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Alles das Eilende

SPRUCH-ZITAT wird schon vorüber sein;


Freude ist unsäglich mehr als Glück, Glück bricht denn das Verweilende
über die Menschen herein, Glück ist Schicksal – erst weiht uns ein.
Freude bringen sie in sich zum Blühen, Freude ist
einfach eine gute Jahreszeit über dem Herzen; (Rainer Maria Rilke, 1875-1926, österreichischer
Freude ist das Äußerste, was die Menschen in ihrer Schriftsteller, Dichter)
Macht haben.
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen
(Rainer Maria Rilke)
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
SPRUCH-ZITAT die sich über die Dinge zieh'n.
Man kann gar nicht oft genug im Leben das Gefühl Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
des Anfangs in sich aufwecken, es ist so wenig aber versuchen will ich ihn.
äußere Veränderung dafür nötig, denn wir
verändern ja die Welt von unserem Herzen aus, will Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
dieses nur neu und unermeßlich sein, so ist sie und ich kreise jahrtausendelang,
sofort wie am Tage ihrer Schöpfung und unendlich. und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein
Sturm
(Rilke) oder ein großer Gesang.

SPRUCH - ZITAT (Rainer Maria Rilke, 1875-1926, österreichischer


Wenn ich will, dass etwas nicht gewesen sei, wenn Schriftsteller, Dichter)
ich einem Erlebnis das Recht nehmen will, in
meiner Vergangenheit zu bleiben, – so beginne ich Zeit
mit dieser Sekunde. Was? Ich beginne.
Tage, wenn sie scheinbar uns entgleiten,
(Rilke) gleiten leise doch in uns hinein,
aber wir verwandeln alle Zeiten;
denn wir sehnen uns zu sein ....
Du musst das Leben nicht verstehn (Rainer Maria Rilke, 1875-1926, österreichischer
Schriftsteller, Dichter)
Du mußt das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest. SPRUCH-ZITAT
Und laß dir jeden Tag geschehen Man kann gar nicht oft genug im Leben das Gefühl
so wie ein Kind im Weitergehen des Anfangs in sich aufwecken, es ist so wenig
von jedem Wehen äußere Veränderung dafür nötig, denn wir
sich viele Blüten schenken läßt. verändern ja die Welt von unserem Herzen aus, will
dieses nur neu und unermeßlich sein, so ist sie
Sie aufzusammeln und zu sparen, sofort wie am Tage ihrer Schöpfung und unendlich.
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren, (Rilke)
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren Neujahr
nach neuen seine Hände hin. Das alte Jahr vergangen ist,
das neue Jahr beginnt.
(Rainer Maria Rilke, 1875-1926, österreichischer Wir danken Gott zu dieser Frist.
Schriftsteller, Dichter, Erzähler, Lyriker) Wohl uns, dass wir noch sind!

Wir sind die Treibenden Wir sehn aufs alte Jahr zurück,
und haben neuen Mut.
Wir sind die Treibenden. Ein neues Jahr, ein neues Glück.
Aber den Schritt der Zeit, Die Zeit ist immer gut.
nehmt ihn als Kleinigkeit
im immer Bleibenden. Ein neues Jahr, ein neues Glück.
Wir ziehen froh hinein. Ziel sei der Friede des Herzens.
Und: Vorwärts, vorwärts, nie zurück! Besseres weiß ich nicht.
Das soll unsre Lösung sein.
Autor: Peter Rosegger
Autor: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Zum neuen Jahr


Neujahrslied Zum neuen Jahr ein neues Herze,
Mit der Freude zieht der Schmerz ein frisches Blatt im Lebensbuch.
traulich durch die Zeiten. Die alte Schuld sei ausgestrichen.
Schwere Stürme, milde Weste, Der alte Zwist sei ausgeglichen
bange Sorgen, frohe Feste Und ausgetilgt der alte Fluch.
wandeln sich zu Zeiten. Zum neuen Jahr ein neues Herze,
Ein frisches Blatt im Lebensbuch!
Und wo eine Träne fällt,
blüht auch eine Rose. Zum neuen Jahr ein neues Hoffen!
Schon gemischt, noch e wir's bitten, Die Erde wird noch immer wieder grün.
ist für Throne und für Hütten Auch dieser März bringt Lerchenlieder.
Schmerz und Lust im Lose. Auch dieser Mai bringt Rosen wieder.
Auch dieses Jahr lässt Freuden blühn.
War's nicht so im alten Jahr? Zum neuen Jahr ein neues Hoffen.
Wird's im neuen enden? Die Erde wird noch immer grün.
Sonnen wallen auf und nieder,
Wolken gehn und kommen wieder Autor: Karl von Gerok
und kein Mensch wird's wenden.

