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Landschaftsgärten des 18.

und 19. Jahrhunderts.


Beispiele deutsch-britischen
Kulturtransfers / Landscape
Gardens in the 18th and 19th
Centuries: Examples of
British-German cultural
transfer
Herausgegeben von
Franz Bosbach
Gert Gröning

K. G. Saur
Prinz-Albert-Studien
Prince Albert Studies
Prinz-Albert-Studien
Prince Albert Studies

Herausgegeben von / edited by


Franz Bosbach

Band 26 / Volume 26
Landschaftsgärten des
18. und 19. Jahrhunderts
Beispiele deutsch-britischen Kulturtransfers

Landscape Gardens in the


18th and 19th Centuries
Examples of British-German cultural transfer

Herausgegeben von
Franz Bosbach und Gert Gröning

K · G · Saur München 2008


Gedruckt mit Unterstützung von:
Niederfüllbacher Stiftung
Universität Bayreuth

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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten
sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

U
Gedruckt auf säurefreiem Papier / Printed on acid-free paper
© 2008 by K. G. Saur Verlag, München
Ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG
Alle Rechte vorbehalten / All Rights Strictly Reserved
Jede Art der Vervielfältigung ohne Erlaubnis des Verlags ist unzulässig
Satz / Typesetting by PTP-Berlin GmbH
Druck und Bindung / Printed and bound by Strauss GmbH, Mörlenbach
Printed in Germany
ISSN 0941-6242 (Prinz-Albert-Studien)
ISBN: 978-3-598-21426-4
Hermione Hobhouse,
in gratitude
Inhalt/Contents

Verzeichnis der Abbildungen/List of Illustrations . . . . . . . . . . . . . . . . 8

Franz Bosbach
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

Gert Gröning
Einleitung: Über deutsch-britischen Kulturtransfer
in der Landschaftsarchitektur des 18. und 19. Jahrhunderts . . . . . . . . . . . 17

David Watkin
The Influence of English Royal Gardens on the Continent
in the 18th Century . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

Gert Gröning
Hermann Fürst von Pückler-Muskau und Humphry Repton:
A Map of Influence . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49

Uwe Schneider
Landschaftlich versus geometrisch: Hermann Muthesius
und die (Wieder-)Entdeckung geometrischer Gartenprinzipien in England . . . 79

Uwe Jens Wandel


Von Gotha nach Kew – von Kew nach Gotha. Zur Entstehung des Englischen
Gartens in Gotha . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107

Jens Scheffler
„Kunstlos und wahr hervorzubringen gewusst . . . “ – Ein Beitrag zur Geschichte
und aktuellen Situation des Englischen Gartens im Schlosspark Gotha . . . . . 137

Alfred Schelter
Der Rosenauer Schlosspark – Ein mittelalterlicher Traum . . . . . . . . . . . . 145

6
Inhalt/Contents

Rolf Kirsch
Der Landschaftspark von Schloss Callenberg bei Coburg . . . . . . . . . . . . 165

Helmut Wiegel
Zur Geschichte des Coburger Hofgartens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179

Frances Dimond
Prince Albert’s Gardens in Britain . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191

Autorenverzeichnis/List of Contributors . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207

7
Verzeichnis der Abbildungen/List of Illustrations

Ill. 1.1: “The Wilderness at Kew Gardens, with the Alhambra, Pagoda
and Mosque”, from William Chambers, Plans and Perspective
Views of the Gardens and Buildings at Kew, 1763. . . . . . . . . 33

Ill. 1.2: Plan of the park at Hohenzieritz in 2000. . . . . . . . . . . . . . 35

Ill. 1.3: The park at Harbke. Engraved 1782 by Geyser. . . . . . . . . . . 37

Ill. 1.4: Plan of the park at Richmond, Brunswick, c. 1800. . . . . . . . . 39

Ill. 1.5: View of the park and Lustschloss at Richmond, Brunswick. En-
graved c. 1800. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39

Ill. 1.6: Temple of Mercury in the Englischer Garten at Gotha. . . . . . . 40

Ill. 1.7: The Steinhoffer waterfall, near the Löwenburg, Wilhelmshöhe,


in 1825, by H. and J. H. Bleuler. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

Ill. 1.8: Flower Garden at Nuneham, 1777. Engraved by W. Watts after


Paul Sandby. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

Ill. 1.9: The park at Schloss Wörlitz with the Pantheon. . . . . . . . . . . 44

Ill. 1.10: Heilige Insel in the Englischer Garten at Gotha. Engraved


c. 1820. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45

Ill. 1.11: Prince de Croy, “jardin a l’angloise”, from G.-L. Le Rouge, Nou-
veau jardins à la mode, 1775. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47

Ill. 1.12: Englischer Garten at Munich, with Monopteros by Leo von


Klenze. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48

Abb. 2.1: Muthesius vor seinem Landhaus in Berlin-Zehlendorf im Alter


von rund 60 Jahren, in: Ausstellungskatalog Hermann Muthesius
im Werkbund-Archiv, Berlin 1990, 45. . . . . . . . . . . . . . . . 80

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Verzeichnis der Abbildungen/List of Illustrations

Abb. 2.2: Ausschnitt Lageplan, Gartenstadt Dresden-Hellerau, 1911; Mit-


wirkung von Hermann Muthesius, in: Hermann Muthesius,
Landhäuser, München 1912, 153. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81

Abb. 2.3: Ansicht Seidenweberei Michels & Cie., Potsdam-Babelsberg,


Hermann Muthesius, 1911, in: Leberecht Migge, Die Gartenkul-
tur des 20. Jahrhunderts, Jena 1913, 46. . . . . . . . . . . . . . . 81

Abb. 2.4: Landhaus Heinrich von Seefeld, Berlin-Zehlendorf, Hermann


Muthesius, 1904/5, in: Julius Posener, Berlin auf dem Wege zu
einer neuen Architektur. Das Zeitalter Wilhelms II, Berlin 1995,
136. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82

Abb. 2.5: Entwurf „Landhaus für einen reichen Besitzer“, Hermann Mu-
thesius, 1892. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83

Abb. 2.6: Landsitz Johnston, Zweibrodt, Schlesien, Ausschnitt mit Tee-


haus, Eduard Neide, vor 1884, in: Eduard Neide, Ausgeführte
Gartenanlagen, hg. v. Hermann Geitner, Berlin 1884, Tafel X. . . 84

Abb. 2.7: Muthesius und dessen Frau Anna im Vorgarten des Hauses „The
Priory“ in London-Hammersmith, nach 1896, in: Ausstellungs-
katalog Hermann Muthesius im Werkbund-Archiv, Berlin 1990,
16. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85

Abb. 2.8: „Ein Dutzend Englische Landhäuser“, Liste von Landhäusern,


die Muthesius kannte, in: Ausstellungskatalog Hermann Muthe-
sius im Werkbund-Archiv, Berlin 1990, 26. . . . . . . . . . . . . 86

Abb. 2.9: Lageplan Landhaus New Place, Haslemere, Charles Francis An-
nesley Voysey, 1897, in: David Ottewill, The Edwardian Garden,
New Haven 1989, 104. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86

Abb. 2.10: Südwest-Ansicht Landhaus Cramer, Berlin-Dahlem, Hermann


Muthesius, 1911/12, in: Dekorative Kunst 22 (1918), 13. . . . . . 87

Abb. 2.11: Lageplan Landhaus Cramer, Berlin-Dahlem, Hermann Muthe-


sius, 1911/12, in: Dekorative Kunst 22 (1918), 10. . . . . . . . . . 88

Abb. 2.12: Titelblatt Reginald Blomfield und F. Inigo Thomas, The Formal
Garden in England, London 1 1892. . . . . . . . . . . . . . . . . . 90

Abb. 2.13: Ansicht Kingston House, Bradford on Avon, Wiltshire, in: Re-
ginald Blomfield und F. Inigo Thomas, The Formal Garden in
England, London 1 1892, 105. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90

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Verzeichnis der Abbildungen/List of Illustrations

Abb. 2.14: Terrasse mit Blumenbeeten am Landhaus „The Grange“, Thomas


H. Mawson, ca. 1892, in: Thomas H. Mawson, The Art and Craft
of Garden Making, London 1901, 179. . . . . . . . . . . . . . . . 92

Abb. 2.15: Bepflanzter Plattenweg, Lilford Hall, Lilford, Northampton-


shire, Aufnahme 1909, in: Hans Kayser, Erinnerungen an die
Studienfahrt der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst nach
England, IV, Ein Tag bei Lady Lilford, in: Die Gartenkunst 12.2
(1910), 19. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

Abb. 2.16: Thomas H. Mawson, „Planting for Landscape Effect“, Kapitel


XII, in: Thomas H. Mawson, The Art and Craft of Garden Ma-
king, London 19001, 125. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

Abb. 2.17: Ansicht des „Waldabhangs“ zur Rehwiese, Landhaus Muthe-


sius, Berlin-Dahlem, Hermann Muthesius, 1906/9, in: Hermann
Muthesius, Landhäuser, München 1912, 167. . . . . . . . . . . . 94

Abb. 2.18: Gartenszenerie aus Munstead Wood, Surrey, Gebäude und Gar-
ten/Park ab 1896 in Zusammenarbeit mit Edwin Landseer Lu-
tyens und Gertrude Jekyll, in: Lawrence Weaver, Houses and
Gardens by E. L. Lutyens, London 1 1913, 13. . . . . . . . . . . . 95

Abb. 2.19: So genannter „Wald“, Landhaus Baron von Schuckmann, Berlin-


Zehlendorf, Hermann Muthesius, 1905, in: Hermann Muthesius,
Landhaus und Garten. Beispiele neuzeitlicher Landhäuser nebst
Grundrissen, Innenräumen und Garten, München 1907, 32. . . . 95

Abb. 2.20: Landhaus und Garten Aethelhampton, Aethelhampton, Dorset,


Francis Inigo Thomas, 1891–94, in: David Ottewill, The Edwar-
dian Garden, New Haven 1989, 15. . . . . . . . . . . . . . . . . 97

Abb. 2.21: Lageplan Landhausgarten Familie von Seefeld, Berlin-Zehlen-


dorf, Hermann Muthesius, 1904/5; Beschriftung in Englisch
durch den Verfasser, in: Haenel und Tscharmann, Das Einzel-
wohnhaus der Neuzeit, Leipzig 1909, Bd. 1, 87. . . . . . . . . . . 98

Abb. 2.22: Grundriss Landhaus Familie von Seefeld, Berlin-Zehlendorf,


1904/5; Beschriftung in Englisch durch den Verfasser, in: Hae-
nel und Tscharmann, Das Einzelwohnhaus der Neuzeit, Leipzig
1909, Bd. 1, 89. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98

Abb. 2.23: Titelblatt Fritz Encke, Der Hausgarten, Jena 1907. . . . . . . . . 99

10
Verzeichnis der Abbildungen/List of Illustrations

Abb. 2.24: Parterre, Holland House, Kensington, Aufnahme 1909, in: Rein-
hold Hoemann, Erinnerungen an die Studienfahrt der Deutschen
Gesellschaft für Gartenkunst nach England, VI, Holland-House.
Gunnersbury, in: Die Gartenkunst 12.6 (1910), 98. . . . . . . . . 102

Abb. 2.25: Ansicht „Pond Garden“, Hampton Court, Herefordshire, Auf-


nahme 1909, in: Reinhold Hoemann, Erinnerungen an die Studi-
enfahrt der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst nach Eng-
land, V, Hampton Court, in: Die Gartenkunst 12.3 (1910), 33. . . 103

Abb. 2.26: Lageplan „Pond Garden“, Hampton Court, Herefordshire, in:


Reinhold Hoemann, Erinnerungen an die Studienfahrt der Deut-
schen Gesellschaft für Gartenkunst nach England, V, Hampton
Court, in: Die Gartenkunst 12.3 (1910), 33. . . . . . . . . . . . . 103

Abb. 2.27: Bepflanzter Plattenweg, Lilford Hall, Lilford, Northamptonshi-


re, Aufnahme 1909, in: Hans Kayser, Erinnerungen an die Studi-
enfahrt der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst nach Eng-
land, IV, Ein Tag bei Lady Lilford, in: Die Gartenkunst 12.2
(1910), 19. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104

Abb. 2.28: „Neuzeitlicher Garten“, Gartenbau-Ausstellung, Breslau, Gar-


tenarchitekt Paul Hatt, 1913, Nachahmung des Pond Gar-
den, Hampton Court, in: Heicke, Die Breslauer Gartenbau-
Ausstellung zur Jahrhundertfeier, 3. Neuzeitliche Sondergärten,
in: Die Gartenkunst 15.18 (1913), 275. . . . . . . . . . . . . . . . 105

Abb. 3.1: Plan des Areals des späteren Englischen Gartens von Johann Bar-
tholomäus Orphal, um 1766, ThStA Gotha, Staatsministerium
Abt. Gotha – Kartenkammer Nr. 180/3. . . . . . . . . . . . . . . 129

Abb. 3.2: Plan des Englischen Gartens von Johann Bartholomäus Orphal,
1774, ThStA Gotha, Staatsministerium Abt. Gotha – Kartenkam-
mer Nr. 176/6. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131

Abb. 3.3: Der Merkurtempel im Englischen Garten Gotha. Photographie


von Francis Bedford 1858, Kunstsammlung der Veste Coburg. . 131

Abb. 4.1: Luftbild Schlosspark Gotha, 2005, Stiftung Thüringer Schlösser


und Gärten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137

Abb. 4.2: Portrait John Haverfield d. J. (1741/44–1820), ohne Datum; Hunt


Library Kew. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139

11
Verzeichnis der Abbildungen/List of Illustrations

Abb. 4.3: Partie im Herzoglichen Park (Blick zur Heiligen Insel), Ansichts-
karte um 1900; Privatbesitz. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140

Abb. 4.4: Blick über den Parksee zum Merkur-Tempel, Foto: Scheffler
2007; Privatbesitz. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141

Abb. 4.5: Der englische Garten, Plan 1890 von Gustav Zahn, in: Gustav
Zahn, Die Bäume und Sträucher der „Anlagen“ und des Herzog-
lichen Parks zu Gotha, Gotha 1891. . . . . . . . . . . . . . . . . 142

Abb. 5.1: Herzog Ernst III. von Sachsen-Coburg-Saalfeld, ab 1826 Herzog


Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha, Foto: Schelter. . . . . . 146

Abb. 5.2: Plan des Kammerguts Rosenau von 1806, Staatsarchiv Coburg. . 149

Abb. 5.3: Die Schlossterrasse mit dem Rundturm und der nachgotischen
Balustrade. Im Hintergrund der gotische Giebel eines Wirt-
schaftsgebäudes. Der Ausblick zur Lauterburg ist heute zuge-
wachsen, Foto: Schelter. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150

Abb. 5.4: Die Rosenau vom Süden in ihrer heutigen Architektur, wie
sie bereits gegen 1817, zur Vermählung mit Herzogin Luise
von Sachsen-Coburg-Saalfeld, ausgesehen haben dürfte, Foto:
Schelter. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151

Abb. 5.5: Bibliothek, Lünettenbild von Heinrich Naeke (1785–1835), Tho-


mas Rhymer wird von zwei weißen Hirschen ins Feenland ge-
führt, um 1816, Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser,
Gärten und Seen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152

Abb. 5.6: Turnier anlässlich der Hochzeit Herzog Ernst III. von Sachsen-
Coburg-Saalfeld mit Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg im
August 1817, Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser,
Gärten und Seen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152

Abb. 5.7: Gesamtplan von 1869, Foto: Schelter. . . . . . . . . . . . . . . . . 154

Abb. 5.8: Kastanienallee zum Schloss, Foto: Schelter. . . . . . . . . . . . . 155

Abb. 5.9: Teehaus, Foto: Schelter. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156

Abb. 5.10: Orangerie, Foto: Schelter. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156

Abb. 5.11: Blick aus dem Wald über den Schwanensee in Richtung Turnier-
säule, Foto: Schelter. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157

12
Verzeichnis der Abbildungen/List of Illustrations

Abb. 5.12: Schweizerei, im Hintergrund Schloss Rosenau, Bayerische Ver-


waltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. . . . . . . . 158

Abb. 5.13: Die Rosenau um 1820, Bayerische Verwaltung der staatlichen


Schlösser, Gärten und Seen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160

Abb. 5.14: Ernst II. und Albert im Ritterkostüm, Bayerische Verwaltung der
staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. . . . . . . . . . . . . . . . 161

Abb. 6.1: Callenberg, Blick vom Drehenweiher zum Schloss (1990), Dipl.-
Ing. Helmut Wiegel, Bamberg. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166

Abb. 6.2: Callenberg, Extraditionsplan von 1860, bearbeitet von Helmut


Wiegel, Bamberg, Vermessungsamt Coburg. . . . . . . . . . . . . 167

Abb. 6.3: Callenberg, das Cottage mit Kastanienreihe (1990), Dipl.-Ing.


Helmut Wiegel, Bamberg. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169

Abb. 6.4: Theodor Rothbart, Schloss Callenberg: The inner courtyard,


Royal Library, Windsor Castle, RL 20584, The Royal Collection

c 2008, Her Majesty Queen Elizabeth II. . . . . . . . . . . . . . 173

Abb. 6.5: Schloss Callenberg von Südosten, Ansichtskarte um 1910, Stadt-


archiv Coburg, Postkartensammlung. . . . . . . . . . . . . . . . 175

Abb. 7.1: Plan des Hofgartens, Justinus Bieler, 1690, Staatsarchiv Coburg,
Plan-Slg. 1119. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180

Abb. 7.2: Mausoleum und Veste Coburg, Georg Hohlweg, 1832, Kunst-
sammlungen der Veste Coburg, Slg. M362. . . . . . . . . . . . . 181

Abb. 7.3: Lennés Entwurf für Schlossplatz und Hofgarten, 1835, Staatsar-
chiv Coburg, Plan-Slg. 26. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183

Abb. 7.4: „Grundriss der Herzogl. Sächs. Residenzstadt Coburg“, 1843


(Ausschnitt), Forschungs- und Landesbibliothek Gotha, Sig.
Opp. Gr. 2˚ 198/8. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184

Abb. 7.5: Hofgarten Coburg, Uraufnahme, 1860 (Ausschnitt), Staatliches


Vermessungsamt Coburg, Stadtblatt Nr. 6, NW. CII. 19d. . . . . 186

Abb. 7.6: Blick von Schloss Ehrenburg über die Schlossplatzarkaden und
das Reiterstandbild Ernsts II. zur Veste, 1994. . . . . . . . . . . . 188

13
Verzeichnis der Abbildungen/List of Illustrations

Ill. 8.1: Prince Albert holding his straw hat, Osborne, August 1855. J. J. E.
Mayall, RCIN 2931346, The Royal Collection  c 2008, Her Ma-
jesty Queen Elizabeth II. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191

Ill. 8.2: A View of Prince Albert’s Swiss Cottage at Buckingham Pa-


lace, 1847. S. D. Swarbreck, RCIN 933137, The Royal Collection
c 2008, Her Majesty Queen Elizabeth II. . . . . . . . . . . . . . 193

Ill. 8.3: Deodara planted by Queen Victoria in the Slopes, Windsor Cast-
le, 1860. Roger Fenton, RCIN 2100066, The Royal Collection
c 2008, Her Majesty Queen Elizabeth II. . . . . . . . . . . . . . 195

Ill. 8.4: The Aviary, with the Dairy House beyond, Windsor Home Park,
1845. C. R. Stanley, RL 19772, The Royal Collection c 2008, Her
Majesty Queen Elizabeth II. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195

Ill. 8.5: Magnolia Grandiflora, planted by Prince Albert, 10 March 1846,


in the Flower Garden, Osborne, c. 1873. Attributed to Jabez
Hughes, RCIN 2102474, The Royal Collection  c 2008, Her Ma-
jesty Queen Elizabeth II. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197

Ill. 8.6: The Terrace at the Rosenau, Coburg, 1857. Francis Bedford,
RCIN 2102853, The Royal Collection  c 2008, Her Majesty
Queen Elizabeth II. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198

Ill. 8.7: The Small Drawing Room, Osborne, 1867. A. A. E. Disderi, co-
loured, RCIN 2102574, The Royal Collection  c 2008, Her Ma-
jesty Queen Elizabeth II. This photograph, including a chande-
lier with lampshades in the form of flowers, shows how the floral
theme at Osborne was continued indoors. . . . . . . . . . . . . . 200

Abb. 8.8: Photograph of the marble bas-relief, St. Hubert and the Stag, by
Thomas, taken in 1860. Unattributed, RCIN 2160098, The Royal
Collection 
c 2008, Her Majesty Queen Elizabeth II. . . . . . . 203

Ill. 8.9: Queen Victoria and Prince Albert in Court dress, after a Drawing
room at Buckingham Palace, 11 May 1854. Roger Fenton, colou-
red by E.H. Corbould, RCIN 2914323, The Royal Collection  c
2008, Her Majesty Queen Elizabeth II. . . . . . . . . . . . . . . 204

Ill. 8.10: Last Flowers from the Albert Room, December 1861. RA/VIC/
QV/FLB6, The Royal Archives  c 2008, Her Majesty Queen Eli-
zabeth II. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205

14
Vorwort

„Landschaftsgärten des 18. und 19. Jahrhunderts: Beispiele deutsch-britischen Kultur-


transfers / Landscape Gardens in the 18th and 19th Centuries: Examples of British-
German Cultural Transfer“ – so lautete das Thema der 26. Konferenz der Prinz-
Albert-Gesellschaft, die am 7. und 8. September 2007 jeweils für einen Tag in Co-
burg und in Gotha stattfand. Der vorliegende Band vereinigt die Vorträge, die teils
im Riesensaal von Schloss Ehrenburg in Coburg, teils im Spiegelsaal von Schloss
Friedenstein in Gotha und teils in den Parkanlagen an beiden Orten gehalten wur-
den. Sie lassen deutlich werden, dass Coburg und Gotha über ein reiches und bis
heute weitgehend wohl bewahrtes Erbe an Landschaftsgärten des 18. und 19. Jahr-
hunderts verfügen. In Gotha wurde dies den Konferenzteilnehmern zusätzlich durch
die Ausstellung „Gotha – im Reich der Göttin Freiheit – Der erste Englische Gar-
ten auf dem Kontinent“ verdeutlicht. Coburg und Gotha sind somit ideale Beispiele
britisch-deutschen Kulturtransfers, der – wie die Einleitung und die drei ersten Bei-
träge zeigen – für die Geschichte der Landschaftsgärten in Deutschland allgemein von
größter Bedeutung war. So wie der Englische Garten in Gotha verdanken auch die
drei Coburger Parks ihre Umgestaltung nach englischem Vorbild den Interessen der
im Lande herrschenden Dynastie. Da dieser Dynastie der Namensgeber unserer Ge-
sellschaft, Prinz Albert, entstammt, wird – thematisch passend – am Schluss dessen
gärtnerisches Wirken beleuchtet.
Allen Referenten sei für ihre Mitwirkung ebenso herzlich gedankt wie Patrick Tay-
lor für seinen in der Planungsphase erteilten hilfreichen Rat und meinem Mither-
ausgeber Gert Gröning für die Mitwirkung an Tagungsplanung, Veranstaltung und
Drucklegung.
Zu danken ist auch der Forschungsbibliothek Gotha, die den Spiegelsaal zu Ver-
fügung stellte, sowie Stadt und Landkreis Gotha für den Empfang, den Oberbürger-
meister Knut Kreuch und Landrat Konrad Gießmann ausrichteten.
Gedankt sei darüber hinaus allen Förderern der Veranstaltung für großzügig ge-
währte Unterstützung: der Stadt Coburg, der Niederfüllbacher Stiftung, der Sparkas-
se Coburg-Lichtenfels, der Universität Bayreuth und dem Universitätsverein Bay-
reuth.

15
Vorwort

Schließlich ist denen zu danken, die bei der Organisation der Tagung und bei der
Drucklegung dieses Bandes behilflich waren:
Priv.-Doz. Dr. Thomas Brockmann, Claudia Ficht, Dagmar Hanke, Beate Oehmi-
chen, Dirk Pfeifer M.A., Dr. Sonja Schultheiss-Heinz sowie Andreas Brandmair vom
K.G. Saur-Verlag in München.
Die Tagung geht zurück auf eine Anregung von Hermione Hobhouse. Sie unter-
stützt seit der Gründung der Prinz-Albert-Gesellschaft mit Rat und Tat unser An-
liegen, die Erforschung der deutsch-britischen Beziehungen zu befördern. Als ein
Zeichen der Anerkennung und des Dankes sei ihr dieser Band dediziert.

Bayreuth, im Mai 2008 Franz Bosbach

16
Gert Gröning

Einleitung
Über deutsch-britischen Kulturtransfer in der Landschaftsarchitektur des
18. und 19. Jahrhunderts

Von bedeutsamem deutsch-englischem Kulturtransfer in der Gartenkultur des


18. Jahrhunderts auszugehen, mag auf den ersten Blick verwegen sein. Für das
19. Jahrhundert und erst recht für das 20. scheint eine solche Annahme sinnfälliger. Im
18. Jahrhundert war Frankreich die dominante europäische Nation. Der jardin à la
française war weithin verbreitet und Antoine-Joseph Dezallier d’Argenvilles (1680–
1765) La Théorie et la Pratique du Jardinage, die 1709 erstmals veröffentlicht wurde,
erlebte im Lauf des 18. Jahrhunderts mehrere Auflagen. Das Buch wurde zum Stan-
dardwerk und erschien 1712 unter dem Titel The Theory and Practice of Gardening
sowie in weiteren Auflagen 1728 und 1743 in englischer und 1713 als Die Gärtnerey
sowohl in ihrer Theorie oder Betrachtung als Praxis oder Übung, sowie in weiteren
Auflagen 1741, 1764 und 1769, in deutscher Sprache. Allerdings regte sich im Eng-
land des frühen 18. Jahrhunderts beträchtlicher Widerstand gegen die französische
Dominanz in den Künsten und der Politik. Dazu trugen nicht zuletzt Schriftsteller
wie Anthony Ashley Cooper, 3rd Earl of Shaftesbury (1671–1713), Joseph Addi-
son (1672–1719) und Alexander Pope (1688–1744) aber auch französische Maler wie
Claude Lorrain (1600–1682) und Nicolas Poussin (1595–1665) bei, die in Italien die
Gegend um Rom als „Landschaften“ visualisierten, die dann zum Vorbild für daran
orientierte Parklandschaften englischer Italienreisender wurden1 . Gärtner wie Ste-
phen Switzer (1682–1745) verliehen solch neuen Ideen Ausdruck mit Büchern wie
dem 1715 veröffentlichten The Nobleman, Gentleman, and Gardener’s Recreation
und Batty Langley (1696–1751) mit seinen New Principles of Gardening, die 1728
erschienen2 .
Auch in Frankreich gab es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Beispiele
englischer Gartenkultur. So legte z. B. René-Louis de Girardin (1735–1808) ab 1760

1 Elizabeth Wheeler Manwaring, Italian Landscape in Eighteenth Century England, New York
1925; siehe auch John Dixon Hunt, Garden and Grove, The Italian Renaissance Garden in the
English Imagination 1600–1750, London 1986.
2 Siehe dazu The Genius of the Place, The English Landscape Garden 1620–1820 hg. v. John Dixon
Hunt und Peter Willis, London 1975.

17
Gert Gröning

in Ermenonville im Tal des Flüsschens Launette einen Park an3 , der, ebenso wie der ab
1774 von François Nicholas Henri Racine de Monville (1734–1797) als Desert de Retz
entwickelte Park4 , als von englischer bzw. anglo-chinoiser, Gartenkultur beeinflusst
galt. Dabei spielten an antik-römische Ideen5 des utile et dulce anknüpfende Vorstel-
lungen von Landesverschönerung6 , land embellishment, ornamented farm und der
ferme ornée7 eine Rolle. Nicht zuletzt über die ebenfalls in Frankreich von François
Quesnay (1694–1774) entwickelte Physiokratie8 gelangten solche Vorstellungen auch
in deutsche Staaten, wo sie sich u. a. im Gartenreich des Fürsten Franz von Anhalt
Dessau (1740–1817) niederschlugen9 .
Für Franz von Anhalt-Dessau war England ein großes Vorbild. Teilweise beglei-
tet von seinem Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf (1736–1800) und
seinem Gärtner Johann Eyserbeck (1734–1818) fuhr er zum ersten Mal vom April
1763 bis zum Sommer 1764, erneut 1767 und 1775 sowie zum vierten Mal 1785 nach
England, um sich dort vor allem mit der Entwicklung der Landwirtschaft und der
Gartenkultur am Beispiel von Parkanlagen auseinanderzusetzen. Auf die damalige
Bedeutung der rural economy für den englischen Landschaftsgarten hat Williams auf-
merksam gemacht10 . Dabei genoss u. a. das von Henry Hoare II (1705–1785) ab 1741
ausgebaute Stourhead in Stourton, Wiltshire, die besondere Wertschätzung Franz von
Anhalt-Dessaus. Darüber hinaus lernte er William Chambers (1728–1796) kennen,
der 1757 in London Designs of Chinese buildings, furniture, dresses, machines, and

3 Siehe René-Louis de Girardin, De la composition des paysages suivi de Promenade ou Itinéraire


des jardins d’Ermenonville, postface de Michel H. Conan, Paris 1979. Siehe auch Denis Lambin,
Ermenonville today, Journal of Garden History 8 (1988), 1, 42–59.
4 Siehe Jean-Marc Heftler und Olivier Choppin de Janvry, Réponses a 101 questions sur le Desert
de Retz, Croissy-sur-Seine 1988.
5 Siehe dazu Gilbert Highet, Poets in a Landscape, Harmondsworth 1959.
6 Zur Landesverschönerung siehe Gert Gröning, Anmerkungen zu Gustav Vorherrs Idee der Lan-
desverschönerung, in: Umweltgeschichte Methoden, Themen, Potentiale, hg. v. Günter Bayerl,
Norman Fuchsloch und Torsten Meyer, (Cottbuser Studien zur Geschichte von Technik, Arbeit
und Umwelt 1) Münster 1996, 159–186.
7 Siehe dazu Laura B. Sayre, Locating the Georgic: from the ferme ornée to the model farm, in:
Studies in the History of Gardens & Designed Landscapes, 22, (2002), 3, 167–192; siehe auch
Simone Schulz, Gartenkunst, Landwirtschaft und Dichtung bei William Shenstone und seine
Ferme Ornée „The Leasowes“ im Spiegel seines literarischen Zirkels, Dissertation, FU Berlin,
Berlin 2005, http://www.diss.fu-berlin.de/2005/115/index.html.
8 Siehe z. B. Peter Groenewegen 1994: La ‘French Connection’: Influences Françaises sur
l’Economie PolitiqueBritannique,in: Dix-Huitième Siècle 26 (1994), 15–36. Dort heißt es: «Même
pendant la période de „l’âge d’or“ de la pensée économique française des années 1750 et 1760,
quand les physiocrates et d’autres auteurs français dominaient le champ, ce qui fut profitable
à l’ecole anglaise ainsi qu’à d’autres écoles nationales, Quesnay partagea sa prédominance avec
d’autres grands auteurs, dont Turgot est sans aucun doute le plus important» (35).
9 Siehe Erhard Hirsch, Dessau-Wörlitz, Zierde und Inbegriff des 18. Jahrhunderts, München
1988; siehe dazu auch Weltbild Wörlitz, Entwurf einer Kulturlandschaft, hg. v. Frank-Andreas
Bechtoldt und Thomas Weiss (Kataloge und Schriften der Staatlichen Schlösser und Gärten Wör-
litz Oranienbaum Luisium 1) Ostfildern-Ruit bei Stuttgart 1996.
10 Robert Williams, Rural Economy and the Antique in the English Landscape Garden, in: Journal
of Garden History 7 (1987), 1, 73–96.

18
Einleitung

utensils: to which is annexed a description of their temples, houses, gardens, &c und
1772 A dissertation on oriental gardening veröffentlicht hatte, von der 1775 unter der
Überschrift Über die orientalische Gartenkunst in Gotha eine deutsche Übersetzung
herauskam. „Das Englandstudium und -erlebnis“, schreibt Hirsch, „wurde Ansporn
und, nach der Auffassung der Dessauer von einer aufgeklärten Regierung, zugleich
Verpflichtung, das Lebensniveau der Bevölkerung zu heben“11 und weiter, „[. . . ] die
Dessau-Wörlitzer Bestrebungen“ waren „keinesfalls nur eine ästhetisierende Über-
nahme englischer Landschaftsgestaltungen und Baukunst“, vielmehr wurde „hier be-
wußt ein umfassendes erzieherisches und soziales Programm verfolgt“12. Wenngleich
„Fürst von Anhalt-Dessau ,kein zweites England‘ schaffen“ wollte, so bestätigen doch
genau das „bekannte britische Reisende wie James Boswell gleich am Beginn des
Dessau-Wörlitzer Kulturwerks oder der Diplomat der Befreiungskriege, William Ste-
wart, wenige Jahre vor Franz’ Tod mit dem berühmt gewordenen Satz: ,Goddam,
hier bin ich in England‘“13. Dennoch waren die allgemeinen gesellschaftlichen Be-
dingungen in deutschen Landen und in Großbritannien noch recht unterschiedlich.
Mommsen stellte dazu fest: „Während sich in Großbritannien um 1800 die industriel-
le Revolution bereits voll entwickelt hatte, wenn sich auch die gesellschaftlichen Um-
strukturierungen einstweilen und in quantitativ nur geringer Größenordnung geltend
machten, war die deutsche Staatenwelt noch eine durchgängig agrarwirtschaftlich ge-
prägte, weitgehend unentwickelte Region Mitteleuropas, mit nur geringen Ansätzen
zur Ausbildung eines modernen industriellen Systems“14.
David Watkin weist in seinem Beitrag „The Influence of English Royal Gardens on
the Continent in the 18th Century“ in diesem Band u. a. darauf hin, dass ab 1760 die
königlichen Gartenanlagen in Kew deutsche wie auch französische Besucher anzogen
und das Gesehene sich auf mancherlei Art in englischen Gärten in deutschen Landen
niederschlug. Wie beeindruckend auch viele Jahrzehnte später Kew noch war, mag
daran ersichtlich werden, dass im Rahmen der Verlegung der Königlichen Gärtner-
lehranstalt von Potsdam und des alten Botanischen Gartens von Treptow nach Berlin-
Dahlem um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Franz Ludwig Späth (1839–
1913) „diesen Botanischen Garten und die ihm anzugliedernde Königliche Gärtner-
Lehranstalt etwa dreimal so gross [. . . ] machen“ wollte, „wie sie später ausgeführt
wurden, um die neue Anlage neben einer Stätte der Belehrung und wissenschaftlichen
Forschung zu einem Volkspark im wahren Sinne des Wortes umzugestalten, wie er es
im Kew-Garden bei London durchgeführt gesehen hatte“15. Da mag sich Späth mit

11 Hirsch (wie Anm. 9), 50.


12 Ebd., 213.
13 Ebd., 213.
14 Wolfgang J. Mommsen, Preußen/Deutschland im frühen 19. Jahrhundert und Großbritannien
in der Viktorianischen Epoche. Eine komparative Betrachtung, in: Viktorianisches England in
deutscherPerspektive,hg. v. Adolf M. Birke und Kurt Kluxen (Prinz-Albert-Studien1), München
u. a. 1983, 33.
15 Ludwig Späth, Späth-Buch 1720–1920, Geschichte und Erzeugnisse der Späthschen Baumschule,
Berlin 1920, LIX.

19
Gert Gröning

Friedrich Althoff (1839–1908), dem Ministerialdirektor des Preußischen Ministeri-


ums für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten, verstanden haben,
dem für seine Vorstellungen von dem Wissenschaftsstandort Dahlem das englische
Oxford als Vorbild diente16 .
Christian Cay Lorenz Hirschfeld (1742–1792)17, der von 1779 bis 1785 in fünf Bän-
den seine Theorie der Gartenkunst in Leipzig herausgab, trat in verschiedenen seiner
Veröffentlichungen für das Leben auf dem Land und den englischen Landschaftsgar-
ten ein18 . Schon in seinem Buch Das Landleben, das 1767 in Bern erschienen war, hatte
er „für eine Gestaltung der Natur votiert, wie dies seit Anfang des 18. Jahrhunderts
in England praktiziert wird“19 . In seinen 1779 in Frankfurt erschienenen Anmerkun-
gen über die Landhäuser und die Gartenkunst machten die Ausführungen Von den
Gärten in Engelland und einigen berühmten Parks das längste Kapitel aus. Hirsch-
feld beschreibt darin den „Park und die Gegend um Wentworth, einen Landsitz, der
dem Lord Rockingham zugehört“20 und „Hagley bey Stourbridge in Worcestershire“,
das „mitten in einer fruchtbaren und angenehmen Gegend, zwischen den Gebürgen
von Clent und Witchberry“21 liegt. Der erste Satz dieses Kapitels lautet: „Der Britte
ist nicht nur der erste, der die ächten Grundsätze der Gartenkunst in verschiedenen
Schriften zu entwickeln versuchte; er ist auch der erste, der von ihnen eine glückliche
Anwendung machte“ und in der Fußnote dazu schreibt er, „Milton, Temple, Bacon,
Pope, am meisten Addison“ hätten „im Zuschauer schon eine Morgenröthe vor dem
Anbruch des richtigen Geschmacks in der Gartenkunst aufgehen lassen“22.
Welche Veränderungen die landesverschönernden Vorstellungen der Gutsanlagen
bezüglich der „näheren Entwicklung des Planes in ästhetischen Beziehungen“23 im
Sinne einer „ornamented farm“ bedeuteten, lässt sich u. a. am Beispiel des Gutes Rei-
chenbach in der damaligen Provinz Pommern, südöstlich von Stettin gelegen, aufzei-
gen24 . Dessen Besitzer Carl Gottlieb Bethe (1778–1840) verwies, nicht zuletzt auch

16 Jost Lemmerich, Dahlem – ein deutsches Oxford, in: Domäne Dahlem 17, Berlin 1992.
17 Zum Leben Hirschfelds siehe Wolfgang Kehn, Christian Cay Lorenz Hirschfeld (1742–1792),
Eine Biographie, Worms 1992.
18 Zur Bedeutung Hirschfelds und seiner Rezeption englischer Gartenliteratur siehe Linda Parshall,
C. C. L. Hirschfeld’s Concept of the Garden in the German Enlightenment, in: Journal of Garden
History 13 (1993), 3, 125–171.
19 Michael Breckwoldt, „Das Landleben“ als Grundlage für eine Gartenheorie, Eine literaturhisto-
rische Analyse der Schriften von Christian Cay Lorenz Hirschfeld (Arbeiten zur sozialwissen-
schaftlich orientierten Freiraumplanung 14), hg. von Ulfert Herlyn und Gert Gröning, München
1995.
20 Christan Cay Lorenz Hirschfeld, Anmerkungen über die Landhäuser und die Gartenkunst,
Frankfurt u. a. 1779, 59
21 Ebd., 67.
22 Ebd., 57 und Fn auf dieser Seite.
23 (Carl Gottlieb) Bethe, Über Trift- und Feldpflanzungen, in: Verhandlungen des Vereins zur Be-
förderung des Gartenbaues in den königlich Preußischen Staaten 2 (1826), 270–349, 297.
24 Siehe Gert Gröning und Uwe Schneider, Gut Reichenbach (Radaczewo), Pommern: Modell-
hafte landwirtschaftliche Einflüsse bei einer Gutsanlage der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts,
in: Landgüter in den Regionen des gemeinsamen Kulturerbes von Deutschen und Polen – Ent-

20
Einleitung

wegen der ökonomischen Vorteile, in der von ihm 1826 vorgelegten Schrift Über
Trift- und Feldpflanzungen verschiedentlich auf die positiven „Erfahrungen der Eng-
länder“25 . „Wer des Effekts wegen pflanzt“, so zitierte er aus Loudons Enzyklopädie
der Gartenkunst, „darf niemals die Nützlichkeit aus den Augen verlieren“26 . Bethe
war in Preußen als Ministerialbeamter Vorsitzender der landwirtschaftlichen Abtei-
lung im von Karl August von Hardenberg (1750–1822) geleiteten Ministerium des
Innern und „für die landwirthschaftliche Polizei und Regulierung der bäuerlichen
Verhältnisse“27 zuständig, war also mit der Landwirtschaft vertraut.
Es waren jedoch auch Deutsche, die im 18. Jahrhundert in England regierten. Hier
soll zunächst auf die 1705 erfolgte Heirat von Caroline von Brandenburg-Ansbach
(1683–1737) mit Georg August von Hannover (1683–1760) aufmerksam gemacht wer-
den, der als Georg II. 1727 König von Großbritannien wurde. Während sich Georg
II. kaum den Staatsangelegenheiten in England widmete, waren die den Künsten und
Wissenschaften zugewandte Caroline sowie Robert Walpole (1676–1745), der für Ge-
org II. die Regierungsgeschäfte führte, durchaus daran interessiert. Robert Walpole
war der Vater von Horace Walpole (1717–1797). Der Sohn Walpole veröffentlich-
te 1780 den Essay The History of the Modern Taste in Gardening, in dem er die
Grundlagen für die zwei Jahrzehnte währende Umgestaltung seines Landsitzes Stra-
wberry Hill28 aufzeigte und der gleichzeitig „by far the most influential“29 Beitrag
war, der bis dahin über die Gartenkultur in England geschrieben worden war. Es
scheint Caroline gewesen zu sein, die in Zusammenarbeit mit dem Architekten und
Gartenarchitekten William Kent (1685–1748) „gothick commissions“ in Richmond
Park umsetzte30 . Hunt meint dazu: “In Richmond Park the invocation of gothick
was clearly a response to the Queen’s determination to relate British intellectual his-
tory to her landscape park”31. Die ab 1714 bestehende Personalunion Hannovers mit
Großbritannien führte dazu, dass „verstärkt niedersächsische Adlige an den engli-
schen Hof “ reisten und man „von einem intensiven Austausch zwischen England

stehung, Verfall und Bewahrung, Ma˛jatki ziemskie na obszarze wspólnego dziedzictwa polsko-
niemieckiego – problemy rozwoju, degradacji i konserwacji, hg. v. Birte Pusback und Jan Sku-
ratowicz, in: Das Gemeinsame Kulturerbe – Wspólne Dziedzictwo IV, hg. v. Małgorzata Omila-
nowska, Warszawa 2007, 177–192.
25 Bethe (wie Anm. 23), 274.
26 Ebd., 304.
27 Handbuch über den Königlich Preussischen Hof und Staat für das Jahr 1824, Berlin 1824, 87.
28 Siehe dazu Norbert Miller, Strawberry Hill, Horace Walpole und die Ästhetik der schönen Unre-
gelmäßigkeit, Edition Akzente, hg. v. Michael Krüger, München 1986; siehe auch Sarah R. Katz,
Horace Walpole’s Landscapeat Strawberry Hill, in: Studies in the History of Gardens & Designed
Landscapes 28 (2008), 1, 2–217.
29 John Dixon Hunt, Introduction, in: Horace Walpole, The History of the Modern Taste in Garde-
ning, New York 1995, 5–15, 5.
30 Siehe Marcus Köhler, The German Legacy: Richmond in Braunschweig, in: Garden History 29
(2001), 1, 29–35.
31 John Dixon Hunt, William Kent, Landscape Garden Designer, An Assessment and Catalogue
of his Designs, London 1987, 61; siehe auch Timothy Mowl, William Kent, Architect, Designer,
Opportunist, London 2006.

21
Gert Gröning

und Deutschland sprechen“32 kann. So schlägt sich der durch das Haus Hannover
begründete deutsch-britische Kulturtransfer u. a. auch in der Übernahme des in Eng-
land entwickelten landschaftlichen Stils an einigen kleineren Höfen nieder, z. B. ab
1760 in Harbke bei Braunschweig33 , ab 1763 in Schwöbber, dessen Gutsherr Otto II.
von Münchhausen (1716–1775) „im Jahre 1765 die erste deutsche Anleitung zur An-
lage englischer Gärten gibt“34 und ab 1774 im Hinüberschen Garten in Hannover-
Marienwerder. Auch aus anderen deutschen Ländern fuhren die Fürsten nach Eng-
land. So z. B. Hans Graf zu Rantzau (1693–1769), der in dänischen Staatsdiensten
1731/32 als Gesandter nach London gegangen war und nach seiner Rückkehr einen
Gartenplan für sein Gut Ascheberg südwestlich von Plön entwickelte. Dessen „in
den Plan integrierte Ansicht der Gartenpartien auf dem Ascheberg und die naturver-
bundenen Eremitagen [. . . ] den neusten englischen Entwicklungen, etwa den Eremi-
tagebauten William Kent in Kew, Esher und Claremont sowie der Kombination von
Plan und Vedute in den aktuellen Bänden des ’Vitruvius Britannicus’ (1715–1739)“
entsprachen und bei Zeitgenossen als „erste Anlage dieser Art, und folglich der Keim,
oder wenn man will, die Inokulation des englischen Geschmacks in Holstein“35 galten.
1776 fuhr Herzog Karl Eugen von Württemberg (1728–1793) nach England und ließ
danach zwischen 1776 und 1783 den Park von Hohenheim mit einem „,Englische[n]
Dorf‘ auf den Trümmern von Rom“36 anlegen. Zwischen 1771 und 1815 ließ Her-
zog Carl von Mecklenburg-Strelitz (1741–1816) einen „in seiner gesamten Gestal-
tung stark vom aufklärerisch freimaurerischen Gedankengut geprägt[en]“37 Park in
Hohenzieritz, südwestlich von Neubrandenburg, anlegen. Vermutlich auf Empfeh-
lung seiner Schwester Sophie Charlotte (1744–1818), die seit 1761 mit dem an einer
ihn schwer belastenden Porphyrie erkrankten Georg III. (1738–1820) verheiratet und
damit Königin von England war, wurde der Park von Hohenzieritz durch den engli-
schen Gartenkünstler Archibald Thompson umgestaltet. „Beinahe zeitgleich“ wurde
„der ,Englische Garten‘ auf dem Werder bei Penzlin“38 in der Nähe von Hohenzieritz
angelegt. Ursächlich dafür scheint „eine Reise des Eigentümers, Joseph von Maltzahn,
mit seiner Schwester an den englischen Hof 1771/1772“39 gewesen zu sein. In Madlitz,
östlich von Berlin, ging Graf Friedrich Ludwig Karl von Finckenstein (1745–1818)

32 Marcus Köhler, Frühe Landschaftsgärten in Rußland und Deutschland, Johann Busch als Mentor
eines neuen Stils, Berlin 2003, 70.
33 Ders, „Wenn wir erst einen ins Wilde angelegten Garten zu sehen gewohnt sind . . . “ – Die frühen
Landschaftsgärten von Harbke und Schwöbber, in: Die Gartenkunst 5 (1993), 1, 101–125.
34 Ebd., 101.
35 Margita Marion Meyer, Ascheberg, in: Historische Gärten in Schleswig-Holstein, hg. v. Adrian
von Buttlar und Margita Marion Meyer, Heide 1996, 158–166, 160–161.
36 Elisabeth Nau, Hohenheim Schloß und Gärten, Sigmaringen 1978, 7.
37 Christine Hinz, Parklandschaft Hohenzieritz, hg. v. Museum Neustrelitz, Neubrandenburg o. J.
(1989), 11; siehe auch o. V. (Markus Köhler et al.), Frühe Landschaftsgärten: Hohenzieritz, in:
Historische Gärten um Neubrandenburg, (Mitteilungender Pückler Gesellschaft 17, Neue Folge),
Berlin 2002, 25–30.
38 Ebd., 28.
39 Ebd., 28.

22
Einleitung

bei der Anlage des Parks auf seinem Gut „gleich auf die englischen Quellen zurück,
wahrscheinlich ohne England je gesehen zu haben“40 und orientierte sich dabei an
den Observations on Modern Gardening Illustrated by Descriptions, die 1769 von
Thomas Whately in London veröffentlicht worden waren41 . 1788 erschien in Berlin
das „An alle Gartenfreunde“ gerichtete Lehrgedicht Der schöne Garten von Leopold
von Reichenbach (1745–1831), der bei aller deutsch-patriotischer Ausrichtung, doch
„Kent, Whately und Addison [. . . ] ausdrücklich als die Vordenker der neuen Garten-
kunst“42 anerkennt. In München entstand unter der Leitung von Friedrich Ludwig
von Sckell (1750–1823)43 mit Hilfe von Benjamin Thompson (1753–1814), dem spä-
teren Reichsgraf von Rumford, 1789 der Englische Garten44 . Sckell war von 1773 bis
1776 „auf Staatskosten [. . . ] mit dem Auftrage“ in England, „sich dort in der neuen
landschaftlichen Gartenkunst weiterzubilden“45 .
Viele der in diesen Zeiten tätigen Gärtner hatten zu ihrer Aus- oder Weiterbildung
England besucht. So z. B. Carl Ferdinand Bosse (1755–1793), der „nach Lehre und
längerem Studienaufenthalt in England“46 den Park in Rastede an der Sommerre-
sidenz des Großherzogs von Oldenburg gestaltete. Johann Georg Gottlieb Schoch
(1758–1826) besuchte auf Kosten des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau England und
veröffentlichte 1794, nach seiner Rückkehr als Hofgärtner in Wörlitz, das Buch Ver-
such einer Anleitung zu Anlegung eines Gartens im englischen Geschmack, dessen
erster Satz in der Einleitung lautet: „Englische Gärten werden in unsern Zeiten als
Muster angenommen, nach welchen neuere Gärten angelegt werden sollen“47. Man-
che Gärtner blieben in England, wie z. B. der aus Schnega bei Lüchow stammende

40 Clemens Alexander Wimmer, Der Madlitzer Park als Ideenspiegel, in: So ist die Anmuth gestal-
tet, Graf Friedrich Ludwig Karl Finck von Finckenstein und sein Madlitz, hg. v. Melanie Gräfin
Finckenstein, Clemens Alexander Wimmer und Georg Graf Wallwitz (Mitteilungen der Pückler
Gesellschaft 13, Neue Folge), Berlin 1998, 31–80, 36–37.
41 Siehe dazu das Kapitel V. Ursprung der schönen Gartenkunst und Classifikation der Englischen
Gärten, Transkript von Melanie Gräfin Finckenstein aus dem Madlitzer Konvolut II: Beschrei-
bung meiner Gartenanlage, in: ebd, 109–155, 151–155.
42 Michael Niedermeier, Das Lehrgedicht „Der schöne Garten“ (1788) von Leopold von Reichen-
bach und die frühen Landschaftsgärten in der Mark, in: Zwei Garten-Lehrgedichte aus der Mark
Brandenburg, hg. v. Michael Niedermeier und Clemens Alexander Wimmer (Mitteilungen der
Pückler Gesellschaft 12, Neue Folge), Berlin 1997, 3–24, 11.
43 Zu biographischenInformationenüber Sckell siehe Franz Hallbaum, Der Landschaftsgarten, sein
Entstehen und seine Einführung in Deutschland durch Friedrich Ludwig von Sckell 1750–1823,
München 1927.
44 Siehe dazu Adrian von Buttlar, Vom Landschaftsgarten zum Volkspark, Der englische Garten
in München, in: Viktorianisches England in deutscher Perspektive (wie Anm. 14), 133–143, siehe
auch Pankraz Freiherr von Freyberg, 200 Jahre Englischer Garten in München 1789–1989, hg. v.
Freistaat Bayern, Bayrisches Staatsministerium der Finanzen, München 1989.
45 Hallbaum (wie Anm. 43), 102.
46 Dieter Hennebo, Der Oldenburger Schloßgarten, ein Gartendenkmal in unserer Zeit, in: Der
Schloßgartenzu Oldenburg,hg. von der Gemeinschaft der Freundedes Schloßgartens,Oldenburg
1984, 11–35, 16.
47 Johann Georg Gottlieb Schoch, Versuch einer Anleitung zu Anlegung eines Gartens im englischen
Geschmack, Leipzig 1794, 1.

23
Gert Gröning

Johann Busch (um 1725–1795)48. Busch betrieb von 1758 bis zu seiner Übersiedlung
nach St. Petersburg im Jahr 1771 in Hackney bei London eine Gärtnerei, handelte
schwunghaft mit aus Nordamerika importierten auch selbst herangezogenen Pflan-
zen nach Deutschland sowie anderen Ländern und verschickte auch Kupferstiche von
englischen Landschaftsgärten nach Deutschland49 . „Die von Hannover nach England
reisenden Gärtner unterstützten deutlich eine Tendenz, die in Deutschland gegen En-
de des 18. Jahrhunderts immer mehr zunahm: An die Stelle Frankreichs – des ange-
stammten Mutterlandes der barocken Gartenkunst – trat nunmehr England mit sei-
nen neuartigen Landschaftsgärten, die schließlich die architektonischen Gärten ganz
verdrängten“50 .
Gleich zu Beginn des 19. Jahrhunderts erschienen von Semler (1767–1825) Ideen
zu einer Gartenlogik oder Versuch über die Kunst in englischen Gartenanlagen alles
Unverständliche und Widersinnige zu vermeiden51 . Darin setzt er sich u. a. mit dem
Nutzen einer treuen Nachahmung der Natur und dem Streit, der darüber in England
geführt worden ist, auseinander und schreibt: „Daß aber in diesem Mutterlande der
Kunst, ungeachtet der großen Menge seiner berühmten Gärten, Anlagen, welche mit
der Schönheit auch Wahrheit vereinigen, unter die Seltenheiten gehören, ist mir, so
weit sich über diese Sache nach Berichten glaubwürdiger Augenzeugen urtheilen läßt,
nicht mehr zweifelhaft, seitdem ich Gilpins Kritiken seiner vaterländischen Gärten
gelesen, und noch weniger, seit ich Price’s Versuch über die malerische Schönheit näher
kennen gelernt habe. Es ist schade, daß man von dem, vor etlichen Jahren in England
geführten Streite, wovon dieses Buch eines der interessantesten Aktenstücke ist, in
Deutschland nicht mehr Notiz genommen hat“52 . Alfred Schelter verweist in seinem
Beitrag „Der Rosenauer Schlosspark – Ein mittelalterlicher Traum“ darauf, wie aus
den dort vorhandenen Feld- und Ackerfluren allmählich ein Landschaftspark im go-
tisierenden Stil wurde. Rolf Kirsch zeigt in seinem Beitrag „Der Landschaftspark von
Schloss Callenberg bei Coburg“ wie unter Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha
(1784–1844) und Ernst II. (1818–1893) im 19. Jahrhundert eine großflächige Land-
schaftsgestaltung im Sinne der ornamented farm mit Cottage und Callenberg Farm
stattfand. Wie sich unter Ernst I. und Ernst II. der Coburger Hofgarten unter gewisser
Mitwirkung von Lenné entwickelte, macht Hermann Wiegel in seinem Beitrag „Zur
Geschichte des Coburger Hofgartens“ deutlich, der sich dabei auf eine Untersuchung
von Steffen Roth53 stützt.
1804 wurde in London die London Horticultural Society gegründet, die dem
1822 gegründeten Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den königlich preu-

48 Köhler (wie Anm. 32).


49 Ders (wie Anm. 33), 124, Fn. 79.
50 Ders (wie Anm. 32), 17–18.
51 Christian August Semler, Ideen zu einer Gartenlogik oder Versuch über die Kunst in englischen
Gartenanlagen alles Unverständliche und Widersinnige zu vermeiden, Leipzig 1803.
52 Ebd., 64–65.
53 Siehe dazu Steffen Roth, Zur Entwicklungsgeschichte des Hofgartens der Ehrenburg in Coburg,
in: Die Gartenkunst 13 (2001), 2, 254–274.

24
Einleitung

ßischen Staaten54 als Vorbild diente. Seit 1861 firmiert die Gesellschaft unter dem
Namen Royal Horticultural Society, der ihr von Prinz Albert von Sachsen-Coburg-
Gotha (1819–1861), dem Ehemann von Queen Victoria (1819–1901), verliehen wurde.
Mittlerweile war die Entwicklung der Gartenkultur in Großbritannien, nicht zuletzt
durch so herausragende Personen wie Lancelot Brown (1715–1795)55 so weit vorange-
schritten, dass in einigen kontinentaleuropäischen Ländern von einer diesbezüglichen
Anglomanie gesprochen werden konnte. Justus Möser (1720–1794) veröffentlichte in
seinen Patriotischen Phantasien den Brief einer jungen Frau über „Das englische Gärt-
gen“. Sie berichtet darin u. a. von der Verwandlung des einstigen „Kohlgarten[s] [. . . ]
in Hügel und Thäler, wodurch sich unzählige krumme Wege schlängeln“ sowie einer
„Schrubbery, oder wie andre sprechen, ein englisches Boskett“ und unterschrieb mit
„Anglomania Domen“56. Laird führt die Entstehung des Begriffs shrubbery auf einen
„circle of shrubbery makers“ zurück, dem er William Shenstone (1714–1763), Lady
Luxborough (?–1756), Philip Southcote (1698–1758), Joseph Spence (1699–1768),
Thomas Wright (1711–1786) und andere zurechnet57 .
Der sich als Nachfolger von Brown empfindende und in Großbritannien durchaus
umstrittene Humphry Repton (1752–1818) vergrößerte allenthalben den Ruhm briti-
scher Gartenkultur. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, wenn auch Peter Joseph
Lenné (1789–1866)58, einer der Ahnherren der Gartenkultur in deutschen Landen,
nach England fuhr und über seine Eindrücke in den Verhandlungen des Vereins zur
Beförderung des Gartenbaues in den königlich preußischen Staaten berichtete59 . Für
Lenné war es klar, „daß die englische Gartenkunst mehrere Epochen durchwandern
mußte, ehe sie sich unter Wilhelm Kent’s Meisterhand zum Ideal emporschwingen
konnte“60 . Als beispielhaft galt ihm u. a. Claremont bei Esher, Surrey, ein Landsitz,
den Prinzessin Charlotte von Hannover (1796–1817) und Prinz Leopold von Sachsen-
Coburg (1790–1865), der spätere König von Belgien, 1816 anlässlich ihrer Hochzeit
erhalten hatten61 . Horace Walpole, der ansonsten nicht besonders viel von Kent hielt,

54 Siehe dazu Gert Gröning, Peter Joseph Lenné und der „Verein zur Beförderung des Gartenbaues
in den Königlich Preußischen Staaten“, in: Peter Joseph Lenné, Volkspark und Arkadien, hg. v.
Florian von Buttlar, im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz,
Berlin 1989, 82–90.
55 Siehe dazu Dorothy Stroud, Capability Brown, London 1975.
56 Justus Möser, Patriotische Phantasien, 2 Bände, Das englische Gärtgen, Berlin 1778, 335–337.
57 Mark Laird, The Flowering of the Landscape Garden, English Pleasure Grounds 1720–1800,
Philadelphia 1999, hier das Kapitel ,Lady Luxborough and William Shenstone: Minting a New
Word, “New Modelling” a “Shrubbery”‘, 101–109.
58 Siehe Harri Günther, Peter Joseph Lenné, Gärten, Parke, Landschaften,Stuttgart 1985; siehe auch
Gerhard Hinz, Peter Joseph Lenné, Das Gesamtwerk des Gartenarchitekten und Städteplaners,
2 Bände, Hildesheim u. a. 1989.
59 Peter Joseph Lenné, Allgemeine Bemerkungen über die Brittischen Parks und Gärten, in: Ver-
handlungen des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Königlich Preußischen Staaten
1 (1824), 82–96.
60 Ebd., 82.
61 Zur Geschichte von Esher siehe Michael Symes, The landscaping of Esher Place, in: Journal of
Garden History 8 (1988), 4, 63–96.

25
Gert Gröning

hatte in einem Brief vom 11. August 1748 an Montagu darüber geschrieben: “Esher I
have seen again twice and prefer it to all villas, even to Southcote’s; Kent is Kentissime
there”62 .
Die ab 1824 erscheinenden Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gar-
tenbaues in den königlich preußischen Staaten waren ein erstes Beispiel für die nun
aufkommenden Fachzeitschriften auf dem Gebiet der Gartenkultur63 , in denen natio-
naler und internationaler Austausch gepflegt wurde und so dem deutsch-britischen
Kulturtransfer eine breitere Basis zur Verfügung stand64 . Im späten 18. und frühen
19. Jahrhundert „hatte Englands liberale staatliche und rechtliche Formgebung in al-
len fortschrittlichen Kreisen Europas lebhaftestes Interesse gefunden, hatte Englands
Dichtung Natur und Empfindung wiederentdeckt und gerade die Jugend Deutsch-
lands begeistern können, wurde Englands Gesellschaft ihrer ungewohnt weltoffenen
Züge wegen viel bewundert“65 . Erstmals erschien 1787 in England The Botanical
Magazine von William Curtis (1746–1799) und John Claudius Loudon (1783–1843)
gab ab 1826 The Gardener’s Magazine heraus. Loudon war sehr vertraut mit der
Entwicklung in deutschen Landen. Er „hat nicht nur die deutsche Literatur gelesen,
lebhaft mit deutschen Kollegen korrespondiert [so mit Eduard Otto vom Berliner
Botanischen Garten und Gustav Fintelmann von der Pfaueninsel], sondern auch Gar-
tenreisen unternommen. In seinem bewundernswert umfänglichen Werk finden sich
daher viele Beschreibungen deutscher Gärten, die hierzulande von der Forschung bis-
her unbeachtet blieben“66 . Die gezielte Sammlung von Literatur und der Aufbau einer
Bibliothek gehörte zu den Aufgaben des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues
in den Königlich Preußischen Staaten, der im Austausch, u. a. mit der Horticultural
Society in London, entsprechende Veröffentlichungen erhielt67 .
Viele Jahrzehnte hindurch blieb England die in Europa führende Nation, auch
in der Gartenkultur, nicht zuletzt durch Expeditionen in den Fernen Osten und in
die Neue Welt jenseits des Atlantiks. Unter den vielen, zumeist englischen, Namen
dieser Pflanzenjäger verdient es unter der Perspektive des deutsch-britischen Kul-

62 Ebd., 87–88.
63 Siehe Uwe Drewen, Die Entwicklung der deutschsprachigen Gartenkunstzeitschriften von den
Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, (Dissertation, Fachbereich Landespflege, Univer-
sität Hannover) Hannover 1989; siehe auch Joachim Kirchner, Das deutsche Zeitschriftenwesen,
seine Geschichte und seine Probleme, Wiesbaden 1962.
64 Siehe dazu auch Sarah Richards, A magazine for the friends of good taste: sensibilityand rationa-
lity in garden design in late eighteenth-century Germany, in: Studies in the History of Gardens &
Designed Landscapes 20 (2000), 3, 229–248.
65 Alfred Hoffmann, Der Landschaftsgarten, in: Geschichte der deutschen Gartenkunst III, hg. v.
Dieter Hennebo und Alfred Hoffmann, Hamburg 1963, 65.
66 Clemens Alexander Wimmer, PreußischeGärten in Berichtenbei John Claudius Loudon, in: Fest-
schrift für Prof. Dr. Martin Sperlich 1. Vorsitzender der Pückler-Gesellschaft zum 75. Geburtstag
1994 (Mitteilungen der Pückler Gesellschaft 9, Neue Folge), Berlin 1993, 135–149, 135.
67 Diese Bibliothek ist heute die Bücherei des deutschen Gartenbaues in der Universitätsbibliothek
der TU Berlin, www.historischegaerten.de/Gartenbaubuecherei/;siehe dazu Gerhard Drude, Zur
Geschichte der Bücherei des deutschen Gartenbaues, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Biblio-
thekswesen und Dokumentation des Landbaues 15 (1971), 5–22.

26
Einleitung

turtransfers im 19. Jahrhundert Karl Theodor Hartweg (1812–1871) hervorgehoben


zu werden. Hartweg arbeitete im Auftrag der Horticultural Society und ging 1836
für sechs Jahre nach Mexiko, Guatemala, Ecuador und in die Anden, später auch
nach Kalifornien und sandte von dort viele neue Pflanzen, vor allem Orchideen, Kak-
teen und Fuchsien nach London. Von 1843 bis zu seinem Lebensende arbeitete er
als großherzoglicher Garteninspektor im Schlosspark von Schwetzingen68 . In die-
sem Zusammenhang müssen auch Joachim Conrad Loddiges (1738–1826) und Ge-
orge Loddiges (1786–1846) erwähnt werden. Conrad Loddiges war der Sohn eines
Hofgärtners des Kurfürsten von Hannover und Königs Georg II. von England. Er
hatte 1771 die von dem bereits erwähnten Johann Busch aufgebaute Baumschule in
Hackney bei London übernommen. Sein Sohn George baute sie zu einem internatio-
nal agierenden Unternehmen aus, das „nach 1800 die größte Gärtnerei auf der Welt
mit den umfangreichsten Gewächshäusern“69 war. In deutschen Landen legte Johann
Gottlob Nathusius (1760–1835)70 im Verlauf des 19. Jahrhunderts zwischen Hundis-
burg71 und Althaldensleben, nördlich von Magdeburg, einen englischen Garten an.
Sein Sohn Hermann Engelhard von Nathusius (1809–1879) baute Hundisburg unter
Anwendung neuer englischer Verfahren bei der Aussaat und der Drainage des Bodens
als landwirtschaftliches Mustergut aus. 1843 wurde die dortige Niedermühle im Stil
eines englischen Cottage umgebaut. Zu diesem Großbetrieb, in dem vor allem mit aus
England eingeführten Rindern und Schafen Viehzucht betrieben wurde, gehörte auch
die damals wahrscheinlich größte Baumschule in deutschen Landen.
In Berlin erschien 1862 „der erste, 16 Seiten starke Katalog über Obstbäume, Blü-
tensträucher, Rhododendron und Koniferen“72 von Ludwig Späth (1793–1883). In der
Späthschen Baumschule, die ab 1863 Stück um Stück von Franz Ludwig Späth zur
größten Baumschule der Welt ausgebaut wurde, mag die Kultur der Rhododendron,
die später in England zur rhododendronmania führte, durch die sehr erfolgreichen
Pflanzensammlungen in den 1840er und 1850er Jahren von Robert Fortune (1812–
1880) in China befördert worden sein. Von 1798 bis 1886 betrieben der schottische
Gärtner James Booth und seine Söhne in Hamburg eine Baumschule aus der u. a. die
Pflanzen für das von Caspar Voght (1752–1839) am Ufer der Elbe in Hamburg als
ornamented farm betriebene Landgut Flottbek kamen73 . „Kurz nach dem Erwerb
des ersten Grundbesitzes in Klein Flottbeck 1785“, hatte Voght „eine ausgedehnte
Englandreise unternommen und die dort gegenüber Deutschland weit fortgeschritte-
ne Landwirtschaft, aber auch die Anlage englischer Herrensitze studiert. Er wurde

68 Siehe dazu Carl-Ludwig Fuchs und Claus Reisinger, Schloß und Garten zu Schwetzingen,Worms
2001.
69 Köhler (wie Anm. 33), 96.
70 Elsbeth Nathusius, Johann Gottlieb Nathusius, Ein Pionier deutscher Industrie, Stuttgart 1915.
71 Zur Geschichte und Rekonstruktion von Hundisburg siehe Harald Blanke, Schloß und Barock-
garten zu Hundisburg 1693 bis 1993, Haldensleben 1994.
72 Späth (wie Anm. 15), XXXIII.
73 Siehe dazu Caspar Voght, Flotbeck in ästhetischer Ansicht, hg. und kommentiert v. Charlotte
Schoell-Glass, Hamburg 1990.

27
Gert Gröning

auf diese Weise zu einem der ersten und wichtigsten Vermittler der in England sich
durchsetzenden modernen Landwirtschaft in Deutschland“74 . Mit dem 1842 von Eng-
land und China vereinbarten Frieden von Nanking wurden einige Häfen in China für
englische Schiffe zugänglich, was wiederum die Suche nach neuen Pflanzen durch
Sammler wie Robert Fortune, Joseph Dalton Hooker (1817–1911) und John Gould
Veitch (1839–1870) beförderte, die sich in vielfältiger Weise in den Pflanzungen von
Bäumen, Sträuchern75 und Stauden in den Parkanlagen Großbritanniens und in deut-
schen Landen niederschlug. So fanden sich z. B. die in England von den Lichfield
Florists76 kultivierten besonderen Primeln, die Aurikeln (Primula auricula), auch in
Berliner Privatgärten wie dem des königlichen Münzmeisters Nelcker am Köpeni-
cker Holzmarkt und dem des Kommerzsekretärs Schmiel in der Schützenstrasse, von
denen berichtet wird, dass sie eine „vortreffliche“ bzw. „eine auserlesene Sammlung
von englischen Aurikeln“77 besaßen.
In diese Zeit des frühen 19. Jahrhunderts fallen Veröffentlichungen von Hum-
phry Repton (1752–1818), die in deutschen Landen besonders von Hermann Fürst
von Pückler-Muskau (1785–1871) geschätzt und beim Ausbau seiner Parkanlagen in
Muskau und Branitz berücksichtigt wurden78 . Auf die spezielle Rezeption Reptons
durch Pückler-Muskau mache ich in meinem Beitrag „Hermann Fürst von Pückler-
Muskau und Humphry Repton – A Map of Influence“ in diesem Band aufmerksam.
1870 erschien The Wild Garden sowie Alpine Flowers for English Gardens und 1883
The English Flower Garden von William Robinson (1838–1945)79, der ab 1871 auch
die Zeitschrift The Garden: An Illustrated Weekly Journal of Horticulture In All Its
Branches und ab 1879 Gardening, später Gardening Illustrated herausgab. The Eng-
lish Flower Garden erschien in mehreren, immer wieder leicht veränderten, Auflagen,
zu denen auch Gertrude Jekyll (1843–1932)80 einiges beisteuerte. Robinson propa-
gierte einen natürlichen Stil bei der Anlage von Gärten, der, in mehr oder weniger
großen Abwandlungen, seither weithin in Europa anzutreffen ist. In Deutschland
war es besonders Willy Lange (1864–1941), der in dieser Zeit als Rentner in Dietharz
bei Gotha tätige spätere Gartenbaudirektor an der Könglichen Gärtnerlehranstalt

74 Charlotte Schoell-Glass, Ein Garten fürs Gemüt – Landschaft als Bild, in: Caspar Voght, Flotbeck
in ästhetischer Hinsicht, hg. und kommentiert v. Charlotte Schoell-Glass, 40–67, Hamburg 1990,
47; siehe auch Sylvia Borgmann, Altona: Klein Flottbek, in: Historische Gärten in Schleswig-
Holstein (wie Anm. 35), 132–148.
75 Siehe dazu Clemens Alexander Wimmer, Bäume und Sträucherin historischenGärten, (Muskauer
Schriften 3), hg. v. d. Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, Dresden 2001.
76 Siehe dazu Jim Gould, The Lichfield Florists, in: Garden History 16 (1988), 1, 17–23.
77 Späth (wie Anm. 15), XII.
78 Siehe dazu Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Andeutungen über Landschaftsgärtnerei ver-
bunden mit der Beschreibung ihrer praktischen Anwendung in Muskau Stuttgart 1834.
79 Bio- und bibliographische Angaben zu Robinson, siehe Patrick Taylor, The Oxford Companion
to the Garden, Eintrag Robinson, William, Oxford 2006, 409.
80 Bio- und bibliographische Angaben zu Jekyll, siehe ebd., 254.

