett. Bücher: La crisi 1920); Young England, kom. Oper, mit
musicale europea (Pistoia 1912) ; Pietro G. H. Clutsam und Basil Hood (London
Mascagni (Neapel 1910); Musicisti di oggi 1915, Daly's); The Sire de Malett'oit's Door,
e di ieri (1914 Mailand); L'opera ed altri lakt.; The Three Strangers, 1akt.; Trilb)"
saggi di teoria musicale (.florenz 1921). 3akt. - Orch.: Variations (aufgef. 1905);
Bastide (spr. bastjd), Paul, seit 1919 African Suite; Ouv. Midshipman Easy;
1. Kapellmeister am Stadttheater in Straß- Woodland Scenes; Visions of Hannele (sinf.
burg i. E., Komponist der Opern L'idylle Dicht., 1920); usw. - Chor und Orch.:
d I' etoile, einakt. (Marseille 1899), L' amour The Wedding 01 Shon Maclean (Leeds Fest.
magicien (Toulouse 19°3), Sous les Tilleuls 1910); TheWakeofO'Connor, 1918; TheMen
(Brest 1904), Medee (Haag 19I1), M. de on the Line für MCh. (Albert Hall 1913);
Pourceaugnac (Straßburg 1921); Ballett: The Jackdaw 01 Rheims; Look at the Clock
Robinsons blancs (Marseille 1900). usw. Bühnenmusik zu Hannele (His Ma-
Baston (spr. bat6ng), Josquin, nieder- jesty's Th. 1908), zu The Light 01 Asia.
ländischer Komponist um 1550, von dem - Zahlreiche Melodramen, Lieder, Kl.-
Chansons und Motetten in 1542-59 zu Stücke; Freedom, die erste für Blechmusik
Antwerpen, Löwen und Augsburg gedruck- geschriebene Sinfonie, 1922.
ten Sammelwerken und handschriftlich er- Bathe (spr. be.ß"e) , William, S.].,
halten sind. ~ * 2. April 1564 in Irland, t 17. Juni 1614 zu
Bataille (spr. bataij), Gabriel, * um Madrid, gab ein theoretisches Werk heraus:
1575, wurde 1617 einer der zwei Maitres de Abrief Introduction to the true art 01 Musicke
la musique de la chambre de la reine, und (1584); ein kleineres A Briellntroduction to
gab 1603-1623 I I Bücher Airs de differents the skill 01 Song folgte 1600, das bemerkens-
Autheurs (von B., Guedron, Boesset und wert ist durch den Versuch der Aufstellung
andern Schülern Mauduits) in Lautentabu- bestimmter Regeln für die Setzung der
latur heraus. Vgl. H. Prunieres, L'opera Akzidentalen und den Übergang von der
italien en France avant Lu!!)' (Paris 1913). Hexachordenlehre zu den Oktav skalen.
Bates (spr. bets), J oah, * (getauft 8.) Auch verfaßte B. ein in der leitenden Idee
März 1740 oder 1741 zu Halifax, t 8. Juni für das des Comenius vorbildliches Unter-
1799 als Direktor des Greenwichhospitals in richtswerk J anua linguarum (Salamanca
London, errichtete 1776 in Gemeinschaft mit 16II). 1591 trat B. zu Tournai in den
andern Kunstfreunden die Concerts of A ncient Jesuitenorden, erhielt 1599 in Padua die
Music (s.d.) (nicht zu verwechseln mit der Priesterweihen und war in der Folge Direktor
von Pepusch gegründeten A cademy of A n- von Jesuitenkollegs zu Lissabon (1604) und
cient M1tsic, welche daneben bis 1792 be- Salamanca.
stand, während das erstere Institut bis 1848 Bathyphon (griechisch, "tieftönend") hieß
florierte). Auch die großen Musikfeste zu ein 1839 von Skorra und Wieprecht in
Ehren von Händels Andenken (1784, 1785, Berlin konstruiertes, zur Familie der Klari-
1786, 1787 und 1791) wurden durch B. an- nette gehöriges Holzblasinstrument in Kon-
geregt. Er selbst dirigierte sowohl diese trabaßlage (vom [Kontra-] ,D bis zum
als die Ancient Concerts. [kleinen] b), das aber nach vorübergehender
Bates (spr. bets), William, Zeitgenosse Einführung in Militärmusiken durch die
von Joah B., und oft mit ihm verwechselt, verbesserte Baß klarinette verdrängt worden
Komponist der Oper Pharnaces (1765) und ist.
mehrerer Singspiele, auch Herausgeber der Batiste (spr. batist), Antoine Edouard,
Song Sung at Marylebon Gardens (1768) und * 28. März 1820 und t 9. Nov. 1876 zu Paris,
selbst beliebter Komponist von Catches und bedeutender Organist, Lehrer am Pariser
Glees u. a. Konservatorium (für Chorgesang, Harmonie
Bateson (spr. bet'sen), Thomas, * um und Akkompagnement), Organist an St.
1570, 1599 Organist zu Chester, 1609 Chor- Nicolas des Champs, zuletzt an St. Eustache;
vikar und später (1618) Organist und Direk- komponierte wertvolle Orgelstücke (in Aus-
tor des Knabenchors an der Kathedrale zu wahl herausgegeben von Spark), gab eine
Dublin, angeblich der erste Bakkalaureus Elementar-Harmonielehre (Petit solfege
der Musik an der Dubliner Universität harmonique) sowie die offiziellen Solleges du
(1615), t im März 1630. Zwei Bücher 3- bis Conservatoire heraus.
6st.Madrigale (16°4, 1618) sind erhalten Batistin s. Stuck.
(Neuausgabe von Rimbault 1845-46, Batka, Richard, * 14. Dez. 1868 in Prag,
sowie von E. H. Fellowes). t 24· April 1922 in Wien, studierte Germa-
Bath (spr. baB), Hu bert, englischer Kom- nistik und Musik, promovierte zum Dr. phil.
ponist, * 6. Nov. 1883 zu Barnstaple, De- und gab 1896-98 (mit Hermann Teibler)
vons., studierte bei Dr. H. 1. Edwards und die Neue musikalische Rundschau heraus,
später an der R. A. M. (Goring Thomas-Sti- war dann Musikfeuilletonist des Prager
pendium für Komposition) bei Beringer, R. Tagblatt und Redakteur des Musikteils der
• Steggall und Corder. 1913-14 war er einer Neuen Revue und (seit 1897 eine Reihe von
der Dirigenten an der Quinlan Opera Co., Jahren) auch des Kunstwal't, begründete und
einige Jahre Leiter der Opernklassen an leitete den Dürerbund (historische und mo-
122 Bciton - Battishill.

derne Konzerte), siedelte aber 1908 nach *


Batta, Pierre, 8. Aug. 1795 zu Maas-
vVien über, wo er Musikreferent des Wiener tricht, t 20. Nov. 1876 zu Brüssel, war
Fremdenblatt bis 1919 war, mit R. Specht Lehrer des Violoncells am Brüsseler Kon-
seit 1909 den lvierker herausgab und Musik- servatori um.
geschichte an der Wiener Akademie der Battaille (spr. bätaj) , Charles Ama ble,
Tonkunst lehrte. B. schrieb Lebensbilder ausgezeichneter Sänger (Baß), * 30. Sept.
