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Unser Hobby? Die Lobby!


Strasser und die Folgen: Eine kleine Gruppe gieriger "Berater" hat die politische Klasse diskreditiert und vielleicht
auch geschmiert. Die Justizministerin entschärfte zuerst das Korruptionsgeseu. Nun verspricht sie Härte

BERICHT : FLORIAN K LENK

ielleicht fühlt sich Walter Meisch- maligen Finanzministers Ferdinand La-

V berger nun" bestätigt. Vielleicht


verspürt der .supernackte" Lobby-
ist der Nation sogar ein gewisses Maß an
cina (SPÖ), sitzt in seinem modernen Alt-
baubüro am Mariahilfer Loquaiplatz. Er
hat mit Kommunikationsberater Rosam
Befriedigung. Hatte er nicht schon im Mai ein großes LobIiyistennetzwerk über die
vergangenen jahres vorausgesagt, was die Stadt gespannt. Vielen ist das nicht ganz
Sunday Times da enthüllte? Meischberger, geheuer, ein gigantischer Lobbymonopo-
der Ex-FPÖ-General, saß damals in seiner list sei da im Entslehen, heißt es. Ecker aber
noblen Wahlheimat Grinzing, nippte an sagt, er sei sauber, seine PR-Profis würden
seinem Caff~ Latte und fragte: . lch soll kor- sechs Millionen Umsatz erarbeiten, und
ruptsein? Dann kann man ganz Österreich das mit ehrlicher PR-Arbeit. Zurzeit lobby-
ins Gefängnis bringen! " iert .Ecker und Partner" etwa für eine Le-
Man möge sich doch, riet Karl-Heinz bensmittelbrancbe, die er aber trotz aller
Grassers Trauzeuge, die Geschäfte von EU- Transparenz nicht nennen will. Ecker sam-
Parlamentarier Ernst Strasser ansehen. melt die Argumente der Branche und trägt
Der würde doch auch Geld scheffeln, weil sie der Politik vor. Er erstellt Sitzungsproto-
er .zur richtigen Zeit im richtigen Biotop" kolle und Leistungsverzeichnisse.
schwimme.
KannmanalsLobbyistsauberbleiben? "Ja, das
Daswaren prophetische Worte von einem, der geht. Du musst nur einige Regeln beach-
rund zehn Millionen Euro .Provision" von ten." Den Auftraggeber offenlegen, die In-
Banken, Glücksspielfirmen, Baukonzer- teressen der Klienten offen legen - und bei
nen und Telekomunternehmen kassierte - manchen Ansinnen aufstehen und gehen.
und sich dann fragte, worin seine Leistung . Ausschreibungslobbying etwa", sagt
bestand . Ecker, sei .ein besonders grenzwertiges
• Ganz Österreich" wird nicht im Ge- Geschäft". Wenn Immobilien verkauft,
fängnis sitzen - aber auf der Beschuldig- Waffen " beschafft, Staatsfirmen filetiert
tenbank der Republik herrscht Gedränge werden, dann gescbehe das zwar offiziell
(siehe Kasten). Und die Öffentlichkeit wird in geheimen Bieterverfabren. Doch man-
wütend, bei all dem .special smell" (Ernst che Konzerne wollen schon vorher wissen,
Strasser), den die vielen .Lobbyisten" die- wie viel sie bieten - und ob sie in Parteizei-
ser Tage verströmen. Selbst politischen tungen inserieren müssen. Die Causa Bu-
Köpfen fallt es schwer, zwischen Lobbyis- wog, aber auch die Beschaffung der Euro-
ten, institutionalisierten Interessenvertre- figbterwaren vielleicht solche Fälle.
tern und Schmiergeldempfängern zu un- Was Ecker in Hintergrundgesprächen
terscheiden. Doch die Geschäfte Letzterer über die dunklen Seiten der Branche er-
haben zu einer Diskreditierung nicht nur zählt, ist atemberaubend, aber offenbar
des Berufsstandes, sondern der politischen Gewohnheit. Dagibtes Kunden, die bei PR-
Klasse geführt. Aufträgen ungeniert Kickbacks fordern. Er
.Unsere Branche ist tot", sagt nun Wolf- hörte von Waffenfabrikanten, die als Erstes
gang Rosam, einer der mächtigsten .Kom- einmal die Kontonummern der Parteien er·
munikationsberater" Wiens. Von .Out- fragen. Da erscheinen Provinzpolitiker, die
sourcing von Bestechung" spricht Walter beim Abendessen vom Töchterchen erzäh-
Geyer, Chef der Korruptionsstaatsanwalt- len, das als Sportlerin von der großen Karri -
schaft in seinem aktuellen Jahresbericht, ere träumt, wenn da nur ein potenter Spon-
wenn er über Lobbyisten beric htet. Franz sorein wenig nachhelfen könne. "Da musst
Fischler, einst EU-Kommissar und heu- du aufstehen und böflich ,Leckts mich' sa-
te ein seriöser Berater, klagt, dass Strasser gen", sagt Ecker.
und Konsorten .so arg und so dumm und so Was aber versteht einer wie er un-
primitiv" agiert hätten, wie man dies nicht ter sauberem Lobbying? Ein seriöser Auf-
für möglich gehalten habe. trag, sagt Ecker, bringe der Agentur 10.000
Was also ist denn noctrerlaubt?Und wie Euro im Monat. Wenn aber einer in weni-
regelt man die Branche? Dietmar Ecker je- gen Wochen das jahresgehalt eines Sekti-
denfalls beteuert: . Diese Herrschaften, onschefs verrechne, dann sei dieser "Lob-
Strasser und Meischberger, haben mit uns byist" mit hoher Wahrscheinlichkeit nur
nichts zu tun." Ecker, Ex-Sprecher des da- der . Durchlauferhitzer für illegale Partei-

