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BASILIUS DER GROSSE IM LEBEN DER RUMÄNISCHEN ORTHODOXEN KIRCHE UND

DIE ÖKUMENISCHE AKTUALITÄT SEINER LEHRE ÜBER DIE HEILIGE TAUFE 1

Constantin Voicu
In meinem Beitrag möchte ich mich kurz auf die Bedeutung des heiligen Basilius im Leben der
rumänischen orthodoxen Kirche beziehen und anschließend, aus ökumenischer Sicht, die
ekklesiologischen Implikationen seiner Tauflehre untersuchen, so wie sie aus einem seiner anderen
Werke, dem berühmten Traktat „Über den Heiligen Geist“, ersichtlich sind.
1. Die Bedeutung des Heiligen Basilius für die rumänische Orthodoxie
Wie wir alle wissen, erhielt der heilige Basilius den Beinamen „der Große“, wie ihn heute die ganze
christliche Welt kennt, noch zu seiner Lebenszeit. Und tatsächlich, in seinem ganzen Leben, in allem,
was er tat, hat er sich als „groß“ erwiesen: in seinem unermüdlichen Kampf für die Verteidigung und
unversehrte Bewahrung des rechten Glaubens über die Heilige Dreifaltigkeit, in seinen
unermüdlichen Bemühungen um die Verwirklichung der Einheit aller Kirchen aus Ost und West in
seiner Zeit, damit sie eine gemeinsame Front gegen den Arianismus bilden konnten, so dass man ihn
als einen wahren Vater des Ökumenismus betrachten kann, sowohl durch sein Streben nach
geistlicher christlicher Vervollkommnung in Heiligung, als auch durch seine grenzenlose
Nächstenliebe und den Dienst und die Hilfe für alle Menschen, die in Not lebten: für die Kranken,
Armen, Waisen und Witwen. All diesen wurde in der berühmten von ihm begründeten Basilias
gedient und geholfen. Und obschon er zu seiner Lebenszeit den Erfolg seiner Bemühungen um klare
Formulierung der christlichen Lehre und die Verwirklichung der Einheit der Kirchen nicht sehen
konnte, ist ihm doch in der Nachfolgezeit Gerechtigkeit widerfahren, indem seine Theologie und
seine bereits erwähnten „ökumenischen“ Bemühungen zwei Jahre nach seinem Tod vom zweiten
ökumenischen Konzil von Konstantinopel (381), einem von Anfang bis Ende „basianischen“ Konzil,
rezipiert wurden.
Mehr vielleicht als in anderen Teilen der Welt wird der heilige Basilius der Große von den
rumänischen orthodoxen Gläubigen in ihrem Herzen und in ihrem geistlichen Leben hochgeschätzt;
sie haben besondere Gründe dafür. Selbstverständlich steht er den orthodoxen Rumänen durch die
nach ihm benannte Liturgie, durch seine Mönchsregeln und Schriften nahe. Darüber hinaus fühlen sie
sich mit ihm durch die Beziehungen verbunden, die er zur Zeit, als das rumänische Volk entstanden
ist, mit der zivilen und militärischen Leitung und gewiss auch mit der kirchlichen Hierarchie aus dem
rumänischen Gebiet zwischen der Donau und dem Schwarzen Meer (der Provinz Scythia Minor)
gepflegt hat.
In den Gebieten nördlich der Donau, die von der dakisch-römischen Bevölkerung bewohnt
wurden, lebten und entfalteten zahlreiche Christen aus Kappadokien, die seit 258 als Gefangene von
den Goten hergebracht worden waren, eine rege missionarische Tätigkeit. Sie verbreiteten den
christlichen Glauben in seiner orthodoxen Lauterkeit so, wie ihn die großen Kirchenväter vertraten,
die aus diesen Gegenden stammten. Zurzeit, als Basilius seine Tätigkeit als Erzbischof von Caesarea
in Kappadokien gerade begann, löste der gotische König Athanarich nördlich der Donau eine
grausame Verfolgung gegen die unter seiner Herrschaft sich befindenden Christen aus. Am 12. April
372 fiel u.a. dieser Verfolgung auch der aus Kappadokien stammende, unermüdliche Missionar der
Goten, Sava, den man deswegen auch „den Goten“ nannte, zum Opfer. Durch seine Freunde Iunius
Soranus, den Militärkommandanten der Provinz Scythia Minor, und Erzbischof Ascholius von
Thessaloniki (nach anderen Bischof Vetranion von Tomis) erfährt der heilige Basilius Einzelheiten
über diese Verfolgung und den Märtyrertod des heiligen Sava. Und so, wie aus den Briefen 2
ersichtlich ist, die er zwischen 373 und 374 an seine zwei erwähnten Freunde richtete, gelang es dem
1
Dieser Aufsatz wurde zum esten mal in die Anfänge des Christentums unter den Völkern Ost- und
Südosteuropas, Heidelberg, 1989, S. 141-152 publiziert.
