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Vorlesung Allgemeine Soziologie II

Multiple Choice Fragen:


1. Was sind Merkmale einer Institution?

a) Institutionen sind nach Scharpf Gruppen von Akteuren, die durch offenstehende
Handlungsverläufe strukturiert werden.
b) Institutionen vermitteln zwischen Kultur und Gesellschaft.
c) Institutionen sind adressierbar wie Organisationen und haben einen Namen, z.B.
„Schule“, „Kirche“ oder „Parlament“.
d) Institutionen sind Regeln, an denen sich das menschliche Handeln in sozialen
Situationen orientiert.

2. Was sind nach Weber Elemente einer legitimen Ordnung?

a) Das Handeln von Akteuren kann sanktioniert werden.


b) Die Ordnung ist legitimiert, z.B. durch den Glauben an letzte Werte.
c) Das Handeln orientiert sich an angebbaren Eigeninteressen.
d) Das Handeln orientiert sich an Instinkten.

3. Was ist der „Lock-in“-Effekt?

a) Personen unterer gesellschaftlicher Schichten werden systematisch aus der


Gesellschaft ausgeschlossen.
b) Personen mit höherer Bildung verhindern gezielt, dass Personen mit niedrigerer
Bildung in der Gesellschaft aufsteigen.
c) Abweichungen sind nicht möglich, weil ein einmal eingeschlagener „Pfad“ wie
z.B. die Belegung von Tastaturen (QWERTZ) nur schwer rückgängig gemacht
werden kann.
d) Innovationen werden aufgrund der Öffnung von Strukturdynamiken ermöglicht.

4. Welche Beispiele passen zum „Trittbrettfahrerproblem“?

a) Jemand stiehlt im Supermarkt, obwohl er genug hat.


b) Jemand bedient sich regelmäßig am Kaffee einer Arbeitsgruppe, zahlt aber kein
Geld in die Kaffeekasse ein.
c) Ein Investor verkauft seine Wohnungen zu hohen Preisen, informiert die Käufer
aber nicht über mögliche Schäden.
d) In beliebten Stadtteilen steigen die Mieten durch die hohe Nachfrage nach
Wohnungen.
5. An welchen Handlungsantrieben (aus soziologischen Akteurmodellen) kann man
gezielt ansetzen, um andere Akteure zu beeinflussen?

a) Ab den Emotionen einer Person, z.B. Wut.


b) An den besonderen Persönlichkeitsmerkmalen einer Person, z.B.
Introversion/Extroversion.
c) An den Nutzungserwägungen einer Person, z.B. mit Belohnungen.
d) An den genetischen Merkmalen einer Person, z.B. dem Geschlecht.

6. Welche Arten von Transintentionalität lassen sich unterscheiden?

a) Reflexive Transintentionalität.
b) Transintentionalität als Fernwirkung.
c) Gescheiterte Intentionalität.
d) Zusammenhängende Intentionalität.

7. Welche Aussagen treffen auf Kultur zu?

a) Kultur umfasst die Gesamtheit aller individuellen Wahrnehmungen, Gefühle und


Verhaltensweisen.
b) Kultur umfasst die Gesamtheit aller sinnhaften Produkte menschlicher
Vorstellungskraft und Handlungen, z.B. Sprache.
c) Kultur ist ein Produkt von Objektivierungsprozessen.
d) Die Entwicklung der Kultur ist vom handelnden Zusammenwirken der Akteure
unabhängig.

8. Welche der folgenden Aspekte sind Eigenschaften sozialer Strukturen?

a) Soziale Strukturen ergeben sich aus dem handelnden Zusammenwirken von


Akteuren.
b) Soziale Strukturen entwickeln sich losgelöst von Raum und Zeit.
c) Soziale Strukturen beeinflussen das Handeln der Akteure.
d) Soziale Strukturen sind stabil, einmal entstanden sind sie unveränderbar.

9. Wie kann die Legitimität einer Ordnung nach Max Weber garantiert sein?

a) Affektuell.
b) Religiös.
c) Demokratisch.
d) Kognitiv.
10. Welche der folgenden Prozesse beschreiben einzelne Stufen der Institutionalisierung
nach Lepsius?

a) Ausdifferenzierung von Geltungsbereichen, die spezifische Handlungskontexte


abgrenzen.
b) Konzeptualisierung von Organigrammen und Organisationszielen.
c) Typisierung von Handlungen.
d) Externalisierung von Kontingenzen.

11. Welche der folgenden Aussagen treffen auf den Begriff der sozialen
„Strukturdynamik“ zu?

a) Geschlossene Strukturdynamiken lassen sich in theoretischen Modellen erfassen.


b) Strukturdynamiken sind kausale Mechanismen, die bewirken, dass die Effekte der
Handlungen mehrerer Akteure sich zu bestimmten sozialen Strukturen
aggregieren.
c) Strukturdynamiken sind durch relativ sichere Prognosen über ihren Verlauf
erfassbar.
d) Geschlossene Strukturdynamiken lassen sich prinzipiell nicht theoretisch
modellieren.