28
Einleitung

in Berlin-Dahlem81 , der sich von Robinsons Vorstellungen anregen ließ82 und eine
ganze Reihe von Beiträgen im frühen 20. Jahrhundert in der Zeitschrift Gartenwelt
veröffentlichte83 . In dem Beitrag „Garten und Weltanschauung“ aus dem Jahr 1900
setzte er sich besonders mit dem herzoglichen Garten in Gotha auseinander, den er
für einen „Kunstgarten der herrschsüchtigen Kulturzeit“ hielt, während „der neuen
Weltanschauung nur der bewußt natürliche [gesperrt im Original, GG], der in Liebe
zur Natur und nach den Gesetzen seines organischen Inhaltes [besonders der leben-
den Pflanze] mehr gestaltete [gesperrt im Original, GG], als geformte Naturgarten“84
entspräche. Auf die Entstehungsgeschichte des Englischen Gartens im Schlosspark
Gotha machen in diesem Band Jens Scheffler mit dem Beitrag „,Kunstlos und wahr
hervorzubringen gewusst . . . ‘ – Ein Beitrag zur Geschichte und aktuellen Situation
des Englischen Gartens im Schlosspark Gotha“ und Uwe Jens Wandel mit seinen,
auf fundiertem Quellenstudium beruhenden, Ausführungen „Von Gotha nach Kew –
von Kew nach Gotha. Zur Entstehungsgeschichte des Englischen Gartens in Gotha“
aufmerksam.
Jekyll, die 1899 das Buch Wood and Garden und 1900 Home and Garden und in
den folgenden Jahren viele weitere veröffentlichte85 , zeichnete mit ihren besonderen
Bepflanzungen von Staudenbeeten eine Entwicklung vor, die bald darauf von Carl
Foerster (1874–1970)86 in Potsdam aufgegriffen und bis weit in die zweite Hälfte des
20. Jahrhunderts hinein in vielen Publikationen vertreten wurde. 1892 veröffentlichte

81 Bio- und bibliographische Angaben zu Lange, siehe Gert Gröning und Joachim Wolschke-
Bulmahn, Grüne Biographien, Biographisches Handbuch zur Landschaftsarchitektur des
20. Jahrhunderts in Deutschland, Eintrag Lange, Willy, Berlin 1997, 214–216.
82 Siehe Joachim Wolschke-Bulmahn, The ’Wild Garden’ and the ’Nature Garden’ – aspects of the
garden ideology of William Robinson and Willy Lange, in: Journal of Garden History 12 (1992),
3, 183–206.
83 Willy Lange, Der Ursprung des Gartens, Gartenwelt 4 (1900), 29, 342–344; ders., Garten und
Weltanschauung, in: Gartenwelt 4 (1900), 31, 361–364; ders., Gartengestaltung und Ästhetik, in:
Gartenwelt 4 (1900), 37, 433–436; ders., Die Blickgrenze in der Natur und im Garten, Gartenwelt
4 (1900), 42, 493–496; ders., Bilder aus der Gebirgslandschaft, in: Gartenwelt 5 (1900), 7, 73–75;
Gartenwelt 5 (1901), 20, 232–233 und 28, 326–328; Gartenwelt 6 (1902), 26, 301–303, 33, 388–389,
460–463 und 45, 529–532; Gartenwelt 7 (1903), 7, 76–79 und 21, 246–247; ders., Das Wasser in der
Landschaft, Gartenwelt 5 (1901), 37, 438–440, 39, 459–461 und 47, 557–559; Gartenwelt 6 (1902),
7, 77–79, 10, 114–116, 12, 139–141, 39, 460–463; ders., Die Mittellandschaft, Gartenwelt 7 (1903),
34, 397; ders., Landschaftsbilder der Ebene, Gartenwelt 7 (1903), 38, 445–446; ders., Wälder der
Ebene, Gartenwelt 7 (1903), 45, 529–530; ders., Einzelheiten der Waldnatur im Garten der Ebene,
Gartenwelt 8 (1903), 12, 133–136 u. a. m.
84 Ders., Garten und Weltanschauung, in: Gartenwelt 4 (1900), 31, 361–364, 363.
85 So z. B. Home and Garden, 1900; Wood and Garden, 1899; Lilies for English Gardens, 1901; Wall
and Water and Woodland Gardens, 1901; Roses for English Gardens, zusammen mit Edward
Mawley, 1902; Some English Gardens mit R. I. und George S. Elgood, 1904; Flower Decoration
in the House, 1907; Children and Gardens, 1908; Colour Schemes in the Flower Garden, 1908;
Gardens for Small Country Houses, zusammen mit Lawrence Weaver, 1912; Wall and Water
Gardens, 1913; The Best Annuals and Biennial Plants and Their Uses in the Garden, 1916.
86 Bio- und bibliographische Angaben zu Foerster, siehe Gröning/Wolschke-Bulmahn, Grüne Bio-
graphien (wie Anm. 81), Eintrag Foerster, Carl August, 94–95.

29
Gert Gröning

Reginald Blomfield (1856–1942)87 mit Inigo Thomas (1866–1950) das Buch The For-
mal Garden in England, das ebenso wie Thomas Mawsons (1861–1933) Buch The Art
and Craft of Garden Making zur wesentlichen Grundlage für Hermann Muthesius’
(1861–1927) Einlassungen über die Gartenkultur im frühen 20. Jahrhundert wurde88 ,
die Uwe Schneider in seinem Beitrag „Landschaftlich versus geometrisch: Hermann
Muthesius und die (Wieder-)Entdeckung geometrischer Gartenprinzipien in England“
zu diesem Band spezifisch aufgreift. Das beste Beispiel der von Muthesius intendier-
ten Übernahme englischer Vorstellungen ist der Herrensitz Wendgräben des Baron
Hans von Wulffen-Mahndorf (1864–1943) bei Loburg, südöstlich von Magdeburg.
Er wurde 1909, „im Sinne des durch Generationen bewährten englischen Landlebens
für deutsche Verhältnisse“89 ausgebaut. Den Entwurf für das schlossartige Haus fer-
tigte Hermann Muthesius90 , den für die Park- und Gartenanlage Baron Walter von
Engelhardt (1864–1940)91, der Direktor des Gartenamts der Stadt Düsseldorf und
nebenamtliche Lehrer in der Gartenkunstklasse der Kunstgewerbeschule Düsseldorf,
an92 . Bezüglich seiner „subjektive[r]n Liebhaberei[en]“ von „Gebilde[n] aus gescho-
renem Pflanzenwerk“, also seinem Interesse an einer in England verbreiteten Form
des Beschneidens von Sträuchern und Bäumen, der Topiarik, topiary, sah sich von
Wulffen-Mahndorf zwischen dem „Fanatiker“, der dazu „sagt: nein, unmöglich, das
verträgt sich nicht mit dem Gesamtcharakter“! und dem „Opportunisten“, der „sagt:
aber warum soll man nicht etwas schaffen, was man nicht alle Tage sieht, es muß nur
mit gutem Geschmack geschehen“, als „Amateur“, der „sagt: Schauen Sie auf Eng-
land“93. Das nunmehr sich im frühen 20. Jahrhundert entwickelnde Geflecht von Be-
ziehungen auch nur andeutungsweise weiter auszuführen, würde den hier gesetzten
Rahmen meiner Anmerkungen zum diesbezüglichen deutsch-britischen Kulturtrans-
fer in der Landschaftsarchitektur des 18. und 19. Jahrhunderts weit überschreiten und
muss daher unterbleiben.

87 Für biographische Informationen zu Blomfield siehe Richard A. Fellows, Sir Reginald Blomfield:
An Edwardian Architect, London 1985.
88 Siehe Hermann Muthesius, Das englische Haus, Entwicklung, Bedingungen, Anlage, Aufbau,
Einrichtung und Innenraum, Band 1–3, Berlin 1904–1905; ders, Landhaus und Garten, Beispie-
le neuzeitlicher Landhäuser nebst Grundrissen, Innenräumen und Gärten, München 1907; siehe
auch Uwe Schneider, Hermann Muthesius und die Reformdiskussion in der Gartenarchitek-
tur des frühen 20. Jahrhunderts, (Grüne Reihe, Quellen und Forschungen zur Gartenkunst 21)
Worms 2000.
89 Hans Waldemar von Wulffen-Mahndorf, Wendgräben, ein mitteldeutscher Herrensitz, in: Die
Gartenkunst 35 (1922), 6, 55–62, 57.
90 Hermann Muthesius, Zwei Bauten von Hermann Muthesius, in: Dekorative Kunst 26 (1917/18),
105–128.
91 Bio- und bibliographische Angaben zu von Engelhardt siehe Gröning/Wolschke-Bulmahn, Grü-
ne Biographien (wie Anm. 81), Eintrag Engelhardt, Walter von, 83–84; siehe auch Felix Grütz-
ner, Gartenkunst zwischen Tradition und Fortschritt: Walter Baron von Engelhardt (1864–1940),
(Studien zur Kunstgeschichte 3) Bonn 1998.
92 Walter von Engelhardt, Wendgräbens Park- und Gartenanlage, in: Die Gartenkunst 35 (1922), 6,
62–66.
93 von Wulffen-Mahndorf (wie Anm. 89), 59.

30
Einleitung

Insgesamt mag deutlich geworden sein wie weit und differenziert das Feld des
deutsch-britischen Kulturtransfers in der Landschaftsarchitektur des 18. und 19. Jahr-
hunderts ist. Vieles auf diesem Gebiet mag in groben Zügen bekannt sein, war jedoch
bislang kaum Gegenstand spezifischer Untersuchungen. Insofern mögen die in die-
sem hier vorgelegten Band versammelten Beiträge den Anfang für die Bearbeitung
eines noch in weiten Teilen brachliegenden Forschungsfelds markieren.

31
David Watkin

The Influence of English Royal Gardens on the Continent


in the 18th Century∗

The royal gardens at Kew with their buildings by Sir William Chambers, who had
been architectural tutor to King George III, were a central attraction for German
and French visitors from the 1760s. Created from the 1750s by George III’s mother,
the Dowager Princess of Wales, Princess Augusta of Sachsen-Gotha-Altenburg, they
were described in print by Chambers himself, and illustrated in engravings and paint-
ings (Ill. 1.1). They became among the most influential European gardens of the day,
and it almost seemed for a time as though England were rivalling Italy as a Grand Tour
destination. For example, in c. 1769 Richard Wilson, better known for his paintings

Ill. 1.1: “The Wilderness at Kew Gardens, with the Alhambra, Pagoda and Mosque”, from William
Chambers, Plans and Perspective Views of the Gardens and Buildings at Kew, 1763.

∗ I am greatly indebted to Professor Marcus Köhler and Dr Samuel Wittwer for help in preparing
this paper.

33
David Watkin

of Italian scenery, chose to paint “View of the Thames from Kew”1 . One reason why
foreign visitors came to England to see recent developments in architecture and garden
design was that the Seven Years’ War of 1756–1763 had reduced building activity in
France and especially in German principalities, but not in England.
George III liked to show his gardens at Kew and Richmond2 to visitors from the
Holy Roman Empire, especially those from his Hanoverian Electorate. Elector of Ha-
nover, its King from 1814, Duke of Brunswick and Lüneburg, George III also held the
high office of Arch Treasurer of the Empire, keeping a representative at Regensburg
and serving as a member of the Electoral College. As a Prince of the Spire, he never
forgot his dual allegiance to England and to the Empire. He once exclaimed as he “laid
his hand upon his breast [. . . ] Oh! My heart will never forget that it pulses with Ger-
man blood”3. His connections with Germany through his relatives will be explained
in this paper which will also draw on the accounts of English, German, French and
Swedish gardens given by Christian Hirschfeld in his five-volumed Theorie der Gar-
tenkunst of 1779–85. Hirschfeld is helpful for giving us an authentic, contemporary
reaction to the gardens.
George III’s German wife, Charlotte of Mecklenburg-Strelitz, a Princess of the
Holy Roman Empire, was painted in 1761 by Johann Ziezenis in front of the family
Schloss at Neustrelitz with formal gardens of 1726–31 by Christoph Lowe4 . As
Queen Charlotte, she entertained her relatives in the royal gardens at Richmond and
Kew, especially her two brothers who were both military governors in George III’s
Hanoverian territories: Prince Ernst of Mecklenburg-Strelitz and her favourite bro-
ther, later the ruling Grand Duke Carl5 . They were painted by her favourite artist,
the German Johann Zoffany, on a rustic bench at Kew or Richmond in 17716 when
she recommended Prince Ernst to build a thatched cottage on his estate similar to
hers at Kew, while he discussed topics such as gardening and hunting with George III
in London, sending him a book on trees in 1770. Prince Ernst laid out a garden, the
Prinzengarten, on his estate near Celle where he said that “everything is in the true
English taste”7 , while Hirschfeld also praised its “rural aspect” and “extensive cow
pastures”8 .
Prince Carl of Mecklenburg-Strelitz, after visiting the royal gardens at Richmond
in 1771, wrote of them “that is my paradise”, and laid out a landscaped park at his

1 Alte Pinakothek, Munich.


2 See John Cloake, Palaces and Parks of Richmond and Kew (2 vols), Chichester 1995–6.
3 Christopher Hibbert, George III: A Personal History, London 1998, 373.
4 In the collection of H.M. Queen Elizabeth II.
5 For her relation with her brothers, see Clarissa Campbell Orr, Charlotte of Mecklenburg-Strelitz,
Queen of Great Britain and Electress of Hanover: northern dynasties and the Northern Republic
of Letters, in: Queenship in Britain, 1660–1815,The Role of the Consort, ed. by Clarissa Campbell
Orr Cambridge 2004, 368–402.
6 In the collection of H.M. Queen Elizabeth II.
7 Marcus Köhler, The German Legacy: Richmond in Braunschweig, Garden History 29 (2001), 30.
8 Christian Hirschfeld, Théorie de l’art des jardins, 5 vols, Leipzig 1779–85, vol. 3, 1781, 284.

34
Influence of English Royal Gardens

Ill. 1.2: Plan of the park at Hohenzieritz in 2000.

summer residence of Hohenzieritz, north of Neustrelitz, probably designed by the


Scottish botanist and gardener, Archibald Thompson9 (Ill. 1.2).
The relation of the jardin anglais on the continent to the ideals of Rousseau on
nature, morality, and sensibility, is recalled by Prince Carl who studied at Geneva in
1758 where he read Rousseau. He later “instigated a Rousseauesque festival for the
local population by a consecrated forest altar” in his garden at Hohenzieritz in 179610.
The Anglo-Swedish architect, William Chambers, was equally at home in Rome,
where he knew Piranesi, Paris, London, Gothenburg, and Canton. His buildings at
Kew included a partly ruinous arch at Kew in the manner of Piranesi, painted by
Richard Wilson in 1761–2 to resemble a real ruin in Rome11 . At the heart of the ar-
chitectural culture of the Enlightenment with its search for links between different

9 Marcus Köhler, Park, Hohenzieritz,in: Weißbuch der historischenGärten und Parks in den neuen
Bundesländern,Bonn 2005, 82–4; and Christine Hinz, Die ParklandschaftHohenzieritz,in: Harri
Günther, ed., Gärten der Goethe-Zeit, Leipzig 1993.
10 Clarissa Campbell Orr, Queen Charlotte, ’ScientificQueen’, in: Queenship in Britain, 1660–1837:
Royal Patronage,Court Culture and Dynastic Politics, ed. Clarissa Campell Orr, (Manchester and
New York 2002): 236–66.
11 Brinsley Ford Collection, London.

35
David Watkin

cultures, Chambers suggested parallels between antique and ancient Chinese architec-
ture in his Designs of Chinese Buildings (1757)12. He dedicated this book to George,
Prince of Wales, the future George III, and also his Dissertation on Oriental Garden-
ing (1772) which he sent to Voltaire who replied amusingly that “a German prince who
sought to be your pupil would ruin himself ”13 . Appropriately, the Dissertation was
published at Gotha in 1775 as Über die Orientalische Gartenkunst; eine Abhandlung
aus dem Englischen des Herren William Chambers, doubtless promoted by George
III’s cousin, Duke Ernst von Sachsen-Gotha-Altenburg.
Voltaire may have had in mind Frederick the Great of Prussia, George III’s first
cousin once removed. In the Seven Years’ War when Britain was allied to Prussia,
George II and George III sent annual subsidies to Frederick who tried to appoint
William Chambers as his “architect [sic] du roy”14 , paying him for a set of drawings for
Chinoiserie bridges15 . These were not built but Frederick built the Dragon House in
the park at Sanssouci in 1754–64. Designed by Karl von Gontard who had been trained
in Paris by Blondel with Chambers, the Dragon House is a modest echo of the pagoda
of 1761–2 by Chambers at Kew. In 1770–2 Georg Christian Unger (1743–1812), a
pupil of Gontard, built the Belvedere on Klausberg Hill at Sanssouci to command a
view of the whole park. It was, of course, meant to see from as well as to be seen.
At Kew, the Swiss German architect, Johann Heinrich Müntz (1727–98), designed
the “Gothic Cathedral” in 1759 and probably the Moorish “Alhambra” (Ill. 1.1), as
well as the Mosque at Schloss Wilhelmshöhe at Kassel where he seems to have de-
signed the mosque next to the Chinese village16. Other mosques like that at Kew were
at Schwetzingen, near Mannheim, built in 1778–96 for Karl Theodor, Bavarian Elector
by the French architect, Nicolas de Pigage (1723–96), whose Temple of Minerva recalls
drawings of garden buildings by George III such as a Corinthian temple17 . Pigage’s
Temple of Apollo at Schwetzingen has much in common with the Temple of Victory
at Kew by Chambers of which George III made a drawing18 .

12 See Thomas Weiss, ed., Sir William Chambers und der Englisch-Chinesische Garten in Europa,
symposium report (Kataloge und Schriften der Staatlichen Schlösser und Gärten Wörlitz, Ora-
nienbaum, Luisium 2), Ostfildern-Ruit 1997.
13 Theodor Besterman, ed., Correspondence of Voltaire, 107 vols, Geneva 1953–65, vol. 82, Voltaire
to Chambers, 7 August 1772.
14 Letter from John Forbes to William Chambers, 3 February 1752 (Chambers papers, RIBA). See
Hans Huth, Chambers and Potsdam, in Essays in the History of ArchitecturePresentedto Rudolf
Wittkower, David Fraser, et al., eds., London 1967, 214–16.
15 See Hans-Joachim Giersberg, Friedrich als Bauherr: Studien zur Architektur des 18. Jahrhunderts
in Berlin und Potsdam, Berlin 1986, 139. A design reproduced in John Harris, Sir William Cham-
bers, Knight of the Polar Star, London ,1970, pl. 42, is close to the pavilions at a Cantonese pagoda
illustrated by William Chambers in Designs of Chinese Buildings, London 1757, pls II–III.
16 Hans-Christoph Dittscheid, Kassel-Wilhelmshöhe und die Krise des Schlossbaues am Ende des
Ancien Régime: Charles de Wailly, Simon Louis Du Ry und Heinrich Christoph Jussow als
Architekten von Schloss und Löwenburg in Wilhelmshöhe, 1785–1800, Worms 1987, pl. 184.
17 David Watkin, The Architect King: George III and the Culture of the Enlightenment, London
2004, fig. 35.
18 Ibid., fig. 37.

36
Influence of English Royal Gardens

Ill. 1.3: The park at Harbke. Engraved 1782 by Geyser.

Harbke, near Helmstedt, was one of the first German landscaped parks with groves
and plantations, though still not comparable to parks in England. (Ill. 1.3)
It was laid out for Baron Veltheim from c. 1760 by Johann Busch who came to Eng-
land in c. 1744, was probably a gardener at Kensington Gardens and became a Britsh
subject19 . In 1758 he supplied a box of North American seeds to Count Schulenburg
whose neighbour, Baron Veltheim of Harbke, began to correspond with Busch. In
his lengthy account of Harbke, Hirschfeld described how parts were named after the
swampy grounds of Florida and South Carolina with trees and plants from Maryland,
China, Siberia, and the Falkland Islands20 . Goethe saw Harbke in 1805 after the death
of Busch who had become the most popular landscape gardener in Russia, beginning
with Tsarskoe Selo.
Another gardener at Harbke was Johann Graefer who afterwards visited Johann
Busch in London and saw Kew where he met Sir Joseph Banks, the scientist and
botanist who advised George III on the gardens there. Banks recommended Graefer

19 For establishing the contribution of Busch we are indebted to Marcus Köhler, Frühe Landschafts-
gärten in Russland und Deutschland: Johann Busch als Mentor eines neuen Stils, Berlin 2003.
20 Hirschfeld (note 9), vol. 4, 1783, 281–9.

37
David Watkin

to Sir William Hamilton in Naples where, next to the Baroque garden at Caserta,
Graefer laid out the jardin anglais, a watery wilderness which was a parallel to Kew.
Graefer also worked with George III’s gardener, “Capability” Brown, in the 1760s at
Croome Court, Worcestershire.
Suggestions were also made for Harbke by the gardener, August Daniel Schwarz-
kopf, who met Johann Busch in London in the 1760s and later worked in an Eng-
lish manner at Karlsaue and Wilhelmstal, and in 1763 at Schloss Weißenstein, la-
ter known as Wilhelmshöhe. Schwarzkopf’s patron here, Landgrave Friedrich II of
Hesse-Kassel, who had married George III’s aunt Marie, sent him to England. Here,
he specialised in introducing foreign trees and shrubs, especially North American va-
rieties, at Wilhelmshöhe, which were published in 1785 in a rare book by a pharmacist
and botanist21 .
A celebrated jardin anglais was created at Marienwerder, near Herrenhausen, in
1761–82 for Jobst Anton von Hinüber, Post Master in George III’s Hanoverian
territory. In 1772 a map of Marienwerder was made as part of the illustrated survey
which George III commissioned of his Hanoverian estates22 . Hinüber knew Chis-
wick, Windsor, and particularly Kew which resembled the part of his garden between
the house and the river where there were numerous fabriques including a Chinese
pavilion and a hermitage similar to designs by Sandby for George III at Windsor.
In 1764, George III’s sister, Princess Augusta, married Duke Carl Wilhelm Ferdi-
nand of Brunswick (1735–1806) who reigned as Carl II from 1780 till 180623. Settling
in Brunswick in 1767, they asked “Capability” Brown to design a park nearby for
Augusta “laid out in the English Tast [sic]”24 (Ill. 1.4).
She called it Richmond because its sloping site, overlooking the River Oker, recal-
led her family home in England25 . Created by Götze, using Brown’s designs, it was
one of the first English parks in Germany and was greatly praised by Hirschfeld26 .
Princess Augusta also built an elegant summer residence here in 1768, commanding
views of the park (Ill. 1.5). Designed by the court architect Karl Fleischer (1727–87),
it echoes the Franco-Palladian style of William Chambers.

21 Conrad Mönch, Verzeichnis ausländischer Bäume und Stauden des Lustschlosses Weissenstein
bey Cassel, Frankfurt and Leipzig 1785.
22 In the King’s Maps, British Library, London.
23 He was descended from Duke Anton Ulrich of Brunswick-Wolfenbüttel, one of the great
collector-princes of the Baroque age who converted to Catholicism and became a friend of Louis
XIV. His Baroque gardens at Saltsdahm were a rival to those at Herrenhausen.
24 Letter of 28 October 1767, quoted in Köhler (note 8), 29. See also Heinz Joachim Tute, Richmond.
Bilder aus 225 Jahren Geschichte, Brunswick 1993, and Der Landschaftspark am Schlösschen
Richmond, Brunswick 1987; and Gustav Adolf Raben, Die Parkanlage von Schloss Richmond,
Braunschweig, in Die Gartenkunst 1, 1989, 67–78.
25 David Watkin and Tilman Mellinghoff, German Architecture and the Classical Ideal 1740–1840,
London 1987, 52 and pls 38–9. Translated as Deutscher Klassizismus. Architektur 1750–1840,
Stuttgart 1989. For a drawing of Schloss Richmond by Princess Caroline, dated 20 July 1810, in
the Collection of H.M. Queen Elizabeth II, see Watkin (note 18), fig. 114.
26 Hirschfeld (note 9), vol. 5, 1785, 369.

38
Influence of English Royal Gardens

Ill. 1.4: Plan of the park at Richmond, Brunswick, c. 1800.

Ill. 1.5: View of the park and Lustschloss at Richmond, Brunswick. Engraved c. 1800.

George III’s cousin, Duke Ernst Ludwig II of Sachsen-Gotha-Altenburg (1745–


1804), was an Enlightenment prince and patron who in 1768 travelled in England and
France, seeing Kew and Stowe, as well meeting Diderot and the Encyclopédistes27. He
sought advice on gardening at Kew from his aunt, George III’s mother, Augusta, Prin-
cess of Wales, who in 1769 sent to him at Gotha John Haverfield (1705–84), son of her

27 See Werner Greiling, ed., Ernst II. Von Sachsen-Gotha-Altenburg. Ein Herrscher im Zeitalter der
Aufklärung, Cologne 2005.

39
David Watkin

gardener at Richmond and Kew. With the help of Haverfield, Duke Ernst created on
his return a Picturesque Englischer Garten at Gotha from 1769–73, including Ameri-
can trees brought from Kew28 . In the style of “Capability” Brown, it was described
enthusiastically by Hirschfeld29 . Prominent near the lake is the Greek Doric “Temple
of Mercury” built in 1775–7 from designs by Carl Christoph Besser30 (Ill. 1.6).

Ill. 1.6: Temple of Mercury in the Englischer Garten at Gotha.

This early monument of the Greek Revival, which is similar to the temple in “Capa-
bility” Brown’s park at Bowood, Wiltshire31, was based on the gateway to the Agora
in Athens, as illustrated in 1762 in James Stuart and Nicholas Revett’s Antiquities of
Athens, a work dedicated to King George III32 .
Landgrave Wilhelm IX of Hesse-Kassel (1743–1821), Elector from 1803, and his
wife, both of whom were first cousins of George III, owned the German translation

28 See Im Reich der Göttin Freiheit: Gothas fürstliche Gärten in fünf Jahrhunderten, exhib. cat.,
Weimar 2007.
29 Hirschfeld (note 9), vol. 4, 1783, 274–9.
30 See Udo Hopf, Carl Christoph Besser, der Baumeister Herzog Ernsts II [. . . ] und seine Bauten
der Parkarchitektur in Gotha, in Roma Mildner-Spindler, ed., Die Gothaer Residenz zur Zeit
Herzog Ernsts II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, 1772–1804, Gotha 2004, 59–70.
31 The date and architect of this Greek Doric temple is unknown but it was moved to its present
site by the lake at Bowood in 1864.
32 Vol. I, London 1762, ch. 1, pl. III.

40
Influence of English Royal Gardens

of 1775 of Chambers’ Dissertation on Oriental Gardening (1772)33 and sent their


court architect, Heinrich Jussow (1754–1825), to England in 178734 . Having seen
gardens such as George III’s at Virginia Water with its waterfall by Thomas Sandby,
Jussow designed in c. 1792 the similar Steinhoffer Fall and Devil’s Bridge in the park
at Wilhelmshöhe, outside Kassel (Ill. 1.7).

Ill. 1.7: The Steinhoffer waterfall, near the Löwenburg, Wilhelmshöhe, in 1825, by H. and J. H.
Bleuler.

33 Dittscheid (note 17), 220.


34 See John Harris and Bernhard Korzus, “sich in der Anlegen der englischen Bau Arten wohl zu
informiren”: Das Englische bei Jussow, in Heinrich Christoph Jussow 1754–1825: Ein hessischer
Architekt des Klassizismus, exhib. cat. Staatliche Museen, Kassel 1999, 53–66.

41
David Watkin

Jussow also built the nearby castle of Löwenburg, a Picturesque, partly ruinous,
extravaganza35 . It recalls English mediaeval castles such as Alnwick, Northumberland,
largely of the fourteenth century, which was praised and illustrated by Hirschfeld36 .
It was restored by its owners, George III’s friends, the Duke and Duchess of North-
umberland.
Antiquity, Anglo-Palladianism, and the Picturesque garden were among the pas-
sions of Prince Leopold Friedrich Franz of Anhalt-Dessau (1740–1817). The prince
himself was well educated and with his architect, Friedrich Wilhelm von Erdmanns-
dorff (1736–1800), had studied under Winckelman in Rome in 1765 and knew both
Rousseau and Goethe. From the 1760s to the 80s, Prince Franz, often with Erdmanns-
dorff, was frequently in England37 which he described as his “second homeland”38.
It was the model for his programme of domestic reform which included introducing
the latest English developments in architecture, agriculture, fruit cultivation, garde-
ning, manufacture, and industry, so as to transform his state of Anhalt-Dessau into a
Gartenreich, a garden Kingdom.
His Picturesque park was laid out in 1764–1800 at Wörlitz on the shores of the
river Elbe by his gardener, Johann Eyserbeck, who had travelled in England39. Its
Schloss, built from 1769–73 by Erdmannsdorff (1736–1800), was stylistically similar
to Duddingston House, Edinburgh (1763–8), by William Chambers, whom the Prince
knew, but is closer to the later Claremont House, Surrey (1771–4), by “Capability”
Brown. The Chinese Room at Schloss Wörlitz seems related to plates in Chambers’
Designs of Chinese Buildings (1757). The Schloss was later crowned by a belvedere so
that Prince Franz and his visitors could view the landscape.
Prince Franz had seen Lord Lansdowne’s house, park, and cascade, at Bowood,
Wiltshire, and his model farm at Wycombe, Buckinghamshire, which influenced that
at Wörlitz for which he had already brought back clover seeds in 1764 so as to in-
troduce clover-based crop rotation, pioneered on George III’s farms. In an attractive,
two-way Anglo-German link, Lord Lansdowne’s son, Lord Wycombe, came to visit
Prinz Franz at Wörlitz which he compared to Stourhead in a letter he sent back to his
father at Bowood40 .

35 On Löwenburg, see Dittscheid (note 17), passim, and Watkin and Mellinghoff (note 26), 46–49 &
237–44, & pl. 35.
36 Hirschfeld (note 9), vol. 5, 1785, 322–3.
37 A substantial fragment of Erdmannsdorff’s account of his journey with the Prince in 1763–4,
written in French in 1764, was recently discovered and published for the first time in Zeller and
Weiss (note 39), 37–71. See also Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, 1736–1800: Leben, Werk,
Wirkung, exhib. cat., Wörlitz Oranienbaum, Luisium 1987.
38 Ursula Zeller and Thomas Weiss, eds., For the Friends of Nature and Art: The Garden Kingdom
of Prince Franz von Anhalt-Dessau in [sic] Age of Enlightenment, exhib. cat., Dessau, Wörlitz
1997, 31 and 54.
39 Of the extensive modern literature on this garden, see in particular Gerd Biegel, ed., Wörlitz: ein
Garten der Aufklärung, Brunswick 1992, and Frank-Andreas Bechthold and Thomas Weiss, eds,
Weltbild Wörlitz: Entwurf einer Kulturlandschaft, exhib. cat., Wörlitz 1996.
40 Maiken Umbach, Federalism and Enlightenment in Germany, 1760–1810, London and Rio Gran-
de 2000, 82.

42
Influence of English Royal Gardens

Wörlitz was inspired by the gardens and parks in England which Prince Franz
visited and recorded, notably Painshill, Rousham, Stowe, Chiswick, Blenheim, Chats-
worth, and Nuneham Courtenay where in 1772, Lord Harcourt, a close friend of
George III, created a garden inspired by that of Julie in Rousseau’s novel, Julie, ou la
nouvelle Eloise (1761) (Ill. 1.8).
There was even a bust of Rousseau in the garden at Nuneham Courtenay.

Ill. 1.8: Flower Garden at Nuneham, 1777. Engraved by W. Watts after Paul Sandby.

Surpassing these English gardens in intellectual coherence, imagination, and size,


Wörlitz is the most important garden of its type in Europe. Like Kew, it is a cultural
mnemonic, a narrative of world architecture and history, including buildings both
educative and romantic, like the Gothic House with its instructive paintings of ca-
thedrals. The buildings by Chambers at Kew were partly built to educate his pupil,
the Prince of Wales, the future George III, while Wörlitz was intended to educa-
te the subjects of Prince Franz. The Schloss and its collections as well as the park
were publicly accessible, while a guest house was built to accommodate the many
visitors.
For the Pantheon of 1799 at Wörlitz, Prince Franz cited as a model those at Chis-
wick and Stourhead, while the Temple of Flora (Ill. 1.9) was inspired by that at Stour-
head of 1744 by Henry Flitcroft.

43
David Watkin

Ill. 1.9: The park at Schloss Wörlitz with the Pantheon.

At Georgengarten, elsewhere in his Gartenreich, he created a garden from 1780


with artificial ruins41 . It also contained a ruined bridge, echoing Sandby’s work at
Windsor but based on a plate supplied by Brandt for Hirschfeld’s account of gardens
relative to the seasons42 . In the Baroque park at Oranienbaum, Prince Franz created
a jardin anglo-chinois in 1793–7 with twelve islands, eight bridges, and a pagoda and
Chinese house, both inspired by Kew, and thus puzzlingly late for such a Rocco
ensemble43 .
At Wörlitz, there was a South Sea Pavilion to recall the discoveries of Captain Cook
in Tahiti which Hirschfeld claimed included plantations recalling English gardens and
were a “true paradise”44 . He noted that George III had subsidised Cook’s voyage.
Indeed, Omai, whom Cook brought back from Tahiti, was presented to George III at
Kew and painted as a noble savage by Sir Joshua Reynolds. There were Freemasonic
as well as South Sea Island aspects at Wörlitz, for Prince Franz was a Freemason, like
Frederick the Great and Goethe’s patron and friend, the Duke of Sachsen-Weimar, all
of whom were attracted by the Freemasonic stress on harmony and enlightenment.

41 Rolf Kirsch, Idee und Geschichte des Georgengartens in Hannover-Herrenhausen, Göttingen


1997.
42 Hirschfeld (note 9), vol. 4, 1783, 192.
43 Zeller and Weiss (note 39), 96 and 117–20 & pl. 102.
44 Hirschfeld (note 9), vol. 1, 1779, 131.

44
Influence of English Royal Gardens

Saxony and especially Leipzig was a centre of Freemasonry. At the approach to the
labyrinth at Wörlitz was the inscription with the Masonic initiation, “Waehle Wandrer
Deinen Weg mit Vernunft” (Choose traveller your path with reason).
In a Masonic programme of the four elements at Wörlitz, the Greek Doric Temple
of Venus of 1794 had foundations raised on a flood dyke recalling the sea-born Venus,
while fire came from the volcano at the Stein, the man-made island of 1788–94. It has
a relation to the cascade and grotto at Virginia Water, near Windsor, which Prince
Franz had seen in 1763. It also relates to the “island with a grotto” at Painshill, Surrey,
visited by Prince Franz and Erdmannsdorff45 .
Visitors to the grottoes at the Stein below the fires of Mount Vesuvius, experienced
the sensations of sound, light, and darkness, realising the Sublime of the philosopher,
Edmund Burke, and of Chambers. Masonic links are not frequent in English gardens
but much more so in France, as at Monceau, Maupertuis, and Ermenonville. Returning
from England via Paris in 1775, Prince Franz and his wife met Rousseau who was
shortly to be buried in the Isle des Peupliers at Ermenonville, supposedly the first
man to be hurried in a garden, an example later followed by Duke Ernst II at Gotha46
(Ill. 1.10) and Hermann, Prince Pückler-Muskau, at Granitz.

Ill. 1.10: Heilige Insel in the Englischer Garten at Gotha. Engraved c. 1820.

45 Zeller and Weiss (note 39), 56, 69, n. 50, and 53.
46 See Sascha Winter, Die “Heilige Insel” im Englischen Garten in Gotha, in Im Reich der Göttin
(note 29), 155–61.

45
David Watkin

In 1782, Prince Franz made a remarkable recreation at Wörlitz of the island at


Ermenonville with Rousseau’s tomb.
The Prince de Ligne in his survey of European gardens of 1781 claimed that “Gar-
deners, painters, philosophers, poets, go to Wörlitz”, while a guide book of 1782 called
it “The most delightful of painted landscapes”. From 1776, Goethe paid regular vi-
sits to Wörlitz which inspired his novel of 1809, Die Wahlverwandtschaften (Elective
affinities) with its reference to the erection of Masonic garden buildings. Wörlitz was
also the model for Goethe’s extensive landscaped Park an der Ilm in Weimar which,
like Wörlitz itself, is on the banks of the river Ilm. He was involved in the design of
the beautiful Roman House of 1792–8 by Johann Arens with a Greek Doric crypto-
porticus blending into its sloping landscaped site from where it commands a view
from the west over the Park an der Ilm.
Picturesque gardens in France and Sweden were also influenced by the royal gar-
dens at Kew and Richmond, and by Chambers’ dissertation which was published in
French as Dissertation sur le jardinage de l’Orient in 1773. An early French visitor to
English gardens was Abbé le Blanc who admired in the late 1730s uncultivated nature
at Richmond. Mme du Boccage, in England in 1750, praised Kensington and espe-
cially Richmond for its natural character. She praised the Hermitage at Richmond,
built in 1735 by William Kent for the Hanoverian wife of George II, Queen Caroline,
daughter of the Margrave of Brandenburg-Ansbach. The future George III made a
drawing of this Hermitage in 175547.
The Prince de Croy said that it was after the end of the Seven Years’ War in 1763
that English gardens became models in France. After visiting England, he designed
an English garden with a “cascade sauvage” from Richmond and a pagoda from Kew.
This garden was published in Le Rouge’s Nouveaux jardins à la mode48 (Ill. 1.11),
while English-inspired gardens included Ermenonville, Monceau, and Méréville. A
contributor to Monceau was the Scottish gardener, Thomas Blaikie, a serious bota-
nist like Sir Joseph Banks at Kew. Blaikie designed an English landscape garden in
1794 for Prince Joseph zu Salm-Reifferscheid-Dyck (1773–1861) at Schloss Dyck in
Nordrhein Westfalen.
This was a true park in the manner of “Capability” Brown or Humphry Repton,
lacking follies and fabriques.
Just as George III welcomed German visitors to London, those from Sweden were
welcomed by his architect, William Chambers, who gave his Dissertation on Oriental
Gardening to King Gustav of Sweden for whom he designed a garden at Ulricsdal in
c. 1775. Gustav’s chamberlain, Baron Adolf Barnekow, in London in 1771, designed
a jardin anglais at Ortoffa with features derived from Kew, including a version of
Chambers’ ruined arch. Chambers thus played a key role in the introduction of the
English landscaped garden in Sweden as well as in France and Germany.

47 Watkin (note 18), fig. 13.


48 Georges-Louis Le Rouge, Nouveaux jardins à la mode, Paris 1775, cahier 2, pl. 23.

46
Influence of English Royal Gardens

Ill. 1.11: Prince de Croy, “jardin a l’angloise”, from G.-L. Le Rouge, Nouveau jardins à la mode,
1775.

Most of the German gardens were anglo-chinois or sentimentaler Landschafts-


garten, filled with countless pavilions, bridges, and pagodas. Much rarer were five
landscaped parks in the English manner, not cluttered with buildings: Gotha, Hohen-
zieritz, Richmond, Kassel, and Dyck. These were followed at Schloss Wilhelmshöhe
where from 1785–98 an extensive landscaped park was created round a lake and a
Palladian palace was built from designs by Heinrich Jussow, the whole forming a
very English scene. Perhaps the first real English park was the Carl Theodor Park at
Munich, begun in 1789 by the Elector Prince Carl Theodor who gave it to the people
of Munich as a public park expressive of the German spirit. It later became known as
the Englischer Garten (Ill. 1.12).
Jardins anglais often had historical allusions with an intellectual appeal, whereas the
uneducated could enjoy the Englischer Garten which thus might be seen as more of an
Enlightenment project than Wörlitz with its conservative and princely iconography.
At Munich, the lakes, fields, woods, and clumps of trees, were formed in existing
woodland by Friedrich Ludwig Sckell, who had been apprenticed at Kew, though
the strange German devotion to Chinoiserie resulted in the wooden, five-storeyed,
Chinese tower or Pagoda of 179049. Later, garden buildings were added, including the
famous Monopteros by Leo von Klenze in 1834. Sckell also planted belts of trees to
create the atmosphere of an English park at Nymphenburg and at Schwetzingen from
the late 1770s to 1804.

49 See Volker Hannwacker, Friedrich Ludwig von Sckell: der Begründer des Landschaftsgarten in
Deutschland, Stuttgart 1992.

47
David Watkin

Ill. 1.12: Englischer Garten at Munich, with Monopteros by Leo von Klenze.

We have held this conference at Coburg, dear to the heart of Queen Victoria as
was Gotha where she visited Prince Albert’s grandmother, the Dowager Duchess of
Sachsen-Gotha-Altenburg, and described her visit to the Englischer Garten where she
went by boat “to see the tomb island in the lake” with its “pretty and peaceful effect”50 .
I will end at Schloss Babelsberg, Potsdam, which she also admired. It was designed in
1833 for Prince Wilhelm of Prussia and his anglophile wife by Karl Friedrich Schinkel,
and its park was by Peter Joseph Lenné, both of whom had visited England in the
1820s. It recalls East Cowes Castle on the Isle of Wight, begun in 1798 for himself
by John Nash, the favourite architect of George IV who visited him there several
times. Schinkel also met Nash on his visit to England. Queen Victoria commissioned
watercolours of Coburg and of Schloss Babelsberg to record her stay in it with Prince
Albert in 1845. Finally, in reversal of her eighteenth-century ancestors who imported
plants and trees from Kew, she even transported white poplar trees from Coburg to
Balmoral Castle.

50 Köhler (note 8), 35.

48
Gert Gröning

Hermann Fürst von Pückler-Muskau


und Humphry Repton:
A Map of Influence

I. Einleitung

Meine Ausführungen zum Thema Pückler und Repton – A Map of Influence habe ich
in 5 Abschnitte unterteilt. Nach der Einleitung will ich im zweiten Abschnitt Repton
und Pückler-Muskau kurz biographisch skizzieren. Im dritten Abschnitt werde ich
ebenso kurz auf die Fragments on the Theory and Practice of Landscape Gardening
von Repton aus dem Jahr 1816 und auf die Andeutungen über Landschaftsgärtnerei
von Pückler-Muskau aus dem Jahr 1834 eingehen. Dies sind gewissermaßen die Eck-
daten für die Map of Influence, die Karte der Einflüsse, die ich dann im weiteren Ver-
lauf des Beitrags zumindest in einer groben Skizze darstellen will. Den Begriff Map of
Influence übernehme ich, mit gewandeltem Bezug, aus einem Engagement Reptons,
das am Anfang seiner Zeit als Landscape Gardener lag. Es gehörte zu Reptons Vor-
gehen, die in seinen sogenannten Red Books präsentierten Pläne von vorhandenen
estate maps, Karten der Landsitze, abzuleiten1 , so z. B. im ersten dieser Roten Bü-
cher, dem für Brandsbury. Von dem Landsitz ist nichts mehr vorhanden. Heute liegt
dort das Stadtquartier Brondesbury im Stadtteil St. Johns Wood von London2 . 1788
hatte Repton für Thomas Coke (1754–1842), einen Landwirtschaftsreformer, den er
politisch unterstützte, eine Karte angelegt, die das Wahlverhalten in der County of
Norfolk bei den Wahlen des Jahres 1768 wiedergab3 . Von Cokes Landsitz Holkham
wurde nicht nur die auf soziale und wirtschaftliche Reformen hinarbeitende Whig-
Politik in der Grafschaft Norfolk gesteuert, vielmehr wurden dort auch die neuesten

1 Siehe Kedrun Laurie, Humphry Repton, First Years, Working Methods, in: Patrick Goode und
Kedrun Laurie, Humphry Repton. Landscape Gardener 1752–1818, London 1982, 5–33, hier 15;
siehe auch André Rogger, Die Red Books des Landschaftskünstlers Humphry Repton, (Grüne
Reihe – Quellen und Forschungen zur Gartenkunst 25) Worms 2007.
2 An der Ecke Kilburn High Road und Cavendish Road, südlich der Bahnstation Kilburn in
St Johns Wood in London, gibt es noch eine Bushaltestelle Brondesbury.
3 Siehe dazu Stephen Daniels, The Political Landscape, in: Humphry Repton. Landscape Gardener
(wie Anm. 1), 110–118, hier 110.

49
Gert Gröning

landwirtschaftlichen Verfahren so beispielhaft angewendet, dass Landwirte von über-


all herkamen, um davon zu lernen.
Im vierten Abschnitt meines Beitrags verweise ich auf einige Zusammenhänge zwi-
schen den Überlegungen Reptons und Pückler-Muskaus. Im fünften und letzten Ab-
schnitt versuche ich eine, zugegebenermaßen alles andere als vollständige, Antwort
auf die Frage zu geben, wie nahe Pückler den Reptonschen Vorstellungen war. Im
wesentlichen bediene ich mich der Briefe, die Pückler von seiner Reise nach England
in den Jahren 1826 und 1827 an seine Frau schrieb, die in der Veröffentlichung Briefe
eines Verstorbenen enthalten sind sowie der beiden Fachveröffentlichungen, der Rep-
tonschen Fragments on the Theory and Practice of Landscape Gardening wie auch der
Pücklerschen Andeutungen über Landschaftsgärtnerei.

II. Biographische Anmerkungen zu Repton und Pückler

Repton wurde 1962 von Stroud4 und 1999 von Daniels5 mit einer monographi-
schen Darstellung bedacht. 1873–74 hatte Assing ein Buch Fürst Hermann von
Pückler-Muskau6 und 1874–76 Briefwechsel und Tagebücher des Fürsten Hermann
von Pückler-Muskau 7 herausgegeben. 1928 erschien von Schlegel das Buch Die Per-
sönlichkeit und das Werk des großen Parkkünstlers Hermann Fürst von Pückler-
Muskau8 und schließlich 1982 von Ohff eine stark journalistisch geprägte Darstel-
lung Fürst Hermann Pückler 9 sowie vom gleichen Autor 1991 Der grüne Fürst, Das
abenteuerliche Leben des Hermann Pückler-Muskau10 . Mittlerweile sind viele weitere
Arbeiten erschienen, die sich mit Pückler in der einen oder anderen Weise auseinan-
dersetzen. Angesichts dessen kann man, wie Jacob jüngst in seinen Anmerkungen zum
Pückler-Diskurs, davon sprechen, dass „die Pückler-Forschung in ein neues Stadium
eingetreten“11 ist. Hier will ich zu Repton und Pückler nur sehr knappe biographi-
sche Skizzen vortragen, um zumindest eine grobe Vorstellung von beiden Personen
zu vermitteln.

4 Dorothy Stroud, Humphry Repton, London 1962.


5 Stephen Daniels, Humphry Repton: Landscape Gardening and the Geography of Georgian Eng-
land, New Haven 1999.
6 Siehe Ludmilla Assing, Fürst Hermann von Pückler-Muskau, Berlin 1873–1874.
7 Dies., Briefwechsel und Tagebücher des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau, Berlin 1874–
1876.
8 Richard Schlegel, Die Persönlichkeit und das Werk des großen Parkkünstlers Hermann Fürst von
Pückler-Muskau, Berlin 1928.
9 Heinz Ohff, Fürst Hermann Pückler, (Preußische Köpfe 9) Berlin 1 1982, 3 1999.
10 Ders., Der grüne Fürst, Das abenteuerliche Leben des Hermann Pückler-Muskau, (Serie Pieper
1751) München 1 1991, 6 1995.
11 Ulf Jacob, Pückler-Diskurs im Werden, Neue Veröffentlichungen über Hermann Fürst von
Pückler-Muskau, in: kunsttexte.de (2007), 4, 1–23, www.kunsttexte.de.

50
Pückler-Muskau und Repton

II.1. Biographische Anmerkungen zu Humphry Repton


Bei den biographischen Anmerkungen zu Humphry Repton folge ich weitgehend den
Ausführungen von Laurie aus dem Jahr 198212 und von Daniels in der 2001 veröf-
fentlichten Encyclopedia of Gardens13 . Repton war der führende Landschaftsgärtner
des Georgianischen England. Er wurde am 21. April 1752 in Bury St. Edmunds in der
Grafschaft Suffolk in England geboren. 1764 wurde er von seinem Vater zum Erler-
nen der für eine kaufmännische Ausbildung als bedeutsam angesehenen holländischen
Sprache nach Hellevoetsluis, einer kleinen Stadt westlich von Rotterdam in Holland,
geschickt. Während dieser Zeit lernte er auch einige der besonders gepflegten hollän-
dischen Gärten kennen14 . 1768 kehrte er nach Norwich zurück, um dort eine Lehre
als Textilkaufmann zu machen. 1773 heiratete er Mary Clarke und erhielt von sei-
nem Vater zur Hochzeit das Kapital für ein eigenes Geschäft als Textilkaufmann. Als
solcher arbeitete er bis 1776. Nach dem Tod der Eltern fühlte er sich offenbar dem
väterlichen Interesse, als Textilkaufmann tätig zu sein, nicht mehr verpflichtet und
zog sich als country squire and gentleman amateur, als Landjunker, ins Privatleben
zurück und betrieb auf einem kleinen Gut Landwirtschaft, malte und las. In dieser
Zeit bemerkte er, dass sich sein Zeichentalent professionell verwerten ließ.
1783 arbeitete er als Privatsekretär für William Windham (1750–1810) im Schloss
Dublin in Dublin in Irland. Windham zog 1784 als Abgeordneter in das englische
Parlament ein und bekleidete im folgenden bedeutende politische Ämter. 1783 starb
auch Lancelot Brown (1716–1783)15, den Repton später als sein großes Vorbild erken-
nen sollte. Über Windham lernte Repton weitere Literatur und auch Joseph Banks
(1743–1820) kennen, der 1804 die Royal Horticultural Society in London gründe-
te, die wiederum dem 1822 gegründeten Verein zur Beförderung des Gartenbaues
in den königlichen preußischen Staaten zum Vorbild diente16 . Dazuhin nahm er mit
James Edward Smith (1759–1828), einem Freund aus Kindheitstagen, Kontakt auf.
Smith hatte die zunächst Banks angebotenen Sammlungen des schwedischen Bota-
nikers Carolus Linnaeus (1707–1778) gekauft und begründete 1788 die Linnean So-
ciety. Hier mögen bei Repton die Anfänge des autodidaktischen Erwerbs von Pflan-
zenkenntnissen zu suchen sein. Von 1783 bis 1788 betätigte sich Repton als Maler,
Schriftsteller und Kunstkritiker. In den folgenden 30 Jahren von 1788 bis 1818 war
er als Landschaftsgärtner aktiv und schrieb im Verlauf dieser professionellen Tätig-

12 Laurie (wie Anm. 1), 5–33.


13 StephenDaniels, Repton, Humphry 1752–1818,English LandscapeGardener, in: Chicago Botanic
Garden Encyclopaedia of Gardens, History and Design 3, hg. v. Candice Shoemaker, Chicago
2001, 1115–1118.
14 Siehe dazu Erik de Jong und Marleen Dominicus-van Soest, Aardse Paradijzen, I, De tuin in de
Nederlands kunst 15de tot 18de eeuw, Gent 1996.
15 Siehe dazu Dorothy Stroud, Capability Brown, London 1984.
16 Siehe dazu Gert Gröning, Peter Joseph Lenné und der „Verein zur Beförderung des Gartenbaues
in den Königlich Preußischen Staaten“, in: Peter Joseph Lenné, Volkspark und Arkadien, hg. v.
Florian von Buttlar im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz,
Berlin 1989, 82–90.

51
Gert Gröning

keit über 400 Berichte für seine verschiedenen Auftraggeber und vier Bücher über
die Theorie und die Praxis der Landschaftsgärtnerei17 . Die meisten seiner Aufträge
erhielt Repton in England und dort zumeist im Südosten18 .
Repton war ein professioneller Spätentwickler. Erst im Alter von 36 Jahren, nach
einigen fehlgeschlagenen anderen beruflichen Orientierungen, hatte er 1788 beschlos-
sen, Landschaftsgärtner zu werden. Besonders qualifiziert war er dafür nicht. Von
Möglichkeiten zu einer fachspezifischen Ausbildung konnte im damaligen England
noch keine Rede sein. Erst 1909 wurde an der University of Liverpool der erste Kurs
für Landschaftsarchitektur eingerichtet19 .
Sein erstes Red Book stellte Repton für den Landsitz Brandsbury at Wilsden in
Middlesex für The Honorable Lady Salusbury zusammen. Es bestand aus zwei Tei-
len. Den ersten Teil schrieb und malte er Anfang März 1789, den zweiten Teil im
Dezember 1790. Seine Auftraggeberin hatte ihn gebeten, ihr „on paper“ (so unter-
strichen im Original, GG) seine „sentiments respecting the subject“20 mitzuteilen.
Dieser Aufforderung kam Repton im ersten Teil mit 11 Seiten handgeschriebenen
Texts, 5 Wasserfarbengemälden sowie zwei ebenfalls mit Wasserfarben gemalten Kar-
tendarstellungen nach. Der zweite Teil umfasste 8 Seiten handgeschriebenen Text,
vier Wasserfarbengemälde sowie eine gedruckte Seite eines Vorschlags für einen Ver-
trag, der dazu beitragen sollte, die von Repton geschaffenen Landschaftsbilder, wenn
sie schließlich als solche gepflanzt bzw. gebaut worden waren, vor Verunstaltungen
zu schützen. Wie in späteren Red Books auch, hatte Repton seine Visitenkarte auf
die innere Umschlagseite geklebt. Im ersten Teil erläuterte er den „General View of
My Plans“ sowie eine Karte, auf der er die Gesamtlage des Besitzes und seine über
die nähere Umgebung des Landsitzes hinausgehenden Empfehlungen zur weiteren
Erhöhung von „Pleasure and Proffit“ (sic) einschließlich des vorgeschlagenen Zu-
kaufs von „prospect-hills, to which a delightful drive (unterstrichen im Original, GG)
might be conducted“21 , darlegte. Im zweiten Teil sprach er „Deviations“, Abweichun-
gen vom ursprünglichen Plan, an, „Garden Seats“, „Shade“, wobei er u. a. die Vor-
und Nachteile des langen ungestörten Blicks auf die Kuppel der St. Pauls Cathedral
und die Türme der Westminster Abbey und durch Baumpflanzungen erzeugter klei-
nerer Parkräume abwägend vorstellte, sowie „Water“ und „Apple Trees“ und zeigte
in Wasserfarbengemälden mit Tekturen wie seine Vorschläge zur Verbesserung der
vorgefundenen Lage beitragen würden.
Im Zeitraum von 1790 bis 1794 arbeitete Repton verschiedentlich mit den Archi-
tekten William Wilkins, dem Älteren (1751–1815) und James Wyatt zusammen (1746–
1813). Von 1796 bis 1800 war er eine Partnerschaft mit dem Architekten John Nash

17 Derzeit (2007) sind davon 123 nachgewiesen, siehe Rogger (wie Anm. 1).
18 Siehe dazu die Karte in: Humphry Repton. Landscape Gardener (wie Anm. 1), 146.
19 Siehe Brent Elliott, Landscape architecture, in: The Oxford Companion to the Garden, hg. v.
Patrick Taylor, Oxford 2006, 273–274.
20 Humphry Repton, Brandsbury Red Book, Harestreet, Essex 1789, reprint Dumbarton Oaks,
Washington, D.C., 1994.
21 Repton (wie Anm. 20), s. p. (11).

52
Pückler-Muskau und Repton

(1752–1835) eingegangen, der vor allem für den städtebaulichen Entwurf der Gegend
von Marylebone zwischen dem Regents Park und dem Hyde Park in London zeich-
nete, der allerdings erst nach Reptons Tod umgesetzt wurde. 1800 war Repton auf dem
Höhepunkt seiner Laufbahn. Nachdem er die Partnerschaft mit Nash im Unfrieden
gekündigt hatte, arbeitete er bis zu seinem Tod mit seinem als Architekt ausgebildeten
Sohn John Adey Repton (1775–1860)22 partnerschaftlich zusammen.
Nach 1800 hatte Repton zusehends mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Dennoch ent-
stand 1804 das Red Book for Woburn, das als sein bestes Werk gilt, sowie weitere späte
Meisterwerke wie die Red Books für Sherringham (1812), Ashridge (1813), Beaudesert
(1814) und Endsleigh (1814)23. Auszüge aus den Red Books der eben genannten An-
lagen finden sich in seinen Fragments. 1811 hatte er einen schweren Unfall als sich
auf dem Rückweg von einem Ball die Kutsche, in der er fuhr, auf eisigem Grund
überschlug und er eine Rückenverletzung davontrug, von der er sich nicht mehr er-
holen konnte. Die letzten Jahre seines Lebens war er auf einen Rollstuhl angewiesen.
Repton starb am 24. März 1818 in seinem Haus in der Gemeinde Hare Street, dem
heutigen Romford, Essex, im Nordosten von London in England.
Im Lauf der Zeit verblasste der Ruhm Reptons. Als der amerikanische Landschafts-
architekt Charles Eliot (1859–1897)24, der auch Pücklers Park in Muskau besuch-
te und begeistert darüber berichtete25 , auf die Bitte seines Mentors Frederick Law
Olmsted (1822–1903)26, des Ahnherrn der amerikanischen Landschaftsarchitektur,
das Haus Reptons in Hare Street27 besuchen wollte, hatte er Mühe, es zu finden. In
einem Brief vom 14. Oktober 1886 an seinen Vater schrieb er: “I have been out to the
village in Essex where Repton, a great landscaper of the last century, lived, this excur-
sion being at Mr. Olmsted’s request, who wrote me he would like a photograph of the
house if it could be found. [. . . ] so I set out, and find it I did [. . . ] and Repton’s cottage
as the people still call it, stands between two big Lindens at one end of the street. But
nobody seemed to know who Repton might have been, – not even the family living in
the said cottage”28.

22 Für eine kurze biographische Skizze siehe Kedrun Laurie, John Adey Repton, in: Humphry
Repton. Landscape Gardener (wie Anm. 1), 129–132.
23 Siehe ders. (wie Anm. 1), 23.
24 Für eine biographische Skizze zu Eliot siehe Keith N. Morgan, Eliot, Charles, in: Pioneers of
American Landscape Design, hg. v. Charles A. Birnbaum und Robin Karson, New York 2000,
277–281; für eine umfassende Darstellung siehe Charles W. Eliot, Charles Eliot Landscape Archi-
tect, Boston 1902, reprint in American Centennial Reprint Series, Amherst 1999.
25 Siehe Gert Gröning, Pückler und Amerika, Die Rezeption Pücklers bei Landschaftsarchitekten
in den Vereinigten Staaten von Amerika, in: Stadt und Grün 52 (2003), 7, 49–55; siehe auch
ders., Pückler’s Significance for Landscape Architecture in America, in: Bulletin of the German
Historical Institute (GHI), Supplement 4, hg. v. Sonja Duempelmann, Washington 2008, D.C.
2007, 53–65.
26 Für eine biographische Skizze zu Olmsted siehe Charles E. Beveridge, Olmsted, Frederick Law,
Sr., in: Pioneers of American Landscape Design (wie Anm. 24), 277–281.
27 In Olmsteds Schreiben an Eliot vom 25. Februar 1886 wird der Name des Ortes Harestreet
fälschlich mit Hanstreet wiedergegeben, siehe Eliot (wie Anm. 24), 200.
28 Ebd., 200–201.

53
Gert Gröning

II.2. Biographische Anmerkungen zu Hermann Fürst von Pückler-Muskau


Hermann Fürst von Pückler-Muskau wurde am 30.10.1785, 33 Jahre nach Repton, in
Muskau in der Oberlausitz geboren. Von seinem siebten bis zum elften Lebensjahr
wurde er bei den Herrnhutern in Uhyst in der Oberlausitz erzogen. Uhyst liegt unge-
fähr 20 km südwestlich von Muskau auf halbem Weg nach Bautzen. Die Herrnhuter
sind eine christliche Freikirche, die 1722 von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf
(1700–1760) gegründet wurde und auf dessen Gut Berthelsdorf in der Oberlausitz
einen Ort fand, der später, nach Übernahme des Guts durch die Mitglieder der Kir-
che, in Herrnhut umbenannt wurde. In England sind die Herrnhuter als Moravian
Church bekannt.
Bei den Herrnhutern suchte Pückler vergeblich, was ihm auch im als „kalt“ be-
schriebenen Elternhaus in Muskau verwehrt wurde, Geborgenheit. Am pietistischen
Pädagogium in Halle hielt er es zwei weitere Jahre aus, bis er dort „wegen eines Spott-
gedichts auf die allzumuntre Ehefrau des mächtigen (dabei gesellschaftlich dumm-
eitlen) Kanzlers“29 der Franckeschen Stiftungen, Niemeyer, mit 13 Jahren die Schu-
le verlassen musste. Es folgte ein Jahr an der Stadtschule in Dessau, bevor ihn der
ungeliebte, und seinen Sohn auch nicht liebende, Vater, der Königliche Sächsische
Geheimrat Graf Ludwig Hans Karl Erdmann von Pückler auf Branitz bei Cottbus
(1754–1811), nach Muskau zurückholte. Dort wurde er von verschiedenen Hausleh-
rern im Theaterspielen, Klavierspielen, Tanzen, Zeichnen, Latein, Französisch, Reli-
gion unterrichtet und fing an um Geld zu spielen.
Mit 15 schickte ihn der Vater nach Leipzig wo er Jura studieren sollte. Dabei lern-
te er auch Fechten und Pistolenschiessen und sah sich binnen Jahresfrist im ersten
ernsten Duell. In Briefen an den Vater rechnete er mit der Strukturlosigkeit seiner
Erziehung ab und bat darum, endlich ein Vorbild kennenzulernen, das er als solches
anerkennen könne. Der Vater kam diesem Wunsch nicht nach. „Pückler quittiert un-
gefragt die Universität und tritt als Lieutenant beim feinsten Regiment in Dresden ein.
Der Oberst muß es dem Vater schreiben, und der kürzt ihm erbost den Monatswechsel
auf 100 Taler. [. . . ] Bedenkenlos macht der ,reiche Erbe‘ jetzt Schulden.
Ist ihm doch gleich. An einem Sonntag, die Brühlsche Terrasse und die prächtige
Elbbrücke in Dresden sind voller Publikum, setzt er hoch zu Pferde über die Brüstung
drei Stockwerke tief in den Strom. Er ist beides der Werfer und sein schreiendes Bündel.
Ungemein zerütteten Kredits nimmt er 1804 mit der Beförderung zum Rittmeister
(Hauptmann) den Abschied. Er will jetzt ausziehen in die Welt“30.

29 Bettina Clausen und Lars Clausen, Zu allem fähig. Versuch einer Sozio-Biographie zum Ver-
ständnis des Dichters Leopold Schefer, 2 Bände, Frankfurt am Main 1985, darin Texte über das
Verhältnis von Schefer zu Pückler, abgedruckt und hier danach zitiert unter der Überschrift „Der
Park von Muskau oder: Fürst und Dichter“ in: Frankfurter Rundschau vom 9. Dezember 1985,
Nr. 285, 20–21, hier 20.
30 Clausen und Clausen (wie Anm. 28), 20–21.

54
Pückler-Muskau und Repton

Nach einem Ausflug ins Hirschberger Tal im preußischen Schlesien31 , dessen An-
lagen ihm nur ein „hors d’oeuvre“ (kursiv im Original, G.G.) waren und ihm vorka-
men „als wenn man auf einen prächtigen Claude Lorrain (kursiv im Original, G.G.)
in einer Ecke noch eine besondere kleine Landschaft malen wolle“32 und weiterem
Müßiggängertum in Muskau, begab er sich von 1806 bis 1810 auf Reisen nach Süd-
deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Frankreich.
Nach dem frühen Tod seines Vaters, der 57-jährig am 16. Januar 1811 starb, über-
nahm Hermann Heinrich Ludwig von Pückler, 25-jährig, die Herrschaft in Muskau
als Standesherr von Muskau, Baron von Groditz, Erbherr zu Branitz. 1813 und 1814
kämpfte er, weil es ihm um die Zukunft seiner Standesherrschaft ging33, in den Be-
freiungskriegen mit. In den Jahren 1814 und 1815 bereiste er zum ersten Mal Eng-
land und war offenbar von dem an der Themse gelegenen Richmond, „nicht etwa“
von dem „Greenpark auf dem Hügel, sondern darunter“ von der „Naturlandschaft –
ohne ein Park zu heißen, nämlich ohne [. . . ] einen Zaun oder eine Einfriedung zu
haben“34 , besonders beeindruckt. Er besuchte Richmond auch auf seiner zweiten Rei-
se nach England35, nun mit seinem Gärtner Jakob Heinrich Rehder (1790–1852), den
er für fünf Wochen nach England hatte kommen lassen, um mit ihm zusammen einige
der englischen Parkanlagen zu studieren. Richmond schien ihm eine „unbeschreiblich
schöne(n) Gegend“, die „Einsamkeit und Stille, verbunden mit jeder Bequemlichkeit“
biete und „mächtig zum Lebensgenusse“36 einlade.
Dieses am Hochufer der Themse gelegene Richmond hat nicht nur Pückler son-
dern auch andere beeindruckt37 . So, ungefähr ein halbes Jahrhundert vor ihm, die
englische Prinzessin Augusta Friederike Luise von Hannover (1737–1813). Nachdem

31 Siehe dazu den Ausstellungskatalog Das Tal der Schlösser und Gärten – Das Hirschberger Tal in
Schlesien – ein gemeinsames Kulturerbe, Jelenia Góra 2001.
32 Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Andeutungen über Landschaftsgärtnerei verbunden mit
der Beschreibung ihrer praktischen Anwendung in Muskau, Stuttgart 1834, 1977, 22. Ich zitiere
hier nach der 1977 bei der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA) in Stuttgart erschienenen Ausgabe,
die „sich in der Textgestaltung an die Neuausgabe des Werkes von 1933“ hält, in der „wie dort
die Ausgabe von 1834 im Umfang von 286 Seiten nach Ausmerzung der Druckfehler, aber in
der damaligen Schreibweise benutzt“ wird. Die DVA hat eine besondere Beziehung zu diesem
Buch, weil es schon seit seinem ersten Erscheinen 1834 in diesem Verlag, damals noch Hallberger,
produziert wird.
33 Siehe Rolf Stets, 175 Jahre Landschaftspark Bad Muskau – Beginn mit dem Schreiben Pücklers
vom 1. Mai 1815 an die Muskauer Bürger zur beabsichtigten Anlage des Parkes, in: Beiträge zur
Stadt- und Parkgeschichte Bad Muskau 7 (1990), 26–34, hier 28–29.
34 Clausen und Clausen (wie Anm. 28), 21.
35 Siehe Englandsouvenirs, Fürst Pücklers Reise 1826–1829, hg. v. der Stiftung Fürst-Pückler-Park
Bad Muskau, Zittau 2005.
36 Pückler in einem Brief an Lucie vom 16. Dezember 1826, in: Hermann Fürst von Pückler-Muskau,
Briefe eines Verstorbenen, hg. v. Heinz Ohff, Berlin 2006, 513.
37 Selbst in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus England Ausgewanderte nahmen das Bild
von dieser Lokalität an der Themse mit über den Atlantischen Ozean. Als einige von ihnen ab
1637 einen am James River gelegenen Ort ständig besiedelten, der später (1779) zur Hauptstadt
des Bundesstaats Virginia wurde, nannten sie ihn nach der vorbildlichen Lage an der Themse
ebenfalls Richmond.

