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Demonstration 1

Anchor-Adjust Heuristic, Priming, Experimente


Demonstration:
Achor-Adjust Heuristic/ Priming 1
• «Vorlesungsexperiment», in einem «between-subjects» Design
(Verwendung der beiden natürlich gegebenen Tutoratsgruppen) wurden
jeweils zwei Fragen präsentiert, wofür mit kurz zuvor gezeigten Bildern ein
jeweils unterschiedlicher Anker geprimet werden sollte!
• Frage 1: Wie hoch ist der durchschnittliche Preis eines deutschen Autos?
• UV: Anker teuer/billig (Bilder von teuren/billigen Auto(marken))
• AV: Preis in Franken
• Direkt entnommen von Kahnemann: https://www.youtube.com/watch?v=HefjkqKCVpo
• Frage 2: Bei welcher Zeit steht der Weltrekord im «100m Brust» der Herren?
• UV: Anker langsahm/schnell (Bilder mit Assoziation unprof-langsahm/ prof-schnell)
• AV: Zeit in Sekunden
Demonstration:
Achor-Adjust Heuristic/ Priming 2
Priming des Autopreises Priming «Swimspeed»

Bedingung 1
Tutoratsgruppe 7,
--------------------------vs.---------------------------- ----------------------------vs.-----------------------------

Bedingung 2
Tutoratsgruppe 8,
Priming – Schematische Erklärung 1
• Unser Gehirn besteht aus ganz vielen Nervenzellen, aus Neuronen (und Gliazellen)
• Diese Neuronen sind alle miteinander über eine Art «Kabel», über Axone verbunden
• Die Neuronen bilden die Grundlage für alles was wir Denken, Tun und Lassen, so werden auch
Gedächtnisinhalte mittels Neuronen, oder genauer in neuronalen Verbindungen abgespeichert.
• Damit wir kohärent Denken und uns sinnvoll mit der Welt auseinandersetzen können, werden oft
zusammen auftretende Gedächtnisinhalte miteinander verbunden («What fires together, wires
together», Hebb Gesetz, vgl. spätere Vorlesungen Neuropsycho)
• Je stärker zwei Gedächtnisinhalte zusammengehören, desto stärker werden sie miteinander
verbunden (LTP etc, vgl. spätere Vorlesungen)
• Dadurch bilden sich in unserem Gehirn über unseren Lebenslauf assoziative Netzwerke aus!
Priming – Schematische Erklärung 2
• Wenn ich nun ein Gedächtnisinhalt, wie im Experiment die Automarke «Audi», durch ein
Bild «aktiviere», werden alle damit verbunden Gedächtnisinhalte gewichtet an der Stärke
ihrer Verbindung mitaktiviert.
Dies ist hier schematisch dargestellt, wobei ein Gedächtnisinhalt vereinfacht als ein
Neuron dargestellt ist (Dicke der Linie = Stärke der Verbindung.)
Bedingung 1 Präsentation der Bedingung 2
Bilder bevor der Frage
100000 15000
(viele weitere
Assoziationen) (viele weitere Deutsches
«teuer» Assoziationen) Auto

Deutsches
Auto «billig»

80000 10000
Priming – Schematische Erklärung 3
• Nachdem die Aktivierung stattgefunden hat, beispielsweise durch die Konfrontation mit
dem Begriff «Audi»/ (im Experiment mit) Bild eines «Audis» etc, werden alle dadurch
aktivierten Gedächtnisinhalte für kurze Zeit einfacher reaktivierbar/ die Aktivität «halt»
nach (vgl. spätere Vorlesungen zum Thema)

Bedingung 1 Kurze Pause; dann Bedingung 2


Präsentation der Frage
100000 15000
(viele weitere
Assoziationen) (viele weitere Deutsches
«teuer» Assoziationen) Auto

Deutsches
Auto «billig»

80000 10000
Priming – Schematische Erklärung 4
• Wird die Person danach mit einer Situation konfrontiert, worin einer der kurz zuvor
aktivierten Gedächtnisinhalte Verhaltenskonsequenzen haben kann, zum Beispiel indem
er in ein anderes assoziatives Netzwerk eingebunden ist, welches für die neue
Herausforderung von Bedeutung ist, wird er möglicherweise (je nach kognitivem
Verarbeitungsmodus) Einfluss aufs folgende Verhalten nehmen!
Bedingung 1 Einschätzungsprozess, Bedingung 2
Einfluss der akt. Assoz.
100000 15000
(viele weitere
Assoziationen) (viele weitere Deutsches
«teuer» Assoziationen) Auto

