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Oktober 2019

Der Ausbildungsmarkt in NRW


Berichtsjahr 2018/19
Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Inhalt
Der Wandel zum Bewerbermarkt hält ungebremst an ....................................................................... 3

Das Wichtigste in Kürze ........................................................................................................................ 4

Übergreifendes ...................................................................................................................................... 5
Der Ausbildungsmarkt wandelt sich zunehmend zum Bewerbermarkt ................................................ 5
Mehr unbesetzte Ausbildungsstellen in Nordrhein-Westfalen .............................................................. 6
Ausbildungsinteressierte sowie Stellen nähern sich weiter an ............................................................. 7
Der Ausbildungsmarkt im Umbruch ...................................................................................................... 8
Gleiche Entwicklung in unterschiedlicher Ausprägung in Nordrhein-Westfalen ................................... 9
Heterogenes Nordrhein-Westfalen – Bewerber- und Stellenüberhänge im Land .............................. 10
Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge steigt ................................................................ 11
Die Mobilität der Auszubildenden führt zumindest teilweise zu einem Ausgleich .............................. 12
Kaufmännische Berufe prägen den Ausbildungsmarkt....................................................................... 14
Ausbildungsstellen in Verkaufsberufen bleiben am häufigsten unbesetzt.......................................... 15
Starke Veränderungen vor allem im Verkaufssegment ...................................................................... 16

Ausbildungsstellen ............................................................................................................................. 17
Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Stellen wächst ............................... 17
Industrie, Handel und Handwerk sind bei der Ausbildung besonders stark ....................................... 18

Bewerberinnen und Bewerber............................................................................................................ 19


Auch die Bewerberstruktur verändert sich .......................................................................................... 19
Anteil der unversorgten an allen Bewerberinnen und Bewerbern steigt............................................. 20
Rund 57.000 Ausbildungsinteressierte fanden eine Ausbildungsstelle .............................................. 21
Erfolgreiche Ausbildungssuche geflüchteter junger Menschen .......................................................... 22

Weitere wichtige Faktoren .................................................................................................................. 23


Die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe sinkt ................................................................................... 23
Beinahe jeder vierte Ausbildungsvertrag wird vorzeitig gelöst ........................................................... 24
Durch höhere Abschlüsse mehr Möglichkeiten bei der Bildungsentscheidung .................................. 25

Anhang ................................................................................................................................................. 26
Literatur-Verzeichnis ........................................................................................................................... 26

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Der Wandel zum Bewerbermarkt hält ungebremst an

Unternehmen und Betriebe in Nordrhein-Westfalen gehen die Aufgabe konsequent an: Zum
dritten Mal in Folge haben sie mehr Ausbildungsplätze angeboten als ein Jahr zuvor. Doch die
Rekrutierung Auszubildender verlangt von Ausbildungsbetrieben zunehmend mehr
Engagement. Denn der Ausbildungsmarkt wandelt sich von einem Stellen- zu einem
Bewerbermarkt. Dass in diesem Jahr 10.104 Ausbildungsplätze unbesetzt blieben, spricht
aber eine deutliche Sprache.
Eine Alternative zur Ausbildung junger Menschen zu Fachkräften gibt es nicht. Beinahe
20 Prozent der Fachkräfte gehen in den kommenden Jahren im Land in den Ruhestand.
Ausbildung bleibt der wichtigste Ansatz, dringend benötigten Nachwuchs zu finden.
Noch werden nicht alle Potenziale am Ausbildungsmarkt wirklich genutzt. Zum einen ist der
Wandel zum Bewerbermarkt noch nicht abgeschlossen. Auch regional ist die Entwicklung
unterschiedlich weit vorangeschritten. Rechnerisch gab es – mit den Ausnahmen Münsterland
und Südwestfalen – auch 2019 weiterhin genügend junge Menschen, die eine Ausbildung
suchen. Zudem entscheiden sich viele Schülerinnen und Schüler vorzeitig gegen eine
Ausbildung und gehen weiter zur Schule. Falsche Vorstellungen sind manchmal ein Grund für
diese Entscheidung. Zum Beispiel, weil Jugendlichen in der Öffentlichkeit das falsche Bild
vermittelt wird, angesichts vieler unbesetzter Lehrstellen gebe es eine freie Wahl bei
Ausbildungsplätzen.
Das ist ein Grund, Jugendliche bei einer Entscheidung frühzeitig fundiert zu unterstützen.
Chancen, Perspektiven und auch Alternativen liegen in einer komplexer werdenden Welt nicht
immer unmittelbar auf der Hand. Mit Tipps und viel Know-How beraten die Berufsberaterinnen
und Berufsberater der Agenturen für Arbeit deshalb regelmäßig an jeder Schule im Land.
Für Unternehmen lässt sich der Umschwung zum Bewerbermarkt auf eine knappe Formel
bringen: Es lohnt sich, neue Wege zu gehen, denn jede und jeder Jugendliche wird gebraucht
– heute und besonders morgen. Dazu gehört auch, über Bedarf auszubilden. Das klingt
paradox. 2019 blieben viele Lehrstellen unbesetzt. Doch jede Bewerberin, jeder Bewerber
ohne Lehrstelle kann eine verlorene Fachkraft sein. Warum also nicht langfristiger denken und
gleich mehrere Stellen anbieten? Jedes Unternehmen kann das Übergangssystem Schule-
Beruf aktiv nutzen, um auf sich, seine Berufe und Ausbildungen aufmerksam zu machen. Zum
Beispiel in Schulen Praktika und Berufsfelderkundungen anbieten. Junge Menschen erfahren
so neben sehr unterschiedlichen spannenden Perspektiven auch die Botschaft: Raus aus der
Komfortzone, das berufliche Leben selber in die Hand nehmen, etwas unternehmen und die
Chancen nutzen! Es gibt viele Wege zum Erfolg, nicht nur den der weiterführenden Schule.
Auch Unternehmen, die neue Wege gehen und sich auf die neue Situation besser einstellen
wollen, bleiben nicht allein. Lokal knüpfen die Partner am Ausbildungsmarkt ihre Netzwerke
immer enger. Denn um die Attraktivität dualer Ausbildung für junge Frauen erfahrbar zu
machen, Jugendlichen aus der scheinbar zweiten Reihe eine Chance zu geben oder Ältere
oder Geflüchtete gezielt anzusprechen, reichen in vielen Fällen die Handlungsoptionen
einzelner Arbeitgeber nicht aus.
Nur gemeinsam, mit vielfältigen Formen der Unterstützung sowie den umfangreichen Förder-
und Beratungsmöglichkeiten der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter gelingt es, Potenziale
zu nutzen und gemeinsam Menschen und Unternehmen in Nordrhein-Westfalen auch morgen
eine sichere wirtschaftliche und berufliche Perspektive zu bieten.