Schumanns und Bachs (1892), Aus der 1822 zu Nantes, t 2. Mai 1872 in Paris, ur-
Musik- und Theaterwelt (1894), Martin sprünglich Arzt, sang 1848-57 an der
Plüddemann (1896), Musikalische Streifzüge Komischen Oper zu Paris, mußte eines Hals-
(1898), Die Musik der Griechen (1900), leidens wegen von der Bühne zurücktreten,
Die mehrstimmige Kunstmusik des Mittel- trat nur 1860 vorübergehend noch einmal im
alters (1901), Studien zur Geschichte der Theatre lyrique und in der Komischen Oper
Musik in Böhmen (1902), Kranz (Ges. Auf- auf. B. war seit 185 I Professor des Gesangs
sätze über Musik 1903), Die Lieder Muelichs am Konservatorium. Er veröffentlichte eine
von Prag (1905 mit Paul Runge), Die große Gesangschule : De l' enseignement du
Musik in Böhmen (1906, in R. Strauß' chant. I. N ouvelles recherehes sur la pho-
Die Musik), Aus der Opernwelt (1907), nation (1861), II. De la physiologie appliquee
Geschichte der Musik in Böhmen (r. Band au mecanisme du chant (1863).
1906), Allgemeine Geschichte der Musik Battanchon (spr. -angschong), Fidix,
(1908), Zu Griepenkerls Bearbeitung von * 9. April 1814 und t im Juli 1893 zu Paris,
Beethovens Ruinen von Athen (19°9, in der ausgezeichneter Cellist und bemerkenswer-
Riemann- Festschrift), M oseliana (Musikbuch ter Komponist für sein Instrument, Schüler
aus Österreich 19II-12), Richa1'd Wagner von Vaslin und Norblin am Pariser Konser-
(1912, Biogr.), Die altitalienische Opernarie vatorium, seit 1840 im Orchester der Großen
(1912, Reklame für Ida Isori), gab J. S. Oper. 1846-47 versuchte B. für eine Art
Bachs Notenbüchlein für A. M. Bach heraus von kleinerem Violoncell, die er Baryton
(1904ff.), schrieb Analysen für den Musik- nannte, Propaganda zu machen, vermochte
führer, ist der Dichter bzw. übersetzer der aber nur flüchtiges Interesse zu erwecken.
Libretti einer großen Anzahl neuerer Opern Battement (französisch, spr. batt'mang),
und redigierte die Sammlungen Bunte Bühne Verzierungs art mit der kleinen Untersekunde,
(1902f.), Hausmusik (1907) und Mozarts ge- die nicht besonders vorgezeichnet wurde,
sammelte Poesien (1906). sondern zu den vom Spieler frei zu brin-
Bäton (französisch, spr. bat6ng), s. v. w. genden Vortragsmanieren des 18. Jahr-
Taktstock, Dirigentenstab. hunderts gehörte. Sie kam nur nach Inter-
vallsprüngen zur Am,· endung. Das kurze
Baton (spr. bat6ng), Henri, * 17IO zu B. (a) begann mit der Hauptnote, das
Paris, Virtuose auf der Musette (Sack-
pfeife), während sein Bruder Charles (B. lange (b) mit der Nebennote; man vergleiche
Ie jeune), t 1758 zu Paris, Meister auf der Quantz, Versuch einer Anweisung etc.:
Vielle (Drehleier) \var; der letztere hat
Kompositionen für 2 Viellen oder Musetten
geschrieben (Suite op. I 1733, La Vielle
amusante OP.2, Amusemens d'une heure
'Q rt r
(a)
1 11 ~ ~r f r r r rr rr
(b)
1 11

op. 4), auch ein Memoire sur la vielle en


D la re im Mercure de France von 1757 ver- Batten (spr. bätt'n), Adrian, * um 1590,
öffentlicht und beteiligte sich an dem Buffo- t im Sommer 1637 zu London, 1614 Chor-
nistenstreit mit Examen de la lettre de M. vikar der Westminsterabtei, 1624 in gleicher
Rousseau sur la musique franvaise (1753 Eigenschaft und als Organist an der Pauls-
[1754]). kirche zu London, hat vortreffliche Anthems
Baton, Rene, s. Rhene-Baton. komponiert, ferner ein Morgen- und Abend-
service, eine Kommunion usw. Einiges ist
Bator, Szidor, * 23. Febr. 1860 zu Buda- in englischen Sammelwerken (Barnard 1641,
pest, Schüler des Nationalkonservatoriums Boyce) gedruckt. Einige Anthems von B.
und der Budapester Musikakademie, 1897 in Neudrucken sind noch heute in Gebrauch.
Begründer und bis jetzt Leiter der Musik- Batterie (französisch), französische Be-
gesellschaft der Post- und Telegraphen- zeichnung für allerlei Figurationen mittels
beamten in Budapest, Komponist von Un- Zerlegung von Akkorden wie:
terrichtssachen und lvrischen Miniaturen für
Klavier, auch eines trios für Harfe, Violine
und Cello und von Männerchören.
Batta, Alexandre, Sohn von Pierre B., ~ 13 J 3IJ; ;II~ ~ ~ J I
* 9. Juli 1816 zu Maastricht, t 8. Okt. 1902
zu Versailles, zuerst Schüler seines Vaters, Nach J. J. Rousseaus Lexikon ist die B.
dann Schüler von Platel am Brüsseler Kon- dadurch vom Arpeggio unterschieden, daß
servatorium, 1834 mit Demunck durch den SIe mcht legato, sondern staccato gespielt
ersten Preis für Cellospiel ausgezeichnet, WIrd. Kochs Lexikon gebraucht für B.
auch im Auslande, besonders in Paris, wo die deutsche Bezeichnung "Rauscher".
er sich dauernd niederließ, als Virtuose ge- Battishill (spr. bätt-), J ona than, * im lVI ai
feiert. Er hat Romanzen für Cello, Phan- 1738 zu London, t IO. Dez. 1801 zu Islington;
tasien, Variationen usw. herausgegeben. Cembalist am Coventgardentheater, schrieb
Battistini - Bauer. 123

mehrere Opern für dieses Theater, die erste: Kapellmeister der Opera; publizierte zwei
Almena(1764, die Songs gedruckt) in Gemein- Violinkonzerte, einige Violinromanzen, Varia-
schaft mit Th. A. Arne, wandte sich aber spä- tionen und drei Duos concertants.
ter mehr der kirchlichen Komposition zu, die Batruta (italienisch, von battere, schlagen),
letzten Jahre der Ansammlung einer wert- Taktschlag; a batt. ("im Takt") zeigt den
vollen musikalischen Bibliothek widmend. Wiedereintritt strenger Taktordnung an (im
Glees, Anthems und Fugen von ihm finden Gegensatz zu einem vorausgegangenen coUa
sich in Sammelwerken (Warren, Page); eine parte, welches bedeutet, daß die Instrumente
Anzahl Anthems und Hymns, auch 2 Hefte sich nach dem frei vortragenden Sänger
Songs von B. erschienen separat. Vgl. oder Solospieler zu richten haben). Im
Th. Busby, Original Memm'rs 01 the la te engeren Sinne ist B. Niederschlag, d. h.