Gebe denn, der über uns zu neujahr


wägt mit rechter Waage, Zu Neujahr will das Glück nach seinem Sinn dir
jedem Sinn für seine Freuden, was Gutes schenken.
jedem Mut für seine Leiden Sage Dank und nehm' es ohne viel Bedenken.
in die neuen Tage, Jede Gabe sei begrüßt, doch vor allen Dingen:
das, worum du dich bemühst, möge dir gelingen.
jedem auf dem Lebenspfad
einen Freund zur Seite, Autor: jack pempers
ein zufriedenes Gemüte
und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite! Zum Neujahr
An tausend Wünsche, federleicht,
Autor: Johann Peter Hebel Wird sich kein Gott noch Engel kehren,
Ja, wenn es so viel Flüche wären,
Dem Teufel wären sie zu seicht.
Doch wenn ein Freund in Lieb und Treu
Wünsche zum neuen Jahr Dem andern den Kalender segnet,
Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit. So steht ein guter Geist dabei.
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid. Du denkst an mich, was Liebes dir begegnet,
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass. Ob dir’s auch ohne das beschieden sei.
Ein bisschen mehr Wahrheit - das wäre was.
Autor: Eduard Mörike
Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh.
Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du.
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut. Der Winter
Und Kraft zum Handeln - das wäre gut. Wenn ungesehn und nun vorüber sind die Bilder
Der Jahreszeit, so kommt des Winters Dauer,
In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht. Das Feld ist leer, die Ansicht scheinet milder,
Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht. Und Stürme wehn umher und Regenschauer.
Und viel mehr Blumen, solange es geht.
Nicht erst an Gräbern - da blühn sie zu spät. Als wie ein Ruhetag, so ist des Jahres Ende
Wie einer Frage Ton, das dieser sich vollende,
Alsdann erscheint des Frühlings neues Werden,
So glänzet die Natur mit ihrer Pracht auf Erden. Karl Henckell (1864-1929)

Autor: Friedrich Hölderlin Von der Zeit

Mein Haus sagte zu mir:


Verschneit liegt rings die ganze Welt „Verlass mich nicht,
Verschneit liegt rings die ganze Welt, denn hier wohnt deine Vergangenheit".
Ich hab nichts, was mich freuet, Und die Straße sagte zu mir:
Verlassen steht ein Baum im Feld, „Komm und folge mir,
Hat längst sein Laub verstreuet. denn ich bin deine Zukunft".

Der Wind nur geht bei stiller Nacht Und ich sage zu beiden,
und rüttelt an dem Baume, zu meinem Haus und zu der Straße:
Da rührt er seine Wipfel sacht „Ich habe weder Vergangenheit,
Und redet wie im Traume. noch habe ich Zukunft.
Wenn ich hier bleibe,
Er träumt von künftger Frühlingszeit, ist ein Gehen in meinem Verweilen;
Von Grün und Quellenrauschen, und wenn ich gehe,
Wo er im neuen Blütenkleid ist ein Verweilen in meinem Gang.
Zu Gottes Lob wird rauschen.
Nur Liebe und Tod ändern die Dinge."
Autor: Joseph von Eichendorff
Khalil Gibran, arabischer Dichter
(1883-1931)
Zu Neujahr

Will das Glück nach seinem Sinn


Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,


Doch vor allen Dingen:
Das, warum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

(Wilhelm Busch, 1832-1908)

Rilke an seine Frau


Mein Neujahrswunsch

Was ich erwünsche vom neuen Jahre?


Dass ich die Wurzel der Kraft mir wahre,
Festzustehen im Grund der Erden,
Nicht zu lockern und morsch zu werden.

Mit den frisch ergrünenden Blättern


Wieder zu trotzen Wind und Wettern,
Mag es ächzen und mag es krachen,
Stark zu rauschen, ruhig zu lachen,

So in Regen wie Sonnenschein


Freunden ein Baum des Lebens zu sein.

Und nun wollen wir glauben an ein langes Jahr, das uns
gegeben ist, neu, unberührt, voll nie gewesener Dinge, voll
nie getaner Arbeit, voll Aufgabe, Anspruch und Zumutung;
und wollen sehen, daß wirs nehmen lernen, ohne allzuviel die Notwendiges, Ernstes und Großes von ihm verlangen.
fallen zu lassen von dem, was es zu vergeben hat, an die, . . . Guten Neujahrsmorgen . . .

Rainer Maria Rilke

(1875 - 1926), eigentlich René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke, österreichischer Erzähler und Lyriker; gilt als einer der
bedeutendsten Dichter der literarischen Moderne

Quelle: Rilke, R. M., Briefe. An seine Frau Clara am 1. Januar 1907

Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;

Schenk ein den Wein, den holden!

Wir wollen uns den grauen Tag

Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,

Unchristlich oder christlich,

Ist doch die Welt, die schöne Welt,

So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz, -

Stoß an und laß es klingen!