Deutsches Eher Eher


Auto höher Antwort tiefer «billig»
auf Frage
80000 10000
Priming – Schematische Erklärung 5
• Je nach kognitivem Verarbeitungsmodus ist der Einfluss von
Prozessen wie Priming grösser oder kleiner. Es lassen sich deshalb
Randbedingungen aufstellen, wann Priming verstärkt auftritt!
• Dies ist u.a dann der Fall, wenn wir in einem eher intuitiven
Verarbeitungsmodus sind (auf Autopilot geschalten haben), oder
wenig über den relevanten Stimulus, der von unserem Gehirn
bearbeitet werden muss, wissen (beispielsweise Frage im
«Experiment»)!
 Mehr dazu in zahlreichen späteren Vorlesungen!
Anchor-Adjust-Heuristic
• Wenn Menschen beispielsweise nicht vollständige Informationen für ihre Entscheidungen haben oder auf
Autopiloten geschalten haben, verlassen sie sich unter anderem auf Heuristiken.
Die Randbedingungen für ihr Auftreten sind also ziemlich identisch mit denjenigen des Primings.
• Bei der Anchor-Adjust-Heuristic greifen Menschen demnach, wenn sie etwas nicht Wissen oder eben im
schon mehrfach beschriebenen intuitiven Verarbeitungsmodus sind (Autopilot, unbewusst) in ihrem
aktuellen Lebenskontext zur Lösung einer Aufgabe einen Anker als Ansatzpunkt heraus, welchen sie in der
Folge anpassen ohne aber ganz davon weg/ zur Realität hin zu kommen (diese Heuristik existiert auch weil
sie evolutionäre Vorteile mit sich bringt; an anderer Stelle nachzulesen)
• Anker als Keil vorstellbar und Adjustmentprozess wie das Ziehen an einem Gummiband, welches am Keil
befestigt ist (und man so nicht ganz in die Realität dehnen kann)
 Personen wählen (/erhalten diesen geprimet) also unbewusst für eine anstehende Evaluation wenn obige
Randbedingungen erfüllt sind irgend einen Anker (Anchor) und verwenden ihn dafür. Irgendwie ist ihnen
aber klar, dass dieser arbiträr ist; er wird deshalb noch automatisch etwas angepasst (Adjustment).
Demonstration:
Achor-Adjust Heuristic/ Priming 3
• Ergebnisse «Autoanchoring»
• Numb:Teuer n=15, Billig n=13 "Auto-Anchoring"
• Mean: Teuer 49667.-, Billig 22615.-
• t-Test: t= 2,688; p= 0,006** 50000

Preis durch. deutsches Auto



45000
Concl: Anchoring hat stattgefunden; 40000

dabei wurde der Anker geprimet! 35000


30000
25000
• Analyse zeigte einen Ausreisser, 20000
15000
welcher natürlich nicht 10000
5000
ausgeschlossen wurde, explorativer 0
Teuer Günstig

Ausschluss führt aber (wie immer) Gezeigte Auto(marken)

dazu dass das Ergebnis noch


signifikanter wird (da ein Ausreisser
zusätzliche Varianz erzeugt) Qualitative Beispiele für
Korrektur des Ankers
Demonstration:
Achor-Adjust Heuristic/ Priming 4
• Ergebnisse «Swimanchoring» "Swim-Anchoring«; Orginaldaten

• Numb:slow n=15, fast n=12

Weltrekord 100m Brust


50
• Mean: slow 41,73s , fast 37,83s 40

• t-Test: t= 0,274; p= 0,395 n.s 30


20
• Concl: Anchoring hat unter Einbezug aller 10
Werte nicht stattgefunden! 0
Slow Fast

• Analyse zeigte 3 Ausreisser von Assoziation gezeigter Bilder

welcher einer (10 Minuten!) schon im "Swim-Anchoring" - ohne Ausreisser


Vorfeld ausgeschlossen wurde. Beim
Ausschluss der beiden weiteren durch 50
den Boxplot identifizierten Ausreisser

Weltrekord 100m Brust


40

zeigte sich ein signifikanter 30

Unterschied zwischen den Gruppen 20

• t= 2,205; p= 0,0215* 10

0
Slow Fast
Assoziation gezeigter Bilder
Schlussfolgerung
• Zumindest die Antworten auf die Erste der beiden Fragen wurden durch einen
mittels Priming gesetzten Anker beeinflusst
• Dass das Priming bei der zweiten Frage nicht optimal funktioniert hat, kann beispielsweise an
der Wahl der Bilder liegen, die vielleicht weniger stark mit den für den erwünschten Anker
notwendigen Konzepten verbunden sind..

• Niemand in diesem Tutorat ist aussergewöhnlich. Die Psychologie erforscht uns!


Wir alle unterliegen dem Einfluss diverser unbewusster Prozesse, die ausserhalb
unseres bewusst erfahrbaren subjektiven Willens unser Verhalten beeinflussen.
Diverse Autoren gehen gar davon aus, dass wir uns gar hauptsächlich in diesem
«Verarbeitungsmodus» befinden und im Alltag auf «Autopilot» operieren.
Hauptkritikpunkte an diesem «Experiment»
• Was wurde in diesem Experiment schlecht gemacht/ weshalb würde man es
methodisch nicht unbedingt als gutes Experiment bezeichnen (oder überhaupt als
Experiment?)
• Erhebung in der Gruppe, möglicher Austausch unter VP (verbal/nonverbal)
• vgl. Vorlesungen zum sozialen Einfluss
• Tatsächlich Sitzplatz-Reiheneffekte gefunden! (wenn alle das gleiche Antworten verringert das die Varianz)
• Verwendung einer natürlichen Gruppe (=Quasiexperiment)?
• Frage ob man bei der Tutoratszuteilung von einer unsystematischen Aufteilung der Personen in die Gruppe 7
und 8 ausgehen kann (quasi einer Selbstrandomisierung)?
• Keine Erhebung von potentiellen dispositionalen/demographischen Störvariablen
• Alter, Geschlecht, Persönlichkeit; zur statistischen Kontrolle im Nachgang ob die Gruppen gleich waren; vgl.
auch Kritikpunkt 2
• Und sicherlich viele mehr…