Lobbyismus und Korruption


Grasser, Strasse r, Meischberger, Rumpold , Mensdorff und die anderen: die Korruptionsbehörden ersticken
;n der Aufarbeitung des lobbyistenwesens. Wie käuflich ist die Politik? Wie wird l obbyismus wieder sauber?

Lobbyisten
Der Fall Strasser und die Folgen: eine Erkundung 10
Geld für Gesetze?
Die . lex Novoma tic~ : eine Rekonstruktion 12
Gespräch
Der Bautycoon Hans Peter Haselsteiner über Österreichs Sitten 16
POLITIK FALTER 1311 11
enfinanzlerung", einer, über den die Par·
teien an das Geld .zuwlkommen", wie dies l.wo war die Leistung?
Uwe Scheuch in seinem legendären mltge·
schnittenen Gespräch mit russischen In· I Ein Vberblick über die
vestoren klarstellte. I Akten der Korruptions-
Kann man die!e Unsitten bekJmpfen7 Georg I staatsanwaltschaft
Kathrelns Kopf raucht über dieser Frage. .
Der Sektionsleiter im Justizministerium I :: Die Korruptionsbehörden haben dieser
scbreibt derzeit auf Anordnung von Jus· Tage einiges zu tun. EmslStra ..er legt sei·
tizminlsterln Claudla Bandlon·Ortner an I ne Parteimitgliedschaft .ruhend", weil er
einem neuen Lobbyistengesetz. Die Jus· Geld für Gesetze gefordert haben soll.
tizministerin will eine LObbyistendaten· I In Kärnten, so News, geriet die Werbeagen·
bank, ein Berufsverbot für Korruptionis· tur Conneet ins Visier der Justiz, weil sie
ten, einen amtlicben Richtwert für ibre I der versteckten Parteienfinanzierung ge·
Honorare. dient haben soll. Der politisch verantwort·
Klingtvernünftig,doc.hwirdeswasnüt· I liehe Kärntner FPK·Chef, der Strache-Ver·
zen? .Eln Lobbyistengesetz Ist In der Se· bündete Uwe Seheueh, bereitet sich derweil
kunde, wo es erlassen ist, bereits umgan· I auf seinen Strafprozess vor, weil er für die
gen", glaubt der Lobbyist Manfred Ritter. I Parteikasse - .no na net, part of tbe game"
Scbon jetzt würden ja auch Anwälte lob· - von Russen ein paar Millionen für Reise·
byieren. Für Kasachstans Regierung etwa I pässe gefordert baben soll.
lobbyleren die besten Anwälte bel Medien Dazu kommen weitverästelte Fälle: die
und Politik. I Causa rund um den Ex·Grasser·Geschäfts·
Ritter, Eigentümer der Agentur Soar partner Peter Hoeheuer etwa, der Telekom·
Consultlng sitzt im sechsten Stock des I Betriebsräte, rote Abgeordnete und Ernst
Hochhauses in der Herrengasse. Kunden Strasser mit Aufträgen einseifte - und der·
können hier laut Website .Kontakte zu 10- I weil Millionen von den Spezis bei Finanz·
kaien Entscheidungsträgern" im Osten er· ministerium und staats nahen Betrieben
hoffen. Was das bedeutet? Nichts Anrüchi· I kassierte.
ges, beteuert Ritter. Er holt aus, um seine Dann ist da die "Causa Eurocontact".
Profession zu erklären: Er handelte früher I Hier wird Strabag·Chef Hans Peter Hasel·
mit Getreide, Fleisch, Holz. Irgendwann steiner (siehe Interview Seite 16) richtig
begann er sein Wissen über den Osten Fir· I wütend. Es geht für ihn um viel. 15 Millio·
men zur Verfügung zu stelien. Wenn etwa nen Euro überwies Haselsteiner an den Ex·
eine Firma von einer osteuropäischen Be· I Natiönalratsabgeordneten Alexander Zach
hörde bei einer Lizenzvergabe übergan· und desse n Geschäftspartner loitan Auel,
gen wird, dann versucht Ritter das Prob· I weil die ihm einen I,S·Milliarden·Auftrag
lern zu lösen. Mit Schmiergeld? .lch bin in Ungarn vermittelt haben sollen - und neo
doch nicht verrückt", sagt Ritter, .so funk· I benbei Millionen in parteinahe Stiftun·