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Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Das Wichtigste in Kürze

 Auch wenn es immer noch mehr Bewerberinnen und Bewerber als gemeldete
Ausbildungsstellen in Nordrhein-Westfalen gibt, ist ein deutlicher Umbruch auf dem
Ausbildungsmarkt erkennbar. Auf jede Ausbildungssuchende oder jeden
Ausbildungssuchenden kommen 0,93 Ausbildungsplätze.

 Eine sinkende Zahl an Schulabgängerinnen und Schulabgängern geht mit rückläufigen


Zahlen bei den ausbildungsinteressierten Jugendlichen einher. Im gesamten
Berichtsjahr meldeten sich 128.508 junge Menschen auf der Suche nach einem
Ausbildungsplatz, ein Minus von 5.295 Personen oder 4,0 Prozent. Die Arbeitgeber
meldeten insgesamt 119.931 freie Ausbildungsstellen, 4.118 Stellen oder 3,6 Prozent
mehr als vor einem Jahr.

 Durch die sinkenden Bewerberzahlen wird sich der Wettbewerb um die besten Köpfe
auch im System der beruflichen Ausbildung verschärfen.

 Während sich der Ausbildungsmarkt zusehends zu einem Bewerbermarkt entwickelt,


verändert sich gleichzeitig die Bewerberstruktur. Die gemeldeten Bewerberinnen und
Bewerber werden älter und haben häufiger einen höherwertigen Schulabschluss.

 Im abgelaufenen Ausbildungsjahr konnten 56.096 registrierte Bewerberinnen und


Bewerber eine Ausbildungsstelle aufnehmen.

 Bei insgesamt 7.372 Bewerberinnen und Bewerbern führte die Ausbildungssuche zu


keinem Ergebnis. Das sind 253 oder 3,6 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.
Zugleich blieben 10.104 gemeldete Ausbildungsstellen frei. Das sind 513 oder
5,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

 Den höchsten Bewerberüberhang weisen die Bezirke der Agenturen für Arbeit
Gelsenkirchen und Detmold sowie Recklinghausen auf. Hier kommen auf jede
Bewerberin oder jeden Bewerber lediglich 0,64 beziehungsweise 0,66 gemeldete
Ausbildungsstellen. Im Bezirk der Agentur für Arbeit Siegen kommen dagegen 1,53
Ausbildungsstellen auf eine Bewerberin oder einen Bewerber.

 Drei der fünf Top-Berufe mit der höchsten Steigerung an Ausbildungsstellen kommen
aus dem Handel.

 Von den 9.579 Bewerberinnen und Bewerbern mit einem Fluchthintergrund haben
3.292 eine Ausbildungsstelle finden können. Das sind 34,4 Prozent der insgesamt
registrierten Ausbildungsinteressenten im Fluchtkontext. Am Ende des Berichtsjahres
suchten noch 799 der geflüchteten Menschen für das aktuelle Ausbildungsjahr einen
Ausbildungsplatz.

4
Übergreifendes

Der Ausbildungsmarkt wandelt sich zunehmend zum Bewerbermarkt

 Die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber um Ausbildungsstellen ist in


Nordrhein-Westfalen gegenüber dem Vorjahr erneut gesunken. Im gesamten
Berichtsjahr suchten 128.508 junge Menschen einen Ausbildungsplatz, ein Minus von
5.295 oder 4,0 Prozent.

 Aus dem aktuellen Schulentlassjahr haben sich 67.341 Schülerinnen und Schüler für
eine duale Ausbildung interessiert. Das sind 52,4 Prozent aller gemeldeten
Bewerberinnen und Bewerber. Im vergangenen Jahr waren es 69.933 Schülerinnen
und Schüler oder 52,3 Prozent. Die jährlich sinkenden Schulabsolventen-Zahlen
lassen sich somit auch an der Zahl der gemeldeten Ausbildungsinteressierten ablesen.

