Sie sind auf Seite 1von 4

Refluxkrankheit

1 Definition

Die Refluxkrankheit ist eine durch pathologischen Reflux von Mageninhalt ausgelöste entzündliche
Erkrankung der Speiseröhre (Ösophagus). Die Prävalenz der Refluxkrankheit beträgt in Deutschland
ungefähr 25%.

2 ICD10-Codes

K21.0: Gastroösophageale Refluxkrankheit mit Ösophagitis

K21.9: Gastroösophageale Refluxkrankheit ohne Ösophagitis

3 Pathophysiologie

Es bestehen eine Reihe von Schutzmechanismen gegen den ösophagealen Reflux:

Zwischen Magen und Speiseröhre befindet sich der untere Ösophagussphinkter (UÖS). Es handelt sich
hierbei nicht um einen ringförmigen Sphinkter, wie beispielsweise im Duodenum, sondern um spiralig
angeordnete Muskelzüge um das untere Ende des Ösophagus herum. Der untere Ösophagussphinkter
besitzt einen Ruhetonus mit einem Druck von 18-24 mmHg. Das zeitgerechte Öffnen des
Sphinktermechanismus ist Bestandteil des Schluckakts.

Der distale Anteil des Ösophagus (Pars abdominalis) liegt in der Bauchhöhle. Es herrschen dort die
selben Druckverhältnisse wie in der restlichen Bauchhöhle, so dass kein Überdruck von Magen in
Richtung Ösophagus entstehen kann.

Die Speiseröhre mündet spitzwinklig in den Magen. Dies verhindert rein mechanisch einen Reflux.

Jedoch bieten diese Schutzmechanismen keinen vollständigen Schutz.

Der Ruhetonus des unteren Ösophagussphinkters kann durch Einwirkung verschiedener Substanzen und
Gewohnheiten, die den Reflux fördern, gesenkt werden. Dazu gehören:
Alkohol

Nikotin (Rauchen)

Essgewohnheiten ("Völlerei")

Adipositas, Triglyzeride, Fettsäuren

Medikamente

Anticholinergika

Calciumantagonisten

Nitrate

Das Tragen von beengenden Hosen mit zu fest angelegtem Gürtel (Erhöhung des intraabdominellen
Druckes), sowie reichliches Essen vor dem Schlafengehen wirken sich ebenfalls refluxfördernd aus.

4 Klinik

Die Refluxkrankheit äußert sich in einer Reihe von klinischen Symptomen, die anamnestisch wegweisend
zu weiteren diagnostischen Maßnahmen sein sollten:

Sodbrennen, saures Aufstoßen

Dysphagie

retrosternaler Schmerz

Verstärkung der Schmerzen postprandial, bei Verbeugung kopfüber und Liegen

Die Refluxkrankheit kann auch eine Reihe von extraösophagealen Symptomen verursachen, die man
unter dem Begriff laryngo-pharyngealer Reflux (LPR) zusammenfasst, z.B. Husten oder Heiserkeit.

Im fortgeschrittenen Stadium kann sich eine Anämie infolge von Blutungen aus dem Ösophagus
einstellen.

5 Komplikationen

Eine unbehandelte Refluxkrankheit kann zu ernsthaften bis lebensbedrohlichen Komplikationen führen:


Refluxösophagitis

Barrett-Syndrom (Präkanzerose)

Blutung

Stenose und Striktur des Ösophagus

Adenokarzinom

Auch extraösophageale Komplikationen wie Laryngitis, chronischer Husten und Zahnerosionen sind
beschrieben.

Durch Stenosierung kann das Lumen des Ösophagus vollständig verschlossen werden, so dass sich durch
fehlende Nahrungsaufnahme eine Kachexie ausbildet.

6 Diagnose

Standard in der Diagnostik ist die 24-Stunden-pH-Messung im Ösophagus.

Zusätzlich ist die Speiseröhre endoskopisch zu untersuchen um das vorliegende Stadium der Krankheit
festzustellen.

7 Stadien

Die Refluxkrankheit wird nach Savary und Miller in mehrere Stadien eingeteilt. Als Grundlage für die
Einteilung dient der endoskopische Befund der Speiseröhre.

Stadium 0: Refluxbeschwerden, jedoch endoskopisch keine Läsionen

Stadium I: fleckförmige Läsionen

Stadium II: streifige, longitudinal konfluierende Läsionen

Stadium III: zirkulär konfluierende Läsionen

Stadium IV: Komplikationen wie z. B. Barrett-Ösophagus oder Stenosen


8 Therapie

In den Stadien I und II ist eine konservative Therapie indiziert. Die Basis bildet die Vermeidung
refluxfördernder Nahrungs- (z.B. scharfen und/oder sauren Speisen) und Genussmitel (Alkohol, Nikotin)
sowie die Veränderung der Lebensgewohnheiten (Gewichtsreduktion, leichte Oberkörperhochlagerung
während der Bettruhe). Medikamentös erfolgt die Gabe von Protonenpumpeninhibitoren (z.B.
Pantoprazol). Sie kann ggf. durch H2-Rezeptor-Antagonisten (z.B. Ranitidin) oder Antazida (z.B.
Natriumbikarbonat) ergänzt werden.

Bei fehlendem Ansprechen auf konservative Therapie und ab Stadium III ist eine chirurgische Therapie
indiziert. Sie umfasst die Anlage einer Fundusmanschette (Fundoplicatio) um das distale Ende des
Ösophagus und stellt eine mechanische Refluxbarriere her.

Bei Versagen einer Therapie mit Protonenpumpenhemmern sollte auch an das Vorliegen einer
eosinophilen Ösophagitis gedacht werden.

In Stadium IV ist eine Bougierung durchzuführen. Eine Fundoplicatio oder Hemigastrektomie können
folgen. Eine Resektion des stenosierten Teilabschnittes des Ösophagus ist nur in seltensten Fällen
indiziert. Die Letalität bei der Resektion des Ösophagus ist zu hoch um diesen Eingriff als Standard
rechtfertigen zu können.