2
Siehe Briefen Nr. 155, 164. 165.
heiligen Basilius, die Gebeine des heiligen Sava in das heimatliche Kappadozien zu bringen.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Basilius in einem dieser Briefe nicht nur den Märtyrertod des
heiligen Sava erwähnt, sondern auch behauptet, dass durch ihn eigentlich „die Lauterkeit des
Glaubens, der dort bekannt wird“, „verkündet wird“. Dieses „dort“ bezieht sich offensichtlich auf die
Gebiete nördlich der Donau, wo die Daco-Romanen lebten 3. Diese Briefe des heiligen Basilius stellen
also erstrangige Quellen für die kirchliche Geschichte des rumänischen Volkes zur Zeit seiner
ethnischen und spirituellen Entstehung als christliches Volk im karpatisch-danubisch-pontischen
Raum dar.
Diese direkten Beziehungen haben es der dakisch-römischen Kirche ermöglicht, das theologische
Denken und die mächtige christliche Persönlichkeit des heiligen Basilius noch zu dessen irdischer
Lebenszeit kennenzulernen, so dass sie seit damals schon und bis zu unseren Tagen ein Modell
strenger Glaubensorthodoxie und umfassender Orthopraxis des geistlichen Lebens für alle orthodoxen
Bischöfe, die in diesen Gegenden tätig waren, geblieben ist.
Durch seine Hierarchen ist die Hochschätzung und fromme Anerkennung des heiligen Basilius
tief in das Herz des orthodoxen rumänischen Volkes eingedrungen, dessen gesamte orthodox-
christliche Frömmigkeit, wie sich seine Seligkeit, Patriarch Teoctist, in einer Studie zu diesem Thema
äußerte, unter dem Zeichen des „basilianischen Einflusses“ stehe Die rumänischen orthodoxen
Gläubigen sollten später, im 17. Jahrhundert, einen Teil seiner Gebeine ins Kloster „Die heiligen drei
Hierarchen“ in Iasi bringen und ihm gleichzeitig auch zahlreiche andere Kirchen widmen. Es gibt
heute schätzungsweise 39 dem heiligen Basilius gewidmete Kirchen, aber diese Aufzählung ist nicht
vollständig. Als einen spezifisch rumänischen Beitrag zur Bereicherung seiner gottesdienstlichen
Verehrung möchten wir hier einen speziellen, originellen Akathistus Hymnus erwähnen, der im Jahre
1879 vom Archimandriten German aus Tazlau verfasst wurde.
Bezeichnend für die Art und Weise, wie der große Kirchenvater des 4. Jahrhunderts aus Kappadokien
im rumänischen ethnischen und geistlichen Raum assimiliert wurde, ist auch die Tatsache, dass der
heilige Basilius für das rumänische Volk zu einer Märchengestalt von legendären Ausmaßen wurde;
man trifft sie insbesondere in den Weihnachtsliedern und den Weihnachts- und Neujahrsbräuchen,
zusammen mit Sankt Petrus und zur Rechten der Mutter Gottes an, alle zusammen im selben Haus
mit Gott und mit einem besonderen Gefühl für die täglichen Beschäftigungen und Sorgen der
Menschen aus dem Volk, für das Pflügen und das Säen.
Aber jenseits dieser Folkloredimension ist der heilige Basilius ununterbrochen gegenwärtig im
Leben des rumänischen orthodoxen Volkes, und zwar auf geistlicher Ebene, in seiner liturgischen
Frömmigkeit. Neben dem ihm gewidmeten Gedenk- und Feiertag (1. Januar) und den nach ihm
benannten Exorzismen sei hier erstens die heilige Liturgie erwähnt Sie wird zehnmal pro Jahr
zelebriert, insbesondere während der Osterfastenzeit, und vertieft die Frömmigkeit der Gläubigen,
ihren Wunsch, die Sakramente der Beichte und der Kommunion zu empfangen.
