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Die Arbeitslosigkeit

Unter Arbeitslosigkeit versteht man in der Volkswirtschaftslehre das Fehlen von


erwerbsorientierten Beschäftigungsmöglichkeiten für einen Teil der arbeitsfähigen und beim
bestehenden Lohnniveau arbeitsbereiten Personen. Anders ausgedrückt: Das Angebot (an
Arbeitskräften) ist größer ist als die Nachfrage.
Der Arbeitslosenbegriff wird im Sozialgesetzbuch III weiter präzisiert. Dabei sind insbesondere
folgende Vorgaben wichtig:

 Altersabgrenzung
 Beschäftigungslosigkeit
 Arbeitsuche und Eigenbemühungen
 Verfügbarkeit
 Arbeitslosmeldung

In der deutschen Arbeitslosenstatistik werden nur diejenigen als arbeitslos registriert, die sich bei
der Agentur für Arbeit als Arbeitsuchende gemeldet haben, zwischen 15 und 64 Jahre alt sind,
keine Arbeit haben (oder weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten) und für eine
Arbeitsaufnahme sofort verfügbar sind. Wie hoch die (registrierte) Arbeitslosigkeit ist, zeigt die
Arbeitslosenquote. Sie wird folgendermaßen ermittelt: Zunächst werden alle als Arbeiterinnen
und Arbeiter, Angestellte oder Beamtinnen und Beamten Beschäftigten mit denjenigen
zusammengezählt, die sich als Arbeitsuchende gemeldet haben. Dann wird errechnet, wieviel
Prozent von dieser Summe die Arbeitslosen ausmachen.

Gründe
Grund für eine mangelnde Nachfrage nach Arbeitskräften kann die Jahreszeit sein, z.B. im
Baugewerbe der Winter (saisonale Arbeitslosigkeit). Arbeitslosigkeit kann auch darauf beruhen,
dass vorübergehend Absatzschwierigkeiten in einer bestimmten Branche, z.B. in der
Automobilindustrie, auftreten (konjunkturelle Arbeitslosigkeit), oder auch damit, dass die
Bedeutung ganzer Wirtschaftszweige zurückgeht, wie z.B. Bergbau und Schwerindustrie
(strukturelle Arbeitslosigkeit).
Arbeitslosigkeit kann ferner entstehen, wenn Arbeitsplätze aus Deutschland ins Ausland
verlagert werden, weil dort niedrigere Löhne gezahlt werden. Schließlich vernichtet der
technische Fortschritt laufend Arbeitsplätze - das war schon immer so. Seit der Industrialisierung
im 19. Jahrhundert werden immer mehr Arbeiten von Maschinen verrichtet, für die zuvor
Menschen benötigt wurden. In der Landwirtschaft (z.B. Mähmaschinen), in der
Industrieproduktion (z.B. Roboter), inzwischen auch schon bei den Dienstleistungen (z.B.
Computer oder Geldautomat).
Die Aufnahme von arbeitslos Gewordenen durch neue Wirtschaftszweige wird heute nämlich
immer schwieriger. Die neuen Arbeitsplätze im Computer-, Informations- und
Kommunikationsbereich stellen komplizierte Anforderungen. Wer nur wenig qualifiziert ist,
kann sie nicht mehr erfüllen.
Folgen der Arbeitslosigkeit
Ökonomische Auswirkungen

Hohe Arbeitslosigkeit kann die politische Stabilität eines Landes und seiner Gesellschaft


vermindern. Negative Einflüsse sind u. a. zunehmende Sozialkosten und dadurch höherer
Steuerdruck, teilweise abnehmende Solidarität der Gesellschafts- und Bildungsschichten und
gewisser Zuwachs für politischen Extremismus.

Psychosoziale Auswirkungen

Mögliche individuelle Folgen der Arbeitslosigkeit, insbesondere der Langzeitarbeitslosigkeit,


sind psychische und gesundheitliche Probleme, Entqualifizierung (Entwertung der bisher
erlangten Qualifizierung), gesellschaftlich-kulturelle Isolation und Verarmung. In vielen Fällen
wirkt sich das auch auf die folgenden Generationen aus, denn die Kinder von Arbeitslosen haben
schlechtere Chancen geistig und körperlich gesund aufzuwachsen.

Die Auswertung aktueller Krankenkassendaten zeigt:

 Arbeitslose Männer verbringen mehr als doppelt so viele Tage im Krankenhaus wie
berufstätige Männer.
 Arbeitslose Frauen verbringen 1,7-mal so viele Tage im Krankenhaus wie berufstätige
Frauen.
 Die Sterblichkeit steigt kontinuierlich in Abhängigkeit von der vorausgehenden
Arbeitslosigkeitsdauer.
 Es wurden Hinweise darauf gefunden, dass Arbeitslosigkeit ursächliche Auswirkungen
auf die Entwicklung schwerer Krankheiten hat.