L B. (Monthly Magazine r802, S. 36). Anfang eines Taktes; daher ritmo di tre oder
)(Battistini, Ma ttia, hervorragender itali- di quattro battute, s. v. w. Rhythmus von
enischer Bühnenbariton, * 27. Febr. 1857 zu je 3 oder 4 zusammengehörigen Takten
Rom, debütierte 1878 in Donizettis Favorita (d. h. diese Zahl Takte bilden eine Einheit
am dortigen Teatro Argentina; sein europäi- höherer Ordnung; vgl. Metrik). - In der
scher Ruhm datiert seit seinem Auftreten in älteren Lehre des Kontrapunkts verstand
der Mailänder Scala 1888. Außer in den hohen man nach Fux (Gradus ad Parnassum 1725)
Baritonrollen Bellinis, Rossinis, Donizettis unter B. die verbotene (?), aber von Fux
und Ver dis glänzte er auch als Don Gio- freigegebene Fortschreitung aus der Dezime
vanni und Wolfram oder Telramund; bis in Gegenbewegung in die Oktave auf den
heute, Ende 1927, ist er noch im Konzertsaal guten Taktteil.
tätig. Nordamerika ist er ferngeblieben. Bauck, Wilhelm, * 13. Dez. 1808 in
Vgl. G. Monaldi, Cantanti celebri. Göteborg, t 8. Okt. 1877 in Stockholm, Or-
Battke.Max, * 15. Sept. 1863 zu Schiffuß ganist (Göteborg), dann in Stockholm
bei Wandlacken (Ostpreußen), t 4. Okt. 1916 Klavierlehrer, Musikkritiker (Altonbladet
in Berlin, Schüler von Max Osten in Königs- 1842, Nya Dagligt allehanda 1859, Dagens
berg,. besuchte 1887-90 die Berliner Kgl. Nyheter 1871) und Redakteur der Ny tidning
Hochschule für Musik und 1890-91 die jör musik (1853-57), Lehrer für Musik-
akademische Meisterschule und wirkte als geschichte am Konservatorium (seit 1858),
Lehrer am Sternschen Konservatorium, dem namhafter schwedischer Musikkritiker und
Konservatorium des Westens, und als Musikhistoriker , schrieb: Handbok i musi-
Dirigent des Mozart-Chors (populäre Ora- kens historia (1862-88), Musiklära (2 Teile,
torien-Aufführungen). 1900 begründete er 1864, 1872), Musikaliskt Reallexikon (1871),
ein Seminar für Musik (mit W. Altmann, Musik och Teater (1868, gesammelte musik-
P. Ertel, M. Martersteig u. a. als Lehrern), kritische Abhandlungen) u. a.; als Kompo-
das 1910 zum Seminar lür Schulgesang um- nist trat er mit leichterer Klaviermusik,
gestaltet wurde, und rief 1902 die jugend- einem Streichquartett (G dur) und vielen
Konzerte ins Leben (Verband tür jugend- Arrangemen ts hervor.
konzerte). B. schrieb: Elementar/ehre der Baudiot (spr. bödjö), Charles Nicolas,
Musik (1898, 3. Auflage 1908), Primavista, Cellovirtuose, * 29. März 1773 zu Nancy,
eine Methode, vom Blatt zu singen (1900, t 26. Sept. 1849 in Paris, Schüler des älteren
4. Auflage 1912,' auch tschechisch [in böh- J anson und 1802 dessen Nachfolger als
mischen Schulen eingeführt]), Erziehung des Professor seines Instruments am Konser-
Tonsinnes (1905 [1906]), Singebüchlein (19°7, vatorium zu Paris, 1816 zugleich erster
für den Elementarunterricht), Tonsprache Cellist der Königlichen Kapelle, 1832 pen-
und Muttersprache (1908), Musikalische Gram- sioniert, hat viele Kompositionen für Cello
matik (19°9, 3. Auflage 1912), Stimmbildung herausgegeben (auch 3 Streichquartette) und
und Schule (1912), Neue Formen des Musik- mit Levasseur und Baillot die Cellomethode
diktats (1913) und redigierte drei Hefte des Konservatoriums verfaßt, auch allein
übungslieder für gern. Chor, FrCh. und eine Methode comptete de violoncelte (op. 25),
MCh., eine Sammlung jugend-Gesang, Pri- einen Traitf de transposition musicale op. 35
mavista-Lieder, Jugend-Liederbuch Stimmet (1837) und eine Anleitung für Komponisten
an, auch mit E. Humperdinck eine Samm- verfaßt, wie sie für Cello schreiben dürfen
lung von Klaviermusik. und sollen (1849).
Battmann, Jacques Louis, * 25. Aug. Bauer, Adolf, * 13. Aug. 1877 zu Mu-
1818 zu Maasmünster (Elsaß), t 7. Juli 1886 dersbach, Schüler des Bonner Gymnasiums
zu Dijon, 1840 Organist in Belfort, später und der Universität wie des Kölner Konser-
in Vesoul, hat eine große Anzahl Klavier- vatoriums(Wüllner, Steinbach, v. Baußnern),
und, Orgelwerke herausgegeben, darunter dann Lehrer für Kl. und Theorie am Kre-
viele Etüden, eine Klavierschule, Harmonie- felder Konservatorium, seit 1912 Dirigent
lehre (für das Akkompagnement des Grego- der Städtischen Konzertgesellschaft Düren,
rianischen Gesangs), eine Harmoniumschule, seit' 1922 Lektor für Musikwissenschaft an
viele Kompositionen für Harmonium usw., der Universität Bonn. Er schrieb Lieder,
auch Messen, Motetten, Chorwerke usw. Chöre mit und ohne Orchester, Kammer-
Battu (spr. batü), Pantaleon, * 1799 und musik u. a.
t 17. Jan. 1870 zu Paris; Schüler von R. Bauer, An to n, * 23. J an. 1893 in Mallers-
kreutzer, Mitglied des Opernorchesters und dorf (Niederbayern), studierte an der Uni-
der Kgl. Kapelle bis 1830, seit 1846 zweiter versität und der Akademie der Tonkunst
124 Bauer - Baumgarten.

in Münche:1, zuerst Kapellmeister, seit 1923 1914 wurde er Vorsitzender des Dresdener
Musiklehrer im bayrischen Staatsdienst Tonkünstlervereins, den er noch leitet.