Wir wissen's doch, ein rechtes Herz

Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;

Schenk ein den Wein, den holden!

Wir wollen uns den grauen Tag

Vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,

Doch warte nur ein Weilchen!

Der Frühling kommt, der Himmel lacht,


Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,

Und ehe sie verfließen,

Wir wollen sie, mein wackrer Freund,

Genießen, ja genießen!

In Gertrud Storms Biographie ihres Vaters finden wir über dieses Gedicht folgende Anekdote 1:

Als Storm das Gedicht niedergeschrieben hatte, trat sein Freund Brinkmann zu ihm ins Zimmer und
fragte ihn: „Was ist dir, Storm, wie leuchten deine Augen?“ Dieser erhebt sich, reicht Brinkmann die
Hand mit den Worten: „Ich habe eben ein unsterbliches Gedicht gemacht.“

Strom hat das zunächst mit „Herbstlied“ überschriebene Gedicht mit dem Datum „28. Oct. 48“ versehen und seinem
Freund Tycho Mommsen im Brief vom 29. Oktober mitgeteilt.2 Es wurde im „Volksbuch für die Herzogtümer
Schleswig, Holstein und Lauenburg auf das Jahr 1850“ zu ersten Mal gedruckt.

Dass die von Tochter Gertrud überlieferte Anekdote einen wahren Kern haben muss, erkennt man daran, wie der Dichter
mit dem „Oktoberlied“ verfahren ist. Beim Erscheinen der ersten Separatausgabe seiner „Gedichte“ (Kiel 1852) wurde es
allen anderen Versen vorangestellt und bildet das Motto zu allem weiterem. So blieb es auch in den späteren Auflagen;
Storm hat damit die Bedeutung unterstrichen, die dieses Gedicht für seine Lyrik hatte.

Der Leser findet zunächst eines jener verbreiteten Herbstgedichte, die in der Tradition der Naturlyrik des 18. und 19.
Jahrhunderts stehen und in dem der Herbst als Zeit der Vergänglichkeit des Jahres mit dem menschlichen Leben
verglichen wird. Der gemeinsame Weingenuss vergoldet den Tag und lässt die Hoffnung der beiden Genießenden auf das
neuen Frühjahr und die bessere Jahreszeit entstehen; der Herbst als Metapher der Vergänglichkeit verweist zugleich auf
die Wiederkehr der „blauen Tage“, des Frühlings und Sommers, der Zeit des blühenden Lebens.

Ein Blick in die Handschrift zeigt uns, dass die Entstehungszeit für eine tiefere Deutung des „Oktoberliedes“ nicht
unerheblich ist. Storm notiert unter der Überschrift die Jahreszahl „1848“. Es wird dadurch deutlich, daß dieser Text
während der Zeit der Schleswig-Holsteinischen Erhebung geschrieben wurde.
In dem Brief Storms an Brinkmann vom 10. Dezember 18523 erfahren wir Genaueres:

Dem Sinne für die Natur und zwar in natürlichster Opposition gegen die Politik ist auch das
„Oktoberlied“, jedenfalls das frischeste und kräftigste der Sammlung, entstanden.

Es folgt die zweite Strophe. Dadurch wird erkennbar, wie Storm dies Zeile „Unchristlich oder christlich“ verstanden
haben will, er spielt nämlich auf die politischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Dänen in seiner Heimat
an, die verknüpft waren mit dem Kampf bürgerlicher und demokratischer Kräfte um mehr politischen Einfluss in den
deutschen Ländern und um die Gründung eines deutschen Nationalstaates. Storm als radikaler Demokrat kleidete seine
republikanische Gesinnung gerne in poetische Bilder; das „Oktoberlied“ ist somit ebenfalls ein politisches Gedicht.

Die „Opposition gegen die Politik“, die er im Brief gegenüber Brinkmann ausspricht, kann zweierlei meinen, erstens
Entgegensetzung von Naturerfahrung und politischer Auseinandersetzung, zweitens die Haltung, die das lyrische Ich im
Gedicht in Opposition zur damaligen politischen Wirklichkeit ausspricht.

Viele Interpreten neigen dazu, Storm Lyrik im Sinne der ersten Entgegensetzung zu deuten. Er weiche dem politischen
Alltagsgeschäft aus und besinne sich auf die Natur, deren allgemein menschliche Erfahrung er gegen das Negative der
Politik setze4. In der Erfahrung der Natur, so diese Interpretationsrichtung, finde der Mensch Heilung von den seelischen
Verletzungen, die ihm von der garstigen Tagespolitik geschlagen wurden.
Deutet man das „Oktoberlied“ aber im zweiten Sinne als politisches Gedicht, so spricht das lyrische Ich auch von der
Hoffnung auf politische Veränderung aus.