55
Gert Gröning

sie 1764 den Erbprinz von Braunschweig Karl Wilhelm Ferdinand (1735–1806) ge-
heiratet hatte, ließ sie am Ufer der Oker auf dem Zuckerberggelände in Braunschweig
als Erinnerung an den Park an der Themse, einen Park anlegen, der „mit Ausnahme
des vergleichsweise bewegten Reliefs größte Ähnlichkeiten mit jenem in London auf-
wies“38 . Sie nannte ihn Richmond – in Braunschweig Riechmond gesprochen – und
bis zum heutigen Tag sind noch Überreste der Anlage vorhanden.
„Dies“, so schrieb Pückler, „wird Muskau vor den Englischen Parks auszeich-
nen: der Abschied von den China-Tempelchen, von den neualten Ruinen, von der
demonstrativen Phantasie, von Eintritts-Verbot“. Damit waren, wie der Dichter Leo-
pold Schefer (1784–1862)39, Pücklers bürgerlicher Freund und späterer Generalbe-
vollmächtigter in Muskau40 , der ihn auf dieser Englandreise begleitete, schrieb, „alle
bisherigen Grundsätze der schönen Gartenkunst geschlagen: die Gewalt an der Na-
tur – der französische (Park) –; die freiwaltende Phantasie in der Natur – der alteng-
lische (Park) – ci devant, chinesische Übertragung; und der Grundsatz der Charakte-
ristik, den Schiller an Hirschfeld gutheißt [. . . ]. Nicht der Natur einen Charakter auf-
drücken, sondern den ihr eigentümlichen – wie bei einem zu bildenden Menschen[!] –
frei zur Schönheit entwickeln, erschien uns das Wahre; dann noch an ihren Gestalten
die Wunder des Lichtes und der Schatten, des Frühling und des Herbstes, des Werdens,
Dauerns und Vergehens, der Morgen- und Abendröthen usw. recht klar zur Erschei-
nung zu bringen“41 . Den ihr eigentümlichen Charakter der Natur wollte Pückler, wie
bei einem zu bildenden Menschen, frei zur Schönheit entwickeln. Die in seiner per-
sönlichen Ausbildung in vielerlei Weise als Unterdrückung erfahrene Erziehung sollte
gleichsam an der ihm durch Erbschaft zugefallenen Gegend in Muskau kompensato-
risch zur Schönheit entwickelt werden. Damit scheint mir ein wesentlicher Punkt
in der Legende der map of influence bezeichnet, der offenbar mit seiner Biographie
zusammenhängt. Ganz anders als Repton hat Pückler ein sehr persönlich geprägtes
Interesse an der Landschaftsgärtnerei. Zwar hat Pückler auch die eine oder andere
Skizze angefertigt, doch konnte bei ihm nicht von professioneller Visualisierung der
ihm für seinen Besitz in Muskau vorschwebenden Überlegungen die Rede sein.

38 Heinz-Joachim Tute und Marcus Köhler, Gartenkunst in Braunschweig, (Braunschweiger Werk-


stücke, Reihe A, Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv und der Stadtbibliothek 28) Braun-
schweig 1989, hier 91.
39 Siehe dazu auch das literarisierte Portrait von Schefer, das Pückler unter der Überschrift „Acht
Frühlings- und Sommertage aus dem Leben Mischling’s. Eine wahre Geschichte, mit dem An-
strich einer Novelle“ auf den Seiten 46–48 sowie 55–79 im vierten Band seines Buches „Tutti
Frutti“ liefert, das 1834 in Stuttgart in fünf Bänden erschienen war; siehe auch Rudolf Wolkan,
Fürst Pückler-Muskau und Leopold Schefer, in: Neues Lausitzisches Magazin 62 (1886), 130–148.
40 Siehe Klaus Völker, O Mensch, so sei mit Freuden auch ein Mensch, Fürst Pückler und sein
GeneralbevollmächtigterLeopold Schefer in Muskau, in: FrankfurterRundschau vom 13. Februar
1982, Feuilleton, III.
41 Clausen und Clausen (wie Anm. 28), 21. Von Zeitgenossen, so z. B. von dem Transzendentalis-
ten Parker wird Schefer in einem Atemzug mit Goethe, Schleiermacher, Schiller, Arndt, Kant,
Leibniz, Heine, Jacob Böhme, Schelling, Hegel und Strauss genannt; siehe Theodore Parker, The
critical and miscellaneous writings of Theodore Parker, Boston 1856, 32.

56
Pückler-Muskau und Repton

Am 9. Oktober 1817 heiratete Pückler die Reichsgräfin Lucie Anna Wilhelmine


von Hardenberg-Reventlow (1776–1854), die von Karl Theodor Friedrich Reichsgraf
von Pappenheim (1771–1853) geschiedene Tochter des preußischen Staatskanzlers
Karl August Freiherr von Hardenberg (1750–1822). Wenngleich auch Pückler sich
von ihr 1826 in gegenseitigem Einvernehmen scheiden ließ, lebte er doch mit ihr bis
zu ihrem Tod 1854 zusammen. 1822 verlieh der preußische König Friedrich Wilhelm
III. (1770–1840) Pückler den Fürstentitel. Von 1826 bis 1829 bereiste Pückler erneut
England. Die von ihm geschiedene Lucie teilte in gewisser Weise seine Parkomanie42.
Sie sammelte seine Briefe von der zweiten Englandreise und legte so die Grundlage für
die Herausgabe der Briefe eines Verstorbenen im Jahr 183043 . 1834, dem Jahr in dem
die Andeutungen über Landschaftsgärtnerei veröffentlicht wurden44 , begann Pückler
seine Reise nach Nordafrika und dem Orient, von der er 1840 zurückkam.
Wenige Jahre später, 1845, verkaufte er die Standesherrschaft Muskau und begann
im darauffolgenden Jahr mit der Anlage eines Parks an seinem neuen Wohnsitz in
Branitz bei Cottbus45 . Dort starb er am 4. Februar 1871. Seine sterblichen Überreste
wurden in der Seepyramide in diesem Park beigesetzt.
42 Pückler erwähnt in seinen Schriften mehrfach die „Parkomanie“ bzw. sich selber als
„Parkomane“, so z. B. in einem Brief vom 7. Januar 1827, in dem es heißt „Nachdem wir zwei
Tage die Parkomanie ruhen gelassen hatten [. . . ]“ [Ohff (wie Anm. 36), 513] und in einer Nach-
richt vom 3. Oktober 1828, in der er von dem Besuch eines Parks u. a. schreibt: „Colonel W.[. . . ]
ist ein ebenso großer Parkomane als ich [. . . ]“ (ebd., 199).
43 Ebd.
44 1847 erschienen die „Andeutungen“ beim gleichen Verlag, Hallberger, in französischer Überset-
zung. Eine englische Übersetzung mit einem Vorwort von Samuel Parsons erschien erst 1917 in
Boston, Massachusetts, bei Houghton Mifflin.
45 Im übrigen sei noch angemerkt, dass Pückler Muskau nicht verkaufte, weil er vor dem Bankrott
stand, wie bisweilen kolportiert wird. Vielmehr hatte sein Großvater, Hermann von Callenberg,
die Standesherrschaft an seine Tochter bereits mit 339 160 Talern Schulden übergeben (siehe Rolf
Stets, 175 Jahre Landschaftspark Bad Muskau – Beginn mit dem Schreiben Pücklers vom 1. Mai
1815 an die Muskauer Bürger zur beabsichtigten Anlage des Parkes, in: Beiträge zur Stadt- und
Parkgeschichte Bad Muskau 7 (1990), 26–34, hier 27). Von seinem Vater übernahm Pückler „die
Muskauer Herrschaft mit etwa 450 000 Taler Schulden“ bei einem bewußt niedrig angesetzten
Steuerwert von 500 000 Talern. Real dürfte dieser Wert mehr als doppelt so hoch gewesen sein
[Clausen und Clausen (wie Anm. 28), 21]. Hinzu kamen „die immensen finanziellenVerpflichtun-
gen aus dem väterlichen Testament und die aus früheren Verträgen jährlich zu zahlenden Zinsen“
[siehe dazu Stets (wie Anm. 45), 27]. Pückler verkaufte die Standeswirtschaft mit 450 000 Talern
Schulden, hatte so gesehen also durchaus gut gewirtschaftet, doch rechnete er sich dann keine
Chancen mehr auf einen wirtschaftlichen Betrieb aus. Pückler verkaufte 1845 an den Grafen von
Nostiz und die Grafen von Hatzfeld, die das Gelände 1846 an Prinz Friedrich der Niederlande
(1797–1881) verkauften. 1883 erwarb Traugott Hermann Graf von Arnim-Muskau (1839–1919)
die Standesherrschaft, die 1919 an Adolf Graf von Arnim-Muskau (1875–1931) überging und
1931 von Hermann Graf von Arnim-Muskau übernommen wurde. „1945 wird die Lausitzer
Neiße durch das Potsdamer Abkommen zum Grenzfluß erklärt. Damit werden 370 Hektar des
Landschaftsparkes polnisches Gebiet. Etwa 200 Hektar bleiben deutsches Territorium. Es erfolgt
die entschädigungslose Enteignung des Standesherrn Hermann Graf von Arnim-Muskau. Der
Muskauer Park wird verstaatlicht“: Ekkehard Brucksch, Die Entwicklung des Muskauer Land-
schaftsparkes nach dem Zweiten Weltkrieg, Fürst-Pückler-Park Bad Muskau – ein europäischer
Landschaftspark–, in: Beiträge zur Stadt und Parkgeschichte15 (1998), 25–28, hier 25. 1953 wurde
eine Parkverwaltung eingerichtet und „1955 wurde das Parkareal unter Denkmalschutz gestellt“:

57
Gert Gröning

III. Hinweise auf Zusammenhänge zwischen den Überlegungen


von Repton und Pückler

„Vieles wird man, wenn auch nicht allbekannt, doch auch vielleicht nicht eben neu
finden, und mancher Gedanke mag vor mir schon besser ausgesprochen worden seyn,
namentlich in englischen Werken, die aber wieder durch ihre ungemeine Weitschwei-
figkeit ermüden, und homöopathisch jedes Milliontheil Salz in einer Kanne Wasser
aufzulösen pflegen“46 , schrieb Pückler 1834 in der Einleitung zu seinen Andeutun-
gen über Landschaftsgärtnerei. In einer Fußnote merkte er dazu an, „Repton hat das
meiste Brauchbare dazu geliefert, es ist aber grösstentheils verkehrt angewandt wor-
den“47 . Günther, der langjährige Direktor der Abteilung Gärten bei der Direktion
Schlösser und Gärten in Potsdam, fragte diesbezüglich 1985: „Versteckt Pückler hier
seine Reptonschen Adaptionen?“ und vermutete, „daß er die Fülle einfach von Repton
übernommen hat“, nicht zuletzt weil „dessen Werke, vor allem ,Sketches and Hints on
Landscape Gardening‘, 1795, und ,The Theory and Practice of Landscape Gardening‘,
1803, noch nie ins Deutsche übersetzt wurden“ und Pückler daher Reptons Werke,
„ohne Anstoß zu erregen, [. . . ] in seine Gedanken- und Anschauungswelt [. . . ] leicht
einbauen“48 habe können. Wo Günther noch klar auf die textlichen Übernahmen ab-
hob, behauptete Schäfer, vom Bezirksmuseum Cottbus, Schloss Branitz, allerdings,
dass Pücklers „Gartenschöpfungen [. . . ] besonders in den Arbeiten Reptons ihr Vor-
bild haben“49 , womit sie wohl die von Repton gebauten Anlagen meint.
Taylor, dem Herausgeber des 2006 erschienenen Oxford Companion to the Gar-
den, kommen Pücklers „Andeutungen“ wie ein „primer of Repton’s later more pictu-
resque and flowery style“ vor, also wie ein Lehrbuch, das sehr schön mit „Reptonian
drawings“50 illustriert sei. Mit den Reptonian drawings sind die kolorierten Litho-
graphien, Aquarelle und Zeichnungen von August Wilhelm Schirmer (1802–1866)
gemeint, die Pückler bei Schirmer 1832 für die Illustration seiner Andeutungen über
Landschaftsgärtnerei in Auftrag gegeben hatte51 . Das halte ich für einen recht ge-

ders., Zur Geschichte des Muskauer Parkes, Die Zeit von 1945 bis zur Gegenwart, in: Beiträge zur
Stadt- und Parkgeschichte 11 (1992), 18–22, hier 20. Bis zum Ende der DDR im Jahr 1991 wurde
der westliche Teil des Parks von der Stadt Muskau verwaltet. 1992 übernahm das Land Sachsen
den Park und 1993 wurde, mit Sitz in der 1992 umfassend restaurierten Orangerie, die Stiftung
„Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“ gegründet, die seither für den westlich der Neiße gelegenen,
ungefähr 200 Hektar umfassenden Parkteil zuständig ist.
46 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 15.
47 Ebd., 15.
48 Harri Günther, Zum 200. Geburtstag des Fürsten Hermann von Pückler, in: Beiträge zur Garten-
denkmalpflege, hg. v. Kulturbund der DDR, Gesellschaft für Denkmalpflege, Berlin 1985, 28–37.
49 Anne Schäfer, Der Branitzer Park – das Spätwerk des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau,
ebd. 39–46.
50 Patrick Taylor, Pückler-Muskau, Hermann, Prince of, in: The Oxford Companion to the Garden
(wie Anm. 19), 397.
51 Siehe dazu ParkTraumPark, A. W. Schirmer – Aquarelle und Zeichnungen zu Pücklers „An-
deutungen über Landschaftsgärtnerei“, hg. v. d. Niederlausitzer Landesmuseum Cottbus, Berlin
1993.

58
Pückler-Muskau und Repton

wagten Vergleich. Zwar geht es bei Schirmer wie bei Repton um die Abbildung von
parkartigen Gegenden, doch unterscheiden sich die Darstellungsweisen der beiden
deutlich.
Rippl meint, Pückler habe „anfangs aus dem reichen Anschauungsmaterial engli-
scher Parkanlagen“ geschöpft, dann aber „allmählichzu seiner ureigenen Gestaltungs-
methode gefunden“52 . 1820 beschäftigte sich Pückler mit den Veröffentlichungen „des
englischen Landschaftsgartenkünstlers Humphrey (sic) Repton“. 1821 schrieb er an
ihn und bat um Rat weil er in seinen Gartenanlagen „viele Fehler“ gemacht habe und
„ohne Konsultation eines talentierten Menschen wohl nie das Ende seiner Projekte
erreichen“53 werde. Da Repton bereits 1818 verstorben war, kam statt dessen sein als
Architekt arbeitender Sohn John Adey Repton im Frühjahr 1822 nach Muskau.
Pückler suchte Unterstützung für eine schwere Entscheidung, die das Fällen großer
Lindenbäume betraf, die in einer Allee zwischen dem Schloss und der Neiße standen.
Den gewaltigen Eingriff verdeutlichen die beiden Darstellungen IIa und IIb in den
Andeutungen über Landschaftsgärtnerei. Pückler wollte dort vom Schloss aus einen
Mittelgrund schaffen, der durch die „Hügelreihe jenseits des Flusses mit ihrer Bergebe-
ne und verschiednen darauf zerstreuten grossen Buschpartien“ gebildet werden sollte.
Der Sohn Repton war, wie Pückler in den Andeutungen klarstellt, diesbezüglich kei-
ne große Hilfe. „Herr Aday (sic) Repton ist“, so formulierte er, „mehr Architekt als
Gartenkünstler, und ausser, dass er mich in dem gefassten Plane durch seine Autorität
bestärkte, muss ich gestehen, dass er mir [. . . ] nur wenig nutzen konnte“54 .
Es wäre denkbar, dass Pückler aus Reptons 1794 veröffentlichtem Buch Sketches
and Hints on Landscape Gardening die Ausführungen aus dem Red Book für Lathom
in Lancashire kannte. Darin hatte Repton u. a. gezeigt, welchen seiner Meinung nach
positiven Effekt das Zuschütten eines Wasserbeckens und das Abreißen der seitlich
flankierenden Mauern auf einen Blick vom Haus in die Landschaft haben würde55 .
Auch Daniels meint, Pückler „observed“ Reptons „works on the ground“56 . In
der wohl gründlichsten, 467 maschinengeschriebene Seiten umfassenden, Untersu-
chung mit dem Titel Humphry Reptons Einfluß auf die gartenkünstlerischen Ideen
des Fürsten Pückler-Muskau, die 1988 dem Fachbereich Geschichtswissenschaften
an der Freien Universität Berlin als Dissertation vorgelegt wurde, stellt Uhlitz fest:
„Pückler war ein Vertreter des (englischen) Landschaftsstils in Deutschland, und zwar

52 Helmut Rippl, Parkwerk und Persönlichkeit, in: Der Parkschöpfer Pückler-Muskau, hg. v. dems.,
Weimar 1995, 11–22, hier 11.
53 Ders., Pücklers Parkschöpfungen in Muskau, Babelsberg, Branitz und Ettersburg, in: ebd., 30–
168, hier 37.
54 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 96.
55 Humphry Repton, Sketches and Hints on Landscape Gardening, London 1794, plate XV.
56 Stephen Daniels, Repton, Humphry 1752–1818 English Landscape Gardener, in: Chicago Botanic
Garden, Encyclopaedia of Gardens, hg. v. Candice Shoemaker, Band 3, Chicago 2001, 1115–1118,
hier 1117.

59
Gert Gröning

in der Ausformung, die dieser Stil durch Repton gefunden hatte“57 . Uhlitz meinte
gezeigt zu haben, „daß die meisten Pücklerschen Gestaltungsprinzipien mit den Ge-
staltungsprinzipien Reptons übereinstimmen. Da Repton seine Gedanken vor Pückler
formuliert und veröffentlicht hat und die Reptonschen Veröffentlichungen sowie viele
von Repton gestaltete Parkanlagen Pückler bekannt waren, muß davon ausgegangen
werden, daß Pücklers Ideen weitgehend auf den Ideen Reptons fußen. Selbstverständ-
lich ergab sich vieles auch aus der ,Natur der Sache‘ von selbst“58 . Damit ist eigentlich
alles gesagt oder doch nicht? Zumindest scheint klar, dass man im Falle von Repton
und Pückler von einem britisch-deutschen Kulturtransfer ausgehen kann.

IV. Zu den Inhalten von Reptons „Fragments on the Theory and Practice
of Landscape Gardening“ und Pücklers „Andeutungen über
Landschaftsgärtnerei“

Im Folgenden will ich nicht die Punkte der Abhandlungen von Repton und Pück-
ler im Einzelnen durchgehen. Dazu verweise ich auf die bereits erwähnte Arbeit von
Uhlitz. Vielmehr will ich eher kursorisch auf die Inhalte und die Gliederungen des
letzten, aus dem Jahr 1816 stammenden, von Repton verfassten Buches Fragments on
the Theory and Practice of Landscape Gardening und der Andeutungen über Land-
schaftsgärtnerei von Pückler hinweisen und so einige weitere Punkte auf der map of
influence markieren.

IV.1. Reptons „Fragments on the Theory and Practice of Landscape Gardening“


Die Fragments on the Theory and Practice of Landscape gardening, die Repton mit
Hilfe seines Sohns John Adey Repton als Alterswerk 1816 herausbrachte, bezeichnete
er als eine Bestätigung seiner Grundsätze, die er aus den mehr als 400 im Lauf sei-
nes professionellen Lebens verfassten Berichten zusammenstellte. Etwas wehmütig
meint Repton, die Kunst der Landschaftsgärtnerei, „the Art of Landscape Garde-
ning“, würde langsam und allmählich absteigen und müsse möglicherweise zukünftig
zu den „Artes perditae“59 , den untergegangenen Künsten, gerechnet werden, deren
Erinnerung er mit diesem Buch hoffe, noch ein wenig länger wachhalten zu können.
Das ist ihm ganz offensichtlich gelungen, denn 1929 entstand in England als Folge
einer von der Royal Horticultural Society 1928 einberufenen Konferenz über Gar-
tengestaltung, garden design, die British Association of Garden Architects, die sich

57 Manfred Uhlitz, Humphry Reptons Einfluß auf die gartenkünstlerischenIdeen des Fürsten Pück-
ler Muskau, Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie des
Fachbereichs Geschichtswissenschaften der Freien Universität Berlin, Berlin 1988, 383.
58 Ebd., 383.
59 Humphry Repton, assisted by his son J. Adey Repton, Fragments on the Theory and Practice of
Landscape Gardening, London 1816, 1982 (reprint), viii.

60
Pückler-Muskau und Repton

1930 in Institute of Landscape Architects (ILA) umbenannte60 . In Deutschland hat-


te sich 1887 der Verein deutscher Gartenkünstler61 und 1913 der Bund Deutscher
Gartenarchitekten62 gegründet.
Insgesamt umfasst Reptons Buch 239 Seiten und 53 Abbildungen. Der Text ist in
36 Kapitel gegliedert, was einem durchschnittlichen Kapitelumfang von 6 bis 7 Seiten
entspricht. Tatsächlich umfassen Kapitel wie das „Of Villas“ 15 und das „Extracted
from the Report of Endsleigh“ 13 Seiten und andere, wie etwa „Relating to Symme-
try“ oder „On Castles“, machen nur zwei Seiten aus. Die Kapitelüberschriften sind
durchweg sehr unterschiedlich und zeigen den letztlich heterogenen Charakter des
Texts an. So wird zwar über Symmetrie, Farben, Kontraste, Kombinationen, Verbes-
serungen sowie Aspekte und Prospekte gesprochen, doch auch, auf der gleichen Glie-
derungsebene, über Ländliche Architektur, Schlösser und Villen, aber auch über Fens-
ter, Zäune in Hausnähe sowie das Pflanzen einzelner Bäume und schließlich werden
Beispiele einzelner Anlagen wie von Cobham Hall, Beaudesert, Longleate, Ashridge,
Sherringham, Endsleigh und dem eigenen Besitz in Hare Street in Essex gegeben.
Dem Buchtitel entsprechend geschieht das alles fragmentarisch und, wie ich finde,
bisweilen frustrierend. Die Ausführungen über „Fences near the House“ z. B. handeln
nicht wirklich über „fences“, also Zäune, sondern über Terrassen als Zäune in der
Nähe von Gebäuden. Von den vielen Möglichkeiten entsprechende Ergebnisse zu
erzielen, macht Repton hier auf zwei Beispiele aufmerksam, in denen das an das Haus
angrenzende Gelände entweder abfällt, A B, oder ansteigt, C D. Er schließt seine sehr
knappen Ausführungen mit einer Bemerkung dazu, dass ein prächtiger Palast nicht
auf einer Wiese stehen sollte, auf der das Vieh steht, das sich möglicherweise dann
den Palast zum Schutzort wählt oder sogar in den Palast hineingehen würde. Hier,
so Repton, würde eine Terrasse oder eine Balustrade eine Trennungslinie bezeichnen
und solcherart Vorschläge betrachte er als sehr bedeutend für seine eigene Praxis63 .
Dagegen sind Reptons Ausführungen, wenn sie sich auf konkrete Beispiele bezie-
hen, wie etwa bei dem „Report on Sherringham Bower, in Norfolk“ sehr viel lesbarer.
In dem in den Fragments präsentierten Auszug geht er auf die Lage, die See, den Wald,
die Pflanzungen, die Fuß- und Fahrwege und deren Stationen, und sehr differenziert
auf den Platz für den Bau eines Hauses und die Lage des Dorfes ein. Ich will hier nur
kurz die Ausführungen zur Lage des Platzes für das Haus kommentieren. Er hält die
Entscheidung darüber für „most important in Landscape Gardening“64 . Darin stimme
ich ihm zu. Im Einzelnen nähert er sich der Lösung der richtigen Platzwahl für das

60 Elliott (wie Anm. 19), 273.


61 Siehe Gert Gröning und Joachim Wolschke-Bulmahn, 1887–1987, DGGL, Deutsche Gesellschaft
für Gartenkunst und Landschaftspflege e. V., Ein Rückblick auf 100 Jahre DGGL, hg. v. d. Deut-
schen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftspflege, (Schriftenreihe der Deutschen Ge-
sellschaft für Gartenkunst und Landschaftspflege 10) Berlin 1987.
62 Siehe dies., 1913–1988, 75 Jahre Bund Deutscher Landschafts-Architekten BDLA, Teil 1, Zur
Entwicklung der Interessenverbände der Gartenarchitekten in der Weimarer Republik und im
Nationalsozialismus, hg. v. Bund Deutscher Landschafts-Architekten BDLA, Bonn 1988.
63 Repton (wie Anm. 59), 7–9.
64 Ebd., 199.

61
Gert Gröning

Haus über die von ihm selber als allgemein geltend bezeichneten Kriterien, „Aspect“,
„Levels“, „Objects of Convenience“ und schließlich „Views from the House“65 .
Bezüglich des „Aspect“ stellt er unmissverständlich klar: “There can be no doubt
that a southern aspect is the most desirable for rooms which are to be occupied throug-
hout the year, because the sun in winter is always acceptable, and in summer it is
so much more elevated, that it is rarely objectionable and easily shaded”66 . Zu den
„Levels“ führt er aus: “The Site here proposed is on a sufficient eminence to enjoy
prospect, and yet to be sheltered from the sea winds: the ground by Nature falls gently
from it in every direction except towards the north; and in that direction it will easily
be made to do so by Art: this is necessary to prevent any damps from the hill, and to
provide a sufficient drainage for the House and Offices, all of which will require very
little cost of labour”67. Mit den „objects of convenience“ sind die Wasserversorgung,
hinreichend Raum sowie die überörtliche Anbindung des Grundstücks gemeint. Die
Wasserversorgung des Grundstücks stellt für Repton einen Gegenstand großer Be-
deutung dar, nicht nur zur Gewährleistung einer ständigen Wasserversorgung der
Familie sondern auch als Sicherheit im Fall eines Feuers. Das ist es dann auch. Pück-
lers Ausführungen zum Wasser sind, wie ich gleich noch aufzeigen werde, deutlich
differenzierter.
Hinreichend Raum hält Repton für notwendig, um all die zahlreichen Ergänzungs-
gebäude für die Verwaltung, die Ställe, Scheunen und Lagerhäuser für Kohlen und
Stoffe ebenso in Hausnähe unterbringen zu können, wie den Küchengarten, den Me-
lonengarten, den Geflügelhof, den Holzlagerplatz, das Eishaus und anderes mehr. Sie
sollten auf der anderen Seite des Hauses dem Blumengarten, dem Gewächshaus und
der Fasanerie gegenüberliegen, die wiederum, gleichsam natürlich, in Verbindung mit
dem Pleasureground anzuordnen seien. Die überörtliche Anbindung, die „relative
objects“, beziehen sich auf die Lage des Grundstücks zur nächsten Stadt mit Post-
anschluss, zur Kirche, zum Dorf und zur See. Dorthin müssen Straßen führen, die
„highly ornamental, useful, and convenient“68 angelegt werden sollen. Entsprechend
dem Verlauf der Straßen wird dann der Zugang zum Grundstück gewählt, „along a
line of approach, the most easy, natural, varied, and beautiful“69.
Bezüglich der Blicke aus dem Haus fokussiert Repton, anders als aufgrund der
Berufsbezeichnung landscape gardener zu vermuten wäre, nicht an erster Stelle auf
die Landschaft. „I am“, so schreibt er, „not so infatuated with Landscape as to prefer
it to any of the objects already enumerated“70 („ich bin nicht so trunken vor Land-
schaft, dass ich sie den anderen bereits genannten Gegenständen vorzöge“). „Denn“,
so fährt er fort, „ich habe immer den ausschließlichen Anblick von Bäumen und Rasen
in gewissem Maß als verdrießlich angesehen, was, davon bin ich überzeugt, häufiger

65 Ebd.
66 Ebd.
67 Ebd., 200.
68 Ebd., 201.
69 Ebd.
70 Ebd., 202.

62
Pückler-Muskau und Repton

von den Besitzern solcher Orte einzigartiger Erhabenheit empfunden als eingestanden
wird“71 .
Entgegen der gängigen Vorstellung, 25 Hektar guter Weizenfläche zu Rasen zu
machen, „Lawning a hundred good acres of wheat“72 , hält Repton eine Mischung aus
Getreide- und Waldflächen in einer gewissen Entfernung für besser als Rasen weil
sie zu bestimmten Jahreszeiten, bei der Aussaat und der Ernte sowohl von Menschen
wie auch Tieren belebt werden. Diesbezüglich verweist er deutlich auf „my favourite
propensity for humanizing as well as animating beautiful Scenery“73 , auf seinen aus-
geprägten Hang, eine schöne Gegend mit Menschen und Tieren zu versehen. Dabei
will er die Annehmlichkeit und Privatheit nicht zerstören, indem er dort in Haus-
nähe „Tourists and Felicity Hunters“, Touristen und Glücksjäger, vorbeiziehen sehen
will, doch an einem Tag in der Woche sollen in einer gewissen Entfernung vom Haus
auch Besucher die Gelegenheit erhalten, die Schönheit des Ortes zu genießen. „This
occasional glitter of distant moving objects“74 , dieser gelegentliche Glanz sich in der
Entfernung bewegender Objekte, so schreibt Repton, einschließlich des Anblicks von
Kutschen, die auf das Haus zufahren, würde lebendige Gestalten in Kontrast zu dem
ruhigen und durchaus angemessenen Blick aus dem Haus setzen.
Das sah Pückler ähnlich und auch wiederum differenzierter. „Selbst in der gemalten
Landschaft“, so stellte er für sich fest, „verlangen wir schon etwas, das an menschliches
Treiben erinnert um, wie wir sagen, sie zu beleben. Einer weit grössern Mannichfal-
tigkeit bedarf aber die wirkliche Landschaft, als die gemalte, und doppelt anmuthig,
wie zugleich dem menschlich fühlenden Herzen wohlthätig, erscheint es uns daher,
wenn wir, wie in England, in der fast überall durch Kunst idealisirten Natur nicht nur
die Palläste und Gärten der Grossen in ihrer Pracht und Herrlichkeit bewundern dür-
fen, sondern, im harmonischen Ganzen, auch die bescheidnen Wohnungen geringer
Pächter in ihrer Art ebenso reizend angelegt, und vollendet ausgeführt finden [. . . ] Ja
der Ärmste schmückt sein Strohhüttchen noch mit Blumen, und pflegt, neben seinen
ökonomischen Bedürfnissen, mit Sorgfalt ein wohl eingehegtes Gärtchen, sey es noch
so klein, wo nichts als sammtartiger Rasen grünt, von Rosen und Jasmin umduftet“75.
Mehr noch, „kann man innerhalb des Parks ein Vorwerk mit seiner angränzenden
Feldflur, eine Mühle, eine Fabrick anbringen, oder hineinziehen, so wird ihm dies nur
desto mehr Leben und Mannichfaltigkeit geben, die eben so sehr empfohlen, als auf
der andern Seite vor Ueberladung gewarnt werden muss“76.
In Pücklers Andeutungen über Landschaftsgärtnerei scheint immer wieder die kri-
tische Haltung dem Bestehenden gegenüber durch. Das betrifft nicht nur die eigene

71 Ebd., meine Übersetzung,GG. Der Text lautet im Original: “[. . . ] I have ever consideredthe View
of trees and lawns only, as creating a certain degree of gloom; which I am convinced is oftener felt
than acknowledged by the possessors of places admired for their solitary grandeur”.
72 Ebd., 203.
73 Ebd.
74 Ebd., 204.
75 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 14.
76 Ebd., 31.

63
Gert Gröning

Anlage sondern auch das vielfach auf Reisen Gesehene. Neben dem sorgfältigen und
kritischen Studium der Natur und vorhandener Garten- und Parkanlagen, verweist
er auf das „ernste Studium der besten Werke über die Gartenkunst in ihrem weiteren
Sinne“, vermeidet allerdings allzu viele zu benennen. Doch sind damit weitere Punkte
auf der map of influence markiert. Sicher zählte Pückler zu diesen besten Werken auch
die von Repton verfassten Red Books77, wollte er doch, wie er in einem Brief an seine
Frau Lucie vom 24.12.1825 schrieb, die Andeutungen „in der Repton’schen Manier,
wie es war und ist“78 herausgeben.
Auch der von ihm gewählte Titel Andeutungen über Landschaftsgärtnerei lässt
auf Repton schließen, der 1795 Auszüge von seinen Vorschlägen für verschiedene
Anlagen unter dem Titel Sketches and Hints on Landscape Gardening in London als
Buch veröffentlicht hatte. Die, allerdings erst 1917, in den USA besorgte, englische
Übersetzung von Pücklers Andeutungen trägt eben den Titel „Hints on Landscape
Gardening“79 .
Damit beende ich meinen kurzen Kommentar zu den Reptonschen Fragments on
the Theory and Practice of Landscape Gardening und will nun ebenso knapp auf die
Andeutungen über Landschaftsgärtnerei von Pückler hinweisen.

IV.2. Pücklers „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“


Pückler meinte einmal in einem Brief an Bettina von Arnim, die Andeutungen über
Landschaftsgärtnerei seien „ernsthaft und auch eigentlich langweilig“80 und stünden
somit in einem Gegensatz zu seinen sonstigen Schriften. Schon 1825 hatte er, wie
aus einem Brief vom 24. Dezember an seine Frau Lucie, die er jedoch in den Briefen
immer Julie nannte, hervorgeht, die Idee zu einer solchen Veröffentlichung. Er teilte
ihr damals mit: „Gestern war ich sehr fleißig. Du weißt, daß ich den Plan habe, über
Landschaftsgärtnerei eine kleine Broschüre herauszugeben, mit einem Atlas verbun-
den, der den Plan des Muskauer Parkes und die schönsten Ansichten enthält“81. Er,
der Bestsellerautor, publizierte sonst als „Verstorbener“ oder als „Semilasso“, als Hal-
berschlaffter. So etwa seine Briefe eines Verstorbenen, die in vier Teilen in den Jahren
1830 und 1832 erschienen82 . Der Verstorbene spielt auch bei weiteren Werken des

77 Zwei der ansonsten kaum erschwinglichen und zu Liebhaberpreisen gehandelten ,Red Books‘
wurden 1994 in einem Reprint leichter zugänglich gemacht. Siehe Humphry Repton: The Red
Books for Brandsbury and Glemham Hall, with an introduction by Stephen Daniels (Dumbarton
Oaks Research Library and Collection, Dumbarton Oaks Reprints and Facsimiles in Landscape
Architecture III), Washington 1994.
78 Assing (wie Anm. 6), 277.
79 Siehe Hints on Landscape Gardening, translated by Bernhard Sickert, hg. v. Samuel Parsons, Jr.,
Boston 1917.
80 Fritz Zahn und Robert Kalwa, Fürst Pückler-Muskau als Gartenkünstler und Mensch, Cottbus
1928, 35.
81 Assing (wie Anm. 6), 277.
82 Briefe eines Verstorbenen, Ein fragmentarisches Tagebuch aus England, Wales, Irland und Frank-
reich, Teil 1 und 2, München 1830, sowie Briefe eines Verstorbenen, Ein fragmentarisches Tage-

64
Pückler-Muskau und Repton

Halberschlafften eine Rolle83 . Während diese Schriften von Pücklers weitgespannter


Reisetätigkeit berichten, sind die 1834 veröffentlichten „Andeutungen über Land-
schaftsgärtnerei verbunden mit der Beschreibung ihrer praktischen Anwendung in
Muskau“ ganz der „höheren Ausbildung des geniessenden Lebens“84 in seinem Park,
dem Muskauer Park, gewidmet. Pückler will seinen Besitz entsprechend gestaltet wis-
sen. Er will, wie er in der Einleitung zu den Andeutungen formuliert, „ein aus inners-
ter Individualität entsprungenes, mit dem eignen Gemüt gebildetes Kunstwerk selbst“
darstellen und sich keinen „Garten, oder vielmehr eine Gegend machen [. . . ] lassen,
wie man ein Kleid beim Schneider bestellt“85. Die Andeutungen sollen nur „nützliche
Winke [. . . ] geben, ja sogar einige heilsame Regeln auf [zu] stellen, die dem Manne
vom Fach der Beachtung nicht ganz unwürdig scheinen, und manchem Dilettanten in
der Natur-Malerei (wenn ich das Hervorrufen eines Bildes, nicht mit Farben, sondern
mit wirklichen Wäldern, Bergen, Wiesen und Flüssen so nennen, und dem Gebiet der
Kunst anreichen darf) erwünscht sein möchten“86. Im Fokus der Pücklerschen map of
influence steht also die „innerste Individualität“ des Landbesitzers.
Muskau liegt ungefähr zweieinhalb Fahrstunden südlich von Berlin, unmittelbar an
der Grenze zu Polen. Die Pücklerschen Parkanlagen in Muskau umfassen nach seinen
Angaben „alles zusammen nahe an 4000 Morgen Landes“87 , was ungefähr 1000 ha
entspricht. Das ist ungefähr die fünffache Größe des Tiergartens in Berlin. 1845, als
Pückler den Park an die Grafen Nostitz und Hatzfeld verkaufte, waren 257 ha fertig
gestellt88 .
Der Park gliedert sich in den, eigentlich wie ein Grüngürtel anmutenden, die Stadt
Muskau im Westen umfangenden Oberpark, den großen Bergpark, der südwestlich
daran anschließt sowie den Unterpark, der sich östlich der Stadt erstreckt. Von der
Neiße durchflossen, die nach 1945 hier die Grenze zwischen Deutschland und Polen
markiert, wurde dieser Unterpark geteilt und ließ so dessen größeren Teil zum polni-
schen Staatsgebiet werden89 . Östlich grenzt das von Pückler als „Baum-Universität“
bezeichnete Arboretum an den Park an.

buch aus Deutschland, Holland und England, Teil 3 und 4, Stuttgart 1832 und Tutti Frutti, Aus
den Papieren eines Verstorbenen, 5 Bände, Stuttgart 1834.
83 Siehe Vorletzter Weltgang von Semilasso, Traum und Wachen, Aus den Papieren des Verstorbenen,
3 Bände, Stuttgart 1835, sowie Semilasso in Afrika, Aus den Papieren eines Verstorbenen, 5 Bände,
Stuttgart 1836.
84 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 13.
85 Ebd., 15.
86 Ebd.
87 Ebd., 84.
88 Helmut Rippl, Der Parkschöpfer Pückler-Muskau, Weimar 1985, 54. 1846 verkauften die Grafen
Nostitz und Hatzfeld bereits wieder und der Besitz gelangte in die Hände des Prinzen Friedrich
der Niederlande, „eines der reichsten Männer der damaligen Hocharistokratie“ (ebd., 55).
89 Westlich der Neisse lagen dann noch 206 ha, die, nachdem die Graf-von-Arnimsche-Waldgut-
stiftung-Standesherrschaft Muskau in Volkseigentum überführt worden war, bis zum Ende der
DDR im Jahr 1991 von der Stadt Muskau verwaltet wurden; in Polen sind noch rund 370 Hektar
Park vorhanden.

65
Gert Gröning

Die 1834, also 18 Jahre nach den Reptonschen Fragments on the Theory and Prac-
tice of Landscape Gardening, erschienenen Andeutungen über Landschaftsgärtnerei
umfassen 150 Seiten und 43 Abbildungen. Der Text ist in zwei Abteilungen gegliedert,
die erste umfasst 55, die zweite gedruckte 76 Seiten. Dreizehn Abschnitte untertei-
len die erste Abteilung, die bis auf den Abschnitt „Versetzung grösserer Bäume und
ihre Gruppirung, Pflanzungen überhaupt“ jeweils zwei bis drei Seiten lang sind. Die
zweite Abteilung enthält eine Beschreibung des Parks zu Muskau von 25, sowie Be-
schreibungen einer ersten, zweiten und einer dritten Spazierfahrt mit jeweils 28, 8 und
12 Seiten.
Die Abschnitte der ersten Abteilung handeln, in dieser Reihenfolge, von
der „Grund-Idee und Plan einer Gartenanlage“, „Grösse und Ausdehnung“,
„Umschliessung“, „Gruppierung im Grossen, Gebäude“, „Park und Gärten“, „Über
Anlegung von Park-, Wiesen- und Garten-Rasen“, „Versetzung grösserer Bäume und
ihre Gruppirung, Pflanzungen überhaupt“, „Wege“, „Wasser“, „Inseln“, „Felsen“,
„Erdarbeiten und Planaden“ und schließlich „Erhaltung“.
Im Vergleich zu den Reptonschen Fragments fällt zunächst die stringentere Glie-
derung des Pücklerschen Texts auf. Die eine Hälfte ist klar der Beschreibung des
Parks, einschließlich der Spazierfahrten, die andere einzelnen, vorwiegend techni-
schen Aspekten gewidmet, die Pückler für die Anlage seines Parks wichtig schienen.
Inhaltlich gibt es kaum Übereinstimmungen zwischen den beiden Büchern. Repton-
sche Gliederungspunkte wie Ländliche Architektur, Symmetrie, Zäune in Hausnä-
he, Schlösser, Einheit des Charakters, Fenster, Farben, Innenräume, Kombinationen,
Kontraste, Aspekte und Prospekte, Varietät, Gartenluxus, Unterkünfte und Hütten,
Wasserzäune, tauchen bei Pückler nicht auf. Wenn überhaupt, so lassen sich aus den
verschiedenen Beschreibungen, die Repton in seinen Roten Büchern für bestimmte
Anlagen fertigte, strukturelle Ähnlichkeiten ableiten.
So wäre z. B. denkbar, dass die Überlegungen, die Repton bezüglich des Laufs von
Wasser in dem Roten Buch für Endsleigh oder auch dem für Welbeck90 vorträgt, von
Pückler mit einer gewissen Sympathie gelesen wurden und ihn bei der Abfassung sei-
nes Kapitels über „Wasser“, aber auch bei dem über „Inseln“ und „Felsen“ bewegt
haben. Wenngleich Pückler in der Einleitung zu den Andeutungen feststellt, es sei
„gewiss, dass England [. . . ] unserem Grade der Civilisation beinahe um ein Jahrhun-
dert vorausgeeilt ist“ und „daher dort jetzt mit Leichtigkeit hergestellt wird“, was
„hier noch lange fast unausführbar“91 bleibe, lässt er das doch nicht insgesamt gelten.
Das betrifft z. B. auch die „künstlich geschaffenen Wasserstücke, sie seyen (sic) wel-
cher Art sie wollen“92. Pückler verkennt nicht die Schwierigkeit der Aufgabe und stellt
fest: „In der ganzen Gartenkunst wird vielleicht nichts schwieriger gelingen, und auch
die Engländer sind in diesem Puncte (sic) sehr zurück, ja selbst die von Repton (kursiv
im Original, GG), ihrem besten Gartenkünstler, angelegten Wasserpartieen die ich ge-

90 Repton (wie Anm. 55), plate XI.


91 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 13.
92 Ebd., 62.

66
Pückler-Muskau und Repton

sehen, waren höchst mangelhaft“93. Und nicht genug damit, setzt Pückler noch eins
drauf und behauptet: „In den meisten Parks der englischen Grossen sind noch die Was-
serstücke die parties honteuses (kursiv im Original, GG; Schandflecken) des Ganzen,
oft schlammig, höchst selten den artificiellen (sic) Ursprung völlig verbergend, aus dem
sie hervorgingen“94 .
Pückler ist selbst in der Allgemeinheit seiner Darstellungen zum Lauf des Wassers
präziser als Repton in den spezifischen Ausführungen zu einer von ihm geplanten
Anlage. Das schlägt sich auch in den unterschiedlichen Visualisierungen nieder. Wo
Repton eine nicht ohne weiteres verständliche Skizze „to represent the course of any
river“95 zeigt, präsentiert Pückler ein gleichsam ohne Worte einsichtiges Beispiel und
Gegenbeispiel für die Führung von Wasserläufen und das „Ineinandergreifen von
Rasen und Pflanzungen am Wasser“96 . „Der Schlendrian“, so schreibt Pückler zur
Führung der Wasserläufe, „wird den Fluss wie a (kursiv im Original, GG) gestalten,
der Beobachter der Natur eine b ähnliche Bildung hervorzubringen suchen“97 . Was
die Beispiele für das Ineinandergreifen von Rasen und Pflanzungen am Wasser be-
trifft, so meint Pückler, „die Form f (kursiv im Original, GG)“ sei „noch keineswegs
die schlechteste, die ich ausgeführt gesehen habe, und g will ich nicht für die beste
ausgeben, die auszuführen ist; sie wird aber gewiss einen malerischeren Effekt her-
vorbringen als jene, und auf keinem Standpunkt des Wassers Ende entdecken lassen,
welches eine Hauptsache ist“98.
Das ihm gehörende Gelände in Muskau entsprach nicht überall seinen Vorstellun-
gen. So z. B. „wurde es nöthig, aus dem Flusse, der den Park durchströmt, einen neuen
Arm ableiten und ausgraben zu lassen“, um damit „über mehrere und verschiedene
Wasseransichten disponieren zu können“99 . Nach dem Vorbild entsprechender Situa-
tionen im malerischen Tal des River Wye100 , der in den walisischen Bergen nordöstlich
von Hereford entspringt und nördlich von Bristol bei Chepstow in den dort schon
meeresbreiten Severn mündet, gruben 1821 die Arbeiter des Pücklerschen Alaun-
werkes in Muskau den zusätzlichen Neißelauf aus der Auenlandschaft. Dieser neue
Flussarm wurde dann unter dem Namen Hermannsneiße bekannt.
Pückler war fasziniert längere Strecken im Tal des Wye, u. a. nordöstlich von Mon-
mouth, gelaufen und auf dem Fluss im Boot gefahren101 . In einem Brief vom 21. De-
zember 1827 reflektierte er: „Wenn ich in der Erinnerung aufsuche, was den River Wye
so schön gemacht und vor so vielen anderen Flüssen den Vorzug gibt, so finde ich, daß
es vorzüglich seine bestimmt gezeichneten Ufer sind, die sich nie in undeutliche Linien

93 Ebd.
94 Ebd.
95 Repton (wie Anm. 59), 215.
96 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 62 und 63.
97 Ebd., 63.
98 Ebd.
99 Ebd., 74–75.
100 Seit 1971 ist die Gegend als „Area of Outstanding Natural Beauty (AONB)“ unter Schutz gestellt.
101 Ohff (wie Anm. 42), 315–317 und 320–322.

67
Gert Gröning

verflachen, noch eine nichtssagende Mannigfaltigkeit ohne Charakter darbieten; fer-


ner daß ihn fast immer Wald, Felsen oder Wiesen, durch Gebäude belebt, selten nur
Felder und bebaute Fluren begrenzen, denn diese letzteren sind zwar eine nützliche
Sache, aber nicht malerisch. Die vielen und kühnen Krümmungen machen, daß auch
die Ufer sich unaufhörlich verschieben, und so aus denselben Gegenständen hundert
verschiedene Schönheiten sich entfalten, wie die Stimme, nach mehreren Seiten ge-
wandt, ein vielfaches Echo hervorruft. Beiläufig gesagt ist dies auch der Hauptgrund,
warum Landschaftsgärtner gekrümmte Wege den geraden vorzogen. Diesen Gedan-
ken hatten die Maler (kursiv im original, GG); nur die Pinsel machten gewundene
Korkenzieher daraus, indem sie glaubten, daß ihre imaginäre Schönheitslinie, nicht
die verschiedene Ansicht der Landschaft damit bezweckt werde.
Da die Gegenstände, die sich den River Wye entlang darbieten, fast immer nur we-
nige in großen Massen sind, so bilden sie schöne Gemälde, weil Gemälde eine kürzere
Abgrenzung verlangen. Die Natur schafft nach einem Maßstab, den wir in seinem
Totaleffekt gar nicht beurteilen können, und dessen höchste Harmonie uns daher ver-
lorengehen muß – die Kunst also strebt danach, nur einen Teil derselben als ein für
Menschen verständliches Ganzes idealistisch zu formen, und dies ist meines Erachtens
die auch der Landschaftsgärtnerei zugrunde liegende Idee“102 . Welche Fülle an Über-
legungen. Pückler, das wird hier sehr deutlich, vollzog, ganz unabhängig vom Stu-
dium Reptonscher Veröffentlichungen, aufgrund seiner hervorragenden allgemeinen
wie auch spezifischen Beobachtungen, selber einen britisch-deutschen Kulturtransfer.
Damit ist ein weiterer wichtiger Punkt auf Pücklers map of influence bezeichnet, die
recht präzise, unmittelbare und reflektierte Anschauung von Gegenden, die seine In-
spiration und die Umsetzung entsprechender Vorstellungen in der eigenen Parkanlage
beförderten.
Konkret transferiert auf die Anlage des Parks in Muskau erläuterte Pückler, in sei-
ner Beschreibung der ersten Spazierfahrt mit einer bei Repton nicht vorhandenen
Präzision „die vortheilhaftesten (sic) Punkte“ seiner Anlage, die „immer durch einfa-
che steinerne Bänke an der Strasse markirt (sic)“103 sind. Bezüglich des Wassers führte
Pückler z. B. aus: „Nach Verlauf einiger Zeit gelangt man in eine Waldpartie am Fluss,
cotoyirt (sic, cotoyer = entlanggehen, GG) diesen eine Weile, passirt (sic) beim Aus-
tritt aus dem Walde, auf einer rüstiken (sic) Steinbrücke mit einem rohen Steinwehr,
den neugegrabnen Neissarm unweit seiner Ausmündung in den Hauptstrom, und er-
steigt dann, sich wieder rückwärts wendend, das westliche Coteau (Abhang, GG) des
Neissthals.
Hier oben angelangt (q. Grundplan B.) erblickt man unter sich, an einen Eichenhain
gelehnt, einen See von bedeutendem Umfang mit einigen belaubten Inseln, und einer
grossartigen Waldansicht auf die Berge im Hintergrunde. Seitwärts in der Tiefe liegt

102 Ebd., 327. In einem Brief vom 23.6.1834 schrieb er dazu: „Ich studierte hier lange die Krümmun-

gen des Flusses für meine Anlagen und zeichnete sie mir ab, denn selten wird man ein besseres und
mannigfaltigeres Modell dafür finden“; Vorletzter Weltgang (wie Anm. 83), Band I, hier 163.
103 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 103.

68
Pückler-Muskau und Repton

auf hervorspringender Landzunge eine Fischerhütte, um welche alle Arten von auf-
gestellten Netzen und anderen Utensilien zum Fischfang, jederzeit die Freunde dieses
Vergnügens zu einer reichlichen Ernte einladen“104 . Weniger bezüglich der Vorstel-
lungen vom Wasser im Garten bzw. Park als vielmehr von der Belebung der Szenerie
durch menschliche Aktivität, ließe sich hier eine gewisse Ähnlichkeit mit der Repton-
schen Vorstellung des „humanizing“ ableiten. Diese Hinweise deuten an, wo die map
of influence noch verfeinert werden kann.
Als Pückler seine Andeutungen veröffentlichte, warnte er, „dass, wer in Muskau
schon jetzt ein Vollendetes, ich meine Fertiges, zu finden hoffte, sich gänzlich getäuscht
sehen würde. Kaum ein Drittheil des Planes ist bis jetzt ausgeführt sichtbar“105. Einige
Jahre vorher, im November 1828, hatte er seine Schwester Clementine nach mehr als
zehnjähriger Arbeit am Park wissen lassen: „Mein Schaffen in Muskau ist das einzige
Streben meines Lebens, das ich mit vollem Gemüth umfasst habe. Es ist aber nur
eine Skizze, weit, unendlich weit zurück hinter dem Kunstwerk, das in meinem Geist
vollendet steht“106. Kategorisch sagte Pückler von sich, „nie etwas bestehen gelassen
zu haben, was im Einzelnen früher verfehlt wurde“107 .

V. Wie nahe war Pückler den Reptonschen Vorstellungen?

Die von einigen Experten geäußerten Vorstellungen, Pückler habe gleichsam in Mus-
kau und Branitz die Reptonschen Empfehlungen umgesetzt, widersprechen in gewis-
ser Weise den Ausführungen Pücklers in den Andeutungen über Landschaftsgärtnerei.
Vielmehr ist es wohl angebracht, von einer kritischen Auseinandersetzung Pücklers
mit dem von ihm in England Gesehenen und dem von ihm auf Englisch Gelesenen
auszugehen. Insofern scheinen mir seine Darlegungen ein sehr gutes Beispiel für einen
Kulturtransfer, dem nicht eine schlichte Übernahme sondern eine reflektierte Ausein-
andersetzung zugrunde liegt.
So stand Pückler den von ihm gesehenen englischen Parkanlagen recht kritisch
gegenüber. Zwar sah er „den allgemeinen Anblick englischer Gegenden, den überall
verbreiteten Sinn für geschmackvolle Cultur und Landverschönerung, als Muster“ an,
doch war ihm klar, „dass in der einzelnen Ausführung dort vieles besser seyn könnte.
So scheinen mir“, schrieb er, „die meisten Parks der Engländer, bei manchen andern
grossen Schönheiten, namentlich in Bezug auf diese künstliche Verkleinerung der Grö-
ße, einen bedeutenden Fehler zu haben, der sie auf die Länge auch ziemlich ermüdend
und monoton macht*, und sie dadurch der oft so herrlich cultivirten freien Landschaft
rund um sie her nachstehen lässt, welche wenigstens meinen Ansprüchen an eine durch
Kunst veredelte Gegend durch ihre Abwechslung nicht selten weit näher kam.

104 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 103.


105 Ebd., 74.
106 Assing (wie Anm. 7), Band VII, 269.
107 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 19.

69
Gert Gröning

Viele englische Parks sind im Grunde nichts als unermessliche Wiesen mit malerisch
vertheilten Gruppen hoher und alter Bäume, die theils der Belebung der Landschaft
wegen, theils auch des Nutzens willen, zur Weide für zahlreiche Heerden, entweder
zahmen Wildes, Schafe, Rindviehs oder Pferde dienen müssen. [. . . ] Nur ein einziger
Weg führt gewöhnlich durch diese unabsehbare Grasoede ohne alle Spur menschlichen
Treibens, zum und vom Schlosse, das mitten im Rasen in seiner einsamen Majestät kahl
und kalt daliegt, während Kühe und Schafe bis an die leeren Stufen seiner Marmor-
treppe grasen“108. Damit meinte Pückler wahrscheinlich den Park in Blenheim109,
wenige Kilometer nordwestlich von Oxford.
„Vermieden würde dies werden“, so fuhr er fort, „wenn man für Vieh sowohl als
Wild nur bestimmte Bezirke abschlösse, und ihnen nicht die ganze Park-Landschaft
Preis gäbe. Es ist aber bei den Engländern fast zur fixen Idee geworden, dass man einer
Landschaft, ohne Vieh, nimmer froh werden könne. Dagegen ist ihnen die Belebung
durch Menschen desto unerträglicher, denn nichts wird hermetischer verschlossen, als
die Gartenanlage eines englischen Privatmannes es in der Regel für jeden Unbekann-
ten ist. Die Humanität unsrer Grossen ist ihnen dort gänzlich fremd geblieben, indess
finden sie auch einige Entschuldigung in der ausserordentlichen Ungezogenheit ihres
Pöbels“110. Spuren menschlichen Treibens, „humanizing“, wollte auch Repton in den
von ihm gestalteten Parkanlagen sehen, doch war er sich bewusst, dass er damit auf
Widerstand bei seinen Auftraggebern stieß.
Widerstände gegen die Parköffnung kannte auch Pückler. Er vertrat jedoch von An-
fang an die Auffassung, „Jedem, ohne Ansehn der Person, den Zutritt zu“ seinen „An-
lagen“ zu erlauben, „obgleich gar viele Gutsbesitzer“ ihm versichert hatten, „dies sey
ebenfalls unmöglich, da das rohe, oft betrunkene Volk alle jungen Bäume abschneiden
und alle Blumen abreissen werde“111 . Solche Befürchtungen waren durchaus berech-
tigt, wie sich in Beiträgen zu zeitgenössischen Zeitschriften nachlesen lässt112. Den
Vandalismus konnte auch Pückler nicht verhindern. Doch beobachtete er zunächst
nur, dass, wenn in seinem Park Holz gestohlen wurde, „grösstentheils nur sorgfältig
die dicken Stützpfähle“ abgehauen wurden, „ohne dem daran gebundenen Bäumchen
den mindesten Schaden zu tun“. In der Folge bestrafte er einerseits die Täter, so sie
denn ermittelt werden konnten und besserte andererseits mit „gelassener Beständig-

108 Ebd., 21. *Anmerkung Pücklers: „Ich spreche hier weder von ihren pleasuregrounds noch Gärten,

die voller Abwechslung sind, sondern bloss vom eigentlichen Park“.


109 Siehe A new description of Blenheim, the seat of his Grace the Duke of Marlborough: Contai-
ning a full and accurate account of the paintings, tapestry, and furniture; a picturesque tour of
the gardens and park: and a general description of the China Gallery, etc. With a preliminary
essay on landscape gardening, Oxford, UK, 10 1817. Ein solcher Führer war 1787 zum ersten Mal
erschienen.
110 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 21.
111 Ebd., 79.
112 Siehe z. B. Schneid, Die Pflanzung der Alleen und ihre Beschädigung – in Beziehung auf das

Ganze in Deutschland, in: Wochenblatt des landwirthschaftlichen Vereins in Baiern, XII (1822),
787–788.

70
Pückler-Muskau und Repton

keit“, ruhig und geduldig die Schäden aus, wodurch „die Leute [. . . ] von selbst zur
Vernunft“113 kamen.
Pückler hatte also den „allgemeinen Anblick englischer Gegenden, den überall ver-
breiteten Sinn für geschmackvolle Cultur und Landverschönerung, als Muster“ an-
gesehen und weniger die Parkanlagen, die in diesen Gegenden vielfach anzutreffen
waren. Wie man sich eine solche englische Gegend vorstellen kann, haben Robert
und Monica Beckinsale für das „English Heartland“, eine Gegend in der die Städte
Oxford, Stratford, Warwick und Windsor liegen, umfassend dargelegt114 . Bezüglich
Repton stellen sie fest, „he had relatively little influence on the estates in the English
heartland where so much landscaping had already been done. He worked at Adle-
strop, Great Tew and Sezincote and is seen at his best at Wycombe Park and Sarsden
(Oxfordshire, c.1795), each with a serpentine lake and one or more Doric temples“115.
Sein Hauptauftragsgebiet lag, wie ich schon angedeutet habe, weiter im Süden.
Im Dezember 1826 und Januar 1827 reiste Pückler durch diese Gegend. Am
26. Dezember 1826 hatte er Woburn Farm in Surrey besucht, deren Anlage ihm wie
„eine kleine Stadt“116 erschien. Der in dem Schloss entstandene „Zusammenfluß von
Pracht [. . . ], der bei uns die Kräfte jedes Partikuliers übersteigt“, vermittelte ihm den
Eindruck, dass man „unter solchen Umständen [. . . ] wohl ein wenig auf seine Fa-
milie und seinen Adel stolz sein“117 kann. Die von Thomas Whately (?–1772) 1770
ausführlich beschriebene Woburn Farm118 war von Philip Southcote (1698–1758) ab
1735 als ornamented farm entwickelt worden. Der Stolz auf Familie und Adel war ein
spezifisches Interesse Pücklers, der sich ansonsten von seiner Familie eher abgestoßen
fühlte.
Ähnlich empfand Pückler auch bei dem nur zwei Tage später erfolgenden Besuch
von Warwick Castle, dessen Park ab den 1740er Jahren über zwei Jahrzehnte hinweg
von dem von Repton verehrten Lancelot Capability Brown gestaltet worden war. Auf
den Punkt gebracht schrieb er seiner Julie dazu: „Etwas Malerischeres und zugleich
Imposanteres läßt sich beinahe nicht denken“119 ! Pückler war überwältigt von dieser
Anlage. Sie traf seine tiefsten Gefühle: „Stelle Dir nun vor“, schrieb er, „diese magische
Dekoration auf einmal (kursiv im Original, GG) zu übersehen, verbinde die Erinne-
rung damit, daß hier neun Jahrhunderte stolzer Gewalt, kühner Siege und vernichten-
der Niederlagen, blutiger Taten und wilder Größe, vielleicht auch sanfter Liebe und
edler Großmut zum Teil ihre sichtlichen (kursiv im Original, GG) Spuren, oder wo
das nicht ist, doch ihr romantisch ungewisses Andenken zurückgelassen haben – und

113 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 79.


114 Robert und Monica Beckinsale, The English Heartland, London 1980.
115 Beckinsale (wie Anm. 112), 190.
116 Ohff (wie Anm. 42), 523.
117 Ebd., 523.
118 Siehe Thomas Whately, Observationson Modern Gardening, Illustratedby Descriptions,London

1770. Eine deutsche Ausgabe „Betrachtungen über das heutige Gartenwesen, durch Beispiele
erläutert“, erschien 1771 in Leipzig; ein reprint erschien 1992 in Rüsselsheim.
119 Ohff (wie Anm. 42), 528.

71
Gert Gröning

urteile dann, mit welchem Gefühl ich mich in die Lage des Mannes versetzen konnte,
dem solche Erinnerungen des Lebens seiner Vorfahren durch diesen Anblick täglich
zurückgerufen werden, und der noch immer dasselbe Schloß des ersten Besitzers der
Veste Warwick bewohnt, desselben halb fabelhaften Guy, der vor einem Jahrtausend
lebte und dessen verwitterte Rüstung mit hundert Waffen berühmter Ahnen in der
altertümlichen Halle aufbewahrt wird. Gibt es einen so unpoetischen Menschen, in
dessen Augen nicht die Glorie dieses Andenkens auch den schwächsten Repräsentan-
ten eines solchen (kursiv im Original, GG) Adels noch heute umglänzte“120? Warwick
Castle hatte Pückler verzaubert. Die Erinnerung daran legte er „wie einen Traum er-
habener Vergangenheit an“ sein „Herz“ und ihm „war in dem dämmernden Monden-
licht“ der letzten Stunden seines Besuchs „wie einem Kinde, dem ein phantastisches
Riesenhaupt aus ferner Zeit über den Wipfeln des Waldes freundlich zugenickt“121.
Über Birmingham, „eine der ansehnlichsten und zugleich häßlichsten Städte Eng-
lands“122, fuhr er weiter nach Stratford. Dort empfand er „ein tief ergreifendes Gefühl,
die unbedeutenden Gegenstände zu sehen, die vor Jahrhunderten mit einem so großen
und geliebten Mann“, es geht um William Shakespeare (1564–1616), „in unmittelba-
rer und häuslicher Berührung standen, und gleich darauf den Ort, wo längst seine
Gebeine vermodern – und so in wenigen Augenblicken von seiner Wiege den langen
Weg bis zu dem seines Grabes zurückzulegen“123 . Nachdem er „zwei Tage lang die
Parkomanie ruhen gelassen“, ging es über die Parkanlagen von Eatrop Park, Ditchley
Park, Blandford Park und Blenheim nach Oxford. In Blenheim bewunderte er die
Arbeit von Reptons Vorläufer Lancelot Capability Brown, der für ihn der „Garten-
Shakespeare Englands“124 war.
Auch Repton selber, der sich als professioneller Nachfolger Browns verstand, setz-
te sich mit Brown auseinander. Schon in seinem ersten Buch, den Sketches and Hints
on Landscape Gardening aus dem Jahr 1794 hatte er von dem „immortal Brown“125
geschrieben, von dessen Sohn er „maps of the greatest works in which his late father
had been consulted, both in their original and improved states“126 bekommen hatte.
In den 1803 erschienen Observations on the Theory and Practice of Landscape Gar-
dening veröffentlichte er dann eine Zusammenstellung der Arbeiten von Brown, die
auf Materialien basierte, die er von Browns Sohn und dessen Schwiegersohn Henry
Holland (1745–1806)127 erhalten hatte128 .

120 Ebd., 529.


121 Ebd., 535.
122 Ebd., 539.
123 Ebd., 550–551.
124 Ebd., 553.
125 Repton (wie Anm. 55), xiv.
126 Ebd., xiv, Fußnote.
127 Für eine biographische Skizze zu Holland siehe Dorothy Stroud, Holland, Henry (1745–1806),

in: The Oxford Companion to Gardens, hg. v. Geoffrey and Susan Jellicoe, Patrick Goode und
Michael Lancaster, Oxford, UK, 1986, 259.
128 So z. B. in seinen Ausführungen über „The Garden“ in Woburn Abbey, siehe Repton (wie Anm.

59), 167.

72
Pückler-Muskau und Repton

Von Oxford, „diesen(m) alten Musensitz Englands“, nahm Pückler, nicht zuletzt
von den dortigen Bibliotheken begeistert, „das angenehmste Andenken mit“129. „Un-
ter anderem“ war ihm dort auch „eine prachtvolle Allee von Rüstern (Ulmus carpini-
folia, GG)“ mitteilenswert, „die, gleich den von dieser Promenade sichtbaren Gebäu-
den, dem Jahre 1520 ihren Ursprung verdankt. Von dieser Königin aller Alleen“, so
schrieb er an Julie, „in der auch nicht ein Baum fehlt und die mitten durch eine Wiese
am Wasser hinführt, sieht man von der einen Seite eine reizende Landschaft, von der
anderen einen Teil der Stadt mit fünf bis sechs der schönsten gotischen Türme, an sich
schon ein herrlicher Anblick, der aber heute noch durch einen bezogenen Himmel, an
dem der Wind schwarze, phantastische Wolken, gleich dem Wilden Heere, hinjagte
und an dem sich zuletzt der schönste Regenbogen, wie aus einem der Türme steigend
und in den anderen herabsinkend, über die ganze Stadt spannte – fast märchenhaft
und bezaubernd wurde“130 .
Im Juni 1827 fuhr Pückler durch die Gegend um Windsor, eine, wie er schrieb,
„wunderschöne Gegend, deren Baum-Reichtum ihr, ungeachtet der bebauten Flu-
ren, das Ansehen eines kultivierten Waldes gibt“131. Im August war er noch einmal
in Windsor und zeigte sich dann „nicht wenig verwundert, hier die ganze Gegend
plötzlich einen ganz anderen Charakter annehmen zu sehen, der in England sehr sel-
ten vorkommt, nämlich den des eigenen Vaterlandes. Kiefern und Fichtenwald, mit
Eichen und Erlen gemischt, und darunter unser Heidekraut und auch unser Sand,
auf dem die Pflanzungen dieses Frühjahrs sämtlich vertrocknet waren“132 . Hier fühlte
sich Pückler in seinem Element, denn: „Über das Pflanzen auf Sand hätte ich den
königlichen Gärtnern guten Rat geben können, denn ich überzeugte mich, daß sie
die Behandlung solchen Bodens gar nicht verstehen“133 . Das 1828 erschienene Buch
The Planter’s Guide, or, A practical essay on the best method of giving immediate
effect to wood by the removal of large trees and underwood des schottischen Gärt-
ners Henry Steuart (1759–1836), mit dem sich Pückler in den Andeutungen mehrfach
auseinandersetzte und es seinen „deutschen Landsleuten“134 sehr empfahl, konnte ih-
nen noch nicht bekannt sein. „Es ist“, so drückte sich Pückler in den Andeutungen
aus, „– und ich rühme mich dessen nicht ungern – wirklich eine Wahrheit, dass ich
schon lange vor der Erscheinung des classischen Steuartschen Werkes, oder wenigstens
ehe es mir bekannt wurde, durch eigne Beobachtung und Erfahrung fast zu dersel-
ben Verfahrungsweise gelangte, die H. Steuart (kursiv im Original, GG) jetzt (höchst
ausführlich) angiebt, und zugleich wissenschaflich zu begründen sucht“135. Wie wenig
Pückler von den professionellen Gärtnern hielt, machte er einmal mehr an diesem
Beispiel deutlich. Er fühlte sich Steuart nahe, denn „wie er, hatte auch ich mit den

129 Ohff (wie Anm. 42), 561.


130 Ebd., 561.
131 Ebd., 665.
132 Ebd., 719.
133 Ebd., 719.
134 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 42.
135 Ebd, 42–43.

73
Gert Gröning

Vorurtheilen der Herrn vom Métier (kursiv im Original, GG) unendlich zu kämp-
fen, und selbst der Augenschein liess sie noch immer mit dem Kopfe schütteln, bis fast
zu gleicher Zeit die Autorität des Buches, welches ich den Herren übersetzte, ihnen
endlich den letzten Zweifel benahm – denn, beiläufig gesagt, der Autorität nur folgen
die meisten Menschen, und wie oft habe ich es erlebt, dass wenn ich Jemand das Ver-
nünftigste nicht einleuchtend machen konnte, es hinreichend war einen Dritten zur
passenden Stunde mit denselben Worten eintreten zu lassen, um alle Hindernisse zu
besiegen. Auf eigner Meinung stehen die Wenigsten“136 ! Anlass zur Kritik bot sich
Pückler wegen des „höchst geringen Standpunctes an sich, auf welchem die Kunst der
Landschafts-Gärtnerei dermalen noch in unserem Vaterlande steht“137, vielfach. Da-
bei beobachtete er im Großen wie im Kleinen recht genau und nahm kein Blatt vor
den Mund. So kritisierte er u. a. massiv, dass „sehr wohlhabende Personen, ja Besitzer
von Hunderttausenden [. . . ] sehr häufig [. . . ] in solchen Pseudo Schlössern [. . . ] hau-
sen, die ein englischer Pächter in dubio (kursiv im Original, G.G.) unbedenklich für
einen Stall ansprechen würde“138 . Darüber hinaus ließen sich viele „Edelhöfe finden,
deren Hauptaussicht auf den Düngerhof geht, an deren Pforte sich den grössten Theil
des Tages über Schweine und Gänse belustigen, und deren Inneres oft, als einzigen
Versuch zur Reinlichkeit, nur mit Sand bestreute Dielen aufweisen kann“139. Doch
hat Pückler nicht nur in die Stuben geblickt sondern auch die Feldflur genau betrach-
tet und bemängelte dort u. a. „Alleen krumm gewachsener Obstbäume“, die „traurig
Kraut und Rüben“ umzingeln, die „Korkzieherformen“ bei der Wegeführung sowie
„verbuttete(n) ausländische(n) Bäume“, die allesamt „weder das Bild freier Natur,
noch das eines Kunstgartens“140 gewährten.
Klar ist, dass Pückler Reptons Veröffentlichungen sehr gut kannte und das auch von
seiner Frau erwartete. So verwies er z. B. in seinem Brief vom 26. Dezember 1826 auf
den von ihm besuchten Ashridge Park, er liegt ungefähr 5 km nordwestlich von Hemel
Hempstead im Nordwesten von London, und gab Julie darin die Anweisung „Reptons
Gartenbuch“ aufzuschlagen, „wo Du mehrere Ansichten und den Grundplan der rei-
zenden hiesigen Gärten findest, die der alte Repton selbst angelegt. Erinnere Dich nur
des rosary (kursiv im Original, GG), so wirst Du es gleich aufzusuchen wissen“141 .
Detailliert erwähnte Pückler von Ashridge Park „den amerikanischen Garten, den
Mönchsgarten und das rosary – wozu noch hinzugekommen sind: 1) der sehr zierliche
französische Garten mit einer bedeckten Galerie an einer Seite, einem porzellanartigen
Aufsatz mit Blumentöpfen in der Mitte und einem großen Parterre, von dem jedes Beet
eine besondere Blumenart enthält; 2) der Felsengarten, wo alle Steinpflanzen vereinigt
sind sowie alle rankenden Gewächse“142 . Von der dortigen Verbindung zwischen der

136 Ebd., 43.


137 Ebd., 15.
138 Ebd., 14.
139 Ebd., 14.
140 Ebd., 15.
141 Ohff (wie Anm. 42), 520.
142 Ebd., 522.

74
Pückler-Muskau und Repton

Architektur und dem Park hielt er allerdings nichts. „Wenn man“, so schrieb er, „in
der kultiviertesten, friedlichsten Wiesenfläche unter dem Flor unzähliger Blumen eine
Art Festung mit hundert Türmen, Schießscharten und Brüstungen gewahr wird, die
alle nicht den mindesten Zweck haben und obendrein in ihrer Basis fast nichts als
Glaswände (die Gewächs- und Treibhäuser, welche mit den Zimmern in Verbindung
stehen) darbieten, so ist dies wahrlich ebenso lächerlich, als wenn der Besitzer dieser
lieblichen Blumengärten darin in Helm und Harnisch wie weiland Don Quixotte143
spazieren gehen wollte“144.
Wie ernst ihm diese Kritik war, stellte Pückler unter Beweis als er sie sechs Jahre
später in den Andeutungen fast wörtlich wiederholte. Er schrieb dann: „Misslungen
erschienen mir dagegen die Bestrebungen der Neuern, für modernen friedlichen Ge-
brauch wieder Schlösser im alten Festungsstyle, zur Wohnung aufzuführen. Die kost-
spielichsten (sic) Anlagen dieser Art in England sind Eatonhall (kursiv im Original,
GG) und Ashridge, für die Millionen verschwendet wurden, um eine Kinderei zu
schaffen, ungeheure Burgen in Blumengärten, wo oben Créneaux (Schießscharten,
GG) und unzähliche (sic) kriegerische Wachtthürme (sic), unten Glaswände mit exo-
tischen Zierpflanzen angefüllt, zum baaren (sic) Unsinn werden, und deren Besitzer,
wie ein lustiger Reisebeschreiber ganz richtig sagt, um analog mit ihrem Bauwerke
zu bleiben, auch wie Don Quixotte im Harnisch und mit eingelegter Lanze in ihrem
pleasureground spazieren gehen sollten“145.
Repton selber befand, dass „of all the subjects on which I have been consulted“ und
das waren mehr als 400 Anlagen, „few have excited so much interest in my mind as
the Plan (sic) for these Gardens (sic)“146. Das Nachdenken über dieses Werk, das er
1813, im Alter von 61 Jahren entworfen hatte, führte Repton zu folgender Definition
für einen Garten: “It is a piece of ground fenced off from cattle, and appropriated to
the use and pleasure of man: it is, or ought to be, cultivated and enriched by art with
such products as are not natural to this country, and consequently it must be artificial
in its treatment, and may, without impropriety, be so in its appearance; yet there is
so much of littleness in Art (sic), when compared with Nature (sic), that they cannot
well be blended: it were therefore to be wished, that the exterior of a garden should be
made to assimilate with Park Scenery (sic), or the Landscape (sic) of Nature (sic); the
interior may then be laid out with all the variety, contrast, and even whim, that can
produce pleasing objects to the eye, however ill adapted as studies for a picture”147.