(München, Cham); Komponist von Liedern, Bauernflöte (Bauernpfeife, Bä uer-
Chören, Messen, Klavierstücken, Stücken lein, Feldflöte, lat. Tibia rurestris), eine
für Militärmusik. Schrieb: A tonale Satz- in älteren Orgeln im Pedal nicht seltene
technik (1925), kleine pädagogische Schrif- kleine Gedaktstimme von weiter Mensur; zu
ten; 40 bayrische Tänze (ZfMW. VIII, I; zwei Fuß (2 /) heißt sie gewöhnlich B., zu
1926); 20 bayrisehe Tänze (ib. IX, I928). einem Fuß (1') dagegen Bauernpfeife (die
Bauer, Harold, * 28. April 1873 zu Lon- l'-Stimmen werden meist Pjeije genannt).
don, ausgezeichneter Pianist, Schüler seines Bauldewijn (Baldewin, Balduin, Baul-
Vaters (Klavier) und Pollitzers (Violine), duin, Baudoin, Baudouyn), N oel (N a talis),
auch 1892 von Paderewski in Paris, machte bei G. Forster wohl irrtümlich Nor. (Nor-
seit 1893 große Konzertreisen. B. lebte bert ?), Kapellmeister der Notredamekirche
bis Kriegsausbruch in Paris, seit 1924 in zu Antwerpen 1513-18, t 1529 daselbst.
Neuyork, wo er die Beethoven-Associatior, Motetten von B. finden sich in verschiede-
gründete, deren Vorsitzender er ist. nen Sammelwerken (schon in Petruccis Mo-
Bauer, Moritz, * 8. April 1875 zu Ham- tetti delta corona), Messen im ms. zu Rom
burg, studierte in München, Straßburg und (En douleur 5 v. und Sine nomine 6 v.) und
Freiburg Medizin, ging aber nach Ablegung München (Mijn liejkens bruijn oghen 4 v.);
der Examina und Dienstleistung als Einj.- ein Lied (A eh Gott, wem soll 'ich' s klagen) bei
Freiw. Militärarzt zur Musik über, war in Forster.
Leipzig Schüler von A. Ruthardt (Klavier), Baumayer, J\Iarie, * 12. Juli 1851 zu
Rich. Hofmann (Theorie) und G. Göhler Cilli (Steiermark), Schülerin von Carl Evers
(Dirigieren), war auch dort als Dirigent in Graz, Prof. Julius Epstein am vViener
tätig (Damengesangverein) und hörte an der Konservatorium und Cl ara Schumann, in
Universität. 1904 promovierte er zum Dr. künstlerischem Verkehr mi t J ohannes
phi!. in Zürich und wurde nach weiteren Brahms, dessen B dur-Klavierkonzert sie
Studien unter J. Knorr und S. v. Hausegger zuerst öffentlich spielte (in Graz), Lehrerin
in Frankfurt Lehrer für Musikgeschichte am Neuen Konservatorium und namentlich
und Ästhetik am Dr. Hochsehen Konser- in Österreich einst hochgeschätzte Pianistin
vatorium (bis 1926). I9I4 habilitierte er (Brahmsspielerin) und Kammermusikerin
sich an der Frankfurter Akademie für Sozial- (mit Rob. Hausmann, Rich. Mühlfeld. Marie
und Handelswissenschaften mit einer Studie Soldat) in Wien.
Beüräge zur Eenntnis der Lieder Franz Scln;- Baumbach, Friedrich August, * 1753,
berts als Dozent für Musikwissenschaft t 30. Nov. 1813 in Leipzig; war 1778-89
und wurde zum a. o. Professor ernannt. Kapellmeister an der Oper zu Hamburg und
B. ist Vorsitzender der Frankfurter Bach- lebte dann in Leipzig ausschließlich der Kom-
gemeinde. Außer Aufsätzen in Fachzeit- position. Außer vielen Vokal- und Instru-
schriften, den Jahresberichten des Hoch- mentalwerken (für Klavier, Violine, Gitarre,
sehen Konservatoriums und des Freien Gesänge am Elavier 1798 usw.) hat er auch
deutschen Hochstifts (1909 über Schubert) die musikalischen Artikel in dem 1794 er-
und Analysen für den Konzertführer schrieb schienenen Eurz gejaßten Handwärterbuch
B. noch Historie oder Pamphlet? (I9IO), über die schönen Eünste geschrieben.
Die Lieder Franz Sehuberts (1. Band I9I5), Baumfelder, Friedrich, * 28. Mai 1836
Iwan Enorr (Frankfurt a. M. 1916); johann und t 8. Aug. 1916 in Dresden, Schüler Joh.
Mayrhojer (ZfMW. 1922); Formprobleme des Schneiders und des Leipziger Konservato-
späten Beethoven (ib. 1927), und gab 15 aus- riums (1851), war Kantor an der Dreikönigs-
gewählte Lieder von K. Fr. Zelter heraus kirche und Dirigent der Schumannschen
(1924). B. komponierte Lieder, den 28. Singakademie in Dresden, wo er als Musik-
Psalm für 3st. Frauenchor, Sopran und lehrer lebte (Kgl. Musikdirektor). B. schrieb
Orgel u. a. außer vielen brillanten Salonsachen beson-
Bauer, Theodor Ludwig, * 30. Okt. 1872 ders Etüden (Ti;'oeinium musieae op. 300),
zu Augsburg, Sohn des auch als Dichter und eine Sinfonie, eine Klaviersonate (op. 60),
Kunstschriftsteller bekannten Stadtschul- eine Suite (op. IOI) und ein Chorwerk DM'
rats L. Bauer, mütterlicherseits ein Enkel J. Geiger Z'bt Gnzünd (Männerchor und Soli).
P. Lysers. Besuchte während seiner Gym- Baulllgart, Expedit Felix, * 13. Jan.
nasialzeit die Augsbtuger Musikschule und 1817 in Glogau, t 15. Sept. 1871 in Bad
war Violinschüler von J. Sluni~ko, in der Warmbrunn, Dr. phil., langjähriger Lehrer
Theorie von H. M. Schletterer und W. We- für Theorie und Orgelspiel am Breslauer
ber. 1892-96 studierte er in Dresden unter Kgl. Institut für Kirchenmusik, bekannt
Lauterbach und Rappoldi, und war neben- durch seine Neuausgabe von Ph. E. Bachs
bei Theorieschüler von Rischbieter und Sonaten für Eenner und Liebhaber, Vgl. H.
Draeseke. 1896--1898 Sologeiger am Mün- Palm, E. F. B. (1872).
chener Kaimorchester, wirkt er seither Baumgarten, Gotthilf von, * 12. Jan.
als Kammermusiker in der Dresdener 1741 zu Berlin, t 1. Okt. I8I3 als Landrat
Staatskapelle. Als gediegener Kammer- in Großstrehlitz (Schlesien); schrieb als preu-
musikspieler gehörte er einige Jahre dem ßischerOffizierOpern für die Breslauer Bühne
Petri-Quartett an und trat in der Folge er- ( Alcidoro [einakt. FestspieIl 177 3, Zemire und
folgreich für moderne Kammermusik ein. Azor 1775, Andromeda [Melodrama] J776,
Baumgarten - Bawr. 125
Das Grab des Mufti 1778, die erste in Parti- dener Bachvereins, später Leiter des Dres-
tur, die andern im Klavierauszug gedruckt). dener Chorvereins, ging 1903 nach Köln als
Baumgarten, Karl Friedrich, * ca. Lehrer am Konservatorium und dirigierte
1740 in Lübeck, t 1824 in London, Schüler auch den dortigen Tonkünstlerverein. 1908
von J. P. Kunzen, kam jung nach London, wurde er Nachfolger von E. W. Degner als
war hier Organist der Savoy Chapel und Direktor der Großherzogl. Musikschule zu
1780-94 Konzertmeister am Coventgarden- Weimar, erhielt 19IO den Professortitel,
theater, auch Konzertmeister und Kompo- wurde 1916 Nachfolger von Knorr als Direk-
nist der Parkkapelle des Herzogs von Cum- tor des Hochsehen Konservatoriums zu
berland. Im Druck erschienen eine Anzahl Frankfurt a. M., 1923 zweiter ständiger Se-
seiner Instrumentalwerke. B. war Mitarbei- kretär der Berliner Akademie der Künste
ter an Shield's Oper Netley Abbey (1794) und gleichzeitig mit einem Lehramt an der
und komponierte eine Pantomime Blaubart Akademie für Kirchen- und Schulmusik be-
(1792). B. soll ein vortrefflicher Organist, traut. Als Komponist fesselt B. durch die
aber energieloser Konzertmeister gewesen große und hohe Intention seiner Werke, die
sein. durch ein starkes Können gestützt wird.
