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Vorlesung Allgemeine

Psychologie I

Psychomotorik II

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Prof. Dr. Wilfried Kunde. Allgemeine Psychologie I 1
Bewegungsfolgen

Bislang haben wir einfache Einzelbewegungen betrachtet


(einzelner Tastendruck, eine Greifbewegung, Aussprechen
eines Wortes usw.)
Oft müssen mehrere Bewegungen nacheinander
ausgeführt werden (z.B. Tippen eines Wortes, Aufnehmen
und Benutzen eines Gegenstandes, Aussprechen eines
Satzes).
Kann mehr als eine Bewegung vor Beginn einer
Bewegungsfolge geplant werden?

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Evidenz für Planung von Bewegungsfolgen

Schnelle Produktion von Bewegungsfolgen


Teilbewegungen werden begonnen, bevor die vorangehende
Bewegung abgeschlossen ist (d.h. feedback der
vorangehenden Bewegung noch nicht vorliegt).

Beginn und Ende gefilmter Fingerbewegungen


beim Tippen (Hommel, 2002, S. 817).

Folgebewegungen (i) beginnt bereits vor der


Ausführung der vorangehenden Bewegungen (_ep)

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Evidenz für Planung von Bewegungsfolgen

Komplexitätseffekte
Start der Bewegungsfolge dauert umso länger, je mehr
Einzelelemente zu spezifizieren sind.

(Abb. aus Hommel, 2002, S. 819).

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Evidenz für Planung von Bewegungsfolgen

Reihenfolgefehler
z.B. Versprecher (Spoonerisms).
„You hissed als my mystery lecture“ (anstatt „you missed
als my history lectures“) setzt voraus, dass später
folgendes Element (h) schon bei der Produktion des
vorangehenden Elements (m) bekannt ist.

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Exkurs: Struktur von Bewegungsplänen

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Exkurs: Struktur von Bewegungsplänen

Hierarchische Anordnung der Elemente


Tastensequenz: David Rosenbaum
M -> m-> M -> m-> I -> i -> I-> i

m i I M

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Exkurs: Struktur von Bewegungsplänen

Hierarchische Anordnung der Elemente


Tastensequenz:
M -> m-> M -> m-> I -> i -> I-> i

m i I M

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Exkurs: Struktur von Bewegungsplänen

Hierarchische Anordnung der


Elemente im LZG
Tennisaufschlag

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Motorisches Lernen

Motorisches Lernen ist spezifisch für die geübte Aufgabe


Beispiel: Freiwurf (Keetch et al., 2005)

Freiwurfdistanz
(sehr oft geübt)

VPn: Spielen seit mehr als 12 Jahren sehr gut Basketball

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Motorisches Lernen: Quantitative Beschreibung
Beispiel: Zigarrenrollen
(Fitts & Posner, 1963)
Potenzgesetz des motorischen Lernens:

T= a/Pb
T: Ausführungszeit
P: Anzahl der Übungsdurchgänge

a, b: Empirische bestimmbare
Kontanten die von der
betrachteten Aufgabe abhängen
(a und b haben in der Praxis
positive Werte)

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Lernen: Quantitative Beschreibung
Beispiel: Romane Schreiben
(Ohlsson, 1992)

Isaac Asimov (1920-1992)

Die Dauer, die Isaac Asimov brauchte, um


Romane zu schreiben, folgt dem Potenzgesetz.
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Motorisches Lernen: Qualitative Beschreibung

Fitts (1964) Drei-Phasen-Modell des motorischen Lernens:


1. Kognitive Phase: Bewusste, verbale Repräsentation der
Bewegung. Fremd- und Selbstinstruktion besonders
wirksam.
2. Assoziative Phase: Einzelne Bewegungskomponenten
werden mit Erfolg und Misserfolg assoziiert und
entsprechend beibehalten oder modifiziert. Besonders
wichtig Feedback.
3. Automatische Phase: Keine bewusste Kontrolle mehr
erforderlich. Keine verbale Repräsentation der
Bewegung.

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Nachtrag: Unser schlauer Körper

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Unser schlauer Körper

• Wir müssen nicht alle Bewegungen im


Detail planen. Unser Körper unterstützt
uns bei der Bewegungsausführung und
Kontrolle.

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Unser schlauer Körper

• Masse-Feder-Modell
• Bestimmte Aktivierung der Muskeln sorgen
dafür, dass sich Arm an einer bestimmten
Position „einpendelt“.
Muskel Muskel (aktiviert)
Muskel (gedehnt)
Arm
Arm Arm
Muskel (gedehnt)
Muskel Muskel (aktiviert)

• Eigenschaften des Körpers (Elastizität der


Muskeln) unterstützen Kontrolle.
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Unser schlauer Körper

Passive Dynamic Walker


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Literatur:

Hommel, B. (2008). Planung und exekutive Kontrolle von


Handlungen. In J. Müsseler (Hrsg.). Lehrbuch Allgemeine
Psychologie. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.

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