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Branchenreport 2020

Zahnärzte
WZ-Code 86.23

Finanzgruppe
Branchendienst
Branchenreport Zahnärzte | Branche in Kürze

1 Branche in Kürze
Positive Marktentwicklung wird durch CO- de Zahl zahnärztlich tätiger MVZ, setzen sich wei-
VID-19-Pandemie beeinträchtigt ter fort. Dennoch bleiben für zahnärztliche Grün-
Die Corona-Krise hat auch den zahnmedizinischen der auch Einzelpraxen unverändert attraktiv, ge-
Markt hart getroffen. Während von Umsatzeinbrü- rade auch durch die jüngst erweiterte Möglichkeit
chen aufgrund der Corona-Krise betroffene Ärzte der Beschäftigung angestellter Zahnärzte. Die In-
und Krankenhäuser Liquiditätshilfen in Form von vestitionssummen bei Niederlassungen stiegen
nicht zurückzuzahlenden Zuschüssen erhalten, zuletzt erneut, insbesondere in die medizintechni-
müssen Zahnärzte die ihnen gewährten Kredithil- sche Ausstattung.
fen vollumfänglich zurückzahlen. Die Umsätze der
Zahnarztpraxen werden wohl in 2020 aufgrund der Corona-Krise beschleunigt Fortschritte bei der
sinkenden Fallzahlen infolge der Corona-Pande- Digitalisierung
mie deutlich unter den ursprünglichen Erwartun- Der Ausbau der digitalen Gesundheitsinfrastruk-
gen bleiben. Mit einer vollständigen Erholung bis tur, Telematikinfrastruktur (TI) genannt, macht
zum Jahresende ist nicht zu rechnen, auch wenn derzeit weitere Fortschritte. Mit Einführung des
zwischenzeitlich viele Praxen nahezu wieder das neuen TI-Kommunikationsdienstes KIM wird nun
Leistungsniveau vor Beginn der Corona-Krise er- auch die sichere Kommunikation der Leistungser-
reicht haben. Insbesondere Praxen in Regionen bringer untereinander und mit den Institutionen,
mit höherer COVID-19-Prävalenz verzeichnen ei- wie der KZBV, ermöglicht. Ab Juli benötigt jede
nen deutlichen Patientenrückgang. Damit steigt Praxis für den Zugang zur TI einen elektronischen
das Risiko für durch die Corona-Pandemie beding- Heilberufeausweis. Ab diesem Zeitpunkt können
te Entlassungen und auch ein Anstieg der Insol- Patienten zudem Medikationspläne und Notfall-
venzen ist zu befürchten. Besonders kritisch ist daten auf ihrer eGK hinterlegen lassen und auch
die Situation für Praxen, die erst vor Kurzem ge- eArztbriefe können über die TI übermittelt werden.
gründet oder übernommen wurden oder die in Ab 2021 sollen mit der elektronischen Arbeitsun-
letzter Zeit stark investiert haben und ihre Kredite fähigkeitsbescheinigung (eAU) und der elektro-
bedienen müssen. Auch mit negativen Auswirkun- nischen Patientenakte 2.0 (ePA) (ab 2022) weite-
gen auf die Ausbildungszahlen ist zu rechnen. Vie- re Anwendungen folgen. Neben dem TI-Ausbau
le Zahnarztpraxen werden wohl in 2020 keine neu- werden digitale Technologien auch in anderen Be-
en Auszubildenden aufnehmen. Zudem ist zu be- reichen der zahnmedizinischen Leistungserbrin-
fürchten, dass Private Equity Investoren verstärkt gung immer wichtiger, beispielsweise im Bereich
Zahnarztpraxen übernehmen, deren Übernahme- der Bildgebung und der Herstellung zahntechni-
preise infolge der Corona-Krise vergleichsweise scher Produkte. Hier verläuft der Workflow zuneh-
niedrig sind. mend durchgängig digital. Auch die Interaktion
mit Patienten, Dienstleistern und Dentalhandel er-
Bis vor Beginn der Corona-Krise zeigte der zahn- folgt zunehmend über das Internet. Die Corona-
medizinische Markt ein stabiles Wachstum. Die Krise wirkt durch die Kontaktbeschränkungen wie
Trends der letzten Jahre, wie die steigende Femi- ein Digitalisierungskatalysator, der die Nachfrage
nisierung der Branche, die verstärkte Nachfrage nach digitalen Diensten und Technologien zusätz-
nach angestellter Beschäftigung und die steigen- lich anheizt.
Auszug aus Kap. 6: Chancen und Risiken im Überblick
Chancen
Behandlung Senioren/Kooperationen mit Pflegeeinrichtungen
Digitalisierung, Telematik, telemedizinische Angebote

Risiken
Weitere Corona-Pandemie-Entwicklung
Praxenlage beeinflusst Verkaufserlöse
Quelle: Branchendienst der Sparkassen-Finanzgruppe

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Branchenreport Zahnärzte | Inhalt

Inhalt

1 Branche in Kürze 2

2 Branchenbeschreibung 4

3 Branche in Zahlen 6
3.1 Volkswirtschaftliche Kennzahlen 6
3.2 Branchenspezifische Kennzahlen der Sparkassen-Finanzgruppe 15

4 Branchenwettbewerb 20
4.1 Wettbewerbssituation 20
4.2 Bedeutende Unternehmen 24

5 Rahmenbedingungen 25

6 Trends und Perspektiven 33

Glossar 37

Programm der Branchenreports 2020 47


Impressum 48

Hinweis zur Corona-Pandemie:


Der Branchenreport enthält alle Entwicklungen und Auswirkungen der Corona-
Pandemie, sofern uns diese zum Redaktionsschluss (28.9.2020) vorlagen.
Branchenreport Zahnärzte | 2 Branchenbeschreibung

2 Branchenbeschreibung
Die Zahnheilkunde umfasst die Diagnose und The- ► Fachzahnarzt für öffentliches Gesundheits-
rapie von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten so- wesen (ist in den zahnärztlichen Diensten der
wie die Prothetik (Indikation: fehlende Zähne) und Behörden und Verwaltungen tätig)
die Behandlung von Fehlstellungen von Zähnen ► Fachzahnarzt für Parodontologie (gibt es nur
und Kiefer (Kieferorthopädie). Im Mittelpunkt die- in Westfalen-Lippe; langfristige Gesunderhal-
ses Branchenberichts stehen jene Zahnärzte, die tung von Zahnfleisch und Kieferknochen).
freiberuflich, d.h. in einer niedergelassenen Praxis
als Vertragszahnärzte sowohl für die Gesetzlichen In der zahnmedizinischen Versorgung ist auch der
Krankenversicherungen (GKV) als auch privatzahn- Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg (MKG) tätig,
ärztlich tätig sind (►Abbildung 2, S. 4). Insbeson- der neben Zahnmedizin auch Humanmedizin stu-
dere der Freiberuflichkeit fühlt sich der Berufs- diert und danach noch eine fünfjährige Weiterbil-
stand verpflichtet, d.h., dass der Zahnarzt die not- dungszeit absolviert hat, davon drei Jahre im sta-
wendigen Diagnose- und Therapieentscheidungen tionären Bereich. Dadurch ist der MKG befähigt,
frei und ohne Einwirkung Dritter zum Wohlerge- besonders komplizierte Behandlungen von Er-
hen der Patienten treffen kann. krankungen, Frakturen und Fehlbildungen am Ge-
sichtsschädel (inkl. Zahnapparat) zu behandeln.
Abbildung 2: Als Zahnarzt und Chirurg bezieht der MKG die Ho-
WZ-Code Klassifizierung
norare der GKV sowohl über die Kassenzahnärzt-
WZ-Code Wirtschaftszweiggliederung
liche Vereinigung (KZV) als auch über die Kassen-
86.23 Zahnarztpraxen
ärztliche Vereinigung (KV).
Quelle: Statistisches Bundesamt

Neben diesen Gebieten gibt es eine Reihe von Tä-


Die zahnärztliche Ausbildung erfordert gemäß § 2
tigkeitsschwerpunkten, für die der Zahnarzt sich
AppOZ ein Studium der Zahnheilkunde (Regelstu-
nach Abschluss seiner regulären Ausbildungszeit
dienzeit: fünf Jahre und sechs Monate). Dabei be-
zusätzlich qualifizieren kann. Diese dienen den
stehen an allen deutschen Hochschulen Zulas-
Zahnärzten oft dazu, sich eine entsprechende Ver-
sungsbeschränkungen für den zahnmedizinischen
sorgungsnische zu erschließen, um sich im zum
Studiengang. Die Zulassung als Kassenzahnarzt
Teil sehr dichten Wettbewerb um die Patienten
setzt anschließend eine zweijährige Weiterbil-
von den Kollegen abzuheben:
dungszeit als Assistent in einer Zahnarztpraxis
oder an einer Uniklinik voraus.
► Ästhetische Zahnheilkunde: Zahnbehand-
lung, die auf Aussehen und Schönheit ausge-
Zu dieser allgemeinzahnärztlichen Ausbildung
richtet ist
kann sich der Zahnarzt in vier anerkannten Spezi-
► Endodontie: Behandlung von Erkrankungen
algebieten – sogenannte Gebietsbezeichnungen –
des Zahninnern (in Form von Wurzelkanalbe-
weiterqualifizieren: Dies erfordert in der Regel je
handlungen, Wurzelspitzenresektionen oder
nach Zahnärztekammer eine drei- bis vierjährige
speziellen Füllungstherapien), auch von trau-
Zusatzausbildung. Es handelt sich dabei um den
matisierten oder „toten“ Zähnen
► Gnathologie (Funktionsdiagnostik): Behand-
► Fachzahnarzt für Kieferorthopädie (speziali-
lung von Funktionsstörungen des Kauappara-
siert auf die Behandlung von Fehlstellungen;
tes sowie hierdurch hervorgerufene Artikula-
stellt dafür meist Apparate wie Zahnspangen
tionsstörungen, Kiefergelenkschmerzen oder
im Eigenlabor her)
-knacken, migräneartige Kopfschmerzen, Ohr-
► Fachzahnarzt Oralchirurgie (operative Ver-
geräusche u.a.
sorgung sämtlicher Traumen, Erkrankungen
► Implantologie: Einpflanzen von Zahnimplanta-
oder Fehlstellungen im Bereich von Mundhöh-
ten in den Kieferknochen
le, Zahnapparat, Zahnhalteapparat und Zahn-
fleisch)

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► Pädodontie: Bei der Kinderzahnheilkunde


steht die Behandlung des Milchzahngebisses
im Vordergrund.
► Parodontologie: Behandlung des Zahnhal-
teapparates und seiner Erkrankungen. Die ent-
sprechenden Leistungen werden oft in überre-
gionalen Spezialpraxen angeboten.
► Prophylaxe: Vorbeugende Behandlung von Er-
krankungen der Zähne und des Zahnhalteap-
parates. In der GKV ist Prophylaxe für Kinder
(bis 18 Jahre) eine Kassen-, für Erwachsene ei-
ne Selbstzahlerleistung.
► Prothetik: In diesem Bereich geht es um den
künstlichen Ersatz von Zähnen und Kaueinhei-
ten.

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Branchenreport Zahnärzte | 3 Branche in Zahlen

3 Branche in Zahlen
► Zahnmedizinischer Markt überdurchschnittlich Anfang April 2020 halbierte sich das Arbeitsauf-
stark von Corona-Krise betroffen. kommen im Bundesdurchschnitt. Je nach Region
► Marktvolumen für zahnärztliche Behandlungen betrug der Rückgang zwischen 59,2 und 40,5%.
wächst in 2019 um 2,5% auf 28 Mrd. €. Zwar blieben die Praxen für ihre Patienten erreich-
► Trend zu zahnmedizinischen Versorgungszen- bar, reduzierten jedoch ihre Sprechzeiten um mehr
tren (zMVZ) ungebrochen. als ein Drittel, vor allem aus Gründen des Infekti-
► Frauenanteil wächst stetig und fördert Trend onsschutzes und aufgrund der Empfehlungen der
zur Anstellung. zahnärztlichen Körperschaften. Weitere Gründe
► Ausgaben steigen stärker als Einnahmen. waren Terminabsagen durch Patienten, Schwie-
► Ambulante Zahnarztpraxen sorgen für über 36 rigkeiten mit der Versorgung mit Schutzausrüs-
Mrd. € Wertschöpfung. tung oder Personalmangel in der Praxis. Praxis-
mitarbeiter oder die Zahnärzte selbst fielen aus,
3.1 Volkswirtschaftliche Kennzahlen zumeist da sie zur Risikogruppe zählten oder auf-
grund ausfallender Kinderbetreuung.
Einfluss der Corona-Pandemie auf die wirt-
schaftliche Entwicklung der Zahnarztpraxen
Auch die aktuelle außerplanmäßige Sonder-Um-
Die nachfolgend beschriebenen volkswirtschaftli-
frage der Stiftung Gesundheit zum Medizinklima-
chen Kennzahlen werden durch das Pandemie-Ge-
index (MKI) verdeutlicht die starken wirtschaftli-
schehen im laufenden Jahr 2020 stark beeinflusst.
chen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die
Die tatsächlichen Auswirkungen auf die Pandemie
Zahnarztpraxen. Infolge der Krise rutschte der In-
werden sich erst im nächsten Branchenreport kla-
dexwert für die Zahnärzte im Mai 2020 mit -32,2
rer abzeichnen und beziffern lassen. Prognosen
auf seinen bis dato schlechtesten Wert. Gegen-
sind derzeit noch mit großen Unsicherheiten be-
über der letzten Umfrage im Frühjahr 2020, bei
haftet, da das weitere Infektionsgeschehen (zwei-
der sich der Fachgruppenindex für die Zahnärzte
te COVID-19-Welle) noch nicht abzusehen ist. Klar
bereits auf -17,6 verschlechtert hatte, brach der
ist: Die Auswirkungen auf die Zahnarztpraxen sind
Indexwert nun weiter um -14,6 Punkte ein. Nur
gravierend.
20,3% der befragten Zahnärzte beurteilten ihre
wirtschaftliche Lage als gut, 32,2% sehen sich
Zahnärzte und deren Praxispersonal sind durch ih-
hingegen in einer wirtschaftlich schlechten Situa-
re Arbeit im Mundraum des Patienten einem be-
tion. Für die kommenden sechs Monate rechnen
sonders hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. In
lediglich 10,2% der Befragten mit einer Verbes-
vielen Zahnarztpraxen wurden daher bis zur Lo-
serung ihrer aktuellen wirtschaftlichen Situation,
ckerung der Kontaktbeschränkungen, trotz hoher
27,1% erwarten keine Veränderung, 62,7% sogar
Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen, nur
mit einer Verschlechterung.1
noch Notbehandlungen durchgeführt. Tatsächlich
waren Zahnarztpraxen aufgrund des sehr hohen
Seit Lockerung der Kontakteinschränkungen nor-
Hygienestandards kaum von COVID-19-Infektio-
malisiert sich der Geschäftsbetrieb in den Zahn-
nen betroffen. Dennoch mieden die Patienten die
arztpraxen wieder zusehends. Der solvi Leistungs-
Praxen, vor allem aus Angst vor einer COVID-19-In-
index, der in der Kalenderwoche 15 auf 60% ab-
fektion (Details nachfolgend).
gerutscht war, hat sich über die vergangenen Wo-
chen wieder auf einen Wert von rund 90% des Ni-
Grundsätzlich sind Vertragszahnärzte durch ih-
veaus der Kalenderwoche 9 (vor Corona) einge-
re Zulassung zur vertragszahnärztlichen Versor-
pendelt. Während dem Lockdown waren insbeson-
gung ihrer Patienten verpflichtet. Sie müssen also
dere Patienten der Altersgruppen unter 20 und
auch während der COVID-19-Pandemie ihrem Ver-
über 70 Jahren der Behandlung ferngeblieben.
sorgungsauftrag nachkommen. Wie stark das Ar-
Während bei der Altersgruppe der unter 20-Jäh-
beitsaufkommen in den Zahnarztpraxen durch Co-
rigen wieder fast alle wie vor der Krise zum Zahn-
rona beeinflusst wurde, zeigt eine repräsentative
arzt gehen, bleibt die Gruppe der Älteren noch
Umfrage der BZÄK: Zwischen Anfang Februar und

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Branchenreport Zahnärzte | 3 Branche in Zahlen

vorsichtig. In städtischen Gebieten stehen die um 4,0% bzw. 15 Mrd. € gegenüber dem Jahr
Menschen einem Zahnarztbesuch derzeit zurück- 2017. Pro Einwohner wurden durchschnittlich
haltender gegenüber als auf dem Land. In Bun- rund 4.712 € für Gesundheit ausgegeben. Dies be-
desländern mit hohen Fallzahlen erholt sich das deutet einen Anstieg von 168 € gegenüber dem
Patientenaufkommen zögerlicher als in Bundes- Vorjahr. Nicht berücksichtigt sind darin die Beträ-
ländern, die nicht so stark von COVID-19-Erkran- ge, die der Bürger über die primäre Versorgung
kungen betroffen waren. Im kumulierten Jahres- hinaus im Rahmen des sogenannten Zweiten Ge-
verlauf beträgt der Leistungsrückgang im Bun- sundheitsmarktes für Dinge wie Ernährung, Well-
desdurchschnitt schätzungsweise 7%. Sofern die ness oder auch Fitness ausgeben. Der Anteil der
zweite COVID-19-Erkrankungswelle ausbleibt, (primären) Gesundheitsausgaben am Bruttoin-
wird das Leistungsniveau im Jahresschnitt wohl landsprodukt lag 2018 laut der Erhebung des Sta-
95% des Februar-Vergleichswerts erreichen. Den- tistischen Bundesamtes bei 11,7% und ist folg-
noch schätzt solvi den Rückgang der Wertschöp- lich gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte
fung und somit den Schaden für die Zahnarztpra- angestiegen. Größte Ausgabenträger waren 2018
xen auf rund 1,5 Mrd. €. Prognostisch erreicht der mit 56,9% der Gesundheitsausgaben bzw. mit ei-
zahnmedizinische Markt wohl erst Ende des Jah- nem Ausgabenvolumen von rund 222,1 Mrd. € die
res 2021 wieder das Umsatzvolumen des Jahres Gesetzliche Krankenversicherung (GKV), an zwei-
2019.2 ter Stelle standen mit einem Anteil von 13,3%
bzw. einem Volumen von 52,1 Mrd. € die privaten
Ein ähnliches Bild ergibt der COVID-19-Dental- Haushalte. Die Soziale Pflegeversicherung (10,1%
marktmonitor, den das Marktforschungsunterneh- bzw. 39,5 Mrd. €) verzeichnete mit einem Plus von
men Exevia wöchentlich in Kooperation mit Wa- 6,2% bzw. 2,3 Mrd. € den stärksten Ausgabenan-
wibox veröffentlicht. Demnach blicken die Zahn- stieg im Vergleich zum Vorjahr. Die Private Kran-
ärzte wieder überwiegend mit Optimismus in die kenversicherung (8,5% bzw. 33,3 Mrd. €) folgt mit
Zukunft. Seit der 25. Kalenderwoche werden 71% einem Zuwachs von rund 5%.
der Praxen wieder wie vor dem Ausbruch geführt.
Nachdem der gleitende Monatsmittelwert der Für das Jahr 2019 wird wieder ein deutliches
Wareneinkäufe Ende April auf nur noch 41% des Wachstum der Gesundheitsausgaben um ca. 4,3%
Vor-Corona-Vergleichswerts vom Februar gesun- erwartet, und zwar auf ein Gesamtvolumen von
ken war, haben sich die Wareneinkäufe inzwischen 407,4 Mrd. €.
deutlich erholt und erreichten in Kalenderwoche
25 wieder 80% des Februar-Vergleichswerts.3 Zahnärztliche Versorgung erreicht in 2019
Marktvolumen von 28 Mrd. €
Dennoch sind im Zuge der Corona-Krise die Ar- Als Teil der Gesundheitswirtschaft befindet sich
beitslosenzahlen bei den Gesundheitsberufen auch die zahnmedizinische Branche in einem
deutlich gestiegen. Noch im März 2020 entsprach kontinuierlichen Aufwärtstrend, wobei die Ge-
die Zahl der Arbeitslosen den Branchenwerten sundheitsausgaben in Zahnarztpraxen seit Jah-
des Vorjahres. Bis Mai stieg deren Zahl dann deut- ren branchenunterdurchschnittlich wachsen. Dies
lich – bei den Arzt- und Praxishilfen um 35,4% und zeigt auch der stetig sinkende Ausgabenanteil für
bei den Human- bzw. Zahnmedizinern (hier unter- Leistungen in Zahnarztpraxen an den gesamten
scheidet die Bundesagentur für Arbeit nicht) um Gesundheitsausgaben (2018: 7,0% gegenüber
26,4%. Insgesamt – über alle Branchen – stiegen 7,1% im Vorjahr und 8,6% im Jahr 2000). Insge-
die Arbeitslosenzahlen in Deutschland im genann- samt entfielen in 2018 auf Zahnarztpraxen Ge-
ten Zeitraum um 25,8%.4 sundheitsausgaben in Höhe von 27.349 Mio. €.6

Gesundheitsmarkt wuchs auch in 2018 und 2019 Bei der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)
wieder deutlich stärker als das BIP entsprach der Ausgabenanteil für Zahnbehandlun-
Laut Statistischem Bundesamt5 wurden in gen in 2019 mit 6,3% der Gesamtausgaben in et-
Deutschland in 2018 390,6 Mrd. € für Gesund- wa dem Vorjahr (►Abbildung 3a, S. 8).
heit ausgegeben. Dies bedeutet einen Anstieg

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Branchenreport Zahnärzte | 3 Branche in Zahlen

Abbildung 3a:
Leistungsausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherungen
- 2018/2019 -
2018 2019
Leistungen Veränderung
Mrd. € %-Anteil Mrd. € %-Anteil
Krankenhausbehandlung 77,2 34,1% 80,2 33,5% 3,95%
Behandlung durch Ärzte* 39,4 17,4% 41,1 17,2% 4,16%
Arzneimittel aus Apotheken 38,7 17,1% 41,1 17,2% 6,18%
Zahnärztliche Behandlung 14,5 6,4% 15,0 6,3% 3,59%
Krankengeld 13,1 5,8% 14,4 6,0% 10,01%
übrige Leistungen 43,6 19,2% 47,4 19,8% 8,68%
Summe 226,4 100,0% 239,1 100,0% 5,61%
* ohne gezahlte Beträge für Früherkennung, Impfungen, ehemals Sonstige Hilfen und Dialyse-Sachkosten
Quelle: GKV (März 2020), Kennzahlen der Gesetzlichen Krankenversicherung

Für die zahnärztliche Behandlung hat die GKV so- deutung des gesamten zahnärztlichen Systems.
mit im Jahr 2019 rund 520 Mio. € mehr ausgege- Neben den Zahnarztpraxen selbst, werden auch
ben als im Vorjahr. Dies entspricht einem Zuwachs die Dentalindustrie, der Dentalhandel und das
um 3,6% auf 15,01 Mrd. €. Auf den Zahnersatz Zahntechnikerhandwerk in die Berechnung einbe-
entfielen dabei 3,50 Mrd. €. Mit 4,5% wuchsen zogen. Für das aktuell betrachtete Jahr 2017 er-
die GKV-Ausgaben in diesem Bereich überdurch- gab die Berechnung einen Anteil der zahnärztli-
schnittlich stark – die anderen Bereiche der zahn- chen Versorgung in Höhe von 47,5 Mrd. € am BIP
ärztlichen Versorgung stiegen in 2019 um rund und rund 800.000 Personen, deren Arbeitsplatz
3,3% (►Abbildung 3b, S. 8). direkt oder indirekt von der zahnmedizinischen
Versorgung abhängt. In der aktuellen Berechnung
Im Jahr 2019 beträgt das gesamte Marktvolumen wurde erstmals auch der ökonomische Fußab-
für zahnärztliche Versorgung in Deutschland (GKV druck speziell der ambulanten Zahnarztpraxen be-
+ Privat) rund 28 Mrd. €. Der Markt für zahnmedizi- wertet. Allein auf diese entfielen 36,4 Mrd. € bzw.
nische Behandlungen entwickelte sich somit wei- 627.000 Beschäftigte. Dabei wurden nicht nur di-
terhin positiv, jedoch etwas schwächer als das no- rekte, sondern auch indirekte und induzierte Ef-
minale Bruttoinlandsprodukt (+2,7%) (►Abbildung fekte berücksichtigt, also auch die Wertschöpfung
4, S. 9). Laut BZÄK kommen auf jeden der rund und Zahl der Arbeitsplätze, die von den ambulan-
387.000 direkt in Zahnarztpraxen Beschäftigten ten Zahnarztpraxen abhängen, wie beispielswei-
0,6 weitere Beschäftigte, deren Arbeitsplatz von se bei Herstellern von Praxisbedarf oder medizin-
der Existenz der Zahnarztpraxen abhängt.7 technischen Geräten, EDV-Dienstleistern, die die
Praxiscomputer warten, oder auch Arbeitsplätze,
Ambulante Zahnmedizinische Versorgung sorgt die vom privaten Konsum des Praxispersonals ab-
für 36,4 Mrd. € höheres BIP hängig sind.8
Die BZÄK beziffert jährlich im sogenannten Zahn-
ärztlichen Satellitenkonto die ökonomische Be-
Abbildung 3b:
Entwicklung der Ausgaben für zahnärztliche Behandlung (GKV)
- Gesamtdeutschland -
5-Jahres-
2015 2016 2017 2018 2019
Leistungen Entwicklung
[Mrd. €] [Mrd. €] [Mrd. €] [Mrd. €] [Mrd. €]
[in %]
Zahnärztliche Behandlung ohne Zahnersatz 10,22 10,53 10,82 11,14 11,51 12,62%
Zahnersatz 3,28 3,26 3,30 3,35 3,50 6,71%
Zahnärztliche Behandlung insgesamt 13,50 13,79 14,12 14,49 15,01 11,19%
Quelle: GKV (März 2020), Kennzahlen der Gesetzlichen Krankenversicherung