*
Baumgartner, August, 9. Nov. 1814, Werke: Gesang der Sappho für A. und Or-
und t 29. Sept. 1862 in München als Chordiri- chester (von H. v. Bülow aufgef.), u. a. Ges.
gent an St. Annen, veröffentlichte 1852 in f. S. (od. T.) mit Orchester, darunter Gesänge
der Stenographischen Zeitschrift Ideen zu aus der Tiefe; 7 Sinfonien, davon die 1. ju-
einer musikalischen Stenographie oder Ton- gend, die 3. Leben betitelt mit Schlußchor
zeichenkunst (1853), die natürlich keinen Er- (Goethes Ganymed), die 4. für Streichorche-
folg hatte, und eine sehr oberflächliche ster, 11 Bläser und Kl., die 5. Es ist ein
K urzgefaßte Geschichte der musikalischen N 0- Schnitter, heißt der Tod mit Schlußchor; die 6.
tation (1856), war aber auch ein geschätzter Psalm der Liebe, die 7. Die Ungrische beti-
Komponist (Messen, Psalmen usw.). telt; Kammersinfonie für IO Streicher und
Baumgartner, J ohann Baptist, Violon- Orgel Himmlische Idyllen;Dashohe Lied vom
cellist, gebürtig aus Augsburg, t 18. Mai Leben und Sterben für Soli, Chor, Orchester
1782 in Eichstädt, um 1775 Mitglied der und Orgel; Kantate Aus unserer Not für ge-
Hofkapelle zu Stockholm, gab 1774 eine Vio- mischten Chor, Bariton und Orgel; Hafis-
loncellschule heraus. Cellokonzerte blieben Kantate für gemischten Chor, Soli und kleines
unveröffentlicht. Orchester nach Gedichten aus Goethes West-
Baumgartner, Wilhelm, * 15. Mai 1820 öst!. Divan; Die himmlische Orgel für Bariton
zu Rorschach (Schweiz), t 17. März 1867 in und Orchester; Christmotette Die Geburt
Zürich, 1842-44 Musiklehrer in St. Gallen, j esu; Ouvertüre Champagner; Streichquar-
dann noch kurze Zeit Schüler W. Tauberts tett, Klavierquintett, Quintett für Klavier,
in Berlin, lebte seit 1845 in Zürich, wo er Violine, Klarinette, Horn und Violoncell F-
1859 Universitätsmusikdirektor wurde. B. dur; Serenade für Klavier, Violine und Kla-
gehörte in Zürich zu Wagners Freundes- rinette Es dur; Sextett; Oktett; 2 Klavier-
kreis und war der Intimus Gottfried Kel- trios (Weimarer Trio, und 0 belliss~'ma Ita-
lers, dessen zur schweizerischen National- lia); 3 kleine Sonaten für Klavier; Sonata
hymne erhobenes Lied An mein Vaterland er Erol:ca für Klavier; vier Suiten: G dur
. 1846 komponierte. Beliebte Männerquar- für Violine und Klavier, A moll für Fl. und
tette, Lieder und Klaviersachen. Klavier; D moll für Klarinette und Klavier;
Bausch, Ludwig Christian August, fürViolonceIl und Klavier (im Ganzen gegen
* 15. Jan. 1805 zu Naumburg, t 26. Mai 1871 30 Kammermusikwerke) ; Chöre und Lieder,
in Leipzig; Instrumentenmacher in Dres- darunter Strebt hinan zu höherm Reiche,
den (1826), Dessau (1828), Leipzig (1839), Zyklus für gemischten Chor a cappella; den
Wiesbaden (1862), seit 1863 wieder in Leip- 46. Psalm für 8st. Chor a ca ppella; Balladen-
.. zig; war besonders renommiert als Verferti-
ger von Violinbögen und als Reparator alter
Geigen. Er arbeitete die letzten Jahre zu-
zyklus Das klagende Lied für Bariton und
Klavier; Aus dem Buch der Freundin desgl.;
Gesänge aus dem Buch H iob desgl. Opern:
sammen mit seinem Sohn Ludwig, * 10. Dichter und Welt (Weimar 1897); Dürer
Nov. 1829, der nach langem Aufenthalt in in Venedig (Weimar 1901); Herbort und
Neuyork zuerst selbständig in Leipzig etab- Hilde (Mannheim 1902); Der Bundschuh
liert war und kurz vor dem Vater (7. April (Frankfurt 1904); Satyros (nach Goethe,
1871) starb. Der jüngere Sohn und Ge- Basel 1922; Weimar 1923). Für die GA.
schäftserbe Otto, * 6. Aug. 1841, starb der \Verke von Peter Cornelius revidierte
schon 30. Dez. 1875. Das Geschäft ging an B. den Barbier von Bagdad, den Cid und
A. Paulus in Markneukirchen über (1908 beende te die Gunlöd (Köln 1906).
aufgelöst). Bautzen. Vgl. H. Biehle, Die Entwick-
Baußnern, Waldemar von, * 29. Nov. lung des Musiklebens von B. (1923); der-
1866 zu Berlin, verlebte die Kinderjahre in selbe, Musikgeschichte von B. bis zum An-
Siebenbürgen, der Heimat seiner Familie, fang des I9. jahrhunderts (1924).
wurde 1882-88 Schüler Kiels und Bargiels Bawr, Alexandrine Sophie, ,Gräfin de,
an der Kgl. Hochschule zu Berlin, 1891 Diri- geborene BaronesseChampgrand, * 8.0kt.
gent d:ös Mannheimer Musikvereins und Leh- 1773 und t 31. Dez. 1860 zu Paris, 1789 ver-
rergesangvereins, 1895 Dirigent der Dresde- heiratet mit dem Sozialphilosophen Graf Cl.
ner Liedertafel und 1896 daneben des Dres- H. de Saint-Simon (t 1825), dann mit
126 Bax - Bayreuth.

einem russischen Offizier Grafen Ba w r , Doppeloktave, Prinzipal I Fuß = Flauta en


Schülerin Gretrys, schrieb eine wertvolle 22, d. h. Tripeloktave).