143 Pückler bezieht sich hier auf den Roman „El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha“
von Miguel de Cervantes, dessen erster Teil 1650 und dessen zweiter 1651 herauskam. Der darin
dargestellte kleine Landadlige Don Quixote liest viele Ritterromane und glaubt schließlich sel-
ber zum Ritter geworden zu sein. So zieht er aus, das Unrecht in der Welt zu bekämpfen und
unterliegt, nicht zuletzt in seinem Kampf gegen Windmühlen, kläglich.
144 Ohff (wie Anm. 42), 521.
145 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 30.
146 Repton (wie Anm. 59), 137.
147 Ebd., 141–142.

75
Gert Gröning

Was Pückler auf seinen Reisen in den 1820er Jahren in England gesehen hatte, war
eine Gegend, die aufgrund der enclosure acts, der Einhegungsgesetze, völlig verän-
dert worden war. Der ganz überwiegende Teil dieser enclosures fand, wie Hoskins
ausführlich darlegte, in den einhundert Jahren zwischen 1750 und 1850 statt148 . Zwi-
schen 1761 und 1844 gab es mehr als 2500 solcher Einhegungsgesetze. Die ersten
dieser Regelungen sind für Radipole in Dorset aus dem Jahr 1602 und für Marden
in Herefordshire aus dem Jahr 1606 bekannt. Vor 1760 war ungefähr ein Prozent der
Fläche von England davon betroffen. Im Zeitraum von 1760 bis 1800 stieg der Anteil
auf mehr als sechs und bis 1844 auf mehr als zehn Prozent an. Nach dem Erlass des
General Inclosure Act im Jahr 1845 stieg der Anteil noch einmal beträchtlich an. Die
gravierendsten Auswirkungen dieser Regelungen zeigten sich in den Midlands und
im östlichen England. Die im Zusammenhang mit diesen Einhegungen gezeichneten
Karten geben bis heute im wesentlichen die dadurch erzeugte Umstrukturierung der
englischen Gegend wieder149 . Die Einhegungsbeauftragten zeichneten in die bis da-
hin mittelalterlich geprägte Gegend Grenzen für neue Felder und Hecken, sowie neue
öffentliche und private Straßen ein. Auf diesen seltenen Karten lässt sich ablesen, wie
vollständig neu die Gegend, ohne Rücksicht auf nahezu alles, was davor dagewesen
war, unterteilt wurde150 .
Die auffälligste Veränderung der Gegend verursachten die kleinen, von Hecken
umgebenen Felder. Die früher großen offenen, von keinerlei Hecken gegliederten
Felder von oft mehreren hundert Hektar, unterteilten die Einhegungsbeauftragten bei
kleinen Bauernhöfen in zumeist quadratische Flächen von einem oder zwei Hektar.
Bei großen konnten die Schläge bis zu 15 Hektar umfassen, die allerdings vielfach
aufgrund der Weidewirtschaft wieder in kleinere Schläge von ungefähr zwei Hektar
unterteilt wurden. Im steinernen Hochland übernahmen neu aufgesetzte Trocken-
mauern die Funktionen der Hecken auf den weiten Flächen. Die Hecken bestanden
zunächst nur aus zwei kaum sichtbaren Reihen von Weißdornsämlingen an Holzzäu-
nen. Nach einigen Jahren waren die Sämlinge zu veritablen Büschen herangewachsen
und wurden dann auf den Stock gesetzt. Dazwischen wurden in relativ großen Ab-
ständen Eschen und, weniger häufig, Ulmen gepflanzt.
Die von den enclosure-Beauftragten so erzeugten neuen Landschaften wurden oft
kritisiert, auch von Repton. Was damals von vielen verächtlich gemacht wurde, ist die
Gegend, die im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts von vielen anderen, auch von
Pückler, geschätzt wurde. Das dieser englischen Gegend zugrunde liegende Muster
ist, wie Fairbrother unmissverständlich zeigt, „both unnatural and insensitive [. . . ]
’The patchwork of fields’ – it is the inevitable metaphor for any extensive view of our
farmlands – a patchwork of rectangles fitted ingeniously together on a map and laid out

148 Siehe dazu William George Hoskins, The Making of the English Landscape, Harmondsworth
1 1955,
1975 (reprint), 185ff.
149 Ebd., 186.
150 Ebd., 187.

76
Pückler-Muskau und Repton

on the ground like a quilt. But neither the surface of the land nor natural vegetation
has anything to do with the ubiquitous man-made rectangle“151.
Was bedeutet das nun für die map of influence? Pückler hat nicht nur die Gärten
und Parkanlagen, sondern vor allem auch die Gegend, in der sie lagen, gesehen. Er
hat nicht nur Repton-Anlagen sondern auch die seines professionellen Vorgängers
Brown mit wachem Geist und kritischem Blick gesehen und offensichtlich geschätzt.
Weit über die Parkomanie hinausgehend, erschloss sich Pückler verschiedene Facet-
ten des damaligen England. Es war nicht zuletzt das starke Gefühl einer geistigen
Verwandtschaft mit einigen der großen Adelsgeschlechter in England, die seit vielen
Jahrhunderten auf ihren Adelssitzen lebten, das ihn bewegte.
Die Pücklersche map of influence lässt sich also bei aller Repton-Bezogenheit, die
wesentlich dessen Verschriftlichung seiner Überlegungen geschuldet ist, noch viel dif-
ferenzierter anlegen, als ich das hier mit den wenigen Strichen versucht habe. Vor al-
lem aber muss man erkennen, dass der britisch-deutsche Kulturtransfer, wie er sich
in der Person Pücklers manifestiert, eine höchst vielfältige Struktur aufweist. Pückler
war ein sorgfältiger Besucher englischer Bibliotheken und sachkundiger Betrachter
von Kunstwerken in englischen Schlössern, die ihn in vielerlei Weise anregten. Vor
allem die Gemälde in den Schlössern führten ihm immer wieder vor Augen, dass sein
anderes europäisches Land, dessen Bewohner ihm in vielfältiger Weise beispielhaft
schienen, Italien war und ihm ebenso wie England Anlässe für komparative Überle-
gungen lieferte.
Bezüglich der „Gruppirung im Grossen“152, schienen ihm dabei die Italiener des
15. und 16. Jahrhunderts vorbildlich. Als deren „grösstes Beispiel“ galt Pückler „wohl
die Villa (kursiv im Original, G.G.) des Hadrian bei Tivoli. Auch bei den Italiä-
nern“, so schrieb er, „während ihrer Blüthe im 15. und 16ten Jahrhundert, finden
sich noch häufige Spuren davon. Halbversteckte, hintereinander verschobne Gebäu-
de, gross und kleine Fenster an derselben Wand, seitwärts angebrachte Thüren, weit
vortretende Dächer und unsymmetrisch gestellte Balcone, kurz überall eine grossarti-
ge aber keineswegs unharmonische Unregelmässigkeit, welche die Phantasie anspricht,
weil das Motiv für jede Abweichung von der Regelmässigkeit zugleich sich mit aus-
spricht, oder doch geahndet werden kann“153. Auf seinem Weg zum Ziel „harmonische
Schönheit“154 spielte jedenfalls die Idee der „italiänischen Villa“155 eine große Rolle.
Das ist jedoch eine ganz andere Geschichte.
Letztlich ging es Pückler darum, den Verstand zu befriedigen. „Eine grosse land-
schaftliche Garten-Anlage [. . . ] muss“, so schrieb er, „auf einer Grund-Idee beruhen.
Sie muss mit Consequenz und, wenn sie ein gediegenes Kunstwerk werden soll, so viel
als möglich nur von einer Hand angefangen und beendigt werden“156 . Wenngleich

151 Nan Fairbrother, New Lives, New Landscapes, Harmondsworth 1972, 33–34.
152 Pückler-Muskau (wie Anm. 31), 28.
153 Ebd.
154 Ebd.
155 Ebd.
156 Ebd., 18.

77
Gert Gröning

er viel für Repton übrig hatte, hätte er wohl kaum einem solchen Tausendkünstler
allein den Auftrag überlassen. Pückler wandte sich deutlich dagegen, „einen fremden
Künstler auf einige Tage oder Wochen, oder auch Monate kommen zu lassen, um sofort
einen Plan zu machen, auf dem jeder Weg und jede Pflanzung, das Ganze mit allen
Details schon genau angegeben ist“157. Durchaus selbstreferentiell vertrat Pückler die
Auffassung, „der leitende, durchbildende Gedanke“ sollte „füglich [. . . ] aus den spe-
ciellen Verhältnissen des Künstlers, aus den besonderen Umständen seines Lebens oder
der früheren Geschichte seiner Familie entspringen“158 . So gesehen, lassen sich sicher
noch viele weitere Punkte der Pücklerschen map of influence benennen.

157 Ebd., 19.


158 Ebd., 18.

78
Uwe Schneider

Landschaftlich versus geometrisch:


Hermann Muthesius und die (Wieder-)Entdeckung geometrischer
Gartenprinzipien in England

Mit dem Berliner Architekten Hermann Muthesius soll ein Mann vorgestellt werden,
der um 1900 sieben Jahre in England zugebracht hatte und damals in intensiver Weise
über die dortigen Verhältnisse berichtete. Er konnte auf diese Weise in verschiedenen
Gebieten nachhaltige Wirkungen in Deutschland entfalten. Muthesius war seit 1896
offiziell beauftragt, über neueste kulturelle, bildungspolitische und architektonische
Entwicklungen in England zu berichten. Gleichsam nebenbei beschäftigte er sich da-
bei auch mit dem Thema Landschaftsgarten, jedoch nicht als Befürworter. Mit dem
Gegensatzpaar „Landschaftlich – Geometrisch“ wurde in jener Zeit eine in Deutsch-
land an Heftigkeit und Polemik kaum mehr zu überbietende Diskussion geführt, an
der Hermann Muthesius maßgeblich beteiligt war. Nachfolgend soll die weitgehend
auf englischen Quellen beruhende Position von Muthesius vorgestellt und schließlich
auch deren Folgen für die Gartenkultur in Deutschland angedeutet werden.

Einleitung

Zunächst einige einführende Hinweise zur Biographie und dem Werk von Muthesius.
Ende 1927 hieß es in einem Nachruf über Muthesius, nachdem dieser während des
Besuchs einer Baustelle in Berlin ums Leben gekommen war: „Mit ihm ist ein Mann
von großer Vielseitigkeit dahingegangen, der seit Jahren in allen Fragen des Bauwesens
und des technischen Schulwesens führend gewesen ist“1 .
Das Interessante an diesem Nachruf ist, dass er in einer Gartenkunstzeitschrift er-
schienen war und Muthesius dort im Nachhinein große Verdienste für die künstleri-
sche Weiterentwicklung des Berufsstandes nachgesagt wurden. Es hieß in dem Artikel

1 Anonym, Hermann Muthesius?, in: Die Gartenkunst 40.12 (1927), 180; die nachfolgenden Aus-
führungen waren Gegenstand meiner 2000 publizierten Dissertation zu diesem Thema: Uwe
Schneider, Hermann Muthesius und die Reformdiskussion in der Gartenarchitektur des frühen
20. Jahrhunderts, (Grüne Reihe, Quellen und Forschungen zur Gartenkunst 21) Worms 2000; sie-
he außerdem Uwe Schneider, Hermann Muthesius’ Vorstellungen zur Gartenarchitektur: Seine
Auseinandersetzung mit dem Vorbild England, in: Die Gartenkunst 10.1 (1998), 87–106.

79
Uwe Schneider

Abb. 2.1: Muthesius vor seinem Landhaus in


Berlin-Zehlendorf im Alter von rund 60 Jahren,
in: Ausstellungskatalog Hermann Muthesius im
Werkbund-Archiv, Berlin 1990, 45.

von 1927 weiter: „Seine Werke über das englische Landhaus, über Haus und Garten
usw. haben [. . . ] mit zur Läuterung der Probleme beigetragen, die auch das Schaffen
in unsern Kreisen auf innigste berührten“2 . 20 Jahre zuvor hätte Muthesius in dersel-
ben Zeitschrift eher eine Schmähschrift erhalten, keinesfalls aber ein solches Lob. In
den nachfolgenden Ausführungen soll dargestellt werden, wie es dem als Architekt
ausgebildeten Muthesius gelingen konnte, auch im Bereich der Gartenarchitektur zu
hohem Ansehen zu gelangen.
Schauen wir uns aber zuvor ein wenig genauer das Lebenswerk jenes Mannes an.
Ein bedeutender Arbeitsschwerpunkt von Muthesius war der Bau von Landhäusern.
Insgesamt rund 70 Landhäuser hat er zeitlebens geschaffen, die Hälfte davon in und
um Berlin, weitere in Hamburg, Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen, im Rheinland,
aber auch einige im heutigen Polen, in Tschechien und in Österreich.
Muthesius hat auch an der Planung und dem Bau von Siedlungen mitgewirkt, die
bekannteste dabei war die 1909 begonnene Siedlung in Dresden-Hellerau; er hat Aus-
stellungen gestaltet, Inneneinrichtungen für Schiffe entworfen, eine im 2. Weltkrieg
zerstörte Fabrik in Potsdam-Babelsberg und eine Rundfunkstation bei Nauen, die
ebenso den Krieg überstanden hat wie ein Kaufhaus in Berlin3 .
Neben seiner vielseitigen Tätigkeit als Architekt war Muthesius als Beamter des
Preußischen Handelsministeriums für den Bereich der Kunstgewerbeschulen refor-
merisch tätig. Er wirkte 1907 als Mitbegründer des Deutschen Werkbundes und war
schließlich sowohl ein gesuchter Vortragredner als auch ein überaus fruchtbarer Fach-
schriftsteller. „Nicht leicht“, so urteilte der Architekturkritiker Karl Scheffler 1913,

2 Anonym (wie Anm.1), 180.


3 Siehe für diese Arbeiten den Ausstellungskatalog Hermann Muthesius, Berlin 1977.

80
Hermann Muthesius

Abb. 2.2: Ausschnitt Lageplan, Gartenstadt Dresden-Hellerau, 1911; Mitwirkung von Hermann
Muthesius, in: Hermann Muthesius, Landhäuser, München 1912, 153.

Abb. 2.3: Ansicht Seidenweberei Michels & Cie., Potsdam-Babelsberg, Hermann Muthesius, 1911,
in: Leberecht Migge, Die Gartenkultur des 20. Jahrhunderts, Jena 1913, 46.

„kann man sich heute ein Leben mit weiterem Wirkungskreis, mit schöneren Wir-
kungsmöglichkeiten denken“.
Sehen wir von dem Bau einer neogotischen Kirche ab, die er 1890 für die evangeli-
sche Gemeinde in Tokio als Angestellter der Firma Ende & Böckmann erbaut hatte,
so begann sein eigentlich fruchtbares Wirken in der Architektur erst jenseits der 40.
Sein erster Bau, mit dem man ihn guten Gewissens identifizieren darf, war ein
1904/5 erbautes Landhaus für Heinrich von Seefeld, das er gleichsam als Frucht seines
Englandaufenthaltes für einen Vorgesetzten im Handelsministerium erbaute.
Schauen wir uns zunächst die Anfänge von Muthesius für das hier gewählte Thema
an, um dann etwas leichter die spätere Entwicklung einschätzen zu können.

81
Uwe Schneider

Abb. 2.4: Landhaus Heinrich von Seefeld, Berlin-Zehlendorf, Hermann Muthesius, 1904/5, in: Julius
Posener, Berlin auf dem Wege zu einer neuen Architektur. Das Zeitalter Wilhelms II, Berlin 1995,
136.

I. Die gartenkünstlerische Position von Muthesius


vor dem Englandaufenthalt

Muthesius, geboren 1861 in einem Dorf in der Nähe von Weimar, schloss im Januar
1893 sein Examen als Architekt ab. Für die Prüfung hatte er einen Entwurf „Landhaus
für einen reichen Besitzer“ vorgelegt4 . Sehen wir uns an, wie er sich damals die Anlage
eines idealen Landsitzes vorstellte. Das Gebäude selbst, im Original in rot gezeichnet
und hier im Plan unten, besteht aus einem großen Wohnhaus in Formen der so ge-
nannten Deutschen Renaissance, dem ein mehrflügliges Wirtschaftsgebäude angefügt
ist. Die Baulichkeiten umschließen einen weitläufigen Hof, zur Straße hin abgeschlos-
sen mit einem Pförtnerhaus und Mauern. Mehrere kleinere Gebäude sind auf dem
weitläufigen Anwesen verteilt. Das Grundstück wird von einem weit geschwungenen

4 Die Unterlagen befinden sich im Nachlass Muthesius, Werkbundarchiv (von jetzt ab zitiert mit
WBA/NM), Museum der Dinge, Berlin, unter Inv., Abt. 14 in einer Sondermappe. Die Arbeit ist
datiert mit dem 1.11.1892.

82
Hermann Muthesius

Abb. 2.5: Entwurf „Landhaus für einen reichen Besitzer“, Hermann Muthesius, 1892.

Fahrweg erschlossen; Pfade führen durch das aus Wiesen, Wald und einem See beste-
hende Gelände. An „landschaftlich hervorragenden Stellen“5 , so Muthesius im zuge-
hörigen Kommentar zu dieser Arbeit, „sind Sitz- und Aussichtsplätze eingerichtet“.
Ein See mit unregelmäßigem Uferverlauf nimmt den Kernbereich des Geländes ein.
Muthesius war 1892 mit seinem „Landhaus“ der Entwurfspraxis „landschaftlicher“
Gartengestaltung gefolgt. Als allgemeine Vorbilder könnte man hier Peter-Joseph
Lenné6 (1789–1866) oder Gustav Meyer7 (1816–1877) benennen, die in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Garten- und Parkgestaltung in Preußen großen
Einfluss hatten. Als unmittelbare Gestaltungsvorlage diente Muthesius eine präch-
tige Publikation des ehemaligen Direktors des Tiergartens in Berlin, Eduard Neide
(1819–1883) mit dem Titel „Ausgeführte Gartenanlagen“8 .

5 Schriftliche Erläuterung nach WBA/NM Inv. Abt. 14.


6 Dieter Hennebo, Vom „klassischen Landschaftsgarten“ zum „gemischten Styl“: Zeittypische Ge-
staltungstendenzen bei Peter Joseph Lenné, in: Ausstellungskatalog Peter Joseph Lenné: Volks-
park und Arkadien, Berlin 1989, 49–59.
7 Harri Günther, Gustav Meyers Stellung in der Gartenkunst des 19. Jahrhunderts, in: Entwick-
lung der Volksparke. Referate der 7. Tagung des Zentralen Parkaktivs der Zentralen Kommission
Natur und Heimat des Präsidialrates des Kulturbundes der DDR am 27. Mai 1977, hg. v. d. Kul-
turbund der Deutschen Demokratischen Republik, Weimar 1979, 6–20. Vgl. z. B. den Entwurf
von Muthesius mit dem „Musterplan eines verschönerten Landsitzes“ in: Gustav Meyer, Lehr-
buch der schönen Gartenkunst, Berlin 1860, Tafel XVI–XVII.
8 Entsprechend der beigefügten Literaturliste seiner Abschlussarbeit handelte es sich um folgendes
Werk: [Eduard] Neide, Ausgeführte Gartenanlagen, hg. v. Hermann Geitner, Berlin 1884. Siehe
auch den Nachruf in: E., Personalnotizen: Eduard Neide?, in: Gartenflora: Allgemeine Monats-
schrift für deutsche, russische und schweizerische Garten- und Blumenkunde 32 (1883), 319.

83
Uwe Schneider

Abb. 2.6: Landsitz Johnston, Zweibrodt, Schlesien,Ausschnitt mit Teehaus,Eduard Neide, vor 1884,
in: Eduard Neide, Ausgeführte Gartenanlagen, hg. v. Hermann Geitner, Berlin 1884, Tafel X.

Aus dem 1884 publizierten Werk entnahm Muthesius eine Reihe von gestalteri-
schen Details, die in seinen eigenen Entwurf einflossen. So ist etwa bei dem hier
gezeigten Detail aus dem Entwurf Neides für den Landsitz Johnston in Schlesien ein
Teehaus auf einer vorgelagerten Landzunge zu erkennen, eine Lösung, die Muthesi-
us auf ganz ähnliche Weise für sein Teehaus am Teich übernommen hatte. Schon an
diesem einen Detail ist eine bestimmte Methode von Muthesius erkennen, nämlich
die oftmals genaue, zitathafte Übernahme vorhandener Vorbilder. Diese Methode des
Verarbeitens, wenn nicht Plagiierens, kam nicht nur bei Entwürfen von Muthesius
vor, sondern war auch charakteristisch für seine Auseinandersetzung mit schriftli-
chen Quellen. Gerade dieses Phänomen einer spezifischen Schriftlichkeit im Werk
von Muthesius wird später noch ausführlich zu erörtern sein.
Es sollte nur wenige Jahre dauern, bis sich Muthesius vollständig von dieser Posi-
tion der landschaftlich-idealisierenden Gestaltung entfernte. Der Wandel erfolgte im
Zusammenhang seines langjährigen Aufenthaltes in England. Nachdem er sein Studi-
um abgeschlossen hatte – 1893 mit dem vorhin erwähnten Entwurf – wurde Muthe-
sius zunächst in Berlin im Büro des „Ministeriums der öffentlichen Arbeiten“ tätig9 .
Es zeigte sich hier ein weiteres Spezifikum des Architekten Muthesius: Er war vor al-
lem als Fachschriftsteller und Organisator tätig. Obwohl er in späterer Zeit recht viel
bauen sollte, hatte er als Architekt doch ein besonderes Interesse an der schriftlichen
Aussage. Sein fachschriftstellerisches Werk umfasst rund 50 Bücher inklusive späterer
Auflagen und ca. 300 Aufsätze. Während seiner dreijährigen Tätigkeit im Ministeri-

9 Der nachfolgende Überblick über die Ausbildung von Muthesius folgt der Darstellung von Jür-
gen Pasche, Der Nachlaß von Hermann Muthesius im Werkbund-Archiv, in: Ausstellungskatalog
Hermann Muthesius im Werkbund-Archiv, Berlin 1990, 105–110; für die Zeit bis 1900 ist außer-
dem der von Muthesius verfasste Lebenslauf vom September 1900 zu beachten. Abgedruckt in
Ausstellungskatalog Hermann Muthesius (wie Anm. 3), 52.

84
Hermann Muthesius

Abb. 2.7: Muthesius und dessen Frau Anna im


Vorgarten des Hauses „The Priory“ in London-
Hammersmith, nach 1896, in: Ausstellungskata-
log Hermann Muthesius im Werkbund-Archiv,
Berlin 1990, 16.

um in Berlin fertigte er keinen einzigen Entwurf mehr, stattdessen aber Aufsätze für
Architekturzeitschriften und wirkte an der Herstellung eines Architekturhandbuches
mit10.
Am 1. Oktober 1896 wurde er zur technischen Berichterstattung an die deutsche
Botschaft nach England überwiesen, damals noch an der Adresse Charlton House
Terrace, nahe dem St. James Park situiert. Die Abbildung zeigt Muthesius und dessen
Frau Anna im Vorgarten des Hauses „The Priory“ in London-Hammersmith.
Die Aufgaben, die Muthesius als technischer Attaché in London zu untersuchen
hatte, betrafen höchst unterschiedliche Bereiche, so etwa Fragen der künstlerischen
Aus- und Weiterbildung sowie der Gewerbeförderung. Zudem fertigte er während
seines Aufenthaltes in England eine Dissertation zum englischen Kirchenbau und
zahlreiche Aufsätze an11 . Als wichtiges persönliches Anliegen muss die Auseinander-
setzung mit dem englischen Landhaus hervorgehoben werden. Schauen wir uns an,
was Muthesius hier interessierte. Einerseits studierte er geeignete Traktate, anderer-

10 Zu den Publikationen von Muthesius siehe ausführlich: Hans-Joachim Hubrich, Hermann Mu-
thesius: Die Schriften zu Architektur, Kunstgewerbe, Industrie in der „Neuen Bewegung“, Diss.
Münster; Berlin 1981; das besagte Architekturhandbuch war: Berlin und seine Bauten, Band 2/3,
hg. v. Architekten-Verein zu Berlin; Berlin 1896. Muthesius wirkte seit Mai 1896 hieran redaktio-
nell mit.
11 Hermann Muthesius, Der Kirchenbau der englischen Secten, Diss. Dresden, Technische Hoch-
schule 1902; Halle a. d. Saale 1902.

85
Uwe Schneider

seits besuchte er Bauten und Gärten an Ort und Stelle. Die Unterlagen im Nach-
lass Muthesius bilden eine hervorragende Quelle für das Verständnis des England-
Aufenthaltes.
Wir erfahren aus diesen Unterlagen, wo sich Muthesius in England umgeschaut,
welche Landhäuser er gesehen hatte und auch, mit welchen Architekten er in schrift-
lichem Austausch stand.
Die hier gezeigte Liste enthält die Namen einiger der von Muthesius aufgesuchten
Landhäuser, darunter das Haus New Place in Haslemere nach dem Lageplan von 1897
als eines von vielen Landhäusern, die er persönlich kennen gelernt hatte.

Abb. 2.8: „Ein Dutzend Englische Landhäuser“, Liste von


Landhäusern, die Muthesius kannte, in: Ausstellungskatalog
Hermann Muthesius im Werkbund-Archiv, Berlin 1990, 26.

Abb. 2.9: Lageplan Landhaus New Place, Haslemere, Charles Francis Annesley Voysey, 1897, in:
David Ottewill, The Edwardian Garden, New Haven 1989, 104.

86
Hermann Muthesius

II. Der Englandaufenthalt und die Beschäftigung mit dem englischen


Landhaus und dessen Garten

Muthesius konnte sich bei der Beschäftigung mit dem Thema des englischen Land-
hauses zwar auf einige frühere Arbeiten stützen, entwickelte das Thema in insgesamt
drei Bänden aber so ausgiebig, wie es auch später kaum noch erreicht wurde12 . Die
Ausarbeitung des Stoffes diente insgesamt dazu, den Bautypus Landhaus, in Eng-
land ein groß geführtes Haus mit einem höchst differenzierten Raumprogramm auf
weitläufigem Besitztum, für deutsche Verhältnisse fruchtbar zu machen13 .

Abb. 2.10: Südwest-Ansicht Landhaus Cramer, Berlin-Dahlem, Hermann Muthesius, 1911/12, in:
Dekorative Kunst 22 (1918), 13.

12 Hermann Muthesius, Das englische Haus. Entwicklung, Bedingungen, Anlage, Aufbau, Einrich-
tung und Innenraum, 3 Bände, Berlin 1904–51, Band 1, I; Vorläufer seiner Arbeit waren: Robert
Dohme, Das englische Haus: Eine kultur- und baugeschichtliche Skizze, Braunschweig 1888; Ro-
bert Kerr, The Gentleman’s House; or how to plan English Residences from the Parsonage to the
Palace; with tables of accomodation and cost, and a series of selected plans, London 1 1864, 2 1865;
vgl. den Leihzettel in WBA/NM Inv. 1.4 (Quittungen und Belege). Über die Zusammenhänge
zwischen Kerr und Muthesius siehe die Hinweise bei Hubrich (wie Anm. 10), 55; 57; 108.
13 Muthesius (wie Anm. 12), Bd. 1, II.

87
Uwe Schneider

Abb. 2.11: Lageplan Landhaus Cramer, Berlin-Dahlem, Hermann Muthesius, 1911/12, in: Dekora-
tive Kunst 22 (1918), 10.

Vier Merkmale charakterisierten nach Muthesius den Typus „Landhaus“14, den er


zugleich als Gegenmodell zur deutschen Villa entwickelte. Selbstverständlich musste
das weite Raumprogramm englischer Landhäuser für deutsche Verhältnisse erheb-
lich reduziert werden. Hierzu beispielhaft das in Berlin-Dahlem befindliche Land-
haus Cramer von 1911/12 in der Südwest-Ansicht und dem Lageplan: Merkmale des
Landhauses waren nach Muthesius die freie Lage, die individuelle Ausbildung, die
Ausdehnungsmöglichkeit in der Horizontale, und das Vorhandensein eines Gartens.
Die „freie Lage“ auf dem Grundstück gestattete die Ausrichtung des Hauses ent-
sprechend den Himmelsrichtungen. Somit konnten die Wohnräume nach Süden und
Osten und zum Garten hin orientiert werden, die Neben- und Vorratsräume dagegen
nach Norden und Westen. Durch die freie Lage auf dem Grundstück konnte auch die
repräsentative Straßenfassade entfallen. Die „Individualität der Anlage“ zielte auf ei-
ne Berücksichtigung von Einzelwünschen der Bewohner bei der Verwirklichung des
Bauprogramms, was sich in der freien, als organisch bezeichneten Entwicklung des
Grundrisses niederschlug. Mit dem nächsten Punkt, der „Ausdehnungsmöglichkeit
des Landhauses in der Horizontale“ war eine gänzlich andere Raumaufteilung impli-
ziert. Das bislang bei Villen in Deutschland übliche Untergeschoß mit Küche und an-

14 Hermann Muthesius, Die Anlage des modernen Landhauses, in: Die Werkkunst 1 (1905), 25–27;
siehe zusammenfassend: Uwe Schneider, Hermann Muthesius’ Vorstellungen zur Gartenarchi-
tektur: Seine Auseinandersetzung mit dem Vorbild England, in: Die Gartenkunst 10.1 (1998),
87–106.

88
Hermann Muthesius

deren Wirtschaftsräumen wurde aufgegeben und stattdessen als eigenständiger Wirt-


schaftsteil angelegt. Der Wirtschaftsteil befindet sich beim Landhaus Cramer in dem
angesetzten niedrigen Flügel oben links im Lageplan. Demgemäß konnte das Haupt-
geschoß gesenkt und mit dem umliegenden Garten verbunden werden. Der Garten
schließlich, das vierte und zugleich wichtigste Merkmal des Landhauses, diente for-
mal und funktional als Erweiterung und Fortsetzung des Hauses und war daher in
enger Beziehung zu dem Gebäude anzulegen.
In der Verbindung des Gartens mit dem Haus liegt der Grund dafür, dass sich
Muthesius überhaupt mit dem Thema Garten in systematischer Weise beschäftigte.
Das enge Verhältnis zwischen Haus und Garten gewährleistete die Verbindung der
Landhausbewohner mit dem Boden auch im übertragenen, ideologische Sinne.
Eine erste kurz gefasste Charakterisierung des englischen Landhausgartens gab
Muthesius in zwei Beiträgen aus dem Jahr 190015, also vier Jahre, nachdem er in Lon-
don angekommen war. Dort findet sich der erste Hinweis auf eine Neubewertung der
„landschaftlichen“ im Verhältnis zur formalen Gestaltung16 . Eine ausführliche Dar-
stellung seiner Beobachtungen in England findet sich in dem dreibändigen Werk „Das
englische Haus“ von 1904–5, das Muthesius einmal als „meine eigentliche Lebensar-
beit“ bezeichnet hatte17 . Es bildet auch im Hinblick auf die Gartengestaltung eine der
wichtigsten Quellen. An welchen Vorbildern aber orientierte er sich bei seiner neuen
architektonisch-geometrisch orientierten Gartenauffassung?

II.1. Reginald Blomfields „The Formal Garden in England“


Während seines Aufenthaltes in London hatte sich Muthesius mehrfach in der British
Library ein Buch ausgeliehen, das wohl die entscheidende Grundlage für den Wandel
bildet18 . Es handelt sich um das von den Architekten Reginald Blomfield (1856–1942)
und Francis Inigo Thomas (1865–1950) stammende Buch „The Formal Garden in
England“.
Dieses Buch wurde 1892 erstmals publiziert und bot auf seinen 300 Seiten und
zahlreichen Bildbeispielen einen Überblick zur geometrisch-architektonischen Gar-
tenkunst in England, wohingegen es gegen den Landschaftsgarten polemisierte19.

15 Hermann Muthesius, Die Raumverteilung des Landhauses,in: Der Tag (31.3.1900),o. P. (3 Seiten);
Hermann Muthesius, Englische Architektur: Ernest Newton, in: Dekorative Kunst 5 (1900), 255.
16 Muthesius (wie Anm. 15), 255.
17 Nachlaß Muthesius, Werkbund-ArchivBerlin (nachfolgendabgekürztmit WBA/NM), Brief vom
14.3.1908 an Dr. Warlich, Kassel; vgl. die Einschätzung im Vorwort von Muthesius (wie Anm.
12), Bd. 1, IV: „Das Werk bildet gleichsam die Generalsumme meiner langjährigen Studien in
England“.
18 Er hatte die 3. Auflage aus dem Jahre 1901 verwendet. Daher noch 1900 der verhaltene Duktus.
Muthesius (wie Anm. 12), Bd. 1, 217, Anm. 1.
19 Reginald Blomfield undF. Inigo Thomas, The Formal Garden in England, London 18921, 18922,
19013; zu Blomfield siehe: Richard A. Fellows, Sir Reginald Blomfield, an Edwardian Architect,
London 1985.

89
Uwe Schneider

Abb. 2.12: Titelblatt Reginald Blomfield und F. Inigo Tho-


mas, The Formal Garden in England, London 1 1892.

Abb. 2.13: Ansicht Kingston House, Bradford on Avon, Wiltshire, in: Reginald Blomfield und F.
Inigo Thomas, The Formal Garden in England, London 1 1892, 105.

Muthesius lehnte sich weitgehend an dieses Buch an, übernahm dessen Argumen-
te teils bis in einzelne Formulierungen hinein. Der Garten war nach Blomfield im
Sinne der einheitlichen Gestaltung von den Prinzipien des Hauses her, somit ar-

90
Hermann Muthesius

chitektonisch, zu organisieren20 . Muthesius sprach in seinem Werk „Das Englische


Haus“ in vergleichbarer Weise von dem Garten als einer „tektonischen“ Aufgabe21 .
Blomfield hatte nachzuweisen versucht, dass der Entwurf des Gartens im Sinne der
„einheitlichen“ Gestaltung einzig durch den Architekten des Hauses erfolgen könne.
Muthesius kam im „Englischen Haus“ zu derselben Schlussfolgerung22 und würdigte
zugleich den Gartenkünstler zu einer Hilfskraft hinab. Ein Beispiel soll hier genü-
gen, um die drastische Polemik von Muthesius zu veranschaulichen: „Es liegt auf
der Hand, daß die Disposition des Gartens nur in der Hand des Architekten liegen
kann [. . . ] Die Zusammenarbeit beider [zwischen Architekt und Gärtner, U.S.] ergibt
sich mit derselben Notwendigkeit, wie sich das Zusammenarbeiten mit dem Heizin-
genieur und mit jeder anderen Hilfskraft ergibt, die an der Gestaltung des Hauses
teilnimmt“23.
Nun konnte aber alleine mit Kritik am altüberkommenen Landschaftsgarten und
dem Gartenkünstler, wie Muthesius sie von Blomfield übernommen hatte, dem Vor-
haben nicht gedient sein. Ähnlich wie er es für die Architektur des englischen Land-
hauses unternommen hatte, entwickelte er auch eine systematische Darstellung zur
zeitgenössischen englischen Gartenkunst. Dabei lassen sich neben Blomfield drei wei-
tere Quellen unterscheiden, die den Schlüssel für spezifische Gestaltungslösungen der
Muthesius-Gärten bilden.

II.2. Thomas H. Mawson und die Gestaltelemente des modernen englischen Gartens
In einer kurzgefassten Übersicht der „Grundzüge des heutigen Gartens“ wies Mu-
thesius auf ein Buch hin, das er als „bestes Werk über die heutige Auffassung des eng-
lischen Gartens“ bezeichnete24 . Es handelt sich um Thomas Mawsons (1861–1933)
„The Art and Craft of Garden Making“ aus dem Jahre 190125 .
Muthesius folgte nahezu vollständig der Anordnung des Stoffes bei Mawson mit
der sukzessiven Behandlung einzelner Teilbereiche eines Gartens. Die rechtwinklig
angelegte Hausterrasse bildete für Muthesius wegen der direkten Überleitung zum
Garten ein integrales Gestaltungselement für den Bautypus „Landhaus“26.
Von Mawson übernahm er das Interesse an mit Blumenbeeten bepflanzten Terras-
sen27 , wie es von verschiedenen Muthesius-Gärten bekannt ist. Die Abbildung zeigt

20 Blomfield (wie Anm. 19), 2.


21 Muthesius (wie Anm. 12), Bd. 2, 84.
22 Muthesius (wie Anm. 12), Bd. 1, 214.
23 Hermann Muthesius, Landhaus und Garten. Beispiele neuzeitlicher Landhäuser nebst Grundris-
sen, Innenräumen und Garten, München 1907, XXVIII–XXIX.
24 Muthesius (wie Anm. 12), Bd. 2, 84 (82–117).
25 Thomas H. Mawson, The Art and Craft of Garden Making, London 1 1900, 2 1901, 3 1907, 4 1912,
5 1926; zu Mawson vgl. den Überblick bei Jo Nordley Beglo, Thomas H. Mawson: A selected

Bibliography, (Vance Bibliographies A 1427) Monticello, Ill. 1985. Am 21. Januar 1903, 22. Januar
1903 und am 3. Februar 1903; siehe WBA/NM Inv. 1.4 (Quittungen und Belege).
26 Muthesius (wie Anm. 12), Bd. 2, 97.
27 Ebd., Bd. 2, 100; vgl. Mawson (wie Anm. 25), 46, 50.

91
Uwe Schneider

Abb. 2.14: Terrasse mit Blumenbeeten am Landhaus „The Grange“, Thomas H. Mawson, ca. 1892,
in: Thomas H. Mawson, The Art and Craft of Garden Making, London 1901, 179.

eine Terrasse an einem englischen Landhaus nach Mawson und auf der anderen Seite
eine Blumenterrasse bei dem Landhaus Zabitz bei Magdeburg von 1910/11. Solche
Blumenterrassen finden sich in unterschiedlichen Formen bei mehr als der Hälfte der
Gärten von Muthesius.

Abb. 2.15: Bepflanzter Plattenweg, Lilford Hall,


Lilford, Northamptonshire, Aufnahme 1909, in:
Hans Kayser, Erinnerungen an die Studien-
fahrt der Deutschen Gesellschaft für Garten-
kunst nach England, IV, Ein Tag bei Lady Lil-
ford, in: Die Gartenkunst 12.2 (1910), 19.

92
Hermann Muthesius

Abb. 2.16: Thomas H. Mawson, „Planting for Landscape Effect“, Kapitel XII, in: Thomas H. Maw-
son, The Art and Craft of Garden Making, London 19001, 125.

So umfänglich Muthesius auch auf Mawson’s Traktat zurückgriff, musste er sich


doch bei einem anderen Bereich von dessen Ausführungen distanzieren28 . Teile des
Buches waren der „landschaftlichen“ Planung gewidmet und damit einer Gestaltungs-
weise, die Muthesius nicht mehr anzuwenden gedachte. Wie aber war mit Flächen zu
verfahren, die weit vom Haus entfernt lagen?

II.3. Gertrude Jekyll: Der „Waldgarten“ als Alternative zum „landschaftlichen“


Gestaltungsbereich
Für die Gestaltung der Flächen außerhalb des geometrisch-architektonischen Berei-
ches zog Muthesius in Betracht, diese Flächen sich selbst zu überlassen, den jeweils
vorhandenen natürlichen Zustand also anzuerkennen und nicht zu verändern29 . Im
Bild ist die Nordansicht von Muthesius’ eigenem Landhaus in Berlin-Zehlendorf aus
dem Jahr 1906 zu sehen. Hierzu nun ein Zitat nach „Das Englische Haus“, Band 2,
das die Intention dieser Anlage deutlich machen kann: „Der Wald wird dann als Wald
gepflegt, d.h. es werden die natürlichen Waldblumen in größerer Menge angesät, auch
in Gruppen gesammelt, so daß sie stets durch reichsten Flor erfreuen. Die natürlichen
Bedingungen des Wuchses werden überall verbessert, und so der Natur nachgeholfen,
jedoch derart, daß Fälschungen der Natur durch künstliche Szenerien oder Kulissen-
anordnungen vermieden werden. Wald und Wiese bleiben noch immer das, was sie
auch im natürlichen Zustande sind“30 .

28 Muthesius (wie Anm. 12), Bd. 1, 218, Anm. 2.


29 Ebd., Bd. 2, 96.
30 Ebd., Bd. 2, 96.

93
Uwe Schneider

Abb. 2.17: Ansicht des „Waldabhangs“ zur Rehwiese, Landhaus Muthesius, Berlin-Dahlem, Her-
mann Muthesius, 1906/9, in: Hermann Muthesius, Landhäuser, München 1912, 167.

Diese Methode einer gleichsam naturbelassenen Szene fand Muthesius in Büchern


der englischen Gartenschriftstellerin Gertrude Jekyll (1843–1932)31, etwa in dem Buch
„Wood and Garden“32 . Jekyll hatte dort ihren eigenen Garten in Munstead Wood im
Ablauf der Jahreszeiten vorgestellt33 .
Auf dieser Grundlage wird dann ein Gestaltungsmotiv verständlich, das in den
meisten Gärten von Muthesius vorkommt, nämlich ein als „Wald“ bezeichneter Be-
reich selbst in kleineren Gärten, wie hier bei dem Landhaus Baron von Schuckmann
aus dem Jahr 1905. Es handelt sich bei dem so genannten „Waldgarten“ von Mu-

31 Siehe Jane Brown, Gardens of a golden afternoon. The story of a partnership: Edwin Lutyens &
Gertrude Jekyll, London 19942; eine kurze Zusammenfassung bietet David Ottewill, The Edwar-
dian Garden, New Haven 1989, 59–65; Gertrude Jekyll, Home and Garden, London 1 1899, 2 1900;
Gertrude Jekyll, Wood and Garden, London 1 1899; Muthesius (wie Anm. 12), Bd. 1, 217. Beide
Titel in englischer Sprache hatte sich Muthesius am 21.01.1903 in der British Library vorlegen
lassen. Siehe WBA/NM Inv. 1.4 (Quittungen und Belege).
32 Gertrude Jekyll, Wald und Garten, Deutsche Übersetzung Gertrud von Sanden, Leipzig 1907.
33 Jekyll hatte das Grundstück Anfang der 1880er Jahre erworben und in den folgenden Jahren,
zunächst noch ohne Gebäude, gestaltet. Das Wohnhaus wurde ab 1895 in enger Zusammenarbeit
zwischen Edwin Lutyens und Gertrude Jekyll erstellt. Siehe Brown (wie Anm. 31), 25–28; 33–
53; 50–53 (Woodland Gardening at Munstead); vgl. außerdem den Überblick bei Ottewill (wie
Anm. 31), 61; 62–64. Abbildungen bei Lawrence Weaver, Houses and Gardens by E.L. Lutyens,
London 1 1913, 12–19; Anonym, Country homes – gardens old and new: Munstead House, in:
Country Life 8 (1900), 731–739.

94
Hermann Muthesius

Abb. 2.18: Gartenszenerie aus Muns-


tead Wood, Surrey, Gebäude und Gar-
ten/Park ab 1896 in Zusammenarbeit mit
Edwin Landseer Lutyens und Gertru-
de Jekyll, in: Lawrence Weaver, Houses
and Gardens by E. L. Lutyens, London
1 1913, 13.

Abb. 2.19: So genannter „Wald“, Landhaus Baron von Schuckmann, Berlin-Zehlendorf, Hermann
Muthesius, 1905, in: Hermann Muthesius, Landhaus und Garten. Beispiele neuzeitlicher Landhäuser
nebst Grundrissen, Innenräumen und Garten, München 1907, 32.

95
Uwe Schneider

thesius um eine spezifische Lösung, die aus der Ablehnung der „landschaftlichen“
Gestaltung resultiert und auf Jekyll zurückgeht – letztlich aber mit einem wirklichen
„Wald“ nicht viel zu tun hat.
Mit Hilfe der Bücher von Blomfield, Mawson und Jekyll gelangte Muthesius zu
seiner Einschätzung über die Gartenkunst in England. Das Prinzip der einheitlichen
Gestaltung von Garten und Haus aber wurde von Muthesius noch auf entscheidende
Weise weiterentwickelt: Er ging über die formale Analogie von Haus und Garten
hinaus. Haus und Garten sollten auch funktional miteinander verbunden werden.

II.4. Francis Inigo Thomas und der Garten als eine Erweiterung des Hauses
Das Prinzip der funktionalen Verbindung von Haus und Garten fand Muthesius bei
einem Mitarbeiter Blomfields, dem Architekten Francis Inigo Thomas (1865–1950),
der 1894 die hier gezeigte Gartenanlage geschaffen hatte. Thomas hatte im Jahre 1900
in einer Aufsatzfolge die funktionale Analogie zwischen Haus und Garten angespro-
chen34 . Er ging davon aus, dass der Garten nach ähnlichen Ordnungs- und Funkti-
onsprinzipien wie ein Haus zu disponieren sei35 : “Every complete lay-out used to be
divided into a number of parts, each of which had its proper use and aspect. Just as
indoors there were the dining-room, library, and gallery, so out of doors there was one
court für guests to alight in, another for flowers, and a third for the lawn game of the
period [. . . ] the basecourt where the housework aired itself, the coronary garden for
herbs, the fruit garden – as we should say, kitchen – and the apple orchard”36 .
Entsprechendes forderte auch Muthesius: „Jeder Teil des Gartens reiht sich dem
Teil des Hauses an, dem er zugehört [. . . ] Man erblickt im Garten eine Fortsetzung
der Räume des Hauses, gewissermaßen eine Reihe einzelner Außenräume, von denen
jeder in sich geschlossen eine gesonderte Bestimmung erhält“37.
Muthesius’ erster Landhausgarten für die Familie von Seefeld in Berlin-Zehlendorf
aus dem Jahre 1904/5 ist nach eben diesem Prinzip entworfen. Der Grundriss des
Gartens wurde analog dem Hausgrundriss organisiert und damit gleichsam zu einer
Erweiterung des Hauses38 . Der Entwurf zeigt auf relativ kleiner Grundfläche unter-
schiedliche, rechtwinklig organisierte Funktionsbereiche, die dem Haus angegliedert
sind. Dem Eingangsbereich des Hauses entspricht der Zugangsweg und ein kleiner,
dem Haus vor gelagerter Ziergarten. Gemüse- und Obstgarten sowie der Küchenhof

34 Francis Inigo Thomas, Of Garden Making, in: Country Life 7 (1900), 235–237; 293–294; 295;
364–366; 424–426; 489–491.
35 Thomas (wie Anm. 34), 293–294; Siehe auch die Definition von Robert Stodart Lorimer: „A
garden is a sort of sanctuary ’a chamber roofed by heaven’“. R. S. Lorimer, On Scottish Gardens,
in: The Architectural Review 6 (1899), 195.
36 Thomas (wie Anm. 34), 293–294. Offenbar hatte Muthesius hieraus seine funktionale Deutung
des Gartens als einer „Erweiterung des Hauses“ entnommen.
37 Muthesius (wie Anm. 12), Bd. 2, 85.
38 Siehe zusammenfassend Gert Gröning und Uwe Schneider, The urban private garden as an am-
plification of the house: Leisure according to Regulation, in: Nordic Journal of Architectural
Research 10.1 (1997), 21–30.

96
Hermann Muthesius

Abb. 2.20: Landhaus und Garten Aethelhampton, Aethelhampton, Dorset, Francis Inigo Thomas,
1891–94, in: David Ottewill, The Edwardian Garden, New Haven 1989, 15.

sind dem Wirtschaftsbereich des Hauses angegliedert. Eine Terrasse liegt in unmit-
telbarer Nähe des Esszimmers sowie des Damen- und Herrenzimmers. Sie dient mit
ihren Sitzgelegenheiten, die hier auch eingezeichnet wurden, als „zum Himmel hin
offener Aufenthaltsraum“, auch dies eine Begrifflichkeit, die Muthesius aus England
übernommen hatte.
Mit dem Prinzip der Verschmelzung von Innen und Außen, der engen formalen
und funktionalen Verknüpfung zwischen Haus und Garten wurde ein charakteristi-
sches Gestaltungsprinzip übernommen, das weithin die gartenkünstlerische Diskus-
sion in Deutschland und den angrenzenden Ländern bestimmen sollte. In der de-
taillierten Analyse solcher Planungsvoraussetzungen lag das grundlegend Neue der
Muthesiusschen Konzeption und damit die wegweisende Bedeutung für die nachfol-
genden Jahrzehnte.
Nachdem einige gestalterische Grundlagen der Gartenauffassung von Muthesius
in ihrer Herkunft aus englischen Vorbildern geklärt wurden, soll nun gezeigt werden,
wie er mit seinen Vorstellungen an die Fachöffentlichkeit in Deutschland trat und
welchen Einfluss sie hatten.

97
Uwe Schneider

Abb. 2.21: Lageplan Landhausgarten Familie von Seefeld, Berlin-Zehlendorf, Hermann Muthesius,
1904/5; Beschriftung in Englisch durch den Verfasser, in: Haenel und Tscharmann, Das Einzelwohn-
haus der Neuzeit, Leipzig 1909, Bd. 1, 87.

Abb. 2.22: Grundriss LandhausFamilie von Seefeld, Berlin-Zehlendorf,1904/5; Beschriftungin Eng-


lisch durch den Verfasser, in: Haenel und Tscharmann, Das Einzelwohnhaus der Neuzeit, Leipzig
1909, Bd. 1, 89.

98
Hermann Muthesius

III. Die Bedeutung von Muthesius für die Übermittlung englischer


Gartenkultur nach Deutschland

Die von Muthesius vertretenen gestalterischen Prinzipien wurden ansatzweise schon


Ende 1903 bzw. Anfang 1904 über Vorträge bei einigen Gartenkünstlern bekannt und
zunächst weitgehend angefeindet. Mit den nachfolgenden Publikationen, insbeson-
dere „Das Englische Haus“ von 1904–5, schließlich mit „Landhaus und Garten“ von
1907 und diversen Aufsätzen erfuhren seine Vorstellungen weitere Verbreitung.

Abb. 2.23: Titelblatt Fritz Encke,


Der Hausgarten, Jena 1907.

III.1. Walter von Engelhardt und Fritz Encke


Eine wichtige Rolle bei der Akzeptanz der Muthesiusschen Gedanken spielten die
Gartenarchitekten Fritz Encke39 und Walter von Engelhardt40 . Bereits Ende 1904
hatte von Engelhardt (1864–1940), der 1906 Gartendirektor von Düsseldorf werden
sollte, Muthesius wegen eines Vortrags angeschrieben, den er in Berlin, Breslau und
Dresden gehalten hatte41 . Er bat in seinem Brief um den Vortragstext und fragte dar-
über hinaus um weitere Informationen zur modernen Gartenkunst in England an.
Anfang 1905 verfasste er eine wohlwollende Rezension zu dem ersten Band von „Das
englische Haus“42 . Die Bekanntschaft zwischen von Engelhardt und Muthesius soll-
te wenige Jahre danach noch einen bedeutungsvollen Abschluss finden: Muthesius
sorgte in seiner Funktion als Regierungsrat im Gewerbeschulamt dafür, dass von En-

39 Siehe Heinz Wiegand, Die Entwicklung der Gartenkunst und des Stadtgrüns in Deutschland
zwischen 1890 und 1925 am Beispiel der Arbeiten Fritz Enckes. Diss. Technische Universität
Hannover; Berlin 1975.
40 Felix Grützner, Gartenkunst zwischen Tradition und Fortschritt – Walter Baron von Engelhardt
(1864–1940), Bonn 1998.
41 WBA/NM, Brief vom 13.10.04 an Muthesius.
42 Walter von Engelhardt, Bücherschau, in: Die Gartenkunst 7.4 (1905), 68–69.

99
Uwe Schneider

gelhardt 1909 auf eine neu geschaffene Stelle als Gartenkunstlehrer an die Kunstge-
werbeschule in Düsseldorf berufen wurde.
Im Dezember 1905 erhielt Muthesius ein Schreiben des Kölner Gartendirektors
Fritz Encke (1861–1931).
Dieser legte Muthesius sein Manuskript zu dem Buch „Der Hausgarten“ zur Be-
urteilung vor, das 1907 veröffentlicht werden sollte43 . Encke hatte damals schon um-
fängliche Berufserfahrung als Lehrer an der Königlichen Gärtnerlehranstalt und als
Gartenarchitekt gesammelt und war schließlich 1903 Gartendirektor der Stadt Köln
geworden. Die Bitte Enckes an Muthesius, das Manuskript zu seinem Buch zu beur-
teilen, ist ebenso wie das Schreiben von Engelhardts als Ausdruck der Wertschätzung
zweier angesehener Fachleute für die reformerische Tätigkeit von Muthesius anzu-
sehen.
Während diese beiden Gartenkünstler sich für die Vorschläge von Muthesius inter-
essierten, wurde er damals noch von nahezu allen anderen Gartenkünstlern abgelehnt.
Die aus dem 19. Jahrhundert überlieferte landschaftliche Gestaltung galt weithin noch
als Ideal – deren Vertreter hatten sich zudem als „Verein deutscher Gartenkünstler“
etabliert und versuchten das Dogma einer spätlandschaftlichen Gestaltungsweise auch
weiterhin zu verbreiten.

III.2. Die Reise nach England 1909: Der neue Blick auf ein vertrautes Land
Eine unmittelbare Auswirkung des Muthesiusschen Beitrags war die Englandreise der
„Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst“ (DGfG). Diese Reise vermochte in erheb-
lichem Maße die Rezeption der englischen Gartenkunst in Deutschland, die bislang
weitgehend auf die „landschaftliche“ Gestaltung hin ausgerichtet war, verändern.
Die Anregung zu dieser Reise stammte von dem Düsseldorfer Gartenkünstler
Reinhold Hoemann. Hoemann hatte 1906 auf der Hauptversammlung der Deutschen
Gesellschaft für Gartenkunst einen Vortrag unter dem Titel „Neuzeitliche Bestre-
bungen auf dem Gebiete der Gartengestaltung“ gehalten, in dem er auch auf Her-
mann Muthesius hinwies44 . Im Verlauf der Versammlung machte Hoemann dann den
Vorschlag zu der England-Exkursion, die aus organisatorischen Gründen erst 1909
durchgeführt werden konnte.
Es handelte sich hierbei um die überhaupt erste Auslands-Exkursion der DGfG.
Wenn sie auch in vielerlei Hinsicht auf die traditionellen Besuchsziele „landschaftli-
cher“ Gartenkunst hin ausgerichtet war, so bot sie doch auch einige Anregungen im
Sinne der von Muthesius propagierten Ziele. Die Reise fand vom 29. Juni bis zum 14.
Juli 1909 statt. An ihr nahmen etwa 90 Personen teil, darunter die Leiter städtischer

43 Das Vorwort hierzu hatte Encke noch im September 1906 verfasst. Fritz Encke, Der Hausgarten,
Jena 1907; WBA/NM, Brief vom 5.12.1905 an Muthesius.
44 Reinhold Hoemann, Neuzeitliche Bestrebungen auf dem Gebiete der Gartengestaltung, in: Die
Gartenkunst 8.11 (1906), 207.

100
Hermann Muthesius

Parkanlagen, Gartenarchitekten, Gärtnerei- und Baumschulenbesitzer45 . Die einzel-


nen Stationen umfassten u. a. den Besuch von Cottagegärten, Hausgärten, großen
Landsitzen, botanischen Gärten, Stadtparkanlagen in London und Gartenstädten46 .
An einigen Exkursionszielen lässt sich aufzeigen, wie sich das traditionelle Ver-
hältnis zur englischen Gartenkunst im Hinblick auf die von Muthesius vermittelten
Informationen verändert hatte. Waren die englischen Gärten und Parkanlagen zuvor
in der Fachliteratur von ihren „landschaftlichen“ Qualitäten her beurteilt worden, so
rückten nun die formalen Elemente dieser Gärten neben die „landschaftlichen“ bzw.
schienen sogar wichtiger zu werden.
Drei Stationen waren in dieser Hinsicht von Bedeutung, nämlich die Gartenanla-
gen von Hampton Court, Holland House und Lilford Hall. Der Frankfurter Garten-
architekt Hans Kayser berichtete nach der Exkursion ausführlich über die im Park
Lilford befindlichen, regelmäßig angelegten Sondergärten, nämlich über den Rosen-
garten, den „Dutch Garden“ sowie über den Farben- und den Küchengarten47 . Noch
wenige Jahre zuvor war in Gartenkunstzeitschriften nur über den dort befindlichen
großen Felsengarten berichtet worden48 .
Mit zahlreichen Fotos war auch der nach der Exkursion entstandene Beitrag zu
den Gärten von Holland House illustriert. Die Beschreibung der Gärten ließ nun den
„landschaftlichen“, weitläufigen Park außer acht. Stattdessen stellte er die räumliche
Wirkung der hausnahen Gartenbereiche mit den formal gestalteten Parterreanlagen
in den Mittelpunkt49 .
Den Höhepunkt der Reise bildeten schließlich die Gärten von Hampton Court.
Die weitläufige, im 18. Jahrhundert verlandschaftete Parkanlage blieb unerwähnt,
wohingegen die teils älteren formalen Strukturen vor der Ostfront des Schlosses und
die seitlich gelegenen, regelmäßig gestalteten Sondergärten zum eigentlichen Betrach-
tungsgegenstand wurden50 . Das größte Interesse zog dort ein kleiner Garten auf sich,
der aus der Mitte des 16. Jahrhundert stammende „Pond Garden“.
Der von einer hohen Lindenhecke abgeschlossene Sondergarten war symmetrisch
eingeteilt, zwei höher gelegene Ebenen umgaben den inneren Bereich, dessen Zentrum
ein Brunnenbecken bildete. Zwei sich rechtwinklig an dem Becken kreuzende Wege

45 Karl Heicke, 22. Hauptversammlung der D.G.f.G. und Studienfahrt nach England, in: Die Gar-
tenkunst 11.8 (1909), 148.
46 Eine detaillierteAufstellung über das Reiseprogramm geht auch aus der Reisekosten-Abrechnung
Walter von Engelhardts hervor. Siehe hierzu das entsprechende Dokument in Gert Gröning und
Uwe Schneider, Nachlässe von Gartenarchitekten des 19. und 20. Jahrhunderts als Grundlage
freiraumplanerischer Forschung, in: Die Gartenkunst 8.1 (1996), 131.
47 Hans Kayser, Erinnerungen an die Studienfahrtder Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst nach
England, IV, Ein Tag bei Lady Lilford, in: Die Gartenkunst 12.2 (1910), 17–19; 20.
48 F. W. Meyer, Lord Lilfords Garten in Northamptonshire, in: Die Gartenkunst 6.11 (1904), 193–
196; F.W. Meyer, Lord Lilford’s Felsengarten in Northamptonshire (England), in: Möller’s Deut-
sche Gärtner-Zeitung 19.35 (1904), 418–419.
49 Reinhold Hoemann, Erinnerungen an die Studienfahrt der Deutschen Gesellschaft für Garten-
kunst nach England, VI, Holland-House. Gunnersbury, in: Die Gartenkunst 12.6 (1910), 98.
50 Reinhold Hoemann, Erinnerungen an die Studienfahrt der Deutschen Gesellschaft für Garten-
kunst nach England, V, Hampton Court, in: Die Gartenkunst 12.3 (1910), 33.

101
Uwe Schneider

Abb. 2.24: Parterre, Holland House, Kensington, Aufnahme 1909, in: Reinhold Hoemann, Erinne-
rungen an die Studienfahrt der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst nach England, VI, Holland-
House. Gunnersbury, in: Die Gartenkunst 12.6 (1910), 98.

teilten das Rechteck in vier gleiche Teile. „Das wars, was wir suchten, und in diesem
kleinen Gärtchen war uns ein auserlesenes Kabinettstückchen englischer Gartenkunst
geboten. Allein der Anblick dieses Gärtchens hätte eine Reise nach England gelohnt
und ich zweifle nicht, daß die hier gebotenen Anregungen reichliche Früchte zeitigen
werden“51 .
Die Voraussage von Hoemann sollte sich recht bald bestätigen. Neben dem „Pond
Garden“ fanden einzelne auf der Exkursion studierte Gestaltungsmotive in den nach-
folgenden Jahren reichlich Verbreitung. Hierzu gehörte die so genannte gemischte
Staudenrabatte bzw. „mixed flower border“, die in Aufbau und farblicher Zusam-
mensetzung am Beispiel von Hampton Court detailliert beschrieben war52 .
Zu den später weit verbreiteten Gestaltungsmotiven gehörte auch das Motiv des
bepflanzten Plattenweges, das im Park von Lilford Hall beobachtet worden war53 .
Schließlich bekam auch das auf der Exkursion in den Blickpunkt geratene Motiv

51 Ebd., 36.
52 Ebd., 33–35.
53 Kayser (wie Anm. 47), 18; 19; siehe zu diesem Motiv den Beitrag von Gert Gröning und Uwe
Schneider, Der Plattenweg: Ein Beitrag zur Motivgeschichte der Hausgartengestaltung des 20.
Jahrhunderts, in: Die Gartenkunst 6.2 (1994), 344–355.

102
Hermann Muthesius

Abb. 2.25: Ansicht „Pond Garden“, Hampton Court, Herefordshire, Aufnahme 1909, in: Reinhold
Hoemann, Erinnerungen an die Studienfahrt der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst nach Eng-
land, V, Hampton Court, in: Die Gartenkunst 12.3 (1910), 33.

Abb. 2.26: Lageplan „Pond Garden“, Hamp-


ton Court, Herefordshire,in: Reinhold Hoe-
mann, Erinnerungen an die Studienfahrt
der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst
nach England, V, Hampton Court, in: Die
Gartenkunst 12.3 (1910), 33.

103
Uwe Schneider

Abb. 2.27: Bepflanzter Plattenweg, Lilford Hall,


Lilford, Northamptonshire, Aufnahme 1909, in:
Hans Kayser, Erinnerungen an die Studien-
fahrt der Deutschen Gesellschaft für Garten-
kunst nach England, IV, Ein Tag bei Lady Lil-
ford, in: Die Gartenkunst 12.2 (1910), 19.

der Trockenmauer – in England als „dry stone wall“ bezeichnet – nach der Exkur-
sion große gestalterische Bedeutung54 . All diese Motive fanden in der Folgezeit eine
schnelle Verbreitung in Deutschland.
Exemplarisch kann dies an der unmittelbaren Wirkung des „Pond Garden“ in
Hampton Court demonstriert werden.
Dieser wurde schon 1913 auf einer Gartenbau-Ausstellung in Breslau nachge-
ahmt55 . Der von dem Gartenarchitekten Paul Hatt stammende Garten, hier in La-
geplan und Ansicht, war wie der „Pond Garden“ in Hampton Court auf drei Ebenen
angelegt. In beiden Fällen dienten niedrige, mit Stauden bewachsene Bruchsteinmau-
ern als Begrenzung. Ähnlich war insbesondere die Verwendung polygonaler Wege-
platten, in deren Zwickel niedrige Polsterstauden eingebracht waren.
Staudenrabatten, Trockenmauern und bepflanzte Plattenwege wurden nach der
Englandreise zu überaus beliebten Motiven in Deutschland. Das Interesse an diesen
Motiven zeigt zugleich aber auch, dass sich die Rezeption englischer Vorbilder durch
die Gartenkünstler in einem wesentlichen Punkt von derjenigen des Architekten un-

54 Hoemann (wie Anm. 50), 37–38.


55 Heicke, Die Breslauer Gartenbau-Ausstellung zur Jahrhundertfeier, 3. Neuzeitliche Sondergär-
ten, in: Die Gartenkunst 15.18 (1913), 275.

104
Hermann Muthesius

Abb. 2.28: „Neuzeitlicher Garten“, Gartenbau-Ausstellung, Breslau, Gartenarchitekt Paul Hatt,


1913, Nachahmung des Pond Garden, Hampton Court, in: Heicke, Die Breslauer Gartenbau-
Ausstellung zur Jahrhundertfeier, 3. Neuzeitliche Sondergärten, in: Die Gartenkunst 15.18 (1913),
275.

terschied. Während bei Muthesius die Disposition und die „räumliche“ Gestaltung im
Vordergrund stand, kam bei den Gartenkünstlern ein ebenbürtiges Interesse an dem
botanischen Inhalt der „Garten-Räume“ hinzu. Somit lässt sich festhalten, dass die
Anregungen von Muthesius bei den Gartenkünstlern aufgrund der gänzlich anderen
Voraussetzungen eine selbständige Verarbeitung ermöglichten.

IV. Zusammenfassung und Ausblick

Hermann Muthesius hat mit seiner polemischen Berichterstattung über die zeitge-
nössische englische Gartenkunst letztlich zu einer wesentlichen Bereicherung der gar-
tenkünstlerischen Ausdrucksmittel in Deutschland beigetragen. Er lenkte mit seinem
Eintreten für den regelmäßig-architektonischen Garten den Blick auf die engen Ver-
bindungen zwischen Haus und Garten. Er führte auf diese Weise ein leicht vermittel-
bares Planungsprinzip in das Bewusstsein seiner Kollegen aus der Gartenarchitektur.
Ein weiteres planerisches Prinzip betraf die Stellung des Hauses auf dem Grund-
stück, die Muthesius im Zusammenhang von Straßenverlauf, Lage des Grundstückes
und Stellung zur Sonneneinstrahlung analysierte. Die „freie Lage“ auf dem Grund-

105
Uwe Schneider

stück gestattete die Ausrichtung des Hauses entsprechend den Himmelsrichtungen.