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Zahl der niedergelassenen Zahnärzte sinkt, Zahl zu, dass die Möglichkeiten der Anstellung auch in
der angestellten Zahnärzte steigt Teilzeitbeschäftigung verstärkt genutzt werden.
Ende 2018 gab es in Deutschland 97.372 Zahn- Der Anteil von Frauen bei den behandelnd tätigen
ärzte. Von diesen waren 72.592 behandelnd tä- Zahnärzten liegt gegenwärtig bei 45,6% – 9,3%
tig, also rund 76% (inkl. Oralchirurgen und Kie- höher als noch im Jahr 2000. Von den unter 35-
ferorthopäden). Die Zahl der behandelnd tätigen jährigen tätigen Zahnärzten sind inzwischen sogar
Zahnärzte stieg somit marginal um 470 Zahnärz- 61,8% Frauen.9
te bzw. 0,6% im Vergleich zu 2017. Dabei setzt
sich der seit Jahren zu beobachtende Trend des Gute Versorgung durch hohe Zahnarztdichte
Rückgangs der niedergelassenen Zahnärzte zu- Die Zahl der Einwohner je behandelnd tätigem
gunsten abhängig beschäftigter Zahnärzte weiter Zahnarzt liegt in der bundesweiten Betrachtung
fort: Die Zahl der Assistenten, Beamten und ange- gegenwärtig bei 1.144. Für 2020 wird jedoch ein
stellten Zahnärzte lag Ende 2018 bei 22.570 – ein Anstieg auf 1.192 prognostiziert. In den westdeut-
Anstieg um 7,1% gegenüber dem Vorjahr. Deren schen Bundesländern ist das Einwohner-Zahn-
Anteil an der Gesamtzahl der behandelnd tätigen arzt-Verhältnis mit 1.131 je behandelnd tätigem
Zahnärzte beträgt inzwischen über 31%. Beson- Zahnarzt etwas schlechter als in den ostdeutschen
ders stark stieg die Zahl der in Praxen angestell- Bundesländern mit 1.146.10 Seit dem Jahr 2000
ten Zahnärzte (+7,4% gegenüber dem Vorjahr), hat die Zahnarztdichte bundesweit deutlich zuge-
und zwar auf 19.393 in 2018. Die Ursache dieser nommen. Der Hauptgrund hierfür liegt in der ho-
Entwicklung ist vor allem im Vertragsarztrechts- hen Zahl der Zahnmedizin-Absolventen.
änderungsgesetz (VÄndG) zu sehen, welches seit
dem 1.1.2007 deutlich erweiterte Optionen zur Betrachtet man nur die vertragszahnärztliche Ver-
Anstellung von Zahnärzten in Praxen ermöglicht. sorgung, so ergibt sich im Jahr 2018 eine Zahl von
Auch wenn immer noch der überwiegende Teil der 1.622 Einwohnern je Zahnarzt für das Bundesge-
Zahnärzte (2018: 68,9%) in eigener Praxis nieder- biet. Bundesweit die geringste Zahnarztdichte hat
gelassen ist, setzt sich der Rückgang der Zahl der Bremen mit 1.943 Einwohnern je Vertragszahn-
Vertragszahnärzte (2018: 50.022) auch in 2018 arzt. Aber auch Rheinland-Pfalz mit 1.933, das
weiter fort (-2% gegenüber dem Vorjahr) (►Abbil- Saarland mit 1.930 oder auch Baden-Württemberg
dung 5, S. 10). mit 1.782 Einwohnern je Vertragszahnarzt bie-
ten eine vergleichsweise günstige Wettbewerbs-
Steigende Frauenquote verstärkt Nachfrage struktur für Zahnärzte. Die bundesweit höchste
nach Anstellung und Teilzeitarbeit Zahnarztdichte haben hingegen Berlin mit 1.329
Auch die stetig steigende Frauenquote und der und Thüringen mit 1.361 Einwohnern je behan-
Wunsch nach einer besseren Vereinbarkeit von delnd tätigem Zahnarzt (►Abbildung 6, S. 11). Ge-
Familie und (zahn-)ärztlicher Tätigkeit führen da- rade in Ballungsräumen wie Berlin oder Hamburg

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steht der Zahnarzt vor der Frage, sich im Stadt- Die Zahl der praktizierenden KFO ist im Jahr 2018
gebiet oder eher im benachbarten Brandenburg ebenfalls leicht gestiegen (+1,5%) und lag En-
bzw. Schleswig-Holstein niederzulassen, wo die de 2018 bei 3.813 im Bundesgebiet, 3.028 davon
Wettbewerbsbedingungen deutlich „entspannter“ sind niedergelassene KFO. Dies entspricht einer
sind. Einwohner-Arzt-Relation von 27.414. Dabei ist die
KFO-Versorgung mit 26.945 Einwohnern je nieder-
Fachzahnarztzahlen in 2018 leicht steigend gelassenem KFO in den westdeutschen Bundes-
In einer besonderen Situation in Bezug auf die ländern signifikant besser als in den ostdeutschen
Wettbewerbsdichte befinden sich die Mund-, Kie- Bundesländern (30.383). Betrachtet man nur die
fer- und Gesichtschirurgen (MKG) und die Kiefer- Altersgruppe der bis-20-Jährigen, versorgt ein
orthopäden (KFO). Die Einwohnerdichte je nie- KFO deutschlandweit durchschnittlich 4.234 Per-
dergelassenem MKG liegt bei 74.775, wobei die sonen.
Zahl der niedergelassenen MKG mit 1.110 im Jahr
2019 leicht gesunken ist. Inklusive ermächtigter Die Zahl der praktizierenden Oralchirurgen stieg
MKG (13) und angestellter MKG (150) gibt es ge- in 2018 um 81 auf 3.277, davon 2.254 niederge-
genwärtig 1.260 an der ambulanten Versorgung lassene Oralchirurgen.12 Auch bei dieser Fachzahn-
teilnehmende MKG – ein leichter Anstieg gegen- arztgruppe ist die Versorgung in Westdeutschland
über dem Vorjahr (+5), der vor allem auf den deut- mit 33.973 Einwohnern je niedergelassenem Oral-
lichen Anstieg angestellter MKG zurückzuführen chirurgen wesentlich besser als im Osten der Re-
ist (+12,8% zum Vorjahr).11 publik (69.711).

Abbildung 5:
Entwicklung der Zahnärztedichte
- 2000-2018 -
behandelnd tätige Zahnärzte Einwohner je
Wohnbevöl- Nicht- oder
Zahnärzte niederge- Assistenten, behandelnd
Jahr kerung fremdberuf-
insgesamt lassene Beamte, An- total tätigem
in Tsd. lich tätig
Zahnärzte gestellte Zahnarzt
Alte Bundesländer (mit Berlin)
2000 68.410 65.918 43.918 8.240 52.158 13.760 1.312
2014 68.693 76.471 44.057 15.370 59.427 17.044 1.156
2015 69.577 77.596 43.772 16.523 60.295 17.301 1.154
2016 69.940 78.832 43.163 17.524 60.687 18.145 1.152
2017 70.222 79.778 42.445 18.523 60.968 18.810 1.152
2018 70.468 81.760 41.617 19.880 61.497 20.263 1.146
Entw. 3,01% 24,03% -5,24% 141,26% 17,91% 47,26% -12,63%
Neue Bundesländer
2000 13.850 12.824 9.967 1.237 11.204 1.620 1.236
2014 12.505 14.900 9.139 2.213 11.352 3.548 1.102
2015 12.598 15.082 8.991 2.345 11.336 3.746 1.111
2016 12.581 15.266 8.793 2.446 11.239 4.027 1.119
2017 12.571 15.411 8.613 2.541 11.154 4.257 1.127
2018 12.551 15.612 8.405 2.690 11.095 4.517 1.131
Entw. -9,38% 21,74% -15,67% 117,46% -0,97% 178,83% -8,51%
Deutschland
2000 82.260 78.742 53.885 9.477 63.362 15.380 1.298
2014 81.198 91.371 53.196 17.583 70.779 20.592 1.147
2015 82.176 92.678 52.763 18.778 71.541 21.137 1.149
2016 82.522 94.098 51.956 19.970 71.926 22.172 1.147
2017 82.792 95.189 51.058 21.064 72.122 23.067 1.148
2018 83.019 97.372 50.022 22.570 72.592 24.780 1.144
Entw. 0,92% 23,66% -7,17% 122,26% 14,57% 61,12% -11,58%
Quelle: Bundeszahnärztekammer (Statistisches Jahrbuch 2018/2019), Statistisches Bundesamt

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Branchenreport Zahnärzte | 3 Branche in Zahlen

Abbildung 6:
Anzahl der Zahnärzte in den Bundesländern
- 2018 -
Tätige Zahnärzte Niedergelassene Zahnärzte Anzahl der Einwohner je
Bundesländer Einwohner in niedergelasse-
Anzahl %-Anteile Anzahl %-Anteile 1.000 nem Zahnarzt
Baden-Württemberg 9.236 12,72% 6.211 12,42% 11.069 1.782
Bayern 12.065 16,62% 8.145 16,28% 13.076 1.605
Berlin 4.317 5,95% 2.742 5,48% 3.644 1.329
Brandenburg 1.954 2,69% 1.494 2,99% 2.511 1.681
Bremen 564 0,78% 351 0,70% 682 1.943
Hamburg 2.026 2,79% 1.322 2,64% 1.841 1.393
Hessen 5.680 7,82% 3.866 7,73% 6.265 1.621
Mecklenburg-Vorpommern 1.405 1,94% 1.065 2,13% 1.609 1.511
Niedersachsen 6.606 9,10% 4.793 9,58% 7.982 1.665
Nordrhein-Westfalen 14.790 20,37% 9.866 19,72% 17.932 1.818
Rheinland-Pfalz 3.081 4,24% 2.113 4,22% 4.084 1.933
Saarland 697 0,96% 513 1,03% 990 1.930
Sachsen 3.873 5,34% 2.800 5,60% 4.077 1.456
Sachsen-Anhalt 1.878 2,59% 1.472 2,94% 2.208 1.500
Schleswig-Holstein 2.435 3,35% 1.695 3,39% 2.896 1.709
Thüringen 1.985 2,73% 1.574 3,15% 2.143 1.361
Deutschland 72.592 100,00% 50.022 100,00% 83.009 1.659
Quelle: Bundeszahnärztekammer, Statistisches Bundesamt, Berechnungen REBMANN RESEARCH

Beschäftigtenzahlen steigen, Zahl der Praxen verhältnisse weiterhin überproportional (+1,7%


sinkt gegenüber dem Vorjahr auf rund 181 Tsd.).14
Die Anzahl der Mitarbeiter je Praxis stieg auch im
Jahr 2018 wieder auf nunmehr 6,96 (►Abbildung Auf die Beschäftigten in den Zahnarztpraxen ent-
7, S. 12). Der Anteil von (zahn-)medizinischen fiel im Jahr 2018 eine Lohnsumme von 5.756,4
Fachangestellten (ZFA/MFA) an der Gesamtzahl der Mio. €. Dies entspricht einer Lohnsumme von rund
in Zahnarztpraxen beschäftigten Personen stieg 140 T€ je Betrieb in der bundesweiten Betrach-
in den vergangenen Jahren kontinuierlich und tung. Für die westdeutschen Betriebe werden die
betrug in 2017 64,2% gegenüber 42% im Jahr Lohnsummen im Jahr 2018 mit 151,6 T€ angege-
2000.13 Aus Kostengründen werden delegationsfä- ben und in Ostdeutschland mit 87 T€. Mit +7,5%
hige Arbeiten vom Zahnarzt möglichst hin zu ZFA/ stiegen die Lohnsummen gegenüber dem Vorjahr
MFA verlagert. wieder deutlich.15

Die Anzahl der Zahnarztpraxen nimmt hingegen ZFA: Ausbildungszahlen gestiegen – Aufstiegs-
seit 2008 ständig ab: Während es in 2008 45.321 fortbildungen immer beliebter
Zahnarztpraxen in Deutschland gab, sind es im In Deutschland ist grundsätzlich jede Zahnarzt-
Jahr 2018 nur noch 41.097. Der Trend zu größe- praxis ausbildungsberechtigt. 2018 bildeten laut
ren Praxen, die dann auch in Form von Praxiskli- BZÄK 44% der Zahnarztpraxen aus.
niken bzw. zahnärztlichen Medizinischen Versor-
gungszentren (zMVZ) oder Berufsausübungsge- Zum Ende 2018 befanden sich 31.638 Personen
meinschaften tätig sind, setzt sich weiter fort. Da- in einer Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fach-
mit nahm die Anzahl der Zahnarztpraxen inner- angestellten (ZFA), davon 12.234 mit neu abge-
halb der letzten fünf Jahre um rund 6,3% ab. schlossenen Ausbildungsverträgen. Die Zahl der
Neuverträge ist damit gegenüber dem Vorjahr
Die Zahl der in Zahnarztpraxen beschäftigten Per- um +1,9% gestiegen. In den neuen Ländern ist
sonen beträgt im Jahr 2018 laut Statistischem die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse aller-
Bundesamt 356 Tsd., nach 354 Tsd. im Vorjahr dings, entgegen dem Bundestrend, leicht rückläu-
(+0,6%). Dabei steigen die Teilzeitbeschäftigungs- fig.

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Branchenreport Zahnärzte | 3 Branche in Zahlen

Der Anteil an Abiturienten der neuen ZFA-Auszu- (Vorjahr: 106) zur Dentalhygienikerin (DH) abge-
bildenden ist in den letzten Jahren deutlich ge- legt.16
wachsen und betrug zuletzt 12,3%. Auch die Quo-
te derer, die maximal mit Hauptschulabschluss ih- Einkommensunterschied zwischen Ost und West
re Ausbildung starten, wächst und beträgt inzwi- hat sich vergrößert
schen 35,1% (zum Vergleich: 19,1% bei den Arzt- Die Branche ist nach wie vor durch Praxen mit we-
helfern/MFA). Auch die Durchfallquote bei der Ab- niger als 10 Mitarbeitern geprägt (85%). Diese er-
schlussprüfung ist mit 11,7% bei den ZFA weit hö- wirtschaften 48% des Branchenumsatzes.17 Die
her als bei anderen Ausbildungsberufen. Verteilung der zahnärztlichen Einkommen nach
Einkommensklassen zeigt, dass es innerhalb die-
Interessant aus Sicht der Praxis sind vor allem ser Berufsgruppe große Einkommensunterschie-
die Aufstiegsfortbildungen: Im Jahr 2018 wur- de gibt. Bei der Betrachtung der Einkommensver-
den 746 erfolgreiche Prüfungen (Vorjahr: 672) zur teilung (aktuellste Zahlen für 2016) in West- und
Zahnmedizinischen Prophylaxeassistentin (ZMP), Ostdeutschland fällt auf, dass es im Westen deut-
578 (Vorjahr: 544) zur Zahnmedizinischen Ver- lich mehr Besserverdienende gibt (►Abbildung 8a,
waltungsassistentin (ZMV), 161 (Vorjahr: 214) zur S. 12) und (►8b, S. 13).
Zahnmedizinischen Fachassistentin (ZMF) und 193
Abbildung 8a:
Verteilung des Einkommens der Praxisinhaber nach Größenklassen 2016
- alte Bundesländer -
Einkommensklasse Praxisinhaber
Zusammenfassung Einkommensklassen
[in Tsd. €] [in %]
bis 25 2,7
25 – 50 4,8
25,6% geringeres Einkommen als 100.000€
50 – 75 8,6
75 – 100 9,5
100 – 125 11,6
125 – 150 12,6
44,8 Einkommen zwischen 100.000 € und 200.000 €
150 – 175 10,8
175 – 200 9,8
200 – 225 8,2
225 – 250 6,6 29,6% Einkommen über 200.000 €
über 250 14,8
Durchschnittseinkommen aller Praxisinhaber (arithmeti- 167.100 €
scher Mittelwert)
Median (50% aller Praxisinhaber haben weniger/mehr als) 150.500 €
Quelle: KZBV-Jahrbuch 2019

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Branchenreport Zahnärzte | 3 Branche in Zahlen

Abbildung 8b:
Verteilung des Einkommens der Praxisinhaber nach Größenklassen 2016
- neue Bundesländer -
Einkommensklasse Praxisinhaber
Zusammenfassung Einkommensklassen
[in Tsd. €] [in %]
bis 25 2,0
25 – 50 6,9
38,7 % geringeres Einkommen als 100.000€
50 – 75 13,6
75 – 100 16,2
100 – 125 17,5
125 – 150 12,5
47,2 % Einkommen zwischen 100.000 € und 200.000 €
150 – 175 9,4
175 – 200 7,8
200 – 225 4,5
225 – 250 3,6 14,1 % Einkommen über 200.000 €
über 250 6,0
Durchschnittseinkommen aller Praxisinhaber (arithmeti- 130.600 €
scher Mittelwert)
Median (50% aller Praxisinhaber haben weniger/mehr als) 116.100 €
Quelle: KZBV-Jahrbuch 2019

Auch liegt das durchschnittliche Jahreseinkom- sich in der unteren Einkommensklasse (<100 T€)
men der Zahnärzte in den alten Bundesländern befinden, ist jedoch leicht angestiegen (38,7%
mit 167.100 € (Vorjahr: 163.200 €) rund 36.500 € gegenüber 38,5% im Vorjahr). Der Anteil der Top-
über dem der Kollegen in den neuen Bundes- verdiener mit einem Einkommen über 200 T€ ist in
ländern. Zwar veränderte sich im Westen der An- Ostdeutschland mit 14,1% (Vorjahr: 13,1%) zwar
teil der Zahnärzte mit einem Einkommen unter deutlich geringer als im Westen, allerdings ist die-
100.000 € kaum (25,6 zu 25,5% in 2015), der An- ser auch hier in den letzten Jahren stetig gestie-
teil der Topverdiener mit einem Einkommen über gen. Ende 2016 waren in Ostdeutschland 1.573
200 T€ stieg allerdings weiter (29,6% gegenüber Zahnärzte den Topverdienern zuzurechnen.
29% in 2015). Im Jahr 2005 befanden sich erst
8,4% der Zahnärzte in Westdeutschland in die- Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der Anteil der
ser besonders lukrativen Einkommensklasse. En- unteren Einkommensklassen in Ostdeutschland
de 2016 waren hier bereits 18.047 Zahnärzte den immer noch wesentlich stärker ausgeprägt ist als
Topverdienern zuzurechnen. Zudem ist das hohe im Westen. Zwar steigt auch in Ostdeutschland der
Einkommenssegment signifikant stärker gewach- Anteil der Topverdiener, beim Durchschnittsein-
sen als das mittlere – eine Entwicklung, die bereits kommen geht die Schere zwischen Ost und West
seit mehreren Jahren zu beobachten ist. Entspre- jedoch immer weiter auseinander. Bundesweit ist
chend bewegen sich auch Durchschnitts- und Me- zwar eine Verschiebung der Einkommen von mitt-
dianeinkommen immer weiter auseinander. leren zu hohen Einkommensklassen zu beobach-
ten, allerdings stärker ausgeprägt in den West-
In Ostdeutschland ist das mittlere Einkommens- Bundesländern. Bundesweit zählten 2016 25.701
segment etwas stärker ausgeprägt als im Westen Zahnärzte (27%) zu den Topverdienern mit einem
(47,2 zu 44,8%). Der Anteil der Praxisinhaber, die Einkommen von über 200 T€ (Vorjahr: 18.971).18
Abbildung 9:
Entwicklung des Creditreform Risiko Indikators (CRI)
2016 2017 2018 2019 2020*
Ausfallrisiko Zahnarztpraxen 0,39% 0,33% 0,28% 0,32% 0,27%
Ausfallrisiko Gesamtwirtschaft 1,61% 1,43% 1,40% 1,34% 1,30%
Abweichung in % -1,23% -1,10% -1,12% -1,02% -1,03%
Anzahl ausfallgefährdete Praxen 166 102 87 102
* Prognose
Quelle: Creditreform Rating 2020

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Branchenreport Zahnärzte | 3 Branche in Zahlen

Anstieg der Insolvenzen aufgrund Corona-Krise Durch die Corona-Pandemie haben viele Unter-
zu befürchten nehmen in den letzten Monaten erhebliche Um-
Wie fast alle Teilbranchen des Gesundheitsmark- satzeinbußen erlitten. Dies belastet die Unterneh-
tes unterliegen auch die Zahnarztpraxen üblicher- men enorm und erhöht das Insolvenzrisiko spür-
weise einem sehr geringen Kreditausfallrisiko bar. Um dem entgegenzuwirken, hat die Politik ho-
(►Abbildung 9, S. 13). Die Solvenz der Branche und he Summen zur Stützung der Wirtschaft bereitge-
die meist sehr hohe Barliquidität in den Praxen stellt und einige Regelungen des Insolvenzrechts
machen die Zahnärzte zu umworbenen und wich- bis 30.9.2020 außer Kraft gesetzt. Die Creditre-
tigen Kunden für Kapitalgeber. Insgesamt ist das form-Prognose für 2020 bildet diese Entwicklun-
ohnehin bereits niedrige Kreditausfallrisiko in der gen und Maßnahmen noch nicht ab. Es ist zu be-
zahnärztlichen Branche in den letzten Jahren ste- fürchten, dass auch bei den Zahnarztpraxen die
tig gesunken. Insolvenzzahlen steigen werden, insbesondere
da für die Zahnärzte nicht, wie für Ärzte und Kran-
Mit einem Creditreform-Risiko-Indikator (CRI) kenhäuser, ein staatlicher Schutzschirm gespannt
von 0,32% im Jahr 2019 lag das Ausfallrisiko er- wurde. Insbesondere junge Praxen mit noch ho-
neut signifikant unter dem der Gesamtwirtschaft hen Kreditbelastungen könnten aufgrund des zeit-
(1,340%). Damit waren im Jahr 2019 in Deutsch- weilig starken Geschäftseinbruchs bei gleichzeitig
land 102 Praxen von einer Insolvenz betroffen. Für weiterlaufenden Fixkosten (Gehälter, Mieten etc.)
2020 prognostizierte Creditreform für die Zahn- in wirtschaftliche Schieflage geraten. Auch sind
arztpraxen ein Insolvenzrisiko von 0,27% (Ge- kleine Praxen mit verhältnismäßig geringem Um-
samtwirtschaft: 1,3%). satz grundsätzlich stärker insolvenzgefährdet als
umsatzstärkere Praxen.19
Abbildung 10:
Steuerliche Einnahmen-Überschuss-Rechnung je Praxisinhaber mit Spezifizierung der Einnahmen und Ausgaben
- 2012 bis 2016 -