Histoire de la musique (1823 in 2 Ausgaben, Bay Rudolph, * 9. Juli 1791, t 25. Mai
deutsch von A. Lewald 1826), auch Ro- 1856 zu Kopenhagen, wurde 1808 Student,
manzen, die in den Salons beliebt waren. bildete sich in der Musik autodidaktisch aus,
,ygl. E. Gagne, Madame de B. (1861). lebte 1816-31 als Konsulatssekretär in AI-
*
X. Bax (spr. bäx),Arnold E.Trevor, S.Nov. gier und erhielt 1819 in Rom einigen Ge-
1883 in London, 1900-05 Schüler von Tob. sangsunterricht von Kapellmeister Serletti;
Matthay (Klavier) und Fred. Corder (Kom- nach seiner Rückkehr nach Dänemark
position) an der Londoner Musikakademie, schrieb er als Kantor an der Holmenskirche,
einer der führenden modernen englischen Kgl. Kammermusikus und Professor, eine
Komponisten, der sich über eine Art von lange Reihe dem italienischen Geschmack
national gefärbtem Impressionismus zu seiner Zeit in hohem Grade entgegenkom-
einem Ausdrucksmusiker persönlichster Prä- mender melodiöser Romanzen und Lieder,
gung entwickelt hat. Werke in chronolo- sowie ein Singspiel auf eignen Text Lazarilla
gischer Ordnung: 1906: Trio für Violine, Va. (Kopenhagen, Kgl. Theater 1853).
und Klavier; 19°7: Fatherland für Tenor, Bayer, Aloys, gefeierter Sänger (Tenor),
Chor und Orchester; 1908: die sinfonische
Dichtung Into the Twilight; ein Streichquin-
* 3· Juli 1802 zu Sulzbach (Oberpfalz), t 7.
Juli 1863 zu Grabenstädt am Chiemsee, be-
tett. 1909: Tondichtung In the Faery Hills, suchte das Gymnasium zu Regensburg und
eine Fest-Ouvertüre und ein Fragment aus das Lyzeum zu München, wo seine Stimme
Shelley's Entlesseltem Prometheus mit dem entdeckt wurde, debütierte 1823 als Joseph
Titel Enchanted Summer, für 2 Sopr., Chor am Münchener Hoftheater und wurde enga-
und Orchester. 1910: frühere Fassung der giert. 1828 -43 war er der Vertreter der
1. Sonate für Violine und Klavier; alle 4 So- ersten Tenorpartien, aber zugleich ein hoch-
naten, 2 für Violine und 2 für Klavier haben geschätzter Liedersänger. Zu den von ihm
eine vollständige Umarbeitung erfahren, die ausgebildeten Sängern zählt Martin Här-
sie in Wirklichkeit zu neuen Werken macht. tinger (s. d.).
1912/13: für Orchester: Christmas Eve in
the M ountains; Tondichtung N ympholept; Bayer, Josef, Ballettkomponist, * 6.
Sinfonie Spring Fire; ein sinfonisches Scher- März 1852 und t 12. März 1913 zu Wien,
zo und eine weitere Tondichtung The Garden absolvierte die Realschule, die Handelsaka-
01 Fand. 1914115: Klavierquintett; Gmoll; zur demie und das Konservatorium, trat 1870
selben Zeit vollendete B. die frühere Fassung als Violinist ins Hoforchester und wurde 1885
der beiden V.-Sonaten und komponierte 6 zum Ballettkapellmeister ernannt. Kompo-
Dichtungen aus The Bard 01 the Dimbovitza nist der Ballette: Wiener Walzer (1885),
für Gesang und Orchester. 1916: Sinfoni- Puppenlee (1888), Sonne und Erde, Ein
sche Variationen für Klavier und Orchester. Tanzmärchen, K inder- TF eihnachtstraum, Rou-
1917: drei Tondichtungen: In memoriam, ge et noir, Donaunixe, Columbia, Die Welt in
November Woods und Tintagei; außerdem Bild und Tanz, Burschenliebe, Rund um
ein Ballett, Between Dusk ana Dawn; eine Wien, Deutsche 1\11ärsche, Die Braut von
irische Tondichtung für 2 Klaviere, 1110y Korea, Rosa d'Amore, Aus der Heimat, Die
M ell oder The Happy Plain; eine irische Meine Welt, Die Engelsfager, Nippes (19II),
Elegie für Engl. Horn, Harfe und Streicher. Die Liebesgeige, Bilderbuch, Olga, Hochzeit
1918: Streichquartett in G dur. 1919: Quin- in Bosnien und vieler Divertissements und
tett für Streicher und Harfe; die 2. Kl.-So- Einlagen, sowie der Operetten: Der Cheva-
nate. 1920: Musik zu Sir J. M. Barrie's lier San 1\11 area, l'vIister 111 enelaus, Fräulein
Phantasie The Truth about the Russian Dan- Hexe, Der Polizeichel; Possenmusiken u. a.
cers; 2 unbegleitete Doppelchöre Mater Ora Bayly (spr. beli), Anse1m, * 1719 zu
Filium (Carols); 01 a Rose I sing (Chor, Haresfield (Gloucestershire), t 1794 zu Lon-
Harfe, Violoncell und Klavier); Konzert für don, wo er seit 1741 Mitglied und seit 1764
Bratsche und Orchester; Revision der vier Subdekan der Chapel Royal war, schrieb
Sonaten. 1921: Tondichtung The Happy außer theologischen und philologischen Wer-
Forest. 1922: Sonate für Va. und Kl.: Sin- ken A Practical Treatise on Singing and
fonie Es dur. 1923: Chorwerk To the Name Playing 1771, The Alliance 01 Musick, Poetry
above Every Name; 1923/4: Chorwerk mit and Oratory 1789, auch gab er eine Samm-
Orch.: St. Patrick' s Breastplate; 1925 ff. lung von Anthem-Texten mit einem Vorwort
ein II. Streichquartett; Quintett für Oboe über Kirchenmusik heraus.
und Streicher; 1927 ff. eine Sinfonie.
Baxoncillo (span. baxon oder baion, spr.
X Bayreuth. Vgl. L. Schiedermair, Bay-
reuther Festspiele im Zeitalter des A bsolutis-
bächon-, nicht auf das franz. basson, sondern mus (1908); M. Seiffert, Aus B.s musik.
auf baf6, niedrig [span.] zurückzuführen), in Vergangenheit (Allg. M.-Ztg. 1894); aus der
Spanien s. v. w. Prinzipal (Orgelstimme). Legion der Wagnerschriften seien angeführt:
B. de I3 = Prinzipal 8 Fuß, B. de 26 = A. Lavignac, Voyage artistique cl Bayreuth
Prinzipal,16 Fuß; Prinzipal 32 Fuß heißt (1897); La Mara, Das Bühnenlestspiel Ü~
Flauto de 52 (die Benennungen der kleineren Bayreuth (1877); Albert v. Puttkamel',
Seitenstimmen entsprechen den anderweit Fünlzig Jahre B. (Berlin 1927). Vgl. auch
gebräuchlichen: Prinzipal 4 Fuß heißt Oc- die Spezialarbeiten von H. v. Wolzogen
tava, Prinzipal 2 Fuß = Quincena, d. h. (s.d.)undArthurPrüferu. a. Vgl.Ansbach.