 Die Zahl der registrierten Ausbildungsplätze ist weiter gestiegen. Die Arbeitgeber
meldeten insgesamt 119.931 freie Ausbildungsstellen, 4.118 Stellen oder 3,6 Prozent
mehr als vor einem Jahr. Insgesamt wird es für Arbeitgeber zunehmend schwerer,
Ausbildungsstellen zu besetzten. Auf der einen Seite wollen Arbeitgeber mehr
ausbilden, um den erhöhten Bedarf an jungen Fachkräften zu decken. Auf der anderen
Seite sinkt die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber.

 Im Ausbildungsjahr 2018/2019 hat sich die Ausbildungsmarktsituation weiter


zugunsten der ausbildungssuchenden jungen Menschen verbessert. Auf jede
Bewerberin oder jeden Bewerber kamen 0,93 Ausbildungsstellen.

Hintergrund
Das statistische Ausbildungsjahr läuft jeweils von Oktober eines Jahres bis zum September des
Folgejahres. In diesem Zeitraum wird das Geschehen rund um die gemeldeten Ausbildungsstellen und
die registrierten Bewerberinnen und Bewerbern um Ausbildungsplätze in der Ausbildungsmarktstatistik
zusammengefasst.

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Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Mehr unbesetzte Ausbildungsstellen in Nordrhein-Westfalen

 Die Anzahl derer, die am Ende des Berichtsjahres noch keinen Ausbildungsplatz oder
eine Alternative gefunden haben, ist gestiegen. Bei insgesamt 7.372 Bewerberinnen
und Bewerbern führte die Ausbildungssuche zu keinem Ergebnis. Das sind 253 oder
3,6 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

 Mit 10.104 unbesetzten Ausbildungsteilen wurde das bisherige Rekordniveau aus dem
vergangen Ausbildungsjahr noch einmal deutlich übertroffen. Dies ist mit einem Plus
von 513 unbesetzten Ausbildungsplätzen rund 5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Somit
konnte das Potenzial der rund 4.118 zusätzlichen gemeldeten Ausbildungsstellen nur
zum Teil ausgenutzt werden.

 Das Verhältnis der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber zu unbesetzten


Ausbildungsstellen ist in Folge dessen ebenfalls leicht gestiegen. Somit kamen am
Ende des Ausbildungsjahres 1,37 unbesetzte Ausbildungsstellen auf jede noch
suchende Bewerberin oder suchenden Bewerber.

Hintergrund
Da die Wünsche der Bewerberinnen und Bewerber in regionaler und fachlicher Sicht sowie deren
Kenntnisse und Kompetenzen nicht immer mit dem Angebot und den Vorstellungen der Arbeitgeber
übereinstimmen, können bis zum Ausbildungsstart nicht alle jungen Menschen einen dualen
Ausbildungsplatz finden. Manche wählen eine Alternative, wie beispielsweise eine schulische
Ausbildung oder ein Studium, manche suchen aber auch nach Start des Ausbildungsjahres im August
oder September weiter. Diese werden als „unversorgte Bewerberinnen und Bewerber“ bezeichnet. Aber
es gibt auch Ausbildungsplätze, die bis zum Ausbildungsstart nicht besetzt werden können. Ziel ist,
auch nach dem Ende des Berichtsjahres im September noch den Bewerberinnen und Bewerbern zu
einem Ausbildungsplatz zu verhelfen und den Arbeitgebern geeignete Ausbildungssuchende
anzubieten.

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Ausbildungsinteressierte sowie Stellen nähern sich weiter an

 Der Trend sinkender Bewerberzahlen und steigender Ausbildungsstellen hält weiter


an. So haben sich auch in diesem Ausbildungsjahr die gemeldeten Bewerberinnen und
Bewerber sowie die registrierten Ausbildungsstellen weiter angenähert.

 Besonders die Entwicklungen in den vergangenen zwei Jahren deuten darauf hin, dass
sich der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen langsam vom traditionellen Stellen-
hin zum Bewerbermarkt wandelt.

 Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftebedarfs in Nordrhein-


Westfalen wird sich der Wettbewerb um die besten Köpfe auch im System der
beruflichen Ausbildung verschärfen, somit wird die Bewerbergewinnung zukünftig eine
der zentralen Herausforderungen am Ausbildungsmarkt.

 Bei anhaltender Entwicklung wird voraussichtlich im Ausbildungsjahr 2020/2021 der


Ausbildungsmarkt zumindest rechnerisch ausgeglichen sein.

 Trotzdem werden auch zukünftig nicht alle Bewerberinnen und Bewerber einen
Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf finden und nicht alle Ausbildungsplätze
besetzt werden können. Regional wie auch berufsspezifisch wird es weiterhin zu
Ungleichgewichten kommen. Einige Bewerberinnen und Bewerber sowie eine größere
Zahl an Ausbildungsbetrieben werden weiterhin eine Unterstützung bei ihrer Suche
benötigen.

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Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Der Ausbildungsmarkt im Umbruch

 Die Relation zwischen gemeldeten Ausbildungsstellen und registrierten


Bewerberinnen und Bewerbern ist in Nordrhein-Westfalen weiterhin für Jugendliche
ungünstig. Bereits seit Mitte der neunziger Jahre besteht in Nordrhein-Westfalen ein
hoher Bewerberüberhang.