Durch seine unvergleichliche eucharistische Anaphora und deren inbrünstige an Gott gerichtete
Gebete, in denen die heilige Liturgie als Aktualisierung der gesamten Heilsoikonomie der Heiligen
Dreifaltigkeit und als Einheitssakrament der himmlischen und irdischen Kirche von einem Ende der
Welt zum anderen theologisch hervorragend gedeutet wird, förderte und fördert der heilige Basilius
beständig auch das Bewusstsein der christlichen Einheit, der Notwendigkeit ununterbrochener
Bemühungen für ihre Verwirklichung. Er ruft Gott an, der Kirchenspaltung ein Ende zu setzen, die
Macht der Heiden zu vermindern und die Niedertagen der Auflehnungen zu beseitigen, all dieses mit
der Kraft seines Heiligen Geistes; auch bittet er diejenigen, die am selben Brot und Kelch teilhaben,
mit der Gemeinschaft desselben Heiligen Geistes untereinander zu vereinigen. Seit Jahrhunderten
wacht die strenge Gestalt des heiligen Basilius von Caesarea in den Apsiden aller orthodoxen
Kirchen und nimmt teil an (dem Vollzug des göttlichen und erschütternden Sakramentes der heiligen
Liturgie, den Blick auf die himmlische, eschatologische Liturgie gerichtet. Dabei befindet er sich
ständig in Gemeinschaft mit den großen Hierarchen, die sich als Gottesdiener und hervorragende
Lehrer der Orthodoxie ausgezeichnet haben.

3
Siehe Ep. 164, PG 32, 633- 637.
Wenn das himmlische Antlitz des heiligen Basilius als Gott dienenden Bischofs der Kirche im
Leben der rumänischen orthodoxen Kirche durch seine von Gott eingegebene Liturgie ununterbrochen
vergegenwärtigt wird, dient seine „philokalische“ Gestalt, die Gestalt eines fortgeschrittenen, sich um
evangelische Vollkommenheit bemühenden Mönches, dem rumänischen Mönchsleben durch die
Mönchsregeln als ständiges, lebendiges Beispiel. In seiner ausgeglichenen Auffassung bedeutet die
christliche Vervollkommnung – nach der sowohl Mönche als auch einfache Gläubige so inbrünstig
trachten – eine tagtägliche Aktualisierung der Taufe im Rahmen eines gemeinschaftlichen Lebens
unter der Anleitung der Bischöfe innerhalb der Kirche. Diese Aktualisierung vollzieht sich durch eine
geglückte Verflechtung zwischen Gebet und Arbeit, Kontemplation und Aktion und hat im Laufe der
Zeit auch in der rumänischen orthodoxen Kirche reiche Frucht getragen, sodass das Mönchsleben hier
bei uns immer aufblühen und lebendig sein konnte, von den ältesten Zeiten bis in unsere Tage. So war
das Erscheinen hervorragender geistlicher Väter möglich, die als authentische Beispiele christlicher
Vollkommenheit und Heiligkeit, christlichen Lebens, dem rechtgläubigen rumänischen Volk als
geistige Führer dienten. Ein Teil der Hunderttausende rumänischer Mönche, die sich um christliche
Heiligkeit und Vollkommenheit bemühten, sind in einem großen Band, dem „Rumänischen
Paterikon“, der auch ins Neugriechische übersetzt wurde, vertreten. Beim Lesen dieses Buches
erkennen wir durch die Kraft der Taten und der lebendigen Beispiele, was für eine reiche Frucht das
Vorbild und das geistliche Denken des Basilius innerhalb der rumänischen orthodoxen Spiritualität
getragen haben. In der Auffassung des heiligen Basilius muss der Dienst an Gott mit dem Dienst an
den Menschen verflochten werden. Dieser Auffassung und der tiefgehenden Ergründung konkreter
Wirklichkeiten im Denken und Werk des heiligen Basilius ist es zu verdanken, dass die rumänischen
Mönchsgemeinschaften für das Volk offen geblieben sind, eine Atmosphäre von Geistlichkeit um sich
schufen und das Leben und die Frömmigkeit der orthodoxen Gläubigen aus der ganzen Welt beständig
belebten.