Im Idealfall sollten einerseits die Wohnräume nach Süden und Osten und zum Garten
hin orientiert werden, die Neben- und Vorratsräume dagegen nach Norden und Wes-
ten. Auf diese Weise konnte auch die repräsentative Fassade zur Straße hin entfallen
und damit ein wesentlicher Reformschritt im bürgerlichen Wohnhausbau jener Zeit
erreicht werden.
Muthesius Berichterstattung über die englischen Verhältnisse war in vielerlei Hin-
sicht überspitzt, teils manipulierte er das ihm zur Verfügung stehende Material, um
seine Leser und Zuhörer von seinen Anschauungen zu überzeugen. Bei aller Polemik
aber führten seine Vorschläge schließlich zu einer vertieften Auseinandersetzung über
den Reichtum der gartengestalterischen Möglichkeiten. Hierzu trug ganz wesentlich
auch die Englandexkursion der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst bei. Sie führ-
te zur Übernahme von Gestaltungsmotiven, die bis heute zum Repertoire des Garten-
und Landschaftsarchitekten in Deutschland gehören.
Die polemisch geführte Diskussion in Deutschland, die Muthesius initiiert hatte,
führte zunächst eher zu Ablehnung, nur wenige Gartenarchitekten machten sich an-
fangs seine Argumente zu Eigen. Schließlich aber führte die Auseinandersetzung zu-
nehmend zu einem Umschwung. Die Verteidiger des landschaftlichen oder gemisch-
ten Stiles gerieten zunehmend in die Minderheit, wohl auch deshalb, weil sie verbissen
jede fremde Anregung ablehnten und das Erbe von Meyer und Lenné für geradezu
heilig erklärten. Es wäre aber ein Fehlschluss, zu denken, dass nunmehr alle Gärten
in der Nachfolge von Muthesius architektonisch-geometrisch gestaltet wurden. Die
Kritik an dem landschaftlichen Gestaltungsideal führte vielmehr zu einer wesentlich
erweiterten Gestaltungsauffassung. Ähnlich wie in England stellten sich recht bald
unterschiedliche Gestaltungsinteressen nebeneinander ein.
So wurde etwa der so genannte „wild garden“ in Deutschland populär, schnell fan-
den auch Gestaltungsmotive aus Japan Verbreitung; entsprechende Ausstellungen,
aber auch Publikationen, so das Buch „Landscape Gardening in Japan“ von Josiah
Conder von 1892 wurden ebenso in England wie in Deutschland rezipiert. Weiter-
hin kamen naturalistische Gartenmotive, so der so genannte Heidegarten in Mode,
teilweise wurden Motive aus botanischen Gärten imitiert. Neben der englischen ge-
riet auch die französische Gartenkunst des Barock und diejenige der italienischen
Renaissance wieder in den Blickpunkt. Insgesamt lässt sich ausgehend von der neu-
en Erfahrung mit England nach 1900 nicht nur eine wesentliche Bereicherung der
Gartenkultur in Deutschland feststellen, sondern auch eine Verbesserung der Kom-
munikation unter den Beteiligten. Informationsangebote gerade aus dem Ausland, so
könnte man hieraus lernen, können auch vor Borniertheit schützen.

106
Uwe Jens Wandel

Von Gotha nach Kew – von Kew nach Gotha


Zur Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

I. Von Gotha nach Kew

Im ersten Teil des Beitrags – Von Gotha nach Kew – geht es um die verwandtschaft-
lichen Beziehungen zwischen den Höfen in Gotha und London, ohne die es den
berühmten Botanischen Garten in Kew so wohl nicht gegeben hätte, ohne die aber,
andererseits, der Englische Garten in Gotha so nicht hätte entstehen können. Im zwei-
ten Teil – Von Kew nach Gotha – wird die eigentliche Entstehung des Gothaer Gartens
abgehandelt.
Es war einmal eine Princess of Wales – so könnte unsere Geschichte beginnen –,
die wurde aber niemals Königin, doch weil sie einen wunderschönen Garten schuf,
lebt ihr Andenken bis heute fort. Ja, es wurde sogar eine Stadt nach ihr benannt, die
Hauptstadt von Richmond County im US-Bundesstaat Georgia1 . Die Rede ist, na-
türlich, von Augusta Princess of Wales, die am 30. November 1719 in Gotha geboren
wurde2 . Ihr Vater war Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg3 – aus dem
älteren, dem ernestinischen Zweig des Hauses Wettin4 –, ihre Mutter Magdalena Au-
gusta stammte aus dem Hause der Fürsten von Anhalt-Zerbst5 . Augusta wurde 1736

1 The New Encyclopædia Britannica 1, 15. Aufl., Chicago 1991, 699. – Georgia ist nach Georg II.
benannt.
2 Otto Posse, Die Wettiner. Genealogie des Gesammthauses Ernestinischerund AlbertinischerLinie
mit Einschluß der regierenden Häuser von Großbritannien, Belgien, Portugal und Bulgarien,
Leipzig 1897; ND mit Berichtigungen und Ergänzungen der Stammtafeln bis 1993 von Manfred
Kobuch, Leipzig 1994, Tafel 15.
3 1676–1732.
4 August Beck, Geschichte der Regenten des gothaischenLandes, (Geschichte des gothaischenLan-
des 1) Gotha 1868, 357-381; Christian Ferdinand Schulze, Leben des Herzogs von Sachsen-Gotha
und Altenburg Friedrich II., Gotha 1851.
5 1679–1740. – Max Berbig, Die Gemahlinnen der Regenten des gothaischen Landes, Gotha 1890,
117–121. 1745 nahm Augusta wegen der Schulden ihres Gemahls bei dem Haus Anhalt-Zerbst
einen Kredit auf: Frances Vivian, A Life of Frederick, Prince of Wales, 1707–1751, hg. v. Roger
White, Lewiston, N. Y. u. a. 2006, 357.

107
Uwe Jens Wandel

mit dem damaligen Prince of Wales, Frederick Lewis, Duke of Edinburgh6 , dem Sohn
König Georgs II., verheiratet.
Mit dieser Eheschließung wurde das Haus Sachsen-Gotha-Altenburg – Herrscher
über das kleine Herzogtum Gotha mit dem geographisch entfernten und administrativ
eigenständigen Herzogtum Altenburg7 – sehr wohl schon in die „Englisch-deutschen
Familiennetzwerke“ einbezogen, wovon kürzlich eine Tagung in London handelte,
die aber erst die Zeit ab 1760 in den Blick nahm8 . Im Unterschied zu den anderen
thüringischen Kleinstaaten, wie z. B. dem Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach9 ,
knüpfte Sachsen-Gotha-Altenburg in der Folge weitere internationale Beziehungen,
ja Gotha wurde zu einem Zentrum der europäischen Aufklärung, einem Hauptort der
République des lettres, einer Pflegestätte der Naturwissenschaften und der bildenden
Künste10 .
Augustas Schwägerin, die ihrem Gemahl, dem biederen Herzog Friedrich III., geis-
tig weit überlegene Herzogin Louise Dorothee11 , war eine geschätzte Briefpartnerin
ebenso von König Friedrich II. von Preußen wie von dessen zeitweiligem Freund Vol-
taire, der 1753 einen Monat in Gotha weilte12 . In Paris saß als diplomatischer Vertre-

6 Geboren am 31. Januar 1707 in Hannover, Geburtsdatum nach dem seit 1700 auch in Hannover
geltenden Gregorianischen Kalender; so bei Wilhelm Karl Prinz von Isenburg, Stammtafeln zur
Geschichte der europäischen Staaten, Band 2, Berlin 1936, Tafel 65, und Michel Huberty, Alain
Giraud und F. und B. Magdelaine, L’Allemagne dynastique, Band 3, Le Perreux 1981, 113, Nr.
XXII 20. Dagegen haben Dictionary of National Biography (im Folgenden: DNB) VII und Ray
Desmond, Kew. The History of the Royal Botanic Gardens, Kew 1998, 422: 6. Januar 1707.
7 Einwohnerzahlen 1786: 76632 bzw. 90380, nach Hartmut Nitsche, Zur Bevölkerungsentwicklung
im Herzogtum Gotha während der Regentschaft Ernsts II. (1772–1804). Statistische Beobachtun-
gen, in: Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg.Ein Herrscher im Zeitalter der Aufklärung, hg. v.
Werner Greiling, Andreas Klinger und Christoph Köhler, (Veröffentlichungen der Historischen
Kommission für Thüringen, Kleine Reihe 15) Köln u. a. 2005, 389–399.
8 Tagung der Prinz-Albert-Gesellschaft in London, 29./30. September 2006; die Beiträge sind ver-
öffentlicht in: Karina Urbach, ed., Royal Kinship: British-German Family Networks 1815–1918,
(Prinz Albert Research Publications 4) München 2008.
9 Vgl. zu dem Unterschied die Feststellung des Goethe-Philologen und Lobredners Weimars Hans
Tümmler, Die Zeit Carl Augusts von Weimar 1775–1828, in: Geschichte Thüringens, hg. v. Hans
Patze und Walter Schlesinger, Band 5, 1. Teil, 2. Teilband, (Mitteldeutsche Forschungen 48 V/1/2)
Köln-Wien 1984, 674: „Auch im internationalen Rahmen war Gotha-Altenburg zunächst be-
kannter als Weimar“ und „der gleichsam europäische Rang, den Sachsen-Gotha-Altenburg ein-
nahm“; Joachim Berger, Europäische Aufklärung und höfische Sozialisation. Prinzenerziehung
in Gotha und Weimar, in: Ernst II. (wie Anm. 7), 201–226; hier 215: Weimar bezog nicht Grimms
„Correspondance“, „da dort zu dieser Zeit keine nennenswerten Verbindungen zur europäischen
République des lettres bestanden“.
10 Allgemein: Die Residenzstadt Gotha in der Goethe-Zeit, hg. v. Hans Erkenbrecher und Helmut
Roob, (Palmbaum Texte 5) Bucha bei Jena 1998; Werner Greiling, Presse und Öffentlichkeit in
Thüringen. Mediale Verdichtung und kommunikative Vernetzung im 18. und 19. Jahrhundert,
(Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen, Kleine Reihe 6) Köln u. a.
2003, bes. 425–433: Exkurs: Gelehrte Publizisten in Gotha.
11 1710–1767.
12 Correspondance de Frédéric II avec Louise-Dorothée de Saxe-Gotha (1740–1767), hg. v. Marie-
Hélène Cotoni, (Studies on Voltaire and the Eighteenth Century 376) Oxford 1999; Die Briefe
der Herzogin Luise Dorothee von Sachsen-Gotha an Voltaire, hg. v. Gustav Haase, in: Archiv

108
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

ter Gothas (Legationsrat seit 1768) der bekannte Baron Melchior Friedrich Grimm13,
der mit seiner handschriftlich vervielfältigten „Correspondance littéraire“ von 1753 an
ausgewählte Höfe Europas, darunter den Katharinas der Großen14 , über die neuesten
Entwicklungen der Literatur, Musik, Gesellschaft in Paris auf dem laufenden hielt
und der mit den führenden Philosophen, besonders mit Rousseau und Diderot, be-
freundet war. Grimm stellte auch die Verbindung zu dem französischen Bildhauer
Jean-Antoine Houdon15 her: so kam es, dass Gotha über die größte Sammlung von
Skulpturen Houdons nach dem Louvre verfügt16 und dass als Schüler Houdons Fried-
rich Wilhelm Doell auf Kosten des Herzogs nach Paris, später nach Rom gesandt
wurde17 . Von der Französischen Revolution aus Paris vertrieben, verbrachte Grimm
seinen Lebensabend in Gotha, wo er auch beerdigt wurde18 . Ähnlich erging es übri-
gens dem Begründer des Illuminatenordens, Adam Weishaupt19 , dem Augustas Neffe,
der Schöpfer des Englischen Gartens in Gotha, Herzog Ernst II. – selbst ein führen-

für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen 91 (1893), 405–426; 92 (1894), 1–38, 145–
179, 367–410; Europäische Literatur am Gothaer Fürstenhof. Katalog zur Sommerausstellung der
Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, Gotha 1999; Beck (wie Anm. 4), 381–407;
Jenny von der Osten, Luise Dorothee, Herzogin von Sachsen-Gotha, 1732–1767, Leipzig 1893;
Wolfgang Huschke, Politische Geschichte von 1572 bis 1775, in: Geschichte Thüringens (wie
Anm. 9) V, 1. Teil 1. Teilband, Köln-Wien 1982, 1–551: Die Ernestiner, hier 440f.
13 1723–1807. Allgemeine Deutsche Biographie (im Folgenden: ADB) IX, 676–678.
14 Katharina die Große. Ausstellung Kassel 1997/98, Kassel 1997, 220, 222 Nr. 302, 303 u. ö.
15 1741–1828.Allgemeines Lexikon der bildenden Künste von der Antike bis zur Gegenwart, begr. v.
Ulrich Thieme und Felix Becker, hg. v. Hans Vollmer (im Folgenden: Thieme-Becker) XVII, 560–
562; Reinhard Wegner, „Ein vollkommenes Athen aus Weimar machen“. Weimarer Reaktionen
auf Houdon in Gotha, in: Ernst II. (wie Anm. 7), 251–262, bes. 252; Ulrike D. Mathies, Jean-
Antoine Houdon, Ernst II. und die französische Aufklärung, in: Die Gothaer Residenz zur Zeit
Herzog Ernsts II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772–1804), Katalog zur Ausstellung Gotha
2004, Gotha 2004, 85–100.
16 Dabei Büsten von Voltaire, Rousseau, Franklin, Molière, Gluck.
17 1750–1816. Thieme-Becker IX, 364f.; Petra Rau, Friedrich Wilhelm Doell (1750–1816). Leben
und Werk, Klausenburg/Cluj-Napoca 2003. – Abreise Doells mit Houdon am 3. Dezember 1771:
Thüringisches Staatsarchiv Gotha (im Folgenden: ThStAGo) Fourierbuch 1771 IV – Dauerleih-
gabe in der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha.
18 Jochen Schlobach, Grimm in Paris: ein Kulturvermittler zwischen Deutschland und Frankreich in
der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Deutsche in Frankreich, Franzosen in Deutschland
1715–1789, hg. v. Jean Mondot, Jean-Marie Valentin und Jürgen Voss, (Beihefte der Francia 25)
Sigmaringen 1992, 179–190; Europäische Literatur (wie Anm. 12), bes. 21 ff; Katharina die Große
(wie Anm. 14), passim; Tümmler (wie Anm. 9), 674; neuestens: Kirill Abrosimov, Die Genese des
Intellektuellen im Prozess der Kommunikation. Friedrich Melchior Grimms „Correspondance
littéraire“, Voltaire und die Affäre Calas, in: Geschichte und Gesellschaft 33 (2007) 163–197;
Kunst und Kultur zur Goethezeit. Ausstellung des Thüringischen Staatsarchivs Gotha, Gotha
1999, 36 Nr. 70; Serguei Karp, Le Testament de Grimm, in: Dix-huitième Siècle 30 (1998), 331–
346; Maria Mitscherling, Friedrich Melchior von Grimms Correspondance littéraire, ein Pariser
Kulturjournal von europäischer Bedeutung, in: 10 Jahre Goethe-Gesellschaft Gotha. Festschrift,
Gotha 1995, 58–69. – Das Testament Grimms hatte ich im ThStAGo wieder gefunden, eigen-
händige Gehaltsquittungen Grimms von 1769 in ThStAGo Geheimes Archiv E XIII c Nr. 57. –
Grimm wohnte in Siebleben bei Gotha, später lebte in dem Hause Gustav Freytag, der Grimms
Grabmal restaurieren ließ; es ist nach 1945 verschwunden: Kunst und Kultur, 36.
19 1748–1830. ADB XLI, 539–550.

109
Uwe Jens Wandel

des Mitglied des Ordens – in Gotha Asyl vor der Verfolgung durch den bayerischen
Kurfürsten bot20 . Durch Ernsts Aktivitäten als Illuminat wurde Gotha der Mittel-
punkt eines „europaweiten Netzwerks des Ordens“21 . Verbindungen nach Rom liefen
über den sachsen-gothaischen Hofrat Johann Friedrich Reiffenstein22 , Künstler und
Kunsthändler, der angesehenste Cicerone der Stadt, Anlaufstelle für alle vornehmen
und gebildeten Reisenden, wie z. B. Goethe 178623. Goethe bezog in Rom Quartier
bei Johann Wilhelm Tischbein24 , dem der Gothaer Hof die Reise nach Italien finan-
ziert hatte und der dort das wohl bekannteste Porträt des Dichterfürsten schuf.
Schließlich könnte man noch den „Gotha“ erwähnen, der ja weltweit geradezu
sprichwörtlich bekannt ist. Er wurde mitgegründet von Emanuel Klüpfel25 . Obschon
württembergischer Pfarrerssohn, war er ein gewandter Kavalier und liberaler Geist;
1741 wurde er zum Pfarrer an der vom Herzogtum Gotha unterhaltenen lutherischen
Kirche in Genf berufen. Diese Stadt war in der Regel eine Station bei den Bildungs-
reisen der gothaischen Prinzen, und so ergab es sich, dass Klüpfel dann als Hauslehrer
des Erbprinzen Friedrich nach Paris ging. Nach Gotha zurückgekehrt, erwarb er sich
die Gunst der Herzogin Louise Dorothee, so dass er schließlich bis zum Vizepräsi-
denten des Oberkonsistoriums aufstieg. 1763 erschien erstmals der „Gothaische Hof-
kalender“, gleichzeitig auf Französisch als „Almanac de Gotha“, woraus sich dann
das berühmte genealogische Nachschlagewerk des Adels entwickelte.
Diese notgedrungen verkürzten Andeutungen mögen genügen, um die zentrale,
aber von dem Mythos Weimar verdunkelte Rolle Gothas in der Geistesgeschichte
zu beschreiben26 . Sie werden aber reichen, um zu zeigen, wie weltoffen und aufge-
schlossen für neue Ideen der Gothaer Hof damals war. So kam es nicht von ungefähr,

20 Hermann Schüttler, Ernst II. als Freimaurer und Illuminat, in: Die Gothaer Residenz (wie Anm.
15), 137–146; W. Daniel Wilson, Geheimräte gegen Geheimbünde. Ein unbekanntes Kapitel der
klassisch-romantischen Geschichte Weimars, Stuttgart 1991.
21 Steffen Kublik und Gerhard Müller, Zwischen Wissenschaft und Arkanum. Zum geistigen Profil
eines aufgeklärten Fürsten, in: Ernst II. (wie Anm. 7), 311–324, hier 321.
22 1719–1793.
23 ADB XXVII, 685f; Angelika Kauffmann, hg. und bearb. von Bettina Baumgärtel, Ostfildern-
Ruit 1998, 122f. Nr. 15 – Bild; Joachim Rees und Winfried Siebers, Erfahrungsraum Europa.
Reisen politischer Funktionsträger des Alten Reichs 1750–1800. Ein kommentiertes Verzeichnis
handschriftlicher Quellen, (Aufklärung und Europa 18) Berlin 2005, 164–169, 284–289; Kunst
und Kultur (wie Anm. 18), 30f.: „. . . endlich in dieser Hauptstadt der Welt angelangt!“; Goethe
in Rom. Publikation zur Eröffnung der Casa di Goethe in Rom, hg. v. Konrad Scheurmann und
Ursula Bongaerts-Schorner, Band 2: Katalog, Mainz 1997, 160 Nr. 187.
24 Heute die Casa di Goethe, Via del Corso 18; Hermann Mildenberger, Johann Heinrich Wilhelm
Tischbein. Goethes Maler und Freund. Ausstellungskatalog, Schleswig 1987.
25 1712–1776. ADB XVI, 255–257. Thomas Freiherr von Fritsch, Die Gothaischen Taschenbücher,
Hofkalender und Almanach [sic], (Aus dem Deutschen Adelsarchiv 2) Limburg/Lahn 1968.
26 Dies widerspricht der heutigen Sicht, nach der Gotha im Schatten Weimars steht; so beginnen die
drei Bände über „Kultur in Thüringen“ (Band 10–12) in der von der Landeszentrale für politische
Bildung Thüringen herausgegebenen Reihe „Quellen zur Geschichte Thüringens“, die sich an ein
breites Publikum wendet, mit dem Jahre 1772 – dies wegen der Ankunft Wielands als Prinzen-
erzieher in Weimar 1772 (Band 10, 11). Andererseits hat die Landeszentrale in ihren „Blättern
zur Landeskunde“ auch Holger Böning, Gotha als deutscher Hauptort volksaufklärerischer Pu-

110
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

dass hier einer der ersten englischen Landschaftsgärten in Deutschland entstanden


ist – dies aber auch und vor allem dank der verwandtschaftlichen Beziehungen zu
England –, und wohl als einer von zweien dieser Art, die unmittelbar von einem eng-
lischen Gärtner am Orte selbst entworfen wurden27 .
Der Heirat Augustas mit Friedrich Ludwig gingen längere Verhandlungen zwi-
schen dem Geheimen Rat Gerlach Adolf von Münchhausen28 , dem Vertrauten König
Georgs II. – und späteren Gründer der Universität Göttingen, der Georgia Augusta
(benannt nach Georg II.) – mit seinem gothaischen Kollegen Christian von Uffel 29
voraus. In der Korrespondenz, die am 5. September 1735 beginnt30 , drang Münchhau-
sen auf strikte Geheimhaltung und tunlichste Beschleunigung seitens Gothas, denn
schließlich sei „die Partie, welche der Prinzessin angetragen, die größte und avanta-
geuseste in Europa“. Etwaige Bedenken wegen der Konfessionsverschiedenheit, die
von dem orthodoxen Gothaer Theologen Ernst Salomo Cyprian31 drohten, weswegen
denn auch Gutachten verschiedener Theologen eingeholt wurden32 , wischte Münch-
hausen beiseite. Auch sonst spielte Münchhausen die Überlegenheit seines mächtigen
Reiches gegen den thüringischen Kleinstaat in hochfahrender Weise aus: Gotha dürfe
keine finanziellen Forderungen stellen, sondern müsse alles dem König überlassen;
die Trauung habe in London, nicht in Gotha stattzufinden; für eine Residenz werde
Robert Walpole33, der Prime Minister, sorgen; bei der Prinzessin werde Fertigkeit im
Französischen vorausgesetzt, doch das Englische34 sei gleichfalls unumgänglich usw.
Für den 10. Oktober 1735 wurde ganz im geheimen ein Treffen der Prinzessin mit
dem König in Herrenhausen bei Hannover arrangiert – die begleitende gothaische
Oberhofmeisterin von Rüxleben berichtete erleichtert noch am gleichen Tage an Uf-
fel35 : „wie Ir Majestet der Könich kamen, so Ambrasirten sie die Princes und dahten
überauß gnädig mit ihr“, und Münchhausen ließ sich zu dem Kompliment herbei: „sie
haben gantz eine artige Princes“, von der auch ein Porträt36 überreicht wurde. Wie

blizistik, Erfurt 2004, erscheinen lassen; vgl. neuerdings vom selben Autor: Gotha als Hauptort
volksaufklärerischer Literatur und Publizistik, in: Ernst II. (wie Anm. 7), 325–344.
27 Helmut-Eberhard Paulus, Im Reich der Göttin Freiheit, in: Im Reich der Göttin Freiheit. Gothas
fürstliche Gärten in 5 Jahrhunderten, (Gothaisches Museums-Jahrbuch 11 [2008]) Weimar 2007,
9–30, hier 17f.; Marcus Köhler, The German Legacy: Richmond in Braunschweig, in: Garden
History 29 (2001), 29–35.
28 1680–1742. ADB XXII, 729–745.
29 1687–1748. Huschke (wie Anm. 12), 400f.
30 ThStAGo Geheimes Archiv E I A Nr. 19.
31 1673–1745. ADB IV, 667–669; Huschke (wie Anm. 12), 424f.
32 ThStAGo Geheimes Archiv E I A Nr. 17, Nr. 18; MMM Nr. 9 (Cyprians eigenes, positives
Gutachten).
33 Frederick hasste Walpole: Vivian (wie Anm. 5), 224f., 231, 327 u. ö.
34 Sie lernte das Englische rasch und gut: Vivian (wie Anm. 5), 207.
35 ThStAGo Geheimes Archiv E I A Nr. 17 Bl. 63f. – Vivian (wie Anm. 5), 201, gibt als Datum den
Frühsommer 1735 an, nach den Memoiren des Lord Hervey.
36 Welches dies war, ist nicht bekannt. Ein Porträt der Prinzessin von Charles Phillips (Thieme-
Becker XXVI, 553) ist heute in der National Portrait Gallery (Abbildung in: Im Reich der Göttin
[wie Anm. 27], 94); – über ihr Aussehen: Vivian (wie Anm. 5), 201.

111
Uwe Jens Wandel

von Rüxleben weiter mitteilte, werde Augusta wohl erst im Frühjahr „angefordert“
werden.
So geschah es. Im März 1736 kündigte Münchhausen die Entsendung des John
West, 1st Lord De La Warr, Schatzmeister des Königs, zwecks förmlicher Brautwer-
bung in Gotha an37 . Er kam am 4. April 1736 in Gotha an und wurde, wie damals
üblich, am Tage darauf in feierlicher Weise bei Hofe empfangen und in den nächsten
Wochen mit Banketten und Bällen, französischer Komödie und italienischer Oper
reichhaltig regaliert38 . Zwischendurch, am 9. April, ging ein Bote nach London ab,
der am 23. des Monats mit dem unterfertigten, auf Latein verfassten Heiratspakt39
wieder in Gotha anlangte.
Am 28. April trat De La Warr die Rückreise an – zusammen mit der Braut, der
die schon genannte Oberhofmeisterin von Rüxleben und andere Hofbeamte sowie
verschiedene Domestiken das Geleite bis Hellevoetsluis, dem damaligen Fähreha-
fen, gaben. Hier aber hieß es Abschied nehmen, denn nach dem Willen Georgs II.
durfte Augusta mit Ausnahme zweier Kammermägde aus Gotha nur englisches Per-
sonal um sich haben. Nach dem Heiratsvertrag sollte die Prinzessin in Hellevoetsluis
von königlichen Schiffen abgeholt werden. Wie der damalige gothaische Gesandte
in London, Friedrich von Thom, meldete40 , waren es die Jachten „William & Ma-
ry“, „Fubbs“ und „Katherine“; sie segelten am 1. Mai ab41 . Bedauerlicherweise fallen
Thoms Berichte kurz darauf weg, da der König laut Münchhausen brüsk seine Ab-
berufung verlangte – tatsächlich bat Thom selbst darum wegen seiner Gicht – und
ein Nachfolger nicht berufen wurde42 . Auf der Themse, von Greenwich nach Lon-
don, fuhr die Braut dann mit der prächtigen Staatsbarke, die sich Frederick Lewis von
dem Maler, Architekten, Designer (wie man heute sagen würde) William Kent hatte
entwerfen lassen43 . Kent war auch einer der führenden Gartenarchitekten seiner Zeit,

37 Lord John Hervey, der Vertraute der Königin Caroline, meinte dazu etwas maliziös, „that a more
unpolished ambassador for such an occasion could not have been found in any of the Goth or
Vandal courts of Germany“, DNB XX, 1247; – über Herveys Charakter sehr deutlich: Vivian
(wie Anm. 5), 18, 74, 171–185; demnach sorgte Hervey durch seine Memoiren für Fredericks
schlechten Ruf bei der Nachwelt.
38 Ausführlich protokolliert: ThStAGo Geheimes Archiv E I A Nr. 19 Bl. 66–70; AAA II Nr. 24;
ThStAGo, Fourierbuch (wie Anm. 17) 1736 II; Oberhofmarschallamt Nr. 66; – Vivian (wie Anm.
5), 201; dort Lord Delawar genannt.
39 ThStAGo Geheimes Archiv QQ (G) Nr. XXVIII 4: Ausfertigung mit Majestätssiegel Georgs II.
in silberner Siegelkapsel; dabei u. a. Nr. 1: Quittung Augustas über 20 000 Reichstaler Mitgift
zuzüglich zu bereits erhaltenen Ausstattungsgeldern von 6000 Reichstalern; Nr. 2: Augustas Erb-
verzicht. – Der König sorgte allerdings nicht im Gegenzug für Augustas Wittum, wie es sonst
üblich war: Vivian (wie Anm. 5), 233, 239.
40 ThStAGo Geheimes Archiv E I A Nr. 17.
41 Tony Dalton, British Royal Yachts. A Complete Illustrated History, Tiverton 2002, 57–59, 72f.;
Tim Madge, Royal Yachts of the World, East Molesey 1997, 39–41; – „Fubbs“ benannt nach dem
Spitznamen einer Mätresse König Karls II.
42 ThStAGo Geheimes Archiv AAA II Nr. 24; Thoms Relationen in BBB Nr. 85.
43 Über Kent neuestens: Timothy Mowl, William Kent: Architect, Designer, Opportunist, London
2006; Porträt von Kent auch in: Miles Hadfield, Gärten. Eine kleine Geschichte der Gartenkunst,

112
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

der u. a. den Park in Richmond gestaltete44 . Im Heiratsvertrag war ausbedungen, dass


die Trauung sofort nach der Ankunft der Braut in London stattfinden sollte. Sie wur-
de denn auch am 8. Mai 1736 vollzogen, nach dem in Großbritannien noch gültigen
Julianischen Kalender am 27. April 173645.
Die Heirat war, wie stets in solchen Kreisen, keine romantische Angelegenheit. Sie
war aber nicht dem Wunsch der am Londoner Hofe herrschenden Damen entsprun-
gen, wie Wilhelmine von Bayreuth, die Lieblingsschwester Friedrichs II. von Preu-
ßen, behauptete46 . Wilhelmines Mutter selbst hätte sie gern mit Frederick verheiratet.
Vielmehr war die dynastische Verbindung des Hauses Sachsen-Gotha-Altenburg mit
dem Hause Hannover eine Sache der Staatsräson. Die Folge war, dass das Herzog-
tum politisch immer mehr ins Fahrwasser Hannovers geriet47 ; es hatte schon zuvor,
wie schon seit 1689 von den Niederlanden, auch von Großbritannien Subsidien für
Truppen erhalten48 – 1756 wurde ein förmlicher Vertrag geschlossen. Im Siebenjäh-
rigen Krieg befand sich das Land in einer schwierigen Lage, denn der Herzog war
einerseits Reichsfürst, andererseits neigte er zu Preußen und war mit Großbritannien
verbündet; so kam es, dass Gotha durch alle Heere zu leiden hatte, durch die Reichsar-
mee, die französische und die preußische – mit König Friedrich II. höchstselbst49 . Auf
seine Schwester Augusta konnte Herzog Friedrich III. dabei nicht zählen. Sie fühlte
sich ihrer Familie zwar weiterhin verbunden, wie ihre Briefe an ihn zeigen50 , aber, vor-
sichtig und zurückhaltend wie sie war – „Princess Prudence“ war ihr Spitzname51 –,

Frankfurt/Main o. J., 82. Thieme-Becker XX, 158–160; Zwei Jahrhunderte englische Malerei.
Britische Kunst und Europa, München 1980, 581; – Vivian (wie Anm. 5), 204; weiteres über
die Barke und über Kent: 30–34, 110, 129–142, 151, 162–164, 345f.; Peter Norton, State Barges,
Greenwich 1972, 15–21; National Maritime Museum, hg. v. Basil Greenhill, London 1982, 43; –
ein weiteres Boot Fredericks: „Track Scoott [?]“ [Vivian (wie Anm. 5), 303f.] – ist eine Trekschuit
nach niederländischem Vorbild.
44 Desmond (wie Anm. 6), 12–18.
45 Vgl. die Notifikation an den Hof zu Weimar – Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar A 122a
Bl. 167f.; Vivian (wie Anm. 5), 205f.: Händel komponiertezu dem Anlass ein „Anthem“; Desmond
(wie Anm. 6), 21.
46 von der Osten (wie Anm. 12), 89: «Leurs sentimens étaient réunis en un point, qui était, qu’elles
ne voulaient pas que le jeune duc de Glocester [!] épousât une princesse d’une grande maison, et
qu’elles en souhaitaient une, qui n’eût pas un grand génie, afin de rester les mâitresses de gouverne-
ment»; Vivian (wie Anm. 5), 68–71, 88; Uwe A. Oster, Wilhelmine von Bayreuth. Das Leben der
Schwester Friedrichs des Großen, München und Zürich 2005; – es gab auch den Plan zur Heirat
mit einer Lady Diana Spencer: Vivian (wie Anm. 5), 215.
47 So Julius Frankenstein, Die auswärtige Politik Sachsen-Gotha-Altenburgs und der Reichskrieg
gegen Frankreich bis zum Ausscheiden des Herzogtums (1790–1797), (Historische Studien 281)
Berlin 1935, 38; Tümmler (wie Anm. 9), 674.
48 Huschke (wie Anm. 12), 408–410.
49 Ebd., 431–433.
50 ThStAGo Geheimes Archiv E IV ¤ Nr. 48. Noch ihr letzter Brief, vom 3. Januar 1772 (Nr. 207),
kurz vor ihrem Tode, lässt diese Verbundenheit erkennen, und sie hat ihm großzügige Geschenke
englischer Kutschen zukommen lassen: „Carosse“: Brief 189, „chaise“: Brief 205.
51 Vivian (wie Anm. 5), 206f., 248; Susanne Groom und Lee Prosser, Kew Palace. The Official
Illustrated History, London 2006, 57.

113
Uwe Jens Wandel

versuchte sie niemals, politischen Einfluss auszuüben52 , zum großen Verdruss König
Friedrichs II., der gern den damaligen Prime Minister, Earl of Bute, den Vertrauten
der Prinzessin, von seiner Haltung abgebracht hätte.
Die öffentliche Meinung war über die Heirat nicht unbedingt begeistert – jeden-
falls erschien eine Karikatur, in der auf Fredericks verlassene Mätresse Miss Anne Vane
angespielt wird53 . Thom dagegen schwärmte in seiner letzten Relation, vom 25. Mai
1736, von der Prinzessin: «Elle est l’ésperence de toute l’Angleterre [. . . ]»54. Um der
britischen Öffentlichkeit zu zeigen, welch’ vornehmer Familie die Braut entstammte,
verfasste der Hauslehrer des Duke of Cumberland, J. T. Philipps, aufgrund 1736 von
Cyprian (der auch Leiter der herzoglichen Bibliothek war) aus Gotha übersandter
Unterlagen ein Augusta gewidmetes Buch mit dem konzisen Titel „The History of
the Two Illustrious Brothers, Princes of Saxony, viz. Their Serene Highnesses Ernestus
the Pious, First Duke of Sax-Gotha, and Bernard the Great, Duke of Sax-Weimar,
Who won the Battle of Lutzen, after the Death of the Great Gustavus Adolphus, King
of Sweden, Together with A Short History of his Serene Highness John William, Prince
of Gotha, who was killed at the Siege of Toulon, in 1707. To which are added, genea-
logical tables of the Illustrious and Serene House of Sax-Gotha, shewing its Relation
to all the Royal and Sovereign Families in Europe“, London 174055. Immerhin erhielt
Friedrich III. 1741 den begehrten, von Münchhausen schon 1736 in Aussicht gestell-
ten Hosenbandorden, was sogleich europaweit in der Presse verbreitet wurde56 . 50
Jahre später wurde Herzog Ernst II. dieselbe Ehre zuteil57.
Augusta hatte es am Londoner Hofe nicht leicht, denn ihr Gemahl war seit sei-
ner Kindheit seiner Mutter verhaßt, wobei der genannte Lord Hervey seine Hand
im Spiele hatte58 . Auch seinem Vater war er entfremdet, zumal er Freunde bei der
politischen und bei der künstlerischen Opposition besaß59 . Seine Eltern hatten ihn,
sozusagen als Statthalter, in Hannover zurückgelassen – erst 1728 durfte er nach Lon-

52 Frankenstein (wie Anm. 47), 38; von der Osten (wie Anm. 12), 123, 157, 231–233 u. ö.
53 Vivian (wie Anm. 5), 192–197, 201f.
54 ThStAGo Geheimes Archiv AAA II Nr. 24.
55 ThStAGo Geheimes Archiv XX VI Nr. 117. Exemplar des Buches in der Bibliothekdes ThStAGo
vorhanden, Signatur: PE 12.
56 Friedrich III. trat an die Stelle des verstorbenen Earl Waldegrave: ThStAGo Geheimes Archiv E I
A Nr. 17; E V ¤ (4b) Nr. 22 – darin die „Leipziger Zeitungen“vom 7. August 1741 und die Zeitung
„Amsterdam“ vom 18. August 1741; QQ (FF) Nr. II: Ordensstatuten; – Honi soit qui mal y pense.
Die Stiftung des Hosenbandordens vor 650 Jahren – und seine Verleihung an Gothaer Herzöge
1741–1902, Kabinettausstellung des Thüringischen Staatsarchivs Gotha 1998. – Die Siegeltypare
des Herzogs zeigen die Insignien des Hosenbandordens und dessen Devise; zu deren Anzahl und
Signaturen freundliche Auskunft von Dr. Hans-Jörg Ruge, ThStAGo.
57 Ernst II. erhielt die Stelle des verstorbenen Duke of Cumberland, Augustas Sohn: ThStAGo
Geheimes Archiv E V ¤ (4b) Nr. 27b – darin die „Gothaische Zeitung“ vom 22. April 1791 und
„The London Gazette“ vom 30. April 1791; QQ (FF) Nr. III: Ordensstatuten, darin die Wappen
Georgs III. und Ernsts II. – dieses mit Ernsts Wahlspruch „SALUS PUBLICA SALUS MEA“.
58 Groom und Prosser (wie Anm. 51), 49f. Desmond (wie Anm. 6), 20, 29. Über Herveys Charakter:
s.o. Anm. 37.
59 Vivian (wie Anm. 5), 220–224, 260f., 327; DNB VII, 675–678; Zwei Jahrhunderte englischer Ma-
lerei (wie Anm. 43), 76.

114
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

don übersiedeln und wurde als Prince of Wales investiert60 . Gegen die Verleumdungen
Herveys wird neuerdings hervorgehoben, dass Frederick sehr wohl seine Qualitäten
hatte: er war ein großer Kunstsammler61 , ein Freund der Musik62 und der Literatur63 .
Vom Hofe de facto verbannt, lebte er das Leben eines Landedelmanns, mit Jagen64 ,
Cricketspiel, Festivitäten im „White House“ (auf dem Gelände der heutigen Kew Gar-
dens, gegenüber dem erhalten gebliebenen „Kew Palace“), das er 1731 erworben hatte
und das er von William Kent umbauen ließ65 . In der Stadt besaß er seit 1732 „Carlton
House“, gelegen zwischen Mall und Pall Mall66 , als zeitlich erste Residenz. Auch die-
ses Palais und der dazugehörige Garten wurden von Kent umgestaltet. 1747 lernte er
den schon erwähnten Bute – John Crichton Stuart, 3. Earl of Bute67 – kennen, der seine
Passionen teilte, vor allem die für die Botanik68 . Nun begann Frederick mit dem Sam-
meln und Kultivieren von Pflanzen, auch exotischer, in Kew und der Umgestaltung
wie auch mit der Vergrößerung des Parks69 . Bei der Gartenarbeit holte sich Frederick
eine Lungenentzündung70 und starb am 31./20. März 175171. Frederick war sehr wohl

60 Vivian (wie Anm. 5), 17–20, 95–100; Fredericks Krone: Martin Holmes, The Crown Jewels at the
Tower of London, London 1968, 31. Heinz Biehn, Die Kronen Europas, Wiesbaden 1957, 193f.
Nr. 92.
61 Vivian (wie Anm. 5), 149–161, 284–302, 399, 414–421. Hier werden auch die vielen Porträts von
ihm, von Augusta und der Familie abgehandelt,zu denen noch die Porträts von Joseph Highmore,
1741, im Schlossmuseum Gotha bzw. von einem unbekannten Künstler, ca. 1740, im Residenz-
museum in Celle kommen.
Zu den Bildern und dem Krieg der Bilder: Michael Hassels, Von der Dynastie zur bürgerlichen
Idealfamilie. Studien zum fürstlichen Familienbild des Hauses Hannover in England, (Europäi-
sche Hochschulschriften Reihe 28, 257) Frankfurt am Main etc. 1996.
62 Vivian (wie Anm. 5), 316, 442–447; 325f.: Frederick war der Auftraggeber für die Komposition
der „Masque“ „Alfred“ von Thomas Arne mit dem bekannten Lied „Rule Britannia“.
63 Vivian (wie Anm. 5), 56, 456.
64 Bild „Frederick, Prince of Wales, out stag-hunting“ von John Wootton und William Hogarth,
ca. 1743, abgebildet bei Groom und Prosser (wie Anm. 51), 51 Nr. 59; Wootton: „The Shooting
Party“, Frontispiz bei Vivian (wie Anm. 5).
65 Vivian (wie Anm. 5), 132; Groom und Prosser (wie Anm. 51), 45–49; Desmond (wie Anm. 6), 22f.;
abgebrochen 1802.
66 Vivian (wie Anm. 5), 140–149; andere Residenzen: 257–259, 270–272, 287, 345; Desmond (wie
Anm. 6), 23; Valentin Hammerschmidt und Joachim Wilke, Die Entdeckung der Landschaft.
Englische Gärten des 18. Jahrhunderts, Stuttgart 1990, 41f; Metropole London. Macht und Glanz
einer Weltstadt 1800–1840, Ausstellung Essen 1992, Recklinghausen 1992, 112–114, 116, 382–385;
Nr. 270f., 274, 275, 277; 1827 abgerissen.
67 1713–1792.
68 Vivian (wie Anm. 5), 435; Porträt von Joshua Reynolds, abgebildet bei Groom und Prosser (wie
Anm. 51), 52 Nr. 61.
69 Vivian (wie Anm. 5), 127–132, 320, 324, 391, 433–441; über Kew Gardens grundlegend: Desmond
(wie Anm. 6); Groom und Prosser (wie Anm. 51); Roy Strong, Royal Gardens, London 1992, 49–
63; Paul Cloutman, Royal Botanic Gardens Kew. Souvenir Guide, Kew 2007; Bilder aus Kew
auch in: Zwei Jahrhunderte englischer Malerei (wie Anm. 43), 142 Nr. 55 f., 145, 147 Nr. 57.
70 Olwen Hedley, The Princes of Wales, London 1975, 16.
71 Nach einer anderen Erklärung zog er sich eine Rippenfellentzündung als Folge der Verletzung
durch einen Cricket-Ball zu; Vivian (wie Anm. 5), 468, lässt die Todesursache unentschieden;
Cricketball: Cloutman (wie Anm. 69), 82; Desmond (wie Anm. 6), 28f.

115
Uwe Jens Wandel

populär72 , im Widerspruch zu früheren Darstellungen, die sich auf ein angeblich vom
Pöbel gesungenes Liedchen beziehen, das so anfing: “Here lies poor Fred,/Who was
alive and is dead [. . . ]” und endete: “There’s no more to be said [. . . ]”73 .
Seine Witwe Augusta war gerade mit der Tochter Caroline Mathilde74 schwanger.
Sie hatte bereits 1737 die Tochter Augusta geboren75 , 1738 den Thronfolger George76 ,
1743 William, später Duke of Gloucester77 , 1745 Henry, Duke of Cumberland78 ;
die Kinder Edward, Duke of York, Elisabeth, Louise und Frederick waren schon in
jungen Jahren gestorben79 – sie hat also insgesamt in 15 Jahren Ehe 9 Kinder zur Welt
gebracht.
Augustas Interesse an Botanik war von ihrem Gemahl geweckt worden und wurde
vom Earl of Bute weiterentwickelt. Bute führte im Jahre 1757 Sir William Cham-
bers bei ihr ein. Er sollte der eigentliche Gartenarchitekt für Augusta werden, und
sie sollte so, wie der offizielle Führer von Kew Gardens sagt, „in effect, the founder
of the botanic gardens at Kew“ werden80 . Chambers galt und sah sich selbst als Ex-
perte für chinesische Bau-, Garten- und Möbelkunst und war von großem Einfluss
in Europa – Chinoiserien aller Art und anglo-chinesische Gärten waren eine Zeit-
lang große Mode81 . Von seiner „Dissertation on Oriental Gardening . . . “ erschien
schon 1775 in Gotha eine deutsche Übersetzung von Schack Hermann Ewald, dem

72 Vivian (wie Anm. 5), 228f., 317, 393, 471–477.


73 Vollständig bei Mijndert Bertram, Georg II. König und Kurfürst, Göttingen 2 2004, 149–154, hier
153; DNB VII, 678.
74 Sie wurde 1766 mit dem geisteskranken dänischen König Christian VII. verheiratet (den die Prin-
zen 1768 in London kennen lernten); ihre Affäre mit dem Leibarzt Johann Friedrich Graf von
Struensee endete mit Scheidung bzw. Hinrichtung Struensees 1772. Als geistlichen Beistand hatte
Struensee den Pastor der Deutschen Petrikirche in Kopenhagen, Balthasar Münter (1735–1793;
ADB XXIII, 33), zuvor Hofdiakon in Gotha und Superintendent in Gräfentonna; dieser ver-
fasste eine „Bekehrungsgeschichte“ Struensees, vgl. Christine Keitsch, Der Fall Struensee – ein
Blick in die Skandalpresse des ausgehenden 18. Jahrhunderts, (Beiträge zur deutschen und euro-
päischen Geschichte 26) Hamburg 2000; – Porträt Christians VII. nach Angelika Kauffmann in:
Kauffmann (wie Anm. 23), 161; Porträts Mathildes und Struensees von Jens Juel, 1771, im Resi-
denzmuseum Celle. In Celle verbrachte Mathilde die wenigen ihr verbliebenen Jahre (bis 1775).
1784 wurde ihr dort nach dem Entwurf Adam Friedrich Oesers (Thieme-Becker XXV, 571–573),
dem Zeichenlehrer Goethes in Leipzig, ein Denkmal errichtet.
75 Vivian (wie Anm. 5), 248–256; – sie heiratete 1764 Carl II. Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-
Wolfenbüttel, Bruder der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach, und starb 1813.
Porträt nach Angelika Kauffmann in: Kauffmann (wie Anm. 23), 160f. Nr. 52.
76 Georg III., gestorben 1820. Vivian (wie Anm. 5), 275.
77 Gestorben 1805.
78 Gestorben 1790.
79 Edward lebte von 1739–1767, Elisabeth von 1741–1759, Louise 1749–1768, Frederick von 1750–
1765; Daten nach Isenburg (wie Anm. 6), und Huberty (wie Anm. 6), 130–132, Nr. XXIII 8–16.
80 Cloutman (wie Anm. 69), 82; Vivian (wie Anm. 5), 470.
81 1726–1796. William Chambers, A dissertation on oriental gardening . . . , 11. Aufl., Dublin 1773;
Sir William Chambers. Architect to George III, hg. v. John Harris und Michael Snodin, Lon-
don 1996; DNB IV, 26f.; Thieme-Becker VI, 345–347; Desmond (wie Anm. 6), 44–63; Cloutman
(wie Anm. 69), 66f.; Clemens Alexander Wimmer, Geschichte der Gartentheorie,Darmstadt 1989,
181–189; China und Europa. Chinaverständnis und Chinamode im 17. und 18. Jahrhundert. Aus-
stellung Berlin 1973, Berlin 1973, 355f. R 5, R 6 (Kew), 366 R 47; Stefan Koppelmann, Exotische

116
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

Herausgeber der „Gothaischen Gelehrten Zeitung“, bei Carl Wilhelm Ettinger, dem
Verleger des „Gotha“ und der Werke Voltaires82 . Gleichwohl spielte für den Gothaer
Park Chambers’ Schule der Gartenbaukunst keine Rolle. Seine „Dissertation“ wird
als Kampfschrift gegen Lancelot „Capability“ Brown83 , den großen Widersacher und
„Zerstörer“ von Richmond Gardens, gesehen84 . Browns Entwürfe enthielten, kurz
gesagt, folgende stets sorgfältig geplante Elemente, die sich auch im Englischen Gar-
ten in Gotha wieder finden85 : große, sanft gewellte Rasenflächen, darauf einzelne
Bäume oder Gruppen („clumps“) von Bäumen, dichte Baumbepflanzung entlang der
Grenzen des Parks mit einem Rundweg („belt walk“), und vor allem: im Mittel-
grund der See, der – scheinbar natürlich – so gestaltet ist, dass sein Umfang nicht
erkennbar bleibt – ein Kniff, den Chambers in seiner „Dissertation“86 den Chinesen
zuschreibt – , nicht zu vergessen die Sichtbeziehungen durch den Park und in die
umgebende Landschaft.
Chambers konnte in Kew freizügig walten und den Park mit allerlei exotischen
Bauwerken verschönern. In der Gothaer Ausstellung „Im Reich der Göttin Freiheit“
2007 war ein Plan – dort etwas missverständlich als „Musterblatt für Gebäude in
Englischen Gärten, nebst einigen Teichformen, um 1770“ bezeichnet – aus dem Be-
sitz Ernsts II. zu sehen, auf dem alle diese „Follies“ abgebildet sind. Nur wenige der
Bauwerke, vor allem die Orangerie, mit dem Wappen von Augusta und Frederick und
Augustas Initiale87, die Große Pagode, die Torbogenruine, der Tempel der Arethusa88
haben bis heute überlebt89 .

Architekturen im 18. und 19. Jahrhundert, in: Exotische Welten. Europäische Phantasien, Berlin
1987, 12–15, 34–36 u. ö.; Gothaer Residenz (wie Anm. 15), 48f. Nr. 3.11; Gwyn Headley und Wim
Meulenkamp, Follies. A National Trust Guide, London 1986, 254: Kew u. ö.; Royal Treasures.
A Golden Jubilee Celebration, hg. v. Jane Roberts, London 2002, 159–161, Nr. 86 u. 87 u. ö.;
Vivian (wie Anm. 5), 435–440; – Bildnis Chambers’ von Jeremiah Meyer (Majer; Sohn des Tübin-
ger Malers Wolfgang Dietrich Majer – Thieme-Becker XXIV, 480, 497) in der National Portrait
Gallery.
82 ADB VI, 446, XIII, 792f.; Max Berbig, Schack Hermann Ewald. Ein Beitrag zur Geschichte
des Hainbundes, in: Mitteilungen der Vereinigung für Gothaische Geschichte und Altertums-
forschung 1903, 88–111, bes. 102; Detlef Ignasiak, Das literarische Gotha. Von den Anfängen bis
zum Ausgang des 20. Jahrhunderts,Bucha bei Jena 2003, 225f.; Siegfried Seifert, Von Voltaire über
Galletti zum „Gotha“. Das Gothaer Verlagswesen um 1800, in: Ernst II. (wie Anm. 7), 345–360,
bes. 347–352.
83 1716–1783.
84 Desmond (wie Anm. 6), 46f., 64–67.
85 Udo Hopf und Catrin Lorenz-Seidel, Die Entstehung des Englischen Gartens in Gotha, in: Im
Reich der Göttin (wie Anm. 27), 105–115, bes. 109–111; zur englischen Terminologie nützlich
das Buch von Michael Symes, A Glossary of Garden History, (Shire Garden History 6) Princes
Risborough 2000.
86 Chambers (wie Anm. 81), 71.
87 Abbildung bei Strong (wie Anm. 69), 54.
88 Abbildungen der Pagode und des Torbogens in: Groom und Prosser (wie Anm. 51), 66 Nr. 81f.
David H. Solkin, Richard Wilson. The Landscape of Reaction, London 1982, 209–212 Nr. 97–99.
89 Mein Dank geht an Susanne Groom (Curator, Works of Art at Historic Royal Palaces), Clarissa
Campbell Orr (Historikerin am Department of Humanities, Anglia Ruskin University Cam-

117
Uwe Jens Wandel

Bute blieb in leitender Position, er war der Vertraute der Prinzessin-Witwe und
Hauslehrer des Kronprinzen George; als Politiker verhasst, war er als Botaniker viel-
gerühmt. 1758 wurde auf Butes Betreiben John Haverfield der Ältere90 zum Ober-
gärtner ernannt – und nicht der schon berühmte Brown, der sich neben anderen um
den Posten beworben hatte –, Haverfield und sein Sohn John Haverfield der Jünge-
re91 leiteten zusammen Richmond Gardens92 . Nach des älteren Haverfields Tod 1784
wurde William Aiton93 sein Nachfolger in Kew, der jüngere Haverfield behielt Rich-
mond Gardens bis 1795; dann übernahm Aitons Sohn William Townsend Aiton94
beide Gärten. Der zweite Sohn John Haverfields des Älteren, Thomas, wurde eben-
falls in Kew beschäftigt, bevor er 1785 die Leitung des Gartens von Hampton Court
übernahm95 . – Die Brüder Haverfield werden uns noch begegnen.
1759 erscheint erstmals der Begriff „Physick Garden“ in Augustas Rechnungen;
er wurde Aiton übertragen – dies waren die bescheidenen Anfänge des botanischen
Gartens in Kew. Beim Tod Augustas, am 8. Februar 177296, war Kew Gardens ei-
ner der bedeutendsten, wenn nicht der bedeutendste botanische Garten der Welt97 .
1802 wurde Kew Gardens mit Richmond Gardens, die Brown inzwischen nach seinen
Prinzipien umgeformt hatte98 , endgültig vereinigt. Zu Augustas Ehren – und nicht zu
Ehren Prinzessin Dianas (wie manche glauben), die es bloß am 28. Juli 1987 eröff-
nete – erhielt ein neues Gewächshaus in den heutigen Royal Botanic Gardens Kew
den Namen „The Princess of Wales Conservatory“99 : Augustas Andenken wird also
in Kew bis heute hochgehalten.

bridge Campus) und Angelika Marks (Mitarbeiterin von Ms. Groom) für die liebenswürdige
Führung in Kew am 4. Juni 2007.
90 Ca. 1694–1784.
91 1744–1820.
92 Desmond (wie Anm. 6), 34; Porträt in der Kew Hunt Library.
93 1731–1793.
94 1766–1849.
95 Angaben nach Desmond (wie Anm. 6), 430 u. ö.; Ders., Dictionary of British and Irish Botanists
and Horticulturists including Plant Collectors, Flower Painters and Garden Designers, London
1994, 326. Für eine Kopie danke ich bestens Uwe Schneider, Berlin, für Auskünfte auch Susanne
Groom. – Elizabeth Haverfield, Tochter des John Haverfield des Jüngeren, wurde von Gainsbo-
rough porträtiert, Bild in der Wallace Collection, London.
96 Notifikationen, Kondolenzen, Trauerreglements etc. in: ThStAGo Geheimes Archiv E VI Nr. 8;
Oberhofmarschallamt Nr. 37; ThStAGo, Fourierbuch (wie Anm. 17) 1772 I berichtet unter dem
23. Februar vom Kurier aus London mit der Trauernachricht, der noch am gleichen Tage nach
Dänemark weiter ritt.
97 Über botanische Gärten der neue Tagungsband: Designing Botanical Gardens: Science, Culture
and Sociability, hg. v. Nicolas Robin, (Studies in the History of Gardens & Designed Landscapes
28, Nr. 3/4).
98 Plan u. a. in den National Archives, Kew; Abbildung in Desmond (wie Anm. 6), 66.
99 Cloutman (wie Anm. 69), 36.

118
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

II. Von Kew nach Gotha

Welche herzoglichen Gärten gab es in Gotha in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts?
Rudolphi in seiner „Gotha diplomatica“ von 1717 nennt ihrer vier:
„1) Das Lust-Gärtlein auf dem Wahl gegen Morgen, In denselben ist ein zierlich
Lust-Hauß mit einem Althan anzutreffen/ benebenst einer Fontaine100
2) Der Ordonanz-Garten unter den Leina-Fluß gelegen/ in welchen eine schöne
Orangerie mit einem Gewächs- und Glaß-Hause und eine Fontaine zu sehen101
3) Der Garten in Friedrichs-Thale/ welcher zu den daselbst wohlaufgerichteten
Lust-Hause gehörig; worinnen auch eine ansehnliche Grotte befindlich102
4) Der Küchen-Garten mit den Gewächs-Hause/ in welchen ein Canal der durch
den gantzen Garten gehet. Dieser Canal ist nicht allein zur Lust mit Cahnen zu
befahren/ sondern auch zu Nutz der Stadt angeleget/ also/ daß man sich dessel-
ben bey Wasser-Mangel in Feuers-Gefahr bedienen und die gäntzliche Quantitæt
Wassers in die Stadt leiten kann“103.
Dazu kommt noch der „Herzoginnen-Garten“104.
Der Küchengarten war von 1695 an zum „Großen Garten“ umgestaltet worden,
durchzogen von dem Kanal, der an beiden Enden in ein ovales Becken mündete,
auf denen wohl die Kähne wenden konnten. 1765 war eines dieser Bassins bereits
verfallen und verfüllt105. Dieses Areal erbat sich der Hofkomponist Georg Anton
(Jiři Antonı́n) Benda am 25. April 1765 geschenkweise zu seinem Garten hinzu106.
Sein Gesuch wurde aber abschlägig beschieden.
Aus gutem Grund, Erbprinz Ernst Ludwig107, der spätere Herzog Ernst II.108 , hat-
te mit dem Gelände ganz andere Pläne. Welche Pläne genau es waren, ob bereits für

100 Heiko Laß, Die Gothaer Gärten des Barock unter Herzog Friedrich II., in: Im Reich der Göttin
(wie Anm. 27), 51–63, hier 57f. Von dem Garten samt Lusthaus ist keine Spur mehr sichtbar, nur
noch Bilder im Schlossmuseum Gotha.
101 Laß (wie Anm. 100), 54–57; er musste von 1747 an dem Orangeriegarten weichen: Helmut-

Eberhard Paulus, Die Gothaer Orangerie unter Herzog Friedrich III., in: Im Reich der Göttin
(wie Anm. 27), 67–76.
102 Laß (wie Anm. 100), 58–62. Die Grotte wurde 1855 abgerissen, der Garten ist nicht mehr vor-

handen.
103 Elisabeth Dobritzsch, Die Gärten Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha, in: Im Reich der Göttin

(wie Anm. 27), 31–50, hier 31–36, 53f.


104 Günter Thimm und Udo Hopf, Der Garten der Herzogin, in: Im Reich der Göttin (wie Anm.

27), 127–133.
105 Plan von ca. 1700 in: ebd. 53; Plan „um 1770“[!]: ebd. 105.
106 ThStAGo Geheimes Archiv LL XII (n) Nr. 6.
107 Geboren am 30. Januar 1745 in Gotha, gestorben ebenda am 20. April 1804.
108 Ernst II. (wie Anm. 7); darin auch: Greiling, Ernst der „Mild-Gerechte“. Zur Inszenierung eines

aufgeklärten Herrschers, 1–22, hier 18f.; zur Ikonographie Ernsts II., dazu Abb. 1–8: Porträts
von Johann Georg Ziesenis (Thieme-Becker XXXXVI, 497–499), Gemäldegalerie Berlin; Gott-
lieb Friedrich Bach, Schlossmuseum Gotha; Johann Jonas Michael (Thieme-Becker XXIV, 506),
Schloß- und Spielkartenmuseum Altenburg, Kopie nach Ziesenis im Museum Schwerin; Jean

119
Uwe Jens Wandel

einen Englischen Garten, ist aber nicht bekannt – möglicherweise deswegen, weil ge-
mäß seinem Willen nach seinem Tode persönliche Papiere verbrannt worden sind. Je-
denfalls begann er zu dieser Zeit mit dem Ankauf privater Gärten, die an den Küchen-
oder Großen Garten angrenzten, so z. B. 1766 des Gartens des gothaischen Kanzlers
Friedrich Karl von Lichtenstein, als sich dieser auf seine Güter in Franken zurück-
zog109, oder des Gartens des Aktuars Müller „neben“ dem Großen Garten110 . In der
Gartenrechnung des Erbprinzen für 1766/67111 sind Aufwendungen für Reparaturen
am Lusthaus südlich des noch vorhandenen Kanalbassins und für eine Sonnenuhr im
Bassin sowie für die Anpflanzung von Laub- und Obstbäumen verbucht, außerdem
wird der Gärtner Jacob Peter Matthäs genannt.
Ob aber tatsächlich das Jahr 1765, als der erste Privatgarten durch Prinz Ernst ange-
kauft wurde, als Datierung des Englischen Gartens in Gotha aufrecht erhalten werden
kann und ob der Untertitel der besagten Gothaer Ausstellung „Der erste Englische
Garten auf dem Kontinent“ berechtigt ist, wird sich noch zeigen112 . Ein zweites Ar-
gument dürfte noch viel weniger stichhaltig sein (und wird hier kurz abgetan): die

Baptiste Greuze (Thieme-Becker XV, 9–12), Schlossmuseum Gotha; zwei Porträts unbekannter
Meister, Schlossmuseum Gotha; Porträtmedaillon von Houdon, Schlossmuseum Gotha; ein Pas-
tell befand sich in Privatbesitz, laut Gotha. Das Buch einer deutschen Stadt, hg. v. Kurt Schmidt,
Band 1, Gotha 1931, Tafel 20; Silhouette der Familie mit den Prinzen August und Friedrich,
Schlossmuseum Gotha; – Beck (wie Anm. 4), 407–428; Ders., Ernst der Zweite, Herzog von
Sachsen-Gotha und Altenburg als Pfleger und Beschützer der Wissenschaft und Kunst, Gotha
1854; Christoph Köhler, Ernst II. – Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg, in: Herrscher
und Mäzene. Thüringer Fürsten von Hermenefred bis Georg II., hg. v. Detlef Ignasiak, Rudol-
stadt und Jena 1994, 310–324. – In den Rechnungsbeilagen in ThStAGo Geheimes Archiv E XIIIc
Nr. 56 fand ich die Quittung des Malers Johann Heinrich Brandt (Thieme-Becker IV, 536f.) über
14 Reichstaler Reisekosten nach Gotha, „um gnädigste Herrschafft en mignature zu mahlen“,
ebenso des Malers Michael für ein „Contrefait en Crayons“ über 25 Reichstaler, in Nr. 57 die des
Malers Ziesenis über 40 Louisd’or für ein Porträt.
109 Huschke (wie Anm. 12), 428f.
110 ThStAGo Staatsmin. Dep. IV Sekr.-Schrank Loc. V Nr. 26a – enthält 21 Kaufbriefe (Akte ist

seit längerem unauffindbar); Kammer Stadt Gotha Nr. 28; vgl. den Plan aus dem ThStAGo:
„Geometrischer Grundriß von dem Englischen Garten [. . . ]“ von Johann Bartholomäus Orphal
mit den Vorbesitzern, der auf der Ausstellung fälschlich „um 1775“ datiert wurde: in Wirklichkeit
handelt es sich um ein Gegenstück zu dem Plan mit dem fertig gestellten Englischen Garten von
1774, ebenfalls von Orphal.
111 ThStAGo Geheimes Archiv E XIII (b) Nr. 5 und 6; E XIII c Nr. 57. Hopf (wie Anm. 85), 106.
112 Paulus (wie Anm. 27), 18, 30; Heiko Laß, Der Englische Landschaftsgarten im 18. Jahrhundert –

Geschichte, Bedeutung und Funktion, in: Im Reich der Göttin (wie Anm. 27), 91; Udo Hopf und
Jens Scheffler, Zur historischen Position des Englischen Gartens in Gotha, in: ebd., 118; dagegen
Michael Niedermeier, Der Herzogliche Englische Garten in Gotha und das Geheimbundwe-
sen, in: ebd. 163–170, hier: 163: „Es handelt sich bei dem Gothaer Garten [. . . ] um einen der
ältesten eigentlich englischen Gärten in Deutschland“. Die sozusagen offiziöse Geschichtsschrei-
bung über den Englischen Garten in Gotha scheint sich zunächst bis 2006 zurückgehalten zu
haben: Der Gothaer Park – seine Geschichte und Natur, hg. v. Museum der Natur Gotha, Gotha
1993, 9: „Nach unserem heutigen Wissensstand ist es der älteste Landschaftsgarten in Thüringen,
der 1769 zeitgleich mit Wörlitz begonnen wurde [. . . ]“; Günther Thimm, Die Parkanlagen um
Schloss Friedenstein, in: Paradiese der Gartenkunst in Thüringen. Historische Gartenanlagen der
Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, hg. v. Helmut-Eberhard Paulus, (Große Kunstführer
der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten 1) Regensburg 2003, 57–76, hier: 61: „Er zählt zu

120
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

Anschaffung einer „Maschine“ zum „Ausreißen“ oder „Ausheben“ von Bäumen und
Wurzelstöcken nach dem Entwurf des Schlossers oder Mechanikus Johann Michael
Wittmann aus Beilngries im Hochstift Eichstätt durch die herzogliche Kammer – also
die für die Domänen und Forsten zuständige Behörde – im Jahre 1765113.
Es ist die Frage, ob ein solcher Superlativ nötig ist – wichtiger wäre, den Gothaer
Park erst einmal bekannt zu machen, denn in der Literatur wird er, im Gegensatz
zu Wörlitz114, bisher stiefmütterlich behandelt115 . Womöglich haben sich die frühen
Einflüsse der neuen englischen Gartenkunst zuallererst in der englischsten Stadt des

den ältesten Landschaftsgärten in Deutschland. 1769, zeitgleich mit den Wörlitzer Anlagen [. . . ]
begonnen [. . . ]“; Günther Thimm, Der Herzogliche Park in Gotha – ein Landschaftsgarten „im
Style des klassischen Brown“, in: ders., Wenn Kunst sich in Natur verwandelt. Begegnungen mit
historischen Gärten in Thüringen, Altenburg 2006, 59–61, hier 59: „Diese Anlage ist [. . . ] 1769/70
nahezu gleichzeitig mit den Wörlitzer Anlagen entstanden, [und zählt] zu den ersten Landschafts-
gärten in Deutschland [. . . ]“; Michael Niedermeier, „Vorhöfe, Tempel und Heiligstes“. Der Her-
zoglich Englische Garten. Entstehung und Bedeutung, in: Ernst II. (wie Anm. 7), 185–199, hier
185: „Einer der ältesten, wenn nicht sogar der älteste ,Englische Garten‘ in Deutschland [. . . ].
Mit einiger Berechtigung darf man den Park in Gotha noch vor Richmond bei Braunschweig
den ältesten eigentlich englischen Garten Deutschlands nennen“; Schloss Friedenstein in Gotha
mit Park. Amtlicher Führer, hg. v. der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, München 2006,
32: „Damit ist der Englische Garten in Gotha nicht nur einer der frühesten Landschaftsgärten
in Deutschland [. . . ]“; 74: „Der Englische Garten, auch Herzoglicher Park genannt, ist einer der
frühesten landschaftlichen Gärten auf dem europäischen Kontinent [. . . ]“. Erst im Zusammen-
hang mit der Ausstellung in Gotha im Jahre 2007 scheint der werbewirksam gedachte Slogan
„Der älteste Englische Garten auf dem Kontinent“ aufgestellt und durch Werbemittel der Stif-
tung Thüringer Schlösser und Gärten auch in den Medien verbreitet worden zu sein (Nachweise
sind hier aus Platzgründen weggelassen)– bis hin zu einer Meldung der Neuen Zürcher Zeitung
(vom 15. Oktober 2007). Es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Legende festsetzt und in der
städtischen Fremdenverkehrswerbung weiter gepflegt wird.
113 ThStAGo Kammer Insgemein Nr. 2222. Danach der Beitrag von Hopf (wie Anm. 112),

117f.; die Verfasser lesen unrichtig „Mittmann“ und nennen die Behörde ebenso unzutreffend
„Hofkammer“. Im Findbuch hat ein Zeitgenosseden Begriff „Waldteufel“für die Maschine nach-
getragen, der auch Eingang fand in das Grimmsche Wörterbuch Band 27 Sp. 1200. Sie war aber
für das Umsetzen größerer Bäume, wegen der Gefahr der Verletzung der Wurzeln und wegen
des großen Gewichts der Bäume, wahrscheinlich nicht geeignet – so das Fazit einer aufgrund
meiner Anfrage angefertigten Ausarbeitung von Frau Friederike von Gadow M. A. vom Institut
für Forst- und Umweltpolitik (Professor Volz), Arbeitsbereich Wald- und Forstgeschichte, der
Universität Freiburg im Breisgau, der ich ganz herzlich danke. Frau von Gadow zitiert aber auch
aus Christian Johann Friedrich Dießkau, Das regelmässige Versetzen der Bäume in Wäldern und
Gärten, Meiningen 1788, 14: „Die jetzt Mode werdende Englischen Anlagen können vieles dazu
beytragen,daß bey Versetzung der Waldbäume ein mehreres Licht verbreitet wird“. Aus der oben
genannten Akte ziehe ich den Schluss, dass die Kammer das Gerät 1765 nur für das Ausheben von
Bäumen und alter Wurzelstöcke in den herzoglichen Forsten hat anfertigen lassen – vom Park
ist nie die Rede. – Eine ähnliche Auskunft gab mir dankenswerterweise Dr. Peter-M. Steinsiek
im Auftrag von Professor Krott, Lehrstuhl für Forst- und Naturschutzpolitik der Universität
Göttingen.
114 Chicago Botanic Garden Encyclopedia of Gardens. History and Design, hg. v. Candice A. Shoe-

maker, 3 Bände, Chicago und London 2001, Band 3, 1453f.


115 Nicht erwähnt in dem älteren Standardwerk von Maria Gothein, Geschichte der Gartenkunst, 2

Bände, Jena 1926; ebenso in der Encyclopedia [Shoemaker (wie Anm. 114)] und in The Oxford
Companion to Gardens, Oxford, New York 1986. Zur Problematik des „ersten“ Englischen Gar-
tens in Deutschland vgl. Rolf Kirsch, Frühe Landschaftsgärten im niedersächsischen Raum, Göt-

121
Uwe Jens Wandel

Festlandes gezeigt, nämlich in Hamburg116. Gotha ist aber sozusagen auch ein Stück
England, zumindest in den Augen von John Murray und seinem Reiseführer von
1836117: „The Palace called Friedenstein is an imposing building, conspicuous at a di-
stance, not unlike Windsor Castle in its situation, and surrounded by similar terraces,
commanding fine views [. . . ]“118 – Nur die Themse fehlt, der Leinakanal ist nur ein
ärmlicher Ersatz! Der Schlosspark kommt bei Murray nur kurz weg: „The Gardens
and Terraces belonging to the palace, and the Boulevards round the town, are agreea-
ble promenades“.
Doch wir sind der Entwicklung vorausgeeilt. 1768 stand erst einmal die Reise des
Erbprinzen Ernst zusammen mit seinem Bruder August119 an. Dies war nicht die ers-
te England-Reise gothaischer Prinzen. Vielmehr waren 1672 zwei Söhne Ernsts des
Frommen, die Prinzen Albrecht und Heinrich, in England gewesen120 . 1691 weilten
Prinz Friedrich (der spätere Herzog Friedrich II.) und sein (1707 vor Toulon gefal-
lener) Bruder Johann Wilhelm, 1723 Friedrich III. und dessen Bruder Wilhelm in
London121 .
Am 3. Mai 1768 schrieb Augusta an ihren Bruder122 : „La permission, que vous avez
donne au deux Prince vôs fils de venir cet Etté me voir me fais la plus grand joye du
monde“, und wenige Tage später, am 12. Mai123 : „je pus vous assurer [. . . ] que leur
Presence contribura beaucoup a adoucir mon chagrin“ (sie hatte nämlich gerade ihre
Tochter Louise verloren)124 .
Die Prinzen waren aber schon am 13. Februar 1768 von Gotha abgereist und über
Frankfurt am Main, Darmstadt, Mainz, Bonn, Köln am 18. März nach Den Haag

tingen 1993, bes. 34f. – Die ortsgeschichtliche Literatur über Gotha hat dem Englischen Garten
ebenfalls kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Insofern ist die Ausstellung in Gotha samt Begleit-
buch durchaus verdienstvoll.
116 Kirsch (wie Anm. 115), 34; Gärten, Landhäuserund Villen des hamburgischenBürgertums. Kunst,

Kultur und gesellschaftliches Leben in vier Jahrhunderten, Ausstellung Hamburg 1975, (Aus den
Schausammlungen des Museums für Hamburgische Geschichte 4) Hamburg 1975, 23.
117 John Murray, Hand-Book for Travellers on the Continent: Being a Guide through Holland, Bel-

gium, Prussia and Northern Germany . . . “, London 1836, 383f.; – Bücher die die Welt verändern,
hg. v. John Carter und Percy H. Muir, Darmstadt 1969, 553–556.
118 Der Vergleich mit Windsor findet sich schon in einem Reiseführer des bekannten Gothaer Publi-

zisten Heinrich August Ottokar Reichard, Der Passagier auf der Reise in Deutschlandund einigen
angränzenden Ländern, Weimar 1801, laut Max Schneider, Gotha in der Reisebücher-Literatur
von 1671–1824, in: Mitteilungen der Vereinigung für Gothaische Geschichte und Altertumsfor-
schung 1906/7, 18–62, hier 19.
119 1747–1806. – Reichard hat für Christian Cay Lorenz Hirschfeld, Theorie der Gartenkunst, Band

4, Leipzig 1782, 234–238, eine Schilderung des Gothaer Parks geliefert; die meisten Illustrationen
des Werks gehen auf den schon genannten Maler Johann Heinrich Brandt (vgl. Anm. 108) zurück.
120 August Beck, Ernst der Fromme, Herzog zu Sachsen-Gotha und Altenburg. Ein Beitrag zur

Geschichte des 17. Jahrhunderts, Weimar 1865, 778.