2012 2013 2014 2015 2016


Einnahmen aus selbstständiger 5-Jahres-Ent-
zahnärztlicher Tätigkeit in % v. in % v. in % v. in % v. in % v. wicklung
€ € € € €
Umsatz Umsatz Umsatz Umsatz Umsatz
Alte Bundesländer
über KZV vereinnahmt 206.735 46,5% 219.700 46,6% 230.700 47,6% 239.100 47,4% 249.700 47,8% 20,8%
nicht über KZV vereinnahmt 237.827 53,5% 251.400 53,4% 253.500 52,4% 265.300 52,6% 272.600 52,2% 14,6%
Gesamteinnahmen 444.562 100,0% 471.100 100,0% 484.200 100,0% 504.400 100,0% 522.300 100,0% 17,5%
Betriebsausgaben insgesamt 299.924 67,5% 315.500 67,0% 326.900 67,5% 341.200 67,6% 355.200 68,0% 18,4%
davon:
Personalausgaben 106.398 35,5% 114.900 36,4% 122.700 37,5% 129.700 38,0% 138.600 39,0% 30,3%
Ausgaben für Leistungen von Fremd- 79.779 26,6% 82.500 26,1% 82.500 25,2% 86.400 25,3% 86.400 24,3% 8,3%
laboratorien
Material für Praxis und Labor 30.985 10,3% 32.300 10,2% 33.400 10,2% 34.000 10,0% 35.100 9,9% 13,3%
Miete, Raumkosten und anteilige 21.021 7,0% 22.100 7,0% 22.900 7,0% 23.600 6,9% 23.800 6,7% 13,2%
steuerlich absetzbare Hauskosten
Zinsen für Praxisdarlehen 5.641 1,9% 5.300 1,7% 4.800 1,5% 4.400 1,3% 4.000 1,1% -29,1%
Abschreibungen 14.660 4,9% 14.400 4,6% 15.100 4,6% 16.100 4,7% 17.500 4,9% 19,4%
übrige Betriebsausgaben 41.440 13,8% 44.000 14,0% 45.500 14,0% 47.000 13,8% 49.800 14,1% 20,2%
Einnahmen-Überschuss 144.638 32,5% 155.600 33,0% 157.300 32,5% 163.200 32,4% 167.100 32,0% 15,5%
Neue Bundesländer
über KZV vereinnahmt 193.837 61,4% 207.000 62,9% 217.400 63,5% 224.200 63,3% 230.800 63,5% 19,1%
nicht über KZV vereinnahmt 122.038 38,6% 122.300 37,1% 124.700 36,5% 129.800 36,7% 132.500 36,5% 8,6%
Gesamteinnahmen 315.875 100,0% 329.300 100,0% 342.100 100,0% 354.000 100,0% 363.300 100,0% 15,0%
Betriebsausgaben insgesamt 206.234 65,3% 212.900 64,7% 217.700 63,6% 225.300 63,6% 232.700 64,1% 12,8%
davon:
Personalausgaben 64.561 31,3% 69.900 32,8% 73.600 33,8% 78.800 35,0% 82.800 35,6% 28,3%
Ausgaben für Leistungen von Fremd- 65.711 31,9% 64.400 30,2% 63.800 29,3% 64.800 28,8% 67.400 29,0% 2,6%
laboratorien
Material für Praxis und Labor 17.567 8,5% 18.200 8,5% 19.000 8,7% 19.200 8,5% 19.600 8,4% 11,6%
Miete, Raumkosten und anteilige 14.288 6,9% 14.300 6,7% 14.800 6,8% 15.100 6,7% 15.300 6,6% 7,1%
steuerlich absetzbare Hauskosten
Zinsen für Praxisdarlehen 3.414 1,7% 3.100 1,5% 2.700 1,2% 2.600 1,2% 2.200 0,9% -35,6%
Abschreibungen 11.417 5,5% 11.700 5,5% 11.900 5,5% 11.700 5,2% 12.600 5,4% 10,4%
übrige Betriebsausgaben 29.275 14,2% 31.300 14,8% 31.900 14,7% 33.100 14,6% 32.800 14,1% 12,0%
Einnahmen-Überschuss 109.641 34,2% 116.400 35,3% 124.400 36,4% 128.700 36,4% 130.600 35,9% 19,1%

Quelle: KZBV-Jahrbuch 2019

14 © 2020 DSV 304 741 272


Branchenreport Zahnärzte | 3 Branche in Zahlen

Abbildung 11:
Entwicklung des Privatanteils
Entwicklung
2015 2016 2017* 2018* 2019*
seit 2000
Alte Bundesländer
KZV-Anteil 47,40% 47,80% 47,72% 47,19% 47,12% -19,23%
Nicht-KZV-Anteil 52,60% 52,20% 52,28% 52,81% 52,88% 26,92%
Neue Bundesländer
KZV-Anteil 63,30% 63,50% 63,63% 63,05% 62,98% -16,85%
Nicht-KZV-Anteil 36,70% 36,50% 36,37% 36,95% 37,02% 52,61%
* Hochrechnungen REBMANN RESEARCH Infodienst
Quelle: KZBV Jahrbuch 2019

Große Unterschiede bei den Kostenstrukturda- xen“ ebenso enthalten ist wie größere Einheiten
ten zwischen West- und Ostdeutschland mit deutlichen Skaleneffekten. Die betrachteten
Die Kostenstruktur-Daten für Zahnarztpraxen der Zahnarztpraxen erzielten Umsatzrenditen, die im
KZBV beziehen sich noch auf das Jahr 2016. Dort Jahr 2018 von 16,8 bis 35,7% reichen. Der Zen-
wird für Westdeutschland ein Durchschnittsum- tralwert liegt bei 25,7% und somit doch einige
satz von 522,3 T€ je Praxisinhaber ausgewiesen Prozentpunkte unter den von der KZBV ermittelten
bei einem Einnahmen-Überschuss (vor Steuern) Werten (►Abbildung 16, S. 18).
von 167,1 T€. Die Werte für Ostdeutschland liegen
bei einem Umsatz von 363,3 T€ bei einem Einnah- Gesamtkapitalverzinsung deutlich verbessert
men-Überschuss von 130,6 T€ (►Abbildung 10, S. 14). In den von der Sparkassen-Finanzgruppe betrach-
teten Zahnarztpraxen hat sich die Umsatzren-
Privatanteil im Westen wesentlich höher tabilität (Zentralwert) im Jahr 2018 gegenüber
In der Betrachtung der Privatumsatzanteile zei- dem Vorjahr kaum verändert (+0,2%). Auch die
gen sich in Westdeutschland in 2019 im Vergleich Rohertragsquote blieb 2018 mit einem Zentral-
zu 2018 kaum Veränderungen (►Abbildung 11, S. 15). wert von 81,1% im Vergleich zum Vorjahr (80,5%)
So ist der Umsatzanteil, der nicht über die KZV recht konstant (+0,6%). Die Streubreite war hier
vereinnahmt wird, mit 52,9% im Vergleich zum mit Werten zwischen 74% und 87,6% recht ge-
Vorjahr nahezu unverändert. Seit dem Jahr 2000 ring. Die Personalaufwandsquote stieg im Ver-
ist allerdings der privatzahnärztliche Umsatzan- gleich zu 2017 nur marginal auf einen Zentralwert
teil in der westdeutschen Durchschnittspraxis um von 31,5% an. Hier lag die Streubreite im Bereich
fast 27% gestiegen, während der über die KZV von 23,8 bis 41,1%. Die Gesamtkapitalverzinsung
vereinnahmte Anteil um mehr als 19% gesun- (45,8%) hat sich hingegen in 2018 gegenüber
ken ist. Auch in Ostdeutschland ist der Privatan- dem Vorjahr deutlich um +4,1% verbessert.
teil in 2019 im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls
kaum verändert, liegt aber mit 37,0% deutlich un- Die Betrachtung der Entwicklungen der Aufwands-
ter dem Westniveau. Die Einnahmesituation ist im anteile und der Rentabilität in einem Fünfjahres-
Osten folglich wesentlich stärker von der GKV ge- zeitraum (►Abbildung 12, S. 16) zeigt vor allem
prägt als im Westen. den deutlichen Rückgang des Zinsaufwands. Die
Zahlen weichen aufgrund der unterschiedlichen
3.2 Branchenspezifische Kennzahlen der Grundgesamtheiten von denen der KZBV ab.
Sparkassen-Finanzgruppe
Die Kennzahlen des Branchendienstes der Spar- Aus der Betrachtung der Kennzahlen des Bran-
kassen-Finanzgruppe zur Gesamtbranche zeigen chendienstes der Sparkassen-Finanzgruppe erge-
vor allem die große Streubreite der Erfolgskenn- ben sich einige weitere Erkenntnisse über die Li-
zahlen. Dies dürfte primär daran liegen, dass in quidität und Finanzierungsstruktur der Zahnarzt-
den Gesamtzahlen das gesamte Spektrum von praxen. Die Angaben beziehen sich, sofern keine
sehr kleinen bzw. sogar „Halbtags- und Hobbypra- weiteren Anmerkungen vorhanden sind, auf den
Zentralwert.

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Verbesserte Finanzierungsstruktur Die Streubreite liegt bei diesem wichtigen Liqui-


Da die meisten Zahnarztpraxen freiberuflich be- ditätskriterium zwischen 9,2 und 48,2 Tagen. Im
trieben werden, ist die Eigenkapitalquote in den Vergleich zu 2004, als das Kundenziel noch bei 53
meisten Praxen auch im Jahr 2018 gleich null. Da Tagen lag, hat sich die Abrechnung der zahnmedi-
es jedoch einen (wachsenden) Anteil von Praxen zinischen Leistungen stark beschleunigt. Die De-
gibt, die in anderen Gesellschaftsformen betrie- bitorenlaufzeit wird in der Zahnarztpraxis, wie in
ben werden, reicht die Streubreite von -45,3 bis vielen anderen Gesundheitsbereichen, in erheb-
38,4%, bei einem Zentralwert von -7,4%. Der An- lichem Maß von öffentlich-rechtlichen Zahlungs-
teil der Bankverbindlichkeiten verbesserte sich trägern bestimmt. Das Problem sind vor allem die
deutlich und verringerte sich im Betrachtungszeit- privatzahnärztlichen Leistungen, die von Patien-
raum um 6,2% auf 61,5% im Zentralwert. Auch ten selbst aufgebracht werden müssen und die
hier zeigt sich mit Werten von 33,4 bis 85,2% eine Zahlungsziele ausnutzen oder in Zahlungsverzug
große Bandbreite (►Abbildung 13, S. 16). geraten. Aufgrund dessen könnten einige Zahn-
arztpraxen, vor allem wenn sie noch nicht etabliert
Die Debitorenlaufzeit hat sich im Jahr 2018 ge- sind, auch mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen
genüber dem Vorjahr erneut verbessert auf einen haben.
Zentralwert von 31,4 Tagen (►Abbildung 14, S. 17).

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Branchenreport Zahnärzte | 3 Branche in Zahlen

Die Kreditorenlaufzeit hat sich hingegen zum Vor- Liquidität verbessert sich weiter
jahr um 2,1 Tage auf 33,2 Tage etwas verlängert. Die kurzfristige Liquidität hat sich im Zentralwert
Bei nahezu unveränderter Lagerdauer (11 Tage) von 92,5% im Jahr 2017 auf 97,9% im Jahr 2017
ergibt sich für das Jahr 2018 eine leichte Verbes- erneut deutlich verbessert (+5,4%). Der Cashflow
serung der Working Capital Bindung in den deut- 1 lag 2018 bei 158,3% im Zentralwert (+12,2%)
schen Zahnarztpraxen um -2,1 auf 9,2 Tage. und der Cashflow 2 bei 53,8%. Der Cashflow 2 hat
sich im Vergleich zu 2017 um 8,6 Prozentpunkte
Vermögensstruktur leicht rückläufig verschlechtert.
Die Anlagendeckung ist im Jahr 2018 mit 57,5%
im Zentralwert um -2,9 Prozentpunkte gegenüber ROI leicht verbessert
dem Vorjahr deutlich rückläufig, bei einer großen Der Return on Investment (ROI) stieg im Jahr 2018
Streubreite zwischen 3,0 und 116,0% (►Abbildun- um 1,7 Prozentpunkte auf jetzt 42,4%. Die Streu-
gen 15, S. 17) und (►16, S. 18). Die Investitions- ung ist breit und reicht von 20,9 bis 88,8%. Die
quote bleibt mit 1,7% im Zentralwert unverändert hohe Streubreite zeigt, dass einige Praxen Opti-
bei einer Bandbreite zwischen 0,6 und 6,3%. mierungsbedarf haben, während andere sehr gut
aufgestellt sind.

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Abbildung 16:
Branchenkennzahlen: Gesamtbranche – Jahresvergleich Bilanzjahr 2018 im Vergleich zu 2017
Bilanzjahr 2017 Bilanzjahr 2018 [in % vom
[in % vom Honorarumsatz] Honorarumsatz] Abweich. im
Kennzahlen mittlere Streu- mittlere Streu- Zentralwert
Zentral- ungsbreite Zentral- ungsbreite 2018 zu 2017
wert wert
von bis von bis
A. Erfolgskennzahlen
Gesamtkapitalverzinsung 41,7 24,6 87,9 45,8 23,1 90,6 4,1
Umsatzrentabilität 25,5 15,7 35,1 25,7 16,8 35,7 0,2
Cashflow-Rate 29,3 19,9 39,1 28,8 20,1 39,0 -0,5
EBIT-Marge 27,0 16,7 37,4 26,6 17,7 37,0 -0,4
EBITDA-Marge 31,5 20,9 40,4 30,5 21,4 40,1 -1,0
Rohertragsquote 80,5 72,7 87,7 81,1 74,0 87,6 0,6
Personalaufwandsquote 31,0 23,4 38,9 31,5 23,8 41,1 0,5
Abschreibungsaufwandsquote 3,0 1,9 4,9 2,9 1,6 5,0 -0,1
Mietaufwandsquote 4,2 2,5 7,1 4,4 2,9 6,7 0,2
Zinsaufwandsquote 1,0 0,4 2,1 0,8 0,3 1,5 -0,2
B. Finanzierungs- und Liquiditätszahlen
Anlagendeckung 60,4 3,6 111,6 57,5 3,0 116,0 -2,9
Kurzfristige Liquidität 92,5 40,8 192,9 97,9 41,9 206,0 5,4
Dynamischer Verschuldungsgrad (Jahre) 1,4 0,7 3,0 1,1 0,5 2,5 -0,3
Debitorenlaufzeit (Tage) 31,8 9,7 45,8 31,4 9,2 48,2 -0,4
C. Bilanzstrukturkennzahlen
Eigenkapitalquote -10,4 -45,1 31,9 -7,4 -45,3 -38,4 3,0
Bankverbindlichkeiten 67,7 28,6 88,7 61,5 33,4 85,2 -6,2
Kurzfristige Verschuldung 33,3 17,4 55,6 31,4 15,0 61,3 -1,9
Anlagenintensität 31,6 11,0 54,3 30,6 10,9 51,7 -1,0
D. Sonstige Kennzahlen
Gesamtkapitalumschlag (-fach) 2,0 1,1 2,9 1,8 1,3 3,4 -0,2
Investitionsquote 1,7 0,4 7,0 1,7 0,6 6,3 0,6
Sachabschreibungsquote 18,2 12,7 26,9 20,0 13,9 31,7 1,8
Selbstfinanzierungsquote 804,3 290,7 2.626,7 1.291,7 341,7 2.589,3 487,4
E. DSGV Rating-Kennzahlen
Cashflow 1 146,1 61,0 311,6 158,3 75,9 341,9 12,2
Cashflow 2 62,4 26,9 150,7 53,8 23,8 147,2 -8,6
Dynamisches Betriebsergebnis 129,4 47,5 271,9 133,2 59,2 282,4 3,8
Return on Investment 40,7 20,8 86,6 42,4 20,9 88,8 1,7
F. Stichprobe/Anzahl 203 172 -31
Quelle: Branchenkennzahlen der Sparkassen Finanzgruppe WZ-Code 86.23.0, Stand: 6/2020

Der zu erwartende deutliche Rückgang der Ge- dingten Anstieg der Zahl der Senioren, weiter stei-
samtwirtschaft dürfte sich auf den zahnmedizini- gen.
schen Markt nicht so stark auswirken wie auf die
Gesamtwirtschaft, auch wenn davon auszugehen 1 Stiftung Gesundheit, Sondererhebung Medizinklimain-
ist, dass sich die kurz- bis mittelfristig sinkende dex, Mai 2020.
2 solvi (16.6.2020), News Entwicklung SLIC KW 19 – 23.
Kaufkraft der Bevölkerung auf die Inanspruchnah- 3 Exevia, Dentalmarkt Monitor Deutschland.
me von Privatleistungen auswirken wird. Langfris- 4 aerzteblatt.de (10.6.2020), „Arbeitslosigkeit und Kurzar-
beit“.
tig ist aufgrund verschiedener Faktoren, wie zahn- 5 Pressemitteilung Nr. 164 des Statistischen Bundesam-
tes vom 12.5.2020.
technischer Fortschritt und höhere Ansprüche an 6 DESTATIS, Statistik 23611 Gesundheitsausgaben (nach
die Zahngesundheit der Bevölkerung, mit einem Einrichtungen).
7 BZÄK, Statistisches Jahrbuch 18/19.
weiteren Wachstum der Branche zu rechnen. Die 8 Ebd.
Nachfrage nach zahnmedizinischen Leistungen 9 Statistisches Jahrbuch 2018/2019 der Bundeszahnärz-
tekammer.
dürfte, insbesondere durch den demografisch be- 10 KZBV, Jahrbuch 2019.
11 Bundesärztekammer, Ärztestatistik 2019.

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12 Bundeszahnärztekammer (2019), Statistisches Jahrbuch


18/19.
13 KZBV, Jahresbuch 2019, S. 128.
14 Statistisches Bundesamt, Gesundheitspersonalrech-
nung 2018.
15 KZBV, Jahrbuch 2017/Lohnerhebung der Berufsgenos-
senschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
(bgw), S. 118.
16 BZÄK, Statistisches Jahrbuch 18/19.
17 Sparkassen-Finanzgruppe (2019), Branchenprognose
WZ 86.23.
18 KZBV, Jahrbuch 2018, S. 123 ff.
19 Creditreform Branchencheck, Branchenanalyse Zahnärz-
te 2017 – 2019 nach Umsatzklassen.

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Branchenreport Zahnärzte | 4 Branchenwettbewerb

4 Branchenwettbewerb
► Spezialisierung im Leistungsspektrum als eine kampf in diesem Behandlungssegment auf, erzie-
wirksame Methode, sich zu differenzieren. len gegenüber den nicht spezialisierten Praxen
► Große Gehaltsunterschiede bei angestellten Kostenvorteile je Behandlung und optimieren Be-
Zahnärzten. handlungsprozesse und Werkstoffeinsatz. Zudem
► Equipment und Networking entscheidend für können sie über entsprechende Abnahmemengen
wirtschaftlichen Erfolg. Einfluss auf den Preis der Lieferanten nehmen.
► Hohe Investitionsvolumen und Vorgaben er-
schweren den Markteintritt. Der Wettbewerb über eine Spezialisierung auf
► Anzahl zahnärztlicher MVZ weiterwachsend. zahnärztliche Leistungsschwerpunkte hat bereits
eingesetzt. So gibt es neben den implantologi-
4.1 Wettbewerbssituation schen Spezialisten eine wachsende Anzahl von an-
derweitig spezialisierten Praxen, die von den Zu-
Spezialisierung im Leistungsspektrum als eine
weisungen anderer Zahnärzte für ihre besonderen
wirksame Methode, sich zu differenzieren
Behandlungen leben, z.B. in der Endodontie, der
Eine wirksame Methode, um sich vor allem in
Parodontologie oder der CMD-Funktionsanalyse.
Regionen mit besonders hoher Zahnarztdichte
von den Kollegen abzuheben, bietet sich aus den
zahnärztlichen Schwerpunkten bzw. auch Tätig- Angestellte Zahnärzte als Wettbewerbsfaktor
keitsgebieten heraus. Oft sind dafür Investitionen Seit Februar 2019 kann ein Vertragszahnarzt ge-
(Aus- und Weiterbildung, Materialien, Geräte, Wer- mäß dem neuen einheitlichen Bundesmantelver-
bung) notwendig, die mit entsprechenden Fall- trag Zahnärzte drei, in Ausnahmefällen bis zu vier
zahlen und Honoraren korrespondieren müssen, vollzeitbeschäftigte Zahnärzte anstellen, bei Teil-
um wirtschaftlichen Erfolg sicherzustellen. Ein we- zeitbeschäftigung entsprechend mehr. Diese kön-
sentliches Thema ist diesbezüglich die Nutzung nen auch in Zweigpraxen und Berufsausübungs-
von Skaleneffekten: Jede Verdoppelung der Aus- gemeinschaften beschäftigt werden. Eine Sonder-
bringungsmenge reduziert die jeweiligen Stück- stellung haben MVZ – sie können ohne Beschrän-
kosten um 20 bis 30%, so das zugrunde liegende kung Zahnärzte anstellen. Auch niedergelassene
ökonomische Gesetz. Zahnärzte selbst dürfen neben der eigenen Pra-
xis – in einem zeitlichen Rahmen von bis zu 13
Diese „Economies of Scale“ lassen sich am Bei- Stunden pro Woche – eine Angestelltentätigkeit
spiel der Implantologie sehr gut nachvollziehen, ausüben. Angestellte Zahnärzte müssen die Vor-
wo Neueinsteiger mit 20 T€ und mehr für Startin- bereitungszeit absolviert haben. Vorbereitungs-,
vestitionen zu rechnen haben. Am Markt gibt es Weiterbildungs- oder Entlastungsassistenten gel-
nunmehr „Liebhaber“, die weniger als zehn Im- ten nicht als angestellte Zahnärzte im Sinne der
plantate in einem Quartal setzen. Unter Berück- Zulassungsverordnung. Entscheidend für die be-
sichtigung der hohen Anfangsinvestitionen wird triebswirtschaftliche Kalkulation der angestellten
es der Bereich Implantologie hier schwer haben, Zahnärzte sind neben den erzielbaren Zusatzho-
einen positiven Beitrag zum Gesamtergebnis zu noraren vor allem die Gehälter. Für die Berufsgrup-
leisten. Deutlich günstiger sieht es in „Spezialis- pe der in Einzelpraxen, Berufsausübungsgemein-
ten-Praxen“ aus, in denen die Implantologie einen schaften oder Medizinischen Versorgungszentren
echten Leistungsschwerpunkt darstellt (20 bis 50 (MVZ) angestellten Zahnärzte gibt es keine tarifli-
Implantate pro Quartal). Hier ist der Ergebnisbei- chen Regelungen. Die Vergütung wird folglich ein-
trag in der Regel positiv. Noch besser sieht die Er- zelvertraglich geregelt.
gebnissituation in hoch spezialisierten „Profi-Pra-
xen“ aus, die mehr als 50 Implantate im Quartal Laut Gehalt.de erhalten Zahnärzte mit weniger
setzen (häufig Oralchirurgen oder Zahnärzte, die als drei Jahren Berufserfahrung ein durchschnitt-
einen „Master of Implantology“ oder vergleichba- liches Bruttogehalt von rund 57.400 €. Mit der
re Ausbildungen nachweisen können). Diese Pra- Berufserfahrung steigen auch die Gehälter – bei
xen nehmen als Erste den zu erwartenden Preis- Zahnärzten mit mehr als neun Jahren Berufser-

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fahrung auf durchschnittlich rund 86.600 € brut- „reines Fixgehalt“, geringere Grundvergütung mi-
to im Jahr. Die höchsten durchschnittlichen Brut- nimiert.
togehälter erzielen Zahnärzte in den Bundes-
ländern Hessen (91.300 €), Baden-Württemberg Bei der Vertragsgestaltung ist für beide Seiten
(89.100 €) und Hamburg (87.100 €). Deutlich nied- Vorsicht geboten. Für den angestellten Zahnarzt
riger fallen die Gehälter in den neuen Bundeslän- liegen die Risiken vor allem darin, dass er Art und
dern aus – am niedrigsten in Mecklenburg-Vor- Zahl der Behandlungsfälle (mit denen er seinen
pommern mit rund 62.500 €. Eine weitere aktuelle Honorarumsatz erzielt) nur wenig beeinflussen
Erhebung20 zur Vergütung von in ambulanten Pra- kann, da ihm diese in der Regel zugewiesen wer-
xen angestellten Zahnärzten vermittelt ein ähnli- den. Zudem ist durchaus bedeutsam, ob die Um-
ches Bild: Wird ein reines monatliches Fixgehalt satzbeteiligung monatlich geprüft wird, quartals-
vereinbart, liegt dessen Höhe für Berufseinstei- weise oder jährlich. Wird die Umsatzbeteiligung
ger üblicherweise bei rund 4.500 € brutto bei ei- monatlich geprüft, wird es bei einem vierwöchi-
ner vereinbarten Wochenarbeitszeit von 40 Stun- gen Sommerurlaub für den Arbeitnehmer vorder-
den. Das Durchschnittsgehalt (ohne Umsatzbetei- gründig nicht ganz einfach. In diesem Fall würde
ligung) von Zahnärzten liegt in Großstädten mit die Beteiligungsvariante für den Arbeitnehmer
60.000 € etwas höher als in Mittelstädten (Durch- für den Urlaubsmonat scheinbar nur Grundge-
schnittsgehalt: 55.000 €). Mit steigender Berufs- halt bedeuten. Allerdings ist vielen Arbeitgebern
erfahrung steigt auch das Gehalt – nach 10 bis 20 nicht bewusst, dass eine solche Regelung recht-
Jahren üblicherweise auf 65.000 bis 85.000 € (oh- lich problematisch ist. Denn auch eine Umsatzbe-
ne Umsatzbeteiligung). Fachzahnärzte, wie Kie- teiligung hat Entgeltcharakter und wirkt sich folg-
ferorthopäden, Oralchirurgen oder Parodontolo- lich auf die Höhe des Anspruchs auf Urlaubsgeld
gen, erreichen sogar Jahresgehälter von bis zu und ebenfalls auf die Höhe der Entgeltfortzahlung
115.000 €. im Krankheitsfall aus. Schließlich bemisst sich das
Urlaubsgeld nach § 11 Bundesurlaubsgesetz nach
Deutlich häufiger als Festgehälter sind Regelun- dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst der ver-
gen mit einem relativ niedrigen Grundgehalt plus gangenen 13 Wochen. Auch im Krankheitsfall ist
Beteiligung bzw. ein Gehalt, das ausschließlich der Arbeitgeber nach § 4 Entgeltfortzahlungsge-
auf einer prozentualen Beteiligung am vom an- setz dazu verpflichtet, die Zeit der Arbeitsunfä-
gestellten Zahnarzt erwirtschafteten Honorarum- higkeit bis zu einer Dauer von sechs Wochen wei-
satz basiert. Erfolgt eine Umsatzbeteiligung, liegt ter zu vergüten. Im Falle einer Schwangerschaft
das Grundgehalt von Berufseinsteigern bei rund bemisst sich das weiter zu zahlende Gehalt am
3.500 €. Bei inhaberorientierten Praxen sind Be- Durchschnitt der vergangenen drei Monate. Wer-
teiligungsprozentsätze zwischen 25 und 30% üb- den diese rechtlichen Rahmenbedingungen vom
lich. In größeren Praxen lassen sich pro angestell- Arbeitgeber bei der Kalkulation des angestellten
tem Zahnarzt höhere Honorarvolumen erzielen – Zahnarztes nicht berücksichtigt, können sich hohe
entsprechend sind die Beteiligungsprozentsätze Umsatzbeteiligungen stark auf die Wirtschaftlich-
niedriger (zwischen 20 und 24%). Trotz der nied- keit der Praxen auswirken.21 22
rigeren Prozentsätze ergeben sich hier tenden-
ziell höhere Gehälter. Das Grundgehalt ist dabei Nicht zu verwechseln mit einer Umsatzbeteiligung
als Basisgehalt anzusehen, der Beteiligungsan- ist die umsatzorientierte Gehaltsermittlung, die
teil schließt das Grundgehalt in der Regel mit ein. für den Arbeitgeber ein Hilfsmittel zur Berech-
Rund drei Viertel der in der ambulanten Versor- nung des möglichen Gehalts für einen angestell-
gung angestellten Zahnmediziner erhalten die ten Zahnarzt darstellt. Einige Ratgeber empfehlen,
Vergütungsvariante Fixum plus Beteiligung. Die- dass die Personalkosten über das Gesamtjahr bei
ses Vergütungsmodell scheint für beide Vertrags- rund 30% der vom Angestellten erwirtschafteten
partner vorteilhaft: Durch das Grundgehalt ist der Honorareinnahmen liegen sollten. Andere emp-
angestellte Zahnarzt finanziell abgesichert, die fehlen, das Gehalt für einen angestellten Zahnarzt
Umsatzbeteiligung belohnt Engagement und ef- bzw. Assistenten am mit ihm zu erwirtschaftenden
fiziente Arbeit. Auch das finanzielle Risiko des Ar- Umsatz zu orientieren, abzüglich der Kosten (La-
beitgebers ist durch die, gegenüber der Variante bor, Praxiskosten) sowie einer Risikoprämie.

