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Hausaufgabe

„Organspende“
Wer tot ist, braucht keine Leber - warum Organspenden zur Normalität werden sollten

aus: https://www.stern.de vom 27. August 2018; von Katharina Grimm


für die Unterrichtszwecke bearbeitet

a) Lies zuerst die acht Überschriften (a - h). Ordne die Überschriften (a - h) den
Textteilen (1 - 6) zu.

a. Organspenden im Ausland
b. Panik ums Thema Organspende
c. Bitte eine Entscheidung!
d. Deutsche lehnen Organspende ab
e. Wie tot ist hirntot?
f. Organspende in Deutschland: kommt die Widerspruchslösung?
g. Organspende – ein günstiges Geschäft?
h. Organspende rettet Leben

1. ___________________________________________________
Hand aufs Herz: Haben Sie einen Organspendeausweis? Nur jeder dritte Deutsche hat dieses
kleine Pappkärtchen. Doch dieses Stück Papier kann Leben retten, denn statistisch sterben
jeden Tag drei Menschen in Deutschland, weil für sie keine Spenderorgane zur Verfügung
stehen. Mehr als 10.000 Patienten warten auf das lebensrettende Organ. Vor allem bei Nieren
ist die Warteliste lang - hier hoffen viermal so viele Kranke wie bei anderen Organen. Bis
endlich die Nachricht bei den Patienten eintrifft, dass es Rettung für sie gibt, müssen sie lange
durchhalten - durchschnittlich sechs Jahre. Das schaffen nicht alle.

2. __________________________________________________
84 Prozent der Deutschen findet Organspenden "eher positiv", so die Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Dennoch befindet sich die Zahl der Spender auf einem
historischen Tief. Eigentlich sollten seit der Gesetzesänderung von 2012 die Krankenkassen
ihre Mitglieder regelmäßig zum Thema informieren. Laut dem Spitzenverband der
gesetzlichen Kassen kosteten die großen Infoaktionen alle zwei Jahre geschätzt rund 60
Millionen Euro. Gelohnt hat sich das offenbar nicht.
Im letzten Jahr gab es nur 797 postmortale Organspender bundesweit, 2016 waren es noch 60
mehr gewesen. Gleichzeitig sank die Zahl der gespendeten Organe um 9,5 Prozent auf 2594.
Damit ist der niedrigste Stand seit 20 Jahren erreicht. Daher denkt Bundesgesundheitsminister
Jens Spahn laut über eine Änderung des Verfahrens nach: Wer künftig keine Organe spenden
möchte, muss dem ausdrücklich widersprechen. Ansonsten gilt man als Organspender.
Es scheint einfach: Mit der in Deutschland geltenden Entscheidungslösung, bei der die
Organentnahme nur mit Zustimmung des Verstorbenen oder der Angehörigen erlaubt ist,
erreicht man niedrigere Spenderzahlen. Mit der Widerspruchslösung erreicht man höhere.
3. ___________________________________________________
Dieses Verfahren wenden schon viele europäische Nachbarn an - mit großem Erfolg: In
Belgien und Kroatien kommen auf eine Million Einwohner mehr als 30 Spender, in Spanien
sind es sogar 46,9. Zum Vergleich: In Deutschland sind es lediglich 9,3 pro eine Millionen
Einwohner.

4. ___________________________________________________
Massive Informationsaktionen, unkomplizierte Registrierung oder eben das
Widerspruchsverfahren: Es gibt eine Vielzahl von Optionen, die Zahl der gespendeten Organe
zu erhöhen. Doch kaum wird laut über die Widerspruchslösung nachgedacht, bricht in
Deutschland Panik aus, eine Manipulation der Bürger sei möglich, Spahn wolle die Menschen
zum Spenden zwingen.
Doch das größte Problem ist nicht die mangelnde Bereitschaft, Organe zu spenden - sondern
die Faulheit. Wer macht sich schon die Mühe, einem solchen Antrag hinterherzulaufen. Die
Widerspruchslösung würde diejenigen, die strikt gegen Organspenden sind, zum Handeln
zwingen. Denn ablehnen können sie ja weiterhin - doch das müssten sie eben auch aktiv
äußern.

5. ___________________________________________________
Die Kritiker tönen weiter: Man sei gar nicht richtig tot beim Hirntot, man sei ja schließlich
Mensch und nicht Maschine und soviel mehr als nur die Summe der funktionierenden Organe.

Doch solange noch minimale Fünkchen im Hirn zu messen sind, ist der Patient nicht tot -
zumindest offiziell. Aber bleibt auch das aus, ist er hirntot. All das, was den Menschen
ausmacht, ist unwiederbringlich verloren. Er kann nicht mehr denken, nicht mehr fühlen, und
auch die lebenswichtigen Mechanismen wie das Atmen setzen aus - es sei denn, Maschinen
greifen ein.
Auf den ersten Blick sind auch Koma-Patienten in einem ähnlichen Zustand. Sie haben
immerhin noch die Chance auf Genesung. Daher muss im Zusammenhang mit Organspenden
auch eine ausführliche Hirntoddiagnostik durchgeführt werden. Nur wenn der Hirntod
zweifelsfrei festgestellt wurde, ist die Organspende möglich.

Freilich mögen Medizinethiker das alles anders sehen.


Vor allem, wenn die Furcht vor einer schlampigen Hirntoddiagnose auf den Spahn-Zusatz
trifft, dass Organtransplantationen besser bezahlt werden müssen. In ihren Ängsten wird das
Verpflanzen von Organen zur Geldschinderei. Was natürlich ausgemachter Blödsinn ist.
Bislang gibt es 3900 Euro pro Organ, werden mehrere Organe entnommen, sind es rund 5000
Euro. Organentnahme ist für Kliniken ein Verlustgeschäft.

6. ____________________________________________________
Der Mensch bleibt auch bei der Widerspruchslösung frei in der Entscheidung, seine Organe
mit ins Grab zu nehmen. Allerdings zwingt man die Bürger dazu, sich Gedanken über den
eigenen Körper zu machen. Denn eines muss klar sein: Man geht nicht in die Klinik, um
Organe zu spenden. Postmortales Spenden folgt meist auf unvorhergesehene Unfälle oder
Unglücke. Wer sich hier früh zu einer Entscheidung durchringt, nimmt auch den Angehörigen
in einer solchen Ausnahmesituation viel Last ab.

b) Was bedeuten die folgenden Zahlen? Ordne zu.


1. 84% der Deutschen ... a. ... warten auf das lebensrettende Organ.
2. Nur ein Drittel der Deutschen ... b. ... muss ein Patient durchschnittlich auf das
Spenderorgan warten.
3. 60 Mio Euro ... c. ... finden Organspende positiv.
4. Nur etwa 800 ... d. ... sterben täglich in Deutschland, weil für
sie keine Spenderorgane zur Verfügung
stehen.
5. Mehr als 10 000 Patienten ... e. ... werden alle zwei Jahre für die
Infoaktionen zum Thema “Organspende”
augegeben.
6. 3 Menschen ... f. ... werden pro Spenderorgan bezahlt.
7. 6 Jahre ... g. ... hat einen Organspendeausweis.
8. 3900 Euro ... h. ... postmortale Organspender gab es 2017
in Deutschland.