 Der Umbruch auf dem Ausbildungsmarkt von Nordrhein-Westfalen zeichnet sich


jedoch immer deutlicher ab. Die Relation zwischen gemeldeten Ausbildungsstellen und
registrierten Bewerberinnen und Bewerbern in Nordrhein-Westfalen verschiebt sich
immer rascher zugunsten der Jugendlichen.

 Die Relation der unbesetzten Ausbildungsstellen je unversorgter Bewerberin oder


unversorgtem Bewerber am Ende des Berichtsjahres war in den vergangenen sieben
Jahren starken Veränderungen unterworfen. Aus einem Stellenüberhang im Jahr 2012
entwickelte sich innerhalb von zwei Jahren ein hoher Bewerberüberhang, der sich in
den darauffolgenden drei Jahren aber wieder reduzierte. Der im vergangenen Jahr
starke Stellenüberhang hat sich im aktuellen Ausbildungsjahr in abgeschwächter Form
fortgesetzt. Womit es den Arbeitgebern auch in diesem Jahr schwerer fallen dürfte,
noch freie Ausbildungsstellen besetzen zu können.

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Gleiche Entwicklung in unterschiedlicher Ausprägung in Nordrhein-Westfalen

 In allen Arbeitsmarktregionen Nordrhein-Westfalens sind ähnliche Entwicklungen zu


beobachten. Eine steigende Zahl von Ausbildungsstellen trifft auf eine sinkende Zahl
registrierter Bewerberinnen und Bewerber.

 Neben Südwestfalen sanken in diesem Ausbildungsjahr auch im Münsterland und


Ostwestfalen-Lippe die Bewerberzahlen besonders stark.

 Eine hohe Zahl zusätzlicher gemeldeter Ausbildungsstellen stammt aus den Regionen
Bergisches Land und Ruhrgebiet. Gemeinsam kommen sie bei den gestiegenen
Ausbildungsstellen auf einen Anteil von über 60 Prozent.

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Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Heterogenes Nordrhein-Westfalen – Bewerber- und Stellenüberhänge im Land

 Zwar steigen die Chancen für die Jugendlichen, doch es bestehen weiterhin deutliche
regionale Unterschiede. In neun der dreißig Agenturbezirke sind bereits mehr
Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber gemeldet.

 Den höchsten Bewerberüberhang, also die stärksten Versorgungsprobleme, weist der


Bezirk der Agentur für Arbeit Gelsenkirchen mit 0,64 Ausbildungsstellen je gemeldeter
Bewerberin oder gemeldetem Bewerber auf. Aber es gibt auch Regionen mit einem
kräftigen Stellenüberhang und dementsprechend mit Besetzungsproblemen. Im Bezirk
der Agentur für Arbeit Siegen kommen 1,53 Ausbildungsstellen auf eine Bewerberin
oder einen Bewerber.

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Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge steigt

 Während die Zahl der Schulabgänge seit einigen Jahren rückläufig ist, legen die neu
abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse seit 2017 wieder zu. Im Jahr 2018 wurden
117.153 Ausbildungsverträge abgeschlossen, das waren 1.659 oder 1,4 Prozent mehr
als im Jahr zuvor. Es entscheidet sich also wieder ein größerer Anteil junger Menschen
für die Berufsausbildung.

 In dem Zeitraum seit 1981 wurde der höchste Stellenüberhang in Nordrhein-Westfalen


im Jahr 1992 registriert. Auf eine Bewerberin oder einen Bewerber kamen 1,52
gemeldete Ausbildungsstellen. Bereits drei Jahre später, im Jahr 1995, lag wieder ein
Bewerberüberhang vor. Die Effekte der deutschen Wiedervereinigung waren somit
sehr schnell aufgebraucht. Seitdem konnte kein quantitativer Ausgleich zwischen
gemeldeten Ausbildungsstellen und registrierten Bewerberinnen und Bewerbern
erreicht werden.

 Im Jahr 2006 wurde der höchste Bewerberüberhang errechnet. In dem Jahr kamen auf
eine Bewerberin oder einen Bewerber lediglich 0,59 Ausbildungsstellen.

Hintergrund
Die Statistik der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge wird durch das Bundesinstitut für
Berufsbildung (BIBB) veröffentlicht. Sie wird aus den Meldungen der für die Berufsausbildung
zuständigen Stellen (beispielsweise Kammern) zu eingetragenen Ausbildungsverträgen erstellt. Gezählt
werden alle neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Zeitraum vom 1. Oktober eines Jahres bis
30. September des Folgejahres. Das Ausbildungsverhältnis muss am 30.09. noch bestehen.
In Nordrhein-Westfalen erhebt IT.Nordrhein-Westfalen (Statistisches Landesamt) die Daten und leitet
sie an das BIBB weiter. Der Veröffentlichungstermin neuer Daten liegt traditionell im Dezember.

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Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Die Mobilität der Auszubildenden führt zumindest teilweise zu einem Ausgleich


Einpendlerinnen und Einpendler in die Landkreise oder kreisfreien Städte

 Durch die Mobilität von Jugendlichen können regionale Ungleichgewichte von Angebot
und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt ausgeglichen werden. Es kann jedoch auch
dazu führen, dass in Regionen wie beispielsweise die Metropolen Düsseldorf, Köln,
Bonn oder Münster viele junge Menschen auf Grund der attraktiven Angebote verstärkt
einpendeln und somit die Verhältnisse auf dem Ausbildungsmarkt für dort lebende
Ausbildungsinteressierte verschlechtern.