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Gehälter in der Assistenzzeit Einzelpraxen, für die ein Eigenlabor mangels Aus-
Nach Abschluss des Studiums (Approbation) ist ei- lastung wirtschaftlich nicht attraktiv ist, können
ne zweijährige Tätigkeit als „Vorbereitungsassis- zumindest für keramische Arbeiten ein CEREC-Ge-
tent“ vorgesehen, die dann zur kassenzahnärztli- rät (eine CAD/CAM-Fräse) nutzen oder auch einen
chen Zulassung berechtigt. Für Zahnmediziner, die 3D-Drucker, deren Preis-Leistungs-Verhältnis sich
ihre Assistenzzeit als Assistenzzahnarzt an einer in den letzten Jahren stetig stark verbessert hat
Klinik oder im Ausland absolvieren und die Kas- und die eine immer größere Vielfalt an Materialien
senzahnärztliche Zulassung anstreben, schließt verarbeiten können. Auch im kieferorthopädischen
sich aus diesem Grund immer noch eine verkürz- Bereich werden diese verstärkt auch zur Herstel-
te Vorbereitungszeit bei einem Vertragszahnarzt lung von Alignern genutzt. Diese Geräte ermögli-
an. Diese ist abhängig von der zuständigen Kas- chen es, Zahnersatz direkt in der Zahnarztpraxis
senzahnärztlichen Vereinigung (KZV), in deren Be- zu produzieren. Mittels eines-3D-Röntgengerätes
reich man die Zulassung beantragen möchte. oder intraoralen Scanners gewonnene digitale Ge-
bissdaten liefern die Datenbasis für die CAD/CAM-
In Regionen, in denen sich viele Zahnärzte um ei- Produktion des zahntechnischen Produkts. Die In-
ne Assistenzstelle bewerben, ist der Verdienst vestition ist vorab gegen die wahrscheinliche Nut-
deutlich geringer als in Regionen mit wenigen Be- zungshäufigkeit des Gerätes und die resultieren-
werbern. Im deutschlandweiten Durchschnitt ver- den Umsätze abzuwägen. Größere Praxisstruktu-
dient ein Assistenzzahnarzt monatlich 2.500 € ren können die kostenintensiven Geräte besser
(Süd-Nord- bzw. West-Ost-Gefälle), teilweise wird auslasten, aber auch für kleinere Praxen kann ein
zusätzlich ein 13. Monatsgehalt gezahlt. Meist Einsatz aufgrund der sinkenden Kosten der Geräte
steigt das Gehalt während dieser Zeit um 250 € bei häufiger Nutzung sinnvoll sein.
pro Halbjahr.
Stetig steigende Investitionsvolumen – vor al-
Equipment und Networking entlang der Wert- lem in medizintechnische Geräte
schöpfungskette In 2018 entschieden sich 1.214 Zahnärzte für eine
Die Anschaffung innovativer Medizintechnik run- Niederlassung in eigener Praxis (Vorjahr: 1.227).
det oft den qualitativen Eindruck einer Zahnarzt- 37% der Gründungen erfolgten im großstädti-
praxis beim Patienten ab. Sauberkeit und Hygie- schen Bereich, nur 33% in ländlichen Gebieten,
ne sind ohnehin in fast jeder Zahnarztpraxis mitt- wo jedoch rund 40% der Bevölkerung wohnt.
lerweile auf sehr hohem Niveau. Unter der Wert-
schöpfungskette versteht man ursprünglich al- Eine wesentliche Markteintrittsbarriere stellen
le (Teil-)Prozesse (Tätigkeiten) in einer Praxis, die die vergleichsweise hohen Investitionsvolumen
zur Schaffung eines Mehrwertes beitragen. Dabei bei zahnärztlichen Existenzgründungen, insbe-
kommen viele Nebenbedürfnisse zum Tragen, die sondere bei Neugründungen dar. Das erforderli-
etwa der Zahnarzt in Abstimmung mit dem Zahn- che Investitionsvolumen bei der Neugründung ei-
techniker oder gegebenenfalls auch in der Pro- ner Praxis ist bei den Zahnärzten, verglichen mit
zessoptimierung mit anderen Heilberufen zu be- den anderen Facharztgruppen, eines der höchs-
denken hat. Dazu gehören geringe Wartezeiten, ten – ganz im Gegensatz zum Einkommen, das im
Zuverlässigkeit, Flexibilität, umfassender Service, Vergleich mit den anderen Facharztgruppen un-
exzellente (gefühlte) Qualität usw. Eine wichtige terdurchschnittlich ist. Die Übernahme einer Ein-
Erweiterung der Wertschöpfung in Zahnarztpra- zelpraxis war dabei im Jahr 2018, wie schon im
xen kann die Schaffung eines eigenen Labors sein. Vorjahr, mit 66% die häufigste Form der Existenz-
Da sich die Aufteilung der Zahnersatzgesamtkos- gründung. Zwar haben die regulatorischen Eingrif-
ten zwischen Laborleistungen (inkl. Material) und fe der letzten Jahre neue Möglichkeiten der Grün-
zahnärztlichem Honorar immer mehr zugunsten dung und neue Praxisformen hervorgebracht, den-
der Labore verschoben hat, wird es für den Zahn- noch haben diese nicht zu einem Rückgang der
arzt immer wichtiger, hierauf sein Augenmerk zu Einzelpraxen geführt. Insbesondere die (jüngst
richten. Allerdings setzt der Betrieb eines Praxisla- erweiterte) Möglichkeit der Beschäftigung ange-
bors Größe voraus. Ein Zahnarzt allein kann in der stellter Zahnärzte lässt die Grenzen zur BAG ver-
Regel keinen Vollzeit-Techniker auslasten. Kleinere

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schwimmen und sorgt für eine anhaltende Attrak- Übernahme sind 2018 zum Vorjahr erneut deut-
tivität dieser Gründungsform. lich (um rund 7,4% auf 394 T€) gestiegen. Im re-
gionalen Vergleich betrug das Finanzierungsvolu-
Zwar war auch in 2018 die Einzelpraxisneugrün- men bei einer Praxisübernahme in den alten Bun-
dung die am seltensten gewählte Niederlassungs- desländern im Jahr 2018 durchschnittlich 415 T€
form, allerdings wurden deutlich mehr Einzelpra- (Vorjahr: 385 T€) und liegt damit rund 38% über
xen neu gegründet (11%) als im Vorjahr (7%). Der den Kosten in den neuen Bundesländern (►Abbil-
Anteil der Berufsausübungsgemeinschaften an dung 17, S. 23). Signifikante Unterschiede erge-
den Existenzgründungen ist mit 23% (Vorjahr: ben sich auch in Bezug auf die Praxislage, für die
27%) weiter rückläufig. sich die Gründer entschieden haben. Zwar wurden
in 2018 in Mittelstädten die höchsten Praxisüber-
Im Jahr 2018 betrug das Finanzierungsvolumen nahmepreise bezahlt, dennoch erforderten Grün-
für eine Neugründung in der bundesweiten Be- dungen in ländlichen Gebieten signifikant höhe-
trachtung durchschnittlich 598 T€ – ein deutlicher re Gesamtinvestitionssummen als Gründungen in
Anstieg gegenüber dem Vorjahreswert von 504 T Städten (Neugründung einer Einzelpraxis: 633 T€,
€. Davon entfiel mit 321 T€ (Vorjahr: 280 T€) der Übernahme: 401 T€). Zurückzuführen ist dies auf
größte Kostenanteil (54%) auf die Einrichtung und die deutlich höheren Ausgaben für Praxisausstat-
die Ausstattung mit medizintechnischem Gerät tung, vor allem für medizintechnische Geräte.
und EDV, 95 T€ (16%) auf Modernisierung/Umbau,
106 T€ (18%) auf sonstige Investitionen (in dieser Die Gründung einer fachzahnärztlichen Praxis er-
Kategorie finden sich auch Kosten für die Einrich- fordert ein deutlich höheres Finanzierungsvolu-
tung eines Praxislabors) und 76 T€ (13%) auf den men als die Gründung einer allgemeinzahnärztli-
Betriebsmittelkredit. chen Praxis. Kieferorthopädische Fachpraxen er-
fordern durchschnittlich um 35% höhere Investi-
Bei Neugründung einer allgemeinzahnärztlichen tionen, für oralchirurgische und MKG-Fachpraxen
Einzelpraxis liegt, obwohl hier kein Goodwill ent- liegen diese sogar um 56% höher als bei allge-
richtet werden muss, das Finanzierungsvolumen meinzahnärztlichen Praxen.
durchschnittlich rund 52% höher als bei einer Pra-
xisübernahme. Der Grund ist vor allem das hohe Die Gründungsanalyse zeigt auch: Frauen gründen
(und in den letzten Jahren stetig gestiegene) In- anders als Männer. Die Finanzierungsvolumina lie-
vestitionsvolumen in neue medizintechnische Ge- gen bei Gründerinnen deutlich unter den Investi-
räte. Auch der benötigte Betriebsmittelkredit ist tionssummen der Männer. Die Investitionssumme
deutlich höher, weil zunächst einmal die Anlauf- bei einer Einzelpraxisneugründung liegt bei Zahn-
phase finanziert werden muss (Aufbau eines Pa- ärzten mit 711 T€ im Durchschnitt 39% höher als
tientenstamms). Die wesentlich häufiger gewähl- bei Zahnärztinnen (513 T€), bei einer Einzelpra-
te Form der Niederlassung ist daher die Übernah- xisübernahme um 18% (Männer: 434 T€, Frauen:
me einer bestehenden Praxis. Die Kosten für eine 356 T€).23
Abbildung 17:
Entwicklung der Finanzierungsvolumina zahnärztlicher Einzelpraxen bei Übernahmen (alte Bundesländer)
- in Tsd. € -
Substanzwert/ Bau- und Betriebsmittel- Finanzierungs-
Jahr Goodwill
Neuinvestitionen Umbaukosten kredit volumen
2014 141 115 18 60 334
2015 137 132 18 55 342
2016 150 125 22 60 357
2017 171 136 18 60 385
2018 194 138 26 57 415
5-Jahres-Entwicklung 37,59% 20,00% 44,44% -5,00% 24,25%
Quelle: IDZ/apoBank – Investmonitor Zahnarztpraxis 2019

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Branchenreport Zahnärzte | 4 Branchenwettbewerb

Zahnärztliche MVZ (zMVZ) weiter im Aufwind xislabor könnte durch den vermehrten Einsatz von
Auch in der Zahnmedizin ist – wie bei den Ärzten 3D-Druckern zur additiven Fertigung von Schie-
– in der Langfristbetrachtung ein Trend zu koope- nen, individuellen Bohrschablonen etc. in Zukunft
rativen Praxisformen zu beobachten, allerdings wieder steigen.
bei Weitem nicht so stark ausgeprägt wie in vie-
len fachärztlichen Disziplinen. Immer noch werden 4.2 Bedeutende Unternehmen
rund 82,5% aller Zahnarztpraxen als Einzelpraxen Bei Creditreform werden in einer Umsatzklasse mit
geführt. Und auch innerhalb der Gemeinschafts- mehr als 5 Mio. € gerade noch 13 Unternehmen
praxen dominieren die kleineren Praxisstrukturen genannt. In der Umsatzklasse zwischen 1 Mio. und
mit zwei Inhabern (87,7% der Praxen). Die nach 5 Mio. € Umsatz sind es hingegen 597 Zahnarzt-
wie vor große Beliebtheit der Einzelpraxen steht praxen.
auch in Zusammenhang mit der jüngst erweiterten
Beschäftigungsmöglichkeit angestellter Zahnärz- Auch der Blick in die Rechtsform ermöglicht eine
te. Aussage zu den bedeutenden Unternehmen. Im-
merhin gibt es in dieser Statistik mittlerweile 173
Nachdem seit Inkrafttreten des Versorgungsstär- Praxen, die als GmbH, 16, die als GmbH & Co. KG
kungsgesetzes im Juni 2015 auch fachgleiche
geführt werden, eine Praxis sogar als AG.26
(Zahn-)Ärzte ein MVZ gründen können, ist deren
Anzahl inzwischen bereits signifikant gestiegen:
20 Apobank (2019).
Während es Ende 2014 erst 25 an der vertrags- 21 Anwalt.de (3.7.2017), Umsatzbeteiligung für angestellte
medizinischen Versorgung teilnehmende MVZ mit Ärzte.
22 Praxisgruendungen.de, Gehalt als angestellter Zahnarzt
insgesamt 155 angestellten Zahnärzten gab, ist (Abruf: 19.6.2020).
deren Anzahl bis Mitte 2019 auf 831 zMVZ (Vor- 23 IDZ, InvestMonitor Zahnarztpraxis (Daten für 2018).
24 KZBV-Jahrbuch 2019, S. 156 ff.
jahr: 555) mit insgesamt 2.587 angestellten Zahn- 25 KZBV, Jahrbuch 2019.
26 Creditreform Branchencheck 86230, Analysezeitraum
ärzten rasant angestiegen. Bis Ende 2019 stieg 2017 – 2019.
die Zahl der zMVZ laut KZBV weiter auf rund 950.
Die zahnärztlichen MVZ befinden sich fast alle in
den alten Bundesländern (94%).24 Der Vorteil ei-
ner Gründung eines zahnärztlichen MVZ anstatt
einer Gemeinschaftspraxis liegt darin, dass die
Anzahl der Vollzeitstellen für angestellte Zahnärz-
te und auch die Zahl der Zweigpraxen nicht be-
grenzt sind. Ein zMVZ kann in verschiedensten Ge-
sellschaftsformen gegründet werden, sogar als
GmbH oder als AG. Voraussetzung für die Grün-
dung ist die Beschäftigung von mindestens zwei
Zahnärzten. Diese können Inhaber oder ange-
stellt sein. Der gründende Vertragszahnarzt bzw.
die gründenden Vertragszahnärzte müssen dabei
selbst nicht im MVZ praktizieren, was ihnen die
Möglichkeit eröffnet, mehrere MVZ zu gründen.

Mehr als die Hälfte der Praxen mit Eigenlabor


Der Anteil der Praxen mit Eigenlabor betrug
deutschlandweit in 2017, wie bereits im Vorjahr,
53,6%. Beim überwiegenden Teil der Praxislabore
(35%) handelt es sich um Kleinlabore ohne Zahn-
techniker. In den alten Bundesländern betreiben
mit 59,3% deutlich mehr Zahnarztpraxen ein eige-
nes Praxislabor als in den neuen Bundesländern
(37,8%).25 Der Anteil an Praxen mit eigenem Pra-

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Branchenreport Zahnärzte | 5 Rahmenbedingungen

5 Rahmenbedingungen
► Zahnreport zeigt unerwartet hohe Kariespräva- ► Des Weiteren wurde ein Zusammenhang zwi-
lenz bei Kindern. schen der Kariesprävalenz Minderjähriger und
► Inanspruchnahme gesunken. dem sozioökonomischen Status der Eltern
► Rekord bei Zahnzusatzversicherungsverträgen. festgestellt. Je niedriger dieser ist, desto hö-
► Neue Approbationsordnung wird erst ein Jahr here Kosten entstehen für Kariesbehandlun-
später angewendet. gen. Im Vergleich zu 2010 stiegen die Thera-
► Jedes fünfte MVZ von Investoren betrieben. piekosten 2018 von 78,7 auf 85,1% an.
► Corona-Pandemie: diverse Hilfen, allerdings
kein Schutzschirm wie für Ärzte. Weitere Ergebnisse des Zahnreports 2020:

Zahnreport zeigt Zahngesundheit von Kindern ► Die Anzahl der Versicherten, die im Jahr 2018
auf einen Zahnarzt aufsuchten, sank von 71,5% im
Schwerpunktthema des Zahnreports 2020 war die Vorjahr auf 70,8%. Bei den Männern ist der An-
Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen:27 teil deutlich geringer (66,8%) als bei Frauen
(74,8%).
► Im Jahr 2018 fand bei 33% der 12-Jährigen ► Im Durchschnitt wurden je gesetzlich Versi-
bzw. 240.000 Kindern eine Kariesbehandlung chertem 193,63 € für die zahnärztliche Ver-
statt. sorgung ausgegeben. Für Frauen entstanden
► Auch der Anteil an Kindern, die in den letzten mit 203,13 € deutlich höhere Kosten als für
sechs Jahren nicht beim Zahnarzt waren, ist Männer (183,88 €). In Ostdeutschland sind die
hoch. Bei den unter 6-Jährigen beträgt der An- GKV-Ausgaben je Versicherten etwas höher als
teil über 15% bzw. rund 720.000 Kinder. in Westdeutschland.
► Die Kariesprävalenz bei der Altersgruppe der ► Den größten Ausgabenblock (61,7%) stell-
Zehnjährigen liegt mit 54% bzw. 400.000 Kari- ten die konservierenden, chirurgischen und
esbehandlungen bereits am Milchgebiss uner- Röntgenleistungen (inklusive Prophylaxe) dar
wartet hoch. (Inanspruchnahme: 70%). Füllungen sind die
► Bei der Zahngesundheit von Kindern sind im konservierenden Bereich am häufigsten in
deutliche regionale Unterschiede feststellbar: Anspruch genommenen Leistungen (26,5%
Der Anteil der 12-Jährigen mit bleibendem Ge- der Versicherten, Vorjahr 27,3%). Zahnextrak-
biss, die eine Kariesbehandlung benötigen, tionen sind ebenfalls rückläufig (von 9,5%
ist im Saarland mit 30,7% am geringsten, ge- in 2010 auf 8,3% in 2020). Bei den Röntgen-
folgt von Bremen (31,1%) und Rheinland-Pfalz panoramaschichtaufnahmen steigt die Inan-
(31,9%). Der im Ländervergleich höchste An- spruchnahme seit 2010 kontinuierlich auf
teil 12-Jähriger mit behandlungsbedürftiger 9,6% in 2018.
Karies entfällt auf Hamburg mit 39,1%. ► Jeder vierte Versicherte nimmt diagnostische
► Die Haltbarkeit von Fissurenversiegelungen parodontale Leistungen in Anspruch. Thera-
als Prävention vor Karies ist geringer als zu- peutische Parodontalbehandlungen (Inan-
nächst gedacht. Demnach hielt bei 35,5% der spruchnahme: 1,8%) kosten durchschnittlich
Heranwachsenden die Erstversiegelung län- 462,66 € je Patient.
ger als neun Jahre. Eine Kariesbehandlung war ► Die Früherkennungsuntersuchungen bei Kin-
bei dieser Risikogruppe jedoch nur in 15,7% dern im Alter von 2,5 bis 6 Jahren werden ak-
der Fälle notwendig. Bei über 80% konnte ei- tuell nur von 35,2% dieser Patientengruppe
ne Füllung zur Kariesbehandlung, mindestens in Anspruch genommen, die Individualprophy-
neun Jahre lang durch eine Fissurenversiege- laxeleistungen für Kinder zwischen 6 und 18
lung verhindert werden. Jahren nehmen hingegen mehr als zwei Drittel
► Die Prävalenz von MIH (auch „Kreidezähne“) ist der Kinder in Anspruch.
in den neuen Bundesländern deutlich höher ► Kieferorthopädische Leistungen, die nur bei ei-
als in den alten Bundesländern. ner Beantragung bis zum vollendeten 18. Le-

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Branchenreport Zahnärzte | 5 Rahmenbedingungen

bensjahr von den Gesetzlichen Kassen über- Mit einem Zuwachs von +2,17% zum Vorjahr sind
nommen werden, nehmen 17,92% der un- Zahntarife auch in 2018 weiter deutlich gewach-
ter 20-jährigen Versicherten in Anspruch. Die sen. In 2018 wurden rund 340.200 neue Zahnzu-
durchschnittlichen GKV-Ausgaben je Behand- satzversicherungen abgeschlossen. Bei den ande-
lungsfall betragen 269,49 €. Die Ausgaben für ren ambulanten Zusatzversicherungstarifen hin-
kieferorthopädische Behandlungen sind zwi- gegen ergibt sich für 2018 ein leicht negativer
schen 2013 und 2018 um mehr als 10% ge- Trend. Mit ca. 7,9 Mio. Verträgen 2018 insgesamt
stiegen. Im regionalen Vergleich liegen bei der ist die Gesamtzahl der ambulanten Zusatzversi-
Inanspruchnahme für alle fünf Versorgungsbe- cherungen im Vergleich zum Vorjahr (8,02 Mio.)
reiche nach BEMA (Bewertungsmaßstab zahn- leicht rückläufig (-0,97%). Die Zahl der Zusatzver-
ärztlicher Leistungen) die Werte für die neuen sicherungen für Kinder ist im Bereich der Zahn-
Bundesländer (Ø 75,3%) deutlich über denen tarife seit Jahren allerdings deutlich rückläufig
der alten Bundesländer (Ø 69,9%). Spitzen- (-3,49% gegenüber dem Vorjahr). Diese werden
reiter ist Thüringen (76,2%), Schlusslicht das insbesondere zur Abdeckung der kieferorthopädi-
Saarland (65%). Die durchschnittlichen GKV- schen Leistungen abgeschlossen.29
Ausgaben je Versicherten sind am höchsten in
Bayern (208,91 €) und am niedrigsten im Saar- Eine Umfrage von Finanzen.de ergab: Zahnzusatz-
land (174,88 €). versicherungen werden zumeist erst dann abge-
► Betrachtet man einzelne Versorgungsbereiche, schlossen, wenn ein behandlungsbedürftiges Pro-
so sind die Ausgaben für Zahnersatz (Neuein- blem auftritt. Im Schnitt sind die Versicherten bei
gliederungen) je behandelten Versicherten am Vertragsabschluss 55 Jahre alt. Bei einem Ver-
höchsten in Bayern, Baden-Württemberg und gleich von Zahnzusatzversicherungen wurden 88
Nordrhein-Westfalen, für konservierend-chir- von 249 Tarifen mit „sehr gut“ bewertet.30
urgische Leistungen am höchsten in Bayern
bzw. am niedrigsten in Brandenburg. Bei den Ausbildungszahlen ZFA sinken
kieferorthopädischen Ausgaben liegt Bayern Durch den demografischen Wandel und dem da-
an der Spitze, gefolgt vom Rheinland-Pfalz, mit verbundenen wachsenden Anteil älter werden-
Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt. Bayern ist der Menschen steigen perspektivisch der zahnme-
ebenfalls Spitzenreiter bei der Inanspruchnah- dizinische Behandlungsbedarf und folglich auch
me der Früherkennungsuntersuchungen für der Bedarf an Praxispersonal. Bundesweit wur-
Kleinkinder, Schlusslicht ist hier Sachsen. den im Ausbildungsjahr 2019/2020 13.793 Ausbil-
dungsverträge zum/zur zahnmedizinischen Fach-
Zahnzusatzversicherungen weiterwachsend angestellten abgeschlossen – 2,1% weniger als im
Private Haushalte sind bei der zahnmedizinischen Vorjahr.31 Es ist zudem zu befürchten, dass Betrie-
Versorgung nach der GKV der wichtigste Kosten- be, die stark von der Corona-Krise betroffen sind,
träger. Der gemeinsame Anteil von Zahlungen Pri- zeitweilig auf die Einstellung neuer Auszubilden-
vater Krankenversicherungen und privater Haus- der verzichten bzw. Auszubildende nicht überneh-
halte an den gesamten auf Zahnarztpraxen ent- men.
fallenden Ausgaben betrug in 2018 40,4%.28. Auf-
grund der vergleichsweise hohen privaten Zuzah- Novellierung Berufsbildungsgesetz (BBiG)
lungen reagiert die Branche sensibler auf kon- Zum 1.1.2020 trat das neue Berufsbildungsge-
junkturelle Schwankungen als andere Teile der Ge- setz (BBiG) in Kraft. Ziel der Bundesregierung war,
sundheitswirtschaft. Zusatzversicherungen lie- durch eine Attraktivitätssteigerung der Ausbil-
gen daher seit Jahren im Trend. Ende 2018 besa- dungsberufe dem Fachkräftemangel entgegen-
ßen deutschlandweit rund 16 Mio. Menschen ei- zuwirken. Für Zahnmedizinische Fachangestellte
ne Zusatzversicherung für Zahnbehandlungen. In (ZFA) bedeutet dies folgende Änderungen:
der Regel beinhalten diese Tarife Leistungen für
Zahnersatz, manchmal zusätzlich auch für Zahnbe- ► Einführung von Mindestvergütungen für Aus-
handlung, Inlays und/oder Kieferorthopädie. Die zubildende: Auszubildende, die 2020 ihre Aus-
Erstattung erfolgt als Zuschuss, der prozentual bis bildung beginnen, erhalten nun 515 € im ers-
zu einer festgelegten Höchstgrenze bezahlt wird.