Eine andere Seite der Anerkennung und Hochschätzung des heiligen Basilius in der
rumänischen orthodoxen Kirche wird von der weiten Verbreitung seiner schriftlichen Werke im
rumänischen Raum seit alters dargestellt Es gibt unzählige griechische und kirchenslawische
Handschriften - entweder auf dem Gebiet Rumäniens geschrieben oder von anderswo mitgebracht -
mit den Schriften des großen kappadokischen Kirchenvaters. Noch zahlreicher sind die
Handschriften und die Drucke mit rumänischen. Übersetzungen verschiedener basilianischer
Schriften. Die Liste umfasst nicht alle Werke des heiligen Basilius, ist aber dennoch beeindruckend.
Weit verbreitet und hochgeschätzt waren außer den Mönchsregeln und den Kanones die asketischen
Schriften, die Predigten und Homilien und das Hexaemeron. Das Werk, die Schriften des heiligen
Basilius, haben einen unbestreitbaren Einfluss auf die alte rumänische Kultur und auf die rumänische
Theologie ausgeübt, auch wenn seine weiten moralischen und geistigen Dimensionen noch nicht
ausreichend ergründet und verwertet worden sind. Als Höhepunkt der weiten Verbreitung der
basilianischen Werke auf rumänischem Boden möchten wir die Übersetzung und Herausgabe seines
gesamten authentischen Werkes anfuhren. Dieses Unternehmen wurde mit wissenschaftlicher
Genauigkeit von einem Professorenkollektiv (D. Fecioru, T. Bodogae, C. Cornitescu) in drei großen
Bänden verwirklicht, die im Rahmen der vom gottseligen Patriarchen Justin angeregten und von
Seiner Seligkeit, Patriarch Teoctist, weitergeführten Reihe „Kirchenväter und Schriftsteller“
erschienen sind. 1986 erschienen die Homilien zu den Psalmen und 23 andere Sermone, 1988 die
Abhandlung über den Heiligen Geist und der gesamte Briefwechsel. Die Stellung des heiligen
Basilius in der Spiritualität und dem Leben der rumänischen orthodoxen Kirche wurde am 10.
Oktober 1776 anerkannt, als das ökumenische Patriarchat in Konstantinopel durch einen speziellen
Beschuss und die entsprechende Urkunde dem damaligen Metropoliten der Ungrovalachei den Titel
eines Stellvertreters des bischöflichen Sitzes von Caesarea in Kappadokien, den vor 16
Jahrhunderten der große Basilius innehatte, gewährte. Dieser Titel wird auch heute noch von dem
Patriarchen der rumänischen orthodoxen Kirche getragen.
Der energische und beständige Kampf des heiligen Basilius gegen die sozialen
Ungerechtigkeiten seiner Zeit, die deutlich formulierte Verurteilung der Ausbeutung und
Unterdrückung, die Organisierung der sozialen Hilfe für die Masse des Volkes und die Deckung aller
Kosten dieser Arbeit aus dem persönlichen Vermögen des Basilius, all diese Werke, die seine
Persönlichkeit kennzeichnen, wurden zu einem Beispiel und zugleich zu einer machtvollen Anregung
für die zeitgenössische rumänisch-orthodoxe Kirche, die unter den neuen, nach 1944 entstandenen
Bedingungen ein neues Pastoralprogramm entwickelt hat, dessen Grundthema der 'soziale Apostolat"
ist.
Zusammen mit der ganzen Christenheit hat auch die rumänische orthodoxe Kirche vor 10
Jahren des 1600. Todestages Basilius des Großen gedacht Bei dieser Gelegenheit wurden ihm
einige Nummern unserer Theologischen Zeitschriften gewidmet (Ortodoxia 1/1979; Mitropolia
Banatului 4/1979 usw.), und mit dem Segen des Patriarchen Justin erschien eine Festschrift mit dem
Titel „Sfântul Vasile cel Mare. Închinare la 1600 de ani de la săvârșirea sa“, Bucarest 1980,490
Seite. Der Band enthält zwanzig wertvolle Studien über die wichtigsten Seiten seines Denkens und
Werkes. Die Verfasser dieser dogmatischen, kultischen, liturgischen, kanonischen und
geschichtlichen Studien sind bekannte Hierarchen und Theologieprofessoren von den zwei
orthodoxen theologischen Instituten aus Bukarest und Sibiu. (Seine Eminenz Teoctist, Seine
Exzellenz Antonie, S. Ex. Timotei, Pfr. Prof. I. G. Coman, D. Staniloae, T. Bodogae, E. Branişte, I.