Bazin - Beaumarchais. 127
Bazin (spr. basä.ng), Fran~ois Emanuel und Letter ... on the Improvement 01 Psal-
J oseph, * 4. Sept. 18 16 zu Marseille, t 2. mody in Scotland 1778 (1829). Seine Bio-
Juli 1878 in Paris; Schüler des Pariser Kon- graphie schrieb M. Forbe (1806, 2 Bde.).
servatoriums, erhielt 1840 den Römerpreis, Beauchamps (spr. böschang), Pierre
wurde nach der Rückkehr aus Italien (1844) Fran~ois Godard de, * 1689 und t 1761
Gesangsprofessor, 1849 Harmonieprofessor, zu Paris; schrieb Recherches historiques sur
1871 Nachfolger des zum Direktor avan- les tMdtres de France depuis l' annee I I6I
sierten A. Thomas als Kompositionsprofes- jusqu'a present (1735) und Bibhotheque des
cor am Konservatorium, 1872 Nachfolger thecitres (Aufzählung der aufgeführten Dra-
von Carafa als Mitglied der Akademie. Von men, Opern usw. nebst Notizen über Ton-
seinen 9 komischen Opern hat sich keine auf künstler usw., 1746).
dem Repertoire erhalten; die erfolgreichste Beaulieu (spr. böljö), Eustorg de, * ca.
war Le voyage en Chine. B. schrieb einen 1500 zu Beaulieu (Limousin), t 8. Jan. 1552
Cours d' harmonie theorique et pra#que und zu Basel, 1529 Priester, trat zum Protestan-
La musique a St.-Malo (1886). tismus über und war Pfarrer zu Therrens
Bazzini, An tonio, ausgezeichneter Vio- (Kanton Waadt), gab eine Sammlung geist-
linvirtuose und gediegener Komponist, * 11. licher Lieder heraus (Clzrestienne Rejouis-
März 1818 zu Brescia, t 10. Febr. 1897 zu sance, Genf 1546), die 30 Nummern a 3-4 v.
Mailand, Schüler des Kapellmeisters Fau- von B. selbst enthält; auch J. Modernes
stino Camisani zu Brescia, spielte 1836 vor Parangon des Chansons (1538) bringt 3 Ge-
Paganini, der ihm riet, zu reisen. B. ging sänge von ihm. Vgl. Georges Becker, E. de
nach verschiedenen kürzeren Reisen 1841 bis B. (1880) und E. Fage, E. de B. (Bulletin
1845 nach Deutschland, wo er besonders in de la Societe des lettres, sciences et arts de
dem damals in höchster musikalischer Blüte la Correze 1880).
stehenden Leipzig länger verweilte und sich Beaulieu (spr. böljö), Marie Desire Mar-
für deutsche Kunst, besonders aber für Bach *
tin, 11. April 1791 zu Paris, t im Dez. 1863
und Beethoven, begeisterte. Nach mehr- zu Niort; Schüler von Mehul, erhielt 1810
jährigem Aufenthalt in Italien ging er 1848 den Römerpreis, machte indes von dem Sti-
nach Spanien und Frankreich und ließ sich pendium keinen Gebrauch, sondern verhei-
1852 in Paris nieder. 1864 zog er sich nach ratete sich bald darauf und zog sich nach
Brescia zurück, um sich ausschließlich der Niort zurück, wo er einen Musikverein be-
Komposition zu widmen, folgte jedoch 1873 gründete, der sich allmählich zu der Asso-
einem Rufe als Kompositionsprofessor ans ciation musicale de l'Ouest auswuchs, welche
Mailänder Konservatorium, dessen Direktor seit 1835 alljährlich ein großes Musikfest mit
er 1882 wurde. Als Komponist stand B. wechselndem Sitz veranstaltete. Diesem
unter dem Einfluß Deutschlands. Unter Vereine veFmachte er 100 000 Franken. Auch
seinen Werken stehen die sechs Streich- der Pariser Verein für klassische Musik ist
quartette und das Streichquintett obenan, seine Schöpfung. Außer einer stattlichen
doch hat er auch mit Chor- und Orchester- Reihe Kompositionen (Opern: A nacreon und
kompositionen glückliche Würfe getan: La Philadelphia; lyrische Szenen: j eanne d' Are
risurrezione di Cristo, Sinfonie - Kantate und Psyche und Amor; Otatorien, Messen,
Sennacheribbo, der 51. und 56. Psalm, Ou- Hymnen, Orchesterstücke, Violinphanta-
vertüren zu Alfieris Sau I und Shakespeares sien, Sologesänge usw.) hat B. mehrere
König Lear (op. 68) und eine sinfonische Schriften veröffentlicht (aber den Rhythmus"
Dichtung: Francesca da Rimini. Dagegen seine Wt'rkungen und t'hre Ursachen 1852;
hatte er mit der Oper Turandot (Mailand aber die Oberbleibsel altgriechischer Musik im
1867) kein Glück. christlichen Kirchengesange; aber den rechten
Beach (spr. bitsch), Mrs. H. H. A. (Amy Charakter der Kirchenmusik 1858; aber die
Marcy, 1885 verheiratet, geb. Cheney), * 5. Kirchentonarten in Volksmelodien 1858; 0 ber
Sept. 1867 zu Henniker (N. Hampshire), den Ursprung der Musik 1859).
Schülerin von E. Perabo in Boston, machte Beauquier (spr. bökje), Charles, franz.
sich als Pianistin und Komponistin einen Musikschriftsteller, * 19. Dez. 1833 zu Be-
Namen: Gälische Sinfonie ap.32 (1896), Kla- san~on, t .... ; längere Zeit Mitarbeiter der-
vierkonzert ap. 45, Messe op. 5, große Chor- Revue et Gazette musicate, Dichter des Li-
werke mit Orchester, The Minstrel and the brettos von Lalos Oper Fiesque, schrieb:
King op. I6 (Männerchor), jubilate ap. I7, Philosophie de la musique (1865), La musi-
The Chambered Nautilus op. 66, Service in que et le drame (1884), Les musiciens Franc-
A op. 63, Violinsonate op. 34, Klavierkon- Comtois (1887), Chansons populaires recueil-
zerte Cis dur op. 45 und Fis moll op. 67, lies en Franche-Comte (1894). Seit 1870,
Klaviervariationen überThemen vom Balkan war B. mehrmals Mitglied der Deputierten-
op. 60 und viele kleinere Gesangssachen kammer.