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Branchenreport Zahnärzte | 5 Rahmenbedingungen

ten Lehrjahr. Auszubildende im zweiten, drit- um 152,50 € und im vierten bis sechsten Berufs-
ten und vierten Ausbildungsjahr erhalten ei- jahr um 133 €. Für die übrigen Berufsjahrgruppen
nen Vergütungsaufschlag um 18%, 35% bzw. sind Steigerungen zwischen 3,8% und 4,8% vor-
40% gegenüber dem ersten Lehrjahr. Des Wei- gesehen. Ab dem 1.7.2021 werden die Gehälter
teren wurde eine jährliche Anhebung der Min- dann in einer zweiten Stufe nochmals um 3,0%
destvergütung beschlossen. Diese beträgt im angehoben. Auch die Ausbildungsvergütungen
ersten Lehrjahr für 2021 550 €, für 2022 585 € stiegen ab dem Jahresbeginn 2020 auf:
sowie für 2023 620 €. Ab 2024 erfolgt dann
eine jährliche Anpassung gemäß der durch- ► 870 € im ersten Ausbildungsjahr
schnittlichen Entwicklung aller Ausbildungs- ► 910 € im zweiten Ausbildungsjahr
vergütungen. Tarifliche Regelungen haben ► 970 € im dritten Ausbildungsjahr.
Vorrang, allerdings gibt es diese nur für drei
KV-Regionen (siehe auch nachfolgender Ab- Einsatz von Amalgam wird geprüft
schnitt). Trotz gesundheitlicher Bedenken ist Amalgam
► Die Regelung zur Ausbildung in Teilzeit wird derzeit in den EU-Ländern als Füllungsmaterial für
vereinfacht: Berücksichtigt werden nun auch Zähne noch erlaubt, darf aber seit dem 1.7.2018
Alleinerziehende, Geflüchtete sowie Menschen nicht mehr für die Behandlung von Kindern unter
mit Behinderungen. 15 Jahren und schwangeren oder stillenden Frau-
► Neuregelung der Freistellung: Azubis steht en eingesetzt werden. Eine Amalgamfüllung ist
eine vergütete Freistellung am Vortag der eine Zahnfüllung basierend auf einer Legierung
schriftlichen Abschlussprüfung sowie eine mit Quecksilber, einem hochgiftigen Schwerme-
Freistellung von der Arbeit am selben Tag nach tall. Pro Jahr kommen in der EU bis zu 75 Tonnen
der Prüfung zu. Eine Freistellung gilt zudem für Quecksilber – auch durch Zahnfüllungen – neu in
Berufsschultage mit mehr als 5 Unterrichtsein- Umlauf. EU-Kommission und auch Bundeszahn-
heiten à 45 Minuten. Die durchschnittliche Ar- ärztekammer halten die Verwendung als Zahnfül-
beitszeit wird in diesem Fall angerechnet. lung jedoch für unbedenklich, allerdings ist ab
► Kostenlose Bereitstellung von Lernmateriali- 1.1.2019 die Sammlung und sichere Entsorgung
en: Fachliteratur wird neben Werkzeugen und von Amalgam in Zahnarztpraxen verpflichtend. Zu-
Werkstoffen kostenfrei von den Ausbildungs- dem darf Dentalamalgam nur noch in vordosierter,
betrieben gestellt. verkapselter Form verwendet werden. In 2020 soll
► Internationale Angleichung der Bezeichnun- entschieden werden, ob ab 2030 ein Totalverbot
gen für Berufsabschlüsse: Es gelten nun die Ti- für Amalgamfüllungen erfolgen sollte.33
tel „Geprüfte/r Berufsspezialist/in“, „Bachelor
Professional“ sowie „Master Professional“. Elektronischer Heilberufeausweis Vorausset-
zung für Zugang zur TI
Aktuell findet eine Überarbeitung des Aufstiegs- Wie am 9.11.2018 im Rahmen des PpSG beschlos-
fortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) statt. sen, müssen auch Zahnarztpraxen spätestens seit
Im Zuge dessen soll die Höherqualifizierung von dem 30.6.2019 an die Telematikinfrastruktur (TI)
zahnmedizinischen Berufen vorangetrieben und angeschlossen sein. Schätzungen zufolge waren
die Vereinbarkeit von Ausbildung und Familie ge- jedoch zum Jahresbeginn 2020 erst rund zwei
stärkt werden.32 Drittel aller (Zahn-)Arztpraxen und Kliniken an die
TI angeschlossen.34 Der Anschluss an die TI ist Vo-
ZFA-Tarifgehälter steigen raussetzung für die Nutzung der erweiterten Funk-
Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) in Ham- tionen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK)
burg, Hessen, Westfalen-Lippe und im Saarland und des sogenannten Versichertenstammdaten-
profitieren vom jüngsten Tarifabschluss des Ver- managements (VSDM). Das VSDM prüft beim Ein-
bandes medizinischer Fachberufe e.V. (VMF) und lesen der eGK in der Praxis automatisch, ob der
der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Ar- Versicherte noch bei der Krankenkasse versichert
beitsbedingungen der Zahnmedizinischen Fach- ist. Änderungen der Versichertendaten (wie z.B.
angestellten (AAZ). Ab Januar 2020 stiegen hier Adresse, Name) werden automatisch auf dem Chip
die Tarifgehälter in den ersten drei Berufsjahren

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Branchenreport Zahnärzte | 5 Rahmenbedingungen

der eGK abgespeichert. Für die Nutzung werden E-Rezept kommt


folgende Komponenten und Dienste benötigt: ein Das elektronische Rezept (E-Rezept) soll ab 2021
elektronischer Praxisausweis mit PIN zur Regis- als neue digitale medizinische Anwendung im
trierung und Anmeldung bei der TI, ein Karten- Rahmen des Digitalen-Versorgungs-Gesetzes
terminal zum Einlesen der Versichertenkarte, ein (DVG) flächendeckend eingeführt werden und ein
Konnektor zur sicheren Verbindung der Praxis mit Jahr später, ab dem 1.1.2022, dann verpflichtend
der TI sowie ein VPN-Zugangsdienst, über den die sein.40 Das neue E-Rezept ersetzt künftig das bis-
gesicherte Verbindung zur TI hergestellt wird. herige Muster-16-Formular der Gesetzlichen Kran-
kenkassen zur Verordnung von verschreibungs-
Die Pauschale, die die Praxen für die zur Telema- pflichtigen Arzneimitteln. In der Praxis wird das
tikanbindung notwendigen Komponenten erhal- Rezept verschlüsselt auf einem zentralen Dienst
ten, beträgt ab Januar 2020 1.014 €35 pro Stand- der TI gespeichert. Apotheken können mittels ei-
ort.36 Diese Pauschale ist befristet und wird maxi- nes sogenannten Token auf das E-Rezept zugrei-
mal noch bis zum 30.9.2020 gewährt. Die bereits fen. Auch für Patienten ohne Smartphone soll die
ausgehandelte einmalige eMP/NFDM-Pauschale Nutzung des E-Rezepts laut KZBV möglich sein.
von 530 € sowie die quartalsweise Betriebskos- Zukünftig ist auch eine E-Rezept-App geplant, die
tenpauschale in Höhe von 4,50 € gelten unver- gerade bei der Gesellschaft für Telematikanwen-
ändert. Der Mehraufwand für die Einführung des dungen (Gematik) in Entwicklung ist.
elektronischen Medikationsplans (eMP) und des
Notfalldatenmanagements (NFDM) wird durch ei- Neues Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG)
ne Zusatzpauschale von 60 € pro Kartenterminal treibt TI voran
abgegolten. Am 1.4.2020 hat das Bundeskabinett den Entwurf
zum „Patientendaten-Schutz-Gesetz“ beschlossen,
Derzeit gibt es bei der Implementierung und beim welches voraussichtlich im Herbst dieses Jahres
Betrieb der TI immer wieder Probleme. So wur- in Kraft treten wird. Ziel des Gesetzentwurfs ist,
den bei der Konnektor-Software Sicherheitslücken die digitale Versorgung von Patienten sowie den
festgestellt und bis zu 20.000 Konnektoren müs- Schutz von Gesundheitsdaten in der Telematikin-
sen nochmals ausgetauscht werden, was Kosten in frastruktur voranzutreiben. Auf Zahnärzte kom-
zweistelliger Millionenhöhe verursacht.37 men dadurch folgende Neuregelungen zu:

Im Mai dieses Jahres startete die erste Testpha- ► Krankenkassen müssen ihren Versicherten
se des neuen TI-Kommunikationsdienstes KIM in ab 2021 eine elektronische Patientenakte
Zahnarztpraxen und KZVen.38 Ab dem dritten Quar- anbieten. Für die erstmalige Eintragung der
tal soll das System in allen Praxen zum Einsatz Daten bzw. die Verwaltung der ePA erhalten
kommen. Ab dem zweiten Quartal muss laut BZÄK (Zahn-)Ärzte 10 € pro Patient.
je Praxis mindestens ein Zahnarzt einen elektro- ► Ab 2021 sollen Patienten eRezepte per App
nischen Heilberufeausweis (eHBA) besitzen, da- aufs Smartphone laden können, um diese dann
mit folgende medizinische Anwendungen genutzt bei der Apotheke ihrer Wahl einlösen zu kön-
werden können: nen.
► Auch Überweisungen sollen nun elektronisch
► Speicherung von Medikationsplan und Not- möglich sein.
falldaten (NFDM) auf der eGK (ab dem zweiten ► Ab 2022 können unter anderem auch das
Quartal 2020) Zahn-Bonusheft und das gelbe U-Heft für Kin-
► eArztbrief-Erstellung (ab dem zweiten Quartal der in der ePA gespeichert werden.
2020) ► Ab 2022 können Versicherte zudem bei einem
► eRezept (2021) Kassenwechsel auch ihre Daten aus der ePA
► elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheini- übertragen lassen. Zudem sollen die Versicher-
gung (eAU) (ab 2021) ten nun selbst auf ihre ePA zugreifen können
► elektronische Patientenakte 2.0 (ePA) (ab und für jedes in der ePA enthaltene Dokument
2022).39 selbst bestimmen können, wer zugreifen darf
bzw. bestimmte Befunde sehen darf.41

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Jedes fünfte zMVZ von Investoren betrieben Anpassung der Heilmittel-Richtlinie Zahnärzte
Die 2019 im Rahmen des TSVG beschlossene Be- Heilmittel können bei krankheitsbedingten, struk-
schränkung von zMVZ-Gründungen durch Kran- turellen bzw. funktionellen Schädigungen des
kenhäuser soll die in jüngster Zeit stark gestie- Mund- und Kieferraums von Zahnärzten verord-
genen Gründungen von durch Fremdinvestoren net werden. In welchem Umfang und für welche
betriebenen zMVZ begrenzen. Ende 2019 wur- Erkrankung welches Heilmittel benötigt wird, ist
den bereits 185 der rund 950 zahnärztlichen MVZ dem Heilmittelkatalog Zahnärzte zu entnehmen.
durch Investoren geführt.42 Deren Gründungen er- Zu den verordnungsfähigen Heilmitteln zählen
folgen fast ausschließlich in Metropolen und ein- Maßnahmen der Physiotherapie, der physikali-
kommensstarken Regionen und bringen somit schen Therapie und der Sprech- und Sprachthera-
keine Verbesserung für die vertragszahnärztliche pie.
Versorgung im ländlichen Raum. Auswertungen
des Abrechnungsgeschehens haben zudem erge- Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat am
ben, dass die Versorgung in investorengetragenen 14.5.2020 eine Anpassung der Heilmittel-Richt-
zMVZ teurer ist als in herkömmlichen Praxen. Laut linie Zahnärzte an das seit Mai 2019 gültige Ter-
KZBV rechneten diese im Jahr 2018 pro Patient minservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vorge-
rund 30% mehr ab. Besonders im Hinblick auf ei- nommen. Diese tritt zum 1.10.2020 in Kraft. Für
ne weiterhin gute Versorgungsqualität und wohn- Zahnärzte ergeben sich daraus folgende Änderun-
ortnahe zahnärztliche Versorgung ist daher die gen:
nun getroffene Quotenregelung für zMVZ-Grün-
dungen durch Krankenhäuser zu begrüßen. Auch ► Einführung einer sogenannten „orientieren-
KZBV und Bundeszahnärztekammer (BZÄK) begrü- den Behandlungsmenge“, die die bis dato gül-
ßen die getroffenen Neuregelungen als ordnungs- tige Regelfallsystematik ablöst. Die im Heil-
politisch sinnvolle Regulierung.43 Inzwischen wird mittelkatalog enthaltenen Empfehlungen zur
auch über die zwangsweise Offenlegung der Besit- Höchstmenge an Behandlungseinheiten stel-
zerstruktur von MVZ in Form eines öffentlichen Re- len künftig demzufolge nur noch Orientie-
gisters nachgedacht, mit dem Ziel, investorenbe- rungswerte dar.
triebene MVZ identifizieren zu können.44 ► Das Genehmigungsverfahren bei Überschrei-
tung des Orientierungswertes wurde abge-
zMVZ: Auch angestellte Zahnärzte dürfen Vorbe- schafft.
reitungsassistenten ausbilden ► Umsetzung einer sogenannten Blankoverord-
Mit einem Urteil des Bundessozialgerichts vom nung: Zahnärzte können nun auf bestimm-
12.2.2020 sind den zMVZ mehr Rechte bei der te Angaben verzichten. Seit dem 18.5.2020
Beschäftigung von Vorbereitungsassistenten zu- steht hierzu eine vertragliche Vereinbarung
gesprochen worden. Die bisherige Regelung sah zwischen dem GKV-Spitzenverband und den
vor, dass die Anzahl von Vorbereitungsassisten- Spitzenorganisationen der Heilmittelerbringer
ten von der Zahl der im gleichen MVZ tätigen Ver- noch aus.
tragszahnärzte abhängig ist. Nun ist die Zahl der ► Die Gültigkeitsdauer von Heilmittelverordnun-
Vorbereitungsassistenten jedoch an die erfüllten gen wurde von 14 auf 28 Tage erhöht.46
Versorgungsaufträge durch das zMVZ gebunden.
Ob der zahnärztliche Leiter des MVZ Angestell- Masern-Impfpflicht für Mitarbeiter in Zahnarzt-
ter oder Vertragszahnarzt ist, spielt dabei künftig praxen
keine Rolle mehr. Ein zMVZ darf demnach Vorbe- Zahnärzte sind ab dem 1.3.2020 im Rahmen des
reitungsassistenten im selben Umfang wie die in Masernschutzgesetzes dazu verpflichtet, den
Vollzeit tätigen Zahnärzte beschäftigen. Offen ist Impfstatus ihrer Beschäftigten zu überprüfen. Das
bisher noch die Handhabung bei Teilzeitbeschäf- Gesetz sieht vor, dass alle Mitarbeiter, die ab März
tigten.45 2020 in einer Praxis eingestellt werden, auf feh-
lende Impfungen geprüft werden. Bei bereits An-
gestellten ist eine Frist bis 31.7.2021 vorgesehen.
Darüber hinaus ist es per Gesetz verboten, nicht
geimpftes Personal weiterhin zu beschäftigen.

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Branchenreport Zahnärzte | 5 Rahmenbedingungen

Ausnahmen gelten nur im Fall einer Unverträglich- mit unaufschiebbarem Behandlungsbedarf wur-
keit (belegt durch ein ärztliches Attest) bzw. für den durch ihren Hauszahnarzt bzw. den zuständi-
Menschen, die vor 1971 geboren sind. Zahnärzten gen zahnärztlichen Notdienst an festgelegte Be-
ist es nicht gestattet, die Masern-Impfung selbst handlungszentren, z.B. Universitäts-Zahnkliniken
durchzuführen.47 und Kliniken mit MKG-Abteilung bzw. zahnmedizi-
nischer Abteilung, oder an von den KZVen ausge-
MDR-Geltungsbeginn wird aufgeschoben wiesene Schwerpunktpraxen verwiesen und dort
Die ursprünglich zum 26.5.2020 endende Über- behandelt. Das bundesweite Netz umfasste laut
gangsfrist für die neue EU-Medizinprodukte-Ver- KZBV 30 Kliniken und 170 Schwerpunktpraxen für
ordnung (MDR) wurde aufgrund der Corona-Pan- die Akut- und Notversorgung.
demie um ein Jahr verlängert. Zahnarztpraxen
profitieren von dieser Aufschiebung in zweifacher Maßnahmen zur Sicherung der wirtschaftlichen
Hinsicht: Aufgrund der systemrelevanten Einstu- Existenz der Praxen während der Corona-Vi-
fung sind die Praxen dazu verpflichtet, ihren Be- rus-Epidemie:
trieb aufrechtzuerhalten. Um dies gewährleisten
zu können, sind sie auf funktionierende Lieferket- ► Corona-Soforthilfen des Bundes und der Län-
ten von Medizinprodukten angewiesen. Zum ande- der: Die Soforthilfen dienen der Sicherung der
ren müssen die Zahnarztpraxen, als Hersteller von wirtschaftlichen Existenz und konnten auch
Sonderanfertigungen (wie z.B. Zahnersatz oder von Freiberuflern mit bis zu zehn Beschäftig-
Zahnspangen), bestimmte Einschränkungen und ten (Vollzeitäquivalente) bis spätestens zum
Besonderheiten im Rahmen der kommenden MDR 31.5.2020 beantragt werden. Fördervorausset-
beachten.48 zung: Liquiditätsschwierigkeiten aufgrund der
Corona-Pandemie. Die Soforthilfe des Bundes
beträgt bei bis zu fünf Beschäftigten einmalig
Corona-Pandemie: umfangreiche Maßnahmen
9.000 € für drei Monate, bei bis zu 10 Beschäf-
zur Sicherung der Versorgung
tigten 15.000 €. Beantragung und Auszahlung
Um die finanziellen Folgen für die systemrele-
erfolgten über die Bundesländer. Diese haben
vanten Gesundheitsberufe zu mildern, wurde am
zum Teil die Förderung noch aufgestockt bzw.
27.3.2020 vom Bundesrat das COVID-19-Kranken-
den Kreis der Antragsberechtigten erweitert.
hausentlastungsgesetz verabschiedet, das versor-
► Ermöglichung der zinslosen Stundung bzw.
gungsrelevante Einrichtungen unter einen Schutz-
Herabsetzung von Steuerzahlungen bis zum
schirm stellte. Zahnärzte wurden dabei nicht be-
Ende des Jahres 2020 und auf Antrag der Be-
rücksichtigt. Erst auf Drängen seitens der BZÄK
troffenen.
und KZBV wurde niedergelassenen Zahnärzten
► Extravergütung für zahnärztliche Behand-
nachträglich zumindest das Kurzarbeitergeld ge-
lungen: Aufgrund höherer Kosten für Schutz-
währt.49 Erst Ende April reagierte der Gesetzgeber
kleidung während der Corona-Pandemie dür-
auf den massiven Fallzahlrückgang bei den Zahn-
fen Zahnärzte für Privatleistungen ab dem
ärzten und verabschiedete die COVID-19-Versor-
8.4.2020 bis vorläufig 31.7.2020 pro Sitzung
gungsstrukturen-Schutzverordnung (siehe nach-
eine Hygienepauschale von 14,23 € abrech-
folgende Maßnahmenliste), die am 5.5.2020 in
nen. Die Abrechnung erfolgt über die Geb.-Nr.
Kraft getreten ist. Darin sind allerdings nur kurz-
3010 GOZ analog zum 2,3-fachen Satz je Sit-
fristige Liquiditätshilfen vorgesehen, die komplett
zung. Rechnungen müssen mit der Geb.-Nr.
zurückgezahlt werden müssen.
und der Erläuterung „3010 analog – erhöhter
Hygieneaufwand“ versehen sein.50Die Kosten
Um die zahnärztliche Versorgung während der Co-
für Hygienemaßnahmen, die sich bereits vor
rona-Pandemie aufrechtzuerhalten, haben die KZ-
der COVID-19-Pandemie laut BZÄK auf durch-
BV und die BZÄK zusammen mit den KVen und in
schnittlich rund 70.000 € je Praxis beliefen,
Absprache mit dem BGM ein Maßnahmenpaket
sind in Corona-Zeiten weiter angestiegen.
erstellt, bei dem der Infektionsschutz der Patien-
Gründe hierfür sind zum einen die Erfordernis
ten und des Praxisteams im Vordergrund steht. Er-
zusätzlicher Hygienemaßnahmen, zum ande-
krankte bzw. unter Quarantäne stehende Patienten