121 ThStAGo Geheimes Archiv E IV ¤ Nr. 10, Nr. 21f.; Beck (wie Anm. 4), 357 bzw. 382.
122 ThStAGo Geheimes Archiv E IV ¤ Nr. 48 Brief 181.
123 Brief 182.
124 Die Tochter ist am 13. Mai 1768 gestorben – entweder hat sich Augusta im Datum geirrt, oder sie

hat den alten Kalender verwendet.

122
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

gelangt. Hier erst erhielt der Erbprinz die Erlaubnis zur Weiterreise, ebenso August,
der sich eigentlich zu seinem gothaischen Regiment in Herzogenbusch (s’ Hertogen-
bosch) hätte begeben sollen125. Über Breda, Antwerpen, Brüssel, Lille erreichten die
Prinzen und ihr Gefolge am 18. Juni Calais, von wo sie wegen einer Flaute in nicht
weniger als 14 Stunden126 nach Dover übersetzten. Sie kamen in London am Tag der
Illuminationen zu Ehren des Geburtstags König Georgs III. an und bezogen Quartier
in der Suffolk Street, wo schon der Prinzen Vater 1723 gewohnt hatte127 .
Alsbald begann ein Programm von Besichtigungen und Ausflügen, Diners und
Bällen, Jagden und Empfängen bei Hofe, auch Theater- und Opernaufführungen, so
„Macbeth“ von Shakespeare und „La buona figliuola“ von Nicola Piccinni128 . Mit
ihrer Tante waren die Prinzen in Portsmouth und auf der Isle of Wight129. Eine wei-
tere Exkursion führte die Prinzen sogar nach Chatham, wo ein Geschwader von vier
Kriegsschiffen gewaltigen Eindruck auf die Prinzen machte130 . Zu den Schiffen gehör-
te u. a. die „Centurion“, mit der Lord George Anson um die Welt gesegelt war, und
die fast neue „Victory“, die später das Flaggschiff Nelsons bei Trafalgar wurde und die
sie dank ihrem Cousin, dem Duke of Cumberland von innen und außen besichtigen
konnten131 .
Vor allem aber galt das Interesse der Prinzen offensichtlich kleinen und großen
Gärten und Parks. Zuerst besuchten sie natürlich die Gärten ihrer Tante bei „Carlton
House“ und in Kew sowie den benachbarten Garten von Richmond132. Zu Gast wa-
ren sie auch auf verschiedenen Landsitzen, so bei dem berühmten Schauspieler David
Garrick in Hampton an der Themse133 . August sah ihn später im Drury-Lane-Theater
in „Macbeth“ „von dem berühmten Shakespeare“. So sehr er Garricks Schauspiel-
kunst bewunderte, so wenig hatte er, offenbar in den Traditionen des französischen
Theaters mit den klassischen Einheiten der Zeit, des Orts und der Handlung befan-

125 ThStAGo Geheimes Archiv E IV ¤ Nr. 48 enthält 206 Briefe der beiden Prinzen sowie des Kam-
merherrn Christian Georg von Helmolt, des Oberstallmeisters Johann August von Benckendorff
– dieser wurde wegen „Melancholie“ frühzeitig nach Hause geschickt, starb aber auf dem Fähr-
schiff und wurde in St. Mary’s in Dover beigesetzt (Briefe 122, 128; Rechnungen für Bestattung,
Leichenschmaus etc. in ThStAGo Geheimes Archiv E XIII c Nr. 56) – und des Sprachlehrers
Louis Benjamin de Saugy: Rees (wie Anm. 23), 214–219.
126 Benckendorff schreibt sogar von 16 Stunden (Brief 87).
127 Briefe 87, 89.
128 Briefe 116, 136; Julia Burbulla, Der Englandaufenthalt Ernst II. von Sachsen-Gotha (1745–1804)

anlässlich seiner Prinzenreise im Jahre 1768 und dessen Einfluss zum herzoglichen Park in Gotha
[sic], in: Im Reich der Göttin (wie Anm. 27), 93–102.
129 Augustas Brief 186.
130 Brief 108.
131 Porträt Ansons in: Donald Macintyre, Abenteuer der Segelschiffahrt, Gütersloh und Wien 1971,

128; „Victory“: 164; A. Grant, Nelson’s Victory, Portsmouth 3 1952. Frederick schenkte der Uni-
versität Göttingen 1744 ein Modell der „Royal George“, laut Jobst Broelmann und Klaus Frey-
mann, Reiselexikon Schiffahrt, München 1995, 94f., Nr. 97; Bild bei Macintyre 132; vielleicht das
bei Vivian (wie Anm. 5), 65, 300 genannte Schiffsmodell.
132 Brief 88.
133 Brief 108. Zwei Jahrhunderte englischer Malerei (wie Anm. 43), 142f., Nr. 53f.

123
Uwe Jens Wandel

gen, für das Bühnenstück Verständnis, dies freilich auch aus sprachlichen Gründen,
wie er zugab134 .
In London selbst sahen Ernst und August „Rannelagh Gardens“ in Chelsea, jene
beliebte Vergnügungsstätte mit der berühmten Rotunda, in der am 29. Juni 1765 der
damals achtjährige Mozart aufgetreten war – das ganze „fait un spectacle très beau“,
befand Prinz August135 ; sie speisten auch mit einem der Teilhaber des Unternehmens,
Sir Thomas Robinson 136 .
Sie besuchten ferner den Landsitz ihres Cousins, des Duke of Cumberland, der als
Ranger von Windsor Great Park dort die „Windsor“ oder „Cumberland Lodge“ be-
wohnte – „une Campagne charmante“, „un Parc superbe“, meinte Erbprinz Ernst137 .
Nach dem Bericht Benckendorffs waren die Prinzen auch in den Parks von Painshill
zu Gast138, dessen Besitzer damals noch sein Schöpfer Charles Hamilton war – er
musste 1773 verkaufen –, und in Claremont, das Henry Fiennes Clinton, 2. Duke of
Newcastle-under-Lyme gehörte und wo Kent einige „Follies“ gebaut hatte139 .
Vom 14. bis 17. September 1768 machten die Prinzen einen längeren Ausflug140 :
Zuerst ging es zum Landsitz Hungerhill des Flottenkapitäns John Albert Bentinck,
Sohn des Wilhelm Bentinck Graf von Rhoon, auf dessen offenbar allgemein bekannte
Scheidungsgeschichte mit seiner Gemahlin Charlotte Sophie, Briefpartnerin Voltai-
res, in dem Bericht dezent angespielt wird141 , dann über Oxford, mit Besichtigung der
wichtigsten Colleges und der Altertümersammlung, nach Blenheim, „la fameuse Mai-

134 Brief 136 – Transkription in: Rees (wie Anm. 23), 219. Heinz Kindermann, Theatergeschichte
Europas, Band 4, Salzburg 1961, 273f.: Garrick in „Macbeth“; DNB VII, 895–906.
135 Der Prinz schreibt, wie er’s hört: „Rennelah“ – Brief 88. Shoemaker (wie Anm. 114), Band 3,

1053; London. Eine europäische Metropole in Texten und Bildern, hg. v. Norbert Kohl, (Insel-
Taschenbuch 322) Frankfurt am Main 1979, 122–125; Karl Voß, Reiseführer für Literaturfreunde:
London, (Ullstein-Taschenbuch408) Frankfurtam Main u. a. 1977, 294f.; Erich Schenk, Wolfgang
Amadeus Mozart. Eine Biographie, Wien 1955, 123–160; laut von der Osten [(wie Anm. 12), 294]
verwandte sich Grimm, der die Mozarts schon in Paris protegiert hatte, beim Erbprinzen für die
Mozarts, zwecks Empfehlung an Augusta.
136 Brief 116. Er war berühmt für seine verschwenderische Gastfreundschaft, die auch Augusta ge-

noss: DNB XVII, 49–51.


137 Brief 93. Jane Roberts, Royal Landscape. The Gardens and Parks of Windsor, New Haven und

London 1997; Bild von „Cumberland Lodge“ auch in: John Martin Robinson, Royal Palaces:
Windsor Castle. A Short History, London 1996, 58.
138 Hammerschmidt (wie Anm. 66), 110–120; Shoemaker (wie Anm. 114), Band 3, 988f.; The Oxford

Companion to Gardens (wie Anm. 115), 417f.; Patrick Taylor, Eine Reise durch Englands schöns-
te Parks. Englische Gärten und Gartenanlagen, Niedernhausen 2002, 72f.; Peter Sager, Englische
Gartenlust. Von Cornwall bis Kew Gardens, Frankfurt am Main 3 2002, 45–49; Headley und
Meulenkamp (wie Anm. 81), 109–111.
139 Brief 102. Hammerschmidt (wie Anm. 66), 45–50; The Oxford Companion (wie Anm. 115), 120f.;

DNB IV, 332; Hans von Trotha, Der Englische Garten. Eine Reise durch seine Geschichte, Berlin
o. J., 132; Headley und Meulenkamp (wie Anm. 81), 111f.
140 Briefe 129, 137.
141 Brief 129. – DNB II, 285; Genealogisches Handbuch des Adels, Band 25, 215f; ADB II, 343f.;

Haase (wie Anm. 12), 2 m. Anm. 3.

124
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

son batie par la Nation pour le fameux Duc de Marlborough“ (so der Erbprinz)142, wo
der Regen sie freilich an ausführlicher Besichtigung des Parks – das Werk von Brown –
hinderte, bis Buckingham143 . Am nächsten Tag kamen sie nach Stowe, jenem berühm-
ten Park, der jetzt William Temple gehörte und wo Kent und Brown tätig gewesen
sind144 . Über Stowe äußerte sich Prinz Ernst für seine Verhältnisse ganz begeistert:
„une des plus belles Campagne d’Angleterre [. . . ] qui a parfaitement répondue a l’idée
que je m’en etois faite“145. Hier stand ein „Temple of Friendship“, geweiht dem An-
denken oppositioneller Politiker und gewidmet Prince Frederick, dessen Büste darin
aufgestellt war146 .
Mit Bewertungen der besuchten Gärten hielt sich Ernst, der überhaupt kein sehr
eifriger Briefeschreiber war, eher zurück. Dagegen war Prinz August in seinen Ur-
teilen deutlich. Den Garten bei „Carlton House“ nannte er „extremement joli pour
être dans Londres même“147, der Park von Richmond sei „très-beau“148 , aber Kew,
das sei „une image vivante du Paradis terrestre“149 . Im Kontrast dazu fand August
den Park von Hampton Court, der ganz im holländischen Geschmack gehalten sei,
„d’une cimétrie [!] fort ennuyante pour ceux qui ont eu le bonheur de voir Kew“150 .
Am 26. September machten sich die Prinzen auf die Heimreise151. Prinz August
war am 3. Oktober wieder bei seiner Garnison in Herzogenbusch, der Erbprinz ging
nach Paris, Fontainebleau und Versailles. Von Paris reiste er am 21. Dezember ab, am
17. Januar 1769 kehrte er nach Gotha zurück152 .

142 Hammerschmidt (wie Anm. 66), 89–92; Shoemaker (wie Anm. 114), Band 1, 145–149; The Oxford
Companion to Gardens (wie Anm. 115), 59; Taylor (wie Anm. 138), 164f.; Zwei Jahrhunderte
englischer Malerei (wie Anm. 43), 147f., Nr. 58–60; Trotha (wie Anm. 139), 115–123.
143 Headley und Meulenkamp (wie Anm. 81), 219.
144 Hammerschmidt (wie Anm. 66), 51–61; Shoemaker (wie Anm. 114), Band 3, 1259–1263; The

Oxford Companion to Gardens (wie Anm. 115), 536–538; Taylor (wie Anm. 138), 64f.; DNB
XIX, 519; Trotha (wie Anm. 139), 103–113; Headley und Meulenkamp (wie Anm. 81), 226–229.
145 Zu deutsch: „einer der schönsten Landsitze Englands, der ganz der Vorstellung entsprach, die ich

mir davon gemacht hatte“; ungenaue Übersetzung bei Burbulla (wie Anm. 128), 99f. m. Anm.
12; im „Gothaischen Hofkalender“ für 1773 findet sich eine ausführliche Beschreibung des Parks
von Stowe, laut Niedermeier, „Vorhöfe“ (wie Anm. 112), 188.
146 Vivian (wie Anm. 5), 221f., 224f., 260, 321; vgl. Desmond (wie Anm. 6), 12; mit den Opposi-

tionspolitikern William Petty-Fitzmaurice, 2. Earl of Shelburne und Henry Seymour Conway,


Marquis of Hertford (DNB XV, 1005–10013 bzw. DNB IV, 976–982; vgl. Rees und Siebers [wie
Anm. 23], 264), die für den Abgeordneten John Wilkes gestimmt hatten – über den die Prinzen
wohl informiert waren (Brief 88. Wilkes: DNB XXI, 242–250) – speiste Erbprinz Ernst im Juli
1768 (Brief 93).
147 Brief 88.
148 Brief 95.
149 Brief 92.
150 Brief 95. Vgl. Burbulla (wie Anm. 128), 100 m. Anm. 13; Shoemaker (wie Anm. 114), Band 2,

562–565: Brown war zwar hier Royal Gardener gewesen, hatte aber wenig geändert; The Oxford
Companion to Gardens (wie Anm. 115), 242–244; Taylor (wie Anm. 138), 39–41.
151 Brief 139.
152 ThStAGo, Fourierbuch (wie Anm. 17) 1769 I. Reiserechnung Paris-Gotha in ThStAGo Geheimes

Archiv E XIII c Nr. 57. – Schwülstige zweisprachige Publikation des Friedrich Wilhelm Streit aus
Ronneburg, Hofdiakon auf Schloss Friedenstein, der übrigens den unglücklichen Benckendorff

125
Uwe Jens Wandel

Lange sollte Prinz August nicht in Holland bleiben, denn zum Militär fühlte er sich
nicht geboren153 . Im Sommer 1771 unternahm er eine Reise nach Italien, unterbrochen
von einem Aufenthalt am Genfer See und einem Besuch bei Voltaire in Fernay. In
Rom warb er Reiffenstein für Gotha an154 . General der Generalstaaten geworden, ließ
er sich 1774 in Gotha nieder155 und reichte 1775 „aus Gesundheitsgründen“ seinen
Abschied ein. Mit dem bekannten Frederick Augustus Hervey, 4. Earl of Bristol und
Bischof von Derry reiste er 1777/78 wieder nach Italien156. In Gotha erbaute er sich
das heute so genannte klassizistische Prinzenpalais, vollendet 1787, und legte hinter
dem Gebäude seinen eigenen, wenn auch verkleinerten Englischen Garten, komplett
mit Teich und Belt Walk, an157 .
Aber nun zum eigentlichen Englischen Garten. Es kann keine Rede davon sein,
dass Erbprinz Ernst schon im Januar 1769 einen englischen Gärtner mitgebracht oder
dass Haverfield bereits im Februar 1769 in Gotha geweilt habe158 . Vermutlich war –
ohne dass in den Briefen davon gesprochen würde – während des Aufenthalts der
Prinzen mit Augusta verabredet worden, dass sie ihren Gärtner John Haverfield den
Jüngeren159 ihrem Neffen zur Verfügung stellen und ihm auch Pflanzen aus Kew Gar-
dens überlassen werde. Am 18. März 1769 schreibt sie Erbprinz Ernst, sie habe über
den gothaischen Agenten in Hamburg, Paridon Daniel Kern, drei Kisten mit Pflan-
zen an ihn abgeschickt, die bei günstigem Wind in 15 Tagen ankommen könnten160 :
«je pourai vous envoier touts les primtems une Collection, vous garnir v ôtre jardin,

hätte nach Hause begleiten sollen: „The Sentiments of a grateful Heart rejoicing at the Happy
Return of His Future Sovereign. [. . . ] Die Empfindungen eines dankbaren Herzens, das sich über
die höchstbeglükte Zurükkunft Seines künftigen Beherschers freuet [. . . ]“. – Vorhanden in der
Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, Signatur: Goth. 8˚ 145/3.
153 Berger (wie Anm. 9), 220–223; Christoph Köhler, Prinz August von Sachsen-Gotha-Altenburg,

in: 10 Jahre Goethe-Gesellschaft Gotha (wie Anm. 18), 34–54.


154 Rees (wie Anm. 23), 236.
155 Seine damalige Residenz, das Prinzenhaus in der Gothaer Hützelsgasse, in dem auch Grimm

wohnte und Goethe ein- und ausging, fiel 1981 der Zerstörung der Altstadt durch die SED-
Stadtplaner anheim.
156 Rees (wie Anm. 23), 289–292; Das italienische Reisetagebuch des Prinzen August von Sachsen-

Gotha-Altenburg, hg. v. Götz Eckardt, (Schriften der Winckelmann-Gesellschaft 10) Stendal


1985.
157 Heiko Laß, Herzogliches Palais, in: Im Reich der Göttin (wie Anm. 27), 251–253. Im Prinzen-

palais pflegte Prinz Alberts älterer Bruder, der regierende Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg
und Gotha, zu residieren; er baute 1851 einen Wintergarten an, der 1906 wieder beseitigt wurde
– Innenansicht, Aquarell von Carl Trost, abgebildet bei Delia Millar, Views of Germany from
the Royal Collection at Windsor Castle. Ansichten von Deutschland aus der Royal Collection
in Windsor Castle, London 1998, 146f. (Titel unzutreffend). – Das Palais, zu Zeiten der DDR
„Clubhaus der Jugend“, steht leer.
158 So Im Reich der Göttin (wie Anm. 27), 107, 118, 166. Bei der Veröffentlichung handelt es sich

um ein Begleitbuch – mit einem zutreffenden Untertitel – zu der gleichnamigen Ausstellung im


Sommer 2007, mit einem anderen Untertitel: „Der erste Englische Garten auf dem Kontinent“.
Dieser Anspruch wurde weder im Begleitbuch noch in der Ausstellung noch sonst eingelöst.
159 Zu Recht bemerkt Burbulla (wie Anm. 128) 101, dass wegen seines Alters es sich wohl kaum um

John Haverfield den Älteren handeln kann.


160 Brief 190.

126
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

et ce serai un vrai plaisir pour moi si je pouroit contribuer parla, a vôs amusements
champeters».
Nach dem Bericht eines Reiseführers von 1796161 kamen aus Kew besonders nord-
amerikanische Baumarten, wovon sich eine Weymouthskiefer, die sog. Lyra-Kiefer,
erhalten hat162 . Doch wurden auch sonst Sämereien aus Amerika (schon im Juli 1769
für 35 Taler 23 Groschen 11 2/3 Pfennig) sowie Setzlinge oder Blumensamen erwor-
ben, aus dem Lande, ferner aus Erfurt und Nürnberg163 . Bäume kamen in großer Zahl
aus den herzoglichen Forsten.
Weitere Unterlagen zu den Importen aus Kew liegen leider nicht vor. Dagegen
ist ein Versand in der Gegenrichtung gut dokumentiert164 : für 16 Stück Borsdorfer
Apfelbäume, die wohl im Februar 1769 an Augusta abgingen, ist sogar die Rechnung
über 4 Reichstaler erhalten; das Porto kostete noch einmal 3 Reichstaler.
Aber wann kam Haverfield wirklich nach Gotha? Das Fourierbuch 1769 III165
sagt für den 26. August 1769 klar und deutlich: „Dito ist ein Gärtner Haferfiel [!] von
Engeland hier ankommen und hat in der Stadt Ein HofLogi bey Doctor Arnold“166.
1771 wurde er, vielleicht weil der Arzt kränkelte (er starb im Januar 1772), bei Sekretär
Vippach einquartiert167 . Zum Datum August 1769 passt auch, dass am 14. Oktober
dieses Jahres 2 Reichstaler für die Miete eines Bettes auf drei Monate abgerechnet
werden, „worin der Gärtner Haberfield geschlaffen“168.
Und zum anderen: John Haverfield brachte seinen Bruder Thomas mit, oder dieser
kam später nach. Von beiden Haverfields sind Honorarquittungen – unklar für wel-
chen Zeitraum oder ob als Abschlusszahlungen – erhalten: John bestätigte am 11. Juni
1770: „Ce 11me de Juin Recu de Monsieur le Major Orfall deux Cents Ecus“ – also
200 Reichstaler – und Thomas am 5. Oktober desselben Jahres: „J’ai recu de Monsieur
le Major Orffall vingt Louis d’ors“ – also, nach dem damaligen Kurs von 5 Reichsta-
lern auf einen Louisd’or, die Summe von 100 Reichstalern169 . Die Quittung Thomas’
ist, wenigstens nach dem derzeitigen Kenntnisstand, das einzige – und ganz neu als
solches ermittelte – Zeugnis für seine Tätigkeit in Gotha. Das Gothaer Projekt muss
demnach von solcher Wichtigkeit gewesen sein, dass beide Haverfields hier wirkten.

161 Von dem Gothaer Arzt Albert Klebe, Gotha und die umliegende Gegend, erschienen bei Ettinger.
162 98f. Vgl. Richard Waitz, Der herzogliche Park zu Gotha von seiner Entstehung bis auf die jetzige
Zeit, Gotha 1849, 23 (inhaltlich ist das Büchlein dürftig); Hopf und Lorenz-Seidel (wie Anm. 85),
112f.
163 ThStAGo Geheimes Archiv E XIII c Nr. 57.
164 Brief 190. ThStAGo Geheimes Archiv E XIII c Nr. 57 Bl. 270.
165 ThStAGo Fourierbuch (wie Anm. 17); es wurde wohl von den Autoren und Kuratoren der Aus-

stellung nicht ausgewertet.


166 Gemeint ist wohl der Landphysikus Dr. Ludwig Wilhelm Arnold (1721–1772).
167 Laut Quittung für Miete vom 1. Oktober 1771 über 12 Reichstaler – ThStAGo Geheimes Archiv

E XIII b Nr. 9.
168 Ebd. E XIII c Nr. 57.
169 Ebd. E XIII b Nr. 8; Johns Quittung erstmals veröffentlicht in Kunst und Kultur (wie Anm. 18),

19, ohne dass ich damals schon erkannt hätte, dass die zweite Quittung von Thomas stammt. –
Ungenau die Angaben bei Thimm, Die Parkanlagen (wie Anm. 112), 72, und ders., Der Herzog-
liche Park (wie Anm. 112), 52.

127
Uwe Jens Wandel

Ja, erstmals in der Rechnung 1771170 erscheint außerdem ein Gärtner namens Tho-
mas Webb – vermutlich auch ein Engländer – , der noch für 1772 erwähnt wird und
in diesem Jahr eine Reihe von Rechnungen abgezeichnet hat. Webb wohnte zumin-
dest zeitweilig im „Mohren“, dem führenden Haus am Platze, in dem auch Goethe
abzusteigen pflegte171 .
Ein bezeichnender Nachklang der England-Reise: Vom 9. September 1769 datiert
die Rechnung für eine Publikation „Buildings of Kew“, die aber nur 16 Groschen
kostete172 , es ist daher eher unwahrscheinlich, dass es sich dabei um Chambers’ auf-
wendige Veröffentlichung „Plans, Elevations, Sections, and Perspective Views of the
Gardens and Buildings at Kew in Surry“ , 1763, handelt oder um die anonym er-
schienene Raubkopie „Description of the Gardens and Buildings at Kew in Surry“173 .
Vielmehr wird die oben schon erwähnte Graphik mit einem Grundriss des Parks und
Ansichten der Gebäude gemeint sein.
Nach den Rechnungen begannen Ende September 1769 die Ausschachtungsarbei-
ten für den Parkteich. Die Ausgaben wurden von dem schon genannten Ingenieur-
Hauptmann (seit November 1769: Major, August 1772: Obrist-Lieutenant) Johann
Bartholomäus Orphal abgezeichnet, der von nun an eine bedeutende Rolle bei der
Schaffung des Englischen Gartens in Gotha spielte, indem er für das Rechnungswe-
sen verantwortlich war. Orphal hat auch die beiden wichtigsten und genauesten Pläne
des Englischen Gartens – vor dem Beginn der Arbeiten, um 1766 (Abb. 3.1), und nach
Fertigstellung, 1774 (Abb. 3.2) – gefertigt174.
Die Erdbewegungen zogen sich bis ins Jahr 1773 hin. Dabei wurde für wechselnde
Zahlen von Arbeitern abgerechnet – die Angaben schwanken von 20 bis 108 Mann,
und für ein Gartenpferd175 .
Im Frühjahr 1770 waren die Arbeiten voll im Gang: Die Stadtverwaltung Gotha
musste am 2. Mai 1770 besonders der hiesigen Jugend verbieten, Graben und Mau-
ern des erbprinzlichen Gartens zu übersteigen „und dadurch den Arbeitern daselbst
vielfältige Hinderungen zu verursachen“176 . Als Augusta vom 10. September bis 15.
Oktober 1770 in Gotha zu Besuch weilte, war das Werk wohl noch nicht vollen-
det. Die Fourierbücher geben genauestens alle Ausflüge und Vergnügungen wieder,
sie führen Augustas Gefolge auf, sie erwähnen Treffen Augustas mit Familienmit-

170 ThStAGo Geheimes Archiv E XIII b Nr. 9; E XIII A c Nr. 1 Bl. 80, 135.
171 Besitzer war der Kammerdiener Johann Philipp Freytag, der am 4. Januar 1771 starb –
„Wöchentliche Gothaische Anfragen und Nachrichten“ Nr. 1/1770. Kunst und Kultur (wie Anm.
18), 9–11. – Den „Mohren“ ließ die Gothaer Stadtverwaltung im Herbst 2007 abreißen.
172 ThStAGo Geheimes Archiv E XIIIc Nr. 57.
173 Desmond (wie Anm. 6), 437.
174 ThStAGo Geheimes Archiv E XIII c Nr. 57; Pläne: ThStAGo Kartenkammer 176/6; Im Reich

der Göttin (wie Anm. 27), 111; Die Gothaer Residenz (wie Anm. 15), 57f., Nr. 4.1; – Orphal:
„Wöchentliche Gothaische Anfragen und Nachrichten“ Nr. 3/1770 bzw. 21. Aug. 1772; ThStAGo
Fourierbuch (wie Anm. 17) 1769 IV Nov. 1769.
175 ThStAGo Geheimes Archiv E XIII b Nr. 8, 9; E XIII c Nr. 57; E XIII A c Nr. 1, 3. Das Pferd

„crepirte“ am 4. Januar 1772 und musste ersetzt werden.


176 „Wöchentliche Gothaische Anfragen und Nachrichten“ Nr. 19/1770.

128
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

Abb. 3.1: Plan des Areals des späteren Englischen Gartens von Johann Bartholomäus Orphal, um
1766, ThStA Gotha, Staatsministerium Abt. Gotha – Kartenkammer Nr. 180/3.

gliedern, so mit ihrer Schwester Herzogin-Witwe Friederike von Sachsen-Weißenfels


in Langensalza177 und mit ihrer Tochter Erbprinzessin Auguste von Braunschweig-
Wolfenbüttel, sie zählen sogar die einzelnen Masken bei einem Maskenball auf – vom
„Englischen Garten“ ist aber nie die Rede178 . Es heißt nur, dass am 3. Oktober 1770
ein Frühstück „im herzoglichen Küchengarten“ stattgefunden habe. Am 15. Okto-
ber reiste Augusta mit ihrem Sohn William Duke of Gloucester – der inzwischen
nachgekommen war – wieder ab.
Haverfield hatte offenbar nicht nur die Oberleitung über die Gartengestaltung in
Gotha inne, sondern er wurde vom 28.–30. August 1770, übrigens zusammen mit dem
Molsdorfer Gärtner Wehmeyer, auch zur Begutachtung der – nicht verwirklichten –
Änderungspläne für den Garten beim Schloss Ichtershausen hinzugezogen179 .
Für den Gothaer Garten aber fertigte Haverfield offenbar mehrere Entwürfe. Or-
phal berichtet nämlich dem Erbprinzen in einem Promemoria vom 7. August 1770:

177 Vgl. die eher schlichte Biographie von Katrin Mörstedt, Friederike, Prinzessin von Sachsen-
Gotha-Altenburg und letzte Herzogin von Sachsen-Weißenfels, Bad Langensalza 2001, 53.
178 ThStAGo Fourierbuch (wie Anm. 17) 1770 III, IV.
179 Pläne in ThStAGo Kartenkammer 121/19. – ThStAGo Oberhofmarschallamt Nr. 681g – Fourier-

buch für Ichtershausen – freundlicher Hinweis von Frau Rosemarie Barthel, ThStAGo. Im Juni
und August 1771 war Haverfield mit Orphal wiederum in Ichtershausen: ThStAGo Geheimes
Archiv E XIII b Nr. 9; E XIII A c Nr. 1; vgl. Heiko Laß, Ichtershausen, in: Im Reich der Göttin
(wie Anm. 27), 245–248; Haverfield wird dort nicht genannt.

129
Uwe Jens Wandel

„Da nach Monsieur Haberfields letztern Plan von Ihro Her[zoglichen] Durchlaucht
Garten, die GärtnersWohnung zusammt denen [Gewächs-] und Treibhäußern auf
das bereits zugefüllte Passin des [ehe]maligen Canals zwischen der Leina, dem wilden
Grabe[n] und des Kunst-Cämmeriers Herrn Dietz Garten, als [den] schicklichsten Ort
vor diese Gebäude, placiret, auch solches von Höchst-Denenselben gnädigst genehmi-
get worden, und da auch bereits von Höchst-Denenselben zur Vergrößerung des Gar-
tens die verschiedenen Privatis zuständig gewesene Länderey bis an die Kunst-Mühle
erkauffet worden ist, auch über dieses in erwehntem Plan dasjenige kleine [Stük] von
dem Herzoglichen Garten unterhalb der Leina zwischen [dem] Durchgang nach dem
Felde und denen Schönkopfischen und [Geb]hardischen Erben zuständigen Gärten
mit begriffen ist und nunmehro benannte beyden Stüke zur Ausführung [des] Plans
unentbehrlich sind, als habe Ew. Herzoglichen Durchlaucht zu Höchster Anerinne-
rung solches ich hiermit unterthänigst nochmals anzeigen und HöchstDenenselben
die Acquisition bemeldeter beyden Pläze Höchsten Orts baldigst zu bewirken unter-
thänigst anheimstellen sollen“. In der Tat bewilligte Herzog Friedrich III. schon am
20. August, dass das Stück Küchengarten jenseits des Leinakanals vollends „mit des
Erbprinzen Garten vereinbart“ werde180 . Der Teich wird im Sommer 1772 geflutet
worden sein, nachdem am 1. Juli 1772 noch für eine „Abfallsschleuse“ abgerechnet
wurde, mit der der Wasserstand reguliert werden konnte181 . Es war auch ein Kahn
vorhanden, der im April 1774 geteert wird182 .
Ob Haverfield zwischendurch nach England zurückgekehrt und dann wieder nach
Gotha gekommen ist, wie vermutet wird183, dürfte fraglich sein – Nachweise fehlen.
Möglicherweise ging Haverfield 1772 endgültig nach England zurück – jedenfalls
wurde per Dekret vom 12. Oktober 1772 der schon erwähnte Hofgärtner Christi-
an Heinrich Wehmeyer von Molsdorf nach Gotha versetzt; er wird die Gestaltung
des Gartens weitergeführt und vollendet haben184 . Nach seinem Tode 1813 setzte
ihm Ernsts Sohn Prinz Friedrich, nachmals als Friedrich IV. der letzte Herzog aus
dem Hause Sachsen-Gotha-Altenburg185 – dem laut Ernsts Testament der Englische
Garten gehörte –, ein Denkmal: „DEN MANEN DES WÜRDIGEN WEHMEYER
MDCCCXIII“. Seine Witwe heiratete seinen Nachfolger, den Obergärtner Rudolph
Eyserbeck186 , Sohn des Wörlitzer Gärtners Johann Friedrich Eyserbeck187 .

180 ThStAGo Geheimes Archiv E XIII A Nr. 11 Bl. 7 bzw. 8. – Worte in eckiger Klammer sind,
da bei der Akte im Falz, ergänzt. Wie aus Orphals Plänen leicht zu sehen, lag der Garten des
Diez nordöstlich des einstigen westlichen Kanalbeckens, die anderen genannten Gärten lagen im
Osten, ebenso die Kunstmühle, die Wasser zum Schloss Friedenstein hoch pumpte.
181 ThStAGo Geheimes Archiv E XIII A c Nr. 1.
182 Ebd. Nr. 3.
183 Hopf und Lorenz-Seidel (wie Anm. 85), 111.
184 ThStAGo Bestallungs- und Besoldungsbuch 1772 Bl. 78; vgl. Hopf und Lorenz-Seidel (wie Anm.

85), 112; Wehmeyer erhielt ein Monatsgehalt von 25 Reichstalern – ThStAGo Geheimes Archiv
E XIII A c Nr. 3 usw.
185 1774–1825.
186 1765–1849.
187 1734–1818. Vgl. Laß (wie Anm. 112), 89.

130
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

Abb. 3.2: Plan des EnglischenGartens von Johann BartholomäusOrphal, 1774, ThStA Gotha, Staats-
ministerium Abt. Gotha – Kartenkammer Nr. 176/6.

Abb. 3.3: Der Merkurtempel im Englischen Garten Gotha. Photographie von Francis Bedford 1858,
Kunstsammlung der Veste Coburg.

131
Uwe Jens Wandel

Ob freimaurerische Symbolik die Gestaltung des Gothaer Gartens bestimmt –


wobei auf die Zugehörigkeit Fredericks, Ernsts II., Augusts, der Haverfields, Weh-
meyers, Helmolts zur Freimaurei bzw. Ernsts, Augusts, Wehmeyers zum Illumina-
tenorden verwiesen, die Gestaltung von Stowe angeführt, der Merkur-Tempel von
Hermes Trismegistos abgeleitet wird –, das möge dahingestellt bleiben188 .
1772 scheint erstmals die Bezeichnung „Englischer Garten“ gebraucht worden
zu sein: Das Herzogspaar allein mit zwei Hofchargen speiste am 23. Juli 1772 im
„Englischen Garten“189 . Ein Jahr später wurden Fasane im Garten ausgesetzt, deren
Schonung dem Publikum anbefohlen wurde190 . Es ist anzunehmen, dass die Bauar-
beiten jetzt abgeschlossen waren – sie hätten für die Tiere ja Stress bedeutet. 1774
fertigte Orphal seinen „PLAN EXACT DU JARDIN ANGLOIS avec la Situati-
on vers le Chateau de FRIEDENSTEIN, levé et dessiné PAR ORDRES de S[on]
A[ltesse] S[érénissime] MONSEIGNEUR LE DUC par I. B. Orphal 1774“191.
Alle diese Daten zeigen, dass der Park nunmehr – zumindest vorläufig – vollendet
war.
Den Brownschen Prinzipien192 entsprechend, aber vielleicht auch wegen Begren-
zung der Mittel – Ernst war ja bis 1772 nur Erbprinz, seine Schatulle war nicht
unerschöpflich – wurden nur wenige Bauten neu errichtet, darunter zwei Ananas-
häuser nach Orphals Entwurf, später noch weitere dergleichen193 . Es wurden aber
keine Tempel, Pagoden, Moscheen, künstliche Ruinen wie in Kew gebaut, mit einer
Ausnahme: der Merkurtempel in dorischen Formen. Der Entwurf stammte nicht,
wie in der Literatur teilweise noch behauptet, von dem in Dessau tätigen berühm-
ten Baumeister Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, sondern von dem vielseitigen
gothaischen Ingenieur-Lieutenant Carl Christoph Besser, der das heute so genann-
te „Teeschlößchen“ im Garten der Herzogin194, das Salzmannsche Erziehungsinsti-

188 Niedermeier, „Vorhöfe“ (wie Anm. 112); Ders., Der Herzogliche Englische Garten (wie Anm.
112), 163–170. 168 heißt es: „Die Stufen zum Tempel, das mosaische (’musavische’) Rautenpflaster
mit der schon fertigen Basis für die Isis-Diana weisen auf die ursprünglich rituelle Bedeutung
des Tempels hin“ – ein Mosaik (dies ist mit „musavisch“ gemeint) muss nicht unbedingt auf
Rituelles deuten. Der im nächsten Satz behaupteten Lichtöffnung im Dach des Tempels wird
von Heiko Laß und Udo Hopf, Merkur-Tempel, Teeschlösschen und die Gartenarchitekturen im
Gothaer Park, in: Im Reich der Göttin (wie Anm. 27), 145–154, hier 148 m. Anm. 12, vehement
widersprochen.
189 ThStAGo Geheimes Archiv E XIII A c Nr. 1 Bl. 40. Im Reich der Göttin (wie Anm. 27), 111f.;

ThStAGo Fourierbuch (wie Anm. 17) 1772 III.


190 „Gothaische Anfragen und Nachrichten“ vom 20. Aug. 1773; vgl. Laß und Hopf (wie Anm. 188),

153.
191 Kunst und Kultur (wie Anm. 18), 12 Nr. 18; Abbildung bei Thimm, Die Parkanlagen (wie Anm.

112), 74 usw.
192 Die Gothaer Residenz (wie Anm. 15), 55; Laß (wie Anm. 112), 83–85; Hopf und Lorenz-Seidel

(wie Anm. 85), 109–111.


193 Baurechnung 1773/74 in ThStAGo Geheimes Archiv E XIII A c Nr. 3. Zeichnung aus dem

Schlossmuseum bei Heiko Laß und Jens Scheffler, Ananas, in: Im Reich der Göttin (wie Anm.
27), 103f.
194 Thimm und Hopf (wie Anm. 104), 127–133. Udo Hopf, Carl Christoph Beßer, der Baumeister

Herzog Ernsts II. von Sachsen-Gotha-Altenburg und seine Bauten der Parkarchitektur in Gotha,

132
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

tut bei Schnepfenthal195 , die Sternwarte auf dem Seeberg196 gebaut hat und die erste
Dampfmaschine in Thüringen gefertigt haben soll197. Besser hatte sich den Tempel der
Minerva nach „The Antiquities of Athens“, London 1762, zum Vorbild genommen198 .
Der Bau begann 1775 und wurde 1777 vollendet, er fiel, dem Ratschlag Reiffensteins
folgend, schlichter aus als in Bessers Entwurf199 (Abb. 3.3).
Herzog Ernst II. gab sich aber mit dem erreichten Zustand seines Englischen Gar-
tens noch nicht zufrieden und vergrößerte ihn in westlicher und nördlicher Richtung
nach dem Erwerb weiterer Privatgärten 1782200. Im Mai 1782 schrieb Goethe das
Epigramm „Der Park“201 , dessen erste Zeilen auf dem sog. Goethestein im Park wie-
dergegeben sind:

„Der Park
Welch ein himmlischer Garten entspringt aus Oed’ und aus Wüste,
Wird und lebet und glänzt herrlich im Lichte vor mir.
Wohl dem Schöpfer ahmet ihr nach, ihr Götter der Erde!
Fels und See und Gebüsch, Vögel und Fisch und Gewild.
Nur daß euere Stätte sich ganz zum Eden vollende,
Fehlet ein Glücklicher hier, fehlt euch am Sabbat die Ruh.“

in: Die Gothaer Residenz (wie Anm. 15). 59–70, bes. 63–70. – Von 1895–1914 diente es als Kapelle
der englischen Kolonie in Gotha: „May It Please Your Royal Highness“. Herzog Alfred von
Sachsen-Coburg und Gotha. Ausstellung des Thüringischen Staatsarchivs Gotha, Gotha 2000, 26
Nr. V 8.
195 Jens Brachmann, Christian Gotthilf Salzmann und das Ende des Philantropismus, und Christine

Schaubs, Ernst II. und der Einfluß der geheimen Gesellschaften auf die Gründung der Erzie-
hungsanstalt Schnepfenthal, in: Ernst II. (wie Anm. 7), 279–294 bzw. 295–310.
196 Oliver Schwarz, Gothas Entwicklung zu einem europäischenZentrum der Astronomie und Geo-

däsie, in: Die Gothaer Residenz (wie Anm. 15), 155–168.


197 Voranschlag für den Tempel in: ThStAGo Staatsmin. Dep. IV Sekr.-schrank Loc. V Nr. 26a;

Baurechnungen in: ThStAGo Geheimes Archiv E XIII A c Nr. 4–6. Entwurfszeichnungen in


der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha: Hopf und Lorenz-Seidel (wie Anm.
85), 114. Laß und Hopf (wie Anm. 188), 145–149. Kunst und Kultur (wie Anm. 18), 13, Nr. 13.
Udo Fehrmann, Der sächsische Baumeister Carl Christoph Besser und sein Schaffen in Thürin-
gen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen
Universität Dresden 13 (1964), Heft 1. Conrad Matschoss, Geschichte der Dampfmaschine. Ihre
kulturelle Bedeutung, technische Entwicklung und ihre großen Männer, Berlin 1901, 86. Otfried
Wagenbreth, Helmut Düntzsch und Albert Gieseler, Die Geschichte der Dampfmaschine. Histo-
rische Entwicklung, Industriegeschichte, Technische Denkmale, Münster 2002, 132, 406.
198 Laß und Hopf, (wie Anm. 188), 147.
199 Ebd., 147f. Hopf (wie Anm. 194), 62.
200 ThStAGo Kammer Stadt Gotha Nr. 28; Plan 1782: ThStAGo. Hopf und Lorenz-Seidel (wie Anm.

85), 115. Udo Hopf und Günther Thimm, Die Entfestigung des Friedenstein und die Zusammen-
führung der einzelnen Gärten, in: Im Reich der Göttin (wie Anm. 27), 135–143, hier 141: Plan
1795 von Johann Rudolph Eyserbeck – ThStAGo Kartenkammer 176/6. Plan von 1796 in dem
genannten Führer von Albert Klebe (wie Anm. 161), auch wiedergegeben in: Schmidt (wie Anm.
108), Anhang.
201 WA Abt. I Band 2, 129. Kunst und Kultur (wie Anm. 18), 13, Nr. 21.

133
Uwe Jens Wandel

Weitere Erweiterungspläne Ernsts II., die den Park zu einem der größten Land-
schaftsgärten Deutschlands gemacht hätten, konnten nicht verwirklicht werden202 .
Ernsts Sohn Friedrich dehnte den Park noch etwas in westlicher Richtung aus203 .
Die meisten Märchen enden so: Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie
noch heute. Doch in der Realität geht es anders zu: Ernst II. starb am 20. April 1804
und wurde, seinem letzten Willen folgend und wohl nach dem Vorbild von Jean-
Jacques Rousseau, auf der Insel im Parkteich beigesetzt – ohne Sarg, ohne Reden,
ohne Stein204. Dort hatte er schon 1779 seine beiden Söhne Erbprinz Ernst205 und
dessen Bruder Ludwig206 in einer von Besser entworfenen Gruft bestatten und ei-
ne Grabsäule nach Reiffensteins Angaben – ausgeführt durch den Houdon-Schüler
Friedrich Wilhelm Doell207 – aufstellen lassen208 . Später kamen noch die Gräber von
Herzog August, Herzog Friedrich IV. und Herzogin Caroline, Augusts zweiter Ge-
mahlin209, hinzu210. Lange nach Ernsts Tod, 1819, wurde eine Fähre zur jetzt so
genannten „heiligen Insel“ eingerichtet, „damit jedermann bei dem Grabe des Ge-
rechtmilden weilen könnte“211. Dies taten 1845 Königin Victoria und Prinz Albert im
Rahmen ihres Staatsbesuchs in den Herzogtümern Coburg und Gotha.
Auch in seiner jetzigen, noch etwas verwilderten Form erinnert der Schlosspark
an Ernst II., der einen der ältesten Englischen Gärten in Deutschland geschaffen hat.
Ungefähr gleichzeitig mit dem Gothaer Garten entstanden zwei „verwandte“ Gärten,
Richmond bei Braunschweig und Hohenzieritz in Mecklenburg-Strelitz212 , verwandt
in zweifachen Sinn: Zum einen entstammten die Auftraggeber dem Familienkreis Au-
gustas, und zum anderen gingen ihnen englische Gärtner zur Hand:
Richmond wurde für Augustas Tochter Augusta, Herzogin von Braunschweig-
Wolfenbüttel, wohl nach Plänen Browns geschaffen;
in Hohenzieritz ließ sich Carl von Mecklenburg-Strelitz – Bruder der Prinzessin
Sophie Charlotte, die Augustas Sohn König Georg III. heiratete – von dem „engli-
schen“ Gärtner Thomson einen Park anlegen; Thomson wird mit dem schottischen
Gärtner Archibald Thomson213 gleichgesetzt, der im Dienste des Earls of Bute stand.

202 Niedermeier, „Vorhöfe“ (wie Anm. 112), 197f.


203 Thimm, Der Herzogliche Park (wie Anm. 112), 52.
204 Sentimentale Schilderung bei Waitz (wie Anm. 152), 10–12. Greiling (wie Anm. 108).
205 1770–1779.
206 Geboren und gestorben 1777.
207 1750–1816. Thieme-Becker IX, 364f. Rau (wie Anm. 17), 268. Kunst und Kultur (wie Anm. 18),

33f., Nr. 64, 66, 67.


208 Inschriften der Grabsäule bei Hans-Jürgen Hinrichs, Lateinische und griechische Inschriften in

Gotha und Umgebung, Band 2, Erfurt-Gotha 1999, 296–298. Waitz (wie Anm. 162), 9, Bild:
Frontispiz.
209 1771–1848.
210 Sascha Winter, Die ’Heilige Insel’ im Englischen Garten in Gotha, in: Im Reich der Göttin (wie

Anm. 27), 155–161.


211 Waitz (wie Anm. 162), 13. Abbildung bei Winter (wie Anm. 210), 157.
212 Köhler (wie Anm. 27); Heiko Laß, Die Gärten in Braunschweig-Richmond und Hohenzieritz,

in: Im Reich der Göttin (wie Anm. 27), 119–126.


213 1752–1832.

134
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha

In Gotha hatte Ernst II. von 1765 an private Gärten angekauft, um den Küchen-
oder Großen Garten unterhalb des Schlosses Friedenstein in welcher Art auch im-
mer zu erweitern. Sicherlich beeinflusst durch die Besichtigung von Kew Gardens
und anderer englischer Landschaftsparks während seiner England-Reise 1768, hat er
sich zur Anlegung eines Englischen Gartens in Gotha entschlossen. Zur Umsetzung
seines Plans bat er seine Tante Augusta Princess of Wales, ihm Gärtner aus Kew zu
überlassen. So kam Ende August 1769214 John Haverfield der Jüngere, ebenso kamen
dessen Bruder Thomas und der Gärtner Thomas Webb nach Gotha. Die ersten Ar-
beiten begannen im September des Jahres 1769, vermutlich 1773 dürfte der Englische
Garten vorerst fertig gestellt gewesen sein, der Merkurtempel war 1777 vollendet.
Dass gerade in Gotha ein solcher authentischer Englischer Garten entstehen konn-
te, verdankt sich nicht zuletzt den englisch-gothaischen Beziehungen, die mit der
Heirat von Prinzessin Augusta, der Schöpferin von Kew Gardens, erstmals geknüpft
worden waren. Zudem konnten englische Gartenkunstideen am weltoffenen, für neue
Gedanken empfänglichen Gothaer Hof auf fruchtbaren Boden fallen. Beides zusam-
men schuf die Rahmenbedingungen für einen kulturellen Transfer zwischen Gotha
und Kew, Kew und Gotha.
Dass der Englische Garten in Gotha der älteste auf dem europäischen Festland
gewesen sei, ist höchst fraglich. Sicher ist aber, dass er von den drei gleichzeitig und
im verwandtschaftlichen Umkreis Augustas um 1769 entstandenen Gärten nicht nur
der größte, sondern wohl auch der „englischste“ ist, da er nach den Plänen eines
englischen Gärtners von englischen Gärtnern am Ort verwirklicht wurde. Es käme
nun darauf an – um noch einmal die Märchenmetaphorik zu bemühen – ihn aus dem
Dornröschenschlaf zu wecken.

214 Während die anderen Ortsgeschichten Gothas sich eher vage ausdrücken – so auch August Beck,
Geschichte der Stadt Gotha, (Geschichte des gothaischen Landes 2) Gotha 1870, 61–63 – findet
sich das Jahr 1769 in dem Büchlein von Ernst Schlegel, Uebersichtliche Zusammenstellung der
Geschichte Gotha’s von Begründung der Stadt an bis Ende des Jahres 1866, Gotha 1869, 35.

135
Jens Scheffler

„Kunstlos und wahr hervorzubringen gewusst . . . “


Ein Beitrag zur Geschichte und aktuellen Situation des Englischen Gartens
im Schlosspark Gotha

Über vierhundert Jahre Entwicklungsgeschichte haben ihre Spuren im heutigen Er-


scheinungsbild des Schlossparks Gotha hinterlassen (Abb. 4.1).
Die insgesamt 35 Hektar große Parkanlage entstand aus den einzelnen, um das
Schloss angeordneten Gärten, die erst im 19. Jahrhundert mit der landschaftlichen

Abb. 4.1: Luftbild Schlosspark Gotha, 2005, Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

137
Jens Scheffler

Gestaltung der so genannten „Anlagen“ miteinander verbunden wurden1 . Auf den


ersten Blick wird der Schlosspark heute von den Veränderungen der letzen achtzig
Jahre geprägt. Ursache dafür ist vor allem die Entwicklung vom fürstlichen Schloss-
park zum Stadtpark. Aufgrund des öffentlichen Status2 und der innerstädtischen Lage
änderten sich die Nutzungsansprüche. Bereits 1952 wurde der Park unter Denkmal-
schutz gestellt, doch führten Vandalismus, Übernutzung und zum Teil Unkenntnis
über den kulturhistorischen Wert zu erheblichen Beeinträchtigungen und zur Abwer-
tung der Parkanlage3 .
Seit 2004 ist die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten Eigentümerin von Schloss
Friedenstein und des Schlossparks Gotha. Grundlegendes Ziel ist die Erhaltung und
Entwicklung der kulturhistorisch bedeutenden Parkanlage in ihrer Gesamtheit. In
erster Linie geht es hierbei um die Bewahrung der denkmalwerten Substanz und eines
authentischen Erscheinungsbilds, so dass die historische Entwicklung der Gartenan-
lagen für nachfolgende Generationen im Bestand erkennbar bleibt.
Zu den herausragenden Gärten im Schlosspark Gotha gehört zweifellos der Engli-
sche Garten, dessen interessante Entstehungsgeschichte und große kulturhistorische
Bedeutung erst seit letzter Zeit eingehend untersucht werden4 . Hier spiegelt sich die
aufgeklärte Weltanschauung des Gothaer Fürstenhofes unter Ernst II. Ludwig von
Sachsen-Gotha-Altenburg (geb. 1745, reg. 1772–1804) in der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts in der Darstellung des Idealbilds der Natur in einer vollkommenen Art
wider. Die Entstehung des Englischen Gartens ist eng mit der Persönlichkeit Ernst II.
verknüpft.
Nachdem im Sommer 1765 im Auftrag der Hofkammer Gotha drei „Maschinen
zum Ausheben großer Bäume“ angefertigt worden waren5 , erhielt Erbprinz Ernst
Ludwig (1745–1804) 1766 den südlich des Schlosses befindlichen Großen Garten zu
seiner persönlichen Verfügung, um im folgenden Jahr große Bäume aus dem heimi-
schen Forst in seinen Garten nach Gotha zu verpflanzen. Bereits im Herbst 1766
waren die ersten Nachbargrundstücke zur Anlage seines Landschaftsgartens südlich

1 Catrin Lorenz-Seidel, Die Geschichte der Gothaer Gärten bis 1918, in: Im Reich der Göttin
Freiheit, Gothas fürstliche Gärten in fünf Jahrhunderten, hg. v. d. Stiftung Schloss Friedenstein
Gotha, (Gothaisches Museums-Jahrbuch 11) Weimar 2007, 177–188.
2 Seit 1827 erfolgte die schrittweise Öffnung der fürstlichen Privatgärten. 1938 wurde der Schloss-
park schließlich der städtischen Grünflächenverwaltung Gotha zugeordnet.
3 Jens Scheffler, Der Schlosspark Gotha heute, denkmalpflegerische Ziele und Entwicklungspoten-
tiale, in: Im Reich der Göttin (wie Anm. 1), 209–216.
4 Publikationsbeispiele: (1) Schloss Friedenstein in Gotha mit Park, hg. v. d. Stiftung Thüringer
Schlösser und Gärten, München und Berlin 2006. (2) Ernst II. von Sachen-Gotha-Altenburg, Ein
Herrscher im Zeitalter der Aufklärung, hg. v. Werner Greiling, Andreas Klinger und Christoph
Köhler, Köln u. a. 2005.
5 Thüringisches Staatsarchiv Gotha (im Folgenden: ThStA Gotha), Kammer insgemein Nr. 222.
Anm. d. V. Die Holzkonstruktion diente zum Ausheben großer Bäume, welche dann auf ein
Pferdegespann verladen und an ihren Bestimmungsort transportiert wurden. In der Regel erfolg-
te die Verpflanzung großer Bäume außerhalb der Vegetationsperiode im Herbst und im Winter.
Mit dieser Methode sollte der gewünschte Raumeindruck und eine natürlich anmutende Gehölz-
pflanzung bereits während der Entstehung des Gartens geschaffen werden.

138
Geschichte des Englischen Gartens in Gotha

des Leinakanals hinzu gekauft worden. Für die Ausführung der Arbeiten war der
Hofgärtner Jacob Peter Matthäs verantwortlich6 .
Erst aus der Zeit nach der Englandreise7 von Ernst Ludwig 1768 gab es Pläne
zur Gestaltung eines Englischen Gartens nach den damals in England modernen Ge-
staltungsprinzipien des Gartenkünstlers Lancelot Brown (1716–1783)8. Aus England
kam der englische Hofgärtner in Richmond Gardens, John Haverfield d. J. (1741/44–
1820)9 nach Gotha, unter dessen Leitung von 1769 bis 1771 Planung und Ausführung
des Gartens erfolgten (Abb. 4.2).

Abb. 4.2: Portrait John Haverfield d. J. (1741/44–1820),


ohne Datum; Hunt Library Kew.

Der so genannte Orphal-Plan10 von 1774 ist der früheste noch vorhandene Plan des
Englischen Gartens und zeigt den bis dahin erreichten Zustand der Anlage. Wichtigs-
tes Gestaltungselement war der so genannte „belt walk“, ein großer ungefähr drei
Meter breiter Rundweg, der am Rand des Gartens durch einen Gehölzgürtel (belt)
verlief und von dem aus an bestimmten Stellen malerische Einblicke in den Park
inszeniert wurden. Im südöstlichen Bereich des Gartens führte eine Sicht über den ei-
gens dafür angelegten Aha-Graben aus dem Garten hinaus bis zum Thüringer Wald.
Insgesamt war der Englische Garten komplett eingefriedet und für die Öffentlichkeit
nicht zugänglich.

6 ThStA Gotha, Geheimes Archiv E XIII. b. Nr. 5.


7 Julia Burbulla, Der Englandaufenthalt Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg anlässlich seiner
Prinzenreise im Jahre 1768 und dessen Einfluss zum herzoglichen Park in Gotha, in: Im Reich
der Göttin (wie Anm. 1), 93–102.
8 ThStA Gotha, Geheimes Archiv E XIII A Nr. 11.
9 John Haverfield d. J. (1841/44–1820) war der Sohn von John Haverfield d. Ä. (1705–1784), der ab
1758 als Head Gardener in Kew und ab 1762 in Richmond Logde in Stellung war. Zu dieser Zeit
arbeitete Haverfield d. J. bei seinem Vater in Richmond. 1763/64 wurden die dortigen Gartenan-
lagen unter der Leitung von Lancelot Brown umgestaltet. Nach dem Tod seines Vaters übernahm
Haverfield 1784 die Stelle, 1794 gab er das Amt auf und machte sich selbständig. In der folgenden
Zeit avancierte er zu einem sehr gefragten Garden Designer in England.
10 Vgl. den Beitrag von Uwe Jens Wandel, Von Gotha nach Kew – von Kew nach Gotha. Zur
Entstehung des Englischen Gartens in Gotha, in diesem Band, ***–***.

139
Jens Scheffler

Den Höhepunkt der landschaftlichen Gestaltung stellte der große Parkteich mit
der Insel und seinen serpentinenförmig geschwungenen Ufern in Brown’scher Ma-
nier dar. Geschickt ordnete Haverfield den Teich so in das Areal, formte dessen Ufer
und platzierte die Insel und die Gehölzpflanzungen, dass seine wahre Größe vom Be-
trachter nicht erfasst werden konnte. „[. . . ] dieses Wasser ist nur ein großer See, [. . . ]
seine unabsehbare, spiegelhelle Fläche, die durch Wiesen und Gehölze Stundenweit zu
gleiten scheint, dankt ihre Fernung einem glücklichen Betrug, den der englische Gärt-
ner, [. . . ], durch einige unmerkbare Krümmungen und Vorsprünge von Baumgruppen
und Rasenrainen, so kunstlos und wahr hervorzubringen gewusst hat, daß sich das Au-
ge nicht satt sehen kann“11 , beschreibt der Bibliothekar Reichard aus Gotha Ende des
18. Jahrhunderts in Hirschfelds „Theorie der Gartenkunst“ die großartige Wirkung
der Komposition (Abb. 4.3).

Abb. 4.3: Partie im Herzoglichen Park (Blick zur Heiligen Insel), Ansichtskarte um 1900; Privatbe-
sitz.

Nach der Rückkehr von Haverfield 1771 nach England führte der englische Gärt-
ner Thomas Webb die Arbeiten in Gotha fort12 . Im letzten Abschnitt seiner Entste-
hungsgeschichte wurde der Englische Garten von 1780 bis 1782 nach vorhandenen
Plänen westlich erweitert.

11 Christian Cay Lorenz Hirschfeld, Theorie der Gartenkunst, Bd. 4, Leipzig 1782, 237.
12 ThStA Gotha, Geheimes Archiv E XIII. c. Nr. 59, Belege zu Gartenrechnungen.

140
Geschichte des Englischen Gartens in Gotha

Abb. 4.4: Blick über den Parksee zum Merkur-Tempel, Foto: Scheffler 2007; Privatbesitz.

Nach der Brown’schen Idee von der Gestaltung der Landschaft ist der Englische
Garten ursprünglich sehr sparsam mit Bauwerken und Denkmalen ausgestattet wor-
den. Neben einem Gartenhaus wurde von 1775 bis 1777 der Merkur-Tempel nach den
Entwürfen von Carl Christoph Beßer (1726–1800) errichtet (Abb. 4.4).
Das Bauwerk gilt als die erste Rezeption der klassischen griechischen Antike in
Deutschland13 . Die großartige Wirkung des Bildmotivs offenbart sich dem Betrachter
insbesondere von der gegenüberliegenden Seite des großen Parkteiches. Charakteris-
tisch ist die leicht ansteigende Wiesenlichtung, in dessen Zentrum, eingefügt in den
dunklen Gehölzrand, der Tempel als ein helles Bauwerk den Blickpunkt bildet. Der
Standort ist so ausgewählt, dass sich der Tempel einschließlich der davor gelagerten
Wiesenböschung sowie der gesamten Baumkulisse im Wasser spiegelt. Im Frühjahr
2007 erfolgte die Instandsetzung des Tempelumfelds nach den historischen Vorga-
ben. Dazu wurden die nachweisbaren Wege im Bestand freigelegt und die ursprüng-
lichen Geländeverhältnisse wiederhergestellt. Ergänzungen und Beeinträchtigungen
aus dem 20. Jahrhundert sind an der Stelle zurückgebaut worden.
Der Englische Garten in Gotha gehört nicht nur zu den frühesten landschaftlichen
Gartenanlagen in Deutschland, sondern kann als erster englischer Garten auf dem
europäischen Festland angesehen werden, in dem die Grundsätze der landschaftlichen

13 Heiko Laß und Udo Hopf, Merkur-Tempel, Teeschlösschen und die Gartenarchitekturen im Go-
thaer Park, in: Im Reich der Göttin (wie Anm. 1), 145–154.

141
Jens Scheffler

Abb. 4.5: Der englische Garten, Plan 1890 von Gustav Zahn, in: Gustav Zahn, Die Bäume und
Sträucher der „Anlagen“ und des Herzoglichen Parks zu Gotha, Gotha 1891.

Gartengestaltung im Sinne Browns auf kleinstem Raum in idealer Weise verwirklicht


wurden. Im Wesentlichen blieb die ursprüngliche Gestaltung des Englischen Gartens
aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis heute erhalten.
Für die Erhaltung und Entwicklung des Englischen Gartens wurde 2006 eine denk-
malpflegerische Zielstellung erarbeitet14 . Leitbild ist die Gestaltung des Gartens von
Ende des 19. Jahrhunderts bis 1918 (Abb. 4.5).
Angestrebt wird die Annäherung an das Ideal des abgeschlossenen höfischen Erbes
in Gotha. Dabei kommt den aus der Entstehungszeit erhaltenen Teilen der Anlage,
wie zum Beispiel dem großen Parkteich mit der Insel, Teilen des „belt walks“ oder
dem Merkur-Tempel eine besondere Bedeutung zu. Aber auch Zeugnisse des 19. und

14 Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Denkmalpflegerische Zielstellung Schlosspark Gotha,


unveröffentlicht, Aktualisierung 2006.

142
Geschichte des Englischen Gartens in Gotha

20. Jahrhunderts, die keine Beeinträchtigung des Gartenkunstwerks darstellen, sollen


als Teil der Geschichte des Parks respektiert werden.
Große Sorgen bereitet aktuell der Altbaumbestand im Englischen Garten, der zum
Teil noch aus der Entstehungszeit stammt. Vor allem die alten bis zu 250-jährigen
Eichen (Quercus robur) und Rot-Buchen (Fagus sylvatica) befinden sich in einem
schlechten Zustand und sterben schrittweise ab. Das hat teilweise natürliche alters-
bedingte Gründe, aber zum großen Teil wird der Verfall durch Umwelteinflüsse (in-
nerstädtische Lage, Baumaßnahmen etc.) negativ beeinflusst. Mit dem Verlust dieser
Baumriesen geht nicht nur die malerische Ansicht, sondern auch ein Stück histori-
scher Glaubwürdigkeit des Gartendenkmals unwiederbringlich verloren. Mit dieser
Tatsche umzugehen, ist eine der dringenden Aufgaben der Gartendenkmalpflege in
den nächsten Jahren.
Der Englische Garten ist Teil des Ensembles Schloss Friedenstein mit dem Schloss-
park Gotha, das in seiner Gesamtheit zu den bedeutendsten Residenzschlossanlagen
in Deutschland gehört. Auf beeindruckende Weise spiegelt sich das Zusammenspiel
von Wissenschaft, Politik, Kunst und Kultur der ehemaligen Residenz Gotha auch in
der Entwicklung der Gartenanlagen wider. Das Ideal des englischen Landschaftsgar-
tens von Gotha stellt ein höfisches Universum dar, in dem mit künstlerischen Mitteln
eine veredelte Natur inszeniert wird, die Ausdruck einer höfischen Weltanschauung
ist, welche den Bereich der Natur als Refugium einer besseren Welt betrachtet15 .

15 Helmut-Eberhard Paulus, Im Reich der Göttin Freiheit, in: Im Reich der Göttin (wie Anm. 1),
9–30.

143
Alfred Schelter

Der Rosenauer Schlosspark – Ein mittelalterlicher Traum

I. Der Adelsansitz Rosenau vor dem Erwerb durch die Coburger Herzöge

Herzog Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1750–1806) erwarb,


wohl auf Drängen seines Erbprinzen Ernsts (∗ 4.5.1784 in Coburg – 1844), ein Jahr
vor seinem Ableben das Kammergut Rosenau. Zum Kammergut gehörte neben Wirt-
schaftsgebäuden ein Schlösschen, das erstmals 1439 urkundlich Erwähnung fand1 . Im
Laufe der Geschichte wechselte der einstige Ritteransitz öfters den Besitzer und das
Schlösschen wurde während seines über dreihundertjährigen Bestands den jeweiligen
Anforderungen gemäß mehrfach baulich umgestaltet ohne aber seinen mittelalter-
lichen Kern zu verlieren. Von der einstigen Funktion eines Rittersitzes mit Befes-
tigungsanlagen allerdings waren nur mehr wenige Reste in Form zweier Rundtür-
me und einiger Mauerreste erhalten. Wehrhaftigkeit aber war auch für den vorletz-
ten Besitzer, dem Ornithologen und Gotha-Meiningischen Geheimrat Johann Ferdi-
nand Adam Freiherr von Pernau (1660–1731) nicht erforderlich, er nutzte den Ansitz
für vogelkundliche Studien und nach dem Rückerwerb2 der Rosenau durch Herzog
Friedrich II. von Sachsen-Gotha im Jahre 1721 diente das ziemlich heruntergewirt-
schaftete und deshalb erst einmal wieder herzurichtende Schlösschen als Verwaltungs-
sitz für die im herzoglichen Gothaschen Besitz befindlichen landwirtschaftlichen Flä-
chen des Kammergutes.

II. Der Erbprinz – der junge Regent Ernst III.

Unmittelbar nach dem Ableben seines Vaters begann Herzog Ernst III. von Sachsen-
Coburg-Saalfeld, ab 1826 Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha, mit der Rück-
verwandlung der Rosenau in ein mittelalterliches, nämlich ein gotisches Schlösschen.

1 Norbert H. Ott, Schloss Rosenau. Vom Rittergut zur herzoglichenSommerresidenz, in: Jahrbuch
der Coburger Landesstiftung (1969), 61–154.
2 Die Rosenau war nach dem Kauf durch Friedrich Grund eines lang anhaltendenStreites zwischen
den Coburger – auf deren Territorium die Rosenau lag – und den Gothaern Herzögen, der erst
durch einen kaiserlichenSchiedssprucham 28. Dezember 1735 zugunsten Gothas beendet wurde;
Ott (wie Anm. 1), 76.

145
Alfred Schelter

Abb. 5.1: Herzog Ernst III. von Sachsen-Coburg-


Saalfeld, ab 1826 Herzog Ernst I. von Sachsen-
Coburg und Gotha, Foto: Schelter.

Bald darauf ließ er auch das unmittelbare Umfeld in eine „englische Landschaft“ um-
gestalten.
Was mag ihn bewogen haben, auf die Gotik als Stilmittel zurückzugreifen? Viel-
leicht lag einer der Gründe bereits in seiner streng konservativen Prinzenerziehung
unter Hofrat Jenichen und später unter dem allmächtigen Minister Kretschmann, die
kaum Raum für die brennenden aktuellen politischen Fragen einer modernen Staats-
führung ließ, wie sie nach der französischen Revolution eigentlich hätten selbstver-
ständlich sein sollen. Die gottgewollte Ständeordnung und ein Regierungsrecht, wel-
ches er in einer Betrachtung folgendermaßen formulierte: „Die höchste Gewalt ist das
Recht des Regenten, die Mittel zu jedem Zweck des Staates zu wählen“3 , waren für
Ernst handlungsbestimmendes Gedankengut.
Vielleicht war auch die bürgerliche französische Revolution, welche die von Gott
gegebene Allmacht der Fürsten zutiefst erschütterte, mit ausschlaggebend für eine
Flucht zurück in eine verklärte, heile Welt der Ritter, dorthin, wo Minnesang und
Heldenmut tugendhaft von den Edelfreien gelebt wurde.
Nach dem frühen Tod des Vaters im Dezember 1806 musste er wenigstens proto-
kollarisch die Landesgeschicke übernehmen. Noch traf seine Mutter Auguste Caro-
line Sophie die politischen Entscheidungen – pro Napoleon, pro Rheinbund – und
konnte so die Auflösung des Kleinherzogtums verhindern. Doch schon bald, wenn
auch auf Drängen seiner Mutter, ergriff er im Frühsommer die Chance, die politische
Verantwortung für sein Herzogtum zu übernehmen und die begonnene Politik fort-
zusetzen, natürlich mit dem Ziel die umwälzenden Verhältnisse für Coburg zu nutzen
und das Herzogtum territorial zu vergrößern. Wagemutig wie ein edler Ritter mag er

3 Harald Bachmann, Herzog Ernst I. und der Coburger Landtag 1821–1844, in: Coburger Hei-
matkunde und Landesgeschichte, Reihe II/Heft 23 (1973), 15.