12. Was sind zentrale Aspekte von Verhandlungskonstellationen?

a) Die beteiligten Akteure sind sich nicht bewusst darüber, dass zwischen ihnen eine
Intentionsinterferenz besteht.
b) Die beteiligten Akteure versuchen das Verhalten der jeweils anderen Seite durch
positive oder negative Anreize zu beeinflussen.
c) Die beteiligten Akteure arbeiten auf eine bindende Vereinbarung hin.
d) Die beteiligten Akteure lösen den Konflikt in Form von Gewalt.

13. Welche der folgenden Aussagen treffen auf den Begriff der „Abweichungsdämpfung“
zu?

a) Eine Abweichungsdämpfung beruht auf positiver Rückkopplung.


b) Eine Abweichungsdämpfung beruht auf negativer Rückkopplung.
c) Durch eine Abweichungsdämpfung entstehen neue Strukturen oder es verändern
sich bestehende Strukturen.
d) Durch eine Abweichungsdämpfung wird Störungen systematisch
entgegengewirkt, die zum Wandel einer Struktur führen können.
14. Welche der folgenden strukturellen Faktoren beeinflussen die individuelle
Nutzenmaximierung so, dass kollektives Handeln möglich wird?

a) Netzwerkzentralität.
b) Kollektives Bewusstsein.
c) Geringe Mobilisierungskosten.
d) Kultureller Synkretismus.
e) Kritische Masse.
f) Transitivität der Beziehungen.

15. Was ist Macht nach Max Weber?

a) Macht wird nach Max Weber durch ökonomischen Ressourcen eines Akteurs
bestimmt.
b) Macht meint nach Max Weber jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung
den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen.
c) Macht ist nach Max Weber ein Verteilungsmerkmal, bestimmte Akteure haben
durch ihre soziale Herkunft mehr Macht als andere und können daher mehr
Einfluss ausüben.

16. Was sind Merkmale von Triaden?

a) Triaden befinden sich in der Regel in einem Ungleichgewicht.


b) Das Sprichwort „Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte“ beschreibt eine
typische Triadenkonstellation.
c) Triaden bestehen aus mindestens zwei Akteuren.
d) Triaden erhöhen den Grad der Individualität der beteiligten Akteure.

17. Was sind Merkmale eines Kollektivgutes?

a) Der Zugang zu Kollektivgütern ist gesetzlich geregelt.


b) Kein Akteur kann von der Teilhabe ausgeschlossen werden.
c) Der Besitz von Kollektivgütern ist in der Gesellschaft ungleich verteilt.
d) Strikt nutzenmaximierende Akteure verhalten sich in Bezug auf Kollektivgüter wie
Trittbrettfahrer.
18. In welchen Fällen nimmt die Konfliktintensität nach Coser zu?

a) Die Intensität eines sozialen Konflikts nimmt zu, je unzufriedener die betroffenen
Akteure mit den gesellschaftlichen Umständen sind.
b) Die Intensität eines sozialen Konflikts nimmt zu, je mehr Alternativen der
Zielerreichung es gibt.
c) Die Intensität eines sozialen Konflikts nimmt zu, je weniger alternative
Möglichkeiten der Artikulation von Unzufriedenheit bestehen.
d) Die Intensität eines sozialen Konflikts nimmt zu, je anonymer die Beziehung
zwischen den gegnerischen Parteien ist.

19. Was bedeutet die Formulierung: „Ausbildung von Rationalitätskriterien“?

a) Es werden Pläne für eine reibungslose Abarbeitung von Intentionsinterferenzen


gemacht.
b) Es wird festgelegt, wie der Einzelne seinen eigenen Nutzen in
Verhandlungskonstellationen am besten erhöhen kann.
c) Allgemeine Leitideen und Werte werden in konkrete Verhaltenserwartungen
übersetzt.

20. Was besagt der Begriff der Homophilie?

a) Wenn zwei Knoten in einem Netzwerk überproportional viele Merkmale teilen,


dann ist die Wahrscheinlichkeit für eine Relation zwischen ihnen groß.
b) Wenn zwei Knoten in einem Netzwerk miteinander in Relation stehen, dann
teilen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit überproportional viele Merkmale.
c) Wenn zwei Knoten in einem Netzwerk sich durch unterschiedliche Merkmale
auszeichnen, gehen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Beziehung ein.
d) Befinden sich die Relationen zwischen drei Knoten im „Ungleichgewicht“, dann
streben sie nach einem „Gleichgewicht“.