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Branchenreport Zahnärzte | 5 Rahmenbedingungen

ren die gestiegenen Marktpreise für Schutz- steuersätze. Der reguläre Satz beträgt für diese
kleidung und Hygieneartikel. Zeit 16 statt 19%, der ermäßigte Satz sinkt von
► Fristverlängerung für Nachweise von Fortbil- 7 auf 5%. Hiervon profitieren auch die Zahn-
dungsnachweisen: Das BMG gewährt, auf Emp- ärzte, die nicht bzw. nur teilweise zum Vorsteu-
fehlung der KZBV, einen Aufschub der Nach- erabzug berechtigt sind. Die Umsatzsteuer be-
weispflicht von Vertragszahnärzten nach § 95d deutet folglich für sie Kosten. Senkt der Liefe-
SGB von einem Quartal.51 rant infolge der Mehrwertsteuersenkung sei-
► Kurzarbeit in Zahnarztpraxen: Bundesweit er- ne Endkundenpreise, werden Material- oder
reichte die Kurzarbeiterquote in Zahnarztpra- Gerätekäufe für die Praxen günstiger. Auf die
xen zeitweise einen Stand von knapp 70%. Fremdlaborkosten hat die Mehrwertsteuer-
Auch der Anteil von Praxen, die ihren Betrieb senkung allerdings keinen Einfluss, da es sich
auf die Notfallbehandlung umgestellt haben, hier um einen durchlaufenden Posten handelt.
lag bei über 44%. Ausschlaggebend waren Zahnarztpraxen mit Eigenlabor können jedoch
vordergründig der Infektionsschutz, Personal- von der Mehrwertsteuersenkung profitieren,
mangel, Terminabsagen oder ein Mangel von denn zahntechnische Produkte, die der Zahn-
notwendiger Schutzausrüstung. Insgesamt arzt im praxiseigenen Labor hergestellt hat,
brach das Arbeitsaufkommen in den zahnärzt- sind umsatzsteuerpflichtig. Hier gilt dann der
lichen Praxen laut einer Umfrage der BZÄK zwi- auf 5% reduzierte ermäßigte Steuersatz. Auch
schen Februar und April 2020 um die Hälfte in der Praxis erbrachte kosmetische Leistun-
ein.52 gen oder an Patienten verkaufte Prophylaxe-
► COVID-19-Versorgungsstrukturen-Schutzver- artikel sind umsatzsteuerpflichtig. Für diese
ordnung: Vertragszahnärzte erhalten eine Li- gilt bis Ende des Jahres der reduzierte volle
quiditätshilfe in Höhe von 90% der gezahlten Umsatzsteuersatz von 16%. Seit 2020 wurde
Gesamtvergütung von 2019 als Abschlagszah- die Umsatzgrenze für Kleinunternehmer von
lung. Da Überzahlungen in den beiden Folge- 15.500 auf 22.000 € angehoben.
jahren vollständig zurückgezahlt werden müs-
sen, entspricht die Liquiditätshilfe einem zins- Zweites Gesetz zum Schutz der Bevölkerung
losen Darlehen. Acht KZVen machten daher Am 23.5.2020 ist das zweite Bevölkerungsschutz-
von der in der Verordnung vorgesehenen Opt- gesetz in Kraft getreten. Dieses enthält folgende
out-Möglichkeit Gebrauch und haben die Li- für die Zahnmedizin relevante Regelungen:53
quiditätshilfe abgelehnt. KZBV und BZÄK üb-
ten daher auch Kritik an der getroffenen Re- ► Die neue Approbationsordnung für Zahnärz-
gelung, sehen die wirtschaftlichen Auswirkun- te tritt zwar am 1.10.2020 in Kraft, jedoch gilt
gen der Corona-Pandemie nur unzureichend die alte Approbationsordnung für Studierende,
abgefedert und befürchten negative Folgen die vor dem 1.10.2021 das Studium der Zahn-
für die zahnmedizinische Versorgungsland- heilkunde antreten bzw. angetreten haben, zu-
schaft. Zudem könnte eine Nichtinanspruch- nächst weiter.
nahme der Liquiditätshilfe durch die Zahnärz- ► Loslösung der Regelungen für Eignungs- und
te aufgrund der durch die Corona-Pandemie Kenntnisprüfungen für ausländische Abschlüs-
bedingten Mindereinnahmen ab dem dritten se von der zahnärztlichen Approbationsord-
Quartal 2020 zu Liquiditätsenpässen bei den nung. Dies schafft Rechtssicherheit für Zahn-
KZVen, die sich für eine Nichtinanspruchnah- mediziner mit Abschlüssen aus Drittstaaten.54
me (Opt-out) entschieden haben, führen. Die- ► Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
se müssten den Honorarforderungen der Zahn- kann Ausbildungen nach den Approbations-
ärzte vollumfänglich nachkommen, erhalten je- ordnungen für Zahnärzte und für Apotheker
doch von den Kassen (als Folge der Minderein- kurzfristig für die Zeit der epidemischen Lage
nahmen) gekürzte Abschlagszahlungen bzw. flexibler gestalten. Dies betrifft beispielsweise
müssten die überzahlten Beträge zurückerstat- Regelungen zu Lehrveranstaltungen.
ten. ► Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
► Befristete Mehrwertsteuersenkung: Vom 1.7. kann vorübergehende Flexibilisierungen in
bis 31.12.2020 gelten abgesenkte Mehrwert- den Ausbildungen zu den Gesundheitsberufen

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Branchenreport Zahnärzte | 5 Rahmenbedingungen

ermöglichen. Dies betrifft die Ausbildungsdau-


er, die Nutzung von digitalen Unterrichtsfor-
men sowie die Durchführung von Prüfungen.
27 Barmer (28.5.2020), Zahnreport 2020.
28 GBE-Bund, Gesundheitsausgaben 2018.
29 Zahlenbericht der Privaten Krankenversicherung 2018.
30 Laut Stiftung Warentest (5/2020).
31 zm-online (31.1.2020), „Neues Berufsausbildungsge-
setz ZFA: Das ändert sich für Azubis“.
32 zm-online (31.1.2020), „Neues Berufsausbildungsge-
setz ZFA: Das ändert sich für Azubis“.
33 Pressemitteilung der KZBV vom 29.6.2018.
34 Heise online (2020).
35 REBMANN RESEARCH, News vom 29.8.2019.
36 Pressemitteilung der KZBV vom 9.4.2018.
37 zm online (13.3.2020), „T-Systems tauscht Telema-
tik-Konnektoren in (Zahn-)Arztpraxen aus“.
38 Pressemitteilung der KZBV vom 14.5.2020, „Digital und
sicher: KIM steht in den Startlöchern“.
39 zm online (16.3.2020), „KZBV zu Anwendungen der Tele-
matikinfrastruktur“.
40 zm online (12.5.2020), „PDSG – erste Lesung im Bundes-
tag“.
41 BMG (2020), PDSG.
42 zm-online (1.12.2019), „KZBV-Vertreterversammlung in
Berlin“.
43 KZBV, Pressemitteilung vom 14.3.2019.
44 KZBV (13./14.11.2019), Beschlüsse der 7. Vertreterver-
sammlung in Berlin.
45 Urteil BSG B 6 KA 1/19 R vom 12.2.2020.
46 G-BA, Pressemitteilung Nr. 865 vom 14.5.2020.
47 dzw (2020), „Masernschutzgesetz – Pflichten für
(Zahn-)Arztpraxen“.
48 Newsletter REBMANN RESEARCH (3.4.2020), „MDR-Gel-
tungsbeginn wird aufgeschoben“.
49 Haufe (31.3.2020), „COVID-19-Krankenhausentlastungs-
gesetz vom Bundesrat gebilligt“.
50 DZR (25.5.2020), „Aktuelle Informationen zur Hygiene-
pauschale“.
51 ZWP Online, Branchenmeldung vom 9.6.2020.
52 BZÄK, Presseinformation vom 14.5.2020.
53 BGM (23.5.2020), COVID-19-Bevölkerungsschutz 2.
54 BZÄK (15.5.2020), Pressemitteilung „2. Bevölkerungs-
schutzgesetz tangiert auch Zahnmedizin“.

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Branchenreport Zahnärzte | 6 Trends und Perspektiven

6 Trends und Perspektiven


► Zahl der zahnlosen Senioren weiterhin deutlich Altersstruktur führt in den nächsten Jahren ver-
rückläufig. stärkt zu Praxisabgaben
► Hohe Zahl von Praxisabgaben aufgrund der Al- Das Durchschnittsalter der in Deutschland täti-
tersstruktur beschleunigen Strukturwandel. gen Zahnärzte stieg in den letzten Jahren ständig
► Trotz Gründungsbeschränkung: Investoren und lag Ende 2018 bei 48,7 Jahren, bei den nie-
drängen immer mehr in die Zahnmedizin. dergelassenen Zahnärzten sogar bei 52,8 Jahren
► Intraoralscanner als Schlüsseltechnologie für (alte Bundesländer: 52,6 Jahre, neue Bundeslän-
komplett digitalen Workflow. der: 53,9 Jahre). Aufgrund der Änderungen im Ge-
► Digitalisierung und Telemedizin erleben Schub sundheitssystem nach der Wiedervereinigung ist
durch Corona-Pandemie. in den neuen Bundesländern der Anteil der 50- bis
► Nachhaltigkeitsbemühungen noch gering bei 60-Jährigen unter den niedergelassenen Zahnärz-
Zahnärzten, Potenzial vorhanden. ten mit 45,0% noch höher als in den alten Ländern
(42,5%). In den nächsten Jahren stehen folglich
Prognose: Zahl der zahnlosen Senioren weiter- viele Praxisübernahmen, -verkäufe und -schlie-
hin deutlich rückläufig ßungen an.56
Durch Bemühungen in der Prävention und ein ver-
ändertes Gesundheitsbewusstsein hat sich die Investoren-Interesse an Zahnmedizin ungebro-
Mundgesundheit in den vergangenen Jahren stark chen
verbessert – der Mundgesundheitszustand von Durch die derzeit niedrigen Zinsen steigt das In-
heute 75- bis 100-Jährigen entspricht dem von teresse an Investitionen in reale Werte. Der Ge-
65- bis 74-Jährigen im Jahr 2005. Zahnprobleme sundheitsmarkt lockt dabei mit hohen Renditen.
verlagern sich verstärkt ins höhere Alter. Entspre- Besonders interessant für Investoren ist der Be-
chend ist bei den 65- bis 74-Jährigen nur noch je- reich der zahnärztlichen Versorgung, da dieser als
der Achte komplett zahnlos – 1997 war es noch wenig konjunkturabhängig gilt. Insbesondere MVZ
jeder Vierte (siehe auch Glossar: DMS V). Der Ab- sind bei Investoren beliebt, da bei diesen ein Ab-
wärtstrend wird sich, Prognosen zufolge, weiter weichen von Eigentümer- und Leistungserbringe-
fortsetzen. Bis 2030 werden in Deutschland nur rebene möglich ist und daher auch die Übertra-
noch rund 4,2% der 65- bis 74-Jährigen komplett gung von Gesellschafteranteilen an Dritte. Dies
zahnlos sein, insgesamt also rund 900.000 Perso- begünstigt das Entstehen von Großpraxen mit
nen.55 Jahresumsätzen von mehreren Millionen Euro. Zu-
dem vereinfacht die Möglichkeit, ein MVZ auch als
Derzeit werden die höchsten Honorarumsätze mit GmbH zu gründen, eine Beteiligung von Investo-
der Patienten-Altersgruppe der 45- bis 70-Jähri- ren. Gesellschafter können in Deutschland gemäß
gen erzielt, in die nun die geburtenstarken Jahr- SGB V allerdings nur Vertragsärzte und Kranken-
gänge kommen. Diese Altersgruppe verfügt nicht häuser sein. Die Investoren kaufen daher üblicher-
nur über die finanziellen Mittel für Selbstzah- weise ein Krankenhaus, das dann mit einem zahn-
ler-Leistungen, sondern auch über ein gestiege- ärztlichen MVZ ergänzt wird. Dafür werden Zahn-
nes Gesundheitsbewusstsein. Verbunden mit dem arztpraxisgemeinschaften mit mindestens zwei
gesteigerten Gesundheitsbewusstsein ist auch ei- Zahnärzten und einem Jahresumsatz von mindes-
ne wachsende Nachfrage nach prophylaktischer tens 1 Mio. € ausgewählt. Für die Zahnärzte kann
und auch ästhetischer Zahnheilkunde und die Be- ein solcher Verbund durchaus vorteilhaft sein:
reitschaft, für höherwertigen Zahnersatz (z.B. im- beispielsweise durch die Minimierung der per-
plantatgetragener Zahnersatz) bzw. für prophy- sönlichen Risiken und mehr persönliche Flexibili-
laktische (z.B. PZR) oder kosmetische Zahnbe- tät durch das Angestelltenverhältnis. Den Praxen
handlungen (z.B. Bleaching) selbst aufzukommen. bringt der Verbund zudem weniger Verwaltungs-
Zahnärzte sollten sich in Kundenansprache und aufgaben und bessere Einkaufskonditionen. Für
Angebot verstärkt auf diese Kundengruppe ein- die Patienten ist die Beteiligung fachfremder In-
stellen. vestoren allerdings weniger positiv zu sehen, ins-

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Branchenreport Zahnärzte | 6 Trends und Perspektiven

besondere bei Beteiligung von Private-Equity-Ge- auch zwischen diesen und ihren Patienten sowie
sellschaften. Deren Geschäftsmodell ist von vorne- auch mit anderen, an der medizinischen Patien-
herein auf zeitliche Befristung ausgelegt mit dem tenversorgung Beteiligten wird weiter deutlich zu-
Ziel, innerhalb dieser Frist eine maximale Rendi- nehmen. Auch die in den Praxen eingesetzten Ge-
te für die Einlagen ihrer Kunden zu erreichen. Eine räte werden immer smarter und vernetzter – soge-
deutliche Fokussierung der Praxen auf Umsatzma- nannte IoT (Internet of Things-)Geräte und digitale
ximierung ist die Folge, häufig zulasten der Ver- Assistenten gewinnen zunehmend an Bedeutung.
sorgungsqualität der Patienten. In diesem Bereich bewirkt die COVID-19-Pandemie
und die damit verbundenen Abstandsgebote zum
Während der letzten drei Jahre haben die Aktivi- Infektionsschutz einen Schub für die Entwicklung
täten privater Investoren im deutschen Gesund- und Einführung digitaler Technologien, vor allem
heitswesen stark zugenommen und die Entwick- in den Bereichen Kommunikation und Datenaus-
lung weist in Richtung Konzernbildung57, auch tausch. Dies betrifft unter anderem das Praxis-
im zahnmedizinischen Bereich. Die Laufzeit der und Terminmanagement, telemedizinische An-
Fonds beträgt ca. fünf bis sechs Jahre, danach gebote, die Kommunikation mit Patienten, Labo-
werden die Unternehmen wieder verkauft (Exit). ren, Dentalhandel, Apotheken, Krankenkassen und
Bei rund 40% der Exits kommt es zu einem Secon- Verbänden, aber auch beispielsweise Mitarbeiter-
dary Buyout. Dies führt zu einer starken Interna- schulungen, die verstärkt online erfolgen. Die Di-
tionalisierung der Eigentümerstruktur (60% ha- gitalisierung im Bereich der Zahnmedizin wird sich
ben ihren Sitz in Offshore-Finanzzentren). Das Ge- noch deutlich weiterentwickeln und einige Schlüs-
schäftsmodell ist rein auf Renditeerzielung aus- seltechnologien und Geräte werden künftig Stan-
gelegt (Durchschnittsrendite der 2017 tätigen dard sein. Zu diesen gehört, neben dem digita-
Fonds: 18,8%).58 len Röntgen, der Intraoralscanner, der die Abfor-
mung nicht nur angenehmer für den Patienten,
Offenbar wirkt sich das neue TSVG nicht auf das sondern auch wirtschaftlicher, umweltfreundlicher
Transaktionsgeschehen aus. Das Interesse von Fi- und qualitativ besser ermöglicht als die konven-
nanzinvestoren an der Übernahme von zMVZ ist tionelle Abformung mittels Abformlöffel. Der Intra-
weiter hoch: Zum Jahresbeginn wurde beispiels- oralscanner ist Treiber für einen durchgängigen
weise die zahnmedizinische Kette Zahneins von digitalen Workflow bei der Herstellung und Inte-
Summit Partners an PAI Partners verkauft. Bereits gration von Zahnersatz. Additive Verfahren (3D-
im Juni 2019 übernahm die Colosseum Dental Druck) ersetzen vor allem im Bereich der Zahn-
Deutschland das MVZ Zahnkultur. Aktuell läuft die technik und der Kieferorthopädie immer öfter sub-
Übernahme des zMVZ Ars Dentalis durch die Vital traktive, also materialabtragende Verfahren. Teil-
Zahnärzte Karlsruhe. Bereits im März 2019 wurde weise werden inzwischen auch beide Verfahren in
das Familienunternehmen Alldent, das ebenfalls einem Gerät kombiniert. Die verpflichtende Imple-
Praxen in vier süddeutschen Großstädten betreibt mentierung der Telematikinfrastruktur beschleu-
(Umsatzvolumen 2018: ca. 40 Mio. €), an den Pri- nigt die Digitalisierung der Praxen und verändert,
vate-Equity-Investor Castik Capital vollzogen.59 in Verbindung mit dem zunehmend digitalaffi-
nen Praxispersonal, auch deren Einkaufsverhalten.
Möglicherweise treibt die Corona-Krise den Ver- Dies wirkt auch strukturverändernd auf die Dental-
kauf von Zahnarztpraxen an Private-Equity-Inves- labore und auf den Dentalhandel. Letzterer verliert
toren weiter voran. Die wirtschaftlichen Auswir- zunehmend Anteile an den Onlinehandel. Zudem
kungen der Krise könnten diesen ermöglichen, in werden Preise transparenter und die Margen ver-
wirtschaftliche Schieflage geratene Praxen günstig ringern sich. Künftig werden nicht mehr nur ein-
aufzukaufen. zelne Geräte nachgefragt, sondern zunehmend Lö-
sungen für gesamte Prozesse bzw. Behandlungen,
Digitalisierung und Telemedizin gewinnen durch mit den dazugehörigen Schulungs- und Service-
Corona-Krise an Bedeutung leistungen. Miet- und Leasing-Angebote, die alle
Der digitale Workflow wird immer durchgängiger erforderlichen Serviceleistungen und Kosten ent-
und die Vernetzung innerhalb der Praxen, aber halten, gewinnen dabei an Bedeutung.

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Branchenreport Zahnärzte | 6 Trends und Perspektiven

Abbildung 18:
Chancen und Risiken im Überblick
Chancen
Behandlung Senioren/Kooperationen mit Pflegeeinrichtungen
Nutzung der angebotenen Corona-Finanz- und Steuerhilfen
Digitalisierung, Telematik, telemedizinische Angebote
Verbünde, Kooperationen, Vernetzung
Nachhaltigkeitsbemührungen, auch als Marketingaspekt
Durchgängig digitaler Workflow sorgt für Effizienzsteigerung
Zahnärztliche Genossenschaften zur Versorgungssicherung
Ausschöpfung der Anstellungsgrenzen für Zahnärzte

Risiken
Fachkräftemangel
Kurze Innovationszyklen erfordern überlegte Investitionen
Fachfremde Investoren gewinnen an Einfluss
Mehr Aufwand bei (aufsuchender) Behandlung von Senioren
Einsatz neuer Technologien erfordert geschultes Personal
Praxenlage beeinflusst Verkaufserlöse
Weitere Corona-Pandemie-Entwicklung
Nachhaltigkeit erschwert durch Sicherheits-/Hygienevorgaben
Quelle: Branchendienst der Sparkassen-Finanzgruppe

Sonderthema Nachhaltigkeit: Handlungsoptio- entfallen. Die zunehmende Ablösung material-


nen für Zahnärzte abtragender Fertigungsverfahren durch addi-
Derzeit finden die Themen nachhaltiges Wirt- tive Verfahren (3D-Druck) sorgt zusätzlich für
schaften und Ökologie im Praxisalltag der Zahn- eine Reduzierung des Ressourcenverbrauchs.
ärzte noch wenig Beachtung. Häufig schränken Derzeit verfügen allerdings erst rund 15% der
auch regulatorische Vorgaben, z.B. im Bereich der Praxen über einen Intraoralscanner zur digita-
Hygiene, die Möglichkeiten für ökologisches Han- len Abformung. Ein solcher ist jedoch grund-
deln ein. Durch den Einsatz moderner Technolo- legend für einen durchgehend digitalen Work-
gien (allen voran die Digitalisierung), aber auch flow. Da der digitale Workflow nicht nur ökolo-
durch die Vermeidung bzw. Reduzierung von Ab- gische, sondern auch deutliche Zeit- und Kos-
fall und die Verringerung des Energieverbrauchs tenvorteile birgt, bietet deren weiterer Ausbau
können deutliche Fortschritte im täglichen Praxis- große wirtschaftliche und gleichzeitig ökologi-
betrieb hin zu mehr Nachhaltigkeit erreicht wer- sche Chancen.
den. Die nachfolgenden Beispiele zeigen nur eini- ► Digitales statt konventionelles Röntgen: Beim
ge der vielfältigen Ansatzpunkte für mehr Nach- digitalen Röntgen werden die Röntgenbilder
haltigkeit in Zahnarztpraxen auf: zumeist auf wiederverwendbaren digitalen
Speicherfolien erfasst. Umweltbelastende Ent-
Digitalisierung: wicklerchemikalien und Röntgenfilme entfal-
► Durch die Einführung eines komplett digita- len und auch die Archivierung ist einfacher und
len Workflow kann Zahnersatz direkt auf Ba- platzsparender. Weitere Vorteile liegen in der,
sis von per intraoralen Scans gewonnenen Da- im Vergleich zum analogen Röntgen wesent-
ten gefertigt werden. Die dabei – im Vergleich lich geringeren Strahlenbelastung.
zur konventionellen Vorgehensweise – ent- ► Auch im Bereich Organisation/Verwaltung und
fallenden Zwischenschritte tragen auch dazu auch bei den Lieferantenbeziehungen bie-
bei, dass weit weniger (Umwelt und Personal) tet die Digitalisierung zusätzlich zu den wirt-
belastende Materialien und Reinigungsmit- schaftlichen auch ökologische Vorteile: Dental-
tel zum Einsatz kommen. Auch der physische händler verzichten zunehmend auf Vertreter-
Transport von Abdrücken/Modellen ins ge- besuche und ermöglichen die Bestellung über
werbliche Labor kann durch die elektronische Internetportale. Schulungen/Weiterbildungen
Übertragung und Scan- bzw. Fertigungsdaten erfolgen zunehmend per Webinar. Dokumente,

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Branchenreport Zahnärzte | 6 Trends und Perspektiven

wie beispielsweise Privatliquidationen, können len Anreizen bzw. regulierenden Maßnahmen Rah-
statt in Papier- in digitaler Form aufbewahrt menbedingungen für mehr Nachhaltigkeit auch
und versandt werden. Patienten-Check-in und in der ambulanten (zahn-)medizinischen Versor-
Datenschutzerklärungen können papierlos via gung schaffen. Auch die Patienten sehen ökologi-
Tablett erfasst werden. Auch der für die Patien- sche Bemühungen zumeist positiv. Werden solche
ten im Wartezimmer angebotene Lesezirkel so- entsprechend kommuniziert, können sich positive
wie Patienteninformationen sind digital via Ta- Marketingeffekte ergeben.
blett möglich. Zudem sind diese bei regelmä-
ßiger Reinigung hygienischer als abgegriffene 55 ZWP online (28.5.2020), „Zahnlosigkeit im Alter sinkt bis
Printmedien und können einfacher stets aktu- 2030 auf 4,2 Prozent“.
56 BZÄK (2019), Statistisches Jahrbuch 18/19, S. 42 f.
ell gehalten werden. 57 Deutscher Bundestag, Öffentliche Anhörung des Aus-
► Auch die Einführung der Telematikinfrastruktur schusses für Gesundheit vom 4.3.2020.
58 Vortrag von Dr. Christoph Scheuplein (Institut Arbeit und
(TI) und damit verbunden die Einführung wei- Technik, Westfälische Hochschule) beim AK Marketing
des Verbands der Deutschen Dentalindustrie e.V. am
terer digitaler Gesundheitsanwendungen und 15.5.2019 in Köln.
-dienste, wie z.B. das E-Rezept, tragen zur pa- 59 PWC, Transaktionsmonitor Gesundheitswesen, Frühjahr
2020.
pierlosen Verwaltung bei. 60 Politik KZBV (Juni 2019), „Pappe statt Plastik“.

Reduzierung/Vermeidung von Müll und Energie-


verbrauch:
► Viele der in Zahnarztpraxen anfallenden Ein-
wegverpackungen und -verbrauchsmateriali-
en basieren auf Plastik und Verbundstoffen.
Jährlich werden beispielsweise rund 350 Mio.
Einweg-Mundspülbecher verbraucht.60 Diese
könnten durch umweltfreundliche, wiederver-
wendbare Becher aus Glas oder sterilisierba-
rem Ökopal ersetzt werden, die nach Gebrauch
allerdings gereinigt/sterilisiert werden müs-
sen. Auch für andere Einwegprodukte und -in-
strumente sind inzwischen ökologischere Al-
ternativprodukte verfügbar.
► Bei sterilisierten Instrumenten, Hand- und
Winkelstücken kann nach dem Sterilisations-
prozess auf Einwegverpackungen verzich-
tet und ein Sterilgut-Lagercontainer zur Auf-
bewahrung bis zum Einsatz genutzt werden.
Mehrweg-Transportcontainer bieten sich für
den Transport zahntechnischer Produkte zum
Laborpartner an.
► Die strengen Hygienevorschriften, die bei der
Aufbereitung von Trink- und Prozesswasser
gelten, können auch mit umweltfreundlichen
Technologien erreicht werden. Statt mit um-
weltbelastenden Chemikalien kann die Entkei-
mung auch UV-basiert oder durch anodische
Oxidation erfolgen. Diese ökologischen Tech-
nologien sind zudem kostengünstiger im lau-
fenden Betrieb.