146
Der Rosenauer Schlosspark

sich gefühlt haben, er reiste viel, stellte sich trotz seiner Jugend als gleichrangig im
Reigen der Rheinbundfürsten dar und traf Entscheidungen im Kreise europäischer
Fürsten. Größte politische Weitsicht bewies er, als er rechtzeitig die Fronten wech-
selte und dies nicht nur als Mitläufer, sondern als entscheidender Akteur, was ihm die
Übertragung einer Kommandostelle in den verbündeten Heeren einbrachte4 . Mit-
telalterliche Geschichte und daraus abgeleitete reale Regierungshandlungen mögen
bei dem 22-jährigen Herzog Nährboden für die seit dem letzten Viertel des 18. Jahr-
hunderts vor allem in Deutschland neu erwachten romantischen Ritterverherrlichung
gewesen sein. Hineingeworfen in die durch Napoleon erzwungenen Umwälzungen
fand er wohl keine Zeit, seine konservative Staatsgeschäftsausbildung ernsthaft zu re-
flektieren. Im Gegenteil suchte er, wie so viele andere Duodezfürsten im Deutschen
Reich, von den Machtverschiebungen zu profitieren und von Napoleons Gnaden sein
Fürstentümchen abzurunden und zu vergrößern. Begehrlichkeiten in Richtung Süden
mit dem Wunsch, Teile der von Napoleon annektierten Markgrafschaft Bayreuth ein-
zuverleiben, wurden geäußert. Und wenn nicht die ehemals bayreuthischen Gebiete
zu gewinnen waren, dann sollten doch wenigstens die ursprünglich bis 1803 bamber-
gischen Lande am Obermain, die sowieso unmittelbar südlich an Coburg angrenz-
ten, mit Unterstützung des russischen Zaren nach Coburg gebracht werden. Damit
nicht genug, der Titel eines Erzherzogs sollte bei der angestrebten Landesgröße das
Endziel sein5 . Wie fast alle Fürsten deutscher Kleinstaaten wechselte Ernst, der mit
seinem Schwager Emanuel Graf von Mensdorf (der den Dienst in der österreichi-
schen Armee nie quittierte) und mit seinem Bruder Ferdinand (der den Dienst 1809
im Österreichischen Heer wieder aufnahm) mindestens zwei „österreichische Kar-
ten“ im politischen Ränkespiel besaß, rechtzeitig zur antinapoleonischen Fraktion
und rettete damit sein Herzogtum hinüber in die neue Zeit – wenn auch nicht als das
beanspruchte Großherzogtum.

III. Der Wiener Kongress und die Neugotik

Der Wiener Kongress, an dem Ernst vom September 1814 bis Mai 1815 teilnahm, bot
ihm eine Plattform, im Kreis aller europäischen Fürsten sein politisches Geschick zu
beweisen und sich in Szene zu setzen. Dabei kam ihm sicherlich zugute, dass er das
Vertrauen Fürst Metternichs gewann, dessen Politik er vorbehaltlos unterstützte6 .
Seinen gotischen Rittertraum fand er in der Franzensburg, die unter Kaiser Franz II.
1798–1801 durch Schlosshauptmann Michael Riedl v. Leuenstern und den Hofstein-
metzmeister Franz Jäger in Gestalt einer gotischen Burg errichtet worden war und
während des Wiener Kongresses Schauplatz rauschender Feste war, nur allzu gut
bestätigt. Sie lag inmitten des weiträumigen Parks von Laxenburg, der in der maria-

4 Ebd., 52.
5 Ebd., 43ff.
6 Ebd., 54–63.

147
Alfred Schelter

theresianischen Zeit barock gestaltet, doch bereits ab 1782 in einen ausgedehnten eng-
lischen Landschaftspark umgewandelt worden war und unter persönlicher Einfluss-
nahme Kaiser Franz II. zum Rittergau mutierte. Neben einer Rittergruft gehörten
auch eine Rittersäule, vor allem aber ein bereits um 1800 angelegter Turnierplatz zur
Ausgestaltung des Parks. Hier ließ 1810 Kaiser Franz II. anlässlich des Namenfestes
seiner dritten Gemahlin ein großes Ritterturnier abhalten, an dem der Kaiser selbst
mit allen Erzherzögen teilnahm7 .
Die in Wien und vor allem die in Laxenburg gefundenen mittelalterlichen Stilele-
mente entsprachen Ernsts Idealen und trugen sicher dazu bei, die Rosenau, die Eh-
renburg sowie Callenberg idealarchitektonisch umzugestalten, geprägt von gotischen
Stilelementen und natürlichen (künstlichen) Landschaftsbildern, wie sie in England
längst zur Tradition gehörten und zeitgleich im deutschsprachigen Raum vermehrt
aufgegriffen wurden. Ernst nahm im Rückgriff auf alte Stilelemente sicher nicht die
Vorreiterrolle ein, dafür gab es schon zu lange frühere Anlagen, wie in Wörlitz das
gotische Haus (1785) oder in Kassel die Löwenburg auf der Wilhelmshöhe (1793–
98)8 . Selbst in unmittelbarer Nähe, nämlich in der Nachbarresidenz Gotha, wurde
unter Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg bereits ab 1772 der Frieden-
steiner Schlosspark unter der Leitung des Engländers Haberfield in eine englische
Anlage umgewandelt. Auch hielt die Gotik mit dem 1776 neu errichteten Teeschlöss-
chen Einzug in dem südlichen sächsischen Herzogtum9 . Er war aber sicher einer der
ersten, der konsequent mittelalterliche Stilelemente aufgriff und architektonisch um-
setzte, um auch dem politischen Programm eine äußere Gestalt zu geben.

IV. Die Entstehung des Landschaftsparks

Als Herzog Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg-Saalfeld das Kammergut


Rosenau erwarb, waren die um das Schloss liegenden Grundstücke nach dem Kataster
von 1806 im Wesentlichen als Äcker genutzt, nur der eigentliche Schlossberg und die
südlich vor dem Schloss liegende Talaue sind als Wiesen gekennzeichnet.
Ernst betrieb schon als Erbprinz den Erwerb und danach den Ausbau der Ro-
senau mit einem das Schloss umgebenden Landschaftspark. Dies belegen die frühen
Aktivitäten zur Arrondierung der benachbarten Grundstücke, später dann Hinzuer-

7 Hajós Géza, Forschungen zu Laxenburg (Park und Franzensburg). Der malerische Land-
schaftspark in Laxenburg bei Wien, Bd. 1, Wien 2006.
8 „Zwischen 1793 und 1801 ließ Wilhelm IX. die künstliche Turmruine durch Hofinspektor Jussow
zu einer vollständigen neumittelalterlichen Burganlage erweitern. [. . . ] Im Verlauf von acht Jah-
ren entstand ein tradierten barocken Mustern folgendes Lustschloss in Form einer pseudomittelal-
terlichen Burganlage [. . . ]“, in: Horst Becker und Michael Karkosch, Park Wilhelmshöhe Kassel:
historische Analyse, Dokumentation, denkmalpflegerische Zielsetzung, (Edition der Verwaltung
der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen: Monographien, Bd. 8) Regensburg 2007, 128f.
9 Helmut-Eberhard Paulus, Paradiese der Gartenkunst in Thüringen: Historische Gartenanlagen
der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, (Große Kunstführer der Stiftung Thüringer Schlös-
ser und Gärten 1) Regensburg 2003, 61.

148
Der Rosenauer Schlosspark

Abb. 5.2: Plan des Kammerguts Rosenau von 1806, Staatsarchiv Coburg.

werbungen angrenzender Flächen oder Nutzungsverträge mit den Eigentümern be-


nachbarter Grundstücke, soweit sie in Sichtbeziehung mit Parkausblicken standen.
Zur Fortbildung seiner Hofgärtner schickte er diese auf Bildungsreisen, beispiels-
weise wurde 1819 der Coburger Gärtner Moeckl zum Schwetzinger Gartendirektor
Johann Michael Zeyer zur Rateinholung geschickt10 .
Erste Elemente einer Gartengestaltung beschränkten sich auf die Fläche der eins-
tigen Hauptburg, von der neben dem ehemaligen Palais noch Reste der Ringmauern
und zwei Rundtürme standen. Drei unterschiedlich große Rasenflächen ohne jegli-
chen Blumenschmuck, einem Bowlinggreen ähnelnd, umgeben von einem umlaufen-
den Weg, der von Gehölzgruppen und Bäumen gesäumt war, waren die wesentlichen
Gestaltungsmerkmale. Die Südwestkante des Schlosses und der nördliche zinnenbe-
wehrte Rundturm waren durch Nadelgehölze und vermutlich Pyramideneichen zu
einem malerischen Landschaftsbild komponiert. Über eine niedrige, das Plateau rah-
mende gotische Balustrade und dem davor stehenden neogotischen Brunnenaufsatz
wurde der Blick auf die im Hintergrund liegenden Berge mit der Lauterburgruine
geöffnet.
Ernst betrieb gleichzeitig mit der Renovierung des Schlosses und dessen Umge-
staltung in ein mittelalterliches, gotisches Gebäude die großzügige Arrondierung der

10 Sabine Heym, Amtlicher Führer Schloß Rosenau, München 1999, 29.

149
Alfred Schelter

Abb. 5.3: Die Schlossterrasse mit dem Rundturm und der nachgotischenBalustrade. Im Hintergrund
der gotische Giebel eines Wirtschaftsgebäudes. Der Ausblick zur Lauterburg ist heute zugewachsen,
Foto: Schelter.

umgebenden Grundstücke und damit gleichzeitig die Umwandlung der Feld- und
Ackerfluren in einen Landschaftspark. Sckells Einflüsse, einen Park als eine großräu-
mige Landschaft zu gestalten, sind dabei unverkennbar. Es ist sicher, dass die ersten
Anregungen von Ernsts Schwester Victoire kamen, die 1803 in erster Ehe mit Karl
Emich Fürst zu Leiningen vermählt war, der in Amorbach das säkularisierte Kloster
in seine fürstliche Residenz umwandeln ließ und zur Umgestaltung des ehemaligen
Klostergartens 1806 Friedrich Ludwig Sckell, den bedeutendsten süddeutschen Land-
schaftsgärtner des 19. Jahrhunderts, beauftragte. Der Plan des herzoglichen Kammer-
guts Rosenau von 1806 aufgrund einer Ocularberichtigung gezeichnet jedenfalls zeigt
erste Gestaltungsansätze, die auf einen großräumigen Park hinweisen. Vor allem die
neuen Pflanzungen im Thoracker rahmten nun einen weiten Wiesengrund. Der am
äußeren Rand verlaufende Weg wurde von einer engen Baumreihe und von in die Wie-
sen greifenden, vor gelagerten Gehölzgruppen begleitet. Die Bepflanzung des Itzufers
war abwechslungsreich gestaltet und der Wiesengrund durch Pflanzreihen gegliedert.
Noch fehlten neue Gebäude, nur der alte Ökonomiehof und das Schloss sind im Plan
aufgeführt.

150
Der Rosenauer Schlosspark

Abb. 5.4: Die Rosenau vom Süden in ihrer heutigen Architektur, wie sie bereits gegen 1817, zur Ver-
mählung mit Herzogin Luise von Sachsen-Coburg-Saalfeld, ausgesehenhaben dürfte, Foto: Schelter.

Ernst konnte aber durch eigene Anschauung an der Gartengestaltung selbst we-
sentlichen Anteil nehmen. Auf Anraten Minister Kretschmanns verbrachte er den
Frühsommer 1804 und den Januar 1806 am preußischen Hof. Es war auch Kretsch-
manns offener Wunsch, Ernst möge eine Tochter des preußischen Königs ehelichen,
um damit die politischen Bindungen nach Potsdam zu stärken11 . So kannte er mit Si-
cherheit die neusten Gartenschöpfungen in Berlin und Potsdam, wie z. B. den neuen
Garten, den Johann Georg Eyserbeck und Johann George Morsch ab 1787 für König
Friedrich Wilhelm II. als einen romantisch-sentimentalen Park gestalteten, oder den
Garten von Schloss Monbijou der Königin Friederike Louise (? 1805), der ab 1789/90
in eine englische Anlage mit großem Rasenparterre und Blumenbeeten, schattigen Al-
leen, Schlängelwegen und Teichen ausgebaut und mit allen möglichen Tempel, Lust-
und Ruhehäusern in großer Mannigfaltigkeit ausstattet wurde12 . Ernst ergänzte sein
Wissen nicht nur aus eigener Anschauung, sondern erwarb auch aktuelle Bücher über
Architektur und Gartenkunst und bat seinen Bruder Prinz Leopold, entsprechende
Titel zur Möbel- und Gartenkunst in Paris zu beschaffen.
11 Bachmann, Herzog Ernst (wie Anm. 3), 19.
12 Folkwin Wendland, Berlins Gärten und Parke von der Gründung der Stadt bis zum ausgehenden
neunzehnten Jahrhundert. Das klassische Berlin, Frankfurt a. M., Berlin und Wien 1979, 253f.

151
Alfred Schelter

Abb. 5.5: Bibliothek, Lünettenbild von


Heinrich Naeke (1785–1835), Thomas
Rhymer wird von zwei weißen Hirschen
ins Feenland geführt, um 1816, Bayeri-
sche Verwaltung der staatlichen Schlös-
ser, Gärten und Seen.

Abb. 5.6: Turnier anlässlich der Hochzeit Herzog Ernst III. von Sachsen-Coburg-Saalfeld mit Luise
von Sachsen-Gotha-Altenburg im August 1817, Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser,
Gärten und Seen.

152
Der Rosenauer Schlosspark

Der Ort des Wiener Kongresses, vor allem Park und Schloss Laxenburg, mussten
tiefe Eindrücke auf Ernst hinterlassen haben. Die Rosenau sollte Hauptschauplatz
der bevorstehenden Vermählung mit Luise von Sachsen Gotha-Altenburg sein, auch
wenn die Trauung in Gotha stattfand. Das bereits seit 1810 bewohnbare Schloss Ro-
senau wurde nach dem neuesten Geschmack – oder nach dem Vorbild der Franzens-
burg – im gotischen Stil erneut umgestaltet. Die elfeckige Bibliothek mit ritterlichen
Szenen in den Lünetten und der Marmorsaal beispielsweise wurden eingebaut, und
natürlich durfte der Turnierplatz im Park nicht fehlen.
Ein großer Platz (vielleicht?!) auf den Itzgrundwiesen wurde südwestlich vor dem
Schloss ausgesteckt und für das anstehende Ritterturnier mit Zelten, Wimpeln und
Fahnen festlich geschmückt. Die Hochzeitsfeierlichkeiten am 17. August 1817 fanden
unter Anteilnahme der Bevölkerung und des Hofstaates in altdeutscher Tracht statt,
dessen Höhepunkt das bereits viel zitierte Ritterturnier war13 .
Es war auch vor allem Herzogin Luise, die schon als junge, erst 17-jährige Braut in
der Rosenau ihre Ritterromane verwirklichte und sich in Schloss und Park wohltuend
zu Hause fühlte. Was Wunder auch, wuchs sie doch in einer vergleichbaren Landschaft
in Gotha auf, mit dem herrlichen Landschaftspark um Schloss Friedenstein und einer
fürstlichen Umgebung, in der selbst Napoleon einige Male verweilte, und geriet schon
früh in den Bann einer französischen Gouvernante, die ihr Wesen „voll espièglerie“
und „unbekümmerte[r] Offenheit“ sicher förderte14 .

V. Der Park in der Mitte des 19. Jahrhunderts

Das Schlösschen Rosenau mag fertig gewesen sein und in den darauf folgenden Jahr-
zehnten nur noch die üblichen Anpassungen haben erfahren müssen, am Park jedoch
und an seiner Ausstattung wurde auch in den nächsten Jahrzehnten, selbst nach der
Scheidung von Luise (1826) und nach den Tode Ernst I. (1844) kräftig gearbeitet, er-
gänzt und gestaltet. Durch Landzukauf wuchs der Landschaftspark auf über 200 ha
an15 .

13 „[. . . ] die Rosenau lag vor uns, über uns die alte Lauterburg in den grünen Wäldern eingehüllt,
und als ob der liebe Gott seine Freude an seinen Kindern sähe, ließ er die schöne Sonne durch die
Wolken brechen, welche mit ihren goldenen Strahlen die Gegend beleuchtete und herrlich auf die
Rüstungen der schönen Ritter schimmerte. [. . . ] Das Turnier fing mit einer entrée an, wobei ein
sehr schöner Marsch geblasen wurde, erst die Reitknechte, Knappen in zahlreicher Menge, dann
folgten die Stallmeister und darauf die Ritter, an deren Spitze mein geliebter Ernst war [. . . ]. Dann
folgte der Kampf zwischen den zwei geliebten und von Allen bewunderten Brüder, Ernst in stiller
Würde, so männlich und doch so wunderschön, erschien mir wie ein Engel mit dem Rächerschwert.
Prinz Ferdinand, eine stillere Schönheit, nahm sich sehr lieblich aus, er sah wie die Erscheinung
des Ritters in der ’Diamantenen Kutsche’ aus [. . . ]“. Briefe der Herzogin Luise, in: Ott (wie Anm.
1), 90.
14 Josef Dreesen, Luise Herzogin von Sachsen-Coburg-Saalfeld, St. Wendel 2006, 8–10.
15 1826 wurde Landesregierungsrat von Erffa beispielsweise mit weiteren Grundstücksankäufen
beauftragt. Arbeitsauflistung der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und
Seen (im Folgenden: SV), 1964, 17.

153
Alfred Schelter

Abb. 5.7: Gesamtplan von 1869, Foto: Schelter.

Von der Residenzstadt Coburg führten ein Sommer- und ein Winterweg zur Ro-
senau, welche durch Baumreihen oder Alleen bepflanzt wurden. Noch nahezu voll-
ständig erhalten ist die großzügige Kastanienallee von der Schweizerei bis zum Kava-
lierhaus. Bis 1820 entstanden in gotisierende oder klassizistische Stil das Kavaliershaus
mit dem Prinzengarten und das Teehaus und 1849 wurde die bereits in der Domäne
Öslau stehende Orangerie in die Rosenau transferiert.
Das sich südlich davor ausbreitende Gelände wurde nur im engeren Umfeld als
Blumenparterre gestaltet. Weit ausgreifend schloss sich der formal gestaltete Hof-
küchengarten an, der ohne Kenntnis der viktorianischen Küchengärten Englands in
dieser Konsequenz nicht vorstellbar ist. Einige Parzellen standen auch zur unmittel-
baren Gemüseversorgung der in der Rosenau angestellten Gärtner und des sonstigen
Personals zur Verfügung16 . Mehrere, am Parkrand angrenzende Grundstücke dienten
als Baumschulen für das Nachziehen notwendiger Gehölze.

16 In den Verwaltungsakten liegt ein Katasterplan vor, in dem handschriftlich einige Gartenbeete
zur Nutzung durch den Verwalter und die Gärtner eingetragen sind.

154
Der Rosenauer Schlosspark

Abb. 5.8: Kastanienallee zum Schloss, Foto: Schelter.

Gebäude und Sondergärten waren nicht nur zweckmäßig, sondern auch als Blick-
punkte in den Park gesetzt, die somit die Szenerie bereicherten. Für den Rosenauer
Park aber bedeutsamer war die Landschaftsgestaltung. Zu keiner Zeit verfolgte der
Herzog den modischen Zwang, den Park übermäßig mit Architekturen zu bereichern.
Im Mittelpunkt der Szenerie standen natürlich das mittelalterlich umgestaltete
Schloss mit seinen Terrassen und dem Mauerbering, sowie die nordwestlich etwas
tiefer liegenden Wirtschaftsgebäude und Stallungen; Kavalierhaus und Teehaus lagen
jenseits des weichen, von Norden nach Süden ziehenden Talgrundes. Ganz im Süden
ließ der Herzog noch einen Bauernhof (Schweizerei) im Schweizer Stil mit umlaufen-
dem Balkon und weit überragendem flach geneigtem Dach errichten.
Mit der Schweizerei im Vordergrund und der in den Mittelpunkt gerückten Ro-
senau wurde ein Landschaftsgemälde reale Wirklichkeit, dessen romantische Stim-
mung mit denen in weiter Ferne nur noch schemenhaft sich abzeichnenden Thürin-
ger Bergen und den gerade noch erkennbaren Ruinenresten der Lauterburg eine tiefe
Gefühlsregung aufsteigen ließ. Leider wurden die hohen Mauern der Lauterburg in
den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts gesprengt. Der einst freie Burgberg wurde der
natürlichen Sukzession überlassen und ist nun fast vollständig zugewachsen.

155
Alfred Schelter

Abb. 5.9: Teehaus, Foto: Schelter.

Abb. 5.10: Orangerie, Foto: Schelter.

156
Der Rosenauer Schlosspark

Abb. 5.11: Blick aus dem Wald über den Schwanensee in Richtung Turniersäule, Foto: Schelter.

Noch vor dem Bau der Schweizerei wurde 1817 der so genannte Prinzenteich aus-
gehoben. Gleichzeitig veranlasste Ernst I. die Sicherstellung der Wasserversorgung
für das auf dem hohen Prallhang liegende Schloss, indem er im Mönchrödener Forst
neun Quellen fassen ließ. Das Wasser floss verlustfrei in eisernen Druckrohren bis
zur Rosenau, so dass sogar die Fontaine des Terrassenbrunnens in Betrieb genommen
werden konnte. Die Quellschüttung war auch für die später hinzukommenden Ge-
bäude völlig ausreichend. Vor der Schweizerei und im Talgrund zur Rosenau wurden
kleine Spiegelteiche angelegt.
Erst 1826 wurde Teichgräbermeister Grebener beauftragt, den großen Schwanen-
see nordwestlich des Schlosses auszuheben, der nur mit dem Oberflächenwasser des
leicht ansteigenden Parkwäldchens gespeist wurde. Die Zuflüsse waren mit Steinpa-
ckungen rustikal gestaltet und verschwanden vor dem See in unterirdischen Kanälen,
so dass die eigentliche Teichspeisung dem Betrachter verborgen blieb.
Der Erlebniswert des Schwanensee wurde gesteigert, indem nicht nur eine künst-
liche Insel mit Schwanenhaus, sondern auch ein Weg um den Teich angelegt wurde,
dessen Ränder der Herzog mit jungen Eichen in regelmäßigen Abständen teils ein-,
teils zweireihig bepflanzen ließ. Mit der Uferbepflanzung, teils mit Ulmen und Trau-
erweiden, und dem tiefen Blick in den Talgrund entstand ein Landschaftsbild von

157
Alfred Schelter

Abb. 5.12: Schweizerei, im Hintergrund Schloss Rosenau, Bayerische Verwaltung der staatlichen
Schlösser, Gärten und Seen.

hohem ästhetischem Reiz. Mit dem Teichaushub wurde etwas östlich, unmittelbar
an der Hangkante zur Itz, ein künstlicher Aussichtshügel aufgeschüttet, auf dessen
höchster Erhebung die 1817 entstandene Turniersäule – eigentlich ein schlanker Pfei-
ler mit Pyramidenverdachung in gotischer Formensprache – stehen sollte. Drei der
Schaftflächen tragen Wappen, die vierte Seite ziert eine Sonnenuhr.
Gleichzeitig mit dem landschaftsverschönernden Schwanensee hob man einen klei-
neren, vom abfließenden Schwanenseewasser gespeisten Weiher aus, dessen Ufer mit
Schilf und Trauergehölzen besonders reizvoll bepflanzt wurden. Dieser Teich diente
auch als Wasserreservat für eine in den Prallhang der Itz eingebaute, nach alpinem
Vorbild gestaltete wilde, früher begehbare Klamm, durch den der Wasserfall herab-
stürzte17 . Freilich tröpfeln die Wasser des Weiherüberlaufs oft nur von den aufge-

17 In diesem Zusammenhang muss auf das Zimmer Helvetien im Rosenauer Schloss hingewiesen
werden. Die Wände dieses Zimmers trugen einst Gebirgslandschaften Helvetiens, wie sie damals
bereits als Künstlertapeten in Mode kamen. Für die Wandmalerei des Rosenauer Zimmers beauf-
tragte man den Leininger Hofmaler Eckardt und den herabstürzenden Wasserfall malte Ernsts

158
Der Rosenauer Schlosspark

türmten Felsen die mit Farnen und Schattengewächsen bepflanzten Grottenwände


hinunter, um dann in einem kleinen Bachlauf der Itz zuzufließen. Doch nach star-
ken Regenfällen, wenn die beiden Teiche das Niederschlagswasser reichlich abgaben,
schwoll er zum rauschenden Wasserfall an18 .
Ein immer rauschender Wasserfall wurde durch künstliche Steinschüttungen in
der Itz angelegt, ähnlich dem Wasserfall im englischen Garten in München oder am
Nebenfluss der Neiße in Muskau. Überhaupt war zur Blüte der Parkanlage die Itz
wesentlicher Bestandteil der Anlage. Nicht nur die hervorgehobene Uferbepflanzung
verschönerte das Landschaftsprofil, es wurde auch noch durch einige bescheidene,
aber besonders schöne Kleinarchitekturen bereichert, nämlich durch das Badehaus
und den Fishing Temple, die heute leider nicht mehr erhalten sind.
Ein langer, neu angelegter äußerer Parkweg führte von der Schweizerei, den Tal-
grund nach Osten querend, zur Itz. Die romantischsten Bilder ergaben sich über dem
Schweizer Grund zur Rosenau. Der Weg wurde nun nordwärts entlang des Westufers
der Itz geleitet, immer den Blick auf den Burgberg mit dem darüber liegenden Schloss
bietend. Auf halber Wegstrecke führte eine Brücke über die Itz und nun öffnete sich
ein weiter Blick auf die Thüringer Berge und die Lauterburgruine. Die Rosenau ver-
schwand für ein ganzes Wegstück hinter dem Ufergehölz und erst fast unmittelbar
vor dem Burgberg führte nun wieder eine Brücke auf das andere Ufer und in drama-
tischer Höhe über dem Itzgrund trat das Schloss, hoch über der Eremitage, wieder
ins Blickfeld.
Hier gabelte sich der Weg, einmal führte er in einem großem Bogen nach links –
mit dem heute noch schönsten Blick über den offenen Südwesthang zum Schloss –
nicht direkt, durch den Ökonomiehof zur Rosenau.
Der andere Weg ging nordwärts am Itzufer entlang und überquerte den Fluss
unmittelbar vor dem rauschenden Wasserfall, ließ dann das Schloss erst einmal im
Rücken, kam aber auf einem stillen Weg zum Badehaus und zum Fishing Temple, um
dann hoch im Norden die Breite Wiese westlich zu queren und den steilen Prallhang
hinaufzusteigen. Der Weg führte auf der Steilhangkante wieder südwärts, vorbei an
der 1817 als gotischer Fialturm geschaffenen und später auf dem jetzigen Hügel ver-
setzten Turniersäule mit Sonnenuhr und bot nun herrliche Ausblicke auf den oberen

Schwester Victoire, die bereits 1814 verwitwete Fürstin zu Leiningen, ab 1818 Herzogin von
Kent, höchstpersönlich in die Gebirgslandschaft.
18 „[. . . ] noch ein paar Schritte, und ich stand im höchsten Grade überrascht vor einer würklich er-
habenen Parthie, die mich fast den Eindruck der kaum verlassenen vergessen machte. Denke Dir
eine mächtige Felsenschlucht, die mit ihren haushohen, fast senkrechten Wänden einen tiefen Ein-
schnitt in den buschigen Abhang macht, vorne etwas verengt ist und an ihrem Eingang die Mutter
einer krystallenen Quelle wird, die im plätschernden Falle ihr entsprudelt, nach innen erweitert,
den Schauplatz eines tobenden Wasserfalles darbiethet, der sich in der ganzen Höhe von Becken
zu Becken, von Felsenspitze zu Felsenspitze herabstürzt. Ein enger zum Theil überwölbter Steig
führt den kühnen Kletterer an der von Buschwerk und blühenden Pflanzen belebten Felswand
hinauf zu der natürlichen Bank am ersten Becken des Wasserfalls, überhängende Bäume und
Sträuche bilden das Dach dieser einzigen Parthie, und mächtige Felsplatten den vom rieselnden
Bache bespülten Boden“, Briefe über die Rosenau, in: Ott (wie Anm. 1), 125.

159
Alfred Schelter

Abb. 5.13: Die Rosenau um 1820, Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.

Wiesengrund mit dem Schwanensee. Genussvoll die weitere Wegführung, sie ging
am kleinen Weiher vorbei, führte dann hinunter zur Felsengrotte und nach wenigen
Metern wieder den Prallhang hinauf, dem Schloss näher kommend und endlich auf
der Terrasse anlangend. Spätestens ab 1820 war aus dem Bowlingreen ein Pleasure-
ground geworden. Anstatt der einfachen Rasenflächen bestimmten Blumenbeete den
Schlossvordergrund. Die Schlossfassaden waren teils durch Gehölze oder Ranken-
gewächse verdeckt, beispielsweise durch eine Reihe von Pyramidenpappeln vor der
Westfassade.
Es gehörte zur Inszenierung, dass Teile der Architektur sich immer hinter Pflan-
zen oder Gehölzen verbargen. Die Illusion vor einem sehr alten Gebäude zu stehen
wurde verstärkt, die Neugierde auf das zu Erwartende gesteigert. Ernst II. gestal-
tete den Pleasureground raffiniert um, indem er die Initialen E und A für Ernst II.
und Alexandrine von Baden in die mit Buchs gerahmten Blumenbeete einweben ließ.
Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha (1893–1900) tradierte die fürstliche
Initialennennung in der Terrassengestaltung, indem der anstatt E und A nun A und M
für Alfred und Maria Alexandrowna von Russland setzte, die er 1874 geheiratet hatte.
Aber auch sonst war die Terrasse mit reichen Blumenbeeten verschönert, mit Stau-
den und Rosen auf Metallgestellen beispielsweise, und die Vasen auf der Balustrade
trugen üppigen Blumenschmuck oder Agaven.

160
Der Rosenauer Schlosspark

Abb. 5.14: Ernst II. und Albert im Ritterkostüm, Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser,
Gärten und Seen.

Nirgendwo wurde der Park durch übermäßige Architektur überladen, wie es gegen
Ende des 18. Jahrhunderts in anderen frühen Landschaftsgärten auf dem Kontinent
üblich war. Die Klein- und Großräumigkeit der vorhandenen Landschaft, der Tal-
grund der Itzaue und die bereits vorhandenen Gebäude, wie eben das Ritterschloss der
Rosenau, die Ökonomiegebäude, Teehaus und Orangerie, die nahe liegenden Müh-
len und die kleinen Dörfer Unterwohlsbach und Öslau wurden zusammen mit der
fernen Ruine der Lauterburg zu einem Landschaftsbild verschmolzen, das keine auf-
wendigen Architekturstaffagen bedurfte, sondern bestimmt wurde vom Gelände, den
Wiesen, den Gehölzen und Waldrändern, dem Flusslauf und weiteren Wasserflächen.
Die Schweizerei mit dem kleinen davor liegendem Spiegelweiher bildete den ländlich
geprägten Auftakt zu einer Szenerie, die durch geschickte Gehölzpflanzungen, mit
heimischen und exotischen Arten komponiert, zu einer der bedeutendsten Schöpfun-
gen der Gartenkunst des frühen 19. Jahrhunderts auf dem Kontinent führte.
Das höfische Leben auf der Rosenau endete nicht mit dem Ableben von Herzog
Ernst II., sondern wurde fortgeführt durch Herzog Alfred von Edinburgh19 , der die
Nachfolge des kinderlos gebliebenen Ernst II. antrat.

19 Alfred (1844–1900) war das vierte Kind der Königin Victoria und Albert, also der Neffe Herzog
Ernst II. Auch Alfred blieb ohne eigenen Nachfolger, so dass die Erbfolge an Carl Eduard (1884–
1954), Sohn des achten Kindes (Leopold, Herzog von Albany) der Königin Victoria und Alberts.

161
Alfred Schelter

Die Rosenau war noch bis 1920 Witwensitz Ihrer kaiserlichen Hoheit, der Frau
Herzogin Witwe Maria Alexandrowa (Tochter des Zaren von Russland).

VI. Ausblick

Nach 1920 verfiel die Anlage, der Park wurde nicht mehr gepflegt und die Fläche
bis auf 36 ha reduziert. Erst als 1973 der Park unter die Obhut der Gartenabteilung
der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen kam, wurde
er aus seiner Verwilderung zurückgeholt. Einhergehend mit der Instandsetzung des
Schlosses und dem Ausbau zum Museum wurden auch die Parkpartien weitestgehend
zurückgewonnen, so dass heute einer der schönsten Landschaftsgärten Deutschlands,
der dem „Gothic Revival“ verpflichtet ist, wieder hergestellt werden konnte.
Nicht wiederhergestellt werden aber kann die einstige Kunstlandschaft um Co-
burg mit ihrer großartigen gestalteten Landschaft, die sich nicht auf die eigentlichen
Parkanklagen beschränkte, sondern ein Landschaftskunstwerk war, in dem die Re-
sidenzstadt Coburg im Itzgrund mit den umliegenden Hügeln, den Schlössern und
Parkanlagen in einem großartigen Kontext standen.
Und so soll nicht verschwiegen werden, dass die bis an die Grenzen des Parks
herangerückte Industriearchitektur, die Autobahnen und demnächst noch eine ICE-
Trasse den grenzenlosen Übergang in die Landschaft mit den weiten Sichtbeziehun-
gen zur Veste Coburg oder zum Schloss Callenberg nicht mehr zulassen. Nur im
Kernbereich der Parkanlage lassen sich die Ritterträume zweier Herzöge, Ernst I.
und Ernst II., noch nachvollziehen.

Verwendete Literatur

Akten und Pläne der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und
Seen.
Harald Bachmann, Herzog Ernst I. und der Coburger Landtag 1821–1844, Coburg
1973.
Ders. und Werner Korn (Coburg), Helmut Claus und Elisabeth Dorbritzsch (Gotha),
Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha 1818–1893 und seine Zeit, Coburg
und Gotha 1993.
Park Wilhelmshöhe Kassel, Parkpflegewerk, hg. v. Horst Becker und Michael Kar-
kosch, Regensburg 2007.
Josef Dreesen, Luise Herzogin von Sachsen-Coburg-Saalfeld, St. Wendel 2006.
Anette Faber, Neue Schinkel-Zeichnungen für Coburg, in: Jahrbuch der Coburger
Landesstiftung (1983), 263–268.
Ein Herzogtum und viele Kronen, Aufsatz- und Katalogband, hg. v. Michael Henker
und Evamaria Brockhoff, Augsburg 1977.

162
Der Rosenauer Schlosspark

Sabine Heym, Schloss Rosenau, amtlicher Führer, München 1999.


Dies., Feenreich und Ritterwelt. Die Rosenau als Ort romantisch-literarischen Welter-
lebens, in: Bayerische Schlösser, Bewahren und Erforschen, München 1996, 239–268.
Ewald Jeutter, Neu Nachrichten zu der Tätigkeit von Carl Alexander Heideloff
(1789–1865) für Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha, in: Jahrbuch der
Coburger Landesstiftung (2000), 167–182.
Fritz Mahnke, Schlösser und Burgen im Umkreis der fränkischen Krone, Coburg
1974.
Delia Millar, Ansichten von Deutschland, aus der Royal Collection in Winsor Castle,
Coburg 1998.
Norbert H. Ott, Schloss- und Landschaftsgarten Rosenau bei Coburg, in: Jahrbuch
der Coburger Landesstiftung (1969), 61–154.
Paradiese der Gartenkunst in Thüringen, hg. v. Helmut-Eberhard Paulus, Regensburg
2003.
Reclams Kunstführer, Bd. Österreich I, Stuttgart 1981.
Folkwin Wendland, Berlins Gärten und Parke, Berlin 1979.

163
Rolf Kirsch

Der Landschaftspark von Schloss Callenberg bei Coburg

Der Landschaftspark von Schloss Callenberg, dem Sommersitz der Herzöge von
Sachsen-Coburg und Gotha auf einem Höhenzug bei Beiersdorf in unmittelbarer
Nähe der ehemaligen Residenzstadt Coburg, ist eine zu Unrecht in Vergessenheit
geratene Parkschöpfung1 . Die Umkehrung des soeben benutzten Begriffes „Land-
schaftspark“ in „Parklandschaft“ bezeichnet eigentlich genauer, worum es geht. Denn

1 Der vorliegende Beitrag fußt auf einem Gutachten, das der Verfasser 1990/1991 gemeinsam mit
Dipl.-Ing. Helmut Wiegel im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege erarbei-
tete: Rolf Kirsch und Helmut Wiegel, Die Callenberger Garten- und Parkanlagen. Entwicklung,
gegenwärtiger Zustand und Zukunftsperspektiven, o. O. (Bamberg) 1991, maschschr. Mskr. –
Die aktuellste kompakte Zusammenfassung zu Schloss und Park Callenberg bietet: Peter Mors-
bach und Otto Titz, Stadt Coburg, (Denkmäler in Bayern IV.48) München 2006, 425–435. Zum
Schloss vgl. insbesondere: Astrid Arnold, Schloss Callenberg. Ein Beitrag zum frühen neugoti-
schen Schlossbau im Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, in: Jahrbuch der Coburger Landes-
stiftung 47 (2002), 67–157. Weitere ausgewählte Literatur in alphabetischer Reihenfolge: Francis
Bedford und Herbert Appeltzhauser, Coburg 1857. Im Spiegel früher Photographie, Coburg o. J.
(1988). Adolf Bube, Neuses und der Callenberg bei Coburg, in: Thüringen und der Harz mit
ihren Merkwürdigkeiten, Volkssagen und Legenden, Bd. 4, Sondershausen 1841. W. Heins, Zur
Geschichtedes Schlosses Callenbergund seiner Besitzer.Nach handschriftlichenAufzeichnungen
des Archivrates Ludwig Hermann in Coburg vom Jahre 1846, in: Aus der Heimat. Wochenbei-
lage der „Heimatglocken“ (1930), Nr. 7-14. Fritz Mahnke, Schlösser und Burgen im Umkreis
der Fränkischen Krone, 2 Bde., 3. Aufl. Coburg 1974 und 1978. A. Röse, Thiergarten und Thier-
leben auf Schloss Callenberg und Rheinhardtsbrunn, Coburg 1869. Karl Arnold Schoenbach,
Callenberg. Rosenau. Reinhardtsbrunn. Eine Trilogie, Sonneberg o. J. (um 1850). Stadt und Ves-
te Coburg (Verf.: Rudolph Genée), Coburg 1866. Hartmut Strunz, Praxis im Landschaftsschutz.
Beispiel: der Callenberger Forst im Coburger Land, in: Nationalpark 4/1982, 38–41. Andreas Stu-
benrauch, Schloß Callenberg, in: Heimatkundlicher Lesebogen für das Coburger Land 6/1955,
21–24. Richard Teufel, Bau- und Kunstdenkmäler im Landkreis Coburg, Coburg 1956. Carl
Friedrich Wittmann, Coburg. Stadt und Veste nebst Umgebung, 2. Aufl. Coburg 1853. – Bei Ab-
fassung des Gutachtens 1990/1991 benutzte Quellen: 1.) Staatsarchiv Coburg (im Folgenden: StA
C): Bauamt 36, 264, 266, 268, 269, 327, 328, 448; Bildsammlung VC1 406, VC2 6, 8; Hofamt 39;
Kammerarchiv Coburg 153, 162, 173/I, 372, 537–540, 601, 602, 673, 3320–3324, 3326, 3333; LA
A 6754, 6830–6832, 6990, 8207–8210, 8221, 8295, 8299, 8301, 8311, 8319, 8320; Plan-Slg. 1458,
1781; Schloßhauptmannschaft 45, 216, 228, 229, 233; Urk. LA F 567, Nr. 1.–2.) Staatsarchiv Wei-
mar, Außenstelle Gotha (StA Gotha): Hofamt zu Coburg Nr. 155, 163; Herzogl. Jagddirektion zu
Coburg Nr. 11, 15, 18; Herzogl. Jagdverwaltung zu Coburg Nr. 5; Landjägermeister zu Coburg
Nr. 1–4; Oberjägermeisteramt Gotha Nr. 92; Herzogl. Privatbüro zu Coburg Nr. 104, 108–110,
118–125, 130, 133. – 3.) Stadtarchiv Coburg (im Folgenden StadtA C): A 16010; A 3859; Ansichts-
kartensammlung; Nachlass Gruner; Nachlass Höch. – 4.) Kunstsammlungen der Veste Coburg:
Cob. I, 8; Cob. V, 2b, 2c, 2c S. 166, 5a S. 167; Z 2216, 2217, 4113, 4563. – 5.) Bayer. Landesamt

165
Rolf Kirsch

Abb. 6.1: Callenberg, Blick vom Drehenweiher zum Schloss (1990), Dipl.-Ing. Helmut Wiegel, Bam-
berg.

die „Callenberger Anlagen“ oder die „Anlagen auf dem Callenberg“, wie sie zur Zeit
ihrer Entstehung im 19. Jahrhundert gewöhnlich genannt wurden, waren mehr als nur
ein Landschaftspark. Vielmehr handelte es sich um eine weit in die umliegende Kultur-
landschaft ausgreifende Gesamtschöpfung (Abb. 6.1, Abb. 6.2) mit dem alle Blicke be-
herrschenden Schloss und seinem als Park intensiv gestalteten Schlosshügel als Kern.
Callenberg wird erstmals 1122 urkundlich als Stammsitz der reichsunmittelbaren
Herren von Chalwinberch genannt. Die ursprüngliche Gestalt der mittelalterlichen
Burg lässt sich nicht mehr präzise bestimmen. Die Anlage gliedert sich heute in die
Baukörper des Unterschlosses, des Oberschlosses und des Nordwestflügels, welche
allesamt in der Hauptsache aus dem 19. Jahrhundert stammen, die 1618 geweihte
Schlosskapelle sowie die Ringmauer samt ihren Schalentürmen, die im Wesentlichen
auf das 16. Jahrhundert zurückgeht. Der unregelmäßig sechseckige Treppenturm am
Unterschloss entstammt wohl dem späten Mittelalter oder dem frühen 16. Jahrhun-
dert. 1592 war Callenberg in den Besitz von Herzog Johann Casimir von Sachsen-
Coburg gelangt. An seine Ära erinnert die bedeutende „nachgotische“ Schlosskapelle.
Die eigentliche Glanzepoche Callenbergs begann nach 1826, als die Besitz- und Herr-
schaftsverhältnisse der ernestinischen Wettiner neu geregelt wurden und das Kam-

für Denkmalpflege, Außenstelle Bamberg, Schloss Seehof: Aktenregistratur. – 6.) Vermessungs-


amt Coburg, Planarchiv: Extraditionsplan Forstbezirk Callenberg 1860, M. 1:2500; Katasterplan
Callenberg 1861, M. 1:1250.

166
Landschaftspark von Schloss Callenberg

Abb. 6.2: Callenberg, Extraditionsplan von 1860, bearbeitet von Helmut Wiegel, Bamberg, Vermes-
sungsamt Coburg.

mergut Callenberg dem neuen Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha zugeschlagen


wurde.
Dessen erster Regent, Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha, begann unmittel-
bar nach der Übernahme Callenbergs damit, den neuen Besitz als Jagdschloss und
Sommerresidenz tief greifend umzugestalten. 1831 entstand als englisch ausgepräg-
ter neogotischer Neubau das jetzige Obere Schloss. Als Urheber des Entwurfs wird
Carl Alexander von Heideloff, aber auch alternativ der Coburger Hofmaler Sebas-
tian Eckardt vermutet2 . Die Idee zu einer großflächigen Landschaftsgestaltung um
das Schloss entstand gleich nach dem Besitzwechsel. Schon 1827 begann Ernst I.,
Grundstücke für „Anlagen für das Jagdschloß Kallenberg“3 zu erwerben. Bald kon-
kretisierten sich die Vorstellungen in der Weise, dass nunmehr bevorzugt von einem
„Thiergarten“ bzw. einem „Wildpark“ die Rede ist4 . Dieser im Süden des Schlos-
ses gelegene Bezirk, ein eingezäuntes Waldrevier mit eingestreuten Wiesen, ist in den
Akten recht gut dokumentiert.

2 Morsbach und Titz (wie Anm. 1), 427. Eckhardt wurde von A. Arnold [vgl. Arnold (wie Anm.
1)] ins Spiel gebracht.
3 StadtA C A 16010, Bl. 1r. Der Flächenerwerb ist noch in folgenden weiteren Akten dokumentiert:
StA C, Kammerarchiv Coburg 153, 601–602, 673, 675–677, 683, 3324–3327.
4 Beide Bezeichnungen tauchen bereits ganz zu Beginn der Planungen, nämlich 1827 (StA Gotha,
Landjägermeister zu Coburg, Nr. 1: „Wildparck“) bzw. 1828 (StadtA C A 16010, Bl. 4r: „Thier-
garten“; ebd., Bl. 15r: „Wildpark“), auf.

167
Rolf Kirsch

Zu den Callenberger Anlagen unter Ernst I. zählten auch Promenadenwege und da-
mit wohl auch gärtnerische Maßnahmen am Schlosshügel, die aber archivalisch nicht
genauer zu ermitteln sind. So existieren auch keine Entwurfs- oder Bestandspläne der
Callenberger Anlagen aus der Zeit Ernsts I. Dies gilt auch für die Epoche unter Ernst
II., dem Sohn und Nachfolger. Wichtigste Planquelle ist daher der im Coburger Ver-
messungsamt verwahrte Extraditionsplan von 1860. Dieser Erstvermessungsplan ist
wesentlich detaillierter als heutige Katasterpläne (Abb. 6.2).
Der Wildpark war in seiner Entwicklung verschiedenen Arealveränderungen un-
terworfen. Nachdem er bereits 1832, also erst vier Jahre nach seiner ersten Einzäu-
nung, im Westen des Callenberger Forstes stark erweitert worden war, wurde bereits
im folgenden Jahr eine radikale Kehrtwendung vollzogen: Um Forstschäden durch
Wildverbiss zu verringern, wurde die eingezäunte Fläche erheblich verkleinert. Als
positiver Nebeneffekt ergab sich, dass sich das Wild durch die Einschränkung sei-
nes Bewegungsspielraums in der Dämmerung auf schlossnahen Wiesenflächen zeigte,
was eine Bereicherung der Prospekte bedeutete5 . Die Beschneidung des Wildparks
wurde später unter Ernst II. wieder aufgehoben. Unter ihm erreichte der Wildpark
seine größte Ausdehnung. Für seine Regierungszeit haben wir auch Angaben über den
Wildbesatz: Neben Dam- und Rotwild wurden Axishirsche, Virginische Hirsche, Wa-
pitihirsche und weitere exotische Arten, teils in separaten Sondergehegen, gehalten6 .
Der Wildpark war ein aufgelockerter, ehemals als Hutewald dienender, forstlich nur
extensiv genutzter Mischwald. Unter Ernst II. war der Wildpark – wie die Callenber-
ger Anlagen insgesamt – anfangs frei zugänglich, was dessen liberaler und volksna-
her Haltung entsprach. Aufgrund von Wildfrevel und anderen Schädigungen wurden
1852 jedoch die Tore des Wildparks geschlossen. Damit das „Publicum von Coburg“,
das sich Callenberg bisher auf dem Hauptweg mitten durch den Wildpark näherte,
die Einschränkung nicht zu sehr fühlte, wurde 1860/61 eigens eine neue Wegeführung
mit Umleitung über das so genannte „Cottage“ (Abb. 6.3) eingerichtet7 .
Während die Quellen über den Wildpark auch unter Ernst I. reicher sprudeln,
ist über die gärtnerische Gestaltung der unmittelbaren Schlossumgebung während
seiner Regierungszeit nicht viel bekannt. Wir wissen nur, dass es gut unterhaltene
Promenadenwege gab, dass ein mit Blumen geschmückter so genannter „Theeplatz“8
im Südwesten des Schlosshügels existierte und dass die obere Schlossterrasse einen

5 Es war jedoch lt. Stubenrauch [Stubenrauch (wie Anm. 1), 24] keinesfalls Hauptzweck der Maß-
nahme, die Tierbestände besser überblicken zu können
6 Röse (wie Anm. 1), 9ff.
7 StA Gotha Herzogl. Privatbüro, Nr. 118, Bl. 42–44, Schreiben d. Hzgl. Jagdverwaltg. v. 24.6.1852;
StA C Hofamt 39, Bl. 41–42, Notiz Ernsts II. v. 3.10.1861.
8 Die Lokalisierungdes „Theeplatzes“wird durch eine archivalischeQuelle und eine Literaturstelle
(sowie den Extraditionsplan von 1860) ermöglicht: 1.) StA Gotha, Landjägermeister Coburg,
Nr. 1, Oberlandjägermeister v. Wangenheim an Ernst. I., 16.3.1833: Ein neuer Zaun soll „[. . . ]
längs des Weges, der von Weidach nach Callenberg führt, bis zum Thore hinter dem Theeplatz
fortgeführt werden“. 2.) Heins (wie Anm. 1), Nr. 7 (ohne Paginierung). Die dort wiedergegebene
Beschreibung Callenbergs durch den Archivrat Hermann aus dem Jahr 1846 bestätigt die Ortung
des „mit Blumenspitzen umgebenen Theeplatzes“.

168
Landschaftspark von Schloss Callenberg

Abb. 6.3: Callenberg, das Cottage mit Kastanienreihe (1990), Dipl.-Ing. Helmut Wiegel, Bamberg.

wohl geometrisch aufgeteilten Ziergarten aufwies. Vermutlich besaß bereits damals


der eigentliche Schlosshügel eine intensivere gärtnerische Gestaltung.
Sehr viel besser dokumentiert sind die Callenberger Anlagen unter dem von 1844–
1893 regierenden Herzog Ernst II. Er entstammte wie sein nur ein gutes Jahr jüngerer
Bruder Albert der kurzen und unglücklichen Ehe Ernsts I. mit Luise von Sachsen-
Gotha-Altenburg. Bereits als Kronprinz übernahm er 1842 anlässlich seiner Heirat
mit Prinzessin Alexandrine von Baden den Besitz Callenberg. Unter seiner Ägi-
de fanden umfangreiche Ausbaumaßnahmen statt, die Schloss, Nebengebäude so-
wie Garten- und Parkanlagen betrafen und enorme Summen verschlangen. Callen-
berg wurde zum „Lieblingsaufenthalt“ Ernsts II. Unter ihm erreichten die Callen-
berger Anlagen ihren Höhepunkt. Eine Anweisung von ihm belegt, dass sich sei-
ne Gestaltungsabsichten nicht auf Teilbereiche beschränkten, sondern sich im Sinne
der „ornamented farm“ des 18. Jahrhunderts und der „Landesverschönerung“ des
19. Jahrhunderts auf das große Ganze bezogen9 . Zur Callenberger Parklandschaft
gehörten neben dem Schlosshügel ausgedehnte Waldreviere im Osten, Süden und
Südwesten, eine offene Feldflur mit der „Callenberg Farm“ im Norden, eine Kette
von Fischweihern im Südosten und ein Weiher im Westen. Es kamen diverse Neben-

9 Eine 1861 erlassene Anordnung Ernsts II. belegt eindeutig die großflächig projektierte Gestal-
tung: „Die Anlagen auf dem Callenberg sollen sich auf alle Teile des Domänengutes Callenberg
und auf diejenigen Theile des Forstes erstrecken, welche mit einem Zaun umgeben sind oder künf-
tig damit umgeben werden [gemeint ist der Wildpark]“, (StA C, Hofamt 39, Bl. 106).

169
Rolf Kirsch

gebäude hinzu, welche zugleich oft als malerische Staffagen dienten und teilweise
von gärtnerisch gestalteten Partien eingefasst waren. Dazu zählten die Bauten des
Ökonomiehofes, der Alte Marstall, der Neue Marstall, die Gärtnerei, die Gastwirt-
schaft, das Cottage, die Fasanerie und ein Pumpenhäuschen zum Betrieb der beiden
Springbrunnen am Schloss. Promenadenwege erschlossen die aus der stark bewegten
Topographie entwickelte Parklandschaft und leiteten die Blicke; als ferner Point de
vue grüßte die Veste Coburg.
Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Callenberger Anlagen realisierte Ernst II.
mehrere Bauprojekte. 1856/57 ließ er das Untere Schloss weitgehend abtragen, um
es nach Plänen des herzoglichen Baurats Georg Konrad Rothbart als neugotisches
Bauwerk neu erstehen zu lassen. Der Schlossturm erhielt nun anstelle der bisheri-
gen welschen Haube eine romantische Bekrönung aus Zinnen und Ecktürmchen, die
„Wehrhaftigkeit“ verkörperte. Die auf malerische Fernsicht berechnete Änderung der
Turmsilhouette verdeutlicht vielleicht am besten, dass die Umbauten von Schloss Cal-
lenberg in der Tradition romantischer Parkburgen in Landschaftsparks stehen, deren
bekanntester deutscher Vertreter die Löwenburg in Kassel-Wilhelmshöhe ist. Wie
diese und wie das etwas ältere Coburger Beispiel Schloss Rosenau sollte auch Schloss
Callenberg gleichsam als große Staffage einer Parklandschaft dienen. Diese Grundidee
der Gesamtanlage ist leider heute offenbar zu sehr in Vergessenheit geraten, indem le-
diglich das Schloss sorgfältig instand gesetzt wurde, während mit Parklandschaft und
Nebengebäuden recht achtlos umgegangen wurde, wie wir noch sehen werden.
1845 und 1882 erfolgten Ausbau- und Reparaturarbeiten am Oberen Schloss und
an der Schlosskirche, wiederum im neogotischen Stil. Diverse Nebengebäude entstan-
den ebenfalls neu, darunter ein 1843 erbauter Marstall an der Reitbahn. Ihm folgte
schon 1857/58 ein neuer Marstall. Beide Bauten haben sich leider nicht erhalten; der
stattliche Neue Marstall verschwand nach langem Siechtum jedoch erst in den 1990er
Jahren. Nur ein prächtiger alter Mammutbaum erinnert heute noch an den Standort
des Gebäudes. Auf dem Gelände des Ökonomiehofes ließ Ernst II. 1842 das heute
so genannte „Kavaliershaus“ errichten, ein lang gestrecktes Bauwerk mit Fachwerk-
obergeschoss. Es war ursprünglich ein Wirtshaus, wurde aber 1873 zum Gästehaus.
Zugleich entstand im Nordosten des Schlosses ein neues Wirtshaus für die Besucher
der Callenberger Parkanlagen. Dieses in Anlehnung an den Schweizer Stil errichtete
Gebäude mit Kniestock und Krüppelwalm existiert ebenfalls noch, wird allerdings
seit langem nicht mehr in der ursprünglichen Art genutzt. Ein weiteres erhaltenes
malerisches kleines Bauwerk im Schweizer Stil ist die schon 1843 erbaute ehemalige
Aufseherwohnung der früheren herzoglichen Fasanerie im Waldrevier „Hahn“ öst-
lich des Schlosses.
Zwei andere der unter Ernst II. erbauten Nebengebäude zeigen besonders deut-
lich englische Wurzeln: das „Cottage“ und die „Callenberg Farm“. Die herzogliche
Musterfarm wurde 1862 in einiger Entfernung nordwestlich vom Schloss nach Ent-
würfen von Baurat Rothbart und Inspektor Meßmer errichtet. Beide unternahmen
zu diesem Zweck eine Informationsreise nach England. Die Farm wurde durch eine
Kastanienallee an den landschaftlich gestalteten Raum um das Schloss angegliedert.

170
Landschaftspark von Schloss Callenberg

Sie entsprach mit Dampfmaschine und Transmissionssystem dem damals moderns-


ten Standard. Vorbilder waren die Shaw-Farm in Wiltshire, die Windsor-Farm, die
Prinz-Albert-Farm, vor allem aber die Osborn-Farm auf der Isle of Wight. Die Cal-
lenberger Farm avancierte als eine der frühesten deutschen Musterfarmen unter engli-
schem Einfluss schnell zum „Wallfahrtsort der landwirtschaftlichen Intelligenz“, wie
es Braungart 1865 ausdrückte10 . Offensichtlich war das Interesse Ernsts II. an fort-
schrittlichen englischen Landwirtschaftsmethoden durch den Kontakt zu seinem Bru-
der Prinz Albert befördert worden. Dieser hatte sich ja bekanntlich leidenschaftlich
für die Landwirtschaft engagiert und war Präsident der Royal Agricultural Society.
Der Callenberger Farm sollte kurze Zeit später noch die ähnliche „Ernst-Farm“ ei-
nige Kilometer südöstlich von Callenberg folgen. Die „Callenberg Farm“ wurde bis
zum II. Weltkrieg stark vergrößert. Sie ist in Teilen noch erhalten, wurde aber für ihre
heutige Nutzung als Waldorfschule verändert und um Erweiterungsbauten ergänzt.
Das Cottage an der unteren Wegegabelung der Auffahrt zum Schloss wurde
1844/45 vom herzoglichen Baurat Georg Scherzer aus Gotha erbaut (Abb. 6.3). Es
zeigt mit seiner betont malerischen Staffelung, seinen Erkervorbauten und dem frei
gestellten achteckigen Kamin deutlich das Bemühen, „englisch“ zu wirken. Das Cot-
tage war als „folly“ und „eye-catcher“ an das Ende eines langen abfallenden Wiesen-
tales platziert worden. Es diente als Mittelgrund-Staffage für Prospekte mit Schloss
Callenberg und der Veste Coburg im Hintergrund. Wesentlich für seine Wirkung war
auch seine malerische Eingrünung durch Bäume und Weinberankung. Das Cottage
existiert noch, steht aber seit längerem leer und macht einen zunehmend gefährdeten
Eindruck. Es entstand als Aufseherwohnhaus für mehrere Hundezwinger, die be-
reits sei 1843 mit Meuten für die Parforcejagd besetzt waren und auch englisch als
„Kennels“ tituliert wurden. Die Jagdhundleidenschaft Ernsts II. führte sogar zur An-
lage eines kleinen Hundefriedhofs auf einer Waldlichtung im Süden der Weiherkette,
von dem sich Reste erhalten haben. Die Hundezwinger am Cottage bestanden jedoch
nur kurze Zeit bis gegen 1850. Sie wurden damals zu einem kleinen „zoologischen
Zwinger“ in der Tradition barocker Menagerien umgebaut. Es gab dort neben heimi-
schen Arten auch ungewöhnlichere Tiere wie Löwe, Schakal oder Hyäne gegen einen
geringen Eintrittspreis zu besichtigen11 .
Gleichzeitig mit dem Umbau des Unteren Schlosses wurde ab 1856 der engere
Schlossbezirk nach Planungen des Hofgärtners Zeißig neu gestaltet12 . Die Maßnah-
men bestanden aus vier Hauptpunkten: erstens wurde eine neue freie Haupttreppe zur

10 R. Braungart, Die herzogliche Musterfarm zu Kallenberg [sic!] bei Coburg. Eine Reiseskizze,
o. O. (Freising) 1865, 30. – Weitere Literatur zur Callenberg Farm: Sammlung landwirthschaft-
licher und laendlicher Bau-Ausführungen, Neue Folge, VI. und VII. Lieferung, hg. v. Friedrich
Engel, Berlin 1864 und 1865 (darin: „Gebäude der Herzoglich Coburgschen Musterwirtschaft auf
dem Gallenberge [sic!] bei Coburg“); Eine deutsche Musterfarm [= Callenberg Farm], in: Die
Gartenlaube (1863), 580 ff.
11 Röse (wie Anm. 1), 12–19. Stadt und Veste Coburg (wie Anm. 1), 60. StA C LA A 8299, Bl. 33
(„Futteretat der zoologischen Zwinger zu Callenberg pro 1870/73“).
12 StA C Hofamt 39, Bl. 47. StA C, LA A 8306, Bl. 81–84, Bl. 86.

171
Rolf Kirsch

Verbindung des Schlosses mit dem Ökonomiehof und dem neuen Marstall geschaffen.
Zweitens bepflanzte man einen steil abfallenden Teilbereich des westlichen Abhangs
des Schlossbergs dicht mit Nadel- und Laubholz. Drittens wurde der östliche Teil
des Schlossbergs rajolt, durch künstliche Erdbewegungen in eine dem Auge gefällige
Form gebracht und mit Rasen belegt. Viertens schuf man einen neuen Blumengarten
auf der Bastion im Osten des Schlosses bei der Kapelle und brachte den bestehenden
Ziergarten auf der Terrasse vor dem Oberen Schloss in eine neue Form. Bereits 1845
waren im Westen des Schlossbergs weitere Maßnahmen durchgeführt worden. Ein
von Ernst II. bewilligter Kostenvoranschlag Zeißigs13 aus diesem Jahr umfasste das
Planieren einiger Bereiche, künstlich herzustellende Bodenbewegungen, die Verscho-
nung alter kapitaler Bäume, Ansaat von Rasen und Weißklee und die Anpflanzung
neuer Gehölze.
Zeißig tritt zwar in den Akten als Planer der intensiv gestalteten Bereiche in Schloss-
nähe in Erscheinung, hatte sich aber natürlich an den Vorstellungen Ernsts II. zu
orientieren. Wir wissen nicht, wie detailliert diese waren, doch ist wohl mit einem
beträchtlichen Einfluss des musisch begabten Herzogs zu rechnen. Über die Ausbil-
dung des Hofgärtners und seine gartenkünstlerischen Neigungen und Fähigkeiten ist
nicht viel bekannt. Es liegt aber nahe und findet in seiner Callenberger Schöpfung
Entsprechung, dass er sich in den Bahnen der damals dominierenden so genannten
„Lenné-Meyerschen Schule“ bewegte, die landschaftliche Motive mit geometrischen
Gestaltungsformen kombinierte. Speziellen Einfluss auf Zeißig dürften aber vor allem
die Parkschöpfungen des Fürsten Pückler-Muskau gehabt haben: Der Hofgärtner un-
ternahm auf Anordnung Ernsts II. gemeinsam mit dem Untergärtner Lichtenecker im
Jahre 1857 eine Bildungsreise nach Muskau, Branitz und Babelsberg14 . Zeißigs Neu-
gestaltung des Terrassengartens beim Oberen Schloss in Callenberg lässt an Pückler-
sche Teppichbeete denken. Pückler war bei der Entstehung verschiedener Anlagen
im thüringischen Raum beratend tätig, so auch beim Sachsen-Coburg-Gothaischen
Wildpark Reinhardsbrunn. 1840 hatte das Coburger Herzogshaus vorübergehend die
Absicht verfolgt, die Standesherrschaft Muskau zu erwerben15 . Englische Einflüs-
se auf die Callenberger Parkgestaltung dürften wohl ebenfalls vorauszusetzen sein.
Auf jeden Fall waren sie auf mittelbarem Weg, nämlich über die Schöpfungen Pück-
lers, wirksam. Pückler und sein leitender Gärtner Eduard Petzold waren stark von
dem führenden englischen Gartenkünstler und -theoretiker des frühen 19. Jahrhun-
derts, Humphry Repton, abhängig (vgl. dazu den Beitrag von Gert Gröning in diesem
Band).
Die größte Pracht entfalteten die Maßnahmen Zeißigs im Bereich des Gartens auf
der oberen Schlossterrasse. Gerade von diesem Bezirk lässt sich eine recht präzise
Vorstellung gewinnen. Den besten Eindruck vermittelt ein zeitgenössisches Aquarell
(Abb. 6.4) des Baurats Rothbart: Die Anlage wurde von einem großen, leicht zum

13 StA C LA A 8306, Bl. 81–84, Bl. 86.


14 StA C Hofamt 39, Bl. 45–46.
15 StA C LA A 6754.

172
Landschaftspark von Schloss Callenberg

Abb. 6.4: Theodor Rothbart, Schloss Callenberg: The inner courtyard, Royal Library, Windsor
Castle, RL 20584, The Royal Collection 
c 2008, Her Majesty Queen Elizabeth II.

Dreieck verformten Rasenoval bestimmt, dessen Umriss vom Zuschnitt der Terrasse
beeinflusst wurde und dem irregulären Bezirk einen beherrschenden Eindruck von
Symmetrie abtrotzte. Der Rasenplatz war von einer radial mit quadratischen Sand-
steinplatten belegten Fläche umgeben. Zwischen Rasenfläche und Plattenbelag befand
sich eine 1859 montierte Einfassung aus rot gestrichenen „corallenartig geformten Ei-
sengußverzierungen“16 . Die Mitte des Rasenovals markierte ein Springbrunnen, der
auf die Mittelachse des Oberen Schlosses bezogen war. Das 1862 eingebaute, vier-
passförmige Brunnenbecken aus weißem Marmor hat sich bis heute an Ort und Stelle
erhalten, die alte Brunnenfigur existiert hingegen nicht mehr. Ein mit Sand oder Kies
belegter Weg durchschnitt das Oval und teilte sich in dessen Mitte, um das Brunnen-
becken ringförmig zu umschließen. Dieser Weg war ebenfalls mit Eisenguss-Korallen
eingefasst, die Rothbarts Aquarell jedoch nicht wiedergibt. Außerdem verzeichnen
die Akten noch ein Parktor, das am nördlichen Zugang zur Gartenterrasse zu vermu-
ten ist17. Die Rasenflächen wurden von Blumenbeeten, Kugelbäumchen, Kübelpflan-
zen und bodendeckenden Stauden belebt. Die Blumenbeete waren durch eine niedrige

16 StA C Hofamt 39, Bl. 79, Schloßhauptmannschaft an Staatsministerium, 11.11.1859. Die äußere
Einfassung hatte einen Umfang von 203 Fuß und erforderte 280 Eisenguss-„Corallen“, die innere
Einfassung bestand bei 120 Fuß Umfang aus 165 Gusselementen.
17 Parktor: StA C Hofamt 39, Bl. 79: Abrechnung eines (eisernen) Parktores. Brunnenbecken: StA
C, Hofamt 39, Bl. 110, Schloßhauptmannschaft an Staatsministerium, 27.3.1862: Auf Befehl des

173
Rolf Kirsch

Buchsbaumhecke und einen schmalen Kies- oder Sandstreifen eingefasst. Vier Beete
flankierten die Wegachse. Zwei weitere Beetpaare deuteten die Längsachse des Ovals
an. Sie hatten die Form von Monogrammen („E“ und „A“ für das herzogliche Paar
Ernst und Alexandrine). An der südwestlichen Schlossecke bot eine auf Stellagen er-
richtete Pflanzenpyramide Schutz für einen Sitzplatz. Vier Kübelbäumchen belebten
die Schlossfassade.
Auf dem Weg zur Oberen Terrasse hatte der Besucher den unteren Schlosshof
und die große Freitreppe am Unteren Schloss passiert. Diesen Bereich muss man sich
ursprünglich reich berankt und romantisch überwuchert vorstellen18 .
Ein zweites von Zeißig neu geschaffenes Blumengärtchen befand sich auf einer
leicht gebogenen lang gestreckten Terrasse vor der Schlosskapelle. An Ort und Stelle
haben sich nur Reste einer Brunneneinfassung erhalten, alte Ansichtskarten doku-
mentieren eine Fontäne. Sonst ist über die ursprüngliche Gestaltung dieser Anla-
ge nicht viel bekannt. Nach Überarbeitungen wohl in den 1930er Jahren wurde die
Gartenterrasse zumindest bis in die 1960er Jahre noch gepflegt. Sie bietet noch im-
mer einen eindrucksvollen Fernblick zur Feste Coburg ähnlich dem so genannten
„Herzoginnenblick“ vom südöstlichen Erker des Oberen Schlosses aus.
Nach der Umgestaltung unter Ernst II. hatte der Schlossberg folgendes Aussehen:
Sein östlicher Hang war von einer um 1910 noch als Rasen, später als Parkwiese ge-
pflegten Fläche bedeckt, die nur von einigen Baumgruppen und Solitärs unterbrochen
wurde. Besonders auffällig ist auf dem Plan von 1860 eine dominante Nadelholzgrup-
pe südlich des schmalen Treppenweges, die auch eine Luftaufnahme von 1920 noch
gut erkennen läst. Der sanft geschwungene, von vereinzelten Nadelgehölzen flankier-
te Treppenweg gliederte die Freifläche effektvoll, wie eine Postkarte von ca. 1910 zeigt
(Abb. 6.5).
Deutlich ablesbar ist die Absicht, das Schlossvorfeld weitgehend freizuhalten, um
gerahmte Blicke auf das Bauwerk aus mittlerer Distanz zu ermöglichen. Auf dem
westlichen unteren Abhang des Schlossberges unterhalb des Hauptweges war die Si-
tuation ähnlich: Auch hier dehnte sich eine Wiesenfläche aus, die nur von wenigen
Bäumen überstellt wurde. Der obere Schlossberg wurde im Wesentlichen gegliedert
durch die sich schneckenförmig zum Schloss hinauf windende Hauptzufahrt sowie
durch eine weitere breite Zufahrt, die steil und direkt zum Schlossvorplatz anstieg.
Der Schlossberg grenzte sich im Süden und Westen gegen diese beiden Zufahrten
durch dichte Pflanzungen aus Nadel- und Laubholz ab. Offenbar sollte hier das

Herzogs installiert der Steinmetz Ackermann aus Weißenstadt das Marmorbassin. Planzeichnung
(Draufsicht des Beckens): StA C Plan-Slg., 1781.
18 Eine in den Beständen der Kunstsammlungen der Veste Coburg verwahrte, anonyme, mit Feder
und Pinsel übergangene Bleistiftzeichnung des Treppenaufgangs, ca. Mitte d. 19. Jhs., zeigt ro-
mantischen (Kletterrosen?)-Bewuchs an der Brüstungsmauer der Treppe und an einem (offenbar
nicht ausgeführten) Rankgitter aus Tudorbögen zwischen Fialentürmchen auf dem Treppenab-
satz vor der Schmalseite des Oberen Schlosses. Eine Fotografie von ca. 1920 von Gruner (StadtA
C) zeigt einen üppig wuchernden Bewuchs des Treppenaufgangs; in etwas reduzierter Form ist
er auch noch auf einem Foto von 1960, StadtA C, zu sehen.