(Arie jephthah's Daughter, op. 53, Mother Beaumarchais (spr. bömarsche), Seig--
Songs op. 69) und Klavierstücke. Vgl. P. neur de Pierre Augustin Caron, franz. Dichter,
Goetschius, Mrs.H.H.A. B. (Boston 1906). * 24. J an. 1732, t 18. Mai 1799, hier zu er-
Beattie (spr. biWi), James, * 25. Okt. wähnen als fertiger Spieler der Harfe, in
1735 zu Lawrencekirk (Schottland), t 18. welcher Eigenschaft er auch an den Hof
Aug. 1803 zu Aberdeen als Professor der Ludwigs XV. gelangte, und vor allem als
Moralphilosophie; schrieb Essays on Poetry Dichter einer Figaro-Trilogie: Le Barbier de
and Music as they allect theMind 1776(1779) Seville (1772, erste Aufführung 1775), Le
128 Beauvarlet.Charpentier - Bechstein.

Mariage de Figaro ou la folle iournee (I781, hab8n (oben weiter sind); auch die erweiter-
aufgeführt 1784), La Mere Coupable (1792), ten Enden der Schallkörper der Holzblas-
aus der die beiden ersten Stücke Anlaß zu instrumente (besonders der Klarinetten)
den Meisterwerken Rossinis und Mozarts ge- heißen B. (Schalltrichter). Vgl. auch Stürze.
geben haben. Becher, Alfred Julius, * 27. April 1803
Beauvarlet-Charpentier (spr. böwarle zu Manchester von deutschen Eltern, t 23.
scharpangtje), Jean-Jacques B., genannt Nov. 1848 zu Wien (standrechtlich er-
Charpentier, * 1730 zu Abbeville, t 1794 zu schossen wegen Teilnahme an der Revolu-
Paris, bedeutender Organist (zuerst in Lyon, tion), kam als Kind nach Deutschland,
seit 1771 in Paris an St. Victor und St. Paul, war kurze Zeit Advokat in Elberfeld,
endlich an Notre Dame). Im Drucke erschie- wandte sich aber musikalischen Studien
nen Orgelfugen op. I und op.6, 12 Noels und der Komposition zu, lebte als Zeitungs-
varies pour l'orgue op. I3, Klaviersonaten und redakteur zu Köln, ging dann nach Düssel-
ein Journal d'orgue a l'usage des paroisses et dorf, dem Haag und wurde in London 1840
communautes religieuses (12 Hefte). Vgl. G. Harmonielehrer an der Kgl. Musikakademie,
Servieres, Trib. de St. Gervais, Dez. 1922. wandte sich aber schon 1841 nach Wien,
Sein Sohn Jacques-Marie, * 3. Juli 1766 wo er als Musikkritiker Ansehen erlangte
zu Lyon, tim Nov. 1834 zu Paris, war wie Eine größere Anzahl Klavierkompositionen
J.- J. B. gleichfalls Organist an St. Paul, und Lieder von B. sind im Druck erschienen,
später an St. Germain. Von ihm Sonaten auch einige Schriften: Das niederrheinische
für Klavier und Violine op. 2, 3, 8 u. a. Musikfest, ästhetisch und historisch betrachtet
Bebisation s. Solmisation. (1836) und J enny Lind, eine Skizze ihres
Bebung (französisch Balancement) war Lebens (1846 [1847]). Eine Sinfonie und ein
eine Spielmanier auf dem Klavichord, die Streichquartett blieben ms.
auf dem Pianoforte (heutigen Klavier) nicht Becher, J osef, * 1. Aug. 1821 zu Neu-
möglich ist; sie wird hervorgebracht durch kirchen (Bayern), t 23. Sept. 1888 in Min-
wechselnden Druck des Fingers auf der traching bei Regensburg, 1846 Priester,
angeschlagenen Taste, ohne daß die Tan- Seminarpräfekt und Chorregent in Amberg,
gente die Saite losläßt. Die B. wurde ver- seit 1878 Pfarrer zu Mintraching, hat eine
langt durch···· über der Note. Etwas dem große Zahl kirchlicher Kompositionen ge-
Ähnliches ist~ Beben des Tons der Streich- schrieben (allein über 60 Messen).
instrumente, auch der Zither und Gitarre, *
Bechgaard, Julius, 19. Dez. 1843, t 4.
das in einem leichten Schwanken der Ton- März 1917 in Kopenhagen, studierte an den
höhe besteht und durch eine schnell zitternde Konservatorien zu Leipzig und Kopenhageu
Bewegung des auf die Saite gesetzten Fingers (Gade), schrieb größere Liederzyklen (See-
hervorgebracht wird (vibrato); auch das mannsleben op. 9, und Idyllen nach Carl
Vibrato der Singstimme (das von dem Andersen), eine Musik zu Holger Drach-
fehlerhaften Tremolieren streng zu nnter- manns Strandby-Folk, eine Konzertouvertüre
scheiden ist) ist ein damit vergleichbarer ( E moll) und die Oper Frode (Kopenhagen,
Effekt. übermäßiger Gebrauch solcher Ma- Kgl. Theater; auch inPrag 1893); alles Werke
nier wirkt abstumpfend und läßt den Vortrag von einer spezifisch nationalen Färbung.
weichlich erscheinen. Großer Beliebtheit er- Bechstein, Fr. W. Carl, Klavierfabrikant,
freute sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts * I. Juni 1826 zu Gotha, t 6. März 1900 zu
das ebenfalls in dieselbe Kategorie gehörige Berlin, arbeitete zuerst in verschiedenen
Ondeggiando (s. d.) der Streichinstrumente. deutschen Pianofortefabriken, war 1848 bis
- Irrig ist die durch H. von Bülow auf- 1852 Geschäftsführer von G. Perau in Berlin,
gebrachte Meinung, daß die mit Bögen ver- machte dann noch Studienreisen nach
sehenen Tonrepetitionen in Beethovens op. London und Paris, wo er bei Pape und
69, Io6 und IIO sowie im Adagio des Quar- Kriege1stein arbeitete, und etablierte sich
tetts oP.59II und in der Quartettfuge 1853 mit bescheidenen Mitteln zu Berlin.
op. I33 ein der B. ähnliches schwaches Binnen kurzem nahm die Fabrik einen
Wiederangeben des Tons bedeuten (op. I33): großen Aufschwung; die größten Klavier-
meister fingen an, sich für Bechsteins
Fabrikate zu interessieren (H. v. Bülow);
so daß B. sich mehr und mehr dem Bau
großer Konzertflügel zuwandte. Der Be-
trieb wurde allmählich so groß, daß B.
Vielmehr soll in allen diesen Stellen der im Jahre 1897 eine vierte Fabrik bauen
Bogen nur anzeigen, daß der erste Ton voll mußte. Vor dem Kriege waren ca. IIoo
ausgehalten und der zweite abgestoßen wird, Arbeiter beschäftigt, die jährlich 4700 Flügel
die zweite Tongebung aber ohne Bogen- und Pianinos herstellten. Die Instrumente
wechsel nur durch verstärkten Druck her- B.s gehören zu den höchstangesehenen im In-
vorgebracht. Vgl. A. W. Thayer, Beet- und Auslande. Die Briefe H. v. Bülows an
h011en Band V, S.296. B. gab R. Graf du Moulin-Eckart heraus
Becarre (französisch, spr. biikarr'), s. v. w. (München 1927: Neue Briete H. v. Bülows).
Auflösungszeichen, ~ (B quadratum) : s. B. Bechstein, Lud w i g, der bekannte N 0-
Becher (Schallbecher) heißen die Auf- vellist, *24. Nov. 1801 in Weimar, "l14.Mai
sätze(s. d.) der Zungenpfeifen der Orgel, 1860 in Meiningen als Archivar, schrieb u. a.
welche meist eine becherförmige Gestalt die musikalisch interessanten Bücher: Fahr-
Beck. 129'

ten eines Musikanten [Daniel Elster) (1836