Auch Bund, Krankenkassen und Verbände könnten


deutlich mehr Einfluss nehmen und mit finanziel-

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Branchenreport Zahnärzte | Glossar

Glossar
► Antikorruptionsgesetz: Das am 4.6.2016 in ter Ausbildung am „Phantom“ + 4 Semester
Kraft getretene Gesetz zur Bekämpfung von Ausbildung am Patienten.
Korruption im Gesundheitswesen (Antikor- ► Die Neuregelung sieht eine Verbesserung
ruptionsgesetz) (§§ 299a und 299b des Straf- des Betreuungsverhältnisses Dozent – Stu-
gesetzbuchs) soll Zahnärzte, Ärzte, Apothe- denten von bislang 1:20 auf 1:15 beim Un-
ker, Physiotherapeuten und Pflegekräfte straf- terricht am „Phantom“ und von 1:6 auf 1:3
rechtlich dann betreffen, wenn sie Vorteile an- beim Unterricht am Patienten vor.
nehmen, die als Gegenleistung an eine unlau- ► Bei der Ausbildung von Zahnmedizinern
tere Bevorzugung geknüpft sind. Bei solchen wird künftig die Prävention, also Vorsor-
Vergehen drohen den Heilberuflern jetzt bis ge und Zahnerhaltung, stärker in den Vor-
zu drei Jahre Haft und in besonders schwe- dergrund gerückt. Restaurative Studienin-
ren Fällen von Bestechung oder Bestechlich- halte erhalten ebenfalls mehr Gewicht. Da-
keit können auch bis zu fünf Jahre Gefängnis mit wird der inzwischen stark verbesser-
verhängt werden. Da es sich außerdem um ein ten Mundgesundheit Rechnung getragen,
sogenanntes Offizialdelikt handelt, kann die die eine Verschiebung des Behandlungs-
Staatsanwaltschaft eine Tat auch ohne vorheri- bedarfs von Zahnersatz hin zur Zahnerhal-
gen Strafantrag verfolgen. Bestraft werden so- tung/Prävention zur Folge hat.
wohl der Heilberufler, der sich bestechen lässt, ► Bereits ins Studium integriert wird künftig
als auch derjenige, der besticht. der Erwerb des Fachkundenachweises im
► Approbationsordnung für Zahnärzte (Ap- Strahlenschutz. Ebenfalls neu ins Zahnme-
pOZ): Am 7.6.2019 wurde eine neue Appro- dizinstudium aufgenommen wird der Quer-
bationsordnung für die Ausbildung und Zu- schnittsbereich „Wissenschaftliches Arbei-
lassung von Zahnmedizinern (ZApprO) verab- ten“, mit dem die Fähigkeit der Studieren-
schiedet. Diese vom Bundesrat beschlosse- den zum wissenschaftlichen Arbeiten ver-
ne Neufassung der Approbationsordnung für bessert werden soll.
die Ausbildung und Zulassung von Zahnme- ► Mit der Novellierung wurde außerdem die
dizinern (ZApprO) soll zwar am 1.10.2020 in Anerkennung ausländischer zahnmedizini-
Kraft treten, wird aber aufgrund der Corona- scher Abschlüsse bundeseinheitlich gere-
Pandemie für ein Jahr ausgesetzt. Die Neuord- gelt. Die Eignungs- und Kenntnisprüfung,
nung der Ausbildung von Zahnmedizinern gilt die ausländische Bewerber absolvieren
als längst überfällig. Schließlich wurde die al- müssen, wird sich künftig am Standard der
te, seit 64 Jahren unverändert geltende Re- deutschen zahnmedizinischen Staatsex-
gelung der medizintechnologischen Entwick- amensprüfung orientieren. Zudem erhalten
lung der letzten Jahrzehnte und den moder- ausländische Bewerber künftig nur dann ei-
nen Erfordernissen der Berufsausübung längst ne Berufserlaubnis, wenn sie über die er-
nicht mehr gerecht. Dem wurde mit der neuen forderlichen deutschen Sprachkenntnisse
ZApprO nun Rechnung getragen. Neben den verfügen.
inhaltlichen Verbesserungen ist zu erwarten, ► Basistarif: Im Zuge des GKV-Wettbewerbs-
dass die beschlossene Verkleinerung der Lern- stärkungsgesetzes (siehe unten) wurde zum
gruppengröße positiv auf die Ausbildungsqua- 1.1.2009 ein neuer Basistarif eingeführt, den
lität wirkt. die Privaten Krankenversicherungen (PKV) al-
► Das Zahnmedizinstudium ist weiterhin als len bislang freiwillig in der GKV Versicherten
fünfjähriges universitäres Studium konzi- verpflichtend – d.h. mit Kontrahierungszwang
piert, das künftig wie folgt aufgebaut ist: – anbieten müssen. Die (zahn-)ärztlichen Leis-
Vorklinischer Studienabschnitt: 4 Semes- tungen im Basistarif entsprechen denen der
ter, Klinischer Studienabschnitt: 2 Semes- Gesetzlichen Krankenversicherungen, wobei
die Sicherstellung über die Kassen(zahn-)ärzt-
lichen Vereinigungen erfolgt. Damit haben die-

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Branchenreport Zahnärzte | Glossar

se Versicherten, ebenso wie gesetzlich Versi- alle Vertragszahnärzte die gleichen Rechte und
cherte, einen Anspruch auf eine (zahn-)ärztli- Pflichten bei der Behandlung von GKV-Patien-
che Versorgung, wobei sowohl für die privat- ten – egal bei welcher Kasse diese versichert
ärztliche Gebührenordnung (GOÄ) als auch die sind. Zum 5.2.2019 erfolgte dann eine weite-
privatzahnärztliche Gebührenordnung (GOZ) re Änderung des BMV-Z: Bislang durfte ein nie-
bestimmte Höchstsätze – unterhalb des Stan- dergelassener Zahnarzt maximal zwei ange-
dardtarifs – festgelegt werden. Wesentliche stellte Zahnärzte beschäftigen. Diese Ober-
gesetzliche Regelungen zum Basistarif finden grenze wurde nun angehoben. Seit Februar
sich seit dem 1.1.2016 in § 152 Versicherungs- können bis zu drei, in begründeten Fällen so-
aufsichtsgesetz (VAG). gar vier Zahnärzte in Vollzeit angestellt wer-
► Bedarfsplanung: Im Bereich der vertragszahn- den, bei Teilzeitbeschäftigung entsprechend
ärztlichen Versorgung findet auf gesetzlicher mehr.
Grundlage eine Bedarfsplanung statt, für de- ► DAJ: Die deutsche Arbeitsgemeinschaft für Ju-
ren Umsetzung in jedem KZV-Bereich ein Be- gendzahnpflege führt seit 1994 Querschnitts-
darfsplan aufzustellen ist. Ziel ist es, eine be- studien zur oralen Zahngesundheit in den Al-
darfsgerechte und gleichmäßige zahnärztliche tersgruppen der 6- und 7-Jährigen und der 12-
Versorgung in zumutbarer Entfernung, unter bis 15-Jährigen durch, die in Deutschland zur
Berücksichtigung des jeweiligen Standes der Schule gehen. In der sechsten DAJ-Studie zeig-
zahnmedizinischen Wissenschaft und Tech- te sich erneut eine deutliche Verbesserung der
nik, zur Verfügung zu stellen. Ergänzend hierzu Zahngesundheit über alle Altersklassen, was
werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss der immer stärkeren Durchsetzung der Pro-
(G-BA) in den Bedarfsplanungsrichtlinien unter phylaxe sowie der Verbreitung von Fluoriden
anderem bestimmte Verhältniszahlen festge- im Speisesalz und in Zahnpasten zugeschrie-
setzt, die den allgemeinen bedarfsgerechten ben wird.
Versorgungsgrad in der zahnärztlichen Ver- ► DMF-T-Index: International gebräuchlicher In-
sorgung beschreiben. Allerdings gibt es ins- dex zur Messung des Kariesbefalls der Bevöl-
besondere bei einer Überversorgung nicht die kerung. Der Index gibt die Anzahl der kariösen
Konsequenzen wie im humanmedizinischen (D = Decayed), fehlenden (M = Missing) und
Bereich (Sperrung von Planungsbereichen). gefüllten (F = Filled) Zähne pro Person an, wo-
Gegenwärtig sind folgende Verhältniszahlen bei der maximale Wert 28 ist.
festgesetzt worden: ► DMS-Studien: Seit 1989 regelmäßig vom Insti-
► Zahl der Einwohner pro behandelnd täti- tut der Zahnärzte (IDZ) durchgeführte Studien
gem Zahnarzt zur Mundgesundheit der Bevölkerung. Seit Au-
► 1:1.280 in Stadtgebieten der Großstädte gust 2016 liegt DMS V vor.
► 1:1.680 in den übrigen Gebieten ► DVG: Zur Verbesserung der Versorgung
► (seit 20.3.2019) 1:4.000 für die kieferortho- durch Digitalisierung und Innovation ist am
pädische Versorgung, bezogen auf die Be- 19.12.2019 das Digitale-Versorgungs-Gesetz
völkerungsgruppe der 0- bis 18-Jährigen. (DVG) in Kraft getreten. Mit dem DVG soll eine
► Bundesmantelvertrag Zahnärzte: Die Kassen- zügige und möglichst niederschwellige Inte-
zahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und gration von neuen digitalen Lösungen in die
der Spitzenverband der Gesetzlichen Kranken- Regelversorgung stattfinden. Der Fokus liegt
versicherungen (GKV-Spitzenverband) haben hierbei auf der Bereitstellung einer hochwer-
sich auf einen neuen Bundesmantelvertrag – tigen wirtschaftlichen, medizinischen sowie
Zahnärzte (BMV-Z) geeinigt, der zum 1.7.2018 pflegerischen Versorgung.
in Kraft getreten ist. Damit gelten nun bun- ► Elektronische Gesundheitskarte (eGK): Mit
deseinheitliche rechtliche Rahmenbedingun- der Einführung der elektronischen Gesund-
gen für die Versorgung von gesetzlich kran- heitskarte ist 2015 die Basis geschaffen wor-
kenversicherten Patienten. Bislang galten für den für die digitale Kommunikation und Ver-
die Bereiche der Primär- und Ersatzkassen un- netzung im Gesundheitswesen. Verschlüsse-
terschiedliche Regelungen, die nun durch den lungsgeräte (Konnektoren) für den sicheren
neuen BMV-Z ersetzt werden. Nun gelten für Datentransfer sorgen für die Onlineanbindung

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der Praxis-IT über ein hochsicheres Netzwerk Implantologie) grundsätzlich seitens der GKV
mit dem Internet und ermöglichen dadurch ei- nicht bezuschusst wurden.
ne sichere elektronische Kommunikation zwi- ► Fissur: Einschnitt, Furche; hier die Furchen in
schen Ärzten, Krankenhäusern, Apotheken und der Kaufläche der Backen- und Mahlzähne.
Patienten. Die elektronische Gesundheitskarte ► Früherkennungsuntersuchungen, zahnärzt-
dient dabei als Zugangsschlüssel für den Pati- liche: Gesetzlich krankenversicherte Kleinkin-
enten und ermöglicht die elektronische Über- der zwischen dem 6. und dem vollendeten 33.
mittlung von Arztbriefen, Arzneimittelpässen, Lebensmonat können seit dem 1.6.2019 drei
digitalen Rezepten und Röntgenbildern oder zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen
von Notfalldaten. Die Praxen müssen sich mit in Anspruch nehmen. Damit stehen nun auch
einem elektronischen Praxisausweis in Form für Kinder unter drei Jahren zahnmedizinische
einer Chip-Karte einloggen. In Verbindung mit Präventionsangebote zur Verfügung. Die neu-
dem elektronischen Zahnarztausweis unter- en Früherkennungsuntersuchungen und Fluo-
stützt der Konnektor auch die Erzeugung und ridierungsmaßnahmen wurden in den Einheit-
Prüfung einer elektronischen Signatur. Techni- lichen Bewertungsmaßstab für zahnärztliche
sche Voraussetzung ist zudem ein Kartenlese- Leistungen (BEMA) aufgenommen.
terminal in Verbindung mit der erforderlichen ► Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Der
Software. Seit dem 30.6.2019 müssen auch die G-BA ist das oberste Beschlussgremium der
Zahnärzte an die Telematikinfrastruktur (TI) an- gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte,
geschlossen sein. Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäu-
► Festzuschuss unter Berücksichtigung des ser und Krankenkassen in Deutschland. Er be-
Bonusheftes: Bei Vorlage des Bonusheftes, in stimmt in Form von Richtlinien den Leistungs-
dem die Zahnarztbesuche verzeichnet sind, er- katalog der GKV für rund 73 Mio. Versicherte
halten die Patienten einen erhöhten Zuschuss und legt damit fest, welche Leistungen der me-
von den Krankenkassen (5 Jahre lückenlos ge- dizinischen Versorgung von der GKV erstattet
führt: um 20%, 10 Jahre lückenlos geführt: um werden. Darüber hinaus beschließt der G-BA
30% erhöhter Festzuschuss). Maßnahmen der Qualitätssicherung für den
► Festzuschüsse bei gleich- und andersarti- ambulanten und stationären Bereich des Ge-
ger Versorgung: Die gleichartige Versorgung sundheitswesens.
beinhaltet die Regelversorgung und darüber ► Gesundheitsfonds: Mit seiner Einführung
hinaus noch zusätzliche Leistungen, die vom am 1.1.2009 wurde die Finanzierung der GKV
Zahnarzt als Mehrkosten über die GOZ abge- insofern neu geregelt, als die weiterhin ein-
rechnet werden. Die andersartige Versorgung kommensabhängigen Beiträge von Arbeitge-
(auch Direktabrechnungsfall) wird direkt zwi- bern und Arbeitnehmern nicht mehr direkt an
schen dem Zahnarzt und dem Patienten auf die einzelnen Krankenkassen, sondern an ei-
Basis der GOZ unter Abzug eines Festzuschus- ne neue zentrale Inkassostelle geleistet wer-
ses von der GKV abgerechnet. den. 2019 beträgt der allgemeine Beitragssatz
► Festzuschüsse zum Zahnersatz: Seit 1.1.2005 14,6%, von dem jeweils 7,3% der Arbeitgeber
gibt es befundorientierte Festzuschüsse zum und der Arbeitnehmer zu tragen haben. Den
Zahnersatz, d.h., es wird auf der Basis des einkommensabhängigen Zusatzbeitrag der
jeweiligen Befundes eine Regelversorgung Arbeitnehmer kann die Krankenkasse selbst
festgelegt, die vom Gesetzgeber seit dem festlegen. Der durchschnittliche Zusatzbei-
1.10.2020 mit 60% (bislang 50%) bezuschusst tragssatz in der Gesetzlichen Krankenversi-
wird (= Festzuschuss). Wählt der Patient eine cherung wurde für das Jahr 2019 auf 0,9% ab-
höherwertige Versorgung, so erhält er weiter- gesenkt. Er ist eine Richtgröße für die Kran-
hin denselben Festzuschuss, jedoch steigt sein kenkassen bei der Festlegung ihrer individu-
Eigenanteil prozentual an. Therapiebezogene ellen Zusatzbeitragssätze. Der ermäßigte Bei-
Festzuschüsse gab es vorübergehend schon tragssatz liegt bei 14,0% und kommt bei Mit-
einmal im Jahr 1998, damals allerdings mit gliedern, die keinen Anspruch auf Kranken-
der Folge, dass einige Therapieformen (z.B. geld haben, zum Tragen. Auch ein steuerlicher
Anteil fließt in den Gesundheitsfonds ein. Je-

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de Krankenkasse erhält pro Versichertem eine sätzlich verändern sollte. Der für die Zahnärzte
einheitliche Grundpauschale sowie ergänzen- relevanteste Gesetzesbestandteil war der Weg-
de Zu- und Abschläge, je nach Alter, Geschlecht fall der Bedarfsplanung ab dem 1.4.2007. Seit-
und Krankheiten ihrer Versicherten. Durch die dem gelten für Zahnärzte keine Zulassungsbe-
Berücksichtigung schwerwiegender und kos- schränkungen wegen Über- oder Unterversor-
tenintensiver chronischer Krankheiten trägt gung mehr.
der Risikostrukturausgleich (RSA) dem unter- ► GOZ-Novelle: Seit 1.1.2012 ist die erste Än-
schiedlichen Versorgungsbedarf der Versicher- derung der Gebührenordnung für Zahnärzte
ten einer Krankenkasse Rechnung (Morbidi- (GOZ) seit 1988 in Kraft. Dabei hält die Bun-
täts-RSA). desregierung eine mit der neuen GOZ verbun-
► GKV-Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG): dene Honorarsteigerung von 6% für angemes-
Das Gesetz zur Verbesserung der Versorgungs- sen, was rund 345 Mio. € jährlich entspricht.
strukturen in der Gesetzlichen Krankenversi- Der Gesetzgeber hat zudem beschlossen, dass
cherung ist seit dem 1.1.2012 in Kraft. Laut die Bundesregierung die Auswirkungen der
BMG sollen damit die Voraussetzungen für neuen GOZ regelmäßig überprüft und dem
die künftige Sicherstellung einer flächende- Bundesrat darüber bis Mitte des Jahres 2015
ckenden wohnortnahen medizinischen Ver- einen Bericht erstattet. Sollte eine Honorar-
sorgung in ganz Deutschland geschaffen wer- steigerung über den geplanten Wert hinaus
den. Das neue Gesetz hat wesentliche Auswir- auftreten, ist mit Korrekturen nach unten zu
kungen auf den Bereich der vertragszahnärzt- rechnen. Die heftig umstrittene Öffnungsklau-
lichen Versorgung und ist insbesondere auch sel hat keinen Eingang in das Gesetz gefun-
als Strukturreform des zahnärztlichen Vergü- den. Die Privaten Krankenversicherer haben
tungssystems vorgesehen. Damit wird die im dadurch weiterhin keine Möglichkeit, die fest-
ärztlichen Bereich bereits vor Jahren erfolg- gesetzten Gebührensätze zu unterschreiten.
te Beendigung der strikten Budgetierung der Zwar ist das Gesetzgebungsverfahren inzwi-
Vergütungen nun auch bei der zahnärztlichen schen abgeschlossen. In der neuen GOZ sind
Versorgung vollzogen. Dies führt dazu, dass jedoch folgende wichtige Änderungen enthal-
Kassenzahnärztliche Vereinigungen und Kran- ten:
kenkassen künftig mit mehr Freiheiten die Ge- ► § 2: Abweichende Vereinbarung: Zukünftig
samtvergütungen für die vertragszahnärztli- dürfen weder eine abweichende Punktzahl
che Versorgung festlegen können. Das stärkt noch ein abweichender Punktwert verein-
die Selbstverwaltung. Mit dem Gesundheits- bart werden, d.h., dass nur noch der Steige-
strukturgesetz im Jahr 1993 wurden in der ver- rungssatz erhöht werden darf. Zudem dür-
tragszahnärztlichen Versorgung Budgets ein- fen Notfall- und akute Schmerzbehandlun-
geführt. Seitdem wird für jede Krankenkasse in gen nicht vom Abschluss einer Vergütungs-
jedem Bundesland eine jährliche Gesamtver- vereinbarung abhängig gemacht werden.
gütung für die vertragszahnärztlichen Leistun- ► § 10: Fälligkeit und Abrechnung der Vergü-
gen festgelegt. Diese Gesamtvergütung stellt tung, Rechnung: War bislang die zahnärzt-
für die Kasse eine Obergrenze ihrer Ausgaben liche Vergütung fällig, wenn eine der GOZ
dar (Budget). Das heißt: Werden mehr Leistun- entsprechende Rechnung erteilt worden
gen abgerufen, werden diese nicht bezahlt. Et- ist, muss ab dem 1.7.2012 ein Rechnungs-
wa 70% der Ausgaben der Gesetzlichen Kran- formular verwendet werden, das sich in der
kenversicherung für den zahnmedizinischen Anlage zur neuen GOZ befindet.
Sektor sind budgetiert. Nur die Bereiche Zahn- ► Neue Ziffer 1040: Professionelle Zahnrei-
ersatz und Individualprophylaxe für Kinder und nigung jetzt mit einer eigenen Gebühren-
Jugendliche sind davon ausgenommen. ziffer. Es dürfen 28 Punkte pro Zahn abge-
► GKV-WSG: Mit dem Gesetz zur Stärkung des
Wettbewerbs in der GKV wurde 2007 ein um-
fassendes Reformprojekt gestartet, das über
fünf Jahre angelegt ist und bis zum Jahr 2012
die Strukturen im Gesundheitswesen grund-

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rechnet werden, was bei einem 2,5-fachen bis August 2017 lief die aktuellste KiGGS-Wel-
Satz 3,60 € pro Zahn entspricht. le 2, die derzeit noch ausgewertet wird. Das
► Schmelz- und dentinadhäsive Seitenzahn- Ziel der Studie ist es, Daten zum Gesundheits-
füllung erhält ebenfalls eine Gebührenzif- zustand von Kindern, Jugendlichen und jun-
fer, was Analogberechnungen erspart. gen Erwachsenen zwischen 0 und 29 Jahren
► Auch das provisorische Inlay (aus Ziffer 219 bereitzustellen. Schwerpunkte von KiGGS-Wel-
werden Ziffern 2190, 2195 und 2197) sowie le 2 sind Gesundheitsstatus, Gesundheitsver-
die Wundverschlussplastik (Ziffer 3100) er- halten, Lebensbedingungen, Schutz- und Risi-
halten eine eigene Gebührenziffer. kofaktoren und Inanspruchnahme von Leistun-
► Heil- und Kostenplan (HKP): Der HKP ist ein gen des Gesundheitssystems.
Antragsformular, welches vom Zahnarzt aus- ► Kostenerstattung: Bereits seit 2004 haben Pa-
gefüllt werden muss, wenn bei GKV-Patienten tienten die Option, direkt (d.h. privat) mit dem
Zahnersatz geplant ist. Der HKP muss vor Be- Zahnarzt abzurechnen. Dabei erhalten sie – wie
ginn der zahnärztlichen Behandlung bei der ein Privatpatient – eine Rechnung nach GOZ
Krankenkasse eingereicht und von dieser ge- von ihrem Zahnarzt, die sie bezahlen und an-
nehmigt werden. Die Krankenkasse teilt mit ih- schließend zur Kostenerstattung bei ihrer GKV
rer Genehmigung auch die Höhe des Festzu- einreichen. Ziel des Gesetzgebers sind eine
schusses mit, sodass der Versicherte seinen Ei- größere Transparenz und ein erhöhtes Kosten-
genanteil ablesen kann. Zum 1.2.2016 haben bewusstsein. Für den Patienten kann der Weg
sich KZBV und der GKV-Spitzenverband darauf der Kostenerstattung einen Zugang zu moder-
verständigt, auf Heil- und Kostenplänen im Be- nen Therapien bedeuten, die er als Kassenpati-
reich Zahnersatz noch den voraussichtlichen ent sonst nicht bekäme. Für den Zahnarzt ent-
Herstellungsort bzw. das voraussichtliche Her- steht der Vorteil, dass die Behandlung nicht
stellungsland mit anzugeben. sein Budget belastet. Der Patient kann sich seit
► Honorarabrechnung (GOZ-Multiplikatoren Einführung des GKV-Finanzierungsgesetzes im
und Schwellenwerte): Bei den Werten der Januar 2011 von Quartal zu Quartal neu für die
GOZ handelt es sich nur um Grundwerte, die Kostenerstattung entscheiden (früher betrug
bei technischen Leistungen um das 1,8-Fa- die Bindungsfrist ein ganzes Jahr). Innerhalb
che (Multiplikator) und bei nichttechnischen des Quartals gilt das Prinzip der Kostenerstat-
Leistungen um das 2,3-Fache erhöht werden tung für alle (zahn)ärztlichen Behandlungen
(Schwellenwerte). Werden noch höhere Sätze des Patienten.
verrechnet, ist eine Begründung z.B. aufgrund ► Leitlinien: Leitlinien sind für Zahnärzte weder
der Schwere des Falles notwendig. rechtlich bindend noch haben sie haftungsbe-
► Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV), gründende oder haftungsbefreiende Wirkung.
Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung Allerdings sind sie als Orientierungshilfen im
(KZBV): Die zahnärztlichen Selbstverwaltungs- Sinne von Handlungs- und Entscheidungskor-
organe organisieren die Abrechnung, sorgen ridoren Instrumente der Qualitätssicherung
für die Einhaltung der vertragszahnärztlichen und des Qualitätsmanagements. Die Zahnärz-
Pflichten und sind zentrale Interessenvertre- teschaft sucht über das ZZQ (siehe unten) ei-
tungen der Zahnärzte. Seit 2005 gibt es 17 nen konsensorientierten Weg und stellt neue
Kassenzahnärztliche Vereinigungen (KZVen), Leitlinien zur öffentlichen Expertendiskussion
wobei diese mit Ausnahme der KZVen Nord- zunächst online zur Verfügung.
rhein und Westfalen-Lippe inzwischen mit den ► Medical Device Regulation (MDR): Die Euro-
Ländergrenzen übereinstimmen. Auf Bundes- päische Verordnung für Medizinprodukte trat
ebene fungiert die Kassenzahnärztliche Bun- am 25.5.2017 in Kraft und ersetzt (bis zum Ab-
desvereinigung in Berlin als zentrales Selbst- lauf der aufgrund der Corona-Pandemie um
verwaltungsorgan der Zahnärzte. ein Jahr verschobenen Übergangsfrist, die am
► Kavität: Hohlraum im Zahn. 26.5.2021 endet) die noch geltende Richtlinie
► KiGGS: Der Kinder- und Jugendgesundheits- über aktive implantierbare medizinische Gerä-
survey wurde erstmals von 2003 bis 2006 vom te (90/385/EWG). Die MDR gilt grundsätzlich
Robert-Koch-Institut durchgeführt. Von 2014 für alle Medizinprodukte, die in der Europäi-