174
Landschaftspark von Schloss Callenberg

Abb. 6.5: Schloss Callenberg von Südosten, Ansichtskarte um 1910, Stadtarchiv Coburg, Postkar-
tensammlung.

175
Rolf Kirsch

Schloss vorübergehend den Augen entzogen werden, um dann mit stärkerem Effekt
plötzlich in größerer Nähe wieder in das Blickfeld des Betrachters zu rücken. Eine
derartige Blickregie mit Überraschungseffekt ist ein bewährtes Stilmittel des Land-
schaftsgartens. Zugleich ging es hier aber sicherlich auch um Hangsicherung. Weitere,
teilweise mit Treppen versehene Wege, die lediglich als schmale Fußwege ausgebaut
waren, gliederten den Schlossberg. Auffälligstes Kennzeichen der Bepflanzung sind
heute die hochragenden Thujen und Scheinzypressen an der alten Hauptzufahrt, die
aufgrund ihres geschätzten Alters noch aus der Epoche Ernsts II. stammen könnten.
Eine Lithographie Callenbergs um 1860 legt nahe, dass der Westhang des Schloss-
bergs eine Bepflanzung weit überwiegend aus Laubbäumen besaß. Sie verteilten sich
in Gruppen und als Solitärs locker über Parkwiesen.
Wesentlicher Bestandteil der Gesamtanlage waren auch die Promenadenwege au-
ßerhalb des engeren Schlossbereichs, die teilweise von Baumreihen begleitet waren.
Besonders gut erhalten ist die Kastanienreihe am Weg vom Cottage hinauf zum
Schloss (Abb. 6.3). Auch an anderen Stellen finden sich noch Reste von Baumreihen.
Die das Landschaftsbild stark prägenden Wasserflächen, der so genannte „Drehen-
weiher“ im westlichen Talgrund und die Weiherkette im Südosten, existierten bereits
vor der Entstehung der Callenberger Anlagen, wurden jedoch gestalterisch für diese
nutzbar gemacht. Die Weiherkette war ein wichtiges Bildmotiv, hauptsächlich als Vor-
dergrund für den Blick über das Cottage hinauf zum Schloss. Noch bedeutsamer war
der Drehenweiher: Er erweckte durch Baumpflanzungen, die sein nördliches und süd-
liches Ende verdeckten, vom oberen Schlossberg aus gesehen, den Eindruck eines sich
im Talgrund schlängelnden Flusslaufes. Dieses Panorama und sein Gegenblick (Abb.
6.1) stellten eine der bedeutendsten Blickbeziehungen innerhalb der Callenberger An-
lagen dar. Ein weiterer wichtiger Fernblick streifte vom ehemaligen „Theeplatz“ den
weiten Wiesengrund hinab zum Cottage mit der Veste Coburg als Hintergrund.
Nach dem Tode Ernsts II. diente Callenberg seiner Frau als Witwensitz bis zu
ihrem Tod 1904. Bei guter Pflege blieben die Anlagen unverändert. Ab 1905 wurde
Callenberg Sommerresidenz des Herzogs Carl Eduard, eines in England geborenen
Neffen des kinderlosen Paares Ernst und Alexandrine. Er ließ die Anlagen fortwäh-
rend gut pflegen, beendete aber 1918 die Wildparknutzung und nahm in den 30er
Jahren auch einige Änderungen an Bauten und Gartenanlagen vor. Auf dem Öko-
nomiehof entstand ein breit gelagertes Wohnhaus mit Mansarddach und Zwerchhaus
in barockisierenden Heimatstilformen nach Entwürfen von Baudirektor Reinhard
Claassen. Der unter Ernst II. geschaffene geometrische Schmuckgarten auf der Kel-
lerterrasse wurde in einen bis heute existierenden Tennisplatz umgewandelt. 1937 gab
Carl Eduard dem Schlossturm seine ursprüngliche welsche Haube zurück. Das Obe-
re Schloss erhielt nach Plänen von Claasen einen Pfeilerportikus in den Formen eines
reduziert klassizistischen Monumentalstils.
Der zugehörige Terrassengarten erfuhr eine völlig neue Gestaltung. Sie entsprang
dem Geist der von Muthesius und anderen im frühen 20. Jahrhundert propagierten
Wiederbelebung der geometrischen Gärten nach englischem Vorbild. Der aus der älte-
ren Anlage beibehaltene Brunnen bildete den Schnittpunkt zweier Symmetrieachsen.

176
Landschaftspark von Schloss Callenberg

Dieser Garten war in Resten noch vorhanden, als man 1984 die Instandsetzung des
Schlosses begann; er wurde aber bei der Wiederherrichtung der ihn begrenzenden
Ringmauer und der Terrasse ohne ausreichende Dokumentation beseitigt und nur
vereinfacht unter der Benennung „Rosengarten“ wiederhergestellt.
Carl Eduard starb 1954, seine Witwe Viktoria Adelheid 1970. Sie hatte sich bis zu
ihrem Tod für den unveränderten Bestand des Callenberger Parks eingesetzt.
Das Schloss durchlief nach dem Krieg verschiedene Nutzungen, unter anderem
nahm es von 1957–73 eine Heimfrauenschule der Mathilde-Zimmer-Stiftung auf. 1974
wurde es vom Herzogshaus verkauft und wechselte in wenigen Jahren und unter dem
Scheitern verschiedener Nutzungskonzepte mehrfach den Besitzer. Im Jahr 1982 wur-
de es auf Initiative von Prinz Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha von der her-
zoglichen Familienstiftung zurückerworben. Seit 1998 beherbergt es nach umfangrei-
cher Instandsetzung die Sammlung Herzoglicher Kunstbesitz Sachsen Coburg und
Gotha.
Der Ökonomiebetrieb Callenberg wurde 1974 eingestellt. Den Nebenbauten fehl-
te es seither zumeist an der nötigen regelmäßigen Unterhaltung, was zu Abbrü-
chen wie beim Neuen Marstall und trauriger Verwahrlosung wie beim Kavaliers-
haus, beim Cottage und beim so genannten „Beamtenhaus“ auf dem Ökonomiehof
führte. Seit dieser Zeit ist es auch zu problematischen Veränderungen im engeren
und weiteren Umfeld des Schlosses gekommen. Flächen, die seit jeher als Laub- und
Laubmischwald bewirtschaftet worden waren, wurden aus Rentabilitätsgründen zu
Douglasien- und Fichtenmonokulturen umgewandelt19 . Großflächige Nadelholzauf-
forstungen wurden sogar auf ehemals freien Wiesenflächen vorgenommen. Form und
Charakter der Landschaft wurden auf diese Weise massiv verändert. So ist heute etwa
die Sichtachse vom ehemaligen „Theeplatz“ auf das Cottage und die Veste Coburg
völlig zugewachsen. Auch der wichtige Blick vom Drehenweiher zum Schloss wird
durch Nadelholzpflanzungen, die auf einem Foto von 1990 (Abb. 6.1) noch in einem
frühen Aufwuchsstadium zu sehen sind, stark eingeschränkt. Der östliche Schloss-
hügel unterhalb der Schlosskapelle wurde zugunsten eines neuen Wildgatters seiner
verbliebenen Parkgestaltung beraubt, die alten Bäume gefällt, der Treppenweg und
viele Sichtbezüge unterbrochen. Wildwuchs und Nadelholzpflanzungen prägen seit-
her das Bild. Die Weiherkette ist von Verlandung bedroht und wird ebenfalls durch
Aufforstungen den Blicken entzogen. Fehlende Pflege der Parkreste und aufkommen-
der Wildwuchs, der die wenigen alten Parkbäume bedroht, tun ein Übriges dazu, dass
die noch um 1990 sichtbaren Restqualitäten der Callenberger Parklandschaft inzwi-
schen fast völlig versunken sind. Trotz allem gibt es auch heute noch Szenerien, die
eine Idee von der früheren Schönheit der Parkschöpfung vermitteln. Unter den jet-
zigen Rahmenbedingungen ist aber leider mit einem baldigen völligen Verlust dessen
zu rechnen, was einmal die Anlagen auf dem Callenberg waren.

19 Zu den Aufforstungen bei Callenberg vgl. Strunz (wie Anm. 1).

177
Helmut Wiegel

Zur Geschichte des Coburger Hofgartens

Der folgende Aufsatz zeigt die Entwicklung des Coburger Hofgartens in ihren grund-
legenden Zügen auf. Dabei wird deutlich, dass sämtliche über die Anlage hinwegge-
gangenen Umgestaltungsphasen noch immer anhand ihrer topographischen Ausprä-
gung, der Wegeverläufe oder der jeweils spezifischen Gehölzverwendung erkennbar
sind, der Garten somit seine über 300-jährige Geschichte noch selbst anschaulich ver-
mitteln kann. Dies ist aus gartenhistorischer Sicht bemerkenswert, da viele formale
Gärten des Barock und Rokoko oftmals im Zuge der Anglisierung der Gartenkunst
gegen Ende des 18. und vor allem im 19. Jahrhundert grundlegend überformt wur-
den. Beim Coburger Hofgarten sind die Gründe vor allem in der Geisteshaltung des
Herrscherhauses zu sehen, die Neuem aufgeschlossen, Bestehendem jedoch meist be-
wahrend gegenübertrat.
Das in den Jahren 1996 bis 1999 für die Anlage erstellte Pflege- und Entwicklungs-
konzept1 versucht – unter Einbeziehung und Abwägung heutiger Nutzungsanforde-
rungen an die denkmalgeschützte Anlage – diese Eigenheiten zu wahren und dort, wo
nötig, wiederzugewinnen, um den besonderen Charakter des Parks aufrechtzuerhal-
ten und tradieren zu können.

I. Der herzogliche Garten von 1690

Die Keimzelle der heute 30 ha großen Parkanlage geht auf Herzog Albrecht III. v.
Sachsen-Coburg, der von 1680 bis 1699 regierte, zurück. Mit der Planung des Gar-
tens beauftragte er den Architekten Justinus Bieler aus Saalfeld, der auch die Ausfüh-
rung übernahm. Wie der von Bieler 1690 gezeichnete Plan (Abb. 7.1) zeigt, war der
regelmäßig gestaltete Garten in mehrere terrassierte Quartiere unterschiedlichen Cha-
rakters gegliedert und bestand aus einem mit Wasserbecken ausgestatteten Blumen-
und Küchenquartier im Zentrum und dem gärtnerischen Anbau dienenden seitlichen
Ökonomiequartieren.

1 Mit der Ausarbeitung des Pflege- und Entwicklungskonzepts wurde das Landschaftsarchitek-
turbüro des Verfassers betraut. Die historische Untersuchung, auf die sich dieser Aufsatz stützt,
erfolgte in Zusammenarbeit mit Dipl.-Ing. Steffen Roth, Zürich, und wurde im Jahr 1999 abge-

179
Helmut Wiegel

Abb. 7.1: Plan des Hofgartens, Justinus Bieler, 1690, Staatsarchiv Coburg, Plan-Slg. 1119.

Im Norden befanden sich „Bau-, Schiess- und Exercierplätze“, was auch eine mi-
litärische Nutzung des Gartens belegt. Eine Betonung der einzelnen Kompartimente
erfolgte durch die Anlage von flankierenden Lindenreihen und Lindenalleen, die sich
in Resten bis heute erhalten haben bzw. in jüngster Zeit erneuert wurden. Baulich war
die Anlage mit mehreren Pavillons ausgestattet, das gesamte Gartenareal wurde von
einer umlaufenden Mauer eingefasst.
Vor allem durch die schwierigen topographischen Verhältnisse (der Garten muss-
te in den nach Nordosten ansteigenden Hang zur Veste eingepasst werden) konnte
die Anlage nicht in räumlicher Zuordnung zum Residenzschloss entstehen; die zu
dieser Zeit gartenkünstlerisch geforderte Einheit von Schloss und Garten, wie sie die
zeitgenössischen französischen Vorbilder zeigen, musste unterbleiben. In der Folge
kann beim Coburger Hofgarten nicht von einem klassischen Barockgarten gespro-
chen werden, vielmehr handelte es sich um eine (für die Zeit relativ schmucklose)
Anlage mit Anklängen an holländische und italienische Renaissancegärten.
Diese formale Anlage blieb während der folgenden einhundert Jahre unverändert
bestehen. Auch während der später im 19. Jahrhundert erfolgenden Veränderungen
und Erweiterungen wurden ihre Grundstrukturen nicht aufgegeben, hinzukommen-
de Gestaltungsmaßnahmen orientierten sich stets an der vorgegebenen Situation.

schlossen. Siehe auch Steffen Roth, Zur Entwicklungsgeschichte des Hofgartens der Ehrenburg
in Coburg, in: Die Gartenkunst 13 (2/2001), 254–274.

180
Coburger Hofgarten

II. Veränderungen des Hofgartens unter Ernst I.

Der Nachfolger Herzog Franz Anton verfügte in seiner kurzen Regentschaft (1799–
1806) nicht über die Möglichkeiten, die Anlage zeitgenössischen Vorstellungen – der
englische Landschaftsgarten hatte mittlerweile Einzug auf dem Kontinent gehalten –
entsprechend umzugestalten. Erst unter der Regierung von Ernst I. (1806–1844) be-
gannen erste Veränderungen im Hofgarten, die unter seinem Sohn Ernst II. weiterge-
führt werden sollten.

II.1. Der Bau des Mausoleums 1817


Im Jahr 1817 errichtete Ernst I. auf einem dem Hofgarten östlich angegliederten Areal
ein Grabmonument für seine Eltern. Das aus Sandsteinquadern gefügte Grabmal be-
sitzt eine klassisch-antike Formensprache. Die den Eingang bewachenden Sphingen
sind typische Beispiele für die Ägyptenrezeption dieser Zeit. Wie die zeitgenössische
Ansicht des Malers Georg Hohlweg von 1832 zeigt (Abb. 7.2), war es den damaligen

Abb. 7.2: Mausoleum und Veste Coburg, Georg Hohlweg, 1832, Kunstsammlungen der Veste Co-
burg, Slg. M362.

181
Helmut Wiegel

gartenkünstlerischen Vorgaben entsprechend auch zur Anlage dunkler, die melancho-


lische Stimmung des Orts steigernder Nadelbaumgruppen mit Vorpflanzung farblich
kontrastierender ,trauernder‘ Gehölze gekommen.
Erweitert man den Blick über das unmittelbare Umfeld hinaus, wird bei der In-
szenierung der Örtlichkeit ein grundlegender Gedanke Ernsts I. deutlich: Die Schaf-
fung einer prägnanten Blickbeziehung über das Mausoleum hinweg auf die mittel-
alterliche Veste nahm vorweg, was später für die weitere Entwicklung des Hofgar-
tens Programm werden sollte, nämlich seine „Bestimmung als Bindeglied zwischen
Ehrenburg und Veste Coburg, die als Stammburg des Herzogsgeschlechts über der
historisierenden Stadtresidenz thront. [. . . ] Damit rückt neben dem ästhetischen ein
moralisch-erzieherischer Anspruch in den Vordergrund – der Park soll zur Verede-
lung der Staatsbürger beitragen“2 . Allerdings kann mit dem Bau des Mausoleums
noch nicht von einer Einläutung der landschaftlichen Umgestaltungsphase des Hof-
gartens gesprochen werden. Diese erfolgte nachweislich erst zusammen mit der Idee
zur Neugestaltung des Schlossplatzes vor der Ehrenburg.

II.2. Lennés Entwurf zu Schlossplatz und Hofgarten 1835


Der Kontakt mit dem in preußischen Diensten stehenden Gartenarchitekten Peter
Joseph Lenné war sehr wahrscheinlich bereits im Jahre 1815 während der Teilnahme
Ernsts I. am Wiener Kongress zustande gekommen, als sich der Gartenkünstler in La-
xenburg zur Umgestaltung der dortigen Gärten aufhielt3 . Die Frage des Umgangs mit
dem Schlossplatz erlaubte Lenné einen städtebaulichen Entwurf, der erstmalig die zu
schaffende Verbindung zwischen Hofgarten, Stadt und Residenz durch die Anlage ei-
ner Platzfläche mit zwei sich verschneidenden Rondellen und eine räumliche Fassung
des Platzes mit mehreren repräsentativen Bauwerken befriedigend zu lösen vermoch-
te. Lennés Entwurfsplan, datiert auf den 20. Sept. 1835, zeigt bei der gestalterischen
Anbindung des Parks eine ähnlich geniale Lösung (Abb. 7.3).
Die als Halbrund gestaltete Terrasse oberhalb eines Arkadenbaus wird Ausgangs-
punkt für einen den Park umschließenden Rundweg. Die Parkränder sind mittels
dichter Gehölzstreifen vom Außenraum abgeschirmt, während der Innenraum durch
eine zentrale offene Wiesenfläche, locker überstellt mit mehreren Baumgruppen, cha-
rakterisiert ist.
Trotz der hohen gestalterischen Qualität des Entwurfs wurde Lenné mit der Aus-
führung des Plans nicht beauftragt. Als Gründe hierfür können die Höhe der erfor-
derlichen Geldmittel oder die im Lennéschen Entwurf nicht vollends gelösten to-
pographischen Schwierigkeiten gelten. Den Quellen ist zu entnehmen, dass 1836 ein
weiterer, bisher unbekannter Künstler beauftragt wurde, einen neuen Entwurf oder

2 Annette Faber, Der neugotische Umbau von Schloß Ehrenburg nach den Plänen von Karl Fried-
rich Schinkel 1810–1840, in: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 30, Coburg 1985, 281–394,
331.
3 Ebd., 331.

182
Coburger Hofgarten

Abb. 7.3: Lennés Entwurf für Schlossplatz und Hofgarten, 1835, Staatsarchiv Coburg, Plan-Slg. 26.

die Fortführung des Lennéschen Idee zu formulieren4 . Möglicherweise wollte man


den Lennéschen Plan dahingehend modifizieren, dass er den realen Verhältnissen in
Coburg Rechnung trägt. Doch war man mit dem Ergebnis nicht zufrieden, denn
im April 1837 legt der Düsseldorfer Königliche Gartendirektor Maximilian Fried-
rich Weyhe dem Herzoglichen Haus einen neuen (leider verschollenen) Entwurf vor,
wohl auf Grundlage der Zeichnung von 1835. Arkaden und Rondell blieben Aus-
gangspunkt der weiteren Überlegungen und bestimmend für den im Anschluss aus-
geführten Stadtplatz.
Zeitgleich wurden bereits die notwendigen Arbeiten für die Platzgestaltung und
die Gartenerweiterung vorangetrieben. 1837 konnten die Grundstücke für die erfor-
derliche Verbindung von Schloss und Hofgarten angekauft und mit dem Bau des
(1840 eröffneten) Theaters unter der Leitung des Baumeisters Karl Balthasar Harres
begonnen werden. Die Arkaden am Theaterplatz, ein breit gelagerter Terrassenbau im
Stil der italienischen Spätrenaissance, wurden um 1840 als Hauptwache des Schlosses
unter der Leitung des Architekten Hermann Nicolai errichtet. Im Jahre 1849 erfolgte
mit der Aufstellung des Denkmals für den 1844 verstorbenen Ernst I. der Abschluss
der Platzgestaltung vor Schloss Ehrenburg.

4 Vgl. Otto Appel, Aus der Geschichte des Coburger Hofgartens, in: Aus den Coburg-gothaischen
Landen 3, 1905, 70–83, hier 77.

183
Helmut Wiegel

II.3. Der landschaftliche Hofgarten 1843


Die unter Ernst I. ausgeführten Veränderungen im Hofgarten dokumentiert der von F.
Hock im Jahr 1843 gefertigte „Grundriss der Herzogl. Sächs. Residenzstadt Coburg“
(Abb. 7.4):

Abb. 7.4: „Grundriss der Herzogl. Sächs. Residenzstadt Coburg“, 1843 (Ausschnitt), Forschungs-
und Landesbibliothek Gotha, Sig. Opp. Gr. 2˚ 198/8.

Deutlichstes Kennzeichen der Anlage ist die verbliebene Grundstruktur des ur-
sprünglichen Hofgartens. Seine regelmäßige Gestaltung bleibt anhand der Wegefüh-
rung und der Flächenproportionen überwiegend beibehalten. Auf der Fläche des frü-
heren Exerzierplatzes entsteht mittig ein Teich, flankiert von zwei neu erstellten Pavil-
lonbauten. Als Gebäude der ersten Hofgartenphase hat sich lediglich das am Südrand
liegende Gärtnerhaus erhalten. Verschwunden sind ferner alle Terrassenmauern und
geometrischen Gartenquartiere; als strukturierende Elemente bleiben allerdings die
seitlichen Lindenreihen erhalten und werden darüber hinaus durch je eine zweite,
parallel laufende Baumreihe ergänzt. Der Bereich des Mausoleums im Osten bildet
einen in sich geschlossenen Gartenteil, dessen Gestaltung der Idee des Landschafts-
gartens allerdings am nächsten kommt.
Als weitere bauliche Erneuerung im Hofgarten zählen die beiden Gewächs- und
Palmenhäuser im Süden. Den westlichen Parkabschluss bildet das sogenannte Groß-
fürstenhäuschen. Die umlaufende Gartenmauer bleibt mit Ausnahme der Öffnung
nach Westen bis 1855 erhalten. Locker im Park werden, ohne im Plan erkennba-
re übergeordnete Strukturen, Baumgruppen und Einzelbäume verteilt. Wenige Blu-
meninseln sind im Bereich des Mausoleums zu erkennen. Weiterhin wird im Garten

184
Coburger Hofgarten

„reichlich [. . . ] für Sitzplätze gesorgt, die zum Teil erhöht werden sollten, um eine
freiere Aussicht zu gewähren“5 .
Zu einer durchgreifenden landschaftlichen Neugestaltung und Verbindung des
Hofgartens mit dem Schlossplatz, wie sie Lenné vorgeschlagen hatte, war es jedoch
unter Ernst I. nicht gekommen.

III. Die Gestaltung des Landschaftsparks unter Ernst II.

Mit seinem Regierungsantritt im Jahre 1844 begann Ernst II. mit der weiteren Umge-
staltung des Hofgartens. Die Leitung der Arbeiten hatte der am 1. August 1844 zum
Hofgärtner ernannte Carl Gustav Zeißig. Die Veränderungen stellten sich noch als
zaghaft dar, Grundgestalt und Arealgrenzen wurden dabei weitestgehend beibehal-
ten. Für nahezu weitere zehn Jahre änderte sich wenig an der Anlage.
Die durchgreifende Umgestaltung wurde schließlich im Jahr 1856 eingeläutet, als
in einer am 15. März unter Herzog Ernst II. in Gotha abgehaltenen Konferenz be-
schlossen wurde, sämtliche zwischen dem Hofgarten und der Veste gelegenen Grund-
stücke anzukaufen. Die Verwaltung der erforderlichen Gelder oblag der eigens da-
für gegründeten Coburgischen Herzoglichen Immediat-Kommision für Administra-
tion und Umwandlung der Gärten am Festungsberge, die dem ebenfalls neu gegrün-
deten Herzoglichen Domänenamt unterstellt war. Als Gesamtkaufsumme wurden
30.000 fl. Rh. veranschlagt, die bei Bedarf auf weitere 10.000 fl. Rh. erhöht werden
konnte.
Die Kaufverhandlungen gingen unter der Regie von Regierungsrat Rose sehr
schnell vonstatten, damit die Grundstückseigentümer möglichst wenig von den Her-
zoglichen Interessen erfuhren und die Kosten des Erwerbs nicht in die Höhe trei-
ben konnten. Ernst II. gab am 25. September 1856 den Abschluss aller Ankäufe be-
kannt und benannte die verausgabte Summe in einem Schreiben an die Immediat-
Kommission: „Wir Ernst Herzog zu Sachsen, Coburg und Gotha u. u. haben zur
Ausführung eines schon länger gehegten Plans durch den Regierungsrath Rose hier
die sämmtlichen zwischen dem Hofgarten, der Festung, der von dem ersteren dahin
führenden Gassen und der sogenannten Weinstraße gelegenen Gärten für den Ge-
sammtpreis von Zwei und Dreißig Tausend, Zwei Hundert, Ein und Achtzig Gulden
18 rheinisch [. . . ] für die Domaine ankaufen lassen“6 . Die mit den Gärten erworbenen
Gartenhäuschen, Obstgehölze und sonstigen Ausstattungen sollten nun verkauft und
die Einkünfte der Kasse der Immediat-Kommission zugeführt werden. Die erworbe-
nen und freigelegten Grundstücke wurden zu Wiesen umgewandelt.
Am 21. Juli 1857 wurde Zeißig auf eine Weisung Ernsts II. hin von der Immediat-
Kommission aufgefordert, einen Entwurf für die Verbindung des alten Hofgartens
mit dem Festungsberg zu entwickeln: „Wir Ernst Herzog zu Sachsen Coburg und Go-

5 Ebd.
6 Staatsarchiv Coburg, Kammerarchiv Gotha Nr. 796, fol. 1–2.

185
Helmut Wiegel

tha u. u. hegen den Wunsch, daß der Hofgarten in Coburg eine Umgestaltung erfahre,
wodurch derselbe, indem er sich an die Park-Anlage am Festungsberge anschließt, mit
diesem in Uebereinstimmung gebracht wird und erachten daher [. . . ] für angemessen,
Unserer Immediat-Kommision für Administration und Umwandlung der Gärten am
Festungberge [. . . ] auch die Umgestaltung des Hofgartens zu übertragen. Wir [. . . ]
weisen unsere Immediat-Kommision für Administration und Umwandlung der Gär-
ten am Festungsberge hiermit an, zu dem oben angedeuteten Zweck zunächst einen
Plan zu entwerfen und denselben Unserer weiteren Schlußfassung zu unterbreiten“.
Im Anschluss folgt als Gegenzeichnung der Kommission: „Haben die Mitglieder des
Herzogl. Immediat-Kommision Kenntniß von der obigen höchster Zustimmung ge-
nom[m]en, drum der Hofgärtner Zeißig veranlaßt worden, den fraglichen Plan mit
Berücksichtigung ihn dazu gegebener Bevorteilung zu entwerfen. Ad acta 21.7“7 .
Die Planungsarbeiten müssen äußerst schnell vonstatten gegangen sein, da bereits
zwei Jahre später die Neugestaltung der Anlagen am Festungsberg abgeschlossen war.
Dabei kann als glücklicher Umstand bezeichnet werden, dass das Jahr der Fertig-
stellung mit dem der Coburgischen Landesvermessung zusammenfiel. Diese äußerst
exakt gemessenen und gezeichneten Uraufnahmen ermöglichen ein differenziertes
Bild der unmittelbar zuvor abgeschlossenen Gestaltungsmaßnahmen.

III.1. Der Landschaftspark in der Darstellung der Uraufnahme von 1860


Die unter Zeißig entstandene Gesamtanlage lässt sich anhand des Uraufnahmeplans
von 1860 anschaulich erläutern (Abb. 7.5): Hauptcharakteristikum des Landschafts-
parks ist der offene zentrale Wiesenraum, der sich von der Ehrenburg zur Veste hin-
aufzieht.

Abb. 7.5: Hofgarten Coburg, Uraufnahme, 1860 (Ausschnitt), Staatliches Vermessungsamt Coburg,
Stadtblatt Nr. 6, NW. CII. 19d.

7 Thüringisches Staatsarchiv Gotha, Com. 79.

186
Coburger Hofgarten

Die mit dichten Gehölzstreifen verdeckten Parkgrenzen führen den Blick des Be-
trachters stets in den offenen Wiesenraum zurück und lenken ihn somit zur Veste
oder – rückblickend – hinaus in die sich darbietende fränkische und thüringische
Landschaft. Es wird deutlich, dass sich die Gestaltungsintensität zur Veste hin ver-
dichtet. Diese ist der inszenierte Abschluss des Parks, ihre thronende Lage als frän-
kische Krone gleichzeitig romantischer und auch ikonographischer Höhepunkt.

III.2. Der Landschaftspark am Festungsberge


Der neue Landschaftspark lebt von der – in der Uraufnahme nicht dargestellten –
Einbeziehung der örtlichen Topographie und der Darbietung von überwältigenden
Aussichten. Gestalterischer Schwerpunkt ist das so genannte Veilchental, dessen tiefe
Einkerbung von hohem landschaftlichen Reiz ist. Die Chaussee, die den 1852 erstell-
ten Fahrweg fortführt und nun zur Veste leitet, ermöglicht die Gesamterschließung
des Parks. Zunächst verdecken wegebegleitende Gehölzgruppen den Blick, bis der
Weg nach einem scharfen Bogen die Aussicht auf die Veste freigibt. Die Chaussee
wird in ihrem folgenden Verlauf weiträumig geschwungen über Lichtungen und Wie-
senflächen bis an die frühere Meierei, dem heutigen Hotel Festungshof, geführt.
Gegen die Veste verdichten sich allmählich die Gehölzgruppen zunehmend zu ei-
nem Parkwald, ohne jedoch deren Ansicht zu verdecken. Die eingestreuten Lich-
tungen werden von schmaleren Promenadenwegen durchquert, von denen sich stets
neue Aussichtspunkte und -plätze erreichen lassen. Diese Orte sind mit Ruhebänken
ausgestattet und durch prägnante Einzelbäume und Gehölzgruppen betont. Weitere
Treppenwege führen hinauf zur Veste, in deren Umfeld es bereits seit 1834 zu Ver-
schönerungsmaßnahmen gekommen war. Nach dem Verfüllen der Festungsgräben
waren die Festung umrundende Promenadenwege entstanden und Obst- und Zier-
gehölze gepflanzt worden. Am Südhang hatte man einen Weinberg angelegt, dessen
Terrassierungen heute noch erkennbar sind.

III.3. Der alte Hofgarten


Das Areal des alten Hofgartens bildete das Bindeglied zwischen Ehrenburg und der
neuen Parkanlage aus. Das Mausoleum war zu dieser Zeit noch durch einen Zaun
vom weiteren Park abgetrennt, die Grabstätte blieb noch von dichtem Nadelgehölz
umschlossen. Die Parkwiese des Hofgartens wurde offen gehalten, lediglich Baum-
reihen begleiteten die Wege. Die beiden alten Lindenalleen sind als axiale Baumreihen
dargestellt. Der Vergleich mit dem Vorzustand zeigt ein deutlich reduziertes und der
neuen Gesamtanlage angepasstes Wegenetz, das dennoch nicht grundlegend verändert
wurde. Etwas ungelenk erscheint die Überleitung aus dem Hofgarten in die obere
Parkanlage. Sie wird bewerkstelligt durch die östliche Gartenachse, die ihre Herkunft
von 1690 nicht verleugnen kann und nahezu geradlinig den Garten quert. Auch ist
der gestalterische Übergang vom ehemaligen Hofgartengelände in den neugestalteten
landschaftlichen Teil wenig berücksichtigt. Der seit dieser Zeit der Öffentlichkeit zur
Verfügung gestellte Park hat sich in dieser Form bewahren können. Nur noch wenige

187
Helmut Wiegel

Abb. 7.6: Blick von Schloss Ehrenburg über die Schlossplatzarkaden und das Reiterstandbild Ernsts
II. zur Veste, 1994.

Änderungen, die meist nur die Parkränder betrafen, erfolgten bis zum Tode Ernsts II.,
der im Jahre 1893 nach 49-jähriger Regentschaft starb.
Im Jahr 1899 wird das Reiterstandbild von Herzog Ernst II. im Hofgarten auf-
gestellt (Abb. 7.6). Ausführender Bildhauer ist Gustav Eberlein, der als Gewinner
aus einem Wettbewerb des 1894 zum Zwecke der Realisierung eines Denkmals für
den verstorbenen Herrscher gegründeten Komitees hervorging. Im Norden des alten
Hofgartenbereichs kommt es an der Stelle des früheren Teichs im Jahre 1903 zur Er-
richtung des Herzog-Alfred-Brunnens. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgt die Um-
widmung der ehemaligen Schlosswache in eine Heldengedenkstätte. Auch wird 1926
zwischen den nordöstlichen Pavillon und dem Mausoleum, exakt in den Übergang
von Parkanlage und einstigem Hofgarten, ein Kriegerdenkmal der Landsmannschaf-
ten gesetzt. Mehrere Spielplätze und Pflanzungen sind Ergänzungen der jüngsten
Zeit.

188
Coburger Hofgarten

IV. Ausblick

Der Hofgarten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war für Ernst I. Ausdruck
seines gesellschaftlichen und politischen Verständnisses; er ist deshalb weniger als
romantischer Ort oder, wie beispielsweise in England, als Sinnbild der Überwindung
despotischer Verhältnisse zu sehen. Vielmehr verdeutlicht der im Park inszenierte
Blick zur Veste den Ursprung der Ernestinischen Linie, aus der die einst mächtige
Familie hervortrat. Diese Tradition hervorzuheben war angesichts des Umsturzes der
alten Ordnung, wie ihn die französische Revolution ausgelöst hatte, wichtig, um die
Herrschaft Ernsts I. zu legitimieren. Dies mag auch der Grund sein, warum er es nie
wagte, den Garten vollständig umzuändern, wie dies Lenné 1835 empfohlen hatte.
Dieser Eingriff wäre Ernst I. sehr wahrscheinlich zu tief greifend gewesen. Für ihn
entsprach der weitgehende Erhalt des von seinen Vorfahren übernommenen Gartens
wohl vielmehr seinen Vorstellungen.
Dagegen war das politische Weltbild Ernst II. weitaus liberaler als das seines Va-
ters. Die Führung des Hofgartens als Staatsdomäne und die Öffnung für das Publi-
kum seit 1857 zeigen ein für die Zeit modernes politisches Verständnis, worin auch
die Gestaltung des neuen Parkteils zwischen Hofgarten und Veste ihren deutlichen
Ausdruck findet. Erst mit der Neuschöpfung dieser Anlage ab 1857 wird die Idee des
Landschaftsgartens nach englischem Vorbild spürbar, seine Ausführung entspricht
nun endlich der aktuellen Auffassung eines ,modernen‘ Landschaftsparks.
Doch wie bereits sein Vater vermochte auch Ernst II. nicht, den überkommenen
Hofgarten einer großen Gesamtidee unterzuordnen. Diese Unentschlossenheit sollte
schließlich zum Charakteristikum der südlichen Parkanlage werden. So vermag der
Hofgarten, heute sämtliche ,historischen Schichten‘ und somit seine Entwicklungs-
geschichte bis in die Gegenwart auch physisch darzustellen. Gerade diese Eigenschaft
verhilft der Anlage aus gartendenkmalpflegerischer Perspektive zu einem sehr ho-
hen Stellenwert. Die gartenkünstlerische Linie des 19. Jahrhunderts bildet deshalb die
Grundlage für den heutigen und zukünftigen Umgang mit dem Hofgarten. Trotz der
umfangreichen Anforderungen, die aktuell an die Anlage gestellt werden (Funktion
als innerstädtische Naherholungsfläche, Belange des Natur- und Artenschutzes, Ver-
anstaltungsflächen etc.), sollen die gartendenkmalpflegerischen Bemühungen dahin
gelenkt werden, die historische Vielschichtigkeit zu erhalten bzw. wieder erkennbar
zu machen und die dabei in der jüngeren Zeit erfolgten Verunklärungen zu beseitigen.
So kam es in den letzten Jahren zu Baumaßnahmen zur Rückführung von Parkwegen
entsprechend ihrer historischen Lage sowie zum Beginn umfangreicher Arbeiten zur
Vegetationsentwicklung und zur Neupflanzung abgegangener Gehölze. Durch die
Pflege der überkommenen und die Wiedergewinnung verschwundener Gestaltungs-
merkmale soll die Geschichte des Hofgartens – entsprechend den Auffassungen der
beiden Herrscher des 19. Jahrhunderts – lebendig gehalten werden.

189
Frances Dimond

Prince Albert’s Gardens in Britain∗

It has long been the custom to name plants after Royalty, and if one searches the
Royal Horticultural Society’s Horticultural Database – something which Prince Al-
bert would surely have enjoyed – it is possible to find at least seven plants which
were named after him. They are: a blood lily, Japonica Prince Albert, an apple called
“Lane’s Prince Albert”, a species of rhubarb, a rose, a tree named “Prince Albert’s
Yew” and a pelargonium. Appropriately enough, they mark the Prince’s interest in
flowers, shrubs, fruit, trees and bedding plants, all of which were used in the gardens
he created in his adopted country.

Ill. 8.1: Prince Albert holding his straw hat, Osborne, Au-
gust 1855. J. J. E. Mayall, RCIN 2931346,The Royal Col-
lection  c 2008, Her Majesty Queen Elizabeth II.

Prince Albert loved nature from his early youth and always thought of himself as a
gardener. As boys, he and his brother, Prince Ernst, had their own little gardens at the
Rosenau and also collected natural objects, such as birds, butterflies, stones and shells,
for their Ernst-Albert Museum. They led a free, open-air life at the Rosenau, Callen-

∗ All extracts from documents in the Royal Archives and reproductions of photographs and wa-
tercolours from The Royal Collection appear by permission of Her Majesty Queen Elizabeth II.

191
Frances Dimond

berg, Ketschendorf and Reinhardtsbrunn. Prince Albert loved the scenery, woods,
rivers and mountains, and his German home and the German countryside would al-
ways remain one of the strongest influences and inspirations in his life. However, a
visit to Italy in 1838, on leaving Bonn University, also awakened an enthusiasm for
Italian art, architecture and gardens, which would play their part in his future plans.
In February 1840 the Prince married his cousin, Queen Victoria, and settled in
Britain. But his happiness was marred by a certain amount of chagrin and frustration.
The home had been provided by his wife, it contained her possessions and those
inherited from her ancestors, not his, and the houses where they lived lacked privacy.
Everything in his new country was strange – the people, language, customs, modes
of life and the position which he had acquired. He had no-one to confide in except
his wife, and, as Queen, it was she who was “Head” of the household. As the Prince
wrote at this time: “In my home life I am very happy and contented; but the difficulty
in fulfilling my place with the proper dignity is, that I am only the husband, and not
the master of the house”1 . For someone who had written only the year before, that
he was now his own master, “as I hope always to be, and under all circumstances”2
it was particularly galling. But in the years to come, the Prince would have plenty of
chances to prove his genius for design and organisation, and it happened that some of
the first were to do with gardens.
When Victoria became Queen in 1837, she was the first British monarch to inherit
Royal palaces and gardens as a “tenant” in residences which, for various reasons, were
now funded and controlled by the Government. As far as the gardens were concerned,
a clear distinction was made between the official gardens of the Crown (for which the
State was responsible) and the private gardens personally maintained by the monarch.
The official gardens included the former property of previous sovereigns, such as Kew,
St. James’s Park, Hampton Court and Kensington Gardens – all of which became
public as the nineteenth century progressed. As her private gardens, Queen Victoria
had the grounds of Buckingham Palace, and areas in the Home Park at Windsor.
Neither of these had a true sense of privacy or contained the kind of pretty, secluded
walks which the young Queen and her husband desired, but both areas were in urgent
need of reorganisation and improvement, and it was the monarch’s responsibility to
see that these were carried out.
Prince Albert found Buckingham Palace stifling, both in atmosphere as well as
temperature, but he and the Queen both enjoyed spending time in the garden during
the winter, when they could skate on the lake. One of Prince Albert’s first projects
was the building of the Pavilion on top of the Mound at the western end of the gardens
of Buckingham Palace. The Mound had started its life many years before as a pile of
earth which had been excavated to create the lake in the garden; it subsequently grew
as rubbish was added to it. The smell from it had caused a protest in Parliament in

1 Letter to Prince von Loewenstein, May 1840, quoted in: Theodore Martin, The Life of His Royal
Highness The Prince Consort, London 1875, vol. 1–5, here: vol. 1, 71.
2 Quoted in: ibid., 32.

192
Prince Albert’s Gardens

Ill. 8.2: A View of Prince Albert’s Swiss Cottage at Buckingham Palace, 1847. S. D. Swarbreck, RCIN
933137, The Royal Collection  c 2008, Her Majesty Queen Elizabeth II.

1832, but this had abated by 1840, and the Queen and Prince decided to make the best
of the Mound with beautiful evergreens, and a rustic pavilion on top to give a view
over the lake. It thus gave the Royal couple somewhere to walk to in the evening, and
somewhere secluded to sit. The Pavilion, which was probably designed by Edward
Blore, with help from Prince Albert, was decorated inside with fresco paintings, by
artists such as Dyce, Eastlake and Maclise, supervised by Ludwig Gruner, Prince
Albert’s adviser on art.
Other projects at Buckingham Palace included little gardens for the Royal children
and the planting of two plane trees by the north side of the Palace. With his enthusiasm
for new inventions, Prince Albert obtained one of the earliest lawn mowers for the gar-
den – a rotary cutter which was drawn by a pony wearing specially made leather boots.
The Prince, who took on the duties of Ranger of Windsor Great Park in April
1840, was eager to turn his attention to Windsor, and, while still working on his ideas
for Buckingham Palace, had begun to consider what could be achieved there. As early
as August 1840 he had written to his father that “That long green space below the
Terrace where the old trees stand, not under, but on top of the hill, is to be laid out in
pleasure-grounds, with plants etc., and I shall occupy myself much with it. It gave me
much trouble to get this settled [. . . ]”3 .

3 Quoted in: ibid., 94.

193
Frances Dimond

This area was known as the Slopes. A cedar of Lebanon was planted in 1840 below
the north-east corner of the East Terrace garden, and various trees, including a walnut
and a Chile Pine, were introduced along the wall skirting the top of the Slopes. To the
north-west of the nearby steps was planted a scarlet oak, to celebrate the birth of the
Prince of Wales in November 1841. At the foot of the steps, Prince Albert placed two
marble columns from ancient Carthage, which Queen Adelaide gave him in 1845, and
in the same year, a bronze life-size statue of Eos, the Prince’s favourite greyhound,
was placed at the top of the road leading up the Slopes. New walks were laid out by
the Prince in 1843, with rhododendrons and two beds of crimson and pink peonies
being planted on either side of the steps leading down to the Slopes. Between 1848
and about 1850 he staked out more walks, and a carriage road through the Slopes in
April 1849, as well as a small artificial stream. Queen Victoria had never particularly
liked Windsor, but in her Journal for 12 February 1850 she wrote that “I have become
so much fonder of Windsor since all the improvements have taken place. It is so much
more private & it is a nice feeling that there will be something of our creation, for
Albert has superintended it all personally”4.
As a boy, Prince Albert had enjoyed visiting the Aviary in the gardens of the Rose-
nau. Soon after his marriage, he introduced quantities of birds, of many varieties and
from different countries of origin, to Buckingham Palace and Windsor. Among the
many improvements which the Prince carried out at Windsor was the building of an
aviary, which was completed by summer 1844. Other projects were the Kennels, the
Prince Consort Farm, the Shaw Farm and the Dairy, and the Kitchen gardens.
Prince Albert worked with the head gardener, Thomas Ingram, on the lay-out of
the kitchen garden at Frogmore, and work began there in 1841. Hot-houses 840 feet
long were built facing south, looking towards 13 acres of fruit and vegetables. Behind
the hot-houses were 4 more acres, with pits, forcing houses, frames and store rooms,
offices and fruit houses. The gardener’s house contained two rooms in which to recei-
ve the Queen and Prince when they toured the gardens. By 1859 the area had expanded
to 34 acres, each acre with its own gardener, and it made the Royal Household self-
sufficient in the supply of fresh fruit, vegetables and flowers. In 1853 the garden had
been described as “unequalled by any other in the world either in extent or in judicious
arrangement”, by Charles Macintosh, gardener to the Duke of Buccleuch at Dalkeith
Palace, in The Book of the Garden, dedicated to Queen Victoria. He had visited the
gardens and seen grapes, pineapples, peaches, plums, strawberries, French beans, cu-
cumber and asparagus in the Forcing House. Outside he had seen fruit trees, protected
by screens which could be let up or down. In the Plant House he saw many varie-
ties of begonias, orchids, camellias, acacias, cinerarias, scarlet rhododendrons, ericas,
jasmine, ceanothus, escallonia, hyacinths and others. By 1856 there were 8 houses for
vines, below which French beans and strawberries were grown, and special ventila-

4 Quoted in: Jane Roberts, Royal Landscape. The Gardens and Parks of Windsor, published in
collaboration with the Hawthornden Trust, New Haven and London 1997, 192.

194
Prince Albert’s Gardens

Ill. 8.3: Deodara planted by Queen Victoria in the Slopes, Windsor Castle, 1860. Roger Fenton, RCIN
2100066, The Royal Collection  c 2008, Her Majesty Queen Elizabeth II.

Ill. 8.4: The Aviary, with the Dairy House beyond, Windsor Home Park, 1845. C. R. Stanley, RL
19772, The Royal Collection  c 2008, Her Majesty Queen Elizabeth II.

195
Frances Dimond

tion had been provided for cherry trees. By the following year there were two New
Zealand tree ferns5 .
Much was being achieved at Buckingham Palace and Windsor, but the Prince’s
activities there were somewhat curbed by existing boundaries, and by the fact that the
Royal Family still needed a place where they could relax and have true privacy, fresh
air and freedom, and a welcome respite from official duties. Brighton Pavilion, built
for King George IV, close to the sea, might have fulfilled some of these conditions, but
it was not private enough. Queen Victoria, who was beginning to enjoy country life
as much as her husband did, remembered holidays spent as a child with her mother at
Norris Castle, in the Isle of Wight, and it was to this region that the Royal couple now
turned. Osborne House, belonging to Lady Isabella Blatchford, was available, and the
Queen and Prince first rented it in May 1844, at £1,000 a year. They then bought it, for
£26,000, on 21 March 1845, and by 1847 had purchased more land to form their estate.
The Queen and Prince were delighted with their new acquisition. The house was in
a splendid setting, with lawns stretching down to the sea and views across the Solent
to the mainland. It reminded Prince Albert of the Bay of Naples, and this helped to
determine the Italian Renaissance style of the house and garden which were forming
in his mind. The most exciting thing about Osborne was that everything needed to
be done. The house was too small, the fields were badly farmed, the farm buildings
were dilapidated and the woods had been neglected. The first job was to rebuild the
house, and the builder, Thomas Cubitt, with the close involvement of the Prince, was
authorised to go ahead at the beginning of April 1845. The foundation stone of the
new house was laid in June of that year; although the rest of the house was not finished
until 1851, the Royal Family were able to stay at Osborne straight away, at first in the
old house and then in the new one. Prince Albert wrote to the Dowager Duchess of
Coburg in Spring 1846 that “We shall go [. . . ] to the Isle of Wight for a week, where
the fine air will be of service to Victoria and the Children; and I, partly forester, partly
builder, partly farmer and partly gardener, expect to be a good deal upon my legs and
in the open air”. During this visit, Queen Victoria commented in her Journal that
“Albert is so happy here – out all day, planting, directing etc., and it is so good for him.
It is a relief to be away from all the bitterness which people create for themselves in
London”6 .
The Prince indeed gained health benefits from his horticultural activities as well as
the gratification of his creative and artistic skills. He was fortunate in his Land Ste-
ward, Andrew Toward, who worked with him and understood his plans, intentions
and wishes for the estate. In later years, after Prince Albert’s death, Mr. Toward was
able to help Queen Victoria keep Osborne as it had been. But for now, the Prince
would spend whole mornings out of doors, digging, planting and transplanting, wea-
ring his straw garden hat. Existing myrtles and evergreens were transplanted, one
myrtle needing 15 men to move it. In March 1846 Queen Victoria watched her hus-

5 Articles in “The Florist”, quoted in: ibid., 243.


6 Two extracts, both quoted in: Martin (note 1), vol. 1, 322–323.

196
Prince Albert’s Gardens

band plant a daphne, a magnolia and two Nerpoles Japonica, “very rare and exotic-
looking plants, which hardly ever grow out of doors with us [. . . ] and on the grass, a
Chinese plant. Albert got himself into such a heat, by working away so hard himself ”7 .
By March 1847 the Royal Family had returned to Osborne, hoping to enjoy the results
of all this hard work “by the sea-shore under blossoming myrtles, laurels and magno-
lias” but the weather intervened and they “found nothing but frost and parching east
wind, with the addition two days ago of two feet of snow by way of variety”8 .

Ill. 8.5: Magnolia Grandiflora, planted by Prince Albert, 10 March 1846, in the Flower Garden,
Osborne, c. 1873. Attributed to Jabez Hughes, RCIN 2102474, The Royal Collection c 2008, Her
Majesty Queen Elizabeth II.

In July 1846 the Prince had begun work on the Pavilion Terrace, which was an
impressive construction needing strong retaining walls to bear the weight of the ba-
lustrades and ornamental urns. The Terrace was to contain a formal geometric garden
with stone-edged flower beds and walks laid with imitation lava, made by Orsini and
Armani in different colours. By the summer of 1847 the flower beds were full of gera-
niums, fragrant stocks and heliotrope. Four statues of the Seasons, which the Prince
gave his wife as a birthday present, and the huge central tazza, were added later.

7 Quoted in: H.R.H. The Duchess of York with Benita Stoney, Victoria and Albert. Life at Osborne
House, London 1991, 42.
8 Prince Albert to his step-mother, 13 March 1847, quoted in: Martin (note 1), vol. 1, 391.

197
Frances Dimond

In designing this Italianate style of garden, with its terraces, statues, fountains and
balustrades, Prince Albert was following a fashion for Italian gardens and architec-
tural details which had apparently started in the 1830s. This was strengthened by his
memories of the Rosenau, which also possessed Italianate terraces, balustrades and
fountains. Other features of the Rosenau, such as the Swiss Cottage, were also to be
recreated at Osborne.

Ill. 8.6: The Terrace at the Rosenau, Coburg, 1857. Francis Bedford, RCIN 2102853, The Royal
Collection  c 2008, Her Majesty Queen Elizabeth II.

Following the construction of the Pavilion Terrace, it was decided to build two
more terraces, leading, in a typically Italian Renaissance style, from the main building
to the upper terrace, then to the lower one, and finally to the avenue of clipped ever-
greens below. To one side of the Upper Terrace, another double flight of stairs led
down to the Orangery and to a walk lined with Irish yew trees. The Upper Terrace
was completed in November 1849; Prince Albert was laying out the garden on the
Lower Terrace in March 1851, but the fountain and paving were not finished until
1853.
The planting at Osborne was typically Victorian and was entirely under the direc-
tion of the Prince. Osborne House had several towers, and he would often go up into
one of them and signal from there as to where trees were to be planted. Some of these

198
Prince Albert’s Gardens

trees were very big, such as bay trees brought from Northwood Park, and a large
number of evergreen oaks, Scotch firs and rare Cork oaks. Prince Albert laid out the
main avenue, with cedars of Lebanon, Lucombe and evergreen oaks, in 1854, and he
continued to refine the existing woodland and plant new specimens on the estate over
the next 6 years.
The bedding plants which the Prince chose followed the fashion for brightly co-
loured annuals, which also became popular in about the 1830s. These plants often
came from warmer countries and could be reared in greenhouses and then planted
out to flower in the summer, conveniently, at a time when the Royal Family were in
residence at Osborne. 60,000 bedding plants were grown in the greenhouses at Os-
borne, to be planted out in the flower beds of the main house, and also in those of
the lodges and cottages on the estate. They included pelargoniums, lobelias, salvias,
plumbago, cannas and calceolarias.
The Royal Family visited Osborne several times a year: in March and April, in May
for the Queen’s birthday on 24 May, in July and August, and just before Christmas.
The gardens would look their best in the spring and summer, but the terraces with
their empty urns and vases tended to look somewhat damp and desolate at other times.
To combat this, much thought was given to extending the flowering season, and the
flowers which grew in the woods were all the more appreciated. In the early spring the
woods would be full of primroses, violets and anemones, which the Royal children
would pick, and in a mild year the pink, white and crimson camellias on the terraces
might already be out. By May there were bluebells, apple blossom and hawthorn,
crimson rhododendrons, camellias, peonies and lilacs, so that Queen Victoria likened
Osborne to a lovely, sweet nosegay. In mid July to August there was honeysuckle,
jasmine, roses and lemon-scented Magnolia Grandiflora, and in winter, just before
Christmas, the Royal Family could enjoy seeing large bouquets of chrysanthemums
in the vases, and also myrtle, veronica, daphnes and Malmaison roses.
Queen Victoria delighted in fresh air and the scent of flowers and therefore relished
time spent out of doors at Osborne until the end of her life. On 16 August1855 she
wrote in her Journal that she had “sat out under the trees, where it was really heavenly,
& sketched. Every day, every year, this dear sweet spot seems more lovely and with its
brilliant sunshine, deep blue sea and dazzling flowers, is a perfect paradise – and all
my beloved one’s creation – the result of his exquisite taste”9 .
Something to which Prince Albert paid particular attention was to encourage his
children to take an interest in nature, and in particular, practical gardening. They
would help him with digging and planting, as well as picking the results of their
labours, and, from May 1850, were each provided with a small plot of land, about half
a mile from the house, which they could cultivate, and where an orchard was planted
for them. This was directly inspired by Prince Albert’s own experience as a child, when
he had so enjoyed gardening at the Rosenau with his brother. His children were given
gardening clothes, clogs, small versions of garden tools and wheelbarrows. The tools

9 RA/VIC/QVJ/1855: 16 August.

199
Frances Dimond

Ill. 8.7: The Small Drawing Room, Osborne, 1867. A. A. E. Disderi, coloured, RCIN 2102574, The
Royal Collection  c 2008, Her Majesty Queen Elizabeth II. This photograph, including a chandelier
with lampshades in the form of flowers, shows how the floral theme at Osborne was continued
indoors.

were kept in a shed with a brick floor, which the young Princes helped to lay. Each plot
consisted of two rows of flowers, gooseberries, strawberries and raspberries, followed
by one row each of turnips, onions, beet, carrots, asparagus, peas, beans, parsnips
and artichokes. By 1853 there were eight children: Victoria, Princess Royal, Albert
Edward, Prince of Wales, Princess Alice, Prince Alfred, Princess Helena, Princess
Louise, Prince Arthur and the baby, Prince Leopold. Their father had a Swiss Cottage
built for them, a wooden chalet inspired by the one in the grounds of the Rosenau,
and assembled from ready-made sections. The first stone of it was laid on Ascension
Day, 5 May 1853, by the seven elder children. The cottage was formally opened on
Queen Victoria’s birthday, 24 May 1854; the garden was later planted with evergreens
and on the Queen’s birthday in 1855, she and the children planted trees there.
The cottage, which included accommodation for a Caretaker, Mr. Warne, and his
wife, contained a kitchen in which the children had lessons in cooking and domestic
economy. Upstairs was a small dressing room, a dining room with a piano in it and a
room with 8 glass cases for the children’s collections of shells, stones, beetles, butter-

200
Prince Albert’s Gardens

flies, moss and flowers. Later, a separate museum to house the collections was built,
thus echoing the Ernst-Albert Museum in Coburg.
The Queen and Prince were always aware that Osborne, as their private property,
was entirely their responsibility, and for this reason were much concerned with the
welfare of tenants and workers on the estate. The Prince was also involved with the
creation of a model farm at Barton, and in constructing new farm buildings for Kings-
ton, Heathfield and Alverstone Farms, all of which were on the Osborne estate. He
made substantial investments in livestock, poultry, tools, machinery, and manure. In
1849–50 he was occupied with experiments for a sewage filtration process.
Osborne had certainly become an island paradise for the Royal Family, but they
were also interested in other areas of the British Isles. After their first visit to Scotland
in 1842, the Queen and Prince were so impressed by the people and the landscape
that they returned in 1844 and 1847, and in 1848 decided to acquire a property in the
Highlands. In that year they took on the lease of Balmoral Castle, on the River Dee
near Ballater, as its owner, Sir Robert Gordon, had recently died. The area surround-
ing Balmoral appealed strongly to Prince Albert, as it reminded him of his native
Thuringian forests, and the air was fresh, dry and bracing. Prince Albert wrote to the
Dowager Duchess of Coburg on 11 September 1848 that “We have withdrawn for
a short time into a complete mountain solitude, where one rarely sees a human face,
where the snow already covers the mountain tops, and the wild deer come creeping
stealthily round the house. [. . . ] the little Castle [. . . ] is of granite, with numerous
small turrets, and white-washed, and is situated upon a rising ground, surrounded by
birchwood, and close to the River Dee. The air is glorious and clear, but icy cold”10.
By 1850, the Prince had begun the building of new cottages on the Balmoral estate.
He himself directed the improvements, establishing a sound system of agriculture,
and brought the property, which had been neglected for many years, into good order.
However, he was careful to take into account the feelings and prejudices of the local
people, whom he considered true-hearted and straightforward.
The Royal couple finally bought the estate and became the owners of Balmoral in
June 1852. It had become clear that the Castle was too small for their large family and
staff, so, as with Osborne, they decided to build a new one. The foundation stone was
laid in September 1852 and Prince Albert, with William Smith, son of the Aberdeen
architect, John Smith, began work on designing the new Castle. The site was dictated
by the magnificent setting of the surrounding hills, which, to the north, sloped down
to the River Dee. By 1 October 1854, the Queen noted that her husband was “much
occupied with the exterior decorations of the Castle, or rather more with the laying
out of the terraces & small flower gardens. He pointed it all out to me. The house will
really be beautiful, – unlike anything of the kind”11.
Work began on the grounds in 1855; for Prince Albert, the landscape was the most
important feature at Balmoral, and he set to work to make it as much like Thuringia as

10 Quoted in: Martin, vol. 2, 109.


11 RA/VIC/QVJ/1854: 1 October.

201
Frances Dimond

possible. A model of the grounds was made in sand, and on this, the Prince, assisted
by a surveyor, James Beattie, and an artist, James Giles, marked out the new ave-
nues, paths, plantations and banks. As at Osborne, many trees were planted, but here
they were mostly fir trees and white poplars from Coburg, with other magnificent
specimen trees.
In 1856 Queen Victoria wrote that “Every year I seem to become fonder of this
dear place, still more so, now that all has become dearest Albert’s own creation, own
building, own laying out, as at Osborne, & that his great & excellent taste has been
stamped everywhere”12 . Curiously, the Prince’s life had come full circle – now nearing
the end of it, he had returned in spirit to Coburg and sought to recreate at Balmoral
the atmosphere of his German childhood.
The gardens at Balmoral consisted of a few enclosures near the Castle walls. They
were designed by a sculptor, John Thomas, who also carved the bas-reliefs on the west
façade of the Castle, above where the main garden was situated. He also produced
designs for the west and south gardens, one being approved by Prince Albert. Queen
Victoria wrote that “we walked along the river and outside the house [. . . ] the little
garden on the west side with the eagle fountain, which the King of Prussia gave me,
and which used to be in the greenhouse at Windsor, is extremely pretty, as are also the
flowerbeds under the walls, of the side which faces the Dee”13 . During the mid to late
1850s, various features, such as walls, statuary and fountains were put in place in the
gardens near the Castle, including a shell drinking fountain in the sunken garden by
the western parterre, and a “putto” fountain on the eastern parterre.14
Queen Victoria’s interest in the gardens of her four residences was governed by
her devotion to her husband and respect for his plans and ideas. But she had always
loved flowers and one way in which she remembered important occasions was to
preserve the flowers which were associated with them. Between 1834 and 1900 she
kept 8 Flower Albums15 , containing pressed flowers and leaves of special significance.
It was also the fashion for Victorian ladies to wear fresh flowers as decorations in their
hair and on their evening dresses. Queen Victoria followed this fashion herself and as
she made it clear that she deferred to her husband’s taste in all matters, including her
clothes, it must be assumed that he approved of her doing so. She left descriptions of
her various toilettes on many occasions, notably in 1855, during the French State Visit
to England in April and the English State Visit to France in August. They included
“a white dress trimmed with convolvuluses [Prince Albert’s favourite flower] and
the same flowers in the hair”; “a green silk dress trimmed with lace, and roses and
violets in my hair”; “a white net dress embroidered with gold and trimmed with red
geraniums”; “a white organdie embroidered dress trimmed with bouquets of flowers”

12 RA/VIC/QVJ/1856: 13 October.
13 Quoted in: Roy Strong, Royal Gardens, London 1992, 122.
14 Noted in the Historic Scotland’s Heritage Policy Group’s “Buildings of Special Architectural or
Historic Interest. Grampian Region. The Balmoral Estates”, a copy of which is in the Royal
Archives.
15 RA/QV/FLB 1–8.

202
Prince Albert’s Gardens

Ill. 8.8: Photograph of the marble bas-relief, St. Hubert and the Stag, by Thomas, taken in 1860.
Unattributed, RCIN 2160098, The Royal Collection  c 2008, Her Majesty Queen Elizabeth II.

and “a white net dress, with bunches of pink acacia, with my Indian diadem, ornaments
and pearls”16.
How did Prince Albert regard his achievements? He evidently enjoyed relaxing
in the gardens at Osborne, writing to the Dowager Duchess of Coburg in May 1850
that “In our island home we are wholly given up to the enjoyment of the warm sum-
mer weather. The children catch butterflies, Victoria sits under the trees, and I drink
the Kissingen Water Ragotzky”17. He was pleased with his success as a farmer and
especially proud that he had been able to make his farming pay and that he had won
prizes for livestock at the Smithfield Show. With regard to the enjoyment of nature
by the world in general, he was certainly in agreement that the working classes should
have allotments, where they could grow their own produce. His own love of collec-
ting natural objects led him to support the building of the Natural History Museum
in London, where ordinary people would have the chance to see extraordinary things;
ancient fossils as well as preserved animals, birds and fish. He would, if circumstan-
ces had allowed, have created a public garden in Westminster for the enjoyment of
everyone. In 1855 he and the Sub Dean of Westminster, Lord John Thynne, drew up
a plan for the removal of Westminster School into the country, pulling down all the
old buildings connected with it and throwing open the ground adjoining the Abbey

16 Quoted in: Queen Victoria. Leaves from a Journal. A Record of the Visit of the Emperor and
Empress of the French and of the visit of The Queen and H.R.H. The Prince Consort to the
Emperor of the French in 1855, with an introduction by Raymond Mortimer, London 1961, 39,
83, 110, 123, 138–9.
17 Quoted in: Martin (note 1), vol. 2, 287.

203
Frances Dimond

Ill. 8.9: Queen Victoria and Prince Albert in Court dress,


after a Drawing room at Buckingham Palace, 11 May
1854. Roger Fenton, coloured by E.H. Corbould, RCIN
2914323, The Royal Collection  c 2008, Her Majesty
Queen Elizabeth II. In this photograph, Queen Victo-
ria’s costume includes fresh flowers.

as a park. This came to nothing, but the intention was there. It would be interesting
to know how he would react to the fact that his and Queen Victoria’s private gardens
at Osborne, Balmoral and Buckingham Palace are now, at least at certain times of the
year, open to the public.
By 1860 Prince Albert was exhausted and so hemmed in by work that he was
unable to relax. As he wrote to his eldest daughter from Osborne on 23 May: “Your
letter of the 20th has found me in the enjoyment of the most glorious air, the most
fragrant odours, the merriest choirs of birds and the most luxuriant verdure; and were
there not so many things that reminded me of the so-called World [that is to say, of
miserable men], one might abandon oneself wholly to the enjoyment of the real world.
There is no such good fortune, however, for poor me; and, this being so, one’s feelings
remain under the influence of the treadmill of never-ending business. The donkey in
Carisbrook, which you will remember, is my true counterpart. He, too, would rather
munch thistles in the Castle Moat, than turn round in the wheel at the Castle Well;
and small are the thanks he gets for his labour”18.
Prince Albert’s last public appearance in London was on 5 June 1861, when he was
present at the opening to the public of the Horticultural Gardens in Kensington, on a
site behind where the Royal Albert Hall now stands. The Prince had become President
of the Horticultural Society in 1858. It had been founded in 1804, but by 1858 had
fallen on hard times, notably having had to sell its old and valuable library to raise
funds. As the Society’s President, the Prince set up a new Charter, granted in 1861
and renaming it the Royal Horticultural Society. With Royal support, its successful
future was assured. Prince Albert was responsible for establishing the new garden at

18 Quoted in: ibid., vol. 5, 109.

204
Prince Albert’s Gardens

Kensington and he planted a tree there to celebrate its opening. The ceremony went
off well and was well attended, but it was a dark and showery day and those present
were concerned to see how pallid and worn the Prince looked.
Prince Albert died six months later, on 14 December 1861 at Windsor Castle. The
grief-stricken Queen caused flowers to be placed in the room where he died, and these
were constantly renewed until the time of the funeral. She kept some of them in her
Flower Album.

Ill. 8.10: Last Flowers from the Albert Room, December


1861. RA/VIC/QV/FLB6, The Royal Archives  c 2008,
Her Majesty Queen Elizabeth II.

Horticulture is often a long-term project, in which the desired result is not seen
for many years. Prince Albert had only 21 years in Britain and many other duties,
tasks and plans, so that the extent of his achievements as a gardener is remarkable.
But the instinct to create, nurture and improve, which he showed in so many of his
enterprises, is perhaps best seen in his work to do with gardens and the landscape,
where he seems to have felt truly at home. He wrote to the Princess Imperial of Prussia
in April 1859, concerning “an art [. . . ] which has [. . . ] had extraordinary attractions
for me of late years, indeed I may say from earliest childhood, viz, the art of gardening.
In this the artist who lays out the work, and devises a garment for a piece of ground,
has the delight of seeing his work live and grow hour by hour; and while it is growing,
he is able to polish, to cut and carve, to fill up here and there, to hope, and to love”19 .

19 Quoted in: Martin (note 1), vol. 1, 323–4.

205
Frances Dimond

Bibliography

Theodore Martin, The Life of His Royal Highness The Prince Consort, vol. 1–5,
London 1875.
H. R. H. The Duchess of York with Benita Stoney, Victoria and Albert. Life at Os-
borne House, London 1991.
Roy Strong, Royal Gardens, London 1992.
Jane Roberts, Royal Landscape. The Gardens and Parks of Windsor, published in
collaboration with the Hawthornden Trust, New Haven and London 1997.

206
Autorenverzeichnis/List of Contributors

Prof. Dr. Franz Bosbach, Universität Bayreuth, Lehrstuhl für Geschichte der Frühen
Neuzeit, 95440 Bayreuth

Frances Dimond, 2 St. Albans Street, Windsor, Berkshire SL4 1PF, U.K.

Prof. Dr. Gert Gröning, Universität der Künste Berlin, Institut für Geschichte und
Theorie der Gestaltung, Fachgebiet Gartenkultur und Freiraumentwicklung, Post-
fach 120544, 10595 Berlin

Dr. Rolf Kirsch, Landesamt für Denkmalpflege, Sandstr. 3, 28195 Bremen

Dipl.-Ing. Jens Scheffler, Leiter Parkverwaltung, Schloss- und Parkverwaltung,


Schloss Friedenstein, Postfach 100202, 99852 Gotha

Dr. Alfred Schelter, Museumsdirektor, Schloss Seehof, 96117 Memmelsdorf

Dr. Uwe Schneider, Skalitzer Str. 45, 10997 Berlin

Dr. Uwe Jens Wandel, Schlichtenstr. 42 a, 99867 Gotha

Prof. Dr. David Watkin, Peterhouse, Cambridge CB2 1RD, U.K.

Dipl.-Ing. Helmut Wiegel, Landschaftsarchitekt, Pödeldorfer Str. 38, 96052 Bamberg

207
K · G · SAUR

Prinz-Albert-Studien / Prince Albert Studies


Herausgegeben von Franz Bosbach

25 Windsor - Coburg. Geteilter Nachlass - 20 Die Weltausstellung von 1851 und ihre
Gemeinsames Erbe. Eine Dynastie und ihre Folgen / The Great Exhibition and its Legacy
Sammlungen / Divided Estate - Common Hrsg. von Franz Bosbach und John R. Davis
Heritage. The Collections of a Dynasty in Zusammenarbeit mit Susan Bennett, Thomas
Hrsg. von Franz Bosbach und John R. Davis Brockmann und William Filmer-Sankey
2007. 219 Seiten. Gebunden. 2002 . 440 Seiten. 71 Abbildungen. Gebunden.
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24 Umwelt und Geschichte in Deutschland 19 Religion und Politik in Deutschland und


und Großbritannien / Environment and History Großbritannien / Religion and Politics in
in Britain and Germany Britain and Germany
Hrsg. von Franz Bosbach, Jens Ivo Engels und Hrsg. von Richard Bonney, Franz Bosbach und
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2006. 155 Seiten. Gebunden. 2001. 202 Seiten, 2 Abbildungen. Gebunden.
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23 Politische Memoiren in deutscher 18 Prinz Albert und die Entwicklung der


und britischer Perspektive / Bildung in England und Deutschland im
Political Memoirs in Anglo-German Context 19. Jahrhundert / Prince Albert and the
Hrsg. von Franz Bosbach und Magnus Development of Education in England and
Brechtken Germany in the 19th Century
2005. 195 Seiten. Gebunden. Hrsg. von Franz Bosbach, William Filmer-
E58,00. ISBN 978-3-598-21423-3 Sankey und Hermann Hiery unter Mitarbeit von
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Großbritannien / E54,00. ISBN 978-3-598-21418-9
Prince Albert - A Wettin in Britain
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E58,00. ISBN 978-3-598-21422-6 britischen Vergleich / An Anglo-German
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21 Geburt oder Leistung? / Birth or Talent? Hrsg. von Franz Bosbach und Hermann Hiery
Elitenbildung im deutsch-britischen Vergleich / in Zusammenarbeit mit Christoph Kampmann
The Formation of Elites in a British-German 1999. 227 Seiten, 14 Abbildungen. Gebunden.
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Karina Urbach 15 Künstlerische Beziehungen zwischen Eng-
2003 . 239 Seiten. 6 Abbildungen. Gebunden. land und Deutschland in der viktorianischen
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