Zagreanu, D. Belu, N. Chitescu, I. Ramureanu, C. Pavel, N. Moldovan usw.).
Wegen ihrer großen ökumenischen und sozialen Aktualität ist die Theologie des großen
Kappadokiers in den rumänischen theologischen Zeitschriften massiv vertreten. Die
Theologieprofessoren und Doktoranden und Priester untersuchen sie eingehend; denn sie finden darin
Lösungen für die großen Fragen der heutigen Welt und Leuchten für den Weg der Kirche in der
Gegenwart.
Wir sagten schon, dass Basilius der Große durch sein Denken und seine Schriften, durch seine
apostolischen, missionarischen, und ökumenischen Bemühungen sowie durch die bischöfliche Gnade
und seine bis zur Heiligkeit fortgeschrittene geistliche Persönlichkeit für uns alle gegenwärtig ist
Deswegen dient er in der rumänischen orthodoxen Kirche und in der gesamten Orthodoxie überhaupt
als Vorbild der Bischöfe, Priester, Mönche, Theologiestudenten und alle Gläubigen, die auf sein
belehrendes Wort ununterbrochen hören möchten.
Wir haben hier ganz kurz eine Reihe von Elementen aufgezählt welche die besonders enge
Beziehung zwischen der Frömmigkeit und dem Üben des heiligen Basilius und der Frömmigkeit und
dem Leben unserer Kirche und der rumänischen orthodoxen Gläubigen beweiset Dieses ist um so
leichter verständlich, als unsere Kirche beständig aus dem Leben und den Lehren des großen
Kirchenvaters des 4. Jahrhunderts geschöpft hat.
Dieses eine möchten wir hervorheben: für die orthodoxe Kirche sind die Kirchenväter im
Allgemeinen und der heilige Basilius im Besonderen immer aktuell. Die seit seinem Tod
verstrichenen Jahrhunderte haben seine Bedeutung nicht vermindert, sondern im Gegenteil die
christlichen, humanistischen und ökumenischen Werte seines Werkes noch besser hervorgehoben.
Diese Werte überschreiten die Grenzen der Zeit und tragen ununterbrochen die guten Früchte aller
Bemühungen, die heute zur Verwirklichung der christlichen und allgemein menschlichen Einheit
beitragen. Die Lehren und Aufforderungen des heiligen Basilius wurden zwar an seine Zeitgenossen
gerichtet, in einer verschiedenen Sprache, in einem verschiedenen geschichtlichen Kontext, mit, für
jene Zeit, spezifischen Fragen, denen sie eine Antwort geben; dennoch sind sie auch heute noch für
uns gültig. Es trennen uns 1610 Jahre von ihm, und dennoch fühlen wir uns ihm nahe in unseren
Bestrebungen und Fragestellungen.
2. Die ökumenische Aktualität der Lehre des heiligen Basilius über die Taufe
In diesem Zusammenhang und in der heutigen christlichen Welt, in der das Lima-Dokument
Ober „Taufe, Eucharistie, Priesteramt“ eine wichtige Rolle spielt, bildet die Auffassung des heiligen
Basilius über die heilige Taufe eine große Hilfe und gleichzeitig eine wichtige „ökumenische
Wegweisung“ für die gegenwärtigen Bemühungen um die christliche Einheit.
In seinem Referat hat Pastor Hauser die wichtigsten Stücke der basilianischen Lehre über die
heilige Taufe dargelegt Als Ausgangspunkt diente ihm dabei die Analyse der 13. Homilie über die
heilige Taufe. In dieser Homilie bezieht sich Basilius auf einen ganz bestimmten Tatbestand der
griechisch-römischen Gesellschaft, die im 4. Jahrhundert im Begriff war, zum Christentum
überzugehen. Es war damals üblich, den Augenblick der Taufe soweit wie möglich, sogar bis zum
Sterbebett, zu verschieben (wie es bei den meisten Kaisern aus der Dynastie Konstantins der Fall
war), in der Oberzeugung, dass durch die Taufe alle bisherigen Sünden ausgelöscht werden. Sie
begnügten sich also damit, ein Leben lang Katechumenen zu bleiben. Gegen diese Auffassung
hebt die Homilie den subjektiv-ontologischen, hellenden Welt der Taufe hervor, seine ethische
Bedeutung für die Erneuerung des spirituellen, moralischen Lehens des Glaubens. Die Homilie
bezieht sich also nicht auf die objektiv- ontologische und ekklesiologische Bedeutung der Taufe.