21. Welche der folgenden Punkte sind für eine wechselseitige Beeinflussung
charakteristisch?

a) Der Wille, das Handeln der beteiligten Akteure zu verstehen.


b) Der Versuch, den jeweils anderen durch das gezielte Setzen von Anreizen zu
beeinflussen.
c) Die Absicht, immer den Nutzen des jeweils anderen zu minimieren.
d) Das Bewusstsein der Akteure darüber, dass zwischen ihnen eine
Intentionsinterferenz besteht.
22. Von welchen Faktoren hängen kollektive Mobilisierungsprozesse bei primär
nutzenmaximierenden Akteuren unter anderem ab?

a) Von Gruppengröße: Wenn im Durchschnitt relativ wenige Ressourcen und


Interessen vorhanden sind, ist kollektive Mobilisierung in großen Gruppen
wahrscheinlicher als in kleinen.
b) Von dem Nutzen, den jeder Einzelne von der Mobilisierung erwarten kann: Wenn
die erwarteten Kosten gering ausfallen, steigt die Wahrscheinlichkeit für die
Beteiligung nutzenmaximierender Akteure.
c) Oft stellt sich der Mobilisierungsnutzen erst ein, wenn es eine „kritische Masse“
an Teilnehmern gibt.
d) Von der Struktur des Netzwerkes: Die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche
kollektive Mobilisierung erhöht sich, wenn Informationen innerhalb eines
Netzwerkes viele Stationen durchlaufen müssen.

23. Welche der folgenden Aussagen treffen auf „überindividuelle Akteure“ zu?

a) Überindividuelle Akteure sind Konstellationen individuelle Akteure.


b) Überindividuelle Akteure sind durch einen hohen Grad an Transzendenz
charakterisiert.
c) Die Handlungen einzelner Akteure sind durch einen relativ hohen Grad an
Koordination miteinander verbunden.
d) Die Handlungen einzelner Akteure verlaufen spontan und unkoordiniert.

24. Durch welche Eigenschaften zeichnen sich formale Organisationen aus?

a) Sie verfolgen spezifische Zwecke und sind zugleich durch diese legitimiert.
b) Die Ressourcen von Mitgliedern werden einseitig auf die Organisation
übertragen.
c) Sie beruhen wesentlich auf Verhandlungskonstellationen.
d) Sie sind kurzlebig und instabil.
e) Die Mitglieder haben keine klar definierten Aufgaben und sind unersetzbar.
f) Durch rekursiv geschlossene Entscheidungen gewinnen sie an Autonomie.
g) Emotionen, Freundschaften und Sympathien spielen in Organisationen keine
Rolle.
25. Welche der folgenden Aussagen treffen auf den Konkurrenzbegriff (nach Weber) zu?

a) Konkurrenz ist eine friedliche Form des Konflikts.


b) Konkurrenz kann sich in Zielen und Mitteln an einer Ordnung orientieren.
c) Konkurrenz gilt als „ungeregelt“, wenn sie einer institutionalisierten Ordnung
unterliegt.
d) Konkurrenz ist eine Beziehung zwischen mindestens zwei Akteuren, in der sich
stets der Akteur mit der besseren Leistung durchsetzt.

Offene Fragen:

26. Es geht um wechselseitige Beobachtungskonstellationen: Wie unterscheidet sich die


direkte von der indirekten Beobachtung? Nennen und erläutern Sie zusätzlich jeweils
ein Beispiel.

Die direkte Beobachtung findet in Situationen der räumlich gebundenen Kopräsenz von
Akteuren, die sich gegenseitig wahrnehmen, statt. Sie verfügen über den ungefähr
selben kulturellen Hintergrund, was zu Antizipation und Reziprozität führt.

Die indirekte Beobachtung findet statt, wenn das Handeln der anderen Akteure nur
durch Berichte etwa in den Medien wahrgenommen wird, zum Beispiel wenn man Stars
und deren Aktivitäten über Social Media verfolgt. Es kann auch dann stattfinden, wenn
das noch gar nicht stattgefundene Handeln der anderen Akteure antizipiert wird, also
wenn man durch Berichte über den zukünftigen Kauf von Fußballern vermutet. Die letzte
Möglichkeit ist die, wenn andere Akteure nur über die Effekte ihres Handelns
wahrgenommen werden, also wenn man nur die Verspätung des Busses wahrnimmt,
indirekt aber den Busfahrer beobachtet.
27. Nennen und beschreiben Sie die drei „Welten“, welche nach Karl Popper die Existenz
des Menschen bestimmen.

1. Die Welt der physikalischen Gegenstände und Zustände

(z.B. Wetter, Stuhl, Bier – generell alles was man sehen oder anfassen kann)

2. Die Welt der Bewusstseinszustände, der geistigen Zustände, der


Verhaltensdispositionen zum Handeln

(z.B. Ideen, Gefühle, Traum, Wissen = Welt der Individuen)

3. Die Welt der objektiven Gedankeninhalte, insbesondere der wissenschaftlichen und

dichterischen Gedanken und der Kunstwerke

(z.B. etwas Reproduzierbares, was für andere aufgeschrieben wurde = Welt der Objekte)

28. Warum ist die Situationskontrolle in Verhandlungskonstellationen höher als in


Beobachtungs- und Beeinflussungskonstellationen? Nennen Sie vier Gründe.

Bei der Verhandlung ist die Situationskontrolle größer als bei der Beobachtung, da der
Einzelne an der Situationsgestaltung zumindest teilweise beteiligt wird.