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Auspendlerinnen und Auspendler aus den Landkreisen oder kreisfreien Städten

 Vor allem in städtisch geprägten Regionen wie dem Ruhrgebiet gibt es starke
Pendlerströme über die Kreis- oder Stadtgrenzen hinweg. In flächenmäßig großen
Landkreisen hingegen ist der Weg bis zur Kreisgrenze entsprechend lang, so dass
nur geringe Pendelbewegungen in dieser Betrachtung statistisch erfasst werden. Hier
werden die Pendlerströme vorrangig innerhalb der Kreisgrenzen sichtbar.

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Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Kaufmännische Berufe prägen den Ausbildungsmarkt


Ausbildungsstellen sowie Bewerberinnen und Bewerber seit Beginn des Berichtsjahres

 Die meisten Ausbildungsstellen wurden im abgelaufenen Ausbildungsjahr für die


Ausbildungsberufe „Einzelhandelskauffrau oder Einzelhandelskaufmann“, „Kauffrau
oder Kaufmann im Büromanagement“ und „Verkäuferin oder Verkäufer“ gemeldet.

 Die Top vier der Berufe mit den meisten Ausbildungsstellen-Meldungen gleichen den
vier Berufen, für die sich die meisten Bewerberinnen und Bewerber interessieren. Auch
sonst gibt es viele Übereinstimmungen in den Top 10-Listen.

 Seit Jahren verändert sich die Liste der Top-Berufe bei den Ausbildungsstellen und
den Wunschberufen der Bewerberinnen und Bewerber kaum. Dies hängt vor allem
damit zusammen, dass diese Berufe einen hohen Bedarf an Fachkräften haben und
somit auch bei den Bewerberinnen und Bewerbern sehr präsent sind. Trotzdem ist es
wichtig, dass die Jugendlichen auch die übrigen Ausbildungsberufe kennen lernen. Nur
mit einem umfassenden Überblick über die Angebote können die
Ausbildungsinteressierten den passenden Ausbildungsberuf finden. Vor allem in Zeiten
eines Ausbildungsmarktes im Umbruch besteht ansonsten die Gefahr, dass sich nur
noch wenige oder gar keine Bewerberinnen und Bewerber um weniger bekannte
Ausbildungsberufe bemühen.

Hintergrund
Die Berufswünsche der Bewerberinnen und Bewerber sind häufig vielfältig und nicht auf einzelne Berufe
konzentriert. Diese Statistik bezieht sich aber jeweils auf den Einzelberuf, der als Hauptberufswunsch
aufgeführt wurde. Daneben können aber auch Bewerbungen erfolgen und auch erfolgreich sein, die
nicht diesem Hauptwunsch entsprechen. Diese Berufe können aber statistisch nicht ausgewertet
werden.

14
Ausbildungsstellen in Verkaufsberufen bleiben am häufigsten unbesetzt
Unbesetzte Ausbildungsstellen sowie unversorgte Bewerberinnen und Bewerber

 Auch in diesem Ausbildungsjahr bezogen sich die meisten der am Ende des
Berichtsjahres noch unbesetzten Ausbildungsstellen auf Verkaufsberufe. Zwei der drei
Berufe liegen aber auch unter den Top 3 der insgesamt gemeldeten
Ausbildungsstellen.

 Es gibt Ausbildungsplätze, die schon aufgrund ihrer Rahmenbedingungen bei den


Ausbildungssuchenden unbeliebt sind und daher häufiger nicht besetzt werden
können. Hierzu zählen beispielsweise die „Fachverkäuferin und der Fachverkäufer im
Bäckereihandwerk“ sowie die „Köchin und der Koch“. Frühe Anfangszeiten in den
Bäckereien oder auch Schichtdienste in der Gastronomie führen zu einem geringen
Bewerberinteresse. Und auch die Verdienstmöglichkeiten spielen eine erhebliche
Rolle.

 Einige der Berufe in der Top 10-Liste der unbesetzten Ausbildungsstellen sind auch in
den Top 10 der Berufswünsche der Bewerberinnen und Bewerber enthalten. Hieran
erkennt man, dass nicht alleine die Zahl der Ausbildungsstellen und der interessierten
Jugendlichen passen muss. Vielmehr müssen auch die Anforderungen der Arbeitgeber
mit den Kompetenzen und Fähigkeiten der jungen Menschen übereinstimmen. Ebenso
müssen die regionalen Aspekte passen. Eine Ausbildungsstelle in der Städteregion
Aachen wird wohl eher selten mit einer Bewerberin oder einem Bewerber aus dem
Kreis Minden-Lübbecke besetzt.

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Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Starke Veränderungen vor allem im Verkaufssegment

 Die bereits im Vorjahr sichtbaren Veränderungen im Verkaufssegment, sind in diesem


Ausbildungsjahr weiter fortgeschritten. Inzwischen kommen drei der fünf Top-Berufe
mit den höchsten Steigerungen an Ausbildungsstellen aus dem Handel. Gleichzeitig
kommt es nach wie vor bei den gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber mit einem
entsprechenden Wunschberuf zu den höchsten Reduzierungen.

 Besonders der Bereich der Energietechnik legte bei den Stellenmeldungen im


Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich zu und kletterte somit vom fünften auf den
zweiten Platz bei den höchsten Steigerungen der Ausbildungsstellen. Trotz des starken
Anstieges konnte das zusätzliche Potenzial gut genutzt und die unbesetzten
Ausbildungsstellen auf 250 gesenkt werden, dies entspricht einer Reduzierung um 58
Prozent.