Gerade dieser objektive Wert und die ekklesiologischen Implikationen des Taufaktes werden
hervorragend untersucht in der Abhandlung "Ober den Heiligen Geist" (De Sancto Spintu),
unleugbar dem vollkommensten Werk des heiligen Basilius, seinem theologischen "Testament"
und dem Schlüssel zum Verständnis seines Werkes.
Im 14. Kapitel spricht der Verfasser über die Beziehung und den Unterschied zwischen der
christlichen Taufe "mit Wasser und im Geist" und ihrer typologischen, alttestamentlichen
Vorwegnahme durch die Taufe der Juden "in einer Wolke und im Meer" (1 Kor. 10, 2). Nach dieser
Vorbereitung bietet das 15. Kapitel eine hervorragend klare Deutung der christlichen Taufe als
objektiv- sakramentale und dann auch auf die subjektiv-ethische Ebene bezogene Teilhabe an der
heilenden Oikonomie des Todes und der Auferstehung Christi:
„Das Wasser ist das Bild des Todes, da es den Körper wie ein Grab aufnimmt; der Geist hingegen gibt
seine lebendig machende Kraft dazu, indem er unsere Seelen vom Tod der Sünde weg zum Neubeginn des
Lebens erneuert. Das ist nun das Geborenwerden von oben, nämlich aus dem Wasser und dem Geist: dass sich
zwar das Sterben im Wasser vollendet, dass aber unser Leben gewirkt wird durch den Geist. In dreimaligen
Untertauchen und ebenso vielen Anrufungen wird das große Geheimnis der Taufe vollzogen, damit sowohl das
Bild des Todes vollzogen wird, als auch die Täuflinge der Gotteserkenntnis in ihren Seelen erleuchtet werden.
Durch den Heiligen Geist geschieht die Wiedereinsetzung ins Paradies, der Aufstieg ins himmlische
Königreich die Rückkehr zur Sohnschaft; durch ihn können wir Gott „Vater” nennen, können wir die
Gemeinschaft der Gnade Jesu Christi kommen, Kinder des Lichtes heißen, teilnehmen an der eigen
Herrlichkeit, mit einem Wort: in die Fülle des Segens gelangen, sowohl in dieser wie in der künftigen Zeit,
indem wir wie in einem Spiegel die Gnade der uns in dem Verheißungen dargereichten Güter sehen, wie wenn
sie schon gegenwärtig wären, in derer Genuss wir durch den Glauben kommen. Denn wenn Unterpfand derartig
ist, wie groß ist dann die Vollendung?”4

Das neue, dem Evangelium entsprechende Leben, das der Getaufte in Heiligkeit und
Geistlichkeit führen wird, nimmt das Leben nach der Auferstehung vorweg, denn:
„der Herr legt uns das gesamte evangelische Leben dar und fordert und zu Sanftmut, Geduld, Reinheit von
Vergnügungssucht und Enthaltung von Geiz auf. Dadurch bereitet er uns für das Auferstehung vor, damit alles,
was in jener zukünftigen Zeit ganz natürlich vollführt wird, von uns im Voraus durch einige Entscheidung
verwirklicht werde“5.

Aufgrund des ausdrücklichen Gebotes des Herren wird die Taufe im Namen der Heiligen
Dreifaltigkeit vollzogen (Matth. 28,19), denn die „Erlösung erfolgt durch den Vater, den Sohn und
den Heiligen Geist“6. In der Taufe wird der gerechtfertigte Gläubige mit der Heiligen Dreifaltigkeit
objektiv vereint; sie verwirklicht auf sakramentaler Ebene die Gemeinschaft des Menschen mit der
Heiligen Dreifaltigkeit In der Taufe nimmt der Gläubige teil an „der Gate der Heiligkeit und der
königlichen Würde der göttlichen Natur“, die sich herabgießt „vom Vater durch den Sohn im
Heiligen Geist und beginnt den aufwärts führenden Weg der Erkenntnis Gottes zu beschreiten, der
von dem Geist ausgehend durch den Sohn zum Vater führt“7
Der Taufe im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit muss unbedingt seitens des Getauften das
Bekenntnis des Glaubens (Homoiogia) an die Heilige Dreifaltigkeit vorangehen und die
Verherrlichung der Heiligen Dreifaltigkeit (Doxologia), durch die die Erlösung des Menschen in der
4
XV, 36: 132B.
