Sie sind auf Seite 1von 4

3

Grundlagen der EKG-Registrierung 3.3 Erregungsausbreitung und Ableitung

aVR

aVL

aVF Abb. 3.2 • EKG mit Wechselstromüberlage-


rung. Beachte die gleichförmigen isofrequenten
Potenziale der Grundlinie („Netzbrummen“).

3.3 Erregungsausbreitung und Ableitung


Grundlagen
▶ Mit definierten EKG-Ableitungen wird die elektrische Erregungsausbreitung des
Herzens in der Frontal- und Sagittalebene erfasst.
▶ Ableitungsformen:
• Bipolare Ableitung: Bei bipolaren Ableitungen wird die Spannungsdifferenz zwi-
schen zwei Elektroden gemessen (Plus- und Minus-Elektrode).
• Unipolare Ableitung: Bei unipolaren Ableitungen wird die Spannung an einer
Elektrode (Plus-Elektrode) gegen eine Referenzelektrode (Minus-Elektrode) mit
konstantem Potenzial gemessen.
• Beachte: Das Prinzip der EKG-Aufzeichnung ist für beide Ableitungsformen
gleich. In beiden Fällen entsprechen die gemessenen Spannungsdifferenzen den
Ausschlägen im EKG.

Entstehung der EKG-Kurve


▶ Charakteristika: Die Ausschläge im EKG sind charakterisiert durch ihre Breite, Höhe
und Richtung.
• Breite (Dauer) und Anstiegssteilheit (Geschwindigkeit) des Ausschlags: Die Ge-
schwindigkeit der Erregungsausbreitung bestimmt die Breite des Ausschlags.
Eine schnelle Erregungsausbreitung erzeugt einen schmalen Ausschlag im EKG,
Hamm, Checkliste EKG (ISBN 978-3-13-106364-9), © 2014 Georg Thieme Verlag KG
eine langsame
Dieses Dokument Erregungsausbreitung
ist nur für den dementsprechend
persönlichen Gebrauch bestimmt einen
und darf in keiner Form breiten
an Dritte Ausschlag.
weitergegeben werden!
20 All rights reserved. Usage subject to terms and conditions of license.
3.3 Erregungsausbreitung und Ableitung 3

Grundlagen der EKG-Registrierung


I

II

III

V1

V2

V3

Abb. 3.3 • 12-Kanal-EKG. Normalbefund eines Patienten mit Morbus Parkinson. Beachte die zit-
ternde Grundlinie in den Extremitätenableitungen, Pfeil (I, II, III), die an Vorhofflimmern denken
lassen. Gegen Vorhofflimmern sprechen die regelmäßigen Abstände der R-Zacken. Die Brust-
wandableitungen (V1–V3) zeigen zudem normal konfigurierte P-Wellen. Vgl. Vorhofflimmern
(S. 116).

• Höhe des Ausschlags: Die Größe der Spannungsdifferenz bestimmt die Höhe des
Ausschlags. Je mehr Myokard erregt wird, umso größer ist die Spannungsdiffe-
renz, umso höher ist der Ausschlag im EKG.
• Richtung des Ausschlags s. Tab. 3.2.

Tab. 3.2 • Richtung der EKG-Ausschläge (von der isoelektrischen Linie)

Erregung auf Elektrode gerichtet Erregung von Elektrode entfernt

Depolarisation positiver Ausschlag (nach oben) negativer Ausschlag


(nach unten)
Repolarisation negativer Ausschlag positiver Ausschlag (nach oben)
(nach unten)

Erregungsablauf der Kammerdepolarisation des Herzens und EKG


▶ Erläuterung der Abb. 3.4:
• Ruhezustand (a): Es lassen sich keine Ladungsdifferenzen zwischen beiden Polen
Hamm,des Spannungsmessgerätes
Checkliste messen.
EKG (ISBN 978-3-13-106364-9), © 2014 Georg Thieme Verlag KG
Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form an Dritte weitergegeben werden!
All rights reserved. Usage subject to terms and conditions of license. 21
3 3.3 Erregungsausbreitung und Ableitung

• Depolarisation (b): Die Potenzialdifferenz zwischen den beiden Polen führt zu


Grundlagen der EKG-Registrierung

einem Ausschlag des Spannungsmessgerätes. Da die Erregungsfront auf die posi-


tive Elektrode zuläuft, kommt es zu einem positiven Ausschlag im EKG.
• Zustand völliger Erregung (c): Es lässt sich keine Potenzialdifferenz zwischen bei-
den Elektroden messen.
• Repolarisation (d): Im Rahmen der Erregungsrückbildung kommt es zur Ladungs-
umkehr und dadurch zum negativen Ausschlag im EKG.
• Abgeschlossene Repolarisation (e).
▶ Reihenfolge von Kammerdepolarisation und -repolarisation:
• Zuletzt depolarisierte Myokardareale werden zuerst wieder repolarisiert. Somit
hat die Erregungsrückbildung (T-Welle) die gleiche Polarität wie die Erregungs-
ausbreitung (QRS-Komplex). Man bezeichnet dies als Konkordanz zwischen QRS-
Komplex und T-Welle. Vgl. d; e der Abb. 3.4.

0
- +
mV
- +
+ - - - - - - - +
a 0
- +
mV
- +
- + + + + - - - +
b 0
- +
mV
- +
- + + + + + + + -
c 0
- +
mV
- +
+ - - - - + + + -
d 0
- +
mV
- +
+ - - - - - - - +
e
0
- +
mV
- +
- + + + - - - - +
d 0 Abb. 3.4 • a–e Schema-
- + tischer Erregungsablauf der
mV
- Kammerdepolarisation des
+
+ - - - - - - - + Herzens und entsprechende
EKG-Kurve. Erläuterung im
e Text.

Hamm, Checkliste EKG (ISBN 978-3-13-106364-9), © 2014 Georg Thieme Verlag KG


Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form an Dritte weitergegeben werden!
22 All rights reserved. Usage subject to terms and conditions of license.
3.3 Erregungsausbreitung und Ableitung 3

Grundlagen der EKG-Registrierung


1
6 2
Erregungs-
ablauf
5 3
4

Abb. 3.5 • Depolarisation


und Repolarisation des Ventri-
kelmyokards: Zuletzt depola-
risierte Myokardareale wer-
den zuerst wieder repolari-
siert. Daher kommt es im
EKG zur gleichgerichteten Po-
larität von QRS-Komplex und
T-Welle.

• Depolarisation:
1. Septum.
2. Ventrikelspitze.
3. Herzbasis.
• Repolarisation:
1. Herzbasis.
2. Ventrikelspitze.
3. Septum.

Hamm, Checkliste EKG (ISBN 978-3-13-106364-9), © 2014 Georg Thieme Verlag KG


Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form an Dritte weitergegeben werden!
All rights reserved. Usage subject to terms and conditions of license. 23