 Bei den gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern ist zu erkennen, dass diese
verstärkt Zukunftsberufe wie Softwareentwicklung und Programmierung oder
Ausbildungsberufe mit verschärften Fachkräfte-Engpässen wie beispielsweise Sanitär,
Heizungs- und Klimatechnik nachfragen.

Hintergrund
Im Gegensatz zu den Top 10 der am meisten angebotenen Ausbildungsplätze und der Wunschberufe
der Bewerberinnen und Bewerber auf den Seiten 13 und 14 betrachten wir hier nicht die einzelnen
Ausbildungsberufe, sondern die Berufsgruppen. In der Berufsgruppe „Verkauf (ohne
Produktspezialisierung)“ sind beispielsweise die Einzelhandelskauffrau und der
Einzelhandelskaufmann mit den Verkäuferinnen und Verkäufern zusammengefasst.

16
Ausbildungsstellen

Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen an allen gemeldeten Stellen wächst

 Im abgelaufenen Ausbildungsjahr wurden deutlich mehr Ausbildungsstellen gemeldet


als im Vorjahr. Gleichzeitig blieb eine höhere Zahl am Ende des Berichtsjahres
unbesetzt. Somit ist auch der Anteil der unbesetzten an allen gemeldeten
Ausbildungsstellen gewachsen.

 Seit 2014 steigt der Anteil der unbesetzten an allen gemeldeten Ausbildungsstellen an.
In diesem Jahr blieben 8,4 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen frei. Offenbar
wird es für die Arbeitgeber schwieriger, offene Ausbildungsplätze zu besetzen.

 Einige Berufsgruppen sind stärker betroffen als andere. So liegt zum Beispiel der Anteil
der unbesetzten an allen gemeldeten Ausbildungsstellen im Verkauf von Lebensmitteln
bei 22 Prozent, bei den Friseurinnen und Friseuren bei 21 Prozent. Dagegen sind die
Ausbildungsstellen in der öffentlichen Verwaltung mit einem Anteil von unter einem
Prozent oder im Gartenbau mit vier Prozent deutlich seltener offengeblieben.

 Man kann nur an die Arbeitgeber appellieren, auch schwächeren Bewerberinnen und
Bewerbern eine Chance zu geben. Hierfür gibt es Unterstützungsmöglichkeiten der
Bundesagentur für Arbeit, wie beispielsweise die ausbildungsbegleitenden Hilfen
„AbH“ oder die assistierte Ausbildung.

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Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Industrie, Handel und Handwerk sind bei der Ausbildung besonders stark

 Drei von fünf Ausbildungsstellen wurden in Nordrhein-Westfalen innerhalb der


Zuständigkeit der Industrie- und Handelskammer gemeldet. Dies sind demnach
zusammen mit der Handwerkskammer die maßgeblichen Träger der dualen
Berufsausbildung. Aus dem Handwerk stammt mehr als jeder fünfte Ausbildungsplatz.
Die anderen Bereiche stellen etwa jede zehnte Ausbildungsstelle.

 Beim überwiegenden Teil der Kammern kam es zu einem Anstieg der gemeldeten
Ausbildungsstellen gegenüber dem Vorjahr. Lediglich in den Zuständigkeitsbereichen
der Rechtsanwaltskammer, der Steuerberaterkammer und des öffentlichen Dienstes
gab es geringe Rückgänge. Mit 21,9 Prozent weniger gemeldeten Ausbildungsstellen,
hatte dabei die Landwirtschaftskammer die stärkste Reduzierung zu verzeichnen.

Hintergrund
Die zuständige Stelle für die gemeldeten Ausbildungsplätze wird anhand der Zugehörigkeit der
Arbeitgeber zu einer Kammer ermittelt. Es wird die Kammer ausgewiesen, die die
Ausbildungsberechtigung des Arbeitgebers für eine duale Berufsausbildung feststellt. In manchen
Fällen gibt es nicht plausible Informationen, wenn beispielsweise einem Arbeitgeber zwei
unterschiedliche Kammern zugeordnet wurden. In diesen Fällen werden die Ausbildungsplätze ohne
Angabe zur Kammerzugehörigkeit gezählt.

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Bewerberinnen und Bewerber

Auch die Bewerberstruktur verändert sich

 Der Blick auf die Struktur der Bewerberinnen und Bewerber verdeutlicht noch einmal
die zunehmenden Veränderungen auf dem Ausbildungsmarkt. Durch den
demografischen Wandel geht die Zahl der ausbildungsberechtigten Jugendlichen
deutlich zurück, was sich auch bei den Merkmalen zeigt.

 Trotz Rückgängen ist jedoch erkennbar, dass die Bewerberinnen und Bewerber älter
werden. Nach wie vor findet eine Verschiebung der Anteile der einzelnen Altersstufen
hin zu älteren Altersjahren statt. Diese setzen sich vorrangig aus geflüchteten
Menschen und den Studierenden, die an ihrem Studium zweifeln, zusammen. Ein
weiterer Grund kann jedoch auch die längere Schulzeit bei zunehmend höheren
allgemeinbildenden Schulabschlüssen sein.