5
XV, 35: 132 AB.
6
X, 26:113 A.
7
XVIII,47:153 B.
Taufe geschieht erfolgen. Basilius schreibt diesbezüglich im Kapitel 12: „Glaube und Taufe sind
zwei Weisen der Erlösung; sie gehören wesentlich zusammen, sind untrennbar. Der Glaube wird
vollendet durch die Taufe. Die Taufe aber ist gegründet im Glauben; beide werden durch dieselben
Namen erfüllt Wie wir nämlich an den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist glauben, so
werden wir auch auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft Das
Bekenntnis, das zur Erlösung hinführt geht voraus, es folgt die Taufe, die unser Bekenntnis
besiegelt“8. Denn sowohl im Bekenntnis des Glaubens als auch im Lobpreis muss die Lehre der
Taufe bewahrt werden9 (X, 26: 113 C s. Ep. 159: 620 C); denn diese eint in einem einzigen
Bekenntnis, in einer einzigen Anbetung den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.
Aber wie im berühmten Kapitel 27 gezeigt wird, stammen die sakramentalen Taufordnungen
(Segnung des Taufwassers, des Salbungsöles, des Täuflings, das dreifache Untertauchen, das
Entsagen dem Satan, die Epiklesis, das Zeichen des Kreuzes, die Hinwendung ostwärts während der
Gebete usw.) nicht aus der Schrift, sondern wurden, ohne in der Schrift zu stehen, aus der verbor -
genen Überlieferung der Apostel mitgeteilt, deren Inhalt das gesamte sakramentale Leben der Kirche
darstellt „Für den Glauben haben beide“, sowohl die Schrift, als auch die Überlieferung, „dieselbe
Kraft“. Mehr sogar wenn wir die nichtschriftlichen Bräuche beiseitelegten, als wären sie
bedeutungslos, fehlten wir und beeinträchtigten das Evangelium in seinem Wesen 10. Von hier aus ist
der große Wert der Überlieferung, genauer gesagt, des sakramentalen Lebens für den heiligen
Basilius ersichtlich: einerseits ergänzt sie die Schrift, andererseits ist sie die Richtschnur für deren
richtige Interpretation.
Innerhalb dieser sakramentalen Überlieferung nimmt die Taufe eine Schlüsselstellung ein; denn
in ihr wird einerseits das Heil angeboten – das liturgische Sakrament vergegenwärtigt konkret und
objektiv die erlösende Oikonomie der dreifaltigen Personen – andererseits aber wird in ihr auch die
wesentliche Vermittlung des Glaubens und die Richtschnur seines richtigen Verständnisses
vollzogen. Die sakramentale Taufüberlieferung bat Büch „als Kind Gottes erwiesen, mich ins Licht
geführt und mir die Kenntnis Gottes geschenkt“11 .
Die Taufe offenbart somit sowohl den trinitarischen Grand der puristischen Ekklesiologie, als
auch die konstitutiv-sakramentale Dimension der trinitarischen Ekklesiologie, oder, mit anderen
Worten: die Kirche gründet auf der Dreifaltigkeit und wird von der sakramentalen Überlieferung der
Sakramente mitgeheiligt Das Dogma der Heiligen Dreifaltigkeit wie es in den Sakramenten, in der
Liturgie und im gottesdienstlichen Leben der Kirche verkündet wird, bildet das Leben der Kirche
selbst Zwischen der Dreifaltigkeit der Kirche und den Sakramenten besteht eine unzertrennliche
Verbindung. Auch in dieser Hinsicht muss man die Tatsache hervorheben, dass das zweite
ökumenische Konzil (381) ins Glaubensbekenntnis von Nizäa außer der in der Abhandlung „Über
den Heiligen Geist“ enthaltenen Pneumologie auch das Bekenntnis als Kirchenbrauch und die Taufe
(und durch sie alle anderen Sakramente) eingeführt hat also auch die Ekklesiologie und Sakramental
Theologie. Damit hat sich ökumenisch gerade die im Denken der Kirchenväter unzertrennliche
Beziehung zwischen der Oikonomie der Dreifaltigkeit der Kirche und den Sakramenten bewährt.

8
XII, 28: 117 BC, s. Ep. 159: 620 C.
9
X, 26: PG 32, 113 C.
10
XXII, 66: 188 A C.
11
X, 26; 113B.

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