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schen Union auf den Markt gebracht werden, nischen Versorgung möglich. Die Erbringung
auch für Sonderanfertigungen, wie zahntechni- telemedizinischer Leistungen ist nun nicht
sche Produkte. mehr von bestimmten Indikationen abhängig,
► Medikationsplan: Informiert über die medika- sondern liegt im Ermessen des (Zahn-)Arztes.
mentöse Behandlung eines Patienten. Mögli- Die schnittstellen- und sektorenübergreifende
che Wechselwirkungen können dadurch auch elektronische Kommunikation erfolgt nun nach
von weiteren an der Behandlung Beteiligten festgelegten Standards. Zudem wurden Koope-
erkannt und berücksichtigt werden. rationsverträge zwischen Pflegeeinrichtungen
► MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum): und Ärzten bzw. Zahnärzten und auch deren
In Deutschland vom Gesetzgeber im Zuge der Evaluation nun verpflichtend. Bislang wurden
Gesundheitsreform mit dem GKV-Modernisie- diese auf freiwilliger Basis abgeschlossen.
rungsgesetz vom 14.11.2003 eingeführte Ein- ► Prävalenz: Krankheitshäufigkeit, beschreibt,
richtung zur ambulanten medizinischen Ver- wie viele Menschen an einer bestimmten
sorgung. An einem MVZ können – im Gegen- Krankheit erkrankt sind.
satz zu Berufsausübungsgemeinschaften – ► Pulpa: Zahnmark, feinfaseriges, an Blutgefä-
beliebig viele angestellte Ärzte arbeiten. MVZ ßen und Nerven reiches Bindegewebe, das die
können in Form von Personengesellschaften, Pulpa-Höhle im Innern des Zahnes ausfüllt,
eingetragenen Genossenschaften oder Gesell- umgangssprachlich auch als „Zahnnerv“ be-
schaften mit beschränkter Haftung gegründet zeichnet.
werden. Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz ► Richtlinie über Maßnahmen zur Verhütung
vom 23.7.2015 wurde auch die Gründung von von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürf-
fachgruppengleichen MVZ ermöglicht. MVZ mit tigen und Menschen mit Behinderung: Am
nur einer Facharztgruppe, z.B. rein zahnärztli- 1.7.2018 trat mit der „Richtlinie über Maßnah-
che MVZ (zMVZ), sind seither möglich. men zur Verhütung von Zahnerkrankungen bei
► Parodont: Zahnhalteapparat. Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinde-
► Parodontalerkrankungen: Erkrankungen des rung“ eine weitere Verbesserung der zahnme-
Zahnhalteapparats. dizinischen Versorgung dieser Bevölkerungs-
► Pflegeneuausrichtungsgesetz (PNG): Mit In- gruppe in Kraft. Diesem Personenkreis stehen
krafttreten des Pflegeneuausrichtungsgeset- nun neue präventive Leistungen zu, wie bei-
zes (PNG) im Jahr 2014 wurden neue Leistun- spielsweise jährlich die Erhebung des Mund-
gen eingeführt, mit denen die Abrechnung von gesundheitsstatus und die Erstellung eines
Leistungen im Rahmen der aufsuchenden am- Mund- und Prothesenpflegeplans und halb-
bulanten (auch zahnmedizinischen) Versor- jährlich die Entfernung harter Zahnbeläge. Neu
gung von Pflegebedürftigen deutlich verbes- ist, dass nun auch das Pflegepersonal mit ein-
sert wurde. bezogen werden kann.
► Pflegepersonalstärkungsgesetz (PpSg): Mit ► Selektivvertrag: Durch das GKV-WSG wurden
dem am 1.1.2019 in Kraft getretenen PpSg auch neue Möglichkeiten geschaffen, die es
wurden nicht nur eine bessere Personalaus- den (zahn-)ärztlichen Leistungserbringern er-
stattung in Pflegeheimen und eine bessere möglichen, einen Versorgungsvertrag direkt
Vergütung der Pflegekräfte ermöglicht, auch mit der Krankenkasse abzuschließen (soge-
wurden verschiedene Maßnahmen beschlos- nannte Direkt- bzw. Selektivverträge). Da die
sen, die die ambulante ärztliche und zahnärzt- Kassen(zahn-)ärztlichen Vereinigungen – an-
liche Versorgung der Pflegebedürftigen ver- ders als bei Kollektivverträgen – in der Regel
bessern. So müssen beispielsweise Taxifahr- nicht mehr an den Verträgen beteiligt sind,
ten zur ambulanten Behandlung in einer Praxis geht der Sicherstellungsauftrag in Höhe der
von Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 3 nicht Direktvergütung auf die Krankenkassen über
mehr extra beantragt werden, sondern gel- und die K(Z)V-Vergütung der (Zahn-)Ärzte
ten mit der ärztlichen Verordnung als geneh- muss in dieser Höhe korrigiert werden. Aller-
migt. Telemedizinische Leistungen (Video- dings bieten inzwischen auch einige KZVen
sprechstunde, Videofallkonferenzen) sind nun Selektivverträge an, die allerdings eher – ana-
auch im Bereich der ambulanten zahnmedizi- log den ärztlichen Verträgen – Add-on-Charak-

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ter haben. Für bestimmte Leistungen (z.B. PAR, gen Abnahmeprüfung aufbewahrt werden.
KFO, ENDO, PZR) werden den sich einschrei- Deutlich verlängert wurde auch die Aufbe-
benden Patienten zusätzliche Leistungen an- wahrungsfrist für die Aufzeichnungen über
geboten. die Konstanzaufnahmen (zehn Jahre statt
► Strahlenschutzgesetz/Strahlenschutzver- bislang zwei Jahre nach Abschluss der Prü-
ordnung: Am 31.12.2018 traten das bereits fung).
2017 beschlossene Strahlenschutzgesetz ► Der Strahlenschutzverantwortliche muss
(StrlSchG) und die neue Strahlenschutzverord- dafür sorgen, dass ein Leitfaden für den
nung (StrlSchV) in Kraft. Diese wurden zur na- Strahlenschutz von Betreuungs- und Be-
tionalen Umsetzung der Europäischen Richtli- gleitpersonen erstellt wird. Diese müs-
nie 2013/59/Euratom notwendig. Für die Zahn- sen vor dem Betreten des Kontrollbereichs
ärzte bringen die neuen regulatorischen Vor- über mögliche Gefahren der Exposition
gaben folgende Änderungen: aufgeklärt werden. Zudem müssen die-
► Künftig ist eine neue Röntgenanlage spä- sen schriftliche Hinweise zur Verfügung
testens vier Wochen vor Inbetriebnahme gestellt werden. Die Arbeitsgemeinschaft
der zuständigen Behörde zu melden. Röntgenologie in der DGZMK erstellt hierzu
► Ein Strahlenschutzbeauftragter muss dann Musterformulare.
bestellt werden, wenn dies zur Gewährleis- ► Die zuständige Behörde wird künftig auch
tung des Strahlenschutzes bei der Tätig- bei zahnärztlichen Röntgeneinrichtungen
keit erforderlich ist. Im Bereich der Zahn- Vor-Ort-Prüfungen vornehmen. Bei DVT-
medizin wird dies in den meisten Bundes- Anlagen sind diese in einem sechsjähri-
ländern nicht für notwendig erachtet, da gen Abstand vorgeschrieben, bei anderen
sowohl der niedergelassene Zahnarzt als zahnärztlichen Röntgeneinrichtungen ist
auch die bei diesem angestellten Zahnärzte die Vor-Ort-Prüfung nicht vorgeschrieben –
fachkundig sind. Für Arbeitgeber ist die be- ob und wann geprüft wird, entscheidet hier
triebliche Kündigung eines Strahlenschutz- die zuständige Behörde.
beauftragten stark erschwert. ► Suprakonstruktion: Von einem Implantat ge-
► Die Verpflichtung zum Bereithalten, Anbie- tragene Krone, Brücke oder herausnehmbarer
ten oder Führen eines Röntgenpasses ent- Zahnersatz.
fällt. ► Telematikinfrastruktur (TI): Wie am 9.11.2018
► Werden Röntgeneinrichtungen durch meh- im Rahmen des PpSG beschlossen, müssen
rere Strahlenschutzverantwortliche eigen- auch Zahnarztpraxen spätestens seit dem
verantwortlich genutzt, müssen diese nun 30.6.2019 an die Telematikinfrastruktur (TI)
ihre Pflichten und die Pflichten der unter angeschlossen sein. Der Anschluss an die TI
ihrer Verantwortung tätigen Personen ver- ist Voraussetzung für die Nutzung der erwei-
traglich eindeutig festlegen und gegenein- terten Funktionen der elektronischen Gesund-
ander abgrenzen. heitskarte (eGK) und des sogenannten Versi-
► Falls regelmäßig mindestens eine Person chertenstammdatenmanagements (VSDM).
beschäftigt oder unter Aufsicht eines ande- Das VSDM prüft beim Einlesen der eGK in der
ren tätig ist, müssen vom Strahlenschutz- Praxis automatisch, ob der Versicherte noch
verantwortlichen die Gesetzestexte des bei der Krankenkasse versichert ist. Änderun-
StrlSchG und der StrlSchV zur Einsicht be- gen der Versichertendaten (wie z.B. Adresse,
reitgehalten werden. Dies ist auch elektro- Name) werden automatisch auf dem Chip der
nisch auf dem Praxisrechner als Datei oder eGK abgespeichert. Für die Nutzung werden
Link auf die entsprechenden Internet-Sei- folgende Komponenten und Dienste benötigt:
ten der BZÄK möglich, auf denen die Geset- ein elektronischer Praxisausweis mit PIN zur
zestexte hinterlegt sind. Registrierung und Anmeldung bei der TI, ein
► Die Aufzeichnungen über die Abnahmeprü- Kartenterminal zum Einlesen der Versicherten-
fung müssen für die Betriebsdauer, min- karte, ein Konnektor zur sicheren Verbindung
destens jedoch für drei Jahre (bisher zwei) der Praxis mit der TI sowie ein VPN-Zugangs-
nach Abschluss der nächsten vollständi- dienst, über den die gesicherte Verbindung

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zur TI hergestellt wird. Der Mehraufwand für suchung nicht automatisch zu Einbußen
die Einführung des elektronischen Medikati- beim Bonus führt.
onsplans (eMP) und des Notfalldatenmanage- ► Die Mehrkostenregelung bei zahnerhalten-
ments (NFDM) wird durch eine Zusatzpauscha- den Maßnahmen wird auf den kieferortho-
le von 60 € pro Kartenterminal abgegolten. Die pädischen Bereich ausgedehnt. Dies führt
Praxen erhalten beim Anschluss eine einmali- zu mehr Transparenz und bedeutet eine
ge eMP/NFDM-Pauschale von 530 € sowie ei- Stärkung der Patientenautonomie.
ne quartalsweise Betriebskostenpauschale in ► Künftig wird die Gründung von rein zahn-
Höhe von 4,50 €. Ab dem zweiten Quartal muss ärztlich tätigen MVZ durch Krankenhäuser
laut BZÄK je Praxis mindestens ein Zahnarzt ei- eingeschränkt. In Abhängigkeit vom Ver-
nen elektronischen Heilberufeausweis (eHBA) sorgungsgrad des jeweiligen Planungsbe-
besitzen, damit den folgenden medizinischen reichs werden Maximalquoten für zMVZ-
Anwendungen genutzt werden können: Gründungen durch Krankenhäuser einge-
► Speicherung von Medikationsplan und Not- führt.
falldaten (NFDM) auf der eGK (ab dem zwei- ► Verblendung: Überziehen einer Metallkrone
ten Quartal 2020) mit zahnfarbenem Kunststoff.
► eArztbrief-Erstellung (ab dem zweiten ► Versorgungsstärkungsgesetz: Am 11.6.2015
Quartal 2020) hat der Deutsche Bundestag das Gesetz zur
► eRezept (2021) Stärkung der Versorgung in der Gesetzlichen
► elektronische Arbeitsunfähigkeitsbeschei- Krankenversicherung (Versorgungsstärkungs-
nigung (eAU) (ab 2021) gesetz) verabschiedet. Das Gesetz zielt darauf
► elektronische Patientenakte 2.0 (ePA) (ab ab, auch in Zukunft eine gut erreichbare medi-
2022). zinische Versorgung der Patientinnen und Pa-
► Teleskopkrone: Zweiteilige Krone mit festsit- tienten auf hohem Niveau sicherzustellen. Die
zendem Teil am natürlichen Zahn und am her- Regelungen des Versorgungsstärkungsgeset-
ausnehmbaren Teil. Sie gilt als Verbindungs- zes im Einzelnen:61
element zum Kombinationszahnersatz. ► Das Gesetz gibt den Verantwortlichen vor
► Terminservice- und Versorgungsgesetz Ort mehr Möglichkeiten, stärkere Anreize
(TSVG): Zum 1.4.2019 ist das TSVG in Kraft ge- für eine Niederlassung in unterversorgten
treten. Kern des Gesetzes ist der Ausbau der oder strukturschwachen Gebieten zu set-
Terminservicestellen, mit deren Hilfe Patienten zen. Dazu wird die Einrichtung eines Struk-
schneller Termine bei Fachärzten bekommen turfonds zur Förderung der Niederlassung
sollen. Darüber hinaus beinhaltet das Gesetz erleichtert und die Fördermöglichkeiten
auch weitere Verbesserungen für die medizi- werden erweitert.
nische Versorgung von Patienten. Auch im Be- ► Zudem werden die Gründungsmöglich-
reich der zahnmedizinischen Versorgung ent- keiten für medizinische Versorgungszen-
hält es wichtige Regelungen und Weichenstel- tren weiterentwickelt. Kommunen können
lungen: durch Gründung eines medizinischen Ver-
► Mit der Abschaffung der Punktwertdegres- sorgungszentrums insbesondere in ländli-
sion für vertragszahnärztliche Leistungen chen Regionen aktiv die Versorgung mitge-
wird die Niederlassung in ländlichen und stalten.
strukturschwachen Gebieten gefördert. ► Ärzte sollen dort tätig sein, wo sie für eine
► Ab dem 1.10.2020 werden die Festzuschüs- gute Versorgung gebraucht werden. Künf-
se für Zahnersatz von 50 auf 60% erhöht. tig soll eine Praxis in einem überversorgten
Zeitgleich steigt auch der Bonus von 60 auf Gebiet nur dann nachbesetzt werden, wenn
65% bzw. bei vollständigem Bonusheft von dies für die Versorgung der Patienten auch
70 auf 75%. Die Bonusregelung bei Zahn- sinnvoll ist. Diese Einzelfallentscheidung
ersatz sieht zudem künftig vor, dass ein treffen Ärzte und Krankenkassen in den Zu-
einmaliges Versäumen der Vorsorgeunter- lassungsausschüssen vor Ort.
► Die Kassenärztlichen Vereinigungen wer-
den verpflichtet, Terminservicestellen ein-

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zurichten. Sie sollen Versicherten mit einer rechnen diese Fälle genauso wie herkömmli-
Überweisung innerhalb von vier Wochen ei- che innerbezirkliche Fälle gegenüber den Er-
nen Termin bei einem Facharzt vermitteln. satzkassen sowie den eigenen und fremden
► Das Krankenhaus-Entlassmanagement wird Primärkassen ab.
verbessert und strukturierte Behandlungs- ► Wahltarife: Das GKV-WSG hat ab dem 1.4.2007
programme werden ausgebaut. den Gesetzlichen Krankenkassen die Möglich-
► Für Erwachsene mit geistiger Behinderung keit eingeräumt, ihren Versicherten Wahltari-
oder schweren Mehrfachbehinderungen fe anzubieten. Pflichtversicherte und freiwillig
können medizinische Behandlungszentren Versicherte können jetzt meist aus verschiede-
eingerichtet werden. nen Selbstbehalts- und Prämientarifen wählen.
► Bei bestimmten mengenanfälligen planba- ► Wurzel(kanal)behandlung: Darunter versteht
ren Eingriffen erhalten Versicherte einen man das Eröffnen, das Präparieren, das Desin-
Anspruch auf die Einholung einer unabhän- fizieren sowie das Füllen und Verschließen des
gigen ärztlichen Zweitmeinung. Endodonts (Zahnwurzelkanal).
► Bei Leistungen der medizinischen Rehabili- ► Wurzelspitzenresektion: Chirurgisches Ab-
tation erhalten Versicherte mehr Wahlrech- trennen der potenziell erkrankten Zahnwurzel-
te. spitze.
► Pflegebedürftige, Menschen mit Behinde- ► Zahnreport: Die BARMER hat mit dem Zahnre-
rungen und Menschen mit eingeschränkter port 2020 am 28.5.2020 ihre aktuelle Studie
Alltagskompetenz erhalten Anspruch auf zur zahnärztlichen Versorgung veröffentlicht,
zusätzliche Leistungen zahnmedizinischer Schwerpunktthema war die Mundgesundheit
Prävention. von Kindern und Jugendlichen.
► Versicherte erhalten einen Anspruch auf ► Zusatzkrankenversicherung: Im Zuge der Ge-
Krankengeld schon von dem Tag an, an sundheitsreformen kommt es langfristig zu
dem die ärztliche Feststellung der Arbeits- Leistungsreduzierungen für die GKV-Versicher-
unfähigkeit erfolgt ist. ten, die über den Abschluss einer Privaten Zu-
► Zur Förderung von Innovationen in der Ver- satzkrankenversicherung kompensiert wer-
sorgung und von Versorgungsforschung den können. Diese können vor allem für die
wird ein Innovationsfonds beim Gemeinsa- stationäre Behandlung im Krankenhaus, für
men Bundesausschuss mit einem Volumen die Pflegeversicherung, ärztliche oder sonsti-
von 300 Mio. € jährlich – zunächst für die ge heilberufliche Leistungen (z.B. Heilprakti-
Jahre 2016 bis 2019 – eingerichtet. ker), insbesondere aber für den Zahnersatz ab-
► Vertragsarztrechtsänderungsgesetz geschlossen werden. Dabei lassen sich Zahn-
(VÄndG): Das zum 1.1.2007 in Kraft getretene ersatzversicherungen, die eine günstige Prä-
VÄndG bewirkt weitreichende Strukturverände- mie mit einem geringeren Eigenanteil kombi-
rungen im Rahmen der ambulanten vertrags- nieren, von Zahnzusatzversicherungen unter-
ärztlichen Versorgung. Erklärter Wille des Ge- scheiden. Letztere richten die Erstattung nach
setzgebers ist eine deutliche Verstärkung des dem Gesamtrechnungsbetrag für den Zahn-
Wettbewerbs unter den Leistungserbringern. ersatz aus und bieten meist auch noch zusätz-
Das VÄndG baut in großem Umfang bislang be- liche Leistungen, wie Inlays, Implantate, Pro-
stehende rechtliche Schranken ab, was einer- phylaxe und Kieferorthopädie. Erstattet wird –
seits zu erheblich mehr Flexibilität bei der Aus- bei hochwertigen Zusatzversicherungen – bis
übung des (zahn-)ärztlichen Berufes führt, an- zum 3,5-fachen GOZ-Satz.
dererseits aber auch die bislang bestehende, ► Zweigpraxen: Zur Verbesserung der lokalen
relativ große Existenzsicherheit eliminiert. ambulanten Versorgung können Zahnärzte seit
► Wahl-KZV: Bei überörtlichen zahnärztlichen dem 1.4.2007 im eigenen oder in einem ande-
Berufsausübungsgemeinschaften bleiben die ren KZV-Bezirk eine weitere Praxis eröffnen,
beteiligten Vertragsärzte Mitglieder ihrer KZV. wobei höchstens ein Drittel der Arbeitszeit des
Es wird allerdings einvernehmlich eine der Zahnarztes in der Zweigpraxis erbracht werden
KZVen von ihren Mitgliedern als Wahl-KZV für darf und es dadurch zu einer Verbesserung der
zwei Jahre bindend bestimmt. Die Wahl-KZVen Versorgung am Standort kommen muss.

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Branchenreport Zahnärzte | Glossar

► ZZQ: Die Zahnärztliche Zentralstelle Qualitäts- ► TI: Telematikinfrastruktur


sicherung ist eine gemeinsame Einrichtung ► TSVG: Terminservice- und Versorgungsgesetz
der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und der ► VÄndG: Vertragsarztrechtsänderungsgesetz
Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZ- ► VSDM: Versichertenstammdatenmanagement
BV). Sie wird als Stabsstelle des Instituts der ► ZE: Zahnersatz
Deutschen Zahnärzte (IDZ) geführt. Das ZZQ ► ZFA: Zahnmedizinische Fachangestellte/r (frü-
beschäftigt sich mit Fragestellungen der Struk- her: Zahnarzthelfer/in)
tur-, Prozess- und Ergebnisqualität im Rahmen ► ZMF: Zahnmedizinische/r Fachassistentin/in
der zahnärztlichen Versorgung. Ein Schwer- ► ZMP: Zahnmedizinische/r Prophylaxehelfer/in
punkt ist die Koordination von Leitlinien (siehe ► ZMV: Zahnmedizinische Verwaltungsassisten-
oben) zu diagnostischen und therapeutischen tin
Methoden im Rahmen der Zahnmedizin. ► zMVZ: Rein zahnärztliches Medizinisches Ver-
sorgungszentrum
Abkürzungsverzeichnis 61 Im Wortlaut der Pressemitteilung vom 11.6.2015 des
► AppOZ: Approbationsordnung für Zahnärzte Bundesministeriums für Gesundheit (gekürzt).

► BAG: Berufsausübungsgemeinschaft
► BBiG:Berufsbildungsgesetz
► BEMA: Bewertungsmaßstab zahnärztlicher
Leistungen
► BMV-Z: Bundesmantelvertrag Zahnärzte
► CRI: Creditreform-Risiko-Indikator
► DH: Dentalhygieniker/in
► DVG: Digitales-Versorgungs-Gesetz
► DVT: Digitaler Volumentomograf
► eAU: Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbe-
scheinigung
► eGK: Elektronische Gesundheitskarte
► eMP: Elektronischer Medikationsplan
► ePA: Elektronische Patientenakte
► eRezept: Elektronisches Rezept
► eZAA: Elektronischer Zahnarztausweis
► GKV: Gesetzliche Krankenversicherung
► GOZ: Gebührenordnung für Zahnärzte
► HKP: Heil- und Kostenplan
► HVM: Honorarverteilungsmaßstab
► IDZ: Institut der deutschen Zahnärzte
► IP: Individualprophylaxe
► KFO: Kieferorthopädie bzw. Kieferorthopäde
► KIM: Kommunikation im Medizinwesen
► KZ(B)V: Kassenzahnärztliche (Bundes-)Verei-
nigung
► MDR: Medical Device Regulation
► MFA: Medizinische Fachangestellte (früher:
Arzthelferin)
► MKG: Mund-Kiefer-Gesichtschirurg
► MVZ: Medizinisches Versorgungszentrum
► NFDM: Notfalldatenmanagement
► PAR: Parodontalbehandlung
► PKV: Private Krankenversicherung
► PpSG: Pflegepersonalstärkungsgesetz
► SGB V: Fünftes Sozialgesetzbuch

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