 Diese Neigung zu höherwertigen Schulabschlüssen führt auch beim Schulniveau der


Bewerberinnen und Bewerber zu einer Verschiebung. Ausbildungsberufe in die
traditionell Jugendliche mit einem Hauptschulabschluss einmünden wie „die
Fachverkäuferin und der Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk“ oder „die Köchin
und der Koch“ sind dadurch stärker von Besetzungsproblemen betroffen als andere.

 Auch in diesem Ausbildungsjahr ist die Zahl der schwerbehinderten Bewerberinnen


und Bewerber gestiegen. Da sich die Zahl in der Bevölkerung nicht entsprechend
entwickelt, ist es wahrscheinlich, dass die Inklusion hierzu beiträgt. Die
schwerbehinderten Bewerberinnen und Bewerber, die in den früheren Jahren in
Förderschulen unterrichtet wurden, erhalten nun einen Schulabschluss, der mit den
nicht schwerbehinderten Jugendlichen vergleichbar ist. Dadurch steigt zum einen das
Selbstbewusstsein der jungen Menschen, aber auch die schulischen Leistungen
können nun verstärkt dazu führen, dass die Ausbildungsreife anerkannt wird.

19
Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Anteil der unversorgten an allen Bewerberinnen und Bewerbern steigt

 Trotz einer sinkenden Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern gelingt es nicht allen
Jugendlichen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Der Anteil der am Ende des
Berichtsjahres unversorgten an allen Bewerberinnen und Bewerbern stieg gegenüber
dem Vorjahr an. Die geringere Konkurrenzsituation um Ausbildungsstellen führt also
noch nicht zu besseren Chancen für die Bewerberinnen und Bewerber.

 Verstärkt wenden sich ältere Bewerberinnen und Bewerber dem Ausbildungsmarkt zu,
nach deren Abgang aus einer allgemeinbildenden Schule bereits einige Zeit vergangen
ist. Allerdings bleibt von dieser Personengruppe ein hoher Anteil am Ende ohne
Ausbildungsplatz oder einer Alternative. Insgesamt 12,7 Prozent der Bewerberinnen
und Bewerber mit abgeschlossenem 25. Lebensjahr blieben am Ende ohne
Ausbildungsstelle. Von den Bewerberinnen und Bewerbern, die spätestens vor zwei
Jahren die Schule beendeten, waren es neun Prozent. Inwieweit dies mit hohen
Ansprüchen der Bewerberinnen und Bewerber oder mit hohen Anforderungen der
Ausbildungsbetriebe zusammenhängt, kann in diesem Rahmen nicht geklärt werden.

20
Rund 57.000 Ausbildungsinteressierte fanden eine Ausbildungsstelle

 Im abgelaufenen Ausbildungsjahr konnten 56.976 registrierte Bewerberinnen und


Bewerber eine Ausbildungsstelle aufnehmen. Der größte Teil ist mit 53.690
Ausbildungsinteressierten in eine nicht geförderte Berufsausbildung eingemündet.

 Etwa jede zehnte Bewerberin oder Bewerber, rund 13.543, konnte eine Alternative zum
30.09. finden. Diese Jugendlichen würden aber, soweit die Chance besteht, eine
Berufsausbildung beginnen.

 Am Ende des Berichtsjahres waren noch 7.372 der Ausbildungsinteressierten für das
aktuelle Ausbildungsjahr ausbildungssuchend.

Hintergrund
Als einmündende Bewerberin oder einmündender Bewerber wird berücksichtigt, wer im Laufe des
Berichtsjahres oder später eine Ausbildung aufnimmt.
Andere ehemalige Bewerberinnen und Bewerber haben trotz Nachfrage keine weitere aktive Hilfe bei
der Ausbildungssuche in Anspruch genommen.
Haben die Bewerberin oder der Bewerber bereits eine alternative Möglichkeit zur Ausbildung, wird sie
oder er der Gruppe „mit Alternative zum 30.09.“ zugeordnet. Zu den Alternativen gehören beispielsweise
Schulbildung, Berufsgrundschuljahr, Berufsvorbereitungsjahr, Einstiegsqualifizierung Jugendlicher,
berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen oder freiwillige soziale Dienste.
Zu den unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern rechnen junge Menschen, für die weder die
Einmündung in eine Berufsausbildung, noch ein weiterer Schulbesuch, eine Teilnahme an einer
Fördermaßnahme oder eine andere Alternative zum 30.09. bekannt ist und für die weiterhin
Vermittlungsbemühungen laufen.

21
Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Erfolgreiche Ausbildungssuche geflüchteter junger Menschen

 Von den 9.579 Bewerberinnen und Bewerbern mit einem Fluchthintergrund haben
3.292 eine Ausbildungsstelle finden können. Das sind 34,4 Prozent der insgesamt
registrierten Ausbildungsinteressenten im Fluchtkontext. Von allen Bewerberinnen und
Bewerbern fanden in Nordrhein-Westfalen rund 44,3 Prozent einen Ausbildungsplatz.

 Vor allem in Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen waren die geflüchteten Menschen


bei ihrer Ausbildungssuche erfolgreich. Mehr als jede dritte Bewerberin oder jeder dritte
Bewerber mit Fluchthintergrund konnten einen Ausbildungsplatz finden.

 Am Ende des Berichtsjahres waren in Nordrhein-Westfalen noch 799 der jungen


geflüchteten Menschen für das aktuelle Ausbildungsjahr ausbildungssuchend. Der
Anteil lag bei 8,3 Prozent, bei allen Bewerberinnen und Bewerber waren es
5,7 Prozent.