tioniert das nicht." Seine Arbeit sei hoch· gen steckten. Haselsteiner bestreitet jede
professionell. Der Osten sei moderner und I Bestechungsabsicht, den Auftrag habe er
weiter, als man in Wien denkt. scbon vgr den Parteispenden in der Tasche
Auch Ritter beschwert sich ü.ber .Lob· gehabt.
byisten", die sieb mit ibrer Anything·goes· Dann ist da die Causa Horst Pöchhacker.
Mentalität alles erlauben wUrden und die Der Ex·Porr·Chef überwies (teilweise über
besten Kontakte zu den Kassenwarten der Mittelsmänner) Walter Meisehberger rund
Parteien aufbauten, obne dies auch nur ir· 1,5 Millionen Euro für die Vermittlungvon
gendwle anstößig zu finden. Ritter sagt: staatlichen Immobiliendeals. Worin die
•Wenn man für so etwas einmal in den Hä· Leistung bestand, das hat .Meischi" ver·
fen geht, würde sich schon viel ändern." gessen. Empört zeigt sich der heutige ÖBB·
Doch die Korruptionsbehörden dar· I Aufsichtsratsboss, wenn man ihn auf die
ben dahin, die Antlkorruptionsgesetze AIr're Rail·Cargo anspricht. Im Zusammen·
wurden auf Drängen der ÖVP zum .toten I hang mit der Ubernahme der ungarischen
Recht" erklärt, wie es Franz Fiedler von MAV·Cargo durch die heimische Staats·
Transparency International ausdrückt. I babn wurde ein 7,1 Millionen schwerer
Den .unverblümt vorgetragenen Wün· I Beratervertrag mit dem Lobbyisten Andr:is
sehen von potenten Anfütterern" sei . be· Gulya geschlossen. Schmiergeld nach Uno
reitwillig entsprochen" worden, rügte der I garn? .Nein", sagt pöchhacker. Man kön·
Ex·Justiz·Sektionsleiter Wolfgang Bogens· ne ausserdem .nicht bei jedem Berater re·
berger. Noch schwieriger Ist es für die JUs· I cherchieren, was er mit seinem Honorar
tlz, den Beweis zu erbringen, dass Lobby· macht".
isten ihr Honorar an Politiker weitergege· I Das dachte sich die Justiz auch in der
·
~
ben haben.
Und so bleibt wohl nur die Chance, das !
ein paar Dimensionen größeren Cau·
sa Euroftghter. Gernot Rumpold, einst Hai-
z
Problem am anderen Ende der Verteilerket· ders Mann fürs Grobe, musste kein einzi·
·• te anzupacken: bei den Abgeordneten, die
sich nun als korrupte Geldsäcke dlskredi·
I ges Konto öffnen, ehe sein Fall geschlossen
wurde. Erkassiertesechs Millionen von der
tiert fühlen, obwohl ihnen nach Abzug aI· I Eurofighter·Lobby, 90.000 Euro allel ne für
ler Abgaben rund 3000 Euro netto bleiben. die Organisation einer Pressekonferenz.
I Zu diesem Themenbereich gehört auch
Ein Vorbild könnte Großbritannien sein. Wer der Fall des Alfons Mensdorlf· Pouilly. Der
demHouseofCommonsangehört,dermuss I Rüstungslobbyist hatte das Kabinett von
in einem Oniine·.Mitgiiederregister" Innenminister Ernst Strasser ins schotti·
nicht nur seine Jobs eintragen, sondern je· I sehe Luxusschloss Dalnagiar zur Edeljagd
des noch so kleine Geschenk, jede Dienst· geladen, wie von der Justiz .übersehene"
reise, jeden Aktienbesitz. Exkanzler Alf· I E·Mails Strasser bewiesen. Danach warfen
red Gusenbauer, der heute als Aufsichtsrat Ihm britische Korruptionsfahnder .aggres·
für die Strabag und als Berater für die kasa· I sive Bestechung" von österreich ischen,
chisehe Regierung arbeitet, hatte dem Na· tschechischen und ungarischen .Entschei·
tionalrat einst vorgeschlagen, genau so ein I dungs trägern" bei Waffendeals vor. Wiens
Register einzuführen. Die eigenen Genos· -1 Justiz hat die Akte angefordert.
sen lachten ihn aus. 'I F LO R I A N K L E N K