Die 1848 in Schleswig-Holstein beginnende Erhebung gegen Dänemark löste in ganz Deutschland eine Welle der
nationalen Begeisterung aus. Zunächst von allen Seiten, auch von Preußen, unterstützt, konnten die Schleswig-Holsteiner
große Schritte in Richtung auf zwei unabhängige Staaten tun, die eng miteinander verknüpft sein sollten; erst die
Einschaltung der europäischen Großmächte, in deren Konzept eines solche politische Veränderung nicht passte,
veranlasste Preußen zur Aufgabe seiner Unterstützung der nationalen Sache im Norden. Dadurch war der provisorischen
Regierung die Basis entzogen, und in den militärischen Auseinandersetzungen (Schlacht bei Idstedt und Belagerung von
Friedrichstadt) mussten die Schleswig-Holsteiner unterliegen. So konnte seit 1851 die alte politische Ordnung wieder
hergestellt und 1852 mit dem Londoner Protokoll die Erhaltung des dänischen Gesamtstaates garantiert werden.

Storm hatte sich seit dem großen Volksfest der Nordfriesen in Bredstedt im Juni 1844 für die politische Bewegung
engagiert; im weiteren Verlauf zeigte sich im Süden wie im Norden der geographisch nicht eindeutig verlaufenden
dänisch-deutschen Sprachgrenze eine zunehmende Radikalisierung der nationalen Ziele; die Forderung nach nationaler
Eigenständigkeit gegenüber Dänemark stand eiderdänischen Bestrebungen entgegen, die auf Integration des Herzogtums
Schleswig in den dänischen Gesamtstaat zielten.

Storms engagierte sich vor allem, weil er für den Bestand der deutschen Sprache fürchtete. Zugleich sah er - ganz in der
Tradition der Aufklärung - als Ursache für das Scheitern der nationalen Bewegung in ganz Deutschland das Versagen des
Adels, dessen gesellschaftliche Privilegien er ablehnte und dessen herrischen Lebensstil und arrogante Selbstdarstellung
er zutiefst verabscheute. Der Bürger Storm wollte in einem von bürgerlichen Demokraten regierten Gemeinwesen leben,
in dem die deutsche Sprache frei zur kulturellen Entfaltung kommen konnte. Gerade das aber wurde nach der
Restauration der alten Mächte in Schleswig-Holstein immer unmöglicher. Storm wurde Mitglied eines Wahlkomitees zur
Vorbereitung der Wahl einer selbständigen Landesversammlung und berichtete als Korrespondent der von seinem
Freund Theodor Mommsen redigierten „Schleswig-Holsteinischen Zeitung“ im Jahre 1848 über die Ereignisse in
Husum.

Unter Berücksichtigung dieses Engagements erscheint eine „unpolitische“ Interpretation des „Oktoberliedes“ nicht mehr
haltbar. In den leicht hingeworfenen Versen finden wir Storms Hoffnung auf einen Sieg der demokratischen Kräfte in
den Herzogtümern Schleswig und Holstein wie in der Frankfurter Nationalversammlung; wir können das „Oktoberlied“
als Resultat der Auseinandersetzung Storms mit den politischen Ereignissen von 1848 lesen. 5
Dass in Storms Lyrik dieser Zeit und auch in der später entstandenen Prosa eine resignative Stimmung vorherrscht,
entspricht der Enttäuschung, die weite bürgerliche Kreise ergriffen hatte, nachdem die Blütenträume von einem freien,
demokratischen Deutschland im Feuer der Gewehre erstickt waren. Das „Oktoberlied“ enthält viel von der
unverbrüchlichen Hoffnung auf bessere Zeiten, die Storm und viele seiner Freunde trotz der herben Enttäuschung im
Herbst 1848 bewegte.
Anmerkungen
1 Gertrud Storm: Theodor Storm. Ein Bild seines Lebens. Bd. 1: Jugendzeit., Berlin 1912, S. 191.
2 Theodor Storm an Tycho Mommsen vom 29.10.1848, unveröffentlichter Brief, StA, Husum; eine zweite Fassung trug
er die Sammelhandschrift "Neues Liederbuch" (SHLB, Kiel) ein.
3 Theodor Storm – Hartmuth und Laura Brinkmann.  Briefwechsel. Hg. von August Stahl. Berlin 1986, S. 76.
4 In diesem Sinne deutet Franz Stuckert: Theodor Storm. Sein Leben und seine Welt. Bremen 1955, S. 56f. das Gedicht.
5 So bei Frithjof Löding: Theodor Storm und Klaus Groth in ihrem Verhältnis zur schleswig-holsteinischen Frage.
Neumünster 1885, S. 67.
 
Zuerst veröffentlicht in „Schleswig-Holstein“ Oktober 1994.