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42 GRAFIK 24. März 2011 DIE ZEIT N o 13 DIE FOLGEN DER KATASTROPHE IN
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GRAFIK 24. März 2011
DIE ZEIT N o 13
DIE FOLGEN DER KATASTROPHE IN JAPAN
Grundkurs Radioaktivität
Was im Atomreaktor passiert, warum Strahlung für uns gefährlich ist – und wie man sich im Ernstfall schützen kann
Das geschieht bei der Kernspaltung
Papier
Metall
Granit
n
Uran
235
Xenon
Caesium
Barium
137
137
137
Strontium
Yttrium
Zirconium
96
96
96
n
n
n
WAS PASSIERT IM REAKTOR?
Mit Neutronen macht man Uranatome so
instabil, dass sie in zwei kleinere
Atome zerplatzen (Kernspaltung).
Dabei freigesetzte Neutronen treffen
auf weitere Urankerne (Kettenreaktion)
WELCHE STOFFE ENTSTEHEN?
Das Uran kann in ganz unterschiedliche
Atome zerbrechen. Fast alle Spalt-
produkte sind instabil, sie zerfallen weiter
und setzen Strahlung frei (Radioaktivität),
bis irgendwann ein stabiler Kern entsteht
WOHER KOMMT DIE ENERGIE?
Die Kernspaltung selbst, aber auch die
Radioaktivität der im Reaktor ent-
standenen Atomkerne erzeugt Wärme.
Deshalb muss nach dem Stopp der
Kettenreaktion weiter gekühlt werden
DREI ARTEN STRAHLUNG
Alphastrahlung besteht aus schweren, Betastrahlung
aus leichten Teilchen. Die Gammastrahlung hingegen
ähnelt der Röntgenstrahlung. Während Alpha- und
Betastrahlung sich relativ leicht abschirmen lassen,
dringen Gammastrahlen auch durch dicke Bleischichten
So wirkt die Strahlung
2,1 mSv
Natürliche Radioaktivität
in Deutschland pro Person und Jahr
2,3 mSv
Ein Jahr als Stewardess
arbeiten
0,7 mSv
0,2 mSv
Mammogramm
Flug Europa–USA
Ostküste
1,4 mSv
Eine Schachtel Zigaretten
ohne Filter rauchen
Bis zu 12 mSv
pro Stunde wurden
letzte Woche
am AKW Fukushima
gemessen
2000 mSv
Lebensbedrohliche
Strahlenvergiftung
Ab 400 mSv
treten Symptome
einer Strahlen-
vergiftung auf
STRAHLUNG VON AUSSEN UND VON INNEN
Wird der Körper direkter Strahlung ausgesetzt, reagiert zuerst die Haut mit
Verbrennungen, es folgen Übelkeit und Erbrechen. Bei höheren, eventuell
tödlichen Strahlendosen lassen Immunsystem und Blutbildung nach. Menschen,
die keine direkte Strahlung abbekommen, sind gefährdet, wenn sie über die Atem-
luft oder die Nahrung radioaktive Partikel aufnehmen, die noch nicht zerfallen sind.
Beim Zerfall im Körper können diese das Erbgut schädigen oder Krebs auslösen
UNSER LEBEN MIT DER RADIOAKTIVITÄT
Wir sind ständig radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Sie kommt aus dem Weltraum, aus Gestein oder
der Nahrung. In Deutschland beträgt die natürliche Dosis 2,1 mSv (Millisievert) pro Jahr, im Gebirge
ist sie höher als auf dem flachen Land. Noch einmal so viel bekommen wir im Schnitt bei medizinischen
Untersuchungen und Therapien ab. Vielflieger und Raucher sind einer weiteren Extradosis aus-
gesetzt. 100 mSv gelten als diejenige Dosis, ab der mit einem erhöhten Krebsrisiko zu rechnen ist –
so viel Strahlung bekamen AKW-Arbeiter in Fukushima vergangene Woche an nur einem Tag ab
So kann man sich schützen
Die folgenden Maßnahmen gelten ausschließlich für Menschen, die unmittelbar verstrahlt wurden oder mit radioaktivem Material
in Berührung gekommen sind. In Deutschland sind bisher keine Vorsichtsmaßnahmen aufgrund des japanischen Reaktorunfalls nötig
ABSTAND HALTEN
Je weiter man sich von der radioaktiven
Strahlung entfernt, desto schwächer ist
sie. Erste Schutzmaßnahme gegen radio-
aktive Partikel bei einem Fallout: Man
sollte in geschlossenen Räumen bleiben
SCHILDDRÜSE SCHÜTZEN
Der Körper baut radioaktive Elemente in
die inneren Organe ein. Wenigstens die
Schilddrüse kann man schützen, indem
man sie mit Jod aus Tabletten »blockiert«
– es drohen aber Nebenwirkungen!
SAUBER ATMEN
Schutzkleidung hält radioaktive Partikel
von Haut und Lunge fern. Sie schirmt
auch Alpha- und einen Teil der Beta-
strahlung ab, nicht aber Gammastrahlen.
Der Mundschutz schützt nicht vor Gasen
RICHTIG WASCHEN
Menschen, die beruflich mit radioaktiven
Substanzen arbeiten, werden nach
dem Kontakt mit strahlenden Stoffen de-
kontaminiert. Der Schutzanzug kommt in
den Müll, der Körper wird abgewaschen

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mit strahlenden Stoffen de- kontaminiert. Der Schutzanzug kommt in den Müll, der Körper wird abgewaschen N