Hintergrund
Zu den Bewerberinnen und Bewerbern mit Fluchthintergrund werden alle Ausländerinnen und
Ausländer gezählt, die eine Aufenthaltsgestattung, eine Aufenthaltserlaubnis Flucht oder eine Duldung
besitzen, eine berufliche Ausbildung anstreben und als ausbildungsreif angesehen werden.

22
Weitere wichtige Faktoren

Die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe sinkt

 Die berufliche Ausbildung hat in Nordrhein-Westfalen eine hohe Bedeutung. Sowohl


der Anteil der Ausbildungsbetriebe, als auch der Anteil der Auszubildenden liegen
deutlich über dem bundesdeutschen Vergleichswert.

 Trotzdem sinken die Anteile seit einigen Jahren stetig ab. Dies ist im Hinblick auf eine
seit 2010 durchgehend gestiegene sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nicht
ungewöhnlich. Jedoch schrumpfen auch die absoluten Zahlen der Auszubildenden und
ausbildenden Betriebe. Mittlerweile ist die Zahl der Ausbildungsbetriebe in Nordrhein-
Westfalen deutlich unter die Grenze von 100.000 Betrieben gefallen. Vor allem
Kleinstbetriebe unter zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ziehen sich aus der
beruflichen Ausbildung zurück.

Hintergrund
Die Ausbildungsquote sowie die Ausbildungsbetriebsquote sind Kennzahlen, die aus der Statistik der
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung stammen. Quelle der Daten sind die An-, Ab- und
Jahresmeldungen der Arbeitgeber zur Sozialversicherung.

23
Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Beinahe jeder vierte Ausbildungsvertrag wird vorzeitig gelöst

 Von den Ausbildungsverträgen, die im Jahr 2017 in Nordrhein-Westfalen geschlossen


wurden, wurde rund ein Viertel vorzeitig gelöst. Dies ist nicht gleichbedeutend mit
einem Ausbildungsabbruch, da ein Teil der Jugendlichen einen neuen
Ausbildungsvertrag eingeht und somit keine endgültige Beendigung der beruflichen
Ausbildung vorliegt.

 Besonders hohe Vertragslösungsquoten lagen im Handwerk vor. Dagegen wurde im


öffentlichen Dienst nur selten ein Ausbildungsverhältnis frühzeitig beendet.

Hintergrund
Die Kennzahlen werden vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) berechnet. Quelle der Daten ist
die Berufsbildungsstatistik des Bundes und der Länder. Da im jeweils aktuellen Berichtsjahr unbekannt
ist, wie viele der begonnenen Ausbildungsverträge in den folgenden Jahren noch gelöst werden, werden
stellvertretend diejenigen herangezogen, die in früheren Jahren den Ausbildungsvertrag begonnen
hatten und deren Vertrag im aktuellen Berichtsjahr gelöst wurde. Somit kann die Lösungsquote nur als
eine näherungsweise Berechnung des Anteils der vorzeitigen Lösungen der im aktuellen Berichtsjahr
begonnenen Verträge interpretiert werden.
Nicht erhoben wird, welche Vertragsseite den Vertrag gelöst hat und aus welchen Gründen. Diese sind
vielfältig (zum Beispiel Betriebsschließung, Ausbildungsbetriebswechsel, Wechsel von einem
überwiegend öffentlich finanzierten Ausbildungsverhältnis in ein betriebliches Ausbildungsverhältnis,
Berufswechsel, Wechsel in ein Hochschulstudium, gänzlicher Ausbildungsabbruch).

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Durch höhere Abschlüsse mehr Möglichkeiten bei der Bildungsentscheidung

 Die Zahl der Schulabsolventinnen und Schulabsolventen aus allgemeinbildenden


Schulen ging im Jahr 2019 laut Prognose des Ministeriums für Schule und Bildung des
Landes Nordrhein-Westfalen weiter zurück und betrug rund 185.660 junge Menschen.

 Der Anteil derer, die aufgrund ihres Schulabschlusses eine Fachhochschule oder eine
Hochschule besuchen dürften, stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht an. In den
kommenden Jahren rechnet das Ministerium weiter mit steigenden Anteilen.

 Der wachsende Anteil Schulentlassener mit einer (Fach-) Hochschulzugangs-


berechtigung sowie die wieder steigende Anzahl abgeschlossener
Ausbildungsverträge lassen vermuten, dass die Jugendlichen ihre
Studienberechtigung immer mehr als zusätzliche Möglichkeit im Rahmen ihrer
Bildungsentscheidung sehen.

Hintergrund
Der hohe Anteil des Jahres 2012/2013 hing mit der Einführung der achtjährigen Hochschulreife
zusammen. In dem Jahr wurden zwei Jahrgänge aus der Schule entlassen.

25
Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen - Berichtsjahr 2018/19

Anhang

Literatur-Verzeichnis

 Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2019.


Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bonn 2019

 Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Vorzeitige Vertragslösungen und


Ausbildungsverlauf in der dualen Berufsausbildung. Wissenschaftliche
Diskussionspapiere, Heft 157. Bonn 2015

 Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Auswirkungen von


demographischen Entwicklungen auf die berufliche Ausbildung; Bonn, Berlin 2009

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Für Ihre Notizen

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Herausgeberin
Bundesagentur für Arbeit,
Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen
Presse und Marketing/
Arbeitsmarktbeobachtung
Oktober 2019

www.arbeitsagentur.de

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